Beiträge getaggt mit Wandsbeker Gehölz

Trendfrei: Hock, Gehölz und Wolkenbruch

Ich lese gerade, welche Topthemen und Trends angesagt sind (bei Twitter u. a.  Eurovision Song Contest, GNTM, Bundesliga, Werder Bremen, Hoffenheim, Relegation), lehne ich mich genüsslich zurück und denke darüber nach, was wir uns heute hier im Blog gönnen werden.
Die gleiche Arie?
Oh, Entschuldigung, das Gähnen kam eben ganz plötzlich …
Vielleicht schaue ich später tatsächlich kurz beim Song Contest herein. Via TV, nicht persönlich!
Aber alles vorher durchhecheln und hinterher wieder ewig durchkauen …

Diese Gähnerei ist echt schlimm!

Vermutlich habe ich in letzter Zeit zu viele Großveranstaltungen erlebt. Zu viel ist natürlich relativ, doch für mich reicht es jetzt erst einmal. Keine Frage, vieles ist schön – nur ebenfalls anstrengend. Das Gefühl,  davon erschöpft zu sein, kommt immer erst mit etwas Verspätung.
Stattdessen zieht es mich nun magisch ins Grüne.
Ein Ausgleich? Mit Sicherheit auch das, doch die Natur schafft etwas Besonderes: sie bekommt es hin, dass sich der Mensch nicht nur währenddessen, sondern besonders auch danach gut und gestärkt fühlt.
Daher Eventpause. Stopp mit Berieselung durch Lärm.
Apropos Berieselung!
Ich bin immer noch entrüstet! Über diesen Wolkenbruch!
Wissen Sie was?
Der Entschluss ist gerade gefallen. Ich habe keine Lust auf Trendthemen! Lassen Sie uns ignorant sein und heute einfach gemütlich plaudern! Einen „Hock“ veranstalten – den Begriff hörte ich in der Schweiz. Völlig trendfreies vorpfingstliches Zusammenhocken.
Hier ist jetzt Bloghock.

Kommen Sie zufällig auch aus Hamburg oder dem Umland?
Haben Sie das Unwetter am Mittwochabend mitbekommen? Diesen Hagel, das Blitzen und Donnern? Den folgenden Wolkenbruch?
Mich hat er richtig erwischt! Auf dem Fahrrad!
Nirgends sind Sie so ausgeliefert wie dort. Es bleibt absolut keine Stelle trocken!
Sie sind danach der Inbegriff von triefend nass und nicht nur das! Sie sind auch sehr viel schwerer! Die Kleidung und ihre Haare saugen sich voll wie ein Schwamm und stieße man sie in diesem Zustand in die Elbe, würden Sie sinken wie ein Stein …
Mit anderen Worten: Es hat geschüttet wie aus Kübeln!
Und ich kam mir dermaßen veräppelt vor!
Den Tag über – selbst noch am frühen Nachmittag – hatte strahlend die Sonne geschienen, das Blau am Himmel hatte unverschämt geleuchtet und die Temperaturen waren sommerlich gewesen!
Wer ahnt denn, dass …
Warten Sie, der Reihe nach:

Ich war nicht so spät heim gekommen am Nachmittag und hatte beschlossen, mir mein Fahrrad für eine Fahrt ins Gehölz zu schnappen. Sie kennen das Wandsbeker Gehölz schon ein wenig aus einem Herbst-Blogpost (siehe auch Link am Ende des Artikels).
Ich liebe es, mit dem Rad in kürzester Zeit das Stadtgewühl hinter mir zu lassen und in den Laubwald einzutauchen. Momentan ist es besonders anziehend. Die Vögel zwitschern gut aufgelegt, am Waldboden blühen teilweise noch die Buschwindröschen. Das frische Frühlingsgrün der Bäume, speziell der Buchen, ist momentan unschlagbar, und da sich das Laub noch nicht komplett entfaltet und zu seiner endgültigen Blattgröße entwickelt hat, kann noch relativ viel Licht ins Unterholz vordringen. Es ist eine sehr stimmungsvolle Atmosphäre.

Wandsbeker Gehölz - 15.05.2013 -  Frühling - und noch viel Licht im Unterholz!

Wandsbeker Gehölz – 15.05.2013 – Frühling – und noch viel Licht im Unterholz!

Damit ich gar nicht erst auf die Idee käme, später für den Weg zur Stepptanzgruppe das Auto hervorzuholen, packte ich – selbstüberlistend – die Steppschuhe gleich mit in den Beutel im Fahrradkorb. Parat zur direkten Weiterfahrt zum Sport.
Das war der Fehler. Der eine.

Der zweite Fehler bestand darin, dass ich wieder einmal der Wettervorhersage keine Beachtung schenkte. Ich traue der Vorschau nie so recht, da die Trefferquote mir ein bisschen mickrig erscheint.
Und mit einer Wetterprognose, die sich als leicht daneben erweist, ist es doch so:
Ist sie zu gut, kommt schnell Frust auf, wenn es doch regnet. Ist sie zu schlecht, ärgert man sich womöglich schon drei Tage vorher über die miesen Aussichten. Und höchstwahrscheinlich zusätzlich, wenn sich später herausstellt, dass alles lediglich blinder Alarm war! Dann wegen unnütz mitgeschleppter Schirme, Jacken oder weil der Mensch sich dadurch von etwas hat abhalten lassen. Rein vorsorglich darauf verzichtete!
„Ne, du, lass mal lieber. Es soll noch regnen …!“
Ha!
Fakt ist, ich ärgere mich so furchtbar ungern! Es ist dermaßen sinnlos und überflüssig! Eine Zeitvergeudung!
Ein Blick zum Himmel reicht. Den Zeigefinger in die Luft gestreckt. Zwei drei Pflanzen angeschaut. Das Thermometer gecheckt. Fertig.
Das funktioniert oft gut.
Gestern nicht.
Doch sagen Sie selbst: Denkt man bei diesem Licht im Gehölz an ein kommendes Unwetter?

Wandsbeker Gehölz - 15.05.2013

Wandsbeker Gehölz – 15.05.2013

Wandsbeker Gehölz - 15.05.2013 - Laubfarbe: frühlingsgrün

Wandsbeker Gehölz – 15.05.2013 – Laubfarbe: frühlingsgrün

Wandsbeker Gehölz - 15.05.2013 - Insel ...

Wandsbeker Gehölz – 15.05.2013 – Insel …

Wandsbeker Gehölz - 15.05.2013 - Sonnenlicht im Unterholz

Wandsbeker Gehölz – 15.05.2013 – Sonnenlicht im Unterholz

Wandsbeker Gehölz - 15.05.2013

Wandsbeker Gehölz – 15.05.2013

Wandsbeker Gehölz - 15.05.2013 - ... zwischendurch Wildnis

Wandsbeker Gehölz – 15.05.2013 – … zwischendurch Wildnis

Als ich mit dem Fahrrad das Gehölz wieder verließ, sah es plötzlich grau statt blau aus. Nicht kritisch. Halt das helle Grau unspektakulär wirkender Wolken. Die Luft war ein wenig schwüler geworden, doch der Fahrtwind lenkte davon ab.
Der Zustand blieb unverändert bis zur Tanzschule. Der Kurs begann. Noch war alles gut, doch innerhalb weniger Minuten wandelte sich der Himmel komplett! Dunkelheit I brach herein. Hagel machte den Anfang und hämmerte hart auf das Flachdach (wir trainieren im obersten Stockwerk), schmiss sich mit Karacho schräg an die Fensterscheiben und bildete ansehnliche Häufchen auf dem Sims.
Er ging nach einigen Minuten in Regen über, der erstaunlich schnell nachließ. Danach zeigte sich ein traumhafter, doppelter Regenbogen – vor dramatisch dunklen Wolken!
Weiter hinten über der Stadt schien es inzwischen etwas heller zu werden …
Und was ist mit nötig, damit ein Regenbogen entstehen kann?
Genau! Sonne!
Regen allein bringt es nicht.
Also nahm ich an, das Unwetter sei bereits vorbeigezogen.

Das Steppen endete. Die, die Wetterprognosen nicht beachtet, wollte gern heim, ging zum Fahrrad, wunderte sich geringfügig, dass es wieder etwas dunkler wurde (Dunkelheit II!), stieg in den Sattel und legte insgesamt noch beachtliche zehn Meter relativ trocken zurück –  bis sich der Regen entschied:
Ich ende nicht, ich starte jetzt durch!
Donnerkrachen! Grell aufleuchtende, zuckende Blitze! Einsetzender Wolkenbruch! Mordsmäßiges Prasseln. Niederstürzende Wassermassen!
Fußgänger, die mit Schirmen kämpften und flitzende Wesen, die keinen Schirm hatten. Staubildung auf den Straßen.  Autofahrer hinter schwer beschlagenen Windschutzscheiben, überforderte Scheibenwischer  und somit kaum einer, der noch vernünftig etwas sehen konnte. Gehupe. Riesenpfützen, die in Nullkommanichts entstanden und  Schlaglöcher, die sich rasant füllten. Sie sorgten für zusätzliche Vollbäder, sobald ein Fahrzeug an mir vorbeifuhr. Dazu Wind, der aus wechselnden Richtungen peitschte und kurz vor dem trockenen Heim ein längerer Zwischenhalt vor unnötig lang geschlossener Bahnschranke.

Bitte? Wie ich es empfand?

Nun, natürlich stört es mich, wenn die Haare wie Seetang im Gesicht kleben und Niagarafälle über Stirn und Wangen schießen! Ich bin auch kein ausgesprochener Fan von Sturzbächen, die einem vorne in den Ausschnitt und hinten den Rücken hinunterlaufen. Doch, ich verrate Ihnen, was mich wirklich in dem Moment am meisten nervt: das sind eklig nasse Hosenbeine, die einen wie eine Wurstpelle umschließen und dabei beim in die Pedale treten in den Kniekehlen zwicken.

Gut, ganz generell verzichte ich zu diesem Zeitpunkt auch gern darauf, jemandem zu begegnen, der mir bekannt ist. Einen, der womöglich mit tadelloser Frisur im trockenen Auto sitzt!
Wenn Sie allerdings mit anderen, Ihnen fremden Leidensgenossen zusammenrasseln, läuft das meist sehr fröhlich ab. Geteiltes Leid ist halbes Leid und unbekanntes Wesen macht doppelte Freude.
Ach, genug zum Thema Einnässung und Verunstaltung.
Sie wissen ja nun, dass ich nass war.

Die Natur ist eben unberechenbar und eigen. Inzwischen bin ich trockengelegt und wieder vorzeigbar. Zum Glück, denn heute musste ich zu einer Hochzeit – und der Himmel öffnete schon wieder seine Schleusen, um neue Sintfluten hinunterzulassen.

Bitte? Mit dem Fahrrad zur Kirche?

Mein Fahrrad blieb in der Garage!
Es wird jedoch bei nächster Gelegenheit und Verdacht auf Sonnenschein wieder Richtung Gehölz zum Einsatz kommen. ^^

Wir lösen jetzt unseren Bloghock auf, denn die Pflicht ruft. Bis hierhin ging es trendfrei zu. Nur eben sah ich, jetzt ist auch Pfingsten ein Topthema. Das möchte ich nun doch nicht völlig ausklammern, denn ich wünsche Ihnen Frohe Pfingstfeiertage!
Lassen Sie es sich gut gehen – selbst wenn es weiterregnet!
Lenken Sie sich notfalls ein bisschen mit den Fotos aus dem sonnigen Gehölz ab …

Bis zum nächsten Mal!

Wandsbeker Gehölz - 15.05.2013

Wandsbeker Gehölz – 15.05.2013

Wandsbeker Gehölz - 15.ö05.2013 ... natürliche Brücke aus Totholz

Wandsbeker Gehölz – 15.ö05.2013 … natürliche Brücke aus Totholz

Wandsbeker Gehölz - 15.05.2013  - Ein Meer von gerade erst ausgeblühten Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Wandsbeker Gehölz – 15.05.2013 – Ein Meer von gerade erst ausgeblühten Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Wandsbeker Gehölz - 15.05.2013 - Spiegelung

Wandsbeker Gehölz – 15.05.2013 – Spiegelung

Das Wandsbeker Gehölz im Herbst – Hier der Link zum Blogpost:
-> https://michelelegrand.wordpress.com/2012/10/16/herbst-im-geholz-tanzendes-licht-tarntalentierte-pilze-tauchende-blatter/

©Mai 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand (WordPress)

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14 Kommentare

Herbst im Gehölz: Tanzendes Licht, tarntalentierte Pilze, tauchende Blätter …

Herbst - Vor dem Laubfall: Erleuchtet ...

Herbst – Vor dem Laubfall: Erleuchtet …

Ich war am Wochenende spazieren …
Nein, fangen wir anders an!
Wie schaut es bei Ihnen aus?
Hätten Sie Lust, heute ein Stück mitzukommen? Ins Gehölz?

Ich bemerke gerade bei einem Bloggast die Andeutung von Querfalten auf der Stirn, und vielleicht stellt sich dieser Jemand die Frage:
Warum sagt sie nicht einfach Wald, wie jeder Mensch …?
Und dann kommen die Zweifel!
… oder ist Gehölz doch etwas anderes?
Liebe Blogleser, so viel anders ist es nicht. Ich meine ein überschaubares Laubwäldchen und entscheide mich nur deshalb für den Begriff Gehölz, was das sein richtiger, offizieller Name ist:
Das Wandsbeker Gehölz.
Es geht um insgesamt vier Waldstückchen, die sich im östlichen Hamburg befinden, am Wandsbeker Markt beginnen und sich ca. zwei Kilometer nach Osten erstrecken. Seit langem existierend, dementsprechend herrlich und alt ist der Baumbestand. Mehrheitlich wachsen dort Buchen und Eichen, aber auch Ahorn, einige Kastanien, weitere Laubbaumarten als Einzelgewächse und – wirklich die Ausnahme bildend – noch hin und wieder ein Nadelbaum.
Durch den Bau von Straßen und durch die Eisenbahnstrecke nach Lübeck wurde alles im Laufe der Jahrzehnte etwas zerteilt und zerklüftet, so dass es heute eben Gehölz I bis IV gibt – mit Unterbrechungen.
Genug der Erklärungen!

Es ist momentan trocken, sogar leicht sonnig und die Luft ist gut!
Schließen Sie sich mir an?

Ich habe von Menschen gehört, die seit ewiger Zeit nicht mehr in einem Wald oder waldähnlichem Gebiet spazieren waren. Die gar nicht mehr wissen, wie es dort ist!
Wie es riecht, wie es sich anhört, wie sich der Boden unter den Füßen anfühlt, welches Licht dort herrscht.
Mag sein, dass Sie kein Stadtmensch sind und der Wald sie täglich umgibt. Genau, Sie waren bestimmt im Wald, doch ich zerre Sie – wie alle anderen – heute trotzdem durchs Unterholz, damit Ihnen nichts entgeht. (Manchmal drücke ich es drastisch aus, doch in Wirklichkeit meine ich zerren im Sinne von hauchzart am Jackenärmel nehmen und Sie zu der ein oder anderen Auffälligkeit dirigieren, die Sie selbstverständlich auch völlig allein gefunden hätten …)

Auf dem Weg zum Gehölz:

Herbst - Kunstwerke an Bäumen ... sich täglich verändernd

Herbst – Kunstwerke an Bäumen … sich täglich verändernd

Herbst - Langsam fangen die Wände an zu brennen ...

Herbst – Langsam fangen die Wände an zu brennen …

Herbst - auch schön: das Blatt einer Heckenrose

Herbst – auch schön: das Blatt einer Heckenrose

Herbst - Wenn der Ahorn sein Licht anknipst ...

Herbst – Wenn der Ahorn sein Licht anknipst …

Herbst - Der Osterschneeball (Viburnum burkwoodii) mag es farbenprächtig

Herbst – Der Osterschneeball (Viburnum burkwoodii) mag es farbenprächtig

Herbst - ein wenig Indian Summer ist auch in Hamburg

Herbst – ein wenig Indian Summer ist auch in Hamburg

Während es auf dem Weg durch das Wohngebiet sehr herbstlich aussieht, sich die Sträucher in den Gärten, einige Bäume am Straßenrand und Wilder Wein an Hauswänden bunt verfärbt haben, ist es im Gehölz auf den ersten Blick noch nicht so weit. Allein die kühle Temperatur weist auf den Herbst hin. Die kürzeren Tage mit weniger Licht sind den Buchen und Eichen offenbar noch nicht aufgefallen.
Woran könnte es liegen?
Hier ist es generell dunkler, die Bäume kommen auch im Sommer mit relativ wenig Licht aus. Für sie ist es ein Anzeichen von kürzeren Tagen, wenn auch ihre Krone weniger Licht erhält und darauf reagieren sie ganz gemächlich.
Zudem ist der Austrieb von Eichen und Buchen im Frühjahr generell später als bei anderen Laubbaumsorten, vielleicht halten sie dadurch auch länger durch.
Und sie verfärben sich nicht so auffällig hellgelb wie z. B. eine Linde oder manche Ahornsorte. Sie haben weniger und andere Farbpigmente. Verfärbung ist immer auch Sonnenschutz, und wenn bei uns das Wetter bewölkt oder der Baum durch Nachbarbäume geschützt ist, dann entfällt die Notwendigkeit der Blattfärbung.  Der Farbwechsel existiert, doch wesentlich  zurückhaltender. Die Farbe der Blätter geht langsam über in ein eher unscheinbares Braun, eine Farbe, die erst beim Absterben des Blattes auftritt und deren Ursache in der Oxidation von Gerbstoffen zu braunen Farbstoffen (Phlobaphene) zu finden ist.
Diese Bäume sind jetzt für uns nicht DER Hingucker. Aber sie sind Helfer, die durch ihren dunklen Kontrast erst die anderen Farbenkünstler richtig zur Geltung bringen.

Diese eher grünen Bäume vermögen uns ein wenig in die Irre zu leiten. Lassen Sie sich ausnahmsweise darauf ein, denn dieses Täuschungsmanöver im Gehölz bewirkt Interessantes:
Wenn Sie den Boden außer Acht lassen und nur recht flach atmen (also ihren Geruchssinn nahezu ausschalten), könnte noch Sommer sein. Die Vögel zwitschern unverdrossen, Sonnenlicht stiehlt sich am Mittag durch das Blätterdach, wird gefiltert und lässt den Baldachin über Ihnen leuchtendgrün schimmern. Ihnen ist lediglich ein wenig frisch …

Wandsbeker Gehölz -  Wie eine grüne Höhle - nur ganz vereinzelte gelbe Blätter verraten den Herbst ...

Wandsbeker Gehölz – Wie eine grüne Höhle – nur ganz vereinzelte gelbe Blätter verraten den Herbst …

Wenn Sie hingegen die Baumwipfel ignorieren und stattdessen den Boden betrachten, mit schlurfenden Schritten durch offenbar doch schon reichlich herabgefallenes Laub rascheln, hier und da auf einmal bunte Blätter wahrnehmen, Eichhörnchen mit dicken Backen über den Weg huschen sehen, weil sie wieder die Eicheln quer gebunkert haben und Sie jetzt tief einatmen – dann herrscht Herbst!

Wandsbeker Gehölz -  ... es scheint alles noch grün und doch ist Laub auf den Wegen

Wandsbeker Gehölz – … es scheint alles noch grün und doch ist Laub auf den Wegen

Wandsbeker Gehölz - Herbst

Wandsbeker Gehölz – Herbst

Wandsbeker Gehölz - Sie wirken majestätisch .... die Baumriesen

Wandsbeker Gehölz – Sie wirken majestätisch …. die Baumriesen

Etwas Klammes, was in den Wohnstraßen nicht so auffiel, liegt in der Luft und kräuselt die Haare, das Gras wirkt schlaff, an manchen Stellen grau, das Moos ist jetzt höher. An morschen Baumstümpfen und der Borke uralter, knorriger Bäume, sind stellenweise dicke, grüne, leicht schwammige Beläge. Mit Feuchtigkeit vollgesogen, nicht mehr abgetrocknet nach dem Regen, denn die wärmende Luft fehlte und der nächste Schauer kam zudem zu schnell.
Herbst!

Es riecht würzig, leicht modrig, nach Pilzen …
Mögen Sie den Geruch?
Dann kommen Sie mit ins Gebüsch, dort, wo das Laub nicht auf dem hartgetretenen Weg, sondern direkt auf lockerem Erdreich liegt und Bodenbewohner leichter über die Pflanzenreste, verwelkte Blätter und Früchte oder Beeren herfallen können. Dort wird mit Hilfe von Würmern, Schnecken, Spinnen, Ameisen und Käfern bester Kompost hergestellt. Während die Vorgenannten durch Verzehr und folgende Kotausscheidung dem Boden wieder wichtige Nährstoffe und Mineralien zurückgeben, helfen Pilze und Bakterien einigen Bäumen auf ihre Art. Manch Pilz lebt mit einem bestimmten Baum in Symbiose. Seine Pilzfäden erleichtern dem Baum die Wasseraufnahme und der wiederum gibt dem Pilz im Gegenzug Zucker.
… das nur nebenbei.
Wenn Sie hier mit der Hand oder auch mit einem Stock ein wenig das Laub lockern, dann steigt Ihnen der Herbst mit seinem ganz typischen Geruch direkt und unverfälscht in die Nase.

Schauen Sie einmal hier!

Wandsbeker Gehölz - Überall Pilze  ... gut getarnt

Wandsbeker Gehölz – Überall Pilze … gut getarnt

Ist das nicht wirklich perfekte Tarnung?
Anpassung an die Umgebung. Farben wie die des Laubs, der Erde oder heruntergefallener Aststücke.

Wandbeker Gehölz - Pilze im Unterholz  ... die mit den halb aufgeklappten Sonnenschirmen

Wandbeker Gehölz – Pilze im Unterholz … die mit den halb aufgeklappten Sonnenschirmen

Wandsbeker Gehölz - Der modernde Baumstumpf scheint diesem Pilz sehr zu behagen ...

Wandsbeker Gehölz – Der modernde Baumstumpf scheint diesem Pilz sehr zu behagen …

Es gibt einen alten Spruch, der besagt: Unter Birken, Tannen, Buchen kannst du immer Pilze suchen; unter Eschen, Erlen, Linden, wirst Du nicht viel finden.
Ich habe nie nachgeprüft, ob es wirklich stimmt, doch hier unter den Buchen finden sich zahlreiche, ganz unterschiedliche Exemplare. Ich habe die Pilze nicht für ein Foto ausgegraben oder freigeschaufelt! Sie wachsen mittendrin und fallen kaum auf. Manche mit flachem Hut, andere haben etwas, was wie halb zugeklappte Sonnenschirme aussieht, wieder andere ähneln runden Knollen oder Korallen am Riff. Nur die helleren unter ihnen, stechen schneller ins Auge.

Wandsbeker Gehölz - Pilze - Die helleren fallen schon mehr auf, auch durch ihre  Lamellen ...

Wandsbeker Gehölz – Pilze – Die helleren fallen schon mehr auf, auch durch ihre Lamellen …

Wandsbeker Gehölz -  ... auch augenfälliger aufgrund ihrer Form

Wandsbeker Gehölz – … auch augenfälliger aufgrund ihrer Form

Wandsbeker Gehölz - Pilze -  ... hier die korallenähnliche Variante

Wandsbeker Gehölz – Pilze – … hier die korallenähnliche Variante

Haben Sie es bemerkt?
Die Pilze wachsen nicht nur am Boden!
Wenn Sie hinauf schauen, können Sie ganz weit oben in der Astgabel ebenfalls helle Pilze entdecken.

Wandsbeker Gehölz - Pilze ganz oben in der Astgabel des Baumes ....

Wandsbeker Gehölz – Pilze ganz oben in der Astgabel des Baumes ….

Und ist Ihnen aufgefallen, wie der Boden federt, wie Sie an manchen Stellen einsacken und es an anderen Plätzen unter Ihren Füßen knirscht und knackt?
Hier liegen leere, von den Eichhörnchen und anderen Tieren geplünderte Bucheckern herum, teilweise auch noch die nicht ganz verrotteten Kapseln vom Vorjahr.
Es befinden sich Eicheln mit ihren Hütchen auf dem Weg, auch einige Kastanien sowie Teile ihrer stacheligen Panzer liegen verstreut.
An manchen Tagen …
Moment, kurz ein Blick auf die Uhr … Oh, schon recht spät!
Bitte?
Ihnen läuft auch die Zeit weg? Sie müssen heim?
Wenn wir den Weg über die Brücke am Bachlauf nehmen, ist der Rückweg nicht weit …

Es ist still hier, ab und zu schafft es ein winziger Sonnenstrahl durch die Kronen hindurch hinab bis aufs Wasser zu zielen und es an einem Punkt zum Glitzern zu bringen.

Wandsbeker Gehölz - Bachlauf

Wandsbeker Gehölz – Bachlauf

Übrigens, falls Sie nicht sicher sind, in welche Richtung das Wasser fließt – die aufgestauten Blätterhaufen, die an Steinen oder Ästen im Wasser hängenblieben, verraten es Ihnen. Manchmal auch ein einzelnes schwimmendes Blatt, das mit der Strömung treibt.

Wandsbeker Gehölz im Herbst  - Farbkleckse im Bach ...

Wandsbeker Gehölz im Herbst – Farbkleckse im Bach …

Einige werden löchrig, beginnen auf sonst eine Art sich zu zersetzen oder nehmen Wasser auf. Ihre Schwere lässt sie sinken. Sie tauchen ab im klaren Bach, breiten sich auf dem Grund des flachen Rinnsals aus und hinterlassen dort bunte Farbkleckse.
Bis auch diese sich auflösen und verschwinden … oder der Winter kommt, mit ihm der Frost, der eine Eisdecke schafft und einiges bis zum Frühjahr konserviert.

Winter!
Der ist schneller da, als Sie denken!

Sollten Sie also noch etwas von der milden Herbststimmung erleben wollen, sollten Sie Lust auf Wald- oder Gehölzatmosphäre bekommen haben, sollten Sie das bunte Farbenspiel an Bäumen, Sträuchern, Stauden und Rankgewächsen rundherum selbst sehen möchten, die Bilder verinnerlichen, Gerüche genießen, Geräusche abspeichern …
dann nichts wie hinaus!

Der Ahorn (Acer palmatum aconitifolium) zeigt Farbe

Der Ahorn (Acer palmatum aconitifolium) zeigt Farbe

Wilder Wein

Wilder Wein

Herbst - ... und hier die auffälligen Vertreter, die Fliegenpilze. Der braune Pilz links im Bild geht völlig unter, genauso wie die kleinen vorne rechts.

Herbst – … und hier die auffälligen Vertreter, die Fliegenpilze. Der braune Pilz links im Bild geht völlig unter, genauso wie die kleinen vorne rechts.

Der Herbst ist bunt ... doch nicht mehr lange!

Der Herbst ist bunt … doch nicht mehr lange!

Herbst ... im Nu ist alles wieder vorbei

Herbst … im Nu ist alles wieder vorbei

©Oktober 2012 by Michèle Legrand

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Erledigt! Dinge, Tätigkeiten – nicht Sie selbst …

Wandsbeker Mühlenteich - Nachmittagssonne im April

Wandsbeker Mühlenteich im April

Ich habe keine Ahnung, wie Sie es handhaben. Ob Sie ein Nebenher-Typ sind, ein Gehäuft-Typ oder gar ein Delegier-Typ. Ob Sie es selten tun, ob gern, ungern, ad hoc, geplant, chaotisch, murrend, gleichgültig, freudig, widerwillig …Vielleicht sind Sie noch ganz anders drauf, viel spezieller, sind quasi ein Unter- oder Mischtyp! Das kennen sie von der Haut: Mischhaut. Oder vom Hund: Misch(lings)hund. Wenn wir bei diesem Beispiel bleiben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie eine Art Promenadenmischung sind. Sie mixen sicher bunt und je nach Gelegenheit bzw. Umständen.
Falls Sie noch nicht sicher sind, um welches Thema es heute geht: Wir sprechen gerade von Dingen, die erledigt werden müssen. Kurz: Erledigungen. Pflichterledigungen. Sie und die Art und Weise der Erledigung von Erledigungen.

Ich meine nicht die beinahe täglich anstehenden Dinge wie Lebensmitteleinkauf, Haushalt oder die wegen ihrer Kürze hier zu vernachlässigenden Tätigkeiten wie Gaszähler ablesen oder Müll heraustragen. Ich spreche von Pflichterledigungen der nächsthöheren Kategorie: ab Aufwandsstufe 2 aufwärts. Sie stehen mit ziemlicher Sicherheit und in regelmäßigen Abständen an. Rumsen unangefordert an die Tür. Bollern aufdringlich und nerven mit einem:
Hey, mach endlich mal!
Der Imperativ! Damit wir merken, dass wir müssen …
Menschen handeln unterschiedlich. Manche (Delegier-Typen) geben gern alles ihnen Unangenehme weiter, was aber (Gott sei Dank) nicht immer möglich ist. Einige (Gehäuft-Typen) sammeln erst lustlos Aufgabe um Aufgabe, bevor sie loslegen. Andere handeln gleich. Wieder andere nehmen sich Extrazeit dafür, trennen strikt, doch die Tendenz ist, vieles schnell nebenher zu schaffen.
Nur kurz bei der Reinigung etwas abholen, mal eben zur Bücherhalle wegen der Fälligkeit des Lesestoffs. Schnell huschen, um ein Geschenk zu besorgen,  zackig mit Paketen zur Post, locker den Werkstatttermin einschieben, den Vorsorgecheck gleich mit, kurz etwas in der Apotheke besorgen oder bei der Reinigung abholen, Zahnarzt erfreuen, Auto ummelden, Ausweis verlängern, Baugenehmigung beantragen – Behördensachen gehen sicher besonders flott …
Wann plant der Nebenher-Typ seine Erledigungsaktionen ein?
Vor der Arbeit, in der Pause, mittendrin – jedenfalls irgendwie hineingezwängt. Nebenher schaffen lautet die Parole. Bloß keine Zeit verlieren.
Dauert ja alles nicht lang …
Genau hier liegt aber der Denkfehler! Derartige Pflichterledigungen haben überhaupt nichts mit der simplen Fähigkeit, die wir als Multitasking bezeichnen, zu tun. Denn dort werden zwar zeitgleich mehrere, verschiedenartige Tätigkeiten erledigt, jedoch an einem Ort! Dadurch können sie parallel laufen und sind – wenn es auch oft alles andere als ratsam ist – ausführbar. In welchem Maße ist natürlich abhängig von den Fähigkeiten jedes Einzelnen.
Erledigungen (wie oben näher eingegrenzt) verteilen sich hingegen auf unterschiedliche Örtlichkeiten. Ihnen ist zudem eigen, dass ihr Einschieben grundsätzlich anders verläuft als angenommen.
Der weitaus größte Teil erfordert mehr Zeit und Aufwand als erwartet. Sei es durch längere Wartezeiten in Geschäften und Behörden, Notfälle beim Arzt, Formularkämpfe, Parkplatzsuche, o. ä. Jeder neu hinzukommende Ort, jeder zusätzliche Weg erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der angepeilte Zeitrahmen nicht eingehalten werden kann und Ihre frohgemuten Pläne sehr schnell durchkreuzt und boykottiert werden.
Folge: diese Aktionen mal eben nebenher kollidieren mit der restlichen Terminplanung des Tages, den feststehenden Arbeitszeiten, der Routine etc. Ihr Ablauf wird durcheinander gebracht.
Ich müsste schon längst wieder bei der Arbeit sein …!
Wahrscheinlich haben sich die Kollegen schon gemeldet. Ihr Handy zeigt diverse SMS, Mails und Anrufe in Abwesenheit an. Nachdem Sie endlich mit schon leicht erhöhtem Blutdruck zurückgekehrt sind, lässt sich das eigentliche Pensum so nicht mehr schaffen. Der Blick wandert ständig zur Uhr, die Unruhe wächst und mit ihr kommen Anspannung, Verspannung. Kopfschmerzen, mangelnde Konzentration. Die Laune ist auf dem Nullpunkt.
Es schließt sich der hektische Versuch an, die verlorene Zeit einzuholen, doch nüchtern betrachtet, gestaltet sich die Restarbeitszeit an diesem Tag vergleichsweise unproduktiv. Für effizienteres Tun und Handeln ist der Mensch zu erledigt. Von seinen Erledigungen …
Noch ein Wort zur verlorenen Zeit: Dadurch, dass wir sie als solche betrachten, sinkt in unseren Augen der ohnehin nicht sehr hohe Wert, den wir unserer Erledigungstätigkeit beimessen, erneut. Ins Unterirdische. Von Lust auf zukünftige derartige Erledigungen kann man kaum noch sprechen. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass sie vielen mittlerweile ziemlich bevorstehen. Manch einer schiebt sie daraufhin ewig vor sich her, solange, bis es sich nicht mehr hinauszögern lässt. Aus der Not heraus startet irgendwann die geballte Aktion, wahrscheinlich wieder mit dem genialen Plan:
Mach ich nebenher … Passt schon.
Möglicherweise sind Ihnen solche Geballt-in-letzter-Minute-Erlediger bereits begegnet. Es sind häufig Mitmenschen, die überall zuerst drankommen möchten, in Kassenschlangen leicht ausrasten oder die Mitleidsmasche anwenden.
Kann ich vor? Ich habe es fürchterlich eilig … Schon haben sie sich dazwischen gequetscht.
Falls sich jemand querstellt, ist die Reaktion anklagend:
Nicht? Wieso das denn? Also, SIE haben bestimmt alle Zeit der Welt, da hätte ich doch ein bisschen mehr Entgegenkommen erwartet …!
Es gibt die, die hoffen, Termine von heute auf morgen zu ergattern oder annehmen, dass das Bezirksamt ihr Formular für den neuen Personalausweis sicher auch noch gegen 22 Uhr bearbeitet.
Ach, Sie haben nur bis 16 Uhr auf …? Unmöglich ist das, unmöglich!
Weiterhin die, die schnell lospöbeln, wenn im Geschäft das Gewünschte nicht bei Eintreten vorrätig ist, die,  die häufig unvorbereitet loshechten und unterwegs sehr uncharmant reagieren, wenn so ein unverschämter Depp bei Kaufvertragsabschluss doch glatt ihren Ausweis verlangt, der selbstverständlich alleine zu Hause geblieben ist …
Doch genug davon.

Was hat das jetzt eigentlich alles mit dem schönen Teichbild von oben zu tun?
War das Ihr Gedanke?
Ich habe es mir so gedacht: Persönlich ziehe ich es vor, meine Erledigungen unter anderen und entspannteren Umständen zu machen. In der Vergangenheit war es mir durchaus auch einen Urlaubstag wert. Das ist keine für jeden zutreffende Lösung, keine allgemeingültige und unumstrittene  Empfehlung, sondern etwas, was jeder für sich entscheiden muss.
Was ist es mir persönlich wert, wenn ich Dinge, die getan werden müssen, effektiv und zugleich in Ruhe erledigen kann?
Vielleicht taucht die Frage auf:
Aber dafür gleich einen Urlaubstag wegwerfen …?
Auch dies ist Einstellungssache. Nur, was nützt es einem, die Tage für einmal im Jahr groß in den Urlaub zu sammeln, aber bis dahin entweder alles wie Ballast vor sich herzuschieben oder in ständiger Zeitnot zu erledigen und infolgedessen geschlaucht und missgelaunt zu sein?
Will ich mir selbst diese Stresssituationen schaffen?

So ein „geopferter“ Urlaubstag ist doch nicht zwangsläufig weggeworfen oder verplempert!

Einen solchen Erledigungstag der anderen Art,  gönnte ich mir in der zurückliegenden Woche. Wie so häufig im Leben,  ist es die Ausgewogenheit, die bewirkt, dass der so negative Touch der als unliebsam und aufgezwungen empfundene Tätigkeiten  vielleicht nicht ganz genommen, aber zumindest abgemildert werden kann, indem ich Dinge zulasse und beisteuere, die mir persönlich behagen, die als schön und positiv empfunden werden. Ich erziele eine Balance durch die Kombination von Müssen und Wollen. Bildlich gesprochen, hocke ich nicht in der am Boden aufsitzenden Müssen-Waagschale, sondern winke durch mein eingebrachtes Gegengewicht munter aus luftiger Höhe. Mein Pflichtprogramm wird um die Kür erweitert.
Während Erledigungen und Arbeit eindeutig nicht recht harmonieren, verstehen sich Pflichterledigungen und Küreinlagen  ausgezeichnet!

Mein Erledigungstag sah daher so aus (und nun kommen die Bilder zum Einsatz):

Pflicht: 1
Termin Werkstatt. Auto morgens abgeliefert.
Kür:

Wandsbeker Mühlenteich morgens bei Bewölkung (April)

Der Mühlenteich am Morgen …

Ausgedehnter Spaziergang danach um acht Uhr morgens rund um den Mühlenteich. Schöne Stimmung. Es ist bewölkt, aber trocken. Ruhig, trotz angrenzender Straßen. Die Enten schlafen um diese Zeit noch.

Morgens um acht - Die Herren Erpel schlafen noch ... (Wandsbeker Mühlenteich)

Morgens um acht – Die Herren Erpel schlafen noch …

Ich bin präpariert und habe getrocknetes Brot zum Verfüttern bei mir. In die Gewässer darf es nicht geworfen werden, aber man kann schließlich auch an Land füttern. Beim Rascheln der Tüte wachen die Kollegen prompt auf und nähern sich neugierig.

Sofort aufgewacht beim Rascheln der Brottüte ... (Mühlenteich in Wandsbek)

Sofort aufgewacht beim Rascheln der Brottüte … Na, gibt’s jetzt was …?

Die ersten Krumen sind verteilt. Das war der Startschuss: sie strömen heran.
Ist das nicht merkwürdig? Nur Erpel! Jedenfalls was die Entenbevölkerung angeht. Sitzen die Damen eventuell auf Gelegen und brüten?

Es strömt heran. Das hungrige Vogelvolk ... Frühstück! (Wandsbeker Mühlenteich)

Es strömt heran. Das hungrige Vogelvolk … Frühstück! (Wandsbeker Mühlenteich)

Ansonsten frühstücken noch eine Graugans und ein Teichhuhn mit.
Das Interesse der Vögel lässt schlagartig nach, als mein Vorrat aufgebraucht ist …

Pflicht: 2
Zwei weitere Termine im Umkreis bis zum frühen Mittag, anschließend Bankangelegenheiten
Kür:
Stippvisite auf dem Wochenmarkt mit seinen vielen Blumenständen und meinem langjährigen Baumschulgärtner.

Wandsbek Quarrée - Wochenmarkt mit Blumenhändlern - April 2012

Wandsbek Quarrée – Wochenmarkt

In einer Wohnstraße am Wochenmarkt sitzt auch sie: die Gitarrenspielerin

Gitarrenspielerin nahe Wochenmarkt Wandsbek Quarrée

Gitarrenspielerin …

Cappuccino im Eiscafé Giovanni L (EKZ Wandsbek Quarrée). Treffe dort unvermutet gute Bekannte mit ihrer Chihuahua-Mix Hündin. Hündin und ich sind dicke Freunde.

Meine Hundefreundin ...

Meine Hundefreundin …

Nächstes Ziel ist das Finanzamt. Auf sehr nettem (Um-)Weg erreicht. Vorher beim Schimmelmann-Mausoleum (hinter der Christus-Kirche) vorbeigeschaut. Dort befindet sich ebenfalls der historische Friedhof. Der Dichter Matthias Claudius sowie seine Frau haben hier ihren Platz, und es stehen sogar frische Blumen dort.

Schimmelmann-Mausoleum (Hamburg Wandsbek)

Das Schimmelmann-Mausoleum ist eine klassizistische Grabkapelle für Heinrich Carl Graf von Schimmelmann. Neben aller anderen Verdienste nicht ganz unumstritten der Mann, da er auch mit Sklavenhandel zu tun hatte.

Der historische Friedhof an der Christuskirche (Wandsbek-Markt) mit den Kreuzen von Matthias Claudius und seiner Frau

Historischer Friedhof an der Christuskirche. Frische Blumen für Matthias Claudius …

Danach plötzlich ein Privatkonzert!

Amsel gibt Privatkonzert an der Christuskirche Wandsbek

Privatkonzert von einer nur etwa 2m entfernt sitzenden Amsel …

Pflicht: 3
Finanzamt Wandsbek
Kür:
Nach dem Termin in unmittelbarer Nähe diesen kunstvoll gestalteten Verteilerkasten entdeckt. Ihn ziert das Wandsbeker Schloss, welches leider nicht mehr existiert (es wurde 1861 abgerissen). Ich habe dieses Foto bereits auf Facebook/Twitter gepostet, ergänze es dennoch hier für die zahlreichen Blogleser. Das Motiv wurde von 08SCHULZEDESIGN.de umgesetzt. Mir gefällt es, wenn das Aussehen von relativ unattraktiven Gegenständen so positiv verändert wird und zudem Bezug zur Umgebung hat.

Von 08SCHULZEDESIGN.de  gestalteter Verteilerkasten - Motiv: das frühere Wandsbeker Schloss (wurde bereits 1861 abgerissen)

Verteilerkasten mit Wandsbeker Schloss, links daneben auf dem kleinen Kasten noch eine ergänzende Karte. Gestaltung: 08SCHULZEDESIGN.de

Durch einen Teil des Wandsbeker Gehölzes nach Hause gewandert und dabei neugierig geschaut, was hier im Unterholz momentan blüht oder herumliegt.

Wandsbeker Gehölz im April

Wandsbeker Gehölz im April – es wird langsam aber sicher grün …

Gehölz Wandsbek - April - Scharbockskraut (Feigwurz Ranunculus ficaria)

Scharbockskraut (Feigwurz Ranunculus ficaria)

Gehölz Wandsbek - April - Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Wandsbeker Gehölz - grünliches Dreieck am Stamm  - Wanderweganzeige oder Fällurteil?

Grünliches Dreieck am Stamm – Wanderweganzeige oder Fällurteil?

Gehölz Wandsbek - April - Felsen ...?

Felsen?

Gehölz Wandsbek - April - kein Felsen, sondern die Restborke an einem gefällten Baum

Kein Felsen im Gehölz, sondern die Restborke an einem gefällten Baum

Pflicht: 4
(Hausarbeit, Schreibkram, Ablage erwähne ich nicht extra ;)
Auto wieder von der Werkstatt abholen (+ Einkäufe anschließend)
Kür:
Auch zum Abholen einen kleinen Umweg eingeplant, um wieder ein Stückchen entlang der Wandse zu gehen.

Wandselauf  (Hamburg-Wandsbek)

Wandselauf

Inzwischen ist die Sonne herausgekommen und bestrahlt den Mühlenteich, der morgens noch schlummerte. Die Graugänse ziehen ihre Kreise, die Erpel sind verschwunden.

Mühlenteich Wandsbek: Am sonnigen Nachmittag gehört der Teich den Graugänsen ...

Mühlenteich Wandsbek: Am sonnigen Nachmittag gehört der Teich den Graugänsen …

Graugans am Mühlenteich

Graugans am Mühlenteich

Pflicht: 5
Der Garten ruft. Schreit!
Kür:
Beschlossen, an diesem Restnachmittag nur Kleinigkeiten im Garten zu richten. Trotzdem noch zwei Stunden zufrieden gewerkelt, Sonne genossen, und mehr erledigt als gedacht. Freue mich über meinen ständigen Gast – ein Rotkehlchen, das auf Armlänge entfernt vor mir auf dem Boden sitzt. Emily erzählt viel, ganz zart und nur halblaut. Sie lässt sich auch von meinen Kommentaren (Echt? – Nein!) nicht aus dem Konzept bringen. Entferne ich Laubreste oder alte Staudenteile, hüpft sie noch näher heran, um das frisch freigelegte Erdreich nach Nahrung abzusuchen.

War wieder dabei: Emily, mein zutrauliches Rotkehlchen mit dem Erzähldrang ...

War wieder dabei: Emily, mein zutrauliches Rotkehlchen mit dem Erzähldrang …

Die Sonne verschwindet und kündigt das Ende eines Erledigungstages an …

Für mich bleibt das überaus positive Gefühl, etwas geschafft zu haben, diverse Punkte einer Liste abhaken zu können. Dazu gesellt sich Wohlbehagen, welches durch Bewegung, Sonne, frische Luft, Natur in der Stadt und ihren Sinneschmaus ausgelöst wurde. Keinerlei Stressanzeichen, lediglich angenehm körperlich ermüdet.
Es fehlt hingegen definitiv das bedauernde Gefühl, den Tag weggeworfen oder verplempert zu haben.

Könnten Sie sich mit dieser Art von Erledigungsbewältigung anfreunden? ;)
Heute habe ich versucht, für Sie eine ähnliche Ausgewogenheit hier im Blog zu schaffen. Möglicherweise haben Sie ja Gefallen gefunden an der Mischung aus Artikel lesen und entspannt Fotos anschauen.
Ansonsten wünsche ich Ihnen, dass Sie für sich einen Ihnen genehmen Weg entdecken, notwendige, unliebsame, lästige, manchmal mühsame Tätigkeiten relativ stressfrei zu erledigen.

Denn nur diese sollten erledigt sein – nicht Sie!

©April 2012 by Michèle Legrand

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