Beiträge getaggt mit Wuchsfreude

Wahlmöglichkeiten und was daraus wird …

Ein Mensch der Großstadt hat – rein theoretisch – ständig die Möglichkeit, aus einem vielfältigen Angebot an kulturellen oder sportlichen Veranstaltungen sein Programm nach eigenem Gusto zu wählen und könnte somit ohne Unterlass unterwegs sein. Ständig etwas erleben und permanent von Termin zu Termin flitzen.
Hallo übrigens! Ich grüße Sie und wollte heute zumindest kurz hereinschauen. Ein kleines Lebenszeichen hier hinterlassen …
Sie wissen, ich bin in Hamburg daheim, demnach eindeutig Stadtbewohner mit immenser Angebotsauswahl und dennoch – mir liegt das Flitzen von Event zu Event nicht so. Was wird also aus den ganzen Wahlalternativen?
Je mehr Auswahl da ist, umso schwerer wird es, sich für etwas zu entscheiden und das Wissen, dass alle Nase lang wieder etwas präsentiert wird, verleitet unheimlich leicht dazu, Dinge immer wieder zu verschieben. Geht ja später auch noch. Gibt’s (fast) alles wieder …
Hinzu kommt, dass Sie bei solchen Veranstaltungen als Teilnehmer verhältnismäßig anonym bleiben. Es fällt also überhaupt nicht auf, wenn Sie schwänzen. Keiner vermisst Sie dort. Machen Sie das mal auf dem Dorf! Maifest. Wo ist denn schon wieder die Legrand? Kann ja wohl nicht sein, dass die zu Hause bleibt … Du, schau doch mal nach, ob die noch lebt. Und bring sie mit!  (Sie wissen, was ich meine.)

Rote Schafgarbe (Achillea)

Rote Schafgarbe (Achillea)

In ländlichen Gebieten gibt es weniger Programm, also ist man sich einer selteneren Chance sehr bewusst und lässt sie nicht aus. Man wartet auf eine Gelegenheit, die sich bietet, hält alte Traditionen in Ehren und Bräuche am Leben, denn sie liefern Gründe und Anlässe.
Vor allem kennt sich das Landvolk untereinander! Es werden keine bloßen Zusammenkünfte, es sind soziale Treffs. Fast alle erscheinen – ohne besondere Absprache vorab. Dort wird sich ausgetauscht. Nichts mit anonym. Wenn Sie hingegen hier in der Stadt ein Fest oder ein Konzert besuchen, erfahren Sie meist erst hinterher davon, dass jemand, den Sie kennen, auch dort war. Dass Sie sich begegnen ist eher unwahr-
scheinlich. Zu unübersichtlich, zu wühlig. Sie müssen sich definitiv vorher fest verabreden.
Dennoch passiert es mir komischerweise recht häufig, dass ich unvermutet – also ohne jeglichen Veranstaltungshintergrund – in einer Millionenstadt Bekannten über den Weg laufe. Jemanden in der U-Bahn treffe. Ihr oder ihm im größten Menschenauflauf oder aber in einer kleinen Nebenstraße begegne. Irgendwo. Einfach so. Es verblüfft mich immer wieder! Wie groß ist die Chance? 1:1,8 Millionen? Oder wahrscheinlicher? Keine Ahnung …

Löwenmäulchen (Antirrhinum majus) und Frauenmantel (Alchemilla mollis)

Löwenmäulchen (Antirrhinum majus) und Frauenmantel (Alchemilla mollis)

Wo waren wir? Wahlmöglichkeiten! Am Wochenende vor einer Woche stand hier eine schier endlose Liste von Vorschlägen für Unternehmungen zur Verfügung. An allem möglichen hätte ich auf Hamburger Stadtgebiet teilnehmen können. Glänzende Motorräder anschauen bei den Harley Days, eine Ausstellung in den Deichtorhallen besuchen, Sportler anfeuern beim Halbmarathon, nettes Zeugs für den Garten unter die Lupe nehmen bei der Ausstellung Home & Garden, gemütlich herumspazieren auf dem Gelände des Botanischen Sondergartens Wandsbek anlässlich des Tags der Offenen Tür, Musik hören bei einem abendlichen Konzert
Jetzt dürfen Sie einmal raten, was es letztendlich wurde. Falsch! Und noch einmal falsch.
Weder noch. Nichts von alledem.
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HeckenschnittEs lief (ich sage das klaglos und ohne Bedauern) auf eine umfangreiche Wochenend-Fensterputzaktion hinaus (Fenster gibt es reichlich) und zeitgleich auf eine Verhinderung des drohenden Dornröschendaseins à la eingewachsenes Heim und umrankter Körper. Vorrang hatte es, das allmähliche Verschwinden der Behausung durch Überwucherung sowie vor allem komplett eingewachsene Fenster zu verhindern. Wie? Die Briten würden es aktuell vielleicht einen Ivyexit nennen. Wobei hier nicht mein schier explodierender Efeu den Austritt beantragt, sondern ich ihm maßvoll den Garaus mache. Den Durchblick nach draußen wieder garantiere. Also eher ein Ivycutback. Ein Ivystillthere. Ivyacceptance. Partly.

Endlich fertig, zufrieden mit dem Schaffen (zumal Fensterputzen ziemlich weit hinten auf der Liste der beliebten Tätigkeiten liegt), kurz verpustet, und schon ging es weiter mit dem Heckenschnitt am Grundstücksrand. Ich sag’s Ihnen, ein Dschungel könnte sich nicht vitaler entwickeln. Ach was, der zeigte sicherlich einen vergleichsweise kümmerlichen Wuchs!
Die Hecken sind noch lange nicht alle fertig, doch so ein bisschen Licht und Luft kommen zumindest an zweieinhalb Grundstückseiten schon wieder durch.
Ich bin absolut nicht allein am schwingen der Machete. Schweißgebadet. Nein, mein Nachbarvolk ackert ebenfalls. Bis auf einen Kneifer.
Briten haben dafür glaube ich zurzeit den Ausdruck Boris Johnson. Diese Art von Kneifer meckert gegen die Zustände, fühlt sich aber nicht dazu berufen, draußen tatsächlich eigenhändig etwas in Angriff zu nehmen.

 

 

Alles wächst und sprießt ... (Cornus kousa in Blüte)

Alles wächst und sprießt …

Doch der Rest hier ist aktiv – und lustigerweise stöhnen sämtliche Nachbarn jeweils über ihren sagenhaften Dschungel, von dem jeder meint, seiner falle am heftigsten aus und man hätte die wachstumsmäßig übelsten Pflanzen zu bändigen. Mein einer Nachbar flucht über seine triebhafte Buchenhecke und himmelhoch wachsende serbische Fichten, der andere über die schnellwüchsigen Kirschlorbeersträucher.

Rotkehlchen in Nachbars Konifere ...

Rotkehlchen in Nachbars Konifere …

Schräg hinter mir der Gartenbesitzer kann keinen Rasen mehr sehen, weil er das Gefühl hat, er sei zwischen Regenschauern nur noch am mähen. Und ich selbst empfinde es ganz generell als erstaunlich, wie sich der Ausbreitungsdrang und gegenseitige Verdrängungswunsch der Büsche, Kletterrosen oder auch des Blauregens, Efeus und Weins so darstellt. Einfach nicht zu bremsen und stets motiviert, diese Natur …

Die Massen an Bioabfall sind eine weitere Herausforderung. Der Herr von der Müllabfuhr meinte am Freitag beim Anblick einer netten Ansammlung von zusätzlich zur Abfuhr bereitgestellten Müllsäcken grinsend: „Was treiben Sie eigentlich immer?“ (Ich war gerade dabei, ihm noch einen weiteren Sack anzuschleppen.) „Hatten wir nicht gerade letzte Woche erst so einen Schub mitgenommen …?“

Feuchtwarme Zeiten sind des Gärtners Schreck. Manchmal auch ein Gemisch aus Freud und Leid. Nur was wäre ein Garten ohne üppigen Bewuchs und ohne Getier, das sich dort wohlfühlt und einzieht …

Helfer beim Heckenschnitt ... (Jungvogel am Boden)

Helfer beim Heckenschnitt …

Vielleicht geben Sie mir recht, wenn ich sage, dass der Mensch Grün um sich braucht. Inklusive Hecken. Besonders in einer Stadt. Als kleine Abschottung nach außen gegen Unruhe. Nicht nur im Sinne von Lärm. Auch gegen Unruhe fürs Auge oder unerwünschtes Hereinstieren. Aus diesem Grund sind die grünen Raumteiler auch zum ein oder anderen Nachbarmenschen so segensreich. Wie sagen in dem Fall die Briten doch gleich so treffend:
A hedge between keeps friendship green. (Die Hecke dazwischen erhält die Freundschaft.)

Indianernessel (Monarda didyma)

Indianernessel (Monarda didyma)

Liebe Blogleser, es wäre natürlich famos, wenn auch wir uns weiterhin grün blieben. Selbst wenn mir gerade Zeit zu Entdeckungen anderenorts und Muße zu neuen Erkundungsgängen fehlt und damit letztendlich sehr spezieller Nachschublesestoff für Sie noch etwas ausbleibt. Nun ja … Immerhin pflanze ich keine Hecke zum Abschotten. ^^ Im Gegenteil, für Sie habe ich mich extra kurz aus meinen Lianen befreit und wünsche Ihnen nun sehr herzlich ein schönes und entspanntes Wochenende.

Drei Hummeln an einer einzigen Kugeldistel (Echinops bannaticus)

Drei Hummeln an einer einzigen Kugeldistel … (Echinops bannaticus)

 

Ich muss wieder hinaus. Weiter ein wenig die Wildnis bändigen …

Bis demnächst!

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© by Michèle Legrand, Juli 2016
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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