Beiträge getaggt mit Vermeintlicher Diebstahl

Wieder aufgetaucht …

Es geht weiter. Ein herzliches Hallo an alle Leser, und speziell an die Stammleser gerichtet der Hinweis, ich verzichte zum Einstieg auf großartige Erklärungen zur Auszeit. Die vergangenen Monate und die Umstände allgemein waren für mich und das Blog schreiben wenig geeignet. Belassen wir es bitte dabei.

Aber wie sieht es bei Ihnen aus? Ich hoffe, Sie haben sich bisher gut durch die Pandemie geschleust, konnten sich fürs Virus erfolgreich unsichtbar machen oder – wenn Ihnen dies nicht glückte – sind Sie inzwischen hoffentlich wieder gesundet.

Wieder aufgetaucht

… heißt es hier heute nicht nur aufgrund der Rückkehr zum Blog. Sie werden es gleich merken. Doch bevor ich starte, noch eines vorweg:
In Zukunft werde ich Ankündigungen für besondere Themen oder Projekte tunlichst vermeiden. Man sieht ja sehr schön, dass es mit der Ausführung der Vorhaben – zumindest in Pandemie-Zeiten – nicht so weit her ist. Ehe ich jemanden durch die Beschreibung oder Bilder von empfehlenswerten, mich begeisternden Plätzen dazu anrege, während Corona-Zeiten genau dorthin aufzubrechen, verzichte ich lieber und widme mich momentan in eher kleinen Beiträgen den alltäglichen Dingen.
Obgleich sich als Konsequenz auf die quasi auf Null zurückgeschraubten Kontakte und das Verweilen daheim die erwähnenswerten Anlässe zum Schreiben wohl eher sporadisch ergeben. Erbauliche Anlässe, wohlgemerkt. Für die bin ich einfach mehr zu haben. Sobald sich fortan etwas in dieser Richtung bietet, werde ich es nutzen.

Verschwunden

Es ist schon etwas her, als mir einer meiner Nachbarn beim Heimkommen auf der Straße begegnete. Es sah aus, als kehrte er von einer kleinen Radtour zurück. Ich winkte zum Gruß, da stieg überraschend ab und erzählte mir merklich erregt, er käme vom Polizeirevier. Man hätte nachts sein Auto gestohlen! Den Diebstahl hätte er gerade angezeigt, die Versicherung wüsste auch schon Bescheid.
Ich war sehr überrascht, wir hatten hier in all den Jahren kaum derlei Vorkommnisse. Ich erinnere mich nur an vier gestohlene Radkappen vor mindestens 20 Jahren. (Übrigens auch seine.) Doch er verriet mir, dass der Nebenanfamilie einst der Wagen geklaut wurde. Auch schon acht bis zehn Jahre her. Den hätte man Wochen später in Finnland wiederentdeckt!

Sich selbst machte er keine zu großen Hoffnungen, und was ihn ganz besonders ärgerte, war die Tatsache, dass er ausgerechnet dieses eine Mal bereits am Vorabend seine komplette Golfausrüstung in den Kofferraum gepackt hatte, um morgens möglichst schnell zu einer Veranstaltung aufbrechen zu können.
Auch alles weg. Schöner Mist!

Mich beschäftigte die Sache gedanklich noch etwas, weil die hier stehenden Mietgaragen abgerissen werden und sämtliche Mietverträge zum Oktoberende gekündigt wurden. Unser Auto befindet sich daher seitdem nicht mehr in der Garage, sondern auch an der Straße.
Wenn das jetzt hier mit Diebstahl losginge, na, dann gute Nacht.

Ein paar Tage später erspähte ich einen sich nähernden Kombi gleichen Modells und gleicher Farbe, mit dem besagter Nachbar vor dem Haus einparkte.
Oh, hatte er einen Leihwagen dieser Art ergattert? Leider ließ sich das Kennzeichen aus dem Blickwinkel nicht erkennen …

Wieder zwei Tage später spazierte ich am parkenden Auto vorbei. Tatsache, sogar das alte Kennzeichen!
PKW-Anmeldungen sind momentan nur mit viel Verzögerung möglich, daher konnte ich mir in der Kürze der Zeit keinen neu erstandenen Ersatzwagen samt Wunschkennzeichen vorstellen. Hatte man den gestohlenen so schnell aufgespürt? Dann hätte er aber wirklich Glück gehabt …

Zwei Wochen darauf liefen wir uns an der Einbiegung zur Sackgasse über den Weg. Nach dem „Guten Tag!“ sprach ich ihn kurzentschlossen an:
„Na, Herr X., sagen Sie bloß, die Polizei konnte Ihr gestohlenes Auto ausfindig machen!“
Er wand sich einen Moment. Zögernd, leicht errötend vertraute er mir an:
„Mir ist das so peinlich!“ (Stellen Sie sich das „so“ mit fünf „o“ vor.)
Fragender Blick meinerseits.
„Es war überhaupt nicht geklaut! Das ist mein altes Auto, es war überhaupt nicht weg!“

Es stellte sich heraus, er hatte einen dieser Abstellplätze gehabt, bei denen das Fahrzeug im 90-Grad-Winkel zum Gehweg bzw. zur Straße steht. Links davon hatte ein großer Transporter geparkt, rechts davon auch. Die hatten ihn dermaßen eingekeilt, dass sein um einiges kürzerer Wagen dazwischen komplett verschwunden war. Er hatte ihn jedenfalls am nächsten Morgen nicht gesehen. Von seinem Standpunkt aus hatte es den Eindruck vermittelt, als stünden die beiden Transporter unmittelbar nebeneinander.

„Herr Y. (sein direkter Nachbar) kam in dem Moment auch aus dem Haus“, erzählte er weiter, „merkte mir wohl meine Aufregung an, suchte sofort mit – doch er hat auch nichts gesehen! Was mich natürlich in meinem Irrglauben bestärkte, dass Ding wäre geklaut.“

Ich musste schmunzeln. Bemühte mich, es sehr diskret hinzubekommen und versuchte, etwas Mitgefühl mit einzubauen. Da er die schlimmste Beichte bereits hinter sich hat, sprudelte es nun nur so aus ihm heraus:

„Meine Güte, was habe ich für einen Aufstand gemacht und was für ein Heiopei bei der Versicherung! Und dann hinterher“, er musste selbst lachen, „als ich den Irrtum erkannte, was bin ich da hingeschlichen! Zur Polizei, zur Versicherung … So klein mit Hut!“
Er machte eine entsprechende Geste mit Daumen und Zeigefinger.
„Wann haben Sie Ihr Auto eigentlich wiederentdeckt?“, frage ich neugierig.
„Am übernächsten Morgen. Da waren die Transporter weg, und mein Auto dafür da. So peinlich!“ (So mit sechs „o“.)
„Ach, grämen Sie sich nicht“, tröstete ich ihn. „Seien Sie froh, dass Sie Ihr Auto wiederhaben. Inzwischen ist doch sicher alles geregelt. Haken Sie die Angelegenheit einfach ab und freuen sich! Auch über die Golfausrüstung, die nie weg war.“

Er sieht es mittlerweile ebenso, nur wird sicher bei zukünftigen Vorkommnissen ähnlicher Art wesentlich genauer nachschauen, ob sich sein Auto eventuell nur „kleingemacht“ hat.

Aber ist es nicht sympathisch, dass er sein temporäres Blindsein und seine Verlegenheit eingestand und sich nicht zur Ehrenrettung irgendwelche hanebüchenen Stories für die Mitmenschen ausdachte?

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© by Michèle Legrand, Januar 2021

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