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Wandsbeker Wiesn – Es hoaßt widda: O’zapft is …

Montag, 24. September 2012. Ganz allmählich lässt der Dauerregen nach. Sie können froh sein, dass sie ein Zelt haben.
Nein! Nicht Sie!
Wie war Ihr Wochenende? Haben Sie an den Nachmittagen ein wenig die sich doch noch durchkämpfende Sonne genutzt und frische, appetitliche Herbstluft geschnuppert? Ja?
Ich? Mein Wochenende?
Oh, danke der Nachfrage! Es waren superschöne Stunden dabei! Doch wir schweifen wieder völlig ab!
Kleines Spiel?
Ich nenne Ihnen Begriffe, Sie antworten spontan, was Ihnen dazu einfällt.
Blätter, Spinnweben, Pilze, Frühtau, Nachtfrost, Beeren.
Jetzt Sie!
Gut! Richtig! Herbst ist die Antwort.
Weiter.
Wiese. Fass. Dirndl. Brezn. Haxn. Maß.
Sie wieder!
Gut! Oktoberfest!
Ich merke schon, das ist viel zu einfach für Sie. Sie haben also das „Was“ erraten. Was ist das Thema?
Antwort: das Oktoberfest. Bitte merken! Jetzt folgen nur noch Fragepronomen.
Wann?
Falsch! Nicht im Oktober. Oktoberfest ist schon im September. Jedenfalls hauptsächlich.
Wo?
Nix da! Nicht Bayern. Zu ungenau.
Nein, auch nicht München!
Ich sehe schon, Sie geraten ins Stocken.
Ich verrate es Ihnen: Es geht heute um einen der östlich gelegenen Bezirke Hamburgs und das dort stattfindende Oktoberfest. Die Wiesn in Wandsbek! (Ich hoffe, Sie haben gerade den kleinen Tusch vorweg vernommen)

Hamburg - Oktoberfest" Wandsbeker Wiesn 2012" - Hinweis auf die Veranstaltung an jeder Gehweglampe - 23.09.2012

Hamburg – Oktoberfest“ Wandsbeker Wiesn 2012″ – Der Hinweis auf die Veranstaltung an jeder Gehweglampe …

Jaha, die Hamburger müssen auch das durchziehen!
Bayerisches Oktoberfest! Es gibt wirklich kaum etwas, vor dem sie Halt machen würden.
Was sagte ich zu Beginn? Gut, dass sie ein Zelt haben!
Und ich möchte noch etwas sagen, möchte – nein, muss! – Sie vorwarnen! Ich bin heute ein wenig in Lästerlaune. Tatsache! Es kommt nicht sehr häufig vor, also haben Sie bitte Nachsicht und nehmen Sie folglich  nicht alles zu ernst! Lassen Sie sich durch mein Gefrotzel vor allem nicht davon abhalten, es dennoch zu tun! Hinzugehen.

Es gab eine große Ankündigung: Bayerisches Oktoberfest. Die „Wandsbeker Wiesn“ Party mit Original bayerischer Musik im Festzelt.
Warten Sie …
Eigentlich stimmt nichts davon so richtig.
Dös Fest is ned bayerisch.
Die Wiesn is koa Wiesn, die Wiesn is oa oafach, eckert Platz. G’pflastert.
Dös Zelt is koa echtes Zelt!
Also, wennst mi frogst, is dös scho oa bisserl Beschiss, sogi…

Das Zelt ist tatsächlich nicht aus Planen und Gestänge – mittels Heringen gesichert – sondern ein riesiges, hallenähnliches Ungetüm aus weißen Kunststoffteilen, welches jetzt im September mit grünen Girlanden geschmückt wird.
Ganz flüchtig taucht der Gedanke an Tannenzweige und Weihnachten auf …

Hamburg - Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 - ... außen diese Herren, im Festzelt die Band Donaweda

Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn 2012“ – … außen diese sechs Herren, im Festzelt die fünfköpfige Partyband Donaweda

Es hat aber einen wirklich großen Vorteil: Es ist richtig wind- und wetterfest, es ist stabil und stoßfest, und es passen viele Leute hinein. Angesichts des Regens und meist kühlen Wetters ein nicht hoch genug zu schätzender Garant für dennoch kräftigen Besucherzustrom und kontinuierlichen Maß- und Haxnabsatz.
Denn erinnern wir uns:
Es gab Ende Juni/Anfang Juli die Sommeraktion „Like Ice and Sunshine“ mit einem eigens dafür hergerichteten Beachclub an gleicher Stelle. Das Wetter zeigte sich seinerzeit wenig sommerlich, eine schützende Unterkunft vor Regengüssen war nicht eingeplant – dafür aber eine Kunsteisbahn. Im Sommer. Sie verstehen. Der Gag … ! (Uuaah, Entschuldigung, ich musste kurz gähnen).
Ich hatte mich dazu schon im Blog geäußert.

Es soll sich allerdings nicht so anhören, als wollte ich die Veranstaltungen grundsätzlich kritisieren oder gar schlecht machen! Im Gegenteil. Mir wird warm ums Herz, wenn ich Initiative spüre und sehe, dass sich Gedanken gemacht werden. Nur mein Herz wird halt ein wenig wärmer, wenn sich vorab ein paar mehr Gedanken gemacht werden und abstruse Ideen vielleicht eher wieder verworfen werden.

Widmen wir uns erneut dem Oktoberfest.
Doch, dieses Event hat mittlerweile auch im hohen Norden seine Freunde gefunden. Jedes Jahr scheint es mehr Zulauf zu haben, das Festzelt ist oft proppevoll, die „original bayerische Musik“ (Ma-ma-ma—mamamamia-he … gefolgt von einem italienischem Schmachtfetzen) dröhnt über große Distanz. Der Bass wummert rabiat. Er wummert so, dass ich beim Vorbeigehen am Festzelt jedesmal wieder verblüfft bin, dass nicht die Seitenwände wackeln oder komplett weggesprengt werden!
Alles selbstverständlich „original bayerisch“. Sie glauben ja nicht, was offenbar alles bayerisch ist! Dinge, die Sie für spanisch hielten! Wie können Sie bloß so ungebildet sein!
Nun, die fünfköpfige Partyband heißt zumindest „Donnaweda“, spielt jedoch wirklich alle Genres und ist gut darin –  keine Frage.
Woher ich das weiß?
Weil ich mich gestern in die Höhle des Löwen gewagt habe (Eingangsbereich mit Fluchtmöglichkeit). Für einen Blick, eine Minute des Atmosphäre Aufsaugens. Ich habe das Stimmungsbarometer kontrolliert, mir einen persönlichen Eindruck verschafft. Auch, wenn ich selbst nicht bleiben wollte, muss ich dennoch ganz klar feststellen: die Menschen, die da waren, hatten wirklich ihren Spaß und amüsierten sich!

Das Angebot an Speis und Trank ist umfangreich.
Kassler und Leberkäs mit Krautsalat, Bayerischer Wurstsalat, Weißwürstl, Grillschinken, Schweinshaxn im Preisbereich von 4,50 Euro bis 7,50 Euro (auch abhängig von der Beilage – Krautsalat oder Bratkartoffeln)
Die Maß (1 Liter) Oktoberfestbier kostet 8,20 Euro, der halbe Liter für 4,50 Euro. In München liegt der Preis für die Maß in diesem Jahr immerhin zwischen 9,10 und 9,50 Euro. Es gibt weitere Biersorten sowie Alsterwasser. Prosecco und alkoholfreie Getränke sind ebenfalls vorrätig.
Bitte?
Was mich abhält? Warum ich nicht bleiben möchte?
Ich glaube, dass Besuche solcher Feste in einer Gruppe Spaß machen. Wenn der Geräuschpegel insgesamt lauter ist. Der Albernheitsgrad höher ist. Man ein Bierfreund ist. Das Essen bevorzugt. Bayer mit Heimweh ist.
Oder man muss grundsätzlich ein Freund von Gewühl und Lärm sein und einer Imitation bayerischer Gepflogenheiten in völlig anderen Gefilden viel abgewinnen können. Pseudo-bayerisch akzeptieren.
Einem darf es auch nichts ausmachen, dass Betrunkene in einen hineinschwanken, als herrsche auf dem Wandsbeker Marktplatz Wellengang bei Windstärke 12.
Man sollte die überall umherziehenden verräucherten Schwaden des auf dem Platz vor dem Zelt  befindlichen Schwenkgrills lieben. Vielleicht ist es auch vorteilhaft, Raucher zu sein.
Oder – andere Idee – man sollte sich (die eigenen)  Kinder schnappen,  ganz an den Rand des Platzes Richtung ZOB gehen und ihnen beim Fahren im Kinderkarussell zusehen.
Oder sich beim PLAZA auf einen der Außenplätze setzen und einfach nur friedlich beobachten.
Oder sich ein Dirndl kaufen, Haare flechten, ein Klammer gegen Gerüche auf die Nase setzen und sich gnadenlos mitten ins Getümmel stürzen.
Nein! Einen Crashkurs „Bayerisch“ besuchen und dann hier so tun, als sei man aus Garmisch.
Woas hast g’sagt? Hallo? Bei uns sogt ma Grias God, wennma reikimt!!
Oane Gaudi wär’s scho! Und koa misrablige.

Wissen Sie eigentlich, was im Zelt zwischen Trinken, Essen, Schunkeln, Singen, gelegentlichem Grölen und den Darbietungen der Partyband noch abgeht?
Eine Dame aus dem Publikum taucht auf, redet mit einem Bandmitglied und darf daraufhin an eines der Mikros. Es folgt eine alkoholgeschwängerte Live-Liebeserklärung an ihren Teuersten. Sie werden im Dezember heiraten.
Gut, dass Wandsbek es nun weiß.
Die Reaktion im Publikum ist gemischt. Applaus, gerührte Oooohs, Pfiffe und Buhs ergeben ein Medley. Als ich nach dieser krönenden Darbietung definitiv gehen möchte, verstellt mir jemand samt Glasmaßkrug den Weg.
„Hey du …, du koanst doch jetzt noch ned hoam …“
Doch, verehrter norddeutscher Bajuwar, das kann ich und das mache ich!
Nun feiere schön weiter, du findest schon noch jemanden, der sich genauso wohl dabei fühlt.

Und auch an Sie noch einmal das Wort gerichtet:
Gehen Sie hin, wenn Ihnen danach ist!
Jeder empfindet es anders – und das ist völlig richtig so. Die einen werden sich mit Händen und Füßen sträuben, die anderen werden fiebern dabei zu sein. Aus den unterschiedlichsten Gründen.
Wenn Sie gehen, wünsche ich Ihnen viel Spaß und erzählen Sie doch bitte, was für Sie persönlich das Besondere war! Es würde mich interessieren! Das Fest findet noch bis zum 2. Oktober statt und ist täglich von 11.00 bis 24.00 Uhr geöffnet.

Für Sie habe ich zum Abschluss einige Fotos. Es gibt nicht nur das Festzelt, sondern auf dem Wandsbeker Markplatz stehen einige weitere Buden, es gibt einen kleinen Biergarten mit Plätzen unter Sonnenschirmen (sie halten zur Not auch Regen ab), und direkt am ZOB befindet sich das besagte Kinderkarussell.

Hamburg - Oktoberfest "Wandsbeker Wiesn 2012" - ... für die jüngeren Besucher das Kinderkarussell

Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn 2012“ – … für die jüngeren Besucher das Kinderkarussell

Hamburg - Oktoberfest "Wandsbeker Wiesn 2012" - Auch draußen kann der Wiesn-Besucher sitzen ...

Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn 2012“ – Auch draußen kann der Wiesn-Besucher sitzen …

Hamburg - Oktoberfest "Wandsbeker Wiesn 2012" - ... uuii, VIP-Reservierung!

Hamburg – Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn 2012“ – … uuii, VIP-Reservierung!

Hamburg - Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 - ... neben Schwenkgrill draußen, sowie Haxn, Brezn und Paulaner im Zelt, gibt es auch Zuckerwaren für alle, die der Hunger auf Süßes überkommt.

Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn 2012“ – … neben Schwenkgrill draußen, sowie Haxn, Brezn und Paulaner im Zelt, gibt es auch Zuckerwaren für alle, die der Hunger auf Süßes überkommt.

Hamburg - Oktoberfest "Wandsbeker Wiesn " - ... und ein einziges von mehreren Plakaten zeigt Spiegelschrift ;-)

Hamburg – Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn “ – … und ein einziges von mehreren Plakaten zeigt Spiegelschrift. Können Sie es lesen? ;-)

Hamburg - Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 - ... ein Blick ins das Festzelt auf dem Wandsbeker Marktplatz

Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 – … ein Blick ins das Festzelt auf dem Wandsbeker Marktplatz

Hamburg - Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 - ... bis zum nächsten Mal - noch  möglich bis zum 02. Oktober 2012

Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 – Bis zum nächsten Mal – noch möglich bis zum 2. Oktober 2012!

Im letzten Jahr machte ich mir bereits grundsätzliche Gedanken zum Oktoberfest, beobachtete den Einfluss auf das Warenangebot in den Läden, verglich mit Karneval und Halloween, und ich traf auf diesem Platz während der Aufbautage Richard II.
Einen sehr interessanten Mann!
Unser Gespräch habe ich hier im Blog im vergangenem September hinterlassen. Warum er Richard II. heißt, worüber wir uns unterhielten, und was er mit dem Oktoberfest verbindet, das können Sie nachlesen. Der unten stehende Link führt Sie direkt dort hin.

Kleines Staatswappen - Bayern - Richard II. (Blog: Richard II - Auf die Wiesn warten ...

Richard II. – Auf die Wiesn warten …

https://michelelegrand.wordpress.com/2011/09/21/richard-ii-auf-die-wiesn-warten%E2%80%A6/

©September 2012 by Michèle Legrand

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Doch nicht nur Eiszapfen im Sommer: „Like Ice and Sunshine“

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Maritime Dekoration, Palmen, Bänke, Liegestühle, Sand ...

Sommer Event „Like Ice and Sunshine“ – Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz

In den ersten Junitagen wunderte ich mich im Blog über eine Ankündigung, die besagte, dass in Wandsbek im Sommer eine Eisbahn aufgebaut wird. Ich runzelte kaum merklich die Augenbrauen über eine Tannengirlande mit Eiszapfen, stutzte beim Anblick der Holzhütten aus der Weihnachtszeit. Jetzt im Juni.

Das war hier:
https://michelelegrand.wordpress.com/2012/06/06/wandsbek-nun-es-ist-kalt-doch-brauchen-wir-die-eiszapfen-am-17-06-2012/
Ich unkte herum, doch plötzlich tat sich etwas beim Aufbau. Das Gesicht des Wandsbeker Marktplatzes änderte sich stündlich, der Gedanke dahinter wurde deutlicher, eine Plakatankündigung brachte Aufklärung, und somit erhielt der Blogpost schon zwei Tage später der Fairness halber einen Nachtrag (siehe ebenfalls Link oben)

Das Wandsbeker Sommer-Event Like Ice and Sunshine öffnete am 15.06.2012 seine Pforten, und somit ist es allerhöchste Zeit, ein bisschen mehr vom fertig gestalteten Beach Club zu zeigen und die neue Situation weiter zu beleuchten.

So sieht der Platz aus, wenn gerade keine Aktion läuft, kein Event angesagt ist. Ein Freiplatz eingerahmt von Sitzbänken, an dessen Ende (von hier aus gesehen) sich das „PLAZA“,  der ZOB Wandsbek – und dahinter zu erkennen – die Christuskirche befinden.

Stahlskulpturenausstellung - Wandsbeker Marktplatz - 07.Juli 2011

Fast leer. Dies ist ein Foto vom 07. Juli letzten Jahres, als gerade für einige Wochen eine Stahlskulpturenausstellung stattfand.

Und nun Eindrücke vom Beach Club am Tag der Eröffnung (ebenfalls in Blickrichtung ZOB, PLAZA)

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Maritime Dekoration, Bänke, Liegestühle, Sand ...

Maritime Dekoration, Bänke, Liegestühle, Sand …

Der rechte Teil des Platzes – neben der Schlossstraße – ist der Standort der schon vom „Winterzauber“ bekannten Hütten. Auf der linken Seite hingegen – neben der Wandsbeker Marktstraße – entstand der eigentliche Beach Club.
Ein kleines Areal mit Strandfeeling, Liegestühlen und Palmen, dazu eine 120 qm große Eisbahn, die in Wirklichkeit nicht aus Eis ist.

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Hinter der Balustrade befindet sich die Like-Ice-Schlittschuhbahn

Beach Club – Hinter der Balustrade befindet sich die Like-Ice-Schlittschuhbahn …

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Die Kunststoffplatten der Like-Ice-Fläche sind gut zu erkennen ...

Sommer Event „Like Ice and Sunshine“ – Die Kunststoffplatten der Like-Ice-Fläche sind gut zu erkennen …

Direkt dort angrenzend das Dock 12. Dekoration, die ein bisschen einem Schiffswrack nachempfunden wurde, ergänzt durch das Lotsenhaus und vor diesem liegend Wasserbecken mit Brücken und kleinen Fontänen/Springbrunnen. Dock 12 ist der Ort, an dem die Schlittschuhe ausgeliehen werden können.
Wer nicht in den Sand stiefeln mag, hat zusätzlich Gelegenheit, dort auf Sitzbänken vor oder auf Liegestühlen neben den Becken Platz zu nehmen.

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Alternativ zumPlatz im Sand gibt es die Liegestühle am Becken ...

Like Ice and Sunshine – Beach Club – Alternativ zum Platz im Sand gibt es die Liegestühle am Becken …

Like Ice and Sunshine - Dock 12 - Das Depot für die Schlittschuhe, etc.

Like Ice and Sunshine – Dock 12 – Das Depot für die Schlittschuhe, etc.

Manche Hütten tragen weiterhin die Namen, die sie schon während des „Winterzaubers“ hatten, z. B. „Tränke“. Das ist glücklicherweise relativ neutral. Doch ein weiteres Hinweisschild an einem Holzpfahl entlockt mir ein Lächeln. Dort lese ich:
„Die Toiletten befinden sich hinter der Almhütte.“
Es versetzt mich in die Berge. Stellen Sie sich vor, Sie wandern in den Alpen und stoßen auf dem Höhenwanderweg auf ein Schild, welches Ihnen eine Hütte ankündigt.
Sie sind in 2.500 m Höhe, die Luft ist dünner geworden. Sie plagt ein kolossaler Durst, also folgen Sie diesem Hinweisschild.
Frisch und zugig hier oben … Sie ziehen den Reißverschluss Ihrer Jacke noch höher.
Das Gebirgsmassiv ist zerklüftet.
Oh, … ein Edelweiß!
Endlich! Die Hütte!
Nur noch einmal umrunden, der Eingang ist wohl hinten …
Na? Und was meinen Sie, was Sie dort erwartet?
Genau!
Ein Beach Club …!

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Blick an Palmen vorbei Richtung Dock 12

Beach Club – Blick an Palmen vorbei Richtung Dock 12 …

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Die Tannengirlande mit Eiszapfen ...

Like Ice and Sunshine – Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz – Die Tannengirlande mit Eiszapfen …

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Bronze Der Ehrensprung von Bernd Stöcker

Dieser Herr, der zum Sprung ansetzt (Matthias Claudius) ist zwangsweise im Beach Club. Die Bronze „Der Ehrensprung“ von Bernd Stöcker steht immer an dieser Stelle und macht notgedrungen jedes Event mit. An Tagen, an denen bei der Fußball-EM Deutschland spielt, hängen schon einmal schwarz-rot-goldene Ketten um seinen Hals …

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Diesmal vom ZOB aus Richtung Stadt gesehen

Like Ice and Sunshine – Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz – Diesmal vom ZOB aus Richtung Stadt gesehen

Wie ist der Andrang hier in Wandsbek?
Sehr wetterabhängig! Leider hatten die Veranstalter bisher damit nicht besonders viel Glück. Die sehr wenigen geschützten Strandkörbe werden gern aufgesucht. Zusätzlicher Vorteil: ihre Sitzfläche ist von einem Schauer zwischendurch nicht wirklich betroffen. Ansonsten muss die Sonne schon ein bisschen länger hervorkommen, um Liegestühle und Bänke nach einem Guss abzutrocknen. Neue Gäste lassen sich nicht dazu verlocken, mit Longdrinks oder Cocktails zu verweilen, wenn der Allerwerteste (oder mehr) nass wird.

Die Eisbahn, deren Untergrund aus Kunststoff besteht, wird kaum genutzt. Vielleicht gezielt dann, wenn Eisstockschießen angesagt ist, doch der Platz ist dafür sehr beschränkt. Die rechteckige Grundfläche misst nur 120 qm.
Am 18.6 liefen ein paar Kinder Schlittschuhe – verloren vorzeitig die Lust und nutzten ihre theoretisch mögliche Laufzeit von 90 min. nicht mehr aus.

Der Kontrast, der geplant ist zwischen heiß und kalt, Sommer/Sonne und Eis, wird durch die Kunststoffplatten oder auch Hütten vom Winterzauber nicht erreicht. Es ist zudem unlogisch, dass diese „Winterhütten“, die sich auf der Seite, die für „Eis“ steht, befinden, dennoch Beach Club Dekoration tragen …  Nach meinem Empfinden ist es ein etwas mühsamer Gag, der nicht recht zünden will.
Wahrscheinlich ließe sich mehr Wirkung erzielen, würde man einfach (unechte) Eisskulpturen als Dekoration zwischen die Liegestühle  stellen und zweimal am Tag jemanden herumschicken, der sich als Eisbär oder Pinguin verkleidete.

Da wir hier in den Monaten Juni und Juli nicht automatisch von Sommerwetter ausgehen können, stellt sich eigentlich eher die Frage, wie sich ein Sommer-Event gestalten ließe, das auch bei schlechterem Wetter attraktives Anlaufziel bleibt. Das gewissen Schutz vor Regen bieten kann (variabel). Um bei dem gewünschten Kontrast zu bleiben: ein Iglu muss her!

Am vergangenen Wochenende (23.6./24.6.), begann der Sonnabend wettermäßig recht freundlich, und so steuerten einige Eltern mit ihren Kindern das Platzende Richtung Karstadt an. Dort befindet sich ein weiteres Wasserbecken. Hier besteht für den Nachwuchs die Möglichkeit, in aufblasbare, große, bunttransparente Wasserbälle zu klettern und in dem Becken – laut einer Zeitungsinformation – ein Wasserrennen zu starten.
Die Idee mit den Bällen ist originell. Doch Wasserrennen? Es waren zeitweilig sechs große Bälle im Wasser, die sich fast alle gegenseitig berührten. Jeder konnte sich noch ein wenig hin und her bewegen, im Ball herumstolpern, mit ihm auf der Stelle herumkugeln – ähnlich einem Hamster im Laufrad. Den Kindern hat es sicher Spaß gemacht, doch warum vorgeben, es wäre für Wasserrennen?
Das ist das eine. Zum anderen gab es mehrfach Kritik bezüglich des hohen Preises, denn fünf Minuten Vergnügen mit diesem Ball kosten 5 €uro! Vielleicht sollte man einmal darüber nachdenken, ob nicht das zurückhaltende Interesse – insbesondere in der Woche – dadurch zustande kommt.

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Wasserbälle zum Hineinsteigen ...

Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz – Wasserbälle zum Hineinsteigen … Sie haben eine Art Reißverschluss zum Ein- und Ausstieg.

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Und das bleibt von den Bällen übrig, wenn die Luft heraus ist ...(am Ein- und Aussteigebereich)

Und das bleibt von den Bällen übrig, wenn die Luft heraus ist …(am Ein- und Aussteigebereich)

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Hinweis_Man kann nass werden ...

Happig – der Preis. Jedoch ein fürsorglicher Hinweis: Man kann nass werden … ;) (Offenbar dürfen doch auch Erwachsene den Wasserball erobern – nur habe ich noch nie einen dabei gesehen!)

Fazit:
Es ist generell eine wirklich schöne Idee, auch in Wandsbek für eine begrenzte Zeit einen Beach Club zu erschaffen. Hinsichtlich der Dekoration wurde sich Mühe gegeben. Der Beach Club Bereich ist ansprechend gestaltet.
Allerdings: zu viel „Originalität“ auf beschränktem Raum (hier: Kontrast Eis/heiß, wobei Eis doch nicht Eis ist) braucht es gar nicht. Eher Flexibilität. Auch dadurch kann man sich von anderen abheben.
Preise sollten speziell bei Angeboten für Kinder auch familienfreundlich sein!

Das Sommer-Event läuft noch bis zum 08. Juli 2012. Daher bitte Daumen drücken, dass der Regen nachlässt und die Temperaturen steigen. Dann sieht alles gleich viel freundlicher aus. Eine noch geplante Schatzsuche für Kinder sowie ein Bikini-Wettbewerb könnten bei besserem Wetter sicher endlich stattfinden, bisher ließen die Veranstalter den Termin offen.
Am kommenden Freitag, den 29.06.2012 findet nach letzten Informationen (anfänglich war der 22.06.2012 genannt worden) ab ca. 22.30 Uhr ein Feuerwerk statt.
Vielleicht haben Sie Lust, dem Beach Club an diesem Tag einen Besuch abzustatten. Die Wettervorhersage ist nicht schlecht!

Like Ice and Sunshine:
wo: Wandsbeker Marktplatz (am ZOB)
wann: täglich ab 11.30 Uhr (Schlittschuhbahn: ab 12.00-20.00 Uhr)
noch bis zum 08.07.2012!

©Juni 2012 by Michèle Legrand

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Nachtrag am 30. Juni 2012:
Habe ich einen Aushang falsch verstanden? Der Hinweiszettel im Beach Club hatte etwas anderes erzählt. Auf jeden Fall war am 29. Juni 2012 definitiv kein Feuerwerk! In dieser Hinsicht umsonst dort gewesen …

Nachtrag am 03.07.2012:
Ein neuer Aushang. Neuer Termin für das Feuerwerk ist der 06. Juli 2012. Wirklich diesmal? Ich werde überlegen, ob ich einen neuen Versuch starte …
Nachtrag am 05.07.2012:
Und wieder ein neuer Aushang: Feuerwerk findet jetzt am Sonnabend, den 07. Juli 2012, statt.
Ich muss ganz ehrlich sagen, so langsam verliere ich die Lust! Es kann doch nicht davon ausgegangen oder erwartet werden, dass der Besucher vorher jeden Tag hingeht und nach neuen Zetteln sucht!
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Es gab ein Feuerwerk! Eindrücke davon (Fotos)  sind hier zu finden:
https://michelelegrand.wordpress.com/2012/07/09/heutiges-regenkontrastprogramm-feuerwerk/

©Juni 2012 by Michèle Legrand

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Nun aber richtig: Der Wandsbeker Winterzauber ist eröffnet!

11. November 2011 – Wo anderenorts der Remembrance Day gefeiert wird (Commonwealth Länder), findet bei uns in Teilen der Republik an diesem speziellen Datum etwas völlig anderes statt –  man startet die Karnevalssaison und läutet die fünfte Jahreszeit ein.
Da wir Nordlichter uns damit allerdings immer noch fürchterlich schwer tun, jedoch auch so gerne etwas einläuten möchten, fand heute – quasi als Ersatz –  in meinem Bezirk in Hamburg um genau 11.11 Uhr die Eröffnung des Winterzaubers 2011 statt. Seine Pforten bleiben einige Wochen geöffnet und schließen sich erst wieder nach dem 08. Januar 2012.

Via Twitter und Facebook habe ich bereits ein bisschen vom Aufbau der Hütten und der Vorbereitung der Eisbahn berichtet. Das eine oder andere Foto ist dort auch zu finden. Nun sind nicht alle daran Interessierten auch gleichzeitig in den genannten sozialen Netzwerken unterwegs, daher greife ich dieses Thema zusätzlich im Blog auf.
Seit inzwischen immerhin sechs Jahren werden auf dem Wandsbeker Marktplatz (Freifläche am ZOB) im November Vorkehrungen getroffen, damit rechtzeitig zu Beginn der Adventszeit – gelegentlich auch etwas eher – der Weihnachtsmarkt starten kann.

Die Freifläche im Sommer (die bunten Stahltore waren nur kurz zu Gast)

Ein zentraler Bereich hier rund um die Wandsbeker Marktstraße wurde vor geraumer Zeit zu einem sogenannten BID (Business Improvement District). Ansässige Geschäftsleute verpflichteten sich in diesem Zusammenhang, selbst Zahlungen für beispielsweise Um- und Ausbauten in der Geschäftsstraße, dem Einkaufszentrum oder auch für die Umgestaltung des Wandsbeker Marktplatzes beizusteuern. Seitdem haben wir eine große Freifläche für größere Veranstaltungen, wie Frühjahrs- oder Oktoberfest, Weihnachtsmarkt, Ausstellungen, u. v. m. Sie ist eingesäumt von Sitzbänken, Rosenbeeten, Lindenbäumen, hat sogar Skulpturen und hat eine Insellage zwischen vielbefahrenen Straßen. Am Rand

Plaza: Die Bar

der Fläche, direkt am Busbahnhof gelegen, befindet sich das recht bekannte und beliebte „Plaza“, ein Restaurant/Café/Bar/Lokal, das sich rühmt, die höchste Bar Deutschlands zu besitzen. Ein hinten und vorne offenes Regal mit zahllosen Flaschen, erstreckt sich vom Boden bis zur Decke über zwei Geschosse!

Für das diesjährige Wintervergnügen starteten die ersten Vorbereitungen bereits Ende Oktober. Holzhütten trafen ein und fanden ihren Platz.
Die neue, mobile, ca. 400 m² Eislaufbahn mit ökologischem Eislaufboden wurde montiert. Neu sind auch weiße, wie mit Schnee bedeckte Bäumchen an ihrem Rand, die abends durch unendlich viele LED-Lämpchen im Dunkeln funkeln und strahlen.Es gibt einen bunt dekorierten Weihnachtsbaum, ebenso mit Kugeln verzierte Girlanden, unzählige Glühlampen an den Dachfirsten der Hütten, und auf dem Platz steht ein ebenfalls neuer„Aufpasser“: ein großer Weihnachtsmann (von dem ich ganz leise behaupte, dass – er zumindest am Tag – ziemlich kitschig aussieht). Er ist aufgrund seiner Größe jedoch weithin gut sichtbar. Besucher können das Weihnachtsdorf gar nicht verfehlen.

Ich habe den „Winterzauber“  heute, am ersten Abend nach seiner Eröffnung, besucht.

Wer sich auf den Weg dorthin macht, findet eine Art kleines Hüttendorf vor. Es ist nicht mehr mit einem traditionellen Weihnachtsmarkt zu vergleichen, denn es geht hier ausschließlich um das Eislaufvergnügen,das kulinarische Wohl und das Treffen. In diesem Jahr bekam der Winterzauber einen neuen Ausrichter/Organisator, und angesichts der Tatsache, dass Hamburg Umwelthauptstadt 2011 (European Green Capital) ist, fiel die Wahl auf einen ökologischen Eis-Ersatzboden (Like-Ice). Sicher lobenswert, wer allerdings das erste Mal einen Blick auf diese neue Fläche wirft, wird das besondere Eis- und Winterfeeling schwer vermissen. Es handelt sich um einen hellen, relativ stumpf aussehenden Boden, wie man ihn vom Rollschuhlaufen kennt. Kein Glitzern im Licht. Vielleicht schaffte man daher Ersatz in Form der wie verschneit wirkenden, am Rande stehenden Bäumchen mit den unzähligen LED-Lampen.
Die Hütten aus Holz wirken gemütlich und erinnern an Hütten in Bergdörfern. Sie sind mit bunten Weihnachtskugel-Girlanden und Glühbirnen verziert bzw. erleuchtet. Sie tragen Namen wie Almhütte, Tränke, Stübchen etc. und bieten Getränke, Wurst, Gebäck, Kartoffelpuffer, Süßigkeiten usw. (siehe Liste unten).

Blick auf den schlafenden Nikolaus …

Die kleinen Gäste erwartet ein schickes Karussell mit Pferden, Autos, einem Bus. Des Weiteren gibt es das Nikolaushaus. Durch ein beleuchtetes Sprossenfenster hindurch, kann man den im Bett schlafenden Nikolaus sehen. An seiner Haustür ist ein Wunschzettelkasten angebracht.

Wunschzettelkasten …

Wer dies alles sehen, erleben und womöglich auch noch bei Musik  Schlittschuhlaufen möchte, hat dazu täglich zwischen 10 und 22 Uhr die Gelegenheit. (Am Schlittschuhverleih selbst stand heute als Endzeit 21.30h)  Die Laufzeit beträgt jeweils 90 min.
Beim Winterzauber werden zudem unterschiedliche Aktionen angeboten,
so z. B.:

der Familientag (mittwochs, niedrigere Preise für Karussell/Schlittschuhbahn von 10-18 h)
die Lady’s Night (am Montag von 18-22 h, halber Preis bei der Schlittschuhbahn, halber Preis beim ersten Glühwein)
das After-Work on Ice (mo-fr ab 17h, Schlittschuhlaufen nach heißer Musik u./o. Weihnachtsklängen)
Und Achtung: an den Weihnachtsfeiertagen, an Silvester und Neujahr gelten abweichende Öffnungszeiten.

Zum Abschluss ein kleiner Preisüberblick (Auswahl):
Bratwurst   € 2,50
Currywurst € 3,00
Brezel pur € 2,50, Brezel belegt € 3,50
Schmalzgebäck € 2,00/4,00/5,50
Dampfnudeln € 2,50
Knoblauch-Baguette € 2,50

Glühwein € 2,50
Pils 0,25 l € 2,50 / 0,5 l € 4,00

Positiv:
Dekoration gut gelungen, netter Dorfcharakter
Schlittschuhverleih organisatorisch besser geregelt und für Wartende (während der Nachwuchs fährt) angenehmer als in den Vorjahren
Essensauswahl relativ vielfältig
Angebot für Groß und Klein
Es herrschte gute Stimmung trotz Kälte
Ein netter Treff in der Winterzeit

Nicht so positiv:
Das Dorf ist völlig verräuchert. Nach kurzer Zeit stinken die Kleidung/das Haar fürchterlich.
Die Eisbahn selbst wirkt trotz der Dekoration drum herum relativ nüchtern und durch ihren Boden nicht sehr winterlich.
Als Weihnachtsmarkt (falls es denn als dieser gelten soll) würde ich es nicht bezeichnen. Es fehlen Stände mit z. B. Kunsthandwerk, Kleinkunst etc., die dem Ganzen mehr Flair geben würden.

Auch am Tag nett anzusehen …

Das Dorf

Die Schlittschuhbahn

Bäume mit LED-Leuchten säumen die Eisfläche

… ein bisschen Bandenwerbung der Sponsoren

Die „Almhütte“ und das Kinderkarussell

PS Wem zu kalt draußen wird, der kann immer noch im gemütlichen PLAZA ein warmes Plätzchen finden (siehe Bar oben)

Das PLAZA

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Wann ist es eine „festliche Weihnachtsbeleuchtung“?

Ich bin verdutzt!
Verdutzt darüber, wie in meinem Stadtteil in der Haupteinkaufsstraße in diesem Jahr die festliche Weihnachtsbeleuchtung ausfällt. Ausfällt im Sinne von aussieht, nicht im Sinne von wegfallen und nicht stattfinden.
Was kommt einem als erstes in den Sinn, wenn man an festliche Adventsbeleuchtung denkt?
Tannenbäume, geschmückt mit Lichterketten?
Montierte Lichtersterne an den Geschäften?
Kerzen, Lichterspiele, beleuchtete Pyramiden, sich drehende Kunstwerke, wie man sie aus dem thüringischen Raum kennt?
Angestrahlte oder von innen leuchtende Weihnachtskugeln?
In einem Teil der Läden sieht man es noch, aber ansonsten gibt es das bei uns nicht mehr! Wir sind dieses Jahr modern.
Wie kommt’s?
Wir  haben hier seit einigen Jahren einen Verein von Geschäftsleuten, der sich für die Entwicklung des Stadtteils einsetzt. Ziel ist natürlich eine Steigerung der Kundschaft, des Absatzes, des Geschäfts.  Die Einkaufszentren in den Stadtteilen haben sich zur ernsthaften Konkurrenz für die Läden in der City von Hamburg entwickelt. Während man dort auf Parkplatzmangel trifft bzw. das Parken sehr teuer ist, gar nicht so selten Demonstrationen stattfinden und grundsätzlich ein ziemliches Gewühl herrscht, bietet ein EKZ im Süden, Westen, Osten oder Norden eine echte Alternative und ist einfach für den Kunden, der irgendwo außerhalb der Innenstadt  in einer dieser Himmelsrichtungen wohnt, schneller zu erreichen.
Zusätzlich zu diesem Verein entstand hier offiziell ein BID. Richtig vermutet, eine englische Abkürzung. Sie steht für Business Improvement District, soll heißen, hier geht es ganz allgemein  um die geschäftliche Förderung und Verbesserung des Bezirks.

BID selbst nennt es „zeitgemäße Stadtentwicklung, wie etwa die Positionierung im interkommunalen Wettbewerb, nachhaltige Förderung der Handelslandschaft oder Revitalisierung von Innenstädten und innenstadtnahen Standorten.“
Ich habe mich am Anfang gefragt, was denn der Unterschied sei zu allem, was man bis dato in dieser Richtung gemacht hat? Brauchte das Kind nur einen neuen Namen?
Nein, BID bedeutet „die gezielte Umsetzung konkreter Maßnahmen in einem definierten zeitlichen und räumlichen Rahmen.“
Bisher hatte es zur Folge, dass unsere Einkaufsstraße komplett umgebaut wurde, neuen hellen Plattenbelag bekam und sich jetzt Boulevard (!) nennt. Der neue Belag im Fußgängerbereich war anfangs  dermaßen hell, dass jeder bei Sonnenschein blind wie ein Maulwurf durch die Gegend tappte.
Vorab  mussten auch  – leider, leider – erst einmal einige große Bäume gefällt werden.  Aber es kamen ja neue. Die erreichen  zwar statt 20 m Höhe und entsprechender Krone nur etwa fünf Meter und haben ein Krönchen, aber – hey! – in zehn Jahren sieht es fast schon wieder ein bisschen grün aus.
Wir brauchten selbstverständlich auch neue Straßenlampen. Sie mussten ja zum Boulevard passen.
Natürlich waren auch die alten Ampeln unmöglich. Sie haben jetzt etwas grünere Männchen …
Nun, meine Begeisterung war anfangs leicht verhalten. Doch nachdem die Prachtallee im Sommer fertiggestellt war, die Baufahrzeuge und der Lärm verschwanden, einige  Fahrradständer montiert wurden und jetzt Ende November auch noch wieder ein paar Sitzbänke auftauchten, (rechtzeitig zum Saisonbeginn des draußen Sitzens), gewinne ich dem Ganzen auch etwas Positives ab.

Wie gesagt, wir bekamen neue Straßenlampen. Hohe, schmale, silbrigfarbene Leuchten mit Glaseinsatz im oberen Teil, zylinderförmig.
So, und jetzt haben wir den Salat! Nur dadurch wurde die diesjährige hypermoderne Weihnachtsbeleuchtung, die so überhaupt nichts Weihnachtliches hat, erst möglich! Tja, BID, gut hinbekommen zeitlich und räumlich … Das will ich gar nicht leugnen.
Und was sagte einer der Herren so nett:
„Wir sind abgekommen von Tannenbäumen und Lichtersternen.“ 
Aha, warum denn nicht auch gleich von Weihnachten? Ach so, stimmt, das gute Geschäft zu diesem Anlass hatte ich gerade kurzzeitig vergessen …

Was macht also ein innovativer Verein, ein Bezirk, der nunmehr BID ist?
Er lässt sich  66 ca. 1,60 m hohe Acrylglaszylinder anfertigen, stülpt diese, mit effizienten LED-Leuchten ausgestatteten und per Funk steuerbaren Aufsätze, über die bestehenden Straßenlampen und freut sich nun sehr darüber, in der Adventszeit hightechmäßig Lichtspiele veranstalten zu können.
66 Mal das freundliche Telekom-Magenta, eine Stunde später wechselt es ins Laubfrosch-Grün. Wer dann wunschgemäß  ca. sechs Stunden am Boulevard geshoppt und sein Geld dort gelassen hat, der sieht auch noch blau, gelb, orange, etc.
Verstehen Sie mich nicht falsch!  Die grundsätzliche Idee, die vorhandenen Lampen als Energielieferanten  und Träger zu nutzen, ist super. Die Idee, eine Illumination zu veranstalten, auch. Wenn es auch noch irgendwie finanziert wird – prima.
Doch bitte,  nennt es nicht stimmungsvolle Weihnachtsbeleuchtung. Das tut mir irgendwie weh …

Weihnachtsbeleuchtung_acrylglaszylinder

Das sind unsere „stimmungsvollen Weihnachtslichter“, die sich hier gerade darauf einstimmen, demächst im festiven Magenta zu erstrahlen.

Dsc02804

(Hier als kleiner Vergleich die Weihnachtsbeleuchtung des Weihnachtsmarktes – irgendwie stimmungsvoller …)

Ich möchte abends immer mit einer Klappleiter hingehen und oben in jeden Zylinder einen Tannenzweig stecken. Seine Konturen würden durchleuchten. Aber ich befürchte, damit nur schlafende Hunde zu wecken. Wahrscheinlich käme man dann auf die Idee, die Beleuchtung ganzjährig montiert zu lassen, mit einer Herzdeko zum Valentinstag, einem Osterei- und Hasenaufkleber im April, einem Totenschädel an Halloween, etc.  Ich bin sicher, Pfingsten würde man auslassen. Das ist kein Anlass zum shoppen.
Wobei – noch nicht …

©Dezember 2010 by Michèle Legrand

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