Beiträge getaggt mit Weihnachten

Und die Zeit, und die Zeit, und die Zeit …

Christbaumkugeln am TannenbaumZack! Weihnachten ist da! Letzte Woche schien es realistisch, noch ausreichend Zeit zu finden, um ein weiteres Mal vor dem Fest etwas im Blog zu hinterlassen. Nun steht der Heiligabend plötzlich vor der Tür und hämmert penetrant. Fordert vehement Einlass. Ich bin dadurch hin- und hergerissen, doch zwischen den Vorbereitungen sollte wenigstens ein kleiner Gruß zum Fest möglich sein.
Möglicherweise geht es minimal gehüpft und gesprungen zu. Ich muss ab und zu in die Küche zum Pilzragout und all dem Rest.
Kochen zwischen dem Schreiben.

Ich war gestern am 23.12. noch unterwegs im Gewühl. Die letzten Kleinigkeiten fürs Mahl ergattern. Frische Petersilie, Champignons …
Es waren in Läden und Passagen vermehrt Weihnachtsmänner unterwegs. Einige etwas lieblos hergerichtet und leider auch manchmal unpassend mickrig, zu dürr. Dass sie vor Weihnachten stets zu massenhaft und teilweise nicht glaubwürdig genug auftreten, erkennen Sie auch an der Reaktion der kleineren Kinder. Die sind dann nicht mehr begeistert, sondern misstrauisch. Sie riechen den Braten. In dem Fall helfen auch keine an den Haaren herbeigezogene Erklärungen. Das Jungvolk nimmt den Eltern die Story von den vielen notwendigen Helfern des Weihnachtsmanns nicht ab. Schon gar nicht, wenn sich bei denen die Bärte lösen und unter dem Mantel Jeans und Turnschuhe herausschauen.
Kürzlich traf ich allerdings auf drei Engel. Die sahen in ihren weißen Kleidern und mit den entsprechenden Flügeln schon echter aus und haben obendrein wirklich engelsgleich Weihnachtslieder im Einkaufszentrum gesungen. Mehrstimmig! Das kam tatsächlich kurze Zeit eine festliche Stimmung auf! Doch auch diese Himmelswesen werden von den Kindern sehr genau beobachtet. Es wurde – O-Ton eines kleinen Mädchens – festgestellt, dass hübsche, weißgekleidete Engel, wohl niemals kleckern dürfen …
Engel singen Weihnachtslieder

Dass Kinder viele Fragen auf dem Herzen haben, wissen Sie. Doch auch Erwachsene machen es untereinander. Dieses Fragen abfeuern. Eine junge Frau löcherte ihren Freund. Nach der gefühlt 27. Frage antwortete er sichtlich geschafft:
„Für eine einzige Person fragst du ganz schön viel!“
Da war sie etwas eingeschnappt – nur, um nach kurzem Durchatmen Frage 28 hinterherzuschicken:
„Ist dir das zu anstrengend?“
„Nein, nein! Überhaupt nicht!“
Wäre er Pinocchio …

Draußen im etwas stürmisch-nassen Wetter hob eine Böe einer Frau neben mir an der Ampel die Kopfbedeckung ab. Ein Vater und sein kleiner Sohn bekamen es ebenfalls mit. Der Mann fing das Flugobjekt gekonnt ein und reichte es der Dame zurück, worauf sie sich hocherfreut bedankte. Zum Lütten gewandt sagt sie: „Dein Papa ist aber ein sehr hilfsbereiter Mann.“ Der Kleine ist wie sein Vater Afrikaner, verstand nicht so richtig und wollte daher alles noch einmal langsam erzählt und erklärt haben. Auch die Hutsache. Der Vater bemühte sich, es ihm auf Deutsch zu erklären:„Amare, wenn das Wind ist richtig hart, die Hut macht einfach weg. Dann Papa muss springen, weil Frau sonst nicht glucklich.“
So ist das.
Hamburg - Wandelhalle Hauptbahnhof - Weihnachtskugel

Am Fischstand ging es um Information. Mit mulmigem Gefühl verlangte eine sehr junge Dame (5-6 Jahre) nach einem skeptischen Blick auf einen ziemlich langen, schwarzen Aal die Gewissheit, dass dieses Viech keine giftige Schlange sei. Sie beharrte daher auf einer Bestätigung, besonders, weil ihre Mama das Ungetüm kaufen wollte.
„Natürlich ist das keine Schlange!“, beteuerte die Fischverkäuferin.
Das Fräulein wirkte danach nicht sonderlich überzeugt. Ich würde darauf wetten, dass sie den Aal daheim nicht anrühren wird!

Moment, es blubbert. In der Pfanne. Bin gleich wieder da …

Ich fand es auch auf der Rolltreppe amüsant. Eine Enkelin erzählte ihrer Oma, dass die ganz kleine Schwester bald in die Krippe käme. Opa dahinter hörte nur die Hälfte. „Sarah hat Grippe?“
Und zu guter Letzt bot ein Schaufenster ungewollt ein zur momentanen Einkaufssituation recht passendes Bild. Puppen wurden umdekoriert und daher fürs Umkleiden demontiert. Komplett zerlegt! Überall auf dem Boden fanden sich verstreut einzelne, nackte Gliedmaßen. Und Köpfe fehlten.
Genauso kopflos und leicht unkoordiniert, als würden sie nicht mehr alle Körperteile beherrschen, liefen am letzten Tag vor dem Heiligen Abend auch viele Menschen umher.
Weihnachten. Das übliche Durcheinander. Ach, ja …
Es ist ja nur noch für kurze Zeit. Dann läuft alles wieder in den üblichen, geordneten Bahnen.

Die Zeit scheint irgendwie zu verfliegen. Doch die Geschenke sind komplett, die Vorbereitungen fast abgeschlossen, die Vorfreude auf das Fest stellt sich trotz unweihnachtlichen Wetters langsam ein und nimmt sicher mit zunehmendem Rückzug aus dem Gewühl und der Hektik noch zu.

Unterwegs klagte mir heute eine lockere Bekannte, die ich beim Einkaufen in einer Schlange antraf, ihr Leid. Sie hat das Problem (so empfindet sie es), dass sie mit den Geschenken nicht so glücklich ist, die sie verschenken wird – also vorrangig eher mit den diesen Präsenten zugrundeliegenden Wünschen – und wollte partout wissen, was ich dazu zu sagen hätte.
Wozu? Dass sich die Leute nicht das Richtige wünschen? Es ist ein bisschen heikel, darauf zu antworten. Ich tat es dennoch. Merkte an, es sei nicht der Sinn oder das Ziel der Sache, dass der Geber unbedingt damit glücklich wird oder sich dadurch Wohlbefinden verschafft. Wichtiger sei, dass der Empfänger sich daran erfreut und das Geschenkte ihm gut täte.
Es war wohl nicht die gewünschte Erwiderung …

Ich muss zum Schluss kommen. Das Kochen erfordert längere Anwesenheit. Halt! Eine Sache noch!
Es war gerade die Rede von Problemen. Oder war es keines?
Sagen Sie, erinnern Sie sich eventuell an das Chanson „Un peu d’amour et d’amitié“ von Gilbert Bécaud? Ich habe es vorhin im Auto gehört. Eine deutsche Version gibt es von ihm (Bécaud) auch. Ein bisschen Glück und Zärtlichkeit wird darin besungen und im Refrain heißt es wiederholt: Und die Zeit, und die Zeit, und die Zeit …
Kennen Sie nicht?
Ist jetzt nicht weiter tragisch, denn eigentlich wollte ich lediglich auf diese herausgepickte Zeile des Liedtexts zurückkommen. Diese mehrfache, fast schon stakkatoartige Wiederholung der Zeit bewirkt etwas, was im Lied gar nicht geplant ist. Es vermittelt ein wenig den Eindruck von Gehetztheit, von verfliegender, rasender Zeit, von einem durch die Finger entgleitender Zeit. Doch in Wirklichkeit ist die Rede – ganz vereinfacht und verkürzt gesagt – davon, dass die Zeit quasi Heilkräfte besitzt. Leg doch einfach die Probleme auf den Tisch, heißt es. Hier … oder besser noch  bei einem Freund. Die Zeit wischt sie fort. 
Glauben Sie daran?
Klingt gut, oder? Zu gut? Es kann gelegentlich, muss aber nicht funktionieren.
Es ist dennoch verführerisch, den Gedanken weiterzuspinnen, denn der erste Eindruck (geht nicht!) täuscht. Es ist tatsächlich etwas Wahres dran!
Es ist definitiv hilfreich, Probleme auf den Tisch packen. Es bedeutet nicht anderes, als sie einfach herauszulassen, sie möglicherweise sogar mit jemandem zu teilen, vor allem aber heißt es, die Knackpunkte mit Abstand zu betrachten. Manchmal erledigt sich dann vieles von selbst.
Falls Sie (die anderen hier können ja bis zur Verabschiedung weghören) gerade mit Dingen hadern:
Legen Sie einmal alles ab, was belastet. Was nervt, was Sorgen bereitet, was stört. Breiten Sie es symbolisch aus, erkennen Sie Puzzlestücke, aber auch ein Gesamtbild, und genehmigen Sie sich danach den Versuch zu testen, ob die Zeit nicht vielleicht schon bald etwas davon von sich aus wegzuwischen gedenkt. Das ist nicht zu verwechseln mit Verdrängung, absoluter Passivität und einem grundsätzlichen Aussitzen!
Es ist ein befristetes, distanziertes Betrachten. Es ist das Vermeiden von zu früher und unnötiger Hektik, das Unterlassen von unüberlegten Aktivitäten und die Abschaffung vom ewigen Angehen des Kleinviehs. Es ist ein sich Klarsicht verschaffen. Sie können schauen, welches Vieh den meisten Mist produziert. Sie können verschiedene Aspekte betrachten, berücksichtigen und nutzen danach den Effekt der ganz natürlichen Regelung.
Erstaunlicherweise gibt es sie!
Bleiben Sie gelassen, geduldig, nehmen Sie nicht alles zu schwer, zu persönlich, zu wichtig. Auch das reduziert schon gewaltig das Problemaufkommen.
Was sich nach dieser Abwartephase hartnäckig auf der Tischplatte hält, werden Sie schon sehen. Dieser manchmal erstaunlich kleine Rest offenbart das, was Sie sich wirklich noch vornehmen müssen.
Aber nicht gerade an Weihnachten, dafür hält das Jahr noch ein paar mehr Tage bereit.

Und die Zeit, und die Zeit und die Zeit …
Krippe mit Spieluhr

So, nach der nächsten Küchenaktion werde ich meine uralte Weihnachtskrippe mit der eingebauten Spieluhr aufziehen und mir Stille Nacht anhören. Ich denke, die Spieluhr im Wohnzimmer wird das Rauschen der Dunstabzugshaube in der Küche übertönen. Und während das Lied läuft (und lustigerweise zum Ende immer langsamer erklingt, im Zeit-lu-pen-tem-pooooo), sende ich Ihnen meine herzlichsten Wünsche für ein frohes Weihnachtsfest und entspannte Feiertage!

Bis bald!

©Dezember 2014 by Michèle Legrand
e Legrand, freie Autorin ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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Das Paket … oder der alternative Weihnachtsblogpost

Alle Jahre wieder  … das gleiche Empfinden: Mit voranschreitender Zeit scheinen die Tage bis zum Fest immer schneller zu vergehen, während die Vorbereitungen irgendwie hinterherhinken bzw. die Planungen durch Unvorhergesehenes durcheinandergeworfen werden. Sie haben Listen gemacht, arrangieren alles wunderschön  und – zack! – kommen die Knüppel, die zwischen Ihren Beinen landen. Lange Schlangen, zusätzliche Aufgaben, leere Versprechungen, kurzfristig hereingeschobene Termine oder beispielsweise auch nicht eintreffende Pakete!

Das ist etwas, was mich gerade beschäftigt und enorm aufhält. Ein Weihnachtsgeschenk – der Sohn möchte bitte kurz weghören – wurde am vergangenen Montag von der Versandfirma bei der lokalen, zuständigen Poststelle im Süden Deutschlands aufgeben und dort bearbeitet. Die ID-Nummer des Pakets vom Absender per Mail an mich mitgeteilt.
Und seitdem?
Seitdem ist das Ding verschollen! Der Versandstatus für die Paketverfolgung wurde seither nicht mehr aktualisiert, hier kam nichts an. Heute habe ich bei der Hauptpost meines Bezirks um Rat gefragt.
Habe es zumindest versucht!
Ich sollte meine Postleitzahl nennen und blitzschnell erklärte mir die Angestellte – und sie lächelte dabei überaus freundlich – dass sie nicht dafür zuständig sei, sondern eine Paketpost andernorts. Sie hätte hier keine Pakete, hier wäre ich völlig falsch.
Bums! Fertig! Nächster Kunde bitte …
(Da nützte mir ihr Lächeln herzlich wenig.)
Ich sagte ihr, dass mir klar sei, dass sie mein Paket nicht hätte, doch ich ihre Hilfe dabei erbitte, es zu finden. Nein, so lautete die stereotype Antwort, zur Paketpost in XYZ, da sollte ich hin. Wenn ich keine Benachrichtigung im Kasten gehabt hätte, sollte ich mit dem Ausweis hingehen. Vielleicht sei das Paket aber auch schon zurückgesandt worden.
Zurück? Können Sie dabei ganz ruhig bleiben?
Ich kann das eine ganze Weile, manchmal beneiden mich sogar Menschen um meine Ruhe und Geduld, aber – unter uns – ein paar Nackenhaare stellten sich bereits auf.
Ich teilte ihr mit, dass es laut Sendungsverfolgung so wirke, als sei das Paket kurz nach Abgabe nicht weiterbefördert worden, sagte ihr, dass immer einer anwesend war, der das Paket hätte annehmen können, fragte verwundert, warum ein Paket bei der hiesigen Paketpost sein sollte, ohne dass ich davon überhaupt wüsste und noch verwunderter, warum es dann auch noch zurückgehen sollte, wo ich doch gerade inständig darum bitten würde, es zu bekommen! Es sei ein Weihnachtsgeschenk für meinen Sohn!
Ich erwähnte dabei bewusst nicht, dass er erwachsen und in solchen Situationen gefasst ist und sehr vernünftig reagiert. (Ach, Mama, nun mach’ dir keinen Kopf …) Nein, inzwischen war ich leicht angesäuert. Sollte sie doch glauben, er wäre ein verzweifeltes, laut heulendes – oder besser noch – herzzerreißend brüllendes, kleines Kind, das nun kein Geschenk erhalten würde.
Man weiß ja letztendlich auch nie, ob der Sohn nicht vielleicht doch … Ist immerhin schon hart …
Taschentücher! Ich muss vor Weihnachten noch Tempos besorgen!

Und bei der Post? Wie ging es dort daraufhin weiter?
Wir sind hier nicht für Sie zuständig, lautete die lapidare Antwort.
Dann tat ich etwas, was offenbar völlig daneben war. Ich fragte, ob ich einen Nachforschungsantrag stellen könnte. Hier gleich bei der Dame. Ich hätte auch die Identifikationsnummer des Pakets.
Gut, mit etwas Überlegen hätte ich es mir denken können, doch man kann dem Kunden seinen Irrtum und den Sachverhalt auch etwas anders mitteilen. Ich wurde angeblafft und belehrt, dass so etwas schließlich nur der Absender machen könnte, denn dem wäre es ja verloren gegangen.
Ach, und mir nicht?
Wer wartet denn mehr drauf? Wer hat denn inzwischen bezahlt und ist quasi bereits Eigentümer? Und wen erreiche ich am Wochenende nicht? Genau, den Absender! Und wann ist Heiligabend? Noch Wochen hin, oder?
Das habe ich nur gedacht, nicht gesagt …
Ich bekam danach – vielleicht für den heldenhaft unterdrückten Wutausbruch – mit gnädigem Blick eine kleine Karte gereicht, auf der die Nummer einer Hotline stand. Da könnte ich eventuell einmal nachfragen.
„Auch als Empfänger?“, erkundige ich mich.
„Ja, selbstverständlich, Sie haben doch die Nummer des Pakets!“
Ich habe jetzt nicht kleinlich diskutiert, warum dann andererseits ein Nachforschungsauftrag unmöglich sei.
Die Hotline. Kommen wir ganz kurz noch zu diesem Punkt. Sie ahnen es bereits. Dort bin ich bisher noch nicht durchgedrungen.
Bitte? Diese Paketpost?
Die erwähnte Paketpost „andernorts“ hatte bereits zu.

Pakete im Gleisbett - Vielleicht ist es ja hier abgelegt worden ....

Pakete im Gleisbett – Vielleicht ist es ja hier abgelegt worden ….

Was ich damit eigentlich sagen wollte, ist, dass solche Vorkommnisse massenhaft Zeit verschlingen. Und Sie kommen dann mit ihren geplanten Vorhaben nicht weiter. Die Weihnachtsvorbereitungs-To-Do-Liste wird nicht kürzer.
Tja, und ich habe es daher nicht geschafft, Ihnen einen jahreszeitlich adäquaten, schönen, leicht schmalzigen, auf jeden Fall sehr adretten Weihnachtsblogpost vorzubereiten. Mit Kuchen, Plätzchen, Kerzen, Tannenbaum, lieblichen Worten, Schleimerei etc. und gespickt mit zahlreichen Fotos, in denen der Weichzeichner wütete.
Ja! Ist halt so!
Beschweren Sie sich bitte bei der Post bzw. DHL. ^^

Nein, nein, so darf es nicht enden. Ich nehme mir schnell noch die Zeit, Ihnen allen für die regelmäßigen Besuche im Blog sehr herzlich zu danken (Minischleimerei, jedoch absolut ehrlich gemeint), wünsche Ihnen und Ihren Familien recht erfreuliche, entspannte und harmonische Weihnachtsfeiertage und hoffe, Sie alle danach hier wiederzutreffen.

Lassen Sie es sich bis dahin gutgehen!

©Dezember 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand - WordPress.com - ©Foto Andreas Grav

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Zwischen den Jahren …

29. Dezember 2012.
Bald ist das Jahr zu Ende!
Gut, das wussten Sie jetzt auch ohne mich. (Offen gestanden hatte ich mehr mit mir selbst gesprochen)
Noch knapp drei Tage … dann … siehe Bild.
Zwischen den Jahren ... Feuerwerk -Blog Michèle. Gedanken(sprünge)

Wie geht es Ihnen? Hatten Sie schöne Weihnachtsfeiertage? Haben sich alle einmal wieder gesehen?
Ja, aber …
Ja, aber?
Nein, schon klar. Sie brauchen es mir nicht zu erklären.
Weihnachten ist gelegentlich eine etwas zweischneidige Sache. Es hat seine schönen Seiten, ohne Frage, denn es ist nett, Familie zu sehen, zusammenzusitzen und über dies und das zu klönen, Geschenke erst ein- und später auszupacken, leckere Dinge vorzubereiten, um sie danach in festlicher Atmosphäre zu verspeisen, Kerzenlichter auf dem Tisch.
Nur kann es auch im Laufe der Tage ziemlich  anstrengend sein!
Es ist ja alles so fürchterlich komprimiert!
Die Festtage folgen Schlag auf Schlag, das Essen genauso. Und so lang die Festtage zwischendurch gele-
gentlich erscheinen mögen, so kurz kommen sie daher, wenn es gilt, alles unter einen Hut zu kriegen.
Man will ja schließlich alle einmal sehen … (Will man?)
Leben Teile der Familie in einer anderen Region, womöglich einige Hundert Kilometer voneinander entfernt,
wird es eng mit der zur Verfügung stehenden Zeit und rechtzeitiges Planen erforderlich  (Fahrt, Unterkunft, Versorgung von Haustier, Blumen, Briefkasten, etc.)

Wenn Ihnen allerdings die Invasion droht, liegt der Schwerpunkt auf Einkaufen, Verpflegung produzieren,
alles hübsch herrichten – und sollte Ihre Wohnung auch noch Hotelfunktion haben, wird es nötig umzuräumen, Schlafstätten zu schaffen u. v. m.  Umgeräumte Wohnungen verlieren dabei häufig die persönlichen Erholungsecken, die Rückzugsgebiete.

Viele Menschen kennen jedes Jahr beide Programmpunkte. Sie empfangen Besuch, und sie werden irgendwo erwartet. Das Datum steht bombenfest, es sind folglich alle gleichzeitig unterwegs bzw. am feiern. Das Wetter zeigt sich nicht immer in Festtagslaune und erschwert gern An- und Abreise oder das Integrieren von Außenaktivitäten zwecks Abwechslung. Keine Bewegung in Form von Spaziergang und Spielen. Stattdessen hocken alle  aufeinander.  Vom Baby bis zum Uropa. Häufig beengt. Stunden über Stunden.

Und ganz leise möchte ich an dieser Stelle gern noch einen Punkt erwähnen, der Weihnachten feiern für die Menschheit immer wieder zu einem anstrengenden Unterfangen machen kann:
Die unumstößliche Gästeliste!
Sie wissen, an Weihnachten wird zusammengepackt, was laut Stammbaum zur Familie gehört!
Das kann – wenn Sie Glück haben – super funktionieren.
Es kann aber auch sein, dass es sich – um es einmal vorsichtig auszudrücken – nicht exakt um die Auswahl handelt, die Sie für eine sonstige private Feier zusammentrommeln würden.
Familie – das sind nicht zwangsläufig die Menschen, bei denen untereinander die Chemie stimmt! Doch selbst ohne große Feindschaften prallen häufig sehr unterschiedliche Temperamente aufeinander. Oder stellen Sie sich lediglich das Zusammenrasseln von extrovertierten und introvertierten Typen vor, die wirklich grund-
verschiedene Bedürfnisse haben. Immer interessant und anregend für ein kurzes gemeinsames Kaffeetrinken, nur kippt die Stimmung nach maximal zwei Stunden! Wenn die Party für den einen erst richtig beginnt, der Lärmpegel steigt – der andere hingegen die ersten ernsthaften Fluchtgedanken hat. Sobald es sich beruhigt, die Dezibel sinken, atmet dieser erleichtert auf, während beim Hallo-hier-komm-ich-Menschen  prompt die Langeweile startet.
Wer sich langweilt, kommt auf dumme Gedanken …
Sie haben folglich während des Fests der Familien die ganze Bandbreite von großer Zuneigung, Harmonie
und Freude bei lockeren Gesprächen bis hin zu unterschwelliger Apathie, Stänkergelüsten, Anspruchsdenken, seltsamen Erwartungen. Mehr oder weniger erfolgreich wird der aufkommende Frust und Ärger im Zaum ge-
halten.
Es ist ja schließlich Weihnachten …
Die Gespräche versiegen, doch kurz bevor der Schwenk in die Eiszeit starten kann, bevor richtige Dramen starten, Massaker beginnen … ist Weihnachten glücklicherweise sogar bei derart traumhaft zusammen-
gesetzten Familienclans wieder vorbei.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass das Schlimmste meist dadurch vermieden wird, dass es überall einen gibt, der anpassungsfähiger, geduldiger und milder gestimmt ist, d. h.  einen, der entgegenkommt, der mehr zu schlucken bereit ist, als sein Kontrahent?
Warten Sie!
Schlucken ist wieder zweideutig, oder?
Nicht mehr Alkohol! Dass wir uns hier nicht missverstehen …
Nein, mehr an Merkwürdigkeiten, Ärgernissen, überflüssigen Sprüchen.
Alles in allem geht es am Ende fast immer gut aus, nur für den friedliebenden und vermittelnden, diplo-
matischeren Typ, ist es enorm anstrengend, und so kommt das Ende der Weihnachtsfeiertage just in dem Moment, in dem auch seine Batteriereserven aufgebraucht sind.
Es wird allerhöchste Zeit für Rückzugsmöglichkeiten, Ruhe, gesünderes Essen in kleineren Mengen, mehr Bewegung, Entspannung.
Wer großes Glück hat, muss nicht sofort wieder arbeiten und hat diesen Ausgleich.

Falls Sie in Ihrer Familie ein Herz und eine Seele sind,  alle irgendwie vom gleichen Schlag,  so staunen Sie einfach nur über das eben Gelesene.
Doch das gibt es!
Vorhin hörte ich wieder eine derartige Geschichte, die damit endete, dass die zwei Personen, die dieses Jahr Gastgeber und Friedensstifter waren, sich geschworen haben, das nächste Jahr an Weihnachten zu verreisen, wenn nicht sogar auszuwandern.

Wissen Sie, was eigenartig ist?
Trotz allem klingt der Begriff Weihnachten zwei Monate später schon wieder recht anziehend. So grundsätzlich.
War doch gar nicht soo schlimm …
Gut, die Menschheit hat es erst einmal wieder hinbekommen. Die einen so, die anderen so.

Und jetzt sind diese besonderen Tage angebrochen, die Zeit zwischen den Jahren. Manche behaupten, das sei eine Zeit, in der gar nichts passiere. Höchstens Geschenke tauschen. Gutscheine einlösen. Die Feiertage wären vorbei, das Neue Jahr hätte noch nicht begonnen, viele hätten frei. Somit eine Zeit des Nichtstuns …
Im Grund überflüssig.
Ja?

Für mich ist es immer ein willkommener Zeitpunkt, um ein bisschen auf mein persönliches zurückliegendes Jahr zurückzuschauen.
Was hat sich getan? Wo gab es Veränderungen, was war auffällig?
Was glückte, was misslang?
War es ein gutes Jahr? Oder anders gesagt: Habe ich es gut genutzt?
Wer ist mir begegnet, was habe ich erlebt, was hat mich geprägt, woran habe ich zu nagen?

Und ich schaue ein bisschen voraus.
Wie wird es im Neuen Jahr weitergehen?
Ich halte nicht viel von diesen halbherzigen Silvester-/Neujahrsvorsätzen, die so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind. Meine Planung ist langfristiger. Meine – eher nicht materiellen – Wünsche halten länger an, sind äußerst beständig, ihr Umsetzen erfordert Zeit, Geduld, Disziplin …
Und ganz sicher auch ein Quäntchen Glück.
Vielleicht bedeutet 2013, der Erfüllung dieser Wünsche wieder ein Stückchen näher zu kommen. Veränderung ist selten eine Sache, die von heute auf morgen erfolgt, geschweige denn komplett erledigt wäre.
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Jahreswechsel 2012/2013 - Michèle Legrand auf WordPress.comIch wünsche Ihnen allen, dass auch Sie Ihre Träume haben, Ziele, die Sie im nächsten Jahr angehen möchten. Seien es persönliche Veränderungen oder vielleicht Ideen und Projekte, die Sie im Auge behalten und Stück für Stück realisieren möchten.
Wenn Sie sich nichts mehr als Gesundheit wünschen, dann hoffe ich, dass auch dieser Wunsch für Sie in Erfüllung geht.
Viel Glück bei allen Ihren Vorhaben!

Für Sie alle einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

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© by Michèle Legrand, Dezember 2012

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Weihnachtliche Bevorratung und andere Phänomene …

Hamburg - Hauptbahnhof - Wandelhalle mit weihnachtlicher Dekoration - Dezember 2012

Hamburg – Hauptbahnhof – Wandelhalle mit weihnachtlicher Dekoration – Dezember 2012

Hallo! Willkommen zurück! ^^
Schön, dass Sie den 21. Dezember gut überstanden haben!
Auch wenn kein Weltuntergang stattfand, ist es gar nicht selbstverständlich, dass Sie hier heute, am 22.12.2012, wieder auftauchen!
Es geht es in den letzten Tagen dermaßen wühlig zu in Deutschland, es herrscht ein solcher Andrang in den Einkaufshochburgen, dass manch einer dabei leicht verschütt gehen könnte.
Prima, dass Sie offenbar unversehrt sind und sicher wieder nach Hause gefunden haben.

Wie lief es bei Ihnen unterwegs?
Mit welchen „Bräuchen“ wurden Sie konfrontiert?

Ich biete folgende Stichworte: Verstöpselung. Bevorratung. Erpressung.
Kennen Sie auch?
Wenn nicht, liegt es unter Umständen nur an den Begriffen. Gut möglich, dass Sie gewisse Phänomene lediglich anders betiteln.

1. Die Verstöpselung
Verstöpselung hat mit Babys und deren Lage im weihnachtlichen Gedränge zu tun. Genauer gesagt geht es um deren missgelauntes Gequake – nein, Gebrüll! – und um die kleinen Dinger, die gemeinhin als Schnuller bekannt sind.
Einerseits werden diese Gummipfropfen von vielen Eltern rein prophylaktisch bei ihrem Nachwuchs eingesetzt.
Zustöpseln, damit gar kein Geschrei möglich ist!
Andererseits sind viele Babys sie mittlerweile gewohnt, brauchen sie unbedingt!

Vielleicht haben Sie schon einmal beobachtet, dass Babys beim weihnachtlichen Einkaufen gar nicht losheulen, weil es so tropisch warm in den Einkaufszentren wäre. Nein, dagegen haben die Eltern meist Gegenmaßnahmen ergriffen. Der Wintersteppanorak mit der plüschohrverzierten Bärenkapuze wurde bereits ausgezogen.
Das Gebrüll kommt aus einem anderen Grund.
Die abgestandene Luft löst ständiges Gähnen aus! Selbst bei den Kleinsten. Warum sollte es Babys in der Situation anders ergehen als Erwachsenen.
Und die Konsequenz der Gähneritis?
Richtig! Der Schnuller fällt dauernd aus dem Mund!
Das hat zur Folge, dass mit zwei Sekunden Verzögerung das Gequake einsetzt, und keiner kommt hinterher mit dem immer wieder neu Einstöpseln!
So ein Muss-Schnuller hat eben auch seine Nachteile …

Hamburg - Hauptbahnhof (Wandelhalle) in der Weihnachtszeit

Hamburg – Hauptbahnhof (Wandelhalle) in der Weihnachtszeit

2. Die Bevorratung
Die Erwachsenen quaken übrigens auch, nur können Sie hier einen herausploppenden Schnuller als Ursache getrost vernachlässigen.
Der kauffähige Anteil der Bevölkerung ist aktuell geschädigt und entnervt vom kolossalen Andrang an Theken, Tresen und Kassen in Läden und ganz speziell in Lebensmittelgeschäften.
Jedes Jahr das gleiche Spiel. Zuerst allseits die große Verdrängung, und dann kommt Weihnachten absolut überraschend!
Oh, schon der 22.12.! Nun aber hurtig …!
Neben der Bewältigung der Last Minute Weihnachtseinkäufe für den Gabentisch, schlaucht die Menschheit speziell die Bevorratung mit Lebensmitteln.
Sie könnten leicht auf den Gedanken kommen, die Feiertage zögen sich in diesem Jahr bis über Neujahr hin – in einem Rutsch – oder die Geschäfte wären nun mindestens vier Wochen geschlossen.
Hamstereinkäufe!
Panik-Tütenfüllen! (Ich habe einen Bindestrich bevorzugt, ich hatte sonst das Bild von panischen, wild herumzappelnden Tüten vor meinem inneren Auge)
Einkaufswagenüberladung!

Es sind zwei Tage, liebe Menschheit, zwei lumpige Tage …
Aber verständlich, man sollte das Risiko des Hungertodes in unseren Breitengraden nicht unterschätzen …
Ja, ja, ich bin gehässig! Und – sagen Sie es ruhig laut – schnodderig!
Verraten Sie es nicht weiter.
Ich darf mir nämlich eigentlich nichts leisten im Moment …

3. Erpressung
Sie kennen diese andere Sitte, die an Weihnachten neben Panikeinkäufen gern gepflegt wird? Sie nennt sich Erpressungssprücheklopfen.
„Wenn du schön brav bist, bringt dir der Weihnachtsmann auch, was du dir wünschst …“
Das bekommen Sie in jedem Alter zu hören – glauben Sie nicht, das wäre irgendwann vorbei!
Nun, ich wünsche mir, nicht mehr kameralos zu sein – denn ich gehe langsam ein ganz ohne Fotoapparat.
Kamera gegen Bravsein.
So ein Deal ist anstrengend!
Das ist psychologisch bedingt. Immer wenn Sie wissen, dass Sie etwas nicht dürfen oder vermeiden sollen, dann passiert es umso leichter.
Wenn Sie zu einem bestimmten Verhalten gezwungen werden, bocken Sie innerlich. Ihr aufmüpfiges Ich rebelliert dagegen.
Sei brav! Benimm dich! Mach dir keine Flecken! Weck ihn nicht auf! Nichts essen vorher! Bleib wach! Komm nicht zu früh! …

Sie kennen es, oder?
Die Müdigkeit, die Sie aus purer Bosheit regelmäßig an Silvester schon um 22 Uhr befällt – weil Sie wissen, dass Sie heute einfach nicht vor Mitternacht ins Bett gehen können!
Sie dürfen nicht einschlafen, Sie müssen wach bleiben – herrje, warum klappen bloß die Augen zu?
Der Hunger, der Sie quält, just an dem Tag, an dem Sie nüchtern zur Blutentnahme kommen sollen. Sonst ist Ihrem Magen die Versorgung am frühen Morgen relativ schnuppe.
Der gleiche Hunger, der sofort einsetzt, sobald Sie beim Zahnarzt fertig sind und er Ihnen die Anweisung mit auf den Weg gibt, die nächsten drei Stunden noch nicht wieder etwas zu sich zu nehmen.
Was macht Ihr werter Magen?
Er knurrt wüst!
Und Sie blicken dauernd auf Ihre Uhr und trauen dem Ding immer weniger …

Kekse zu Weihnachten (Michèle. Gedanken(sprünge)

Kekse zu Weihnachten – hier halt ohne Glocke und Tannenbaum!

Sie könnten jetzt den Eindruck gewinnen, dass ich immer nur esse. Dem ist nicht so. Ich hadere nur mit Verboten, womit wir wieder beim Bravsein wären.
Ich bemühe mich redlich.
Noch zwei Tage!
Wenn jetzt keiner zu hohe Ansprüche stellt, könnte es klappen.
Notfalls gibt es vielleicht noch gewisse Bonuspunkte für diesen ganzen Weihnachts-Familien-Bekochungs-Zauber, der an mir hängenbleibt.
Unter Umständen lässt sich damit manches noch retten … herausreißen!

Und nun zu Ihnen!
Ich hoffe, Sie sind durch mit Ihren Besorgungen, konnten alles erfolgreich ergattern, was Sie suchten und haben auch den Eindruck, dass es nicht das Schlechteste ist, wenn die Weihnachtsfeiertage nach einem Wochenende starten.
Mein Empfinden ist, dass manches ruhiger läuft, und die Menschen etwas gelassener unterwegs sind.

Wir treffen uns hier sicher noch einmal in den kommenden Tagen, doch sollten Sie es aufgrund familiärer Verpflichtungen nicht mehr schaffen, wünsche ich Ihnen schon an dieser Stelle ein schönes, fröhlich-besinnliches Weihnachtsfest und bleiben Sie gesund!

©Dezember 2012 by Michèle Legrand

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