Archiv für die Kategorie Garten: Loki-Schmidt-Garten (Botanischer Garten) Klein Flottbek

Unverwüstlich … Winter im Botanischen Garten

Euphorisch! Doch, doch, es löst Euphorie aus. Erging es Ihnen auch so? Ich fühlte mich wie eine Mischung aus Popeye und Dornröschen. Nach einer Portion Spinat bzw. dem Kuss. Ich hätte auf einmal Bäume ausreißen können, sprühte förmlich vor Elan, und auch wenn nicht viel über ihren Gemütszustand nach dem Wecken bekannt ist, ich vermute, so ähnlich muss sich unser dauerschlafendes Dornröschen nach dem Prinzenkuss gefühlt haben. Zum Leben wiedererweckt! Die Rückkehr des Lichts, als nach 100 Jahren die düstere, hohe Rankenhecke in sich zusammenfiel!

Nach fast ebenso langer Zeit wurden wir im Norden letzte Woche endlich wachgeküsst. Ohne Prinz, doch das Grau, dieses trostlose Elend hatte sich verzogen! Stattdessen Sonnenschein gepaart mit einem unverschämt blauen Himmel. Mit einem Mal gab es wieder Raum nach oben und Sicht bis zum Horizont.
Der Sonnenuntergang am Donnerstag fiel besonders, ach, was sag ich, fiel spektakulär aus! Ein glühender Feuerball versank am Abendhimmel, links und rechts davon züngelten orangerote Flammen, die sich mit an-
sonsten zunehmender Dunkelheit mehr und mehr vom Hintergrund abhoben, bis – ja, bis der Lichtschalter komplett ausgeknipst wurde.

Da stehen Sie in der klaren, knackigen Luft – oder von mir aus bemerken Sie es auch beim Hinaussehen während der Autofahrt – seufzen haltlos, genussvoll wohlgemerkt, und kommen erstmal aus dem Schwärmen gar nicht heraus …

An einem dieser Sonnentage zog ich durch den Loki-Schmidt-Garten. Der Botanische Garten liegt in Hamburgs Westen, in Klein Flottbek, und Stammleser erinnern sich vielleicht an diese große Gartenanlage. Sie kam hier im Blog schon vor. (Bei Interesse finden Sie den entsprechenden Link am Ende des heutigen Posts.)
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Blaue Pyramide

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Blaue Pyramide

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Bei den Sumpfzypressen (Taxodium distichum) am überfrorenen Teich

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Bei den Sumpfzypressen (Taxodium distichum) am überfrorenen Teich

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Sumpfzypressen (Taxodium distichum) - Der Farn in Wartestellung ...

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Sumpfzypressen (Taxodium distichum) – Der Farn in Wartestellung …

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Der Sonnenschein gaukelte milderes Wetter vor, in Wirklichkeit war es jedoch frostig kalt. Ein Teil der Wege liegt zudem im Schatten. Den Temperaturunterschied merken Sie gewaltig!
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Überfroren ... Teich mit dünner Eisdecke, am Ufer Schilfreste und kleine Schneereste am Boden.

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Überfroren …

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Kalt am Boden .... Vertrocknete Gräser flach auf den Boden gedrückt, darauf Schneekristalle

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Kalt am Boden ….

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Frostig ... Breiterer, geschwungener Bachlauf, überfroren

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Frostig …

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Mich überrascht immer wieder, wie robust, wie unverwüstlich einige Pflanzen angesichts herrschender Minus-
grade sind. Pflanzen, denen man es überhaupt nicht zutrauen würde. Entweder, weil anderslautende und nicht sonderlich vertrauenserweckende Angaben zu ihrer Frosthärte kursieren, sie auf den Betrachter bereits optisch schutzbedürftig wirken oder deshalb, weil sie ursprünglich ganz woanders beheimatet sind. In anderen Klima-
zonen. In Regionen, in denen strenger Frost ein Fremdwort ist. Wir kennen bestimmte Pflanzen eher aus tro-
pischen Gewächshäusern. Eventuell steht daheim eine kleine Zuchtform als Zimmerpflanze auf der Fenster-
bank oder ist verhätschelter Wintergartenbewohner. Doch ganzjährig draußen?
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Palme trotzt Frostgraden ...

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Palme trotzt Frostgraden …

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Die Knospen legen zu an der Camellia japonica "Adolphe Audusson"

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Die Knospen legen kräftig zu an der Camellia japonica „Adolphe Audusson“

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Hätten Sie gedacht, dass es Kakteen gibt, die mit Schnee und Eis klarkommen? Diese Wüstenbewohner? Das ist doch immer das erste Bild, was uns spontan dazu einfällt.
Hier haben Sie eine Opuntia compressa syn. O. humifusa, den sogenannten zusammengedrückten oder niederliegenden Feigenkaktus, der in den USA nördlich bis über die Grenze hinüber auf kanadisches Terrain beheimatet ist. Er ist extrem robust und winterhart. Im Sommer zeigen sich recht hübsche Blüten; relativ groß und leuchtend gelb.
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Hamburg - Botanischer Garten Kl. Flottbek - Opuntia compressa syn. O. humifusa - Niederliegender Feigenkaktus im Schnee

Hamburg – Botanischer Garten Kl. Flottbek – Opuntia compressa syn. O. humifusa – Niederliegender Feigenkaktus

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Im englischsprachigen Raum nennt man ihn Eastern Prickly Pear Cactus. Sie wissen, prickly pear bedeutet so viel wie stachelige oder kratzige Birne. Es bezieht sich in dem Fall auf die rötliche Frucht, die sich nach der Blüte entwickelt. Sie ist essbar – und natürlich piksig und birnenförmig. Wir kennen sie unter dem Namen Kaktusfeige, ein Name, der leider im Kopf nicht sofort ein genauso eindeutiges Bild kreiert.
Im Englischen hat sich noch ein weiterer Name etabliert, der diesmal sehr plastisch Form und Oberfläche der Opuntia selbst beschreibt: Devil’s Tongue, Teufelszunge.
Klingt gefährlich, doch wer ein bisschen vorsichtig ist, kommt trotzdem unbeschadet an die Frucht und das Fruchtfleisch bzw.  an den Saft. Beides ist hilfreich, das Mark aufgetragen hilft bei Verletzungen, Schlangen-
bissen und sogar bei Rheuma, der Saft eliminiert Warzen. Zumindest früher bei den Indianern – und vielleicht ist die Anwendung dort heute noch üblich. Bei den Ureinwohnern, bei all jenen, die abgelegen leben oder z. B. der Schulmedizin allein nicht trauen. Oder wenn nach der Begegnung mit der Klapperschlange gerade nur der teuflische Kaktus zur Hand ist. So etwas kommt vor, kennt man ja …
Vielseitig, oder?
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Das kommende Foto zeigt die sehr ähnliche  Opuntia erinaea ssp. utahensis. Das ist jetzt die Wildart des Feigenkaktus Prickly Pear. Sie können hier recht gut noch die Überreste einzelner Früchte erkennen …
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Opuntia erinaea ssp. utahensins - Wildart des Feigenkaktus im Schnee

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Opuntia erinaea ssp. utahensins

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Genauso wie gelegentlich die Frosthärte verblüfft, erstaunt auch, wie weit Neuaustriebe schon gediehen sind! Frühblüher, ob die zahlreichen Zwiebelkollegen oder Stauden – ihre Spitzen und Triebe preschen förmlich aus dem Boden. Teils stehen sie sogar in Blüte  – ungeachtet der Temperaturen und unberührt von der monate-
langen lichtarmen Phase, die vorausging!
Nicht nur der Mensch, sondern vorweg hat offensichtlich vor allem die Natur ihre Frühlingsgefühle.
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Heideblüte (Erica x darleyensis), "George Rendall"

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Heideblüte (Erica x darleyensis), „George Rendall“

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Schneeglöckchen

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Schneeglöckchen

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Christrose in Blüte - Helleborus argutifolius, Korsische Nieswurz

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Christrose in Blüte – Helleborus argutifolius, Korsische Nieswurz

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Ein anspruchsloser, sehr früher Blüher, der Schatten verträgt und gerade mit Plätzen unter Bäumen erfreulich gut klarkommt, ist das Vorfrühlingsalpenveilchen. Es breitet sich über die Jahre zu schönen Teppichen aus und zeigt fröhlich Farbe, wenn sonst noch nichts blüht. Falls Sie mit Cyclamen coum Mill. liebäugeln, achten Sie auf einen leicht kalkhaltigen Boden, also nicht zu den Moorbeetpflanzen gesellen, bei denen naturgemäß ein saures Milieu herrscht.
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Rosa Teppich aus Vorfrühlingsalpenveilchen (Cyclamen coum Mill.)

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Rosa Teppich aus Vorfrühlingsalpenveilchen (Cyclamen coum Mill.)

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Dem Vorfrühlingsalpenveilchen (Cyclamen coum Mill.) macht altes Laub nichts aus

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Dem Vorfrühlingsalpenveilchen (Cyclamen coum Mill.) macht altes Laub nichts aus

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Während ich durchs Gelände strich, begegneten mir nicht nur hin und wieder andere Besucher, die warm eingepackt ihre Spazierrunde drehten, sondern ich stieß auch auf mehrere Gärtner, die selbst bei diesem Winterwetter Arbeiten erledigten. Es war starker Nachtfrost vorhergesagt und keine Schneedecke in Sicht. So wurden noch zusätzlich Vorkehrungen getroffen mit Nadelzweigen oder Planen zum Abdecken, und es lief mir zweimal jemand über den Weg, der nicht nur Zweige, sondern gleich mannshohe Tannenbäume anschleppte. Diese gefällten Exemplare werden hier im Botanischen Garten kurzerhand um empfindliche Pflanzenkandidaten herum gestellt. In Gruppen im Kreis, einzeln angelehnt, mit Leinen festgezurrt, das ist unterschiedlich.
Um Hochstammrosen, um nicht einheimische und daher eingeschränkt frostresistente, leicht „mimosenhafte“ Gehölze, ebenso um Immergrüne, die eine Schattierung brauchen, damit sie bei strahlender Wintersonne nicht austrocknen. Denn während oben Verdunstung stattfindet, kommt von unten durch den gefrorenen Boden kein Nachschub an Flüssigkeit, der die vorhandenen Blätter oder Nadeln versorgen könnte.
Praktische Sache, das mit den Tannenbäumen. Falls Sie einmal nicht wissen, wohin mit Ihrem Weihnachtsbaum, vielleicht könnte er noch als „Wärmflasche“ für einen Fröstelkandidaten in Ihrem Garten dienen.

Dieser Strauch hier benötigt offensichtlich keinen Extraschutz. Er kommt ursprünglich aus China, nennt sich Papierbusch (Edgeworthia tomentosa) und steht zum Februarbeginn gerade kurz vor der Blüte.
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Papierbusch (Edgeworthia tomentosa), chin.

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Papierbusch (Edgeworthia tomentosa), chin.

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Er zählt zu den Seidelbastgewächsen. Die kleinen weißen Laternchen oder Lampions, die Sie auf dem Foto erkennen, öffnen sich noch. Wie ein kleiner Duschkopf breitet sich jeweils ein Büschel mit weißlichen, röhrenförmigen Einzelblüten aus, die vorne an der Spitze gelb sind.
Sind die Blüten etwa fürs Papier …?
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Sich bald öffnende Blüten des Papierbuschs (Edgeworthia tomentosa), chin.

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Sich bald öffnende Blüten des Papierbuschs (Edgeworthia tomentosa), chin.

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Nein, für das sogenannte Japanpapier (das heißt trotz Chinaherkunft des Busches so) nimmt man die langen Bastfasern aus den Zweigen. Dazu werden die Zweige gedämpft und die Rinde entfernt. Die Fasern lassen
sich abschleißen (abspalten), werden längere Zeit in Sodaasche gekocht und anschließend mit dem Hammer bearbeitet. Voilà.
Falls Sie gerade überlegen, ob Sie selbst ein Exemplar im Garten pflanzen sollen oder nicht:
Der Busch sollte geschützt stehen. Mildere Winter machen ihm nichts aus. Da er sommer- und nicht immergrün ist, ist er weniger heikel bei Wintersonne und gleichzeitigem Frost. Ansonsten Wurzeln durch Laubdecke oder anderes Mulchmaterial schützen, bei Frostschäden am Holz notfalls zurückschneiden.
Der Papierbusch gehört zwar zu den Seidelbastgewächsen, bildet aber keine giftigen, verführerischen Früchte aus, die zum Verzehr verlocken könnten. Zeitig fliegende Nektarsammler (Hummeln, evtl. sogar Bienen) mögen die Blüten sehr, und es ist ein schöner Anblick zeitig im Jahr. Die Blätter treiben erst nach der Blüte aus.
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Die Sonne kitzelt und lockt. Der Lambertnuss (Corylus maxima) scheint es zu behagen …
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Corylus maxima (Lambertnuss)

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Corylus maxima (Lambertnuss)

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Die Magnolien zeigen Knospen im fortgeschrittenen Stadium …
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Knospen der Tulpenmagnolie – Magnolia soulangeana "Rustica Rubra"

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Knospen der Tulpenmagnolie – Magnolia soulangeana „Rustica Rubra“

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Die kühlen Farben des Winters haben durchaus ihren Reiz …
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Auch kühle Winterfarben haben Charme ...

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Auch kühle Winterfarben haben Charme …

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Was überaus herrlich blüht und im Vergleich zu den obigen kühlen Farbtönen wirklich warme, frühlingshafte Farben mitbringt, ist die Zaubernuss mit ihren unterschiedlichen Arten und Züchtungen. Wenn es nicht zu frostig ist – und speziell bei Sonnenschein – leuchten die vielen, sehr filigranen Blüten ganz besonders …
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Zaubernuss in Blüte

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Zaubernuss in Blüte – Hamamelis x intermedia

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Foto oben:
Hamamelis x intermedia „Aphrodite“ (rot), rechts außen Hamamelis x intermedia „Orange Beauty“.

Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Zaubernuss

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Zaubernuss

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Zaubernuss - Hamamelis x intermedia _Aphrodite_

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Zaubernuss – Hamamelis x intermedia „Aphrodite“

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Die Zaubernuss strahlt mit der Sonne um die Wette ... Hamamelis mollis Pallida und Brevipetala

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Die Zaubernuss strahlt mit der Sonne um die Wette …

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Foto oben:
Zwei Exemplare der Hamamelis mollis. Vorne im dem kräftigen, dunkleren Gelb die „Brevipetala“, hinten mit dem vergleichsweise hellen Gelb die „Pallida“
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Recht bizarr wirkt die sich gerade öffnende Blüte der Hamamelis Virginia (Virginische Zaubernuss) …
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Bizarr. Wenn die Blüte gerade loslegt - Hamamelis virginia (Virginische Zaubernuss)

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Bizarr … Wenn die Blüte gerade loslegt: Hamamelis virginia (Virginische Zaubernuss)

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Es gibt in einem Botanischen Garten ja nicht nur die Flora. Zahlreiche Vogelarten, Eichhörnchen, Eidechsen, Kaninchen und andere Nager, Frösche, Fische, Maulwürfe, Insekten, Schmetterlinge und vieles mehr sind in-
zwischen hier beheimatet. Man trifft einen Teil von ihnen auch im Winter an.
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Bachlauf

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Bachlauf

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Am großen Teich und entlang der kleinen Bachläufe haben u. a. ein paar Enten und Teichhühner ihren Platz gefunden. Über Nacht hat sich auf dem Wasser eine leichte Eisdecke gebildet. Das Teichhuhn kann heute trockenen Fußes hinüber ans andere Ufer …
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Teichhuhn spaziert auf dem gefrorenen Bachlauf

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Teichhuhn auf dem gefrorenen Bachlauf

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… unser Erpel hat offensichtlich erfolgreich Diät gehalten. Auch ihn trägt das dünne Eis – und er stellt fest, er kann seine Füße wieder sehen!
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Erpel auf dem Eis ..., sich putzend

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Erpel auf dem Eis …

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Es ist ein Genuss, hier einen Spaziergang zu machen. Nur momentan ist es eben – wie der Hamburger sagt – bannig frisch, und so soll es für heute reichen. Aus Erfahrung kann ich Ihnen sagen, das Aufwärmen danach dauert eine Weile!
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Farben des Winters ... Im Gegenlicht ein mannshohes Gras mit vielen Blütenbüscheln, durch die der Sonnenschein fällt

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Farben des Winters …

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Wir trennen uns für heute, doch gesellen Sie sich gern beim nächsten Mal wieder hinzu. Es würde mich freuen!
Oder Sie besuchen in der Zwischenzeit den Botanischen Garten auf eigene Faust. Erzählen mir gern, was sich mittlerweile getan hat.
Das Areal ist gut erreichbar. Die S-Bahn (Station Klein Flottbek) hält quasi direkt gegenüber dem Eingang, rechts davon gibt es obendrein einen großen Parkplatz.
Eintritt wird nicht verlangt, Spenden sind jedoch willkommen.
Wie wär’s?
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Winter, schneefrei, aber kalt .... Blick über trockene Gräse und Stauden zu einem Pavillon im Hintergrund

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Winter, schneefrei, aber kalt ….

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Abschließend noch der Direktlink zu einem vorangegangenen Post, der den Loki-Schmidt-Garten im Spätsommer 2016 zeigt.
Prärie. Und einen Wüste mit „Kakteenen“ … – Unterwegs im Loki-Schmidt-Garten

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©by Michèle Legrand, Februar 2018
Michèle Legrand

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37 Kommentare

Prärie. Und eine Wüste mit „Kakteenen“ … Unterwegs im Loki-Schmidt-Garten, Hamburg

Als ich vor Jahren das allererste Mal den Botanischen Garten in Klein Flottbek (so hieß er zunächst)
besuchte, war ich reichlich verblüfft – und zwar über meine Reaktion! Enttäuschung! Völlig unerwartet.
Nanu, so soll …? DAS ist …? Dieser erste Eindruck … Soll man etwas darauf geben?
Sofort hurra, für immer klar oder unverzagt abgehakt? Durchgefallen, wird zukünftig links liegengelassen?
Die Frage ist: Woran liegt es? Was stört, was enttäuscht? Damals warf ich prüfende Blicke in alle Richtungen. Eine Art genaue Bestandsaufnahme, die dann die Entscheidung fürs Wiederkommen bewirkte. Mit jedem weiteren Besuch gefiel mir die Gartenanlage besser und besser. Eigenartig? Reine Gewöhnung? Nein!
Ich werde Ihnen die Auslöser für den nicht sehr positiven ersten Eindruck verraten, genauso die für den späteren Sinneswandel.

Das Gartengelände im westlichen Hamburg gibt es seit 1979. Damals wurde der alte Botanische Garten in den Wallanlagen der Stadt (Planten un Blomen) aufgelöst, denn der Platz dort war relativ begrenzt. So zog Garten samt Botanischem Institut mehr an den Stadtrand auf eine 24 ha große Fläche. Loki Schmidt, als erfahrene Hobby-Botanikerin, engagierte Naturschützerin, Expertin besonders der bedrohten Pflanzenarten und obendrein Hamburgerin, hegte zu Lebzeiten engen Kontakt, unterstützte lange Jahre die Botanischen Gärten, zeigte stets großes Interesse und unermüdlichen Einsatz, und so erhielt der Botanische Garten Klein Flottbek – zwar nicht zu ihren Lebzeiten – aber nach ihrem Tod (2010) im späten Oktober 2012 in Gedenken an sie einen neuen Namen: Loki-Schmidt-Garten. Wenn Sie den Park betreten, lächelt sie Sie verhalten an. Die Bronzebüste von Manfred Sihle-Wessel steht bereits seit 2005  inmitten von Blumen. So sieht Frau Schmidt, wer an ihr entlangflaniert, Sie wiederum können ihr einen Moment Gesellschaft leisten.

Natürlich gibt es das alte Planten un Blomen als Parkanlage weiterhin! Ein traumhaftes Gelände mit seinen Wasseranlagen und all der Blumenpracht! Aus der Ära des Alten Botanischen Gartens sind obendrein noch die Tropengewächshäuser erhalten. Als Hamburger oder als Stammleser des Blogs ist Ihnen dies nicht unbekannt. Wenn Sie heute neu hinzustoßen, finden Sie ansonsten über die eigens dafür eingerichtete Kategorie rechts auf der Startseite des Blogs den Weg zu diversen Artikeln mit zahlreichen Fotos.
Dort wo seit dem Jahr 2000 die Bucerius Law School ihren Sitz hat, befand sich vor dem Umzug nach Klein Flottbek das alte Botanische Institut.

Hamburg - Das markante Gebäude der Bucerius Law School am Platz des ehemaligen Botanischen Instituts (Planten un Blomen)

Hamburg – Das markante Gebäude der Bucerius Law School am Platz des ehemaligen Botanischen Instituts (Planten un Blomen)

Neuer Botanischer Garten
Vermeiden Sie es auch, wenn irgend möglich, mit bestimmten Erwartungen an einen noch unbekannten Ort
zu gehen? Mit einem schon vorgefertigten Bild? Man ist allerdings nicht ganz davor gefeit, Vorstellungen zu entwickeln, denn wenn das Gehirn Verbindungen zwischen alt und neu knüpft und Parallelen sieht, dann gaukelt es einem ungefragt etwas vor. Mir schwebte im Falle von Klein Flottbek offenbar ein zweites Planten un Blomen vor, üppiges Wachstum und bei aller Pracht und Anlage gleichzeitig diese Natürlichkeit. Harmonie. Dann kam es etwas anders …

Es war noch vor der Jahrtausendwende, als ich mich das allererste Mal auf den Weg machte. Ich erinnere mich
nicht mehr an das genaue Jahr, jedoch daran, dass es Ende Mai war. Die Kälte in dem vorangegangenen Winter hatte lang getobt, nichtsdestotrotz hatte mein Garten daheim mit Maibeginn lebhaften Austrieb gezeigt. Einige der frühen Zwiebelpflanzen hatten noch geblüht, die Stauden schon kräftig losgelegt, an Sträuchern und Bäumen spross das Laub. Ein frischer Anblick mit vielen Farbtupfern. Vor allem zeigte sich so gut wie keine nackte Erde mehr, welche im Winter gern gähnende Leere im Garten vortäuscht und unweigerlich für eine gewisse Tristesse sorgt.

Wie anders zu der Zeit das Erwachen der Natur in Klein Flottbek! Ganz offensichtlich bot sich den vielen freistehenden Pflanzen auf den großen Flächen relativ wenig Schutz vor Wind und Wetter. Dadurch herrschte dort ein anderes Mikroklima, ein raueres. Die Vegetation war eindeutig zurück, der Austrieb sehr spärlich und mehr zu erahnen als vorhanden.
So trat etwas hervor, was mich massiv störte. Überall eingesteckt, dicht an dicht, ragten weiße Plastikschilder auf halbhohen Plastikspießen aus dem Boden! Sie trugen Namensbezeichnungen, Informationen, über die ich im Prinzip froh bin, aber an dem Tag überkam mich das Gefühl, inmitten eines kahlen Schilderwalds zu stehen. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, dass die weitläufigen, öde wirkenden Flächen sich ein paar Wochen später in grüne Oasen und ein großes Blütenmeer verwandeln sollten. Damals schaute ich suchend in alle Himmelsrichtungen und dachte, was wirkt es doch noch unharmonisch, unfertig …
Ein ähnlicher Anblick wie der, der einen im Fall von Neubaugrundstücken erwartet. Gerade ist das Haus fertig, der Schutt fort, der Boden planiert. Grob werden erste Wege angelegt, zusätzlicher Mutterboden trifft ein, der Hauseigentümer beginnt mit der Gestaltung der Beete und der Bepflanzung. Drei Halme Rasen sprießen, ein Rankgitter reckt sich traurig allein in die Höhe, noch staksige Stecklinge sollen einmal eine Hecke bilden …
Zur anstehenden Einweihungsparty werden Sie eingeladen und mit stolz geschwellter Brust verkündet der Gastgeber: „Ich habe jetzt einen Garten! Mit Apfelbaum!“
Sie wissen, wie das dann aussieht. Gar nicht anders aussehen kann! So ein Garten entsteht nicht von heute auf morgen. Der Apfelbaum ploppt nicht fertig aus der Erde. Hat nicht sofort die endgültige Höhe, eine schattenspendende Krone und Sie ernten auch nicht gleich einen Zentner Cox Orange. Genauso wenig sieht die frische, zarte Pflanzenreihe wirklich schon nach Hecke oder Sichtschutz aus. Prinzipiell wirkt alles neu Gesetzte zunächst ziemlich verloren.
Ein weiterer Fakt ist, dass – selbst wenn der Gesamtplan für den Garten durchaus von Anfang an fertig ist, d. h. die grundsätzliche Anlage und Aufteilung feststeht – man in der Realität nie alles auf einmal erschafft, sondern sich nach und nach immer einen weiteren Teil der Anlage vornimmt, sich dabei oft erst die weiteren Gestaltungsideen für Detailarbeiten ergeben oder die Mittel dafür da sind.

Ich konnte mir damals im Botanischen Garten gerade so eben einreden, dass dort im angelegten, werdenden „Wald“ die noch zierlichen Sumpfzypressen bald grün werden würden, der Farn demnächst austreiben, in trockenen Bachläufen Wasser fließen würde und sich im aufgetragenen Geröll des Alpinums kleine Staudentriebe zeigen würden. Es half nichts, in dem Moment wirkten die Beete nichtssagend und das Gelände zwar großzügig, aber trotz leichter Höhenunterschiede in Form von Aufschüttungen eher fad. Die größte Aufmerksamkeit erregte damals bei mir neben den weißen Steckschildern das Unkraut im Alpinum. Das Kraut
ist robust und hatte sich breitgemacht. Das Zeug gedeiht bei kalten Temperaturen vielfach schon eher als der gewollte Rest …

So wie Ihnen die Umstände bezüglich Apfelbaum und Warten klar sind, so ließ sich für mich eindeutig festmachen, welche Umstände hinsichtlich Botanischer Garten und Missfallen anlagen. Es war ein rein temporäres Problem. Grund genug, später und vor allem zu einer anderen Jahreszeit wieder herzukommen.

Es hat tatsächlich gut vier Jahre gedauert, ehe ich den nächsten Versuch startete. Im Fall eines noch recht jungen Gartens verändern die zusätzlichen Wachstumsjahre das Gesamtbild merklich. Bäume legen in dieser Zeit nicht nur an Größe, sondern auch an Stammumfang zu, zunächst einzeln stehende Sträucher wachsen zu Gehölzgruppen zusammen, Lücken am Boden schließen sich langsam.
Für ein noch einmal komplett anderes Empfinden sorgt im Botanischen Garten das Einsetzen des Sommers.
Die Kahlheit der kalten Ruhesaison gerät in Vergessenheit. Wenn die Tage länger werden und die Sonne den Boden erwärmt, bricht es aus großen, dunklen Erdschollen unaufhaltsam hervor und plattes Land wird auf einmal zu einem 3D-Erlebnis. Alles drängt ungestüm ans Licht, will hoch hinaus …

Auf einmal lebt der Loki-Schmidt-Garten. Blütenmeer mit Farbenpracht, Blattvariationen, Düfte, Insekten, Wassergemurmel, das Spiel von Licht und Schatten … Futter für alle Sinne!
Und nun nimmt man sie wahr: Die belaubten Bäume, die vereinzelt zu sehr stattlichen Exemplaren heran-
wuchsen! Irgendwann ist es soweit, verstrichene Jahre haben dafür gesorgt, dass sich – besonders in der grünen Jahreszeit –  ein harmonisches Bild, zusammen mit all dem anderen neu Angepflanzten, ergibt. Die Gehölze verbinden, doch genauso gelingt es ihnen zu gliedern, und damit schaffen sie einzelne Bereiche innerhalb des Gartens. Sie lenken damit Ihren Blick! Früher schauten Sie stets ungebremst in die Ferne und hatten damit das meiste auf Anhieb überschaut. Etwas langweilig. Heute entdecken Sie hingegen Meter um Meter, tasten sich voran, das ist entschieden interessanter.

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten (Szene am flachen Wasser)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten

 

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten (Wasser, Moorbereich)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten

 

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Am See

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Am See

Mittlerweile kann ich der Anlage sogar im Winter viel Positives abgewinnen, denn das, was einem Garten in dieser Zeit Struktur und ein Gerüst verleiht, ist 37 Jahre nach dem Start in Klein Flottbek nun in einem ganz anderen Ausmaß vorhanden als beispielsweise in den ersten beiden Jahrzehnten seiner Existenz. Selbst in der kahlen Saison locken zahlreiche Stellen, denn im Laufe der Jahre sind neue Themen aufgegriffen und umgesetzt worden.

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Idyll in der Nachmittagssonne ...

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Idyll in der Nachmittagssonne …

 

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten

 

Wenn Sie also in Hamburg einen Spaziergang im Grünen unternehmen möchten, dann sollte der Loki-Schmidt-Garten in Ihre engere Wahl kommen.

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Wie ein Gemälde von Monet ...(Teichszene in typischen Farben)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Wie ein Gemälde von Monet …

Übrigens: Es gibt dort zwar keinen Spielplatz, trotz allem ist es gerade für jüngere Kinder ein sehr interessantes Terrain! Ich bitte das nicht so zu verstehen, dass Sie als Eltern auf Biegen und Brechen botanische Früherziehung betreiben sollen, ich erwähne es, weil der  Aufenthalt ein großes Vergnügen und Abenteuer ist, für Bewegung sorgt und Kinder dabei ganz nebenbei etwas lernen können. (Es gibt sogar eigene Veranstaltungen für Kinder!)

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten (violette Bepflanzung)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten

Wieso interessant?
Sie hätten eine völlig falsche Vorstellung vom Botanischen Garten, wenn Sie sich einfach einen Rundweg vorstellten, der irgendwann abgelaufen ist. Einen Weg, an dessen Seiten es keinen Abzweig gibt, wo sich links uns rechts nicht viel hinsichtlich der Art der Bepflanzung ändert. Das wäre ermüdend. Kinder würden mit Recht am Ende drei Kreuze machen, froh, es endlich hinter sich zu haben.

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Vielfältige Landschaftsformen ...(Heidebereich)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Vielfältige Landschaftsformen ….

 

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten- Der kleine Kerl auf dem Topfrand wollte mit aufs Bild ... (junges Rotkehlchen)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten- Der kleine Kerl auf dem Topfrand wollte mit aufs Bild …

Tatsache ist jedoch, dass es unterschiedliche Themenbereiche gibt und dazu existiert ein großzügig angelegtes Areal, welches in seiner Gestaltung verschiedene Regionen der nördlichen Erdhälfte wiedergibt. Somit entsteht während eines Spaziergangs hier ein Moorgefühl, dort eine Vorstellung vom Dünenleben.

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten

Auf leichten Erhöhungen bietet das Alpinum einen Eindruck von der Pflanzenwelt im Hochgebirge bevor ein Stückchen weiter die vorderasiatische Steppe wartet. Und von dort geht es nach China und Japan.
Der Japanische Garten entstand gleich zu Beginn der Anlage des Botanischen Gartens und wurde von Yoshikuni Araki kreiert. Das ist der Gartenarchitekt, der danach auch die Japangärten in Planten um Blomen gestaltete.

Der andere sehr interessante Weg führt Richtung Alaska, von dort südwärts durch die Rocky Mountains und die Prärie bis hinunter nach Florida. Thematisch und pflanzlich gesehen.

Wunderschön die Blütenpracht der Prärie im Sommer …

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Der fruchtbaren nordamerikanischen Langgrasprärie (mit Stauden!) nachempfunden ....

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Der fruchtbaren nordamerikanischen Langgrasprärie (mit Stauden!) nachempfunden …

 

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Auch der Gelbe Sonnenhut (Rudbeckia fulgida) gehört in die Prärie ...

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Auch der Gelbe Sonnenhut (Rudbeckia fulgida) gehört in die Prärie …

 

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Sommerliche Blütenpracht (Juli-Sept.) in der Prärie ....

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Sommerliche Blütenpracht (Juli-Sept.) in der Prärie ….

Ebenso so reizvoll und dabei einen vollkommen anderen Anblick bieten die Sumpfzypressen am Wasser (Florida, Everglades). Von ihren Zweigen hängt im Sommer häufig das Louisiana-Moos herab.
Araukarien fallen ins Auge, diese bizarr geformten, recht dunklen Koniferen, die typisch für Südamerika
(Chile)
sind und ihr Aussehen im Winter nicht ändern, womit wieder etwas gefunden wäre, wofür sich ein Entdeckungsgang auch in dieser Saison lohnt  …

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Farne und ein Wasserlauf unter den Sumpfzypressen ...

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Farne und ein Wasserlauf unter den Sumpfzypressen …

 

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Im Reich der Sumpfzypressen ...

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Im Reich der Sumpfzypressen …

Die kleinen verschlungenen Wege und Pfade durch das Unterholz, entlang an Bachläufen oder hinauf auf kleine Erhebungen, sie sind es, die besonders Kinder faszinieren und den Besuch spannend machen. Wer Libellen entdeckt, dicke Hummeln auf Präriestauden, Schmetterlinge, Fische im See und Teichhühner am Uferrand oder auch ein Eichhörnchen über sich an einem Zapfen knuspeln hört, der denkt nicht an „Wann
sind wir endlich fertig …?“, sondern ist ständig am Erforschen und Erkunden.

Loki-Schmidt-Garten - Eichhörnchen am knuspeln ... (auf dem Zweig einer Sumpfzypresse)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Eichhörnchen am knuspeln …

 

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Parkidylle im Botanischen Garten - Wer genau hinschaut, entdeckt das Eichhörnchen wieder ...

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Parkidylle im Botanischen Garten – Wer genau hinschaut, entdeckt das Eichhörnchen wieder …

Weitere Highlights für Kinder sind der geheimnisvolle Bambusgarten (gleich am Eingang links) und vor allem auch der Nutzpflanzenteil! Nutzpflanzen, das mag sich trocken anhören, ist es jedoch absolut nicht. Der Bereich stellt sich für den Besucher als „Anbaufelder in klein“ mit diversen Gemüse- und Kräuterarten dar. Wer keinen eigenen Garten hat, wessen Kinder bisher vielleicht nur TK-Packungen oder die Gemüseabteilungen im Supermarkt kennen, der kann dort vieles endlich einmal als komplette Pflanze erleben. Mit Grün, mit Blüte, mit Frucht. In luftige Höhe strebend (Dill) oder im Boden steckend (Zwiebeln).

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Nutzpflanzenbereich (hohe blühende Kräuterpflanzen)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Nutzpflanzenbereich

 

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Nutzgarten mit Zwiebeln und Konsorten ...

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Nutzgarten mit Zwiebeln und Konsorten …

Dicke Kürbisse in allen Farben und Formen liegen am Boden, räkeln sich, im Blätter- und Rankenwirrwarr halb versteckt.

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Nutzpflanzenbereich - Kürbis (gelb)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Nutzpflanzenbereich – Kürbis

 

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Nutzpflanzenbereich mit Kürbissen und Zucchinis

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Nutzpflanzenbereich mit Kürbissen und Zucchinis

 

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Kürbis im Nutzgarten (orangerot)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Kürbis im Nutzgarten

Es gedeihen unterschiedlichste Salatpflanzen und zahlreiche Kohlsorten, es gibt diverse Möhrenarten, Würzpflanzen u. v. m.

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Kohlsorten,, Salate, Gemüse und Kräuter im Nutzgartenbereich ...

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Kohlsorten,, Salate, Gemüse und Kräuter im Nutzgartenbereich …

 

Die Liebhaber von Mittelmeerpflanzen kommen ebenso auf ihre Kosten, wie Rhododendronanhänger. Stauden-
freunde und Heilpflanzenfans werden fündig, auch diejenigen, die sich speziell für Bibelpflanzen interessieren. Wer Lust hat, kann im Tast- und Duftgarten fühlen und schnuppern. Nicht immer funktioniert jede Duftquelle – oder aber, meine Nase hat zwischendurch schlapp gemacht.

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten- (gelb) an den Gewächshäusern

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten

Selbst ein farbenfroher und sehr fröhlich wirkender Bauerngarten inklusive eines kleinen Bauernhauses ist vorhanden. In ihm ein Shop, der hauptsächlich am Wochenende geöffnet wird. Mit Kindern sollte man unbedingt um das Häuschen herum gehen. Dort steht noch allerlei uraltes Gerät, das sicher Gefallen findet!

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Bauerngarten mit kleiner Kate

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Bauerngarten mit kleiner Kate

 

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Bauerngarten mit typischen Stauden wie Phlox, Cosmea, Schafgarbe (Achillea) etc.

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Bauerngarten mit typischen Stauden wie Phlox, Cosmea, Schafgarbe (Achillea) etc.

In der Wüste …

Ich hatte auf meinem Spaziergang einen Vater mit seinem kleinen Sohn vor mir. Die Mutter samt kleiner Schwester im Tragesack hatten sie zeitweise abgehängt. Der junge Mann hatte ein bestimmtes Ziel: die Wüste. Der Wüstengarten der Loki-Schmidt-Anlage wurde 2005 eingeweiht, hat zwei große, inzwischen schon recht berühmte, leuchtendblaue Glaspyramiden, die der verstorbene Scheich und ehemalige Präsident der Ver-
einigten Arabischen Emirate spendete und erstreckt sich über eine Fläche von immerhin 3.000 m². In den Pyramiden findet sich Lesenswertes zum Thema.
Ein Teil des Wüstenbereichs beschäftigt sich mit der typischen Oasenlandwirtschaft, zeigt, wie der Mensch anbaut und begrünt, stellt jedoch ebenfalls Faktoren dar, die zur Wüstenbildung beitragen. Im restlichen
Bereich sind Pflanzen anzutreffen, die es im extrem Trockenen aushalten. Sukkulenten beispielsweise.
„Papa, wo geht das zur Wüste? Ist es noch weit?“
„Die ist dort drüben.“ Der Vater zeigte voraus und schwenkte die Hand leicht nach rechts. „Siehst du die Pyramiden?“, fragte er.
„Was ist das?“
Der Vater erklärte den Begriff, der Sohn entdeckte die beiden Glasspitzen.
„Neben den Pyramiden auf der rechten Seite. Da ist es.“
„Papa, müssen wir denn auf dem großen Weg gehen?“
„Nein, wir können auch hier den Pfad quer durch die Pflanzen hinauf nehmen und schauen dann vom kleinen Hügel auf die Wüste herunter.“
„Oh ja, so machen wir das!“ Der Nachwuchs war sofort einverstanden. „Papa, und in der Wüste, da sind dann die Kakteenen, nä?“
Ich gebe zu, ich horchte auf. Sind Sie auch so begeistert? Da kennt ein kleines Kind altersbedingt noch nicht die Bedeutung des Worts Pyramide, aber es weiß schon, dass das Wort Kaktus einen besonderen Plural hat. Weiß, das sind keine Kaktüsse oder Kaktüsser. Kann sich nur nicht mehr ganz entsinnen, wo das aufgeschnappte Wort genau endete. Ich finde, ein im Ansatz richtiger, nur noch einmal verlängerter Plural, ist gefühlt doch um Klassen besser als ein komplett falscher.

Die beiden pirschten sich durch die teilweise hohen Stauden eines großen Beets. Sie nahmen flott die leichte Steigung und warteten oben auf einer Bank auf die Restfamilie.
Als Mutter und Babyschwester die beiden erreicht hatten, fragte die Frau ihren Mann:
„Warum musstet ihr denn ausgerechnet hier entlang gehen?“
„Wieso?“, kam es erstaunt zurück.
„Na, ist seid mitten durch die Giftpflanzen …!“
„Echt? Hab ich gar nicht mitbekommen“, wand sich der Gemahl etwas unwohl heraus.
Bei Giftpflanzen wurde Sohnemann prompt hellhörig und ließ Kakteenen vorerst Kakteenen sein. Gift klang plötzlich interessanter.
So kam es, dass sich die Familie stattdessen das Beet erneut vornahm und diesmal ganz gezielt auf giftige Pflanzen aufmerksam machte und vor attraktiv aussehenden Früchten und Beeren warnte.

Es gibt so einige Pflanzen, die enorm verlockend aussehen!

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Giftpflanzen - Ital. Aronstab (Arum italicum)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Giftpflanzen – Ital. Aronstab (Arum italicum)

 

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Herbstanemonen (zählen ebenfalls zu den Giftpflanzen, ihr Pflanzensaft ist schwach giftig)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Herbstanemonen (zählen ebenfalls zu den Giftpflanzen, ihr Pflanzensaft ist schwach giftig)

Kakteenen. Ich habe sie gerade immer noch im Kopf … Pluralformen sind schon ulkig, oder? Wie war das gleich beim Kürbis? Nach dem Kaktusprinzip hieße der Plural Kürben bzw. Kürbenen. Und die Giftpflanze von eben? Mehrere davon? Aronstabse – oder lieber Aronstäber? Was halten Sie von Eisenhütern, die im Garten sprießen? Man könnte im Edelrestaurant einmal unschuldig nach Artischöckern fragen und als Nachtisch für alle Ananässer und Papayen bestellen …

Besondere Pflanzen …

Apropos Artischocke! Ich habe mir beim Herumspazieren im Loki-Schmidt-Garten noch etwas für Sie herausgepickt, was mir diesmal – in der zweiten Augusthälfte –  besonders gefiel.
Kennen Sie diese Pflanze?
Das ist eine Wilde Artischocke, auch Karde genannt (Cynara cardunculus), die ursprüngliche Form der Gemüseartischocke. Hat sie nicht traumhafte Blüten? Mir gefallen sie in jedem Stadium.

Ob noch als Knospe …

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Sich entwickelnde Blüte einer Wilden Artischocke (Cynara cardunculus)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Sich entwickelnde Blüte einer Wilden Artischocke (Cynara cardunculus)

… voll erblüht ….

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Wilde Artischocke, Karde (Cynara cardunculus) in Blüte

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Wilde Artischocke, Karde (Cynara cardunculus)

 

… oder während des Welkens und Vertrocknens.

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Auch beim Verblühen schön: Wilde Artischocke, Karde (Cynara cardunculus)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Auch beim Verblühen schön: Wilde Artischocke, Karde (Cynara cardunculus)

Die Früchte sind auch bei dieser Wildart essbar. Es heißt, unsere Geschmacksnerven werden von der Artischocke in einer Weise beeinflusst, dass danach getrunkenes Mineralwasser plötzlich süß schmeckt.
Schon ausprobiert? Tun Sie es ruhig, sie hat nur 17 Kalorien pro 100 g. Ihr Saft soll sich positiv auf die Cholesterinwerte auswirken und liefert einen kleinen Nachschub an Mineralien und Ballaststoffen sowie Eisen, Protein, Vitamin C und B6.

Wenn Sie Enzian und sein leuchtendes Blau mögen, werfen Sie einen Blick auf diese Variante. Es ist ein Schwalbenwurz-Enzian oder auch Schwalbenschwanz-Enzian (Gentiana asclepiadea), der auf engen Raum eine sehr ansehnliche Blütenanzahl produziert.

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Enorm blau und voller Blüten: Der Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Enorm blau und voller Blüten: Der Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea)

 

Während bei einigen Blüten dieses besondere Blau bekannt ist, hatte ich es noch nie bei Beeren oder Früchten einer Pflanze gesehen. Hier entdeckte ich die perlenartigen blauen Schönheiten an der Tasmanischen Flachslilie (Dianella tasmanica).

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Blaue Perlen an der Tasmanischen Flachslilie (Dianella tasmanica)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Blaue Perlen an der Tasmanischen Flachslilie (Dianella tasmanica)

Die zierlichen Blüten, die früher im Jahr in Rispen angeordnet erscheinen, sind eher blau-violett.
Was mich interessieren würde, ist, wie die Staude aus „Down Under“ im Botanischen Garten die hiesigen Winter übersteht, denn offiziell kann sie Frost nur bis zu -7 °C vertragen. Sie schien neu gepflanzt. Ob Winterschutz an Ort und Stelle reicht – oder wird sie wieder hereingenommen bis zum Frühjahr?

Noch ein blauer Vertreter, der im Sommer lange blüht:

Eryngium amethystinum, der Stahlblaue Mannstreu …

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Eine weitere blaue Zierde im Garten: Eryngium amethystinum, der Stahlblaue Mannstreu

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Eine weitere blaue Zierde im Garten: Eryngium amethystinum, der Stahlblaue Mannstreu

 

Diese Lilie zeigt ihre verführerische Pracht zurzeit gleich im Eingangsbereich des Botanischen Gartens:

Lilium-Orienpet-Hybride „Scheherazade

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Blüht gleich am Eingang in voller Pracht: Lilium-Orienpet-Hybride "Scheherazade" (rot-weiß-gelbe Lilienart)

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Lilium-Orienpet-Hybride „Scheherazade“

 

Man könnte noch so viel zeigen, doch für heute soll es genug sein. Vielleicht führt Ihr Weg Sie einmal dorthin. Es ist eine sehr schöne und entspannende Art, sich Luft, Bewegung und etwas für die Sinne zu gönnen.

Hamburg - Loki-Schmidt-Garten - Blumenrabatte mit Dahlia-Hybride "Bednall-Beauty*

Hamburg – Loki-Schmidt-Garten – Blumenrabatte mit Dahlia-Hybride „Bednall-Beauty*

 

Sie können Ihr Ziel per Auto ansteuern, es gibt einen Parkplatz. Ein Bus hält vor dem Eingang. Doch wenn Sie mit der S-Bahn hinfahren, werden Sie schon am Bahnhof Klein Flottbek auf den Garten eingestimmt …

Hamburg - Der Zugang zur S-Bahn-Station Klein Flottbek mit Pflanzenmotiven an den Wänden ...

Hamburg – Der Zugang zur S-Bahn-Station Klein Flottbek mit Pflanzenmotiven an den Wänden …

 

Der Loki-Schmidt-Garten hat sich ansprechend entwickelt. Die natürliche Veränderung durch Wachstum, die Erlangung einer gewissen Reife, das ist ein Punkt, doch dank der vielen Menschen, die im Botanischen Garten wirken, die forschen, die Ideen umsetzen, die ständig Hand anlegen (und hier gibt es zu den Hauptamtlichen eine große Anzahl an ehrenamtlichen Helfern), dank ihnen ist es möglich, einer solchen Anlage wirklich Gestalt zu geben, ihr Leben einzuhauchen und sie vor allem auch am Leben zu erhalten!
Ich bin immer wieder erstaunt, wie finanziell alles bewerkstelligt wird, ohne dass bisher Eintritt verlangt wird …
So ist er der Botanische Garten allen zugänglich, und das ist eine feine Sache.

Damit möchte ich mich für heute verabschieden. Ich hoffe, Sie haben sich ein Bild vom Garten in Klein Flottbek machen können und würde mich freuen, Sie bald wieder hier zu treffen.

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© by Michèle Legrand, Sept. 2016
Michèle Legrand - freie Autorin

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