Wencke

Bahnschranken-Talk - Heute: Wencke
An der geschlossenen Bahnschranke stehen eine junge Mutter und ihr kleiner Sohn, den sie gerade vom Kindergarten abgeholt hat.
„Wie war es denn heute?“
„Gut.“
„Was habt ihr denn gemacht?“
„Nix weiter.“
„War das neue Mädchen auch wieder da?“
„Die heißt Wencke.“
„Aha, Wencke. War sie denn da? Die fandest du doch letzte Woche sehr nett …“
„Ja, wir haben ganz schön zusammen gespielt.“
(Haben Sie es auch schon einmal bemerkt? Schön zusammen gespielt heißt bei Kindern es war interessant, unterhaltsam, klasse, spaßig etc. Schön spielen bei Erwachsenen bedeutet eher es geht leise, friedlich, ohne Dramen und Kloppe etc. zu.)
„Das ist ja fein.“
Pause.
„Soll Wencke denn vielleicht mal nachmittags zu dir zum Spielen kommen?“
„Au ja! Aber am Nachmittag, da ist dann doch gar nicht mehr so lange Zeit …“
Pause.
„Mama, kann Wencke nicht mal am Wochenende kommen? Den ganzen Tag?“
„Na ja, wenn sie das auch will …“
„Doch, sie will bestimmt! Wir haben schon mal geredet wegen sowas.“
(Der Junge ist fix.)
„Also gut, von mir aus.“
Pause.
„Mit Übernachten, Mama? Bitte! Mit Übernachten!“
„Also weißt du …“
(Wie kommt man da jetzt wieder raus.)
„Ich muss das mal mit Papa besprechen.“
(Gerettet.)
„Oder Mama, sie könnte doch auch mit uns in den Urlaub fahren!“
(Denkste! Gib den kleinen Finger … etc.)
„Sag ja! Bitte!“
Der Zug kommt.
„Oh, guck mal, Jan, eine ganz neue Lok!“
(Ablenkung ist immer gut).
„Mama, die Wencke mag Züge auch …“
(Es bleibt schwierig.)

Ich genieße solche Unterhaltungen. Leider trennten sich danach unsere Wege.

©September 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com

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  1. #1 von twilight am 01/09/2014 - 16:35

    Schön! Einfach nur schon, solche Szenen!

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    • #2 von ladyfromhamburg am 02/09/2014 - 14:27

      Finde ich auch! Erinnert mich dann meist sofort sehr an die Zeit, als der eigene Nachwuchs in dieser Art losplauderte. ^^

      LG Michèle

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  2. #3 von marliesgierls am 01/09/2014 - 16:56

    Ja die Kinder sprechen frei aus, was sie möchten, nicht um den heißen Brei, von hinten durch die Blume…. nein präzise: das will ich. Schade, dass wir das im Alter verlernen und uns wundern, wenn keiner unsere Gedanken lesen kann und damit auch nicht unsere Wünsche erfüllen, denn wir trauen uns oft nicht sie laut zu formulieren.
    Einen schönen Wochenstart,
    liebe Grüße Marlies

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    • #4 von ladyfromhamburg am 02/09/2014 - 14:45

      FÜr einen Erwachsenen ist diese Direktheit heute nur in Maßen empfehlenswert. Von ihm wird eher erwartet, dass er sich diplomatisch vortastet. Direktes und dabei resolutes Wunschäußern wird leicht als überzogene, egoistische Forderung, als unangemessenes Vorpreschen (im Alleingang) angesehen.
      Es wäre schön, wenn die Deutlichkeit beim Erwachsenen nicht nachlassen würde, sie sich jedoch mit ein wenig Zurückhaltung paaren würde. Etwas mehr Umsicht, als ein Kind übrig hat, wäre vermutlich das, was den Unterschied machte. Ansonsten gebe ich dir völlig recht – wenn wir immer nur so schrecklich korrekt-nichtssagende Gummiband-Statements abgeben, wird keiner mehr aus dem eigentlichen Anliegen schlau.

      Auch dir einen schönen Start in die neue Woche, Marlies!
      LG Michèle

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  3. #5 von Silberdistel am 01/09/2014 - 20:17

    Ja, wer hat so etwas in der Art nicht auch schon mit den eigenen Kindern erlebt :-D Heute, wenn ich reiner Zuhörer bin, lächle ich auch nur still vor mich hin … und erinnere mich unter Umständen … wie wir z.B. zu einer Katze kamen *lach*
    Liebe Grüße von der Silberdistel

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    • #6 von ladyfromhamburg am 02/09/2014 - 14:47

      Wie ihr zu einer Katze gekommen seid …? Das interessiert mich jetzt aber brennend! :-))

      LG Michèle

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      • #7 von Silberdistel am 02/09/2014 - 19:36

        Vielleicht sollte ich mir einmal überlegen, ob ich das nicht in einem Post bringe :roll: Ich denke darüber nach ;-)
        LG auch an Dich

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      • #8 von ladyfromhamburg am 03/09/2014 - 21:53

        Bitte mach das, liebe Silberdistel! Es ist bestimmt einen Beitrag wert und sehr unterhaltsam!

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  4. #9 von kowkla123 am 02/09/2014 - 11:50

    ich liebe „Kindermund“, liebe Grüße, Klaus

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    • #10 von ladyfromhamburg am 02/09/2014 - 14:29

      Die haben sehr nette – und wenn man es mal ganz genau betrachtet – oft höchst logische Anmerkungen parat. ^^
      Lieben Gruß zurück, Klaus!

      Michèle

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  5. #11 von Fred Lang am 03/09/2014 - 11:05

    Diese Direktheit und Hartnäckigkeit beim Äußern von Wünschen erlebe ich gerade bei meinem jüngsten (2 1/2 J.) Enkel. Ablenkungsmanöver werden von ihm total ignoriert. Da ist Geduld angesagt, die ich als Vater nicht immer aufbringen konnte.
    Viele Grüße
    Fred

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    • #12 von ladyfromhamburg am 03/09/2014 - 22:00

      Mit 2 1/2 Jahren haben die Kleinen auch schon eine sehr genaue Vorstellung von dem, was sie wissen, machen, haben oder erreichen möchten. Fred, aus deiner (darf ich duzen?) Anmerkung lese ich, dass du jetzt als Großvater (im Gegensatz zu früher) mehr Zeit und Muße und auch Abgeklärtheit besitzt, um mit relativ viel Ausdauer und Geduld auf deinen kleinen Enkel einzugehen. Ich glaube, das fällt auch generell in der Phase als Großeltern leichter. Man weiß, dass man nicht die Verantwortung der Eltern hat und dass die Enkel meist auch nur begrenzte Zeit um einen herum sind. Das lässt einen doch sehr gelassen und ruhig bleiben. ^^
      Hat mich gefreut, hier ein neues Gesicht zu entdecken und ich danke für deinen Kommentar! Viel Freude weiterhin mit dem Kleinen!

      LG Michèle

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      • #13 von Fred Lang am 04/09/2014 - 07:08

        Klar darfst du mich duzen, Michèle. Was die von dir erwähnte Abgeklärtheit anbelangt, so war diese zu meiner Zeit als „berufstätiger Hausmann“ und Vater eines Zwillingpärchens nicht selten nur ein frommer Wunsch:
        http://www.fred-lang.de/altewebs/hausmann.htm

        Danke für guten Wünsche und liebe Grüße nach Hamburg aus dem ALTEN LAND!
        Fred

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      • #14 von ladyfromhamburg am 04/09/2014 - 22:24

        Danke schön für den Link zu deinem Text über die Doppelrolle, die du ausgefüllt hast, Fred. Das war hochinteressant zu lesen. Ich habe gerade einmal nachgerechnet, wie alt deine beiden jetzt sind. – Und nach der Lektüre kann ich mir vorstellen, dass es oft sehr anstrengend war und die Geduld irgendwann auch einmal erschöpft. Gerade wenn gleichzeitig dieser Zeitdruck herrschte.

        LG zurück ins Alte Land!
        Michèle

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  6. #15 von ernstblumenstein am 12/09/2014 - 09:20

    eine herrliche Unterhaltung, die uns wieder einmal zeigt, wie Kinder noch völlig frei und ohne Fesseln jeglicher Art erzählen können im Gegensatz zu uns Erwachsenen…
    Der Beitrag gefällt mir Michèle, hab Dank. Ernst

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    • #16 von ladyfromhamburg am 12/09/2014 - 18:40

      Freut mich, Ernst! Danke schön! Der Gedanke wird eben ebenso spontan wie er kam auch umgehend in (gleichlautende) Worte umgesetzt. Da wird nichts gefiltert und umgetextet oder abgemildert. ^^ Das kann einem als Elternteil in manchen Situationen dann einen beschleunigten Puls bescheren, wenn der Nachwuchs an der Ampel laut verkündet: „Der Mann neben uns hat aber eine doofe Hose an.“

      Lieben Gruß auch zurück an dich.
      Michèle

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      • #17 von ernstblumenstein am 13/09/2014 - 14:01

        lach, ich mag mich leider nicht mehr an solche Szenen, wenn es sie dann zu jener Zeit gegeben hat, erinnern. Meine KInder sind 40 resp. 44 Jahre alt. ;-) Salue Ernst

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