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Zwischen Altstadt und Neustadt (1) – Ein neuer Streifzug durch Hamburg

Etwa 1:14. In Hamburg. Würde ich schätzen. Zwischendurch einmal, sehr großzügig ausgelegt, 1:8. Ich spreche vom Verhältnis grauer Tage mit verhangenem Himmel und Regen zu Tagen mit blauem Himmel und Sonnen-
schein. Die Eins steht dabei leider nicht für das Schietwetter, sondern für den mickrigen Schönwetteranteil.
Nicht schön. Was bei vielen Hamburgern in diesem Jahr vermutlich im umgekehrten Verhältnis 8:1 zutrifft, ist
der Regenschirmverschleiß.

Wie sieht es aus? Hätten Sie Lust, heute wieder mit auf Erkundung zu gehen? An einem der „Einsertage“ mit Sonne? Man muss sich das andere ja nicht unbedingt antun.
Mein heutiger Streifzug bewegt sich zwischen Alt- und Neustadt. In Hamburg grenzt beides aneinander, was sich logisch anhört, aber nicht zwangsläufig der Fall sein muss. Mir ist aufgefallen, dass vielen Besuchern und ebenso Einheimischen gar nicht klar ist, wo eigentlich was ist, bzw. wo welcher Bereich anfängt oder endet.
Eine Bemerkung wie: „Der große Brand im Mai 1842 brach damals in der Altstadt aus!“ oder „Ich war in der Neustadt zum Weihnachtsbummel“ löst daher gar nicht selten fragende Blicke aus und enthält offensichtlich keine hilfreiche Ortsinformation.

Wenn Sie Hamburg auf der Karte vor sich sehen, orientieren Sie sich an der Binnenalster, die ist gut zu finden. Östlich von diesem See befindet sich die Altstadt. Um die nördliche Grenze zu erahnen, peilen Sie rechts oberhalb der Binnenalster die Kunsthalle an, schweifen mit dem Blick weiter nach Westen über den Haupt-
bahnhof
hinaus bis zu den Deichtorhallen und bewegen sich von dort aus südlich Richtung Hafen und Elbe. Grobe Richtung Elbphilharmonie. Am Binnenhafen und noch östlich der U-Bahn-Station Baumwall ist Schluss.

Die Neustadt hingegen beginnt genau dort. Sie endet, Richtung Westen geschaut, jedoch bereits wieder kurz vor den Landungsbrücken, verläuft Richtung Norden etwa am Alten Elbpark vorbei, führt entlang der Park-
anlage Planten und Blomen
, dann östlich, weiter, bis Sie auf Lombards- und Kennedybrücke stoßen, die, direkt nebeneinander verlaufend, die Wasserverengung zwischen Binnen- und Außenalster überspannen und Ihnen als optische Grenzlinie prima dienen.

Rathaus, Mönkebergstraße, Kontorhausviertel mit Chilehaus, die Hauptkirchen St. Katharinen, St. Petri und
St. Jacobi, Nikolaifleet, das Mahnmal St. Nikolai, die Deichstraße, die berühmte Speicherstadt
etc., das alles
sind Teile der Altstadt, wohingegen Binnenalster, Alsterarkaden, Jungfernstieg, Alte Post, Gänsemarkt, Oper, Fleetinsel, Großneumark, viele Galerien oder bekannte (und teure) Einkaufsstraßen wie Neuer Wall oder Große Bleichen zur Neustadt zählen. Auch der Michel (Hauptkirche St. Michaelis) befindet sich auf Neustadtgebiet!

Die heutige Tour hält für Sie recht unterschiedliche Eindrücke parat. Lassen Sie uns in Höhe der U-Bahn-Station Meßberg starten, d. h. auf Altstadtterrain. Nicht auf Anhieb die schönste Stelle der Stadt, denn beim Auftauchen aus dem Untergrund, stehen Sie direkt an der mehrspurigen Willy-Brandt-Straße. Eine lärm-
intensive, da vielbefahrene Querverbindung, die früher daher den Namen Ost-West-Straße trug.
Ihnen begegnen dort und im Umkreis allerdings auf verhältnismäßig kurzer Strecke höchst unterschiedliche Bauwerke. Verlassen Sie zusätzlich die Hauptstraße und biegen in eine der Nebenstraßen, ändert sich die Szenerie noch einmal kolossal.
Sie sollten beim Erkunden in Hamburg ein bisschen von dem vielleicht gängigen Muster abweichen. Vergessen Sie Stadtplan, Smartphone mit Navi, unumstößliche Pläne und die reinen Touristenhighlights, die dann Punkt für Punkt angesteuert und abgehakt werden. Wer wenig Zeit hat und das allererste Mal in der Hansestadt ist, dem sei es so verziehen, doch spätestens beim zweiten Mal marschieren Sie ohne feste und enge Zeitvorgabe einfach los.
Vor dem sich Verlaufen muss man in Hamburg keine große Angst haben. Hier ragt immer irgendwo ein großer Kirchturm als Orientierungshilfe über die Dächer der Häuser (und für den äußersten Notfall haben Sie ja wahrscheinlich doch Ihre Technik dabei).
Wenn Sie darauf verzichten, immer nur Einzelziele wahrzunehmen und von der Liste abzuhaken und stattdessen die Wege mit genießen, dann geht es Ihnen vielleicht so wie mir: Das für mich Schönste habe ich immer dann entdeckt, wenn ich losspaziert bin und dort gehalten habe, wo mir etwas ins Auge stach oder ich – ausgelöst nicht nur durch optische Reize, sondern auch durch Geräusche und Gerüche – wie unter Zwang spontan ab-
biegen musste. Sie warten dann förmlich auf einen, die Kontraste auf kleinstem Raum, Unvermutetes und Verblüffendes hinter unauffälligen Türen oder Zeugnisse alter Zeiten.

Vom U-Bahn-Ausgang Meßberg geht es westwärts. Sobald Sie die Richtung Hafen abzweigende Straße Brands-
twiete
überquert haben, taucht auf der linken Seite (Willy-Brandt-Str. 47) die Privatbrauerei Gröninger auf. Sie erinnern sich? Eine historische Hamburger Brauerei mit einem seltsam anmutenden Spruch an der schweren Holzeingangstür, der noch Bezug zu längst vergangenen Tagen hat.
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Hamburg - Altstadt - Brauhaus und Braukeller Gröninger - Die Warnung an der Tür ...

Hamburg – Altstadt – Brauhaus und Braukeller Gröninger – Die Warnung an der Tür …

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Sie können es lesen? Ja? Früher wurde eben mittwochs für das Bierbrauen u. a. Wasser aus dem Nikolaifleet benötigt. Wenn Sie mehr erfahren möchten, am Ende dieses Artikels ist der entsprechende Link zu einem früheren Blogbeitrag (mit weiteren Fotos).
Das bei Gröninger selbstgebraute Bier können Sie bis heute (nun ohne Verwendung von Fleetwasser) im Braukeller in den alten Kellergewölben trinken und dabei rustikal auf alten Holzbänken Platz nehmen. Das Brauhaus (Speisenangebot) befindet sich darüber.

Apropos Nikolaifleet, bzw. Wasser und geschichtliche Sonderlichkeiten. Mir fällt in dem Zusammenhang gerade etwas ein. Ich habe am Freitagabend eine Folge der englischen Serie „Lewis“ gesehen. Sie spielt in Oxford, einer Stadt, die wie Hamburg viele schöne Ecken am Wasser hat. Sorgen hier Elbe, Alster und Bille dafür, so sind es in Oxford Themse und Cherwell.
Es ging u. a. um eine generell recht einfallsreiche Kunststudentin, die neben dem Studium Führungen für Touristen leitete und dabei in ihren Erläuterungen nicht so ganz bei der – in ihren Augen – etwas unspekta-
kulären (historischen) Wahrheit blieb. Um ihren Zuhörern mehr Spannung zu verschaffen, erdachte sie kurzerhand das ein oder andere ausgefallene, leicht haarsträubende oder pikante Detail. Ein Krokodil sollte
es angeblich in Oxfords Gewässern geben, und die Rede war von namentlich recht bekannten Personen der Geschichte, denen sie Aufenthalte und Aktivitäten in der Universitätsstadt andichtete, obwohl sicher nicht ein Einziger der Erwähnten jemals Oxford auch nur näherkam.
Solche Veräppelung würde ich mir mit Ihnen natürlich nicht erlauben. Nie! Spannung hin oder her.
Wussten Sie eigentlich, dass hier im Nikolaifleet 1953 ein Hai gesichtet wurde …?
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Hamburg - Altstadt - Nikolaifleet - Im Hintergrund Mahnmal St. Nikolai

Hamburg – Altstadt – Nikolaifleet – Im Hintergrund Mahnmal St. Nikolai

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Nur wenige Schritte weiter befindet sich das Asiahaus. Seine Vorderfront ist rein farblich betrachtet eher unauffällig. Dennoch ist die Sandsteinfassade im Jugendstildekor markant und bei näherer Betrachtung auch ungewöhnlich, denn sie hat zusätzlich einige Motive mit sehr asiatischem Anklang. Hier, im 1900 erbauten Gebäude, beschäftigte man sich früher mit dem Handel nach Fernost. Es gibt – weniger asiatisch – allerdings auch einen Reichsadler, der oben den Giebel ausfüllt …
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Hamburg (Altstadt) - Asiahaus - Sandsteinfassade mit fernöstlichen Motiven und dem Reichsadler ...

Hamburg (Altstadt) – Asiahaus – Sandsteinfassade mit fernöstlichen Motiven und dem Reichsadler …

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Das Asiahaus ist eines dieser einzeln stehenden Kontorhäuser außerhalb des bekannten Kontorhausviertels (mit dem markanten Chilehaus, dem Sprinkenhof etc.), die es sowohl in Alt- als auch Neustadt gibt. Diese ganz speziellen Gebäude entstanden um die Jahrhundertwende und bestechen bis heute besonders durch die oft prunkvolle Gestaltung ihrer Foyers und Treppenhäuser. (Am Ende des heutigen Beitrags finden die Interessierten unter Ihnen Links zu früheren Blogposts, die sich speziell mit dem Thema „Kontorhäuser“ befassten!)
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Hamburg (Altstadt) - Asiahaus - Eingangsverzierung mit Namenszug - Willy-Brandt-Straße 49

Hamburg (Altstadt) – Asiahaus – Eingangsverzierung mit Namenszug – Willy-Brandt-Straße 49

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Hamburg (Altstadt) - Asiahaus - Innenhof

Hamburg (Altstadt) – Asiahaus – Innenhof

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Auch im Asiahaus ist das Gebäudeinnere besonders sehenswert! Die Glaseinsätze der Türen haben zum Teil Sprossen, die Eingangshalle kann mit einem länglich-ovalen Oberlicht punkten. Die Treppenhauswände sind mit kleinformatigen, hellen, quadratischen Kacheln in den Tönen beige/creme dekorativ gefliest. Speziell im Foyer taucht hier und dort dunkel abgesetzt ein Dekor auf. Senkrechte Streifen, Einfassungen, einzelne, betonende dunkle Quadrate. Dazu Deckenschmuck, eine schöne Ausleuchtung, Treppen und Säulen aus poliertem Marmor mit Goldverzierungen im unteren Säulenbereich und natürlich das Treppengeländer! Ein sehr gefälliges Jugendstil-Treppengeländer, das sich durch sämtliche Geschosse zieht. Die weich geschwungenen Formen der Metallstreben mit ihren zusätzlich kunstvoll eingearbeiteten Elementen nehmen die hellen Töne des Marmors auf, der Holzhandlauf setzt sich hingegen in einem warmen Dunkelbraun ab.
Foyers und Treppenhäuser sollten etwas „hergeben“,  für etwaige Besucher des Handelsunternehmens einen Ort mit repräsentativem Charakter darstellen. Man wollte potentiellen Kunden oder einem wichtigen Lieferanten damit gleich demonstrieren, dass es der eigenen Firma wirtschaftlich gut ging.

Ich sprach vorhin von Kontrasten. Schauen Sie dazu einmal hinüber auf die andere Straßenseite. An der Ecke Willy-Brandt-Straße/Domstraße steht ein im Gegensatz dazu relativ neuer Bau, das Zürich-Haus, 1989-1992 erbaut und damit ganze 90 Jahre jünger. Es ist ebenfalls ein Kontorhaus, bei dem man bewusst Klinker in der Art und Farbe verwendet hat, die schon früher für die Bauten im Kontorhausviertel üblich waren. Nur da dieses Gebäude an – wie wir wissen – sehr befahrenen Straßen liegt, beschloss man, sich gegen Lärm und Staub ein bisschen mehr abzuschotten. Und zwar mit Glas, um nicht gleichzeitig auch das Licht auszusperren. Zwei große, gläserne Eingangshallen gibt es (Sie können die Kuppeln ganz gut oben auf dem Dach erkennen) und zu uns hinüber, Richtung Willy-Brandt-Straße, wurde vor die eigentliche Fassade noch eine konvex geschwungene Glasfront gesetzt.
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Hamburg (Altstadt) - Zürich-Haus - Domstraßenseite (Archivfoto)

Hamburg (Altstadt) – Zürich-Haus – Domstraßenseite (Archivfoto)

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Hamburg (Altstadt) - Zürich-Haus - Lichtdurchflutete Eingangshallen ...

Hamburg (Altstadt) – Zürich-Haus – Lichtdurchflutete Eingangshallen …

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Hamburg (Altstadt) - Zürich-Haus - Die eigentliche Fassade im Klinkerstil alter Kontorhäuser ....

Hamburg (Altstadt) – Zürich-Haus – Die eigentliche Fassade im Klinkerstil alter Kontorhäuser ….

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Hamburg (Altstadt) - Zürich-Haus - Domstraßenseite (Archivfoto)

Hamburg (Altstadt) – Zürich-Haus – Domstraßenseite (Archivfoto)

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An dieses moderne Haus grenzt wiederum auf der anderen Seite ein Kontorhaus aus dem Jahre 1899, das Afrikahaus. Einst für das Handelsunternehmen C. Woermann errichtet, welches die Woermann-Linie und die Deutsche Ost-Afrika-Linie betrieb. Das heißt, die Firma war intensiv im Geschäft mit einigen afrikanischen Ländern, was Einfluss auf den Baustil des Hauses und seine dekorativen Elemente hatte.
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Hamburg (Altstadt) - Afrikahaus (Woermann)

Hamburg (Altstadt) – Afrikahaus (Woermann)

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Das Afrikahaus steht bereits seit 1972 unter Denkmalschutz. Als man es 1999 sanierte, hat man aufgepasst, dass genau seine Stilmerkmale erhalten blieben. So sind bis heute die Gusseisen-Stützen vorhanden, es gibt die Kappendecken oder auch die Stiltüren ebenso wie das Wandmosaik mit den afrikanischen Motiven und die beiden Elefanten am Portal.
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Hamburg (Altstadt) - Afrikahaus - Eingang zum "Elefantenhaus" (Links und rechts der Eingangstür stehen zwei große gusseiserne Elefanten)

Hamburg (Altstadt) – Afrikahaus – Eingang zum „Elefantenhaus“

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Hamburg (Altstadt) - Afrikahaus - Bronzestatue eines afrikan. Wahehe-Kriegers

Hamburg (Altstadt) – Afrikahaus – Bronzestatue eines afrikanischen Wahehe-Kriegers

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Doch wurden andererseits – natürlich eingschränkt – auch Veränderungen zugelassen. So erfolgte eine moderne Rekonstruktion des im Krieg zerstörten östlichen Flügels und des „Elefantenhauses“. Inklusive Aufstockung. Die Flächen sind heute vermietet.
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Hamburg (Altstadt) - Afrikahaus - Einer der gusseisernen Elefanten von Carl Börner

Hamburg (Altstadt) – Afrikahaus – Einer der gusseisernen Elefanten von Carl Börner

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Vom Zürich-Haus nebenan über die Domstraße auf die gerade gegenüberliegende Ecke geschaut, entdecken Sie direkt hinter dem Nikolaifleet an der Trostbrücke den Laeiszhof. Ein weiteres – Sie werden es ahnen – Kontorhaus, welches ich dringend von drinnen anzuschauen empfehle! Deshalb habe ich über dieses Gebäude im Blog bereits ein bisschen mehr berichtet. (siehe Link unten). Der Laeiszhof  ist eines der wenigen Gebäude, in denen sich sogar noch funktionierende Paternoster finden!
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Hamburg - Altstadt - Blick von der Domstraße Richtung Laeiszhof (eigenes Archivbild)

Hamburg – Altstadt – Blick von der Domstraße Richtung Laeiszhof (eigenes Archivbild)

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Was Sie natürlich auf dem Spaziergang schon die ganze Zeit gar nicht übersehen konnten, ist das Mahnmal St. Nikolai.
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Hamburg - Altstadt - Mahnmal St. Nikolai - Blick von der Neustadt aus nach Osten

Hamburg – Altstadt – Mahnmal St. Nikolai – Blick von der Neustadt aus nach Osten

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Hier einmal die Ansicht, die sich Ihnen bietet, wenn Sie nicht vom Meßberg, sondern von der anderen Seite, aus der Neustadt kommend, auf die Kirchenruine zulaufen. Hinten rechts können Sie in dem Fall die Hauptkirche St. Katharinen erkennen.

Von der eigentlichen Kirche St. Nikolai, 1874 nach einem neugotischen Entwurf fertiggestellt, blieb nach dem Zweiten Weltkrieg nicht viel übrig. Ein Großteil bereits im Bombenhagel 1943 zerstört, ein weiterer Teil 1951 im Nachhinein abgerissen, doch der Turm und ein Teil der südlichen Außenmauer sowie die Wände des Chors blieben erhalten. Heute ist es keine (wiederhergestellte) Kirche mit Gottesdiensten, sondern eine Ruine, die zur Gedenkstätte mit Museum und Dokumentationszentrum wurde. Dieser neu geschaffene Ort soll an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft der Jahre 1933-1945 erinnern.
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Hamburg - Altstadt - Mahnmal St. Nikolai - Die Mauerreste ...

Hamburg – Altstadt – Mahnmal St. Nikolai – Die Mauerreste …

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Hamburg - Altstadt - Mahnmal St. Nikolai (Torbogen im Außenbereich)

Hamburg – Altstadt – Mahnmal St. Nikolai

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Wenn Sie einmal das Mahnmal besuchen, gehen Sie auch dorthin, wo einst das Kirchenschiff war und hören Sie zu, wenn das Carillon erklingt. Heute ist an dieser Stelle nur ein offener Hof, aber das Glockenspiel ist trotz Straßenlärm von nebenan nicht zu überhören. Das Carillon ist ein Instrument mit 51 Glocken. Wenn Sie die Gewichte aller Glocken (von klein wie Saftglas bis groß wie Riesenkübel) zusammenzählen, kommen Sie auf immerhin 13 Tonnen Metall!
Von diesen unterschiedlich großen, tönenden Kelchen führen Seilzüge zu einem Glashäuschen im Turm, das Sie erreichen, sobald Sie ungefähr 50 Stufen erklommen haben. In diesem Häuschen steht ein Spielpult mit Holztasten. Tasten und Glocken sind über die Seilzüge miteinander verbunden. Sobald oben ein Kundiger auf die Tasten schlägt (schon mit Kraft!), erklingt die entsprechende Melodie im Hof.
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Hamburg - Altstadt - Mahnmal St. Nikolai - Carillon (Glockenspiel am Turm mit Glashaus und Spielpult)

Hamburg – Altstadt – Mahnmal St. Nikolai – Carillon

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Der Turm von St. Nikolai misst stolze 147,3 Meter. Mit dieser beachtlichen Höhe war er im 19. Jahrhundert sogar zeitweise das weltweit höchste Bauwerk! Der Michel in Hamburg ist dagegen „nur“ 132 m hoch, die Hauptkirche St. Petri an der Mönckebergstraße kommt auf das gleiche Maß.
In der Turmruine von St. Nikolai können Sie bis zu einer Höhe von 76 m hinauf. Mit einem gläsernen Fahrstuhl, den es seit 2005 gibt und der sie zu einer Aussichtsplattform bringt. Ein Ausblick von dort lohnt sich!

Wir hatten hier während der letzten drei, vier Jahre ein komplett eingerüstetes Mahnmal, denn 2011 kam ein ziemlich großer Steinbrocken (10 kg Gewicht!) vom Turm heruntergerauscht und fiel auf die Willy-Brandt-Straße. Gutachter sahen das als mehr als kritisch an und empfahlen, am Turm dringend etwas zu tun.
Eine grundlegende Sanierung stand an. Immerhin mussten um die dreitausend Steinblöcke in den unter-
schiedlichsten Höhen ausgetauscht werden, dazu das Mauerwerk neu verfugt werden. Dafür werden Fachleute benötigt – und man kommt nicht so mir nichts dir nichts an alles heran! Was wiederum bedeutet, neben der eigentlichen Sanierungsarbeit, ist allein schon der Gerüstauf- und abbau bei einem Bauwerk dieser Größen-
ordnung eine enorm aufwendige und jeweils viele Monate in Anspruch nehmende Aktion.
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Hamburg - Altstadt - Mahnmal St. Nikolai komplett eingerüstet am 20. Januar 2016

Hamburg – Altstadt – Mahnmal St. Nikolai komplett eingerüstet am 20. Januar 2016

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So ging es 2014 los (wobei ich eigene Fotos wiederfand, die bereits im August 2012 Gerüstteile am Turm zeigen), 2015 und teilweise in 2016 konnten die Arbeiten in der oberen Hälfte ausgeführt werden, d. h. im Bereich zwischen der Aussichtsplattform (76 m) und der Turmspitze (147 m). Ab 2016 war die untere Hälfte an der Reihe.
Vor einigen Monaten startete der Abbau des Gerüsts, und gerade im Moment liegen die Arbeiten in den letzten Zügen. Ein Riesenprojekt nähert sich seinem Ende!
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Hamburg - Altstadt - Mahnmal St. Nikolai - Nov. 2017_Die Reste der Einrüstung ...

Hamburg – Altstadt – Mahnmal St. Nikolai – Nov. 2017_Die Reste der Einrüstung …

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Hamburg - Altstadt - Durchgang am Mahnmal St. Nikolai

Hamburg – Altstadt – Durchgang am Mahnmal St. Nikolai

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Vor zwei Jahren nutzte man den Vorteil des vorhandenen Gerüsts und illuminierte den Turm grün …
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Hamburg (Altstadt) - Mahnmal St Nikolai ganz in Grün - Dez. 2015 - Aktion Cities for Life - Städte für das Leben (Illumination Michael Batz)

Hamburg (Altstadt) – Mahnmal St Nikolai ganz in Grün – Dez. 2015 – Aktion Cities for Life – Städte für das Leben (Illumination Michael Batz)

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Herrschaftszeiten! Wir sind schon eine ganze Weile unterwegs … Was halten Sie davon, wenn wir unsere weiteren Erkundungen für eine nächste Etappe aufheben? Verschoben ist ja nicht aufgehoben.

Kleine Erfrischung zum Ende? Sogar in der zweiten Novemberhälfte sprühen die Wasserstrahlen noch munter vor dem Haus der „Hamburg Süd“.  In den nächsten Nächten muss mit Frost gerechnet werden, sicher ist es dann auch dort mit den Wasserspielen endgültig vorbei für dieses Jahr …
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Hamburg - Altstadt - Willy-Brandt-Straße - Vor dem Bürogebäude der _Hamburg Süd_

Hamburg – Altstadt – Willy-Brandt-Straße – („Hamburg Süd“)

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In nicht allzu ferner Zukunft könnte es hier jedoch weitergehen mit  z. B. St. Katharinen, der Deichstraße, einigen Punkten am Hafenrand
Seien Sie gern wieder mit von der Partie! Es würde mich freuen!
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Abschließend noch die im Text erwähnten Links zu vorangegangenen Blogposts.
Die Kontorhaus-Serie „Stilvolle Treppenhäuser und schöne Fassaden, eigenwilliges Interieur: Der Charme alter Kontorhäuser“ ist über nachstehende Links für Sie aufrufbar:

Eine kleine Einführung

Teil I: Entspannt ein bisschen mehr über das Wesen eines Kontorhauses …

Teil II: Laeiszhof samt Paternoster

Teil III: Hildebrand-Haus

Teil IV: Das Hübner-Haus

Teil V: Das Haus Pinçon

Den Beitrag über das Nikolaifleet und das Bierbrauen in früheren Zeiten finden Sie hierüber:
Bierbrauerei Gröninger – Die Sache mit dem Wasser aus dem Fleet und der Warnung an der Tür

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Bis zum nächsten Mal! Ich denke, sobald sich wieder einer dieser raren „Einsertage“ zeigt …

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© by Michèle Legrand, November 2017
Michèle Legrand

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51 Kommentare

Hamburg im Herbst / Vogelversammlung an der Kleinen Alster

Am Montagnachmittag war ich kurz in der City und erwischte dabei erfreulicherweise einen der sonnigsten Tage seit Langem. Samt unverschämt blauen Himmel und milden Temperaturen so um die 20 °C.
Scharen von Menschen waren unterwegs. Hamburger, die Gäste aus dem Umland, Touristen. Viele Besucher der Innenstadt zieht es bei Sonne automatisch ans Wasser. Wenigstens zwischendurch. An ein Fleet oder an die Binnenalster, die strategisch günstig liegt. Sie ist von allen Seiten im Nu erreichbar. Dann wird sie schlen-
dernd umrundet, oder man sitzt in Ufernähe und beobachtet das Treiben auf dem Wasser. Eisschleckend. Es entspannen sich die Gesichtszüge und gelegentlich umspielt unbeabsichtigt ein Lächeln die Lippen. Das macht der Sonnenschein. Er verbessert die Laune schlagartig.
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Hamburg - Binnenalster im Herbst - Der alte Dampfer St.Georg ... (Blick Richtung Neuer Jungfernstieg. Im Hintergrund der Fernsehturm.)

Hamburg – Binnenalster im Herbst – Der alte Dampfer St.Georg …

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Hamburg - Herbst an der Binnenalster - Der Anleger Jungfernstieg (mit einigen Ausflugsschiffen. Der Dampfer St. Georg legt gerade ab.)

Hamburg – Herbst an der Binnenalster – Der Anleger Jungfernstieg

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Es wäre auch schade, eine solche Gelegenheit im Oktober nicht zu nutzen. Man muss goldene Herbsttage feiern, wie sie fallen. Die Nase in die Sonne halten. Besonders, da bereits feststand, dass mit Auswirkungen
des Orkans (anfangs Hurrikans) „Ophelia“ noch fest zu rechnen war. Staub aus der nordafrikanischen Sahara bzw. Rußpartikel, entstanden bei portugiesischen Waldbränden, drangen bereits in den Norden und Nordwesten vor. Am nächsten Tag war dann tatsächlich zunächst nichts mehr mit blauem Himmel. Stattdessen blieb es über Stunden verhangen wie durch eine leichte, graue Gardine. Hinter diesem Vorhang zeigte sich allerdings am frühen Dienstagvormittag für ein Weilchen eine ungewöhnliche Lichtscheibe. Eine, die keine ganz klaren Ab-
grenzungen zu besitzen schien und die ein eher diffuses Licht abgab. Die Sonne, die einen erstaunlichen und äußerst seltenen Morgenfarbton, ein extravagantes Orangerot, präsentierte. Es sah faszinierend aus, wirkte zugleich aber fast irreal.
Mein einer Nachbar, dem ich beim Laubfegen begegnete, dachte daher auch zuerst an eines dieser als „Blutmonde“ bezeichneten Phänomene. Die Sonne kam für ihn gar nicht in Betracht.

Sie haben es sicher aus den Medien mitbekommen, es sind alles Auswirkungen der ungewöhnlichen Bestand-
teile in der Luft und der Atmosphäre gewesen. Diese Partikel (Saharasand, Ruß etc.) sorgten dafür, dass die Teile des Sonnenlichts, die kurzwellig und bläulich sind, gestreut wurden und das, was dann vermehrt fürs Auge erkennbar war, waren langwellige Lichtteile, die rötlich erscheinen.
Warum das Schauspiel gerade am Vormittag auftrat?
Je flacher die Sonne steht, desto ausgeprägter der Effekt, denn in dem Fall muss das Licht eine längere Strecke durch die Atmosphäre hinter sich bringen. Gegen Abend verhält es sich logischerweise ähnlich, nur Abendsonnen, die den Himmel in ein Orange oder Rot tauchen und selbst wie ein Feuerball scheinen, sind für uns ja nicht ganz so ungewöhnlich.
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Hamburg - Laubfärbung an der Binnenalster

Hamburg – Laubfärbung an der Binnenalster

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Der Herbst zeigt sich auch in der Innenstadt. Nur scheint in diesem Jahr ein Großteil des Laubs herabzurieseln, bevor die Herbstfärbung überhaupt richtig in die Gänge kommt. „Xavier“ riss wohl vorzeitig viel herunter, und offenbar waren die Nächte noch nicht kalt genug. Es ist, als bräuchten die Gehölze einen derartigen Impuls. Danach schienen bei mir im Garten die Ahornarten oder auch der Ginkgo biloba stets besonders Farbe zu entwickeln. Der Indian Summer fällt also – zumindest bei mir im Norden – etwas sparsamer aus als sonst.
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Hamburg - Binnenalster im Oktober - Noch fahren die Ausflugsschiffe ... (Einer der Fleetenkieker auf dem Weg zur Außenalster.)

Hamburg – Binnenalster im Oktober – Noch fahren die Ausflugsschiffe …

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Hamburg - Lombardsbrücke - Laubfärbung an der Binnenalster

Hamburg – Lombardsbrücke – Laubfärbung an der Binnenalster

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Das Nahrungsangebot in der freien Natur wird für die Wasservögel, die sich an Binnen- und Außenalster niedergelassen haben, allmählich knapper. Da die meisten von ihnen eingefleischte Hamburger sind und im Winter nicht in den Süden ziehen, sind sie jetzt besonders wild hinter den Futtergaben der Spaziergänger her. Erlaubt sind Fütterungen nicht, doch es gibt immer genügend Leute, die sich nicht daran halten. Wenn irgendwo einer mit der Tüte am Ufer knistert, ist das der Startschuss für Massenandrang in Ufernähe und Riesenversammlungen auf dem Wasser.

Das ist auf der Ballindammseite an der Binnenalster ….
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Hamburg - Binnenalster (Seite Ballindamm) - Schwäne und andere Wasservögel
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… genauso der Fall wie auf der Kleinen Alster, dem Wasserbereich direkt vor den Alsterarkaden, zwischen Reesendammbrücke und der Rathausschleuse.
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Hamburg - Kleine Alster - Gänse, Schwäne und Möwen

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Mit mir betrachteten zwei Touristen das Treiben, ein Ehepaar aus Graz, wie sich bald herausstellte.
„Oh, ist hier was los! So viele Schwäne!“, hatte sie gerufen und ihren Mann wild angestupst, weil er bisher hauptsächlich die Alsterarkaden im Blick hatte. „Hast du schon mal so viele auf einmal gesehen?“ Und in
meine Richtung schauend, fragte sie: „Sind Sie von hier? Ist das immer so?“
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Hamburg - Kleine Alster - Schwanentreffen ...

Hamburg – Kleine Alster – Schwanentreffen …

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„Ja, ich bin von hier“, beantwortete ich den ersten Teil ihrer Frage und verriet ihr, dass sich vor ihr längst noch nicht alle Schwäne versammelt hatten, die es an der Alster gibt.
„Es gibt NOCH mehr davon?“ Sie schaute ungläubig. „Und sind die ständig da?“

Offenbar hatte sie von unseren berühmten Alsterschwänen bisher noch gar nicht gehört. Bis nach Graz schien es sich nicht herumgesprochen zu haben, dass sie schon seit ewigen Zeiten Hamburgs lebende Wahrzeichen sind.
Ich klärte sie daraufhin ein wenig auf und da beide, auch ihr Mann, höchst interessiert reagierten und mehr erfahren wollten, gerieten wir ins Plaudern.

„Im letzten Jahr, d. h. in 2016, gab es ungefähr 120 Schwäne auf der Alster. Das weiß man relativ genau, weil unser Schwanenvater ein Auge auf sie und ihre Nester hat und sie außerdem jedes Jahr vor dem Winter mit seinem Team hier auf der Kleinen Alster zusammentreibt und einsammelt, um sie dann in offenen Booten zum Mühlenteich in Eppendorf zu verfrachten. Dort ist ihr Winterquartier. Ein Teil der Teichfläche wird eisfrei ge-
halten und dass sie nicht verhungern, ist auch sichergestellt. Wir müssen schließlich gut für sie sorgen, denn kennen Sie die Legende, die sich um unsere Alsterschwäne rankt?“
Ratloses Kopfschütteln.
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Hamburg - Kleine Alster - Versammlung von Schwänen, Gänsen, Möwen, Rallen und Enten
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„Es heißt, dass nur „solange stolze Schwäne auf der Alster ihre Runden ziehen“, Hamburg eine freie und wirtschaftlich erfolgreiche Hansestadt bleibt. Wer wollte riskieren, dass sich an diesem Zustand etwas ändert, nicht wahr. Daher wurden die weißen Höckerschwäne rund um die Alster schon vor Jahrhunderten zunächst vom Hamburger Rat unter besonderen Schutz gestellt und später im 17. Jahrhundert durch den Senat gesetzlich geschützt.“
Ich versuchte, eine halbwegs strenge Miene aufzusetzen.
„Sie dürfen sie also weder beleidigen, noch hetzen, verletzen oder gar abmurksen. Darauf steht Strafe!“

Das Touristenpaar, das nicht so wirkte, als würde es je eine Bedrohung für irgendeinen Wasservögel darstellen, schaute dennoch beeindruckt. Strafe. Oha.
„Dann sind die im Winter also überhaupt nicht hier? Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt, Johann“, stellte die Dame fest. „Und ab wann sind sie fort?“
„Meist verlassen sie die Alster in der zweiten Novemberhälfte und kommen Anfang März zurück. Nur im letzten Jahr herrschte in vielen Regionen und Ländern die Vogelgrippe bzw. die Geflügelpest. Es wurde auch für die Schwäne extrem riskant. Man hat sie daher ausnahmsweise bereits Anfang November eingesammelt, und sie leider dann im Frühjahr auch noch drei Wochen länger als üblich in einem extra mit Zeltplanen geschützten Bereich des Winterquartiers lassen müssen, weil weiterhin immer neue Fälle von Vogelgrippe auftauchten.“

„Ist das denn sehr schlimm für die gewesen, dass sie nicht rauskonnten?“ Der Österreicher klang besorgt.
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Hamburg - Kleine Alster - Wasservögel
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„Denen gefällt es ganz grundsätzlich sicher auf der weiträumigen Alster viel besser als auf beengtem Raum, aber was hinzukommt, ist, dass im März die Brutzeit startet und auch das Verhalten der Schwanenmänner sich ändert. Es wird aggressiver.
Eine Befürchtung oder Komplikation war, dass durch das verzögerte Freilassen erst sehr verspätet der Nestbau rund um die Alster beginnen konnte. Dieser Umstand wirkt sich leicht negativ auf die Gesamtzahl der dann noch entstehenden Nester, die Zahl der Gelege oder aber die Anzahl der Eier pro Gelege aus.“
„Hat man das mal geprüft? Sind es denn tatsächlich weniger junge Schwäne in diesem Jahr?“
„Ja. Wobei man nicht beschwören kann, dass es allein daran lag. Es spielen noch andere Gründe mit hinein. Ungünstige Witterung zum Beispiel. Nur während es sonst im Schnitt 30-35 Jungschwäne gewesen sind, schlüpften in diesem Frühjahr nur etwa 20 Küken.“

Wir beobachteten noch ein Weilchen, was sich dort vor der Ufermauer alles versammelte und um Futter bettelte. Die Möwen veranstalteten immer ein Mordsgeschrei und absolvierten wildeste Flugmanöver, um an Nachschub zu gelangen. Enten waren an diesem Tag erstaunlich zurückhaltend. Die Wildgänse watschelten
mit Vorliebe am Ufer auf und ab und pickten dort Heruntergefallenes auf. Die wendigen dunklen Rallen um-
kurvten rasant die Schwäne und versuchten, sie mit diesem Slalom auszutricksen. Es schien ein einstudiertes und bereits erfolgreich erprobtes Szenario.
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Hamburg - Kleine Alster - Kollege wollte schnell noch mit aufs Bild ... (Möwe im Vordergrund, Richtung Kamera fliegend)

Hamburg – Kleine Alster – Kollege wollte schnell noch mit aufs Bild …

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Das gefiederte Volk war gierig und fraß beachtliche Mengen! Diesen Eindruck hatte auch das Ehepaar aus Graz gewonnen.
„Ich habe kürzlich gelesen, dass Kondore manchmal so viel essen, dass sie danach nicht mehr abheben können. Zu schwer … Ob das den Schwänen oder Gänsen wohl auch passiert?“, überlegte ich. Mein Einwurf löste folgende Reaktion aus:
„Wissen’s, was mir da grad in den Sinn kommt?“, sprudelte es aus dem Munde des Grazers nur so heraus. Dann allerdings legte er eine kleine Kunstpause ein, bevor er sein Geheimnis lüftete. „Bernhard und Bianca!“
Nun war es an mir, kurz verdutzt dreinzuschauen.
„Dieser Trickfilm! Mit den Mäusedetektiven! Die wollten auf einem Albatros abheben, und der hatte auch ganz kolossale Startschwierigkeiten!“
Dunkel erinnerte ich mich an eine solche Szene und musste grinsen. Er hatte recht, der etwas korpulente Vogel hatte enorm zu kämpfen gehabt.

Von den großen Wasservögeln hier schien keiner Abflugpläne zu hegen, und so konnten sie sich alle unbesorgt weiter den Magen vollschlagen und eine kleine Winterspeckreserve anlegen.

Ich wäre gern noch länger geblieben, aber die Zeit war an dem Tag sehr knapp bemessen. So wie sie es auch jetzt wieder ist. Für heute verabschiede ich mich und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.
Bis zum nächsten Mal!

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PS:
Falls sie Gegend und/oder Thema reizen, möchte ich Sie noch auf zwei Blogposts aus früheren Jahren hinweisen, die sie über nachstehende Links erreichen können:
Bootsfahrt im November (2011)
Gefiederte Hamburger und Quiddjes / Die Scherben an der Rathausschleuse (Winter an der Alster, 2012)

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PPS
PSpPS

© by Michèle Legrand, Oktober 2017
Michèle Legrand

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Kolosskippen …

Ich war eben im T-Shirt draußen. Im Norden! Mitte Oktober! „Ophelia“ über dem Atlantik sorgt tatsächlich gerade  dafür, dass ungewöhnlich laue Mittelmeerluft selbst bis hinauf zu mir und weiter nach Schleswig-Holstein vordringt. Während der Hurrikan heranzieht, die Iren sorgenvoll besonders den Süden ihrer Insel im Auge be-
halten und das, was da näher rückt, speziell auch an der portugiesischen Küste Unruhe aufkommen lässt, genießen wir diesmal den vorteilhaften Nebeneffekt der frühlingshaften Temperaturen. Sogar die Sonne, die sich zuletzt reichlich rar gemacht hatte, lässt sich wieder sehen.

„Xavier“, vor etwa zehn Tagen, hat sich dafür ordentlich ausgetobt. Kurz, kräftig, krawallig. Seine Attacken erfolgten statt flächendeckend eher punktuell, nur dort richtig massiv. Er hat Schneisen geschlagen. Seine Windhosen vorgeführt. Orkanböen in Nullkommanichts aus dem Ärmel geschüttelt. Hossa! Hier bin ich! – Zack! Nein, hier! – Wende. Zwusssssch!
Sie habe es sicher mitbekommen, in Norddeutschland kam der Bahnverkehr komplett zum Erliegen. Obwohl der Sturm nicht mehr als zwei Stunden randalierte! Es ging – was außergewöhnlich und selten ist – aufgrund seiner Unberechenbarkeit die ernste Warnung heraus, sein Haus nicht zu verlassen.
Ich hoffe, es ist bei Ihnen glimpflich verlaufen. Alle unversehrt? Die Bäume noch an ihrem Platz?

Als ich am nächsten Tag durch mein Wohnviertel ging, sah es stellenweise wüst aus. Wären die Bäume schon laubfrei gewesen, hätte „Xavier“ wesentlich weniger Angriffsfläche gehabt. Die Folgen seines Wütens wären sicher geringer ausgefallen. So hat er jedoch einige alte, große Bäume mühelos flachgelegt. Was nicht Tief- oder vielleicht noch Herzwurzler war, hatte ganz schlechte Karten. Fichten, Douglasien, Birken, Grauerlen, Hainbuchen oder auch z. B. Apfelbäume wurden als Flachwurzler mühelos angehoben und entwurzelt. Wo-
anders brachen beachtliche Teile aus Baumkronenmitten heraus, was manchmal sogar die Spaltung eines Stammes nach sich zog.
Auf allen Straßen, sämtlichen Gehwegen und in Einfahrten lag Geäst. Dicht an dicht. Von klein bis mittelgroß, mit oder ohne Laub. Auf dem Boden Blättermassen. Teilweise kompakte Schichten, wo Nässe den zunächst losen Teppich verklebte. Viele Siele waren kurzzeitig verstopft, die entstandenen Pfützen auf den Straßen beachtlich.

Inzwischen wurde fast alles geräumt und entsorgt. Gerade die Deutsche Bahn hatte natürlich sofort Trupps losgeschickt, damit die Gleisstrecken wieder befahrbar wurden. Angesichts der vielen Streckenkilometer und diversen Einsatzorte eine nicht ganz einfache Sache. Irgendwann fehlen einem schlichtweg die Leute. Für die Straßen beschloss die Hamburger Stadtreinigung kurzerhand, zusätzlich zum Sturmeinsatz die jährlich fix geplante Herbstlaubentfernung terminlich eine Woche vorzuverlegen, um so der ganzen Sache schneller Herr zu werden.

Die Behörden warnen immer davor, direkt nach einem solchen Sturm Parks aufzusuchen oder in den Wald
zu gehen. Der Grund ist klar, es kann immer noch etwas von oben heruntergerasselt kommen. Herausge-
brochenes, das sich anfangs im Geäst verfangen hat – oder es kann ein Baum in seiner Standfestigkeit erschüttert sein, der nun beim nächsten kleinen Lüftchen doch noch kippt. Etwas ganz Ähnliches ist bei uns im Garten vor einer Reihe von Jahren passiert!

In einer Ecke an der Grundstücksgrenze wuchs auf unserer Seite eine Traubenkirsche (Prunus padus).
Ein Gehölz mit recht dunklem Stamm und Geäst und mit schönem, kräftig grünem Laub, das erfreulich früh austreibt. Obendrein blüht die Traubenkirsche traumhaft! Ende April bis in den Mai hinein zeigt sie sich in Weiß. Dann stehen Millionen kleiner Einzelblüten dicht an dicht, bilden immer in gewisser Zahl eine Art Traube und diese kleinen Einzelwölkchen lassen wiederum trotz Masse alles sehr luftig und zart wirken. Es duftet dezent und ungemein angenehm. Gleichzeitig sind die Blüten beliebt bei Insekten. Auch im weiteren Verlauf des Jahres sind ständig Vögel, Schmetterlinge und Insekten in der Traubenkirsche unterwegs.
Wenn Sie einen Zweig schneiden oder überhaupt die Rinde anritzen, riecht es auf einmal nach Bittermandel. So als hätten Sie einen Marzipanbaum im Garten. Im Herbst trägt er kleine, kugelartige, schwarze Früchte – quasi die Marzipankartoffeln. Vögel sind ganz gierig hinter diesen Leckerbissen her.

Das Gehölz stand schon bei unserem Einzug dort, hatte sich mittlerweile zu einem riesigen, überhaushohen Baum entwickelt. Ein Merkmal dieser Baumart ist, dass sie oft gleich mehrstämmig austreibt. Diese Trauben-
kirsche war dreistämmig. Jeder Stamm mit einem Durchmesser von ca. 40 cm, was einem Umfang von jeweils etwa 1,25 m entspricht. Insgesamt ein ordentlicher Koloss.

Natürlich entsteht Schatten durch einen solchen Baum, was den Nachbarn am hinteren Ende des Grundstücks störte. Der Schattenwurf betraf ihn zwar gar nicht wirklich, aber alles was größer ist als ein Meter, hat bei ihm generell wenig Überlebenschance. Um ihm entgegenzukommen, ließ ich regelmäßig im unteren Bereich den einen oder anderen dicken Ast herausnehmen. Bis in vier Meter Höhe war alles frei. Wie bei einem teilweise entasteten Baum am Straßenrand, unter dem LKW durchpassen sollen.
Man darf natürlich nicht einfach drauflos säbeln. Der Durchmesser der Stämme verlangt, dass die Behörden auch für das Aussägen eines einzelnen Astes eine (kostenpflichtige) Genehmigung ausstellen. Dazu kommt vorab ein Mitarbeiter persönlich vorbei, begutachtet alles, auch den Gesamtzustand des Baumes, und wenn man Glück hat, erhält man die Erlaubnis. Schriftlich. Nach einiger Zeit. Ausgelichtet wird später in den Wintermonaten.

Wir hatten im Frühjahr den Herrn vom Naturschutzreferat da gehabt. Die Genehmigung zum Entfernen zweier Äste lag für den Spätherbst vor. Wir wurden darauf hingewiesen, dass Traubenkirschen keine übermäßig lange Lebensdauer hätten, im Alter bei Sturm gelegentlich kippten, daher vorher gefällt werden sollten. Aber, dieser Baum hier sehe ja noch „extrem vital“ aus.
Im Spätsommer gab es einen Sturm mit Orkanböen. Mit der neuen Information bezüglich der Lebensdauer, schauten wir diesmal etwas sorgenvoll auf mächtig schwankende Zweige und Stämme, die sich in der oberen Baumhälfte schwer hin- und herwogen. Doch es ging alles gut. Vitaler Baum eben …

Zwei Tage darauf komme ich nachmittags nach Hause, und die Feuerwehr steht in unserer Straße. Ein Teleskopkran ist ausgefahren. Männer in Uniform flitzen durch die Gegend. Nachbarn stehen draußen. Ein Polizeiwagen parkt weiter hinten. Mir stockt der Atem, als ich sehe, dass der Kran hinüber zu unserem Grundstück geschwenkt wurde.
Die sind bei uns!

Den ach so vitalen Baum hat es erwischt. Der dickste der drei Stämme ist umgestürzt. Er liegt schräg nach hinten gefallen zum größten Teil auf dem Grundstück des Nachbarn, der den Schattenwurf beklagte. Bisher habe ich glücklicherweise keinen Rettungswagen entdeckt, und im Gespräch kurz danach wird bestätigt, dass es keine Verletzten gab. Es war allerdings verdammt knapp!
Die Nachbarin hatte sich im Garten aufgehalten und ihre Wäschespinne mit nasser Kleidung behängt. Sie hatte sich gerade wieder abgewandt und war maximal zehn Meter zurück Richtung Haustür gegangen, als es – wie sie später sagte – „einen Knacks und ein seltsames Sirren in der Luft“ gegeben hätte. Dem folgte ein Vibrieren der Erde. Danach hätte eine nahezu gespenstische Ruhe geherrscht.
Der Stamm war umgefallen. Er begrub die Wäschespinne unter sich und kam dort auf, wo sie kurz zuvor gestanden hatte. Ein Schock!

Ansonsten gab es Sachschäden auf beiden Seiten und auch noch Auswirkungen bei unseren direkten Nach-
barn. Das Anheben bzw. Herausreißen von Baumwurzeln hier, hatte auf ihrer Seite ebenfalls die Wurzeln von zwei großen Sumpfzypressen gelockert, die es aber wohl überleben würden.

Sie können sich vorstellen, dass der Vorfall für Aufregung sorgte. Dass kein Mensch zu Schaden kam war die Hauptsache, doch regeln musste man schon noch einiges – was erhebliche Kosten verursachte und ein paar unliebsame Überraschungen bereithielt!
Zumindest die Feuerwehr übernahm letztendlich die Kosten für ihren Einsatz selbst, weil sie sich darauf beschränkte, die Seite, die an einen öffentlichen Gehweg grenzte, freizuräumen und die noch stehenden beiden Stämme mit Stahlseilen übergangsweise zu sichern. Diese Entwicklung war eine enorme Erleichterung, denn das wäre doch sehr ins Geld gegangen. Sie berechneten uns auch deshalb nichts, weil uns keine Fahrlässigkeit zu unterstellen war. Im Gegenteil, ein „Fachmann“ hatte ja erst den Baum begutachtet und nichts Verdächtiges entdeckt.

Tatsache allerdings war, dass der Baum von innen her morsch geworden war. Regenwasser sammelte sich regelmäßig im unteren Bereich, dort, wo die drei Stämme eng zusammenstanden und mit zunehmendem Umfang regelrecht zusammengewachsen waren. An dieser Stelle konnte es nie ausreichend abtrocknen und fing irgendwann an zu gammeln. Von außen sah weiterhin alles tipptopp aus. Üppiges Laub deutete ebenfalls nicht auf  Schwachstellen oder Krankheit hin.
Das Ausmaß der Schäden, das jetzt sichtbar wurde, zeigte, dass die anderen beiden Stämme keineswegs besser dran waren und umgehend gefällt werden mussten. Das übernahm die Feuerwehr natürlich nicht.
Nun finden Sie einmal in der Gartenhochsaison von jetzt auf gleich einen Gartenbaubetrieb, der Zeit hat, Bäume zu fällen. Und zwar an einer für schwere Maschinen und Hubwagen unzugänglichen Stelle. Sie brauchen je-
manden, der mit der Klettertechnik vertraut ist und dafür die Ausführerlaubnis besitzt. Der Arbeitsschutz ist in dem Fall sehr streng.
Wir haben es nach unzähligen Telefonaten geschafft, dass am nächsten Tag ein Unternehmen die Arbeit aufnahm. Riesige Mengen Astwerk und Laub mussten zunächst heruntergeholt werden. Ein ganzer LKW war allein dafür für den Abtransport nötig. Dann das Abtragen der Stämme. Stückchenweise von oben nach unten. Alle paar Minuten rumste es, und ein weiterer schwerer Block landete auf dem Boden. Die Erschütterung war noch in mehreren Metern Entfernung zu spüren.
Hatte der umfallende Baum vom Vortag schon viel kaputtgedrückt und mit sich gerissen, so war es jetzt der Umkreis, der durch die Fällarbeiten litt.

Die Kosten, die diese Fällaktion verursachte, waren hoch. Die Versicherung war nicht bereit, irgendetwas zu zahlen. Der Haken an der Sache war, dass der Baum nicht während des Sturms umgekippt war, sondern erst danach. Versicherungen springen nur ein, wenn beim Sturz nachweislich eine bestimmte Mindeststurmstärke herrschte.
Die Schäden des Nachbarn sollte eigentlich unsere Haftpflichtversicherung übernehmen, was sie aber nicht tat, weil sie der Ansicht war, dass der Nachbar keine Ansprüche geltend machen konnte. Wir hätten den Schaden nicht verhindern können und haben ihn nicht verursacht. Höhere Gewalt. Das mag zwar richtig sein, aber für das Verhältnis unter Nachbarn ist das nicht gerade die günstigste Entscheidung. Wir haben uns dann u. a. an einer neuen Wäschespinne beteiligt und natürlich alles aus seinem Garten entfernt, was nicht dorthin gehörte.
Unsere Hausratversicherung wiederum sträubte sich vehement, unsere eigenen Schäden an Gartenmobiliar, Zaun  etc. zu übernehmen.
Sie sehen, Versicherungen haben bedeutet nicht, dass man im Schadensfall auch etwas bekommt.

Meinen Nachbarn nebenan mit den Sumpfzypressen war nur eine kurze Verschnaufpause vergönnt. Beim nächsten Sturm hat es die beiden Bäume doch umgerissen. Dadurch, dass unsere Traubenkirsche fehlte, hatte sich eine Art neue Windeinfallschneise gebildet, an deren Ende die Zypressen standen und zur Zielscheibe wurden.

Selbst wenn alle Schäden beseitigt sind und keine Gefahr mehr droht, Sie haben danach im Garten eine Baustelle und bekommen gleichzeitig von der Behörde die Auflage, für den gefällten Baum Ersatz zu pflanzen. Einen neuen Baum. Grundsätzlich richtig, nur auf so kleinen Reihenhausgrundstücken in der Stadt sind riesige Bäume völlig ungeeignet. Sie können sich in freundlicher Diskussion auf mehrere Gehölze kleinerer Natur einigen, was ich auch gemacht habe.
Was spricht dagegen, sofort mit der Pflanzaktion loszulegen?
Die Tatsache, dass der Untergrund im besagten Bereich komplett durchwurzelt ist und dass die Fällaktion den Boden zusätzlich verdichtet hat. Mein Grundstück besteht zudem unterirdisch überwiegend aus aufgeschütteten Ziegelresten, die von im zweiten Weltkrieg zerbombten Villen stammen. Damals hat man die Schuttberge der Einfachheit halber einfach plangeschoben und als Untergrund für die Neubebauung verwendet. Ein paar Zentimeter Mutterboden obenauf, fertig.
Immer wenn ich im Laufe der Jahre irgendwo ein Beet oder eine Rabatte neu angelegt habe, musste ich mich durch Steinschichten hacken und zig Kubikmeter Ziegel herausbrokeln.
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Nach Umsturz eines Baumes Ausgraben der Wurzeln und vieler im Boden vorhandener Ziegel

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Ich erinnere mich noch lebhaft an die Aktion damals und was mich das für Tage, nein Wochen der Ackerei gekostet hat. Beindicke Wurzeln im Erdreich freilegen und zersägen, sonstigen Wurzelfilz durchdringen, Ziegel mit der Spitzhacke lösen oder sogar ganze, noch zusammenhängende Mauerreste ans Tageslicht befördern. Boden lockern, Boden organisch verbessern, sacken lassen, nachfüllen … Hätte man für all das auch einen Fachbetrieb beauftragt, wäre ich arm geworden.
Heute ahnt man nichts mehr von alledem. Die Neupflanzungen sind eingewachsen und müssen inzwischen ständig in ihrem Ausbreitungsdrang bzw. Höhenwuchs gebändigt werden.

Seit damals habe ich mächtig Respekt speziell vor Frühherbststürmen, vor sich biegenden Bäumen, knirschenden Zweigen, wildem Laubrauschen und vor sogenannten Spätfolgen. Sie werden mich daher auch
in den nächsten Tagen noch nicht in einem Wald antreffen. Ein Kolosskippen zu erleben hat mir gereicht.

Durch die Straßen streife ich natürlich. Und ich habe von unterwegs etwas mitgebracht. Kämpferisch. Enorm schuppenbehaftet. An einem Ding, das gut einen Meter lang ist. Hört sich verdächtig nach Schlange oder sonstigem Reptil an. Schuppen? Auch das Bild eines fliegenden Fisches taucht auf. Ungewollt gestrandet während des Orkans, weil es ihn im Flug in die falsche Richtung trieb. „Xavier“ und der verendete Flugbarsch?
Unsinn. Lassen Sie sich nicht in die Irre führen. Ich nutze bestimmte Begriffe manchmal lediglich für mich, um mir z. B. den botanisch korrekten Namen einer Pflanze merken zu können. Sprachliche Merkwürdigkeiten und haften bleibende Bilder als Gedächtnisstütze. So fällt das Erinnern entschieden leichter.
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Zweig einer Jap. Lärche (Larix kaempferi) mit sehr vielen reifen Zapfen

Reife Zapfen an der Larix kaempferi …

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Ich habe diesen Zweig einer Lärche gefunden (auch so ein Sturmopfer), der über und über mit Zapfen bestückt ist. Am Anfang sind sie laubfroschgrün und fest geschlossen, werden jedoch mit zunehmender Reife braun und öffnen sich oben ein wenig. Auf dem Foto können Sie erkennen, dass sich der obere Rand der Schuppen leicht nach außen rollt. Das zeigt, dass es sich nicht um eine Europäische Lärche handelt, denn deren Zapfen bleiben geschlossen. Diese hier sind von einer Japanischen Lärche, deren lateinische Bezeichnung Larix kaempferi  lautet.  Larix ist kurz und simpel. Das lässt sich so merken. Über das Bild eines kämpferisch veranlagten Schuppenwesens prägt sich mir jedoch ebenfalls der Namenszusatz dauerhaft ein …

Mit diesem Zapfengruß möchte ich mich für heute von Ihnen verabschieden und Sie in das sonnige Herbstwetter entlassen. Ich werde es ganz sicher auch noch etwas genießen.
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Bis demnächst!

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© by Michèle Legrand, Oktober 2017
Michèle Legrand

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Blick von oben …

Es ist soweit: Zumindest ab und zu werde ich wieder bei Ihnen hereinschneien und Sie behelligen. Die
Wochen seit Mai sind gefühlt schnell vergangen, waren und sind aber alles andere als einfach. Ich möchte
das Thema Erkrankung nicht völlig umgehen, die Lage allerdings nur kurz und schnodderig so umreißen:
Es ist alles Grütze. Weiterhin große, ernste, unbarmherzige, verdammte Grütze.

Einen kleinen Lichtblick gab es allerdings am Sonntag. Der Gemahl hatte Freigang! Oder wie heißt das korrekt, wenn man tagsüber raus darf aus dem Bau? Warten Sie … Bin ich gerade auf dem richtigen Dampfer? Nicht, dass wir uns missverstehen, es geht ums Krankenhaus …
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Asklepiosklinik Altona - Am freundlichsten wirkt das Hochhaus in der Abendsonne (20stöckiges Hochhaus, Nordansicht mit Haupteingang)

Asklepiosklinik Altona – Am freundlichsten wirkt das Hochhaus in der Abendsonne …

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Mein Mann muss seit geraumer Zeit erneut stationär behandelt werden. So bin ich seit nunmehr fünf Wochen täglich quer durch Hamburg von Ost nach West bzw. umgekehrt unterwegs und verbringe viele Stunden bei ihm am Krankenbett. Ich werde Sie nicht mit privaten Krankenhausgeschichten zuschütten. Nein, nein. Doch stellen Sie sich darauf ein, dass ich Ihnen momentan logischerweise ausschließlich von Ereignissen, Eindrücken und Menschen erzählen kann, die mir auf dem Weg zum Krankenhaus unterkamen.

Ist Ihnen auch aufgefallen, wie außergewöhnlich oft Hamburg in den Wochen meiner Blogabstinenz aus den unterschiedlichsten, dabei nicht immer schönen, Anlässen bundesweit in den Medien erwähnt wurde? Auf der einen Seite bot der G20-Gipfel mit seinen Ausschreitungen ausreichend Gelegenheit. Dazu Themen wie Bürgermeister Scholz in Nöten, dauerhaft innerstädtische Staus, Wasserrohrbruch mit anschließendem Riesenkrater auf der Amsinckstraße, wochenlange Sperrungen wegen immer neuer Langzeitbaustellen und Bauarbeiten entlang der Autobahn, Brückenerneuerung selbst bei der Bahn mit umfangreichem Schienen-
ersatzverkehr über die gesamten Sommerferien.
Dazu Ereignisse wie die kürzliche Messerstecherei im Supermarkt, Funde von Leichenteilen in Rissen, ein Erschlagener an der Alster oder auch Berichte über die Müllzunahme auf den Straßen, die vielen zu späten
und lauten An- oder Abflüge am Flughafen, das nicht endende Chaos bei der Gepäckabfertigung.
Klar, es gab glücklicherweise auch Positives. Den Gegenpol bildeten ansprechende Fotos einer grünen und wasserreichen Stadt, gute Taten und Aktionen, der friedliche Ablauf zahlloser Events. Bei den Großveran-
staltungen fielen die Triathlon-Tage sowie der jährliche Schlagermove als positiv verlaufen auf. Sogar Kate und William waren bei uns zu Besuch! Nicht bei mir direkt, aber beim Bürgermeister und u. a. in der Elbphilharmonie.
Ja, die jungen Vertreter des Hauses Windsor samt ihrer beiden Kinder … Die Presse hatte wieder einmal aufgepasst und mitgezählt, wie viele unterschiedliche Kleider die Herzogin auf der Reise wo und zu welchem Anlass trug. Man staunt, dass das immer noch Leser hinter dem Ofen hervorlockt … Unter uns: Ich persönlich stehe eher auf Berichte über beispielsweise den Gummistiefelweitwurf bei Veranstaltungen wie der „British Flair“, die am vergangenen Wochenende wieder zum Besuch einlud. Ich habe Ihnen vor zwei Jahren davon erzählt, erinnern Sie sich noch? (Welly throwing – Einmal im Jahr fliegen die Stiefel …)

Nirgends aktiv teilgenommen, habe ich von all dem dennoch eine Sache wirklich intensiv miterlebt: die Auswirkungen des G20-Gipfels. Plötzlich ist eine Stadt tagelang mehr oder weniger lahmgelegt und dabei gleichzeitig in Aufruhr. Straßensperrungen machen jegliches Durchkommen unmöglich, die Umleitungen sind im Nu ebenso verstopft oder funktionieren aufgrund chaotischer Zustände von vornherein nicht. Selbst Taxis geben auf und stellen die Fahrten ein, die Notfallpläne für den oberirdisch verlaufenden öffentlichen Verkehr können nicht umgesetzt werden. Kaufhäuser verbarrikadieren vorab vorsorglich ihre großen Fensterflächen aus Angst vor Randale mit Holzplatten, und in kritischen Ecken bleiben Läden, Betriebe und Praxen geschlossen.
Das Aufeinandertreffen von gewaltbereiten Demonstranten und der Polizei artet teilweise aus, Steine fliegen, Autos brennen, Vandalismus findet statt, Plünderungen passieren, an denen sich erstaunlich viele beteiligen! Und überall sind Menschen im Handumdrehen in Gefahr! Die Polizei, die in einen Hinterhalt gelockt wird, aber selbst Außenstehende, Passanten, Anwohner, die gar nicht aktiv an etwas teilnehmen. Ihre Unversehrtheit, ihr Leben. Ihr Hab und Gut dazu, wenn sie das Pech haben, am „falschen“ Ort zu wohnen, bzw. bereits dann, wenn sie lediglich ihr Auto oder sonstiges Eigentum dort abgestellt haben.

Ich muss Ihnen gestehen, ich habe Hamburg noch nie so erlebt. Ich war wirklich erschüttert! Es mag Anwohner aus anderen Stadtteilen und speziell den Außenbezirken geben, die abwiegeln. Ach, komm, so schlimm war’s nun auch nicht! Vielleicht hat es dann nicht so eindrücklich berührt, wenn vieles nur im Nachhinein verwundert den Medien entnommen wurde, der Mensch jedoch zu weit ab vom Geschehen war. Distanz bewahren konnte.
Wer einmal erlebte, wie völlig egal offenbar einigen gewaltbereiten Demonstranten Menschenleben sind, wie viel Hass auf jeden und alles, wie viel blinde Zerstörungswut sich zeigt, wer sich dem immensen Polizeiaufgebot gegenüber sah mit den schier endlosen Fahrzeugkolonnen, den Wasserwerfern, wer die stundenlang über einem kreisenden Hubschrauber hörte, sehr schwer einzuschätzende Vermummte oder sogar Randalierende plötzlich in seiner Nähe entdeckte, neben wem es knallte, wer mit demolierten Fahrzeugen, eingeschlagenen Fenstern oder verkohlten Resten einer Barrikade unmittelbar konfrontiert wurde, dem war alles andere als wohl zumute.

Ich selbst hätte unter anderen Umständen konsequent einen Riesenbogen um die Innenstadt und die Areale gemacht, die als Korridore für die Fahrten der Delegierten des Gipfels herhalten mussten. Unter normalen Umständen hätten mich keine zehn Pferde aus meinem Viertel im Osten Hamburgs bekommen. Durch den Klinikaufenthalt gab es erzwungenermaßen eine Planänderung: Ich wollte – allen Sperrungen zum Trotz – zum Krankenhaus am anderen Ende der Stadt kommen!
Als sicherste Variante entpuppte sich die in den kritischen Gebieten unterirdisch verkehrende S-Bahn. Sie werden in solch einer Situation ja trickreich. Sie lassen den während der Gipfeltage als unsicher geltenden Bahnhof Altona aus, suchen sich nicht ab dort die empfohlene, praktische Anschlussverbindung, sondern fahren unterirdisch über das eigentliche Ziel hinaus und schleichen sich dann von hinten per Bus wieder an. Wenn jedoch selbst im feinen und vermeintlich sicheren Othmarschen, in Bahrenfeld, in den schmalen Straßen Ottensens, an der noblen Elbchaussee und an weiteren Stellen unerwartet ebenfalls herumrandaliert wird, Scheiben zertrümmert sowie Geldautomaten demoliert werden und Busse sich zum Halten zwischen den Touren auf einmal in Nebenstraßen verdünnisieren, jeglichen Fahrplan über den Haufen werfend … dann hat das Chaos gefühlt allmählich die ganze Stadt erreicht.

Dies alles ist nun einen Monat her, doch erstaunlicherweise ist es präsent, als wäre es gestern passiert. Es beschäftigt gedanklich wieder und wieder.

Bahn- und Busfahren habe ich seitdem beibehalten, denn es ist tatsächlich die schnellste Variante, um auf die andere Seite der Stadt zu kommen. Und die nervenschonendste! Außerdem, das wissen Sie vermutlich aus eigener Erfahrung, sind Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln durchaus lehrreich. Manche Linienbusse hier bei uns haben eine sogenannte „Buchhaltestelle“. Das ist eine Art Leihbücherei für Mitfahrende. Ein Buchregal, aus dem sich während der Fahrt bedient wird und aus dem Bücher auch leihweise entführt werden können. Bis man sie durch hat. Bei einer der nächsten Fahrten stellt man sie einfach ins Bord zurück.
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Hamburg - Die Busbibliothek "Buchhaltestelle" ... (Bücherregal im Fahrgastraum)

Hamburg – Die Busbibliothek „Buchhaltestelle“ …

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Weiterhin lernte ich kürzlich zwischen Othmarschen und Altona, dass die Chance, von einem Hai angegriffen zu werden, geringer ist, als die Chance auf einen Sechser im Lotto. Und ich habe mir sagen lassen, die sei schon extrem winzig. Der Mensch seinerseits  – das hat mich angesichts der Menge sehr erstaunt – murkst jährlich die schier unvorstellbare Zahl von 100 Millionen Haien ab!

Mich verblüffen häufig auch die Gespräche meiner Mitfahrer. Manchmal aufgrund der unerwarteten Wendung, die sie nehmen.
Zwei erhitzte, junge Männer stiegen zu, nahmen mir gegenüber Platz. Der eine meinte mit sehnsuchtsvollem Blick, jedoch akustisch eher resolutem Einschlag:
„Jetzt ´nen Energydrink! Mann, was habe ich grad Bock auf  ‘nen Energydrink!“
Einen Moment herrschte Ruhe.
„Hätte noch Wasser“, sagte der andere. „Willste?“
„Ja, geht auch.“

Oder die Schulklasse auf Ausflug. Davon waren in Hamburg in der zweiten Julihälfte vor der Zeugnisvergabe und dem Beginn der Sommerferien einige unterwegs.
Vier Jungen, zehn, elf Jahre alt, drängten auf zwei einander gegenüberliegende Zweiersitzbänke zu. Die beiden Fixesten belegten die Fensterplätze. Einer der Nachkömmlinge wandte sich schwer empört an den am Fenster:
„Da sitze ich!“
„Nö.“
„Los, mach Platz!“
„Nö.“
„Mir wird aber immer schwindlig am Gang!“
(Man kann es ja wenigstens versuchen.)
„Spinner.“
(Versuch erfolglos, Schwindelkandidat gibt auf.)

Die vier erwähnten im lebhaften Gespräch einige Male den Ausdruck „OP machen“, das Wort „steril“ und weitere Begriffe, die ich in den Bereich Medizin packen würde. Ich vermutete kurzzeitig, vielleicht weil ich momentan etwas vorgeschädigt bin, sie hätten gerade eine Krankenhausbesichtigung hinter sich, aber nein, sie redeten über ein Handyspiel. Einiges klang für mich wie böhmische Dörfer. Zum Beispiel entwickelte sich eine heiße Debatte über einen Stick mit Verbrennung. (Keine Ahnung, ich grüble heute noch darüber nach.) Die Wortwahl anschließend fiel nicht minder kurios aus.
„Du kannst Coins im Shop kaufen.“
„Da bist du ja instant tot!“
(Was?)

Kennen Sie noch das Spiel „Papier, Schere, Stein“ und den dazugehörigen Spruch: „Ching, Chang, Chong“?
Von den Jungen habe ich eine neue Variante kennengelernt. Bei dieser Abart führen Sie die gleichen Hand-
bewegungen aus, die Sie von Papier, Schere, Stein kennen, sagen dabei jedoch laut und vernehmlich: „Ching, Chang, Schmerz.“ Wer verliert, kriegt eine Backpfeife. Keine saftige Ohrfeige, mehr ein gezieltes, jedoch labberiges Tätscheln. Bei den jungen Herren gab es großes Gelächter gratis dazu.
Ich vermute, wenn sich Mädchen etwas Alternatives ausdächten, hieße es „Ching, Chang, Schmatz.“ Und die Verlierer müssten den Gewinner küssen.

Zu erzählen wäre noch einiges, nur meine Zeit für heute ist um. Ihre sicher auch. Ich komme demnächst wieder. Ich hätte Ihnen zum Abschluss jedoch gern noch einen Blick von oben gezeigt.
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Aussicht aus dem 18. Stock des Klinikums Altona (Blickrichtung Süd, Elbe)

Elbblick vom Klinikum Altona …

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Das ist die Aussicht, die Sie aus dem 18. Stock des Klinikums in Altona haben. Ich bin extra einmal hoch-
gefahren. Nur in diesen Höhen kommt selten eine Fensterputzkolonne vorbei. Die Scheibe hat sicher schon einmal sauberere Zeiten erlebt; erkennen können Sie trotzdem ein bisschen.
Der Blick geht Richtung Süden, Richtung Elbe. Da das Gelände am Flussufer schnell ansteigt und Baum-
bestand auf den Anhöhen zusätzlich die Sicht auf den Strom nimmt, können Sie am besten mit Hilfe der Kräne am gegenüberliegenden Ufer erkennen, wo die Elbe verläuft.
Etwa in Bildmitte (Klick aufs obere Foto vergrößert die Aufnahme) lässt sich im Hintergrund sogar die langgezogene, geschwungene Köhlbrandbrücke ausmachen …
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Aussicht vom Klinikum Altona (Blickrichtung Elbe)

Aussicht vom Klinikum Altona (Blickrichtung Elbe)

Wenn Sie sich von unserem Aussichtspunkt eine senkrechte Linie Richtung Elbfluss denken, würde sie etwa in Höhe der recht bekannten „Strandperle“ auf das Ufer stoßen. Die liegt zwischen dem Museumshafen Oevelgönne und dem großen Findling, den man „Alter Schwede“ getauft hat. Gegenüber am Elbufer befindet sich Waltershof mit den erwähnten Kränen, ein Areal, das nahezu ausschließlich aus Hafen- und Industrie-
anlagen besteht. Rechts davon (flussabwärts) liegt Finkenwerder. Dort schließt sich auch das Gelände von Airbus an. Die dicken Transportmaschinen („Beluga“) kommen hier beim Ansetzen zur Landung im Tiefflug vorbei, und sie röhren speziell beim Starten mächtig.

Feierabend. Vorerst. Machen Sie sich bitte darauf gefasst, dass ich Sie gelegentlich mit einem neuen Beitrag behelligen werde. Ich habe es jedenfalls vor. Je nach Lage – und wenn ich die beschreiben sollte, dann am ehesten so: Der Blick schweift in diesen Wochen eher nicht in die Ferne, sondern vorsichtig voraus, immer nur bis zur nächsten Ecke …

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Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit noch einmal recht herzlich für den vielen Zuspruch, die fürsorglichen Nachrichten und überhaupt ihre persönliche Anteilnahme via Kommentar und Mail nach dem letzten Post bedanken!

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© by Michèle Legrand, August 2017
Michèle Legrand

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Glückstadt: Elbluft und ein Test …

Zeit für einen kleinen Plausch? Ich habe nichts Weltbewegendes, völlig Umwerfendes für Sie aus dem Ärmel
zu schütteln, aber ich hätte gerade welche. Zeit, meine ich. Und Lust auf eine nette Unterhaltung. Sollte das
bei Ihnen auch der Fall sein, rutschen Sie gern näher.

Sind Sie bei Facebook aktiv? Ja? Haben Sie auch schon festgestellt, dass man sich dort von Betreiberseite
her große Mühe gibt, mit Ihnen zu kommunizieren, dabei mehr und mehr dazu übergeht, Sie sehr persönlich anzusprechen, um dadurch eine Art Beziehung – oder nennen wir es eher Bindung – aufzubauen?
„Guten Tag, Michèle“, heißt es zum Beispiel, sobald ich mich einloggt habe, „wie geht es dir?“ „Hallo Michèle, was machst du gerade?“ Immer mit namentlicher Ansprache. Vergleichbar mit der Serienbrieffunktion bei herkömmlicher Briefmassenpost. Gleicher Text an alle, jedoch geänderter Name. Des Empfängers im Adressfeld, der Anspracheform im gesamten Text. Personifizierung. Vertraulichkeit. Ankuscheln …
Facebook bezeichnet sich selbst immer als „wir“.
„Wir haben uns gedacht, du würdest dich und deine Freunde vielleicht gern an Ereignis XYZ von vor vier
Jahren erinnern. (Ein Uraltpost ist bereits herausgekramt.) Teile mit deinen Freunden … “
„Uns ist aufgefallen, dass du dein Profilfoto seit Langem nicht geändert hast. Michèle, willst du nicht deinen Freunden …?“ Anschmeicheln. Neues herauskitzeln …
Oder man hat Tipps, die mir das Leben und den Alltag erleichtern sollen.
„Hallo Michèle, morgen soll es in Hamburg regnen. Packe lieber deinen Regenschirm ein.“

Ist das nicht rührend? (Sekunde … mein Taschentuch …) Wie für einen gesorgt wird? Der Mensch benötigt in Zukunft bald wirklich keine realen Freunde mehr. Die sind völlig überflüssig. (Die Ironie kommt durch, oder?)
Bei mir können die Wir-Poster lange auf eine Reaktion warten, ich schreibe, wann ich lustig bin und teile nach eigenem Ermessen. Und wenn mein Foto fünf Jahre alt ist, dann ist das eben so.

Um auf die Wettervorhersage zurückzukommen, die ist bekanntlich nicht immer das Gelbe vom Ei. Am Montag herrschte wider Erwarten richtig Sonnenschein – angekündigt waren Regen und vereinzelte Schneeregen-
schauer. Auf diese Vorhersage vertraute auch mein fürsorgliches soziales Netzwerk. Ging ihr auf den Leim!
Tja, liebe WirPoster, und nun? Was mache ich jetzt mit dem Schirm? Für diesen Fall wäre irgendwo ein per-
sönliches Schließfach zwecks Ablage gar nicht schlecht.

Letzten Sonnabend wiederum fuhr ich mit einer Dauersonnenscheinankündigung der Wetterfrösche im Gepäck Richtung Glückstadt. Und die angepriesene Sonne? Untergetaucht. Oder sie hatte sich heillos verirrt. Blinzelte jedenfalls bis zum späten Nachmittag lediglich dreimal versuchsweise jeweils für knapp fünf Minuten uninspiriert durch ein Miniaturwolkenloch, und das war’s dann gewesen.
Nichtsdestotrotz empfand ich es als feine Sache, Elbluft zu schnuppern! Graue Wolken hin oder her.
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Elbe bei Glückstadt mit Deichvorland (Niedrigwasser)

Elbe bei Glückstadt

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Sie werden sich vielleicht wundern. Warum fährt sie dafür nach Glückstadt? Elbluft gibt es doch in Hamburg auch! Der Fluss fließt doch quasi vor der eigenen Haustür …
Ja, schon, das ist aber anders!

Hamburg bedeutet Großstadt. Um die 1,8 Mio. Einwohner. Großstadt mit Hafenbetrieb, mit Gewerbe und Industrie, mit Verkehr nahezu rund um die Uhr und einem dementsprechend hohen Lärmpegel. Hamburg hat Stadtluft. So gern ich meine Stadt generell habe, im Winter fehlt das Grün. Als Farbklecks, als Luftfilter, als Lärmschutz. Bei Kahlheit und dazu permanent grauem Wetter wie in diesem Winter, verliert jede Großstadt enorm von ihrem Charme. Draußen zumindest.
Zudem herrscht hier – völlig wetterunabhängig – immer Trubel, am Wochenende speziell an Elbe und Alster. Einheimische, Besucher und Touristen machen sich alle gleichzeitig auf den Weg. Die einen zum Entdecken und Besichtigen, die anderen zum Spazieren, zum Joggen, Radeln, Hund ausführen etc.

Glückstadt hingegen ist selbst im Winter ein hübsches, kleines, exakt 400 Jahre altes Städtchen mit nur etwa 12.000 Einwohnern sowie einer charmanten Altstadt. Viele historische Gebäude, alles sehr gepflegt. Extrem gut geeignet für kurzzeitiges Stadtflüchten, ebenso geschätzt mittlerweile allerdings auch als Wohnsitz von Pendlern, die den Wert der Ruhe kennen. Ich erzähle Ihnen ein anderes Mal mehr davon. Heute nur soviel:

Glückstadt liegt ca. 60 km (nord)westlich von Hamburg direkt an der Elbe. Es gibt einen Außenhafen, zusätz-
lich einen durch ein Sperrwerk abgetrennten Binnenhafen, und der Tourismus hält sich im Winter sehr in Grenzen.
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Glückstadt an der Elbe - Hafenbereich

Glückstadt an der Elbe – Hafenbereich

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Die Luft ist spürbar besser, man merkt es sofort bei der Ankunft. Ganz besonders fällt es jedoch bei der Rückkehr in die Großstadt auf! Der Fluss hat hier draußen inzwischen immerhin eine Breite von fast drei Kilometern, Elbmündung und Nordsee liegen nur noch 50 km entfernt, und landschaftlich ist das alles natürlich ebenfalls ein ganz anderes Ding.
Drumherum weite Flächen mit Ackerland und Wiesen, Begriffe wie Engelbrechtsche Wildnis oder Blomesche Wildnis deuten schon an, dass man mit Riesenandrang eher nicht rechnen muss. Das Flüsschen Herzhorner Rhin, das später als Rhin mit dem Schwarzwasser zusammen den Glückstädter Binnenhafen bildet und dort in die Elbe mündet, schlängelt sich durch die Region.
Grasbewachsene Deiche und etwas Vorland schützen Stadt und Einwohner vor Elbhochwasser und Über-
schwemmungen. Von Frühjahr bis Herbst ziehen Schafe über diese Grünflächen. Lebende Rasenmäher …
Hinter dem Deich die Elbe, ruhig, gelassen wirkend, denn eine schmale, parallel zum Ufer liegende, langge-
streckte Insel, die Rhinplate, befindet sich direkt vor der Stadt mitten im Strom. Sie unterteilt den Fluss optisch, trennt gleichzeitig Glückstadt von der tiefen Fahrrinne. Das Fahrwasser der großen Pötte, die Hamburg an-
laufen oder den Hafen Richtung Nordsee verlassen, liegt nämlich zur anderen Seite, im Bereich zwischen der Insel und dem niedersächsischen Ufer.
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Glückstadt - Elbe - Gut zu erkennen, dass die Fahrrinne hinter der Insel verläuft ... (Frachter durch Lücke zu erkennen)n?

Glückstadt – Elbe – Gut zu erkennen, dass die Fahrrinne hinter der Insel verläuft … Sie sehen den Frachter durchblitzen?

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Diese spezielle Lage Glückstadts ist übrigens mit ein Grund dafür, dass es nie so recht geklappt hat mit dem Vorhaben, eine Art Konkurrenzhandelsplatz zu Hamburg zu werden. Mit einem konkurrierenden Hafen an der Unterelbe. Der ließ sich einfach nicht so ideal und vor allem tief genug ausbauen.
Dennoch können hier heute immerhin Frachter bis 130 m Länge, 16 m Breite und mit bis zu 5,80 m Tiefgang den Außenhafen anlaufen. So kann doch einiges vor Ort umgeschlagen werden.
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Glückstadt an der Elbe - Leitfeuer Nordmole

Glückstadt an der Elbe – Leitfeuer Nordmole

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Vielleicht ist Ihnen auch die Fährverbindung von Glückstadt (Schleswig-Holstein) nach Wischhafen (Niedersachsen) ein Begriff. Schon selbst genutzt? Oder in den Verkehrsnachrichten davon gehört?
Die Anlegestelle liegt von Glückstadt aus gesehen bereits ein Stück elbabwärts, doch muss die Fähre beim Übersetzen nach Wischhafen immer noch in einem Bogen um die Inselspitze (links im Bild) herum fahren …
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Glückstadt (Elbe) - Hinten rechts der Anleger der Fähre Glückstadt-Wischhafen mit gerade ablegender Fähre, links die Insel Rhinplate und Frachtverkehr

Glückstadt (Elbe) – Hinten rechts der Anleger der Fähre Glückstadt-Wischhafen mit gerade ablegender Fähre

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Wenn Sie ganz genau hinschauen, erkennen Sie trotz Dunst sogar die zwei sich begegnenden Frachter im Elbfahrwasser. (Ein Klick aufs Bild vergrößert die Ansicht.)

In Planung ist eine Autobahn als Nord-Süd-Verbindung. Ihr würde als Elbquerung natürlich die kleine Fähre nie reichen. Die Neubaustrecke wird einen Tunnel zur Unterquerung der Elbe erhalten.

Mich führen seit Spätherbst letzten Jahres familiäre Gründe nach Glückstadt, was mich sehr freut, und am Sonnabend hatte ich die Gelegenheit, einen für mich interessanten Test zu starten. Ich fuhr am selben Tag die Hinstrecke mit dem Zug, legte jedoch den Rückweg am Steuer meines Autos zurück. So hatte ich die Chance, unmittelbar zu vergleichen:
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.                   .Wie gelangt man besser ans Ziel? Per Auto oder per Bahn?

Eine Frage, die sich derart allgemein gehalten mit Sicherheit nie beantworten lässt. Es hängt von so vielen Faktoren ab. Hier wird es jedoch interessant, weil eine Strecke zur Verfügung steht, die einen Vergleich zulässt, während sonst meist schon Gründe wie schlechte Verbindung, häufiges Umsteigen, lange Fahrtdauer, mühsamer Gepäcktransport, keine Möglichkeit vom Endbahnhof zum eigentlichen Ziel zu gelangen etc. schnell die Bahnreise von vornherein als den Testverlierer darstellen.
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Glückstadt - Elbe - Leitfeuer Südmole

Glückstadt – Elbe – Leitfeuer Südmole

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Hamburg und Glückstadt bieten sich deshalb als Versuchsstrecke an, weil sich – ob per Zug oder Auto – zunächst zeitmäßig kein allzu großer Unterschied ergibt. Außer, sie leben bereits im Westen Hamburgs
und sind daher sofort an der Autobahnauffahrt.
Ansonsten müssen sie jedes Mal erst durch Hamburgs dichten Stadtverkehr, um auf die Autobahn (A23)
zu gelangen. Später hinter Elmshorn geht es von der Autobahn ab. Für die restliche Strecke Richtung Elbe
stehen Land-/Bundesstraße zur Verfügung.
Per Zug gibt es ab Hamburg eine Direktverbindung und genügend Regionalbahnen, die täglich via Glückstadt Richtung Itzehoe aufbrechen bzw. die Gegenrichtung bedienen. Selbst am Wochenende.
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was heißt eigentlich „besser“ ans Ziel kommen. Ich definiere es für mich einfach als ruhiger, entspannter. Und unter dem Aspekt geht für mich die Bahn als klarer Sieger dieses Wettbewerbs hervor!
Was habe ich es genossen, nicht überall im Stau zu stecken! Stattdessen abschalten, Beine ausstrecken, Gedanken freien Lauf lassen, hinaussehen. Keine Kuppelei, kein Stop and Go, keine mühsame Schlängelei durch einspurige Autobahnbaustellenbereiche.
Und vor allem, was kann man alles während der Bahnfahrt stattdessen machen oder einfach von außen aufnehmen. Was entdeckt man nicht alles unterwegs! Dinge, die einem konzentriert fahrenden, gestressten Autofahrer verborgen bleiben – ganz abgesehen davon, dass er genau dort gar nicht lang käme.
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Glückstadt - Hafen - Wandverschönerung am Fischpark (Wandmalerei mit Wal und Taucher)

Glückstadt – Hafen – Wandverschönerung am Fischpark

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Fazit: Mit Ausnahme der Landstraßenabschnitte in Schleswig-Holstein, die für Autofahrer recht entspanntes Fahren bedeuten, würde ich für diese Strecke jederzeit wieder die Bahn bevorzugen. Autofahren im Hamburger Stadtbereich oder der Peripherie ist eben absolut kein Vergnügen und das Argument Zeitvorteil kommt hier nicht zum Tragen.

Wissen Sie, was von der Zugfahrt besonders hängengeblieben ist? Der unabgelenkte Blick ins Weite!
Dunst, der über Feldern und Äckern liegt und langsam aufsteigt. Der aufreißt und sich verflüchtigt.
Die Ausschau auf Wiesen mit hunderten von Maulwurfshügeln. Einer neben dem anderen. Ich frage mich ernsthaft, wie viele Maulwürfe dort aktiv waren oder anders herum gesagt, wie viele Haufen ein einzelner Maulwurf wohl üblicherweise aufwirft. Wo sein Revier endet und der Kollege am buddeln ist.
Faszinierend auch der Anblick des Bussards, der von einem Zaunpfosten abhob, aufstieg und nach ein paar Flügelschlägen bereits in den Gleitflug verfiel …

Auf Hamburger Gebiet war es eher der ungewohnt geballte Anblick von Malereien an Gebäuden und Wänden entlang der Strecke. Oft wirklich keine Schönheit, nur Tags oder wilde Kritzeleien. Manchmal dazwischen plötzlich fantasievolle Fassadenmalerei, lebhafte, farbenfrohe Graffiti und zwischendurch Aussagen wie diese:
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.              Och, nö …

.              Du bist. Bist du? Du bist du!

.            .Wir wollen die Freiheit der Welt und Straßen aus Zucker.
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Hinter Hamburg-Eidelstedt bzw. -Stellingen enden die vielen Kurven und Gleiswechsel und mit ihnen das ge-
fühlte Schleichen. Nun kann die Regionalbahn richtig Gas geben. Die Autobahn des Bahnreisenden beginnt, hier werden Kilometer geschafft. Und das Schöne im Zug, ich muss selbst nichts dafür tun …

In Elmshorn hält der Zug regelmäßig etwas länger im Bahnhof, wartet auf andere Züge und Umsteiger. Mich beschlich irgendwann das Gefühl, wir kämen gar nicht wieder los, was offenbar an etwas unschlüssigen Menschen auf dem Bahnsteig lag. Kurz darauf erklang die freundlich-mahnende Durchsage des Zugführers:

„Bitte entscheiden Sie jetzt: Entweder rein in den Zug oder im schönen Elmshorn bleiben!“

Gerumpel, sich schließende Türen, Abfahrt. Der trotz Freundlichkeit offenbar genügend energisch herüberkommende verbale Anstupser hatte Wirkung gezeigt.

In Glückstadt riss übrigens tatsächlich der Himmel später etwas auf! Bei diesem Stadtnamen vielleicht kein Wunder, sondern Programm? Geht es Ihnen auch so, dass es sich für Sie netter, positiver und wünschens-
werter anhört, wenn Sie verkünden, Sie fahren nach Glückstadt, als – beispielsweise – nach Kummerfeld oder Elend?
Nichts gegen Kummerfeld und Elend! Ich spreche nur vom Namen und vom Gefühl!
Ich würde mich magisch von Glückstadt angezogen fühlen …
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Glückstadt - Die Elbe bei Niedrigwasser ...

Glückstadt – Die Elbe bei Niedrigwasser …

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Jetzt habe ich Ihnen tatsächlich schon wieder viel mehr erzählt, als ich ursprünglich vorhatte. Wie die Zeit vergeht! Lassen wir es für heute gut sein. Genügend Glückstädter Elbluft inhaliert. Für den Moment zumindest.

Nur eines noch: Haben Sie schon einmal einen Erpel landen sehen? Auf Eis? Auf nur einem, genauer gesagt dem linken Bein? Den rechten Patschfuß in die Luft und wie ein Stechpaddel elegant nach hinten rechts weggestreckt? Nicht?
Im Stadtpark von Glückstadt mit seinen Wasserläufen gibt es einen Artisten, der nach durchaus stürmischer Landung nicht etwa einbricht, sondern nach dem Aufsetzen mit lässiger Eleganz über hauchdünne Eisflächen glitscht. Ein Bild für die Götter!
Aller Aufwand nur, um danach Spaziergänger an Land zu Fuß zu begleiten …
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Glückstadt - Stadtpark - Als Spaziergänger fühlt man sich etwas verfolgt .... (Rechts vorne übrigens der Artistenerpel)

Glückstadt – Stadtpark – Als Spaziergänger fühlt man sich etwas verfolgt …. (Rechts vorne übrigens der Artistenerpel)

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Feierabend! Wenn Sie mögen, lesen wir uns demnächst wieder. Ich habe nur momentan einige Abendtermine und komme nicht so häufig an den Laptop wie gedacht.
Was nehmen Sie heute an Gelerntem mit? Genau: Aufpassen bei Facebook, Glückstadt ist schön, Elbluft ist nicht gleich Elbluft, Bahn fahren kann sehr entspannend sein, und es lohnt sich, auf landende Erpel zu achten.

Bis zum Wiederlesen! Lassen Sie es sich bis dahin gutgehen!

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© by Michèle Legrand, Februar 2017
Michèle Legrand

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„Das liegt an den Pferden …“

Kürzlich kullerten mir ein paar weiße Zuchtpilze vor die Füße. Sie und ein Verteilerkasten sind die Auslöser für den Beitrag, der heute auf Sie zukommt.
Verwundert? Nun, dieser Blog trägt nicht grundlos die Bezeichnung Gedankensprünge als Teil seines Namens. Die gibt es hier halt. Ein Erlebnis, die vor einem ablaufenden Bilder, ein auftauchendes Geräusch, ein Duft … So etwas ruft sehr häufig Assoziationen hervor und lenkt Gedanken im Nu um. In eine gänzlich neue Richtung. Bei mir ist es jedenfalls so. Sie führt ein solcher Gedankensprung heute in meine Wohngegend und nebenbei zeitlich zurück.

Wieso mir die Pilze überhaupt …? Das auslösende Moment gehört gar nicht zum Endthema, doch wenn Sie wollen, erzähle ich Ihnen gern davon gleich mit.
Ich fuhr eine Rolltreppe hinauf. Direkt vor mir stand eine Frau mit einem proppevollen Einkaufsbeutel. Oben angekommen, erfolgte der obligatorische Schritt auf festen Boden – und da blieb sie stehen. Mitten im Auslauf! Dort, wo es noch zu eng ist, um auszuweichen und seitlich an ihr vorbeizuhuschen. Hinter mir folgten weitere Leute, eine Rolltreppe stoppt prinzipiell nicht, und so stieß ich von hinten an sie an. Es ließ sich absolut nicht verhindern.

Sie reagierte entrüstet. Verblüfft hielt ich mich zunächst zurück, denn – wäre ich an ihrer Stelle gewesen – ich hätte mich wohl eher entschuldigt. Sie begann erstaunlicherweise, sich lautstark zu beschweren und erklärte, dass alle Auflaufenden (ich, aber auch die danach Kommenden) besser hätten aufpassen müssen. Das wäre
so wie beim Autofahren: der, der auffährt, hätte Schuld.

Dem Herrn, der auf der Treppe direkt hinter mir gestanden hatte und der genauso in die Bredouille geraten war (er klebte nun noch halb an mir), platzte fast der Kragen, als er das vernahm. „Wir hätten alle stürzen können!“, war noch das Mildeste, was er von sich gab. Danach wurde es inhaltlich etwas ausfallend, was natürlich in keiner Form zu einem gütlichen oder halbwegs einvernehmlichen Ende führte.
Ich stand dazwischen und kam nicht weg. Natürlich ärgerte es mich auch! Was hatte das mit Aufpassen zu tun! Es gab doch keinerlei Anzeichen für einen kommenden Blitzstopp! Und wohin hätte man ausweichen sollen?
Überhaupt dieser Vergleich mit dem Straßenverkehr … Was wäre denn eine in etwa vergleichbare Situation? Vielleicht ein in einem engen, einspurigen Tunnel unvermittelt bremsender Autofahrer, der den Motor von jetzt auf gleich abschaltet und sein Fahrzeug grundlos stehen lässt? Wobei sich dort wenigstens nicht noch die Fahrbahn hinter ihm wie ein Transportband weiterbewegen würde.
Ich wandte mich ihr zu:
„Darf ich Ihnen einen Vorschlag machen? Wir werden die Fahrt wiederholen. Es scheint, Sie können sich nicht vorstellen, dass Ihr Hintermann keine Chance hat, einen solchen Aufprall zu vermeiden. Also probieren wir es aus. Diesmal fahre ich vor Ihnen, Sie stellen sich hinter mich. Oben werde ich mich genauso verhalten wie Sie vorhin. Und Sie haben jetzt sogar noch den Riesenvorteil, dass Sie wissen, was kommt. Wir werden sehen, wie Sie die Lage meistern.“
Oooh! Das war gar nicht ihr Ding. Sie bezeichnete es als „bekloppte“ Idee und weigerte sich vehement. Vor lauter Empörung geriet der Einkaufsbeutel ins Schwanken, die obenauf liegende Papiertüte vom Gemüse-
händler fiel heraus, riss, und eine Ladung weißer Kullerpilze verteilte sich auf dem Boden. Vor meinen Füßen …

Ansonsten hat sich der kleine Menschenauflauf danach auseinanderdividiert. Es hatte keiner mehr Lust auf den Zirkus. Einsammeln musste sie ihre Pilze alleine.

Direkt nach diesem Theater stieß ich auf dem Heimweg auf besagten Verteilerkasten, der seit Kurzem über-
haupt nicht mehr grau und trostlos aussieht, sondern sehr positiv auffällt, nachdem er farblich gestaltet wurde. Es ist nicht der erste Stromkasten, der in meinem Bezirk (Wandsbek) durch das kunstvolle Bemalen und Aufsprühen von farbigen Motiven eine solche Schönheitskur erfährt – und wieder ist es ein Werk von Vincent Schulze!
Können Sie sich noch dunkel entsinnen? Bereits vor fünf Jahren (2012) habe ich den Hamburger Künstler
ein erstes Mal im Blog erwähnt. Inzwischen hat er in vielen Stadtteilen seine Spuren hinterlassen. Außer in Wandsbek wird man u. a. in Eimsbüttel, Curslack, Neugraben, Lohbrügge sowie Niendorf oder auch an der Alster fündig. Seine Werke entstehen jedoch nicht nur draußen, als Kunst im öffentlichen Raum (Fassaden, Verteilerkästen etc.) für alle sichtbar, sondern natürlich vermehrt auch als Innengestaltung in Wohn- und
Nutzräumen (z. B. Badgestaltung) oder nicht allgemein zugänglich als Wandmalerei auf Privatgrund (Innenhöfe). Auftraggeber sind sowohl Privatpersonen als auch Vereine sowie Firmen unterschiedlichster Branchen, die ihren Traum vom geschäftsbezogenen Motiv oder von Skylines, Dünenlandschaften, Tieren, Gebäuden etc. verwirklicht haben möchten.
Was mir – abgesehen von seiner Arbeit ganz generell – besonders gefällt, ist, dass die Außenmotive in der Mehrheit der Fälle einen unmittelbaren, meist geschichtlichen, Bezug zur Umgebung haben.

Der recht breite Verteilerkasten, um den es zunächst geht, steht auf dem Wandsbeker Marktplatz. Er besitzt auf Vorder- und Rückseite unterschiedliche Motive.
Die der Straße abgewandte Ansicht verschafft einen Eindruck davon, wie der Marktplatz im Jahre 1866 ausgesehen hat. Zu der Zeit gab es dort tatsächlich noch eine Art Wald.
Erkennen Sie die Freifläche rechts neben der Kirche? 22 Jahre später (1888) startete dort der Bau des Matthias-Claudius-Gymnasiums, das es heute noch gibt, wenngleich auch die Schäden am ursprünglichen Gebäude im Krieg enorm waren und es inzwischen einige Neu- und Erweiterungsbauten gibt.
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Hamburg - Wandsbeker Marktplatz - Verteilerkasten mit alter Ansicht (Blick stadtauswärts) - Gestaltung: Vincent Schulze,, HH

Hamburg – Wandsbeker Marktplatz – Verteilerkasten mit alter Ansicht (Blick stadtauswärts) – Gestaltung: Vincent Schulze,, HH

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Auf dem zur Straßenseite ausgerichteten Bild, ist als größter Bau das Karstadt-Haus zu erkennen und zwar um das Jahr 1900 herum. (Für Nichthamburger zur Information. Karstadt gibt es bis heute dort, eines der wenigen Gebäude, die sogar den Krieg überstanden haben.) Wer ein bisschen in diese Zeit zurückgeht, findet heraus, dass es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht Rudolph Karstadt, dem bekannten Begründer der Dynastie, gehörte, sondern seinem Bruder Ernst, der es ihm jedoch nicht lange danach verkaufte.
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Hamburg - Wandsbeker Marktplatz - Alte Ansicht der Wandbeker Marktstraße mit Karstadt-Haus - Gestaltung: Vincent Schulze, HH

Hamburg – Wandsbeker Marktplatz – Alte Ansicht der Wandbeker Marktstraße mit Karstadt-Haus – Gestaltung: Vincent Schulze, HH

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Auf zwei weiteren, nebeneinander stehenden, kleineren Kästen, die ebenfalls durch Vincent Schulze ein neues Gesicht erhielten, sind Matthias Claudius, der hier in Wandsbek lebte, sowie seine Frau Rebecca (Rebekka) porträtiert (Ecke Claudiusstraße/Schloßstraße).
Und noch ein sehr schöner und vom selben Künstler enorm aufgewerteter Verteilerkasten mit Wandsbek-Bezug hat seinen Platz Ecke Neumann-Reichardt-Straße/Schädlerstraße. Auf ihm ist das ehemalige Wandsbeker Schloss zu sehen, das einst nah des Wandsbeker Marktes stand. Leider existiert es nicht mehr. Dabei würde es sich sehr gut machen …

An seinem Platz entstand zunächst die Wandesburg, eine Wasserburg, die Heinrich Rantzau ab 1564 er-
bauen ließ. Nach diversen Eigentümerwechseln gelangte 200 Jahre später Heinrich Carl von Schimmelmann in ihren Besitz. Wir Wandsbeker (und noch ein paar andere, z. B. die Altonaer) gehörten früher lange zum Königreich von Dänemark. So erklärt sich die zunächst erstaunlich klingende Aussage, dass der neue Eigen-
türmer 1764 gleichzeitig Finanzminister von Dänemark war. So wie übrigens auch schon zuvor Rantzau die Funktion eines dänischen Statthalters ausübte.
Von Schimmelmann ließ die Burg bald danach abreißen, um auf ihr sein Wandsbeker Schloss (1772 bis 1778) zu errichten – inklusive eines Barockparks und eines Landschaftsgartens. Und natürlich entstanden Gebäude für die Bediensteten sowie Stallungen. Große Teile des heutigen Stadtteils Marienthal zählten früher zum Gebiet des ausgedehnten Guts.
Ungünstig war nur, dass bereits die Nachfahren Schimmelmanns im 19. Jahrhundert Geldprobleme hatten und das Anwesen verkaufen mussten. Ein Herr von Carstenn (tatsächlich mit Doppel-n) übernahm es, teilte flink das Land in Parzellen auf, verkaufte diese und ließ das schöne Schloss 1861 abreißen.
Achtzig oder knapp neunzig Jahre sind in meinen Augen keine sonderlich lange „Lebenszeit“ für ein Barockschloss.
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Hamburg - Wandsbek - Verteilerkasten mit Wandsbeker Schloss (Vorderseite) - Gestaltung: Vincent Schulze

Hamburg – Wandsbek – Verteilerkasten mit Wandsbeker Schloss – Gestaltung: Vincent Schulze

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Vor zehn Jahren – bevor ein Neubauvorhaben mit umfangreichen Bodenbewegungen gestartet wurde – führte man vor Ort Ausgrabungen durch. Dabei wurden Ziegelmauerreste entdeckt, die auf Felssteinfundamenten errichtet waren. Außerdem kamen  hölzerne Zu- und Abwasserleitungen zum Vorschein.

Auf alten Ansichten ist zu erkennen, dass einst zwei steinerne Löwen links und rechts der Auffahrt zum Schloss Wache hielten. Die Originale gibt es noch, sie stehen heute im WBZ (Zentrum für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt, Schlossgarten 9), also fast an ihrem ursprünglichen Platz, nur drinnen, damit der Sandstein nicht der Witterung ausgesetzt sind. Es sind Abgüsse der beiden Skulpturen, die seit 2004 den Wandsbeker Marktplatz bewachen.
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Hamburg - Wandsbek - Einer der Löwen (Abguss) des ehemaligen Wandsbeker Schlosses

Hamburg – Wandsbek – Einer der Löwen (Abguss) des ehemaligen Wandsbeker Schlosses

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Und bis heute existieren zwei Exemplare der Sandsteinvasen, die ebenfalls die Außenanlage des Schlosses zierten …
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Hamburg - Wandsbek - Eine der existierenden Sandsteinvasen, die einst am alten Wandsbeker Schloss standen

Sandsteinvase, die einst am alten Wandsbeker Schloss stand …

Dass mich die Malereien auf dem Verteilerkasten zu Vincent Schulze und dessen Wandsbek-Motive wiederum zum Thema Schloss führten, können Sie leicht nachvollziehen. Doch warum auch die Pilze?

Als ich vor recht langer Zeit hierher in eine Parallelstraße zum „Schloßgarten“, eben jener Straße zog, in der sich in früheren Zeiten das Schloss befand, hatte ich nur eine sehr vage Idee davon gehabt. Und die eher vom Bauwerk als von den Ausmaßen der Ländereien!
Während ich südwestlich vom ehemaligen Standort des Schlosses lebe, zogen sich die angelegten Gärten
mehr in östlicher Richtung, dort, wo heute die Überreste des alten Baumbestandes das Gehölz bilden.
Gab es auch eine Ausdehnung in die andere Richtung, mehr zu meiner Seite hin?

Als ich in den Anfangsjahren einmal im Garten werkelte, spazierte eines Spätsommernachmittags eine betagte Dame vorbei, die in der Nachbarschaft, nur ein paar Häuser weiter, wohnte. Wir kamen ins Gespräch, und ich verriet ihr, dass ich erstaunt darüber sei, schon das dritte Jahr in Folge haufenweise Champignons auf meinem Rasen zu entdecken. Echte Wiesenchampignons!
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Wiesenchampignon im Garten ...

Wiesenchampignon im Garten …

Sie schaute verschwörerisch drein und verkündete mir dann:
„Das liegt an den Pferden.“
„Ich habe keine Pferde.“
„Nein, die von früher …“
Ich verstand immer noch nicht, worauf sie hinaus wollte. So erklärte sie die Umstände etwas genauer:
„Schauen Sie, ich spreche von dem alten Schloss. Hier waren früher Pferdekoppeln, die Weiden der herrschaftlichen Pferde. Die haben damals natürlich überall ihre Pferdeäppel abgelegt. Den Mist aus den Ställen verteilte man in den Nutzgartenbereichen. Beste Voraussetzung dafür, dass auf dem Boden Champignons gedeihen. Selbst heute hat das Erdreich immer noch etwas davon in sich. Von diesem Pferdedung, meine ich. Ich habe auch Champignons im Garten!“

Ich weiß bis heute nicht, ob ich dem Glauben schenken soll oder nicht … Was meinen Sie?
Als nach dem Abriss des Wandsbeker Schlosses die Grundstücke verkauft wurden, also auch die Weide- und Anbauflächen, errichtete man dort nach und nach Villen und zog neue Straßen durch das Gebiet. Später, im Krieg, war diese Gegend u.  a. während der Operation Gomorrha Ziel zahlreicher Bombenabwürfe. Ein ganz erheblicher Teil der Villen lag danach in Trümmern oder hatte den Feuersturm nicht überstanden.
Man ließ damals den Schutt an Ort und Stelle, verteilte ihn großflächig, planierte alles und baute so bald es ging direkt darauf neue Häuser. Aus eigener Erfahrung weiß ich, nur eine dünne Lage Erde bedeckt die Ziegelgeröllschicht von damals.
Schauen Sie einmal, was ich vor Jahren bei jedem Stück Garten, das ich neu anlegen und gestalten wollte, zuvor alles auszugraben hatte …
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Hamburg - Wandsbek/Marienthal - Schuttreste aus Kriegszeiten sind immer noch im Boden ...

Hamburg – Wandsbek/Marienthal – Schuttreste aus Kriegszeiten sind immer noch im Boden …

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Selbst wenn einige Stellen im Umkreis des Schlosses tatsächlich noch „original“ sein sollten, d. h. der Boden ohne Schuttschicht … Kann es sein, dass sich der damals reichlich ausgebrachte Pferdedung in Form von Weideäpfeln und Stallmist noch nach 100 bis 150 Jahren auf die Erdbeschaffenheit auswirkt? Sie eine champignontaugliche Zusammensetzung besitzt? Zumindest, wenn weitere Gegebenheiten ebenfalls passen, wie beispielsweise ein Stück vorhandene, natürliche Rasenfläche/Wiese, möglicherweise Gehölze als Anrainer, neutraler bis leicht basischer Untergrund, keine mineralischen Dünger, überhaupt wenig Nährstoffe bei gleichzeitig genügend hohem Stickstoffanteil. Ideal dazu wäre eindeutig halb verrottetes, fermentiertes Material (wie eben Pferdemist).

Vielleicht ist das, was mir die alte Dame erzählte, lediglich ein schönes Märchen. Allerdings mag ich solche Geschichten!
Wann immer bei mir Champignons vorwitzig aus der Erde oder zwischen Gräsern des Rasens hervorlugen,
sich strecken und ihre erstaunlich großen Hüte ausbreiten, denke ich automatisch an die Rösser des Herrn Schimmelmann, die womöglich ausgerechnet in meinem Garten den Drang verspürten, Äppeldung mit Langzeitwirkung zu hinterlassen.
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Schluss machen für heute? Ja, es ist schon wieder dunkel draußen. Nur noch ein kleiner Schlenker und gedanklicher Sprung zurück zur Wandmalerei und Verteilerkastengestaltung.
Wenn Sie neugierig geworden sind und Lust auf weitere Motive bekommen haben, dann finden Sie auf der Website des Künstlers Vincent Schulze im Blogbereich vielfältige und wirklich sehenswerte Fotobeispiele.

Hier geht’s zur Homepage, hier direkt zum Blog.
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Und nun ist endgültig Feierabend!  Denn, um es mit den Worten von Matthias Claudius zu sagen, „Der Mond ist aufgegangen“.

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Hamburg - Wandsbek/Christuskirche - Zur Erinnerung an Matthias Claudius die Bronze "Der Mond ist aufgegangen" von Waldemar Otto.

Hamburg – Wandsbek/Christuskirche – Zur Erinnerung an Matthias Claudius die Bronze „Der Mond ist aufgegangen“ von Waldemar Otto.

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Vielleicht schauen Sie gelegentlich wieder vorbei, es würde mich freuen.  Bis demnächst!

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© by Michèle Legrand, Januar 2017
Michèle Legrand

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„Büschen Wind“

Haben Sie das Weihnachtsfest gut verlebt? Ich hoffe, Sie hatten schöne Feiertage, solche entspannter Natur, so dass Ihnen Stress oder andere Unannehmlichkeiten weitestgehend erspart blieben.

Nachdem der Trubel vorbei und das Essen etwas gesackt ist, spräche doch nichts dagegen, sich hier erneut zusammenzufinden. Ich hätte Sie nach der vermehrten Sitzerei natürlich gern wieder zu einem Spaziergang abgeholt, doch glauben Sie mir, das Hamburger Wetter war bisher alles andere als empfehlenswert für einen Aufenthalt im Freien. Sturm, Regen und Hochwasser wurden uns um Weihnachten herum kredenzt.
Obwohl Hamburger – mit ihrem leichten Faible fürs Understatement – eher von einem büschen (bisschen) Wind und erhöhter Feuchtigkeit sprechen. Ich sage, es hat ordentlich gebrist, dazu gab es ausgiebig Sprühregen, am zweiten Feiertag abends örtlich obendrein Hagel, der Blitzeis auslöste. Nicht so fein. Genauso wenig wie umge-
stürzte Bäume und herumfliegende Gegenstände. Und dann die Elbe!
Dazu fällt mir gerade etwas ein …

Ein ehemaliger Kollege war Leiter der Speditionsabteilung meiner damaligen Firma. Er war einer dieser wetterfesten Althamburger. Jobbedingt musste er recht häufig vom Büro an der Außenalster hinüber in den Hafen zu Speditionen und anderen Betrieben, zu Lagerhallen und Schuppen oder, wenn wir Ware erwarteten bzw. verluden, auch direkt bis an die Pier zu den Containerschiffen. Ein alter Fuchs wie er war natürlich mit den Gezeiten vertraut und wusste, was Sturm an der Elbe, einem mit der rauen Nordsee verbundenen Fluss, bedeutet. So einem war klar, dass man bei Hochwasser fix aufpassen musste, wo im Hafenareal noch ein Durchkommen war und vor allem, wo man bei angesetzten Terminen vor Ort zwischenzeitlich sein Auto ab-
stellen konnte und wo tunlichst nicht.
Wer nicht gerade ein Amphibienfahrzeug besitzt, hat nämlich sonst ganz schnell das Nachsehen.

Es ging auch alles gut bis zu dem Tag, an dem er nach einem Vertragsabschluss zum Feiern mit Geschäfts-
partnern am Hafenrand, unten in Altona an der Fischauktionshalle, unterwegs war und seinen ziemlich neuen BMW dort parkte. Völlig sorglos, da sich kaum ein Lüftchen regte, geschweige denn eine Sturmflutwarnung verbreitet worden wäre.
Man feierte bei einem Essen auf Partnerseite die zu erwartenden großen Ladungsmengen bzw. auf unserer Seite vorteilhafte Sonderkonditionen für alle Frachtraten, zog spätabends zu Fuß weiter, versackte in einer Kneipe auf St. Pauli und becherte ganz erheblich – wie das seinerzeit branchenüblich war. Der Morgen dämmerte bereits, als der Kollege sich von einem Taxi nach Hause chauffieren ließ. Vernünftig nach all dem Alkoholkonsum, und das eigene Auto lässt sich schließlich auch im Tagesverlauf noch einsammeln.

Nicht so reaktionsschnell wie sonst, fiel ihm im angeduselten Zustand überhaupt nicht auf, dass über Nacht ein frisches Windchen aufgekommen war. Eines, das der Sturmflutwarndienst des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie so nicht auf dem Schirm gehabt hatte. Später hieß es, man hätte es schwächer und wesentlich weiter nordöstlich vorbeiziehend erwartet. Dieses „büschen Wind“ erreichte jedoch selbst in Stadtnähe in Böen Orkanstärke, was wiederum zur Folge hatte, dass das auflaufende Hochwasser mit Macht hereingedrückt wurde und in Altona an der Fischauktionshalle Land unter herrschte. Die Elbe trat im Schwall über die Kaimauer, noch bevor überhaupt der Höchststand der Flut erreicht worden war.

Es ist jedes Mal aufs Neue erstaunlich, wie sich Wasser seinen Weg sucht, wie schnell es sich durchfrisst, ausbreitet und dabei der Wasserspiegel innerhalb weniger Minuten massiv steigt …
Für die Fischauktionshalle selbst ist das Hochwasser kein Drama. Dort ist es bereits eingeplant. Man öffnet sogar die Tore, damit das Wasser gut wieder ablaufen kann. Aber für alles drum herum bedeutet es heute genauso wie früher: Was nicht niet- und nagelfest ist, wird getunkt, getränkt und mitgeschleift, und nicht rechtzeitig entfernte Autos in Kainähe gehen nach kurzer Zeit auf leichte Tauchstation. Heute wie damals.

Wie es mit dem Kollegen weiterging? Am nächsten Morgen vermissten die Mitarbeiter der Speditionsabteilung zunächst ihren Chef, nahmen angesichts des Vertragsabschlusses und des intensiven „Anstoßens“ jedoch an, er wäre verkatert und käme deshalb etwas später. Mittags hielt ein weißer R4 vor der Firma. Sein Sohn lieferte ihn am Büro ab.
Es stellte sich heraus, dass der Nachtschwärmer daheim im Halbschlaf das Heulen des Windes und das Rütteln an den Fenstern mitbekommen und kurz darauf im Radio von der Sturmflut bzw. der Situation im Hafen gehört hatte. In böser Vorahnung war er mit seinem Sohn als Chauffeur zur Fischauktionshalle geeilt. Wasser stand dort nicht. Nicht mehr. So schnell wie es aufläuft, läuft es häufig auch wieder ab. Allerdings stand dort auch kein Auto mehr. Kostenpflichtig abtransportiert, wie er kurz darauf von der Polizei erfuhr. Es hatte nachts eigenmächtig seine Position verändert und gefährdete den Verkehr. Die Spuren am Auto zeigten, dass das Wasser bis mindestens Oberkante Radkasten gestanden hatte und teilweise hineingelaufen war – an Stellen, die besser kein Wasser abbekommen hätten.
Inzwischen befand sich der BMW erneut auf einem Abschleppwagen und auf dem Weg zu einer Werkstatt. Die Laune seines Besitzers fiel eine ganze Weile entsprechend grottig aus. Die Stimmung besserte sich erst, als das Auto aus der Reparatur zurückkam, wieder einsatzfähig war und langsam Gras über die Sache wuchs.
Nur von Zeit zu Zeit, wenn der Abteilungschef wieder zu Terminen Richtung Hafen aufbrach, konnte es sich mancher nicht verkneifen, mit unschuldigem Blick und den Worten „Büschen windig, oder?“ alte Wunden wieder aufzureißen.

Sturmflut in Hamburg. Überflutete Bereiche im Hafengebiet. Verschwundene Straßen, einsam aus dem Wasser ragende Laternenpfähle oder die Oberkanten von Sitzbanklehnen als einzige noch herausragende Teile und sichtbare Beweise ihrer Existenz. Umgekippte Mülltonnen, herumfliegende Gegenstände, im Wasser treibende Teile. Sprühregen, den der Wind waagerecht heranpeitschen lässt. Sie haben vielleicht entsprechende Aufnahmen gesehen. Alles büschen feucht …

Im Moment wird gerade wieder diskutiert, ob zu spät vor dem Hochwasser am zweiten Feiertag gewarnt wurde, denn die Sturmflutwarnung kam erst in der Nacht, als die meisten bereits schliefen, also nichts mehr hätten in Sicherheit bringen oder eventuell zusätzlich hätten schützen können. Auf der anderen Seite kam es selbst für Spätheimkehrer nicht mehr rechtzeitig genug; sie wurden von der Heftigkeit der Sturmflut und den überfluteten Straßen größtenteils überrascht.
Zum Zeitpunkt der Nachricht und Warnung war der Höchststand jedenfalls schon fast erreicht, und der Fischmarkt optisch bereits ein Swimmingpool.

Es ist offenbar gar nicht so leicht, den richtigen Zeitpunkt für die Verbreitung einer Warnmeldung zu finden. Vor einiger Zeit wurde massiv und mit überreichlichem Vorlauf vor einer erwarteten, schweren Sturmflut gewarnt, nur trat sie später in dieser Form nicht ein. Die angekündigten Pegelstände wurden bei weitem nicht erreicht. Schon wurde gemeckert. Was die Aufregung und unnütze Panikmacherei solle.
Zu Weihnachten hingegen hatte man stürmische Winde an der Küste erwähnt und auf dadurch etwas höher ausfallendes Hochwasser hingewiesen. Nun entpuppte sich das „büschen Wind“ als mächtiger als vermutet. Sie werden es ahnen – nun wird gemosert, dass „nie“ jemand was sagt.
Und die Fachleute selbst äußern dazu, sie wollten vermeiden, zu oft und zu früh zu warnen, weil sie dadurch im Fall der Fälle keiner mehr ernst nehmen würde …
Stimmt alles, doch lieber einmal zu oft oder letztendlich unnötig gewarnt, als gar nicht und es passiert durch Unwissenheit ein Unglück. Oder wie sehen Sie die Sache?

Bei Sturm und Regen war mir nicht so sehr danach ins Hochwassergebiet zu marschieren, nur um Fotos mitzubringen. Ich habe in meinem Archiv gekramt und zeige Ihnen stattdessen, wie es an der Fischauktionshalle aussieht, wenn es trocken und sturmfrei ist. Die 120 Jahre alte Halle ist nämlich ein sehr schöner Bau, der nach der Restaurierung 1984 zu Recht unter Denkmalschutz gestellt wurde.
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Hamburg - Altona - Fischauktionshalle in der Abenddämmerung

Hamburg – Altona – Fischauktionshalle in der Abenddämmerung

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Haben Sie gesehen? Draußen vor der Halle macht gerade eine Gruppe von weißbemützten Köchen Pause, bevor die Verköstigung der Gäste drinnen weitergeht …
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Hamburg - Altona - Fischauktionshalle mit Stil an der Großen Elbstraße (Details Ziegelwand und Wandlampen)

Hamburg – Altona – Fischauktionshalle mit Stil an der Großen Elbstraße

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Hamburg - Altona - Fischauktionshalle (Detail Fenster Eingang)

Hamburg – Altona – Fischauktionshalle

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Hamburg - Altona - Fischauktionshalle - Auch von innen interessant anzusehen ...

Hamburg – Altona – Fischauktionshalle – Auch von innen interessant anzusehen …

Sie können auf den nächsten Aufnahmen erkennen, wo Autos üblicherweise geparkt werden. Hinter der Fischauktionshalle verläuft die Große Elbstraße …
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Hamburg - Altona - Große Elbstraße (Im Hintergrund die Fischauktionshalle)

Hamburg – Altona – Große Elbstraße (Im Hintergrund die Fischauktionshalle)

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… und etwas weiter rechts (Foto unten), von der Halle aus gesehen, findet am Sonntag in der Früh stets der traditionelle Altonaer Fischmarkt statt.
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Hamburg - Elbe - Anleger Altona (Fischmarkt) mit Fischauktionshalle

Hamburg – Elbe – Anleger Altona (Fischmarkt) mit Fischauktionshalle

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All diese Bereiche stehen bei Sturmflut komplett unter Wasser …

Der erwähnte Kollege hat natürlich nie wieder dort unten geparkt. Einmal Überflutung, nasser BMW und Reparaturkosten haben ihm gereicht. Geben auch Sie acht, wo Sie ihre Habseligkeiten abstellen, falls Sie einmal in Hamburg an der Elbe unterwegs sind und so ein büschen Wind weht. Auch am Elbstrand!
So wie die Flut an der Nordsee nach der Ebbe enorm schnell große und eben noch trockene Wattbereiche wieder für sich einnimmt, so macht sich hier der Fluss notfalls breit und erobert sich das Land dazu. Wasser
ist unberechenbar …

Ich schaue gerade aus dem Fenster … Ich möchte nicht euphorisch wirken, schon gar nicht zu früh, doch es scheint tatsächlich so, als würde sich das Wetter endlich bessern. Ein Spaziergang rückt somit in greifbare Nähe. Sie werden schon sehen, das wird hier alles penibel nachgeholt …

Haben Sie jedoch erst einmal eine schöne Zeit zwischen den Jahren und kommen Sie gut in das neue Jahr hinein. Wäre es nicht traumhaft, wenn 2017 positiver und friedlicher ausfallen würde als 2016?
Ach, kommen Sie, träumen und hoffen darf man doch …

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© by Michèle Legrand, Dezember 2016
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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39 Kommentare

Dicke Wände, Schleimspuren und anderes …

Mögen Sie ein Stück mitspazieren? Es geht um nichts … Spektakuläres. Frische Luft, ein bisschen schauen, dazu ein kleiner Plausch, der unterwegs das graue Wetter hier im Norden ignorieren hilft. Und ich bin gerade ziemlich froh, dass es mit dem Spazieren wieder funktioniert, denn neulich habe ich doch glatt getestet, ob
mein Knie oder die Straße härter ist, ob gedehnte Bänder im Fuß Schmerzen verursachen und ob eine Asphaltoberfläche Platz- und Schürfwunden über der Augenbraue verursacht. (Ja, tut sie.) Nun ist alles wie-
der picobello, also könnten wir von mir aus starten.

Der OSZE-Gipfel ist mittlerweile geschafft, insofern sind keine Streckenbehinderungen zu erwarten. Ich wohne
in Hamburg sowieso in einem anderen Bezirk, einem, der letzte Woche zumindest von Sperrungen nicht direkt betroffen war, doch die Helikopter hörte man auch hier ständig. Die kreisten pausenlos über der ganzen Stadt.

Am Mittwoch, bevor der Gipfel startete und die Politiker bereits eintrafen, näherte sich nachmittags eine Passagiermaschine auf einem völlig anderen Kurs als üblich, vollzog über unserem Haus in Schräglage
eine Kurve und flog in extremem Schneckentempo weiter Richtung Flughafen. Ich munkele gern herum,
dass Außenminister John Kerry gerade einflog und ihm auf diese Weise noch ein wenig Sightseeing von
oben beschert wurde.
„Yes, Mr. Kerry, bird’s eye view of the awesome city of Hamburg. Sir, wenn Sie jetzt nach unten schauen,
you can see the Eisbahn of the Wandsbeker Winterzauber. Yes, Winterzauber. No, keine Zauberei! It’s
a Christmas Market. And look here, more on the left, standing in front of the house! Die Frau an der Tür,
sie schaut gerade hoch! …This is Michèle, you know?“
„Oh, really? I see …Wait, the one blogging about the Olivenholz?“

Das ist ein Ding mit ’nem Pfiff, oder? Ich schreibe über Hamburger Weihnachtsmärkte und erwähne gewisse Olivenholzschalen etwas näher. Was macht Mr. Kerry? Rennt vom Hotel als erstes hinüber zum Jungfernstieg und kauft sich eine! Ich habe ja beim Blog einen Abonnenten mit dem Namen John … Wahrscheinlich liest
der Gipfelgast aus den USA mit.
Oh, warten Sie, dabei fällt mir gerade etwas anderes ein!

Passiert es Ihnen auch manchmal, dass etwas Sie abrupt an schon ewig aus den Augen verlorene Menschen aus Ihrem Bekannten- oder einstigem Kollegenkreis erinnert? Ich erlebe das hin und wieder.
Irgendjemand vor mir hat einen vertrauten Gang, nimmt eine Haltung ein, die mir bekannt vorkommt. Manch-
mal erklingt eine Stimme, die mich aufhorchen lässt. Ein Singsang, ein Dialekt … Oder ein Verhalten weckt Erinnerungen!
Mir fiel daher eben spontan ein ehemaliger Kollege ein, der immer wunderbar ernst bleiben konnte, selbst wenn er anderen den größten Blödsinn erzählte. Ihm bereitete es diebische Freude, sein Gegenüber auf die Schippe zu nehmen. Doch jedes Mal, bevor es wirklich brenzlig wurde, wurde fix ein entwaffnendes „Späßle g’macht“ hinterhergeschoben. Dabei blickte er dermaßen zerknirscht drein (so echt, wie er vorher ernst geschaut hatte), dass man ihm unmöglich lange böse sein konnte.
Sie wissen, an welcher Stelle die Erinnerung an ihn bei mir aufblitzte? Genau. Außenminister Kerry hat mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit nicht vorher bei mir im Blog gestöbert. Späßle g’macht.

Und sie blitzte ein weiteres Mal auf, als ich gestern einen Vater mit seiner noch kleinen Tochter im Eiscafé sah. Der war vom gleichen Schlag wie Gernot Küppers* damals. Die beiden, Vater und Tochter, haben Espresso für ihn und ein Kindereis für die Lütte bestellt. Schneckeneis. Das kennen Sie, oder? Auf einem Teller kriecht eine freundlich wirkende Schnecke entlang. Der Leib wird aus einer Kugel Erdbeereis geformt, Hals und Kopf sind aus Vanilleeis und dementsprechend hell. Die Augen entstehen durch Schokostückchen, die Fühler sind in den Eiskopf versenkte Kekssticks, das Haus wird durch eine runde, flache Waffel, die zusammen mit einer Fruchtgummischnecke (wie Lakritzschnecke, nur rot) hochkant im Erdbeereis klemmt, nachgebildet. Sieht verdammt schick aus.
Die Schnecke wird gebracht.
„Papa, was ist das da auf dem Teller?“
„Eine Schnecke, Häschen.“
„Nein, das andere.“
Die Schnecke kriecht durch Vanillesoße.
„Das ist Schneckenschleim.“
„Iiiiehh!“
Ein weiterer Fall von „Späßle g’macht“. Ebenfalls bierernst, bestenfalls in den Augen funkelte es etwas verdächtig. Es dauerte übrigens einige Zeit, die kleine Dame wieder vom Gegenteil zu überzeugen und
zum Essen zu bewegen.

Wir kommen völlig vom Thema ab, doch auch das erinnert mich in gewisser Weise an den Kollegen Küppers. Der steckte gelegentlich den Kopf durch die Tür in mein Büro und fragte vorsichtig: „Kleines Schwätzchen?“
Sie können sicher sein, dass er selten beim ursprünglichen Thema blieb und dass es „viele kleine Schwätzchen“ wurden, falls man ihn nicht diplomatisch wieder hinausbugsierte.

Schwätzchen? Sie … und ich? Ich frag nur … Ich möchte Ihnen doch noch von den dicken Wänden erzählen.

In Hamburg gibt es auch heutzutage noch viele Bunkerbauten aus Zeiten des Krieges. So um die 700 sollen es sein, heißt es, wobei einige mittlerweile  komplett abgerissen bzw. abgetragen wurden und sich diese Gesamt-
zahl verteilt auf Hochbunker, Rundtürme, Flaktürme, Sonderbauten und einen großen Teil an unterirdischen Anlagen.
Rundtürme finden Sie z. B. noch am Baumwall oder Bahnhof Hasselbrook, an der Sternschanze oder auch dem Wiesendamm. Was am meisten, oft auch störend, ins Auge fällt, sind natürlich die großen, kantigen, grauen Stahlklötze, die Hochbunker.
Noch bis in die Zeit des Kalten Krieges hat man immer gedacht, man bräuchte sie vielleicht noch einmal als sichere Unterbringungsmöglichkeiten, als Schutzraum, für die Bevölkerung. Man hat sie erhalten, sich aber nicht sonderlich um sie gekümmert. Dann herrschte für ein Weilchen – politisch gesehen – Tauwetter, so dass sich aufgrund (vermeintlich) friedlicher Zukunftsaussichten Gedanken um eine anderweitige Nutzung gemacht wurde.

Sie haben überregional sicher verfolgen können, dass der große Bunker am Heiligengeistfeld (dort wo der Hamburger Dom stattfindet, Public Viewing während Fußball-WMs veranstaltet wird und sich ganz nah das Millerntorstadion (FC St. Pauli) befindet), umgestaltet werden soll. Auf ihm könnte ein großer Dachgarten entstehen (zugestimmt ist dem bereits), doch wie die Bunkerbegrünung  etc. im Detail aussehen soll und am Ende realisiert wird, ist immer noch nicht abschließend geklärt. Ob es wirklich fünf zusätzliche Stockwerke sind, die genehmigt werden und wie so eine Baumanpflanzung in luftiger Höhe funktioniert und auf Dauer auch überlebt … Warten wir es einfach ab.
Dieser ehemalige Bunker (Flakturm) an der U-Bahn Feldstraße ist heute als Medienbunker bekannt, mit vielen Firmen, die sich mit Film, Musik oder Unterhaltung beschäftigen. Auch der Club Uebel & Gefährlich ist dort. Die Nutzung hier also: medienlastig.
Werden andere Bunker in heutiger Zeit ohne größere vorherige Umbauten genutzt, geschieht das ebenfalls häufig durch gewerbliche Mieter, und es wird durchaus von lärmintensiven Gewerbezweigen geschätzt, denn
der Schallschutz ist schließlich hervorragend.

Oder es sind Lagerräume eingerichtet. Hier im Stadtteil Eilbek in der Schellingstraße wird er im unteren Bereich so genutzt, oben wird gewohnt.
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Hamburg - Hochbunker - Eilbek, Schellingstraße

Hamburg – Hochbunker – Eilbek, Schellingstraße

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Werden sie richtig verändert, sind natürlich der Nutzung, der inneren und sogar der äußeren Gestaltung keine Grenzen gesetzt. In Altona gehört ein Bunkergebäude zum Krankenhaus, die Außenhaut mit schönen Motiven verziert, auf dem Allendeplatz steht ein umgebauter Hochbunker, in dem ein Bereich der Universität eingezogen ist. Dem Gebäude sieht man seinen Ursprung gar nicht mehr an. Weiße Fassade, viele Fenster, gerundeter Eingangstorbogen.

In meinem Bezirk gibt es recht viele Hochbunker, die bis vor ein paar Jahren noch in einem ziemlich desolaten Zustand waren. Manchmal kaschiert die Natur ein wenig hässliche, beschädigte Betonfassaden. Hier in diesem Bunker in der Von-Hein-Straße, wurden (werden wahrscheinlich immer noch) Probenräume für Musiker/Bands vermietet. Von der Von-Hein-Straße aus wurden (werden) die insgesamt sieben Hamburger Musikbunker verwaltet.
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Hamburg - Hochbunker in Wandsbek - Der Musikbunker in der Von-Hein-Straße

Hamburg – Hochbunker in Wandsbek – Der Musikbunker in der Von-Hein-Straße

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In Zeiten des erhöhten Wohnraumbedarfs bis hin zum akuten Wohnungsmangel, wird jedoch mehr und mehr der Komplettumbau der noch vorhandenen Hochbunker ins Auge gefasst, und so entsteht vielerorts neuer Wohnraum. Das ist jedes Mal ein sehr umfangreiches, mühevolles Projekt, denn das alte Bauwerk zeigt sich widerspenstig und steht zudem stets inmitten bewohnter Häuser.

Ein Umbau zieht sich locker über drei Jahre und mehr hin und ist in dieser Zeit auch nur dann erledigt, wenn wirklich den ganzen Tag über gearbeitet werden kann und darf. Denken Sie nur an den damit verbundenen Lärm! Pressluft-/Stemmhämmer kann man nicht oder kaum einsetzen, Sprengungen sind im Grunde ausge-
schlossen. Bevor die Nachbarschaft ausnahmslos reif fürs Krankenhaus oder die Insel ist, ist folglich gute Vorplanung der Arbeiten zwingend notwendig und die Lärmreduzierung oberstes Ziel.
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Hamburg - Hochbunker - Üblicherweise inmitten anderer Wohngebäude .... Hier: Von-Hein-Straße

Hamburg – Hochbunker – Üblicherweise inmitten anderer Wohngebäude …

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Wenn Sie den nachfolgenden ehemaligen Bunker in der Wielandstraße betrachten, ahnen Sie vermutlich gar nicht, welche Wände sich z. B. vor Umbaubeginn hier befunden haben. Man sah von außen nur einen zum Teil beschädigten, recht schäbig wirkenden, monströsen Block, der aus 30.000 Tonnen Stahlbeton bestand. Maße: 42 m lang, 17,5 m tief und 22 m hoch.
Haben Sie eine Vorstellung im Hinblick auf die Stärke von Bunkerwänden? Die Mauern dieses Gebäudes hatten ursprünglich eine Dicke von zweieinhalb Metern! Da hätte man Sie mit hochgestreckten Armen quer einmauern können. Selbst wenn in diese Wände großzügig verteilt Fenster eingebaut würden, käme das Licht von außen trotzdem kaum bis in den Wohnraum; es müsste ja zunächst durch eine Art lange Schachtöffnung dringen. Ein Großteil des Lichts würde dabei geschluckt …
Können unter solchen Umständen daraus jemals helle Wohnungen werden?

Wenn zudem keine leistungsstarken Hämmer eingesetzt werden und keine Explosionen zugemutet werden können, wie bekommt man dennoch einen Bunker – salopp gesagt – zerlegt und Betonmassen reduziert?
Man nimmt einen großen Bagger, setzt ihn mit einem Kran erst auf das, später ins Gebäude hinein und ar-
beitet sich Stockwerk für Stockwerk durch das Innere.
Hier, im Falle des Bunkers in der Wielandstraße, wurden auf diese Art fast zwei Drittel des Stahlbetons ab-
getragen. Nur noch 11.500 t sind übrig geblieben und dort, wo bereits zu Kriegszeiten durch einen Bomben-
einschlag Schäden entstanden waren, wird am Ende Fehlendes – zur vorhandenen Optik passend – wieder ergänzt.
Die Wandstärke hat sich jetzt enorm reduziert. Die Mauertiefe beträgt nur noch 1,10 m, und das hat im posi-
tiven Sinn zur Folge, dass nicht nur die verfügbare Innenraumfläche zunimmt, sondern nun endlich auch der zukünftige Lichteinfall stimmt. Ein einstiger Hochbunker wird auf diese Art zum Wohnhaus mit sieben Etagen und 32 neuen Wohnungen unterschiedlicher Größe und Raumanzahl. So langsam ist das Haus bezugsfertig (2017) – nach ungefähr drei Jahren des Umbaus.

In Erinnerung an den geschätzten Kollegen Küppers das folgende Foto mit dieser Bildbeschreibung:
„Nach Umbau inklusive einer hauseigenen Landebahn … “
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Hamburg - Hochbunker in Eilbek - Umbau in der Wielandstraße/Ecke Schellingstraße

Hamburg – Hochbunker in Eilbek – Umbau in der Wielandstraße/Ecke Schellingstraße

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Ein anderes Projekt entsteht ebenfalls in Eilbek in der Börnestraße. Dort finden von einem ehemaligen Hochbunker außer der Sohlplatte lediglich die beiden Seitenwände weitere Verwendung. Hier werden es zukünftig 14 Wohnungen in sechs Etagen sein, und ganz oben entsteht ein Penthouse als Staffelgeschoss
mit Ausblick in alle Himmelsrichtungen.
Die ehemaligen Bunkerseitenwände werden nach Fertigstellung weiterhin nach Bunker aussehen. Sie sollen
nur gereinigt werden. Auch hier vergehen immerhin knapp zwei Jahre (plus fünf Monate für Abbrucharbeiten
im Vorfeld), bis aus dem ehemaligen Hochbunker ein Wohngebäude entstanden sein wird.
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Hamburg - Hochbunker in Eilbek - Umbau in der Börnestraße

Hamburg – Hochbunker in Eilbek – Umbau in der Börnestraße

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So, Herrschaften. Feierabend? Feierabend. Heute haben Sie und ich uns passend zum grauen Wetter graue Bauten angesehen und wissen nun, wo es dickwandige Gebäude gibt. Für alle Fälle. Man weiß ja nie …

Sie wissen, wie Sie heimkommen? Fein. Dann lasse ich Sie nun alleine und verabschiede mich bis zum nächsten Mal. Ich denke, Mr. Kerry müsste mit seiner Olivenholzschüssel inzwischen auch wieder zurück sein.
Haben Sie weiterhin eine schöne Adventszeit! Eventuell lesen wir uns noch einmal vor Weihnachten.

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(*Name geändert)

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© by Michèle Legrand, Dezember 2016
Michèle Legrand

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Verblüffend! So entsteht Hamburgs Laubfärbung – Wahr oder unwahr?

Es gibt neue Erkenntnisse darüber, was grüne Blätter wirklich in dieses prächtig bunte Herbstlaub verwandelt. Wir gehen heute einer erstaunlichen These am konkreten Beispiel Herbst in Planten un Blomen nach.
Es gibt inzwischen Zeugenberichte und aufschlussreiche Fotos, die uns nicht länger zweifelnd mit bis dahin bloßen Annahmen stehen lassen, sondern endlich Fakten schaffen.
Nur … Stimmt das Folgende, oder werden Sie furchtbar hinters Licht geführt?
Urteilen Sie selbst.

Blenden Sie einen Moment die letzten beiden Tage mit all den eintrudelnden Schneefotos aus. Davor wurden Sie bestimmt zwei Wochen oder länger von sämtlichen Medien und speziell durch das Internet großzügig mit Fotos zur aktuellen Laubfärbung versorgt und fragten sich vielleicht angesichts der fantastischen Farben-
pracht, wie es angehen kann, dass mancherorts das Herbstlaub der Bäume so unverschämt gelb leuchtet
oder einige Baumarten fulminant zu Fackeln mutieren.
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Laubfärbung (gelb)

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst

Beim Anblick dermaßen intensiver Farben kommt automatisch der Gedanke, ob das alles natürlich und echt
ist. Wenn der Fotograf jedoch schwört, er hätte nichts bearbeitet oder wenn Sie die Pracht sogar mit eigenen Augen gesehen haben, stellt sich doch unweigerlich die Frage: Natur pur?

Kommen Sie, glauben Sie wirklich, das alles funktioniert allein deshalb, weil der Tag kürzer wird, die Tempera-
turen sinken und Proteine abgebaut werden? Sind Sie tatsächlich überzeugt, dass der bloße Chorophyllumbau und  -abbau ausreicht? Sicher, es wird dadurch der Blick auf die gelblich-roten Carotinoide frei. Und klar, für das Rot hält sich der Farbstoff Anthocyan parat. Das ist das ganze Geheimnis? So etwas sorgt in Deutschland für einen vielerorts derart grandiosen Indian Summer?
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Hamburg - Planten und Blomen im Herbst - Rote Laubfärbung

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst

Die Antwort lautet nein. Was kaum einem zu Ohren kommt und woran folglich niemand einen Gedanken verschwendet, ist die Tatsache, dass in allen Bundesländern unerkannt Laubdesigner am Werke sind.
Hier in Hamburg ist es die Aufgabe von Außerirdischen und ganz speziell in Planten un Blomen sind es
32 Beauftragte vom Asteroiden B611, die für die Laubfärbung sorgen. Publik wurde dies in Hamburg rein
zufällig im Herbst dieses Jahres.
Zuvor hatten es die eine maximale Körperhöhe von 96 cm erreichenden, drahtig-schlanken Wesen mit der auberginefarbenen Haut, dem zitronengelben Kopf und den recht großen Händen immer unbemerkt in die Hansestadt geschafft und konnten sogar ihr bemanntes Flugobjekt nachts ungesichtet in Planten un Blomen landen.

In diesem Jahr vernahm man auf B611 jedoch frühzeitig die Botschaft, dass aufgrund eines bevorstehenden Gipfeltreffens von Politikern in den angrenzenden Messehallen ein Teil der Parkanlage zur Sicherheitszone ernannt werden würde. Streng kontrolliert und mit eingeschränktem Zugang. Ungünstigerweise gerade der, in dem sich der übliche Landeplatz für das Raumschiff befindet. Sie verlegten ihr Kommen daraufhin verschreckt terminlich vor und riskierten wegen der Uneinschätzbarkeit der Lage vor Ort und zwecks besserer Sicht sogar eine Taglandung.
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst. Im Hintergrund der Fernsehtum, Unterteil unsichtbar.

Hamburg – Planten un Blomen – Ufo im Anflug …

 

Normalerweise ist der Bereich, den Sie auf dem nächsten Foto sehen, der Ufo-Ankunftsplatz. Die außer-
irdischen Besucher peilen beim Anflug zunächst den weithin gut sichtbaren Fernsehturm an, um anschließend Richtung Parksee beizudrehen. Sie lassen einen Großteil des Seewassers ab und nutzen gern die dort neben den Wasserdüsen vorhandenen zahllosen Lichtstrahler zur Ausleuchtung des Flugfelds.
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Hamburg - Herbst in Planten un Blomen - Das Wasser des Sees ist teilweise abgelassen, Düsen und Strahler der Wasserspiele zu sehen

Hamburg – Herbst in Planten un Blomen – Der Ufo-Landeplatz

Mit der Furcht vor Beeinträchtigungen ihres Flugverkehrs zur Laubeinsatzzeit auf dem gewohnten Terrain, fiel der Entschluss zu handeln. Anders als sonst wurde diesmal ein Trupp vorweg geschickt, dessen Aufgabe darin bestand, außerhalb der Sicherheitszone am Tropenschauhaus eine Alternativfläche für Start- und Landezwecke zu roden.
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Umgestaltungen kündigen sich am Tropenschauhaus an - Rodung

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Anlegen des neuen Landeplatzes …

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Die Wesen vom fernen Asteroiden besitzen bei Aufenthalt in der Erdatmosphäre zeitlich begrenzt (max. neun Stunden hintereinander) die Fähigkeit, sich auf ein Hundertstel ihrer eigentlichen Größe zu schrumpfen.
Die für die Vorbereitung der neuen Landefläche auserkorene Vierergruppe wurde am 21. Oktober mit dem Raumschiff am noch zugänglichen herkömmlichen Platz abgesetzt. Die Tage verlebten die Gesandten unbeachtet auf dem Gelände von Planten un Blomen – als Miniaturen in einem eigens dafür mitgebrachten Haus. Dessen Bauweise orientierte sich bewusst am menschlichen Vorbild. Am Abend jedoch, mit Wieder-
erlangung ihrer Originalgröße, arbeiteten sie nach Schließung des Parks in der Dunkelheit intensiv an der Fertigstellung der Ersatzfläche …
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Hamburg - Planten und Blomen - Ein kleines Modellhäuschen auf einem Felsen deponiert

Hamburg – Planten un Blomen – Haus für die geschrumpften Bewohner von Asteroid B611 in exponierter Lage …

Großflächige Erdarbeiten strengen an und machen durstig. Abhilfe schaffte in diesem Fall das Leertrinken der in Planten un Blomen angelegten Bäche bzw. das Abschlürfen allen restlichen Wassers von den vorhandenen Steintreppen …
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Ende Oktober fließt kein Wasser mehr die Treppe hinab

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Die Treppe ist leergetrunken …

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Lediglich das Wasser des Wallgrabens haben sie nicht angerührt, weil die resoluten Möwen dort lautstark ihr Terrain verteidigen. Was den Größenunterschied angeht zwischen einem Außerirdischen von B611 und einer ortsansässigen Möwe, so müssen Sie sich den in etwa so vorstellen, als käme Ihnen eine Deutsche Dogge entgegen. Obendrein knurrend.
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Der Wallgraben mit Johan-van-Valckenburgh-Brücke

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Der Wallgraben wurde verteidigt …

 

Die mitgebrachte pulverisierte Trockennahrung in Kapseln ist relativ vitaminarm und eintönig. Für das bloße Laubfärben reicht diese Art der Verpflegung aus, der erhöhte Kraftaufwand in diesem Jahr erforderte hingegen die zusätzliche Aufnahme von Hagebutten
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Hamburg - Planten und Blomen im Herbst - Hagebutten an den Mittelmeerterrassen

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Vitaminreiche Hagebutten …

Früchten
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Über und über mit gelben Früchten behangener Baum

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – … Früchte!

 

… sowie den Verzehr von zarten Asternblütenblättern
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - u. a. lila Astern

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst

 

… und Blüten des Oktobersteinbrechs
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Schöner Anblick spät im Jahr_Der weiße Oktobersteinbrech

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Oktobersteinbrech

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Der AUA (Alternative Ufo-Ankunftsbereich) wurde Ende Oktober fertig, woraufhin das komplette 32-köpfige Team der Laubfärber folgte und sich in der Parkanlage verteilte. Grundsätzlich wird mit den gelb zu färbenden Bäumen begonnen. Die zitronengelben Köpfe der Fremden sind in der Lage, einen farblich entsprechenden, intensiven Farbstoff abzugeben. Anstelle von Haaren sprießen auf den Häuptern der Asteroid-Bewohner stecknadelgroße, extrem feine Düsen, mit deren Hilfe sich der Farbstoff fein versprühen lässt.
Sie werden sagen: Ja, aber, die sind doch alle recht klein, wie kommen die denn so bis in die Baumkrone?
Um die Arbeit zu erleichtern, aber auch um den größtmöglichen Effekt zu erzielen, wird das Ufo nachts direkt über den betreffenden Baum dirigiert, die große, kreisrunde Bodenplatte öffnet sich hydraulisch, und die Außerirdischen hängen sich kopfüber aus der Luke heraus …
(Hiervon existiert leider kein Foto, es war zu dunkel.)
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Gelbe Laubfärbung direkt am Wallgraben

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Gelb versprüht …

 

Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Gelbe Laubfärbung täuscht Sonnenschein vor

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Nach Gelbeinsatz …

 

Das Vorgehen beim Rotfärben von Gehölzen unterscheidet sich ein wenig. Das notwendige Mittel wird produziert, indem sich die Wesen extrem anspannen, hoch konzentrieren und dabei den in der auberginefarbenen Haut befindlichen, sich kontinuierlich nachbildenden Farbstoff, in Richtung ihrer schaufelartigen, großformatigen Hände dirigieren. (Wer genau hinsieht, erkennt zudem zwischen den
Fingern feine Schwimmhäute.)
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Hamburg - Herbst in Planten un Blomen - Ausgetrocknetes Bachbett und wunderbar rotes Laub der Ahorngehölze

Hamburg – Herbst in Planten un Blomen – Rotfärbung wurde vorgenommen, das Bachbett auch hier leergetrunken

 

Dieser Prozess des Farbabzugs aus Hautpartien aller Körperteile hin zu den Händen, hat eine leichte chemische Reaktion zur Folge. So schwächt sich der Blauanteil in der Farbe ab, und das vormals dunkle Lila wandelt sich nach und nach zu einem warmen Burgunderton.
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Rotfärbung des Laubs bei den Gehölzen am See

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Einsatz bei den Gehölzen am See ….

 

Sobald sich genügend Farbpartikel auf den Handflächen gesammelt haben, wird dicht neben einem Busch in die Hände geklatscht, alternativ die Farbe weit nach oben bzw. in die Strauchmitte oder in Gehölzgruppen geschleudert. Um einen Orangeton zu erzielen, werden das Zitronengelb und der Burgunderton kurzerhand gemischt.
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - rote Laubverfärbung

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Bis zu dieser Strauchhöhe reicht das in die Hände klatschen und Wegschleudern aus ….

 

 

Hamburg - Herbst in Planten un Blomen - Orange- und Brauntöne ...

Hamburg – Herbst in Planten un Blomen – Orange- und Brauntöne …

 

So läuft es laut den jetzt vorliegenden Aussagen der Außerirdischen bereits seit 319 Jahren. Nie hat ein Mensch etwas bemerkt. Wäre nicht diese unerfreuliche Sicherheitszone angekündigt worden, hätte obendrein der Bau des neuen Landeplatzes nicht die Aufmerksamkeit eines Gärtners erregt, und hätten nicht drei Jogger bei ihrer Runde das Ufo im Anflug gesehen, es wäre wohl weitere 319 Jahre ein Geheimnis geblieben.

Wie weiter zu vernehmen war, entschieden die ertappten Besucher aus dem All nach kurzem Zögern, dass
sie trotz des nicht beabsichtigten Bekanntwerdens ihrer Existenz und ihres Wirkens weiterhin ihre Arbeit im herbstlichen Planten un Blomen verrichten werden. Bei dieser Entscheidung dürfte auch das freundliche Verhalten eines Mitarbeiters des Gewächshauses eine Rolle gespielt haben, der beim Wintereinbruch vor
zwei Tagen kurzerhand beschloss, die durchgefrorenen Gäste zum Aufwärmen in die Tropenabteilung des Hauses einzuladen.

Ungeachtet dessen bittet die Laubdelegation des Asteroiden B611 allerdings darum, dass politische Treffen zukünftig nicht zu Sperrungen ihres gewohnten Landeplatzes führen oder den Aktionsradius einschränken. Sonst könnten sie für nichts garantieren.
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Hamburg - Herbst in Planten un Blomen - Der Ginkgo wird strahlendgelb ...

Hamburg – Herbst in Planten un Blomen – Der Ginkgo wurde gelb ….

 

Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Ein lauschiges Plätzchen neben rotem Laub ... (Holzbank beim Ahorn)

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Ein lauschiges Plätzchen neben rotem Laub …

 

Nun sind Sie an der Reihe. Hand auf Herz: Funktioniert so die Laubfärbung? Die Beweise wirken doch recht eindeutig: Aufnahmen des Ufos, des Tagesrückzugshauses, dazu der Landeplatz, die Neufläche …
Sie wissen außerdem selbst, dass gerade am Morgen die Feststellung gemacht wird: Mensch, was haben die Blätter über Nacht für eine Farbe bekommen! Über Nacht, wohlgemerkt!
Sagt das nicht alles?

Also: Wahr oder unwahr?

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© by Michèle Legrand, November 2016
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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James Rhodes in Hamburg!

Über den Pianisten James Rhodes und seinen Konzertabend auf Kampnagel am 25. Oktober 2016

 

James Rhodes in Hamburg

James Rhodes ist auf Konzerttour in Deutschland, Österreich und der Schweiz! Die Anhänger des Pianisten mussten einige Jahre warten, bevor endlich auch deutsche Städte auf dem Tourplan des Briten standen.
Am 25. Oktober 2016 lud er in Hamburg auf Kampnagel (K2) zu einem musikalischen Abend ein.

Reine Konzertkritik?

Anstelle einer reinen Konzertkritik in Kurzform, lade ich Sie heute zu einer sehr persönlichen Betrachtung ein, die Ihnen den Menschen James Rhodes zunächst näher bringt. Seine Art der Präsentation, seine Ausdrucks-
form als Künstler, beides wird ganz entscheidend von seinen persönlichen Erfahrungen, seinem Werdegang, seinem ganzen bisherigen Leben beeinflusst.
Würde ich Ihnen lediglich knapp berichten, welche Klavierstücke auf dem Kampnagel-Programm standen, welche Stimmung vorherrschte oder ob und wie meisterlich er spielte  – Sie würden nicht annähernd nach-
vollziehen können, was an Rhodes selbst und an seinem Klavierspiel so packend, so ergreifend ist.
Was einen Konzertabend mit dem Briten so besonders macht!

Warum darüber hinaus mich das Hamburg-Ereignis zusätzlich mit großer Vorfreude erfüllte und weshalb ich
dem Abend mit Spannung entgegensah, werde ich Ihnen dabei gern mit verraten. Sie vermuten schon ganz richtig, es existiert eine Vorgeschichte, und die begann für mich bereits vor sieben Jahren.

Eines gleich vorweg! Falls Sie jemals die Gelegenheit haben, ihn spielen zu hören oder ihn bei einem Auftritt
zu erleben, nutzen Sie die Chance!

Eine Annäherung

Sollten Sie sich – ganz spontan – ein Klavierkonzert und den dazugehörigen Pianisten vorstellen, hätten Sie vermutlich das Bild eines in Anzug oder sogar Frack gekleideten Herrn vor sich. Akkurater Haarschnitt, Fliege, glänzende Lederschuhe. Einen eher wortlosen Typ Künstler, denn ein Pianist kommuniziert im Allgemeinen
nicht mit dem Publikum.
Bei den Damen sähe dieses Bild nicht anders aus. Lange Abendrobe, die Haare luftig-frisch gestylt, ein ein-
nehmendes, das zwischen den vorgetragenen Werken ans Publikum verschenkt wird. Einnehmend, aber still.

Sicher gibt es einzelne Künstler, die in heutiger Zeit andere Wege einschlagen. Extrovertierte mit einem kleinen Faible für Schauspiel, Show und Entertainment und der Neigung zu einer gewissen Selbstdarstellung. Die Motivation entspringt dem Wunsch nach zusätzlicher Aufmerksamkeit, ein Vortrag erfolgt nicht allein um der Musik oder der Darbietung willen, sondern zur Pflege des Kults um die eigene Person. Hart gesagt, oder?
Es wäre vermessen, grundsätzlich zu unterstellen, dass Künstler dieser Art während des Spielens bewusst Selbstinszenierung betreiben, denn wer ist schon in der Lage inmitten einer hochkonzentrierten Darbietung eines schwierigen Werkes penibel darauf achten, eine bestimmte Pose zu halten, fotogen zu wirken oder Effekthascherei zu betreiben.
Dennoch, vielleicht fallen auch Ihnen auf Anhieb Namen von Künstlern ein, bei denen der schmerzverzerrte Blick, die sekundenlang elegant in der Luft verharrende Hand oder das Zurückwerfen der Haarpracht zumindest auf den Zuhörer und Zuschauer exakt so wirken: künstlich und inszeniert.

Einerlei, ob es sich um den konservativen, zurückhaltenden oder den modernen, mehr aus sich heraus-
kommenden und sich selbst in Rampenlicht stellenden Typ  handelt – solange der Pianist ein musikalisches Genie, ein Virtuose am Flügel und ein Interpretationskünstler ist, einer, der den Werken Leben einhaucht, so lange wird es ein wunderbares Hörerlebnis sein!
(Wenn es Ihnen so wie mir ergeht, dass Ihnen das Zuhören und Zuschauen bei bestimmten Menschen schier unmöglich ist, dann schließen Sie wie ich einfach die Augen.)

Eine andere Erscheinung …

Sie fragen sich, wozu ich dies alles erwähne?
Weil es anders läuft, sobald Sie der Einladung James Rhodes’ folgen. Der Brite, Jahrgang 1975, mag weder
die ihm widerstrebende Selbstverkostümierung, noch die Unnahbarkeit und das absolute Stillschweigen des vortragenden Pianisten.
Je nach vorherrschender Temperatur bzw. Jahreszeit erscheint er zum Konzert in T- oder Sweatshirt (gern mit BACH-Aufschrift) sowie Turn- oder Freizeitschuhen. Sein Friseur sieht ihn schon von Zeit zu Zeit, den Wuschelkopf komplett zu bändigen, ist aber nicht sein Hauptziel. Ein Drei-meist-aber-mehr-Tage-Bart gehört zu Rhodes ebenso dazu wie das Rachmaninow-Tattoo am Unterarm und seine große, dunkel gerahmte Brille. Eine Nerdbrille könnte man es nennen, so ein kantiges Kassengestell früherer Zeiten, eine Form, die schwer angesagt ist. Was jedoch reiner Zufall ist, denn er legt weder Wert auf angesagte Accessoires noch auf sonstige typische Attribute eines Konzertpianisten.
Gewohnte Äußerlichkeiten? Die Einhaltung des üblichen Ablaufs? Ein Auftritt ausschließlich an einem altehrwürdigen, Klassikkonzerten vorbehaltenen Veranstaltungsort?
Nein, meint Rhodes. Wozu auch. Kleider machen auch heute vielleicht noch Leute, sie erhöhen aber nicht die Virtuosität.
Um zu verstehen, dass hier nicht jemand einfach nur plietsch eine neue Schiene fährt, um so die meiste Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und um zu begreifen, dass er der Musik trotz weniger förmlichen Auftritts und trotz Brechen bestehender (ungeschriebener) Regeln mit dem höchsten Respekt und sehr viel Liebe begegnet, müssen Sie ihn und seinen Werdegang kennenlernen. Ein Werdegang, der so anders ist als der weitaus meisten seiner Klassik-Kollegen. Sein Weg als Pianist war überhaupt nicht vorgezeichnet!

Die Geschichte des James Rhodes …

Rhodes stammt nicht wie viele andere aus einer Familie, in der schon seit Generationen musiziert wurde. Er hat nicht bereits im Kindesalter Klavierunterricht genossen, hat keine ersten Erfolge bei Jugendwettbewerben eingeheimst oder Bekanntheit durch sie erlangt.
Vor allem aber hat er eines nicht: Er hat keine ungetrübte Kindheit genossen. Und das ist die Untertreibung schlechthin! Was er durchgemacht hat, muss die Hölle gewesen sein und wird ihn ohne Zweifel bis an sein Lebensende nicht loslassen.
Der Brite wurde das Opfer von schlimmstem Kindesmissbrauch, einem Missbrauch der über Jahre anhielt, und wer seine Autobiographie liest, der erfährt sehr viel über das Danach. Die Operationen, die nötig sind. Das anfängliche Verdrängen, das wieder Hochkommen aller Pein, gerade als er selbst Vater eines kleinen Jungen wird. Erst im Alter von 30 Jahres redet er das erste Mal über den Kindesmissbrauch!
Sein Buch, 2015 unter dem Titel Instrumental in England erschienen und seit Februar 2016 in der deutschen Fassung unter dem Titel „Der Klang der Wut“ erhältlich, beschreibt auch diese Zeit, offenbart genau jene unbändige Wut, die in dem jungen James Rhodes steckt.
Er nutzt harte, deftige, drastische Worte, zu drastische ist häufig der Eindruck, doch für die Schilderung solch traumatischer Erlebnisse und für ein Aufrütteln gelten definitiv andere Regeln als für eine der üblichen Autographien. Schonungslos offen und dennoch lässt er einiges aus. Es reicht auch so, dem Außenstehenden das Ausmaß des Martyriums zu vermitteln. Es lässt förmlich erstarren.

Die Auswirkungen bei ihm sind Scham, Selbsthass, Selbstverstümmelung, Depressionen, Drogen, Selbstmord-
gedanken, Selbstmordversuche. Er wird mehrmals in die Psychiatrie gebracht. Nicht die Tatsache, dass er dort ist, dass er Medikamente oder Therapie erhält, rettet ihn, sondern etwas anderes führt ihn aus der tiefsten Krise heraus: die klassische Musik.
Zugang zu einem Klavier hatte er schon früher in der Schulzeit, das Spielen und der Klang waren ihm als wohltuend bekannt. Doch Unterricht? Er bringt sich das Spielen selbst bei. Sein Talent wird ersichtlich. Seine Eltern erlauben allerdings nach der Schule kein Musikstudium, woraufhin er die nächsten zehn Jahre keine Taste mehr anrührt. Daher wird ihm erst zu einem relativ späten Zeitpunkt bewusst, dass es die Musik ist, die seinen Schutzraum darstellt und dass das Hören bestimmter Werke etwas Positives in ihm in Gang setzt.
Licht in Dunkelheit hineinlässt. Ihm wird irgendwann klar, dass die klassische Musik, dass das Spielen dieser Werke für ihn die Rettung bedeutet.
Er, der kurz vorher noch zu den harten Worten, der drastischen, gelegentlich bis hin zur provokanten Ausdrucksweise greift, schreibt in „Klang der Wut“ über das Gefühl, dass ihn beim Anhören des Adagios von Bach-Marcello aus dem Oboenkonzert in D-Moll, BWV 974 überkommt (und über Bach generell) in einer gänzlich anderen Art und Weise:

Es versetzte mich an einen Ort solcher Herrlichkeit, solcher Ergebung, Hoffnung, Schönheit, unendlichen Weite, dass es so war, als berührte man das Angesicht Gottes.“
An anderer Stelle:
Wenn etwas so Starkes, so Schönes existieren kann, dann kann ja nicht alles schlecht sein. Da sagte ich mir: Okay, ich mach‘ noch ein bisschen weiter.“
Und weiter:
“Und jetzt war ich fest entschlossen. Ich wusste, dass dieser Ort nicht der richtige Ort für mich war. Hier konnte ich nicht gesund werden. Nicht mit so vielen Pillen, so viel Irrsinn, so viel Trash-TV und Langeweile. Ich musste auf die korrekte Weise raus, ein für alle Mal.“

James Rhodes hat in der folgenden Zeit Unterricht bei einem Lehrer in Verona, er übt Stunden um Stunden.
Tag für Tag. Monat um Monat.
Zwei, drei Jahre vergehen, und im November 2008 gibt er sein erstes öffentliches Konzert in der Steinway Hall
in London. Es folgen weitere Auftritte, im Mai 2009 findet im The Roundhouse in Camden sein Solokonzert statt.

Dies ist der Zeitpunkt, an dem ich das erste Mal von James Rhodes höre. Hier in Deutschland ist er ein absolut Unbekannter, doch Stephen Fry, der britische Autor, Schauspieler und Moderator erwähnt einen außer-
gewöhnlichen Pianisten und leitet den Link zu einem kurzen Video weiter.
Ich habe seit Teenagerzeiten der Klaviermusik unterschiedlichster Interpreten gelauscht, verschiedene Fassungen ein und desselben Werks kennengelernt, bemerke die Unterschiede und empfinde naturgemäß die Darbietung einzelner Tastenkünstler als unterschiedlich „attraktiv“, doch als ich Rhodes das erste Mal zuhöre, packt es mich. Zu dieser Zeit weiß ich nichts über das bisherige Leben des Mannes aus England. Ich stelle nur fest, wenn er spielt, ist etwas anders. Seine Musik wird auf eine andere Art und intensiver weitergeleitet, Klänge, aber auch Gefühle scheinen unmittelbar in einen überzugehen. Wenn ich es beschreiben sollte, dann so: Er ist der Vermittler eines Werks, der virtuose Gestalter, doch raubt er sich das Werk dabei nicht. Er macht sich nicht zur Hauptperson, während er spielt. Bei ihm ist es bereichernd und faszinierend, ihm nicht nur zuzuhören, sondern auch, ihm dabei zuzusehen … Seine Versunkenheit, seine Ruhe, seine Authentizität, die natürliche Hingabe – das alles sucht seinesgleichen …

Rhodes’  Bekanntheit im eigenen Land wächst mit jedem Auftritt. Der Engländer nimmt an diversen Festivals teil und steht für BBC4 für eine Dokumentation zum 200. Geburtstag von Frédéric Chopin, die 2010 ausgestrahlt wird, vor der Kamera.  Es folgen weitere Auftritte nun auch im Ausland. 2011 gastiert er in Australien, 2012 geht es in die USA, u. a. nach Chicago, Hongkong lernt ihn 2013 kennen. Das englische Fernsehen sendet es in der Zwischenzeit die siebenteilige Serie James Rhodes: Piano Man.

Er engagiert sich für Projekte, bei denen es um die Belange von Menschen mit psychischen Problemen geht. Ebenso unterstützt er eine Aktion, deren Ziel die Verbesserung des Musikunterrichts überall im Vereinigten Königreich ist. Bei dem Projekt Don’t Stop the Music kommen 2014 im Zuge einer großen Sammelaktion mehr als 7 000 Instrumente zusammen, die an 150 Grundschulen verteilt werden und von denen im Jahr 10 000 Schüler profitieren.

Mittlerweile hat er mehrere Alben veröffentlicht, schreibt hin und wieder für Zeitungen einen Gastbeitrag. Die Medien widmen sich natürlich nicht nur seinem künstlerischen Schaffen, sondern beschäftigen sich ebenfalls mit seinem Vorleben und haben Kenntnis vom Kindesmissbrauch. Rhodes geht inzwischen offen damit um. Es geht es auch deshalb offensiv an, weil er davor warnen möchte. Er will Menschen sensibilisieren, möchte verhindern, dass es weitere Opfer gibt, nur weil Unkenntnis herrscht und sich mangelhaft für den Schutz eingesetzt wird. Andererseits ermutigt er mit seinem Vorgehen andere Leidtragende, sich zu wehren, an die Öffentlichkeit zu gehen. Und er sagt auch an Mitwissende gewandt: Wer schweigt, macht sich mitschuldig.

Als Verlage an ihn herantreten und ihm die Autobiographie vorschlagen, willigt er ein.

Eine sicher insgesamt nicht einfache Entscheidung, doch was kann besser, sinnvoller und wirkungsvoller sein, als dass ein derart Betroffener selbst Fakten nennt, die Wahrheit aufschreibt und diese veröffentlicht, statt es den Medien indirekt freizustellen, sich mangels Information ihre Geschichten nach eigener Vorstellung und fern aller Realität zurechtzubasteln. Vielleicht befreit es auch und rückt einiges ins richtige Licht.

Sie sehen aus dieser Entwicklung jedoch, dass Rhodes’ Motivation zur Veröffentlichung eines solchen Buches nicht die ist, zunächst die Autobiographie auf den Markt zu bringen, um mit seiner dramatischen Vergangenheit seine Bekanntheit als Pianist zu steigern, sondern er schreibt zu einem Zeitpunkt, als seine bereits existierende Bekanntheit sich in seinen Augen für ein sinnvolles und ihm enorm wichtiges Ziel nutzen lässt.
Dass erst per Gerichtsbeschluss gestattet werden muss, dieses Buch überhaupt zu veröffentlichen, kann ihn nicht davon abhalten.

Als Publikum bei James Rhodes

Sie kennen James Rhodes nun bereits soweit, dass es Sie kaum mehr irritieren wird, dass ein Pianist es entgegen gängiger Praxis anders handhabt und sich zwischen seinen Werken direkt an seine Zuhörer wendet. Der Brite hält Kommunikation, gerade in heutigen Zeiten, für wichtig. Er hält es auch für wichtig, dass über das Stück, über den Komponisten und dessen Anliegen erzählt wird. Oder über dessen persönliche Verfassung, Umstände und Beweggründe, ein bestimmtes Werk in genau dieser Form zu Papier zu bringen.
Er setzt nicht voraus, dass jeder bereits alles im Vorfeld weiß oder vorab in Erfahrung bringt. Ein Austausch, bevor er sich an den Flügel setzt und startet, ist ihm viel lieber.
Nun werden Fachkritiker vermutlich gern anmerken, dass er ja gar nicht ernst, nicht lehrbuchhaft erklärt, nicht doziert. Muss er denn?
Was er betreibt, ist eine Situationsbeschreibung, er vermittelt eine Grundstimmung, ein Gefühl, und schon bevor er die Brille absetzt und sich zum Spielen niederlässt, haben Sie als Zuhörer Zugang. Eine Vorstellung. Bereits mit seinem ersten Ton holt er Sie genau dort ab.

Ihm liegt viel daran, dass nicht nur das herkömmliche Publikum „bedient“ wird, Menschen vom Fach, eine begrenzte Gruppe. Er möchte, dass Menschen herangeführt werden, die sich bisher an klassische Musik nicht herangetraut haben. Er will ihnen die Schönheit der Musik vermitteln. Die Energie dieser Musik und die Kraft, die von ihr ausgeht.

Aus diesem Grund geht er gern einmal an ungewöhnliche Orte. Nutzt öffentliche Plätze. Stellt seinen Flügel zwischen Hochhausbauten auf und beginnt dort sein Spiel. Es hat die Wirkung, die oft auch ein Flashmob auslöst: Überraschung, nach der ersten Verblüffung Ergriffenheit, dann Begeisterung. Es schürt letztendlich nicht selten Neugier, entfacht Lust und macht Mut, sich bis dahin völlig Unbekanntem endlich zu nähern.
Er zieht damit auch Jüngere an. Eine britische Zeitung nannte ihn vor Jahren einmal den „Beethoven der iPhone-Generation“ …

Das Konzert auf Kampnagel

Saal K2 auf Kampnagel. Die von dunklen Vorhängen eingerahmte Bühne mit dem Flügel ist ebenerdig, die Zuschauerplätze befinden sich auf einer ansteigenden Tribüne, die jedem gute Sicht verschafft. Freie Platzwahl heißt es auf den Tickets. Was nichts anderes bedeutet, als nur frühes Anstehen sichert einen guten Platz im vorderen Bereich. Was die lange Schlange vor dem Einlass vermuten lässt, bewahrheitet sich: es wird voll. James Rhodes scheint nicht mehr nur ein Geheimtipp zu sein …
Pünktlich wird er angekündigt, tritt aus einem Spalt der dunklen Seitenvorhänge hervor, schaut kurz freundlich Richtung Publikum, steuert jedoch mit seinem leicht wippend-federnden Gang direkt den Flügel an. Er legt die Brille ab – ein immer wieder kehrendes Ritual, bevor die Finger über die Tasten fliegen – und beginnt. Mit Bach. Seinem bevorzugten Komponisten. Mit ihm startet und endet später sein Hamburg-Programm.

Rhodes mag nicht nur Bach, den nur besonders. Seine Goldberg Variationen, die Chaconne in D-Moll … Er bewundert ebenso Beethoven, Chopin, Prokofjew, Moszkowski, Mozart, Gluck, Puccini u. a.  Es faszinieren ihn einige Pianisten besonders. Glenn Gould ist u. a. sein Vorbild, – was man seinem Spiel mitunter anmerkt. Den russischen Pianisten Grigory Sokolov, den verehrt er ebenfalls.

Für den Abend auf Kampnagel hat er sich die Fantasie in F-Moll Op. 49 von Chopin herausgesucht. Darauffolgend vom selben Komponisten die Polonaise-Fantasie, Op. 61, As-Dur.
Beides spielt er ohne Notenblatt und … bewegend. Mitreißend. Gerade Chopin hat es in sich, ein Komponist, der die verbundenen Töne sehr liebte und in dessen Werken oft eine Vielfalt von Gefühlen und Stimmungen zusammentrifft.
Zuvor holt Rhodes allerdings die Begrüßung nach und erzählt er in seiner natürlichen, unverkrampften Art über die gleich zu hörenden Werke. Fantasie. Sie soll auch das Thema des Abends sein. Fantasie sei wichtig, genauso wie Kreativität, die in unserer schnellen Zeit oft zu kurz zu kommen droht. In Gefahr ist. Er bringt eine Besonderheit der Kreativität in diesem kurzen Satz auf den Punkt: „Creativity is a form of meditation. Inside.“

Rhodes fährt fort mit der Klaviersonate 31, Opus 110, As-Dur von Beethoven. Ein Traum …
Konzertende? Offiziell schon und doch wieder nicht, denn danach reiht sich eine Zugabe an die nächste.
Er spielt aus Orpheus und Eurydike von Ch. W. Gluck. Die  nächste „encore“ entpuppt sich als das letzte Präludium von Rachmaninow in Des-Dur.
Immer noch ist nicht Schluss. Fast schüchtern kündigt er eine weitere Zugabe an, einen Titel, den er erst einmal zuvor öffentlich präsentiert hätte, brandneu sozusagen. Ein Stück aus einer Puccini-Oper, doch er verrät nicht, wie es heißt. Versichert allerdings, es würde einem nach spätestens 27 Sekunden bekannt vorkommen. Er sollte damit recht behalten. Es ist „O mio babbino caro“ aus der Oper Gianna Schicchi.

Jedes schöne Ereignis geht irgendwann einmal vorbei. Er lässt den Abend nach gut eineinhalb Stunden mit Bach ausklingen und hinterlässt ein stürmisch applaudierendes und wie es scheint allgemein begeistertes Publikum in Hamburg.
(Warum der Veranstalter dieses Konzert allerdings als eine „Musikalische Lesung“ ankündigte, bleibt rätselhaft.)

Für ihn ist an diesem Abend die Arbeit noch nicht getan. Seine Autobiographie liegt im Foyer in der englischen und deutschen Fassung aus und wird von ihm nach dem Konzert signiert.
Ich habe kein Buch mitgebracht, aber meine allererste CD von ihm aus dem Jahr 2009. Sie trägt nun seinen Unterschriftenkringel …

Nach dem ersten Gepacktsein vor sieben Jahren, nach der Beobachtung seiner weiteren Entwicklung und dem Verfolgen seines Schaffens über das Internet, durch Zeitungsartikel, durch Bücher etc., gab es an diesem Abend die Gelegenheit, den Pianisten James Rhodes live spielen zu hören und real zu erleben. Das Bild hat sich vervollständigt. Für mich. Für andere. Gut möglich, dass noch mehr Menschen eines Tages den Wunsch verspüren, von ihm zu hören. Von seinem Klavierspiel und von seiner ganz eigenen Art, die Kraft der Musik deutlich zu machen.

James Rhodes, der Mann, den die Musik auffing und rettete, er sagt, das Einzigartige an klassischer Musik sei, dass sie, selbst wenn es ein trauriges Stück ist, immer noch wunderschön sein.
 „Even the pain is beautiful in classical music.“
Vielleicht ist gerade das ihre Stärke, das Geheimnis ihrer Wirkungskraft.

Was für ein Abend! Wenn dieser unkonventionelle, unverstellte Brite, dieser so authentische Mann und grandiose Pianist wieder einmal in Deutschland sein sollte und Sie Verlangen nach Echtem haben, nach etwas, das Sie mitten ins Herz trifft, dann …
Rechtzeitig Karten sichern!

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Quellen:
James Rhodes: Der Klang der Wut: Wie die Musik mich am Leben hielt
(Verlag Nagel & Kimche AG – ISBN-13: 978-3312006540)
Informationen aus Interviews in diversen engl. Zeitschriften aus den Jahren 2009-2016
Eine mittlerweile seit sieben Jahren bestehende Twitterverbindung

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© by Michèle Legrand, Oktober 2016
Michèle Legrand

 

 

 

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35 Kommentare

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