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Omar Sharif II und die richtige Kälte …

Vor einigen Tagen fragte ich Sie, ob Sie für den bevorstehenden Wintereinbruch schon vorgesorgt hätten. Ob Sie an das Einbringen des Proviants gedacht hätten.
Sagen Sie bitte, hätten Sie – trotz aller Vorhersagen – mit Schneefall in diesem Maße gerechnet?

März - 11.03.2013 - Schneegestöber ...

März – 11.03.2013 – Schneegestöber …

Derart, dass Sie wirklich bald ein paar Dosensuppen und Zwieback im Schrank haben sollten, da durchaus das Risiko besteht, dass Sie eines Morgens beim Öffnen der Haustür vor einer massiven, undurchdringlichen Schneewand stehen?
Oder hätten Sie erwartet, dass die Temperaturen noch einmal derart in den Keller rutschen würden?
Erheblicher Schneefall am 10. März, gefolgt von weiteren massiven und äußerst ausdauernden Schneegestöbern am Tag darauf. Nachts Frost. Richtiger Frost! Nicht bloß das eine Grad minus, das die Schneepracht am Tag konserviert hatte.

12. März 2013 - Eiszapfen am Geländer

12. März 2013 – Eiszapfen am Geländer

Seit dem Wochenbeginn hat sich die Wetterfront samt Schnee langsam nach Süden vorgearbeitet – ohne dabei vorerst im Norden die Arbeit zu vernachlässigen. Am 12. März jedoch, nach klarer, kalter Nacht, strahlte die Sonne an einem traumhaft blauen Himmel, und die Welt sah für einen Moment gleich wieder ganz anders aus. Dafür war  inzwischen bis zum Rhein-Main-Gebiet der Winter zurück, und am Frankfurter Flughafen herrscht seitdem Zustand. Die Bahn ist auch betroffen – nicht nur hier, ebenfalls bei den europäischen Nachbarn.

März - 10.03.2013 - Schneebeladene Hecken ...

März – 10.03.2013 – Schneebeladene Hecken …

Die Menschheit wurde wirklich fuchsig. Ist fuchsig seit dem Wochenende! Ist aufgebracht! Mordlustig!
Lyncht den Winter!
Würde es sich um Herrn Winter handeln, also um eine Person, hätte sie – bezogen auf die üblen Attacken und den regelrechten shitstorm, der hier im Netz ausgebrochen ist – bestimmt schon Klage eingereicht. Wegen Beleidigung, Bedrohung, Anfeindung, übler Nachrede, Intoleranz etc.

März - 10.03.2013 - Auch Straßen ... weiß - Wenn man es nur nicht schon so über hätte mit der Kälte ...

März – 10.03.2013 – Auch Straßen … weiß – Wenn man es nur nicht schon so über hätte mit der Kälte …

Es wird schon jämmerlich geheult, gemosert und gemotzt!
Sie können fast sicher sein, alles wäre gut gewesen, hätten wir nicht kurz zuvor diese verführerischen, frühlingshaften Stunden genießen können. Es ist so, wie einem Hungrigen etwas lecker Gebrutzeltes vor die Nase zu halten, ihn daran schnuppern zu lassen, aber beim Zubeißversuch die Leckerei nicht nur wegzuziehen, sondern stattdessen auch noch Lebertran oder Verdorbenes hinzuhalten.
Ohne eine gewisse Erbostheit lässt sich die Angelegenheit nicht hinnehmen!
Sozusagen die Wut der ersten Sekunde, eine Spontanreaktion.
Mensch A fängt sich schnell wieder, Mensch B … Nun, sagen wir es so: Es ist generell eine Herausforderung, mit dem Guten vor der Nase wieder das weniger Gute – selbst wenn es nicht wirklich schlecht ist – einfach gelassen zu akzeptieren.
Ist es nicht immer so?
Egal bei welchen Dingen – ist erst einmal ein gewisser Level, ein bestimmter Standard erreicht, fällt es dem Menschen außerordentlich schwer wieder zurückzudrehen, mit weniger auszukommen. Kleinere Wohnung, weniger Gehalt, Urlaub auf dem Balkon, kleineres/kein Auto, Verzicht auf eine bestimmte Marke …

Doch zurück zum Wintereinbruch und zu Herrn Sharif. Ich erinnerte mich gestern plötzlich an ihn, als ich während des Schneetreibens vor geschlossener Bahnschranke stand und die Gedanken beim Blick auf die Gleise treiben ließ …

März - 12.03.2013 - Gleise im Schnee ...

März – 12.03.2013 – Gleise im Schnee …

Klirrende Kälte. Endlos wirkende Gleise irgendwo im Ural. Dann das Geräusch einer zischenden und schnaufenden Dampflok. Ein Bahnhof. Jurij im langen Mantel, die Fellmütze telegen in die Stirn gezogen, steigt aus, sieht sich um. Der melancholische Blick aus dunkel bewimperten, braunen Augen gleitet langsam und suchend den Bahnsteig entlang.
Dr. Schiwago!
Omar Sharif hat ihn gespielt. Sie haben ihn noch vor Augen?
Von ihm komme ich zu Joe B. Kadlec, einem Herrn etwa gleichen Alters, dessen Vorfahren – wenn ich mich richtig entsinne – aus der Tschechei nach Kanada auswanderten und der dort, als ich ihn kennenlernte, für die Cominco Polaris Mine gearbeitet hat. Mit ihm hatte ich beruflich länger zu tun, als meine damalige Firma Produkte lieferte, die für den Erzabbau in dieser Mine notwendig waren.

Eines Tages kündigte unser kanadischer Kunde seinen Besuch an und aufgrund des sehr netten Kontakts und seiner wirklich angenehmen Art, wollten wir es uns nicht nehmen lassen, ihn direkt vom Flughafen abzuholen.
Doch wie sah Mr. Kadlec aus? Wie konnte man ihn erkennen?
Es war noch nicht die Zeit, in der man einfach schnell ein Foto über den Atlantik mailte und alle Bescheid wussten.
Mein damaliger Chef, ein sehr gelassener Mensch, hatte wenig Abneigungen, stellte sich kaum an, doch eine Sache verabscheute er wirklich sehr: das Herumstehen im Ankunftsbereich mit einer Namenspapptafel …!
Oh, nein, nicht mit ihm!
Er fragte immer nach Erkennungszeichen (Ach, kommen Sie, Sie haben doch bestimmt irgendwo eine Narbe!), doch wenn man ihn im Gegenzug aushorchen wollte, was denn an ihm spezifisch wäre, dann sagte er nur: Ich schaue Sie an.
Er hat auch nie einen verpasst. Nur manchmal blickte er zu viele an, die das gelegentlich missverstanden …
Mr. Kadlec aus Kanada schrieb auf seine Frage zurück:
Don’t worry, you can’t miss me. I look like Omar Sharif. Well, a bit. At least, they say so …

Ein Double? Wir unkten ein wenig herum, denn häufig sind es gar nicht die Gesichtszüge, die Augen, die Haare etc. , die die Ähnlichkeit ausmachen. Oft sind es Bewegungen, Ausdruck, Haltung, Stimme oder das Lachen, was an eine bestimmte Person erinnert.
Wenn der Gast aber nicht wirklich so aussah wie Omar Sharif, wenn er womöglich schwieg und wie festgewachsen dort stand … was dann?
„Wenn wir uns unsicher sind, summen wir bei Wackelkandidaten einfach das Lied! Dann wird schon der Richtige reagieren …“
Die Schiwago-Melodie! Lara’s Theme!
Das müsste gehen.

Es hat damals geklappt, sogar ohne Summen, denn Joe B. Kadlec war ein Omar Sharif Double erster Klasse! Noch besser aussehend. Etwas kantiger.
Er war bei leicht frostigen Temperaturen in einer relativ dünnen Jacke erschienen, weshalb wir ihn schnell zum Auto bugsieren wollten. Uns selbst war auch etwas frisch. Doch er erstaunte uns mit der Bemerkung, wie schön mild es doch in Deutschland im Winter sei!
Frühlingshaft!

Und dann begann er, uns mehr von der Gegend, in der sich die Polaris Mine befand, zu erzählen.
(Mittlerweile ist sie geschlossen, denn der unterirdische Abbau von Zink auf Little Cornwallis Island im kanadischen Territorium Nunavut lohnte sich 2002 nach gut 20 Jahren nicht mehr.)
Die Mine lag 1.120 km nördlich vom Polarkreis und fast 100 km entfernt von der nächsten Siedlung (Resolute). Kaum eine Seele, logischerweise eine karge Landschaft, arktische Temperaturen, Erzabbau unter extremsten Bedingungen.
Sagen Ihnen die Lage oder die Kilometerangaben etwas? Nicht?
Warten Sie, wir starten anders und bringen es ein wenig in Beziehung zu Orten, die Sie kennen!
Die Region im äußersten Norden Kanadas liegt etwa auf dem 75. Breitengrad. Deutschland von Bayern bis Sylt zieht sich vom 47. bis zum 55. Breitengrad.
Sylt wiederum ist etwa gleichauf mit den kanadischen Territorien Neufundland und Labrador.
Von Sylt aus (= 55. Breitengrad) 20 Breitengrade Richtung Norden zu gehen, heißt, ca. 2.222 km weiter nördlich zu reisen! Westlich an Grönland vorbei bis zum Ende der Baffin Bay oder meist die Northwestern Passages nutzend.  Immer weiter Richtung Norden.
(1 Grad = 60 Minuten, 1 Minute entspricht 1 Seemeile, 1 Seemeile = 1,852 km).

Ziemlich weit oben. Sie haben jetzt ein Gefühl für die Entfernung?
Bitte?
Man geht als Europäer eher nach Süden als nach Norden?
Dann stellen Sie sich doch vor, Sie würden von Bayern aus südwärts starten. In dem Fall würden Sie ungefähr auf den kanarischen Inseln vor der afrikanischen Küste angelangen!

Unser Omar Sharif hielt sich jedoch oft im äußersten Norden auf und hatte sich mittlerweile schon gut mit den örtlichen Gegebenheiten arrangiert. Er zeigte uns ein Foto, auf dem er winterliche Privatkleidung trug – sehr ähnlich der, die der echte Omar Sharif als Doktor Schiwago anhatte – was einer gewissen Komik nicht entbehrte, denn er hätte diese Aufnahme durchaus glaubhaft als Autogrammkarte benutzen können.
Ein anderes Bild zeigte ihn in moderner, hochentwickelter, leuchtkräftiger Kälteschutzkleidung , inkl. Gesichtsschutz.
Er erzählte von den strengen Vorschriften, an die sich jeder Mitarbeiter zu seiner eigenen Sicherheit zu halten hatte. Verlassen der Innenräume nur in kompletter Schutzkleidung und stets mit Anmeldung und Abmeldung, nur bestimmte (kurze) Zeiten in freier Umgebung. Vieles mehr wurde genauestens reglementiert, natürlich auch das Arbeiten in der Mine selbst erfolgte im genau festgelegten Rhythmus und mit häufigen Schichtwechseln. Wer länger dort war und sich akklimatisiert hatte, hielt besser durch.
Warum ihm bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in Hamburg Frühlingsgefühle überkamen, erklärt sich damit, dass in der Region der Polaris Mine im Jahresschnitt  -16° C herrschen. Das hört sich noch halbwegs erträglich an, ist aber eben auch nur der Mittelwert.
Jetzt, um diese Zeit, Anfang März, herrschen dort allerdings etwa -30° C, Anfang Februar waren es  -35° C, gelegentlich sogar -50° Celsius!
Schneefall?
Ja, schon, doch der meiste fällt bereits im September und Oktober.
Sommer?
Nicht nach unserem Verständnis. In den Monaten Mai/Juni klettern die Temperaturen durchaus kurzfristig leicht in den Plusbereich, weshalb sämtliche Lieferungen, die per Schiff für die Mine ankamen, genau dann einzutreffen hatten, da in diesen „warmen“ Monaten das Eis des Seeweges noch durchdringbar ist oder zumindest die Fahrrinne mit Hilfe von Eisbrechern freigehalten werden kann.
Genau das war es, was im Endeffekt für uns als Händler und Lieferanten immer wieder für Nervenkitzel und Stressmomente sorgte: Lieferungen, die aus der Produktion von Ländern des ehemaligen Ostblocks stammten und zur Weiterverladung nach Kanada bestimmt waren, kamen oft nicht pünktlich. Wir starben unterdessen stets kleine Tode, wenn das Wetter schlechter wurde, Schiffe verpasst wurden, die Eisdecke auf dem Fahrwasser wuchs …
Später ging man deshalb dazu über, einige Dinge auch per Flugzeug zumindest bis zur Resolute Bay zu bringen. Nur waren die Kosten entschieden zu hoch, um alles auf diese Art und Weise zu transportieren. Es ging bei der Versorgung einer Mine nicht um kleine Pillenboxen, sondern mehrheitlich um beträchtliche Mengen von  20ft und 40ft Containern. Und irgendwie hat es dann doch immer gerade noch geklappt …

Wir in Deutschland haben in diesem Winter besonders über die Dunkelheit, das trübe Licht geklagt.
Wie schaut es denn dort oben diesbezüglich aus?
Im Territorium Nunavut sind im Winter teilweise nur knapp vier Stunden Licht am Tag, je nördlicher man kommt, desto weniger. Irgendwann erreichen Sie die Regionen, in denen es dunkel bleibt – genauso wie es während der wenigen Sommermonate dort fast 24 Stunden hell ist.
Gewöhnungsbedürftig.
Besser als bei uns? Schlechter?
Worüber gibt es mehr zu klagen? Was wäre uns lieber?
Würden wir bei dieser Auswahl doch lieber bei unserem deutschen Klima bleiben? Selbst dann, wenn heute Frankfurt wieder im Schnee versinkt, die Sonne im Norden sich schon wieder verkrümelt und neues Schneetreiben einsetzt, und alles Kalte doch schon so lange geht, uns so über ist, und wir doch Frühling wollen und überhaupt …?

Halten Sie einfach durch!
Es kann jetzt nicht mehr lange dauern!
Letztendlich ist alles eine Frage der Verhältnismäßigkeit.
Im Verhältnis zu Nordkanada sind wir recht gut dran.
Im Verhältnis zu der Zeit, die schon Winter war, ist die Zeit, die wir jetzt noch Geduld aufbringen müssen, recht begrenzt.
Im Verhältnis zum Gejaule, ist Gelassenheit irgendwie die coolere Variante.

März - 10.03.2013 - Ein neuer Wintereinbruch

März – 10.03.2013 – Ein neuer Wintereinbruch

März - 10.03.2013 - Baumwolle, Schaum, Watte ...? Schnee .. was auch sonst dieser Tage!

März – 10.03.2013 – Baumwolle, Schaum, Watte …? Schnee .. was auch sonst dieser Tage!

März - 10.03.2013 - Bis auf den Boden herunter gedrückte Zweige ...

März – 10.03.2013 – Bis auf den Boden herunter gedrückte Zweige …

März - 12.03.2013 - Eiszauber an der Dachrinne

März – 12.03.2013 – Eiszauber an der Dachrinne

März - 10.03.2013 - ... alles weiß

März – 10.03.2013 – … alles weiß

März - 12.03.2013 - Blumenhartriegel mit Schneetuffs ... Cornus kousa var. chinensis ...

März – 12.03.2013 – Blumenhartriegel mit Schneetuffs … Cornus kousa var. chinensis …

März - 10.03.2013 - Es läppert sich zusammen. Erstaunlich wie aufrecht die Haselnuss dabei bleibt ...

März – 10.03.2013 – Es läppert sich zusammen. Erstaunlich wie aufrecht die Haselnuss dabei bleibt …

März - 10.03.2013 - ... von unten gesehen. Der Schnee auf den Zweigen des Cornus kousa (Blumenhartriegels).

März – 10.03.2013 – … von unten gesehen. Der Schnee auf den Zweigen des Cornus kousa (Blumenhartriegels).

März - 10.03.2013 - An den Enden der Schneeball-Zweige (Viburnum rhytidophyllum) formen sich - passend zum Namen - regelrechte Schneebälle ...

März – 10.03.2013 – An den Enden der Schneeball-Zweige (Viburnum rhytidophyllum) formen sich – passend zum Namen – regelrechte Schneebälle …

März - 12.03.2013 - Eiszapfen am Geländer

März – 12.03.2013 – Eiszapfen am Geländer

März - 10.03.2013 - Die Korkenzieher-Hasel (Corylus avellana 'Contorta). Das Wollknäuel von gestern heute mit Schnee ...

März – 10.03.2013 – Die Korkenzieher-Hasel (Corylus avellana ‚Contorta). Das Wollknäuel von gestern heute mit Schnee …

März - 10.03.2013 - Schnee-Engel ...

März – 10.03.2013 – Schnee-Engel …

Und wenn Sie jetzt gerade die letzten Bilder von unserem Winter angesehen haben … sagen Sie selbst, wirken sie nicht doch irgendwie positiv, so ganz grundsätzlich? Wattetuffs auf den Zweigen, glitzernder Schnee, blinkende Eiszapfen und nicht zu vergessen … die Helligkeit!
Wenn Omar Sharif II in der Arktis überlebt hat, dann müssten wir das hier doch auch schaffen.
Manchmal kommt es nur auf die richtige Kleidung an.
Und die richtige Einstellung.
Hören Sie: Wir werden es alle überleben bis zum Frühlingsbeginn!

Doch, doch … ich bin mir sicher!

Ach, nur noch eines: Wenn Ihr Herz jetzt Lust bekommt,  zu irgendjemanden auf die Reise zu gehen, dann tun Sie sich keinen Zwang an und gönnen sich die Instrumentalversion von Maurice Jarres Song für den Film Dr. Schiwago – Lara’s Theme. Hier dirigiert er selbst, und Sie können bei den eingespielten Szenen auch Omar Sharif I (das Original ^^) sehen.

Youtube dot com/watch?v=3X-Q4nmYqc4 (->Bitte dot durch Punkt ersetzen. Zum Schutz Ihrer Daten kein aktiver, direkter Link hinüber zur Videoplattform!)

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©März 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand auf WordPress.com

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Einfach runterkommen. (Nix Sexismus. Nix Grimme-Preis-Nominierung)

Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)Eine ereignisreiche Woche ist vorüber. Artikel standen an. Geballt.
Und doch ist hier nichts erschienen, wie Sie vielleicht bemerkt haben.
So geht es, wenn auf Wunsch produziert wird. Auf fremden Wunsch. In dem Fall gehen Sie leider kurzzeitig leer aus, denn meine Arbeit bleibt im Verborgenen. Oder Sie lesen sie irgendwann und ahnen nicht, dass sie ursprünglich hier entstand.
An meinem Laptop.
Das kann auch sein.

Ich bin etwas ausgepowert. Und so, wie es hier bei mir im Blog mit Ihnen läuft, bedeutet dies, dass heute leider kein langer Spaziergang drin ist, keine Architekturfortbildung, kein Ausflug in die heimische Flora, kein unter die Lupe nehmen der Neophyten.
Nicht einmal ein Grundthema gibt es!
Warum Sie dennoch bleiben sollten?
Zum Abschalten. Ich lade Sie heute einfach zu einem Kaffee ein, wir klönen ein wenig und läuten auf diese Art und Weise entspannt das Wochenende ein. Fast wie in alten Zeiten, als hier immer am Freitag der Freitags-Boo erschien. Ein kurzer Hörbeitrag, bei dem ein wenig die Woche aufgearbeitet wurde. Nichts Vorgefertigtes. Erzählen ohne Manuskript. Manchmal kamen auch sprachliche Feinheiten vor, Kurioses …

Wie war Ihre Woche? Stress …? Ging so …?
Als ich eben ganz kurz über ein aktuelles Thema nachdachte, über das es Wert wäre zu bloggen, stolperte ich sekundenlang über diese unsägliche Sexismus-Diskussion. Unsäglich nicht grundsätzlich, aber in Anbetracht der Ausgangssituation und in der Art wie und vor allem wie lange jetzt daran herumgewrungen wird. Damit lässt sich Quote machen.
Ich spreche gar nicht von den Einschaltquoten beim Fernsehen. Ich spreche von Klicks auf den Seiten der Blogger. So wie scheinbar endlos im TV palavert – Verzeihung, berichtet – wird, sich ein Sender nach dem anderen einschaltet, so springen zahllose Blogger auf diesen Zug auf, in der Hoffnung auf ein bisschen Ruhm und Glanz, Traumzahlen bei den Seitenklicks und, und, und …
Da wird aus wirklich guten, sachlichen Texten geklaut und wiederholt, verändert, gemutmaßt, gesteigert, polemisiert, sich echauffiert, der Proll herausgelassen, provoziert, gekeift, moralisiert, auf die Tränendrüse gedrückt … Das ganze Programm. Dazu natürlich ein ketzerischer, aufrüttelnder – auf jeden Fall auffallender Titel. Und nicht zu vergessen, das richtige Schlagwort! Das perfekte Keyword muss massenhaft und an den richtigen Stellen untergebracht, der richtige Hashtag eingesetzt werden (#Aufschrei).
So Ruhm, jetzt komm zu mir …
Ich habe dazu keine Lust. Punkt.
Ich mag die Degenspitze, die einmal zielgenau zusticht. Ohne große Verletzung der Umgebung. Nicht das wilde, blutreiche Gemetzel mit Säbeln.

Auch der Aufschrei bzgl. der Nominierung des Dschungelcamps für den Grimme-Preis lässt mich kalt und kommt mir als Heul- und Weinthema nicht in den Blog.
Und ansonsten?
Hier in Hamburg ist gerade wieder einmal der Ruf nach der Herabsetzung des Wahlberechtigtenalters laut geworden.
Werden Sie auch gerade so müde …?
Übrigens, wussten Sie, dass ich damals schon mit 16 Jahren wählen durfte?
Ich entschied mich dann für Kaffee statt Kakao.

Politikthema also nicht. Wie wäre es mit Kultur oder Sport?
Nein, liebe Leser nichts dergleichen, d. h. vielleicht können wir es doch beim Kaffeetrinken unauffällig einbinden.
Sagen Sie, haben Sie Ihren eigentlich schon bekommen?
Das dauert heute irgendwie ein bisschen lange …
Ach, jetzt weiß ich warum! Sie bekommen heute Latte Art serviert!

1_Latte Art - allein durch die Gießtechnik ...

Latte Art – allein durch die Gießtechnik …

Latte Art - gießen und malen ...

Latte Art – gießen und malen … (hier wurde vermutlich auch ein Schablone verwendet und Pulver gestreut)

Latte Art - Hasenkunst im Wiener Kaffeehaus ...

Latte Art – Hasenkunst im Wiener Caféhaus …

Ich vermute, Sie haben selbst schon einmal so etwas gesehen und den Begriff gehört. Ansonsten eine kleine Erklärung am Rande:
Manche Baristas in Kaffeehäusern, Restaurants oder auch guten Coffee Shops, haben die Fähigkeit, auf Espresso-Getränken wie Cappuccino, Latte Macchiato oder zum Teil auch auf Cafè Latte, richtige Kunst (= art) zu gestalten. Auf heißt in dem Fall auf der Milchschaumfläche (ital. latte = Milch).
Das Zusammenspiel zwischen Konsistenz und Dichte des Schaums und der Crema ist wichtig und insbesondere die Weise des Eingießens! Manche Künstler schaffen Motive allein durch ihre Gießtechnik (Blattformen, Schwan, etc.)
Andere beginnen damit. Bei ihnen sind es quasi die Vorarbeiten, die beim Einschenken durch die Strömungskraft des Milchschaums geleistet werden. Hinzu kommt die Fertigkeit, mit Stiften, Schokoladensoßen oder auch mit Schablonen – manchmal auch einem Mix aus allem – ein Bildnis zu schaffen. Schaum wird geteilt, gezogen, verbunden, hell und dunkel vermischt …
Wenn Sie einmal Künstler in Aktion erleben möchten, schauen Sie sich Videos auf YouTube an. Es ist erstaunlich und macht Spaß, den Akteuren und Könnern zuzusehen.
Dies hier (Gießtechnik) habe ich bei Jamie Oliver in Oxford bekommen:

Latte Art - gegossen - bei Jamie Oliver in Oxford bekommen ...

Latte Art – gegossen – bei Jamie Oliver in Oxford bekommen …

Und eines aus dem Wiener Caféhaus in Hamburg:

Latte Art - Gekonnt gegossen, danach mit dem Stift den Schaum bearbeitet (gezogen) und mit hell und dunkel gespielt (Augen gemalt)

Latte Art – Gekonnt gegossen, danach mit dem Stift den Schaum bearbeitet (gezogen) und mit hell und dunkel gespielt (Augen gemalt)

Geht es Ihnen auch so, dass Sie so ein Kunstwerk dann gar nicht zerstören mögen? Ich habe es mir immerhin fotografisch erhalten und erst danach angefangen, es vorsichtig mit dem Löffel abzutragen …

Die Zeit vergeht wieder so schnell. Es ist Freitagnachmittag, das Wochenende greifbar nah. Stehen Ihre Pläne schon? Oder müssen Sie etwa gerade am Wochenende arbeiten? Ich hoffe nicht …
Mein Wochenende wird ruhig. So habe ich es mir jedenfalls vorgenommen. Ausspannen und zwischendurch Stepschritte üben. Blogstammgäste wissen, ich bin ein Steptanzanhänger. Eine Tap Dance Abhängige.
Möchten Sie wissen, womit ich mich gerade beschäftige? Mit dem Teil einer Choreographie aus dem Film „The Artist“. Ich lasse Ihnen den Link zu einer Tanzszene auf YouTube hier, dann haben Sie eine Vorstellung, was mir übungsmäßig noch bevorsteht.

(Hinweis/Nachtrag April 2018: Das Video wurde leider zwischenzeitlich von der Videoplattform entfernt.)
Die haben ein ziemliches Tempo, die Herrschaften, nicht wahr? Ich las,  die Stepszenen für diesen Film seien ein halbes Jahr lang geprobt worden. Die Akteure waren vorher keine Steptänzer, hatten jedoch ihre übliche umfangreiche Schauspielausbildung, nach der man tänzerisch vorgebildet ist und auch einige Step-Grundschritte vermittelt bekommen hat. Alles andere jedoch erarbeiteten sie sich durch fortwährendes, intensives Training.

Wie sieht es aus? Haben Sie es bemerkt?
Wir haben Kultur und Sport mühelos mit untergebracht …
Ist Ihre Tasse leer?
Gut, meine auch. Dann lassen Sie uns auseinandergehen.
Wir treffen uns demnächst wieder. In alter Frische.

Bis dahin machen Sie es gut!

©Februar 2013 by Michèle Legrand

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Model Contest QUARREE GESICHTER 2014 – Die dritte Staffel läuft demnächst an!

Für alle Interessierten die gute Nachricht, dass es auch in diesem Jahr wieder eine weitere Ausgabe des beliebten Model Contests gibt.

In Kürze beginnt erneut das große Casting im EKZ QUARREE Wandsbek
Ein kleines Jubiläum, denn bereits zum dritten Mal nach 2011 und 2012, können sich junge Menschen vorstellen und bei Talent, Ausstrahlung, Ehrgeiz, Einsatz  und natürlich auch mit etwas Glück, das Gesicht 2014 – nämlich für die Werbekampagnen des kommenden Jahres – werden.
Wie zuvor dürfen Damen und Herren ab 18 Jahren (16-18jährige mit einer Einverständniserklärung der Eltern) daran teilnehmen.
Es werden Models für die Kategorien Männer, Frauen und XL (ab Gr. 42) gesucht.

Model Contest QUARREE GESICHTER 2014 startet im Februar 2013

Wie in den Vorjahren, wird sich der Wettbewerb über mehrere Monate erstrecken. Im Laufe dieser Zeit, werden im Wechsel Trainingseinheiten (Profi-Workshops) und Veranstaltungen stattfinden, bei denen das Erlernte gezeigt wird,  Erfahrung gesammelt werden kann, bei denen aber gleichzeitig auch entschieden wird, wer weiterhin dabei ist und wer es letztendlich bis zum Finale im Oktober schafft.

Die Sieger der ersten Staffe des Model Contest im Jahre 2011: QUARREE GESICHTER 2012 - Kevin, Anna-Marie und Kiml

Die Sieger der ersten Staffel des Model Contest im Jahre 2011: QUARREE GESICHTER 2012 – Kevin, Anna-Marie und Kim – Foto EKZ QUARREE – Fotograf: Andreas Grav

Bei Interesse an dem bisherigen Verlauf, schauen Sie gern in die ausführlichen Blogberichte, die Sie hier alle in der KATEGORIE MODE finden.
Oder geben Sie im Suchfeld oben rechts Model Contest ein und scrollen dann zu den Berichten über Casting, Recall, Workshops, Modenschauen, Living Doll Event und dem reich bebilderten Finale.

Sieger Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - offizielles Foto (Fotograf: Andreas Grav)l

Sieger Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 – Rafael, Denise (2.), Mariam (1.), Alina (3.) und Yasemin (Siegerin XL-Models) – offizielles Foto (Fotograf: Andreas Grav)

Wenn Sie die Lust packt oder Sie jemanden kennen, dessen Wunsch es schon immer war, an einem derartigen Wettbewerb teilzunehmen, jemanden, der seine Chance nutzen möchte, dann melden Sie sich entweder selbst in der Castingwoche vor Ort  oder geben diese Information netterweise an Interessenten weiter.

Das Casting findet statt in der Woche vom 04. bis zum 09. Februar 2013.
Ort der Veranstaltung: EKZ QUARREE Wandsbek
Genaue Zeiten folgen bzw. Sie werden sie demnächst auch auf der Homepage des Quarrees entdecken oder können sie auf der entsprechenden Facebook-Seite nachlesen.
Die Links dorthin finden Sie nachstehend.

Die Homepage: http://www.quarree.de/
Das Quarree bei Facebook: https://www.facebook.com/QUARREE

Kommen Sie doch vorbei! Bis bald!

Vielen Dank an Andreas Grav für die erneute Genehmigung, Ihnen hier im Blog seine Fotos  zu zeigen!

©January 2013 by Michèle Legrand

Nachtrag am 11.01.2013:

Das Casting  findet an allen Tagen in der Zeit von 14.00 – 18.30 Uhr statt  (Mo – Sa, Halle Quarree I,   große Aktionsfläche).
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Teilnehmer, die hier weiterkommen, finden sich bitte zum Recall am 15.-16.02.2013 wieder im Quarree ein.

Und ein weiterer Nachtrag am 19. 01.2013:

Wollen Sie vielleicht einmal schauen? ^^
Auf YouTube gibt es jetzt ein Video mit Eindrücken vom Finale der QUARREE GESICHTER 2013 (enthält auch Szenen von QUARREE GESICHTER 2012)

http://www.youtube dot com/watch?v=jezdBNpi6qg&feature=youtu dot be

Die beiden dots bitte jeweils durch einen Punkt (ohne Abstand) ersetzen. Zum Schutz Ihrer Daten und Privatsphäre ist hier keine aktiver, direkter Link zu You Tube eingefügt.

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Der Hamburger Michel: Wem die Glocke schlägt …

Hamburg - Michel - Teilansicht mit Turm (von der Nordseite)

Hamburg – Michel – Teilansicht mit Turm (von der Nordseite)

Als ich noch ein Kind war, wohnte in der Nachbarschaft ein Herr, der relativ häufig Gäste von außerhalb erwartete. Kehrte ich aus der Schule zurück, fragten mich oft bereits an der Einmündung in meine Straße Menschen nach dem Grundstück von Herrn (nennen wir ihn) Beckkamp.
Ich habe keine Ahnung, ob dieses Suchen der Leute ausschlaggebend für die Existenz eines Erkennungszeichens in seinem Vorgarten war. Er hatte dort einen überdimensional großen Gartenzwerg aufgestellt, der jeden Ankömmling unerhört fies angrinste.
Er erleichterte die Wegbeschreibung ganz enorm.
„Wo Herr Beckkamp  wohnt? Gehen Sie etwa 150 m, dann sehen Sie auf der linken Seite einen hämischen Riesenzwerg mit Laterne …“
Schauten die Fragenden daraufhin komisch oder irritiert, fügte ich dann und wann hinzu, dass ich damit nicht Herrn Beckkamp selbst meinte, sondern seinen Vorgartenbewohner.
Offenbar fand man den guten Mann auf diese Art, denn ich wohnte ein Stück dahinter, und es gab keinen, der mir später dort – immer noch suchend – aufgefallen wäre.
Worauf ich hinaus will:
Es ist immer gut, ein Erkennungszeichen, ein Symbol, ein Emblem, ein Wappen, ein Wahrzeichen zu haben! Sie wissen viel schneller, leichter und sicherer, dass Sie am richtigen Ort sind.
Ein Fitzel der Freiheitsstatue reicht aus, um Ihnen zu sagen, dass Sie in New York sind.
Ein paar Metallstreben vom Eiffelturm – Paris!
Petersdom – Vatikanstadt.
Big Ben – London usw.
Das Wahrzeichen von Hamburg, oder zumindest eines von ihnen, ist die St. Michaeliskirche nahe des Hafens, deren hoher Westturm, der Michel, weithin gut sichtbar ist. Im Ursprung ist er eigentlich eine Landmarke, so lautet auch der englische Begriff für Wahrzeichen (landmark und in Städten: town’s landmark). Landmarke ist eine Bezeichnung, die aus der Luft- und Schifffahrt stammt. Es  steht für ein Küstenseezeichen, das aufgestellt wird. Das kann ein Leuchtturm sein, auf jeden Fall jedoch ein auch auf große Entfernung hin sichtbares topographisches Objekt. So fungieren natürlich ebenfalls hohe Kirchtürme und Gebäude als Landmarken, sind mit der Zeit aber gleichzeitig Wahrzeichen geworden.

Sie kennen das Gegenteil von Wahrzeichen? Genau. Ein Falschmal. Wenn Ihnen beispielsweise jemand versucht zu erklären, dass die Akropolis bzw. der Parthenon ein Wahrzeichen von Stuttgart sei, dann ist beides zwar immer noch ein Wahrzeichen, doch sind es Falschmale von Stuttgart. Auch wenn etwas Potthässliches zum Wahrzeichen wird, spricht man gern von Falschmal (Sie glauben mir bitte nicht alles …)

Heute möchte ich Sie gern mit hinauf auf den besagten Michel nehmen. Wenn Sie sich hier schon des Öfteren im Blog einer Tour angeschlossen haben, ahnen Sie, dass Sie für weitere seitenlange Informationen bezüglich Geschichte, Entwicklung, Daten, Technik etc. dazu verdammt sind, selbst zu googeln. Ich sehe es nicht als meinen Job oder sinnvoll an, alles hier in meinen Blog zu kopieren, damit Sie die nächsten drei Stunden beschäftigt sind und graue Haare bekommen.
Hier gibt es davon Prisen. Gesundheitsverträglich. Und Sie stellen sich am besten auf Gedankensprünge ein. Sie wissen schon: Michel und Gartenzwerg, Falschmal etc.
Machen wir uns einfach auf den Weg. Wenn Sie Fragen haben, immer her damit. Ansonsten dränge ich Ihnen das auf, was ich interessant finde. Freiheit der Bloginhaberin… ;)

Wir nähern uns der imposanten Kirche von Norden. Wenn Sie – wie ich – von der Binnenalster kommen und ohne Straßenkarte marschieren, halten Sie einfach auf den Turm zu. Seine markante Spitze schaut immer wieder zwischen den Häusern der Innenstadt hervor. Immerhin ist der Michel mit 132 m Höhe auf Platz 12 der Liste der höchsten Kirchengebäude der Welt! In Hamburg ist nur St. Nikolai noch etwas höher (5. Platz).
Auf dem 1. Platz ist übrigens das Ulmer Münster (161,53 m). Noch vor der Basilika Notre-Dame de la Paix in Yamoussoukrou, (Elfenbeinküste), dem Kölner Dom und der Kathedrale von Rouen. Das nur nebenbei.

2_Hamburg - Michel - Gesamtansicht

Gesamtansicht. Die Kirche mit dem Michel von Norden gesehen.

Hier auf dem Vorplatz sind spezielle Platten in den Boden eingelassen, und es kommen kontinuierlich welche hinzu. Wenn Sie glauben, das Pflaster sei irgendjemandem sonst zu eintönig geworden, dem ist nicht so. Es handelt sich um Spendertafeln. Seit 1983 wird die St. Michaelis-Kirche saniert und restauriert. Vor vielen Jahren schon wurden dafür dringend zusätzliche Mittel benötigt, und man suchte händeringend nach Geldgebern. Vor 18 Jahren startete die Aktion mit den Tafeln, in die die Namen von Spendern eingraviert werden, die mindestens 100 Euro gestiftet haben. Sobald 99 Namen zusammen sind, wird die nächste Platte auf dem Vorplatz des Michels verlegt. Manche Spender gedenken damit auch besonderer Ereignisse oder erinnern an Verstorbene.

3-Hamburg - Michel - Vorplatz - Spendertafeln

Auf dem Vorplatz: Im Boden verlegte sog. „Spendertafeln“ (siehe Text)

Die Stellen, die hier vorbereitet sind, erhielten am 03. Juli insgesamt vier neue Tafeln eingesetzt.

4_Hamburg - Michel - Vorplatz - neue Spendertafeln sind vorbereitet zum Einsetzen

An der St. Michaeliskirche – Neue Spendertafeln sind vorbereitet und wurden am 03. Juli 2012 eingesetzt.

Wir überqueren den Platz, passieren das Standbild von Luther und sind am Eingang, der sich in der Straße „Englische Planke“ befindet.

5_Hamburg - Michel - Martin Luther und an der Straße Englische Planke zu erkennen: 5_Hamburg - Michel - Martin Luther und an der Straße Englische Planke zu erkennen 5_Hamburg - Michel - Martin Luther und an der Straße Englische Planke zu erkennen: das traditionsreiche Restaurant Old Commercial Room

Martin Luther – Schräg gegenüber an der Straße „Englische Planke“ zu erkennen:das traditionsreiche Restaurant „Old Commercial Room“.

6_Hamburg - Michel _Durchgang vom Vorraum zum Kirchenschiff_Gott der Herr ist Sonne und Schild_Psalm 84-12

Michel – Durchgang vom Vorraum zum Kirchenschiff (Schriftzug über der Tür: Gott der Herr ist Sonne und Schild, Psalm 84-12

Sie merken, es ist ziemlich voll. Draußen treffen von Zeit zu Zeit –  abgesehen von einzelnen Touristen – auch Reisebusse ein, aus denen stets große, michelhungrige  Gruppen herausquellen. Auf sie stoßen wir hier gerade …
Sie haben die Wahl, ob Sie nur das Kirchenschiff mit Altarraum besichtigen, was offiziell nichts kostet. Allerdings werden Sie gleich beim Eintreten um eine Spende von 2 Euro gebeten.
Sie können weiterhin für 6 Euro die Krypta und den Turm besichtigen oder für 4 Euro nur den Turm.
Unter Krypta versteht man die Gruftgewölbe. Die Gruft des Michels zählt zu den größten in Europa und erstreckt sich unter dem gesamten Kirchenschiff!
Im letzten Krieg wurde diese Krypta als Luftschutzbunker genutzt. Damit die Menschen sie erreichen konnten, legte man einen Durchgang von der Straße zum Gruftgewölbe an. (Bis zu 2.000 Personen fanden dort Schutz)
Begraben wurden hier u. a. Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Mattheson und auch der Erbauer der Kirche, Ernst Georg Sonnin.
Da es jedoch momentan so voll ist und wir dort nicht totgetrampelt und ebenfalls begraben werden wollen, nehmen wir uns stattdessen den Turm vor. Das Wetter ist gut – wir dürfen uns also auf den Ausblick oben freuen. Die Aussichtsplattform befindet sich in der luftigen Höhe von 106 m.
Was steht zwischen uns und diesem Top-Ausblick?
453 Stufen, die erklommen werden wollen!
Sie wollen doch, oder?
Es gibt selbstverständlich auch einen Lift, der ab dem 1. Stock eingesetzt wird. Das heißt, 52 Stufen bis dorthin müssen sie auf jeden Fall ersteigen. Doch wenn nicht gesundheitliche Gründe dagegen sprechen oder sie körperlich eingeschränkt sind, dann verzichten Sie auf den Fahrstuhl! Sie sehen und erleben sonst wirklich nur die Hälfte! (Ich erinnere Sie später an meine Worte)
So wuselig es eben noch im Vorraum war, kaum lassen wir eine schwere, hölzere Verbindungstür hinter uns, befinden wir uns unvermittelt  im recht leeren Zugang zum Treppenhaus. Eine kleine Glasvitrine zur Rechten im Vorraum zeigt Ihnen, was der Michel für Sie als Souvenir parat hat.

6a_Hamburg - Michel - Souvenirs, Souvenirs ...

Souvenirs, Souvenirs …

6b_Hamburg - Michel - ... oder doch eine Schneekugel inkl. Hummel-Figur

… oder doch vielleicht eher die Michel-Schneekugel inkl. Hummel-Figur?

Einige Stufen höher erreichen wir das Fahrstuhlgeschoss. Dort vor dem Lift hat sich eine Menschentraube gebildet, die wartet. Nicht so wir! Wir haben freie Bahn.

7_Hamburg - Michel - raue Backsteinwände, Ausblick, aber noch ganz weit unten ...

Hamburg – Michel – In Höhe des Fahrstuhlgeschosses – Raue Backsteinwände, Ausblick ja – aber noch ganz weit unten …

Sehen Sie, wer mit uns läuft? Eine etwa 60jährige Dame mit ihrer ca. neun Jahre alten Enkelin, ein Paar Mitte dreißig ist kurz vor uns, und wenn sie zurückschauen, entdecken Sie zwei Herren und eine Dame in den Zwanzigern, die offenbar zusammengehören.
Die Art der Treppe ändert sich ein wenig. Ab hier gibt es nur noch offene Stahlblechstufen.
Alle Turmbesteiger starten sehr euphorisch, drahtig und siegessicher. Bereits nach etwa 100 Stufen ist die Luft allerdings etwas heraus. Die Reihenfolge hat sich geändert. Sie und ich haben das Paar überholt, die Dame mit Enkelin macht jetzt Pause und sucht ihre Wasserflasche, die jüngeren Leute, die hinter uns waren, haben hingegen uns überholt, was aber offenbar unklug war. Ich befürchte, sie haben ihre Kräfte nicht gut eingeteilt. Einer schwitzt sichtbar, die Unterhaltung wurde schon eingestellt. Grund: Atemnot.

8_Hamburg - Michel - Auf Stahlblechtrittstufen nach oben - Treppe um Treppe ...

Hamburg – Michel – Auf Stahlblechtrittstufen nach oben – Treppe um Treppe …

Wir passieren den dritten Boden, den Ort der Glockenwerkstatt. Ich dachte zuerst, hier werden Glocken gepflegt, gewartet und repariert, so weit sich das vor Ort machen lässt  und war dementsprechend überrascht über einen Hinweiszettel, auf dem zur Ruhe ermahnt wird. Die Glocken machen Radau, die Menschen schweigen?
Erst später lernte ich, dass die Glockenwerkstatt eine Einrichtung für Schüler der 3. und 4. Klasse ist, die dort z. B. den Klang von 18 kleinen Glocken testen können. Projektarbeit wird durchgeführt. Wie entsteht ein Glockenton, wie werden Glocken gegossen? All das wird dort an sie herangetragen.
An diesem Tag verrät nichts den Sinn und Zweck. Es steht nichts Verräterisches herum.

Der Blick wandert nach oben. Es ist nicht zu erkennen, wo das Ende der Treppen ist. Es führt immer eine gerade Treppe hinauf, Sie betreten ein kleines Podest, drehen und die nächste Treppe gleicher Art führt in Gegenrichtung weiter nach oben. Gelegentlich wird der Aufstieg durch zur Unterteilung eingebaute Türen gebremst.
Umgeben von Backsteinmauern geht es weiter aufwärts. Das Tempo hat allgemein merklich nachgelassen. Ich höre, das der eine Herr etwas schnippisch seiner nach Luft schnappenden Gattin vorhält:
„Ich wollte ja den Aufzug nehmen …!“
Sie kontert:
„… hättest aber nachher keinen Kuchen bekommen!“
Nun, er schiebt ein veritables Kügelchen vor sich her …
Der Enthusiasmus ist unterschiedlich ausgeprägt und nach und nach geben alle vor, sich das Innere des Turms genauer angucken zu wollen. Stehenbleiben und Wände betrachten. Backsteine sind … faszinierend. Plötzlich.

Sie können noch, ja?
Die gute Hälfte ist geschafft. 70 m Höhe haben wir erreicht, und hier – Sie werden es anhand der Fotos erraten – ist der Glockenstuhl mit insgesamt sechs Glocken.

9_Hamburg - Michel - Eine der sechs Glocken des Michels: Die Schifffahrtsglocke (oben)

Eine der sechs Glocken des Michels: Die Schifffahrtsglocke (oben)

10_Hamburg - Michel - ... direkt darunter die schwerere Bürgerglocke

… direkt darunter die schwerere Bürgerglocke (siehe auch Text)

279 Stufen liegen hinter uns. Der siebte Boden des Turms taucht auf, der sogenannte Türmerboden. Hier trompetet der Michel-Türmer jeden Tag einen Choral. Er spielt jeweils eine Strophe aus einem geöffneten Fenster, beginnend bei dem Ostfenster und fährt im Uhrzeigersinn fort. („Zum Lobe Gottes, den Menschen zur Freude!“ – verrät eine Tafel am Turmaufgang).
Kommen Sie, wir haben schon so viel geschafft! Halten Sie noch ein bisschen durch!

420 Stufen. Die nächste Treppe. An ihrem oberen Ende quietscht eine Tür und ein zerzauster Kopf schaut um die Ecke.
Erwartungsfrohe Blicke werden hochgeschickt.
„Hallo, Sie sind gleich oben!“, spricht der Kopf und die Lippen verziehen sich zu einem freundlichen Grinsen. Es folgt die  Versicherung, dass  sich der Kraftakt gelohnt hat. Während wir die letzten Treppenstufen bewältigen, rüstet er sich seinerseits für den Abstieg.
Es hat sich gelohnt?
Wir werden sehen … Die Metalltür mit dem grobmaschigen Lochmuster (wie Drahtgitter) trennt uns noch von der Aussichtsplattform, wird unter Quietschen weiter aufgedrückt und dann …

Wahnsinn!

Sie haben zwar für einen winzigen Moment die Befürchtung, im Käfig zu sein, denn zum Schutz der Besucher sind rundherum senkrechte Gitterstäbe, doch sobald sie näher herantreten und direkt vor den Zwischenräumen der Stäbe stehen, ist dieses Gefühl vergessen. Dann ist da etwas anderes.
Weite. In jede Richtung.
Eine riesige Stadt. Die Elbe. Der Hafen. Grün.
Ein endloses Häusermeer. Kirchtürme, der Fernsehturm.
Stadien, Flüsse, die Binnen- und die Außenalster …

Wollen Sie auch mal schauen?

12_Hamburg - Michel - Belohnung fürs Treppensteigen: grandiose Aussicht -Landungsbrücken mit dem Alten Elbtunnel , gegenüber Blohm und Voss (Werft)

Belohnung fürs Treppensteigen: grandiose Aussicht! Landungsbrücken mit dem Alten Elbtunnel, gegenüber Blohm+Voss (Werft)

13_Hamburg - Michel - Blick Richtung Elbphilharmonie (Baustelle), Speicherstadt und Hafen-City

Hamburg – Michel – Blick Richtung Elbphilharmonie (Baustelle), Speicherstadt und Hafen-City

14_Hamburg - Michel - Blick auf die Innenstadt. Links die Außenalster mit Segelbooten, rechts mit grünem Dach das Rathaus, rechts daneben erst Petrikirche, dann St. Jakobi

Blick auf die Innenstadt. Links die Außenalster mit Segelbooten, rechts mit grünem Dach das Rathaus, rechts daneben erst Petrikirche, dann St. Jakobi

15_Hamburg - Michel - Ein Blick Richtung Norden. Links vom Fernsehturm (Heinrich-Hertz-Turm) mit den Messehallen ist der alte Flak-Bunker am Heiligengeistfeld (DOM) zu erkennen.

Blick vom Michel Richtung Norden. Links vom Fernsehturm (Heinrich-Hertz-Turm) mit den Messehallen ist der alte Flak-Bunker am Heiligengeistfeld (DOM) zu erkennen.

16_Hamburg - Michel - ... den Blick von dort aus weiter nach links gerichtet, zeigt etwas genauer den Bunker und daneben das Millerntor-Stadion, in dem der FC St. Pauli spielt.

Michel – … den Blick von dort aus weiter nach links gerichtet, zeigt den Bunker etwas genauer und daneben das Millerntor-Stadion, in dem der FC St. Pauli spielt.

Sie können noch ein paar Stufen höher geklettern– hier hinauf:
Kommen Sie, hier haben Sie völlig freie Sicht!

17_Hamburg - Michel - Es geht noch höher (da war ich eben). Die Stufen von der Aussichtsplattform führen zu den beiden Turmuhrglocken

Es geht noch höher. Die Stufen von der Aussichtsplattform führen zu den beiden Turmuhr-Schlagglocken (siehe auch Text)

Die beiden Glocken gehören zur Turmuhr, der größten in Deutschland mit acht Metern Durchmesser. Und die Zeigerlängen! Schon für den kleinen Zeiger müssten zwei Leute aufeinanderstehen (3,60 m). Der große Zeiger ist sogar 5 m lang, Gewicht 130 kg!
Dies hier oben sind Schlagglocken.
Sie kennen den Unterschied zwischen dem Schlagen und dem Läuten bei Glocken?
Beim Schlagen bleibt die Glocke ruhig, und von außen fällt ein Hammer auf sie, der den Ton erzeugt. (Sie kennen Ausdrücke wie z. B. Deine letzte Stunde hat geschlagen oder auch Wissen, was die Stunde geschlagen hat – im Sinne von: die Lage einschätzen können)
Beim Läuten hingegen wird die Glocke in Schwingung versetzt. Der in ihr eingehängte Klöppel erzeugt die Töne.

Wie sieht es aus?
Wenn Sie auch das Gefühl haben, Sie hatten genügend Zeit, den Ausblick zu genießen, machen wir uns nun an den Abstieg. Das sollte weniger anstrengend werden.
Psst!
Moment …
Hören Sie das auch?
HÖREN SIE DAS? (Entschuldigung, ich muss lauter reden!)
Die Glocken läuten!
Nein! Nicht die kleinen der Turmuhr! Die großen im Glockenstuhl!
SIE LÄUTEN!

Kommen Sie! Das müssen wir nicht nur hören, das müssen wir auch sehen!
Es kommt heute nur noch relativ selten vor, dass Menschen (Glöckner) an Seilen zerren, dabei auf und ab springen, zeitweilig in der Luft hängen, um auf diese sportliche Art und Weise die Glocken zum Schwingen zu bringen. Es wird fast keine Handarbeit mehr geleistet. Das Läuten ist elektronisch gesteuert, doch wir kommen direkt, hautnah an den Glocken vorbei!

11_Hamburg - Michel - Gut zu erkennen, wie nahe die Treppen an den Glocken vorbeigeführt werden ...

Michel – Gut zu erkennen, wie nahe die Treppen an den Glocken vorbeigeführt werden …

Bis ganz unten sind es insgesamt neun Stockwerke, doch bei unserem Tempo, sind wir gleich wieder in einer Höhe mit dem Glockenstuhl (ca. 70 m), und der Lärm nimmt mit jeder Stufe, die hinter uns liegt, zu. Eine letzte Verbindungstür versperrt noch die Sicht.
Öffnen.
Hindurch.
JETZT!

Ein unvorstellbares Dröhnen! Fast fühlbare Schallwellen. Ineinander übergehende Glockentöne. Nachhall. Ein nicht enden wollendes Geläut.
Der Boden unter den Füßen vibriert leicht, die metallenen Treppenstufen zittern. Es überträgt sich auf den Körper, steigt in ihm hoch – von den Füßen bis zu den Haarspitzen.
Die Knochen brummen.
Die Herzfrequenz ist erhöht.
Und Sie schauen hin. Sie schauen gebannt auf dieses Schwingen!
Ihre Augen wandern mit, wie sie auch dem Ball bei einem Tennismatch folgen.
Hin und zurück.
Hin und zurück.

Sie haben das seltsame Gefühl, als würde auch der Turm beginnen, leicht zu schwingen.
Hin und zurück.
Die Glocken haben etwas Magisches.
Wie Pendel.

Es wirkt so leicht, so easy. Als koste es nicht mehr Anstrengung als jene, die ein Barkeeper beim Schütteln des Cocktailbechers aufwenden muss. Kaum vorstellbar, dass die Gewichte der insgesamt sechs Glocken des Michels sich im Bereich von gut einer bis zu etwas über neun Tonnen (die Jahrtausendglocke) bewegen.
Die gerade schwingende Schifffahrtsglocke wiegt immerhin 2.850 kg, die Bürgerglocke sogar 4.900 kg.  Das heißt, die 23 Menschen, die gerade insgesamt auf der Aussichtsplattform waren, wiegen bei einem angenommenen Körpergewicht von 70 kg pro Person, alle zusammen trotzdem nur ein Drittel des Gewichts der Bürgerglocke!
Kleiner und leichter sind die Gemeindeältesten- , Kirchenvorsteher – und Pastorenglocke (zwischen ein und zwei Tonnen).

Sie können jetzt sowieso nicht hören, wenn ich weitererzähle, deshalb schauen Sie doch einmal in die Runde.

Die ältere Dame mit der Enkelin ist auch hier. Die Kleine versucht, sie mit sich wegzuziehen. Ihr ist es zu laut. Sie fühlt sich unwohl.
Andere auf- und wieder absteigende Michelgäste sind in ihrer Reaktion so vielfältig, wie es Menschen insgesamt sind. Still und fasziniert, scheinbar völlig unbeeindruckt, genervt, mit glänzenden Augen dem Spektakel folgend, irritiert, fotografierend, filmend, brüllend, damit der Nachbar etwas versteht – es ist alles dabei.
Die Treppenstufen sind blockiert, denn das Stoppen, das wie angewurzelte Stehenbleiben, kam fast bei allen ganz abrupt. Kaum einer ist sofort  weiter bis zum nächsten Podest gegangen.
Hat es schlichtweg vergessen.
Hypnotisch, diese Glocken …

Langsam verklingen sie. Noch ein letztes lautes „Bing-Bembel-Klong“, das nachhallt. Die letzten Vibrationen. Und dann ist sie da.
Ganz plötzlich.
Eine beinahe unheimliche Stille …
Noch ist keiner weitergegangen. Die, die vorhin brüllten, sagen jetzt, wo sie normal reden könnten, keinen einzigen Ton.
Zeit vergeht. Ein erstes Räuspern.
„Tja …“
„Wollen wir …?“
So beginnen vorsichtige Konversationsversuche. Der Bann ist gebrochen. Normalität kehrt wieder ein. Schon eine halbe Treppe weiter tut jeder so, als sei überhaupt nichts gewesen …

Und Sie?
Ist Ihr Gehör noch intakt? Ist das Bild der schwingenden Glocken verschwunden oder weiterhin präsent? Hat sich Ihr Herzschlag normalisiert?  Gehorchen die Beine wieder?
Dann lassen Sie uns den Rest der Treppen bewältigen …

Vielleicht entsinnen Sie sich, dass ich Sie vorhin „später“ an etwas erinnern wollte. Es ging um die Entscheidung zwischen Lift nehmen und Treppen steigen, um den Michel kennenzulernen. Ich sagte Ihnen, Sie würden im Aufzug die Hälfte verpassen.
Stimmen Sie mir – eventuell – zu?

Wir sind wieder sicher unten angekommen. Nun schauen Sie sich das an! Es ist immer noch ein ebenso großer Andrang wie vorhin! Wir können auch lediglich einen kurzen Blick in den Kirchenraum werfen, denn offensichtlich findet hier gleich eine Trauung statt. Es gibt Absperrungen, der Hauptpastor des Michels wartet bereits auf das Brautpaar, Fotos sind während der Zeremonie nicht gestattet.

18_Hamburg - Michel - Innenraum mit Blick auf Altar (Hochzeit stand bevor, daher Absperrung und keine weiteren Fotos möglich)

Hamburg – Michel – Innenraum mit Blick auf Altar (eine Hochzeit stand bevor, daher Absperrung und keine weiteren Fotos möglich)

Wissen Sie was? Die fünf Orgeln, die Krypta etc. können wir ein anderes Mal besuchen.
Wir sollten dem Michel jetzt Lebewohl sagen.

19_Hamburg - Michel  - ... der Weg hinaus. Das halbrunde Bleiglasfenster ist von August Vogel (1911). Es besteht aus 36 Teilen. Der Titel lautet _Der Heilige Geist gießt seinen Segen über Hamburg aus_

Michel – … der Weg hinaus. Das halbrunde Bleiglasfenster ist von August Vogel (1911). Es besteht aus insgesamt 36 Teilen. Der Titel lautet: „Der Heilige Geist gießt seinen Segen über Hamburg aus.“

Vielleicht treffen wir uns  wieder. Und falls Sie erneut einmal Lust verspüren , den Turm zu erklimmen, lassen Sie es uns doch beim nächsten Mal in der Dunkelheit machen!
Wie schön muss es sein, auf die erleuchtete und doch halb schlafende Stadt hinabzublicken …

©Michèle Legrand – Juli 2012

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