Am Tag, als das Meer verschwand …

Dort, wo ich lebe, existiert ein sonderbarer Ort. Er ist eigenartig, jedoch im positiven Sinn. Besonders eben.
Die Stelle liegt nicht weit entfernt, ich komme jedes Mal ganz automatisch auf dem Weg zum Sport daran vorbei. Eine Art Glückstreffer, denn es motiviert zusätzlich, dorthin aufzubrechen.

Kurz vor meinem Ziel biege ich in eine relativ schmale Nebenstraße ein, und dann passiert etwas Merkwürdiges: Von jetzt auf gleich übermannt mich das Gefühl, am Meer zu sein. Direkt am Strand!
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Am Meer (Ansteigender Weg zwischen bewachsenen Dünen hindurch)
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Würde ich Ihnen allerdings Aufnahmen der unmittelbaren Umgebung zeigen, könnten Sie sich vermutlich überhaupt nicht vorstellen, was zu diesem Eindruck führt. Ich selbst könnte es nicht!
Eine kurze Überlegung: Wenn Sie beschreiben sollten, was für Sie gedanklich mit „Meer“ einhergeht, welche Eindrücke Sie damit verbinden – wäre es vorrangig oder gar ausschließlich etwas, was Sie sehen können?

Ich bin mir ziemlich sicher, es tauchten auch Begriffe wie Wind, Rufe von Seevögeln, das Knattern und Flattern von Fahnen oder Segeln etc. auf – also Umstände bzw. Zustände, die durch Fühlen, Hören, vielleicht auch mittels Riechen erfasst werden.

Mein Fitnessstudio liegt in dieser Straße, die bis vor etwa drei Jahren noch durch ein älteres Gewerbegebiet mit vielen Kleinbetrieben führte. Dies ist mittlerweile abgerissen, nun entsteht hier ein Wohnviertel mit mehrge-
schossigen Häusern. Auf der einen Seite, dort, wo auch das Studio ebenerdig einzog, befindet sich entlang der Straße und weiter in die Tiefe gebaut ein erster Neubaukomplex mit bereits bezogenen Wohnungen, auf der gegenüberliegenden Seite wartet eine seit dem Abriss brachliegende Fläche darauf, dass es ihr an den Kragen geht. Dahinter wiederum ragen riesige Baukräne auf, zwischen denen bereits die Rohbauten des nächsten Bauabschnitts täglich ein Stück wachsen.

Bisher findet sich noch kein ausgesprochener Auslöser für Strandgefühle, oder …?

Nicht zu erkennen ist allerdings, dass außerhalb dieses Areals, nämlich hinter den fertiggestellten Neubauten – und zwar parallel dazu und nur einen Straßenzug weiter – der Mühlenteich liegt. Ein von einem Park eingerahmtes, größeres Gewässer, auf dem Wasservögel anzutreffen sind. Unter anderem wird er regelmäßig von Möwen besucht, und genau diese lieben ganz offensichtlich dieses von Baustellen eingerahmte Brachgelände.

Aus Sicht der Vögel ist das gut nachvollziehbar. Zum einen gibt es direkt daran angrenzend noch einen Flachdachbau aus dem Gebäudealtbestand mit ASIA-Lebensmittelmarkt und der gar nicht mal geringen Chance, Lebensmittelreste abzustauben. Nebenher lässt sich das Flachdach sogar als Brutplatz nutzen.
Zum anderen lockt auf dem leerstehenden, etwas sandigen Grundstück inzwischen durch Wildwuchs (Unkräuter, diverse Wildstauden) reges Insektentreiben, der Boden erwärmt sich schnell, ist aber dank des vorherrschenden Windes selten überhitzt. Es herrscht gute Sicht im Bodenbereich, allerdings hat eine Möwe dank hoher Ausguckmöglichkeiten (umstehende Neubauten und Kräne) dort ebenfalls einen exzellenten Über- und Weitblick. Die Thermik scheint genehm – ja, und das eigene Geschrei klingt hier besonders imposant und durchdringend!
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Verblühte Kratzdistel, wirkt wie eine verschrubbelte Frisur (strohfarben)

Auf der brachliegenden Fläche wachsen auch Kratzdisteln, die mit ihren lila Blüten, aber auch im verwelkt-verwuschelten Zustand sehr attraktiv wirken.

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Sobald ich den Beginn des Brachgeländes erreicht habe, verspüre ich immer den Drang, ab jetzt langsam mit geschlossenen Augen weiterzugehen. Es ist nicht viel los, der Zustand des Gehwegs ist mir mittlerweile wirklich vertraut. Insofern kann man es für einige Meter blind riskieren. Und es ist es wert! Denn es erhöht die Wirkung des Kommenden …

Die lokalen Umstände bringen es mit sich, dass sich Windschneisen entwickelt haben. Die Kombination aus längerer Häuserfront und Freifläche, der Wechsel zwischen einzelner höherer Bebauung und Baulücken, beides löst immer wieder verlässlich mittlere Turbulenzen aus.
Mit anderen Worten, es pustet, und wenn Sie dort entlanggehen, werden Sie garantiert von einer Windböe erfasst, während Ihnen gleichzeitig die Sonne auf die Haut brennt. Auf dem Gehweg, überhaupt in dieser Straße, gibt es keinen Schatten. Bäume wurden hier noch nicht wieder gepflanzt, das passiert – wenn überhaupt – wohl erst, wenn auch das Brachgelände verschwunden und bebaut ist und irgendwann sämtliche Arbeiten abgeschlossen sind.
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Möwen am Himmel (Blauer Himmel, wenige weiße Wölkchen und mehrere kreisende Möwen)

Die Möwen kreisen ….

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Sie brauchen keine zwei Sekunden zu warten, dann ertönt Möwengeschrei. Manchmal sind es die lang-
gezogenen Rufe eines einzelnen Vogels, der über einem seine Kreise zieht, manchmal diskutieren mehrere lautstark. Dann verteidigt eine Möwe mit Nachdruck ihren Lieblingsplatz auf dem Flachdach, das zweite Tier kreischt irgendwo empört vom Baukran herunter. Die jeweiligen Aufenthaltsorte lassen sich meist auch ohne Hinsehen ganz gut orten.

Wind, Sonne, Möwen  … Das Gefühl, sich am Meer zu befinden stellt sich prompt ein. Zuverlässig.

Mittlerweile ist auch das Fitnessstudio erreicht. Auf dem Vorplatz steht ein Werbebanner, festgemacht an
einer leicht flexiblen Metallstange, die senkrecht ausgerichtet ist und in einem Standfuß steckt. Der vertikal gespannte, hauchdünne Textilstreifen mit Aufdruck hat Flatterspielraum und knattert heftig im Wind.

Wie oft kam es mir in dem Moment vor, als befände ich mich auf einer jener Strandpromenaden an der Küste, die von hohen Masten mit wehenden, bunten Fahnen flankiert werden. Das Knattern des Werbebanners erinnerte an in unmittelbarer Nähe über den Wattboden bretternde Strandsegler, wenn es windstiller war und das Flattern entspannter ausfiel, sah man stattdessen vor dem inneren Auge Kite-Surfer vorbeigleiten.

Speziell wenn mehrere Möwen am Himmel flogen und intensiv krakeelten, fühlte ich mich hinübergebeamt auf eine der langen Seebrücken, die in manchen Ostsee-Seebädern zu finden sind. So hört es sich an, wenn man über die Holzplanken Richtung Meer hinausspaziert, die gefiederten Schreihälse entweder auf Brückenpfeilern oder Laternenpfählen oder fliegend  in entsprechender Höhe schräg über sich …

Ich liebe dieses Gefühl von Meer und Strand in der Nähe sehr.
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Möwen an der Seebrücke (eine landet auf hoch angebrachten gläsernen Lampenkugel, ein fliegt in ihrer Nähe)
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Stellen Sie sich vor, mir kamen die Möwen nun tatsächlich noch näher! An heißen Tagen steht – zumindest während der Anwesenheit der Sporttrainer – häufig die Eingangstür zum Studio weit auf, damit ein bisschen Luftzirkulation herrscht. In der vorletzten Woche erhielten wir völlig überraschend Besuch von einer erwachsenen Silbermöwe.
Das Tier war klammheimlich hineinmarschiert, hatte sich neben einer Trainierenden an deren Übungsstation aufgebaut und fand offenbar alles hochinteressant. Sie ließ sich nur mit Geduld und unter erheblichem Protest wieder hinauskomplimentieren.

Der nächste Zwischenfall ereignete sich vor ein paar Tagen. Diesmal hüpfte eine sehr junge Möwe herein. Erheblich auffälliger, da mit einigem Getöse. Sie krächzte heiser, und als sie merkte, sie findet nicht wieder hinaus, flatterte sie hektisch. Schimpfte dabei wie ein Rohrspatz.
In einem solchen Fall ist das Verhalten von Möwen nicht wesentlich anders als das von Bienen und anderen Fluginsekten, die in die Wohnung geraten sind. Sie fliegen immer wieder gegen die Scheibe und nehmen ein eingeklapptes Fenster (Spalt) daneben oder auch geöffnete Türen kaum wahr.
Genau so schien die Möwe in ihrer Aufregung keinen Blick für Fluchtalternativen zu haben, geschweige denn, sich daran zu erinnern, an welcher Stelle sie eingetreten war. Sie hatte eines der bis zum Boden reichenden Fenster auserwählt, hüpfte davor auf und ab und pochte wie ein Specht aufgebracht mit dem Schnabel ans Glas. Da musste man doch irgendwie rauskommen …

Es war absehbar, dass sie es nicht allein hinausschafften würde. So habe ich mir ein Handtuch genommen und sie entlang der Scheibe langsam in eine Ecke dirigiert. Sie stutzte, als es nicht weiterging, und in diesem Moment, in dem sie mit ihren noch gar nicht komplett ausgebildeten Flügeln einmal nicht so wild zappelte, legte ich ihr das Tuch übers Gefieder und griff vorsichtig mit beiden Händen zu.
Sie hat es mit sich machen lassen, blieb auch weitehin ruhig. Als ich sie vor mir auf Brusthöhe hielt, schaute sie mich nur sehr forschend an.
Machen Sie das eigentlich auch, dass Sie bei derartigen Aktionen (Rettung, Verarztung, Medikamente verabreichen etc.) zur Beruhigung mit gedämpfter Stimme einlullend etwas erzählen?  Ich glaube, ich sagte so etwas wie: „Ja, Kleine, alles gut …. Ich weiß, die Mama sieht anders aus …“
Gemeinsam marschierten wir hinüber zum Brachgelände, wo es wesentlich erträglicher war, als auf den heißen Platten vor dem Studio.
Sie wirkte unschlüssig, nachdem ich sie abgesetzt und das Handtuch entfernt hatte. Krächzte und rief. Ich hoffe, die Eltern kümmern sich noch ein bisschen um ihr Jungtier, das aber generell einen fitten und kräftigen Eindruck machte.
Ich setzte mein Training fort. Als ich danach das Studio verließ, war sie verschwunden.

Ein wenig wunderte ich mich, was die Möwen auf einmal anlockte, denn hohe Außentemperaturen bzw. offenstehende Türen hatten wir auch schon davor gehabt. Zuhause fiel mir plötzlich das aufblasbare Planschbecken ein, das seit Kurzem im Studio an einem Fenster in Eingangsnähe steht. Ein pinkfarbener Mini-Swimming-Pool in Flamingoform. Haben sich die Möwen von dem Plastikvogel täuschen und anziehen lassen?
Beim nächsten Training habe ich jedoch festgestellt, das Bassin steht so, dass von draußen nur minimal etwas vom unteren Rand erkennbar ist. Dort, wo die Flamingo-Attrappe aufragt, verhindert eine Milchglasscheibe den Einblick ins Studio.

Tja, nun … Wir werden wohl ohnehin keine weiteren Besuche beim Training erwarten können.  Als ich diese Woche in die Straße einbog, gab es kein Möwengeschrei mehr. Der Tag, an dem das Meer verschwand, war gekommen.

Die Baufahrzeuge sind angerückt, und mit ihrer Ankunft hat das letzte Stündlein des Brachgeländes geschlagen.
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Die Arbeiten auf dem Grundstück starten ... (Mühlenstieg).

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Das letzte Stück Baugrund wird vorbereitet .... (Brachfläche wird ausgehoben. Alte Kellermauern vom Vorgebäude entfernt.)e

Das letzte Stück Baugrund wird vorbereitet …. Oberirdisch war bereits geräumt, nun sind alte Fundamente und Mauerreste dran …)

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Die Möwen haben Reißaus genommen …
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Möwe nimmt Reißaus (tappst geduckt nach links)
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… und ich werde meine kleinen Aufenthalte am Meer vermissen.
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Sonnenuntergang am Strand von Graal-Müritz (mit Seebrücke)

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©by Michèle Legrand, August 2019
Michèle Legrand, Blog ->Michèle. Gedanken(sprünge)

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  1. #1 von siebeninseln am 03/08/2019 - 05:59

    Guten Morgen Michèle, wie schade um das schöne Fleckchen Erde. Und leider ist dies wohl nicht der einzige Fall, in dem wilde Natur durch uns Menschen umgewandelt wird. Gut, dass Du diese Veränderung durch menschlichen Eingriff hier einmal so gut mit Wort und Bildern dargestellt hast. Liebe Grüße nach Hamburg, Dagmar

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    • #2 von ladyfromhamburg am 04/08/2019 - 18:04

      Hallo Dagmar, gerade hier in der Stadt erleben wir es gefühlt zu viel, dass Grünbereiche (Naturbelassenes) zugunsten von Wohnraum schwindet. Man kan argumentieren, dass wir dringend neuen Wohnraum beschaffen müssen, doch ist es fragwürdig, ob jeder Fitzel Grün dafür aufgegeben werden sollte. Auch dann ist irgendwann Schluss mit dazugewonnener Baufläche – und gleichzeitig enorm viel Lebensqualität verloren gegangen ..
      Diese Ecke, von der ich hier schreibe, ist noch ziemlich positiv zu sehen. Wenig attraktives, teils sogar ungepflegtes Gewerbegebiet wurde aufgegeben (Betriebe zogen um), die Neubauprojekte Mühlenpark und Brauhausviertel sehen nicht zu hohe Gebäude vor und sind recht ansehnlich konzipiert. Dass sich nun die Zeit zwischen Abriss und Neubebauung an einer Stelle so lang hinzog, dass ein natürlicher Bewuchs auf der brachliegenden Fläche entstand und das Terrain von der Vogel- und Insektenwelt angenommen wurde, war wahrscheinlich so am Anfang gar nicht eingeplant.
      Schade um diesen Bereich, aber es ist tatsächlich eine Art Insel innerhalb des Ganzen, die in der Form keinen „Nutzen“ (für Menschen) darstellt, und auch dieser Grund wird anderweitig gebraucht.

      Ich schicke auch liebe Grüße zurück! Danke für deine Zeilen!
      Michèle

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  2. #3 von Ruhrköpfe am 03/08/2019 - 08:59

    Hallo Michèle, oh schade, klingt wie eine kleine Idylle für Mensch und Tier mitten in der Stadt. Und was wird aus deiner Laufrunde? Liebe Grüße, Annette

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    • #4 von ladyfromhamburg am 04/08/2019 - 18:15

      Hallo Annette, die Fläche war für diverse Vögel und auch Insekten sicher ein kleines Highlight und entsprechend beliebt. Auch die Anwohner der schon fertigen Häuser schauten mit Sicherheit lieber auf diese Fläche und hatten Sonne auf dem Balkon, als dass vor ihrer Nase nun auch noch wieder ein Gebäudekomplex hochgezogen wird. Aber die Pläne stehen und lagen aus. Es hat insofern keinen überrascht.
      Meine Laufrunde? Ich jogge nicht dort, es ist einfach mein Weg, um von daheim zu Fuß zum Fitnessstudio zu gelangen. Zum Joggen würde ich generell andere Strecken wählen, die entlang der „Wandse“ führen, durch baumbewachsenere Viertel oder die zum Teil durch kleine Gehölze führen. Ansonsten herrscht zu viel Verkehr und es wartet ausschließlich Beton und Asphalt als Laufboden. Also zu hohe Abgasbelastung und enorm anstrengend beim Laufen (f. d. Gelenke).

      Danke fürs Hereinschauen! Lieber Gruß nach Dortmund!
      Michèle

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      • #5 von Ruhrköpfe am 05/08/2019 - 08:32

        Hallo Michèle, ah, ok, das war für mich nicht so erkennbar. Danke für die Info und liebe Grüße Annette

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  3. #6 von Fred Lang am 03/08/2019 - 11:00

    Welch eine bezaubernde Idylle, Michèle. Auch wenn sie inzwischen leider verschwunden ist, hast du die Erinnerung für uns festhalten können. Hab‘ herzlichen Dank dafür!
    Liebe Grüße aus dem ALTEN LAND
    Fred

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    • #7 von ladyfromhamburg am 04/08/2019 - 18:28

      Hallo Fred! Ja, ich erinnere mich auch gern daran zurück. Ich habe einige der Möwen in dieser Woche nun plötzlich beim Vorbeigehen am Karstadt-Parkhaus wiedergetroffen. Das liegt nicht weit entfernt. Auch dort klingen ihre Rufe durchdringend und hallen lange nach. Sie kennen sich offensichtlich im Bereich Akustik etc. aus. ^^
      Vom obersten Parkdeck aus haben sie den Wochenmarkt prima im Blick. Sobald dort mittags abgebaut wird, stürzen sie sich auf die auf dem Boden liegenden Essensreste. Es gibt also mehrere Futterquellen in der Umgebung – wenn auch etwas „unnatürlicherer“ Art.
      Danke fürs Hinterlassen deiner Zeilen und einen lieben Gruß zurück ins Alte Land!
      Michèle

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  4. #8 von kowkla123 am 03/08/2019 - 12:30

    Tolle Idylle, liebe Micherlle, lass es dir gut gehen und bleib oder werde gesund, Klaus

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    • #9 von ladyfromhamburg am 04/08/2019 - 18:31

      Freut mich, wenn’s gefiel, Klaus, und danke für die guten Wünsche!
      Lieber Gruß zurück und ebenfalls gute Gesundheit!
      Michèle

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  5. #11 von Pit am 03/08/2019 - 19:04

    Schade, wenn der Ausblick auf’s Meer durch einen auf Wohnblocks ersetzt wird.

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    • #12 von ladyfromhamburg am 04/08/2019 - 18:38

      Ja, es ist schade. Man muss die Brachfläche vergessen, dann geht es.
      Es war letztendlich auch „nur“ ein Gefühl. Der empfundene Ausblick sozusagen. Meer und Strand waren ja nicht tatsächlich dort.

      Immerhin sind die Neubauten, soweit sie bisher entstanden und so wie sie auf den Plänen vorgestellt wurden, gar nicht mal so hässlich. Sobald alles fertig ist, die Baustellenspuren verschwunden sind und ein bisschen Grün wieder dabei ist, kann das – im Vergleich zum früheren Gewerbegebiet – ganz freundlich aussehen.

      Danke für deinen Kommentar! Gruß über den großen Teich – auch an das neue Kätzchen! ^^
      Michèle

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  6. #13 von wasserundeis am 04/08/2019 - 14:02

    Also wenn man so das erste Bild ansieht… Das könnte glatt ein Dünenübergang sein 🙂

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    • #14 von ladyfromhamburg am 04/08/2019 - 18:41

      War es auch! An der Ostseeküste in der Nähe von Graal-Müritz. So fühlte es sich in der Straße einfach an: als müsste man nur noch dort hinüber und – zack! – wäre man am Wasser.

      Lieber Gruß Richtung Nordsee!
      Michèle

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  7. #15 von notiznagel am 04/08/2019 - 16:59

    Hallo Michèle, erst an der Küsten und zum Schluss in der Brache, eine riesige Spanne von Eindrücken die du für uns in Worte gefasst hast. Angespannt gierig las ich deinen Beitrag.
    Es grüsst dich der Müller

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    • #16 von ladyfromhamburg am 04/08/2019 - 18:53

      Lieber Müller, freut mich sehr, deine Reaktion zu lesen! Ihr habt/hattet ja auch gerade jede Menge unterschiedlicher Eindrücke – und das Wasser in der Nähe! Lese immer eifrig mit – auch weil ich die Gegend so ein bisschen kenne. (Ich bin mit dem Lesen nur gerade ein wenig hinterher, da meine kleine Enkelin das komplette Wochenende hier war. Bin nun gespannt auf die Heuler!)

      Lieber Gruß auch zurück!
      Michèle

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  8. #17 von restless-roots am 05/08/2019 - 15:25

    Hallo liebe Michele,
    bis zur Mitte Deines Berichts hast Du es tatsaechlich geschafft, dass vor meinem inneren Auge die entspannte Szene der Kueste und des Meeres ablief und ich wirklich anders geatmet habe!

    Dann natuerlich der Ruck zurueck in die Wirklichkeit und den Alltag, der die Frage aufwirft, warum man nicht einfach mal diese Kleinode in der Stadt bleiben lassen kann?
    Ist es wirklich wirtschaftlich von so immenser Bedeutung, das ueberall alles dichtgebaut werden muss?
    Wir merken gar nicht mehr, wie sehr und diese kleinen Oasen guttun und fuer Mensch und Tier wichtig sind.

    Schade, dass dieser Ort nun dem Baulaerm und der Erweiterung der Asphaltwueste Platz machen musste und ich hoffe, dass Du Deinen „geistigen Spaziergang“ am Meer auch noch woanders machen kannst .

    Viele liebe Gruesse und bis bald wieder
    Manuela

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    • #18 von ladyfromhamburg am 05/08/2019 - 17:39

      Hallo Manuela, das Erhalten jeglicher Kleinode wird hier durch die extrem angespannte Wohnungssituation mehr und mehr vernachlässigt. Selbst dort, wo eigentlich ein Bebauungsplan anderes vorsieht, werden kurzerhand Planänderungen vorgenommen und dadurch Flächen mal eben umfunktioniert.
      Die Verdichtung mit weiteren höhergeschossigen Mehrfamilienhäusern in vorhandenen Wohnvierteln klaut auch sehr viele dieser kleinen noch existierenden Grünflächen (Innenhöfe, rückwärtige Gärten etc.), die Stadtbewohnern etwas Erholung bieten (straßenabgewandt, ruhiger, bessere Luft) und andererseits für das soziale Miteinander der dort lebenden Parteien enorm wichtig sind (Anlaufpunkt für Kontakt und Austausch).
      Wir sind langsam an einem Punkt angelangt, an dem man sich als Stadt ehrlicherweise eingestehen müsste, dass der Plan, weiterhin Wohnungen in dem Umfang zu bauen, wie der Zuzug erfolgt d. h. Hamburgs Bevölkerung wächst, erstens sowieso auf extem wackligen Füßen steht und zweitens automatisch damit einhergeht, dass die Lebensqualität der Bewohner massiv sinkt. Man gibt eigentlich all das auf, wofür Hamburg lange Zeit stand. Die Wohnungssituation ist mittlerweile ein Freibrief für alles – selbst wenn es sinnvollere Lösungsansätze gibt, die auch das Umland mehr als bisher einbeziehen.
      Aber genug davon.
      Ich werde ein anderes Eckchen finden, an dem vielleicht völlig andere, aber ebenso ungewöhnliche Gefühle hervorgerufen werden. Ich hatte das schon mal an einer Stelle mit einem ganz spezifischen Geruch, der mich immer an meine Grundschule erinnerte. Mir fielen dort auch plötzlich wieder die Namen ehemaliger Klassenkameraden ein, die lange im Gedächtnis verschüttet waren. Schon interessant, wie das Gehirn funktioniert.

      Ich habe mich gefreut, dich zu lesen, Manuela! Ein lieber Gruß nach Neuschottland – auch an Frank und Emmy!
      Michèle

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  9. #19 von yaaffandina am 06/08/2019 - 04:24

    Vielen Dank für diese spannende Reise und insbesondere hat mich deine kurzfristige Unterhaltung mit der Möve sehr beeindruckt. Ich bin selbst gerade von einer kurzen Reise nach Lake Placid zurückgekommen. Dort , auch wenn es kein echtes Meer war, doch die Stimmung und Gefühle von das sogenannte ´ MIRROR Lake ´ ist auch sehr eindrucksvoll. Auf jeden Fall, deine Beschreibung hat mich zum Teil zum Jahre 1974 zurückgebracht, als damals Neil Diamond sein Epich Film Jonathan Livingstone Seagull vorgestellt hat . Ja, selbst die Möven magen es auch nicht so sehr, wenn Mauern und Gebäuden an Stelle von Sand und Natur auftauchen. Ich mage es auch nicht. Von Adel aus USA, ganz herzlichen Dank für dein Eintrag .

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    • #20 von ladyfromhamburg am 06/08/2019 - 17:37

      Gern geschehen – und ich wiederum freue mich sehr über die Reaktion auf meinen Eintrag! Ich kann mir vorstellen, dass auch der Mirror Lake bereits dieses „Meergefühl“ auslöst.
      Adel, auch ich denke, wenn ich die Möwen höre oder beobachte, häufig an den Film. Hier hatte er den Titel: „Die Möwe Jonathan“. Die Geschichte, mit den Augen der Möwe gesehen, – und natürlich Neil Diamonds Musik dazu! – war damals schon beeindruckend. (Ich höre Neil Diamond und seine Songs sowieso und bis heute sehr gerne.)

      Die Möwen hier sind gerade dabei, ein Ausweichquartier zu suchen. Der Teich in der Nähe existiert zum Glück weiterhin, nun ihre favorisierten Orte, die sie tagsüber anfliegen, um Nahrung zu finden, die müssen sie ständig neu anpassen. Es wird immer schwieriger in der Stadt – auch hinsichtlich der Brutplätze.

      Danke noch einmal fürs Kommentieren und meine Gratulation zu den hervorragenden Deutschkenntnissen!
      Liebe Grüße
      Michèle

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  10. #21 von ernstblumenstein am 07/08/2019 - 10:40

    Guten Tag Michèle,
    herzlichen Dank Dir für den schönen und wie immer gekonnt geschriebenen Bericht über ‚ den Tag, als das Meer verschwand. ‚ Ich als Binnenländler empfand den Himmelsweg mit seinen seitlichen wie Macchia aussehenden Gräsern und Stauden als einen Dünenhügel, hinter dem hundert Meter weiter unten das Meer zum Baden einlädt. Brachland bedeutet für Flora und Fauna Natur, die leider prädestiniert ist, überbaut zu werden.
    Bei uns regnet es zum Glück immer noch. Unsere Natur braucht anhaltendes ‚Nass von oben‘, damit das Wasser tiefer in die Böden gelangen kann.
    Ein lieber Gruss nach Hamburg sendet dir Ernst

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    • #22 von ladyfromhamburg am 07/08/2019 - 22:43

      Hallo Ernst, danke fürs Hereinschauen und für deine Zeilen. Das Foto, von dem du sprichst, zeigt tatsächlich eine echte Dünenlandschaft bzw. den Übergang zum Meer. Ich habe es gewählt, da die Geräusche, der Wind und die Sonne genau solche Bilder in mir aufstiegen ließen. ^^
      Und bei euch regnet es so, dass es sich auch ein bisschen lohnt? Das ist gut, denn es ist überall dermaßen ausgetrocknet. Wir haben hier vereinzelt Regen. Auch mal einen kräftigen Schauer, aber erstaunlicherweise ist die Erde danach in kürzester Zeit wieder staubtrocken. Wie ein Schwamm sind Boden und Wurzeln, saugen alles gierig auf. Von oben strahlt kurz nach einem Guss wieder die Sonne. Die Restfeuchtigkeit verdampft/verdunstet, der Boden selbst ist warm wie eine Fußbodenheizung.
      Ich hoffe, deine Pflanzen im Garten erhalten (wie auch die Natur drumherum) noch ordentlich Nass und schätze, dass unter den Umständen dann deine Kiwis oder auch die Anpflanzungen in den Hochbeeten jubeln, ordentlich gedeihen und sicher einiges für dich zum Abernten bereithalten.

      Lieber Gruß auch zurück in den Aargau!
      Michèle

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  11. #23 von Roland Risch am 10/08/2019 - 00:13

    Hallo Michèle! Zu schade, wenn Dir das Meer abhanden gekommen ist. Ich bin Pfälzer, also Binnenländer, und habe deshalb eine natürliche Affinität zu den Meeren dieses Planeten, und zugleich übe ich mich in Bescheidenheit. Es reicht mir aus, wenn ich am Lühe-Anleger am Deich sitze und „Schiffe gucken“ kann – sie bringen mir Grüsse aus aller Welt. Und wenns mehr braucht: Cux liegt um die Cux liegt um die Ecke.

    Wenn sich in mir die Emotionen mit den Erinnerungen paaren, sehe ich immer Weinberge, Wanderer und Hütten im Wald, wo sich Essen und Trinken auf angenehmste Weise mit Parlieren unter Gleichgesinnten verbinden lässt.
    Das Endergebnis ist das Gleiche wie bei Dir mit dem verschwundenen Meer. Leise Trauer um einen Verlust.
    Herzlich grüsst
    Roland

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    • #24 von ladyfromhamburg am 10/08/2019 - 22:59

      Lieber Roland, ich kann mir gut vorstellen, wie einem gebürtigen Pfälzer in der Ferne doch gelegentlich ein bisschen Wehmut überkommt, wenn die Gedanken sich mit schönen Erinnerungen an die dortige Landschaft und besondere (ortstypische) Gegeben- und Gepflogenheiten beschäftigen. Wenn alte Bilder hochkommen.
      Hast du denn die Gelegenheit, hin und wieder deine alte Heimat zu besuchen?
      Andererseits scheint dir der Norden ohne Weinberge und mit seinen dafür speziellen Erkennungsmerkmalen (flaches Land, Schiffe, Fluss- und Meernähe) glücklicherweise auch zu gefallen. Wie schön!
      Tja, ich muss mir nun irgendwie einen neuen Ort suchen, an dem mir die Umgebung mittels Düften, Geräuschen oder sonstiger kleiner Tricks vorgaukelt, ich wäre eventuell am Meer – oder ganz woanders. Ich lasse mich überraschen.

      Vielen Dank fürs Hereinschauen und für den Kommentar! Hat mich gefreut, hier wieder ein neues Gesicht (einen neuen Leser) zu entdecken.
      LG auch zurück
      Michèle

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      • #25 von Roland Risch am 10/08/2019 - 23:56

        Liebe Michèle, ich vermute, ir alle sind bewusst oder unbewusst auf der Suche nach einem „Mare tranquillitatis“, einem Meer der Ruhe. Das ist jener Ort, wo sich die Seele wohlfühlt und regeneriert. Wie dieser Platz beschaffen ist, wird individuell bestimmt. Mein Mare ist einer der Elbsände stromabwärts von HH auf der Seite zum Hauptfahrwasser mit Blick auf Blankenese – für mich nun ebenso unerreichbar wie die Pfalz. Ich glaube, es ist die Qualität der Bindungen, die uns auch virtuell an solchen Orten festhalten lässt. Wer sucht, sollte also in seinem Inneren beginnen. Nur wer dort nichts findet, muss seine Phantasie bemühen.
        Gruss Roland

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  12. #26 von Sartenada am 13/08/2019 - 07:10

    Hello Michèle.

    Very interesting post. It seems that this happens everywhere. Even on the island where I live. By the seaside, on one corner of my island, there was also sea view, but now more than ten houses block the sea view and more are under construction. Thank You for this post.

    Best regards,
    Matti

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    • #27 von ladyfromhamburg am 17/08/2019 - 20:55

      Hello Matti, sorry for my rather late reaction. I have not been online for some days. It seems it’s not only a German development to build an enourmous number of new buildings within existing city districts and quarters. Sadly the little green lungs in between are shrinking alarmingly – as well as nice views.
      Thanks for your comment! I just noticed that you meanwhile published a new post! I will have a look as soon as possible!
      Have a nice Sunday! – Michèle

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  13. #28 von wholelottarosie am 17/08/2019 - 12:44

    Wie schade, dass immer wieder kleine Flecken grüne Idylle in den Städten aufgegeben werden.
    Überall werden großflächig ständig neue eng bebaute Wohn- und Gewerbesiedlungen errichtet.
    Selbst in Reihenhaussiedlungen werden mittlerweile die Gärten nicht mehr als Mini-Oasen mit dem Grün der Natur konzipiert, sondern mit dem tristen öden Grau der Steine, der Schotterflächen und des Betons dekoriert.. Ich sehe immer öfter Gärten, die sich komplett in Steinwüsten mit Gabionenzäunen verwandelt haben und in denen das Leben und die Natur keine Chance mehr haben. Ich erinnere mich an alte grüne, idyllische Nutzgärten, die mit Blumenbeeten, Obstbäumen und Gemüsebeeten nicht nur der Selbstversorgung dienten, sondern auch der Erholung und des Beisammenseins. Dieses Konzept hat, so scheint mir, ausgedient., hat hier ausgedient.

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    • #29 von ladyfromhamburg am 17/08/2019 - 21:53

      Hallo Rosie, die Veränderungen, die du beschreibst, beobachte ich auch häufig. Diese Verdichtung im Bestand, um neuen Wohnraum zu schaffen, wird mittlerweile bundesweit intensiv in den gefragten Regionen und überall dort, wo generell erhöhter Wohnraumbedarf besteht, betrieben. Der verfügbare Platz ist dort extrem beschränkt – und doch gibt es anderenorts Gegenden, wo Leerstand herrscht, weil die Leute wegen fehlender Versorgung oder in Ermangelung von Arbeitsplätzen wegziehen. Schade, dass sich das nicht anders lenken lässt und die betreffende Region stattdessen wirtschaftlich gefördert wird. Investitionen, Fördermaßnahmen, Aufbauprogramme, Neuansiedlung von Unternehmen, Gewerbe … Läden, Schulen, Ärzte, was auch immer dazugehört.

      Aber gerade auch dieses komplette Zupflastern von (durchaus auch privaten) Vorgärten, das Weglassen jeglicher Sträucher oder Stauden ist grausig. Bäume pflanzen geht offenbar gar nicht, die könnten womöglich irgendwann einen Balkon beschatten … und dann das Laub im Herbst. Drama.

      Ich hatte das Gefühl, dass jetzt Jüngere wieder Interesse an dem Prinzip der Kleingärten entwickeln. Sich eine Parzelle pachten, einen Nutzgarten anlegen, selbst ernten. Doch was macht z. B. Hamburg? Krallt sich mehr und mehr auch diese Grundstücke für den Wohnungsbau und hat keine Ausgleichsflächen anzubieten. Abgesehen davon, dass viele entferntere Örtlichkeiten gar nicht erreichen könnten. Alles sehr schade.

      Danke für deine Gedanken dazu! Liebe Grüße hinunter ins Bergische Land!
      LG Michèle

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