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Hamburg: Kontraste! Wo Speicherstadt und Hafencity sich treffen …

Hätten Sie Lust auf einen Spaziergang im Hafenbereich? Mehr privates Herumstreifen mit persönlichen Eindrücken als einen strammen Gang der Stadtführer-hat’s-vorgeschlagen-wird-daher-jetzt-pflichtgemäß-besucht-abgehakt-und-eingetrichtert-Sorte.
Es geht um die historische Speicherstadt sowie die Hafencity und dort um das Gebiet, in dem alt und neu direkt aufeinandertreffen.
Mir war die zunächst geplante und sich später (bis heute) entwickelnde Hafencity in Hamburg lange Zeit nicht ganz geheuer. Vielleicht, weil ich immer ein bisschen in Sorge war, dass man Bestehendes nicht würdigen und die schöne, alte Speicherstadt dabei verhunzen würde.
Vielleicht schauen Sie heute selbst einmal, was Sie von der Entwicklung halten. Alt und neu. Seite an Seite.
Daumen hoch? Daumen runter? Unschlüssig?
Ich möchte Ihnen gar nicht seitenlang lexikaähnlich Details herunterbeten. Sie wissen selbst, wo Sie Informationen dieser Sorte finden können. Nur damit alle – und speziell die Nicht-Hamburger – etwas informiert sind, erzähle ich Ihnen während des Ansehens ein paar Stichworte zu beidem.

Auf der einen Seite existiert im Hamburger Hafen die altehrwürdige Speicherstadt
Besticht durch rote Backsteingotik aus der Gründerzeit, große und schön anzusehende Lagerhausbauten mit zahlreichen Türmchen sowie teilweise ungewöhnlich anmutenden Giebeln. Seltsam, jedoch dabei enorm reizvoll! Und sie besticht auch in ihren Ausmaßen, ihrem Aufbau, der Harmonie.

Hamburg - Speicherstadt - An den Giebeln oben jeweils deutlich zu erkennen die Vorrichtung, um Lasten an den Haken zu nehmen. Nur ist der Haken heute nicht mehr überall vorhanden.

Hamburg – Speicherstadt – An den Giebeln oben jeweils deutlich zu erkennen die Vorrichtung, um Lasten an den Haken zu nehmen. Nur ist der Haken heute nicht mehr überall vorhanden.

Hamburg - Speicherstadt -  Vielfalt  und Fantasie bei Giebeln, Türmchen und Fassade.

Hamburg – Speicherstadt – Vielfalt und Fantasie bei Giebeln, Türmchen und Fassade.

Der Bau startete 1883, noch bevor das Gebiet, in dem sie entstand, zum Freihafen erklärt wurde (1888).
Der ganze Komplex ist zwischen Deichtorhallen und Baumwall gelegen, die Häuser befinden sich direkt an den Fleeten, die das Gebiet durchziehen und welche – je nach Gezeitenstand (Flutung) – auch heute noch mit Barkassen befahren werden können. In diesen Zeiten werden jedoch fast ausschließlich Touristen befördert, früher hingegen wurden Waren hauptsächlich auf dem Wasserweg in einer Schute bis direkt an die betreffenden Speicher gebracht. Die Speicher waren (und sind) jedoch auf der anderen Hausseite ebenfalls über die Straße zu erreichen. Praktischerweise besaß das Lagerhaus daher nicht nur Luken zum Fleet hin, sondern auch zur rückwärtigen Straßenseite. So konnte ebenfalls per Fuhrwerk angeliefert werden.
Zu den höher gelegenen Lagerböden gelangten die Lieferungen mittels einer hydraulischen Windenmaschine (heute, wenn sie noch existiert, elektrisch betrieben), die die Waren außen am Speicher emporhievte.

Hamburg - Speicherstadt - Hier lässt sich noch der Haken erkennen, mit dem Waren zu den höher gelegenen Lagerböden gezogen wurden (mittels hydraulischer Windenmaschine)

Hamburg – Speicherstadt – Hier lässt sich noch der Haken erkennen, mit dem Waren zu den höher gelegenen Lagerböden gezogen wurden (mittels hydraulischer Windenmaschine)

Seit nunmehr 23 Jahren stehen die Gebäude der Speicherstadt unter Denkmalschutz. Sie werden auch in unseren Tagen als Lagerstätten und Firmensitze genutzt. Wie in Zeiten des Freihafens, der zum 01. Januar 2013 aufgelöst wurde, ist die Speicherstadt weiterhin einer der größten Handelsplätze für Teppiche. Gastronomie und Kreative fühlen sich ebenfalls wohl in diesem Areal. Manche jetzt ansässigen Kaufleute unterschiedlichster Branchen nehmen in ihrer Firmenbezeichnung das Wort „Speicher“ mit auf. Selbst das kleine Fleetschlösschen am Holländischbrookfleet, das u. a. Kaffeegetränke anbietet, bezeichnet sich auf einem Schild folgerichtig als „Koffeinspeicher“.

Hamburg - Speicherstadt - Am Sankt Annenfleet. Zwischen den Häusern im Hintergrund der Turm der Hauptkirche St. Katharinen

Hamburg – Speicherstadt – Am Sankt Annenfleet. Zwischen den Häusern im Hintergrund der Turm der Hauptkirche St. Katharinen

 Die Speicherstadt strahlt Ruhe aus, und ruhig und glatt ist auch meist die Wasseroberfläche der Fleete. So entstehen bei günstigen Lichtverhältnissen immer wieder sehr schöne Spiegelungen. Am Abend kommt die stimmungsvolle Beleuchtung von unzähligen Scheinwerfern hinzu, die die Fassaden der alten Speichergebäude illuminieren. Oder auch die Stahlbrücken mit ihren Verstrebungen!
Es verführt immer, eine der kleinen Fleetbrücken zu betreten und mit den Augen dem Verlauf des Kanals zu folgen. Die Symmetrie zu verfolgen, markante Gebäude in der Ferne auszumachen, kleinste Wellenbewegungen zu registrieren, Wasservögel zu entdecken.

Hamburg - Speicherstadt - Ein Blick von der Wandbereiter-Brücke in den Wandrahmsfleet ...

Hamburg – Speicherstadt – Ein Blick von der Wandbereiter-Brücke in den Wandrahmsfleet …

Hamburg - Speicherstadt - Ständige Besucher der Speicherstadt und der Fleete ... die Möwen.

Hamburg – Speicherstadt – Ständige Besucher der Speicherstadt und der Fleete … die Möwen.

Auswärtige Besucher – genauso wie die Hamburger selbst – steuern zudem sehr gern das Miniaturwunderland, das Hamburg Dungeon, das Spicy’s Gewürzmuseum, das Speicherstadt– und das Deutsche Zollmuseum oder aber auch Dialog im Dunkeln an, die alle ihren Sitz in diesem Viertel haben.
Wenn ich das Zollmuseum erspähe, sehe ich sofort meinen alten, leider vor zwei Jahren verstorbenen und von mir vermissten Stepptanzkollegen Edgar Bessen vor mir. In den 80er und 90er Jahren wurde in Hamburg für die ARD eine Serie produziert, die sich Schwarz Rot Gold nannte. Es ging um Wirtschaftskriminalität und spannende Fälle, die die Hamburger Zollfahndung löste. Edgar Bessen spielte darin den Teamkollegen Globig, der unter Chefzollfahnder Zaluskowski (Uwe Friedrichsen) arbeitete. Gedreht wurde im Zollamt Kornhausbrücke, in dem sich seit 1992 das Deutsche Zollmuseum, was Sie auf dem Foto erkennen können, befindet.

Hamburg - Speicherstadt - Das Deutsche Zollmuseum

Hamburg – Speicherstadt – Das Deutsche Zollmuseum

Heute, nachdem der Freihafen als zollfreies Gebiet innerhalb Hamburgs nicht mehr existiert, finden keine Kontrollen an den diversen Übergängen mehr statt, doch damals saßen hier Posten und beobachteten das Kommen und Gehen.

Hamburg - Speicherstadt - Eines des ehemaligen Zollposten-Häuschen an der Straße St. Annen.  Heute nur noch mit Puppen besetzt ...

Hamburg – Speicherstadt – Eines des ehemaligen Zollposten-Häuschen an der Straße St. Annen. Heute nur noch mit Puppen besetzt …

Hamburg - Speicherstadt - Blick in den Zollkanal Richtung Ericusspitze  und Deichtorhallen (rechts das neue Verlagsgebäude des SPIEGELS)

Hamburg – Speicherstadt – Blick in den Zollkanal Richtung Ericusspitze und Deichtorhallen (rechts das neue Verlagsgebäude des SPIEGELS)

Hamburg - Speicherstadt - Die Brooktorkai-Brücke und der Blick Richtung Osten ...

Hamburg – Speicherstadt – Die Brooktorkai-Brücke und der Blick Richtung Osten …

Und dann gibt es da noch die neue Hafencity
Sie ist seit Anfang dieses Jahrtausends (Spatenstich 2001) in der Entstehung. Von West nach Ost und von Nord nach Süd nahm und nimmt sie Gestalt an. Was Ihnen ohne weitere Hinweise aus dem Internet – einfach so als Spaziergänger – auffällt: Das Cruise Center (Kreuzfahrtterminal) steht. Schiffsliebhaber oder Kreuzfahrtinteressierte schauen hier gern vorbei. Das Unilever-Haus mit futuristisch anmutender Fassade ist ein Hingucker, unübersehbar auch der hohe Marco-Polo-Tower mit seinen Terrassen zu Füßen. Man hat eine U-Bahn-Linie (U4) als direkte Anbindung von der Innenstadt in die neue Hafencity bzw. umgekehrt geschaffen. Wichtig für Anwohner, Geschäftsleute, die neue Hafencity-Universität, die Hotels, die dort für Gäste aus aller Welt eröffnet haben, wichtig für die Entwicklung ganz allgemein!
Es gibt das Internationale Maritime Museum, für Besucher bereits seit 2008 zugänglich. Neu als Museum, jedoch eindeutig nicht in einem modernen Gebäude, sondern untergebracht im speziell für diesen Nutzungszweck umgestalteten ehemaligen Kaispeicher B. Vor Kurzem wurde endlich der Vorplatz fertig.

Hamburg - Hafencity - Das Internationale Maritime Museum am Brooktorhafen

Hamburg – Hafencity – Das Internationale Maritime Museum am Brooktorhafen

Und es entstanden in unterschiedlichen Bereichen (Quartieren) bereits unzählige sonstige Neubauten. Mehr als die Hälfte der geplanten Projekte in der Hafencity ist bereits fertiggestellt, doch überall sind weiterhin Baustellen und Baukräne zu sehen. Das Überseequartier wartet auf seine Vollendung, und die bekannteste Dauerbaustelle im Bereich der Hafencity dürfte die Elbphilharmonie sein.
Der Wohnungsbau nahm und nimmt weiterhin Formen an, die ersten Mieter zogen schon im Jahr 2006 ein. Die Nachfrage war rege, obwohl die Infrastruktur noch sehr zu wünschen übrig ließ. Auch heutzutage ist die Hafencity gefragt, die finanziellen Aufwendungen für Eigentum oder Mieten sind daher unverändert als auf der hohen Seite angesiedelt zu bezeichnen – wenn auch jetzt gerade festgestellt wurde, dass sich in dieser Hinsicht im Vergleich zum Vorjahr etwas getan hat. Erwerbswillige können sich über einen Rückgang freuen. Der Quadratmeterpreis sank um 12,2 % („nur“ noch € 6.465,–/m², Quelle: Hamburger Abendblatt).

Hamburg - Hafencity - Häuserfront am Sandtorkai. In der Lücke sehen Sie auf die Straße (Grenze) und erkennen direkt dahinter ein Gebäude der Speicherstadt ....

Hamburg – Hafencity – Häuserfront am Sandtorkai. In der Lücke sehen Sie hindurch zur Straße („Grenze“) und erkennen direkt dahinter ein Gebäude der Speicherstadt ….

Hamburg - Hafencity - Man merkt schon, dass die Bewohner einen Bezug zum Wasser und der Schifffahrt haben. Ein Segelboot im Fenster ...

Hamburg – Hafencity – Man merkt schon, dass die Bewohner einen Bezug zum Wasser und der Schifffahrt haben. Ein Segelboot im Fenster …

Hier fallen viele Solitärformen auf, doch herrscht generell das Kantige vor, teilweise auch aneinandergereiht die Würfelform, in dem Fall jedoch in zahlreichen Material- und Ausgestaltungsvarianten, mit aufgebrochenen Fassaden oder leicht versetzten Geschossen. Am Wasser wird gern auf Stelzen gebaut, sodass Gebäudeteile auch frei weit Richtung Wasser hinausragen können.
Sie werden vergeblich nach rotem Backstein suchen, an seine Stelle tritt viel Glas, Metall, Beton und Stein, teilweise sehr gekonnt kombiniert. Dazwischen heben sich immer wieder einzelne Bauwerke von der üblichen, sie umgebenden Bauform ab. Größenmäßig und hinsichtlich ihres Stils. In der Hafencity unterwegs, helfen diese markanten Gebäude einem Besucher als Orientierungspunkte sehr.

Hamburg - Hafencity - Am Sandtorpark (Großer Grasbrook) gegenüber den Magellan-Terrassen ...

Hamburg – Hafencity – Am Sandtorpark (Großer Grasbrook) gegenüber den Magellan-Terrassen …

Hamburg - Hafencity in der Nähe des Überseeboulevards. Am Sandtorpark/Ecke Tokiostraße entsteht ein neues Gebäude (Sumatrakontor). Auch die Stadtrundfahrt führt bereits durch die Hafencity ...

Hamburg – Hafencity in der Nähe des Überseeboulevards. Am Sandtorpark/Ecke Tokiostraße entsteht ein neues Gebäude (Sumatrakontor). Auch die Stadtrundfahrt führt bereits durch die Hafencity …

Hamburg - Hafencity - An den Magellan-Terrassen.  In der Mitte der Elbphilharmonie-Pavillon mit Informationen zum Bau  derselben ...

Hamburg – Hafencity – An den Magellan-Terrassen. In der Mitte der Elbphilharmonie-Pavillon mit Informationen zum Bau derselben …

In der Hafencity erleben Sie allerdings – von der Speicherstadt eintreffend – eine komplett andere Atmosphäre. Sie ist geschäftiger, aber auch kühler. Die gewählten Farben, die riesigen Glasverkleidungen, die Wucht eines Würfels – all das verursacht ein Gefühl von Distanziertheit. Coole Architektur, aber cool im doppelten Sinn. Faszinierend und doch nicht immer automatisch anziehend. Gelegentlich verlockend von Weitem, doch aus der Nähe beinahe erschlagend.
Was jedoch positiv auffällt, ist eine gewisse Großzügigkeit und Weitläufigkeit in der Gesamtanlage. Große Steinterrassen zum Verweilen, schöne Sichtachsen, breit angelegte, geschwungene Holzstege als Anleger direkt im Sandtorhafen, wo sich gleichzeitig der Traditionsschiffhafen befindet.
Der Ausblick aus den vielen Fenstern rechts und links direkt auf den Fleet und hinüber zur Elbe muss wirklich schön sein …

Hamburg - Hafencity - Sandtorhafen (Tradionsschiffhafen) - links Kaiserkai, rechts Sandtorkai

Hamburg – Hafencity – Sandtorhafen (Tradionsschiffhafen) – links Kaiserkai, rechts Sandtorkai

Als man die ersten Pläne für den Bau einer Hafencity machte, hinüberschielte nach London, wo die Docklands inspirierten und ein Vorbild lieferten, war neben der Euphorie auch viel Skepsis zu spüren. Wie sollte das zusammenpassen mit der alten Speicherstadt? Würde man dort gar irgendetwas verändern, abreißen oder Hypermodernes zwischen Altes setzen?
So etwas war zum Glück gar nicht möglich. Sie erinnern sich? Der Denkmalschutz

Was mich bei Spaziergängen in dieser Gegend, diesem neuen Stadtteil,  heute fasziniert, ist der Kontrast, der entstand.
An den Straßen Am Sandtorkai und Brooktorkai ist dies besonders stark spürbar. Dort verläuft die unsichtbare Grenze zwischen der alten Speicherstadt und dem neuen Hafencity-Areal. Auf der einen Seite das Altehrwürdige vom Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts. Direkt gegenüber nun die Neukonstruktionen des 21. Jahrhunderts. Nur eine Straßenbreite zwischen ihnen und doch scheint sie Welten zu trennen.
Ich stelle mir manchmal vor, wie es wäre, sich mitten auf die Straße zu stellen, die Arme auszubreiten und sich mit der einen Körperhälfte inkl. seiner Sinnesorgane im Früher und mit der anderen im Heute zu befinden. Ein Ohr hörte die Geräusche aus alten Zeiten, das andere die aktuellen. Das eine Auge blickte um 100 bis 130 Jahre zurück, das andere schaute in die Moderne …
Hier (auf der alten Seite) Pferdefuhrwerke, Äpfel auf der Straße, die knarrenden Laute eines Leiterwagens, der um die Ecke biegt – dort das Surren eines modernen SUV, ein parkender Sprinter, ein Lastwagen mit Hebebühne.
Die Straße! Hier altes Pflaster – dort moderner Asphalt.
Hier jemand, der hinter einer kleinen, leicht milchigen Scheibe auf einem Holzstuhl sitzt und angestrengt auf die Tastatur einer der gerade wenige Jahre zuvor erst erfundenen Schreibmaschinen einhämmert – dort in dem Würfelbau hinter einer großen Glasfront ein Neuzeitler, der mit dem Finger über das Display seines Smartphones wischt und Mails verschickt …
Hier Lodenstoff bei schlechtem Wetter, der Herr mit steifem Kragen, der Buchhalter mit Ärmelschonern, die Farben der Kleidung stets zurückhaltend. Die Dame mit Hut, ihr langes Kleid rüschenbesetzt, das Korsett ist immer noch angesagt. Im neuen Teil erspäht das Auge die Menschen bunt gekleidet, keinem bestimmten Stil folgend, statt Loden hält ein Hightech-Stoff die Haut trocken, die Materialien sind weich, der Kragen ist oben offen, kaum einer trägt noch Krawatte. Die Damen bevorzugen lange Hosen. Nur ihre Blusen haben auch heute wieder Rüschen …
Der für die hydraulische Windenmaschine zuständige Lagerhausmitarbeiter wickelt seine Stulle aus dem Pergamentpapier, der Controller der heutigen Generation öffnet die Plastikschachtel mit seinem Sushi to go.
Die Kontraste könnten nicht größer sein.

Hamburg -  Mehr aus Richtung Baumwall aus gesehen, nämlich von der Wilhelminenbrücke am Kehrwiederfleet ein Blick zur Kehrwiederspitze mit Hanseatic Trade Centre, dahinter die Elbphilharmonie.

Hamburg – Mehr aus Richtung Baumwall aus gesehen, nämlich von der Wilhelminenbrücke am Kehrwiederfleet ein Blick zur Kehrwiederspitze mit Hanseatic Trade Centre, dahinter die Elbphilharmonie.

Was sagen Sie?
Speicherstadt und Hafencity. Passt beides zusammen? Oder einzeln betrachtet: Was reizt mehr? Was ist „schöner“?
Schwer zu sagen, oder?

Ich weiß nur, dass mir eines in der Hafencity gewaltig fehlt. Bis zum heutigen Zeitpunkt jedenfalls. Mir fehlt das Grün. Bäume, Grünanlagen, Natürliches ganz generell.
Sie werden anmerken wollen: Aber das gab und gibt es doch in der alten Speicherstadt auch nicht! Stimmt, doch dort wohnten die Menschen auch nicht mit ihren Familien. Es war ein Arbeitsbereich, der nicht unbedingt gleichzeitig Erholungs- und Entspannungswert haben musste. Und doch hatte er es in gewisser Weise, denn der Baustil selbst strahlte eine gewisse Ruhe aus. Die warmen Farben des Mauerwerks, die Wiederholung der Formen, Sprossenfenster, farbig abgesetzte Türen und Luken an vielen Gebäuden etc. unterstützten diesen Effekt.

Es gibt in der Hafencity innerhalb bestimmter Wohnquartiere mittlerweile als „Parks“ bezeichnete Grünflächen (bisher zwei, soviel ich weiß), doch das sind keine Parks in meinen Augen. Wenn ich es ein wenig böse formulieren dürfte, dann würde ich sagen, das ist ein bisschen Pseudogrün, damit man auch diesen Punkt von der Liste abhaken kann.

Hamburg - Hafencity mit Blick Richtung Sandtorhafen und Magellan-Terrassen. Hinten links die Elbphilharmonie, vorne rechts einer der sog.  "Parks".  Und ein Stadtrundfahrtbus nach dem anderen ...

Hamburg – Hafencity mit Blick Richtung Sandtorhafen und Magellan-Terrassen. Hinten links die Elbphilharmonie, vorne rechts einer der sog. „Parks“. Und ein Stadtrundfahrtbus nach dem anderen …

Doch weiter.
Die Hafencity ist hell, was ihr steht und daher positiv auffällt. Sie ist gestylt und genau dadurch wirkt sie an einigen Stellen hochinteressant, zieht den Blick auf sich, erscheint jedoch eigenartigerweise im allernächsten Moment ganz plötzlich künstlich. Unpersönlich. Das Wasser wiederum macht vieles wett, mildert allzu loderndes Baufieber und verhindert ein wenig das Untergehgefühl, das einen auf einmal beschleicht.
Wie bei vielen anderen Dingen, empfindet es jeder unterschiedlich. Für mich ist Arbeiten und Flanieren in der Hafencity sehr gut vorstellbar, Wohnen nicht.
Allerdings ist sie noch nicht fertig! Der Gesamteindruck ist nicht gegeben.
Wenn überall die Bindeglieder fehlen, Baulücken das Bild zerreißen, Bäume noch wachsen müssen, noch gar nicht alles bezogen und belebt ist, lässt sich kein wirkliches Urteil bilden.

Wissen Sie was?
Wenn es heute nicht möglich ist zu entscheiden, was schöner ist und ob alt und neu zueinander passen und überhaupt …, dann kommen wir halt in ein paar Monaten oder Jahren wieder hierher und schauen uns gemeinsam die Fortschritte an. Beurteilen dann!
Spätestens, wenn dieses enorme Stadtentwicklungsprojekt abgewickelt ist und alle zehn Quartiere des neuen Stadtteils stehen.
Halten Sie sich das bitte gleich in ihrem Terminkalender fest! Nicht, dass Sie später keine Zeit haben. Ich habe es rechtzeitig angekündigt!

Für heute entlasse ich Sie und wünsche Ihnen auch diesmal wieder ein recht entspanntes Wochenende.

©April 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand - ©Andreas Grav

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Stilvolle Treppenhäuser, schöne Fassaden, eigenwilliges Interieur – der Charme Hamburger Kontorhäuser / Teil III – Das Hildebrand-Haus und das Geheimnis des Übersehens

Willkommen zurück!
Der dritte Teil der Blogserie über Hamburgs alte und auch neue Kontorhäuser hat auf sich warten lassen. Zu viele andere, aktuelle Themen quetschten sich respektlos dazwischen.

Anfangs hatte ich vor, Ihnen hier ein paar Zeilen Freiraum zu lassen. Für Ihren eigenen Text. Für Ihren Rüffel, dass es nicht weitergeht …
Na, das hat ja gedauert! Schön, dass ich das auch noch erlebe … und dergleichen.
Nur, geben Sie es ruhig zu:
Tief in Ihrem Innersten sind Sie doch gar nicht so pedantisch, oder?
Sind Sie nicht viel eher der charmante Schwamm-drüber-Typ? Der Ach-was-soll’s-Hauptsache-es-geht-jetzt-weiter-Blogstammgast?
Wusste ich es doch!

Ein klein wenig ausholen möchte ich auch heute, und Sie werden gleich verstehen, worauf ich hinaus will bzw. entdecken, dass auch dieser Aspekt zum Thema Kontorhäuser passt. Zur Tatsache, dass verhältnismäßig wenige Menschen sie kennen und wahrnehmen.
Stellen Sie sich bitte vor, ein Bekannter zeigt Ihnen ein Foto eines sehr schönen Gebäudes. Sie bewundern die Fassade, diese famose handwerkliche Kunst und fragen staunend:
Sag mal, wo steht denn dieses tolle Haus?
Daraufhin ernten Sie den recht fassungslosen Blick Ihres Freundes. Verwundert erzählt er Ihnen (z. B.) als Hamburger, es handle sich um ein Gebäude am Neuen Wall (City Hamburg) und Sie wären doch gerade heute daran vorbeigekommen!
Empörung macht sich in Ihnen breit!
Sie schwören Stein und Bein, dass Sie dieses Haus noch nie in ihrem Leben gesehen hätten.
Kann gar nicht sein! Neuer Wall! Also, das wüsste ich aber …!

Was denken Sie? Wie ist das möglich?
Wie lässt sich ein großes, imposantes Haus mit auffälliger Vorderfront derart übersehen?
Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, was häufig passiert, wenn Sie durch schmale Straßen spazieren, bebaut mit Häusern, in denen im Erdgeschoss Geschäfte angesiedelt sind? Die obendrein recht sorgfältig arrangierte, durchaus interessante, ansprechende Schaufensterauslagen zu präsentieren haben?
Sie verfallen dem Kaufrausch?
Nun ja, ich meinte eigentlich etwas anderes.
Es geschieht quasi dasselbe, was auch eintritt, wenn Sie bei Regen unter einem aufgespannten Schirm unterwegs sind.
Sie fluchen über das Mistwetter?
Nicht doch …!
Es ist ganz anders.
Achten Sie einmal darauf, beides behindert gleichermaßen ihren Blick nach oben. Tatsächlich ist es so, dass Sie selten höher als bis zur Oberkante des Erdgeschosses (= oberes Ende des Schaufensters) schauen und sich obendrein kaum Gedanken darüber machen, wie das Haus, an dem Sie just vorbeipromenierten, ansonsten aussieht. Sei es das äußere Erscheinungsbild oder die Frage, was wohl hinter der Eingangstür auf Sie wartet.

In Hamburgs Innenstadt haben wir genau diese Situation. Die Straßen im Westen der City sind vornehmlich ziemlich schmale Einbahnstraßen, eingesäumt von relativ hohen Bauwerken (im Verhältnis zur Breite der Straße). Es ist eine noble Einkaufsgegend mit teilweise sehr ausgefallenen Geschäften. Ebenso sehenswert sind die Auslagen.
Sie wandeln entlang, schauen hier, wechseln gelegentlich die Straßenseite, wenn ihr Auge meint, dort etwas Interessantes entdeckt zu haben. Ansonsten streben sie voran, denn schmale, lange, hoch eingerahmte Straßen lösen noch etwas aus.
Psychologen würden Ihnen vermutlich von einem gewissen Tunnelsyndrom in engen Gassen berichten. Wie in einem Tunnel, fühlen sich Menschen auch hier – oftmals völlig unbewusst – leicht unwohl. Irgendwie umzingelt, erdrückt.
Der Mensch schaut statt nach oben eher voraus, prüft, wann und wo sich das Licht am Ende zeigt. Er genießt – bis er dort ankommt – jede Ablenkung, die sich ihm bietet.
Man weiß, dass Autofahrer, die den Gotthard-Tunnel durchqueren, nervös das Radio lauter stellen, die Geschwindigkeit erhöhen, sich über den Fuchsschwanz an der Autoantenne des Vordermanns mokieren oder auch Notausgänge und eingelassene Wandbilder zählen.

Ihr Fußweg in einer Gasse ist im Prinzip gar nicht so viel anders. Auch Sie suchen wohltuende Zerstreuung, bis Sie am „befreienden“ Tunnelende eintreffen. Wenn wir es einmal ganz großzügig auslegen, dann ist Ihr gieriger Blick auf die Auslage lediglich reiner Selbstschutz …

Bauherren und ganz besonders natürlich Architekten, die damals Kontorhäuser in diesen sehr schmalen Straßen errichten wollten und dennoch mit einer gewissen Geschosshöhe liebäugelten, wussten darum und tricksten gern ein wenig, um genau dieses Tunnelgefühl zu vermeiden. Die oberen Geschosse vieler Bauten wurden häufig zurückversetzt gebaut. Die Fassade ist nicht durchgehend, sondern baut sich treppenförmig auf. Es verändert nicht nur die Optik, auf diese Art kann mehr Licht in schmale Gassen einfallen, und das Empfinden in einer Schlucht zu sein, ist weniger ausgeprägt.

Nachdem Sie nun die Umstände und auch Ihr mögliches Verhalten ein bisschen besser kennen, können wir zusammen vom Jungfernstieg in die Einbahnstraße „Neuer Wall“ einbiegen, um Ausschau nach einem Kontorhaus mit schöner Fassade und noch schönerem Foyer zu halten. Möchten Sie vorgehen …?
Halt! Sie sind schon dran vorbei!
Herrschaften! Was habe ich Ihnen gerade eben erzählt!?
(Hier denken Sie sich bitte den strengen Blick dazu)
Sie waren schon wieder mit den Augen nur in der Auslage, ließen sich vom geparkten Porsche ablenken und schauten mindestens dreimal, wo die Straße endet.
So wird das nichts!
Kommen Sie bitte zurück!

1__Hamburg - Kontorhäuser - Hildebrand-Haus - Neuer Wall 18, Giebel

Hamburg – Kontorhäuser – Der Giebel des Hildebrand-Hauses im Neuen Wall 18

Wir sind hier vor dem Haus Nr. 18, dem sogenannten Hildebrand-Haus. Mittlerweile immerhin 105 Jahre alt!

Es wurde 1907/08 von Frejtag & Wurzbach erbaut, seine sehenswerte und recht üppig gegliederte Fassade stammt von George Radel und Richard Jacobssen. Manchmal erscheint auch der Name Franz Jacobssen. Das Denkmalschutzamt spricht gar von Arne Jacobsen, mit einem „s“. Nageln Sie mich also bitte nicht fest.
Es hat mich ziemlich verblüfft, wie schwierig es offenbar sein muss, den richtigen Namen aus Dokumenten zu übernehmen. Ich stelle es mir fast wie das Spiel „Stille Post“ vor. Mit jedem, der dazwischen als Vermittler der Information auftritt, wird mehr verfälscht.

Hamburg - Kontorhäuser - Hildebrand-Haus - Fassade mit den typischen Senkrechtstützen

Hamburg – Kontorhäuser – Hildebrand-Haus – Fassade mit den typischen Senkrechtstützen

Hamburg - Kontorhäuser - Hildebrand-Haus - Teil der Fassade

Hamburg – Kontorhäuser – Hildebrand-Haus – Teil der Fassade

Die auffällige Sandsteinfassade mit Füllungen in Bronze ist im Art Nouveau Stil gehalten und heutzutage doch ziemlich beeinträchtigt oder nennen wir es optisch verändert durch die Leuchtwerbung und neue Schaufenstereinbauten.
Bis 1984 befand sich hier das Ladengeschäft der Firma „Feinkost Heimerdinger“, welche jedoch aufgrund der erheblichen Mieterhöhungen die Räume aufgeben musste.
Betrachtet man einmal Fotos aus verschiedenen Jahren, bemerkt man, dass auch die Ladenmieter und ein Teil der Bewohner des Hauses immer wieder wechseln.
Eine Zeitlang gab es im ersten Obergeschoss das Café Engelchen. Später irgendwann kam die elixée Beauty Lounge und im Erdgeschoss, links des Eingangs, befand sich ein Geschäft mit dem Namen MAC (nicht Apple – in dem Fall Kosmetik/Parfum), rechts vom Eingang ist seit langer Zeit der Optiker Campbell.
Im November 2010 bezog das Traditionshaus Brahmfeld & Gutruf,  Juweliere, dort seine neuen Räume und lenkt Sie erfolgreich durch seine Auslagen vom Wahrnehmen des Hauses und des Eingangs ab.
Allerdings nicht heute!
Heute sind wir hier, und wir werden Brillanten und Perlen komplett ignorieren und stattdessen jetzt einen Blick in den wirklich sehenswerten Eingangsbereich und in das Foyer selbst werfen.

Hamburg - Kontorhäuser - Hildebrand-Haus - Eingang Neuer Wall 18

Hamburg – Kontorhäuser – Hildebrand-Haus – Eingang Neuer Wall 18

Hamburg - Kontorhäuser - Das Hildebrand-Haus -  ... hinter der ersten Tür

Hamburg – Kontorhäuser – Das Hildebrand-Haus – … hinter der ersten Tür

Hildebrand-Haus- Aufwändige Verzierungen im Eingangsbereich zwischen der Außen- und der Innentür zum Foyer

Hildebrand-Haus- Aufwändige Verzierungen im Eingangsbereich zwischen der Außen- und der Innentür zum Foyer

Hamburg - Kontorhäuser - Das Hildebrand-Haus - Kacheln zieren den Deckenbogen

Hamburg – Kontorhäuser – Das Hildebrand-Haus – Kacheln zieren den Deckenbogen

Man hat liebevoll und aufwändig restauriert. Hier ist weitgehend der Originalzustand erhalten. Wir finden viele Materialien, Motive im Kleinmosaik, Marmorinkrustationen, einen Relieffries nach Bertel Thorvaldsen (-> dessen bekannter Alexanderfries den Triumphzug des mazedonischen Königs darstellt) und auch die Darstellung von Wikingerschiffen. Mir hat man erzählt, dass der Erbauer bzw. einer der Eigner des Hauses seinerzeit mit der Seefahrt zu tun hatte, viel herumkam und dass Griechenland ihn beeindruckt hatte. All dies beeinflusste die Auswahl der Motive im Foyer dieses Gebäudes.

Hamburg - Kontorhäuser - Hildebrand-Haus - Blick zum Aufgang ins Treppenhaus

Hamburg – Kontorhäuser – Hildebrand-Haus – Blick zum Aufgang ins Treppenhaus

Hamburg - Das Hildebrand-Haus - Eindrücke durch einen Griechenlandaufent gaben Anlass für diese Szenen im Foyer - Ein Relieffries zeigt Alexander den Großen

Hamburg – Das Hildebrand-Haus – Eindrücke durch einen Griechenlandaufenthalt gaben Anlass für diese Szenen im Foyer – Ein Relieffries zeigt Alexander den Großen

Hamburg - Kontorhäuser - Hildebrand-Haus - Der Lastenaufzug

Hamburg – Kontorhäuser – Hildebrand-Haus – Der Lastenaufzug

Hamburg - Kontorhäuser - Hildebrand-Haus - ... ein Blick an die Decke im Foyer. Der Relieffries, Marmorwände, eine Art Kassettenunterteilung in der Decke und nicht  zuletzt eine interessante Beleuchtung

Hamburg – Kontorhäuser – Hildebrand-Haus – … ein Blick an die Decke im Foyer. Der Relieffries, Marmorwände, eine Art Kassettenunterteilung in der Decke und nicht zuletzt eine interessante Beleuchtung

Hamburg - Kontorhäuser - Hildebrand-Haus - Im Foyer ein Wasserspender ...

Hamburg – Kontorhäuser – Hildebrand-Haus – Im Foyer ein Wasserspender …

Hamburg - Hildebrand-Haus - ... im Mosaik eingearbeitet: Seefahrtsmotive

Hamburg – Hildebrand-Haus – … im Mosaik eingearbeitet: Seefahrtsmotive

Ich muss Sie dazu einfach etwas fragen!
Wenn Sie herumkommen – nehmen wir eine Passquerung in den Alpen, Strandurlaub in der Karibik, Fernosttrip, Stadtbesuch in Hannover, Dudelsackfestival in Edinburg … – würden Sie dann auch gleich Ihr Haus oder Ihre Wohnung entsprechend gestalten?
Geröll ins Wohnzimmer stapeln, im Flur die Palmentapete kleben, Kiesel auf dem Balkon ausbreiten und Muster einharken, im Bad die Wasserkaskaden aus den Herrenhäuser Gärten nachstellen oder  Dudelsackpfeife und Kilt an die Schlafzimmerwand pinnen?
Nicht?
Schauen Sie, da scheint sich im Laufe der Zeit auch etwas geändert zu haben. Wir kommen einfach zu viel herum! Es hinterlässt nicht mehr DEN Eindruck. Weder bei uns noch bei anderen, denen möglicherweise mit der Nachbildung daheim imponiert werden sollte. Kein unmittelbares Bedürfnis, sich das Erlebte direkt zu Hause in einer Form zu konservieren. Eher steht eine erneute Reise an den Originalschauplatz zur Debatte.
Sehr vielen reicht es heutzutage aus, mit der Digicam auf das Motiv zu halten, um später bei einem Anflug von Sentimentalität und Rührung am Laptop das Foto aus der Toskana auf Maximalgröße zu zoomen und vielleicht noch ein Fläschchen Wein dazu aufzumachen … Morgen ist dann der Schnappschuss vom Eiffelturm dran.

Doch zurück zum Hildebrand-Haus.

Im Gegensatz zu den sehr großzügig geschnittenen, teilweise mehrflügeligen Bauten der Gebäude im Kontorviertel im Südosten der Stadt, sind die Häuser hier – platzbedingt – von geringeren Ausmaßen. Beim Renovieren und Restaurieren erfordert es daher immer ein sehr geschicktes Händchen, wenn es darum geht, neue Erfordernisse und Sicherheitsaspekte (-vorschriften) zu berücksichtigen.
Reichten in Zeiten der Erbauung das Treppenhaus und vielleicht der ein oder andere Lastenaufzug, ist ein Haus heutzutage ohne Personenlift kaum denkbar. Daher wurden die typischen Treppenhäuser fast überall umgestaltet und in den Lichtschacht in der Mitte kurzerhand ein Aufzug integriert. Um den Effekt zu vermeiden, dass dadurch alles verbaut und dunkel wirkt, behilft man sich sehr oft damit, einen gläsernen Lift zu wählen, der nicht alles andere erschlägt und sich mit dem vorhandenen Stil durchaus verträgt.
Etwas später in dieser Serie zeige ich Ihnen auch ein Fahrstuhl-Modell, was für seine optimale und unauffällige Anpassung an die Gegebenheiten einen Preis gewonnen hat.
Hier im Hildebrand-Haus wurde es so gelöst: Schmaler Glaslift, klare Linien, Messingelemente, die sich gut den Braun- und Beigetönen des Foyers anpassen und ebenfalls mit dem Marmor harmonieren sowie Wiederaufnahme des Bodenmusters auch im Fahrstuhl selbst.

Hamburg - Kontorhäuser - Fahrstuhlschacht nachträglich in das Treppenhaus integriert ...

Hamburg – Kontorhäuser – Fahrstuhlschacht nachträglich in das Treppenhaus integriert …

Hamburg-Kontorhäuser - Hildebrand-Haus - Moderner Personenaufzug, der nicht als das Bild störend empfunden wird.

Hamburg-Kontorhäuser – Hildebrand-Haus – Moderner Personenaufzug, der nicht als das Bild störend empfunden wird.

Ist der Blick beim Betreten des Hauses schnell eingenommen von den beeindruckenden Eingangstüren, dem Licht, dem Deckendekor und schwer beschäftigt mit dem Ausblick auf Kommendes im Foyer, so fällt  gelegentlich erst beim Hinausgehen auf, dass bereits dem Bereich vor der Eingangstür ebenso viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Auch hier enthalten Decke und Boden schöne Mosaikmuster.

Hamburg - Kontorhäuser - Hildebrand-Haus - Blick vom Foyer durch die Türen Richtung Neuer Wall

Hamburg – Kontorhäuser – Hildebrand-Haus – Blick vom Foyer durch die Türen Richtung Neuer Wall

Hamburg - Kontorhäuser - Hildebrand-Haus - Überall Sehenswertes, selbst vor der Eingangstür ...

Hamburg – Kontorhäuser – Hildebrand-Haus – Überall Sehenswertes, selbst vor der Eingangstür …

Hamburg - Kontorhäuser - Hildebrandhaus - ... wenn selbst der Fußabstreifer kunstvoll eingerahmt wird: Fußbodenmosaik im Eingangsbereich

Hamburg – Kontorhäuser – Hildebrandhaus – … wenn selbst der Fußabstreifer kunstvoll eingerahmt wird: Fußbodenmosaik im Eingangsbereich

So, wir sind wieder draußen angelangt.
Und? Wie gefällt Ihnen das Gebäude?
Genau. Kann man sich angucken.
Wie auch viele andere, die noch kommen. Teilweise ist es mehr die Fassade, teilweise wirklich das Treppenhaus mit schön gestalteten Geländern, manchmal der Eingangsbereich für sich, manchmal gibt es auch einen wunderbaren, weil unerwarteten und aus dieser Perspektive seltenen Ausblick aus dem oberen Stockwerk.
Das machen wir beim nächsten Mal!
Wir bleiben weiterhin in der Straße. Wir kreuzen wie ein Segler und schauen jeweils von der gegenüberliegenden Seite des Gehwegs auf die Fassaden.
Auf einmal sind dann diese Häuser da!
Die, von denen man geschworen hätte, dass es sie in dieser Straße noch nie gegeben hat …

Am Anfang stellten wir gemeinsam fest, dass Sie gar keine Pedanten sind. Sollten Sie dennoch bemängeln, dass der reine Nettoanteil zum Thema Hildebrand-Haus in diesem Bericht vielleicht 30 % beträgt, dann erwidere ich Ihnen durchaus charmant dieses:
Achten Sie einmal auf den Namen dieses Blogs.
Sie sind hier privat bei mir (Michèle). Sie schließen sich mir auf diesem Ausflug an. Ich nehme Sie mit. Das ist mein Angebot an Sie. Doch wenn Sie es annehmen, müssen Sie in diesem Fall auch mit meinen Gedanken(sprüngen) klarkommen (siehe Titel).
Dinge (und vor allem Menschen) auf dieser Welt stehen nie einzeln für sich alleine. Sie sind immer nur ein Teil des Ganzen.
Interessant werden sie erst, wenn man ihr Umfeld, das Drumherum erkundet. Den Zusammenhang sucht. Die Entwicklung verfolgt. Seine Gedanken schweifen lässt…
Sind dafür 70 % nicht geradezu lachhaft wenig …? ;)

Hinweis:
Wer die vorangegangenen Artikel verpasst hat, wird via nachstehende Links direkt fündig:
https://michelelegrand.wordpress.com/2012/08/17/demnachst-im-blog-hamburgs-kontorhauser-eine-kleine-einfuhrung-fur-sie/
https://michelelegrand.wordpress.com/2012/08/20/stilvolle-treppenhauser-schone-fassaden-eigenwilliges-interieur-der-charme-hamburger-kontorhauser-teil-i-darf-es-etwas-basiswissen-sein/
https://michelelegrand.wordpress.com/2012/08/25/stilvolle-treppenhauser-schone-fassaden-eigenwilliges-interieur-der-charme-hamburger-kontorhauser-teil-ii-der-laeiszhof-samt-paternoster-und-watt/

©Oktober 2012 by Michèle Legrand

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