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Didn’t It Rain? – Hugh Laurie und die Copper Bottom Band in der Hamburger Laeiszhalle

Sie hatten zuletzt Mailand, Budapest, Graz und Bratislava besucht und auf dem Tourneeplan folgen nach Mannheim Polen und Norwegen (Notodden Blues Festival 2014). Doch am vergangenen Donnerstag (24.07.2014) gaben sich Multitalent Hugh Laurie und seine sieben Mitstreiter – Gastsänger sowie exzellente Musiker der Copper Bottom Band – ein weiteres Mal in Hamburg die Ehre und erfreuten ihr Publikum in der voll besetzten Laeiszhalle. Ein Publikum, das die Musiker nach mehr als zweieinhalb Stunden mitreißenden Konzerts (ohne Pause!) begeistert feierte und lautstark um Zugabe bat.

Bühne Laeiszhalle, Hamburg - 24.07.2014 - Vorbereitungen für das Konzert mit Hugh Laurie und der Copper Bottom Band

Bühne Laeiszhalle, Hamburg – 24.07.2014 – Vorbereitungen für das Konzert mit Hugh Laurie und der Copper Bottom Band

Am 27. April 2011 trat der Mann, den viele zunächst nur als Schauspieler und das auch erst durch seine Rolle als Dr. Gregory House in der insgesamt acht Staffeln umfassenden US-Krankenhausserie HOUSE wahrnahmen und schätzen lernten, bereits ein erstes Mal als Sänger in der Hansestadt auf. Damals stellte er im Café Keese auf der Reeperbahn sein soeben erschienenes Debütalbum „Let Them Talk“ vor. Hugh Laurie präsentiert seinem Publikum darin eine Auswahl recht bekannter New-Orleans-Blues-Songs aus den vergangenen 100 Jahren. Ganz genau genommen handelt es sich um 15 als klassisch zu bezeichnende Gospel-, Blues- und Jazz-Standards mit viel Seele, die ein ganz besonderes Lebensgefühl vermitteln. Ihm und seiner Band gelang es bereits seinerzeit, diese Musik überaus authentisch zu präsentieren. Seinem Publikum gefiel es, die Anzahl der Konzertbesucher wuchs und daher war es nur natürlich, dass ein weiterer Auftritt in Hamburg bereits im Folgejahr, am 15. Juli 2013, diesmal im größeren Rahmen, nämlich als Open-Air-Konzert auf der Stadtparkbühne stattfand.
Währenddessen erschienen war allerdings – bereits im Mai 2013 – Album Nummer zwei mit dem Titel „Didn’t It Rain?“ Auf diesem Album erweitert und ergänzt Hugh Laurie sein Repertoire, nimmt mehr Einflüsse des Jazz wie auch des Rhythm and Blues und des Tangos mit hinein.Mit diesem Programm nun wartete er, erneut begleitet von der Copper Bottom Band, in der Laeiszhalle auf.
Wer sich fragte, ob Laurie als alleiniger Gesangssolist agieren würde oder überlegte, welchen Stellenwert die Band wohl hätte, dem wurde sehr schnell klar, dass die überaus talentierten und motivierten Musiker und (Gast-)Sänger eindeutig nicht nur eine Hintergrundrolle spielen würden. Drei Damen und vier Herren, die vielmehr eindrücklich bewiesen, wie enorm vielseitig, energiegeladen, stimmgewaltig und höchst professionell sie sind.
Gastsängerin Jean McClain (bekannt unter dem Namen Pepper Mashay) sei hier erwähnt (“I hate a man like you”), ebenso Gaby Moreno, die beim Sologesang, jedoch auch im zweisprachigen Duett mit Hugh Laurie (englisch/spanisch) ihr Können eindrucksvoll unter Beweis stellte (“Kiss of Fire”, “The Weed Smoker’s Dream”) und nebenher einige Titel auf der Gitarre begleitete.
David Piltch (Kontrabass), Elizabeth Lea (Posaune), Vincent Henry (Alt- und Tenorsaxofon, Klarinette, Mundharmonika) Herman Matthews (Schlagzeug) and Mark Goldenberg (Gitarre und Akkordeon) hatten während des gesamten Abends immer wieder Gelegenheit, ihre Klasse an den Instrumenten zu demonstrieren und erhielten dafür hochverdienten Zwischenapplaus.
Während der Songs staunte der Zuhörer, welch unterschiedliche Klänge den Instrumenten entlockt wurden. Bewunderung für David Piltch, der seinen Kontrabass durchaus wie eine singende Säge klingen lassen kann oder eine Elizabeth Lea, die mit ihrem Instrument schier verwächst und die Posaune so bespielt, dass einem spontan der Gedanke an einen sich heranschleichenden und abrupt losbrüllenden Tiger überkommt. Nicht minder genial die anderen Herren.
Dass die Männer der Band ebenfalls singen können zeigt sich, als sie zu viert mit Hugh Laurie und nur unterstützt durch seine Gitarrenbegleitung vor einem Mikrofon alten Stils „Up The Lazy River“ interpretieren.

Hugh Laurie selbst hält an diesem Abend alles geschickt zusammen. Die Fäden und seine Mitstreiter, ist quasi Vater der Band(e). Ein humorvoller Conférencier, Pianist, Gitarrist, Sänger, der sogar Tanzeinlagen – u. a. einen Tango mit Gaby Moreno – bietet!
Wer ihn außer in seiner Rolle als grummelnder, wahrheitsliebender und höchst eigenwilliger Dr. House bisher nicht kannte, der ahnt vielleicht nicht, dass er wesentlich facettenreicher ist, in ernsten wie amüsanten Filmen mitwirkte, extreme Vielseitigkeit zeigt und bereits in jungen Jahren Comedy in feinster Form zur Aufführung brachte. Während der Studienzeit in Cambridge als Mitglied der „Cambridge Footlights“ (Sketche und Stand-up-Comedy, u. a. mit Emma Thompson und seinem bis heute guten Freund Stephen Fry), später sehr erfolgreich (ebenfalls mit Fry) in der BBC-Sketchserie „A bit of Fry and Laurie“.
Bereits dort griff er zur Gitarre, saß am Piano und sang (wie nach vier Staffeln „A bit of Fry and Laurie“ auch in der Serie „Jeeves & Wooster“).
Man fühlte sich an diese Zeit erinnert, als der Brite zwischen den Songs seine verbindenden Ansagen machte, auf Zwischenrufe einging, auf Plüschtier-Geschenke reagierte und seine Mimik spielen ließ. Diese Einlagen minderten einerseits in keiner Weise die Ernsthaftigkeit des Konzerts, verhalfen andererseits jedoch zu einem sehr heiteren, unbekümmerten Abend, an dem Künstler wie Zuschauer offensichtlich gleichermaßen Spaß an der Mischung aus gefühlvollen Bluesrhythmen und entspanntem Geplauder zu haben schienen.
Dass er sein Publikum auch allein mitziehen kann, bewies er, als die Band für eine Einzeldarbietung des Briten die Bühne verließ und dieser – sich  am Piano begleitend – den Raum absolut beherrschte. Ungeteilte Aufmerksamkeit für ihn und „Louisiana 1927“, einem Lied, in dem es um die Überflutungen im Jahre 1927 und auch darum geht, was die Natur dem Menschen antun kann. Stille im Saal, derart, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können …

Gibt es eigentlich irgendetwas zu bemäkeln?
Nun, hätte Hugh Laurie sein für diesen Abend auserwähltes Sakko in einer der ersten Folgen von Dr. House getragen, wäre die Serie mit großer Wahrscheinlichkeit bereits nach der ersten Staffel abgesetzt worden.
Wäre es um den ersten Preis für das technisch beste Mikro und die exzellenteste Tonqualität (Abmischen, Klarheit/Deutlichkeit) gegangen – auch dafür hätte an diesem Abend leider keiner Trophäen einheimsen können.
Wenn es allerdings um Musikalität, Auswahl und Darbietung der Lieder, Authentizität, Zusammenspiel, Einsatz, Herzblut, Atmosphäre etc. geht – dann haben Hugh Laurie und seine Kollegen haushoch gewonnen. Bereits während des Konzerts hielt es die Besucher mehrfach nicht auf ihren Sitzen. Am Ende des Abends ließen sich die so begeistert Gefeierten unter großem Jubel zu sage und schreibe vier(!) Zugaben hinreißen. So schafft man sich Freunde!
Was sagte Mr. Laurie doch gleich noch über Hamburg?
„Hamburg is such a groovy place!“

Ein lohnenswerter Besuch, ein gelungenes Konzert, ein sehr schnell vergangener, kurzweiliger und überaus vergnüglicher Abend.
Hugh Laurie und Band dürften hier jederzeit wieder überaus gern gesehene Gäste sein.
Karten sollte man sich beim nächsten Konzert tunlichst sehr zeitig sichern!

©Juli 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand

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Den „Wandsbeker Winterzauber“ hier einmal als Beispiel genommen: Was braucht es, um Zauber zu entfalten?

Wandsbeker Winterzauber 2012  - Abteilung Süßes direkt am Abgang zur U-Bahn

Wandsbeker Winterzauber 2012 – Abteilung Süßes direkt am Abgang zur U-Bahn

Er ist gut gemacht … Doch … Nein, wirklich! … Nur …

Genau dieses zögerliche Beurteilen ist heute an der Reihe. Warum gefallen einem Dinge, die vordergründig reizvoll sind, auf einmal nicht so richtig?
Warum scheint es ihnen an Ausstrahlung zu fehlen? Wo versteckt sich ihr angekündigter Zauber? Gibt es ihn? Ist man nur blind oder zu verwöhnt?

Vorweg: Mir liegt es fern, Sie zu verwirren! Es geht im Endeffekt zu einem großen Teil um den Wandsbeker Winterzauber. Und ich bin durchaus pro eingestellt! Doch es geht nicht um ihn ausschließlich!
Ich möchte ihn heute vielmehr als Beispiel nutzen, um die Fragen oben – aber auch andere – ein wenig zu beleuchten. Es gibt folglich eine kleine Anlaufkurve auf dem Weg zum Winterzauber, und wer nur Eindrücke von vor Ort sucht, der scrolle doch bitte einfach zu den Fotos weiter und achte auf die hinweisenden Zwischenüberschriften.
Alle anderen, die mit mir ein paar Gedanken austauschen möchten, bleiben bitte an meiner Seite.

Zauber und zauberhaft
Wann und ob wir etwas als zauberhaft empfinden, hängt nicht allein von dem Hauptbestandteil einer Sache ab.
Ein Beispiel:
Angenommen, Sie würden Ihren Sommerurlaub am Nord- oder Ostseestrand verbringen. Was brauchen Sie, was ist wichtig?
Man könnte denken, der maßgebliche Hauptbestandteil wäre der Urlaub. Gut, Sie müssen frei bekommen, aber ansonsten? War es das?
Nein? Was dann?
Der Ort?
Für den Zauber spielt auch er nicht die alles entscheidende Rolle.
Doch wann ist die Chance am größten, dass Sie von einem idealen Urlaubsort, einem Traumstrand, von einem rundherum zauberhaften Sommerurlaub schwärmen würden? Und das selbst angesichts der Tatsache, dass es eigentlich ein kleines, unscheinbares Kaff ist – ebenso der Strand und alles andere wirklich durchschnittlich, unauffällig. Nicht weltbewegend oder aufregend.
Richtig! Wenn Sie für Ihren Sommerurlaub auch die Sommermonate wählen und Sie dabei entsprechendes Sommerwetter genießen!
Wenn es warm ist, die Sonne Ihre Nase kitzelt, Sie barfuß mit den Zehen den feinen Sand am Strand umgraben, sich leicht nach Luft schnappend (das Wasser ist halt doch etwas frisch) in die Fluten stürzen, Sie aufgrund der herrschenden Hitze den Speiseeis- respektive Mineralwasserabsatz ankurbeln und wenn Sie Ihren Strandkorb als Sonnen- und nicht als Regen- oder Kälteschutz benutzen.
All das hebt ihre Stimmung, schafft eine schöne Atmosphäre und lässt Sie positiv bewerten. Selbst wenn Ihnen ein Urlaubstag dazwischen nicht alles erfüllen kann, bleibt die positive Einstellung erhalten.

Nehmen Sie bitte außerdem an, Sie durchquerten auf dem Heimweg von der Ostsee Hamburg, pausierten und spielten mit dem Gedanken, sich die legendäre Reeperbahn anzusehen.
Wann ist hier die Chance am größten, dass Sie Atmosphäre spüren, die Luft ein bisschen knistert und Sie die bunten Leuchtreklamen beeindrucken? –
Also die Leuchtreklamen Sie, nicht Sie die Leuchtreklamen …
Richtig! Höchstwahrscheinlich abends, nachts – auf jeden Fall bei Dunkelheit!
Da entfaltet sich auf einmal der Zauber.

Und Ihre Weihnachtsdekoration?
Die kilometerlangen Lichterketten, beleuchteten Elche und Schlitten? Der sich abseilende Weihnachtsmann mit Lichtschlauch, der an Ihrem Balkon baumelt? Die Fensterbilder?
Wann wirken die?
Am Tag, wenn Sie den ganzen Kabelsalat und sonstiges Plastik sehen?
Falsch!
Richtig ist, auch hier warten Sie auf den Moment, in dem das Tageslicht sich verabschiedet und all die Lampen, Lichter und Kerzen die Vorherrschaft übernehmen, dafür sorgen, dass Ihre Umgebung gleich ganz anders wirkt.
Zauberhaft.

Was hat das alles mit dem Wandsbeker Winterzauber zu tun?
Mit ihm ist es im Grunde ganz genauso.  Auch bei ihm braucht es bestimmte Voraussetzungen, damit sich sein Zauber entfaltet. Es gilt dasselbe Prinzip.
Alles hat seine Zeit!

Die Entwicklung: Wandsbeker Winterzauber – das war doch früher …
Entwickelt hat sich der Wandsbeker Winterzauber aus dem ehemaligen, dem traditionellen Weihnachtsmarkt, der ursprünglich immer zur Adventszeit startete, wenn Volkstrauertag und Totensonntag hinter uns lagen, der Nebel trüber Novembertage vergessen war und alles langsam festlich wurde.
Sobald der Countdown lief, nämlich das Anzünden der Adventskerzen, öffnete der weihnachtliche Markt als Adventszeitbegleiter.
Nur mit jedem Jahr entdeckte die Wirtschaft (nicht nur in Wandsbek!) mehr und mehr, wie zauberhaft es wäre, wenn das Geschäft schon eher liefe, gierte, dass der Rubel früher rollte.
Die Dominosteine und Stollen tauchen jede Saison zeitiger auf. Irgendwann wird es sie zeitgleich mit den Osterhasen geben.
Die Glitzerbäume und Girlanden in den Läden entwickeln sich allmählich zum Halbjahresschmuck, lediglich kurzzeitig unterbrochen von baumelnden Valentinsherzchen, bunten Ostereiern oder Plastikkürbissen.
Anfangs waren die Proteste gewaltig, später immer noch erheblich und heute? Langsam haben wir uns offenbar daran gewöhnt und sind es einfach leid, uns ständig wieder aufzuregen. Der Boykott von Printen im September war vergebens, ebenso das Ignorieren des Stollens im Oktober. Hartnäckig wird die Ware weiterhin bei noch sommerlichen Temperaturen zu Pyramiden aufgestapelt, und irgendwann hat man uns weichgekocht.
Steter Tropfen höhlt den Stein.
Resignation.
Bringt ja doch nichts …
Ein letztes, halbherziges Murren über das Lametta, das einem im Oktober am Eingang durchs Gesicht wischt – Ende des Aufbäumens.

Dieses Verhalten ermuntert dummerweise gleich wieder den nächsten forschen Unternehmer dazu, sein Rentier noch einige Tage eher als im Vorjahr ins Fenster zu stellen.
Und sein Vorpreschen?
Seine Aktion ist Freibrief oder Startschuss für die Restlichen seiner Zunft!
Man sieht förmlich den Fingerzeig auf das schwarze Schaf und hört sie aufgeregt haspeln:
Der hat ja auch schon …! Wir hätten doch sonst nie!
Jedes Jahr wird wahrscheinlich einer auserwählt, der den Buhmann spielen darf. So wie die Tankstellen als Preisvorreiter sich auch ablösen …

Wir halten fest:
– alles beginnt immer eher
– der Handel macht ziemlich, was er will
– alles vermischt sich
– das Timing stimmt nicht mehr

Der Wandsbeker Winterzauber ist eine schöne Idee. Darüber gibt es keinen Zweifel, und ich möchte ihn, seine Existenz, überhaupt nicht in Frage stellen!
Ich stelle mir nur gelegentlich die Frage, was es oder er genau sein soll. Immer noch eine Art Weihnachtsmarkt in ausgedehnter Form unter Verzicht auf diese Bezeichnung, weil man sich wenig um die wirkliche Weihnachtszeit schert? Weil es sich so neutraler anhört, sich unbekümmert mehr dazumixen lässt? Stellt die neue Variante möglicherweise ein multifunktionales November-Dezember-Januar-Potpourri dar?
Oder kann man sich vielleicht nicht entscheiden? Möchte man möglichst von allem etwas haben und anbieten?
Ist es etwa so, dass man etwas anderes tun muss, um sich abzuheben? Um Publikum anzuziehen?
Was zieht denn Publikum an?

Der Wandsbeker Winterzauber speziell in diesem Jahr …
Es entstand wie im Vorjahr wieder eine Art Bergdorf aus Holzhütten, aufgebaut auf dem Wandsbeker Marktplatz, schön geschmückt, mit vielfältigem Angebot. Die abwechslungsreiche Verköstigung ist gesichert (in allen möglichen Varianten von süß bis deftig), es gibt zahlreiche kalte und heiße Getränke für fast jeden Geschmack, für Groß und Klein.

Es wird auch für Unterhaltung gesorgt, denn die etwa 400 qm große Schlittschuhbahn („Like-Ice“, umweltschonend) wurde erneut aufgebaut. Mit täglicher Disco on Ice ab 10.00 Uhr vormittags oder der Aktion After Work on Ice von Montag bis Freitag ab 17.00 Uhr.

Wandsbeker Winterzauber - Ein Blick auf die Like-Ice-Schlittschuhbahn mit dem abgeteilten Bereich fürs Curling. Links schließt sich die Panorama-Terrasse an.

Wandsbeker Winterzauber – Ein Blick auf die Like-Ice-Schlittschuhbahn mit dem abgeteilten Bereich fürs Curling. Links schließt sich die Panorama-Terrasse an.

Für die Kinder gibt es ein Kinderkarussell mit vielen Fahrzeugen sowie das Haus des Nikolaus. Sogar die Zahl der Buden wurden in diesem Jahr erhöht. Es gibt zusätzlich jeweils einen Stand mit Kerzen, Gewürzen, Mützen und eine Hütte mit etwas skurrilem Kunstgewerblichen.

Wandsbeker Winterzauber - Kinderkarussell - Blick Richtung ZOB Wandsbek

Wandsbeker Winterzauber – Kinderkarussell – Blick Richtung ZOB Wandsbek

Wandsbeker Winterzauber - Kinderkarussell

Wandsbeker Winterzauber – Kinderkarussell

Wandsbeker Winterzauber - Neu in diesem Jahr: Mr. Magorius Wunderladen mit teilweise recht skurrilen Dingen ...

Wandsbeker Winterzauber – Neu in diesem Jahr: Mr. Magorius Wunderladen mit teilweise recht skurrilen Dingen …

Ein weiteres großes Plus: Der von mir oft kritisierte Gestank durch die Räucherschwaden des sonst mitten auf dem Platz befindlichen Schwenkgrills wurde fast ausgeschaltet, indem die Schwenkbraterei  diesmal eine eigene Holzhütte am Ende des Platzes Richtung ZOB bekam.
(Dort hat er gefühlt jedoch weniger Kundschaft)

Wandsbeker Winterzauber - Die Schwenkbraterei mit dem Schwenkgrill erstmalig mit Hütte direkt am ZOB zu finden ...

Wandsbeker Winterzauber – Die Schwenkbraterei mit dem Schwenkgrill erstmalig mit Hütte direkt am ZOB zu finden …

Es gibt noch mehr hervorzuheben, vor allem die Kunst, alles besonders eindrucksvoll zu benennen.
Das ist freundlich gemeint, nicht gehässig!
Bekannt ist von früheren Veranstaltungen natürlich die Almhütte, in der ausgekühlte Winterzauber-Besucher einkehren und auftauen können.
Sie wird gut angenommen.

Wandsbeker Winterzauber - Am Abend füllt es sich - Die Almhütte

Wandsbeker Winterzauber – Am Abend füllt es sich – Die Almhütte

Seit letztem Jahr haben Sie als Besucher auch einen sagenhaften Rundblick. Wenn sie waghalsig ein bis zwei hölzerne Stufen nahe der Schlittschuhbahn erklimmen, sind Sie nämlich auf dem Unterdeck der sogenannten Panorama-Terrasse, die selbstverständlich auch ein Oberdeck hat!
Was können Sie da nicht alles sehen!
Wenn Fernsicht herrscht in den Wandsbeker Bergen …
Oder zumindest freie Sicht, denn meistens steht jemand neben Ihnen oder Sie sehen – dort wo sie stehen – nur in eine Richtung, da ein Hüttenaufbau Ihnen im Weg ist.
Sie haben somit ein halbhohes Teilpanorama.
Über weite, vereiste Felder … Nein, Korrektur, über die überschaubare „Like-Ice“- Schlittschuhbahn.
Ist aber auch schön!
Ich liebe nur diese Begriffe …

Wandsbeker Winterzauber - Ein Blick am Tage über den Platz Richtung EKZ QUARREE. Gut zu erkennen, die Panorama-Terrasse mit Unter- und Oberdeck.

Wandsbeker Winterzauber – Ein Blick am Tage über den Platz Richtung EKZ QUARREE. Gut zu erkennen, die Panorama-Terrasse mit Unter- und Oberdeck.

Wie läuft es beim Wandsbeker Winterzauber? Wie ist der Eindruck? Herrscht Andrang? Wie kommt der frühe Start an? Wer kommt zum Winterzauber?
Es startete mit einer schwungvollen Eröffnungsfeier am 09. November, zu dem u. a. hübsche Mädchen (die Ice Girls) auf der Eisfläche auftraten. Man bereitete sich und die Besucher auf ca. acht Wochen zauberhaften Winter vor.
Es sieht – besonders am Abend – sehr ansprechend aus. Und trotzdem …
Mein Weg führt quasi jeden Tag am Wandsbeker Marktplatz vorbei. Egal zu welcher Zeit, der Zulauf war anfangs eher zaghaft.
Wurde es besser?
Ich habe zwei Wochen mit meinem Blogpost gewartet, um einen besseren Eindruck zu bekommen . Ich bilde mir wirklich ein, der November kann bisher hinsichtlich des Besucheraufkommens als recht mau bezeichnet werden.

Woran mag es liegen?
Während der Errichtungsphase Ende Oktober hatten wir anfangs noch sehr milde Tage. Wer sich erinnert: Am 19. Oktober herrschten sommerliche Temperaturen, die höchsten im Oktober seit Aufzeichnung!

Wandsbeker Winterzauber - Der Wegweiser: Weihnachtsmann mit Laden im unteren Bereich

Wandsbeker Winterzauber – Der Wegweiser: Weihnachtsmann mit Laden im unteren Bereich

So wurde hier und da Protest laut über die extrem frühen Aufbauaktionen und vor allem das arg verfrühte Auftauchen des meterhoch gen Himmel ragenden Riesenweihnachtsmannes, der mittlerweile zum ständigen Wahrzeichen des Winterzaubers erkoren wurde und – sehr nützlich – den Besuchern schon von weitem den Weg weist.
Was alle empfinden, nämlich, dass Weihnachtsdekoration im Oktober verfrüht ist und sich einfach noch kein Christmas-Feeling einstellt, dieses Empfinden tritt beim Anblick des eindeutigen Weihnachtssymbols besonders zu Tage. Während Lichterketten bereitwillig toleriert werden, wurde über diesen bärtigen Genossen im roten Mantel wirklich gemurrt!
Die Folge: er bekam kurzerhand für die restlichen Tage bis zur Eröffnung eine weiße Hülle über sein Haupt gestülpt …

Die überschaubare Anzahl von Schlittschuhläufern, insbesondere Kindern, hängt weniger mit der aus Kunststoff nachempfundenen Eisfläche zusammen (die immer noch nicht alle mögen), als vielmehr damit, dass durch die langen Unterrichtszeiten in den Schulen, heute fast gar kein schulpflichtiges Kind mehr am frühen Nachmittag zum Laufen kommen kann. Sie haben als Schlupfloch die Zeit zwischen Schulende und Dunkelheit und verlegen ihre Aktivitäten häufig auf das Wochenende. Ausnahmen bilden Klassen, die dort gemeinsam einen Besuch planen – während der Unterrichtszeit. Doch das ist nicht der Regelfall.

Bisher nutzen auch relativ wenige Erwachsene das Eisvergnügen. Ich sehe eher ab und zu Besucher, die Curling spielen, als welche, die sich Schlittschuhe umschnallen. Wenn, dann sind es Väter oder Mütter in Begleitung ihres jüngeren Nachwuchses.

Man sieht weiterhin extrem wenig ältere Menschen dort verweilen. Wenn ich jemanden begegne und frage, wie es ihm gefällt, folgt als Reaktion der Hinweis, dass die Bänke fehlen. Sie sind nicht zugänglich im Moment.  Und man fühle sich etwas fehl am Platz. Es wäre ja sonst keiner da (in dem Alter). Man ginge einmal hin und zurück – das war es. Und abends spät schon gar nicht …

Gegen Abend und am Wochenende wird es belebter. Gut besucht sind dann die Stände mit Getränken und Essbarem. Das Angebot wird gern angenommen, der Marktplatz ist zudem um diese Zeit Treff für Freunde oder Bekannte. Grüppchenbildung ist zu erkennen.

Warum trotzdem das Gefühl, früher war mehr? Mehr Flair, mehr Seele, mehr Leute!
Mir kommt es fast vor, als würde die Tatsache, dass der Winterzauber über so viele Wochen läuft, nicht wenige Menschen davon abhalten, sofort hinzugehen.
Es ist ja noch viel Zeit …

Für die Veranstalter werden sicher viele Argumente eine Rolle gespielt haben oder der Auslöser gewesen sein, sich für diese Dauer zu entscheiden – abgesehen von dem Wunsch, das Weihnachtsgeschäft zu verlängern.
Einige Vermutungen:
Der Aufwand (Aufbau!) muss sich lohnen. Je länger etwas genutzt werden kann, desto besser rechnet es sich. Es wird profitabler.
Nur richtig profitabel wird es erst dann, wenn es auch genutzt wird …
Die Bevölkerung soll länger eine Attraktion vorfinden, länger ihr Vergnügen haben.
Nur über eine Dauer von gut acht Wochen ist auch hier zu bedenken, dass Menschen sich dann gern bereits wieder langweilen – wenn nicht immer neue kleine Highlights den weiteren Ablauf begleiten.
Wir schaffen schon im November ein Programm! Ein Kontrastprogramm zu den traurigen Tagen. Zur Ablenkung. Gegen das trübe Wetter, gegen den Hang zu Depressionen, etc. …
Sollte dies zutreffen, so ist es äußerst löblich. Es erfordert allerdings auch ein wirkliches Programm neben dem Hinstellen und acht Wochen später wieder Abbauen von Dingen. Und es gibt eine Sache, die nicht unterschätzt werden darf, die immer wieder enormen Einfluss darauf hat, ob etwas eher als Erfolg oder Nichterfolg wahrgenommen wir – und zwar unabhängig davon, wie sorgfältig und einfaltsreich die sonstige Planung verlief:
Man wird immense Schwierigkeiten haben, für konstante Zufriedenheit zu sorgen, wenn ein Event unter einem Namen an den Mann gebracht wird, der schwer halten kann, was er verspricht.
Winterzauber!
Erinnern Sie sich an den Anfang des Blogposts?
Den gelungenen Sommerurlaub?
So wie Sie dort Sonne und Wärme brauchen und beides im Zusammenhang mit dem Begriff Sommer erwarten, so sieht ihre Hoffnung auch aus, wenn Sie zum Winterzauber gehen.
Es soll gefälligst Winter sein!
Genau davon hängt letztlich der Zulauf ab. Solange der Umstand nicht eintritt, kann sich der Zauber nicht erfüllen.
„Zum Winterzauber gehe ich erst, wenn Winter ist!“
Das sagte mir mehr als nur einer, und das Verhalten der Menschen ist tatsächlich entsprechend!
Sobald die Temperaturen sinken, der Himmel klar wird, die Sonne sich durchmogelt – schon sind sie da.
Zeigen sich zusätzlich leise rieselnde Schneeflocken, nähert sich Weihnachten wirklich, ist die Zeit gefühlt reif für Weihnachtslieder aus quäkenden Lautsprechern … ja, dann beginnt in der Tat der Winterzauber.

Nun ist selbst der beste Veranstalter nicht in der Lage, das Wetter zu beeinflussen. Er kann nur bestmöglich planen.
Er muss grundsätzlich von den schlechtesten Bedingungen ausgehen und Möglichkeiten schaffen, sich beispielsweise vor schlechter Witterung zu schützen. Missliches Wetter darf den Besucher nicht von vornherein davon abhalten zu kommen!
Beim Winterzauber hat man (im Gegensatz zum Sommerevent) daran gedacht – die Möglichkeiten sind gegeben.
Er sollte ebenfalls über ein Bündel an Alternativen nachdenken, Programmpunkte berücksichtigen, die selbst bei trübem Wetter, Regen und Matsch machbar sind und nicht etwa buchstäblich ins Wasser fallen.
Vielleicht ließen sich Aktivitäten einbauen, die in den Hütten (vorhandenen wie z. B. der Almhütte oder auch einer zusätzlichen) ausgeführt werden können. Spiele, Quiz-Runden, Lesungen/Märchenstunde, Kinderstunde/Malen, Kaffeezeit für Ältere, Podium für junge Künstler, Themenabende u. v. m.
Ich höre schon die Proteste:
Ja, aber die Kosten!
Kosten entstehen auch, wenn keiner kommt!
Man kann nicht nur etwas hinstellen. Es muss auch mit Leben erfüllt werden!

Fazit:
Wir haben in Wandsbek eine im Prinzip schöne Veranstaltung, die den sonst leeren Marktplatz in der etwas trostlosen Jahreszeit bunter und freundlicher wirken lässt, die Menschen anzieht. Ein Angebot, das auf seine Art besonders ist, weil es nicht überall mitten in der Stadt ein Hüttendorf mit der Möglichkeit zum Eislaufen gibt!
Aber:
Selbst wenn die Like-Ice-Schlittschuhbahn aufgrund ihrer Beschaffenheit umweltschonend und nicht wetterabhängig ist – das Event ist es (wie auch der Beachclub im Sommer!) sehr wohl!
Wer als Veranstalter einen derart frühen Start plant, ist nicht immer gut beraten! Weder wenn er versucht, Weihnachten künstlich vorzuziehen, noch wenn er die Adventszeit nach eigenem Gutdünken wie Kaugummi in die Länge zieht.
Nicht immer ist es sinnvoll, zwei derart grundverschiedene Monate wie November und Dezember  (Trauer/Gedenken und Weihnachtsvorfreude)  in einem Aufwasch zu behandeln und abhaken zu wollen.
Wer überdies so früh vor Ort ist, muss mit ungünstiger Witterung rechnen. November ist kontinuierlich der Monat der Nässe, des Nebels, der Trübheit. Es ist keine nicht zu ahnende Ausnahme!
Das Risiko des Nichtübereinstimmens der Erwartungen mit den tatsächlichen Gegebenheiten erhöht sich eklatant, wenn einfach die Jahreszeit eigenmächtig umbenannt wird.
So enttäuscht, wie sie über Nicht-Sommer während ihres Strandurlaubs wären, so ernüchtert reagieren Sie auch auf Nicht-Winter beim Winterzauber.
Werden ganz gezielt und konkret Vorstellungen durch Ankündigungen und Bezeichnungen vermittelt, die ein ganz bestimmtes Bild vorzeichnen und dieses sich danach nicht erfüllt oder bestätigt, produziert es Enttäuschung – trotz vieler positiver Aspekte!

Was tun?
Da Sie wenig Einfluss auf das Wetter oder  die Planung nehmen können und zudem das Empfinden – das ist mir durchaus bewusst – subjektiv ist, geht es Ihnen so wie bei einem verregneten Sommerurlaub. Da hilft Ihnen auch kein Klagen.  Es liegt immer in Ihrer Hand, was Sie dennoch daraus machen. Ob Sie es weiterhin als faulen Zauber empfinden oder als trotzdem zauberhaft – nur auf eine völlig andere Art.

Wissen Sie was?
Warten Sie nur noch auf einen knackig kalten Tag (im Moment sieht es doch schon gut aus!), hüllen Sie sich in ihre Winterjacke, ziehen die Kapuze hoch und wickeln den Schal dreimal um den Hals.
Gehen Sie los, besuchen Sie den Wandsbeker Winterzauber, gönnen Sie sich einen heißen Kakao, Kaffee, Glühwein –  oder wonach immer Ihnen ist!
Schnappen Sie sich doch ein Kind dazu (eigenen Nachwuchs oder suchen Sie sich ein bis vier freiwillige Leihkinder aus der Verwandt- oder Bekanntschaft) und dann veranstalten Sie Ihren eigenen, persönlichen, lebendigen Zauber.
Treffen Sie sich mit anderen! Verabreden Sie sich!
Überhaupt: Gehen Sie auch einmal abends, wenn die ganze Illumination ihren eigenen Reiz hat.
Oder schnallen Sie sich selbst die Schlittschuhe an! Und reicht Ihnen der Anblick des Kunstbodens nicht zur Verzauberung, dann schauen Sie eben auf die Lichter-Bäumchen am Eisflächenrand mit ihren tausenden, leuchtenden LED-Lampen.
Winken Sie jemandem hoch oben auf der Panorama-Terrasse zu, äußern Sie Ihre Bewunderung über die  Schwindelfreiheit  und spielen Sie miteinander Unterhaltung mit Echo!
Es gibt so viele Möglichkeiten!

Wann kommen Sie?

Sie haben noch bis zum 06. Januar 2013 Zeit. Die Chancen stehen gut, dass Ihnen bis dahin auch das nötige Winterfeeling beschert wird.
Familientag ist jeden Mittwoch von 10-18 Uhr (ermäßigte Preise bei der Eisbahn und am Karussell), die Ladies‘ Night montags von 18-22 Uhr (halber Preis an der Schlittschuhbahn sowie halber Preis für den ersten Glühwein).

Viel Spaß in Wandsbek!

Weitere Fotos vom Vorjahr (Fast identischer Aufbau der „Bergdorfes“) finden Sie in diesem Artikel:
https://michelelegrand.wordpress.com/2011/11/11/nun-aber-richtig-der-wandsbeker-winterzauber-ist-eroffnet/

©November 2012 by Michèle Legrand

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Wandsbeker Wiesn – Es hoaßt widda: O’zapft is …

Montag, 24. September 2012. Ganz allmählich lässt der Dauerregen nach. Sie können froh sein, dass sie ein Zelt haben.
Nein! Nicht Sie!
Wie war Ihr Wochenende? Haben Sie an den Nachmittagen ein wenig die sich doch noch durchkämpfende Sonne genutzt und frische, appetitliche Herbstluft geschnuppert? Ja?
Ich? Mein Wochenende?
Oh, danke der Nachfrage! Es waren superschöne Stunden dabei! Doch wir schweifen wieder völlig ab!
Kleines Spiel?
Ich nenne Ihnen Begriffe, Sie antworten spontan, was Ihnen dazu einfällt.
Blätter, Spinnweben, Pilze, Frühtau, Nachtfrost, Beeren.
Jetzt Sie!
Gut! Richtig! Herbst ist die Antwort.
Weiter.
Wiese. Fass. Dirndl. Brezn. Haxn. Maß.
Sie wieder!
Gut! Oktoberfest!
Ich merke schon, das ist viel zu einfach für Sie. Sie haben also das „Was“ erraten. Was ist das Thema?
Antwort: das Oktoberfest. Bitte merken! Jetzt folgen nur noch Fragepronomen.
Wann?
Falsch! Nicht im Oktober. Oktoberfest ist schon im September. Jedenfalls hauptsächlich.
Wo?
Nix da! Nicht Bayern. Zu ungenau.
Nein, auch nicht München!
Ich sehe schon, Sie geraten ins Stocken.
Ich verrate es Ihnen: Es geht heute um einen der östlich gelegenen Bezirke Hamburgs und das dort stattfindende Oktoberfest. Die Wiesn in Wandsbek! (Ich hoffe, Sie haben gerade den kleinen Tusch vorweg vernommen)

Hamburg - Oktoberfest" Wandsbeker Wiesn 2012" - Hinweis auf die Veranstaltung an jeder Gehweglampe - 23.09.2012

Hamburg – Oktoberfest“ Wandsbeker Wiesn 2012″ – Der Hinweis auf die Veranstaltung an jeder Gehweglampe …

Jaha, die Hamburger müssen auch das durchziehen!
Bayerisches Oktoberfest! Es gibt wirklich kaum etwas, vor dem sie Halt machen würden.
Was sagte ich zu Beginn? Gut, dass sie ein Zelt haben!
Und ich möchte noch etwas sagen, möchte – nein, muss! – Sie vorwarnen! Ich bin heute ein wenig in Lästerlaune. Tatsache! Es kommt nicht sehr häufig vor, also haben Sie bitte Nachsicht und nehmen Sie folglich  nicht alles zu ernst! Lassen Sie sich durch mein Gefrotzel vor allem nicht davon abhalten, es dennoch zu tun! Hinzugehen.

Es gab eine große Ankündigung: Bayerisches Oktoberfest. Die „Wandsbeker Wiesn“ Party mit Original bayerischer Musik im Festzelt.
Warten Sie …
Eigentlich stimmt nichts davon so richtig.
Dös Fest is ned bayerisch.
Die Wiesn is koa Wiesn, die Wiesn is oa oafach, eckert Platz. G’pflastert.
Dös Zelt is koa echtes Zelt!
Also, wennst mi frogst, is dös scho oa bisserl Beschiss, sogi…

Das Zelt ist tatsächlich nicht aus Planen und Gestänge – mittels Heringen gesichert – sondern ein riesiges, hallenähnliches Ungetüm aus weißen Kunststoffteilen, welches jetzt im September mit grünen Girlanden geschmückt wird.
Ganz flüchtig taucht der Gedanke an Tannenzweige und Weihnachten auf …

Hamburg - Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 - ... außen diese Herren, im Festzelt die Band Donaweda

Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn 2012“ – … außen diese sechs Herren, im Festzelt die fünfköpfige Partyband Donaweda

Es hat aber einen wirklich großen Vorteil: Es ist richtig wind- und wetterfest, es ist stabil und stoßfest, und es passen viele Leute hinein. Angesichts des Regens und meist kühlen Wetters ein nicht hoch genug zu schätzender Garant für dennoch kräftigen Besucherzustrom und kontinuierlichen Maß- und Haxnabsatz.
Denn erinnern wir uns:
Es gab Ende Juni/Anfang Juli die Sommeraktion „Like Ice and Sunshine“ mit einem eigens dafür hergerichteten Beachclub an gleicher Stelle. Das Wetter zeigte sich seinerzeit wenig sommerlich, eine schützende Unterkunft vor Regengüssen war nicht eingeplant – dafür aber eine Kunsteisbahn. Im Sommer. Sie verstehen. Der Gag … ! (Uuaah, Entschuldigung, ich musste kurz gähnen).
Ich hatte mich dazu schon im Blog geäußert.

Es soll sich allerdings nicht so anhören, als wollte ich die Veranstaltungen grundsätzlich kritisieren oder gar schlecht machen! Im Gegenteil. Mir wird warm ums Herz, wenn ich Initiative spüre und sehe, dass sich Gedanken gemacht werden. Nur mein Herz wird halt ein wenig wärmer, wenn sich vorab ein paar mehr Gedanken gemacht werden und abstruse Ideen vielleicht eher wieder verworfen werden.

Widmen wir uns erneut dem Oktoberfest.
Doch, dieses Event hat mittlerweile auch im hohen Norden seine Freunde gefunden. Jedes Jahr scheint es mehr Zulauf zu haben, das Festzelt ist oft proppevoll, die „original bayerische Musik“ (Ma-ma-ma—mamamamia-he … gefolgt von einem italienischem Schmachtfetzen) dröhnt über große Distanz. Der Bass wummert rabiat. Er wummert so, dass ich beim Vorbeigehen am Festzelt jedesmal wieder verblüfft bin, dass nicht die Seitenwände wackeln oder komplett weggesprengt werden!
Alles selbstverständlich „original bayerisch“. Sie glauben ja nicht, was offenbar alles bayerisch ist! Dinge, die Sie für spanisch hielten! Wie können Sie bloß so ungebildet sein!
Nun, die fünfköpfige Partyband heißt zumindest „Donnaweda“, spielt jedoch wirklich alle Genres und ist gut darin –  keine Frage.
Woher ich das weiß?
Weil ich mich gestern in die Höhle des Löwen gewagt habe (Eingangsbereich mit Fluchtmöglichkeit). Für einen Blick, eine Minute des Atmosphäre Aufsaugens. Ich habe das Stimmungsbarometer kontrolliert, mir einen persönlichen Eindruck verschafft. Auch, wenn ich selbst nicht bleiben wollte, muss ich dennoch ganz klar feststellen: die Menschen, die da waren, hatten wirklich ihren Spaß und amüsierten sich!

Das Angebot an Speis und Trank ist umfangreich.
Kassler und Leberkäs mit Krautsalat, Bayerischer Wurstsalat, Weißwürstl, Grillschinken, Schweinshaxn im Preisbereich von 4,50 Euro bis 7,50 Euro (auch abhängig von der Beilage – Krautsalat oder Bratkartoffeln)
Die Maß (1 Liter) Oktoberfestbier kostet 8,20 Euro, der halbe Liter für 4,50 Euro. In München liegt der Preis für die Maß in diesem Jahr immerhin zwischen 9,10 und 9,50 Euro. Es gibt weitere Biersorten sowie Alsterwasser. Prosecco und alkoholfreie Getränke sind ebenfalls vorrätig.
Bitte?
Was mich abhält? Warum ich nicht bleiben möchte?
Ich glaube, dass Besuche solcher Feste in einer Gruppe Spaß machen. Wenn der Geräuschpegel insgesamt lauter ist. Der Albernheitsgrad höher ist. Man ein Bierfreund ist. Das Essen bevorzugt. Bayer mit Heimweh ist.
Oder man muss grundsätzlich ein Freund von Gewühl und Lärm sein und einer Imitation bayerischer Gepflogenheiten in völlig anderen Gefilden viel abgewinnen können. Pseudo-bayerisch akzeptieren.
Einem darf es auch nichts ausmachen, dass Betrunkene in einen hineinschwanken, als herrsche auf dem Wandsbeker Marktplatz Wellengang bei Windstärke 12.
Man sollte die überall umherziehenden verräucherten Schwaden des auf dem Platz vor dem Zelt  befindlichen Schwenkgrills lieben. Vielleicht ist es auch vorteilhaft, Raucher zu sein.
Oder – andere Idee – man sollte sich (die eigenen)  Kinder schnappen,  ganz an den Rand des Platzes Richtung ZOB gehen und ihnen beim Fahren im Kinderkarussell zusehen.
Oder sich beim PLAZA auf einen der Außenplätze setzen und einfach nur friedlich beobachten.
Oder sich ein Dirndl kaufen, Haare flechten, ein Klammer gegen Gerüche auf die Nase setzen und sich gnadenlos mitten ins Getümmel stürzen.
Nein! Einen Crashkurs „Bayerisch“ besuchen und dann hier so tun, als sei man aus Garmisch.
Woas hast g’sagt? Hallo? Bei uns sogt ma Grias God, wennma reikimt!!
Oane Gaudi wär’s scho! Und koa misrablige.

Wissen Sie eigentlich, was im Zelt zwischen Trinken, Essen, Schunkeln, Singen, gelegentlichem Grölen und den Darbietungen der Partyband noch abgeht?
Eine Dame aus dem Publikum taucht auf, redet mit einem Bandmitglied und darf daraufhin an eines der Mikros. Es folgt eine alkoholgeschwängerte Live-Liebeserklärung an ihren Teuersten. Sie werden im Dezember heiraten.
Gut, dass Wandsbek es nun weiß.
Die Reaktion im Publikum ist gemischt. Applaus, gerührte Oooohs, Pfiffe und Buhs ergeben ein Medley. Als ich nach dieser krönenden Darbietung definitiv gehen möchte, verstellt mir jemand samt Glasmaßkrug den Weg.
„Hey du …, du koanst doch jetzt noch ned hoam …“
Doch, verehrter norddeutscher Bajuwar, das kann ich und das mache ich!
Nun feiere schön weiter, du findest schon noch jemanden, der sich genauso wohl dabei fühlt.

Und auch an Sie noch einmal das Wort gerichtet:
Gehen Sie hin, wenn Ihnen danach ist!
Jeder empfindet es anders – und das ist völlig richtig so. Die einen werden sich mit Händen und Füßen sträuben, die anderen werden fiebern dabei zu sein. Aus den unterschiedlichsten Gründen.
Wenn Sie gehen, wünsche ich Ihnen viel Spaß und erzählen Sie doch bitte, was für Sie persönlich das Besondere war! Es würde mich interessieren! Das Fest findet noch bis zum 2. Oktober statt und ist täglich von 11.00 bis 24.00 Uhr geöffnet.

Für Sie habe ich zum Abschluss einige Fotos. Es gibt nicht nur das Festzelt, sondern auf dem Wandsbeker Markplatz stehen einige weitere Buden, es gibt einen kleinen Biergarten mit Plätzen unter Sonnenschirmen (sie halten zur Not auch Regen ab), und direkt am ZOB befindet sich das besagte Kinderkarussell.

Hamburg - Oktoberfest "Wandsbeker Wiesn 2012" - ... für die jüngeren Besucher das Kinderkarussell

Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn 2012“ – … für die jüngeren Besucher das Kinderkarussell

Hamburg - Oktoberfest "Wandsbeker Wiesn 2012" - Auch draußen kann der Wiesn-Besucher sitzen ...

Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn 2012“ – Auch draußen kann der Wiesn-Besucher sitzen …

Hamburg - Oktoberfest "Wandsbeker Wiesn 2012" - ... uuii, VIP-Reservierung!

Hamburg – Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn 2012“ – … uuii, VIP-Reservierung!

Hamburg - Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 - ... neben Schwenkgrill draußen, sowie Haxn, Brezn und Paulaner im Zelt, gibt es auch Zuckerwaren für alle, die der Hunger auf Süßes überkommt.

Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn 2012“ – … neben Schwenkgrill draußen, sowie Haxn, Brezn und Paulaner im Zelt, gibt es auch Zuckerwaren für alle, die der Hunger auf Süßes überkommt.

Hamburg - Oktoberfest "Wandsbeker Wiesn " - ... und ein einziges von mehreren Plakaten zeigt Spiegelschrift ;-)

Hamburg – Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn “ – … und ein einziges von mehreren Plakaten zeigt Spiegelschrift. Können Sie es lesen? ;-)

Hamburg - Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 - ... ein Blick ins das Festzelt auf dem Wandsbeker Marktplatz

Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 – … ein Blick ins das Festzelt auf dem Wandsbeker Marktplatz

Hamburg - Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 - ... bis zum nächsten Mal - noch  möglich bis zum 02. Oktober 2012

Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 – Bis zum nächsten Mal – noch möglich bis zum 2. Oktober 2012!

Im letzten Jahr machte ich mir bereits grundsätzliche Gedanken zum Oktoberfest, beobachtete den Einfluss auf das Warenangebot in den Läden, verglich mit Karneval und Halloween, und ich traf auf diesem Platz während der Aufbautage Richard II.
Einen sehr interessanten Mann!
Unser Gespräch habe ich hier im Blog im vergangenem September hinterlassen. Warum er Richard II. heißt, worüber wir uns unterhielten, und was er mit dem Oktoberfest verbindet, das können Sie nachlesen. Der unten stehende Link führt Sie direkt dort hin.

Kleines Staatswappen - Bayern - Richard II. (Blog: Richard II - Auf die Wiesn warten ...

Richard II. – Auf die Wiesn warten …

https://michelelegrand.wordpress.com/2011/09/21/richard-ii-auf-die-wiesn-warten%E2%80%A6/

©September 2012 by Michèle Legrand

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Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 – Achtung, Living Dolls! Ein starker Auftritt der lebenden Schaufensterpuppen

Nur einmal angenommen, Sie würden mir erzählen, Sie wären zwar unterwegs gewesen, aber Ihr Wochenende hätte sich dennoch als ein wenig fad entpuppt. Sie hätten gern mehr Spannung, Überraschung und Spaß gehabt! Irgendetwas Schönes erlebt. Mehr Abwechslung, Farbe, Ansprache, Gesellschaft, Leben. Inspiration!
In diesem Fall, so stelle ich fest und behaupte das jetzt einfach, in diesem Fall können Sie definitiv nicht DORT gewesen sein!
Wo?
Im EKZ Quarrée Wandsbek anlässlich einer neuen, außerordentlich gut gelungenen Veranstaltung im Rahmen des Model Contests QUARREE GESICHTER 2013.
Schön, dass Sie nun den Weg hierher gefunden haben, um es nachzuerleben oder um sich anhand von Fotos einen optischen Eindruck zu verschaffen.
Falls Sie hingegen hier sind, weil Sie dabei waren, es fantastisch fanden und deshalb unbedingt noch einmal rekapitulieren, einsaugen, genießen wollen – so ist das ebenfalls höchst erfreulich!
Und letztendlich: Kommen Sie als Stammgast des Blogs, ist dies natürlich schlichtweg umwerfend! Dann kennen Sie sogar schon den Verlauf des Wettbewerbs seit Februar 2012, denn auch darüber gibt es Blogartikel (-> Startseite, Kategorie -> MODE).
Wie auch immer, hier sind Sie richtig, und in allen Fällen sage ich:QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - 31.08.2012 - Plakatankündigung Event

Herzlich Willkommen bei  Alexander Strauß und den Living Dolls!

Seit der letzten Ausscheidungsrunde im Wettbewerb, die diesmal direkt nach der Sommerpause im August erfolgte, sieht die Teilnehmer-Situation zahlenmäßig im Vergleich zum Recall folgendermaßen aus:
Von damals 25 XL-Models sind noch neun dabei, von 54 jungen Herren noch 21 und von den 126 jungen Damen noch 38 Kandidatinnen. Insgesamt waren bis vor Kurzem somit 68 Teilnehmer weiterhin im Rennen. Im Laufe des Monats August mussten allerdings einige junge Damen von sich aus auf die weitere Teilnahme verzichten, da Wettbewerbstermine nicht mehr mit den eigenen Verpflichtungen in Schule und Beruf zu vereinbaren waren (außer einem regelmäßigem Workshop am Wochenende stehen auch Anproben sowie Veranstaltungen an, die in der Woche liegen). Die restlichen ca. 60 TeilnehmerInnen bereiteten sich mit Alexander Strauß auf eine neue Herausforderung vor: Ihr Dasein als Living Doll.

Am vergangenen Freitag und Sonnabend (31.8./1.9.) war es soweit. Ein Event der Sonderklasse zog die Zuschauer gleich in Scharen zum EKZ Quarrée Wandsbek. Das Motto des Model-Wettbewerbs QUARREE GESICHTER 2013 lautete an beiden Tagen zwischen 12 und 18 Uhr:
Aufgepasst, die Living Dolls sind unterwegs!

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - Underground Store - 01.09.2012

QUARREE GESICHTER 2013 – Die Living Dolls beim Underground Store

Diese überaus lebensechten (da höchst lebendigen) Schaufensterpuppen mischten sich unauffällig unter ihre leblosen Kunststoff- oder Silikonkollegen. Sie schlüpften in immer wieder neuen Outfits vielerorts äußerst professionell in die neue Rolle und gaben eine teilweise exzellente Darstellung.  Als urplötzlich auftauchende „Deko-Neuanschaffungen“ der Geschäftsleute, standen sie regungslos mit undurchdringlichem Blick entweder hinter Schaufensterglas inmitten der Auslage oder gelegentlich sogar direkt im Eingangsbereich eines Ladens.
Ihr Auftrag: zwanzig Minuten lang diese Rolle überzeugend durchzuhalten. Ein Posenwechsel, die Änderung der Haltung, wurde nach jeweils fünf Minuten gestattet. Und glauben Sie mir, sollten Sie es selbst einmal ausprobieren, werden Sie bei Ihrem Durchhalteversuch feststellen, dass Ihnen fünf Minuten selten so ewig lang vorkamen …

Im letzten Blogpost hatte ich ihnen bereits ein paar Auffälligkeiten von Schaufensterpuppen verraten, Ihnen Fotos gezeigt. Was ist spezifisch? Wie ist typischerweise die Haltung? Wie werden Gliedmaßen ausgerichtet, wohin geht der Blick? – aber auch: was macht eine Puppe garantiert nicht?
All dies beherzigten die Kandidaten. Sie haben im Workshop geübt, sie haben zu Hause vor dem Spiegel den Eindruck, den sie erwecken, geprüft, korrigiert, verbessert, perfektioniert. Zudem wurden sie zuvor von insgesamt zehn angehenden Maskenbildnern schaufensterpuppengerecht geschminkt. So präsentierten sie sich als 1a-Doubles, und die Folge war heillose Verwirrung, kolossale Verblüffung, neugieriges Interesse und nicht zuletzt fröhliche Begeisterung beim Publikum!

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls -  für AUST

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für AUST

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - bei Steffi-Moden

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – bei Steffi-Moden

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls bei ONLY

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls für ONLY

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - Tom Tailor

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – Tom Tailor

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für Ulla Popken

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für Ulla Popken<

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für Hunkemöller

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für Hunkemöller

Bereits am Freitag kamen viele Kunden sehr gezielt ins Quarrée, nur gab es auch einen gewissen Anteil von Besuchern des Einkaufzentrums, die nichts vom gerade gestarteten Event wussten oder zumindest in dem Moment nicht daran dachten. Kunden, die nicht zum Schaufensterbummel eintrafen, sondern wie üblich an diesem Tag leicht gehetzt nach der Arbeit noch schnell einige Einkäufe erledigen wollten.
Rechnet man da mit etwas Ungewöhnlichem?
Nein!
Schaut man da akribisch, ob bei ONLY, dem Underground Store oder anderswo zufällig eine neue Puppe steht?
Nein!
Kommt einem die Idee, an der Echtheit bzw. Leblosigkeit von Dekorationswesen zu zweifeln?
Noch einmal nein!

Wissen Sie was? Wir schauen uns jetzt einfach um! Kommen Sie mit, wir besuchen ein paar Living Dolls und nehmen ihre Zuschauer und deren Verhalten ein wenig unter die Lupe!
Was tun sie? Wie reagieren sie?

Wir sprachen gerade von Menschen in Eile. Manche schaffen es komischerweise trotzdem, auf ihrem Weg von Geschäft A nach Geschäft B schnell noch ihr Handy zu zücken und im Gehen zu bedienen.
Beispielsweise der Herr im grauen Sakko zur Breitcordhose mit der Karstadt-Supermarkt-Tüte. Er wischt über das Display seines Smartphones und gibt hämmernd wie ein Specht Text ein.
Vielleicht ist es ein Tweet. Eine 140-Zeichen-Nachricht auf Twitter, die über seinen gegenwärtigen Standort Auskunft gibt: Bin jetzt im Quarrée und kaufe Gemüse…
Das muss die Welt wissen!
So etwas rächt sich bitter. Nicht der Gemüsekauf, auch nicht die Standortangabe an sich, mehr die Unachtsamkeit, ein mit anderen Dingen beschäftigtes Passieren eines Schaufensters an just diesem Tag. Noch hält er den Kopf tief gesenkt, den Blick weiterhin auf sein Handy gerichtet. Aus den Augenwinkeln heraus erfasst er zum Glück noch die Füße anderer Leute, was ihn vor Zusammenstößen schützt. Vor einem bewahrt es ihn aber nicht: Eine bislang starr stehende Schaufensterpuppe erwacht zum Leben. Als er an ihr vorbeitrottet, klopft sie von innen ein paar Mal laut an die Scheibe und erstarrt dann wieder zur Salzsäule.
Sein Kopf schießt hoch, zeigt einen verwirrten, erschrockenen Blick. Eine Spur Empörung ist mit dabei.
He! Was war das?
Diese Worte scheinen ihm quer über die Stirn geschrieben zu sein. Ihm bleibt alles ein Rätsel. Sein erster kurzer Kontrollblick Richtung Schaufenster brachte wohl keine Erhellung. Ist ihm nichts aufgefallen?
Beim langsamen Weitergehen stutzt er plötzlich doch, dreht seinen Kopf eulenartig zurück und fixiert die Dinge hinter Glas. Erneut erwacht die „Puppe“ zum Leben, klopft, erstarrt, steht reglos.
Unser Cordhosenträger grinst bis über beide Ohren, nachkommende Kunden ebenfalls, und im Nu entwickelt sich ein Gespräch unter vier sich bis dahin völlig unbekannten Menschen.

Im Quarrée II bei C&A stehen drei Teilnehmerinnen des Wettbewerbs im Schaufenster zwischen anderen Puppen.
Einer Mutter mit kleinem Jungen an der Hand sind sie dadurch recht schnell aufgefallen, dass sie gerade die Pose wechselten.
Übrigens steht keiner völlig einsam und allein in einem der Shops. Die Kandidaten und Kandidatinnen sind in Gruppen eingeteilt und zu dritt oder viert unterwegs. Allerdings kann es vorkommen, dass bei langer Schaufensterfront oder mehreren Einzelfenstern der Abstand zwischen den einzelnen Living Dolls relativ groß ist. Sollte nicht gerade jemand vom Wettbewerbs-Team vorbeistreichen und ein Zeichen zum Posenwechsel geben, müssen sie sich unauffällig selbst verständigen, damit der Haltungswechsel aller drei bzw. vier Living Dolls zeitgleich vonstatten geht.

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - 31.08.2012, C&A_5

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 – Die Living Dolls bei C&A – 31.08.2012

Die Mutter weist ihren Kleinen auf die „Puppen“ hin.
„Schau mal, Jonas, die sind echt!“
Jonas ist irritiert. Er hat gelernt, dass im Fenster Puppen stehen und keine Menschen. Deshalb sagt er laut und deutlich:
„Nein!“
Jonas behauptet das einfach. Damit ist seine Welt wieder in Ordnung. Nur Mama ist stur.
„Doch, Jonas, schau, sie hat sich etwas bewegt!“
„Nein!“
„Doch!“
„Warum steht die Frau da?“
„Nur so. Aus Spaß.“
Er guckt verdutzt. Aus Spaß? Jonas wirkt nicht so restlos überzeugt.
„Muss die da jetzt immer bleiben?“
„Nein, sie darf schon wieder raus.“
„Aber wieso durfte die da rein?“
„Sie haben es ihr erlaubt.“
„Darf ich da auch rein?“
„Nein, nur Schaufensterpuppen!“
„Aber, sie ist doch keine Puppe…!“
„Jonas …!“ Ein Seufzer.
Tja, Mama. So ist das. Da musst du durch. Immerhin hat er dir mittlerweile abgenommen, dass sie echt ist.

Hier, am Fenster von SIGNUM, werden zwei sehr überzeugende Living Dolls von den Passanten fachmännisch begutachtet.

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls -- SIGNUM

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls — SIGNUM

„Der macht das gut! Der hat die Hand echt so wie die Puppe da auch.“
„Der hat bisher nicht einmal gezwinkert.“
Bewunderndes Schweigen.
„Mensch, der da hinten ist ja auch lebendig!“
„Quatsch, das ist eine Puppe.“
„Nein, ich mein den daneben …“
„Ach so …“
„Die Schuhe gefallen mir, ob die dem gehören, oder gibt es die zu kaufen?“

Und so geht die Unterhaltung weiter. Sie merken, es entwickelt sich ein recht vielfältiger Themen-Mix. Man diskutiert über die Qualität der Darstellung und stimmt ab über Echtheit. Besonders schwer fällt das Wahrnehmen und Erkennen in Geschäften, deren übliche Schaufensterpuppen Perücken tragen. Der Unterschied zwischen kahlköpfigen Puppen und Living Dolls ist hingegen etwas einfacher auszumachen.
Männer ab ca. 30 Jahren achten mehr auf die Damen (oder sie tun es auffälliger), Frauen hingegen beobachten Living Dolls beiderlei Geschlechts, bewerten jedoch weibliche „Puppen“ kritischer.
Junge Männer bis etwa 30 Jahre schauen auch auf ihresgleichen. Verhohlen interessiert,  unauffällig vergleichend.
Mädchen bis etwa 12 Jahre sehen in weiblichen „Puppen“ ihr Vorbild. Finden lange Haare hübsch. Wollen nacheifern.
Mädchen im Teenageralter laufen auch schon gezielt als Gruppe los zum  „Männer gucken“.
Manche Kunden- altersunabhängig –  imitieren Posen, versuchen Living Dolls zum Lachen bzw. wenigstens zum Lächeln zu bringen, führen mangels Reaktion Monologe oder hinterlassen Bonbons, für die Stärkung nach dem Einsatz.
Ja, und außerdem spricht man über seine Favoriten und ist äußerst kontroverser Meinung!

Vor dem Modengeschäft TE treffe ich auf diese beiden netten Damen.

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - 31.08.2012 _Freundinnen

Sie trafen sich, um sich gemeinsam die Living Dolls anzusehen: Freundinnen … (s. Text)

Wir kommen ins Gespräch. Stellen Sie sich vor, die beiden kennen sich seit über 50 Jahren! Sie haben sich heute extra getroffen, um zusammen herzukommen. Eine der Freundinnen ist dafür aus Geesthacht hergefahren, die andere lebt in Hamburg. Sie finden die Living Dolls einsame Spitze. Sie begeistert, dass sie so echt geschminkt wurden.
Die Haut ist genauso matt wie bei richtigen Puppen!
Sie bewundern das Können, sie genießen es, die Mode am Körper einer lebenden Person betrachten zu können. Das sei so plastisch und obendrein auch noch etwas ganz anderes, als Kleidung an einer leblosen Schaufensterpuppe zu betrachten.
Sehen Sie, daran habe ich noch gar nicht gedacht, dass durchaus auch Unterschiede zwischen Puppe und Lebewesen empfunden werden und nicht nur zwischen Katalogbild und 3D-Figur.

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls bei TE

Die Living Dolls bei TE …

Lassen Sie uns ins Quarrée I zurückgehen und nachsehen, was sich dort tut.

In der glasüberdeckten Halle, mitten auf der großen Veranstaltungsfläche, steht heute eine nicht zu übersehende, aus weißen Stufen gestaltete Pyramide. Bemerken Sie auch die überraschten Blicke all derer, denen die neuen Figuren bisher in den Schaufenstern noch gar nicht aufgefallen sind oder die nicht mit einer so großen Anzahl von „Puppen“ gerechnet haben?

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Die Living Dolls auf der Pyramide

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 – Die Living Dolls auf der Pyramide

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - 31.08.2012 _Halle, Pyramide

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls

Die Living Dolls sind nach ihrem jeweils 20minütigem Einsatz in immer wieder anderen Geschäften des Zentrums hier in ihrem gerade gezeigten Outfit für weitere zehn Minuten auf der Pyramide zu finden, auf deren unterschiedlich hoch angelegten Stufen sie wieder regungslos verharren.
Handys und Kameras werden gezückt und Fotos geschossen. Von Erdgeschoss aus, von der Treppe, von der Galerie. Von Besuchern allen Alters.

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - Fotografiert wird in jedem Alter ...

Die Living Dolls – Fotografiert wird in jedem Alter …

Die Fotografen sind im Einsatz. Andreas Grav und Sebastian Labudabi teilen ihre Zeit auf und lichten die Models sowohl in den Schaufenstern als auch hier in der Halle ab. Ebenso der Fotograf vom probild Studio, welches sich im ersten Obergeschoss befindet.
Ein junger Mann im dunkelblauen Hemd, das er locker über die Jeans hängend trägt, steht neben mir und schaut zu, wie ich Notizen mache. Wir unterhalten uns über den Wettbewerb. Immer wieder betrachtet er fasziniert die reglos stehenden Kandidaten und sagt ein ums andere Mal:
„Das könnte ich nicht! So lange stillhalten!“
Er hört gespannt zu, als ich ihm vom Training und den Vorbereitungen erzähle.
„Vielleicht haben Sie ja im nächsten Jahr Lust, sich zu bewerben“, schlage ich ihm vor, denn ich finde, er hat eine gute Haltung, ein überaus ansprechendes Gesicht, schöne Haare und Hände.
Spontan folgt eine Ablehnung mit dem Hinweis auf seinen mit dem losen Hemd etwas kaschierten leichten Bauchansatz und letztendlich erklingt auch wieder der Satz:
„Das könnte ich nicht! Nein, das könnte ich … glaube ich nicht.“
Sie merken, die Wortwahl hat sich geändert. Glaube ich …
Er bricht auf, bedankt er sich für die Informationen, und ich halte es nicht für völlig abwegig, dass er bis zum nächsten Castingtermin seine Ansicht ändert und dort erscheint.

Eine junge Skaterin schaut sich die Models an und zeigt mir dann, welche Kleidung sie bevorzugt. Ihre eigene. Skater-Look. Darin fühlt sie sich wohl. Trotzdem verfolgt sie gern und interessiert das Geschehen auf der Pyramide.
Mit einer in der Nähe stehenden älteren Dame entsteht ein kleines Gespräch über „die armen Living Dolls“.
Arm?
Nun, die fürsorgliche Dame ist ein wenig unruhig. Das Quarrée ist warm, die Sonne scheint durch das Glasdach. Die lebenden Schaufensterpuppen jedoch tragen Herbst-/Wintermode. Steppwesten. Daunenkleidung, Fellmantel, Strickkleidung. Nicht alle, aber einige.
„Die armen jungen Leute. Die müssen doch schwitzen. Und auch noch so still stehen! Hoffentlich fällt keiner um!“
Sie scheint so in Sorge, dass sie beschließt, alles noch ein Weilchen im Auge zu behalten und nimmt auf einem der Sessel unter der Rolltreppe Platz. Aufsicht führen …

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - Karstadt sports

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – Karstadt sports – Die Kleidung hält warm … im Quarrée!

Haben Sie das gerade mitbekommen?
Gelächter, Beifall, ein paar anerkennende Pfiffe? Die Living Dolls auf der Pyramide habe ihre Pose geändert.
Aber wie!
Natürlich generell überraschend, zudem setzte der Wechsel bei allen absolut gleichzeitig ein und wartete mit einem zusätzlichem Effekt auf. Sie lösten die alte Pose auf, schienen in eine neue Position zu wechseln, doch wirkten „technisch“ manipuliert. Für ein paar Sekunden bewegten sich die Glieder unschlüssig immer wieder zwischen der alten und der neuen Haltung hin und her. Roboterähnlich, leicht schlackernd, bis alle Living Dolls wie durch Zauberhand im selben Moment in der neuen Pose einrasteten und erstarrten.
Eine Vorstellung, die sich gelegentlich wiederholte und enormen Zuspruch beim Publikum fand.
„Kommt, wie müssen jetzt wieder los!“
„Nein, wir müssen das noch mal sehen, wenn die wackeln!“
Der vergebliche Versuch eines Vaters, seine drei halbwüchsigen Kinder vom Ort des Geschehens zu entfernen …

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für Ulla Popken und Steffi-Moden

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für Ulla Popken und Steffi-Moden … gerade in eine neue Pose „eingerastet“ …

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für Paparazzi

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für Paparazzi

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für Steffi-Moden

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für Steffi-Moden

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - Aufmerksam beobachtet von den Zuschauern ...

Die Living Dolls – Aufmerksam beobachtet von den Zuschauern …

Ein älterer Herr, der schon eine ganze Zeit zusieht, nähert sich einem der nahe der Pyramide stehenden Sessel, in dem ein Zuschauer etwa gleichen Alters Platz genommen hat. Offenbar kennen sie sich.
„Ich kann das auch“, behauptet der Stehende selbstbewusst.
Ruckartig nimmt er eine Pose ein, die leicht an Superman erinnert.
„Mach doch mit!“, kommt als Reaktion aus dem Sessel.
Ich riskiere die Frage, ob das reife Nachwuchsmodel willens wäre, sich von mir fotografieren zu lassen. Leider verlässt ihn der Mut. Der noch ausgestreckte Arm wird flugs eingezogen und leichte Verlegenheit macht sich bei ihm breit. Das ist schade. Nicht so sehr, kein Foto zu haben, aber dass ich ihm vielleicht mit meiner Frage den Spaß verdorben habe. Ich beschließe, vorsichtiger zu sein.

Wir werden stattdessen ein Ehepaar dort vorne behelligen. Sie sehen zu den männlichen Living Dolls hinauf, die zurzeit gerade Mode von Ansons’s vorstellen. Seine Augen wandern noch ein wenig weiter zu den weiblichen Models, die etwas „um die Ecke“ stehen.

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls auf der Pyramide - Anson's und Steffi-Moden

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls auf der Pyramide – Anson’s und Steffi-Moden (rechts)

Sie spricht mit ihm über die Hosen der Herren, die ihr gefallen. Ich frage kurz:
„Haben Sie sich schon inspirieren lassen? Werden Sie noch einkaufen gehen?“
„Ich jetzt nicht so“, vermeldet er. „Meine Frau ist da mehr inspiriert. Die zerrt mich sicher gleich zu Anson’s.“
Spricht’s,  grinst allerdings entschärfend dabei.
„Ich habe für mich noch nichts gefunden“, erklärt sie, „bei solchen Veranstaltungen finde ich eher selten etwas. Ich muss direkt selbst los. Obwohl …, das, was das Model dort anhat, finde ich schon ganz gut! (Steffi-Moden, Hosen, Mantel)
Er stöhnt unterdrückt. Weiß, dass sich die Route gerade erweitert hat.
Anson’s und Steffi-Moden …

Fotograf Andreas Grav erzählt, dass Kinder ihn oft fragen, ob die Puppen echt (im Sinne von wirklich Puppen) seien und manchmal würde er schon behaupten:
„Klar! Das sind die allerneuesten Modelle. Aus Silikon. Sehr naturgetreu.“
Ansonsten ist dieser freundliche Gentleman aber 100 % vertrauenswürdig und macht einfach phantastische Fotos!

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls -  Fotograf Andreas Grav bei der Arbeit

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls — Fotograf Andreas Grav bei der Arbeit…

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - ... warten auf das Einzelshooting mit Andreas Grav

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – … warten auf das Einzelshooting mit Andreas Grav

Am Sonnabend hält Andreas ein zusätzliches Einzel-Fotoshooting für alle Teilnehmer ab, welches direkt am Fuß der Rolltreppe in der großen Halle stattfindet. Nach ihrer Zeit in den Schaufenstern und den zusätzlichen zehn Minuten auf der Pyramide, bekommt der Fotograf die Living Dolls im jeweiligen Outfit vor die Kamera. Und ich erkenne an diesem Tag, wie reaktionsschnell er ist, wenn Kunden des Quarrées mit halb im Ernst, halb im Spaß gemeinten Anfragen an ihn herantreten.
„Könnte ich mich hier bei Ihnen auch fotografieren lassen?“
„Dann müssen Sie vorher allerdings auf die Pyramide …!“

QUARREE GESICHTER 2013 - Alexander Strauß (Ausschnitt aus einem Foto vom Recall - Fotograf: ©Andreas_Grav))

QUARREE GESICHTER 2013 – Alexander Strauß (Ausschnitt aus einem Foto vom Recall – Fotograf: ©Andreas_Grav)

Und schauen Sie sich doch bitte einmal dieses Bild an. Ist das nicht ein Mann, dem Sie vertrauen würden? Dieses sympathische Lächeln, die gutmütigen Augen?

Er kommt Ihnen bekannt vor?
Nicht verwunderlich, das ist Alexander Strauß!
Ein überaus seriöser Mann. Aber auch ihn reitet von Zeit zu Zeit so ein klitzekleines Teufelchen. Einer Clique junger Mädchen, die ihn ebenfalls fragt, ob auf der Pyramide wirklich Puppen ständen, erwidert er todernst und im Brustton der Überzeugung:
„Natürlich! Und nicht nur das! Sie funktionieren ferngesteuert. Sie haben einen Sensor. Ich brauche nur mit den Fingern zu schnippen, dann bewegen sie sich!“
Unglaube in den jungen Gesichtern.
Alexander Strauß tritt natürlich den Beweis an. Gut, dass seine Schützlinge auf der Pyramide mitbekommen haben, was ihr Trainer von ihnen erhofft. Erwartet!
Die Finger schnalzen und vier Puppen geraten in Bewegung.
Die Mädchen sind fasziniert.
Glauben Sie ihm? Sind sie auch von der Puppen-Echtheit überzeugt?
„Darf ich die mal anfassen?“, fragt eines der Mädchen mit schüchternem Lächeln.
„Ja, kannst du machen“, erlaubt Mr. QUARREE GESICHTER 2013 großzügig.
Ich schaue auf das Gesicht der angesteuerten Living Doll, während der Zeigefinger des Mädchens sich ihrer Hand nähert. Noch keinerlei Reaktion. Der Finger stößt an. Die Figur erwacht zum Leben! Sie ändert die Position, kippt leicht nach vorn. Die Mädchen fahren kichernd zurück und nehmen dieses Erlebnis zum Anlass, jetzt möglichst jede „Puppe“ zu testen. Per Finger, oder Hand.
Und auf wessen Kappe geht das?
Richtig!
Der Herr Strauß hat’s verzapft.

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - Die Mädchen prüfen auf Echtheit ...

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – Die Mädchen prüfen auf Echtheit …

Wollen wir ein Fazit ziehen?

Zwei Tage während insgesamt 12 Stunden, die für die Living Dolls harte Arbeit bedeuteten, hatten die Besucher des EKZ QUARREE Wandsbek jede Menge Spaß, Anregung und beste Unterhaltung. Alexander Strauß und seine Kandidaten lieferten mit viel Einsatz, Engagement, Lust und Können eine wirklich einmalige Show ab. Voller Ideen, enorm abwechslungsreich und als Veranstaltung eine der besonderen Art. Eine, die vom ihrem Wesen her sehr verbindend wirkte. Selten haben alle, die unvermutet zusammenkommen, soviel Freude an einer Sache. Wo man hinhörte, wurden positive Statements abgegeben.

Wer jetzt also mitfiebert und wissen möchte, wie es im Wettbewerb weitergeht, der merke sich bitte gleich den 25./26. Oktober 2012 vor. An diesem Termin herrscht erneut Stimmung im EKZ Quarrée Wandsbek, denn am 26.10. fällt durch eine Jury die Entscheidung, wer aus diesem Contest als Sieger in der jeweiligen Kategorie (Frauen, Männer, XL-Models) hervorgeht.
Bis dahin steht den Kandidaten wieder viel Training und Einsatz bevor. Direkt nach dem Living Doll Event sind weitere Teilnehmer ausgeschieden, deren Gesamtleistung leider nicht ausgereicht hat. Die, die es weiter geschafft haben, ersiegten sich damit die Teilnahme am Workshop IV.
Wir sind in der Finalrunde angelangt, die Vorbereitungen für die entscheidenden Modenschauen in gut sieben Wochen beginnen mit Hochdruck. Darüber soll hier noch nicht zu viel verraten werden. Wie viele Teilnehmer es sein werden, wer letztendlich als Finalist daran teilnehmen darf, das erfahren Sie selbstverständlich rechtzeitig in einem separaten Bericht.

Hier noch weitere Eindrücke von beiden Tagen des Events:

1_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls

3_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls

2_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für Underground Store

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für Underground Store

5_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls -  bei Hunkemöller

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – bei Hunkemöller

9_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für  C&A

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für C&A

4_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für Tom Tailor

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für Tom Tailor

6_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - bei  Anson's

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – bei Anson’s

7_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für ecco

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für ecco

Model Contest - QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für LoveBoots

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für LoveBoots

4_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls

1_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für Ulla Popken

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für Ulla Popken

1_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - bei Steffi-Moden

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – bei Steffi-Moden

2_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für Tally Weijl

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für Tally Weijl

3_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - bei Tom Tailor

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – bei Tom Tailor

5_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für TE

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für TE

6_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für Ulla Popken

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für Ulla Popken

2_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für C&A

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für C&A

4_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - bei  Triumph

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – bei Triumph

5_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - bei Gabor

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – bei Gabor

6_Modell Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls für Karstadt sports

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls für Karstadt sports

7_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für:  Underground Store

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für: Underground Store

8_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für ONLY

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für ONLY

9_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls auf der Pyramide - für Hunkemöller und Christ

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls auf der Pyramide – für Hunkemöller und Christ

10_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für  Medimax

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für Medimax

12_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - fürTally Weijl

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – fürTally Weijl

13_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für Triumph

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für Triumph

11_Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für Gabor

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für Gabor

Model Contest QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - für ZERO (Schmuck)

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – für ZERO (Schmuck)

Und jetzt ist FEIERABEND!
Bis bald!

QUARREE GESICHTER 2013 - Living Dolls - Geschafft! Foto ©Andreas_Grav (Vielen Dank für die Genehmigung!)

QUARREE GESICHTER 2013 – Living Dolls – Geschafft! Foto ©Andreas_Grav (Vielen Dank für die Genehmigung!)

PS: Ich danke allen sehr herzlich für das zahlreiche Anklicken und Anschauen des ersten Artikels über dieses Event vom Sonntagabend, den ich  im Hamburger Wochenblatt veröffentlicht hatte. Wir waren gerade an erster Stelle. Beliebtester Artikel der letzten sieben Tage!

©September  2012 by Michèle Legrand

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2 Kommentare

Erfrischend, wenn die Hitze über der Stadt brütet … Ein Abend mit Wasserlichtorgelkonzert und mehr in Planten un Blomen

 Hamburg - Planten un Blomen an einem Sommerabend ... Wasserlichtorgelkonzert

Planten un Blomen: Der Parksee an einem Sommerabend … Wasserlichtorgelkonzert!

Wir haben 2012 ziemlich lange darauf warten müssen – auf sommerliche Temperaturen. Jetzt sind sie da … Schön, oder?
War dort eben ein klitzekleines Zögern?
Nun, wie es in unseren Breitengraden inzwischen fast schon üblich ist, steigt die Quecksilbersäule des Thermometers recht spontan und leidenschaftlich gern unerhört rasant. Uns Nordlichtern sind nicht 22-24 Grad Celsius über einen längeren Zeitraum vergönnt – nein, wir knacken die 30° Grad im Schatten Grenze von heute auf morgen. Wobei übermorgen halt oft schon wieder der Schal fällig wird – es funktioniert tatsächlich auch umgekehrt so.
Etwas anderes. Hamburg. Sie kennen das Klischee bezüglich der Hanseaten? Zurückhaltend, zu Understatement neigend, gern in ein maritimes Blau (anglophil angehaucht) gekleidet, ergänzt durch goldene Knöpfe (Herren) bzw. eine einreihige Perlenkette (Damen). Eine Hanseatin, ich bin auch eine, würde Ihnen den momentanen Zustand der Städter wie folgt erklären:
Uns ist – fügen Sie hier bitte ein dezentes Räuspern und eine kleine Kunstpause ein – … ein wenig warm.
Und was mich angeht: doch, mir würde jetzt die Perlenkette solo ausreichen.

Dennoch habe ich vor, Sie heute wieder mitzunehmen. Da ich allerdings davon ausgehe, dass Sie den Besuch einer Backstube brüsk ablehnen würden, treffen wir uns stattdessen in Planten un Blomen. Ehe Sie mosern, dass wir dort Ende Mai schon waren …
Ja, und?
Glauben Sie, Sie haben damals schon alles gesehen?
Es gibt etwas Spezielles, was Sie heute kennenlernen werden, denn diesmal wird es aus gutem Grund einen Abendspaziergang geben. Das hat weiterhin den Vorteil, dass die Glut der Sonne vorbei ist, mit ihr die Sonnenbrandgefahr, und die Schweißausbrüche sind um die Zeit auf ein Minimum reduziert. Ein lindes Lüftchen weht, Sie werden einige Ihnen noch unbekannte Ecken bestaunen können und zum Abschluss ein erfrischendes, berauschendes Wasserlichtorgelkonzert erleben. Wir können uns dazu auch so setzen, dass sie – sobald eine kleine Brise aufkommt – in Maßen angenehm kühle Gischtspritzer zur Erfrischung abbekommen.
Wie klingt das?
Falls Sie im Mai nicht dabei waren oder noch einmal rekapitulieren möchten – hier ist der Link zum Vorgängerartikel:
https://michelelegrand.wordpress.com/2012/05/28/genuss-pur-mitten-in-hamburg-planten-un-blomen-und-das-geheimnis-der-fehlenden-fensterscheibe/

Erinnern Sie sich noch an die Mittelmeerterrassen und die fehlende Glasscheibe im Dach des Kakteenhauses? Richtig, die große Agave (Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss) hatte begonnen, einen Blütenschaft auszubilden. Sie hatte begonnen, ihn wie einen Dorn, wie eine Fahnenstange himmelwärts zu treiben und dabei schon die vorhandene Dachhöhe um mindestens einen Meter überschritten. So war der Stand am 26. Mai, und neulich verrieten die Gärtner, dass sie mit der Blüte Mitte bis Ende August rechnen.
Mittlerweile ist einiges an Höhe hinzugekommen. Die Seitenverästelung, die Anfang Juli begann, ist mittlerweile fortgeschritten. Bereits jetzt gut zu erkennen, wo sich die Blütenstände ausbilden.

1_Hamburg - Planten un Blomen am Abend -  ... und sie wächst und gedeiht: Die einen Blütenstand ausbildende Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss

Planten un Blomen am Abend – … und sie wächst und gedeiht: Die einen Blütenstand ausbildende Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss am 20. Juli 2012

2_Hamburg - Planten un Blomen am Abend -  ... und fünf Sonnentage später (25.07.2012) am Abend (Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss)

Planten un Blomen am Abend – … und fünf Sonnentage später (25.07.2012) am Abend (Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss)

Ein Blick hinab auf den zu Füßen der Mittelmeerterrassen liegenden Alten Wallgraben. Hier ist am Abend eine beschauliche Ruhe eingekehrt. Nur wenige Spaziergänger und einzelne Jogger sind Richtung Alte Wallanlagen unterwegs. Bedingt durch seine recht tiefe Lage im Vergleich zum Niveau der ihn umgebenden Straßen, entsteht dieses Idyll am Wassergraben. Niemand vermutet den viel befahrenen Gorch-Fock-Wall oder die Jungiusstraße in unmittelbarer Nähe.

3_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Palmlilien, Gräser und Disteln - Blick von den Mittelmeerterrassen hinunter zum Alten Wallgraben

Planten un Blomen am Abend: Palmlilien, Gräser und Disteln – Blick von den Mittelmeerterrassen hinunter zum Alten Wallgraben

4_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Perückenstrauch  (Cotinus coggygria)

Planten un Blomen – Perückenstrauch (Cotinus coggygria) beim Tropenschauhaus. Er wird noch plusteriger, „perückiger“ im Laufe der Zeit …

5_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - am Wallgraben

Planten un Blomen: Abends am Wallgraben …

6_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Kormorane im alten Wallgraben

Planten un Blomen – Kormorane im Alten Wallgraben (auf der Baumwurzel im Wasser, fast auf der anderen Uferseite)

6_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Staudenpracht am Alten Wallgraben unterhalb der Mittelmeerterrassen

Planten un Blomen – Staudenpracht am Alten Wallgraben unterhalb der Mittelmeerterrassen

8_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Zurückgeschnitte Eibe, die irgendwie ein Gesicht hat ...

Planten un Blomen – Abends am Wegesrand: Zurückgeschnitte Eibe, die irgendwie ein Gesicht hat …

Der Spazierweg ist frei.
Haben Sie Lust auf ein kleines Spiel, kein waghalsiges Experiment  – mehr  ein risikoarmes Abendabenteuer?
Stellen Sie sich bitte in die Mitte des relativ breiten Weges, drehen sich in Gehrichtung Alte Wallanlagen und schließen Sie die Augen.
Warten Sie einen Moment und lauschen Sie …

Was hören Sie?

Es ist Ihnen bisher vielleicht nicht aufgefallen, weil optische Reize Sie abgelenkt haben, aber irgendwoher rauscht es! Lassen Sie die Augen weiterhin geschlossen und gehen Sie langsam voraus. Der Weg führt leicht bergauf.
Es wird dunkler.
So etwas bemerken Sie auch mit geschlossenen Lidern! Ich verrate Ihnen, dass Sie links und recht von Bäumen umgeben sind, die über Ihnen zusammenwachsen und  ein grünes Dach bilden.
Das Rauschen kommt näher, wird intensiver, lauter …
Atmen Sie tief ein!
Sie riechen oder fühlen vielleicht auch auf der Haut, dass sich die Luft verändert hat. Sie ist reiner, kühler, leicht feucht.

Wenn Sie das Gefühl haben, jetzt sei das Rauschen unmittelbar neben Ihnen: Halten Sie!
Wenden Sie sich nach links und öffnen Sie die Augen!

Als ich es sah, erging es mir wie der Amerikanerin, die auch gerade aus der Gegenrichtung kommend dort eintraf, und ich möchte ihre treffenden Worte wiedergeben:
„Fucking gorgeous!“, war es, was ihr entfuhr.
Das erste Wort ist in seiner Bedeutung nicht unbedingt hanseatisch korrekt. Aber zusammen genommen sagt es alles. Es ist so traumhaft, umwerfend und großartig, bei dieser Geräuschkulisse auf die Steintreppen und die ihre Stufen hinabstürzenden und brodelnden Wassermassen zu schauen! Das Rauschen an den Niagara-Fällen kann doch kaum schöner sein!

10_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Wassertreppe

Hamburg – Planten un Blomen am Abend – Das Wasser rauscht die Steintreppen hinab …

Plötzlich werden Sie gewahr, dass es noch nicht alles war. Abgesehen von dem Rauschen, fällt Ihnen zusätzliches, vielfältiges Plätschern auf und Sie gehen, wie magisch davon angezogen, weiter. Neugierig, überzeugt, dass jetzt nicht noch etwas kommen kann, was Sie wieder derart umhaut. Vielleicht kommt Ihnen der Gedanke, dass das Wasser für diesen eben gesehenen Wasserfall irgendwoher stammen muss – eine Quelle braucht. Und richtig, kaum endet der baumbesäumte Weg am oberen Ende der Wassertreppe, entdecken Sie die Herkunft. Aus vielen offenen Rohrenden, die alle aus zwei sich gegenüberliegenden Steinwänden ragen, strömt Wassernachschub, fällt teilweise metertief hinunter in  Auffangbecken, von denen eines wiederum die Wassertreppe speist.
So schön!
So f…ing gorgeous!

11_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - ... direkt an der Wassertreppe weiteres fröhliches Rauschen und Geplätscher fröhliches Rauschen und Geplätscher

Planten un Blomen am Abend – … direkt an der Wassertreppe weiteres fröhliches Rauschen und Geplätscher

12_Hamburg - Planten und Blomen

Planten und Blomen …

13_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - ... direkt an der Wassertreppe weiteres fröhliches Rauschen und Geplätscher

Planten un Blomen am Abend – … aus den Rohrenden rauscht es hinab … Aus manchen wasserlosen Rohrstücken wachsen Pflanzen.

Wenn Sie die Kühle genossen und sich sattgesehen haben, unterqueren Sie gleich noch die folgende Brücke und werfen darunter und auch dahinter einen Blick auf den Boden. Hier wurden sehr schöne Mosaikmuster eingearbeitet!

14_Hamburg - Planten un Blomen am Abend -  Farbenfroh gelegte Muster am Boden

Planten un Blomen – Farbenfroh gelegte Muster am Boden

Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass wir jetzt dringend zum Parksee aufbrechen müssen, denn pünktlich um 22 Uhr beginnt dort das Wasserlicht(orgel)konzert!
Wir streifen einfach quer durch die Parkanlage, kommen Sie vertrauensvoll mit mir mit …
Als Route zurück (wieder hinauf zum Tropenschauhaus), dient uns diesmal der rollstuhltaugliche Weg, der an der Wassertreppe beginnt und oben nahe der Bucerius Law School endet.

9_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Rechts das markante Gebäude der privaten Bucerius Law School mit dem Fernsehturm im Hintergrund

Planten un Blomen am Abend – Rechts das markante Gebäude der privaten Bucerius Law School mit dem Fernsehturm im Hintergrund

15_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - ... steht am Eingang zum Spielplatz

Planten un Blomen am Abend – … am Spielplatz vorbei, wo dieser Herr steht …

16_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Richtung Parksee_Ein Meer in blau ...

Planten un Blomen am Abend – … weiter Richtung Parksee: Ein Meer in blau …

17_Hamburg - Planten un Blomen am Abend -  ... und immer wieder Wasser

Planten un Blomen am Abend – … und immer wieder Wasser

18_Hamburg - Planten un Blomen - Schön in der Abendämmerung: die weißen Silberkerzen (Cimicifuga) und blühende Funkien

Planten un Blomen – Schön in der Abendämmerung: die weißen Silberkerzen (Cimicifuga) und blühende Funkien

Na bitte, wer sagt es denn!
Wir sind gut in der Zeit.
Von Mai bis einschließlich August starten die Konzerte um 22 Uhr, den ganzen September über um 21 Uhr. Von Oktober bis Ende April hingegen herrscht Winterpause.

Haben Sie eine ungefähre Vorstellung, was Sie erwartet?
Die Kurzfassung könnte so lauten:
Musik an, Wasser an, Licht an!
Wie nüchtern, wie langweilig, wie uninspirierend!
Ich verrate Ihnen ein bisschen mehr.
Sie kommen heute in den musikalischen Genuss des Karnevals der Tiere. Gratis! Sie lauschen ihm in der Dunkelheit, und sie erhalten gleichzeitig zusätzlich etwas  für ihre Augen, das Gemüt,  für Ihre Seele. Ihnen werden Farbenpracht und wunderschöne, anmutige, aber auch mitreißende Wasserspiele geboten werden!
Einige Male könnte Ihnen möglicherweise  ein Ooooh! und Aaaaaah! herausrutschen …
Es wird Sie beeindrucken! Sie und all die anderen, die sich hier sammeln, um sich ein solches Erlebnis nicht entgehen zu lassen.

Möchten Sie wissen, wie dieses kleine Wunder entsteht?
In den Parksee sind sowohl Wasserdüsen für Fontänen als auch Lichtstrahler für buntes Licht eingebaut. Am Ufer stehen mehrere in großer Höhe montierte Lautsprecher, die zwar keine Hi-Fi Qualität haben, aber ihren Zweck hinreichend erfüllen. Sie verbreiten die Musik, die dort an den Konzertabenden erschallt. Oft Klassik, doch es gab auch schon Rockstücke oder Filmmusik, zu denen für die Wasserlichtorgel eine Choreographie erarbeitet wurde.

Wie das funktioniert?
Während der etwa 30 min. andauernden Darbietung, wird von zwei Künstlern (live!) an der „Wasserlichtorgel“ und am „Lichtklavier“ gespielt. Während der eine die 13 Pumpenhebel für die Fontänen bedient, steuert der andere eine sehr große Anzahl von Tasten über ein zweimanualiges Licht-Keyboard und regelt auf diese Art 762 Lampen in fünf Farben.
Um sehen zu können, was sie „anrichten“, befinden sich diese beiden Personen in einem kleinen Raum direkt am Parksee, der Fenster direkt in Höhe der Wasseroberfläche hat. Wenn Sie sich auf der Wiese befinden, ist dieser Raum von Ihnen aus gesehen links (Richtung Café Seeterrassen).
Die Musik selbst ist nicht live. Sie kommt von CD, Band, aus der Konserve …

19_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Das Café Seeterrassen am Parksee erleuchtet und für eine besondere Feier dekoriert

Planten un Blomen … Ein Blick hinüber zum Café Seeterrassen. Erleuchtet und für eine besondere Feier dekoriert …

Die Hitze des Tages ist angenehmen Abendtemperaturen gewichen. Kaum Wind, die Dunkelheit setzt jetzt rasch ein. Nehmen Sie Platz und genießen Sie die Vorstellung. Gerade eben wurden die erst kurz zuvor eingeschalteten Parklaternen wieder gelöscht.
Es geht los!

20_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert Karneval der Tiere 20.07.2012

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“

21_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert Karneval der Tiere 20072012

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“

22_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert Karneval der Tiere

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“ – Mehr dazu (Artikel und Fotos) im Blog: Michèle. Gedanken(sprünge) – Juli 2012

25a_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert Karneval der Tiere

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“

23_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert "Karneval der Tiere"

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“

24_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert Karneval der Tiere 20072012

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“

25_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert "Karneval der Tiere"

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“

27_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert "Karneval der Tiere" 25.07.2012

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“

Finale …

26_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert "Karneval der Tiere" 25072012

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“

Vorbei. Schon … Eine halbe Stunde, die wie im Fluge verging.

Haben Sie gelegentlich die leichten Gischtspritzer gespürt? Empfanden Sie es nicht auch eher angenehm als störend an diesem warmen Tag?
Konnten Sie ein wenig erholen nach der brütenden Hitze des Tages oder sogar für einen Moment den Alltag vergessen und sich ein klein bisschen verzaubern lassen?
Falls es Ihnen gefiel – Sie dürfen selbstverständlich auch alleine wiederkommen! (Diese Wasserlichtorgel hat durchaus ein leichtes Suchtpotenzial …)

Bis zum Ende dieser Saison sieht das weitere Programm folgendermaßen aus:
01.-15. August Tango (Arr. Héctor Gonzáles-Pino)
16.-31. August (erneut) Karneval der Tiere (Arr. Birgit Winzler)
01.-15. September Filmmusik (Arr. Héctor Gonzáles-Pino)
16.-30. September Scheherezade (Arr. Tanja Naini)

Ich freue mich, dass Sie dabei waren und wünsche Ihnen noch weitere angenehme Sommertage! Vielleicht lesen wir uns demnächst wieder.

Anmerkung:
Ich hatte für Sie auch ein kleines Video vorbereitet, doch YouTube wies gleich nach Hochladen auf eventuelle urheberrechtliche Probleme hin (die Musik!).
Nun, reagieren wir mit einem gelassenen hanseatischen Pffft! sowie stoischem Blick darauf, greifen auf obige Fotos zurück und halten uns an unsere eh viel stärkere Kraft der Imagination.

©Juli 2012 by Michéle Legrand

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