Beiträge getaggt mit Tätigkeiten zu Ostern

Ogtern …

Ostern ist ein netter Anlass für eine kleine, spontane Unterbrechung der MADEIRA-Blogreihe.

Kennen Sie noch den genialen Schweizer Kabarettisten Emil Steinberger? Erinnern Sie sich eventuell sogar
an seinen Sketch, in dem er als Mitarbeiter des Telegrafenamtes versucht, während seines Telefondienstes nebenher ein Kreuzworträtsel zu knacken? Die Frage nach dem kirchlichen Feiertag entpuppt sich als zum Haare raufen schwierig, obwohl bereits ein Teil der Lösung da ist. Nur das Grautier senkrecht mit vier Buch-
staben („…Egel?“) sorgt bei Emil für Ratlosigkeit, als es für den quer einzutragenden Feiertag ein G als zweiten von insgesamt sechs Buchstaben vorgibt. O…Og… Ogtern? Das G hat es in sich. Von da an passt nichts mehr so recht, ergibt lediglich Begriffe unbekannter Natur, und nebenher klingelt auch noch ständig das Telefon. Wie soll man sich da bitte schön konzentrieren …

Liebe Blogleser, ich grüße Sie! Ogtern! Die Karwoche nähert sich dem Ende. Mit Fug und Recht lässt sich sagen, es ostert jetzt wirklich, und mit schöner Regelmäßigkeit muss ich spätestens dann an Emil denken. Oh, keine Frage, natürlich ist Ostern vor allem ein sehr hohes, christliches Fest, dessen Anlass Sie kennen und dessen Wichtigkeit ich keineswegs schmälern möchte. Nur lassen Sie uns heute jeder für sich und auf seine Art daran denken, hier im Blog jedoch ein wenig vom religiösen Hintergrund abschweifen.
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Osterstrauß mit Korkenzieher-Haselnuss und mit ausgepusteten Eiern behängt
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Womit verbinden Sie außerdem – jetzt Sie für sich gesehen – Ostern und die Osterfeiertage? Mit ein bisschen mehr Freizeit und einem Treffen mit der Familie? Oder etwa mit Stress und im Stau stehen? Mit Spaziergang, Frühlingssonne, erstem Grün oder eher mit einem spätem Wintereinbruch? Mit einem Gottesdienstbesuch?
Mit dekorierten Zweigen, farbenfrohen Ostereiern, Horden von Schokoladen- und Plüschosterhasen?
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Hasenschule - Plüschhasen an kleinen Holzbänken sowie ein Lehrer vor der Tafel sitzend
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Mit Eierfärben und den dabei mal wieder aus Versehen mitkolorierten Händen?
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Eierfärberei ... buntgefärbte Eier am abtrocken auf Küchenpapier
Oder mit einem schönem Osteressen? Mit Bauchschmerzen nach zu viel Süßem? Mit einer Gewichtszunahme nach Marzipanorgien?
Mir kommt gerade erhebliches Schwindelgefühl durch wahrscheinlich zu ambitioniertes Eierauspusten in den Sinn! Dabei kann einem richtig schwarz vor Augen werden …! Ansonsten verband ich speziell den Oster-
sonntag lange Zeit mit der Hoffnung auf zumindest halbwegs trockenes Wetter und mit dem Aufstehen um
halb fünf, um Osterhase im Garten zu spielen, bevor die Kinder wach wurden. Ich denke auch heute noch an
temperamentvolle Eiersuchen und übersehene Reste, deren Verstecke irgendwann im Laufe des Jahres mit großem Hallo wiederentdeckt wurden …

Seit die kleine Enkelin hier mit von der Partie ist, fallen mir viele der selbsterdachten Geschichten wieder ein,
die ich damals meinen Kindern erzählte. Die ich wunschgemäß wiederholen musste wie eine Schallplatte –
oder aber, es wurden neue Episoden erbettelt, in denen die einmal liebgewonnenen Helden sich weiteren Aben-
teuern zu stellen hatten und dabei wieder völlig andere Fähigkeiten an sich entdeckten.

Dass es keinen echten Osterhasen gibt, hatten meine beiden zwar relativ früh spitz gekriegt – der Kindergarten mit den gut informierten älteren Kindern hält mit nichts hinter dem Berg. Doch selbst mit dem Wissen, dass in Wirklichkeit gar kein Fellwesen auftaucht, waren Osterhasengeschichten im Kindergarten- und Grundschulalter äußerst angesagt. Altersabhängig fielen sie leichter verständlich oder bereits anspruchsvoller in der Sprache aus und enthielten dementsprechend eben weniger bzw. ein paar mehr oder kompliziertere Ausschmückun-
gen.

Großer Beliebtheit erfreuten sich Rüdiger und Ralf, die Hasenzwillinge. Die zwei waren als Osterhasen für un-
seren Stadtteil zuständig. Sie wissen sicher, dass man Stadtteile immer an zwei Hasen vergibt, weil einer allein das nun wirklich nicht schaffen kann!
Eineiige Zwillinge werden dabei bevorzugt. Schließlich glauben die Jüngsten weiterhin, es gäbe nur einen einzigen Osterhasen überhaupt! Aus diesem Grund macht sich trotz allem konsequent immer nur ein Osterhase zur Zeit auf den Weg, während der andere sich derweil ausschläft oder Bürokram erledigt. Auch Osterhasen leiden ganz schön unter den Verwaltungsauflagen der Hasenbehörde.
Beim Einsatz von Rüdiger und Ralf konnte absolut nichts schief gehen, selbst wenn ein Kind zufällig beiden nacheinander begegnet wäre. Die Brüder hatten als zusätzlich überzeugendes Kriterium für eventuelle Zweifler jeder links ein Knickohr, das dauernd herunterklappte. Als Erkennungsmerkmal so markant, dass niemand auf die Idee gekommen wäre, es liefen zwei Hasen mit genau dieser Art von Klappohr herum.

Allerdings waren Rüdiger und Ralf mittlerweile nicht mehr die Jüngsten, und ihnen fiel die stundenlange oster-sonntägliche Herumhoppelei mit immer neuen Eierladungen schwerer und schwerer. Es würde auch ständig mehr, so klagten sie. Sie benötigten Verstärkung – und hier kam Ruth ins Spiel, die jüngere Schwester der beiden. Ruth, eine aparte und lebensfrohe Häsin, hatte sich in jungen Jahren in einen Italiener verliebt und war mit ihm bei Nacht und Nebel nach Südtirol durchgebrannt. Marcello und Ruth blieben einige Zeit dort, bis Ruths Heimweh doch zu stark wurde. Marcellos Heimat bot hauptsächlich Berge, die sehr schön anzusehen waren – doch ihr fehlten das Wasser, der Hafen … und ihre Familie! Marcello zog ihr zuliebe mit in den Norden, und bald nach der Rückkehr erblickten zwei aufgeweckte Hasenkinder, Ricardo und Rosella, das Licht der Welt. Am Waldesrand, nahe eines Karottenackers bei Duvenstedt.

Rüdiger und Ralf waren hellauf begeistert. Eine Lösung für ihr Osterhasenproblem rückte in greifbare Nähe. Als Ruths Nachwuchs in einem adäquaten Alter war, fragten die wieder einmal sehr geschafften Osterhasenonkel, ob Nichte und Neffe nicht in den Familienbetrieb einsteigen wollten und ob sie bereit wären mitzuhelfen. Rosella besaß schließlich eine ausgeprägte künstlerische Ader. Sie malte mit großer Hingabe und würde wundervolle Motive auf die Eier zaubern! In dem sportlichen Ricardo mit dem exzellenten Orientierungssinn sahen sie hin-
gegen den idealen Ergänzungsosterhasen. Zwar kein Zwilling, doch die Familienähnlichkeit fiel trotz Marcellos genetischen Einflusses frappierend aus. Erstaunlicherweise hatte sich sogar das Knickohr weitervererbt – was sicherstellte, dass Ostern weiterhin alles in geordneten Bahnen ablaufen würde.
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XL-Eier
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Was die beiden Onkel nicht bedacht hatten, war, dass Ricardo definitiv einer anderen Generation angehörte. Er war ein moderner Hase, der absolut keine Lust hatte, mit einer Kiepe aus geflochtenen Weidenruten auf dem Rücken herumzulaufen. Ihm schwebte ein silberner Eastpak-Rucksack mit Rennwagenmotiven vor, was heftige Diskussionen zur Folge hatte.
„Ricardo, du kannst nicht mit so einem Rucksack Eier austragen!“
„Und warum nicht?“, fragte der bockig und ließ als Halbitaliener temperamentvoll seine Hinterpfoten knallen. „Es ist doch eh fast dunkel, wenn ich unterwegs bin!“
„So läuft ein Osterhase einfach nicht herum!“ kam es knurrend zurück.
„Onkel Ralf, ihr seid dermaßen altmodisch! Eine Kiepe! Das ist vorsintflutlich! Außerdem ist das Ding nicht wasserdicht. Sollen die Kinder alle Matscheier kriegen?“
„Apropos Matsch“, warf Onkel Rüdiger ein, „Ricardo, ein nachgiebiger Rucksack bietet überhaupt keinen sicheren Halt für die zerbrechliche Ladung!“

Als Ricardo klar wurde, dass sein Onkel recht hatte und die Eier darin tatsächlich nicht sonderlich gut geschützt waren, konstruierte er ein etwas futuristisch anmutendes, tragbares, zum Rücken hin gepolstertes Metallgestell, in das man von beiden Seiten schubladenartig jeweils 6er-Eierpaletten einschieben konnte.
Bis zu sieben Paletten übereinander! Und die hielten selbst bei einer Notbremsung und beim über den Zaun hüpfen zuverlässig. Die Schutzabdeckung war  isolierend, selbstverständlich wasserdicht, silbern und trug die bevorzugten Motive: Formel-1-Flitzer.

Ricardo gefiel nicht nur der Anblick schneller Autos, er erlebte selbst gern einen kleinen Geschwindigkeits-
rausch. Er war der erste Osterhase, der die Eierverteilung in Rekordzeit auf Inlineskatern erledigte. Auch daran gewöhnten sich Rüdiger und Ralf – nachdem der erste Schock abgeklungen war. Genauso lernten sie zu akzeptieren, dass Rosella teilweise recht eigenwillige Motive für die Eier wählte, dazu einen Graffiti-Look mit ungewöhnlichen Effekten kreierte und sogenannte Plusterfarbe verwendete, die wie Hefe aufging und sich wie ein etwas übergewichtiger Wurm ums Ei wand, wenn sie wieder einmal Tintenfischtentakel auftrug. „Neumodischer Kram“, brummelte Onkel Rüdiger anfangs leicht verächtlich. Onkel Ralf schüttelte es manchmal heimlich … Ihnen entging jedoch nicht, dass die beschenkten Kinder von Rosellas Eiern begeistert waren, und so gingen er und sein Zwillingsbruder letztendlich doch mit der Zeit …

Mademoiselle, meine kleine Enkelin, ist dieses Jahr noch zu jung für diese Sachen. Ich bin mir jedoch sicher, irgendwann fordert und hört auch sie Geschichten – die von Rüdiger und Ralf in diversen Lebenslagen und mitunter gefährlichen Situationen oder die von Magnus, dem nachtblinden Osterhasen aus Hamburg-Poppenbüttel, der die Eier beim Austragen in Dämmerung und Dunkelheit schon mal aus Versehen im Gartenteich versenkte.
Möglicherweise wird sie auch ganz neue Helden und Geschichten wollen. Wird wie ihr Papa oder ihre Tante damals einfach ein Stichwort liefern, den endgültigen Namen ihrer Lieblingsfigur mitbestimmen und zwi-
schendurch neugierig Fragen stellen, die dem Ablauf der Geschichte sofort eine neue Wendung geben.
Wie überlistet der Osterhase die Dobermänner, die den Garten von Herrn Niedermayer bewachen …?
Oder was macht der Osterhase bloß, wenn ihn auf einmal eine ganz dolle Pollenallergie packt?

Der Stoff wird vermutlich nie ausgehen. Allerdings muss ich für heute aufhören. Erstens sind Sie kein Kind mehr und haben irgendwann genug von Ostergeschichten, und zweitens sind die Osternester hier noch nicht fertig.

Ich habe jedoch schon etwas Moos gesammelt …
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Moosberg - Durch Vertikutieren entferntes Moos zum Hügel gestapelt
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Ihnen allen ein frohes Osterfest und schöne Feiertage!

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© by Michèle Legrand, April 2017
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

 

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