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Heute wieder die Beine gesehen – nicht am Geländer…

Im letzten August lernte ich Traumbeine kennen. Unverhofft.  Darüber habe ich damals via http://www.goodnewstoday.de berichtet. Heute kam ich erneut an diesen Platz des Geschehens und traf sie wieder. Die nicht enden wollenden Beine…
Für alle, die sie nicht kennen auch hier im Blog nachfolgend:

Beine am Geländer

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Viele von euch wissen es schon: Meine Tochter zieht aus, und zurzeit ist gerade die Renovierung der neuen Wohnung auf der Tagesordnung. Glücklicherweise kennen Töchterlein und ihr Freund viele Menschen, die bereit sind, den jeweiligen Fähigkeiten entsprechend zu helfen. Auch ich ‚durfte’  gleich mehrfach mitmachen.
Heute Morgen nun komme ich mit dem Auto in der kleinen Nebenstraße an, finde sogar eine Parklücke gegenüber dem Haus und schau mich vorsichtshalber  noch einmal um, ob ich nicht doch irgendwo jemanden blockiere.
Eine kleine Bewegung oder ein minimales Geräusch,  lenken meinen Blick nach oben zu einer Dachterrasse im Obergeschoss. Dort hängen Beine heraus! Beine, unendlich lang und makellos, haben  den Weg durch die Streben des Geländers gefunden. So bildhübsch und ebenmäßig, dass ich erst denke, jemand hätte  zum Jux eine Schaufensterpuppe drappiert.
Kann aber nicht sein, denn die Beine fangen an, sich zu bewegen. Beingymnastik.. Linkes Bein hoch und strecken, Fuß kreist. Das rechte Bein folgt. Tja, da tut eine Dame aber was für ihre Extremitäten. Hat sich aber echt gelohnt!
Nun, ich bin nicht zum Gucken hier. Ich hole noch Material aus dem Kofferraum und schlage die Klappe zu.  Plötzlich ertönt eine Stimme von oben: „Mona, bringst du die Post mit hoch?“
Ich fühle mich nicht angesprochen und schweige.
„Hallo?“ ertönt es etwas irritiert. „Hast du mich gehört?“
Irgendwie scheint die Beinschönheit dort oben hier unten jemand anderen zu erwarten. Es ist mir zu doof, gar nichts zu sagen – also antwortete ich in Richtung Terrasse:
„Tut mir leid, ich bin nicht Mona! Ich habe nur hier geparkt und gerade ihre Traumbeine bewundert.“
Wuups, da ist es wieder passiert! Spontan. Das, was gerade in den Sinn kam. Herausgelassen. Unverblümt. Glücklicherweise in den meisten Fällen geht es wenigstens um Positives.
Zuerst passiert gar nichts. Ich will mich schon dezent und unerkannt verdrücken. Dann erscheint über dem Geländer ein Kopf, der sich lachend zu mir herunterbeugt. „Danke!“ gluckst die Stimme von zuvor.
Ich gucke mindestens dreimal und muss mit Gewalt den Mund zuklappen. Es sieht sonst zu blöd aus. Die Dame ist keine Dame. Die Dame ist ein Herr! Mit Kleid, halblangen, dunklen Haaren, die von einer Sonnerbrille zurückgehalten werden. Leicht geschminkt, aber ohne Zweifel ein männliches Wesen!
Zum Kaschieren meines Erstaunens, platzt solcher Nonsens heraus wie:
„Sie wären ein supergefragtes Strumpfmodel!“
„Weiß ich,“ kommt die Antwort, „aber die nehmen lieber Frauen für ihre Feinstrumpfhosen.“  Was für eine Unterhaltung. „Wohnen sie jetzt auch hier?“ werde ich gefragt.
„Nein, Ihnen gegenüber ziehen meine Tochter und ihr Freund ein.“
„Aha, schön, vielleicht sieht man sich noch mal. Oder ich lasse wieder die Beine baumeln ….“
Ich grinse und verabschiede mich. Freundlicher Zeitgenosse.

Danach gehen die Renovierungsarbeiten in der neuen Wohnung los, und nach drei Stunden will ich auf dem kleinen Balkon eine Umzugsdecke, die als Unterlage diente, ausschütteln. Direkt gegenüber ist die Dachterrasse. Wie gemalt steht  meine Strumpfmodel-Bekanntschaft in der Mittagssonne. Hüfte leicht eingeknickt, ein Bein etwas angezogen, das Kinn  Richtung Sonne gestreckt, die Hand vor Augen wie Kolumbus, als er von Bord aus Amerika  entdeckte.
Tolles Profil… Was für ein Foto würde das geben! Und diese Wahnsinnsbeine!
Strumpffabrikanten und Werbefirmen der Welt: Ihr seid so ignorant, wisst gar nicht, was euch hier durch die Lappen geht.  Und nicht nur euch…
Er entdeckt mich und winkt herüber. Ich zurück. Keine Distanz, die überbrückt werden müsste, weder im Allgemeinen noch im Besonderen.
Eine halbe Stunde später verabschiede ich mich bei meiner Tochter und ihrem Freund. Habe ihr von ihrem Gegenüber-Nachbarn erzählt. Sie findet’s gut.  Gemeinsam tragen wir Müllsäcke zum Auto, die ich zum Entsorgen mitnehmen will.  Automatisch schaue ich zum Geländer hoch – kann mir ein Lächeln gar nicht verkneifen. Unser Aufbruch wurde bemerkt.
Wir klönen noch über dies und das, und am Ende kommt das Angebot, dass er, sollte mal etwas sein, immer gern zur Verfügung stände. Man könnte sich ja von Balkon zu Balkon gut Signale geben!

Mehr wäre dazu gar nicht zu sagen. Ich wollte es euch nur gern erzählen, weil ich es als unheimlich positiv empfand.  Meine Erkenntnis des Tages:
Gut, ich sollte vielleicht manchmal etwas die Spontan(e)ität  zügeln, aber generell kann man es durchgehen lassen. Und, wichtiger noch: Lass dich auf alles und jeden ein. Punkt.

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Schwierigkeiten mit der perfekten Glückwunschkarte

Ich habe mich gestern doch ein bisschen amüsiert …

Meine Mama sowie mein Stiefpapa sahen zum ersten Mal die neue Wohnung, die meine Tochter und ihr Freund gemeinsam bezogen haben. Ende August war die Übergabe, danach stand die Renovierung an. Im September erfolgte der Einzug, aber irgendwie klappte es bisher nicht mit der Besichtigung durch die Großeltern.
Nun endlich!
Beide sind nach dem Rundgang begeistert und haben der Enkelin sogar ein kleines Geschenk zum Einzug mitgebracht  Daran ist eine Karte befestigt. Auf ihr ist vorne zu lesen:
„Glückwunsch zum Einzug“.
Darunter ca. zehn Sprechblasen mit passenden Sprüchen. „Alles Gute im neuen Heim“, „Fühl dich wohl in den neuen vier Wänden“, „My home is my castle“ usw.
Die Enkelin findet sie originell. Ihre Oma sieht etwas unschlüssig aus, holt Luft … nur sagt dann doch nichts. Noch nicht!
Meine Tochter will die Klappkarte öffnen, nur meine Mutter stoppt sie.
„Warte! Ich fand die Karte auch originell. Nur, wundere dich nicht, wenn jetzt im Innern nichts mehr weiter steht! Mensch, erst fand ich die Karte so klasse! Originell, passend und perfekt –  aber zu Hause habe ich EINE Stunde gesessen und nicht gewusst, was ich schreiben soll, weil die alles, aber wirklich ALLES, schon vorne gedruckt haben.“
Sie verzog ihr Gesicht, der Blick war komisch verzweifelt.
Ach, ich konnte es mir bildlich so gut vorstellen!
Meine Mama. Anfangs ungebremster Tatendrang. Ran ans Werk!
So, jetzt schreibe ich schnell die Karte fertig!
Voller Elan nimmt sie Platz am Tisch, die Brille auf der Nase. Bei jeder Idee die Kontrolle, der Abgleich, ob es eventuell schon vorne steht. Und jedesmal:
Schiet, der Spruch ist auch schon da!
Die Zeit läuft. Es wird am Stift gekaut, gebrütet, es werden Ideen verworfen. Es wird geseufzt, irgendwann auch enerviert gemosert. Herrschaftszeiten …!
Ja, so oder ähnlich muss es gewesen sein …
Ich versuche, mir ein Grinsen zu verkneifen.
Die Enkelin darf nun die Karte öffnen. Dort steht geschrieben:
„Liebe C., die Kartengestalter hätten mir auch mal einen Satz übrig lassen können!“

Danach jedoch folgen ein paar ganz persönliche Glückwünsche für die Zukunft der beiden.
Das stand nämlich nicht auf der Karte! HA!

Ich könnte mir vorstellen, dass der Blick meiner Mama nach Fertigstellung der Karte doch eine gewisse Erleichterung zeigte und  bestimmt auch etwas … Triumphierendes hatte.

©Dezember 2010 by Michèle Legrand

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