Beiträge getaggt mit Wasservögel

Teichhuhn am Abgrund, sinkende Schiffe, Ganterpel? – Ein Nachmittag im Eichtalpark

Hamburg: See im Eichtalpark (Wandsbek)

See im Eichtalpark

Eigentlich wollte ich darüber gar nicht bloggen. Wen interessiert denn schon mein Fahrrad-Trip durch Wandsbek. Meine Güte! Andere waren vielleicht in der Zeit beim Bungee-Jumping in Neuseeland! Sollen die doch berichten …
Dachte ich mir so. Ich postete stattdessen nur ein einzelnes Ausflugsfoto an meiner Facebook Pinnwand, das meine neueste Bekanntschaft vorstellte. Eine überaus zutrauliche Gans, die mir aus der Hand fraß. Oder war es ein Ganter? Das Bild, die Frage … oh, das hatte Folgen! Und letztendlich hat es jetzt die Auswirkung, dass ich über diesen Nachmittag mehr erzähle und zusätzliche Fotos in den Beitrag mit aufnehme. Vielleicht kommen wir auf diese Art zu einem Ergebnis. In den Kommentaren hat die Weisheit der Vielen bisher noch kein eindeutiges Resultat erbracht, dafür löste das sympathische Federvieh Assoziationen aus. Die eigenen Gedanken wurden offenbart, generelle Information zusammengesucht. Doch wir beginnen besser von vorne:

Ich liebe es sehr, in einer Stadt zu leben, die viel Grün und Wasser zu bieten hat. Egal, wo man sich in Hamburg befindet, es ist nie weit zum nächsten Grünzug, einem Park, einem Bach, Fleet oder Fluss.
Neulich bereits hatte ich (auch hier im Blog) einen Abstecher zum Mühlenteich in Wandsbek gemacht. Der Anlass war ein frühmorgendlicher Autowerkstatttermin in der Nähe gewesen, und der anschließende Spaziergang mündete in einem kleinen Frühstück für die anwesenden, noch etwas schlaftrunkenen Wasservögel.
Der vergangene Sonnabend entpuppte sich nach wolkenverhangenem Vormittag am Nachmittag als zwar etwas kühl, aber so sonnig, dass es verlockend gewesen war, sich per Fahrrad in Richtung Wandse, Eichtalpark und Botanischen Sondergarten zu begeben. Ich hatte zwischenzeitlich weitere Brotreste aufbewahrt, und da es entlang der geplanten Route Wasservögel gibt, steckte ich die neue kleine Portion ein. Für den Fall der Fälle …

Vom Wandsbek-Markt in östlicher Richtung stadtauswärts, führt der Rad- und Wanderweg hier vorbei:

Wandse mit Teichhuhn ...

Wandse mit Teichhuhn …

Ich bewundere, wie Rallen (Teichhühner), diese doch recht leichten Wasservögel mit zarten Beinchen, es schaffen, sich dort in der Strömung genau an der Kante zu halten … In aller Seelenruhe marschierte sie mehrfach von links nach rechts …

Wandse: Teichhuhn am Abgrund ...

Wandse: Teichhuhn am Abgrund …

Weiter führte mich der Weg entlang von Wiesen voll blühendem Löwenzahn. Auf einer Bank am Wegesrand saß eine Frau und flocht einen sonnengelben Kranz daraus, während ein kleines Mädchen mitten in der Wiese kauerte und für Blütennachschub sorgte.

Löwenzahnwiese an der Wandse in Wandsbek

Löwenzahnwiese an der Wandse in Wandsbek

Im Eichtalpark hielt gerade eine Gruppe Wildgänse Siesta auf der Wiese und schien die Sonne und Wärme dem Wasser – zumindest in diesem Moment – vorzuziehen.

Graugänse (Wildgänse) im Eichtalpark

Graugänse (Wildgänse) im Eichtalpark

Sie sahen träge, faul und müde aus, so dass ich beschloss, erst auf dem Rückweg zu halten, und derweil am See nachzuschauen, ob dort Enten Lust auf eine kleine Fütterung hätten.
Ich passierte ein kleines, abgezäuntes Terrain, das es dort schon seit Jahren gibt. Eingerahmt von einer kleinen Holzquerlatte befindet sich ein Beet, auf dem Mammutblatt (Gunnera manicata) wächst. Der Name deutet es schon an: es hat im Sommer riesige Blätter mit einem Durchmesser von bis zu zwei Metern – auf Stielen, die ebenso hoch werden können! Die Staude ist winterhart, zieht sich aber völlig zurück. Deshalb der Schutz, damit sie nicht unwissentlich völlig niedergetrampelt wird. Ein zweiter Grund ist, dass sie zusätzlichen Winterschutz erhält (Abdeckung mit Laub und Ästen). Momentan ist sie gerade am Austreiben, was auch schon höchst interessant aussieht!

Eichtalpark (Wandsbek): Mammutblatt (Gunnera manicata) beim Austrieb ...

Mammutblatt (Gunnera manicata) beim Austrieb …

Eichtalpark (Wandsbek): Mammutblatt - bereits weiter im Wachstum

Mammutblatt – bereits weiter im Wachstum

Der Weg führt an einem kleinen See vorbei, der in einen größeren übergeht. Dieser Teil des Sees lag in der Nachmittagssonne, und aus ihm ragten die wie auf kleinen Inseln wachsenden Lärchen. Ihr Holz enthält viel Harz und ist sehr dauerhaft. Auch bei extremer Nässe. Es ist Ihnen sicher auch schon aufgefallen, dass es aus diesem Grund gern für die Herstellung von Gartenmöbeln verwendet wird. Es muss nämlich nicht imprägniert werden. Lärchen sind die Nadelbäume, die jeden Nadeljahrgang abwerfen und deshalb gegen die meisten Schadstoffe relativ tolerant sind. Die Baumart hat das höchste Potential zur Verbesserung der Luftqualität in Städten, sagt gerade eine neue englische Studie. Und zum Baum des Jahres 2012 wurde sie auch gekürt.
Sie schlagen momentan gerade aus, die Lärchen …

Eichtalpark (Wandsbek): Die Lärchen treiben gerade aus (und man sieht, wie dicht die Wohnhäuser am Park liegen)

Die Lärchen treiben gerade aus (und man sieht, wie dicht im Grunde die Wohnhäuser am Park liegen)

Austrieb der Lärchen (Baum des Jahres 2012)

Austrieb der Lärchen (Baum des Jahres 2012)

Ich radelte weiter und sah erstaunt eine ältere Dame mit Rollator, die diesen nicht mühsam und langsam vor sich her schob, sondern mit dem Hilfsmittel regelrecht spurtete. Wir hielten an der gleichen Stelle, denn Stimmen hatten plötzlich geschrien:
„Sie gehen unter! Unsere Boote sinken!“
„Nein, aber sie schwimmen weg!“
Daraufhin hatte es im Gebüsch wild geknackt.
In der Nähe ist der große Spielplatz, und seine Ausläufer grenzen an die durch den Park fließende Wandse. Kinder hatten Papierschiffe gefaltet und diese zu Wasser gelassen. Keine Anker dabei. Das eine hatte bedenklich Schlagseite, die anderen machten sich langsam aus dem Staub. Daher die ganze Aufregung …

Eichtalpark: In der Nähe des Spielplatzes ließen Kinder Boote zu Wasser ...

Eichtalpark: In der Nähe des Spielplatzes ließen Kinder Boote zu Wasser …

Mit der Dame kam ich ins Gespräch. Wir überlegten, wie viele Generationen Kinder wohl schon Papierschiffe gefaltet haben. Generell. Dass sie es gerade draußen auf dem Spielplatz machen, ist relativ selten. Danach schob die rüstig wirkende Rollator-Dame ihr Gefährt wieder weiter. Er wirkte bei ihr merkwürdig deplatziert, irgendwie überflüssig. Sie hielt bereits nach wenigen Metern wieder an, blockierte die Räder und setzte sich auf die kleine Sitzbank ihres Gehwagens.
Ich hatte mein Fahrrad noch geschoben und war nun neben ihr.
„Das ist sehr praktisch“, bemerkte ich unverbindlich.
„Ja“, bestätigte sie, „das ist auch der Hauptgrund, warum ich ihn habe. Ich habe Gleichgewichtsstörungen und kann vor allem nicht lange stehen. Also auf der Stelle. Ich muss zwischendurch sitzen.“
„Mir ist vorhin aufgefallen, wie flott sie mit ihrem Rollator unterwegs sind.“
Weil ich ihn habe, komme ich schneller voran! Ich kann mich abstützen und muss keine Angst haben zu fallen.“
Das klang logisch. Ich dachte an meine Mutter, die durchaus ähnliche gesundheitliche Probleme hat, sich allerdings mit Händen und Füßen weigert, auch nur einen Gedanken an so etwas wie einen Rollator zu vergeuden. Das ist etwas für Ältere! Doch wann fängt älter an? Und unter welchen Umständen sollte es einem egal sein?

Der Besuch im Botanischen Sondergarten währte nicht ganz so lange wie im Sommer. Ganz so viel ist dort um diese Jahreszeit noch nicht am Blühen. Doch es gibt schöne Stellen …

Wandsbek: Im Botanischen Sondergarten

Im Botanischen Sondergarten

Ganz in der Nähe geht es sehr urwüchsig zu. Der Teich/Tümpel wirkt wie unberührt. Ein Erpel und eine Ralle zogen gemeinsam ihre Kreise

Wandsbek/Wandse: Idyll in der Stadt nahe des Botanischen Sondergartens - Nicht weit davon rauschen die Autos auf der vielbefahrenen B75

Idyll in der Stadt nahe des Botanischen Sondergartens – Nicht weit davon rauschen die Autos auf der vielbefahrenen B75

Brücken zum Queren der Wasserläufe bieten schöne Ausblicke

Wandse - nahe Botanischer Sondergarten

Wandse – nahe Botanischer Sondergarten

See im Eichtalpark: Die Ralle im Wasser startete gerade eine wahren Putzmarathon ...

Die Ralle im Wasser startete gerade eine wahren Putzmarathon …

Die Sonne verschwand hin und wieder hinter Wolken. Zog es sich weiter zu? Musste ich doch noch mit Regen rechnen? Ich entschloss mich irgendwann zum Umkehr. Nach einer Weile hatte ich wieder den Eichtalpark erreicht.
Inzwischen hatte sich das Bild auf der Wiese gewandelt. Die Gänse waren verschwunden, stattdessen hatten sich Menschen dort niedergelassen. Und nicht nur das. Die Gruppe Hungriger hatte den Grill angeworfen! Rauchschwaden zogen über die Freifläche.

Eichtalpark (Wandsbek): Beim Anblick des Grills verschwanden die Gänse lieber ...

Beim Anblick des Grills verschwanden die Gänse lieber …

Offenbar war der Grill den Gänsen nicht geheuer gewesen. Sie könnten ihn als Alarmsignal empfunden haben. Vielleicht sind sie nach interner Beratung übereingekommen, lieber baden zu gehen. Ich stelle mir gern Gespräche unter ihnen vor, die etwa so ablaufen:
„Du, komm! Wir verduften!“
„Ja, los! Menschen sind unberechenbar. Denen fällt plötzlich ein, dass sie Appetit auf frisches Geflügel haben …“)

Eichtalpark: Nachmittagssonne am Teich. Die Gänse verzogen sich von der Wiese ...

Nachmittagssonne am Teich. Die Gänse verzogen sich von der Wiese … (PS Bitte durchaus einmal draufklicken. Mir geht immer das Herz auf, wenn ich diese Szene sehe)

Am kleinen Teil des Sees traf ich sie alle an, stellte mein Fahrrad neben einer Bank ab und näherte mich mit dem Brot. Nicht nur die Gänse badeten. Auch einige Stockenten und Teichhühner mischten mit. Die ersten Brotbrösel flogen, und schon stellte sich heraus, wer an diesem Tag die ganz großen Pöbler und Rabauken unter den Wasservögeln waren: die Teichhühner!

Wasservögel im Eichtalpark: Noch herrscht Ruhe ...

Wasservögel im Eichtalpark: Noch herrscht Ruhe …

Eichtalpark: ...doch nun ist Teichhuhn sauer, Ente panisch, Erpel desinteressiert, Gänse arrangieren sich ...

…doch nun ist Teichhuhn sauer, Ente panisch, Erpel desinteressiert, Gänse arrangieren sich …

Eichtalpark: Ausflippendes Teichhuhn

Ausflippendes Teichhuhn …

Obwohl sie von der Größe her ganz hinten rangieren, kannten sie kein Vertun. Sobald Essen im Anmarsch war, begannen sie zu drängeln, griffen mit eindeutigen Drohgebärden an und motzten lautstark, wenn eine vorwitzige Ente es wagte, sich dem Brotstück auch nur zu nähern. Ein Teichhuhn pflügte dermaßen erbost durchs Wasser, dass es eine Ente damit komplett aus dem See scheuchte! Der dazugehörige Erpel verdünnisierte sich, die Gänse reckten die Hälse, standen jedoch über allem oder arrangierten sich zumindest mit den aufmüpfigen Rallen. Eine einzelne Gans schwamm ans Ufer, kletterte in einigen Metern Entfernung von mir an Land, um mir dann kontinuierlicher näher zu kommen. Anfangs wie zufällig. Völlig unbeteiligt. Es fehlte nur noch so ein fröhliches Pfeifen …

Eichtalpark: Sie nähert sich (ging in Höhe meines Fahrrads an Land). Leicht schüchtern mit etwas weggedrehtem Kopf ...

Sie nähert sich (auf Umwegen, denn sie ging in Höhe meines Fahrrads an Land). Leicht schüchtern mit etwas weggedrehtem Kopf …

Sie schien schüchtern, legte ihren Kopf schief, hielt zwischendurch, wartete ab, watschelte weiter. Ich blieb in der Hocke. Sobald ich mich zu ihr wendete und ihr Beachtung schenkte, schaute sie zur Seite. Also fütterte ich völlig ausdruckslos die Kumpel im Wasser.

Freundschaft schließen. Sie sitzt neben mir. Ist es eine Sie oder ein Er?

Freundschaft schließen. Sie sitzt neben mir. Ist es eine Sie oder ein Er?

Sie schlich sich dichter heran, bis sie schließlich direkt neben mir hielt. Ich drehte mich langsam zu ihr.
„Na!“, begrüßte ich sie.
Sie guckte angelegentlich ihre Füße an.
„Wie sieht’s aus? Möchtest du ein Stück?“
Ich hielt ihr langsam ein Brotstück entgegen.
GRABSCH!
Der Schnabel schnellte nach vor und riss mir das Brot förmlich aus der Hand! Sie säbelte engagiert an ihrer Beute herum. Der leicht geöffnete Schnabel offenbarte eine richtige Zahnleiste. Kleine Spitzen, dicht an dicht – wie die Zähne eines Sägeblattes.
Mein Proviant war am Ende. Auf dem Spazierweg näherte sich eine Familie mit einem großen Hund. Die Gans hatte ihn auch bemerkt, doch offenbar auch registriert, dass er angeleint war. Sie wich keinen Zentimeter von mir. Der Hund starrte sie beim Herannahen unaufhörlich an. Als er direkt an uns vorbeilief, konnte er es einfach nicht lassen und musste wenigstens ein bisschen bellen. Der Gans wurde mulmig. Sie entschwand Richtung See und stürzte sich in die Fluten.
Ich nutzte die Gelegenheit zum Aufbruch, und fragte mich, ob ich es jetzt mit einer Sie oder einem Er zu tun gehabt hatte. Bei Gantern soll der Beinabstand größer sein. Das Geschnatter hätte eine tieferen Tonlage. Der Ganter sei schwerer. Gut und schön. Doch was macht man, wenn kein Vergleichstier daneben sitzt? Oder wenn zwar ein zweites Gänsevieh da ist, aber genauso aussieht? Sind das dann zwei Frauen oder zwei Männer?
„Hey, wie viel wiegst du denn?“, könnte man fragen. Oder freundlich bitten: „Du, sag mal was. Ich muss wissen, wie tief du dich anhörst.“
Meine Gans sagte nichts. Sie war schweigsam-verfressen.

Am Beginn des Blogposts erwähnte ich die Resonanz und die Kommentare, die das Bild bei Facebook auslöste. Doch waren sie hilfreich beim Feststellen des Geschlechts?
Zu Beginn ging es eher um die Diskussion und Klarstellung, ob es nicht vielleicht eher eine Ente als eine Gans sei. Vielleicht ein männlicher Mix? Ein Ganterpel? Größen, Halslängen, etc. wurden verglichen.
Dann bekam jemand Hunger beim Anblick des Tieres.
Einem weiterem diente der Vogel als Inspiration für einen baldigen Spaziergang, um selbst Wildgänse zu betrachten.
Im Anschluss gab es sachdienliche Hinweise zu Arten, Gattungen und Besonderheiten.
Aber konnte jemand wirklich eindeutig das Geschlecht bestimmen? So mit absoluter Sicherheit?
Nein, noch nicht!
Und das ist jetzt Ihre Chance!
Wenn Sie es wissen, oder wenn Sie jemanden kennen, der es wissen könnte oder der wissen könnte, wer jemanden kennt, der … (Sie wissen schon, was ich meine), dann lassen Sie sich nicht bremsen.
Tun Sie sich keinen Zwang an, sondern handeln, schreiben oder kommentieren Sie völlig ungeniert! ;)

Ich bin sehr gespannt, ob ich auf diese Art doch noch genau erfahre, mit wem ich im Park das Vergnügen hatte.

©Mai 2012 by Michèle Legrand

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Wieder auf Entdeckungstour: Teil 2 – Gefiederte Hamburger und Quiddjes / Die Scherben an der Rathausschleuse

Hamburg - Kleine Alster mit Blick auf die Reesendammbrücke (Jungfernstieg)

Kleine Alster mit Blick auf die Reesendammbrücke (Jungfernstieg)

An der Alster, sei es Außenalster oder Binnenalster, trifft man auf eine sehr große Anzahl und auch Vielfalt von Wasservögeln. Vogelarten, die hier ständig leben und auch über den Winter bleiben, sind Sturmmöwen, Stockenten, Blässhühner (Blässrallen), Wildgänse/Graugänse,  einige Lachmöwen, weitere Entenarten … – mit anderen Worten, vieles, was ich gar nicht genau identifizieren kann. Gelegentlich taucht ein farbenfroher Fremdling auf, der sich von der Elbe (oder der Nordsee) aufgemacht hat, und der Hamburg für einen Kurzbesuch attraktiv findet. Wenn ich die Namen der gefiederten Wesen nicht kenne, dann sind es meist Quiddjes. Das ist hier ein Ausdruck für Zugereiste oder Fremde. Die anderen sind bei mir folgerichtig die geborenen Hamburger. Bei denen gehe ich auch immer davon aus, dass sie sich untereinander wahrscheinlich  „op Platt“ verständigen ;).
Richtige Hamburger sind die hier so typischen Alsterschwäne, die den Winter allerdings in ihrem Ausweichquartier, dem Eppendorfer Mühlenteich verbringen und dort ggf.  auch Futter erhalten.
-> siehe auch:  https://michelelegrand.wordpress.com/2011/11/22/bootsfahrt-im-november/

Wie kommen die anderen mit den kalten Temperaturen und dem Eis klar?
Sie sind findig, und sie passen sich an. In einer Stadt bleibt viel liegen, was zum Verzehr geeignet ist. Die Möwen sind in den letzten Jahren zudem bei ihrer Nahrungssuche frecher geworden. Obwohl in Hamburg das Füttern von Wasservögeln (bei Androhung einer Geldbuße von bis zu 5.000 Euro) verboten ist, halten sich nicht alle daran. Dadurch empfinden viele Vögel den Menschen nicht nur als ungefährlich, sondern als regelrechten Futterspender. Hat er was, soll er es gefälligst auch herausrücken!
Zur Zeit der Weihnachtsmärkte ging es schon so weit, dass den Besuchern der Gastro-Stände die Brötchen und andere Speisen im Sturzflug dreist aus den Fingern gerissen wurden. Es ist also ratsam, bei Besuchen des Jungfernstiegs, der Alsterarkaden, des Rathausmarktes und anderer Plätze an der Alster, möglichst keine Nahrungsmittel in der Hand zu haben. Es ist oftmals nämlich nicht nur ein einzelnes Federvieh, das sich nähert, sondern eine ganze Truppe, und die Szene erinnert dann eher an Hitchcocks „Die Vögel„.
Ich hatte also nichts bei mir am Mittwoch. Trotzdem hatten mich die Kollegen sehr genau im Blick!

Reesendamm - gegenüber Alsterarkaden. Die Möwen hoffen auf Essbares ...

Reesendamm – gegenüber Alsterarkaden. Die Möwen hoffen auf Essbares … Im Hintergrund die Rathausschleuse

Sie sitzen vorzugweise auf den Brückengeländern, auf Duckdalben (eingerammten Pfählen) oder zurzeit auf den immer noch herumtreibenden Eisschollen der Kleinen Alster. So heißt dieser Wasserabschnitt, der von der Binnenalster durch den Jungfernstieg und die Reesendammbrücke getrennt wird. An diesem Becken liegen auf der einen Seite die Alsterarkaden, und gegenüber ist die große Freitreppe am Reesendamm. Das Wasser wird direkt zur Schleusenbrücke geführt, unter der sich die Rathausschleuse befindet (Das Rathaus selbst ist ebenfalls in unmittelbarer Nähe)

Hamburg, Kleine Alster, Rathaus mit Stele und Relief von Ernst Barlach

Kleine Alster vor der Schleusenbrücke. Links Rathaus mit Stele/Relief von Ernst Barlach zum Gedenken an die Gefallenen des 1. Weltkrieges. Errrichtet 1932

Die Alsterarkaden entstanden nach dem großen Stadtbrand von 1842. Das Gebäude hat einen weißen Anstrich sowie einen Arkadengang mit Rundbögen. Es wirkt sehr südländisch. (Vielleicht ist es meinen „Followers“ bei Twitter aufgefallen: Ich habe die Alsterarkaden seit Beginn als Hintergrundbild).

Hamburg, City. Die Alsterarkaden (ein Sommerfoto)

Die Alsterarkaden (ein Sommerfoto)

Das dunkle, schmiedeeiserne Geländer hat schöne, goldfarbene Motive eingearbeitet

Hamburg, Alsterarkaden, Geländerverzierung

Alsterarkaden: Geländerverzierung

Möwen nutzen diese Geländer gern als Ausguck, als Spähposten. Wo ist die nächste Beute …?  Von hier aus haben sie einen guten Überblick darüber, was sich auf und auch neben der Kleinen Alster tut.

Hamburg:  Kleine Alster, Auf dem Geländer der Alsterarkaden haben Möwen ihren Ausguck

Ausguck: Das Geländer der Alsterarkaden. Blick auf die Kleine Alster

Hamburg, Kleine Alster - an den Alsterarkaden - Die bunte Vielfalt an Wasservögeln

An den Alsterarkaden – Eine bunte Vielfalt an Wasservögeln ist hier vertreten

Hamburg, Alster. Blässhuhn auf Eisscholle und Stockente am "Eistauchen"...

Auch ein Blässhuhn hat sein Floß, die Stockente übt „Eistauchen“ …

Während ich Fotos von den Alsterarkaden aus hinüber Richtung Rathaus schieße, hat eine der Möwen etwas entdeckt. Gegenüber auf der Freitreppe stehen zwei junge Männer mit einer McDonald’s Tüte. Von hier sieht es aus, als hätten sie Pommes Frites in der Hand. Die Möwe startet, zischt über das Wasser, dreht haarscharf bei und – zack! Sie war erfolgreich und kehrt mit Pommes im Schnabel zurück. Die Jungs sind am Wettern! Und ich werde misstrauisch beäugt, ob ich eventuell etwas streitig machen könnte …

Hamburg - auf der Kleinen Alster. Möwen auf Eisschollen treiben todesmutig auf die Schleuse zu

Kleine Alster: Die Möwen treiben auf ihren Eisflößen todesmutig auf die Schleuse zu …

Die Eisschollen der Binnenalster treiben unter der Reesendammbrücke hier herein. Sämtliche Vögel nehmen sie als Landepunkt und – wie es aussieht – als Floß. An der Schleuse, die geöffnet ist, rauscht das Wasser im freien Fall abwärts. Die eisigen, schon recht dünnen „Eisscherben“ werden davon angezogen. Die Tiere jedoch harren auf ihnen aus.
Es erinnert mich auf einmal an Filme, in denen unschuldige, nichtsahnende Touristen mit dem Boot oder Floß unterwegs sind. In Richtung der Niagara-Fälle, was sie selbstverständlich nicht wissen und natürlich erst kurz vor dem Absturz dahinter kommen, was dieses merkwürdige, ständig lauter werdende Rauschen zu bedeuten hat. Aufkommende Hektik, Panik, runter vom Floß, rette sich, wer kann …

Kleine Alster mit Eisschollen. Die Wasservögel treiben auf die Schleuse zu ...

Kleine Alster mit Eisschollen. Die Wasservögel immer noch auf dem Weg Richtung Schleuse, doch die ersten heben ab …

Genauso halten es die Vögel. Erst kurz bevor das Wasser sie mitreißen würde, wirken  sie leicht überrascht und bequemen sich wegzufliegen. Manchmal reagieren sie etwas verdutzt und minimal panisch, wenn sie merken, dass der Untergrund glatt ist und dies den Start erschwert. Es klappt jedoch immer alles noch im letzten Moment.
Ansonsten, würde ihnen dies hier blühen:

Hamburg, City. An der Rathausschleuse werden die ankommenden Eisschollen gehäckselt

An der Rathausschleuse werden die ankommenden Eisschollen gehäckselt …

Hamburg, City. An der Rathausschleuse werden die ankommenden Eisschollen gehäckselt ..

Einmal von der anderen Seite gesehen …

In der Schleuse werden die Eisscherben gehäckselt und kommen doch sehr verkleinert auf der anderen Seite wieder zum Vorschein.

Hamburg Rathausschleuse: Die zertrümmerten Reste der Eisschollen gleiten in das Alsterfleet sterflee

Ein Blick in das dahinterliegende Alsterfleet, in dem nun die zertrümmerten Eisplatten gelandet sind …

Hinter der Rathausschleuse befindet sich der Alsterfleet, der weiterführt Richtung Baumwall und dort in den Hamburger Binnenhafen (letztendlich die Elbe) mündet.

Ich fand es nach dem Besuch der Außenalster und der Binnenalster auch hier außerordentlich schön und entspannend. Blieb mir nur noch, mich von den neuen Möwenfreunden zu verabschieden und mich langsam wieder auf den Rückweg Richtung Hauptbahnhof zu machen. Zwischen Hauptbahnhof und Alster gibt es ein paar Dinge, die ich im dritten Teil der kleinen Blogserie gern zeigen möchte.

In Kürze:
-> Teil 3: Entdeckt! Zwischen Hauptbahnhof und Binnenalster! Von Spinnen, Zyklopen und Nackten …

©Februar 2012 by Michèle Legrand

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