Beiträge getaggt mit Allgemeines

Zwischendurch hereingeschaut …

Die Zeit geht rasant ins Land. Ich muss mich einfach einmal zwischendurch bei Ihnen melden.

Sie haben es ja selbst gemerkt, die Vögel haben ihren Rucksack umgeschnallt und ziehen in Scharen in den Süden, man wird beim Spazieren ungeniert mit Kastanien beworfen, ALDI hat Laubsauger im Angebot der Woche (hoffentlich kaufen nicht so viele diese Lärmkisten), Frühnebel hängt zwischen den Bäumen … Herbst! Und meine Armbanduhr zeigt an, dass seit dem letzten Post hier mehr als zwei Wochen vergangen sind. Jaha, die kann das! Die hangelt sich von Beitrag zu Beitrag und zählt penibel mit. P+18 steht dort. P für Post, +18 für die verstrichenen Tage.
(Jetzt glauben Sie doch nicht alles! ^^)

Dieses Jahr verläuft bei mir einfach anders. Andere Umstände ziehen andere Abläufe und ein anderes Verhalten nach sich. Wollte ich warten, bis ich Ihnen durch Touren und Erkundungen wieder umfassend Neues präsentieren kann, würde der Stift zwischenzeitlich eintrocknen und Sie begännen mit den Füßen zu scharren. In den Fingern juckt es mich trotzdem, die Frage ist nur, wie schaut in einem solchen Fall der Alternativpost für Sie aus?
Bloggerkollegin Donna vom Blog Garden Walk Garden Talk sprach gerade in ihrem sehr interessanten Beitrag Why so trivial?  über das Phänomen, dass einem beim Bloggen – ganz speziell bei einem eng eingegrenzten Themenbereich und sich dadurch unweigerlich wiederholenden Anlässen und Fotomotiven – mitunter manches Selbstgeschriebene auf einmal so trivial erscheint.
Zu trivial, um es zu posten?
Meine Ansprüche an Beiträge sind prinzipiell auch anders, liegen höher, über der Trivialstufe. Diese Vorstellung vom fertigen Artikel wiederum katapultiert Ansammlungen von Trivialem automatisch hinaus in die Wüste.
Trotz oder gerade im Fall umfangreicher Texte, versucht ein Schreiber, nichts doppelt und dreifach und nur
in anderen Worten wiederzukäuen. Es liegt einem sehr daran, Unwichtiges zu eliminieren und „gefühlte“ Belanglosigkeiten sehr kritisch zu betrachten.
Ist es tatsächlich belanglos oder trägt es doch zum Verständnis bei?
Für wen erscheint es überhaupt trivial? Für den, der schreibt? Oder für den Leser?
Was ich selbst als trivialen Einwurf empfinde, weil mir die Details bereits bestens bekannt sind, muss am anderen Ende noch lange nicht als ein solcher Inhalt empfunden werden. Ich wage fast zu behaupten, dass mitunter ein bewusst platzierter trivialer (im Sinne von anspruchsloser) Einschub innerhalb einer die ganze Aufmerksamkeit erfordernden Abhandlung fast so etwas wie eine kurze Erholungsphase für den Geist darstellt, bevor er erneut ernsthaft bei der Sache ist und weiter aufnimmt. Ziel ist es, für den Leser so zu schreiben, dass er zwischendurch Entlastung hat. So, wie beim Sporttraining Lockerungsübungen für die Muskeln eingeplant sind. Dann läuft es unangestrengt und hinterlässt keinen abschreckenden Muskelkater.
Ich denke mir folglich, so unterschiedlich, wie die Themen hier stets sind, so verschieden darf auch die Form sein. Vielleicht dient ein Beitrag wie der heutige insgeheim eher meiner eigenen Entspannung, wer weiß das schon – nur Sie werden vermutlich nicht gleich zusammenbrechen, wenn es für Sie alternativ um völlig unspektakuläre Dinge geht.
Sie kennen außerdem die Taste und wissen um die Freiheit, einfach etwas wegzuklicken …

Es fiel das Wort Entspannung. Mir ist schon allein deshalb danach, weil die Stadt sich gerade sehr laut präsentiert. Geht es Ihnen auch so, dass Dauerlärm Sie mürbe macht? Manche können es gut ab, aber ich werde davon fix und foxi. Baustellen in der Nähe, meine Straße nebenan als Umleitungsstrecke mit ewig langem Rückstau und laufenden Motoren vor geschlossener Bahnschranke, eine Halbmarathon-Veranstaltung am vergangenen Wochenende fast vor der Tür, das Oktoberfest, das bis Anfang Oktober jeden Abend bis in die Puppen zu hören ist, der Verkehr auf der Bahnstrecke sowie für zwei Wochen zusätzlich Fluglärm, weil eine Start- bzw. Landebahn am Flughafen überholt wird und sämtliche  Flugzeuge nun meinen Stadtteil überfliegen.

Großveranstaltungen mit entsprechend weiträumigen Sperrungen sind auch im Innenstadtbereich Hamburgs mehr geworden. Bei meiner Hausbank wird das dazugehörige Parkdeck saniert, das Betongefräse tönt seit einer gefühlten Ewigkeit. Ebenso wird eine komplette Parkebene im Einkaufszentrum saniert. Fehlen die Abstellmöglichkeiten dort, wirkt sich das sofort auf die eh schon kritische Parksituation im Umfeld aus. Was ich zu Fuß oder mit dem Rad erledigen kann, mache ich daher lieber auf die Art, nur neulich ließ sich etwas nicht ohne Auto bewerkstelligen.
Es hatte sich endlich eine Parkmöglichkeit ergeben, als eine Frau in ein am Straßenrand abgestelltes Auto
stieg und Anstalten machte wegzufahren. Also Blinker an und dahinter gewartet. Nur leider setzte sich so ein dazukommender Oberrüpel dazwischen und klaute mir den Platz. Tat zunächst so, als hätte er mich nicht gesehen, hielt es aber selbst danach nicht für nötig, die Lücke wieder zu räumen oder sich zu entschuldigen.
Es nützt ja nichts sich anzulegen, denn es ändert meist nichts am Fakt des besetzten Platzes. Ich revanchiere mich eher in anderer Form, fahre gern das Seitenfenster herunter, warte bis derjenige aussteigt, schaue ihn sehr ernst und besorgt an und sage:
„Sie wissen schon, dass so etwas Pech bringt … Unglück anzieht?“
Ich versichere Ihnen, es hängt alles davon ab, wie überzeugend Sie dabei wirken. Man muss Ihnen abnehmen, dass Sie quasi der Abkömmling eines Voodoo-Meisters sind.
Wenn so etwas wie „Pffft!“ oder „Haha!“ zurückkommt, sollten Sie nachlegen.
„Es ist natürlich Ihre Sache, ob Sie heute vorsichtig sind oder nicht. Mein früherer Nachbar ist damals ein paar Stunden später von der Leiter gefallen. Komplizierter Bruch. Langwierige Sache. Der hatte übrigens auch MIR den Platz geklaut …“

Selbst wenn Ihr Gegenüber sehr cool und überlegen tut, Sie können sicher sein, dass ihn das den ganzen
Tag beschäftigen und leicht verunsichern wird. Wenn er sich abends am Herd die Finger verbrennt, schiebt
er das auf den Parkplatzklau, der Pechgedanke nistet sich ein und das nächste Mal lässt er es sein.
Ich kann so stets sehr gut mit dem Verlust der Lücke und meinem ersten Ärger fertig werden.

Hamburg - Straßenfest am Mühlenkamp (Winterhude) - 11.09.2016 (Stände und Luftballons)

Hamburg – Straßenfest am Mühlenkamp (Winterhude) – 11.09.2016

 

Ansonsten war ich kürzlich mit meiner Stepptanztruppe für einen Auftritt beim Straßenfest im Mühlenkamp (Hamburg-Winterhude) eingeladen. Bei uns ist die kleine Herausforderung, dass wir nicht in einer festen Gruppe auftreten, sondern uns anlassbezogen oder nach Terminmöglichkeiten unterschiedlich zusammen-
mischen. Uns allen ist gemein, dass wir die gleiche Trainerin haben, jedoch die einzelnen Kurse an völlig unterschiedlichen Standorten üben. Die Choreographie kennen alle, nur je nachdem, wer und wie viele bei einem Auftritt teilnehmen, variiert die Aufstellung und die Verteilung der einzelnen Parts. So treffen wir uns etwas eher vor Ort, besprechen letzte Details und gehen möglichst einmal alles praktisch durch.
Bei der letzten Probe war der Fußboden wahnsinnig glatt, worauf ich überhaupt nicht vorbereitet war. Es war
ein gebohnerter Parketttanzboden, der für normale Tänze mit herkömmlichen Tanz- oder Turnschuhen taugt, aber nicht unbedingt gedacht ist für Schuhe mit Metallsohlen. Sie kommen sich vor, als liefen Sie mit Gleitschuhen auf einer vereisten Pfütze. Man muss sich sagenhaft konzentrieren, darf die Schritte nicht zu schwungvoll und ausladend machen, was einen im Ablauf natürlich irritiert. Es funktioniert nicht wie sonst …
Den anderen ging es nicht viel anders als mir. Wir trösteten uns damit, dass dafür der Bühnenboden bestimmt stumpf sein würde. Dort werden meist irgendwelche Platten zusammengesteckt, und dann ist mehr das Problem, dass gelegentlich zu breite Spalte gelassen werden.
Als wir hinkamen – Überraschung! Auch der Untergrund der Bühne entpuppte sich als spiegelglatt. Immerhin konnte es einen nicht mehr erschüttern. In dem Moment war ich ungemein froh, dass mich das kurze Training zuvor präpariert hatte. Dennoch gar nicht einfach, auf der Bühne nicht rückwärts in das dort stehende Schlagzeug zu flutschen.

Ich hätte Ihnen gern etwas von der Stepperei gezeigt, doch der USB-Stick mit einem Handyvideo, das ein Zu-
schauer aufnahm, kursiert noch in der Gruppe. (Und da wäre ebenfalls noch die Frage zu klären, ob alle ihre Zustimmung zur Veröffentlichung geben. Wir werden sehen …)

An dem Tag herrschte herrliches  Spätsommerwetter, so bin ich in der Wartezeit vor dem Auftritt ein wenig herumspaziert. Von einer Brücke am Beginn des Mühlenkamps kann man auf den Langen Zug schauen. Das ist keine Waggonansammlung auf einem Abstellgleis, sondern so nennt sich etwas, das wie ein schmaler Arm der Außenalster wirkt, der in Höhe Bellevue in östlicher Richtung abzweigt. In Wirklichkeit verbirgt sich dahinter jedoch die Osterbek, die zur Alster hinfließt und auf dem letzten Stück, bevor sie dort mündet, den Namen Langer Zug trägt. Wie dem auch sei, Sie werden vermutlich auch sagen, Wasser ist Wasser.

Hamburg - Blick vom Mühlenkamp (Brücke) auf den Langen Zug (Richtung Außenalster) mit Kanus

Hamburg – Blick vom Mühlenkamp (Brücke) auf den Langen Zug (Richtung Außenalster)

 

Hamburg - Blick von der Brücke im Mühlenkamp auf den Langen Zug (andere Seite)

Hamburg – Blick von der Brücke im Mühlenkamp auf den Langen Zug (andere Seite)

 

An warmen Tagen ist hier viel los, Spaziergänger biegen auf ihrem Weg um die Außenalster hier spontan ein, mit dem Alsterdampfer kommen Gäste zum gemütlichen Kaffeetrinken mit Blick aufs Wasser …

Hamburg - Langer Zug mit Alsterausflugsboot und Tretboot in Schwanenform

Hamburg – Langer Zug mit Alsterausflugsboot

 

… es wird gepaddelt, gerudert, Tretboot gefahren und direkt an der Ecke Mühlenkamp/Körnerstraße lassen sich sogar Bretter für das Stehpaddeln ergattern. Ein SUP-(Stand Up Paddling)Verleih hat dort seinen Sitz.

Hamburg - Blick vom Mühlenkamp auf den Langen Zug. Die Stehpaddler sind unterwegs ...

Hamburg – Blick vom Mühlenkamp auf den Langen Zug. Die Stehpaddler sind unterwegs …

 

Schon schön, solche anziehenden Punkte und Freizeitmöglichkeiten mitten in einer großen Stadt vorzufinden. Diese Ecken mit viel Grün und Wasser entschädigen immer für steigenden Straßenlärm, Baustellen oder Beton-ansammlungen anderenorts.

Mit diesen optischen Eindrücken verabschiede ich mich zunächst und wünsche Ihnen einen entspannten Ausklang des Wochenendes!
Haben Sie eine schöne Zeit!

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© by Michèle Legrand, September 2016
Michèle Legrand

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Gewitterstimmung …

Drückende Hitze. Saunaluft. Und dann ein Gewitter mit heftigem Platzregen.
Bei Ihnen auch?
Rote Kletterrose nach Regen ...
Ich grüße Sie und wollte mich kurz melden. Hätte es diesen enormen Guss nicht gegeben, wäre es gar nicht dazu gekommen. Er hat mich davor bewahrt, einen weiteren Tag mit richtig harter Gartenarbeit zu verbringen.
In diesem Jahr wächst er einem fast über den Kopf. Vielleicht liegt es an dem sagenhaften norddeutschen Sommer des letzten Jahres mit seinem anschließenden milden Winter. Es könnte diesen wahnsinnigen Austrieb aller Gehölze gefördert haben.
Irgendwie bin ich nur am sägen und ausschneiden. Selbst um diese Jahreszeit noch – oder wieder, jetzt nachdem die Vögel die Nester mit ihrem Jungvolk verlassen haben. Es ergibt so viel Biomüll, dass ich mit Komposthaufen, Biotonne und sonstigen Verwahrmöglichkeiten einfach nicht auskomme. Jede Woche fallen säckeweise Extramüll an.

Ohne zusätzliche Müllsäcke läuft in diesem Jahr gar nichts ...

Ohne zusätzliche Müllsäcke läuft in diesem Jahr gar nichts …

Meine Büsche kommen mir vor wie Bambus im Regenwald. Der wächst pro Tag 30 cm, und ich habe das dumpfe Gefühl, meine Gewächse hinken dem kaum hinterher.
Zusätzlich habe ich mich neulich aus rationalen Gründen und aus einem gewissen Harmoniebedürfnis heraus mit einem anstrengenden Nachbar wieder vertragen und versuche natürlich, neue kritische Diskussionen möglichst zu vermeiden. Persönlich aus dem Weg zu gehen. Keinen Anlass, aber auch keine Gelegenheit für weitere merkwürdige Ansinnen bezüglich Gehölzschnitt und -höhe etc. zu geben.  Schneide stattdessen vorsorglich, aber so, dass es mir noch gefällt.
Gerade herrscht also mit dem einen (seitlich) wieder Friede, Freude, Eierkuchen, da luchst mir mein hinten anschließender Nachbar in einer schwachen Minute bereits ein neues Zugeständnis ab.
Hätte ich bloß nicht!

Ich erzähle Ihnen gleich mehr darüber, doch wissen Sie was?
Falls Sie mit einem Grundstückskauf liebäugeln, denken Sie nicht, nur weil Sie ein Eckgrundstück oder Eck(reihen)haus erstehen und dadurch an einer Seite ein Nachbar wegfällt, ergibt sich automatisch weniger Zündstoff! Pustekuchen!
Schauen Sie vielmehr darauf, wie die anderen Häuser um Ihr Grundstück drumherum positioniert sind. Die, die gar nicht direkt Grenze an Grenze mit Ihnen sind, aber fast …
Ich habe zwar das sagenhafte Glück. dass ich einerseits nebenan richtig nette und verträgliche Tür-an-Tür-Nachbarn habe, aber andererseits auch das Pech, dass sich an meiner Grundstückslängsseite zusätzlich vier mit ihren Stirnseiten anschließende Nachbarn befinden.
Sie verstehen das jetzt schon richtig mit den Stirnseiten, oder?
Es geht um die Ländereien, nicht um die Köpfe.
Dazu kommt ein weiterer Nachbar an meinem Grundstücksende. Obwohl alle, die mit den schmalen Stirnseiten anstoßen, als Abstand erst noch ihren eigenen Vorgarten, den öffentlichen Gehweg und einen Seitengrünstreifen haben ehe meine Grenzhecke überhaupt beginnt, besteht dort in einem Hause die Ansicht, dass bei mir Gepflanztes trotz dieser Distanz Licht klaut.
Verdunkelt! (In einem Film würden jetzt beängstigende Töne erklingen …)
Wohlgemerkt es geht um einen Strauch, der in mein Grundstück hinein, nicht nach außen wächst und obendrein um einen, der nicht einmal direkt vis-à-vis des besagten Hauses steht, sondern mindestens 15 m weiter rechts. Mir will nie so ganz in den Kopf, wie dieses Gewächs die Erschaffung der Finsternis hinbekommen soll …
Friedliebend wie ich bin, hat er inzwischen doch wieder seinen Willen gekriegt. Der Nachbar, nicht der Busch. Er ist geschrumpft. Jetzt der Busch, nicht der …

Genug davon. Diesmal geht es zur Abwechslung um etwas anderes.

Ich habe als zusätzlichen Sichtschutz eine Holztrennwand zum Nachbarn hinten. Efeubewachsen. Es hat ihn genervt, weil das immergrüne Gewächs leider nicht nur auf meiner Seite wuchs, sondern sich zu ihm herüberschlängelte. Diese Art der natürlichen, grünen Wände sah von beiden Seiten superschön aus – und die Vögel liebten es ebenfalls.
Sie merken, ich spreche in der Vergangenheit.
Aus dem Bedürfnis heraus, endlich Ruhe vor den ewigen Klagen zu haben, habe ich zugesagt, den Efeu komplett zu entfernen. Gesagt, getan. Nun habe ich den Salat!
Zutage trat, dass der Efeu die Holzwand einerseits ramponiert, aber andererseits auch perfekt zusammengehalten hat. Jetzt, nachdem ich alles herunter- und herausgeschnitten und Hindurchgewachsenes herausgebrokelt habe, lösen sich nämlich die diagonalen Zierlatten, brechen teilweise weg.
Der neue Anblick gefällt weder meinem Nachbarn noch mir. Folglich steht die nächste Aktion an: Zaun erneuern. Sichtelemente austauschen. Das lässt sich nämlich garantiert nicht wieder zusammenschustern mit den verzogenen, geschrumpften, angebrochenen Teilen …
Ich sag’s Ihnen: Reichst du den kleinen Finger, wird gleich nach der ganzen Hand gegrabscht!
Gut, der Nachbar kann nicht wirklich etwas für den jetzt desolaten Zustand der Sichtschutzwand, aber hätte man alles so belassen, hätte es gehalten und wäre noch jahrelang wunderbar gewesen.
Wie sagt man bei uns im Norden: Alles unnützer Tüdelkram!
Ich bin also demnächst wieder im Garten beschäftigt – gerade als ich dachte, ich hätte jetzt erst einmal das Gröbste hinter mir. Nun ja, vielleicht spielt das Wetter …
Wann startet in Deutschland nochmal die Regenzeit …?

Gestern war ich gleich nach dem Gewitterregen draußen! Barfuß. Als alles noch tropfte und dampfte. Eine Waschküche ist nichts dagegen! Die Äste hingen alle ganz tief unter der schweren Last.
Was unerwartete Einblicke gewährte!
Mein Blumenhartriegel (Cornus kousa var. Chinensis) beginnt gerade zu blühen. Seine Äste sind etagenförmig angeordnet, stehen fast waagerecht ab.  Da ich ihn mehr als Baum, denn als Strauch gezogen habe, beginnt die Verästelung erst in gewisser Höhe und die Brakteen genannten Blüten auf ihren kleinen Stielen sieht man meist lediglich von der Seite.
Gestern gab es die Gelegenheit zur Draufsicht:

Auch die Zweige des Blumenhartriegels (Cornus kousa var. chinensis) drückt es herunter - so sind die Brakteen besser zu sehen!

Auch die Zweige des Blumenhartriegels (Cornus kousa var. chinensis) drückt es herunter – so sind die Brakteen besser zu sehen!

 

Die gelbe Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) hat sich wacker gehalten bei dem Platzregen …

Kapuzinerkresse  (Tropaeolum majus) im Regen ...

Auf den Blättern des Ginkgo biloba perlt der Regen besonders gut ab …

Ginkgo biloba mit Wasserperlen ...

Ginkgo biloba mit Wasserperlen …

Manche Blätter erinnern wirklich enorm an Schmetterlinge  …

Ginkgo biloba - Blätter wie Schmetterlinge ...
Auch die Kletterrosen ( „Lykkefund“, weiß und eine rote Kletterrose, beides Rambler) wirken zwar etwas zerzaust, haben den harten Niederschlag dennoch recht gut überstanden…

Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Spierstrauch und Rose Lykkefund im Regen ...

Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Spierstrauch und Rose „Lykkefund“ im Regen …

 

Rote Kletterrose (regennass)

Es ist also kein allzu großer Schaden entstanden. Morgen sieht wahrscheinlich alles wieder so aus, als wäre nichts geschehen.

Der Türkische Mohn (Papaver orientale) hat allerdings seine letzten Blütenblätter opfern müssen …

Mohnkapsel ... (Papaver orientale, Türkischer Mohn)
Das Orangerote Habichtskraut (Hiracium aurantiacum) schüttelt vermutlich nur noch kurz die Restfeuchtigkeit ab, dann strahlt es wieder wie hier kurz vor dem Guss …

Orangerotes Habichtskraut (Hiracium aurantiacum)

Ich ahne, dass der Garten nach dieser Dusche und bei milden Temperaturen erneut den Drang verspüren wird, mir über den Kopf zu wachsen. Die Hecke wird schießen! Irgendwie habe ich auch den Eindruck, der Rasen ist in den letzten Stunden schon wieder höher geworden!
Ach, ja …
Doch seien wir ehrlich: Ohne Garten wäre es auch nichts!
Hält fit. So muss man das sehen. Und bietet natürlich ebenfalls Entspannung. Zumindest gelegentlich.^^

Ich hoffe, Sie haben nicht nur zu wurschteln, sondern können  ein wenig entspannen. Ihnen allen einen schönen Sonntag, möglichst unverhagelt und gewitterfrei!

© by Michèle Legrand, Juni 2015
Michèle Legrand  ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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Geburtstagsbesuch …

Das Schild mit der Glättewarnung gibt es immer noch. Das hängt dort ganzjährig.
Ein merkwürdiger Anblick im Sommer.
Die Parkplätze sind rar, auch wie immer.
Das Wetter zeigt sich seit einigen Jahren an seinem Geburtstag sehr durchwachsen, kalt und ungemütlich. Früher einmal war das Datum Garant für Wärme und Sonnenschein gewesen. In der Zeit, als er noch im Büro tätig war, gab es an seinem Ehrentag immer Eis. Jedes Jahr stellte er ebenfalls Kuchen zur Abstimmung, doch die Wahl fiel genauso sicher wieder auf Eisbecher. Eben weil hochsommerliche Temperaturen herrschten.

Der einzige freie Parkplatz liegt in einer Nebenstraße. Ein etwas längerer Spaziergang ist diesmal nötig, um zu ihm zu kommen und zu gratulieren. Der letzte heftige Regenguss, bei dem die Scheibenwischer kaum hinterherkamen, endete vor ein paar Minuten. Pfützen gibt es reichlich, doch am Himmel sieht es im Moment relativ gut aus. Vielleicht bleibt es vorerst ein Weilchen trocken von oben.
Die Strecke ist schneller geschafft als gedacht, inzwischen kennt man die Gegend und kann ein paar Abkürzungen über kleine Wege quer durch zum Ziel nehmen.

„Hallo! Na, hast du etwa gedacht, ich komme nicht?“, frage ich ihn lächelnd während ich herantrete und dabei die Blumen auswickle. „Nix da, Geburtstag ist Geburtstag!“
Die übliche Konversation startet.
„Noch so ein Schüttschauer wie eben, und ich hätte bald mit dem Boot zu dir kommen können. Oder schwimmend! Das Glätte-Schild bei euch könnten sie mal ersetzen gegen eine Aquaplaning-Warnung … Mensch, der Busch dort links ist aber ganz schön gewachsen seit dem vorigen Mal!“
Er wird auf den neuesten Stand gebracht. Der Geburtstagsjung, nicht der Busch. Obwohl ich stets auch Fragen an ihn habe, wirkt die Unterhaltung häufig ein wenig einseitig. Jedenfalls für Außenstehende.
„Doch, alles soweit gut … Sie war zwischendurch in Frankreich studieren, ist aber jetzt wieder hier. … Wo? In der Gegend, in der du damals mit der Ente unterwegs gewesen bist! …
Ach, dem geht’s auch gut. Er hat inzwischen geheiratet! Doch! Ja, ich weiß, dass es im Prinzip – zumindest gefühlt – noch gar nicht so lange her ist, dass er geboren wurde … Und weißt du, was das Größte ist? Ich werde Oma! … Nein, ehrlich! Jetzt sag’ bloß nicht, du kannst dir das nicht vorstellen!“
Er sagt zwar nicht richtig deutlich etwas dazu, aber man weiß auch so, was kommen würde, kennt die Reaktion genau. Ihn interessieren Details.
„Ich verrate es dir, sobald ich mehr weiß.“

Der Himmel bedeckt sich erneut in rasantem Tempo. Von Westen her zieht eine riesige, enorm schwarze Front heran. Heftige Böen entwickeln sich plötzlich, wie aus dem Nichts. Deutlich kündigt sich ein weiterer mächtiger Platzregen an. Vielleicht sogar mit Gewitter, Hagel und allem Drum und Dran. Ich mache den Anfang, obwohl er mich wahrscheinlich sowieso gleich nach Hause schicken würde in einem solchen Fall:
„Es sieht nicht gut aus, was sich da zusammenbraut. Sag, wo ist bloß das schöne Geburtstagswetter von früher hin? Du hast immer gesagt, du seist ein Sonntagskind und deine Mama hätte dich ihren Sonnenschein genannt. Darum sei gutes Wetter …“
Ich spüre zwei erste Tropfen. Auf den Händen. Alles andere ist ja – Ende Mai hin oder her – von der warmen Jacke verdeckt.
„Ich werde für heute gehen. Vielleicht schaffe ich es noch zurück zum Auto, bevor sich die Sintfluttore öffnen. ich komme bald wieder.
Was meinst du?
Ich soll mich jetzt beeilen, aber dich selbst schert ein Wolkenbruch nicht?
Ah, ich weiß, ich kenne dich! Du meinst, weil du hier trocken liegst …!“

Seine Art von Humor fehlt schon ein bisschen. Wie so vieles andere auch.
Es ist und bleibt einfach unzureichend, eine armselige Alternative, seinen Geburtstag seit acht Jahren nur noch auf dem Friedhof begehen zu können …

Doch in einer Hinsicht erkenne ich mittlerweile die Logik:
Es kann das strahlende Geburtstagswetter an diesem Tag überhaupt nicht mehr geben; weil der, weil sein Sonnenschein fehlt.

Sich entwickelnde Blüte beim Wald-Geißbart (Aruncus dioicus) - Ende Mai 2015

Sich entwickelnde Blüte beim Wald-Geißbart (Aruncus dioicus) – Ende Mai 2015

 

© by Michèle Legrand, Juni 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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Vom Zebra überholt …

Ich bin heute von einem Zebra überholt worden! Das heißt, davor wollte noch jemand wissen, wo Zimbabwe liegt. Aus diesem Anlass melde ich mich ausnahmsweise kurz zwischendurch.
Diese Sache mit der Geografiefrage ereignete sich draußen, das afrikanische Wildpferd ist hingegen plötzlich mitten im Einkaufszentrum an mir vorbeigezogen.

Zuerst spricht mich auf dem Gehweg, während ich gerade etwas in meiner Handtasche verstaue, eine junge und durchaus sympathisch klingende Frauenstimme von hinten an:
„Können Sie mir sagen, wo Zimbabwe liegt?“
Wären Sie nicht auch verdutzt?
Es ist eine sehr junge, freundlich wirkende Frau, die in meinem Blickfeld auftaucht, als ich den Kopf wende. Sie streckt mir einen Miniglobus, nicht größer als eine anständige, wohlgenährte Clementine, entgegen und schaut mich fragend, fast bittend an.
(Ich muss gestehen, ich war anfangs auf der völlig falschen Fährte. Sie wirkte wie eine Schülerin, so dass ich annahm, sie hätte in der Oberstufe ein Projekt mit Umfrage – oder aber, sie wüsste es tatsächlich nicht.)
Ich kann auf dem kleinen bunten Erdball ohne Brille die Schrift nicht erkennen, und das sage ich ihr auch. Daraufhin meint sie, dass die meisten Menschen eben nicht wüssten, wo Zimbabwe zu finden sei. Es klingt, als hielte sie meinen Hinweis auf die gerade fehlende Brille für eine Ausrede, weil ich in Wirklichkeit nicht zugeben möchte, dass ich keine Ahnung habe.
Das mag ich so nicht auf mir sitzen lassen, also nehme ich die Kugel in die Hand, erkenne die Kontinente und somit grob auch Afrika. Ich konzentriere mich auf den Süden, bemerke zum Glück sogar unbebrillt die Insel Madagaskar, so dass ich weiß, ich welcher Höhe ich im Süden des Kontinents mit dem Zeigefinger ungefähr mittig hineinstupsen muss.
(Bei dem kleinen Globus ist da eh nicht so viel Fläche, um mit dem Finger noch genauer zu landen.)
„Hier“, sage ich, „ungefähr hier liegt Zimbabwe.“
Sie wirkt überrascht.
„Ja, stimmt!“
Ach, sie weiß es also doch! Für mich ist damit der Fall erledigt, zumal sie stumm bleibt. Ich verabschiede mich und gehe weiter. Und?
Ich hab’s nicht mitbekommen! Habe nicht verstanden, dass sie eigentlich für Oxfam werben wollte und mit Sicherheit mit mir noch gar nicht fertig war! Ich entdeckte im Weitergehen den Oxfam-Stand und noch eine weitere Person, die im Gespräch mit einem Passanten war und einen ebensolchen Globus in der Hand hielt. Aus Zeitgründen bin ich nicht noch einmal umgedreht.
Ein bisschen dumm gelaufen. Ich finde die Organisation nämlich richtig gut und deren Projekte und Aktionen lobenswert, das möchte ich betonen – doch wenn sie nicht sagt, was sie tatsächlich möchte, dann ist das nicht ganz so günstig. So gehetzt habe ich sie wirklich nicht …

Noch etwas in Gedanken betrete ich das Einkaufszentrum, nehme die Treppe nach oben, laufe dort den Gang entlang. Zack, zieht es an mir vorbei! Das Zebra.
Kleiner, als ich das Steppenpferd aus dem Zoo in Erinnerung habe. Mit Reiter! Und kaum habe ich mich von meinem Erstaunen erholt, taucht zusätzlich ein Einhorn auf.
Ein Einhorn!
Es ist Action im Einkaufszentrum. Ein halbes Gestüt scheint sich hier im Obergeschoss zu befinden. Die Zebras in unterschiedlichen Größen und das Einhorn sind natürlich die Exoten, ansonsten gibt es durchaus auch braune und schwarze Hauspferde unterschiedlicher Größe.
Plüschreittiere - Pferde, Zebras, Einhorn
Sie haben es erkannt: Die Attraktion im EKZ sind zurzeit pflegeleichte, echt wirkende, aber keine lebendigen Wesen – was der Begeisterung der galoppierenden Kinder keinesfalls Abbruch tut. Die Reittiere sind erstaunlich. Sie haben keine Batterien oder Motoren! Sie müssen andererseits aber auch nicht ständig durch einen Erwachsenen angeschoben werden, was für den Schieber und auch für das Kind ziemlich langweilig wäre.
Es sind recht ansehnliche Plüschtiere für unterschiedliche Altersgruppen, die sich auf Rollen bewegen und durch eine Reitbewegung in Schwung gebracht werden können. Beim Auf und Ab im Sattel (man steht in dem Moment im Steigbügel bzw. auf einer Art von Pedal) wird irgendeine Mechanik im Inneren in Gang gesetzt. Es ziehen sich wohl (untechnisch ausgedrückt) Teile zusammen, die sich kurz darauf wieder entspannen – was für das Vorwärtskommen sorgt. Eine feine Sache, denn hier muss man selbst etwas tun, muss Gleichgewicht halten, auf die Koordination achten …
Die jungen Reiter sind konzentriert bei der Sache. Die Kleinsten werden von den Eltern auf Schritt und Tritt begleitet, damit sich kein Zebra zur Rolltreppe verläuft. Notfalls können Kind und Tier angeschoben werden, wenn die Kraft nachlassen sollte.

Zebra unterwegs ... (Plüschtier zum Reiten)

Zebra unterwegs …

Die etwas größeren Mädchen behandeln ihr Reittier wie ein echtes Pferd und ahmen eine vorbildliche Reitposition nach. Sie möchten es „richtig“ machen. Zwei Jungen, die mir auf braunen Pferden begegnen, liefern sich hingegen eine rasante Verfolgungsjagd. Bei ihnen ist es mehr ein Western, der abläuft. Und ganz kleine Mädchen sitzen unendlich verzückt auf dem Einhorn …

Reiter im EKZ (Plüschpferde zum Reiten)

Reiter im EKZ …

Ich wurde noch weitere Male von Pferden, Zebras und dem Einhorn überholt oder bin ihnen gelegentlich beim Verlassen eines Ladens vor die Hufe geraten. Ein Mädchen rief ihrem Ross daraufhin tatsächlich ein „Brrr“ zu.

Was der Spaß kostet? Die Reitgebühr beträgt je nach Pferdgröße zwei bis drei Euro pro zehn Minuten Ausleihzeit. Die sind immer sehr schnell herum! Ein wenig günstiger als der Kauf eines solchen Tieres ist es dennoch.

Liebe Leser, wissen Sie, wie meine heutigen Empfehlungen für Sie lauten?
1) Falls Sie jemand ansprechen sollte, dem daran liegt zu erfahren, wo sich Zimbabwe befindet, warten Sie, nachdem Sie es gezeigt haben, ein bisschen länger als ich. Derjenige hat vielleicht doch noch ein separates Anliegen.
2) Interessieren Sie sich jetzt – weil Kinder in der Familie sind – spontan für Pferd, Zebra oder Einhorn, dann googeln Sie doch einfach einmal und schauen unter Pony Cycle.

 

© by Michèle Legrand, April 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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Wenn es nichts wird … wird’s etwas anderes

Letzte Woche wollte ich … Nein, lassen Sie mich anders anfangen!

Es gibt relativ unwichtige Ideen, die einem gelegentlich durch den Kopf geistern. Spezielle Vorhaben, die in Erwägung gezogen, jedoch letztendlich nicht ausgeführt werden. Was glücklicherweise aufgrund der Unwichtigkeit der Sache nicht weiter tragisch ist und daher keine sonderlich nachteiligen Folgen hat oder unliebsame Konsequenzen nach sich zieht. Der feste Ausdruck, dass man mit einem Gedanken schließlich lediglich spielt, spiegelt die Situation recht gut wider.
Bei meiner heutigen Variante handelt es sich allerdings um eine besondere Form. Es geht um Pläne, ganz eventuelle Vorhaben, deren Durchführung von anderen Gegebenheiten abhängig ist. Es sind – wie ich sie nenne – die Vielleicht-mach-ich-das-wenn-Sachen.
Wenn …, dann …
Kennen Sie von Excel.

Wenn du am Dienstag in der Innenstadt vorbeikommen solltest, schaust du nach den Schwänen. Sagst Hallo und machst ein Foto. Für den Blog.
So dachte ich zu Beginn der vergangenen Woche.
Sie wissen vielleicht, dass die berühmten Alsterschwäne in Hamburg jeden Winter für vier Monate die Binnenalster verlassen und ein gesondertes Winterquartier im Stadtteil Eppendorf beziehen. Dort wird der Mühlenteich bewusst eisfrei gehalten, und für Futter ist auch gesorgt. Nennen wir es kurz: UfSmV.
Unterkunft für Schwäne mit Vollpension.
In der Zeit von November bis März fehlen sie einem ganz gehörig! Ihr Anblick gehört einfach zur Innenstadt und zur Alster dazu. Außerdem gilt ja bis heute die Legende, dass Hamburg seinen Status als Freie und Hansestadt nur so lange hält, wie es die Alsterschwäne gibt … Am letzten Dienstag sind sie zurückgekehrt.
Und wer war nicht dort? Ich.

Zur Wochenmitte sollten wiederum königliche Gäste aus den Niederlanden eintreffen. Besuch des Rathauses, des Bürgermeisters, Wahrnehmung weiterer Termine. Schon spielte ich mit neuen Gedanken:
Wenn du am Donnerstag in der Innenstadt vorbeikommen solltest, schaust du nach Máxima und Willem-Alexander. Sagst Hallo und machst ein Foto. Für den Blog.
Nur dann erinnerte ich mich, dass ich die beiden beim Besuch der Stadt Leer im letzten Mai bereits knapp verpasst hatte. Weil ich gar nicht gewusst hatte, wann sie genau wo erwartet wurden. Ohne exakte Terminkenntnisse hätte mir das hier wieder geblüht. Zudem kam ich am Donnerstag gar nicht Richtung Innenstadt.
Wer war also nicht dort? Ich.
Bis zum Wochenende geisterten noch zwei oder drei andere Ideen in meinem Kopf herum. Alle angedachten Vorhaben entpuppten sich leider eher als Kandidaten der Sorte: Wenn nicht …, dann nicht …
Wenn du weiter nur etwas ausbaldowerst, was als Es-wäre-nur-gegangen-wenn-Sache endet, sieht es übel aus mit einem Foto. Im Blog.

Gestern am Abend fiel mir schließlich auf der Suche nach einem aufbewahrten Kassenbeleg etwas in die Hände. Garantieunterlagen, Bons und andere derartige Sachen befinden sich nämlich im gleichen Schrankteil wie zwei recht unscheinbare kleine Alben mit einigen Fotos.
Da ich Ihnen weder Aufnahmen von Máxima und Willem-Alexander noch ein ganz aktuelles Foto eines Alsterschwans anbieten kann, gibt es etwas anderes …

Erinnern Sie sich noch an diesen Herrn und seine Sendung?

März 1975

Ihr heutiger (quasi) Ersatzkönig Ilja, der Erste. Die Ausstrahlung seiner Sendung Disco endete 1982 nach zwölf Jahren, doch Ilja Richter ist bis heute in Theater und Fernsehen präsent, immer noch höchst schlagfertig, unverändert schlank und mit 62 Jahren unverschämt gutaussehend.
(Schauen Sie einmal auf das Datum: ein fast auf den Tag genau 40 Jahre alter Gruß …)

Zu Beginn sprach ich gezielt die relativ unwichtigen Vorhaben an. Lockere Pläne, banale Wünsche, deren Nichtzustandekommen oder deren Nichterfüllung kein wirklich großes Herzeleid verursachen. Bloße Gedankenspielerei. Nicht so wichtig …
Es gibt jedoch genauso die anderen Vorhaben und Träume. Die, die einem viel bedeuten, auf deren Zustandekommen man intensiv hofft. Wenn diese Träume platzen …
Schade. Niederschmetternd! Zum Verzweifeln?
Irgendwie natürlich schon. Nur – was bringt es? Soll ich Ihnen etwas verraten? Sie leben wesentlich entspannter, wenn auch dort die Devise gilt:
Wenn es nichts wird, wenn es dies nicht wird … wird’s etwas anderes!
Wer weiß denn schon heute so genau, ob es dadurch nicht – im Endeffekt – viel besser wird?
Um Ilja Richters Disco noch einmal heranzuziehen:
Das Licht ging zwar irgendwo aus. Doch stets ging kurz darauf anderswo ein heller Spot an!

Vielleicht sollten wir bei unerwarteter Dunkelheit einfach ein bisschen abwarten. Womöglich stellen wir später verdutzt fest, dass uns der darauf folgende gezielte Spot viel besser steht, als die einstmals geplante Rundumillumination!

© by Michèle Legrand, März 2015
Michèle Legrand  - freie Autorin  - Foto:©Andreas Grav

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Zwischendurch …

Erhoffen Sie heute nichts Weltbewegendes! Ich melde mich spontan zwischendurch. Der Titel hätte ebensogut anders lauten können: Getrennte Wege oder Schleichender Tod. Nur, mal ehrlich, wer will schon etwas dermaßen Trübsinniges – vor allem, wenn die Lage überhaupt nicht so extrem desolat ist!
Urteilen Sie bitte selbst:
Meine Maus starb letzte Woche einen siechenden Tod. Ich meine die felllose Maus, die vom Laptop. Sie muss den Transport zu meinem Workshop am vergangenen Wochenende übel genommen haben. Irgendwann wurde es zu eng für die Lütte. Platzmäßig. In der Tasche. Sie erlitt eine Quetschung.
Immerhin erst am Kursende.

Bei näherer Betrachtung daheim stellte sich heraus, dass sich die Achse verbogen und sich die Stellung des kleinen Rädchens obenauf geändert hatte. Es saß nicht mehr mittig, war nicht nur verschoben, sondern neuerdings in sich schief und ließ sich somit nicht an den ursprünglichen Platz zurückbewegen.
Beim Einsatz zeigte sich das Ausmaß der Sonntagsquetschung:  Scrollen war unmöglich, die rechte Maustaste hakte zudem, und irgendwie entwickelte sie ein für mich höchst erschütterndes Eigenleben.
Ständig wurde eine enorme Vergrößerung des Schriftbilds ausgelöst. Oder ein Wechsel auf eine vorangegangene Seite. Keine Ahnung, wie so etwas funktioniert. Es ließ sich nur nach völliger Deaktivierung der Maus und Einsetzen des Touchpads wieder rückgängig machen. Touchpad-Nutzung als Alternative ist gut und schön, geht auch – doch eine Sache macht mich kirre: damit Fotos zu bearbeiten.

Deshalb gibt es dieses Hallo zwischendurch und nicht den ursprünglich geplanten, bebilderten Beitrag. Für den wäre nämlich haargenau diese Prozedur nötig gewesen. Zig Aufnahmen verkleinern, vergrößern, ausschneiden, Licht nachbessern, Kontrast eventuell nachregulieren etc.
Mein Programm zum Optimieren von Bildern besitzt diese Schieberegler, die Sie mit dem Cursor der Maus anklicken können, um sie nach links oder rechts zu bewegen. Ein Klick, und das Debakel begann. Die Maus verschob eigensinnig nach links.
Ausschließlich dorthin! Was anderes kam nicht in Frage!
Und sie hörte überhaupt nicht damit auf. Immer bis zum Anschlag. Dem Luder war völlig schnuppe, was ich davon hielt! Jeder Stopp-, jeder Änderungsversuch meinerseits – es war alles für die Katz’. Wie von Geisterhand angeschoben wanderte der Schieber ständig zur linken Seite.
Jedes Bild verlor also zunächst unaufhaltsam sämtliche Farbe und wurde im nächsten Schritt komplett finster. Das Endprodukt wirkte so ähnlich wie eine nächtliche Schlammaufnahme.
Um dem Frust keine Chance zu geben, beschloss ich es mit Humor zu nehmen, nannte es künstlerisch wertvoll und taufte die Neukreation „Fango bei Neumond“.
Die Schöpfung ließ sich nur beim besten Willen nicht für den Bretagne-Blogpost, Teil 5 verwenden …

Die Macken wurden immer ausgefallener. Ich wollte die Trennung. Am Donnerstagabend kam die Neue. Sie wurde eingestöpselt und für gut befunden. Ganz folgsam ist sie. Macht, was ich ihr sage. Feine Maus.
Nur ausdenken und schreiben muss ich weiterhin selbst.
Ich werde jetzt sehen, dass ich irgendwo noch ein bisschen Extrazeit zusammenkratze, damit Sie demnächst im Blog auch wieder zusätzlich ein paar Fotos vorfinden.

Linksdrall. So hätte er auch heißen können. Der Blogpost …

©by Michèle Legrand, Februar 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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In den Wehen …

Ich wollte Ihnen heute kurz von diesen leidigen Wehen erzählen. Das war seinerzeit echt unangenehm. Durchaus schmerzhaft! Mir fiel es am Sonnabend wieder ein …

Ich hatte am vergangenen Wochenende einen Intensivkurs belegt. Thematisch völlig anders geartet, ganz ohne Wehen. Er startete am Freitagabend und endete erst am späten Sonntagnachmittag.
Jeder dieser Tage begann für mich mit einer Autofahrt zum Kursort.  Am Sonnabend erreichte uns hier im Norden nun plötzlich der Winter. Ich spreche vom sichtbaren, weißen Winter. Der Schneefall setzte relativ unerwartet ein und fiel erstaunlich intensiv aus. Nicht allein während der Fahrt, die weißen Kristalle stoben tagsüber noch geraume Zeit während des Kursus wild vor dem Fenster umher.
Als ich mich am Abend auf den Rückweg machte, hatte der Flockentanz ein Ende gefunden. Mir fielen die durch Räumfahrzeuge fabrizierten kleinen Schneewälle links und rechts am Straßenrand auf. So hatte es schon einmal ausgesehen. Nur, dass die Haufen zu jener Zeit ein bisschen höher gewesen waren …

Früher (ganz früher) habe ich außerhalb, nördlich von Hamburg, in Schleswig-Holstein gelebt, fuhr allerdings jeden Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt. Auch in jenem Winter. (Lassen wir einfach das genaue Jahr weg, es klingt sonst wirklich so, als berichtete ich bereits aus der Gruft.)
In diesem Winter gab es eine Schneekatastrophe, von der die Menschen in Schleswig-Holstein heute noch sprechen. Abgeschnittene Ortschaften, eingestellter Verkehr, Versorgungsprobleme, Stromausfall, frierende Menschen, leidende Tiere, Hubschraubereinsatz, Katastrophenalarm …  All das war damals an der Tagesordnung.
An einem erstaunlich zivil wirkenden Morgen, der Schnee auf den Straßen war in der Nacht geräumt worden, die Hauptverkehrsstraßen präsentierten sich halbwegs frei, brachte mich mein Bus durch eine verschneite Landschaft zum Zug, der wiederum seine Tour ins Zentrum von Hamburg meisterte. Der Anschlussbuss erschien, und die letzte kleine Schlitterpartie zu Fuß zum Ziel verlief ebenfalls unfallfrei.
Doch dann setzte am Vormittag neuer Schneefall ein.
Unglaubliches Schneegestöber!
Man sah die Hand vor Augen nicht!  Ich machte mich eher auf den Heimweg, weil es hieß, der Zug- und Busverkehr würde später eingestellt werden. Der erste Teil auf Stadtgebiet klappte, da ich auf die U-Bahn umsteigen konnte, die anfangs unterirdisch fährt. Sobald sie jedoch auf die freie Strecke wechselte, gab es Verzögerungen. Es folgten Zugwechsel, danach massive Verspätungen und lange Wartezeiten auf Bahnhöfen. Ich wähnte mich glücklich, als dieser Part geschafft war und obendrein mein Bus an der letzten Haltestelle stand und wartete. Er war also noch im Einsatz! Dem Himmel sei Dank!
Die Fahrt startete im Schneckentempo Richtung Norden. Schneetreiben ohne Ende. Die gut ausgebauten Straßen und dichter bebauten Gebiete endeten. Irgendwann verläuft die Strecke dieser Buslinie (das ist auch heute noch so) entlang einer Landstraße, zu deren Rechten und Linken sich nur Felder befinden. Kurz bevor der Fahrer auf diese Straße abbiegen musste, stoppte er seinen Bus und hielt Rücksprache mit der Zentrale. Das Resultat: die sofortige Einstellung des Busverkehrs auf dieser Strecke. Neuschnee, Glätte und eine durch Schneeverwehungen verengte Fahrbahn, hatten die Verantwortlichen zu dem Schluss kommen lassen, dass das Risiko steckenzubleiben zu groß wäre. Sämtliche Fahrgäste mussten den Bus verlassen. Taxis gab es keine.
Was tun?
Stehenbleiben war keine ratsame Lösung. Mein restlicher Heimweg betrug noch ca. 3,5 km. Mit vier anderen Personen, die in die gleiche Richtung wollten, machte ich mich auf, die Strecke zu Fuß auf der verlassenen Straße zurückzulegen. Hier fuhr gar nichts mehr. Warme Kleidung trug ich durchaus, nur war Mademoiselle Legrand damals noch relativ uneinsichtig, was wirklich adäquates Schuhwerk anging. Sie trug sommers wie winters höhere Absätze. An diesem Tag befanden sich diese an weinroten Stiefeletten.
Versuchen Sie sich am besten vorzustellen, dass jemand, der höhere Absätze gewohnt ist, absolut nichts dabei findet, damit auch durch Schnee zu stapfen und dass dieser jemand es auch unbeschadet hinbekommt.
Unter normalen Umständen …

Der Marsch begann beinahe lustig. Es wurde herumgealbert. Mit einer gehörigen Portion Sarkasmus.
Was bleibt einem denn sonst auch übrig in einer solchen Situation!
Nach einem knappen Kilometer gelangten wir dorthin, wo nirgends mehr Bäume wuchsen, die so gnädig waren, den Wind zu bremsen. Der Schneefall hatte wieder zugenommen und heftige, eisige Windböen trieben dichte Flocken, jedoch ebenfalls stecknadelspitze, harte Eiskristalle quer über die freien Felder auf die Straße zu. Die Augen tränten, die Kälte biss im Gesicht, die Tropfen an der Nase froren sofort ein. Sicht war kaum vorhanden, doch die Straße verlief glücklicherweise schnurgerade. Sobald rundherum alles weiß ist, ist allerdings auch dieses Wissen nur eine theoretische, höchst unzuverlässige Hilfe. Man verliert die Orientierung. Es waren letztendlich eher die an den schneereichen Vortagen beim Räumen bereits beidseitig aufgeschütteten Wälle, die recht sicher anzeigten, wo es langging.
Die Gruppe driftete auseinander. Das Tempo jedes Einzelnen war zu unterschiedlich. Vielleicht waren wir real gar nicht weit voneinander entfernt, doch wir sahen uns nicht mehr.
Der Wind war nicht nur stark und kalt, er war auch laut. Selbst Schneefall und Schneedecke am Boden konnten das Brausen und Pfeifen nicht merklich dämpfen. Ich hörte daher das Motorengeräusch erst, als es fast vor mir war. Ein plötzliches tiefes Brummen, und im nächsten Augenblick zuckte ein gelbes Warnblinklicht inmitten der Flockenwand.
Ein großer Schneepflug tauchte wie aus dem Nichts vor mir auf!
Mir war klar, dass der Fahrer mich garantiert nicht sehen würde. Also sprang ich hektisch nach links in die Schneewehen, krabbelte in ihnen aufwärts und versuchte, mich dadurch gleichzeitig noch weiter von der Fahrbahn zu entfernen. Es glückte  – ich bekam lediglich unvermittelt eine ziemliche Ladung Schnee ab, die der Pflug zur Seite ausblies.
Das Ungetüm fuhr weiter, Stille kehrte ein. Langsam traute ich mich wieder aus dem Schnee heraus. Als ich auf die Straße sprang, bemerkte ich zu spät, dass der Absatz des einen Schuhs die vorangegangene Aktion nicht überstanden hatte und abgebrochen war. Ich knickte bei der Landung auf der Fahrbahn ziemlich unsanft um …

Heute weiß ich gar nicht mehr so genau, wie ich den Rest der Strecke geschafft habe, aber in dem Moment beißt man sehr fest die Zähne zusammen, hält durch und humpelt heim. Es gibt keine Alternative …
Schnee habe ich danach irgendwie sehr lange nicht gemocht.
Und sonst?
Seit dieser Zeit trage ich im Winter etwas besser geeignete Schuhe. Madame ist schließlich lernfähig.

Sie allerdings, liebe Leser, Sie wissen nun, warum „in den Wehen sein“ schmerzhaft ausfallen kann …
Ganz ohne Schwangerschaft.
Schnee-Engel

©by Michèle Legrand, Januar 2015
Im Schnee - M. Legrand

 

 

 

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Tattoos am Bein …

„Dauert das noch lange?“
Schlange stehen vor dem Schalter in der Bank langweilt den Jungen.
„Fünf Leute sind noch vor uns dran, ich hoffe es geht schnell“, so lautet die Antwort seiner Mutter. „Du kannst dich ja da vorne hinsetzen.“
Er hat kein Sitzfleisch, sondern stromert in der Gegend umher, beobachtet Kunden an den Geldautomaten. Nach kurzer Zeit kehrt er zurück.
„Mama, da hinten ist eine Frau mit ganz vielen Tattoos!“
„Ach, ja?
„Ja, echt viele! Die Beine sind ganz voll! Überall!
„Heutzutage haben sehr viele Menschen Tattoos …“
„Ja, schon. Aber die Frau ist ganz schön alt!“
Jetzt muss ich doch auch mal schauen, was er a) als alt empfindet und b) was das für Tattoos sind, wenn sie ihm so ins Auge stechen. Irgendwie ist das eigenartig, denn wir haben Winter. Läuft tatsächlich jemand mit nackten Beinen herum? Von der älteren Generation?
Ein Pfeiler versperrt die Sicht auf die Dame, jedenfalls auf das, worauf es mir ankommt, und da ich nicht meinen Platz in der Schlange aufgeben möchte, bleibt mir nichts anderes übrig, als abzuwarten. Immerhin bin ich vor den beiden dran, das kann sich nicht mehr allzu lange hinziehen.
Der Junge behauptet mittlerweile, die Frau, seine Entdeckung, sei mindestens so alt wie seine Oma und verschwindet danach ein weiteres Mal. Tattoos anschauen zum Zweiten.
Wie alt mag seine Oma sein? Irgendein Alter zwischen mindestens 60 und höchstens 75 Jahren wird vermutlich auf sie zutreffen.
Er kommt zurückgedüst.
„Du, das sind echt ganz tolle Bilder! So richtig viel mit Blau und Rot und Grün und so …!“
„Also ich glaube, ich würde in dem Alter keine haben wollen“, sinniert die Mama, „denn wenn die Haut später richtig faltig ist, dann wirkt das nicht mehr so schön.“
„Ja, aber wenn sie die Dinger, die Tattoos schon hatte?“
„Sie wird sie sicher schon länger haben“, vermutet seine Mutter, „ich kenne keine ältere Dame, die jetzt mit dem Tätowieren anfangen würde. In der Generation ist das einfach nicht angesagt. Allerhöchstens ganz versteckt. Ein Minischmetterling unten am Fuß vielleicht.“
„Du, Mama, die Frau hat aber ganz glatte Haut an den Beinen.“
„Dann ist sie vielleicht doch nicht so alt?“
Er hat es geschafft. Ich bin wirklich neugierig!
Mittlerweile habe ich meine Bankangelegenheit erledigt und wandere Richtung Kontoauszugsautomat, denn inzwischen ist die Dame dort tätig. Einerseits möchte ich wirklich einen Kontoauszug ziehen, andererseits … ich muss das jetzt checken!
Er hat nicht gelogen. Die Dame hat die Siebzig bereits überschritten, und ihre Beine sind bunt.
Allerdings … sie trägt Strumpfhosen!
Kein Wunder, dass sie faltenfreie Tattoobeine hat!

War Ihnen das schon bekannt? Dass es tatsächlich Damenstrumpfhosen mit Tattoodesign gibt?
Sehr echt wirkend übrigens!
Stellen Sie sich vor, was Sie damit alles anstellen könnten! Mit diesen Verwirr-Strumpfhosen.
Oder erst mit einem Ganzkörperanzug!
Was könnten Sie Ihnen bekannte Mitmenschen aufs Glatteis führen! Am besten nach einem Urlaub. Sie kündigen ihre Rückkehr telefonisch sehr geheimnisvoll an. Erwähnen dabei Termine, die sie nun hinter sich haben und betonen persönliche Veränderungen. Nein, Sie könnten vorher nicht darüber sprechen …
Sie verabreden sich kurz darauf in einem gut geheizten Café. Klar, oder? Das ist nötig, damit Sie einiges von der verdeckenden Oberbekleidung von sich werfen können.
Tataa!
Das haut den stärksten Kerl vom Hocker, wenn Sie – bis aufs Gesicht – komplett tätowiert sind! Und machen Sie sich keine Sorgen; die Verärgerung wird sich in Grenzen halten. Die meisten sind hinterher so dermaßen erleichtert, dass Sie es nicht durchgezogen haben, dass man Ihnen den Beschiss augenblicklich verzeihen wird.

Ich habe ja keine Ahnung, welche Läden bereits die Strumpfhosen führen, doch im Internet bestellen können Sie sie auf jeden Fall. (z. B. bei maskworld.com. – Hosen und auch Armdekore mit verschiedenen Aufdrucken)
Berichten Sie mir doch bitte, wenn Sie für Furore sorgten! ;-)

Ansonsten wünsche ich Ihnen einen relaxtes Wochenende und sage: Bis bald!

© by Michèle Legrand, Januar 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com

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Und die Zeit, und die Zeit, und die Zeit …

Christbaumkugeln am TannenbaumZack! Weihnachten ist da! Letzte Woche schien es realistisch, noch ausreichend Zeit zu finden, um ein weiteres Mal vor dem Fest etwas im Blog zu hinterlassen. Nun steht der Heiligabend plötzlich vor der Tür und hämmert penetrant. Fordert vehement Einlass. Ich bin dadurch hin- und hergerissen, doch zwischen den Vorbereitungen sollte wenigstens ein kleiner Gruß zum Fest möglich sein.
Möglicherweise geht es minimal gehüpft und gesprungen zu. Ich muss ab und zu in die Küche zum Pilzragout und all dem Rest.
Kochen zwischen dem Schreiben.

Ich war gestern am 23.12. noch unterwegs im Gewühl. Die letzten Kleinigkeiten fürs Mahl ergattern. Frische Petersilie, Champignons …
Es waren in Läden und Passagen vermehrt Weihnachtsmänner unterwegs. Einige etwas lieblos hergerichtet und leider auch manchmal unpassend mickrig, zu dürr. Dass sie vor Weihnachten stets zu massenhaft und teilweise nicht glaubwürdig genug auftreten, erkennen Sie auch an der Reaktion der kleineren Kinder. Die sind dann nicht mehr begeistert, sondern misstrauisch. Sie riechen den Braten. In dem Fall helfen auch keine an den Haaren herbeigezogene Erklärungen. Das Jungvolk nimmt den Eltern die Story von den vielen notwendigen Helfern des Weihnachtsmanns nicht ab. Schon gar nicht, wenn sich bei denen die Bärte lösen und unter dem Mantel Jeans und Turnschuhe herausschauen.
Kürzlich traf ich allerdings auf drei Engel. Die sahen in ihren weißen Kleidern und mit den entsprechenden Flügeln schon echter aus und haben obendrein wirklich engelsgleich Weihnachtslieder im Einkaufszentrum gesungen. Mehrstimmig! Das kam tatsächlich kurze Zeit eine festliche Stimmung auf! Doch auch diese Himmelswesen werden von den Kindern sehr genau beobachtet. Es wurde – O-Ton eines kleinen Mädchens – festgestellt, dass hübsche, weißgekleidete Engel, wohl niemals kleckern dürfen …
Engel singen Weihnachtslieder

Dass Kinder viele Fragen auf dem Herzen haben, wissen Sie. Doch auch Erwachsene machen es untereinander. Dieses Fragen abfeuern. Eine junge Frau löcherte ihren Freund. Nach der gefühlt 27. Frage antwortete er sichtlich geschafft:
„Für eine einzige Person fragst du ganz schön viel!“
Da war sie etwas eingeschnappt – nur, um nach kurzem Durchatmen Frage 28 hinterherzuschicken:
„Ist dir das zu anstrengend?“
„Nein, nein! Überhaupt nicht!“
Wäre er Pinocchio …

Draußen im etwas stürmisch-nassen Wetter hob eine Böe einer Frau neben mir an der Ampel die Kopfbedeckung ab. Ein Vater und sein kleiner Sohn bekamen es ebenfalls mit. Der Mann fing das Flugobjekt gekonnt ein und reichte es der Dame zurück, worauf sie sich hocherfreut bedankte. Zum Lütten gewandt sagt sie: „Dein Papa ist aber ein sehr hilfsbereiter Mann.“ Der Kleine ist wie sein Vater Afrikaner, verstand nicht so richtig und wollte daher alles noch einmal langsam erzählt und erklärt haben. Auch die Hutsache. Der Vater bemühte sich, es ihm auf Deutsch zu erklären:„Amare, wenn das Wind ist richtig hart, die Hut macht einfach weg. Dann Papa muss springen, weil Frau sonst nicht glucklich.“
So ist das.
Hamburg - Wandelhalle Hauptbahnhof - Weihnachtskugel

Am Fischstand ging es um Information. Mit mulmigem Gefühl verlangte eine sehr junge Dame (5-6 Jahre) nach einem skeptischen Blick auf einen ziemlich langen, schwarzen Aal die Gewissheit, dass dieses Viech keine giftige Schlange sei. Sie beharrte daher auf einer Bestätigung, besonders, weil ihre Mama das Ungetüm kaufen wollte.
„Natürlich ist das keine Schlange!“, beteuerte die Fischverkäuferin.
Das Fräulein wirkte danach nicht sonderlich überzeugt. Ich würde darauf wetten, dass sie den Aal daheim nicht anrühren wird!

Moment, es blubbert. In der Pfanne. Bin gleich wieder da …

Ich fand es auch auf der Rolltreppe amüsant. Eine Enkelin erzählte ihrer Oma, dass die ganz kleine Schwester bald in die Krippe käme. Opa dahinter hörte nur die Hälfte. „Sarah hat Grippe?“
Und zu guter Letzt bot ein Schaufenster ungewollt ein zur momentanen Einkaufssituation recht passendes Bild. Puppen wurden umdekoriert und daher fürs Umkleiden demontiert. Komplett zerlegt! Überall auf dem Boden fanden sich verstreut einzelne, nackte Gliedmaßen. Und Köpfe fehlten.
Genauso kopflos und leicht unkoordiniert, als würden sie nicht mehr alle Körperteile beherrschen, liefen am letzten Tag vor dem Heiligen Abend auch viele Menschen umher.
Weihnachten. Das übliche Durcheinander. Ach, ja …
Es ist ja nur noch für kurze Zeit. Dann läuft alles wieder in den üblichen, geordneten Bahnen.

Die Zeit scheint irgendwie zu verfliegen. Doch die Geschenke sind komplett, die Vorbereitungen fast abgeschlossen, die Vorfreude auf das Fest stellt sich trotz unweihnachtlichen Wetters langsam ein und nimmt sicher mit zunehmendem Rückzug aus dem Gewühl und der Hektik noch zu.

Unterwegs klagte mir heute eine lockere Bekannte, die ich beim Einkaufen in einer Schlange antraf, ihr Leid. Sie hat das Problem (so empfindet sie es), dass sie mit den Geschenken nicht so glücklich ist, die sie verschenken wird – also vorrangig eher mit den diesen Präsenten zugrundeliegenden Wünschen – und wollte partout wissen, was ich dazu zu sagen hätte.
Wozu? Dass sich die Leute nicht das Richtige wünschen? Es ist ein bisschen heikel, darauf zu antworten. Ich tat es dennoch. Merkte an, es sei nicht der Sinn oder das Ziel der Sache, dass der Geber unbedingt damit glücklich wird oder sich dadurch Wohlbefinden verschafft. Wichtiger sei, dass der Empfänger sich daran erfreut und das Geschenkte ihm gut täte.
Es war wohl nicht die gewünschte Erwiderung …

Ich muss zum Schluss kommen. Das Kochen erfordert längere Anwesenheit. Halt! Eine Sache noch!
Es war gerade die Rede von Problemen. Oder war es keines?
Sagen Sie, erinnern Sie sich eventuell an das Chanson „Un peu d’amour et d’amitié“ von Gilbert Bécaud? Ich habe es vorhin im Auto gehört. Eine deutsche Version gibt es von ihm (Bécaud) auch. Ein bisschen Glück und Zärtlichkeit wird darin besungen und im Refrain heißt es wiederholt: Und die Zeit, und die Zeit, und die Zeit …
Kennen Sie nicht?
Ist jetzt nicht weiter tragisch, denn eigentlich wollte ich lediglich auf diese herausgepickte Zeile des Liedtexts zurückkommen. Diese mehrfache, fast schon stakkatoartige Wiederholung der Zeit bewirkt etwas, was im Lied gar nicht geplant ist. Es vermittelt ein wenig den Eindruck von Gehetztheit, von verfliegender, rasender Zeit, von einem durch die Finger entgleitender Zeit. Doch in Wirklichkeit ist die Rede – ganz vereinfacht und verkürzt gesagt – davon, dass die Zeit quasi Heilkräfte besitzt. Leg doch einfach die Probleme auf den Tisch, heißt es. Hier … oder besser noch  bei einem Freund. Die Zeit wischt sie fort. 
Glauben Sie daran?
Klingt gut, oder? Zu gut? Es kann gelegentlich, muss aber nicht funktionieren.
Es ist dennoch verführerisch, den Gedanken weiterzuspinnen, denn der erste Eindruck (geht nicht!) täuscht. Es ist tatsächlich etwas Wahres dran!
Es ist definitiv hilfreich, Probleme auf den Tisch packen. Es bedeutet nicht anderes, als sie einfach herauszulassen, sie möglicherweise sogar mit jemandem zu teilen, vor allem aber heißt es, die Knackpunkte mit Abstand zu betrachten. Manchmal erledigt sich dann vieles von selbst.
Falls Sie (die anderen hier können ja bis zur Verabschiedung weghören) gerade mit Dingen hadern:
Legen Sie einmal alles ab, was belastet. Was nervt, was Sorgen bereitet, was stört. Breiten Sie es symbolisch aus, erkennen Sie Puzzlestücke, aber auch ein Gesamtbild, und genehmigen Sie sich danach den Versuch zu testen, ob die Zeit nicht vielleicht schon bald etwas davon von sich aus wegzuwischen gedenkt. Das ist nicht zu verwechseln mit Verdrängung, absoluter Passivität und einem grundsätzlichen Aussitzen!
Es ist ein befristetes, distanziertes Betrachten. Es ist das Vermeiden von zu früher und unnötiger Hektik, das Unterlassen von unüberlegten Aktivitäten und die Abschaffung vom ewigen Angehen des Kleinviehs. Es ist ein sich Klarsicht verschaffen. Sie können schauen, welches Vieh den meisten Mist produziert. Sie können verschiedene Aspekte betrachten, berücksichtigen und nutzen danach den Effekt der ganz natürlichen Regelung.
Erstaunlicherweise gibt es sie!
Bleiben Sie gelassen, geduldig, nehmen Sie nicht alles zu schwer, zu persönlich, zu wichtig. Auch das reduziert schon gewaltig das Problemaufkommen.
Was sich nach dieser Abwartephase hartnäckig auf der Tischplatte hält, werden Sie schon sehen. Dieser manchmal erstaunlich kleine Rest offenbart das, was Sie sich wirklich noch vornehmen müssen.
Aber nicht gerade an Weihnachten, dafür hält das Jahr noch ein paar mehr Tage bereit.

Und die Zeit, und die Zeit und die Zeit …
Krippe mit Spieluhr

So, nach der nächsten Küchenaktion werde ich meine uralte Weihnachtskrippe mit der eingebauten Spieluhr aufziehen und mir Stille Nacht anhören. Ich denke, die Spieluhr im Wohnzimmer wird das Rauschen der Dunstabzugshaube in der Küche übertönen. Und während das Lied läuft (und lustigerweise zum Ende immer langsamer erklingt, im Zeit-lu-pen-tem-pooooo), sende ich Ihnen meine herzlichsten Wünsche für ein frohes Weihnachtsfest und entspannte Feiertage!

Bis bald!

©Dezember 2014 by Michèle Legrand
e Legrand, freie Autorin ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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Die Gerüchteküche – Von Raterei über Tratsch zur Verleumdung

Es ist nicht ganz klar, woran es vorrangig liegt. Vielleicht muss alles eine Begründung haben, muss eine scheinbare Ordnung geschaffen oder eine Orientierung gegeben werden. Irgendeine.
Und wenn sie erdacht ist!
Oder der Mensch bildet sich ernsthaft ein, er sei oberschlau, wüsste mehr. Nein, wüsste alles!
Was redet er doch gerne mit. Immer. Überall. Wenn er etwas nicht weiß, kein Problem! Er kann zumindest
so tun als ob. Kann wenigstens raten. Mutmaßen.
Gut, wenn sich eine Gelegenheit findet …

Vor längerer Zeit arbeitete ich mit einem Kollegen mittleren Alters zusammen, der erschien, nachdem er jahrelang in dunklem, relativ sackähnlichem Outfit sein Dasein fast gefristet hatte, am ersten Arbeitstag nach einem Urlaub sehr aufgeräumt in einem froschgrünen, die Figur betonenden Samtblazer.
Verblüffung und Stielaugen im Büro!

Und dann sagte der Lump von sich aus kein Wort dazu!
Er verriet den neugierigen Kollegen nicht, was den Ausschlag für diese eklatante Abweichung von der Norm gegeben hatte! Solch ein Verhalten forderte Vermutungen geradezu heraus!
Er hat im Urlaub bestimmt jemanden kennengelernt, hieß es. Genau, er hat eine Freundin …
Er hat sie geschenkt bekommen (die Jacke, nicht die Freundin).
Plötzlich einsetzende Farbenblindheit war im Gespräch oder die Vermutung, es könnte ein Schnäppchen gewesen sein. Aufgeschwatzt von einer attraktiven, ganz reizenden und überaus überzeugend wirkenden, jungen Verkäuferin.
Eine weitere Idee besagte, dass mit großer Wahrscheinlichkeit ein ganz spezieller Geschenkgutschein der Grund gewesen sei, einer, der in einem damals angesagten Modegeschäft galt, das einfach nichts anderes als hippe, bunte Sachen anbot.
Nein, verkündete sein Vorgesetzter, der Jugendwahn hätte ihn neuerdings ereilt. Der und/oder die Angst vor dem Alter.
Dieses Gerücht erschien plausibel und wurde so lange als Fakt übernommen, bis jemand die neue Theorie in den Raum warf, er hätte sich morgens im Dunkeln an der Garderobe vergriffen und eine Jacke seiner fast erwachsenen Kinder erwischt.

Der Grund war natürlich ein völlig anderer: Der Kollege hatte im Laufe der Monate kontinuierlich abgenommen. Der einstmals recht rundliche Mann war schlank geworden! Nur weil dieser Prozess langsam vor sich gegangen war, hatte es keiner richtig mitbekommen. Zudem hatte die weiterhin weite Kleidung es bisher kaschiert.
Eines Tages – in diesem Fall während seines Urlaubs – war für ihn der Zeitpunkt der Erkenntnis gekommen: Er bräuchte nicht länger ausschließlich dieses schlankmachende Schwarz oder ein den Menschen in den Hintergrund verfrachtendes, müdes Grau. Die Gewichtsabnahme hatte ein neues Körpergefühl mit sich gebracht und die Einstellung reifen lassen, das Auffallen fortan nicht mehr unter allen Umständen vermieden werden musste.
Also falsch getippt.

Immer wenn im Alltag irgendwo etwas Außergewöhnliches – im Sinne von anders als gewöhnlich, jedoch selten weltbewegend – passiert, brodelt die Gerüchteküche. Und die Vermutungen werden hinter vorgehaltener Hand weitergetragen – was miteinander zu verbinden scheint. Es liegt an der Mitwisserschaft. Sie fördert offenbar die Entstehung eines (heimlichen) Gemeinschaftsgefühls.
Obendrein ist wohl die Unsicherheit prickelnd, die Spannung, weil ein Gerücht nicht zwangsläufig unwahr sein muss! Es kann auch stimmen!
Nur wer weiß und entscheidet, was oder wie viel davon wahr oder falsch ist? Ob sich ein Gerücht als glaubhaft darstellt und hält (!) oder sofort als Hirngespinst abgetan wird, hängt natürlich auch von der eigenen Erwartungshaltung ab. Kann ich es mir vorstellen, klingt es wahr oder zumindest denkbar.

Irgendwie erinnert die ja typischerweise mündliche Übertragung eines Gerüchts an das Prinzip der Stillen Post: Das Ausgangsgerücht unterliegt laufenden Veränderungen bzw. Anpassungen. Unliebsames wird weggelassen, ein anderes Detail ergänzt, eine Variante entsteht.
Dafür, dass es im Grunde um gar nichts Großes geht, lösen einerseits die Situation an sich, andererseits das dazugehörige Gerücht enorme Aufmerksamkeit, in gewisser Weise auch Anteilnahme, aber vor allem menschliche Neugier und erstaunlichen Ideenreichtum aus. Hier kann eben jeder mitmischen. Hat die Gelegenheit, sich ins Rampenlicht zu drängeln und wichtig zu machen. Kann ungefragt seinen Senf dazugeben und uneingeschränkt herumorakeln.
Bis zu einem gewissen Punkt ist die Absicht eher unbekümmerte Raterei, und solange zumindest der andere Beteiligte, der, um den es im Gerücht geht, anwesend ist und sich selbst äußern oder Falschspekulationen resolut Einhalt gebieten kann, hat jeder die Situation im Griff.
Doch häufig ändert sich die recht harmlose Ausgangslage, und es entsteht allmählich eine Gratwanderung, bei der viele abrutschen. Plötzlich ist auch nicht mehr nur ein Einzelner (der auch schon genug anrichten kann!) auf dem Gerüchtepfad unterwegs, sondern mit ihm eine im Nu entstandene Gefolgschaft.
Dann zeigt sich die Kehrseite der Medaille: eine gewisse Unberechenbarkeit. Es wird schnell klar, dass bei Gerüchten zahlreiche Fehlschüsse garantiert sind, die im besten Fall nur für Unmut und Verwirrung sorgen, jedoch ebenfalls – die Gefahr ist nicht wegzureden – erheblichen Schaden anrichten können.

Es stehen hier mehrere Garagen, die nicht jeweils einem der umliegenden Hauseigentümer gehören, jedoch auf Wunsch von diesen angemietet werden können. Natürlich weiß jeder Anwohner, wer aus der Nachbarschaft sein Auto in einer Garage untergestellt hat und wer nicht.
Neulich stand der Wagen einer Mieterin draußen. Nicht nur am Tag, auch nachts. Und nicht nur einen Tag und eine Nacht, sondern mehrere. Die Rateküche wurde prompt eröffnet, und die Gerüchtebrutzelei in der (weiträumigen) Nachbarschaft ging los:
Warum hat die denn ihr Auto nicht in der Garage?
Hat sie wohl gekündigt. Die Miete ist ja auch happig auf Dauer. Ob sie Geldprobleme hat?
Nein, Frau X. hat sich sicher mit dem Eigentümer der Garagen überworfen –sie hat doch mit jedem Zoff! Der hat sie rausgeschmissen!
Wurde nicht neulich eine der Garagen aufgebrochen! Könnte ihre gewesen sein. Geschieht ihr übrigens recht. Wahrscheinlich darf sie noch gar nicht wieder hinein! Polizeianweisung …
Vielleicht hat sie ja auch nur den Schlüssel verloren …
Oder ihr Auto ist kaputt und springt nicht an. Sie kann es gar nicht wieder reinfahren.
Ach, was! Das macht die doch extra! Die braucht mal wieder zwei Plätze.
Oder sie will das Auto verkaufen! Steht wohl zur Besichtigung draußen … Ich sag ja, sie hat kein Geld!

Inzwischen parkt das Auto wieder in der Garage. Es hat sich auch herausgestellt, was die Ursache für das Parken unter freiem Himmel war: Die Mieterin benutzte die Garage für die Dauer einer guten Woche als Zwischenlager für aussortierte Möbelstücke. Solange, bis die Sperrmüllabfuhr erfolgte.
Ende des Rätselratens. Wieder einmal lagen die Gerüchteverbreiter falsch. Sie nagt keinesfalls am Hungertuch, benahm sich nicht daneben, wurde nicht ausquartiert.

Im Vergleich zur nicht sehr ernst gemeinten – und vor allem offenen – Raterei um das Jackett des Kollegen, hatten diese Spekulationen hinter dem Rücken schon ein anderes Kaliber.
Sie tun keinem gut. Weder der Person, über die spekuliert wird, noch denen, die Vermutungen unter das Volk bringen. Hier ist Sympathie oder Antipathie gegenüber der Zielperson ausschlaggebend für das weitere Verhalten und für die Art der Gerüchte. Das kann im Fall von Sympathie und dementsprechend wohlwollenden Theorien theoretisch auch einmal zum Vorteil gelangen, doch wesentlich öfter ist genau das Gegenteil der Fall, und es entstehen sehr schnell Stimmungsmache, ein verzerrtes Bild, üble Nachrede, Zoff, verhärtete Fronten.
Tratsch, der ausartet – mit all seinen negativen Folgen.
Blogartikel Gerüchte etc.
Bei meiner Oma im Haus wiederum kursierten einst wilde Verdächtigungen, weil vor Weihnachten die Amaryllis verschwunden war. Meine Großmutter zog im Treppenhaus am Fenster immer drei bis vier verschiedene Pflanzen in kleineren Kübeln, weil sie den gekachelten Flur dann als nicht so kahl und steril empfand.
Die Amaryllis hatte sie am Nikolaustag auf die Fensterbank dazugestellt. Fünf Tage später herrschte an diesem Platz allerdings gähnende Leere …
In dem Haus ohne Fahrstuhl wohnten zehn Mietparteien auf mehreren Etagen. An der Blume am Fenster im ersten Stock kamen daher die meisten vorbei. Sie hatten sie bewundert, denn bald würde sich eine tolle, recht große, in einem warmen Rot leuchtende Blüte zeigen. Die Amaryllis trieb kräftig aus ihrer Zwiebel und schob bereits einen langen, dicken Blütenstiel heraus, der jeden Tag deutlich sichtbar ein Stück wuchs und an dessen oberen Ende die Knospe dicker und dicker wurde.
Als die Pflanze verschwand, wurde vom Bewohner der Wohnung unten rechts als erstes der neue Zeitungsausträger des Entwendens verdächtigt. Weil der problemlos ins Haus konnte und bisher immer so mürrisch gewesen war. So etwas ist immer verdächtig!
Kurz darauf schmiss jemand aus dem dritten Stock einen leeren Blumentopf in den Müllcontainer, was eigentlich nur eines heißen konnte: er hatte die Blume gestohlen! Er hatte sie höchstwahrscheinlich gekappt, nur den Stiel ins Wasser gestellt und den Topf entsorgt. Man war sich zwar nicht mehr ganz so sicher, wie der Topf eigentlich ausgesehen hatte, aber das alles konnte doch kein Zufall sein! Nicht wahr?
Die aus dem Erdgeschoss links hatten den Hausmeister angerufen und gemeldet, dass im Haus geklaut worden sei. Beschuldigungen fielen. Der Hausmeister hielt sich klugerweise aus den haltlosen Verdächtigungen heraus, doch es wurde ein Zettel an der Eingangstür angebracht mit der Bitte, die Tür immer verschlossen zu halten. Von jetzt an auch tagsüber.
Auf die Idee, mit meiner Großmutter Kontakt aufzunehmen – alle wussten ja, dass es um ihre Pflanze ging – kam bis zu diesem Zeitpunkt keiner. Erst am dritten oder vierten Tag zeigte man ihr gegenüber tiefes Mitgefühl bezüglich des Verlustes und Entrüstung über das Verschwinden. Was für ein dreister Diebstahl!

Sie staunte nur Blauklötze, als man ihr all die bis dahin aufgetauchten Theorien vorstellte. Sie reagierte deshalb völlig perplex, weil sie den Topf selbst in die Wohnung zurückgenommen hatte! Sie hatte gemeint, dass der Flur für die Amaryllis im Dezember zu kalt und zugig wäre.
Das Thema Amaryllis-Klau wurde übrigens von den Mietern danach nie wieder erwähnt.

Haben Sie es bemerkt? Die weitere Steigerung bei dieser letzten Begebenheit? Aus der Luft gegriffene Vor-
würfe, Diebstahlsbezichtigung ohne jeglichen konkreten Anhaltspunkt, Verleumdung.
So etwas geht schlicht zu weit.
Ich wähle bewusst unspektakuläre, tagtäglich vorkommende Situationen, solche, die Sie selbst alle sicher schon hundertmal erlebt haben. Mir ist völlig klar, dass es viel dramatischere, das Leben verändernde, es umschmeißende Gerüchte gibt! Dass Unterstellungen ausgesprochen werden, die Menschen in die Verzweiflung treiben, Depressionen oder gar Selbstmord auslösen.
Ich habe solche Umstände selbst miterlebt!
Nur alles fängt immer im Kleinen an, wird unterschätzt, wird hingenommen, wird zur Gewohnheit und irgendwann fällt es nicht mehr auf, dass sich die „Qualität“ und das Ausmaß der Gerüchteverbreitung geändert haben und man inzwischen gar nicht mehr Herr der Sache ist. Keine Kontrolle garantieren kann.
Es beginnt also im Kleinen, im hundsnormalen Alltag – und genau dort sollte sich tunlichst jeder schon überlegen, wie die eigene Einstellung aussieht. Wie stehe ich dazu, und wie reagiere ich. Jetzt und zukünftig.
Jeweils abwägen und gebremst mitmischen oder lieber ganz die Finger davon lassen? Lassen sich die Grenzen zwischen neckender Raterei,  ein bisschen Klatsch und einer fragwürdigen Gerüchteverbreitung stets sicher erkennen? Wann ist Tratsch nicht mehr harmlos, sondern gefährdend und Menschen schädigend?

Wem an den Haaren herbeigezogene Verdächtigungen unsympathisch sind, wer wilde Mutmaßungen für verzichtbar hält, wer kein Gefallen am Verbreiten völlig ungesicherter und vermutlich unzutreffender Aussagen findet, seinem Gegenüber vor allem mit Respekt und Achtung begegnen möchte und wem klar ist, dass sogar ein Zurücknehmen einer Aussage nicht unbedingt gleichbedeutend ist mit ungeschehen machen, dem bleiben zwei Lösungswege. Zwei ganz einfache Verhaltensweisen angesichts einer Situation, die man durch mangelnden Kenntnisstand nicht beurteilen kann:

Lösung 1: Klappe halten
Lösung 2: Nachfragen
(Sollte es keine Auskunft geben oder ist die Verbreitung der Information unerwünscht, kommt automatisch wieder Lösung 1 zur Anwendung.)

©Dezember 2014 by Michèle Legrand
e Legrand, freie Autorin ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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