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Alter Schwede! – Der Findling im neuen Gewand …

Es ging vor einigen Tagen durch sämtliche Medien. Sie haben es sicher auf irgendeinem Kanal mitbekommen. Der „Alte Schwede“, ein beeindruckend großer Findling, zeigte sich urplötzlich im neuen Gewand!
In Hamburg hatten Unbekannte in der Nacht zum 2. Januar 2019 den Stein mit einer Art Goldbronze überzogen. So mutierte der ursprünglich graue Riese am Elbstrand bei Övelgönne zum Goldnugget, das es schaffte, in-
nerhalb kürzester Zeit zu einem Motivhit in den sozialen Netzwerken zu werden, wo Fotos seiner wundersamen Wandlung wieder und wieder verbreitet wurden.
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Hamburg - Elbstrand bei Övelgönne - Andrang beim "Alten Schweden" im Goldgewand - Blick vom Strand aus flussabwärts

Hamburg – Elbstrand bei Övelgönne – Andrang beim „Alten Schweden“ im Goldgewand

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Mal lag der Fokus auf dem Stein, noch häufiger allerdings fungierte dieser als Selfie-Hotspot. In diesen Tagen des Goldrausches war der neue Look des Schweden als Hintergrund wohl noch begehrter als die sonst so angesagte Silhouette der Elbphilharmonie.

Vielleicht haben Sie auch gehört, dass aufgrund der Begeisterung über das Gold in kürzester Zeit die ersten Online-Petitionen auftauchten, die bewirken sollen, dass keine große Säuberungsaktion stattfindet, sondern
der neue Goldschatz bleibt, wie er ist.
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Hamburg - Elbstrand bei Övelgönne - "Alter Schwede" in Gold

Hamburg – Elbstrand bei Övelgönne – „Alter Schwede“ in Gold

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Wenn Sie allein die aktuellen Fotos betrachten, d. h. nur das jetzt Offensichtliche, das Optische, für eine Ent-
scheidung heranziehen, könnten Sie aus dem Bauch heraus zu dem Überzug sagen: „Sieht toll aus, soll so bleiben.“ Und vielleicht sagen siebentausend Kommentatoren bei Facebook oder Twitter das ebenfalls. Ein unisono erklingendes „Ja!“
Sie kennen das Phänomen Herdentrieb, nur liegt der Leithammel mit seiner Ansicht nicht unbedingt automatisch richtig. Ich behaupte nicht, er hätte unrecht, aber ist es angemessen sich festzulegen oder gar etwas zu fordern, ohne sich überhaupt vorher näher mit dem Thema befasst zu haben?

Seinen Sie unbesorgt, ich werde nicht mit dem erhobenen Zeigefinger  herumfuchteln, doch eine Meinung zu etwas kann man sich – dies ist meine ureigene Auffassung – nicht ohne Hintergrundwissen bilden. Alles andere ist bestenfalls ein Schnellschuss nach Teilbetrachtung, meist aber blindes Nachreden ohne Ahnung.
Informationen sind – gerade vor Entscheidungen – nicht nur zweckdienlich, es geht einfach nicht ohne! Wie wollen Sie sonst Argumente sammeln, prüfen und bewerten? Verstehen Sie mich richtig: Es geht nicht darum, WIE die Entscheidung im Endeffekt ausfällt. Es geht darum, wie man zu einer Entscheidung gelangt!

Hätten Sie Lust, den „Alten Schweden“ etwas näher kennenzulernen? Wo kommt er her, was macht ihn aus? Wo trieb er sich herum, warum liegt er am Elbstrand …
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Auch sie finden den Ausflug zum Goldstein spannend ... (Zwei Hunde neben dem Alten Schweden)

Hamburg – Elbstrand bei Övelgönne – Auch sie finden den Ausflug zum Goldstein spannend …

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Lernen Sie den „Alten Schweden“ kennen

In diesem Herbst jährt sich der Jahrestag seiner Entdeckung zum zwanzigsten Mal. Im Herbst 1999 befand sich die „Titan“ zu Ausbaggerungsarbeiten auf der Elbe. Zwischen dem 15. und dem 17. September arbeitete sie am nördlichen Elbufer nahe Övelgönne. Ziel der Aktion: eine Elbvertiefung.
Sie wissen, dass die Elbe bei Hamburg zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur drei bis vier Meter tief war? Seit
der gerade erwähnten Elbvertiefung, die in den Jahren 1991-1999 stattfand, liegt die Sohle der Fahrrinne mindestens 14,9 Meter unter SKN (Seekartennull). Die seit Jahren geplante, zweitweise gerichtlich untersagte, zwischendurch unter Auflagen erlaubte, planungsmäßig nachgebesserte, neu diskutierte und äußerst um-
strittene, mehrmals herausgeschobene,  erneut angepeilte … usw. Vertiefung sieht eine neue Fahrrinnentiefe von 15,9 bis 17,1 m vor. Doch zurück zur „Titan“.

Die Spezialfirma ist an diesen Tagen mit ihrem Eimerkettenbagger im Einsatz, dessen 65 Schaufeln unermüdlich Schlick und Schlamm aus der Tiefe holen.
Nur plötzlich, man buddelt an der seinerzeitigen Flusssohle in einer Tiefe von 13,5 Metern, rumst es mächtig. Die Eimer stoßen auf Widerstand, der sich nicht aus dem Weg räumen lässt. Schluss mit Baggern und Prüfung der Situation.
Eine Bombe aus dem II. Weltkrieg scheidet als Möglichkeit aus, die hätte der Bagger in seinen großen Schaufeln mit nach oben befördert. Ein Wrack, Reste eines uralten Kutters? Auch dies scheint immer unwahrscheinlicher. Die Vermutung geht bald dahin, dass man es mit einem außergewöhnlich großen Felsbrocken zu tun haben müsste.
Was tun? Muss man überhaupt was tun?

Ein Laie denkt vielleicht spontan, war nicht eben von Ufernähe die Rede? Spielt ein widerspenstiger Hubbel am Elbgrund da überhaupt eine große Rolle? Die Fahrrinne ist doch schließlich mehr in der Flussmitte …
Doch der Brocken hatte sich einen denkbar ungünstigen Liegeplatz ausgesucht. Er befand sich genau im Drehkreis zwischen Parkhafen und Övelgönne. Zum Parkhafen führt ein Elbabzweiger schräg gegenüber von Övelgönne. Genau hier drehen viele Schiffe, die via Parkhafen Richtung Waltershof zu den Container-Terminals fahren wollen. Sie brauchen für ihre Abbiegemanöver Platz. So wie der Containerfrachter, den Sie auf dem folgenden Bild sehen.
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Hamburg - Elbstrand mit "Altem Schweden" bei Övelgönne - CMA CGM Bougainville dreht

Hamburg – Elbstrand mit „Altem Schweden“ bei Övelgönne – Containerfrachter CMA CGM Bougainville dreht auf der Elbe zur Einfahrt in den Parkhafen

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Die Containerschiffe des französischen Schifffahrts- und Logistikunternehmens CMA CGM gehören zu den größten der Welt! Die CMA CGM Mumbai auf dem Foto weiter unten fährt unter der Flagge von Hong Kong und ist ganz neu (Bj. 2018). Fast 336 m lang und gut 48 m breit …
Die drehende CMA CGM Bougainville auf dem Foto oben ist unter franz. Flagge unterwegs. Sie ist noch größer: 398 m lang und 54 m breit

Parkhafen nennt sich übrigens nur das erste Stück der Elbabzweigung. Gleich hinter dem Leuchtturm Waltershof geht es rechts ab zum Petroleumhafen. Direkt an dieser Abbiegung befinden sich die Containerbrücken am Bubendey-Ufer.
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Hambug - Elbe - Einfahrt zum Parkhafen (rechts Bubendeyufer)

Hambug – Elbe – Einfahrt zum Parkhafen (rechts Bubendeyufer)


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Fahren die Frachter hingegen weiter geradeaus, gelangen sie in den Waltershofer Hafen mit seinem großen HHLA Container Terminal Burchardkai und gegenüber dem Eurogate Container Terminal.

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Hamburg - Elbe - Containerfrachter CMA CGM Mumbai läuft in Hamburg ein

Hamburg – Elbe – Containerfrachter CMA CGM Mumbai läuft in Hamburg ein

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Was immer am Grund der Elbe Widerstand leistete, es musste herausgeholt werden. Nun waren vor weiteren Planungen zunächst Taucher nötig, die die Lage vor Ort erkunden mussten.
Das Tauchschiff „Düker to“ erschien vor Övelgönne. Ein Taucher in Spezialausrüstung startete seinen ersten Sondierungstauchgang bei Niedrigwasser. Viel sehen konnte er auch mit Lampe nicht, also fühlte er die Form ab. Da er einen Spalt auszumachen glaubte (nur mit Mergel gefüllt), stand kurz die Frage im Raum, ob es evtl. zwei nebeneinander liegende Riesensteine sein könnten.
Am nächsten Tag stand jedoch fest, es ging um einen Findling, dessen Gewicht auf 200 bis 300 Tonnen geschätzt wurde. Und das Bemerkenswerteste an der ganzen Sache war, er war uralt! Ein geologischer Sensationsfund, der sage und schreibe 1,8 Milliarden Jahre auf dem Buckel hat und während der Elster-Eiszeit (auch: Elster-Kaltzeit bzw. Elster-Glacial) vor 400.000 bis 320.000 Jahren als Gletschertransport zu uns kam.

Bis er exakt vermessen werden konnte, verging noch etwas Zeit, denn zuerst musste er geborgen werden. Was im ersten Anlauf erst einmal schiefging. Der Schwimmkran „Taklift 4“ hatte ihn bereits mit dicken Stahlseilen aufgenommen, doch der Findling rutschte heraus und landete wieder im Fluss. Was bei einem Stein dieses Ausmaßes nicht nur ein bisschen platscht oder ploppt, sondern reichlich Wellengang und Spritzer verursacht. Denken Sie nur an die berühmten A…bomben im Schwimmbad. Und die sind wirklich nichts dagegen!

Der nächste Versuch, der fünf Tage später erfolgte, glückte. Am 18. Oktober 1999 wurde der Koloss genau um 17.14 Uhr am Strand abgesetzt. Dort wo er heute steht, egal, was zwischendurch für Pläne und Ideen hinsichtlich anderer Standorte aufkamen.
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Hamburg - Elbstrand bei Övelgönne - "Alter Schwede" - Der Goldschwede im Gegenlicht (Blick Richtung Wasser)

Hamburg – Elbstrand bei Övelgönne – „Alter Schwede“ – Der Goldschwede im Gegenlicht

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An Land ließen sich genauere Untersuchungen vornehmen. Die Vermessung ergab eine Höhe von 4,5 m, einen Umfang von ca. 20 m, sein Gewicht beläuft sich auf 217 Tonnen. (Als Gewichtsvergleich können Sie sich sechs große, vierachsige LKW vorstellen.)

Geologen entdeckten Schrammen und Furchen im Stein. Speziell recht markante, parallel zueinander ver-
laufende Schrammen auf dessen Nordseite, was sie als Bestätigung dafür sahen, dass andere Gesteins-
brocken direkt an seiner Oberfläche vorbeirutschten.
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Hamburg - Elbstrand bei Övelgönne - "Alter Schwede" (gold) - Aus der Nähe ...

Hamburg – Elbstrand bei Övelgönne – „Alter Schwede“ (gold) – Aus der Nähe …

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Nach weiteren Prüfungen des Mineralbestands des Findlings, kam man zu dem Schluss, dass es sich bei dem Findling um einen schwedischen Burschen handelt, der per Gletschermitreisegelegenheit durch die Ostseesenke von Südschweden bis zu uns eine recht beachtliche Strecke zurückgelegt hat.
Die Gesteinsanalyse ergab, dass es sich um den Grauen VäxjöGranit (Granodiorit) handelt, eine Granitart, die in Schweden in der Region Ost-Småland vorkommt.

Stellen Sie sich gedanklich die Küste Südschwedens vor, peilen zwischen Kristianstad und Karlskrona etwa die Mitte an (Karlshamn) und streben von dort noch 100 km senkrecht nach Norden. Dort liegt Småland. Zwischen dem Ausgangspunkt der Findlingsreise und Hamburg liegen insgesamt gut 500 km Strecke! Wie lange es wohl gedauert hat, bis der Findling die Elbe erreichte?
Ich las in einem Bericht, dass man davon ausginge, der Stein hätte seit etwa 100.000 Jahren an seinem Platz auf dem Grund der Elbe gelegen. Eine Angabe, die ich mir gerade gar nicht vorstellen kann, denn zwischen der Elster-Kaltzeit und dieser Zeitangabe liegen 220.000-300.000 Jahre. Es hieße, der Findling wäre erst über 200.000 Jahre nach Ende der genannten Eiszeit an der Elbe eingetroffen. Wie soll das denn passiert sein, wenn die Gletscher schon längst abgeschmolzen waren und gar nicht mehr als Transportmittel fungierten?
Aber vielleicht unterliege ich einem gedanklichen Irrtum oder lasse irgendeine andere nötige Information dazu außer acht. Eventuell hat ja eine später stattgefundene Kaltzeit (Saale-Komplex) eine Rolle gespielt.

Der Einwanderer wurde am 6. Juni 2000 getauft. Nach einer Umfrage und nach Eingang zahlreicher Namensvorschläge entschied man sich für den mehrdeutigen Begriff „Alter Schwede“.
Kaum war er an Land, ging es auch schon los mit den Schmierereien. Schriftzüge, Kleckse. Graffiti der unattraktiven Art.
Sollte man ihn umplatzieren? Dort, wo man ihn besser im Blick (unter Kontrolle) hatte? Ole von Beust lieb-
äugelte mit Planten und Blomen, aus anderer Ecke kam der Vorschlag Spielbudenplatz (Reeperbahn) auf,
und der damalige Tourismuschef Dietrich von Albedyll hätte ihn gern am Museumshafen Övelgönne gesehen. Ein Landwirt und Künstler aus Büchen schlug vor, den Stein auf Betonstelzen stellen.
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Hamburg - Elbe - Blick elbaufwärts zum Museumshafen Övelgönne mit ehem. Union-Kühlhaus (heute Augustinum)

Hamburg – Elbe – Blick elbaufwärts zum Museumshafen Övelgönne mit ehem. Union-Kühlhaus (heute Augustinum)

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Hamburg - Neumühlen - Museumshafen Oevelgönne e. V. - Im Vordergrund ankernde Segler (Holzboote

Hamburg – Neumühlen – Museumshafen Oevelgönne e. V.

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Nichts von alledem wurde in die Tat umgesetzt, doch etwas anderes passierte: Man deklarierte den Stein als „Naturdenkmal“ und verband damit die Hoffnung, auf diese Art weiteren Verschandelungen vorzubeugen. Ein Naturdenkmal darf nicht beschädigt, zerstört oder verändert werden. (Noch nicht einmal beklettert.) Ansonsten drohen Geldbuße und Freiheitsentzug. Der neue Status sollte für Abschreckung sorgen – was natürlich nicht immer klappte.
Um wenigstens das Eindringen von Farbe bis in die Poren zukünftig zu verhindern, bekam der Stein eine Spezialversiegelung. Graffiti können nun wesentlich einfacher entfernt werden. Sie sitzen lediglich auf der geschützten Granitoberfläche und lassen sich abwaschen.

Und das bringt uns zurück in die heutige Zeit.
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Hamburg - Elbstrand bei Övelgönne - "Alter Schwede" in Gold - Blick von Landseite aufs Wasser und flussabwärts

Hamburg – Elbstrand bei Övelgönne – „Alter Schwede“ in Gold – Blick flussabwärts

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Die Goldfarbe oder -bronze, die Anfang Januar verwendet wurde, hält auf der Versiegelung natürlich auch nicht dauerhaft. Schon nach zwei, drei Tagen blickte an vielen Stellen das Grau des Granits wieder durch, und wer über den Goldbezug wischte, glänzte hinterher selbst.

Während  sich nach Bekanntwerden der Nacht-und-Nebel-Aktion „Goldschwede“ alles in heller Aufregung befand und die zuständige HPA (Hamburg Port Authority) schon von Säuberungskosten im fünfstelligen Bereich und einer Strafanzeige sprach, scheint es mittlerweile so, dass sich die Angelegenheit – würde man nur lang genug warten – von ganz alleine regelt.
Andererseits ist man auf Behördenseite über Vandalismus und eigenmächtige Aktionen an Naturdenkmälern natürlich alles andere als begeistert und möchte so etwas auch nicht ungestraft durchgehen lassen.

Hier erleben wir nun den seltenen Fall, dass Vandalismus ein recht ansprechendes Objekt hervorgebracht hat und dass den unbekannten Tätern wohl auch sehr bewusst war, dass das Resultat ihrer unerbetenen Ver-
schönerungsaktion nur eine kurze Überlebensdauer haben würde.

Was denken Sie, wie die Sache ausgeht? Bis zum 8. Januar hätte ich gesagt, der Findling wird wieder grau,
und es legt sich ganz allmählich ein Mantel des Schweigens über das Ganze. Die Petitionen zum Erhalt des Goldgewands werden wirkungslos bleiben, der Enthusiasmus abebben und in ein paar Wochen werden nur noch gelegentlich Gespräche beim Kaffee so verlaufen: „Weißt du noch, als der Alte Schwede plötzlich gold war …?“
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Hamburg - Elbstrand bei Övelgönne - "Alter Schwede" in Gold (Blick Richtung Land)

Hamburg – Elbstrand bei Övelgönne – „Alter Schwede“ in Gold

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Am 9. Januar lese ich allerdings im Hamburger Abendblatt, die Hafenbehörde (HPA) sei plötzlich offen für den Vorschlag, dass der Findling neu vergoldet wird. Dauerhaft lackiert! Es läge alles nur an der Politik. Wenn es eine politische Entscheidung dafür gäbe, ja, dann würde man sich darum kümmern …

Was vom Ablauf her gar nicht anders geht. Die HPA muss sich an die Vorschriften für Naturdenkmäler halten. Aber sie hat es gleichzeitig recht gut. Obwohl grundsätzlich zuständig, wenn es um dieses Denkmal geht, ist sie nicht mehr der Buhmann, der eine Vergoldung kategorisch ablehnt und sich echauffiert, sondern sie gibt den Schwarzen Peter lässig weiter. Es bleibt spannend …

Liebe Leser, Sie sind nun im Besitz von Informationen über den Einwandererstein. Kennen die Bewandtnis, die es damit hat, wissen um sein sagenhaftes Alter, ermessen die Besonderheit des Granits, haben eine Vorstellung von dem langen Weg, den er auf ungewöhnliche Art zurücklegte. Alter Schwede – ein einmaliger Zeitzeuge.

Die Frage ist:
Ist er das mehr in seiner natürlichen Form? Nicht so prunkvoll, aber mit allen Zeichen dessen, was vor vielen Jahrtausenden stattfand bzw. auf seiner Reise passierte.
Oder ist er das (ebenso) als Traum in Gold? Als in der Sonne leuchtender Schatz am Elbstrand. Außen schön – das andere weiß man, sieht es aber nicht mehr so genau.

Die Entscheidung ist nicht ganz leicht. Was mir dabei durch den Kopf schießt: Wenn es lediglich um einen goldenen Eyecatcher am Strand geht, wäre es dann nicht ebenso gut möglich, ein anderes Objekt dafür auszuerwählen? Es müsste nicht notwendigerweise ein 1,8 Mrd. Jahre alter Granitbrocken mit einmaliger Geschichte zugekleistert werden …

Was hielten Sie zum Beispiel davon, eine neue Form (Hohlform, Guss, Betonkörper o. a.) zu erschaffen. Ich denke an etwas Nasenähnliches. Auffällig groß natürlich, wie es auch beim Alten Schweden der Fall ist. Das Ganze wird mit Gold überzogen und unterhalb von Süllberg und Treppenviertel am Elbstrand platziert. Der Name der auf Hochglanz polierten Attraktion: „Blanke Neese“.
Und mit einem Schlag hätten wir nicht nur ein Wahrzeichen für das noble Viertel* nebendran, sondern gleich zwei Anziehungspunkte als Beginn und Ende einer „Goldroute“ entlang des Elbstrands von Övelgönne nach Blankenese.

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*Blankenese (Stadtteil Hamburgs), Neese hamburgisch für Nase

Quellen bzw. weiterführende Berichte:
Hamburger Abendblatt – Druckausgaben
3.1.2019 – Alter Schwede glänzt jetzt in Gold (Edgar S. Hasse und Jonas Backhaus)
4.1.2019 – Bleibt der Alte Schweden golden? (Peter Ulrich Meyer und Matthias Popien
9.1.2019 – Wird der „Schwede“ neu vergoldet? (Louisa Rascher)

Hamburger Abendblatt, Geschichtswerkstatt (Jan Haarmeyer), 16.09.2009 –
„Alter Schwede“ – Der Koloss aus der Kälte (Bericht zehn Jahre nach seiner Entdeckung)
(Zugang zum Artikel möglicherweise kostenpflichtig. Hier lohnt der Versuch, den Titel so als Suchbegriff einzugeben, ohne Linknutzung!)

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©by Michèle Legrand, Januar 2019
Michèle Legrand, Blog ->Michèle. Gedanken(sprünge)

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48 Kommentare

Ruhe nach dem Sturm …

28. Dezember. Und so etwas wie Ruhe nach dem Sturm …
Ich möchte nicht mit so Offensichtlichem beginnen wie: Das Jahr ist fast vorbei.
Genauso verzichte ich auf ausufernde Erklärungen, warum es länger keinen Beitrag gab.
Nur so viel: Sie hätten absolut nichts davon gehabt. Selbst, wenn Sie zu denjenigen gehören, deren Interesse sich sogar bei Kranken- bzw. Krankenhausgeschichten und Krankenkassenmerkwürdigkeiten laut mit: Hier! Hier! meldet, glauben Sie mir, Sie sind entschieden besser ohne das alles dran. Der Stoff taugt nicht viel.

Stattdessen werde ich nun schnurstracks Freundlicheres, Positives zusammenklauben. Ich beschwor zudem, bevor ich mich überhaupt an den Laptop setzte, die Vorstellung herauf, dass man Erinnerungsfetzen belastender Art wie die Luftbläschen einer Noppenfolie behandeln muss. Man sortiert sich, schaut welcher Ballast aus dem Kopf schleunigst entlassen werden muss und lässt den Kram wie Bläschen platzen. Eine
Blase nach der anderen. Plopp, plopp, plopp …
Sie wissen, wie befreiend dieses Plattdrücken der Knubbel sein kann. Plopp! Hinfort mit dem Zeug!

Plopp ist worttechnisch nicht weit entfernt von peng. Genau dieses Wort las ich in einem eigenartigen Zu-
sammenhang auf einem Werbeschild: „Kinder-Peng“
Ist Ihnen dieser Begriff schon untergekommen? Er war mir bisher fremd. Er bezieht sich nicht auf platzende Kinder oder das Abschießen Minderjähriger, sondern auf harmloses Silvesterfeuerzeug für die Jüngeren. Knallerbsen, Knallplättchen & Co.. Ich kann mich noch nicht so mit dieser Wortschöpfung anfreunden.
Als was würden Sie – folgerichtig gedacht – Böller für Volljährige bezeichnen, die leider nicht so richtig zünden? Richtig, Erwachsenen-Puff. Was sich erstaunlich schnell nach ganz anderem Milieu anhört …

Peng klingt reichlich comicartig, oder? Ritsch! Tapp-tapp! Knister, pffft-zisch! Blitz-blink-blink! PENG! … Plopp! Die Kurzversion von Streichholz (und Lunte) wird angezündet, Mensch rennt weg, Zündschnur brennt ab, Rakete wird gestartet, steigt auf, Feuerwerk leuchtet, Beiwerk knallt … und mit etwas Verzögerung landet der Raketenstab im Vorgarten.

Ehe ich davon abkomme, hatten Sie eigentlich schöne Weihnachtstage? Ich hoffe, es lief für Sie entspannt und harmonisch oder Sie können sich nach viel Trubel zumindest jetzt im Nachhinein noch ein bisschen ausruhen und erholen.
Kommt es Ihnen auch so vor, als sei das Jahr wieder extrem schnell vergangen?

Je schneller die Zeit gefühlt für alle vergeht, umso hektischer verhalten sich Menschen. Auch an den Ampeln. Ob es Autofahrer oder Fußgänger sind, die auf Grün warten, es spielt keine große Rolle. Stets scheint es viel zu lange zu dauern, ehe sich etwas tut. Ich hege den Verdacht, wenn Menschen Hufe hätten, würden sie mit ihnen scharren.
Im Fall von Passanten können Sie tendenziell hibbelige Zeitgenossen gut erkennen, denn der Grad der Un-
geduld und Nervosität zeigt sich hervorragend an der Art und Weise, wie der Druckknopf einer Ampelanlage bedient wird.

Ein Oberhektiker haut drauf – und zwar nicht einmal, sondern mehrfach. Sagt nach fünf Versuchen, die im halbsekündlichen Abstand erfolgten: „Das Scheißding ist kaputt.“
Der Supergründliche hingegen drückt intensiv, presst, presst weiter und zuckelt zur Sicherheit zusätzlich noch ausgiebig am Nüpsel an der Unterseite des Kastens. Für alle Fälle.
Beiden könnte man einen Eid auf die Aussage schwören, dass durch keine ihrer Aktionen irgendetwas beschleunigt wird, sie würden es bei nächsten Mal wieder so versuchen. Darunter geht es einfach nicht.

Der Verpeilte – oftmals mit versunkenem Blick aufs Handydisplay – wartet ohne zu drücken und geht davon aus, alles läuft automatisch. Dass es an vielen Ampeln zumindest am Wochenende nie ohne Drücken funktioniert, lernt er nicht. Er ist dadurch – beim zufälligen Aufblicken vom Handy – immer wieder völlig überrascht, wie lange das dauert. Wird ihm diese Tatsache bewusst, bricht auch bei ihm die Hektik aus.

Ich liebe Menschen, die nicht glauben, dass mein leichtes Auflegen der Hand vollkommen ausreicht. Die An-
zeige kann schon rot leuchten, dennoch wird der Kasten danach energisch bearbeitet. Permanent mit dem Handballen behämmert! Gern mit der etwas jovialen Anmerkung in meine Richtung:
„Lassen Sie mich mal ran. So leicht, wie Sie da eben gedrückt haben, kann das ja nichts werden.“
Oder kennen Sie die, die erst angehetzt kommen, es knapp nicht mehr schaffen, genervt fluchen, die Wartezeit mit dem Handy überbrücken und es beim nächsten Grün verpassen loszugehen? Das sind dieselben, die dann entgeistert schauen und entrüstet hinterherschicken: „Viel zu kurz, die Grünphase!“

Gestern liefen ein Vater und sein kleiner Sohn im Galopp auf eine Ampel zu. Eigentlich war reichlich Zeit, denn die Autos hatten eben erst Grün bekommen. Der Wettlauf fand offensichtlich mehr mit dem Ergeiz statt, derjenige zu sein, der den Knopf drückt. Vadder kannte keine Zurückhaltung. Er erreichte keuchend den Druckkasten, patschte drauf und brüllte:
„Erster!“
Zwei Schritte hinter ihm der maximal fünf Jahre alte Filius, der kurzzeitig losknatschen wollte, dann jedoch mustergültig Fassung bewahrte und triumphierend rief:
„Zweiterster!“

Genauso muss man das Leben nehmen! Grundsätzlich ist sinnloses Hetzen vergeudete Energie. Auf die Ampel bezogen kommt hinzu: Irgendjemand drückt sowieso. Aber ganz generell, wenn Sie nicht überall Erster sind – meine Güte, dann sind Sie eben Zweiterster. Davon geht die Welt nicht unter … Und Sie schonen Ihre Nerven und Kraftreserven für Wichtigeres.

Wo ich auf erstaunlich wenig hektische, drängelnde Menschen stieß, wird den ein oder anderen unter Ihnen vielleicht auch überraschen: Ausgerechnet im Gewühl auf dem großen Historischen Weihnachtsmarkt, der traditionell auf dem Hamburger Rathausplatz stattfindet!
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Rathausmarkt – Historischer Weihnachtsmarkt 2018
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Ich hatte in diesem Jahr gar nicht damit gerechnet, es überhaupt dorthin zu schaffen, doch kurz vor Weih-
nachten bot sich eine Gelegenheit. Sogar im Dunkeln! Ein Besuch inmitten des Lichtermeers aus bunten Lampen, Kerzen und Sternen macht die ganze Angelegenheit sehr stimmungsvoll.
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Hamburg - Historischer Weihnachtsmarkt - Rathausmarkt - Weihnachtsmann im Schlitten

Hamburg – Historischer Weihnachtsmarkt – Rathausmarkt – Der fliegende Weihnachtsmann ….

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Hamburg - Historischer Weihnachtsmarkt - Rathausmarkt - Blick auf Lichterpyramide, Adventskranz und Portal, das Richtung Kleine Alster führt

Hamburg – Historischer Weihnachtsmarkt – Rathausmarkt

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Hamburg - Historischer Weihnachtsmarkt - Rathausmarkt - Blick von der Mönckebergstraße auf Portal und Rathaus im Hintergrund

Hamburg – Historischer Weihnachtsmarkt – Blick von der Mönckebergstraße Richtung Eingangsportal und Rathaus

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Ungeachtet der Kürze der Zeit stieß ich auf ein paar Neuigkeiten.

Wer mit Glücksbringern aus Metall liebäugelte, der hatte in diesem Jahr die Möglichkeit, sich den eigenen oder den Namen seiner Lieben z. B. in ein Hufeisen einstanzen/-gravieren zu lassen.
(Bei Interesse: Glücksschmiede von Thomas Hammer)

Oder Sie konnten mit einer Fotodatei von Ihrem Handy bzw. der Kamera zu einem Stand gehen und sich dort in Münzform Schlüsselanhänger anfertigen lassen, auf denen Ihr Wunschfoto auftaucht. Wisch- und wetterfest. Personalisierte Schlüssel oder spezielle Anhänger für  z. B. Taschen und Koffer. Wobei es wirklich jedes Motiv sein kann, es muss nicht das Konterfei des Besitzers herumgetragen werden.

Neu auch in diesem Jahr für Puzzlefreunde mechanische 3D-Puzzle aus 100 % Holz, sehr raffiniert gesteckt! Sie brauchen keinerlei Kleber oder irgendwelche Chemikalien, damit es zusammenhält.
(Bei Interesse: Fa. My3DModel)
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Hamburg - Historischer Weihnachtsmarkt - Rathausmarkt - My3DModel - 3D-Puzzle, z. B. Globus, Windmühle, Riesenrad, diverse Fahrzeuge etc.

Hamburg – Historischer Weihnachtsmarkt – Rathausmarkt – 3D-Puzzle

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Glasbläserkunst …
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Hamburg - Historischer Weihnachtsmarkt - Glasbläserkunst auf dem Rathausmarkt

Hamburg – Historischer Weihnachtsmarkt – Glasbläserkunst auf dem Rathausmarkt

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Es grüßt Sie alljährlich die Affenbande ….
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Hamburg - Historischer Weihnachtsmarkt - Rathaus - Plüschtiere (Orang-Utans, Schimpansen, Pavian,, Löwe, Löwin, Elefant etc. )
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Heimeliges Licht in den einzelnen Gassen …
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Hamburg - Historischer Weihnachtsmarkt am Rathaus - Stand mit Kerzen, Salzlichten und Sternen
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Was mir ausnehmend gut gefallen hat, sind die kunstvollen Bretter, die von zwei Künstlern in einer Werkstatt in den Cevennen in Südfrankreich unter Verarbeitung unterschiedlicher (Stirn-)hölzer hergestellt werden.
(Bei Interesse: Augenweide, Cevennen)
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Hamburg - Historischer Weihnachtsmarkt - Rathausmarkt - Holzbretter von Augenweide (aus mehreren, unterschiedlich farbigen Hölzern kunstvoll gearbeitete Schneidebretter)

Hamburg – Historischer Weihnachtsmarkt – Rathausmarkt – Holzbretter von Augenweide

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Unter „Augenweide“ werden Sie im Netz schnell auf die Webseite stoßen. Schauen Sie sich die Bilder dort an. Auch die Elbphilharmonie gibt es als Holzarbeit!
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Hamburg - Historischer Weihnachtsmarkt - Rathausmarkt - Modelleisenbahn fährt auf Strecke über den Ständen

Hamburg – Historischer Weihnachtsmarkt – Rathausmarkt – Die Modelleisenbahn fährt auf einer Strecke oberhalb der Stände

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Jungfernstieg – Weißer Zauber 2018

Der Weihnachtsmarkt am Jungfernstieg („Weißer Zauber“, direkt an der Binnenalster) hat sogar jetzt nach Weihnachten noch bis zum 30. Dezember geöffnet.
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Hamburg - "Weißer Zauber" am Jungfernstieg - Weihnachtsmarkt mit weißen Pavillonzelten (beleuchteter Stern auf der Spitze) sowie blauen Lichtergirlanden in den Bäumen

Hamburg – „Weißer Zauber“ am Jungfernstieg

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Blick in den Neuen Wall …
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Hamburg - Weihnachtszeit - Blick vom Jungfernstieg in den Neuen Wall - In der Weihnachtszeit erscheint der Straßenname als Leuchtgirlande über der Straße)

Hamburg – Weihnachtszeit – Blick vom Jungfernstieg in den Neuen Wall

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Immer wieder schön der Anblick der Alsterdampfer am Anleger, die zu Märchenschiffen umgestaltet werden …
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Hamburg - Märchenschiffe am Anleger Jungfernstieg

Hamburg – Märchenschiffe am Anleger Jungfernstieg

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Blick hinüber Richtung Ballindamm und Hapag Lloyd. Im Dunkeln sitzen die Möwen auf den Dächern der ankernden Alsterboote …
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Hamburg - Blick Richtung Ballindamm und Hapag LLoyd - Möwen lieben die Dächer der Alsterboote ...
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Beim „Weißen Zauber“ eine Auswahl an Tüchern aus Wolle und Cashmere. Ein sehr angenehmes Gefühl, über die weichen Stoffe zu streichen …
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Hamburg - Weißer Zauber - Jungfernstieg - Tücher und Schals aus Wolle und Cashmere

Hamburg – Weißer Zauber – Jungfernstieg – Tücher und Schals

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Merkwürdige Wesen finden sich hier …
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Hamburg - Weißer Zauber - Jungfernstieg - Tonfiguren (u. a. als Räucherkerzenhalter)

Hamburg – Weißer Zauber – Jungfernstieg – Tonfiguren

Falls Sie nach einem auffälligen Einkaufsroller suchen, es gibt Modelle mit farblich sehr intensiven und lebhaften geometrischen Mustern, mit Stadtansichten, Wahrzeichen, Tieren (Eule u. a.), Bambusdesign, Gummibärchen, Fußbällen u. a.  Die Trolleys sind optisch das komplette Gegenteil zu den herkömmlichen Einkaufsrollern, die in den dezent-matten Unifarben Grau, Dunkelblau, Burgunder oder Anthrazit daherkommen. Als Gestänge dient ein Standardmodell, Sie aber suchen sich den Rest dazu nach eigenem Geschmack aus.
(Bei Interesse:James, der kultige Einkaufsbutler“)
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Hamburg - Weißer Zauber - Jungfernstieg - James, der kultige Einkaufsbutler (sehr farbenfrohe Einkaufsroller in diversen Designs)

Hamburg – Weißer Zauber – Jungfernstieg – James, der kultige Einkaufsbutler

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Mein – im Vergleich zu den in der City stattfindenden – sehr überschaubarer Bezirks-Weihnachtsmarkt mit kleiner Eislauffläche („Wandsbeker Winterzauber“) hat ebenfalls weiterhin geöffnet. Der Umstand passte meiner Familie und mir ausgezeichnet, denn so konnten wir – Premiere! – zusammen mit dem jüngsten Spross während der Festtage zwischendurch zum Schlittschuhlaufen gehen. Es klappte sehr gut, denn zum einen gibt es für kleine Kinder Schlittschuhe, die zwei Kufen haben, damit lässt es sich recht gut üben. Zum anderen ist
die kleine Miss extrem robust und sehr hartnäckig, wenn es um das Erlernen neuer Fähigkeiten geht.
(Wandbeker Winterzauber: noch geöffnet bis 6. Jan. 2019.)

Ich stelle gerade fest, meine Schreibzeit ist für heute um! Es verblüfft mich jedes Mal, wie schnell die Zeit vergeht!
Wir lesen uns wieder, wenn Sie mögen. Es war diesmal nur ein Hereinsehen zwischendurch mit einigen Eindrücken aus dem laufenden Monat und speziell der Vorweihnachtszeit in Hamburg.
Es kann erneut etwas dauern, denn es stehen Termine an. Außerdem habe ich vor einigen Wochen mit Fitnesstraining begonnen, das ich zeitlich unbedingt irgendwie eingebaut bekommen muss.
Wenn sich allerdings irgendwo eine Lücke fürs Bloggen auftut, werde ich sie nutzen.

Ihnen allen geruhsame Tage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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©by Michèle Legrand, Dezember 2018
Michèle Legrand, Blog ->Michèle. Gedanken(sprünge)

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57 Kommentare

Umzug im November: Hamburgs Alsterschwäne fahren ins Winterquartier …

Am 20. November war Einsammeltag! Und damit auch Termin für die traditionelle Bootsfahrt im November. Ein Dienstagvormittag, trüb-grau der Himmel, die Temperatur stieg selbst zu fortgeschrittener Tageszeit nicht über lumpige 4 °C. Hinzu gesellte sich ein unangenehmer Wind, der den Eindruck aufkommen ließ, es herrschten bereits Minusgrade.
Höchste Eisenbahn – oder hamburgisch ausgedrückt „bannig Zeit“–,  die Alsterschwäne aus ihrem Sommer-
reich ins Winterquartier, den Mühlenteich in Hamburg-Eppendorf, zu bringen.
Während Wildschwäne in freier Natur früher in den Wintermonaten stets die Reise südwärts in wärmere Re-
gionen antraten, passiert dies heute standortabhängig nur noch halbherzig. Nähere Ziele sind angesagt und tatsächlich bleiben viele gleich ganz vor Ort. So auch die Hamburger Schwäne, die ihre Reviere und Brut-
gebiete in der Sommerzeit auf und rund um die Alsterseen mit ihren Nebenarmen haben.
Es sind im Grunde nicht so die hiesigen, verhältnismäßig moderaten Wintertemperaturen, die den Vögeln vorrangig zu schaffen machen, sondern vielmehr die Tatsache, dass ihnen zugefrorene Wasserflächen das Leben und Überleben sehr erschweren. Nahrung zu finden wird nahezu unmöglich.

Hier in Hamburg wartet alljährlich von November bis etwa Ende März ein eigenes, ein hanseatisches Winterquartier auf sie. Und das hat eindeutig seine Vorteile!
Der Mühlenteich wird (partiell) eisfrei gehalten. Ein weiterer Pluspunkt: Es wird artgerecht gefüttert. Wenn extremer Frost drohen sollte, lässt sich zusätzlich mit Zeltplanen noch etwas zum Schutz machen, und falls einmal ein Tier schwach wirkt und kränkelt, können sich Schwanenvater oder Tierarzt gleich direkt darum kümmern.

Ein richtig großes, weißes Zelt wurde bereits mehrmals aus einem anderen Grund nötig: Es diente zur Abschottung und sollte verhindern, dass sich die Schwäne womöglich mit dem mehrfach grassierenden Vogelgrippevirus (Geflügelpest, 2014/2017) infizierten. Gerade Wildvögel sind extrem gefährdet.

Die älteren Schwäne kennen und erinnern das Winterquartier genauso wie die Prozedur des Einfangens mit anschließendem Gratisseetörn. Da die Vögel über 20 Jahre alt werden können, haben einige die Aktion schon so oft mitgemacht, dass es sie nicht groß in Aufregung versetzt. Etwas mehr verunsichert sind die Jungschwäne, für die es das erste Mal ist, und genauso verdutzt reagieren auch die neuen „Migranten“.

Wir haben hier in Hamburg über die Jahre durchschnittlich etwa 120 Alsterschwäne, die auf Binnen- und Außenalster sowie den angrenzenden Kanälen/Fleeten leben und dort ihre Reviere haben. Normalerweise hält sich diese Zahl, denn der Verlust durch Tiere, die aus Altersgründen, nach Krankheit oder Unfall sterben, wird ausgeglichen durch die Zahl der neu geborenen Schwäne eines Jahres.

Das letzte Jahr bildete in dieser Hinsicht eine traurige Ausnahme. Als es ab Spätfrühling über Monate extrem heiß war, setzte auf der Alster eine Algenplage ein. Durch die langanhaltende Hitze zersetzten sie sich und setzten dabei Giftstoffe frei, die bei den Schwänen Darmentzündungen auslösten. Die Clostridium-Bakterien bedrohten besonders die sehr jungen Schwäne. Es verstarben neben sechs Nestlingen und fünf Jungtieren allerdings auch vier bereits ausgewachsene Schwäne. Ohne weitere „normale“ Todesfälle bereits ein Minus von 15 Tieren …

Doch in Hamburg leben nun seit Oktober 2018 zusätzlich die vorhin erwähnten Migranten. Es handelt sich in dem Fall nicht um zufällig dazugestoßene Tiere, die beschlossen, hier sesshaft zu werden, sondern es sind 13 Artgenossen, die aus dem Saarland zu uns umgesiedelt wurden. Sie stocken den Bestand wieder auf. Für die saarländischen Vögel war in der Heimat kein geeigneter Platz mehr. Ausgewildert werden konnten sie aufgrund von Flügelamputationen oder erlittenen Flügelverletzungen jedoch auch nicht …

Fragen Sie sich auch manchmal, ob Vögel einen Dialekt „sprechen“? Es heißt häufig, dass Ornithologen ortsabhängig Unterschiede im Klang der abgegebenen Laute bei z. B. einigen Singvögeln ausgemacht haben. Tonhöhe, Tonlänge, Art der Wiederholung, dazu das Kopieren von Gehörtem etc. Die Vögel scheinen Lokal-
spezifisches in ihr Repertoire aufnehmen.

Wenn nun einer der alten hiesigen Schwäne, Sie wissen schon, einer der bestimmt noch Hamburger Platt spricht, auf einen saarländischen Kumpel stößt … Ob die sich lautmäßig auf Anhieb verstehen? Und wenn ja, merken die trotzdem sofort, dass sie jeweils anderer Herkunft sind?

Ich hoffe sehr, dass die Althamburger Schwäne sich über die neuen Anrainer freuen und sich nicht etwa auf-
spielen. Den Lokalmatador heraushängen. Auf Privilegien pochen. Die menschlichen Hanseaten hier in der Stadt unterscheiden nämlich sogar zwischen gebürtigem und geborenem Hamburger! Tatsache. Wenn Sie denken, da gebe es keinen Unterschied – oh, doch!
Normalerweise spricht man von gebürtig, wenn man in Stadt A geboren wurde, aber heute woanders (Stadt B) lebt. Der Mann ist gebürtiger Berliner, lebt jedoch jetzt in Dortmund. Ein geborener Berliner, der weiterhin in der Hauptstadt wohnt, bleibt einfach geborener Berliner.
In Hamburg sollte es theoretisch genauso sein. Ist es aber nicht. Hier zählen Sie erst dann als geborener Hamburger, wenn  nicht nur Sie selbst, sondern vor Ihnen auch schon beide Elternteile in der Hansestadt zur Welt kamen. Und wenn es ganz fies kommt, dann ist das in Hamburg geborene Kind, dessen eines Elternteil
von auswärts stammt, ein „Geworfenes“. Dieser rotzfreche Ausdruck wird damit gerechtfertigt, dass der fremde Elternpart eben „nur“ Quiddje (Zugezogener) ist.
Hoffen wir, die umgezogenen Schwäne haben nicht so pingelige Schnösel vor sich gehabt, als sie sich nach einer Quarantänezeit von zwei Wochen ganz allmählich dazugesellten. Sie wurden nach und nach integriert, nicht alle auf einen Schlag auf die Alteingesessenen losgelassen.

Zwei Eindrücke noch vom Sommer …
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Hamburg - Kleine Alster mit gemischter Wasservogelpopulation

Hamburg – Kleine Alster mit gemischter Wasservogelpopulation

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Schwäne am Ballindammufer.

Alle übrigen, die Stammschwäne, waren 2018 bereits seit dem 10. April auf den Gewässern unterwegs. Rund sieben Monate hat eine Saison außerhalb des Winterquartiers, diesmal nur unterbrochen von vier Wochen im heißen August, in denen knapp 40 Schwäne von der Binnenalster evakuiert wurden, um weitere Todesfälle zu vermeiden. Der Mühlenteich präsentierte sich als der sicherere Platz. Es gab einerseits nicht diesen extremen Algenteppich, andererseits ließen sich Patienten dort sehr viel effektiver behandeln und aufpäppeln.

Nun naht der Winter. Zeit für alle, nach Eppendorf zurückzukehren. Es wurde ausnahmsweise eine kleine Galgenfrist von zwei Wochen gewährt, weil die milden Temperaturen im Herbst erstaunlich lange anhielten.

Und so sieht es aus, wenn im trüben November Schwanenvater Olaf Nieß mit seinem Team ausrückt, um seine Schützlinge einzufangen.
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Hamburg - Kleine Alster mit Reesendammbrücke im Hintergrund - Schwanenvater Olaf Nieß rückt mit seinem Team an

Hamburg – Kleine Alster mit Reesendammbrücke im Hintergrund – Schwanenvater Olaf Nieß rückt mit seinem Team an

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Speziell im Herbst halten sich viele Schwäne gern im Bereich der „Kleinen Alster“ direkt vor den Alster-
arkaden
auf. Dort am Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege führen steinerne Treppenstufen fast hinunter bis ans Wasser. Eine Art parallel zum Ufer verlaufender Steg teilt den Wasserbereich vor der Treppe von der Zuführung zur Schleuse ab. Hier pausieren sie in Gruppen, hocken auf dem Steg, putzen sich, schauen dabei umher, ob nicht jemand Essbares mitgebracht hat. Denn trotz Fütterverbot fällt natürlich immer einmal etwas für die Bande ab. Sie teilen sich Terrain und Häppchen mit Möwen, Graugänsen, Enten und Rallen.
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Hamburg - Kleine Alster - Der Bereich vor den Treppen und am Denkmal ist beliebt bei den Wasservögeln

Hamburg – Kleine Alster – Der Bereich vor den Treppen und am Denkmal ist beliebt bei den Wasservögeln

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Schwanenvater Nieß nähert sich mit seinen Kollegen in mehreren kleinen, flachen, offenen Booten von der Binnenalster unter der Reesendammbrücke hindurch der Kleinen Alster.
Die Boote bilden bald parallel zur Brücke von Ufer zu Ufer eine Art Barrikade. Die geschlossene Kette rückt ganz langsam auf gesamter Breite vor Richtung Denkmal und Rathausschleuse.
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Hamburg - Kleine Alster - Man nähert sich den Schwänen ganz langsam ....

Hamburg – Kleine Alster – Man nähert sich den Schwänen ganz langsam ….

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Wird die Distanz geringer, beginnen die Schwäne irgendwann, das Treiben genauer zu beobachten, sehen jedoch keinen Anlass, sich fortzubewegen.
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Hamburg - Kleine Alster - Aktion Schwäne ins Winterquartier - Ab jetzt wird gezielt dirigiert ...

Hamburg – Kleine Alster – Aktion Schwäne ins Winterquartier – Ab jetzt wird gezielt dirigiert …

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Sobald die Boote die Vögel erreicht haben und erste Manöver starten, um die Tiere in eine bestimmte Richtung zu dirigieren, bricht unter den Vögeln leichte Hektik aus. Man klettert über knapp aus dem Wasser ragende Trennwände bzw. Stege, manch einer flattert echauffiert und meint zunächst, mit einem Satz ins Becken daneben, sei die Sache gedeichselt.
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Hamburg - Kleine Alster - Die Schwanentruppe an der Treppe direkt am Denkmal muss noch überzeugt werden, sich zu den anderen zu begeben ...

Hamburg – Kleine Alster – Die Schwanentruppe an der Treppe direkt am Denkmal muss noch überzeugt werden, sich zu den anderen zu begeben …

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Hamburg - Kleine Alster - Alsterschwäne einsammeln - Ein bisschen drängeln mit dem Boot ...

Hamburg – Kleine Alster – Ein bisschen drängeln mit dem Boot ….

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Hamburg - Kleine Alster, vor der Rathausschleuse - Das Manöver glückt, die Schwäne schließen zu den anderen auf ...

Hamburg – Kleine Alster, vor der Rathausschleuse – Das Manöver glückt, die Schwäne schließen zu den anderen auf …

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Das Team trickst erneut mit Hilfe der Boote, lenkt und schafft es in relativ kurzer Zeit, dass die gesamte Gruppe der Tiere wie gewünscht in die linke Schleuse paddelt.
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Hamburg - Kleine Alster, Rathausschleuse - Jetzt müssen allerdings alle (Schwäne) noch vor den Eingang der linken Schleusenkammer ...

Hamburg – Kleine Alster, Rathausschleuse – Jetzt müssen allerdings alle noch vor den Eingang der linken Schleusenkammer …

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Hamburg - Kleine Alster - Noch einmal etwas Drängeln mit Wellengang, dann sind alle zusammen und erobern wunschgemäß die Schleuse

Hamburg – Kleine Alster – Noch einmal etwas drängeln mit Wellengang, dann sind alle zusammen und erobern wunschgemäß die Schleuse

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Eine Sackgasse, denn die Schleusenausfahrt am anderen Ende ist bereits geschlossen.

Die Zuschauer wechseln jetzt flink ihren Platz und ziehen von der Kleinen Alster (Arkaden oder gegenüber an auf den Treppen) um auf die Schleusenbrücke.
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Hamburg - Schleusenbrücke an der Rathausschleuse - Der erste Schwanbeobachter (ein großer schwarzer, langfelliger Hund mit Herrchen) ist schon da ....

Hamburg – Schleusenbrücke an der Rathausschleuse – Der erste Schwanbeobachter ist schon da ….

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Sobald nicht nur die Schwäne, sondern dazu sämtliche Boote in der Schleusenkammer verstaut sind, schließt sich ebenfalls das Eingangstor.
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Hamburg - Rathausschleuse - Alle Schwäne sind in der linken Schleusenkammer, noch ist der Wasserstand hoch ...

Hamburg – Rathausschleuse – Alle Schwäne sind in der linken Schleusenkammer, noch ist der Wasserstand hoch …

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Hamburg - Rathausschleuse - Auch die Boote sind in der Kammer und rücken auf ...

Hamburg – Rathausschleuse – Auch die Boote sind in der Kammer und rücken auf …

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In der Schleuse wird nun der Wasserspiegel gesenkt. Dies macht es für die Schwäne schwierig, aus ihrer ungünstigen Position, womöglich aus den Tiefen des Trogs heraus, noch einen erfolgreichen Abflugversuch
zu unternehmen. Die schweren Vögel benötigen eine wesentlich längere Startbahn.
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Hamburg - Rathausschleuse - Schleusenkammer proppevoll, und immer weniger Platz für die Schwäne ...

Hamburg – Rathausschleuse – Schleusenkammer proppevoll, und immer weniger Platz für die Schwäne …

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Die Boote schieben sich zentimeterweise vor, bis lediglich noch ein schmaler Spalt zwischen Boot und Tor freibleibt, und letztendlich das weiße Volk nur eine einzige Ecke als Ausweichpunkt übrigbehält.

Wer glaubt, dass die Tiere derart in die Enge gelotst in wilde Panik geraten würden, täuscht sich. Hippelig sind sie, ja. Die Jungschwäne empfinden mehr Stress. Hin und wieder hört man ihre aufgeregten Rufe.
Doch insgesamt kennen die Tiere den Schwanenvater inzwischen zu gut und die weitaus meisten wohl auch den Sinn und Zweck dieser Aktion.
Dass ihnen die nicht ganz behagt, ist nachzuvollziehen, denn A) wird es gleich ein bisschen handgreiflich zugehen und B) verlassen sie die Alster höchst ungern.
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Hamburg - Rathausschleuse - Die Aktion "Schwäne einsammeln" läuft an. Vorher wurde das Stroh noch in den Booten ausgebreitet

Hamburg – Rathausschleuse – Die Aktion „Schwäne einsammeln“ läuft an. Vorher wurde das Stroh noch in den Booten ausgebreitet.

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Hamburg - Rathausschleuse - Schwanenvater Olaf Nieß und sein Team bereiten die Schützlinge für den Transport vor ...

Hamburg – Rathausschleuse – Schwanenvater Olaf Nieß und sein Team bereiten die Schützlinge für den Transport vor …

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Sie haben sicher auf einigen Fotos entdeckt, direkt am Rand der Schleusenkammer haben sich Presse und Fernsehen versammelt. Dicht am Geschehen, aber auch nah am Wasser. Ihnen allen wurde zur Sicherheit eine Schwimmweste gereicht …
Dass dieser Aufmarsch und die auffällig leuchtenden Westen die Schwäne nicht verschrecken, hat mich verwundert.
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Schwanenvater Nieß und ein weiterer Mitarbeiter im Boot daneben greifen beherzt über Bord und schnappen sich jeweils einen Schwan. Der wird geschwind über die Bordwand gehievt, mit sicherer Hand am Boden des mit Stroh ausgelegten Bootes gehalten, wo seine Füße und Flügel leicht mit Klettband fixiert werden. Anders ginge der Transport nicht, denn ansonsten würden sich beim Schwanentrupp die Kollegen vor Entrüstung (die zeitweilig doch herrscht) womöglich auf engem Raum gegenseitig verletzten oder unter Protest gleich wieder aussteigen.
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Hamburg - Rathausschleuse - Und wieder wird ein Schwan vorsichtig zu den anderen gebracht. Das Boot füllt sich ...

Hamburg – Rathausschleuse – Und wieder wird ein Schwan vorsichtig zu den anderen gebracht. Das Boot füllt sich …

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So wird manchmal beruhigend auf sie eingeredet, einige bekommen ein paar Streicheleinheiten, und so nach und nach werden sie alle zart nebeneinander „aufgereiht“. Bereits nach kurzer Zeit an Bord recken sie die Hälse und schauen recht entspannt in der Gegend umher. Warten darauf, dass die Belegschaft komplett ist.

Gut zwei Stunden dauert das Lotsen in die Schleuse plus Verfrachten ins Boot. Ca. 40 Schwäne sind zu verstauen. Anfangs zählte ich 42 Schwäne auf der Kleinen Alster, doch es gab Schwund. Irgendeinem gelang es anscheinend, vorher noch auszubüxen.

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Es gibt viele Zuschauer, die von der Schleusenbrücke aus zusehen und trotz höchst ungemütlicher Tempe-
ratur, beißendem Windzug am Wasser und brückenbedingt besonderer Kälte an den Füßen, dennoch die ganze Zeit leise vor sich hinbibbernd ausharren; es ist eben enorm spannend.

Touristen, zufällig vorbeikommend, sprechen Umstehende und auch mich neugierig an. Haben Fragen. Auf Deutsch, auf Englisch. Lebhafte Unterhaltungen entwickeln sich daraus. Daneben gibt es Kommentare zum Geschehen, Einwürfe. Unter anderem den folgenden, den  ein reiferer Herr äußert, nachdem er die Schwäne
im Boot erblickt hat:
„Ach, werden die jetzt geschlachtet?“

Die Reaktionen reichen von Belustigung über Empörung bis hin zu schierem Entsetzen. Den Alsterschwänen an die Gurgel! Mein Gott! Zwei anwesende Damen können sich vor Entrüstung nur sehr schwer wieder einkriegen. Der Begriff Schnappatmung wird hier gerade aufs Feinste demonstriert.

Der Herr wird von allen Seiten hilfsbereit und wortreich aufgeklärt – doch ich bin mir gar nicht so sicher, dass er wirklich so ahnungslos war …
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Hamburg - Rathausschleuse - Es sind alle Passagiere an Bord, der Wasserstand ist wieder gestiegen, ein Teil der Boote hat die Kammer bereits verlassen. Die nicht mehr benötigten Westen werden verstaut ...

Hamburg – Rathausschleuse – Es sind alle Passagiere an Bord, der Wasserstand ist wieder gestiegen, ein Teil der Boote hat die Kammer bereits verlassen. Die nicht mehr benötigten Westen werden verstaut …

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Der letzte Schwan sitzt im Boot, Aktion Einsammeln beendet, der Wasserstand in der Schleuse kann wieder angehoben werden. Sobald er das Alsterniveau erreicht hat, öffnet sich das Tor auf entsprechender Seite, und in der Kammer wird das Kuddelmuddel aus querliegenden Booten aufgelöst.
Eines nach dem anderen verlässt die Schleuse. Am Ende zieht ein motorisiertes Fahrzeug die beiden mit Schwänen belegten Boote hinaus und hinter sich her. Richtung Kleine Alster, weiter zur Binnenalster, auf die Außenalster und letztendlich zum Mühlenteich.
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Hamburg - Rathausschleuse - Nur noch die beiden Boote mit den Schwänen ins Schlepptau nehmen ....

Hamburg – Rathausschleuse – Nur noch die beiden Boote mit den Schwänen ins Schlepptau nehmen ….

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Hamburg - Und da tauchen die Alsterschwäne wieder aus der Schleusenkammer auf. Diesmal als Bootspassagiere mit ihrem Schwanenvater ...

Hamburg – Und da tauchen die Alsterschwäne wieder aus der Schleusenkammer auf. Diesmal als Bootspassagiere mit ihrem Schwanenvater …

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Auf ein Wiedersehen auf der Alster im nächsten Frühjahr, Ende März/Anfang April!
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Hamburg - Kleine Alster - Schwanentransport - Auf geht die Reise zum Mühlenteich, ihrem Winterquartier ...

Hamburg – Kleine Alster – Schwanentransport – Auf geht die Reise zum Mühlenteich, ihrem Winterquartier …

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Die restliche Schwanenbevölkerung, die sich an diesem Tag gerade nicht im Bereich der Kleinen Alster aufhält, wird üblicherweise in den zwei folgenden Tagen nach und nach eingesammelt. Manch Alsterschwan kennt von sich aus die Strecke zwischen Alster und Mühlenteich, doch freiwillig nutzen die Vögel den „Selbstschwimmer-
status“ eher im Frühjahr, wenn es mit deutlich mehr innerem Antrieb hinausgeht.

Vielleicht zeigt im nächsten April ein weißgefiederter Urhamburger seinem Schwankollegen aus dem Saarland den richtigen Weg. Ich kann mir das gut vorstellen …
„Moin“, winkt Fiete einem der Neuhamburger zu, „hier geiht dat lang.“
Die seltsame Sproch hat der Heinz aus Saarbrücken jedoch über Winter schon ganz gut erlernt.
„Dooiwwe?“, fragt er knapp.
Natürlich mit saarländischem Zungenschlag, denn man hat sich – das weltoffene Hamburg lässt grüßen – für Zweisprachigkeit bzw. die Erhaltung von womöglich sonst aussterbenden Dialekten und Mundarten entschieden.
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©by Michèle Legrand, November 2018
Michèle Legrand, Blog ->Michèle. Gedanken(sprünge)

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Hamburg: Zwischen Altstadt und Neustadt (3) Althamburger Bürgerhäuser und ihr „brutaler“ Nachbar – Ein Streifzug durch die Deichstraße

Nach herrlichem Altweibersommer mit vielen warmen Septembertagen ist gerade stürmisch-feuchter Herbst eingezogen. Ein entspannter virtueller – und vor allem trockener – neuer Hamburger Streifzug bietet sich daher an! Die Altstadt ruft zum inzwischen dritten Mal, und wenn Sie mögen, schließen Sie sich gerne wieder bei einem weiteren Erkundungsgang an.

Es wird Sie verwundern, doch dass es heute wieder etwas ausführlicher wird, liegt diesmal  an der Bundeswehr. Hätte die Truppe nicht bei ihren Schießübungen den Schwelbrand im Moor bei Meppen ausgelöst und zunächst eine Woche alleine eine mögliche Lösung ausgebrütet, würde jetzt nicht ein Großteil Norddeutschlands – es zog am Freitagmorgen bis nach Hamburg  und weiter hoch nach Schleswig-Holstein! – angeschmort riechen. Und ohne den Dauergeruch in der Nase, hätte ich  den feurigen Part (Sie werden bald merken, worum es sich handelt) unserer heutigen Erkundungstour möglicherweise gar nicht erwähnt.

Es geht diesmal in die ganz in der Nähe des Binnenhafens gelegene, nur einen Katzensprung von der Spei-
cherstadt
und dem Miniatur-Wunderland entfernte Deichstraße mit ihren Althamburger Bürgerhäusern. In deren unmittelbarer Nachbarschaft steht ein – im gewissen Sinne „brutaler“ – Nachbar, den ich Ihnen auch ein wenig vorstellen werde.
Wir nehmen – am Rande – eine Feier in der Deichstraße mit, das Fest am Fleett. Ich gedenke, mit Ihnen einen Blick auf den Anleger im Nikolaifleet zu werfen. Sowohl Fleet als auch Ponton befinden sich auf der Rückseite der Deichstraßenhäuser. Aus Anlass des Festes haben einige relativ kleine und flache, schon recht betagte Boote, u. a. eine Kastenschute, dort festgemacht. Alles Schiffe der Art, wie sie hier früher üblicherweise auf den Fleeten verkehrten, Waren transportierten und diese direkt am Haus anlieferten.
Eine kleine Zeitreise könnten wir auch einschieben.
Wie wäre es, zum heutigen Abschluss Gold zu schnuppern?
Auch das wird möglich sein, hat mit den Traditionsschiffen jedoch nichts zu tun. Neugierig? Sind Sie mit von der Partie? Dann lassen Sie uns starten.

Deichstraße

Die Deichstraße in Hamburgs Altstadt ist bei den Touristen als Ziel recht beliebt, doch nicht nur bei denen.
Die Ortsansässigen streben ebenfalls dorthin, wenn auch meist aus einem anderen Grund.
Während die Gäste aus der Ferne gern zunächst von außen alte, geschichtsträchtige Häuser ansehen möchten, zieht es die Einheimischen meist in diese hinein. Die Fassaden sind für sie ja nichts Neues, den Anblick kennen sie bereits.
In den prächtig restaurierten Gebäuden und in dieser schönen Lage direkt am Fleet haben sich zahlreiche Lokale, Cafés und Restaurants niedergelassen. Restaurants im alten Stil und mit teilweise langer Tradition, solche, die im Laufe der Jahrzehnte so einige Veränderungen in ihrer Umgebung selbst miterlebt haben.
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Hamburg - Altstadt - Deichstraße 21 und 23 - Restaurants "Kartoffelkeller" und "Deichgraf" - Straßenfront

Hamburg – Altstadt – Deichstraße – Restaurants „Kartoffelkeller“ (Haus Nr. 21) und „Deichgraf“(Nr. 23)

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Eine bisschen Extraberühmtheit hat das alles durch eine Besonderheit erlangt: Hier in der Deichstraße ist das letzte erhaltene Ensemble althamburgischer Bürgerhäuser unterschiedlichen Stils zu finden. Ein ganzer Straßenzug, der einen Eindruck davon vermittelt, wie Hamburg in der Zeit zwischen dem 17. Jahrhundert und dem Großen Brand im Jahr 1842 aussah. Zusätzlich geschichtsträchtig ist der Ort dadurch, dass dieser ver-
heerende Brand damals genau in dieser Straße ausbrach!
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Hamburg - Altstadt - Deichstraße - Haus Nr. 25 (Zum Brandanfang) und Nr. 27

Hamburg – Altstadt – Deichstraße – Haus Nr. 25 (Zum Brandanfang) und Nr. 27

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Überall sonst wurden die allmählich leider etwas heruntergekommenen Zeugen dieser Zeit nach und nach abgerissen, spätestens nach weiterer Beschädigung oder kompletter Zerstörung durch die Bombenangriffe im zweiten Weltkrieg. Die wohl letzten Überreste verschwanden im Zuge der nach Kriegsende einsetzenden Neubebauung sowie infolge der Einrichtung neuer Verkehrswege, für deren Verlauf die Planung häufig eine komplett neue Straßenführung vorsah.
In diesem Zusammenhang wurden damals mit dem vielen herumliegenden Geröll und Bauschutt gleich einige Fleete zugeschüttet. Sie erinnern Sie vielleicht, dass ich in vorherigen Teilen zu diesem Punkt schon einmal von Hamburger Straßen erzählte, deren aktuelle Namen durch das Anhängsel -fleet zwar noch „fleethaltig“ klingen, in denen Sie aber verdammt lange nach Wasser suchen können.

Die Deichstraße heißt nicht aus einer Laune heraus einfach nur so, die Häuser wurden tatsächlich auf einem Deich gebaut. In der frühen Neuzeit, einer Zeit, in der sich in Hamburg der Handel mächtig intensivierte, herrschte auf Stadtgebiet (innerhalb der Wallanlagen) bald enorme Platzknappheit. Gebäude entstanden – wie hier auch – nicht mehr nur auf der Landseite der Straße, sondern direkt auf den Grundstücken an den Fleeten. Da diese Wasserwege mit der Norderelbe in Verbindung stehen und ihr Wasserpegel von der Tide beeinflusst wird, hatte man dort bereits – zu jener Zeit waren es noch – Außendeiche errichtet, die nun bei Bebauung gleich einen höheren und sichereren Standort boten und davor schützten, dass einem während des Hochwassers die Fluten ins Haus liefen.

Was Sie bei einem Besuch vor Ort vielleicht auch für sich feststellen werden, ist, dass Sie, abhängig davon, zu welcher Jahreszeit oder bei welchem Wetter Sie der Deichstraße und dem Nikolaifleet dahinter einen Besuch abstatten, Sie entweder einen freundlichen, jedoch eher oberflächlichen Eindruck der Gesamtszenerie auf-
schnappen, oder aber sich erstaunlich echt in alte Zeiten zurückversetzt fühlen.

Im Sommer, wenn die Straßenbäume grün sind, die Lokale ihr Platzangebot auch vorne nach draußen auf die Trottoirs der Deichstraße, die größtenteils Fußgängerzone ist, ausgeweitet haben und die Menschenmassen sich drängen, bleibt meist das Empfinden: Ach ja, hübsch. Ganz nette Gegend.
Man blickt kurz hoch an den restaurierten Häuserfassaden, schaut in Schaufensterauslagen, aber der Hintermann sorgt schon dafür, dass man nicht ewig stehenbleibt. Während also das Laub der Bäume den Blick leicht bremst und ein wenig die Sicht aufs Ganze hemmt, lenkt gleichzeitig das Gewusel der Menschen ab. Und Sie sind dann leider auch nicht der Einzige, der die Idee hat, sich die Häuserzeile alternativ von der Fleetseite anzusehen.
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Hamburg - Altstadt - Fest am Fleet in der Deichstraße - 08.09.2018

Hamburg – Altstadt – Fest am Fleet in der Deichstraße – 08.09.2018

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Hamburg - Altstadt - Deichstraße - Fest am Fleet, es ist viel los ...

Hamburg – Altstadt – Deichstraße – Fest am Fleet, es ist viel los …

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Ein Tag im zeitigen Frühjahr, im Spätherbst oder sogar Winter, bei eventuell sogar unvorteilhaftem Wetter, wenn es kaum jemanden dorthin zieht, birgt den unschätzbaren Vorteil, dass sich versunken betrachten lässt und dass man die Gedanken schweifen lassen kann. Sich vorstellen kann, wie es damals aussah und zuging! Sie erkennen verblüfft, dass es ein ganz beträchtlicher Unterschied ist, ob Sie die Frontseite mit barocken, farben-
frohen Fassaden inkl. Beschriftung durch die Gastronomie bzw. Auslagen in den Läden betrachten, oder ob Sie sich die eher schlichten Rückfronten, teilweise mit altem Fachwerk, hinten ansehen.

Hätten Sie Lust auf eine kleine Zeitreise zurück ins – sagen wir – 19. Jahrhundert? Ich habe Ihnen dazu einzelne Ansichten in einer s/w-Version angefertigt und ergänze aktuelle Bilder vom September 2018 mit einigen Archiv-
fotos von Anfang und Ende 2017, um eine „kahlere“ Jahreszeit sowie Aufnahmen ohne Gerüstteile (wie sie momentan gerade auf der Cremon-Seite aufgebaut sind) zur Verfügung zu haben.

Wenn Sie auf der Hohen Brücke stehen, also vom Hafenbereich aus ins Nikolaifleet schauen und von dort die Häuserrückseiten mit ihrem Fachwerk betrachten, ist der Eindruck vergangener Zeiten fast perfekt.
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Hamburg - Altstadt - Blick von der Hohen Brücke am Hafen auf Nikolaifleet und die Rückfronten der Deichstraßenhäuser

Hamburg – Altstadt – Blick von der Hohen Brücke am Hafen auf Nikolaifleet und die Rückfronten der Deichstraßenhäuser

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Die Bürgerhäuser stammen alle aus einer Zeit, in der es üblich war, Leben und Arbeit gleichzeitig in den recht engstehenden, mehrgeschossigen Fachwerkhäusern stattfinden zu lassen. Ein einziger Ort, an dem das Kontor eingerichtet und das Handwerk betrieben wurde, an dem bunt gemischt gelagert, aber auch mit vielköpfiger Familie gewohnt wurde. Dazwischen standen Waren, es liefen Maschinen, es wurde mit Feuer hantiert, das Wasser für die Produktion, aber auch für den Verzehr, wurde dem Fleet entnommen, Abwässer allesamt hineingeleitet. Entwässerung/Kanalisation, Hygiene … das waren noch Fremdwörter.

Die Straßen waren schmal und oft uneben, so dass sich Waren mit Karren oder dem Pferdewagen recht mühsam an- und abtransportieren ließen. Sie wurden stattdessen von Schuten und Ewern vom Hafen aus via Fleet an die Rückfronten der Gebäude gebracht. Sie können auch heute noch erkennen, dass die Häuser Ladeluken besitzen. Mittels Flaschenzug wurde sämtliche Ladung zu den weiter oben im Haus befindlichen Speichern befördert.
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Hamburg - Altstadt - Deichstraße (Rückseite) - Speicherräume im Haus, Flaschenzug zum Hieven ...

Hamburg – Altstadt – Deichstraße (Rückseite) – Speicherräume im Haus, Flaschenzug zum Hieven …

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Hamburg - Altstadt - Auf dem Ponton im Nikolaifleet ...

Hamburg – Altstadt – Auf dem Ponton im Nikolaifleet …

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Drüben auf der anderen Fleetseite liegt der Cremon. In dieser Straße (früher war Cremon eine ganze Marschinsel!), gibt es eine erhaltene Speichergruppe in den Außendeichshäusern Cremon 33 bis 36.
Der Rest der ursprünglichen Bebauung wurde leider im Krieg zerstört.
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Hamburg - Altstadt - Fleetgang, die Verbindung zwischen Straße und Fleet (schmaler Gang zwischen hohen Häusern)

Hamburg – Altstadt – Fleetgang, die schmale Verbindung zwischen Straße und Fleet

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Zwischen einigen Häusern der Deichstraße verlaufen sehr schmale Wege, die an das Fleet hinunterführen. Von jeher der Zugang von der Straße zum Wasser – und zwar nicht nur für die Bewohner der Häuser auf dem Deich, sondern auch für die auf der gegenüberliegenden Seite der Straße Wohnenden.
Sie als Besucher können diese Gänge heute nutzen, um auf den vor einigen Jahren installierten Ponton im Nikolaifleet zu gelangen.
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Hamburg - Altstadt - Verbindungsgang zum Fleet zwischen den Häusern der Deichstraße

Hamburg – Altstadt – Ein weiterer Verbindungsgang – Dieser hier führt zwischen den Häusern vom Ponton im Nikolaifleet zur Deichstraße

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Wenn Sie von der anderen Seite, von der Holzbrücke aus, Richtung Hafen in das Fleet schauen, wirkt es ähnlich historisch …
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Hamburg - Nikolaifleet - Blick auf die Rückfronten der Deichstraßenhäuser (rechts, links Cremon)

Hamburg – Nikolaifleet – Blick auf die Rückfronten der Deichstraßenhäuser (rechts, links Cremon)

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… bis Ihr Blick zu weit vorprescht und er die noch – nun, ja – nicht ganz so alte Elbphilharmonie erfasst.
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Hamburg - Nikolaifleet - Der Anblick von eben, nur ein wenig farbiger und mit der Elbphilharmonie ganz am Ende ...

Hamburg – Nikolaifleet – Der Anblick von eben, nur ein wenig farbiger und mit der Elbphilharmonie ganz am Ende …

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Wie wohl ein Mensch des 17., 18. und selbst des frühen 19. Jahrhunderts, vertraut mit einem komplett anderen Baustil, beim Anblick hypermoderner Bauten unserer Zeit reagieren würde? Selbst die von uns schon als alt empfundene Speicherstadt mit ihren roten Backsteingebäuden kannte er nicht. Sie wurde erst später in den Jahren zwischen 1883 und 1927 errichtet …
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Hamburg - Altstadt - Nikolaifleet - Rückfronten der Deichstraßenhäuser -s/w

Hamburg – Altstadt – Nikolaifleet – Rückfronten der Deichstraßenhäuser

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Beamen wir uns beim Blick auf alte Gemäuer und Fachwerk gedanklich zurück ins Jahr 1842.

Es ist Frühjahr, der Monat Mai hat eben begonnen. Himmelfahrt steht vor der Tür. Am festen Anleger an der Holzbrücke rüstet sich gerade der Kapitän eines Ewers zum Ablegen. Er fährt ein Segelschiff kleineren Typs mit einem Flachkiel, d. h. es hat geringen Tiefgang und kommt mit der nicht so üppigen Wasserhöhe im Fleet aus. Jedenfalls bei Hochwasser …
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Hamburg - Altstadt - Nikolaifleet - Anleger an der Holzbrücke - Ungenutzt mit viel Wildwuchs (Unkraut)

Hamburg – Altstadt – Nikolaifleet – Anleger an der Holzbrücke

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Dass der Anleger seit langem ein Schattendasein führt und keiner mehr hier anlegt, erkennen Sie leicht am Wildwuchs … Auf der anderen Seite der Holzbrücke befindet sich heutzutage der Dauerliegeplatz des „Theaterschiffs“.
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Hamburg - Altstadt - Nikolaifleet - Anleger an der Holzbrücke, Blick (unter dem Brückenbogen hindurch) hinüber zum Theaterschiff

Hamburg – Altstadt – Nikolaifleet – Anleger an der Holzbrücke, Blick hinüber zum Theaterschiff

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Für den Ewer unseres Kapitäns ist nicht nur die Tauglichkeit in Bezug auf zur Verfügung stehende Wasser-
stände wichtig. Um überhaupt von Elbe und Hafen ins Fleet zu gelangen, sollte auch die Höhe stimmen, denn das Schiff muss unter den niedrigen Brücken hindurchpassen. Für unseren Ewerführer heißt das, er muss jedes Mal den Mast einklappen, sonst wird das nichts.

Auch heute haben die Rundfahrten anbietenden Hafenbarkassen – so flach sie sind – darauf zu achten, dass sie zwischen Ebbe und Flut nur während eines kleinen Zeitfensters Zugang zu den Fleeten haben. Außerhalb dieser Zeit reicht entweder die Durchfahrtshöhe kaum noch aus, oder aber sie sitzen auf dem Trockenen.
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Hamburg - Altstadt - Nikolaifleet - Barkasse "Birgit Ehlers" steuert auf die Hohe Brücke zu ...

Hamburg – Altstadt – Nikolaifleet – Barkasse „Birgit Ehlers“ steuert auf die Hohe Brücke zu …

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Im Mai 1842 herrscht reger Betrieb. Schuten drängeln sich aneinander vorbei. Entweder von Hand mit Peekhaken fortbewegt oder aber per Barkasse geschleppt. Sie haben Waren geladen, die per Seeschiff nach Hamburg kamen und nun auf dem Weg zum Kunden ins Lager oder in seinen Betrieb sind. Oder sie bringen umgekehrt Ladungen zu in Kürze aus Hamburg auslaufenden Schiffen. Werkmaterialien, Verbrauchsgüter, Lebensmittel, es gibt kaum etwas, was nicht gehandelt oder verarbeitet wird.
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Hamburg - Altstadt - Traditionsschiffe am Ponton im Nikolaifleet

Hamburg – Altstadt – Traditionsschiffe am Ponton im Nikolaifleet

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Ins Haus Nr. 27 wird Gemüse geliefert. Dort ist der Bardowicker Speicher. Die Gemüsebauern aus dem gleichnamigen Ort nahe Lüneburg lagern hier ihre Waren ein. Eine andere Schute transportiert importierten Tabak. Später im Jahr werden auch wieder etliche Hopfenladungen für die Brauerei Gröninger bei den Lieferungen dabei sein …
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Hamburg - Altstadt - Pferdefuhrwerk auf der Holzbrücke (im Hintergrund St. Katharinen)

Hamburg – Altstadt – Pferdefuhrwerk auf der Holzbrücke (im Hintergrund St. Katharinen)

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Hamburg - Altstadt - Fest am Fleet 2018 - Traditionsschiffe am Ponton im Nikolaifleet

Hamburg – Altstadt – Traditionsschiffe am Ponton im Nikolaifleet

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Feuer! Der Große Brand

Wie bei uns der Sommer 2018, ist das Frühjahr 1842 extrem trocken. Seit Wochen hat es nicht geregnet. Es hält hier am Fleet jedoch niemanden von seiner Arbeit ab. Strom gibt es noch nicht. Man arbeitet mit Feuer, zur Beleuchtung dienen Kerzen.
Die Lager sind proppevoll, Entzündliches steht offen herum, weitere heikle, weil leicht brennbare Sachen, befinden sich gleich daneben. Brandschutzmauern zwischen den Häusern – wie damals schon in Lübeck – gibt es in Hamburg noch nicht.
Am 5. Mai, die Nacht ist noch gar nicht so weit fortgeschritten, ertönt Alarm. Nachtwächter haben bemerkt, dass im Haus Nr. 42 (hin und wieder auch die Nr. 44 genannt) bei einem Tabakhändler Feuer ausgebrochen ist. Die genaue Brandursache wird sich nie herausstellen …

Das betroffene Haus liegt an dem Ende der Deichstraße, das zum Hafen zeigt, jedoch auf der fleetabgewandten Seite der Straße. Ungefähr gegenüber vom Alt Hamburger Aalspeicher.

Haus Nr. 25 wiederum, welches den Schriftzug „Zum Brandanfang“ trägt, zeigt, wo das Feuer auf die Häuser der Ostseite der Straße übersprang.

Es werden Signalschüsse abgegeben, um die Feuerwehr herbeizurufen. Die Sturmglocken läuten. Die Flammen breiten sich sagenhaft schnell aus. Nebenan lagern hochbrennbarer Schnaps genauso wie Gummi und Lacke. Die Gebäude selbst geben durch ihren hohen Holzanteil  ideales Brennmaterial ab. Schon fliegende Funken reichen nach der Trockenheit aus, immerzu Neues in Brand zu setzen. Die Flammen lodern wild, dunkle Rauchwolken steigen hoch und weithin sichtbar auf. Kleine Explosionen ertönen, es entwickeln sich Dämpfe, verbranntes Gummi stinkt zum Himmel …
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Hamburg - Altstadt - Ponton im Nikolaifleet mit Rückfronten der Deichstraßenhäuser - sw

Hamburg – Altstadt – Ponton im Nikolaifleet mit Rückfronten der Deichstraßenhäuser

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Auch wenn auf obigem Foto der Himmel hell ist, können Sie sich vorstellen, wie es damals hier qualmte, wie der Altstadtteil schwarz verhangen war, die Flammen sich gierig durchfraßen, die Hitzeentwicklung unerträglich wurde …?

Alles brennt wie Zunder, unaufhörlich. Die vom Feuer betroffenen Gebiete weiten sich immer weiter aus. Der Große Brand zieht durch die Altstadt Richtung Neustadt, und trotz Großeinsatz aller Kräfte, gibt es so gut wie keine Chance, dem Vorankommen Einhalt zu bieten.
Selbst die Sprengung des altes Rathauses an der Trostbrücke und weiterer Gebäude, die in der Hoffnung erfolgt, eine Art Schneise zu schlagen, die Flammen damit aufzuhalten und alles unter Kontrolle zu bekommen, nützt nicht …

Die Flammen dringen  letztendlich bis zu den Wallanlagen vor. In der Neustadt und hier in der Straße, die deshalb heute noch den Namen Brandsende“ trägt, bekommt man das Feuer endlich – drei, fast vier Tage nach Ausbruch – am 8. Mai 1842 in den Griff.
Von den etwa 120.000 Einwohnern, die Hamburg zu dieser Zeit hat, verlieren 20.000 Menschen ihre Wohnung, zahlreiche sterben, noch mehr werden verletzt. 100 Speicher mit Waren fallen ebenfalls dem Brand zum Opfer.

Sie und ich wissen, wie heute ein Feuerwehrgroßeinsatz aussieht, doch wie lief es damals ab? Was stand überhaupt zur Brandbekämpfung zur Verfügung?

Eine begrenzte Anzahl an Feuerwehrleuten, Leiterwagen, von Pferden gezogene Karren, Spritzenwagen, dazu Handspritzen und die Möglichkeit des zusätzlichen Einsatzes vom Fleet aus …
Seinerzeit hatte Hamburg 1 150 Feuerwehrleute, die man „Wittkittel“ nannte, da sie weiße Kleidung aus Leinen trugen. Weiße Kleidung? Eigenartig, oder? Noch trugen sie sie, muss man dazu sagen, denn inzwischen war natürlich jedem klar geworden, dass Weiß als Farbe beim Kontakt mit Ruß und Asche alles andere als ideal war. Es gab daher bereits die ersten blauen Uniformen, nur die große Mehrheit trug tatsächlich immer noch den Schutz aus hellem Material.

Unsere Feuerwehr heute hat eine ausgefeilte Ganzkörpermontur. Einen Helm mit Sichtschutz. Dazu wird – abhängig vom Einsatz – unter schwerem Atemschutz gearbeitet. Und die „Wittkittel“ 1842 während des Großen Brands?

Als Feuerwehrmann hatte man lange Zeit zum Schutz des Kopfes Filzhüte aufgehabt, ging jedoch seit 1820 langsam zum Tragen eines Lederhelms über. Der wurde aus den Abfällen der Lederschläuche gefertigt. Sie müssen sich das einmal vorstellen: Im 16. Jahrhundert wurde der Schlauch erfunden und war aus Leder genäht, wurde später genietet! Mitte des 18. Jahrhunderts kamen die Hanfschläuche auf, die aber auch erst ein Jahr-
hundert später vernünftig genutzt werden konnten, als man sie nämlich – und das war so um die Zeit des Großen Brands herum – mit einer Gummieinlage versah. Und nun also Lederschlauchreste zur Fabrikation von Schutzhelmen …

Nicht leicht, mit den vorhandenen Mitteln und dem eher kümmerlichen Schutz des eigenen Lebens ein Feuer dieser Größenordnung zu bewältigen. Es kam immerhin noch Verstärkung von außerhalb hinzu. Feuerwehr-
männer aus Lübeck, aus Kiel …

Manche Anwohner der Häuser am Wasser, die beim Brand um ihr Hab und Gut bangten, entschlossen sich, einen Teil der Waren oder Haushaltsgegenstände einfach ins Fleet zu werfen mit dem Plan, das Versenkte später wieder herauszuholen.
Es gab auch Situationen, in denen die Eigner aus Vernunft beschlossen, speziell im Fall von kritischen Stoffen, die eh nicht mehr zu retten waren, diese ins Fleet zu werfen, damit sie nicht als weiteres Brennmaterial für das gierige Feuer dienten. Dieses lobenswerte Vorhaben ging in einem Fall ein wenig nach hinten los …

Es gab einen ansässigen Herrn, der genau aus diesem Grund seine 350 Fässer mit Arrak (Schnaps) ins Fleet auskippte. Es herrschte allerdings gerade Ebbe. Das Zeug floss nicht ab. Die Feuerwehr wiederum versuchte unverdrossen, aus dem Fleet Spritzwasser zum Löschen zu pumpen.
Sie können sich das Resultat denken: Man spritzte über lange Zeit anstelle von Wasser den hochprozentigen Schnaps in die Flammen. Kräftiger Wind aus Südwest blies und trieb das frisch angeheizte Feuer weiter Richtung Stadtmitte.

Nach dem Großen Brand

Und nachdem das Feuer endlich erloschen war – lag anschließend alles ewig in Schutt und Asche? Blickte man auch noch nach Jahren auf Brandruinen?

Nein, im Gegenteil. Nach Ende des Brandes starteten sofort die Aufräumarbeiten, und es begann der Wieder-
aufbau von zerstörten Gebäuden bzw. die Wiederherrichtung beschädigter Häuser. Es gab Spenden aus dem In- und sogar aus dem Ausland! Ein regelrechter Bauboom wurde ausgelöst. Auch die Häuser hier in der Deichstraße wurden schnellstens wieder hochgezogen, obwohl wirklich kaum mehr als einige Grundmauern übriggeblieben waren.
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Hamburg - Altstadt - Deichstraße Nr. 19

Hamburg – Altstadt – Deichstraße Nr. 19

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Wenn der Große Brand irgendetwas Gutes gehabt hat, dann ist es die Tatsache, dass man sich nach dem verheerenden Feuer Gedanken machte, wie man so etwas in Zukunft vermeiden konnte, aber auch darüber,
wie sich die Feuerbekämpfung verbessern ließe.

Sie haben bestimmt von dem englischen Ingenieur William Lindley gehört. Er entwarf damals u. a. eine zentrale Wasserversorgung für Hamburg, was letztendlich auch Löscheinsätze einfacher gestaltete. Und man gründete 30 Jahre nach dem Brand eine Berufsfeuerwehr.
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Hamburg - Altstadt - Deichstraße 47 - Mit Volutengiebel und dem Portal der abgebrochenen Nr. 29

Hamburg – Altstadt – Deichstraße 47 – Mit Volutengiebel und dem Portal der abgebrochenen Nr. 29

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Ganz wichtig war jedoch auch, dass sich die Menschen – obwohl sich die eigentliche, die genaue Brandursache nie ausmachen ließ – klarmachten, dass Umstände wie enorme Enge, fehlende Brandschutzmauern und besonders das Leben und gleichzeitige Arbeiten mit gefährlichen und leichtentzündlichen Materialen an einem Ort, zu den Hauptrisikofaktoren für einen Feuerausbruch zählten. Abgesehen davon, dass es prinzipiell Leben gefährdete.
Der Große Brand löste ein Umdenken aus mit der Folge, dass sich danach eine strikte Trennung von Arbeitsstätte und Heim durchsetzte. Die Menschen zogen nach außerhalb, der Arbeitsplatz blieb aufgrund der günstigeren Lage am bisherigen Ort.
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Hamburg - Altstadt - Haus der Seefahrt - Ecke Deichstraße_Hohe Brücke - Kontorhaus von 1910

Hamburg – Altstadt – Haus der Seefahrt – Ecke Deichstraße/Hohe Brücke – 1910 neu errichtetes Kontorhaus

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Kontorhäuser (s. Hinweis am Ende des Beitrags) entstanden, die ganz anders gestaltet und eingerichtet wurden. Holz als Baumaterial war auf dem Rückmarsch, die Gebäude entstanden aus Sandstein oder Backsteinen, Treppen aus Stein und Marmor. Der Einsatz von Metall verstärkte sich, und aus Brandschutz-
gründen stand in den Foyers und Treppenhäusern von da an nichts Brennbares mehr herum, was einem Feuer als Nahrung dienen konnte.
Nach einzelnen Häusern in der Neustadt zum Ende des 19. Jahrhunderts, entstand zum Beginn des 20. Jahrhunderts in der Altstadt nach und nach ein ganzes Kontorhausviertel!

So viel, was damals durchs Feuer zerstört wurde … – und doch auch so viel, was aus Ruinen wieder zum Leben erweckt wurde! Schön, dass nach alledem das Ensemble der althamburgischen Bürgerhäuser in der Deichstraße – welchem,  ganz ohne weiteres Feuer, aber bedingt durch Alter und Kriegsschäden, der Abriss drohte – durch einen Volksentscheid 1972 und die Spendenaktion „Rettet die Deichstraße“ nicht nur erhalten, sondern auch restauriert werden konnte.
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Hamburg - Altstadt - Nikolaifleet - Die Häuser der Deichstraße von der Rückseite
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Die Häuser stehen heute alle unter Denkmalschutz und sind nicht nur von außen, sondern auch von innen sehr sehenswert. Wenn Sie einmal schick essen gehen möchten, schauen Sie in den Alt Hamburger Aalspeicher, den „Deichgraf“ oder eines der anderen Restaurants.
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Hamburg - Altstadt - Deichstraße - Haus Nr. 43 mit dem (in Grün) Alt Hamburger Aalspeicher

Hamburg – Altstadt – Deichstraße – Haus Nr. 43 mit dem (in Grün) Alt Hamburger Aalspeicher

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Das „Kontor“ ist beliebt, im „Kartoffelkeller“ gibt es leckere Gerichte, und wer eher auf Crêpes und Galettes Appetit hat, der ist im „Ti Breizh“, einer bretonischen Crêperie genau richtig.
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Hamburg - Altstadt - Ti Breizh in der Deichstraße (Sept. 2018)

Hamburg – Altstadt – Ti Breizh in der Deichstraße

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Hamburg - Altstadt - Seiteneingang im Fleetgang - Ti Breizh, die Bretagne lockt ... Geöffnete Tür mit einem bunten Werbeplakat der Bretagne auf der Innenseite

Hamburg – Altstadt – Seiteneingang im Fleetgang – Ti Breizh, die Bretagne lockt …

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Im Haus Nr. 37, dem „Alt Hamburgischen Bürgerhaus“ kann man heute noch eine authentische, zwei-
geschossige Diele aus dem Barock vorfinden, dazu besonderes und wertvolles Mobiliar, das aus während des Kriegs zerstörten Bürgerhäusern stammt.
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Hamburg - Altstadt - Deichstraße - Alt Hamburger Bürgerhaus

Hamburg – Altstadt – Deichstraße – Alt Hamburger Bürgerhaus

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So geschichtsträchtig, so alt, so farbenfroh und lebhaft, ja, so homogen sich das Leben im weitaus größten Teil der Deichstraße präsentiert, ich muss Ihnen zum Schluss unbedingt noch den „brutalen“ Nachbarn zeigen. Aus Anlass des Fests am Fleet  und da obendrein Tag des offenen Denkmals war, bestand die Chance, sich ein weiteres denkmalgeschütztes, jedoch völlig anderes Gebäude anzusehen, das sonst nur Geschäftsleute und -kunden  oder Angestellte betreten.

Es geht um diesen Bau  ….

Deutsche Bundesbank – Zentrale Hamburg
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Hamburg - Altstadt - Zentrale Hamburg der Deutschen Bundesbank Ecke Deichstraße_Willy-Brandt-Straße

Hamburg – Altstadt – Zentrale Hamburg der Deutschen Bundesbank – Ecke Deichstraße/Willy-Brandt-Straße

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Darf ich vorstellen, dies ist die Hamburger Zentrale der Deutschen Bundesbank, die ihren Sitz in einem Betonbau an der Ecke Deichstraße/Willy-Brandt-Straße hat. Fünf Jahre wurde daran gebaut, 1981 wurde er bezogen.
Ein ziemlicher Gegensatz zu den eben kennengelernten Bürgerhäusern. Abgesehen davon, dass man die Ansicht eines derartigen Gebäudes durchaus als etwas brutal bezeichnen kann, gibt es jedoch erstaun-
licherweise in der Architektur tatsächlich den Fachbegriff Brutalismus.
Es ist ein Stil der Moderne, der sich – in unserem Fall – auf die Zeit zwischen 1960 und dem Beginn der
1980er Jahre bezieht. Es geht dabei um die Verwendung von Sichtbeton, eine betonte Konstruktion sowie
eine sogenannte skulpturale Ausarbeitung und Gliederung der Gebäude.
So weit, so gut. Aber wieso „brutal“…?

Die Sprache der Franzosen hilft uns weiter. Bei ihnen heißt roher Beton „béton brut“. Wer sich ein wenig genauer mit diesem französischen Wort auseinandersetzt, weiß natürlich, dass brut eben nicht nur roh, sondern auch grob, rau und herb, ja sogar ehrlich bedeutet. Es geht irgendwie um eine Art von kraftvoller Kunst, durchaus auch in Kombination mit Stahl und Glas, und oft findet sich streng Geometrisches.
Man kann natürlich wie immer über Schönheit streiten, doch etwas Gutes dabei gedacht hat sich der Architekt schon bei seinem speziellen Entwurf. Dass der Baustil insgesamt später ganz offiziell in Verruf geriet, liegt auch daran, dass unverputzte Betonbauwerke nach einer Weile etwas ungepflegt ausstehen. Sie nehmen Schmutz sehr leicht an, es wachsen Algen darauf, und der Baustoff ist vor Zerfall eben auch nicht gefeit.

Hier bei der Bundesbank, wirkt es durch das relativ dunkle Material relativ „ordentlich“, und wie Sie sehen, versucht man im Sommer, mit den Geranien zusätzlich ein bisschen Farbe und Leben hineinzubringen …
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Hamburg - Tag des Offenen Denkmals 2018 - Betonbrutalismus - Deutsche Bundesbank Hamburg - Blick an der Fassade hinauf

Hamburg – Tag des Offenen Denkmals 2018 – Betonbrutalismus – Deutsche Bundesbank Hamburg

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Hier haben wir im Grunde das umgekehrte Phänomen: Habe ich Ihnen vorhin geraten, die Deichstraßen-Häuser bei schlechterem Wetter und laublosen Bäumen zu betrachten, so kann ich Ihnen hier nur empfehlen, den Bundesbank-Bau bei Sonnenschein und mit Grün drumherum zu betrachten. Ich war schon häufiger dort, und es ist bei Kahlheit und Regenwetter einfach ein lebloser Klotz. Wenn Sie unten davor stehen, sehen Sie nur Grau und es zieht wie Hechtsuppe.
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Hamburg - Altstadt - Deutsche Bundesbank - An einem trüben Tag im Winterhalbjahr ....

Hamburg – Altstadt – Deutsche Bundesbank – An einem trüben Tag im Winterhalbjahr ….

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Bei schönem Wetter hingegen, fallen die doch unterschiedlichen Materialien auf, alles wirkt wärmer, das Klotzhafte schwindet, neue Formen fallen auf, alles wirkt gefälliger.
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Hamburg - Tag des Offenen Denkmals 2018 - Betonbrutalismus - Deutsche Bundesbank Hamburg

Hamburg – Tag des Offenen Denkmals 2018 – Betonbrutalismus – Deutsche Bundesbank Hamburg

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Wer aus der Distanz einen längeren Blick riskiert, entdeckt, dass sich die Außenfassade in versetzten Stufen anordert. Horizontal gliedert sich das Ganze in neun terrassenförmig angeordnete Ebenen. Es gibt dort nicht nur Beton. Es wurden farblich zum an den vertikalen, fensterlosen Bauteilen verwendeten Granit passende Aluminiumplatten an den Putzbalkonen zu deren Verkleidung verwendet. (Was mich jetzt wieder im Zusammen-
hang mit dem Begriff Brutalismus verwundert, denn dort heißt es eigentlich, es wird nichts verkleidet und verputzt.) Sobald Sie drinnen sind, finden Sie dieses Material von außen wieder, nur etwas aufwendiger bearbeitet, nämlich mit Feinschliff und hochglanzpoliert.

Der Grundriss der Bundesbank ähnelt einem gleichseitigen Dreieck und auch diese Form wird wieder im Innenraum aufgegriffen und betont.

Wenn die Bank ein nächstes Mal einlädt, schauen Sie sich den „brutalen“ Kasten ruhig einmal an. Es gibt nämlich interessante Haus- und Kunstführungen, die doch ein bisschen mehr Einblick erlauben.

Wer Gemälde mag, den zieht es vielleicht ins dritte Obergeschoss. Im weiträumigen Foyer hängen Werke von Emil Nolde („Schiff im Hafen“, „Schiff im Dock“), Rolf Nesch (der sich von Edvard Munchs Holzschnitten inspirieren ließ) oder auch Eduard Bargheer („Wattlandschaft“, „Città morta“, „Ankunft der Harmonie“).
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Hamburg - Altstadt - Deutsche Bundesbank - Bronze von Georg Engst

Hamburg – Altstadt – Deutsche Bundesbank – Bronze von Georg Engst

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Im Außenbereich findet sich ebenfalls Kunst. Kunst am Bau in Form von Bronzeplastiken des Bildhauers Georg Engst  („Knoten“ (1984) und „Haken, Ösen, Knoten und Schlingen“).
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Hamburg - Altstadt - Fest am Fleet 2018 - Deutsche Bundesbank - Bronze von Georg Engst

Hamburg – Altstadt – Fest am Fleet 2018 – Deutsche Bundesbank – Bronze von Georg Engst

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Und werfen Sie unbedingt einen Blick auf die links vom Haupteingang an der Ecke Deichstraße/Steintwiete installierte und durch denselben Künstler entstandene Brunnenanlage von 1981!
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Hamburg - Altstadt - Deutsche Bundesbank - Brunnenanlage von Georg Engst

Hamburg – Altstadt – Deutsche Bundesbank – Brunnenanlage von Georg Engst

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Sie hat fünf große, bronzene Pumpenzylinder und dazu fünf kleinere gläserne Wassertöpfe gleichen Durchmessers, die versetzt angeordnet sind. Das Wasser wird hydraulisch durch Schaumdüsen in Plexiglaszylinder gepumpt.
Alles ist ständig in Bewegung, da durch den Rückfluss in ein unterirdisch angelegtes Wasserbassin ein geschlossener Wasserkreislauf besteht.
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Hamburg - Altstadt - Deutsche Bundesbank - Teil der Brunnenanlage von Georg Engst

Hamburg – Altstadt – Deutsche Bundesbank – Teil der Brunnenanlage von Georg Engst

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Genug für heute. Ausreichend Denkmalgeschütztes kennengelernt. Feuerthematisch sind wir ebenfalls durch.
Ich hatte Ihnen allerdings zu Beginn Gold schnuppern versprochen. Das machen wir noch.

Die Bundesbank hatte einen Goldbarren ausgestellt. Ziemlicher Andrang, lange Schlange im Gang vor dem Raum, in dem sich das kostbare Edelmetall im Wert von ca. 450.000 Euro befand. Drei Polizisten, in diesem Gang postiert, sicherten zusätzlich. Passten auf, dass keiner auf die Idee kam, das Ding zu klauen und damit wegzurennen.
Wegrennen? Aus dem 5. Stock und durch enge Gänge? Via Fahrstuhl oder Treppenhaus und das alles mit einem 12,5 kg schweren Metallriegel vor dem Bauch und Bediensteten, die einen abfangen würden?
Nun ja, er wurde nicht geklaut. Aber schauen Sie, wie verlockend er blitzt und blinkt …
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Hamburg - Altstadt - Tag des Offenen Denkmals 2018 - Goldbarren in der Bundesbank

Hamburg – Altstadt – Tag des Offenen Denkmals 2018 – Goldbarren in der Bundesbank

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Das hier blinkt deutlich weniger, stellte jedoch pro Doppelpack einmal den Gegenwert von 50.000 Euro dar.  Vor dem Schreddern wohlgemerkt, als es noch komplette Banknoten waren. Die Päckchen waren merklich leichter als der Barren mit einem Feingoldgehalt von mindestens 995/1000 Einheiten – und durften im Gegensatz zu diesem sogar mitgenommen werden.
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Hamburg - Tag des Offenen Denkmals 2018 - Deutsche Bundesbank Hamburg - Banknoten geschreddert ....

Hamburg – Tag des Offenen Denkmals 2018 – Deutsche Bundesbank Hamburg – Banknotenkonfetti …

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Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende, freue mich, wenn ich Sie hier irgendwann wieder lesend vorfinde und hoffe sehr, die Schredderei am Ende war für Sie jetzt kein „adieu brut“.
Vielleicht schiebe ich doch lieber noch zwei versöhnliche Aufnahmen hinterher … ^^

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Hamburg - Altstadt-- Zollbarkasse Prasident Schäfer von 1925 am Ponton im Nikolaifleet

Hamburg – Altstadt– Zollbarkasse „Prasident Schäfer“ von 1925 am Ponton im Nikolaifleet

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Hamburg - Altstadt - Deichstraße - Fest am Fleet 2018 - Traditionsschiffe am Ponton im Nikolaifleet

Hamburg – Altstadt – Deichstraße – Fest am Fleet 2018 – Traditionsschiffe am Ponton im Nikolaifleet

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Bis zum nächsten Mal!
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Wer die vorherigen Teile zur Altstadt-Serie noch nicht kennt, findet nachstehend die Links zu den ersten beiden Streifzügen:

Zwischen Altstadt und Neustadt, Teil 1
Zwischen Altstadt und Neustadt, Teil 2

In einem weiteren Beitrag geht es  u. a. um Fleete und das Bierbrauen:

Hamburg: Fleete, Bier und die Mahnung an der Tür

Die Beiträge zum Thema Kontorhäuser finden Sie unter der entsprechenden Rubrik (Kategorie) rechts auf der Startseite des Blogs.

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©by Michèle Legrand, September 2018
Michèle Legrand, Blog ->Michèle. Gedanken(sprünge)

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70 Kommentare

Hamburg: Leichter Eisgang auf der Elbe / Frostige Zeiten im Museumshafen Oevelgönne und am Anleger Neumühlen

Heute geht es an die Elbe. Bei frostigen Temperaturen. Ein bisschen schauen, ein bisschen entdecken. Und den Winterspaziergang schnell beenden, sobald das Bibbern ein erträgliches Maß übersteigt.

Zuckerbrot und Peitsche. Draußen. Haben Sie es gemerkt? An dieses Prinzip scheint sich sogar das Wetter zu halten. Schickt erst ein schmeichelnd-laues Frühlingslüftchen, nur um kurz danach – zwusssch! (das war der Peitschenknall) – mit neuem Frost aufzuwarten.
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Frost in Hamburg - Eis an der Elbe bei Oevelgönne (Strandbereich mit Schnee und einzelnen Eisschollenstückchen)

Frost in Hamburg – Eis an der Elbe bei Oevelgönne

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Ganz so unpassend ist diese Winterrückkehr gar nicht für das, was ich Ihnen heute gerne noch mit etwas Verzögerung zeigen würde. Am Monatsbeginn, als ein Hochdruckgebiet aus dem Osten eisige Kälte mit starkem Nachtfrost und sogar Tagesminusgraden bescherte, hatte sich auf der Elbe Eis gebildet. Eine moderate Schicht.
Das waren noch keine Schollen, wie wir sie vom Februar 2012 kennen, als der Fluss von Sachsen bis Hamburg für den Schiffsverkehr gesperrt werden musste und von Hamburg bis zur Mündung in die Nordsee bei Cuxhaven erhebliche Behinderungen für ein- und auslaufende Schiffe entstanden. Eisbrecher kamen damals zum Einsatz, damit Schifffahrt und Hafenbetrieb überhaupt weiterlaufen konnten.
Auf der Außenalster hingegen, dem großen See, verabschieden sich die Alsterschiffe regelmäßig in die Winterpause. So lässt man das Eis ungestört „wachsen“, bis seine Stärke irgendwann als so sicher gilt, dass
die Behörden den Hamburgern das Betreten der Eisfläche offiziell freigeben. Es geschieht nicht sehr häufig.
Diesmal setzte zu schnell Tauwetter ein. Nichts mit großem Volksfest auf dem Eis …

Eis auf der Elbe
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Winter in Hamburg - Anleger Neumühlen - Eis auf der Elbe - Blick Richtung Stadt und die Kräne am gegenüberliegenden Ufer

Winter in Hamburg – Anleger Neumühlen – Eis auf der Elbe

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Vor gut zwei Wochen bildete sich auf der Elbe bei klirrender Kälte ruckzuck Eis. Obenauf. Dünn. Wir sind hier ja nicht am Nordpol.
Das Weiß verändert etwas für das menschliche Auge. Die helle Lage Eis verbindet auf den ersten Blick alles zu einer einzigen großen Fläche, geht zum Teil sogar nahtlos in die Uferlandschaft über. Entfernungen scheinen zu wachsen, der Fluss wirkt breiter, gleichzeitig ruhiger.

Beim Näherkommen zeigte sich, dass die Oberfläche überhaupt nicht komplett verschlossen war. Ein Meer aus unzähligen Eisstücken – dicht an dicht – dümpelte vor sich hin, denn all die großen Frachter, Container- und Kreuzfahrtschiffe, die Hamburg anlaufen, brechen dünnere Eislagen mit links auf. Sie gleiten einfach hindurch. Was zurückbleibt, sieht aus wie ein riesiger Scherbenteppich, der nur hin und wieder ein paar Lücken aufweist. Dort, wo robuste Schiffsrümpfe die Eisschicht in recht kurzen Abständen durchpflügen, wird aus einst groß-
formatigen Eisplatten im Nu Scherbengebrösel.
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Hamburg - Anleger Neumühlen - Eis auf der Elbe - Blick elbabwärts - Recht das grüne Gebäude direkt auf dem Ponton des Anlegers Neumühlen

Hamburg – Anleger Neumühlen – Eis auf der Elbe – Blick elbabwärts

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Die Einwirkung der Gezeiten ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Das Wasser der Elbe ist durch den ständigen Wechsel von Ebbe und Flut laufend in Bewegung. Ehe hier alles ins Stocken gerät und sich – u. a. nach dem Einsatz von Eisbrechern – Eisschollen lokal zu richtigen Wällen aufschichten, das dauert.
Andererseits, durchgängige, ebene Eisflächen – glatt und unschuldig, zum Schlittschuhlaufen geeignet – werden Sie genauso wenig antreffen. Was nicht weiter tragisch ist, denn die Elbe hier ist sozusagen ver-
gleichbar mit einer vielbefahrenen Verkehrsstraße. Sie dürften im Hafen zwischen einem Kreuzfahrer wie der „Queen Mary 2“, einem 400 m langen Riesencontainerschiff wie der in dieser Woche eingelaufenen „CMA CGM Antoine de Saint Exupéry“ und mittenmang all der Hafenfähren und -barkassen sowieso nicht auf Schlittschuhkufen ihre Bahnen ziehen.

Da kürzlich kein moderner Eisbrecher in Sicht war … Möchten Sie stattdessen einen Eisbrecher der alten Zunft sehen?

Dampfeisbrecher „Stettin“
Das hier ist die „Stettin“ ein fahrbereiter, see- und funktionstüchtiger Dampfeisbrecher, der seinen Liegeplatz an der Elbe beim Kühlhaus am Anleger Neumühlen hat.
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Winter in Hamburg - Elbe - Anleger Neumühlen - Dampfeisbrecher "Stettin"

Winter in Hamburg – Elbe – Anleger Neumühlen – Dampfeisbrecher „Stettin“

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Der Eisbrecher wurde 1933 als bis dahin größter seiner Art in Dienst gestellt. Kohlebefeuert! Da wurde einiges verheizt! Der Dampf für die große Dampfmaschine wurde in zwei überdimensionalen Kesseln erzeugt, was wiederum das Verfeuern von 1,5 Tonnen Kohle nötig machte. Stündlich! (Kaum vorstellbar.)
Nun werden Sie sich vielleicht fragen, warum nahmen die denn nicht gleich einen weniger arbeitsintensiv einsetzbaren Dieselmotor, der damals auch schon bekannt war? Ganz einfach: Die Umsteuerung der Maschine von Vorwärts- auf Rückwärtsfahrt ging mit Dampfantrieb sagenhaft schnell! Innerhalb von drei Sekunden war die Aktion erledigt. Im Einsatz im Eis ein Riesenvorteil!

Fast 50 Jahre tat die „Stettin“ ihren Dienst. Aus ihrer ursprünglichen Heimat (Stettin) ging es später zu Einsätzen auf die Unterelbe, den Nord-Ostsee-Kanal oder auch zur Kieler Förde. 1981 drohte ihr die Verschrottung, doch ein Förderverein mit ehrenamtlichen Unterstützern gründete sich und verhinderte das scheinbar Unvermeidliche. 1982 wurde der Eisbrecher technisches Kulturdenkmal. Enorm viel Arbeit (und auch Geld) steckt in dem alten Schiff. Heute unternimmt man mit der „Stettin“  in den Sommermonaten Gästefahrten, die die Kasse etwas auffüllen.
Leider ereignete sich im letzten August während der Hanse Sail 2017 in Rostock eine Kollision zwischen der finnischen Frachtfähre „Finnsky“ und der „Stettin“, die für die  „Stettin“ einen ca. zwei Meter langer Riss am Rumpf zur Folge hatte. Zum Glück ließ sich die Situation in Rostock durch Verschweißen einer Stahlplatte so weit retten, dass der Eisbrecher es aus eigener Kraft heim nach Hamburg schaffte und hier endgültig repariert werden konnte. Aufatmen für den Verein, denn zum einen hatte man schließlich auch in Rostock zahlende Gäste an Bord, die zurückgebracht werden wollten, zum anderen sind generell nicht derart große finanzielle Reserven verfügbar, um mal eben einen außerplanmäßigen Werftaufenthalt zu bezahlen …

Wenn Sie den Eisbrecher unter Dampf erleben wollen, dann kommen Sie doch während des Hafengeburtstags Anfang Mai nach Hamburg; er nimmt regelmäßig an den Ein- und Auslaufparaden teil, und oft sind Gäste mit auf Fahrt. (Bei Interesse immer frühzeitig Kontakt aufnehmen!)

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Winter in Hamburg - Elbe - Anleger Neumühlen mit ehemaligem Kühlhaus (heute Augustinum)

Winter in Hamburg – Elbe – Anleger Neumühlen mit ehemaligem Kühlhaus (heute Augustinum)

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Eh. Union-Kühlhaus / Seniorenresidenz Augustinum

Wir befinden uns heute etwas westlich (elbabwärts) von Altona am Anleger Neumühlen, eine Bezeichnung, die – streng genommen – falsch ist. Neumühlen gehört nämlich zum Stadtteil Ottensen. Der Anleger Neumühlen liegt aber bereits auf dem zu Othmarschen gehörenden Gebiet „Oevelgönne“.  Wir werden uns durch diese kleine Ungereimtheit jedoch nicht irritieren lassen.
Auf dem Bild oben können Sie im Hintergrund ein großes, rötliches Gebäude erkennen. Kastenförmig. Gar
nicht zu übersehen. Es ist das frühere Union-Kühlhaus, in dem sich seit 1993 eine Seniorenresidenz, das Augustinum, befindet.

Das Kühlhaus war ein eigenartiges, ein spezielles Gebäude. Hatte ganz unterschiedliche Etagenhöhen, spezielle Fensterfronten, waagerecht umlaufende Betonbänder an den Außenwänden. Eine etwas bunker-
ähnliche Erscheinung. Die Gesamthöhe kam mit dem krummen Maß von 38,36 m daher. Ganz oben befand sich eine expressionistisch anmutende Krone.
Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts errichtet, war es dafür vorgesehen, Fische kühl zu halten. Als man in den Siebzigern immer mehr dazu überging, die Fische gleich an Bord der Schiffe einzufrieren, wurde es überflüssig. Der Umstand, dass es da bereits als Industriedenkmal galt, legte seine bauliche Erhaltung fest. Aber wie weiter nutzen? Umnutzungspläne wurden geprüft, die Augustinum-Gruppe erhielt schließlich den Zuschlag. Nur mit dem Umbau lief es absolut nicht wie gedacht, da das Baugutachten desaströs ausfiel. Substanzielle Schäden. Keine Tragfähigkeit etc. Ein neuer Beschluss fiel, den Abriss und Neuaufbau unter Auflagen zu gestatten. Schwupps, gesellte sich in dieser Zeit ein schwerer Brand mit üblen Schäden hinzu. Die Konsequenz daraus: Alles wurde neu errichtet – musste aber so aussehen wie vorher.
Falls Sie sich also wundern, dass die nicht ganz billige Senioren-Residenz in 1a-Lage an der Elbe so gar keine Balkone oder Loggien hat – es war nicht erlaubt. Das Kühlhaus hatte schließlich auch keine.
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Hamburg - Elbe - Anleger Neumühlen mit rotem Leuchtturm - Brücke zum Anleger. Blick Richtung Land.

Hamburg – Elbe – Anleger Neumühlen mit Leuchtturm

Als das Augustinum seine Residenz eröffnete und sich – um es mal so auszudrücken – eher wohlhabende Menschen dort ein Apartment leisten konnten, kursierte einige Zeit ein spezieller Begriff für das ehemalige Kühlhaus: Klunkerbunker.
Sie können sich bezüglich erforderlicher Solvenz vielleicht selbst ein Urteil bilden. Ich habe nachgelesen, in welchem Rahmen sich die Preise bewegen. Es heißt, für rund 2.200,– Euro ist das kleinste 1-Zi.-Apartment beziehbar. Die größeren 2- und 3-Zimmer-Wohnungen kosten dann schnell zwischen 3.500,–  und knapp 5.000,– Euro.

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Hamburg - Frost an der Elbe - Oevelgönne - Gegenüber Waltershof und Container-Terminal Burchardkai

Hamburg – Frost an der Elbe – Oevelgönne – Gegenüber Waltershof und Container-Terminal Burchardkai

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Sie haben zugegebenermaßen einen wunderbaren Ausblick auf die Elbe und sind direkt am Museumshafen Oevelgönne, am Elbstrand, am Spazierweg und am Anleger! Sie könnten spontan eine Spritztour auf der Elbe unternehmen!

Anleger Neumühlen

Hier halten die HADAG-Fähren der Linie 62. Die Boote bringen Sie entweder flussabwärts hinüber auf die andere Elbseite nach Finkenwerder, oder aber zurück Richtung Stadt. In dem Fall geht es ab Neumühlen flussaufwärts über das Dockland und den Altonaer Fischmarkt  direkt bis an die Landungsbrücken.
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Winter in Hamburg - Elbe - HADAG-Fähre der Linie 62 am Anleger Neumühlen

Winter in Hamburg – Elbe – HADAG-Fähre der Linie 62 am Anleger Neumühlen

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Die Pendler aus der Stadt, die drüben bei Airbus auf Finkenwerder arbeiten, nutzen für die Elbquerung gern diese Fähre. Anwohner natürlich auch. Überhaupt Bewohner auf Niedersachsenseite, die ohne Stau im Elbtunnel oder auf den Elbbrücken schnell über den Fluss kommen wollen und auf ihr Auto in Hamburg verzichten können.
Und die Touristen! Die mögen die Fähre, weil der Fahrpreis bereits im HVV-Ticket mit enthalten ist. Die Fahrt
mit der Linie 62 stellt sozusagen die Alternative zur extra kostenden Hafenrundfahrt mit der Barkasse dar. Gelegentlich herrscht ordentlich Andrang an Bord. So sehr, dass die Pendler in der Vergangenheit Probleme bekamen, einen Platz zu finden und allmählich zu murren begannen …

Schauen Sie, die Eisentwicklung auf der Elbe stellt noch kein Hindernis für den Fährbetrieb dar. Die Boote fahren regelmäßig und ohne Schwierigkeiten.
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Winter in Hamburg - Elbe - HADAG-Fähre der Linie 62 am Anleger Neumühlen

Winter in Hamburg – Elbe – HADAG-Fähre der Linie 62 am Anleger Neumühlen

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Ein schöner Gedanke, hier im Frühling am Anleger auf der Bank zu sitzen und aufs Wasser zu schauen. Oder mit einer Decke am Strand zu liegen und die Schiffe vorbeiziehen zu lassen … Gut, ja, im Moment ist es noch ein wenig zu kalt ….
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Frost in Hamburg - Schnee und Eis am Elbufer ...

Frost in Hamburg – Schnee und Eis am Elbufer …

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Winter in Hamburg - Oevelgönne/Elbe - Auflaufendes Wasser lässt bald alle Schollen wieder schwimmen ...

Winter in Hamburg – Oevelgönne/Elbe – Auflaufendes Wasser lässt bald alle Schollen wieder schwimmen …

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Man könnte jedoch schon einen Kaffee in einem der Oevelgönner Lokale trinken. Drinnen im Warmen. Draußen wird noch nichts serviert …
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Frost in Hamburg - Elbe - Oevelgönne am Museumshafen - Noch zu frisch zum Sitzen ... Zusammengeklappte und verhüllte Schirme eines Lokals

Frost in Hamburg – Elbe – Oevelgönne am Museumshafen – Noch zu frisch zum Sitzen …

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Andererseits gibt es durchaus abgehärtete Spaziergänger, die trotz Frost auf einer Bank ausharren …
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Hamburg - Frost am Elbufer - Nur die Harten komm' in'n Garten ... (Ein einzelner Spaziergänger, der auf einer Bank in der Kälte ausharrt.)

Hamburg – Frost am Elbufer – Nur die Harten komm‘ in’n Garten …

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Man würde es an milderen Tagen noch ein wenig länger im Museumshafen Oevelgönne aushalten. Sommers wie winters liegen viele der alten Boote hier. Auf den Namen Museumshafen einigte man sich aufgrund der Zusammenarbeit des Vereins mit den hamburgischen Museen. Es hätte sonst auch ein Oldtimerhafen oder einfach der Oevelgönner Hafen werden können. Er ist heute in privater Trägerschaft, sämtliche Schiffe gehören dem Verein.
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Hamburg - Elbe - Museumshafen Oevelgönne (Blick auf alte Boote im Hafenbecken)

Hamburg – Elbe – Museumshafen Oevelgönne

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Winter in Hamburg - Elbe - Blick vom Anleger Neumühlen Richtung Oevelgönne (Ufer)

Winter in Hamburg – Elbe – Blick vom Anleger Neumühlen Richtung Oevelgönne (Ufer)

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Winter in Hamburg - Elbe - Anleger Neumühlen mit Museumshafen Oevelgönne

Winter in Hamburg – Elbe – Anleger Neumühlen mit Museumshafen Oevelgönne

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Was findet sich denn nun dort?
Man sammelt verschiedenartige Fahrzeugtypen. Fischer- und Frachtboote (Kutter, Ewer, Tjalken) mit Segeln, die auf der Niederelbe sowie der Nord- und Ostsee unterwegs waren, die dampfbetriebenen Schlepper des Hafens, aber auch Motorfahrzeuge, die für Polizei und Zoll fuhren. Sogar ein Feuerschiff gehört dazu. Und z. B. Kräne, wie sie beim Umschlag im Hafen genutzt wurden.
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Winter in Hamburg - Elbe - Anleger Neumühlen mit Museumshafen Oevelgönne

Winter in Hamburg – Elbe – Anleger Neumühlen mit Museumshafen Oevelgönne

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Frost in Hamburg - Museumshafen Oevelgönne - Boote im Eis ...

Frost in Hamburg – Museumshafen Oevelgönne – Boote im Eis …

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Winter in Hamburg - Oevelgönne am Museumshafen - Blick auf die Elbe

Winter in Hamburg – Oevelgönne am Museumshafen – Blick auf die Elbe

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Die Oldtimer aus dem Oevelgönner Museumshafen sind übrigens wie die „Stettin“ jedes Jahr beim Hafengeburtstag mit von der Partie.

Es gibt zwar keine geschlossene Eisdecke hier im Hafenbecken, doch man sieht an den vereisten Trossen,
dass anständig Frost herrscht …
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Hamburg - Elbe - Anleger Neumühlen - Museumshafen Oevelgönne - Eisschollen und vereiste Trossen

Hamburg – Elbe – Anleger Neumühlen – Museumshafen Oevelgönne – Eisschollen und vereiste Trossen

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Hamburg - Elbe - Anleger Neumühlen - Museumshafen Oevelgönne - Sonnendeck ... (Ansammlung von Möwen und einigen Enter auf einem vereisten Holzdeck)

Hamburg – Elbe – Anleger Neumühlen – Museumshafen Oevelgönne – Sonnendeck …

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Wenn Sie direkt entlang des Wassers laufen, haben Sie zwar die beste Aussicht und Srandfeeling, doch der kalte Ostwind pfeift auf Dauer recht ungemütlich. Die Minusgrade sind auch ohne ihn schon ausreichend zu spüren. Gehen Sie besser nur in der Richtung am Strand, in der der Wind von hinten kommt. Für den restli-
chen Weg erklimmen Sie über eine der Treppen am Strand den höhergelegenen Spazierweg, der entlang der Häuser verläuft. Dort ist es geschützter und sehr viel erträglicher bei Frost.
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Winter in Hamburg - Elbe - Oevelgönne (Oberer Spazierweg) - Farbenfroh ...

Winter in Hamburg – Elbe – Oevelgönne (Oberer Spazierweg) – Farbenfroh …

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Farbenfrohe Häuser, nette Vorgärten und ein weiteres Gartenstück jenseits des Weges mit Blick auf den Fluss. Wie Sie sehen, wird immer fleißig ein Rückschnitt der Bäume vorgenommen. Schließlich möchte man sich als Anwohner seinen Elbblick erhalten …
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Winter in Hamburg - Elbe - Oevelgönne (Oberer Spazierweg)

Winter in Hamburg – Elbe – Oevelgönne (Oberer Spazierweg)

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Winter in Hamburg - Elbe - Oevelgönne - Entlang der Häuser ist es wärmer als unten am Strand ...

Winter in Hamburg – Elbe – Oevelgönne – Entlang der Häuser ist es wärmer als unten am Strand …

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Ich muss gestehen, mir frieren trotz allem so langsam die Hände ab. Der oben erwähnte Abbruchpunkt im Bibberfall ist erreicht. Lassen Sie uns ein anderes Mal wieder zusammenkommen und bei sicherlich bis dahin frühlingshaftem Wetter den Strand unsicher machen – oder neue Ecken entdecken!

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende! Bis zum nächsten Mal!
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Winter in Hamburg - Oevelgönne - Ausblick auf die Elbe und Container-Terminal Burchardkai

Winter in Hamburg – Oevelgönne – Ausblick auf die Elbe und Container-Terminal Burchardkai

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Neumühlen/Oevelgönne erreichen
Falls Sie Neumühlen ansteuern wollen:
Ab Bahnhof Altona (oder auch von der S-Bahn-Station Landungsbrücken) fährt der Bus 112 Neumühlen direkt an.
Die Buslinie 111 wäre die Alternative, sie fährt ab Neumühlen weiter entlang der Elbe Richtung HafenCity. Eine kleine Stadtrundfahrt quasi mit dem Linienbus. Sie können jedoch auch an der Reeperbahn aussteigen und dort wieder in die S-Bahn wechseln.
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Quellen:
Einige die „Stettin“ sowie den Museumshafen Oevelgönne betreffende Details wurden den jeweiligen Vereinsseiten entnommen.
Wikipedia lieferte die Jahreszahlen und weitere Eckdaten zur Geschichte des ehemaligen Kühlhauses.
Sämtliche Fotos © Michèle Legrand
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©by Michèle Legrand, März 2018
Michèle Legrand

 

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Quentin am Balkon …

Tja, nun hat uns das schmuddelige Regenschirmwetter wieder. Harmlos ist es ja zumindest im Vergleich zur Glätte vorgestern. Blitzeis! Nachdem sich die Wetterlage enorm schnell änderte! Schon eigenartig: Erst herrscht tagelang sibirische Kälte. Von dieser Eiszeit geht es etwas untypisch bereits während der Nacht über
zu deutlich „milderen“ Minusgraden, um am Morgen den Gefrierpunkt zu knacken. 0 Grad. Wie abgesprochen macht sich gerade dann von oben aus wärmeren Schichten Nässe auf den Weg nach unten und fällt auf den steinhart gefrorenen Boden. Zack! Schon lag er da, der Eispanzer. Höllisch glatt!

Es war vorhersehbar, es wurde vorgewarnt. Auf den Straßen drehte die Stadtreinigung deshalb sogar prophylaktisch schon vorab in der Nacht zu Montag ihre Runden. Sie streute großflächig und in höherer Dosierung Salz. Aber die Gehwege und Plätze! Eine Katastrophe! Es wurde ein riskanter Eiertanz, den viele
mit Verletzungen bei Stürzen bezahlten. Dazu Probleme für Bahnreisende, vereiste Autos, für Fußgänger teilweise sogar unzugängliche Bereiche aufgrund des dort herrschenden Gefälles. Rutschbahn pur.

Das Erstaunliche an der ganzen Sache jedoch war, wie es weiterging: Tagelang schien die Temperatur im Minusbereich wie festgenagelt. Keine nennenswerten Ausschläge. Doch am Montag konnten Sie ab 8 Uhr am Thermometer verfolgen, wie sich die Luft plötzlich im Stundentakt um gleich zwei Grad erwärmte. Zwischen neun und zehn Grad pendelte es sich am Mittag ein. Im Schatten, wohlgemerkt. Das hieß, das Blitzeisproblem hatte sich bereits vor 11 Uhr komplett auf natürliche Art erledigt. Auch an Stellen, für die sich – was das Streuen anging – keiner zuständig fühlte. Die Sonne half zusätzlich mit, dass sich die Schlittschuhbahn trotz kalten Untergrundes in Wohlgefallen auflösen konnte.
In den Seitenstraßen, in denen sich Schnee über die Tage wesentlich besser gehalten hatte, als entlang der Hauptverkehrsadern, schmolz nicht nur das Eis, sondern im Rekordtempo taute auch gleich all das an den Rand geschippte Weiß mit weg. Dort lief das Wasser in Bächen.

Haben Sie mitbekommen, welche Begriffe bei unseren europäischen Nachbarn für das Phänomen extreme Kälte mit Schneechaos herhalten mussten? Ich  las am Donnerstag vergangener Woche, dass man in Holland vom „Siberischen Bär“ sprach. In Schweden hieß es „Snow Cannon“,  bei den Franzosen wurde die Hauptstadt zu “Moskau-Paris”. Frost und Schnee vom Schwarzen Meer bis ins spanische Katalonien, ebenso auf Korsika, in Biarritz oder auch in Neapel. Dort fiel seit 1956 nicht mehr derart viel Schnee. Die Briten raunten, bei ihnen wüte „The Beast from the East“. Doch was sagten die Finnen, als sie aus dem Fenster schauten? „Oh, Donnerstag.

Momentan hat Grün das Winterweiß abgelöst, dazu Sonnenschein – ein völlig anderer Anblick! Ein Umstand, der meinen Körperthermostat am Montag etwas durcheinander brachte. Der streckte aufgrund der üppigen Temperaturschwankungen nicht nur alle Viere von sich, sondern fühlte sich zusätzlich optisch genarrt. Hielt das linde Lüftchen für eine Sommerbrise.
Tatsächlich hatte man sich mittlerweile derart an den beißenden Frost gewöhnt, dass ein paar läppische Plus-
grade ausreichten, um Hitzewallungen zu verursachen. Ich hätte meine Jacke von mir werfen können, habe es nur aus Vernunftgründen unterlassen.
Ich hoffe, mein Körper und ich gehen bald wieder mit den Temperaturen konform, doch ich vermute, just in dem Moment, in dem ich mich akklimatisiert habe, erfolgt die Rückkehr des Winters.

Ob nun Blitzeis oder gemächlich entstandenes Glatteis, beides wirkt wenig anziehend.  Eiszapfen oder Eis-
skulpturen
hingegen, die die Natur im Winter unter geeigneten Bedingungen sehr phantasievoll kreiiert, üben eine Riesenfaszination aus. Eisblumen am Fenster, Eiskunstwerke an Pflanzen, gefrorene Formationen an Uferrändern, Zapfen an Dachrinnen, an Straßenlaternen, selbst an Autos!
Und wissen Sie, was ich verblüfft festgestellt habe, als ich bei mir auf der Terrasse lediglich für die Vögel neues Futter bereitstellen wollte? Ich habe solche kleinen Naturwunder direkt im eigenen Garten!

Bei mir bildeten sich die Kunstwerke gleich über mehrere Etagen durch eine Art Dominoeffekt. Vom Dach rutschte Schnee in die Dachrinne und eine dicke Flockenschicht setzte sich auf die diversen Querstreben
des Balkongeländers. Wenn die Sonne am Tag schien, setzte das Tauen ein und mit ihm Getropfe. Von der Dachrinne ins Geäst einer daneben rankenden Kletterrose, vom Balkongeländer in den teils wintergrünen Liguster darunter. Mit jedem Tauen und Tropfen veränderten sich die Figuren.

Zu Beginn schienen alle Figuren noch mehr aus harschem Schnee denn aus Eis zu sein. Weiße Knubbel auf dem Geländer …
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Knubbeleis - weißes Schnee-/Eisgebilde auf einem Geländer.
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Unter Einfluss von Sonne taute anfangs nur die Oberfläche an, doch immer mehr Schneekristalle schmolzen, das Wasser verlief, um gleich darauf wieder zu erstarren. Mit einem Mal wirkte der Körper gläsern.
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Eis am Geländer - milchig-gläserene, säulenartige Skulptur
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Ein recht luftig-leicht daherkommendes Gehänge in der Kletterrose …

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Eisgehänge an der Kletterrose
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Im Liguster entstand eine regelrechte Tropfsteinhöhle. Die Eiszapfen hingen dicht gedrängt herab wie sonst Stalaktiten von der Höhlendecke …
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Tropfsteinhöhle im Garten - Eiszapfen, die wie Stalaktiten von der Decke einer Tropfsteinhöhle hängen. Hier aber im Ligusterstrauch
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Nicht nur Zapfen, dazwischen sind einzelne Blätter vom Eis umhüllt …  eingeschlossen wie in einer Blase …
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Ligusterblätter umeist - Eiszapfen und Eisblasen rund um Ligusterlaub
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Das ist Esmeralda, dort obenauf. Ein langbeiniges, heuschreckenartigs Insekt. Oder eine Gemse, die den Gipfel erklommen hat?
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Eisgebilde mit Eisinsekt obenauf
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(Kurz danach tropfte es erneut, von oben bis unten verlief alles. Die Teile verbanden sich miteinander. Das brachte die Umwandlung zur Giraffe mit sich.)
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Das Eisgehänge links an der Gartenhütte würde ich als sogenannten Fake-Eiszapfen bezeichnen. Aus der Distanz echt wirkend …
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Eiszapfen an der Hütte
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… bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings das wahre Innenleben. Die Kette hat Hilfestellung geleistet.

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Eiszapfengebilde an einer herabhängenden Kette
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Und schließlich war da noch Quentin am Balkon, den ich mehrfach besucht habe. Solange er lebte …
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Eiszapfenzeit - Quentin am Balkon (mannähnliches Eisgebilde, das sich an einem Geländer bildete)
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Vergängliche Kunst. Mittlerweile ist alles wieder verschwunden. Nun bin ich sehr gespannt, wie der März weitergeht. Ich sehe im Netz bereits den Wechsel zu Frühlingsbildern und muss Sie vorwarnen: Bei mir wird es höchstwahrscheinlich auch noch im nächsten Post winterlich zugehen. Ich würde Ihnen nämlich gern frostige Aufnahmen vom Elbufer zeigen. Demnächst an dieser Stelle.
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Für heute möchte ich mich verabschieden, aber falls Sie Eiskunstwerke auch faszinieren und Sie Lust auf Eislilien haben, dann schauen Sie doch einmal bei meinem Schweizer Bloggerkollegen Michael Schneider  (Michael’s Beers & Beans / PhotoLyric Blogger)  herein. Der hat absolute Schönheiten am Bodensee entdeckt und fotografiert! Sein Blog ist generell überaus lesens- und anschauenswert!

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©by Michèle Legrand, März 2018
Michèle Legrand

 

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Unverwüstlich … Winter im Botanischen Garten

Euphorisch! Doch, doch, es löst Euphorie aus. Erging es Ihnen auch so? Ich fühlte mich wie eine Mischung aus Popeye und Dornröschen. Nach einer Portion Spinat bzw. dem Kuss. Ich hätte auf einmal Bäume ausreißen können, sprühte förmlich vor Elan, und auch wenn nicht viel über ihren Gemütszustand nach dem Wecken bekannt ist, ich vermute, so ähnlich muss sich unser dauerschlafendes Dornröschen nach dem Prinzenkuss gefühlt haben. Zum Leben wiedererweckt! Die Rückkehr des Lichts, als nach 100 Jahren die düstere, hohe Rankenhecke in sich zusammenfiel!

Nach fast ebenso langer Zeit wurden wir im Norden letzte Woche endlich wachgeküsst. Ohne Prinz, doch das Grau, dieses trostlose Elend hatte sich verzogen! Stattdessen Sonnenschein gepaart mit einem unverschämt blauen Himmel. Mit einem Mal gab es wieder Raum nach oben und Sicht bis zum Horizont.
Der Sonnenuntergang am Donnerstag fiel besonders, ach, was sag ich, fiel spektakulär aus! Ein glühender Feuerball versank am Abendhimmel, links und rechts davon züngelten orangerote Flammen, die sich mit an-
sonsten zunehmender Dunkelheit mehr und mehr vom Hintergrund abhoben, bis – ja, bis der Lichtschalter komplett ausgeknipst wurde.

Da stehen Sie in der klaren, knackigen Luft – oder von mir aus bemerken Sie es auch beim Hinaussehen während der Autofahrt – seufzen haltlos, genussvoll wohlgemerkt, und kommen erstmal aus dem Schwärmen gar nicht heraus …

An einem dieser Sonnentage zog ich durch den Loki-Schmidt-Garten. Der Botanische Garten liegt in Hamburgs Westen, in Klein Flottbek, und Stammleser erinnern sich vielleicht an diese große Gartenanlage. Sie kam hier im Blog schon vor. (Bei Interesse finden Sie den entsprechenden Link am Ende des heutigen Posts.)
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Blaue Pyramide

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Blaue Pyramide

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Bei den Sumpfzypressen (Taxodium distichum) am überfrorenen Teich

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Bei den Sumpfzypressen (Taxodium distichum) am überfrorenen Teich

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Sumpfzypressen (Taxodium distichum) - Der Farn in Wartestellung ...

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Sumpfzypressen (Taxodium distichum) – Der Farn in Wartestellung …

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Der Sonnenschein gaukelte milderes Wetter vor, in Wirklichkeit war es jedoch frostig kalt. Ein Teil der Wege liegt zudem im Schatten. Den Temperaturunterschied merken Sie gewaltig!
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Überfroren ... Teich mit dünner Eisdecke, am Ufer Schilfreste und kleine Schneereste am Boden.

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Überfroren …

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Kalt am Boden .... Vertrocknete Gräser flach auf den Boden gedrückt, darauf Schneekristalle

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Kalt am Boden ….

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Frostig ... Breiterer, geschwungener Bachlauf, überfroren

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Frostig …

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Mich überrascht immer wieder, wie robust, wie unverwüstlich einige Pflanzen angesichts herrschender Minus-
grade sind. Pflanzen, denen man es überhaupt nicht zutrauen würde. Entweder, weil anderslautende und nicht sonderlich vertrauenserweckende Angaben zu ihrer Frosthärte kursieren, sie auf den Betrachter bereits optisch schutzbedürftig wirken oder deshalb, weil sie ursprünglich ganz woanders beheimatet sind. In anderen Klima-
zonen. In Regionen, in denen strenger Frost ein Fremdwort ist. Wir kennen bestimmte Pflanzen eher aus tro-
pischen Gewächshäusern. Eventuell steht daheim eine kleine Zuchtform als Zimmerpflanze auf der Fenster-
bank oder ist verhätschelter Wintergartenbewohner. Doch ganzjährig draußen?
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Palme trotzt Frostgraden ...

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Palme trotzt Frostgraden …

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Die Knospen legen zu an der Camellia japonica "Adolphe Audusson"

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Die Knospen legen kräftig zu an der Camellia japonica „Adolphe Audusson“

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Hätten Sie gedacht, dass es Kakteen gibt, die mit Schnee und Eis klarkommen? Diese Wüstenbewohner? Das ist doch immer das erste Bild, was uns spontan dazu einfällt.
Hier haben Sie eine Opuntia compressa syn. O. humifusa, den sogenannten zusammengedrückten oder niederliegenden Feigenkaktus, der in den USA nördlich bis über die Grenze hinüber auf kanadisches Terrain beheimatet ist. Er ist extrem robust und winterhart. Im Sommer zeigen sich recht hübsche Blüten; relativ groß und leuchtend gelb.
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Hamburg - Botanischer Garten Kl. Flottbek - Opuntia compressa syn. O. humifusa - Niederliegender Feigenkaktus im Schnee

Hamburg – Botanischer Garten Kl. Flottbek – Opuntia compressa syn. O. humifusa – Niederliegender Feigenkaktus

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Im englischsprachigen Raum nennt man ihn Eastern Prickly Pear Cactus. Sie wissen, prickly pear bedeutet so viel wie stachelige oder kratzige Birne. Es bezieht sich in dem Fall auf die rötliche Frucht, die sich nach der Blüte entwickelt. Sie ist essbar – und natürlich piksig und birnenförmig. Wir kennen sie unter dem Namen Kaktusfeige, ein Name, der leider im Kopf nicht sofort ein genauso eindeutiges Bild kreiert.
Im Englischen hat sich noch ein weiterer Name etabliert, der diesmal sehr plastisch Form und Oberfläche der Opuntia selbst beschreibt: Devil’s Tongue, Teufelszunge.
Klingt gefährlich, doch wer ein bisschen vorsichtig ist, kommt trotzdem unbeschadet an die Frucht und das Fruchtfleisch bzw.  an den Saft. Beides ist hilfreich, das Mark aufgetragen hilft bei Verletzungen, Schlangen-
bissen und sogar bei Rheuma, der Saft eliminiert Warzen. Zumindest früher bei den Indianern – und vielleicht ist die Anwendung dort heute noch üblich. Bei den Ureinwohnern, bei all jenen, die abgelegen leben oder z. B. der Schulmedizin allein nicht trauen. Oder wenn nach der Begegnung mit der Klapperschlange gerade nur der teuflische Kaktus zur Hand ist. So etwas kommt vor, kennt man ja …
Vielseitig, oder?
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Das kommende Foto zeigt die sehr ähnliche  Opuntia erinaea ssp. utahensis. Das ist jetzt die Wildart des Feigenkaktus Prickly Pear. Sie können hier recht gut noch die Überreste einzelner Früchte erkennen …
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Opuntia erinaea ssp. utahensins - Wildart des Feigenkaktus im Schnee

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Opuntia erinaea ssp. utahensins

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Genauso wie gelegentlich die Frosthärte verblüfft, erstaunt auch, wie weit Neuaustriebe schon gediehen sind! Frühblüher, ob die zahlreichen Zwiebelkollegen oder Stauden – ihre Spitzen und Triebe preschen förmlich aus dem Boden. Teils stehen sie sogar in Blüte  – ungeachtet der Temperaturen und unberührt von der monate-
langen lichtarmen Phase, die vorausging!
Nicht nur der Mensch, sondern vorweg hat offensichtlich vor allem die Natur ihre Frühlingsgefühle.
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Heideblüte (Erica x darleyensis), "George Rendall"

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Heideblüte (Erica x darleyensis), „George Rendall“

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Schneeglöckchen

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Schneeglöckchen

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Christrose in Blüte - Helleborus argutifolius, Korsische Nieswurz

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Christrose in Blüte – Helleborus argutifolius, Korsische Nieswurz

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Ein anspruchsloser, sehr früher Blüher, der Schatten verträgt und gerade mit Plätzen unter Bäumen erfreulich gut klarkommt, ist das Vorfrühlingsalpenveilchen. Es breitet sich über die Jahre zu schönen Teppichen aus und zeigt fröhlich Farbe, wenn sonst noch nichts blüht. Falls Sie mit Cyclamen coum Mill. liebäugeln, achten Sie auf einen leicht kalkhaltigen Boden, also nicht zu den Moorbeetpflanzen gesellen, bei denen naturgemäß ein saures Milieu herrscht.
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Rosa Teppich aus Vorfrühlingsalpenveilchen (Cyclamen coum Mill.)

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Rosa Teppich aus Vorfrühlingsalpenveilchen (Cyclamen coum Mill.)

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Dem Vorfrühlingsalpenveilchen (Cyclamen coum Mill.) macht altes Laub nichts aus

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Dem Vorfrühlingsalpenveilchen (Cyclamen coum Mill.) macht altes Laub nichts aus

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Während ich durchs Gelände strich, begegneten mir nicht nur hin und wieder andere Besucher, die warm eingepackt ihre Spazierrunde drehten, sondern ich stieß auch auf mehrere Gärtner, die selbst bei diesem Winterwetter Arbeiten erledigten. Es war starker Nachtfrost vorhergesagt und keine Schneedecke in Sicht. So wurden noch zusätzlich Vorkehrungen getroffen mit Nadelzweigen oder Planen zum Abdecken, und es lief mir zweimal jemand über den Weg, der nicht nur Zweige, sondern gleich mannshohe Tannenbäume anschleppte. Diese gefällten Exemplare werden hier im Botanischen Garten kurzerhand um empfindliche Pflanzenkandidaten herum gestellt. In Gruppen im Kreis, einzeln angelehnt, mit Leinen festgezurrt, das ist unterschiedlich.
Um Hochstammrosen, um nicht einheimische und daher eingeschränkt frostresistente, leicht „mimosenhafte“ Gehölze, ebenso um Immergrüne, die eine Schattierung brauchen, damit sie bei strahlender Wintersonne nicht austrocknen. Denn während oben Verdunstung stattfindet, kommt von unten durch den gefrorenen Boden kein Nachschub an Flüssigkeit, der die vorhandenen Blätter oder Nadeln versorgen könnte.
Praktische Sache, das mit den Tannenbäumen. Falls Sie einmal nicht wissen, wohin mit Ihrem Weihnachtsbaum, vielleicht könnte er noch als „Wärmflasche“ für einen Fröstelkandidaten in Ihrem Garten dienen.

Dieser Strauch hier benötigt offensichtlich keinen Extraschutz. Er kommt ursprünglich aus China, nennt sich Papierbusch (Edgeworthia tomentosa) und steht zum Februarbeginn gerade kurz vor der Blüte.
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Papierbusch (Edgeworthia tomentosa), chin.

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Papierbusch (Edgeworthia tomentosa), chin.

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Er zählt zu den Seidelbastgewächsen. Die kleinen weißen Laternchen oder Lampions, die Sie auf dem Foto erkennen, öffnen sich noch. Wie ein kleiner Duschkopf breitet sich jeweils ein Büschel mit weißlichen, röhrenförmigen Einzelblüten aus, die vorne an der Spitze gelb sind.
Sind die Blüten etwa fürs Papier …?
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Sich bald öffnende Blüten des Papierbuschs (Edgeworthia tomentosa), chin.

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Sich bald öffnende Blüten des Papierbuschs (Edgeworthia tomentosa), chin.

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Nein, für das sogenannte Japanpapier (das heißt trotz Chinaherkunft des Busches so) nimmt man die langen Bastfasern aus den Zweigen. Dazu werden die Zweige gedämpft und die Rinde entfernt. Die Fasern lassen
sich abschleißen (abspalten), werden längere Zeit in Sodaasche gekocht und anschließend mit dem Hammer bearbeitet. Voilà.
Falls Sie gerade überlegen, ob Sie selbst ein Exemplar im Garten pflanzen sollen oder nicht:
Der Busch sollte geschützt stehen. Mildere Winter machen ihm nichts aus. Da er sommer- und nicht immergrün ist, ist er weniger heikel bei Wintersonne und gleichzeitigem Frost. Ansonsten Wurzeln durch Laubdecke oder anderes Mulchmaterial schützen, bei Frostschäden am Holz notfalls zurückschneiden.
Der Papierbusch gehört zwar zu den Seidelbastgewächsen, bildet aber keine giftigen, verführerischen Früchte aus, die zum Verzehr verlocken könnten. Zeitig fliegende Nektarsammler (Hummeln, evtl. sogar Bienen) mögen die Blüten sehr, und es ist ein schöner Anblick zeitig im Jahr. Die Blätter treiben erst nach der Blüte aus.
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Die Sonne kitzelt und lockt. Der Lambertnuss (Corylus maxima) scheint es zu behagen …
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Corylus maxima (Lambertnuss)

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Corylus maxima (Lambertnuss)

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Die Magnolien zeigen Knospen im fortgeschrittenen Stadium …
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Knospen der Tulpenmagnolie – Magnolia soulangeana "Rustica Rubra"

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Knospen der Tulpenmagnolie – Magnolia soulangeana „Rustica Rubra“

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Die kühlen Farben des Winters haben durchaus ihren Reiz …
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Auch kühle Winterfarben haben Charme ...

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Auch kühle Winterfarben haben Charme …

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Was überaus herrlich blüht und im Vergleich zu den obigen kühlen Farbtönen wirklich warme, frühlingshafte Farben mitbringt, ist die Zaubernuss mit ihren unterschiedlichen Arten und Züchtungen. Wenn es nicht zu frostig ist – und speziell bei Sonnenschein – leuchten die vielen, sehr filigranen Blüten ganz besonders …
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Zaubernuss in Blüte

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Zaubernuss in Blüte – Hamamelis x intermedia

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Foto oben:
Hamamelis x intermedia „Aphrodite“ (rot), rechts außen Hamamelis x intermedia „Orange Beauty“.

Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Zaubernuss

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Zaubernuss

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Zaubernuss - Hamamelis x intermedia _Aphrodite_

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Zaubernuss – Hamamelis x intermedia „Aphrodite“

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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Die Zaubernuss strahlt mit der Sonne um die Wette ... Hamamelis mollis Pallida und Brevipetala

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Die Zaubernuss strahlt mit der Sonne um die Wette …

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Foto oben:
Zwei Exemplare der Hamamelis mollis. Vorne im dem kräftigen, dunkleren Gelb die „Brevipetala“, hinten mit dem vergleichsweise hellen Gelb die „Pallida“
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Recht bizarr wirkt die sich gerade öffnende Blüte der Hamamelis Virginia (Virginische Zaubernuss) …
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Bizarr. Wenn die Blüte gerade loslegt - Hamamelis virginia (Virginische Zaubernuss)

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Bizarr … Wenn die Blüte gerade loslegt: Hamamelis virginia (Virginische Zaubernuss)

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Es gibt in einem Botanischen Garten ja nicht nur die Flora. Zahlreiche Vogelarten, Eichhörnchen, Eidechsen, Kaninchen und andere Nager, Frösche, Fische, Maulwürfe, Insekten, Schmetterlinge und vieles mehr sind in-
zwischen hier beheimatet. Man trifft einen Teil von ihnen auch im Winter an.
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Bachlauf

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Bachlauf

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Am großen Teich und entlang der kleinen Bachläufe haben u. a. ein paar Enten und Teichhühner ihren Platz gefunden. Über Nacht hat sich auf dem Wasser eine leichte Eisdecke gebildet. Das Teichhuhn kann heute trockenen Fußes hinüber ans andere Ufer …
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Teichhuhn spaziert auf dem gefrorenen Bachlauf

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Teichhuhn auf dem gefrorenen Bachlauf

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… unser Erpel hat offensichtlich erfolgreich Diät gehalten. Auch ihn trägt das dünne Eis – und er stellt fest, er kann seine Füße wieder sehen!
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Erpel auf dem Eis ..., sich putzend

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Erpel auf dem Eis …

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Es ist ein Genuss, hier einen Spaziergang zu machen. Nur momentan ist es eben – wie der Hamburger sagt – bannig frisch, und so soll es für heute reichen. Aus Erfahrung kann ich Ihnen sagen, das Aufwärmen danach dauert eine Weile!
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Farben des Winters ... Im Gegenlicht ein mannshohes Gras mit vielen Blütenbüscheln, durch die der Sonnenschein fällt

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Farben des Winters …

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Wir trennen uns für heute, doch gesellen Sie sich gern beim nächsten Mal wieder hinzu. Es würde mich freuen!
Oder Sie besuchen in der Zwischenzeit den Botanischen Garten auf eigene Faust. Erzählen mir gern, was sich mittlerweile getan hat.
Das Areal ist gut erreichbar. Die S-Bahn (Station Klein Flottbek) hält quasi direkt gegenüber dem Eingang, rechts davon gibt es obendrein einen großen Parkplatz.
Eintritt wird nicht verlangt, Spenden sind jedoch willkommen.
Wie wär’s?
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Hamburg - Bot. Garten Kl. Flottbek - Winter, schneefrei, aber kalt .... Blick über trockene Gräse und Stauden zu einem Pavillon im Hintergrund

Hamburg – Bot. Garten Kl. Flottbek – Winter, schneefrei, aber kalt ….

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Abschließend noch der Direktlink zu einem vorangegangenen Post, der den Loki-Schmidt-Garten im Spätsommer 2016 zeigt.
Prärie. Und einen Wüste mit „Kakteenen“ … – Unterwegs im Loki-Schmidt-Garten

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©by Michèle Legrand, Februar 2018
Michèle Legrand

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Zwischen Altstadt und Neustadt (2) – Ein neuer Streifzug durch Hamburg


Es geht wieder weiter! Mit leichter Verzögerung folgt heute der zweite Teil des Streifzugs durch Hamburgs Alt- und Neustadt. Ich verwende weiterhin Aufnahmen, die Ende November entstanden, denn seinerzeit schien die Sonne, ein Ereignis, das bekanntermaßen nicht nur hier in Hamburg seit Monaten Seltenheitswert hat. Grau haben Sie sicher genug gesehen, bringen wir via Foto ein bisschen Farbe ins Leben.

Erinnern Sie sich? Wir waren im ersten Teil in der Altstadt im Bereich zwischen der U-Bahn-Station Meßberg und dem Mahnmal St. Nikolai unterwegs. Mit Zwischenstopp an architektonisch interessanten Kontorhäusern sehr unterschiedlichen Alters, an der Brauerei Gröninger und der inzwischen entrüsteten (im Sinne von Gerüst weg, nicht etwa einer furchtbar aufgebrachten) Kirchenruine von St. Nikolai.

Heute streben wir zunächst den Nikolaifleet an, werfen danach einen Blick auf eine der Hauptkirchen Hamburgs, St. Katharinen, und spazieren anschließend am Zollkanal entlang Richtung  Binnenhafen und Baumwall. Auf die Art werden Sie diesmal zu Beginn in der Altstadt unterwegs sein und sich am Ende auf Neustadt-Boden von mir trennen.

Start am Mahnmal …

Unsere letzte Tour endete bei St. Nikolai in der Willy-Brandt-Straße. Halten Sie sich dort westlich, so erreichen Sie nach kurzer Zeit die Straße Holzbrücke. In südlicher Richtung führt Sie diese über den Nikolaifleet auf die Fleetinsel Cremon. In der Verlängerung – nun mit der Straßenbezeichnung Mattentwiete  – geht es weiter zum Zollkanal und Binnenhafen.
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Hamburg - Altstadt - Nikolaifleet mit Blick auf "Holzbrücke" und Mahnmal St. Nikola

Hamburg – Altstadt – Nikolaifleet mit Blick auf „Holzbrücke“ und Mahnmal St. Nikolai

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Im Verlauf der Straße Holzbrücke gibt es tatsächlich immer noch die gleichnamige Brücke, nur ist das, was
Sie heute vor sich haben, ein dreibogiger Nachfolgebau, der vor gut 130 Jahren (1887) nicht mehr aus Holz, sondern aus Stein erreichtet wurde.
Wären Sie ein bisschen eher – so um 1170 oder auch noch in den folgenden Jahrhunderten – in der Altstadt unterwegs gewesen, hätten Sie die Vorläufer aus Holz selbst in Augenschein nehmen können und hätten auch die Zeit erlebt, als es am Nikolaifleet einen großen Hafen mit regem Betrieb gab, in dem mit Schuten u. a. viel Hopfen angelandet wurde. Gröninger und andere Betriebe brauchten schließlich kontinuierlich Nachschub zum Brauen ihrer Biere.

„Das Schiff“

Heute finden Sie am Fleet direkt an der Holzbrücke möglicherweise keine Schute, dafür jedoch „Das Schiff“, das dort seinen Stammplatz hat. Hamburgs Theaterschiff. An Bord ist politisches Kabarett angesagt, hin und wieder auch Kindertheater. Und gelegentlich wird Literatur zum Thema.
Man feierte 2015 sein 40jähriges Bestehen. Zwar hat vor geraumer Zeit schon (2000) sein bekannter Gründer, Kabarettist Eberhard Möbius, die Leitung in andere Hände übergeben, dennoch läuft der Betrieb weiter.
Noch vor einigen Jahren fuhr man hin und wieder sogar zu Gastspielen nach Kiel, Stade oder Buxtehude.
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Hamburg - Altstadt - Nikolaifleet - _Das Schiff_ (Theater) mit Stammplatz an der Holzbrücke

Hamburg – Altstadt – Nikolaifleet – „Das Schiff“ (Theater) an seinem Stammplatz nahe der Holzbrücke

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„Das Schiff“ ist ein Privattheater, das meist so viel einnimmt, dass laufende Kosten gedeckt sind. Nur was tun, wenn altersbedingt am Schiff umfangreiche Reparaturen notwendig werden? Wenn dazu sein Innenleben überaltert ist? Wenn obendrein Arbeiten am Liegeplatz erforderlich werden, z. B. für einen neuen Bodenbelag des Pontons, der rissig ist. Oder für den Ersatz der vorhandenen Treppe durch eine Art tideunabhängige Gangway, die den Zugang zum Schiff auch für ältere, nicht mehr ganz so rüstige und sportliche Menschen sichert bzw. erst möglich macht. Das ist im Budget nicht drin. Dafür ist man auf  Unterstützung angewiesen. Letzten Dezember standen die Chancen sehr gut, Gelder (über 300.000 Euro) aus einem Sanierungsfond bewilligt zu bekommen.

Schön häufig, wenn ich von der Holzbrücke das Schiff betrachtete, schoss  mir der Gedanke durch den Kopf: Mensch, ist das beachtlich, was der betagte Kahn alles miterlebt hat, seitdem es als Besansegel-Ewer 1912 in Holland das Licht der Welt erblickte! Wie lange das her ist!
Der erste Weltkrieg hatte noch gar nicht stattgefunden. In den Niederlanden saß damals die Uroma des heutigen Königs, Königin Wilhelmina, auf dem Thron, während bei uns Kaiser Wilhelm II herrschte. Zu jener
Zeit misst er lediglich 20,19 m. Der Kahn, nicht der Kaiser. Ein deutscher Kunde ersteht den Segler aus Holland und baut irgendwann eine Hilfsmaschine ein. Für ihn verrichtet der Ewer als „Seemöve“ seinen Dienst.
Ein paar Jahre darauf entscheidet sich der nächste Eigner für einen stärkeren Motor, ein Schiffsmast fällt, der Klüverbaum wird gekappt. So weit so gut. Doch dann! Stellen Sie sich vor, im zweiten Weltkrieg sinkt das Schiff im Hamburger Hafen! Geht komplett unter!
Es wird gehoben, repariert und bei dieser Gelegenheit gleich umgebaut. Plötzlich ist der Rumpf 34,50 m lang und das Boot kein Besan-Ewer mehr, sondern ein Küstenmotorschiff. So hört er bald darauf nicht mehr auf den Namen „Seemöve“, sondern nennt sich fortan „MS Rita Funck“. Dieses Schiff schauen sich Herr Möbius und sein Frau aus, um es nach dem Kauf auf einer Werft in Rothenburgsort für den Theaterbetrieb herrichten zu lassen.
Seit 1975 steht es für diesen Zweck zur Verfügung. Mitte der 80er Jahre war ich selbst einmal an Bord für eine Vorstellung …
Ein abwechslungsreiches Schiffsleben bis dahin mit Hochs und Tiefs. Doch seitdem es Theaterschiff ist, wurde nichts Größeres mehr daran erneuert, gerichtet, saniert oder verschönert, während gleichzeitig unablässig Wind, Wetter und vor allem das Fleetwasser an ihm „nagen“ – wie auch der Zahn der Zeit …

Vielleicht hat „Das Schiff“ im Alter von 106 Jahren nun bald einen längeren Kuraufenthalt.
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Lassen Sie uns ein Stück weiterspazieren …
In vielen dieser Altstadtstraßen stoßen Sie immer wieder auf besondere Eingangstüren oder Portale.
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Hamburg - Altstadt - ... und immer wieder sehenswerte Eingangstüren.

Hamburg – Altstadt – … und immer wieder sehenswerte Eingangstüren.

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Hinter der Holzbrücke, direkt links abgebogen in die Katharinenstraße,  geht es im sanften Bogen bis vor zur Kirche St. Katharinen.
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Sankt Katharinen
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Hamburg - Altstadt - Hauptkirche St. Katharinen

Hamburg – Altstadt – Hauptkirche St. Katharinen

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Von den fünf Hauptkirchen, die es bei uns gibt, ist St. Katharinen die dritte. Sie entstand um 1250 herum. Damals wuchs Hamburg, der Platzbedarf stieg erheblich, und Stadtflächen sollten durch Eindeichungen ver-
größert werden. Gesagt, getan. Doch ist nicht unmittelbar nach Eindeichung gleich alles knochentrocken. Das Gelände hier war noch feuchtes Marschland, und so wurden für das Fundament der Kirche 1 100 Lärchen-
stämme in den Grund getrieben.
Wir sprachen vorhin davon, dass der Hafen früher im Bereich des Nikolaifleets regen Betrieb aufweisen konnte. Ein aufstrebender Hafen zudem, der natürlich viele anzog. St. Katharinen wurde damals die Kirche für die sich neu niederlassenden Kaufleute, die Bierbrauer und Schiffbauer.
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Hamburg - Altstadt - Hauptkirche St. Katharinen (Rückseite)

Hamburg – Altstadt – Hauptkirche St. Katharinen (Rückseite)

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Ob Kirchgänger damaliger Zeit sich eine Vorstellung davon hätten machen können, wie sich die Zeiten wandeln, wie sich die Menschheit in Glaubensfragen und damit auch die Beziehung zwischen Mensch (Volk) und Kirche ändern würde? Die Kirche selbst findet sich mit anderen Aufgaben und Erfordernissen konfrontiert, so dass es nicht verwunderlich ist, wenn sich das Kirchenleben der Neuzeit hin und wieder überraschend anders gestaltet …

In Zeiten, in denen die Finanzlage der Kirchen aufgrund sinkender Kirchensteuereinnahmen und gleichzeitig steigender Pensionsansprüche sowie erhöhter Ausgaben jeglicher Art gehörig in die Schieflage gerät, denkt man mancherorts neben Einsparungen über zusätzliche Einnahmequellen nach. Was lobenswert ist und nicht grundsätzlich schlecht sein muss.
Unabhängig von Sparzwängen oder gar Profitdenken, gilt es manchmal auch nur sich hervorzuheben, sich von anderen Gemeinden bzw. Glaubensrichtungen abzuheben und zu positionieren. Seht her, so machen wir das. Wir sind anders. Fortschrittlicher, konservativer, offener … was auch immer.
Nähe, Erreichbarkeit – nicht nur im örtlichen Sinn – zu demonstrieren, scheint ein weiteres Ziel. Nicht selten erleben Sie den Versuch einzelner Kirchen (Pastoren, Kirchenvorstände), das Image des Starren, des Welt-
fremden, des ewig Gestrigen abzulegen.
Wenn Kirchen viele Mitgliedsaustritte verzeichnen und dazu die Bänke im Gottesdienst stets reichlich freie Plätze aufweisen (womit auch die Kollekte mager ausfällt), ist schon die Frage erlaubt, wie Kirche von heute bei den Menschen auszusehen hat, damit sie wahrgenommen, angenommen, obendrein im Idealfall (finanziell) unterstützt wird.
Es ist wohl immer ein bisschen von allem, was zum Tragen kommt und irgendwann  ein – ich nenne es einmal – Testballons starten auf Kirchenseite hervorruft. Die Katharinenkirche z. B. nutzte die Klimawoche 2015 dazu, ein „Klimakonzert mit grüner Modenschau“ im Kirchenschiff zu genehmigen und durchzuführen.  Mit Models, Lichteffekten und allem, was dazugehört. Das ist mittlerweile salonfähig und kein Aufreger mehr. Es bringt Einnahmen, sorgt für Gesprächsstoff, und immerhin steht dahinter der positiv behaftete „grüne“ Gedanke.
Ein Teil der Gemeinde schreit Hurra, der andere ist etwas pikiert, und morgen ist das Thema abgehakt.
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Hamburg - Altstadt - St. Katharinen vom Zollkanal aus gesehen

Hamburg – Altstadt – St. Katharinen, diesmal vom Zollkanal aus gesehen

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Als allerdings 1996 rund 2 000 Raver in St. Katharinen eine Technoparty feierten, gab es mehr als hanseatisch leicht gerümpfte Nasen. Da half es auch nichts, dass Rauchen nicht erlaubt war. Es gab reichlich Alkohol, seltsame „Energy Drinks“, leichtbekleidete Wesen zwischen Heiligenstatuen, ekstatische Tänzer und viel Remmidemmi.
Warum man es in der Kirche gestattete? Oh, es war eine Art Kreuzzug der Techno-Tänzer („Crusade“). Es sollten die beiden Kulturen Gregorianik und Techno miteinander verbunden werden. Immerhin war auch ein Kieler Gregorianik-Chor mit von der Partie. Auf diese Art erhoffte man, Menschen in die Kirche zu locken, die sonst nie hinfänden. Das hat man sicher auch geschafft, nur ob die danach je wiederkamen?

Finanziell hat es sich gelohnt. Man musste zwar einen Sicherheitsdienst engagieren, der zehn Stunden im Dauereinsatz war, aber bei damals 60 DM Eintritt kam doch ein erkleckliches Sümmchen von ca. 120 000 DM zusammen. Damit waren die Kosten kein Thema  mehr, und der ansehnliche Rest half, den der Kirchen-
technoparty folgenden Stress und Ärger leichter zu verdauen.
Danach fanden in St. Katharinen interessanterweise ebenso Abende mit Gegenveranstaltungen statt, in
denen genau dieses Verhalten (Konsumdenken, Profit egal wodurch) angeprangert und kritisiert wurde.
Kirchenleben ist also bunt. Vielfältig, mit einem Hauch Unberechenbarkeit.

Schauen Sie einmal zur Turmspitze. Diese als Krone geformte Goldverzierung soll gerüchteweise mit Gold
aus dem verschollenen Goldschatz Störtebekers hergestellt worden sein. Sie wissen schon, der berühmt-berüchtigte Pirat. Der Begriff Störtebeker – übersetzt aus dem Plattdeutschen – bedeutet „Stürz den Becher“. Man munkelt, der Pirat konnte einen Vierliter-Krug Wein, wahlweise Bier, in einem Zug austrinken. Ob er deshalb so genannt wurde?
Ich zweifle ein wenig daran, ob jemand überhaupt vier Liter auf einmal in sich hineinbringen kann …
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Hamburg - Altstadt - Turmspitze St. Katharinen mit kronenförmiger Goldverzierung

Hamburg – Altstadt – Turmspitze St. Katharinen mit kronenförmiger Goldverzierung

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Sie können auch in St. Katharinen die Aussicht von oben genießen, allerdings, wenn Sie hier auf den Turm möchten, müssen Sie es im Rahmen einer Führung machen. 292 Stufen hinauf, vorbei an fünf Glocken …
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Plaza oder Turm? Elbphilharmonie vs. Kirchtürme …

Apropos Turmbesteigung. Die Kirchen, und vorneweg der Pastor der Hauptkirche St. Michaelis, klagen, dass seit Eröffnung der Elbphilharmonie vor einem Jahr die Zahl der Kirchturmbesteigungen massiv zurückge-
gangen sei und damit eine wichtige Einnahmequelle versiege. Im Gegensatz zum kostenfreien Besuch der Plaza in der Elbphilharmonie kostet die Besteigung der Türme Geld.
Der Michel-Pastor hat jetzt nicht explizit gefordert, dass die Begehung der Plaza umgehend Eintritt kosten muss, doch hätte er angesichts der Umstände natürlich nichts dagegen. Sein nachvollziehbares Wunschdenken wurde in den Medien vielfach gleich in Richtung Forderung verdreht, und schon rief seine Bemerkung einen Sturm der Entrüstung hervor.

Lassen wir kurz den Punkt Plaza-Eintritt ja oder nein außen vor und betrachten die Situation ganz generell. Zum einen können nicht alle Kirchen diese Entwicklung uneingeschränkt oder in gleichem Maße bestätigen. Beim Mahnmal St. Nikolai ist es nicht eindeutig, weil gerade nach der Sanierung und Wiedereröffnung des Turms im letzten Herbst besonders viel Zustrom zu verzeichnen ist. Dort herrscht Andrang, obwohl die Fahrt mit dem gläsernen Panoramalift fünf Euro kostet. Also ebenso viel, wie beim Michel zu löhnen ist. Ob der Zulauf so bleibt, wird man sehen.
Andere verzeichnen ebenfalls einen Rückgang, der jedoch trotz verlangter Gebühr für die Turmbesichtigung geringer ausfällt.
Die Hauptkirche St. Petri in der City wiederum meldet zwar weniger Zulauf, nur hatte sie dabei eher mit den Auswirkungen des berüchtigten G20-Gipfels im letzten Jahr zu kämpfen. Währenddessen (im Monat Juli) erschienen gleich 17 000 Besucher weniger als im Folgemonat August (39 000 zu 56 000).

Wenn ein Hamburger Ur-Wahrzeichen wie der Michel von eklatantem Rückgang der Turmbesucher spricht, dann sind es vermutlich weniger die Einzelreisenden, als vielmehr – und zahlenmäßig relevanter – die Teilnehmer von Gruppen- und organisierten Städtereisen, die ausbleiben. Wer allein, auf eigene Faust kommt, plant meist mehr Zeit ein, steuert viele Attraktionen und Ziele an und hängt notfalls dafür noch einen Tag dran.
Bei organisierten Städtetrips (z. B. Wochenendtouren) ist irgendwann Schluss mit der Programmstraffung. Wenn keine zusätzliche Zeit zur Verfügung steht und jeder Reiseteilnehmer erwiesenermaßen vor allem die Elbphilharmonie gesehen haben möchte, wird kurzerhand der Michel entweder komplett herausgenommen oder aber zumindest der Turmbesuch gestrichen. Gerade die Besteigung kostet Zeit, ganz abgesehen davon, dass nicht jeder in der Lage ist, daran teilzunehmen. Die Aufzugfahrt ist nicht von ganz unten bis direkt zur Aussichts-
plattform möglich. Es bleiben einige Treppen, die weiterhin zu Fuß bewältigt werden müssen. Nehmen wir jetzt noch das mehr als unvorteilhafte Wetter des letzten Jahres mit entsprechend schlechter Aussicht, so ist es nicht verwunderlich, wenn weniger Interesse als sonst besteht, bei niedrigen Temperaturen und Nässe den Aufstieg für einen zugigen Turmausblick anzugehen.
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Hamburg - Hafen (Höhe Baumwall) - Restaurant _Feuerschiff_

Hamburg – Hafen (Höhe Baumwall) – Restaurant „Feuerschiff“ – Im Blick haben Sie auch die Elbphilharmonie …

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Es kann nicht allein an den Kosten liegen. Über ein reizvolleres Kombiticketangebot (Kirche mit Krypta plus Turm) ließe sich trotzdem nachdenken. Warum nicht auch als Anreiz den Treppensteigern einen günstigeren Preis anbieten als den Lift-Nutzern oder eventuell einen Tag festlegen, an dem es nur die Hälfte kostet …
Ja, und ein bisschen enthusiastischer die Besonderheiten einer solchen Turmbesteigung und vor allem die des Ausblicks hervorheben! Rundumblick vom Turm aus 106 m Höhe und Plaza-Ausblick sind nun wirklich nicht vergleichbar. Michel und Elbphilharmonie müssten so gesehen gar keine Konkurrenten sein.
(Ich lasse Ihnen am Ende einen Link zu einem Blogbeitrag meiner Michelklettertour da, falls Sie Lust darauf haben. Auch Glockengeläut ist zu hören!)
Angewiesen sind die Kirchen auf die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern, selbst wenn sie im Grunde nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind, betrachtet man die Kosten, die zum Erhalt der Gebäude nötig sind. Es ist also leider keine Option, grundsätzlich auf Eintritt zu verzichten.

Der Plaza-Besuch in der Elbphilharmonie wiederum würde unter Garantie bei den Reiseveranstaltern weiter im Programm bleiben, selbst wenn der Zutritt kostenpflichtig werden würde. Für den Reisegesamtpreis bedeutet es letztendlich keine dramatische Erhöhung. Einzelpersonen hingegen und speziell die Hamburger …

Nun, viele Hamburger fühlten sich doppelt ausgenommen, sollte es dazu kommen. Erst wird das Jahrhundert-
bauwerk und neue Wahrzeichen so hundsteuer, dass mehrfach immense Summen aus Steuergeldern der Hamburger Bürger nachgeschoben werden müssen, und nun soll womöglich noch einmal geblecht werden, bevor man als Einheimischer und Mitfinanzierer einmal einen Blick auf das Ganze werfen kann? Das sieht nicht jeder ein …

Wir werden die Entwicklung weiter verfolgen.
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Hamburg - Altstadt - Zollkanal (Bei den Mühren) mit Speicherstadt im Hintergrund

Hamburg – Altstadt – Zollkanal (Bei den Mühren) mit Speicherstadt im Hintergrund

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Wir sind inzwischen von St. Katharinen ein Stück entlang des Zollkanals gewandert und haben den Binnenhafen erreicht.
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Hamburg - Altstadt - Am Binnenhafen

Hamburg – Altstadt – Am Binnenhafen

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Hamburg - Altstadt - Binnenhafen - Blick Richtung Niederbaumbrücke

Hamburg – Altstadt – Binnenhafen – Blick Richtung Niederbaumbrücke

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Flussschifferkirche

Sehen Sie das blaue Schiff (Foto unten)? Das ist die Flussschifferkirche, Deutschlands einziges Gotteshaus auf dem Wasser, auf Schiffsplanken zumindest. Mit Gottesdiensten, einer Binnenschifferseelsorge, und „Hausbesuchen“. Man fährt zweimal die Woche mit einer alten Arbeitsbarkasse im Hafengebiet herum und besucht die Binnenschiffer direkt an ihrem Arbeitsplatz.
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Hamburg - Altstadt - Binnnhafen mit Flussschifferkirche links (blaues Boot) - Speicherstadt rechts

Hamburg – Altstadt – Binnenhafen mit Flussschifferkirche links (blaues Boot) – Speicherstadt rechts

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Nachdem wir uns bisher die ganze Zeit auf Altstadtgebiet befanden, wechseln wir hier nun auf Neustadtgebiet. Die Grenze verläuft etwa auf der Otto-Sill-Brücke, von der aus das obige Foto aufgenommen wurde. Der Baumwall liegt voraus – doch wenn ich es mir recht überlege, ist eigentlich dieser Wechsel des Stadtgebiets eine wunderbare Gelegenheit, für heute die Tour zu beenden. Mit einem Blick aus der Neustadt zurück in die Altstadt
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Hamburg - Hafen - Niederbaumbrücke - Blick von der Neustadt Richtung Altstadt

Hamburg – Hafen – Niederbaumbrücke – Blick von der Neustadt Richtung Altstadt / Ganz hinten St. Katharinen, links der Turm von St. Nikolai (Mahnmal)

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Sind Sie bei einem weiteren Streifzug wieder mit dabei? Sie haben gemerkt, obwohl es stets seine Zeit braucht, müssen Sie keine Riesenentfernungen schaffen oder tausend Dinge durchhecheln. Es bleibt entspannt.

Bis demnächst! Ich vermeide es allerdings, mich zeitlich festzulegen, denn das klappt erfahrungsgemäß nur mittelprächtig.

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Hier noch der Link zur oben erwähnten St.-Michaelis-Turmbesteigung:
=> „Der Hamburger Michel: Wem die Glocke schlägt“

Und so gelangen Sie bei Interesse zum ersten Teil des Altstadt/Neustadt-Streifzugs:
=>„Zwischen Altstadt und Neustadt (1): Ein neuer Streifzug durch Hamburg“
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© by Michèle Legrand, Januar 2018
Michèle Legrand

 

 

 

 

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50 Kommentare

Allerlei zum Jahresschluss …

2017 soll nicht ohne ein letztes Hereinschauen ausklingen. Ich hätte Ihnen gern den ausstehenden zweiten Teil des Streifzugs durch die Alt- bzw. Neustadt von Hamburg mitgebracht, nur reichte die Zeit dafür hinten und vorne nicht. Es schob sich uncharmant und unerwünscht und vor allen Dingen auch unvorhergesehen einiges dazwischen. Keine ruhige Minute.

Nur müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn nicht zumindest ein kurzes Zusammensitzen hier klappen sollte. Ein kleiner Treff auf der Couch. Als Nichtraucher kann ich bezüglich der Dauer schlecht von einer Zigarettenlänge sprechen. Sagen wir, so lange, bis die Tasse Kaffee ausgetrunken ist …

Die Zeit zwischen den Jahren

Die Zeit jetzt vor Neujahr mag ich recht gern. Sie auch? Die wilde Geschäftigkeit, diese Art von blindem Sturm und Drang, eine Phase, die zuverlässig jedes Weihnachten auftaucht und an Intensität stetig zunimmt, ist vorüber – wie auch die sich anschließenden mehrtägigen Festivitäten ihr Ende gefunden haben.
Sie waren schön, überhaupt keine Frage! Es lässt sich trotzdem nicht leugnen: Feiertage und Zusammenkünfte
in geballter Form sind fein, jedoch gleichzeitig anstrengend. Nicht umsonst lauten (nach all dem) häufig gestellte Fragen: „Na, hast du die Weihnachtstage gut überlebt?“ – „Hast du es überstanden?“

Mein Nachbar muss nun auch keine Weihnachtslieder mehr auf dem Klavier üben. Auffrischen. Er kann sie eigentlich und spielt sehr gut! Auch Klassiktitel oder Evergreens. Ich höre gern, was von nebenan herüber-
schallt. Nur bei bestimmten Weihnachtsliedern hadert er offenbar mit dem getragenen Tempo.
Die „Stille Nacht“ ist ihm definitiv zu still. Spätestens nach drei Minuten ändert sich regelmäßig der Stil, und er schwingt rüber zum Boogie-Woogie …

Die schlichten Tage nach Weihnachten ohne Extragedöns sind mir jedes Mal mehr als willkommen. Sind überlebenswichtig! Ganz unter uns, in diese Zeit zwischen den Jahren lasse ich mir höchst ungern hineinfunken. Die mir kostbaren Stunden verteidige ich vehement. Das sind meine! (So der Wunsch.) Abstriche? Nun ja …
Immerhin treten Unterbrechungen seltener auf als sonst. Es werden Pflichttermine kaum genau in diese Zeit gelegt, und mir scheint, nicht nur bei mir, sondern bei vielen Menschen zeigt sich das Bedürfnis nach Ausspannen und sich Sammeln in den Tagen nach dem Fest und vor dem Jahreswechsel ausgeprägter.
Oder die Mitmenschen sind mit anderem beschäftigt und wollen deshalb ausnahmsweise nichts vor mir. Ein
Teil hält die Stellung im Job, und wer „Aktivurlaub“ vorzieht, der nutzt die Freizeit vermutlich, um seine Geldgeschenke unters Volk zu bringen oder Gutscheine einzulösen. Oder um jetzt schon das Fitnessstudio
zu kontaktieren, bevor nach Silvester der alljährliche Run auf eine Jahresmitgliedschaft losgeht. Modisch einkleiden muss derjenige sich in dem Fall natürlich während der freien Tage dann auch noch. Für die (kurze) sportliche Phase …

Sagen Sie, empfanden Sie es auch als positiv, dass Heiligabend in diesem Jahr auf einen Sonntag fiel? Dadurch, dass sich der Handel glücklicherweise für geschlossene Läden entschieden hatte, war diesmal der
24. Dezember doch für mehr Menschen ein ganzes Stück weniger hektisch als sonst. Ich gestehe, mir gefiel es sehr, diesen Tag in Ruhe zu starten, und daher werde ich mir für die nächsten Jahre eine Notiz machen:
Egal, auf welchen Tag Heiligabend fällt, kauf nichts mehr noch am Morgen des 24.12. ein. Das gilt auch für sogenannte frische Lebensmittel!
Man darf nämlich anzweifeln, dass es wirklich frischere Ware ist als die vom Vorabend. Und dieses wirklich bis zuletzt im Gewühl mitmischen, schafft enorme Unruhe, deren Nachwirkungen erst mit erheblicher Verzögerung abklingen.
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Die Bulldogge

Bei all den Besorgungen erlebt man schon so einiges. Dramen, weil Taschendiebe unterwegs waren und Beute machten, gestresste Einkäufer, genervtes Verkaufspersonal. Und es gibt die andere Seite.
Amüsieren Sie sich auch manchmal über den Inhalt aufgeschnappter Gespräche oder sind verblüfft, wenn Vorkommnisse einen unvermuteten Ausgang nehmen?
Beim Edeka-Markt traf ich kürzlich am Eingang auf eine angebundene, wartende Bulldogge. Vertreter dieser Rasse schauen – anatomisch vorgegeben – prinzipiell missmutig, obwohl die jeweilige Dogge vermutlich schlechte Laune weit von sich weisen würde und in Wirklichkeit bester Dinge ist. Was kann sie auch für ihre in die Irre führenden heruntergezogenen Mundwinkel!
Das Tier beobachtete mit Röntgenblick permanent den Ein- und Ausgang, wirkte dabei jedoch gelassen. Für eine Bulldogge war es ein recht großer Hund. Vor allem einer mit stattlichem Gewicht!
Ich war im Begriff hineinzugehen, als der Besitzer gerade bepackt heraustrat.
„Komm, Püppchen“, säuselte er, „wir wollen heim.“
Die Zuneigung war nicht zu überhören. Mag sein, der Mann fand seinen Hund tatsächlich  zartgliedrig, winzig … Oder die Liebe erforderte einfach einen solchen Kosenamen. Wer weiß das schon. Der Hund fühlte sich jedenfalls angesprochen.

Das leicht korpulente Püppchen erinnerte mich sofort an Goliath. Ein ähnlicher Fall, allerdings funktionierte es umgekehrt. Ein früherer Arbeitskollege hatte seinen Goldhamster so getauft.  Und „Goliath“ war schon der Kompromiss! Der Kollege hatte zunächst stolz vom Neuzugang in der Familie berichtet und dann geknickt gestanden, dass seine Frau seine Erstwahl, den Namen „Godzilla“, inakzeptabel gefunden und strikt abgelehnt hätte.
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Das Schaf

Was düst man viel herum vor Weihnachten! Für Erledigungen, Vorbestellungen, natürlich auch für Geschenke. Ich bilde da keine Ausnahme. In der letzten Woche habe ich als Geschenk für ein neugeborenes kleines Mädchen eine Spieluhr erstanden. Ich war nach längerer Suche über ein sehr freundlich dreinblickendes, goldiges, kleines Plüschtierschaf mit musikalischem Innenleben gestolpert. Nur konnte ich nicht herausfinden, wie die Spieluhr sich in Betrieb nehmen ließ. Es gab keinen Ring, an dem man hätte ziehen können, einen Knopf zum Draufdrücken suchte ich ebenfalls vergebens.

So wanderte ich damit zur Verkäuferin, direkt an der Kasse. Sie weihte mich in das Geheimnis des knubbeligen Stummelschwanzes ein, der quasi als Griff für das herauszuziehende Band fungierte. Optisch fiel überhaupt nicht auf, dass er gar nicht fest mit dem übrigen Schafpopo verbunden war. Sie zog die Uhr auf, bis es nicht mehr weiterging und das Band vollständig heraushing.
„Schlaf Kindlein, schlaf“ ertönte es. Überraschend flott für ein Einschlaflied, doch dezent, was die Lautstärke betraf. Ich entschied mich für die Uhr, bezahlte, packte das Schaf in meinen Stoffeinkaufsbeutel und verließ das Geschäft.
Die Uhr spielte. Und spielte. Und spielte …
Während ich durchs Einkaufszentrum lief, sorgte meine musikalische Tüte für Irritationen und erstaunte Blicke. Vor allem aber machte die unsichtbare Musikquelle in Bodennähe einen kleinen Hund leicht kirre. Er hing und hechelte an seiner flexiblen Laufleine und zerrte daran sein Frauchen durch die Gänge. Nur, weil er partout nicht von meinem tönenden Beutel ablassen konnte! Er folgte mir schnüffelnd und kläffend, bis endlich Ruhe einkehrte. Im Sack. Das Kind sozusagen schlief, wenn wir uns am Liedtext orientieren.
Ich muss die Mama des Babys vorwarnen, dass das Schaf über extrem langen Atem verfügt und – zumindest unterwegs – besser nicht komplett aufgezogen werden sollte …
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Das Los / Die Gans

Geschenke sind sowieso ein Thema für sich! Gerade heute bekam ich erzählt, wie die Bescherung bei einer Bekannten verlief. Ein Familienmitglied hatte der 91 Jahre alten Mutter, Oma und Uroma ein Jahreslos der „Aktion Mensch“ geschenkt. Sie war zunächst nur mäßig beeindruckt. Doch als der Schenkende farbenfroh ausmalte, was man alles gewinnen könnte, wurde sie sehr aufgeregt.
„Was mache ich denn bloß mit dem ganzen Geld, wenn mein Los den Hauptgewinn bringt?“
„Oma, nimm nicht die Sofortrente!“, riet ihr einer der Enkel eindringlich, woraufhin alle pikiert zischten, er dürfe doch nicht so etwas sagen.
„Mann, was denkt ihr denn alle!“, entrüstete er sich, „es geht mir doch nicht ums Erbe! Ich will doch nur, dass Oma mehr von dem Geld hat und es noch auf den Kopf hauen kann!“
Erleichtertes Ausatmen. Und Oma ist felsenfest davon überzeugt, dass Ihr Los gewinnt.

Die alte Dame hatte übrigens vorab für ziemliche Aufregung gesorgt! Oma lud dieses Jahr zu sich zum Essen ein. Da die Weihnachtsgans im Ofen bei Niedertemperatur garen sollte und dafür sechs bis acht Stunden gerechnet werden müssen, waren alle für 17 Uhr eingeladen. Um 14 Uhr ging bei meiner Bekannten das Tele-
fon. Oma war dran.
„Ihr müsst jetzt schon kommen! Die Gans ist fertig …“

Es hatte sich herausgestellt, dass ihr der Nachbar von oben sehr überzeugend versichert hatte, „dass das mit dieser Niedertemperatur nix wird“.
Pffft! Sie war eh nicht überzeugt davon gewesen. Hatte bereits skeptisch reagiert, als die Tochter mit diesem „neumodischen“ Rezept angekommen war. Kurzentschlossen wurde der Thermostat nach Nachbars Information hochgedreht. Zack! Drei Stunden eingespart.
Hektik in der Familie meiner Bekannten. Unrasiert, ungewaschen. Räuberzivil. Noch Geschenke einpackend. Und die halbwüchsigen Kinder waren noch nicht einmal aufgestanden …
Sie haben es dennoch irgendwie geschafft einzutreffen, bevor die Gans verkokelte.

Ich hatte tatsächlich auch Fleisch bei Niedertemperatur im Backofen. Zweieinhalb Stunden sollte es dauern. Zwischendurch dachte ich, mein Backthermometer wäre verstorben. Der Temperaturzeiger verharrte ewig an einer Stelle. Letztendlich ging es doch weiter. Es dauerte allerdings einige Zeit länger als angegeben, bis das Roastbeef die „Ich-bin-gar-aber-innen-noch-rosig-Temperatur“ erreicht hatte.
Wir haben dann schon mal mit den anderen Sachen angefangen …

(Ich glaube, ich muss Ihre Kaffeetasse kurz wieder auffüllen. Der Schwatz dauert doch ein bisschen länger.)
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Weihnachtsmärkte?

Ich wurde einige Male darauf angesprochen, ob ich in diesem Jahr nichts von den Hamburger Weihnachts-
märkten
zeige oder erzähle. Nein, diesmal zumindest nicht von den großen Märkten. Die Erkrankung meines Mannes regiert hier nach wie vor alles Tun und Lassen, und sein Befinden bzw. speziell die aktuelle Tagesform zeigt ganz klar die unabänderlichen Notwendigkeiten. Alles andere muss hintenan stehen und längere Abwesenheit steht nicht oft auf meiner kurzen Liste der Möglichkeiten.
Generell muss ich im Notfall schnell zurück sein können. Das schränkt zusätzlich den Aktionsradius ein. Und die Teilnahme an Groß-/Massenveranstaltungen birgt leider immer ein höheres Risiko, einen Infekt mit nach Hause zu bringen. Das wäre fatal.

Ich habe es dennoch in den letzten acht Wochen zweimal geschafft, kurz abzutauchen. So lernen Sie diesmal alternativ zu den großen Weihnachtsmärkten vier traditionsreiche Weihnachtsbasare kennen, die aus der Masse herausragen, und ich picke Ihnen ein paar Dinge aus dem Angebot der Altonaer Weihnachtsmesse heraus, die mir besonders auffielen.

Skandinavische Weihnachtsbasare

Schon vor allen anderen Weihnachtsbasaren, finden in jedem Jahr in Hamburg an zwei Wochenenden jeweils von Freitag bis Sonntag die traditionellen Weihnachtsbasare der skandinavischen Kirchengemeinden statt. Im Hafen, schräg gegenüber (rechts) der U- und S-Bahn Station Landungsbrücken, geht von den parallel zur Elbe verlaufenden Straßen „Johannisbollwerk“ bzw.  „Vorsetzen“ die „Ditmar-Koel-Straße“ in nordöstlicher Richtung ab. In dieser einen Straße befinden sich alle vier Kirchen der nordischen Länder. Gleich am Beginn liegt linker Hand die Schwedische Gustaf-Adolfs-Kirche, im späteren Straßenverlauf treffen Sie auf die Finnische, Norwegische und die Dänische Seemannskirche, die sich in dieser Reihenfolge alle direkt hintereinander ebenfalls auf der linken Seite befinden.
Jede Gemeinde richtet ihren eigenen Basar aus. Wählen Sie tunlichst einen der Freitage für Ihr Kommen, dann ist es der Andrang etwas geringer als an den Wochenenden.
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Hamburg - Ditmar-Koel-Straße - Basarzeit - Im letzten Straßenabschnitt die Seemannskirchen von Finnland, Norwegen und Dänemark

Hamburg – Ditmar-Koel-Straße – Basarzeit – Im letzten Straßenabschnitt die Seemannskirchen von Finnland, Norwegen und Dänemark

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Die Basare der Skandinavier sind atmosphärisch sehr schön. Sehr gemütlich! Sie sind kunsthandwerklich geprägt, doch sollten Sie bei den Erzeugnissen nicht zu viel erwarten. Hier sind Hobbykunsthandwerker ver-
treten, keine ausgesprochenen Profikünstler. Was die Basare liebenswert macht, ist die entspannte Stimmung und das Gewirr aus skandinavischen Sprachen. Da sind die Aktionen für Kinder, die Freundlichkeit, der Anblick der farbenfrohen Trachten, die alle Standbetreiber tragen und nicht zuletzt der verlockende Duft von Kaffee und frisch gebackenem Kuchen.
An den Ständen bestimmen die Farben Rot und Weiß ganz besonders das Bild. Den Elch als Motiv werden Sie häufig finden. Es gibt Dekorationsartikel aus Holz, Stoffe, handgearbeitete Decken, Gestricktes, Kinderkleidung, Kerzen, Schmuck, aber auch Bücher, skandinavische Musik (CDs), Leckereien etc.

Der schwedische Basar wird zwar im Erdgeschoss abgehalten, doch steigen Sie bei der Gelegenheit in der Schwedischen Seemannskirche einmal die Treppen hinauf in den 1. Stock. Dort ist der eigentliche Kirchensaal, in den etwa 300 Kirchenbesucher hineinpassen.
Man hat 2007 zum 100jährigen Bestehen der Gustaf-Adolfs-Kirche viele irgendwann einmal übermalte Kunstwerke an den Wänden wieder freigelegt. Jetzt sind die alten Christusbilder oder auch Nikolaus von Myra, der Schutzpatron der Seefahrer, wieder zu sehen. Oder betrachten Sie das Votivschiff „Gustaf Adolf“, das dort hängt! Ein sehr schönes Modell einer Dreimastbark mit vielen Schnitzereien! Erbaut und übergeben wurde sie der Kirche durch Kap Hoornier Hans Freyholz, der auf diesem Schiff Kapitän war.
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Hamburg - An dem Tag fand sogar eine Hochzeit bei den Skandinaviern statt ...

Hamburg – An dem Tag fand sogar eine Hochzeit bei den Skandinaviern statt …

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Bei den Finnen und Norwegern, steht zusätzlich noch etwas mehr für das leibliche Wohl  zur Auswahl. Dort hat man außerhalb der Gebäude schon zahlreiche Stände mit nationalen Spezialitäten aufgebaut und Gäste können sich bei kaltem Wetter mit Glühwein warmhalten.
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Hamburg - Ditmar-Koel-Straße - Die Dänische Seemannskirche

Hamburg – Ditmar-Koel-Straße – Die Dänische Seemannskirche

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Die Dänen, ganz am Ende der Ditmar-Koel-Straße ansässig, verlangen offiziell einen Euro Eintritt, doch der wird gar nicht immer einkassiert. Man kann offenbar auch freiwillig etwas in einer Spendendose hinterlassen. Doch dadurch, dass in der Presse wieder von einer Eintrittsgebühr die Rede war, herrschte etwas weniger Zulauf als in den anderen Kirchen. Sie kommen dort besser durch. (Mag sein, dass es auch tages- und zeitenabhängig ist.)
Bei den Dänen gibt es im Garten sogar Hot Dogs zur Verköstigung und trotz später Jahreszeit wird der Grill angeworfen.

Vielleicht schauen Sie im nächsten Jahr einmal vorbei bei unseren nordischen Nachbarn.
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Altonaer Weihnachtsmesse 2017 im Altonaer Museum

Was sich in meinen Augen auch sehr lohnt, ist ein Besuch der Altonaer Weihnachtsmesse im Altonaer Museum. Gerade bei dauerhaft ungemütlichem Wetter, wenn die Märkte draußen nicht so locken können, ist
dies eine sehr schöne Alternative.

Diese Veranstaltung findet an drei hintereinander folgenden Tagen (Fr, Sa, So) in der Adventszeit statt. Der Eintritt beträgt 5,- Euro, berechtigt aber gleichzeitig zum Besuch des Museums. (Alle unter 18 J. haben sogar freien Eintritt.)

Da sich der Kunsthandwerkermarkt über mehrere Stockwerke erstreckt und dort jeweils in den Foyers und breiteren Gängen aufgebaut ist, können Sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie sehen die Exponate der Museumsausstellung und können sich dabei in den verschiedenen Etagen die Weihnachtsmesse zu Gemüte führen. Speziell im zweiten und dritten Obergeschoss stimmt das Ambiente exzellent, denn dort befinden sich Untere bzw. Obere Bauernstube. Sie haben teilweise den Eindruck, die Stände der Kunst-
handwerker befänden sich in einem altehrwürdigen Gemäuer oder auf einem uralten Dachboden.

Auf der Weihnachtsmesse stellen mehr als 70 vorwiegend norddeutsche Kunsthandwerker und Designer ihre Werke aus. Das Schöne daran ist, es sind thematisch nicht ausschließlich weihnachtlich geprägte Erzeugnisse, und abseits des Kunsthandwerks findet zusätzlich Programm statt. Die Modelleisenbahn des Museums ist in Betrieb, es werden kleine Theatervorstellungen gegeben, Familien können sich führen lassen, man hört Märchen, und diesmal fand an einem der Tage sogar ein Poetry Slam im Galionsfigurensaal statt.

Sie wissen, es lässt sich leider in Räumen oder Museen nicht überall fotografieren, d. h. man darf es vielleicht noch für den Privatgebrauch, kann es aber nicht veröffentlichen. Ich hätte Ihnen wirklich gern Fotos mitge-
bracht, doch muss mich nun leider damit begnügen, Ihnen mittels Text eine Vorstellung zu vermitteln.

Sie glauben gar nicht, was es da alles Unterschiedliches gibt! Natürlich ist für Bücherfans für jeden Geschmack und jedes Interesse etwas dabei. Das gilt sowohl für Erwachsene als auch für Kinder.

Wenn Ihnen jemand sagt, es wird viel Selbstgestricktes, Handgefilztes, Gesticktes und Genähtes präsentiert, hört sich das unter Umständen noch gar nicht so prickelnd an. Doch interessant ist, was alles daraus entsteht!
Neben den obligatorischen Schals, Mützen, Socken, Handschuhen oder Kindersachen, gab es in Altona nämlich auch Rucksäcke, Wachstuchbeutel, Handytaschen, Umhängetaschen aus Segeltuch und LKW-Planen, etwas mit Hamburg-Fotos, handgewebte Schals, ungewöhnliche Kulturtaschen, Kissenhüllen, Quilts für Kinder, Schürzen, Schmuckrollen, Krabbeldecken, Tischläufer, Wendemützen, Seidenschals, Designkleidung, hand-
bedruckte Tischwäsche, Häkeltiere, Stulpen, Pulswärmer, strickgefilzte Taschen, andere mit Federn und bestimmt noch einiges mehr, was ich schon gar nicht mehr erinnere.

Es ging munter weiter mit Ölbildern, Plastiken, Grafiken, Zeichnungen, Objekten aus Holz und Stein, mit Buchbindetechnik, Sieb- und Stempeldruck. Dazu Windlichter, Papier- und Glasschmuck, Bernsteinschmuck oder auch Kacheln, die ein gemaltes Dekor erhielten. An wieder anderer Stelle kreative Gutscheinver-
packungen, dazu selbstgemachte Marmeladen und Schokoladen, eingelegte Gurken und Säfte aus eigener Herstellung.
Also eine extrem bunte Mischung!
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Besonderes

Es gibt bei Ausstellungen Stände, deren Auslaget mich persönlich gleich magisch anzieht. Im Altonaer Museum war es das Angebot an Stempeln mit recht ausgefallenen Motiven. Ein extrem fein dargestelltes Ginkgo-Blatt (Rima A. Görler, Design-Stempelkunst) hatte es mir besonders angetan.
Vielleicht hätten Sie so wie ich automatisch an einem Stand gestoppt, welcher diverse Lampen präsentierte, deren Sockel /Standfüße alle aus Treibholz hergestellt wurden. Sehr schöne Werke! (Kunsthandwerk Bernd Kasten)

Was gleich zum Hinsehen reizt, aber nicht unbedingt jeder – weil doch sehr speziell – vom Stil her tragen möchte, ist Schmuck aus recycleter Elektronik (TRANSFORMATOR). Genauso außergewöhnlich wirkt Naturschmuck (Henning Seibt).

Taschen

Beinahe hätte ich zugegriffen bei der Tasche eines Künstlers, der sich „Herr Rüdiger“ nennt.
Herr Rüdiger betreibt ein Upcyling. Er verwendet als Material u. a. ausrangiertes Leder und Skai von Autositzen (Rückseite). Er kombiniert es z. B. gern mit Gobelinstoffen, die sehr unterschiedliche Dessins haben. Seine Umhängetaschen mit Überschlag bestehen also vorwiegend auf der Rückseite aus Leder, aus dem auch der Tragegurt und Verstärkungen gefertigt sind. Vorne besticht die Tasche durch ein farbiges Motiv auf Gobelin.
Es gab ein Modell „ Abbey-Road“, ein anderes zierte ein Hirsch mit imposantem Geweih. Mein Favorit allerdings war eine Tasche, bei der es so wirkte, als wären vorne Bücher liegend aufeinandergestapelt. Man schaute nun auf die Buchrücken von alten, dicken Wälzern mit gefühlt kostbaren Einbänden, die in sehr warmen Farben gehalten waren. Für jemanden, der gern liest, eine wunderbare, persönliche Tasche, in die einiges hineinpasst, die stabil gearbeitet ist und die durch das Gobelinmaterial sehr viel edler wirkt, als mit einem Überklappteil, das lediglich aus bedrucktem Stoff ohne Struktur gefertigt wäre.
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Kunstblumen

Ganz zuletzt muss ich doch einmal fragen, ob Sie schon wussten, dass es Kunstblumen aus Fischschuppen gibt! (Die übrigens klasse aussehen!) Geläufig sind einem viel eher Seidenblumen oder die sehr billig produzierten, fürchterlichen Plastikblumen, die Sie als Gewinn für Schießtreffer auf Jahrmärkten ergattern.

Man kann jetzt nicht behaupten, dass es komplett neu wäre, Fischschuppen so zu nutzen, denn sogar bei Klosterarbeiten im 19. Jahrhundert hat es bereits bei uns in Deutschland diese eigenwillige Art der Blumenherstellung gegeben. Wer aber letztendlich – vielleicht schon Jahrhunderte davor – als erster die Idee dazu hatte, das lässt sich wahrscheinlich gar nicht mehr feststellen.

Auf der Weihnachtsmesse waren es Blüten, die aus Südamerika kamen. Sie werden dort im Norden Brasiliens von den Bewohnern eines Dorfes, vorrangig von Fischerfrauen, angefertigt, die in diesem Fall im Auftrag einer deutschen Firma („Meerblume“) arbeiten, die sie importiert. Die Blumen, nicht die Frauen.
Es gibt bei den Fischen unterschiedliche Schuppenarten und -formen (Plattenschuppen, Schmelzschuppen, Kammschuppen u.s.w. ). Bestimmte lassen sich – nach entsprechender Vorbehandlung – für das Kunst-
handwerk gut verwenden. Sie werden zunächst nach einem besonderen Prinzip getrocknet, danach vermutlich u. a. größenmäßig vorsortiert, und da Sie sie jetzt nicht sehen können, versuche ich eine Beschreibung ihres Aussehens.

Stellen Sie sich vielleicht am besten die Form von Kartoffelchips vor. Auch das leicht Gewölbte bzw. Gewellte daran. Die Schuppen sind cremefarben, wirken teils etwas wachsartig, teils sogar ein bisschen elfenbein- oder perlmuttartig. Sie fühlen sich weder warm noch kalt an, sondern in etwa so, als würden Sie dickeres Kamm-
material zwischen den Fingern halten. Etwas nachgiebiger. Sie lassen sich bearbeiten.

Aus diesen einzelnen Schuppen und Schüppchen, werden äußerst kunstvoll wunderbare Blütenformen zu-
sammengesetzt, die sehr den Originalblüten von gefüllten Pfingstrosen (Päonien), Rosen überhaupt, Dahlien oder auch zartem Feldmohn entsprechen. Andere werden eher wie kleine, rundliche Tuffs zusammengebastelt, so dass diese – auch farblich – dem luftigen Wollgras im Moor verdammt ähnlich sehen.
Ich kann Ihnen nicht sicher sagen, ob es schon von Natur aus dunkleres oder andersfarbiges Schuppenmate-
rial gibt oder ob es sich vielmehr um eingefärbte Schuppen handelt, denn außer cremefarbenen Mohnblüten, werden auch welche in einem Lachs-/Orangeton angeboten. Hm, lachsfarben? Tja, da nun der Lachs als Fisch zwar Fleisch in dieser Farbe hat, nicht jedoch solche Schuppen, bin ich in dieser Hinsicht ein bisschen überfragt.

Eine Blüte kann schlecht alleine daherkommen und in der Luft schweben, deshalb müssen passende Stiele gefertigt werden. Die sind allerdings nicht aus Fischschuppen. Hierzu verwendet man so etwas wie sehr feine Bambusröhrchen, Schilfhalme oder greift speziell bei den hohen Stielen auf dünne Weidenruten zurück.
Als besondere Einzelblüte – oder als Duo mit unterschiedlicher Höhe – in einer formschönen (Glas-)Vase, dabei vielleicht in Kombination mit einem Zweig Korkenzieher-Haselnuss stelle ich mir das sehr apart vor …
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So, mittlerweile dürfte auch Ihre zweite Tasse Kaffee leer sein, der Bedarf mehr als gedeckt, ganz zu schweigen von dem Couchhockbedürfnis. Und Ihre Zeit! Oha, oha …
Wie immer darf man gar nicht erst ins Klönen kommen. Dann vergehen die Minuten und Stunden wie im Flug.
Sie haben aber vielleicht gemerkt, dass Basare und besondere Kunsthandwerkermessen in der Weihnachtszeit in Hamburg durchaus einen Besuch wert sind. Im nächsten Jahr gibt es für Sie wieder eine neue Chance, daran selbst teilzunehmen.
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Ich verabschiede mich für dieses Jahr, sage danke schön für das regelmäßige Mitlesen, Ihre vielfältigen Reaktionen, den regen Austausch, den überaus netten Kontakt zu meinen Lesern sowie den vielen Bloggerkollegen aus aller Welt. Liebe Blogstammgäste, speziell Ihre Anteilnahme hat mich im zurückliegenden Jahr ganz besonders berührt!
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Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie nicht nur gut in das neue Jahr hineinkommen, sondern das 2018 auch ein glückliches, möglichst gesundes Jahr für Sie wird. Es möge Ihnen viel Erfreuliches bescheren, doch helfen Sie kräftig mit, dass der positive Zustand erreicht wird und möglichst lang anhält! Da lässt sich tatsächlich einiges durch Verhalten, Einstellung, Gedanken etc. mit beeinflussen. Im Guten wie auch im Schlechten!
Ersteres ist dabei viel erstrebenswerter, fnden Sie nicht auch?
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Bis demnächst! Ich freue mich auf Sie!
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Regenbogen (Halbkreis) in Hamburg am 16.12.2017

Ein Ihnen hoffentlich Glück bringender Regenbogen zum Start in das Jahr 2018!

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PS
Ich habe eine direkte Verlinkung zu Herstellern unterlassen, da ich überhaupt keine Lust habe, hier deshalb alles als Werbeblock zu kennzeichnen. Es ist meine ureigene, private Meinung, keine Verkaufsankurbelung.  Ich erziele durch meine Vorstellungen und Erwähnungen hier im Blog keinerlei Einkünfte. Es gefällt mir einfach.
Die aufgeführten Namen helfen Ihnen ggf. hoffentlich bei Interesse trotzdem bei Ihrer Suche im Netz.

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© by Michèle Legrand, Dezember 2017
Michèle Legrand

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52 Kommentare

Zwischen Altstadt und Neustadt (1) – Ein neuer Streifzug durch Hamburg

Etwa 1:14. In Hamburg. Würde ich schätzen. Zwischendurch einmal, sehr großzügig ausgelegt, 1:8. Ich spreche vom Verhältnis grauer Tage mit verhangenem Himmel und Regen zu Tagen mit blauem Himmel und Sonnen-
schein. Die Eins steht dabei leider nicht für das Schietwetter, sondern für den mickrigen Schönwetteranteil.
Nicht schön. Was bei vielen Hamburgern in diesem Jahr vermutlich im umgekehrten Verhältnis 8:1 zutrifft, ist
der Regenschirmverschleiß.

Wie sieht es aus? Hätten Sie Lust, heute wieder mit auf Erkundung zu gehen? An einem der „Einsertage“ mit Sonne? Man muss sich das andere ja nicht unbedingt antun.
Mein heutiger Streifzug bewegt sich zwischen Alt- und Neustadt. In Hamburg grenzt beides aneinander, was sich logisch anhört, aber nicht zwangsläufig der Fall sein muss. Mir ist aufgefallen, dass vielen Besuchern und ebenso Einheimischen gar nicht klar ist, wo eigentlich was ist, bzw. wo welcher Bereich anfängt oder endet.
Eine Bemerkung wie: „Der große Brand im Mai 1842 brach damals in der Altstadt aus!“ oder „Ich war in der Neustadt zum Weihnachtsbummel“ löst daher gar nicht selten fragende Blicke aus und enthält offensichtlich keine hilfreiche Ortsinformation.

Wenn Sie Hamburg auf der Karte vor sich sehen, orientieren Sie sich an der Binnenalster, die ist gut zu finden. Östlich von diesem See befindet sich die Altstadt. Um die nördliche Grenze zu erahnen, peilen Sie rechts oberhalb der Binnenalster die Kunsthalle an, schweifen mit dem Blick weiter nach Westen über den Haupt-
bahnhof
hinaus bis zu den Deichtorhallen und bewegen sich von dort aus südlich Richtung Hafen und Elbe. Grobe Richtung Elbphilharmonie. Am Binnenhafen und noch östlich der U-Bahn-Station Baumwall ist Schluss.

Die Neustadt hingegen beginnt genau dort. Sie endet, Richtung Westen geschaut, jedoch bereits wieder kurz vor den Landungsbrücken, verläuft Richtung Norden etwa am Alten Elbpark vorbei, führt entlang der Park-
anlage Planten und Blomen
, dann östlich, weiter, bis Sie auf Lombards- und Kennedybrücke stoßen, die, direkt nebeneinander verlaufend, die Wasserverengung zwischen Binnen- und Außenalster überspannen und Ihnen als optische Grenzlinie prima dienen.

Rathaus, Mönkebergstraße, Kontorhausviertel mit Chilehaus, die Hauptkirchen St. Katharinen, St. Petri und
St. Jacobi, Nikolaifleet, das Mahnmal St. Nikolai, die Deichstraße, die berühmte Speicherstadt
etc., das alles
sind Teile der Altstadt, wohingegen Binnenalster, Alsterarkaden, Jungfernstieg, Alte Post, Gänsemarkt, Oper, Fleetinsel, Großneumark, viele Galerien oder bekannte (und teure) Einkaufsstraßen wie Neuer Wall oder Große Bleichen zur Neustadt zählen. Auch der Michel (Hauptkirche St. Michaelis) befindet sich auf Neustadtgebiet!

Die heutige Tour hält für Sie recht unterschiedliche Eindrücke parat. Lassen Sie uns in Höhe der U-Bahn-Station Meßberg starten, d. h. auf Altstadtterrain. Nicht auf Anhieb die schönste Stelle der Stadt, denn beim Auftauchen aus dem Untergrund, stehen Sie direkt an der mehrspurigen Willy-Brandt-Straße. Eine lärm-
intensive, da vielbefahrene Querverbindung, die früher daher den Namen Ost-West-Straße trug.
Ihnen begegnen dort und im Umkreis allerdings auf verhältnismäßig kurzer Strecke höchst unterschiedliche Bauwerke. Verlassen Sie zusätzlich die Hauptstraße und biegen in eine der Nebenstraßen, ändert sich die Szenerie noch einmal kolossal.
Sie sollten beim Erkunden in Hamburg ein bisschen von dem vielleicht gängigen Muster abweichen. Vergessen Sie Stadtplan, Smartphone mit Navi, unumstößliche Pläne und die reinen Touristenhighlights, die dann Punkt für Punkt angesteuert und abgehakt werden. Wer wenig Zeit hat und das allererste Mal in der Hansestadt ist, dem sei es so verziehen, doch spätestens beim zweiten Mal marschieren Sie ohne feste und enge Zeitvorgabe einfach los.
Vor dem sich Verlaufen muss man in Hamburg keine große Angst haben. Hier ragt immer irgendwo ein großer Kirchturm als Orientierungshilfe über die Dächer der Häuser (und für den äußersten Notfall haben Sie ja wahrscheinlich doch Ihre Technik dabei).
Wenn Sie darauf verzichten, immer nur Einzelziele wahrzunehmen und von der Liste abzuhaken und stattdessen die Wege mit genießen, dann geht es Ihnen vielleicht so wie mir: Das für mich Schönste habe ich immer dann entdeckt, wenn ich losspaziert bin und dort gehalten habe, wo mir etwas ins Auge stach oder ich – ausgelöst nicht nur durch optische Reize, sondern auch durch Geräusche und Gerüche – wie unter Zwang spontan ab-
biegen musste. Sie warten dann förmlich auf einen, die Kontraste auf kleinstem Raum, Unvermutetes und Verblüffendes hinter unauffälligen Türen oder Zeugnisse alter Zeiten.

Vom U-Bahn-Ausgang Meßberg geht es westwärts. Sobald Sie die Richtung Hafen abzweigende Straße Brands-
twiete
überquert haben, taucht auf der linken Seite (Willy-Brandt-Str. 47) die Privatbrauerei Gröninger auf. Sie erinnern sich? Eine historische Hamburger Brauerei mit einem seltsam anmutenden Spruch an der schweren Holzeingangstür, der noch Bezug zu längst vergangenen Tagen hat.
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Hamburg - Altstadt - Brauhaus und Braukeller Gröninger - Die Warnung an der Tür ...

Hamburg – Altstadt – Brauhaus und Braukeller Gröninger – Die Warnung an der Tür …

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Sie können es lesen? Ja? Früher wurde eben mittwochs für das Bierbrauen u. a. Wasser aus dem Nikolaifleet benötigt. Wenn Sie mehr erfahren möchten, am Ende dieses Artikels ist der entsprechende Link zu einem früheren Blogbeitrag (mit weiteren Fotos).
Das bei Gröninger selbstgebraute Bier können Sie bis heute (nun ohne Verwendung von Fleetwasser) im Braukeller in den alten Kellergewölben trinken und dabei rustikal auf alten Holzbänken Platz nehmen. Das Brauhaus (Speisenangebot) befindet sich darüber.

Apropos Nikolaifleet, bzw. Wasser und geschichtliche Sonderlichkeiten. Mir fällt in dem Zusammenhang gerade etwas ein. Ich habe am Freitagabend eine Folge der englischen Serie „Lewis“ gesehen. Sie spielt in Oxford, einer Stadt, die wie Hamburg viele schöne Ecken am Wasser hat. Sorgen hier Elbe, Alster und Bille dafür, so sind es in Oxford Themse und Cherwell.
Es ging u. a. um eine generell recht einfallsreiche Kunststudentin, die neben dem Studium Führungen für Touristen leitete und dabei in ihren Erläuterungen nicht so ganz bei der – in ihren Augen – etwas unspekta-
kulären (historischen) Wahrheit blieb. Um ihren Zuhörern mehr Spannung zu verschaffen, erdachte sie kurzerhand das ein oder andere ausgefallene, leicht haarsträubende oder pikante Detail. Ein Krokodil sollte
es angeblich in Oxfords Gewässern geben, und die Rede war von namentlich recht bekannten Personen der Geschichte, denen sie Aufenthalte und Aktivitäten in der Universitätsstadt andichtete, obwohl sicher nicht ein Einziger der Erwähnten jemals Oxford auch nur näherkam.
Solche Veräppelung würde ich mir mit Ihnen natürlich nicht erlauben. Nie! Spannung hin oder her.
Wussten Sie eigentlich, dass hier im Nikolaifleet 1953 ein Hai gesichtet wurde …?
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Hamburg - Altstadt - Nikolaifleet - Im Hintergrund Mahnmal St. Nikolai

Hamburg – Altstadt – Nikolaifleet – Im Hintergrund Mahnmal St. Nikolai

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Nur wenige Schritte weiter befindet sich das Asiahaus. Seine Vorderfront ist rein farblich betrachtet eher unauffällig. Dennoch ist die Sandsteinfassade im Jugendstildekor markant und bei näherer Betrachtung auch ungewöhnlich, denn sie hat zusätzlich einige Motive mit sehr asiatischem Anklang. Hier, im 1900 erbauten Gebäude, beschäftigte man sich früher mit dem Handel nach Fernost. Es gibt – weniger asiatisch – allerdings auch einen Reichsadler, der oben den Giebel ausfüllt …
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Hamburg (Altstadt) - Asiahaus - Sandsteinfassade mit fernöstlichen Motiven und dem Reichsadler ...

Hamburg (Altstadt) – Asiahaus – Sandsteinfassade mit fernöstlichen Motiven und dem Reichsadler …

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Das Asiahaus ist eines dieser einzeln stehenden Kontorhäuser außerhalb des bekannten Kontorhausviertels (mit dem markanten Chilehaus, dem Sprinkenhof etc.), die es sowohl in Alt- als auch Neustadt gibt. Diese ganz speziellen Gebäude entstanden um die Jahrhundertwende und bestechen bis heute besonders durch die oft prunkvolle Gestaltung ihrer Foyers und Treppenhäuser. (Am Ende des heutigen Beitrags finden die Interessierten unter Ihnen Links zu früheren Blogposts, die sich speziell mit dem Thema „Kontorhäuser“ befassten!)
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Hamburg (Altstadt) - Asiahaus - Eingangsverzierung mit Namenszug - Willy-Brandt-Straße 49

Hamburg (Altstadt) – Asiahaus – Eingangsverzierung mit Namenszug – Willy-Brandt-Straße 49

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Hamburg (Altstadt) - Asiahaus - Innenhof

Hamburg (Altstadt) – Asiahaus – Innenhof

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Auch im Asiahaus ist das Gebäudeinnere besonders sehenswert! Die Glaseinsätze der Türen haben zum Teil Sprossen, die Eingangshalle kann mit einem länglich-ovalen Oberlicht punkten. Die Treppenhauswände sind mit kleinformatigen, hellen, quadratischen Kacheln in den Tönen beige/creme dekorativ gefliest. Speziell im Foyer taucht hier und dort dunkel abgesetzt ein Dekor auf. Senkrechte Streifen, Einfassungen, einzelne, betonende dunkle Quadrate. Dazu Deckenschmuck, eine schöne Ausleuchtung, Treppen und Säulen aus poliertem Marmor mit Goldverzierungen im unteren Säulenbereich und natürlich das Treppengeländer! Ein sehr gefälliges Jugendstil-Treppengeländer, das sich durch sämtliche Geschosse zieht. Die weich geschwungenen Formen der Metallstreben mit ihren zusätzlich kunstvoll eingearbeiteten Elementen nehmen die hellen Töne des Marmors auf, der Holzhandlauf setzt sich hingegen in einem warmen Dunkelbraun ab.
Foyers und Treppenhäuser sollten etwas „hergeben“,  für etwaige Besucher des Handelsunternehmens einen Ort mit repräsentativem Charakter darstellen. Man wollte potentiellen Kunden oder einem wichtigen Lieferanten damit gleich demonstrieren, dass es der eigenen Firma wirtschaftlich gut ging.

Ich sprach vorhin von Kontrasten. Schauen Sie dazu einmal hinüber auf die andere Straßenseite. An der Ecke Willy-Brandt-Straße/Domstraße steht ein im Gegensatz dazu relativ neuer Bau, das Zürich-Haus, 1989-1992 erbaut und damit ganze 90 Jahre jünger. Es ist ebenfalls ein Kontorhaus, bei dem man bewusst Klinker in der Art und Farbe verwendet hat, die schon früher für die Bauten im Kontorhausviertel üblich waren. Nur da dieses Gebäude an – wie wir wissen – sehr befahrenen Straßen liegt, beschloss man, sich gegen Lärm und Staub ein bisschen mehr abzuschotten. Und zwar mit Glas, um nicht gleichzeitig auch das Licht auszusperren. Zwei große, gläserne Eingangshallen gibt es (Sie können die Kuppeln ganz gut oben auf dem Dach erkennen) und zu uns hinüber, Richtung Willy-Brandt-Straße, wurde vor die eigentliche Fassade noch eine konvex geschwungene Glasfront gesetzt.
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Hamburg (Altstadt) - Zürich-Haus - Domstraßenseite (Archivfoto)

Hamburg (Altstadt) – Zürich-Haus – Domstraßenseite (Archivfoto)

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Hamburg (Altstadt) - Zürich-Haus - Lichtdurchflutete Eingangshallen ...

Hamburg (Altstadt) – Zürich-Haus – Lichtdurchflutete Eingangshallen …

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Hamburg (Altstadt) - Zürich-Haus - Die eigentliche Fassade im Klinkerstil alter Kontorhäuser ....

Hamburg (Altstadt) – Zürich-Haus – Die eigentliche Fassade im Klinkerstil alter Kontorhäuser ….

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Hamburg (Altstadt) - Zürich-Haus - Domstraßenseite (Archivfoto)

Hamburg (Altstadt) – Zürich-Haus – Domstraßenseite (Archivfoto)

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An dieses moderne Haus grenzt wiederum auf der anderen Seite ein Kontorhaus aus dem Jahre 1899, das Afrikahaus. Einst für das Handelsunternehmen C. Woermann errichtet, welches die Woermann-Linie und die Deutsche Ost-Afrika-Linie betrieb. Das heißt, die Firma war intensiv im Geschäft mit einigen afrikanischen Ländern, was Einfluss auf den Baustil des Hauses und seine dekorativen Elemente hatte.
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Hamburg (Altstadt) - Afrikahaus (Woermann)

Hamburg (Altstadt) – Afrikahaus (Woermann)

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Das Afrikahaus steht bereits seit 1972 unter Denkmalschutz. Als man es 1999 sanierte, hat man aufgepasst, dass genau seine Stilmerkmale erhalten blieben. So sind bis heute die Gusseisen-Stützen vorhanden, es gibt die Kappendecken oder auch die Stiltüren ebenso wie das Wandmosaik mit den afrikanischen Motiven und die beiden Elefanten am Portal.
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Hamburg (Altstadt) - Afrikahaus - Eingang zum "Elefantenhaus" (Links und rechts der Eingangstür stehen zwei große gusseiserne Elefanten)

Hamburg (Altstadt) – Afrikahaus – Eingang zum „Elefantenhaus“

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Hamburg (Altstadt) - Afrikahaus - Bronzestatue eines afrikan. Wahehe-Kriegers

Hamburg (Altstadt) – Afrikahaus – Bronzestatue eines afrikanischen Wahehe-Kriegers

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Doch wurden andererseits – natürlich eingschränkt – auch Veränderungen zugelassen. So erfolgte eine moderne Rekonstruktion des im Krieg zerstörten östlichen Flügels und des „Elefantenhauses“. Inklusive Aufstockung. Die Flächen sind heute vermietet.
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Hamburg (Altstadt) - Afrikahaus - Einer der gusseisernen Elefanten von Carl Börner

Hamburg (Altstadt) – Afrikahaus – Einer der gusseisernen Elefanten von Carl Börner

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Vom Zürich-Haus nebenan über die Domstraße auf die gerade gegenüberliegende Ecke geschaut, entdecken Sie direkt hinter dem Nikolaifleet an der Trostbrücke den Laeiszhof. Ein weiteres – Sie werden es ahnen – Kontorhaus, welches ich dringend von drinnen anzuschauen empfehle! Deshalb habe ich über dieses Gebäude im Blog bereits ein bisschen mehr berichtet. (siehe Link unten). Der Laeiszhof  ist eines der wenigen Gebäude, in denen sich sogar noch funktionierende Paternoster finden!
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Hamburg - Altstadt - Blick von der Domstraße Richtung Laeiszhof (eigenes Archivbild)

Hamburg – Altstadt – Blick von der Domstraße Richtung Laeiszhof (eigenes Archivbild)

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Was Sie natürlich auf dem Spaziergang schon die ganze Zeit gar nicht übersehen konnten, ist das Mahnmal St. Nikolai.
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Hamburg - Altstadt - Mahnmal St. Nikolai - Blick von der Neustadt aus nach Osten

Hamburg – Altstadt – Mahnmal St. Nikolai – Blick von der Neustadt aus nach Osten

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Hier einmal die Ansicht, die sich Ihnen bietet, wenn Sie nicht vom Meßberg, sondern von der anderen Seite, aus der Neustadt kommend, auf die Kirchenruine zulaufen. Hinten rechts können Sie in dem Fall die Hauptkirche St. Katharinen erkennen.

Von der eigentlichen Kirche St. Nikolai, 1874 nach einem neugotischen Entwurf fertiggestellt, blieb nach dem Zweiten Weltkrieg nicht viel übrig. Ein Großteil bereits im Bombenhagel 1943 zerstört, ein weiterer Teil 1951 im Nachhinein abgerissen, doch der Turm und ein Teil der südlichen Außenmauer sowie die Wände des Chors blieben erhalten. Heute ist es keine (wiederhergestellte) Kirche mit Gottesdiensten, sondern eine Ruine, die zur Gedenkstätte mit Museum und Dokumentationszentrum wurde. Dieser neu geschaffene Ort soll an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft der Jahre 1933-1945 erinnern.
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Hamburg - Altstadt - Mahnmal St. Nikolai - Die Mauerreste ...

Hamburg – Altstadt – Mahnmal St. Nikolai – Die Mauerreste …

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Hamburg - Altstadt - Mahnmal St. Nikolai (Torbogen im Außenbereich)

Hamburg – Altstadt – Mahnmal St. Nikolai

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Wenn Sie einmal das Mahnmal besuchen, gehen Sie auch dorthin, wo einst das Kirchenschiff war und hören Sie zu, wenn das Carillon erklingt. Heute ist an dieser Stelle nur ein offener Hof, aber das Glockenspiel ist trotz Straßenlärm von nebenan nicht zu überhören. Das Carillon ist ein Instrument mit 51 Glocken. Wenn Sie die Gewichte aller Glocken (von klein wie Saftglas bis groß wie Riesenkübel) zusammenzählen, kommen Sie auf immerhin 13 Tonnen Metall!
Von diesen unterschiedlich großen, tönenden Kelchen führen Seilzüge zu einem Glashäuschen im Turm, das Sie erreichen, sobald Sie ungefähr 50 Stufen erklommen haben. In diesem Häuschen steht ein Spielpult mit Holztasten. Tasten und Glocken sind über die Seilzüge miteinander verbunden. Sobald oben ein Kundiger auf die Tasten schlägt (schon mit Kraft!), erklingt die entsprechende Melodie im Hof.
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Hamburg - Altstadt - Mahnmal St. Nikolai - Carillon (Glockenspiel am Turm mit Glashaus und Spielpult)

Hamburg – Altstadt – Mahnmal St. Nikolai – Carillon

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Der Turm von St. Nikolai misst stolze 147,3 Meter. Mit dieser beachtlichen Höhe war er im 19. Jahrhundert sogar zeitweise das weltweit höchste Bauwerk! Der Michel in Hamburg ist dagegen „nur“ 132 m hoch, die Hauptkirche St. Petri an der Mönckebergstraße kommt auf das gleiche Maß.
In der Turmruine von St. Nikolai können Sie bis zu einer Höhe von 76 m hinauf. Mit einem gläsernen Fahrstuhl, den es seit 2005 gibt und der sie zu einer Aussichtsplattform bringt. Ein Ausblick von dort lohnt sich!

Wir hatten hier während der letzten drei, vier Jahre ein komplett eingerüstetes Mahnmal, denn 2011 kam ein ziemlich großer Steinbrocken (10 kg Gewicht!) vom Turm heruntergerauscht und fiel auf die Willy-Brandt-Straße. Gutachter sahen das als mehr als kritisch an und empfahlen, am Turm dringend etwas zu tun.
Eine grundlegende Sanierung stand an. Immerhin mussten um die dreitausend Steinblöcke in den unter-
schiedlichsten Höhen ausgetauscht werden, dazu das Mauerwerk neu verfugt werden. Dafür werden Fachleute benötigt – und man kommt nicht so mir nichts dir nichts an alles heran! Was wiederum bedeutet, neben der eigentlichen Sanierungsarbeit, ist allein schon der Gerüstauf- und abbau bei einem Bauwerk dieser Größen-
ordnung eine enorm aufwendige und jeweils viele Monate in Anspruch nehmende Aktion.
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Hamburg - Altstadt - Mahnmal St. Nikolai komplett eingerüstet am 20. Januar 2016

Hamburg – Altstadt – Mahnmal St. Nikolai komplett eingerüstet am 20. Januar 2016

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So ging es 2014 los (wobei ich eigene Fotos wiederfand, die bereits im August 2012 Gerüstteile am Turm zeigen), 2015 und teilweise in 2016 konnten die Arbeiten in der oberen Hälfte ausgeführt werden, d. h. im Bereich zwischen der Aussichtsplattform (76 m) und der Turmspitze (147 m). Ab 2016 war die untere Hälfte an der Reihe.
Vor einigen Monaten startete der Abbau des Gerüsts, und gerade im Moment liegen die Arbeiten in den letzten Zügen. Ein Riesenprojekt nähert sich seinem Ende!
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Hamburg - Altstadt - Mahnmal St. Nikolai - Nov. 2017_Die Reste der Einrüstung ...

Hamburg – Altstadt – Mahnmal St. Nikolai – Nov. 2017_Die Reste der Einrüstung …

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Hamburg - Altstadt - Durchgang am Mahnmal St. Nikolai

Hamburg – Altstadt – Durchgang am Mahnmal St. Nikolai

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Vor zwei Jahren nutzte man den Vorteil des vorhandenen Gerüsts und illuminierte den Turm grün …
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Hamburg (Altstadt) - Mahnmal St Nikolai ganz in Grün - Dez. 2015 - Aktion Cities for Life - Städte für das Leben (Illumination Michael Batz)

Hamburg (Altstadt) – Mahnmal St Nikolai ganz in Grün – Dez. 2015 – Aktion Cities for Life – Städte für das Leben (Illumination Michael Batz)

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Herrschaftszeiten! Wir sind schon eine ganze Weile unterwegs … Was halten Sie davon, wenn wir unsere weiteren Erkundungen für eine nächste Etappe aufheben? Verschoben ist ja nicht aufgehoben.

Kleine Erfrischung zum Ende? Sogar in der zweiten Novemberhälfte sprühen die Wasserstrahlen noch munter vor dem Haus der „Hamburg Süd“.  In den nächsten Nächten muss mit Frost gerechnet werden, sicher ist es dann auch dort mit den Wasserspielen endgültig vorbei für dieses Jahr …
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Hamburg - Altstadt - Willy-Brandt-Straße - Vor dem Bürogebäude der _Hamburg Süd_

Hamburg – Altstadt – Willy-Brandt-Straße – („Hamburg Süd“)

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In nicht allzu ferner Zukunft könnte es hier jedoch weitergehen mit  z. B. St. Katharinen, der Deichstraße, einigen Punkten am Hafenrand
Seien Sie gern wieder mit von der Partie! Es würde mich freuen!
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Abschließend noch die im Text erwähnten Links zu vorangegangenen Blogposts.
Die Kontorhaus-Serie „Stilvolle Treppenhäuser und schöne Fassaden, eigenwilliges Interieur: Der Charme alter Kontorhäuser“ ist über nachstehende Links für Sie aufrufbar:

Eine kleine Einführung

Teil I: Entspannt ein bisschen mehr über das Wesen eines Kontorhauses …

Teil II: Laeiszhof samt Paternoster

Teil III: Hildebrand-Haus

Teil IV: Das Hübner-Haus

Teil V: Das Haus Pinçon

Den Beitrag über das Nikolaifleet und das Bierbrauen in früheren Zeiten finden Sie hierüber:
Bierbrauerei Gröninger – Die Sache mit dem Wasser aus dem Fleet und der Warnung an der Tür

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Bis zum nächsten Mal! Ich denke, sobald sich wieder einer dieser raren „Einsertage“ zeigt …

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© by Michèle Legrand, November 2017
Michèle Legrand

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