Hamburg: Kontraste! Wo Speicherstadt und Hafencity sich treffen …

Hätten Sie Lust auf einen Spaziergang im Hafenbereich? Mehr privates Herumstreifen mit persönlichen Eindrücken als einen strammen Gang der Stadtführer-hat’s-vorgeschlagen-wird-daher-jetzt-pflichtgemäß-besucht-abgehakt-und-eingetrichtert-Sorte.
Es geht um die historische Speicherstadt sowie die Hafencity und dort um das Gebiet, in dem alt und neu direkt aufeinandertreffen.
Mir war die zunächst geplante und sich später (bis heute) entwickelnde Hafencity in Hamburg lange Zeit nicht ganz geheuer. Vielleicht, weil ich immer ein bisschen in Sorge war, dass man Bestehendes nicht würdigen und die schöne, alte Speicherstadt dabei verhunzen würde.
Vielleicht schauen Sie heute selbst einmal, was Sie von der Entwicklung halten. Alt und neu. Seite an Seite.
Daumen hoch? Daumen runter? Unschlüssig?
Ich möchte Ihnen gar nicht seitenlang lexikaähnlich Details herunterbeten. Sie wissen selbst, wo Sie Informationen dieser Sorte finden können. Nur damit alle – und speziell die Nicht-Hamburger – etwas informiert sind, erzähle ich Ihnen während des Ansehens ein paar Stichworte zu beidem.

Auf der einen Seite existiert im Hamburger Hafen die altehrwürdige Speicherstadt
Besticht durch rote Backsteingotik aus der Gründerzeit, große und schön anzusehende Lagerhausbauten mit zahlreichen Türmchen sowie teilweise ungewöhnlich anmutenden Giebeln. Seltsam, jedoch dabei enorm reizvoll! Und sie besticht auch in ihren Ausmaßen, ihrem Aufbau, der Harmonie.

Hamburg - Speicherstadt - An den Giebeln oben jeweils deutlich zu erkennen die Vorrichtung, um Lasten an den Haken zu nehmen. Nur ist der Haken heute nicht mehr überall vorhanden.

Hamburg – Speicherstadt – An den Giebeln oben jeweils deutlich zu erkennen die Vorrichtung, um Lasten an den Haken zu nehmen. Nur ist der Haken heute nicht mehr überall vorhanden.

Hamburg - Speicherstadt -  Vielfalt  und Fantasie bei Giebeln, Türmchen und Fassade.

Hamburg – Speicherstadt – Vielfalt und Fantasie bei Giebeln, Türmchen und Fassade.

Der Bau startete 1883, noch bevor das Gebiet, in dem sie entstand, zum Freihafen erklärt wurde (1888).
Der ganze Komplex ist zwischen Deichtorhallen und Baumwall gelegen, die Häuser befinden sich direkt an den Fleeten, die das Gebiet durchziehen und welche – je nach Gezeitenstand (Flutung) – auch heute noch mit Barkassen befahren werden können. In diesen Zeiten werden jedoch fast ausschließlich Touristen befördert, früher hingegen wurden Waren hauptsächlich auf dem Wasserweg in einer Schute bis direkt an die betreffenden Speicher gebracht. Die Speicher waren (und sind) jedoch auf der anderen Hausseite ebenfalls über die Straße zu erreichen. Praktischerweise besaß das Lagerhaus daher nicht nur Luken zum Fleet hin, sondern auch zur rückwärtigen Straßenseite. So konnte ebenfalls per Fuhrwerk angeliefert werden.
Zu den höher gelegenen Lagerböden gelangten die Lieferungen mittels einer hydraulischen Windenmaschine (heute, wenn sie noch existiert, elektrisch betrieben), die die Waren außen am Speicher emporhievte.

Hamburg - Speicherstadt - Hier lässt sich noch der Haken erkennen, mit dem Waren zu den höher gelegenen Lagerböden gezogen wurden (mittels hydraulischer Windenmaschine)

Hamburg – Speicherstadt – Hier lässt sich noch der Haken erkennen, mit dem Waren zu den höher gelegenen Lagerböden gezogen wurden (mittels hydraulischer Windenmaschine)

Seit nunmehr 23 Jahren stehen die Gebäude der Speicherstadt unter Denkmalschutz. Sie werden auch in unseren Tagen als Lagerstätten und Firmensitze genutzt. Wie in Zeiten des Freihafens, der zum 01. Januar 2013 aufgelöst wurde, ist die Speicherstadt weiterhin einer der größten Handelsplätze für Teppiche. Gastronomie und Kreative fühlen sich ebenfalls wohl in diesem Areal. Manche jetzt ansässigen Kaufleute unterschiedlichster Branchen nehmen in ihrer Firmenbezeichnung das Wort „Speicher“ mit auf. Selbst das kleine Fleetschlösschen am Holländischbrookfleet, das u. a. Kaffeegetränke anbietet, bezeichnet sich auf einem Schild folgerichtig als „Koffeinspeicher“.

Hamburg - Speicherstadt - Am Sankt Annenfleet. Zwischen den Häusern im Hintergrund der Turm der Hauptkirche St. Katharinen

Hamburg – Speicherstadt – Am Sankt Annenfleet. Zwischen den Häusern im Hintergrund der Turm der Hauptkirche St. Katharinen

 Die Speicherstadt strahlt Ruhe aus, und ruhig und glatt ist auch meist die Wasseroberfläche der Fleete. So entstehen bei günstigen Lichtverhältnissen immer wieder sehr schöne Spiegelungen. Am Abend kommt die stimmungsvolle Beleuchtung von unzähligen Scheinwerfern hinzu, die die Fassaden der alten Speichergebäude illuminieren. Oder auch die Stahlbrücken mit ihren Verstrebungen!
Es verführt immer, eine der kleinen Fleetbrücken zu betreten und mit den Augen dem Verlauf des Kanals zu folgen. Die Symmetrie zu verfolgen, markante Gebäude in der Ferne auszumachen, kleinste Wellenbewegungen zu registrieren, Wasservögel zu entdecken.

Hamburg - Speicherstadt - Ein Blick von der Wandbereiter-Brücke in den Wandrahmsfleet ...

Hamburg – Speicherstadt – Ein Blick von der Wandbereiter-Brücke in den Wandrahmsfleet …

Hamburg - Speicherstadt - Ständige Besucher der Speicherstadt und der Fleete ... die Möwen.

Hamburg – Speicherstadt – Ständige Besucher der Speicherstadt und der Fleete … die Möwen.

Auswärtige Besucher – genauso wie die Hamburger selbst – steuern zudem sehr gern das Miniaturwunderland, das Hamburg Dungeon, das Spicy’s Gewürzmuseum, das Speicherstadt– und das Deutsche Zollmuseum oder aber auch Dialog im Dunkeln an, die alle ihren Sitz in diesem Viertel haben.
Wenn ich das Zollmuseum erspähe, sehe ich sofort meinen alten, leider vor zwei Jahren verstorbenen und von mir vermissten Stepptanzkollegen Edgar Bessen vor mir. In den 80er und 90er Jahren wurde in Hamburg für die ARD eine Serie produziert, die sich Schwarz Rot Gold nannte. Es ging um Wirtschaftskriminalität und spannende Fälle, die die Hamburger Zollfahndung löste. Edgar Bessen spielte darin den Teamkollegen Globig, der unter Chefzollfahnder Zaluskowski (Uwe Friedrichsen) arbeitete. Gedreht wurde im Zollamt Kornhausbrücke, in dem sich seit 1992 das Deutsche Zollmuseum, was Sie auf dem Foto erkennen können, befindet.

Hamburg - Speicherstadt - Das Deutsche Zollmuseum

Hamburg – Speicherstadt – Das Deutsche Zollmuseum

Heute, nachdem der Freihafen als zollfreies Gebiet innerhalb Hamburgs nicht mehr existiert, finden keine Kontrollen an den diversen Übergängen mehr statt, doch damals saßen hier Posten und beobachteten das Kommen und Gehen.

Hamburg - Speicherstadt - Eines des ehemaligen Zollposten-Häuschen an der Straße St. Annen.  Heute nur noch mit Puppen besetzt ...

Hamburg – Speicherstadt – Eines des ehemaligen Zollposten-Häuschen an der Straße St. Annen. Heute nur noch mit Puppen besetzt …

Hamburg - Speicherstadt - Blick in den Zollkanal Richtung Ericusspitze  und Deichtorhallen (rechts das neue Verlagsgebäude des SPIEGELS)

Hamburg – Speicherstadt – Blick in den Zollkanal Richtung Ericusspitze und Deichtorhallen (rechts das neue Verlagsgebäude des SPIEGELS)

Hamburg - Speicherstadt - Die Brooktorkai-Brücke und der Blick Richtung Osten ...

Hamburg – Speicherstadt – Die Brooktorkai-Brücke und der Blick Richtung Osten …

Und dann gibt es da noch die neue Hafencity
Sie ist seit Anfang dieses Jahrtausends (Spatenstich 2001) in der Entstehung. Von West nach Ost und von Nord nach Süd nahm und nimmt sie Gestalt an. Was Ihnen ohne weitere Hinweise aus dem Internet – einfach so als Spaziergänger – auffällt: Das Cruise Center (Kreuzfahrtterminal) steht. Schiffsliebhaber oder Kreuzfahrtinteressierte schauen hier gern vorbei. Das Unilever-Haus mit futuristisch anmutender Fassade ist ein Hingucker, unübersehbar auch der hohe Marco-Polo-Tower mit seinen Terrassen zu Füßen. Man hat eine U-Bahn-Linie (U4) als direkte Anbindung von der Innenstadt in die neue Hafencity bzw. umgekehrt geschaffen. Wichtig für Anwohner, Geschäftsleute, die neue Hafencity-Universität, die Hotels, die dort für Gäste aus aller Welt eröffnet haben, wichtig für die Entwicklung ganz allgemein!
Es gibt das Internationale Maritime Museum, für Besucher bereits seit 2008 zugänglich. Neu als Museum, jedoch eindeutig nicht in einem modernen Gebäude, sondern untergebracht im speziell für diesen Nutzungszweck umgestalteten ehemaligen Kaispeicher B. Vor Kurzem wurde endlich der Vorplatz fertig.

Hamburg - Hafencity - Das Internationale Maritime Museum am Brooktorhafen

Hamburg – Hafencity – Das Internationale Maritime Museum am Brooktorhafen

Und es entstanden in unterschiedlichen Bereichen (Quartieren) bereits unzählige sonstige Neubauten. Mehr als die Hälfte der geplanten Projekte in der Hafencity ist bereits fertiggestellt, doch überall sind weiterhin Baustellen und Baukräne zu sehen. Das Überseequartier wartet auf seine Vollendung, und die bekannteste Dauerbaustelle im Bereich der Hafencity dürfte die Elbphilharmonie sein.
Der Wohnungsbau nahm und nimmt weiterhin Formen an, die ersten Mieter zogen schon im Jahr 2006 ein. Die Nachfrage war rege, obwohl die Infrastruktur noch sehr zu wünschen übrig ließ. Auch heutzutage ist die Hafencity gefragt, die finanziellen Aufwendungen für Eigentum oder Mieten sind daher unverändert als auf der hohen Seite angesiedelt zu bezeichnen – wenn auch jetzt gerade festgestellt wurde, dass sich in dieser Hinsicht im Vergleich zum Vorjahr etwas getan hat. Erwerbswillige können sich über einen Rückgang freuen. Der Quadratmeterpreis sank um 12,2 % („nur“ noch € 6.465,–/m², Quelle: Hamburger Abendblatt).

Hamburg - Hafencity - Häuserfront am Sandtorkai. In der Lücke sehen Sie auf die Straße (Grenze) und erkennen direkt dahinter ein Gebäude der Speicherstadt ....

Hamburg – Hafencity – Häuserfront am Sandtorkai. In der Lücke sehen Sie hindurch zur Straße („Grenze“) und erkennen direkt dahinter ein Gebäude der Speicherstadt ….

Hamburg - Hafencity - Man merkt schon, dass die Bewohner einen Bezug zum Wasser und der Schifffahrt haben. Ein Segelboot im Fenster ...

Hamburg – Hafencity – Man merkt schon, dass die Bewohner einen Bezug zum Wasser und der Schifffahrt haben. Ein Segelboot im Fenster …

Hier fallen viele Solitärformen auf, doch herrscht generell das Kantige vor, teilweise auch aneinandergereiht die Würfelform, in dem Fall jedoch in zahlreichen Material- und Ausgestaltungsvarianten, mit aufgebrochenen Fassaden oder leicht versetzten Geschossen. Am Wasser wird gern auf Stelzen gebaut, sodass Gebäudeteile auch frei weit Richtung Wasser hinausragen können.
Sie werden vergeblich nach rotem Backstein suchen, an seine Stelle tritt viel Glas, Metall, Beton und Stein, teilweise sehr gekonnt kombiniert. Dazwischen heben sich immer wieder einzelne Bauwerke von der üblichen, sie umgebenden Bauform ab. Größenmäßig und hinsichtlich ihres Stils. In der Hafencity unterwegs, helfen diese markanten Gebäude einem Besucher als Orientierungspunkte sehr.

Hamburg - Hafencity - Am Sandtorpark (Großer Grasbrook) gegenüber den Magellan-Terrassen ...

Hamburg – Hafencity – Am Sandtorpark (Großer Grasbrook) gegenüber den Magellan-Terrassen …

Hamburg - Hafencity in der Nähe des Überseeboulevards. Am Sandtorpark/Ecke Tokiostraße entsteht ein neues Gebäude (Sumatrakontor). Auch die Stadtrundfahrt führt bereits durch die Hafencity ...

Hamburg – Hafencity in der Nähe des Überseeboulevards. Am Sandtorpark/Ecke Tokiostraße entsteht ein neues Gebäude (Sumatrakontor). Auch die Stadtrundfahrt führt bereits durch die Hafencity …

Hamburg - Hafencity - An den Magellan-Terrassen.  In der Mitte der Elbphilharmonie-Pavillon mit Informationen zum Bau  derselben ...

Hamburg – Hafencity – An den Magellan-Terrassen. In der Mitte der Elbphilharmonie-Pavillon mit Informationen zum Bau derselben …

In der Hafencity erleben Sie allerdings – von der Speicherstadt eintreffend – eine komplett andere Atmosphäre. Sie ist geschäftiger, aber auch kühler. Die gewählten Farben, die riesigen Glasverkleidungen, die Wucht eines Würfels – all das verursacht ein Gefühl von Distanziertheit. Coole Architektur, aber cool im doppelten Sinn. Faszinierend und doch nicht immer automatisch anziehend. Gelegentlich verlockend von Weitem, doch aus der Nähe beinahe erschlagend.
Was jedoch positiv auffällt, ist eine gewisse Großzügigkeit und Weitläufigkeit in der Gesamtanlage. Große Steinterrassen zum Verweilen, schöne Sichtachsen, breit angelegte, geschwungene Holzstege als Anleger direkt im Sandtorhafen, wo sich gleichzeitig der Traditionsschiffhafen befindet.
Der Ausblick aus den vielen Fenstern rechts und links direkt auf den Fleet und hinüber zur Elbe muss wirklich schön sein …

Hamburg - Hafencity - Sandtorhafen (Tradionsschiffhafen) - links Kaiserkai, rechts Sandtorkai

Hamburg – Hafencity – Sandtorhafen (Tradionsschiffhafen) – links Kaiserkai, rechts Sandtorkai

Als man die ersten Pläne für den Bau einer Hafencity machte, hinüberschielte nach London, wo die Docklands inspirierten und ein Vorbild lieferten, war neben der Euphorie auch viel Skepsis zu spüren. Wie sollte das zusammenpassen mit der alten Speicherstadt? Würde man dort gar irgendetwas verändern, abreißen oder Hypermodernes zwischen Altes setzen?
So etwas war zum Glück gar nicht möglich. Sie erinnern sich? Der Denkmalschutz

Was mich bei Spaziergängen in dieser Gegend, diesem neuen Stadtteil,  heute fasziniert, ist der Kontrast, der entstand.
An den Straßen Am Sandtorkai und Brooktorkai ist dies besonders stark spürbar. Dort verläuft die unsichtbare Grenze zwischen der alten Speicherstadt und dem neuen Hafencity-Areal. Auf der einen Seite das Altehrwürdige vom Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts. Direkt gegenüber nun die Neukonstruktionen des 21. Jahrhunderts. Nur eine Straßenbreite zwischen ihnen und doch scheint sie Welten zu trennen.
Ich stelle mir manchmal vor, wie es wäre, sich mitten auf die Straße zu stellen, die Arme auszubreiten und sich mit der einen Körperhälfte inkl. seiner Sinnesorgane im Früher und mit der anderen im Heute zu befinden. Ein Ohr hörte die Geräusche aus alten Zeiten, das andere die aktuellen. Das eine Auge blickte um 100 bis 130 Jahre zurück, das andere schaute in die Moderne …
Hier (auf der alten Seite) Pferdefuhrwerke, Äpfel auf der Straße, die knarrenden Laute eines Leiterwagens, der um die Ecke biegt – dort das Surren eines modernen SUV, ein parkender Sprinter, ein Lastwagen mit Hebebühne.
Die Straße! Hier altes Pflaster – dort moderner Asphalt.
Hier jemand, der hinter einer kleinen, leicht milchigen Scheibe auf einem Holzstuhl sitzt und angestrengt auf die Tastatur einer der gerade wenige Jahre zuvor erst erfundenen Schreibmaschinen einhämmert – dort in dem Würfelbau hinter einer großen Glasfront ein Neuzeitler, der mit dem Finger über das Display seines Smartphones wischt und Mails verschickt …
Hier Lodenstoff bei schlechtem Wetter, der Herr mit steifem Kragen, der Buchhalter mit Ärmelschonern, die Farben der Kleidung stets zurückhaltend. Die Dame mit Hut, ihr langes Kleid rüschenbesetzt, das Korsett ist immer noch angesagt. Im neuen Teil erspäht das Auge die Menschen bunt gekleidet, keinem bestimmten Stil folgend, statt Loden hält ein Hightech-Stoff die Haut trocken, die Materialien sind weich, der Kragen ist oben offen, kaum einer trägt noch Krawatte. Die Damen bevorzugen lange Hosen. Nur ihre Blusen haben auch heute wieder Rüschen …
Der für die hydraulische Windenmaschine zuständige Lagerhausmitarbeiter wickelt seine Stulle aus dem Pergamentpapier, der Controller der heutigen Generation öffnet die Plastikschachtel mit seinem Sushi to go.
Die Kontraste könnten nicht größer sein.

Hamburg -  Mehr aus Richtung Baumwall aus gesehen, nämlich von der Wilhelminenbrücke am Kehrwiederfleet ein Blick zur Kehrwiederspitze mit Hanseatic Trade Centre, dahinter die Elbphilharmonie.

Hamburg – Mehr aus Richtung Baumwall aus gesehen, nämlich von der Wilhelminenbrücke am Kehrwiederfleet ein Blick zur Kehrwiederspitze mit Hanseatic Trade Centre, dahinter die Elbphilharmonie.

Was sagen Sie?
Speicherstadt und Hafencity. Passt beides zusammen? Oder einzeln betrachtet: Was reizt mehr? Was ist „schöner“?
Schwer zu sagen, oder?

Ich weiß nur, dass mir eines in der Hafencity gewaltig fehlt. Bis zum heutigen Zeitpunkt jedenfalls. Mir fehlt das Grün. Bäume, Grünanlagen, Natürliches ganz generell.
Sie werden anmerken wollen: Aber das gab und gibt es doch in der alten Speicherstadt auch nicht! Stimmt, doch dort wohnten die Menschen auch nicht mit ihren Familien. Es war ein Arbeitsbereich, der nicht unbedingt gleichzeitig Erholungs- und Entspannungswert haben musste. Und doch hatte er es in gewisser Weise, denn der Baustil selbst strahlte eine gewisse Ruhe aus. Die warmen Farben des Mauerwerks, die Wiederholung der Formen, Sprossenfenster, farbig abgesetzte Türen und Luken an vielen Gebäuden etc. unterstützten diesen Effekt.

Es gibt in der Hafencity innerhalb bestimmter Wohnquartiere mittlerweile als „Parks“ bezeichnete Grünflächen (bisher zwei, soviel ich weiß), doch das sind keine Parks in meinen Augen. Wenn ich es ein wenig böse formulieren dürfte, dann würde ich sagen, das ist ein bisschen Pseudogrün, damit man auch diesen Punkt von der Liste abhaken kann.

Hamburg - Hafencity mit Blick Richtung Sandtorhafen und Magellan-Terrassen. Hinten links die Elbphilharmonie, vorne rechts einer der sog.  "Parks".  Und ein Stadtrundfahrtbus nach dem anderen ...

Hamburg – Hafencity mit Blick Richtung Sandtorhafen und Magellan-Terrassen. Hinten links die Elbphilharmonie, vorne rechts einer der sog. „Parks“. Und ein Stadtrundfahrtbus nach dem anderen …

Doch weiter.
Die Hafencity ist hell, was ihr steht und daher positiv auffällt. Sie ist gestylt und genau dadurch wirkt sie an einigen Stellen hochinteressant, zieht den Blick auf sich, erscheint jedoch eigenartigerweise im allernächsten Moment ganz plötzlich künstlich. Unpersönlich. Das Wasser wiederum macht vieles wett, mildert allzu loderndes Baufieber und verhindert ein wenig das Untergehgefühl, das einen auf einmal beschleicht.
Wie bei vielen anderen Dingen, empfindet es jeder unterschiedlich. Für mich ist Arbeiten und Flanieren in der Hafencity sehr gut vorstellbar, Wohnen nicht.
Allerdings ist sie noch nicht fertig! Der Gesamteindruck ist nicht gegeben.
Wenn überall die Bindeglieder fehlen, Baulücken das Bild zerreißen, Bäume noch wachsen müssen, noch gar nicht alles bezogen und belebt ist, lässt sich kein wirkliches Urteil bilden.

Wissen Sie was?
Wenn es heute nicht möglich ist zu entscheiden, was schöner ist und ob alt und neu zueinander passen und überhaupt …, dann kommen wir halt in ein paar Monaten oder Jahren wieder hierher und schauen uns gemeinsam die Fortschritte an. Beurteilen dann!
Spätestens, wenn dieses enorme Stadtentwicklungsprojekt abgewickelt ist und alle zehn Quartiere des neuen Stadtteils stehen.
Halten Sie sich das bitte gleich in ihrem Terminkalender fest! Nicht, dass Sie später keine Zeit haben. Ich habe es rechtzeitig angekündigt!

Für heute entlasse ich Sie und wünsche Ihnen auch diesmal wieder ein recht entspanntes Wochenende.

©April 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand - ©Andreas Grav

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  1. #1 von kowkla123 am 11/04/2014 - 17:13

    danke für den tollen Bericht, waren vor vier Jahren da über das Wochenende in einem Hotel diereckt am Bahnhof, KLaus

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    • #2 von ladyfromhamburg am 12/04/2014 - 14:15

      Dann kennst du Hamburg ja ein wenig, Klaus. Mit Bahnhof meinst du jetzt sicherlich den Hamburger Hauptbahnhof. Hat es euch damals gefallen? Vielleicht ergibt es sich ja noch einmal, denn in Hamburg hat sich in den vier Jahren in einigen Ecken mächtig etwas getan (siehe Hafencity)- es gäbe also noch viel zu entdecken!

      LG Michèle

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  2. #3 von iostipps am 11/04/2014 - 21:21

    Lebhaft geschrieben. Danke.

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  3. #6 von marliesgierls am 12/04/2014 - 19:14

    Liebe Michèle, da hast du aber wieder fleißig was geleistet, toll. Ich lese ALLES von dir gerne. Ich mag das alt und neu gerne so, erwarte auch nicht, dass nun alles perfekt ist, aber es hat seinen Reiz und Spannung. Vor zwei

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  4. #7 von marliesgierls am 12/04/2014 - 19:17

    hilfe!!! es sollte weiter gehen, Vor zwei Jahren haben wir „Jedermann“ in der Speicherstadt gesehen, dass war wirklich eine tolle Kulisse. So gut wie du kenne ich mich nicht aus, aber jetzt natürlich besser, danke schön. lg Marlies

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    • #8 von ladyfromhamburg am 13/04/2014 - 19:36

      Nichts zu danken, Marlies, ich find’s schön, dass du es dir wieder gern angeschaut hast hier im Blog. Der „Jedermann“ ist auch sehr beliebt bei Einheimischen und Auswärtigen, sonst würde es nicht jedes Jahr wieder aufgeführt. Die Kulisse ist schon spannend (nicht nur die Gebäude selbst, sondern auch Licht/Schatten und der Klang!)
      Ich bin sehr neugierig, wie sich dort die Hafencity als unmittelbarerNachbar weiterentwickelt. Man erkennt wirklich von dem ehemaligen Bereich mit seiner Industrieansiedlung oder den alten Kaianlagen für den Stückgutumschlag nichts mehr. Heute ist es futuristisch und wirklich ein (exzellenter) Kontrast zu dem Alten. Getrennt nebeneinander gefällt es mir – ich bin aber sehr froh über den Denkmalschutz, der verhindert, dass ganz Modernes nun mitten in das Alte hineingebaut oder merkwürdig miteinander verbunden wird. Es wäre schade drum …

      Liebe Grüße
      Michèle

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  5. #9 von ernstblumenstein am 16/04/2014 - 12:59

    Du bist ein wahres Genie, liebe Michèle, meine Füsse schmerzen vom langen Spaziergang mit dir in der alten Speicherstadt und in der neuen Hafencity, aber ich habe wieder sehr viele und schöne bleibende Eindrücke von Hamburg dankbar mitgenommen. Wie immer sind deine Fotos sehr attraktiv, auch aussagekräftig und deine Kenntnisse über die alte Speicherstadt lassen sich genüsslich lesen!
    Ich finde Alt und Neu passt auch hier hervorragend zusammen. Es sind vielerlei Aspekte, die zwischen Alt und Neu wirken und bekanntlich ziehen sich Gegensätze auch an, weil sie sich ergänzen. Ich finde auch, dass die Zeit beim Betrachten der beiden Stadtteile sehr sehr lebendig wird.
    Ich war vor Jahren einmal 2 Tage in Hamburg und habe die Alstergegend und vor allem den Hafen auf einer 2stündigen Barkasse-Rundfahrt und einem Original-Seebären als Erzähler in bester Erinnerung. Ich liebe diese Stadt.
    Danke und frohe Ostern! Ernst

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    • #10 von ladyfromhamburg am 17/04/2014 - 20:34

      Vielleicht schaffst du es ja, Hamburg noch einen weiteren Besuch abzustatten, lieber Ernst. Es lohnt sich, und wenn du mit deiner umfangreichen Gartenumgestaltungs- und Wiederherrichtungsaktion durch bist, wäre es doch eine nette Belohnung für all die Ackerei. Ich würde dir/euch in Hamburg auch gern weitere sehenswerte Dinge zeigen!

      LG Michèle

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      • #11 von ernstblumenstein am 18/04/2014 - 08:28

        Tja, die Idee ist gut, ich möchte schon noch einmal Hamburg besuchen! Ich habe noch einige Fotos von einer Zugsreise 1989 von Basel über Hamburg (Nachtexpress/Schlafwagen) nach Malmö. Es sind imposante Fotos vom Hauptbahnhof HH dabei. Wir machten damals im südlichen Schonen fernab der Zivilisation Ferien! Diese Zugsreise wartet schon lange auf einen Reisebericht!!! Kommt Zeit, kommt Rat. Liebi Grüess Ernst

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  6. #12 von finbarsgift am 16/04/2014 - 17:39

    tolllllllllllll… da bekomme ich schon groooooooße Lust endlich mal HH anzugucken :)

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    • #13 von ladyfromhamburg am 17/04/2014 - 20:38

      Tja, Lu, auf geht’s. Was hält dich noch ab? Hamburg wartet! ^^

      Liebe Grüße und schöne Osterfeiertage!
      Michèle

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  7. #14 von Sartenada am 20/04/2014 - 07:21

    I love very much You photo report from Hamburg. There is so much new info to me. I checked my Excel worksheet in which I keep tracks of our trips abroad. We have made one day trips from Helsinki to Hamburg in 1990, 1991 and 1997. Once we participated in Tourist sightseeing and we were amazed how beautiful Hamburg was indeed. I do not remember if we passed in those areas You presented here, but I find them very interesting! This is understandable due to so many years.
    Happy continuation of Easter time.

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  8. #15 von Fred Lang am 04/09/2014 - 18:49

    Vielen Dank für diese gelungene Schilderung einer „Stadt in der Stadt“. Tolle Fotos!

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    • #16 von ladyfromhamburg am 04/09/2014 - 22:27

      Danke schön! Freut mich, wenn es dir zugesagt hat und auch die Fotos gefielen! Mir gefällt die Bezeichnung „Stadt in der Stadt“. Das trifft es ziemlich genau!

      LG Michèle

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