Beiträge getaggt mit Verhalten von Säuglingen

Kuzwidu – weil die Lava noch Zeit braucht …

Manche Irrtümer halten sich hartnäckig. Eine der partout nicht auszurottenden Aussagen ist diese:
„Säuglinge schlafen die meiste Zeit.“

Im Fall von Baldriandoping mag das vielleicht noch angehen, es kann sogar sein, dass es unter den Winzlingen die ein oder andere ausgemachte Schlafmütze gibt, die anfangs sogar zum Trinken ständig geweckt werden muss! Das Gros der Babys jedoch ist schon nach wenigen Wochen ausgesprochen durchhaltefähig und mit einem bereits beachtlichen Dickkopf ausgestattet. (Ich rede vom Willen, nicht von der Stoßfestigkeit.)
Falls dieser Babyeigensinn nicht sowieso generell da ist, so blitzt er garantiert sehr deutlich in der Zeit auf, in der eine andere Person babysittet. Denn der gelegentliche Babysitter weicht unwissentlich von ersten, bereits liebgewonnenen Gewohnheiten ab und fordert damit umgehend Protest heraus.
Glauben Sie mir, ich spreche gerade aus Erfahrung!

Bei meiner gut vier Wochen alten Enkelin stand abendliches Einhüten an. Die Gedanken kreisten vorher ein wenig um den Ablauf.
Hm, abends? Und mehrere Stunden? Davon wird die kleine Dame sicher einen Teil der Zeit verschlafen.
(Ach, wirklich? An dieser Stelle müssten Sie jetzt eigentlich schon einen ohrenbetäubend lauten, penetrant quäkenden Alarmton hören. Falsch! Irrtum! Doch ich sann munter weiter.)
Ich könnte meinen Laptop mitnehmen. Vielleicht bleibt Zeit zum Schreiben. Moment, wie lange hält der Akku maximal? Ich sollte lieber noch das Netzkabel dazu einstecken. Nicht, dass ich aufhören muss, nur weil die Energie ausgeht …

Die kleine Lady war wach bei der Ankunft und hatte gerade gespeist. Es soll vorkommen, dass die Kleinen danach erst einmal geschafft sind und ein längeres Nickerchen einschieben. Nicht sie, sie blieb wach.
Auch schön, so konnten wir uns richtig begrüßen und hatten gleich mehr voneinander.
Ihr Papa ließ mir vor Verlassen des Hauses sogar die Zugangsdaten fürs heimische WLAN dort.
Falls ich ins Internet wollte, sobald Mademoiselle ruhte …

Ich verrate Ihnen etwas: Wir beide hatten vier recht lebhafte Stunden an diesem Abend, und der Laptop schaffte es daher noch nicht einmal aus seiner Schutzhülle! Ich benötigte meine Hände und Aufmerksamkeit anderweitig. Ständig. Von Anbeginn bis zur letzten Minute.
Das zusätzlich mitgenommene Netzkabel wand sich vor Lachen!

Eigen ist den Jüngsten ja auch ein sehr rapider Stimmungswechsel. Eben noch freundlich, zeigt sich Sekunden später eine verdammt tragische Miene, und der interne Lautsprecher wird entsprechend aufgedreht. Was eben noch toll war, ist jetzt doof. Die Gesichtsfarbe wechselt abrupt von hell zu dunkelrot. Vergiss jegliche Planung, und was bitte sind feste Essenszeiten? Der Hunger hält sich nicht daran. Er meldet sich häufig und kommt von einer Sekunde zur anderen; ist dann offenbar sofort schier unerträglich.
Man kann als Baby übrigens in eine gerade neu erhaltene, frische Windel viel besser etwas Anständiges reinmachen, als kurz zuvor in die alte … Ist ja auch mehr los, wenn der Babysitter zehn Minuten später erneut mit einem zur Wickelkommode marschiert. Wo wieder Platz im Darm ist, ist auch welcher im Magen. Hunger!

Man bräuchte jetzt drei oder besser vier Hände, um ein dramatisch rot anlaufendes Baby zu besänftigen, das sich steigernde Gebrüll auf einem mittleren Level zu halten und gleichzeitig für die neue Nahrung zu sorgen. Man singt beruhigend sämtliche Kinderlieder von früher in Endlosschleife, man füttert, wickelt, schleppt die Nachkommenschaft Kilometer wippend und schunkelnd durch die Wohnung oder verhält sich komplett ruhig –
je nachdem, wie es gerade genehm ist.
Die Kleine täuschte zwei- bis dreimal einen Scheinschlaf vor. Sie hat mich wirklich damit ausgetrickst. Diese Powernaps dauerten allerdings jeweils maximal drei Minuten, und danach ging das Programm wieder von vorne los.

Fazit des Abends: Vergessen Sie den Unsinn von ständig schlafenden Säuglingen, und glauben Sie vor allem nicht daran, dass sie es tun, wenn Sie zum Babysitten erscheinen!
Der Nachwuchs macht es höchstens dann, wenn den Eltern ausnahmsweise einmal daran liegen sollte, dass ihr Baby unbedingt dieses eine Mal eine bestimmte Zeit wach bleiben möge. Allein das dringende Anliegen alarmiert umgehend das Sandmännchen, wirkt wie eine Einschlafpille und garantiert für die nächsten drei bis vier Stunden Tiefschlaf.

Es lief also etwas anders, jedoch insgesamt recht gut mit uns beiden. Menschlich gesehen. Mädels unter sich halt. Und falls nach irgendeinem Plan, dann nach ihrem. Wobei ich eher vermute, sie handelte völlig willkürlich. Nach Instinkt und momentaner Befindlichkeit. Wäre da nicht die noch mangelnde Sprachkenntnis, hätte sie mir manches einfach sagen können. Nun, es dauert noch ein wenig, und bis dahin müssen wir uns so durchwurschteln. Wird schon.
Sie hat mich ja sowieso schon um den Finger gewickelt, egal, was für ein kleiner Quakbüdel sie zwischendurch hin und wieder ist. Immerhin habe ich für unser Date mein wöchentliches Steppen ausfallen lassen, und das will schon etwas heißen!
Der Energievorrat des Laptops war tatsächlich nie gefährdet, allerdings zeigte mein eigener Akku beachtlichen Verbrauch an. (Man fühlt sich hinterher geforderter als nach dem Stepptanztraining!)

Was an diesem Abend indes rein gar nicht klappte, war das beabsichtigte Schreiben am oder Vorbereiten der Fotos für den ursprünglich vorgesehenen Post hier im Blog. Das weihnachtliche Hamburg wäre es gewesen … Prioritäten, Sie verstehen? Enkelin vor Blog.
Dies hier ist lediglich kurz zwischendurch, da die Langvariante noch nicht fertig ist. (Siehe Überschrift.)

Wussten Sie eigentlich schon, welcher gravierende Unterschied zwischen Babys und beispielsweise den Urgroßeltern besteht? Nicht äußerlich! Ich meine vom Empfinden her!
Babys finden es gut, wenn gedämpftes, schummriges Licht herrscht. Nicht, dass man etwa einschlafen wollte, Gott bewahre! Nein, es reicht ihnen und ihren Augen völlig aus. Ist gemütlicher. Außerdem gibt es interessante Licht- und Schatteneffekte an den Wänden.

Wie hingegen die Generation der Urgroßeltern das gern hätte, verriet mir unbeabsichtigt meine Mutter während eines kleinen Telefonats anlässlich des 1. Advents am vergangenen Sonntag. Das Gespräch kam irgendwann auf den Adventskranz.
„Na, Mama, habt ihr auch schon ein Licht angemacht?“
„Nee, alle.“
„Alle vier?“
„Ja, wir sind alt. Wir brauchen mehr Licht.“

Sie können das mit dem Licht jetzt natürlich halten, wie Sie wollen. Wenn Ihr Alter respektive das Ihrer Augen irgendwo dazwischen liegt, passt es doch exzellent, dass am kommenden Sonntag immerhin schon ganz regulär zwei Adventskerzen angezündet werden dürfen.
Lassen Sie es sich gut gehen!
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© by Michèle Legrand, Dezember 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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