Beiträge getaggt mit Stepptanz

Edgar Bessen ist tot. Abschied von einem liebenswerten Menschen …

Morgen wird es in den Zeitungen stehen. Wieder ist ein Guter gegangen.
Sie werden ihn ehren, was er verdient hat. Sie werden an den Schauspieler erinnern, seine Rollen und Engagements, seine Preise erwähnen. Seine Karriere …
Ich möchte an den Menschen Edgar erinnern. Von ihm erzählen.
Im November vor einem Jahr, stieß ich hier im Blog einen Toast auf ihn aus. Mein sehr geschätzter, freundlicher, liebenswerter Stepptanzkollege Edgar feierte damals seinen 77. Geburtstag.
https://michelelegrand.wordpress.com/2010/11/10/herzlichen-gluckwunsch-edgar-%E2%80%93-einen-toast-auf-meinen-steppkollegen/
https://michelelegrand.wordpress.com/2010/11/11/kleiner-nachtrag-zu-edgar/

Heute gibt es leider nur den traurigen Anlass seines Todes, der mich dieses Mal zur Feder greifen lässt.
Edgar Bessen, ein Begleiter meiner Kindheit und meiner Jugend. Begleiter aus der Ferne, denn ich wuchs in der Zeit auf, als Edgar am Theater in Hamburg war, ein „Volksschauspieler“ – seinerzeit fest am Ohnsorg-Theater engagiert. Damals wurden die Aufführungen in größeren Abständen, dennoch regelmäßig, vom Norddeutschen Rundfunk im Fernsehen ausgestrahlt. Damit wurde ich groß. Es war ein Ereignis, wenn eine Aufzeichnung auf dem Programm stand!
Als Kind fand ich sie schön, diese harmlose, heile Welt auf der Bühne mit ihren teilweise herrlich verschrobenen Typen. Und ich mochte den Neffen von Henry Vahl: Edgar Bessen. Es hat leider nicht geklappt, ihn im Weihnachtsmärchen als Prinzen zu sehen, irgendwer machte mir damals einen Strich durch die Rechnung. Das hinderte mich jedoch nicht daran, seinen Weg weiter zu verfolgen, immer aus der Distanz.

Dann, plötzlich vor etwa vier Jahren, lernte ich ihn persönlich etwas näher kennen. Edgar, der früher ernsthaft Turniertanz betrieben hatte (mit seiner Frau), besaß ein Faible für Stepptanz.
Doch, auch noch in seinem Alter!
Es begeisterte mich! Jeden Donnerstag war er dabei, wenn unsere Riege sich traf. Selbst eine Hüftoperation, die, wenn ich mich richtig entsinne Ende 2009 notwendig war, konnte ihn nicht davon abhalten.
Nach der Reha spielte er seine Rolle im Musical „Ich war noch niemals in New York“ weiter, und er kam zurück zu uns zum Training.
Ein bisschen kürzer trat er, und Ende 2010 ging es ihm kurzzeitig nicht wirklich gut.. Wir freuten uns, als er bald darauf erholter wirkte, dennoch schien ihn im Laufe des Frühjahrs das Steppen mehr und mehr anzustrengen. Wir schoben es auf unser anziehendes Tempo sowie spezielles Training vor einem Auftritt. Da er Auftritte ohnehin nicht mitmachen wollte, ließ er diese Choreografien einfach aus.
Edgar setzte sich zwischendurch hinten in den Übungsraum auf dort bereitstehende Stühle, von denen aus er einen exzellenten Überblick hatte und übernahm – wie es sich für einen Schauspieler gehört – mehrere Rollen:
Er war Beobachter, Kritiker, Imitator, Mittänzer (im Sitzen auf seinem Stuhl klapperten oft die Füße im Rhythmus) und vor allem Kommentator. Es ist schwierig zu beschreiben für jemanden, der es nicht miterlebte.
Edgar schien im Grunde ein leiser Mensch zu sein. Ein stiller Charakter. Als reiner Privatmensch. Bis – ja, bis er anfing zu reden und dann wurde klar, warum er ein guter Schauspieler geworden war. Ihm gelang es zu überraschen, er gab seelenruhig die trockensten und am wenigsten erwarteten Kommentare von sich und zwar genau im richtigen Moment.
Pointe auf den Punkt!
Seine Gesten saßen und wirkten doch nicht gestellt. Seine Stimme passte sich mühelos der von ihm dargestellten Person an. Sein Zwinkern brachte mehr zum Lachen, als sogenannte bombensichere Witze manch sogenannter Komiker es vermögen. Sein Humor war ein feiner. Wenn er wen auf die Schippe nahm, dann vorrangig sich selbst.
Ich verglich ihn damals im Blog mit einem kleinen Vulkan, der plötzlich erumpiert. Kein Ätna, der Lavamassen spuckt, die alles unter sich begraben. Vielleicht war er doch mehr das fröhliche Tischfeuerwerk, vor dem keiner Angst haben brauchte, doch alle glänzende Augen bekamen, wenn wieder die Funken sprühten.
Irgendwann im Spätsommer meldete er sich nicht mehr für einen neuen Kurs an. Die Zeit des nur Zuschauens war angestiegen, die des Mitmachens entsprechend gesunken. Ganz trennen konnte er sich dennoch nicht. Er begleitete uns ins St. Pauli Theater, als dort Rasta Thomas und seine Bad Boys auftraten, hervorragende Stepptänzer aus den USA.
Edgar kam weiterhin in regelmäßigen Abständen zu Besuch – zum Gucken und Hallo sagen. Das letzte Mal sprach ich am 26. Januar 2012, eine Woche vor seinem Tod, mit ihm und nichts deutete darauf hin, dass es keine Wiederholung geben würde …

Im November 2008 anlässlich seines 75. Geburtstages, hatte uns ein Fotograf vom Hamburger Abendblatt besucht und die Redakteurin Nataly Bombeck berichtete über ihn. Ein Foto des Stepptänzers Edgar Bessen im Kreise seiner Mädels erschien in der Tageszeitung. In dem erwähnten Interview wurde er gefragt, warum er diesen Sport betreibe. Edgar erklärte ernsthaft:
„Ich muss mich doch fit halten! Ich will schließlich noch 80 werden und merke, dass man beim Tanzen neben dem Körper auch sein Gehirn enorm trainiert. Schließlich muss ich mir dabei so einige Schrittfolgen merken …“

Es hat nicht sollen sein. 78 Jahre alt ist er geworden und hinterlässt Frau, Tochter, Enkeltöchter … denen er sehr fehlen wird.
Auch wir werden ihn alle sehr vermissen. Jede(r) auf seine Art. Hart, ihn gehen lassen zu müssen, aber schön und beruhigend, dass es solche Menschen gibt auf dieser Welt.
Gegeben hat.
Ich habe mich noch nicht an die Vergangenheitsform gewöhnt …
Danke, Edgar Bessen!
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Nachtrag am 16. Februar 2012:
Wie heute verlautete, finden die Trauerfeier sowie die Beerdigung  am Montag, den 20. Februar statt. ->  12.30 Uhr Fritz-Schumacher-Halle, Bestattungsforum Ohlsdorf)
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20. Februar 2012: Ein weiterer Nachtrag:
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Fritz-Schumacher-Halle, Bestattungsforum, Friedhof Ohlsdorf

Die Trauerfeier für Edgar Bessen fand in der Fritz-Schumacher-Halle statt

Heute war die Trauerfeier und anschließende Beerdigung von Edgar Bessen. Der Anlass für eine solche „Feier“ verbietet es eigentlich, das Wort schön als Beschreibung zu wählen. Doch es gibt schöne Trauerfeiern, solche, die es schaffen es, persönlich und würdevoll zu sein. Sie vereinen Freude darüber, dass es den Menschen, der nun gegangen ist, gegeben hat mit der Trauer, dass er jetzt nicht mehr dabei sein wird. Sie bieten allen die Chance, sich zu erinnern, sich mit anderen ein wenig vereint zu wissen in dieser Situation, die den Verlust so deutlich zeigt, und sie geben die Gelegenheit, Edgar Bessen die letzte Ehre zu erweisen. Sich von ihm zu verabschieden. Zu verabschieden, wohlgemerkt, nicht ihn zu vergessen …

Gestern wurde an ihn erinnert. Mehrere Menschen berichteten über ihn, versuchten ein Bild von ihm zu zeichnen. Erzählten aus seinem Leben, beschrieben seine Laufbahn und Karriere als Schauspieler, ließen sogar teilhaben an privaten Erlebnissen der Familie. Es waren Weggefährten, die ihn vor mehr oder weniger langer Zeit begegnet waren – und sein Leben weiter verfolgten oder auch weite Strecken mit ihm zusammen zurücklegten.  (Traueransprachen: Gerd Spiekermann, NDR und Christian Seeler, Intendant des Ohnsorg Theaters). Kollegen, die mit ihm zusammen gearbeitet hatten, sprachen für und von ihm. Andere kamen einfach als Trauergäste. Stimmungsvoll auch die ausgewählte Musik. Love Newkirk, eine Sängerin, mit der Edgar Bessen für Soul Sisters auf der Bühne des Altonaer Theaters stand, sang wunderschön Amazing Grace (später am Grab trug sie ein weiteres Lied vor), Jurek Jerzy Lamorski  spielte auf dem Akkordeon eine Version von La Paloma, wie ich sie noch nie gehört habe! Und wie ich auch ein Akkordeon noch nie gehört habe! Einfach unglaublich … Ein Rilke-Gedicht (Die Blätter fallen, fallen weit…) wurde vorgetragen und Holger Löwenberg sang im letzten Teil Tears in Heaven von Eric Clapton (Ebenfalls wundervoll die Art, wie er es tat!).
Ich glaube, Edgar Bessen hätte es sehr gefallen. Alles. Besonders bestimmt auch das, was sein Schwiegersohn ihm versprach …
Manchmal sah ich Edgar direkt vor mir. Wenn ihm an irgendeiner Stelle zu viel Gedöns um die eigene Person gewesen wäre, hätte er sich vielleicht hingestellt oder aus der Ecke gebrummelt: Kinners, nu is Sluss …!
War es dann ja auch.

Er hat jetzt einen Platz neben Onkel Henry (Vahl). Es fiel die Bemerkung, dass Edgar nicht daran glaubte, in den Himmel zu kommen. Und auch fand: In der Hölle ist es interessanter! Doch dort wollte ihn die Familie denn doch nicht wissen. Sein Schwiegersohn sah ihn gern auf einer Art Zwischendeck sitzend. Jeder müsste an ihm vorbei, und er würde es genussvoll kommentieren.
Das brachte mich sehr zum Schmunzeln. Ich kann es mir außerordentlich gut vorstellen!
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Auf Wiedersehen, Edgar – irgendwann!

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©Februar 2012 by Michèle Legrand

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Wenn Steptänzer „fremdgehen“…

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Mein  wöchentlicher Steptanz (von mir aus auch Stepptanz) fand am letzten Donnerstag interessanterweise in einem Raum statt, in dem sonst Töpfer ihre Kunstwerke herstellen. Üblicherweise nutzen wir einen anderen Bereich in der VHS, der sich im Souterrain befindet und richtigen Tanzboden hat. Zum einen nachgebend, zum anderen klingend, was beim Steptanz nun einmal nicht unwesentlich ist. Es macht nur halb so viel Vergnügen, wenn anstelle eines KLACK-KLACK-KLATTERA-KLONG lediglich ein müdes Ploff-ploff-pipp-pipp-plopp erklingt.
Zurzeit sind Schulferien in Hamburg. Daran hält sich auch die VHS, dennoch lässt uns gewöhnlich das nette Hausmeisterpaar hinein. Am Donnerstag auch, allerdings wird diesmal im Gebäude noch renoviert, unser Raum war noch gar nicht wieder benutzbar. Die Alternative bot sich an im 1. Stock, eben im besagten Raum der Töpfer. Ich kann euch auch verraten warum: der Boden dort sieht schon ramponiert aus! Damit fallen eventuelle zusätzliche Abdrücke durch unsere Stahlplatten nicht besonders ins Gewicht.
Wir werfen einen Blick hinein. Eine Seite des Raums ist frei, auf der anderen sind Arbeitstische. Hohe Regale zieren ringsum die Wände. Ach, was soll’s! Besser als nichts.
Es stellt sich heraus, dass wir dort keine Musik anschließen können.
Egal, wir denken uns den Sound.
Der Boden ist mit PVC-Belag ausgelegt. Klingt eher nach Ploff….
Auch egal. Wir beginnen.
Wir lernen: Training im 1. Stock ist definitiv nichts für Stepper. Es ist zwar keiner unter uns, der sich beschwert, dass wir ihm auf dem Kopf herumtrampeln, doch der Boden wackelt ganz gewaltig durch die Erschütterung, und in den Regalen, die mit Tonerzeugnissen und Werkzeugen gefüllt sind, fängt es an zu klirren, zu scheppern und… zu wandern!
Figuren, die auf kleinen Brettern aufgebaut sind, erweisen sich noch als am Stabilsten. Kritisch hingegen wird es mit den Vasen auf dem obersten Bord. Wir behalten sie sehr gewissenhaft im Auge!
Zwei kritische Exemplare versuche ich zu sichern, indem ich auf einen der Holztische klettere, um sie von dort aus zu erreichen und zurückzuschieben.
Bei dieser Aktion stellt sich heraus, das der Klang der Stepschuhe auf der massiven Tischplatte ein wirklich ganz hervorragender ist…
Sehnsüchtiger Blick von allen, doch das Gewissen ist letztendlich stärker. Wir klettern nicht alle auf die Tische, um den Rest der Stunde dort zu trainieren. Vielleicht auch deshalb nicht, weil der Raum Fenster hat, die von einem Gebäude genau gegenüber eingesehen werden können.
Und dort brannte noch Licht…

Die Herrschaften waren recht standfest...

Anweisungen...

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Den Bad Boys sehr zugetan…

Gestern verausgabten sich einige wohlgebaute Jungs in meiner greifbaren Nähe. Übrigens unermüdlich und sehr gekonnt. Das alles keine fünf Meter entfernt vor mir –  auf der Bühne des Hamburger St.-Pauli-Theaters an der Reeperbahn.
Korrekterweise muss es jetzt heißen: „St.-Pauli-Theater (ehemals Ernst-Drucker-Theater)“. Es wurde anlässlich seines 170. Geburtstages umbenannt. Der erwähnte Herr Drucker war hier in früheren Zeiten Inhaber und Intendant gewesen, daher trug das Theater von 1895-1941 schon einmal seinen Namen. Wie vieles in der Zeit wurde es umbenannt …(Ernst Drucker war jüdischer Abstammung).
Seit der feierlichen Enthüllung der Fassade mit dem neuen kompletten Namenszug, haben wir also beides in einem.
Nur, das wollte ich ursprünglich gar nicht erzählen …
Kommen wir auf die wohlgeformten Männer zurück.
Mit meiner Gruppe Stepptanzmädels (plus einem Mann – für die Quote), besuchten ich die Vorstellung von Rasta Thomas’ Bad Boys of Dance.
Die Produktion nennt sich TAP STARS – A Dance Revolution.
Die Bad Boys, das sind stepptanzende Kerle aus Amerika. Akrobaten. Springer. Beinschmeißer. Hackenknaller. Pirouettendreher. Ballenzauberer. Kantenbalancierer. Tempomacher. Das sind alles keine Stepp-Fachbegriffe, aber um Bilder im Kopf zu erzeugen, müssen es auch keine sein.  Es sagt manch einem, der nicht selbst Stepptanz zu seinen Hobbys zählt, mehr, als die Erwähnung von rasend schnellen paddle rolls, monstermäßiger body percussion, buffaloes, time-steps, crossovers, air-turns oder finishing breaks.

Vergessen sollte jeder auch die Vorstellung von Stepptanz à la Fred Astaire, Gene Kelly oder gar Riverdance bzw. Lord of the Dance.
Tapdance an sich ist eine Fusion aus englischen, irischen und afrikanischen Tänzen. Die Einwanderungswellen brachten diese Art des Tanzens, die Musik im Fuß, nach Amerika.
Die irische Variante des „Klopftanzes“ (jig) ist, wie der englische Step Dance, rhythmisch vollkommen regelmäßig, und vom Stepptänzer werden bis zu 16 gleichmäßige Sounds in der Sekunde erzeugt.
Der andere Part, der hinzukam, war der „Klopftanz“ der sudanesischen Sklaven, die nach Amerika gelangten. Sie selbst nannten ihn  Juba, Buck oder auch Hoofing. Die Weißen bezeichneten es als die „Negro Jig“.
Sie war „synkopiert“, streute eine Menge von Offbeats vor oder hinter die regelmäßigen Beats bzw. Sounds ein. Die ursprüngliche Negro Jig wurde flach und bodennah nur mit den Unterschenkeln getanzt, erst später kamen Wings (senkrechte Sprünge, bei denen das Spielbein zur Seite in der Luft gestreckt wird) dazu.

So wie damals in den USA die Tanzstile verschmolzen und sich Straßenwettbewerbe etablierten, in denen konkurriert oder auch imitiert und parodiert wurde, in denen sich gern gegenseitig überboten wurde, als ein solches Verschmelzen stellen es heute auch die Bad Boys of Dance dar.

Eine Ausdrucksform, ein Wettkampf, eine Mischung aus traditionellen Schritten und einem hohen Anteil des vormals afrikanischen Stils , angereichert mit enormer Akrobatik, moderner Musik, einigen Choreographien, bei denen synchron gemeinsam gesteppt wird, aber auch einem großer Part mit  Soli (auch Improvisationen) sowie einer guten Portion Schauspiel, um zusätzlich das nötige Feeling herüberzubringen.
Viel Blickkontakt, Einbeziehen des Publikums und anstelle von zahllosen (im Weg herumstehenden) Requisiten eine Videoleinwand im Hintergrund.
Als Zuschauer sind Sie mittendrin.
Der Bodenbelag der Theaterbühne wurde zusätzlich mit einem richtigen (nachgebenden) Tanzboden versehen, Bodenmikrofone übertragen die „Kanonenschläge“ oder „Spechtattacken“ der Schuhe. Schon beim Zuhören wird einem ganz anders!
Was für eine Energie, Power, Ausdauer!
Hinsehen erzeugt maßloses Staunen, wie beweglich und mit welcher Geschwindigkeit ein Fuß schlackern kann ohne abzufallen, oder Beine sich offenbar gewollt verheddern, ohne dass der Tänzer zu Fall kommt. Die Kondition ist erstaunlich. Knapp eine Stunde bis zur viertelstündigen Pause, danach eine weitere knappe Stunde Höchstleistung non-stop. Und zwar von allen! Die Soli wechseln im maximal halbminütigen Abstand, da bleibt zwischendurch (bei sechs bzw. sieben ‚schlimmen Jungs’, die auch nicht immer exakt wieder der Reihe nach dran sind) wahrlich nicht viel Zeit zum Durchatmen!
Das Wechseln der Kleidung in der Pause nenne ich einfach mal ‚bitter nötig’.
Nach der Pause  bricht im zweiten Teil ein absolutes Stepp-Feuerwerk los, so dass die nächste Garnitur schon nach zehn Minuten komplett ausgewrungen werden kann. Zwei der Herren verabschieden sich ganz von ihren Oberteilen und bei „eingesprungenen Sitzpirouetten“, die irgendwo an Ballett und Eistanz beschleunigt erinnern, fliegen die Schweißtropfen im Scheinwerferlicht meterweit durch die Gegend. (Ich weiß schon, warum ich generell erst ab Reihe 4 wähle!).

Es ist grandios anzusehen, anzuhören. Irgendwann kommt fraglos der Moment, an dem man sich als Stepper fragt, ob es jetzt nicht an der Zeit ist, einen kleinen Minderwertigkeitskomplex zu entwickeln.  Doch nein –  wozu? Die Jungs machen es fantastisch!
Also – einfach nur genießen und neidlos anerkennen…

Tipp:
Falls Sie in Hamburg ansässig sind oder gerade hier weilen:  die Bad Boys of Dance gastieren noch bis zum 10. Juli in der Hansestadt (plus zwei weitere Termine im August). Ansonsten touren sie auch noch durch andere Städte.
(Dies ist übrigens eine Veranstaltung, die altersmäßig ein unheimlich bunt gemischtes Publikum anlockt. Von Kind bis Greis war alles dabei und im Gegensatz zu vielleicht „Riverdance“ Auftritten auch ein recht großer Anteil männlicher Besucher).

©Juni 2011 by Michèle Legrand

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Herzlichen Glückwunsch, Edgar! – Einen Toast auf meinen Steppkollegen

Viele von euch wissen bereits durch die Geschichte „Abends an der Tankstelle“, dass eines meiner Hobbies der Step(p)tanz ist.
Angefangen vor vielen Jahren als grade noch Teenager, aufgehört – warum auch immer. Als Ausrede könnte gelten: Familie/Kinder, Beinbruch, keine Kurse, Zeitmangel.  Tatsache ist, es war in Vergessenheit geraten, verdrängt.
Irgendwann kam es mit solcher Macht wieder hervor, dass ich vor gut drei Jahren  meine Steppschuhe wieder herausholte.. Seitdem heißt es einmal pro Woche trainieren, aber alles entspannt. Keine superjunge, konditionsstarke Profigruppe mit Karriereambitionen, sondern eine Truppe, die hier auf diese Art den Feierabend verbringt. Sich trifft und es genießt, eine Mischung aus Bewegung, höchster Konzentration und  etwas Alberei zu haben. Fast nur Frauen, altersmäßig allerdings bunt gemischt. Die Jüngste gerade 20 Jahre, und das älteste Mitglied seit heute ( 11.11.10)  genau 77 Jahre alt! Jawohl!  Bewundernswert, ich hoffe, in dem Alter auch noch dabei zu sein – falls ich überhaupt so alt werde…
Das heutige Geburtstagskind ist nicht nur aufgrund  seiner Fitness und seines Alters beachtlich, sondern auch, weil es sich um einen besonders netten und humorvollen Menschen handelt. Seine Beobachtungsgabe und sein trockener Humor sind  der Hammer. Vielleicht sollte ich euch etwas mehr zu seiner Person erzählen.
Er heißt Edgar, Edgar Bessen. Ja, ihr Hamburger und Norddeutschen. Euch sagt der Name sicher etwas. DER Edgar.

Es ist absolut kein Wunder, dass er zum Theater ging, seine Darstellungsgabe ist göttlich.  Das Beste ist jedoch, dass er trotz allem völlig ’normal‘ ist und durchaus auch sehr ernst sein kann. Er spielt, wie er wohl als Kind schon gespielt hat.. Er unterstreicht seine Worte mit minimalen Gesten, kein großes Kino und doch maximale Wirkung. Mit ganz wenigen Änderungen seiner Haltung, seines Tonfalls, seines Blickes, wird er zu einem ganz anderen Charakter. Gelegentlich scheint ein kleiner Vulkan zu erumpieren, flackert kurz auf, und während die anderen noch stöhnen vor Lachen, ist er schon wieder ernst und ruhig.
Seit Beginn  ist er  bei uns Steppern dabei. Aber nicht nur bei uns. Er steppt – wenn es ihn überkommt – auch noch zusätzlich in anderen Steppschulen. Macht bei Workshops von sexy brasilianischen Tanzgöttern mit und nimmt’s gelassen hin, dass er nicht mehr auf die Geschwindigkeit kommt, die der 30jährige Trainer zeigt.

Edgar trat am Ohnsorg Theater in Hamburg auf, arbeitete später auch an anderen Theatern und war oft im Fernsehen zu sehen. Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere an die Krimiserie Schwarz-Rot-Gold, die in Hamburg spielte. Er hatte die Rolle des Zollfahnders Globig.
Zum Steppen kam er in ganz jungen Jahren durch  Henry Vahl. Sein  (leiblicher) Onkel Henry hat ihm die ersten Klackerschritte beigebracht und ihn
damit  unheilbar  infiziert. Vielleicht waren es diese Familiengene, die auch die Liebe zur Schauspielerei auslösten.
Edgar hatte vor einem Jahr eine Hüftoperation. Wir wussten nicht, ob er wiederkommen würde, ob die Heilung so sein würde, dass er wieder steppen konnte.  Seine Reha verlief gut. Zuerst  konnte er seine Rolle im Musical „Ich war noch niemals in New York“ wieder aufnehmen, und in diesem Sommer kehrte er auch wieder zu uns zurück. Das ist gut so, denn wir haben ihn alle vermisst….
Wir freuen uns alle  wie Bolle, dass er heute Geburtstag hat und dass es ihm gut geht! Wir wünschen ihm weiterhin gute Gesundheit und sagen mit einer kleinen Verbeugung:

                   Edgar, herzlichen Glückwunsch zum 77. !!!

PS Als Kind sah ich gelegentlich im Fernsehen die Aufzeichnungen aus dem Ohnsorg Theater und fand Edgar Besser super. In einem Jahr sollte er den Prinzen im Weihnachtsmärchen „Schneewittchen“ spielen. Ich wollte so gern hin. Es wurde nichts. Wer hätte damals gedacht, dass ich einige Jahrzehnte später mit ihm zusammen steppen würde! Das Leben geht schon seine eigenen Wege – selbst hier ;-)

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