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Zwischen Deutschland und der Schweiz: Grenzhüpferei Teil III – Schon allein des Ausblicks wegen: Burg Hohenklingen (CH) und die Kleine von Riedheim (D)

Dicke Mauern. Felsgestein. Schwere Balken. Und ein Turm! Der Bergfried.
Enge Stiegen. Schmale Nischen. Fensteröffnungen, keine Scheiben.
Ein unebener Steinfußboden. Ein Feuerplatz. Vom Ruß schwarz gefärbte Wände.
Ein Verlies? Eventuell …
Hufgetrappel, laute Rufe, Klirren von Metall. Das Quietschen eines heruntergelassenen Tores … oder einer Zugbrücke.
Kälte. Dunkelheit. Und leicht verkokelte Luft durch die offene Feuerstelle.
Ein Posten auf dem Turm. Der Klang einer Trompete, in die heftig hineingeblasen wird.
Burgen!
Dem Wind und Wetter seit Jahrhunderten ausgesetzt. Generationen von Burgherren, Eignern, Besitzern, Bestimmern kamen und gingen. Die Burg hat sie überlebt. Oder zumindest Burgreste zeugen heute noch von ihrer oft wechselvollen Geschichte.
Das alles verbinde ich irgendwie damit.
Heute wird es hier im Blog um Burgen gehen. Zwei sehr unterschiedliche Exemplare.

Wie ist denn Ihre Vorstellung von diesen Gemäuern? Groß, klein? Trutzig? Mehr elegant-verspielt? Ein bisschen wie Neuschwanstein? Das Schloss, das ursprünglich als die idealisierte Vorstellung einer mittelalterlichen Ritterburg errichtet wurde. Hier ein Türmchen, dort ein Erker …?
Oder doch eher die plumpe Form, ein wenig schroff und abweisend?
Hoch droben auf einer Anhöhe oder im Gegenteil – irgendwo mittendrin?
Eine reine Ruine oder aber gut erhalten/restauriert und vielleicht zum Teil auch heutzutage genutzt, belebt?

Die Burgen, die ich heute im Gepäck habe, decken mehrere Punkte ab. Vielleicht erinnern Sie sich noch an das letzte Foto in Teil II der Grenzhüpferei. Den quasi Vorschaublick von Stein am Rhein hinauf auf den Schiener Berg zu einer Burganlage, die sich hoch oben auf dessen schmalem Grat befindet.

Stein am Rhein (CH) - Blick hinauf zur Burg Hohenklingen

Stein am Rhein (CH) – Blick hinauf zur Burg Hohenklingen

Der Höhenunterschied zur Stadt beträgt fast 200 m! Wenn Sie nicht zwischen den Häusern stehen, sondern außerhalb der Altstadt hinaufschauen, sieht es so aus:

Blick hinauf von Stein am Rhein (Rheinufer außerhalb der Altstadt) zur Burg Hohenklingen (CH)

Blick hinauf von Stein am Rhein (Rheinufer außerhalb der Altstadt) zur Burg Hohenklingen (CH) –
Der quadratische Turm von ca. 1250 ist mehrheitlich aus Findlingen und Bruchsteinen gefügt.

Die Burg stammt aus dem Mittelalter, wurde nie im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen zerstört und hat daher noch heute das Aussehen, das sie bereits in der Zeit um 1200 bis 1400 hatte. Sie war Wohn- und Verwaltungssitz von zahlreichen Vögten, bevor sie 1457 in den Stadtbesitz überging. Sie ist beinahe vollständig erhalten und besteht aus einem doppelten Torzwinger, der ummauerten Kernburg mit Wohnturm und weiteren Nebengebäuden (Kapelle, Wächterhaus).
Hohenklingen verfügt im westlichen Teil der Anlage über einen schönen Palas. Dieser Begriff entspricht dem heutigen Wort Palast, und es geht dabei um den repräsentativen Wohnbereich des Burgherrn, oftmals einen Saal.
Dass die Burg nicht zerstört wurde, heißt nicht, dass nicht der Zahn der Zeit mächtig an ihr nagte und als obendrein im Jahr 1838 die Hochwacht aufgehoben wurde (dazu komme ich gleich noch), machte man sich schon ernsthafte Gedanken, wie sich ein solches Bauwerk erhalten ließe.

Stein am Rhein - Burg Hohenklingen - Im Bereich des (Wohn-)Turms

Stein am Rhein – Burg Hohenklingen – Im Bereich des (Wohn-)Turms

Es wurde folglich über Arten der Nutzung und über damit verbundene mögliche Einnahmequellen nachgesonnen. Eine Kureinrichtung eröffnete, der jedoch kein sonderlicher Erfolg beschieden war.
1863 entstand auf Hohenklingen eine Gastwirtschaft, und das Prinzip der Bewirtschaftung erwies sich als sehr viel einträglicher. Die Burg wurde danach Ende des 19. Jh. bereits einmal restauriert und nun zuletzt in den Jahren 2005-2007 (finanziert durch generöse Spender) komplett saniert.

Burg Hohenklingen - Stein am Rhein  - Alt und neu trifft aufeinander ...

Burg Hohenklingen – Stein am Rhein – Alt und neu trifft aufeinander …

Seitdem lockt sie zum einen Wanderer und Ausflügler mit reinem Burg- oder Geschichtsinteresse, zum anderen jedoch auch weitere Besucher – die aber mit kulinarischen Köstlichkeiten, die sie stilvoll in verschiedenen Räumlichkeiten der Burg verzehren zu können. Neben dem Restaurant stehen eine Burgstube, der Rittersaal und der Obergaden, ein rustikaler Raum, in dem Veranstaltungen ausgerichtet werden, zur Verfügung. Inzwischen hat nämlich überall die Technik in der Burg Einzug gehalten, und so schauen einem zwischen alten Speeren, grobem Mauerputz oder dicken Eichenbalken auf einmal Rohre, Kabel, Leitungen, Steckdosen oder Lautsprecher entgegen.
Und Plastikstühle!
Überall, wo mehr Menschen Platz finden können, gibt es zahlreiche, stapelbare Plastikstühle und entsprechende Tische. Es ist anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig und schmälert ein bisschen die Illusion und auch den Genuss, in einer wirklich alten Burg zu wandeln. Plastik fällt leider eher ins Auge und lenkt von allem anderen ab.
Diese kleine Mäkelei betrifft nicht die Räume, in denen wirklich stilvoll gespeist wird, sondern mehr zusätzlich genutzte Flächen, bei denen die Verbindung zwischen Alt und Neu – vielleicht aus Kostengründen – nicht sonderlich beherzigt wird.

Burg Hohenklingen - ... und auch hier treffen wieder alte Speere und Schilde auf moderne Plastiktische.

Burg Hohenklingen – … und auch hier treffen wieder alte Speere und Schilde auf moderne Plastiktische, die auf dem Foto wesentlich mehr Holzähnlichkeit haben, als dies in Wirklichkeit der Fall ist.  Ein modernes Kunstwerk an der hinteren Wand  ergänzt die heutige Dekoration des Saals.

Doch ohne Kompromiss geht es wohl nicht. Man darf nicht vergessen, dass der Unterhalt und die gesamte weitere Erhaltung der Burg auch nach ihrer Sanierung weiterhin Geld verschlingt. Und dennoch wird dankenswerterweise keine Eintrittsgebühr verlangt!
Schauen wir also etwas weniger kritisch auf die Plastikmöbel.

Die Treppenstufen wurden ebenfalls mit in die Sanierung einbezogen. Vielleicht aus Sicherheitsgründen wurden sie an einigen Stellen ersetzt. Sie sind nun aus einem völlig anderen, modernen Material und zudem in einem sehr auffälligen Grün illuminiert.

Burg Hohenklingen - ... wieder eine der modernen Stellen innerhalb der Burg. Froschgrün illuminierte Stufen ...

Burg Hohenklingen – … wieder eine der modernen Stellen innerhalb der Burg. Die illuminierten Stufen …

Und es gibt die Laube!
Die existierte früher zu Zeiten der Vögte natürlich noch nicht. Es handelt sich um eine Art hölzernen, verglasten Balkon oder vielleicht eher eine hervorstehende Loggia, in der Sie ebenfalls speisen können und gleichzeitig einen grandiosen Ausblick haben. Ihr Blick geht nicht nur hinunter zum Städtchen, sondern auch den Rhein flussauf- und flussabwärts, zu Inseln, Hügeln, Wäldern …

Burg Hohenklingen - Stein am Rhein  - Der moderne Balkon rechts ist die sogenannte Laube mit 40 Sitzplätzen und einmaligem Ausblick auf Stein und den Rhein.

Burg Hohenklingen – Stein am Rhein – Der moderne Balkon rechts ist die sogenannte Laube mit 40 Sitzplätzen und einmaligem Ausblick auf Stein und den Rhein.

Wenn Sie nicht dort einkehren möchten (es hat seinen Preis!), dann bleibt Ihnen die kostenfreie Besichtigung der Burganlage und die Besteigung des (Wohn-)Turms, von dem aus Sie – was von der Laube aus nicht möglich ist – sogar in alle Richtungen sehen können. Dieser Ausblick entschädigt wirklich für jedes nicht stilgerechte Mobiliar.

Geht Ihnen nicht auch das Herz auf, wenn Sie hier heruntersehen?

Burg Hohenklingen - Grandioser Ausblick auf Stein und den Rhein. Links im Fluss die Werd-Inseln.

Burg Hohenklingen – Grandioser Ausblick auf Stein und den Rhein. Links im Fluss die Werd-Inseln.

Die kleinen Landfetzen links im Rhein sind die sogenannten Werd-Inseln – was so viel heißt wie Flussinseln. Auf einer der Inseln wurde in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Bronzesiedlung ausgegraben. Dort stehen auch die Propstei Wagenhausen und die Wallfahrtskirche St. Othmar, die aus dem 15. Jahrhundert stammt. Man hat sie nach dem ersten Abt des Klosters St. Gallen benannt, der 759 auf der Insel starb, nachdem ihn die Franken, dessen Sträfling er war, auf die Insel verbannt hatten. Er taucht gelegentlich als „der Eremit von den Werd-Inseln“ auf.

Die Werd-Inseln ein wenig dichter herangeholt ... In der Mitte die Kapelle St. Othmar

Die Werd-Inseln ein wenig dichter herangeholt … In der Mitte die Kapelle St. Othmar

Auf dieser Inselgruppe gibt es einen imposanten Granitfelsen – der übrigens als Namensgeber für die Stadt Stein am Rhein fungiert, und es existiert eine hölzerne Fußgängerbrücke (200 m) als Verbindung zum Festland (auf dem Foto gut zu erkennen).

Hochwachten
Vorhin fiel bereits einmal der Begriff Hochwacht. Die Burg Hohenklingen war eine sogenannte Hochwacht. Die nördlichste von insgesamt 23, über die Zürich (wozu Stein am Rhein seit dem Ende des 15. Jahrhundert zählte, heute gehört die Stadt zum Kanton Schaffhausen) verfügte. Eine Hochwacht (etwa ab dem 17. Jahrhundert) diente der Sicherheit und stellte einen Signalpunkt dar. Hohenklingen war optisch mit vier anderen Hochwachten verbunden, und so konnte man sich gegenseitig bzw. fortlaufend bei Feindesgefahr alarmieren und waffenfähige Männer aufbieten. Am Tag wurde der Alarm mittels Rauchzeichen weitergeleitet, bei Nacht per Feuer und bei sehr schlechten Wetterverhältnissen mit armseliger Sicht, wurden Mörserschüsse abgegeben. Deshalb hatte auch jede Hochwacht ein Visierinstrument, einen Mörser und dürres Holz.

Stein am Rhein - Burg Hohenklingen - Ausblick vom Turm Richtung Westen ...

Stein am Rhein – Burg Hohenklingen – Ausblick vom Turm Richtung Westen …

Am gegenüberliegenden Ufer sind die Stellen, an denen weitere Hochwachten errichtet wurden. Oberhalb Oberschlatts, weiterhin zwei auf dem Stammerberg und eine Hochwacht auf dem Schauenberg. Theoretisch konnte man von Hohenklingen noch weitere sehen, die aber zum Thurgau gehörten und dem Züricher Netz nicht angeschlossen waren.

Stein am Rhein - Burg Hohenklingen - Blick aus einem der Turmfenster Richtung Osten. Hier ist die Verbindung zwischen Hochrhein und Untersee des Bodensees.

Stein am Rhein – Burg Hohenklingen – Blick aus einem der Turmfenster Richtung Osten. Hier ist die Verbindung zwischen Hochrhein und Untersee des Bodensees

So eine Burganlage und ihre Aussicht sind schon beeindruckend. Die Besucher kommen in der Tat oftmals von sehr weit her, wie man anhand der in Balken eingeritzten Hinterlassenschaften erkennen kann.

Stein am Rhein - Burg Hohenklingen - Ganz oben im Turm - Ja, Gäste aus Paraguay waren auch schon dort ...

Stein am Rhein – Burg Hohenklingen – Ganz oben im Turm – Gäste aus Paraguay waren auch schon dort …

Nur soll ich Ihnen etwas anvertrauen?
Es ist aufwändig saniert und dies – sowie die Erhaltung einer derartigen Anlage – verdient in der Tat ein großes Lob! Allerdings geht auf einmal unheimlich viel Altes völlig unter. Die Anlage hat heute einige Kompromisse hinzunehmen. Es wirkt gelegentlich so, als wäre manches Ursprüngliche nur noch geduldet und pro forma hingehängt. Oder an anderer Stelle gewollt konzentriert. Neben Lautsprecher, Plastikstuhl oder auch grünen Stufen. Als Ausgleich. Mir scheint es stattdessen sinnvoller, das sichtbare Moderne auf ein Minimum zu reduzieren. Dem Verbergen technisch notwendiger, aber optisch unvorteilhafter Gegenstände mehr Sorgfalt und Beachtung zu schenken, ohne dafür ein Vermögen einsetzen zu müssen. Dazu vielleicht noch eine gewisse Zurückhaltung, wenn es um die Kombination von alt und neu bei der Ausstattung geht. Weniger gewagt erhielte mehr den typischen Burgcharakter. Doch das ist persönliche Ansichtssache, was ich in diesem Zusammenhang gern noch einmal hervorheben möchte.
Für mich ist es beruhigend zu wissen, dass sich an der Aussicht nicht herumbasteln und an der Geschichte nicht herumradieren lässt.

Burg Hohenklingen - Stein am Rhein

Burg Hohenklingen – Stein am Rhein – Torzwinger

Sie haben nun eine recht große Schweizer Anlage gesehen. Jetzt ist es wieder an der Zeit für eine Grenzhüpferei.
Fahren wir ein Stück auf dieser Rheinseite, halten uns Richtung Singen am Hohentwiel – auch dort gibt es eine Burg (allerdings eine Ruine) dieser Größenordnung – und fahren noch ein kleines Stück weiter, um einen Blick auf einen Burgfloh zu werfen: Die Burganlage von Riedheim! Sie hat momentan Bewohner sozusagen

Burganlage Riedheim
Sie wurde 1050-1070 erbaut. Immerhin auch gut 20 Jahre Bauzeit für ein relativ überschaubares Projekt! Wenn Sie eine Größenvorstellung haben möchten, weil Fotos oft etwas täuschen:
Die Außenanlage ist nur 27 m x 38 m groß. Der Turm hat eine Höhe von 23,80 m, doch die Wände sind immerhin 1,20 m dick!

Burganlage Riedheim - Klein, aber fein ...

Burganlage Riedheim – Klein, aber fein …  Und haben Sie es gesehen? Bewohner! Auf dem Dach …

Ihre sonstige Geschichte?
Wie auch Hohenklingen, wechselte die Riedheimer Burg im Laufe der Zeit immer wieder ihren Besitzer und diverse Burgvögte hatten das Sagen. Damals nannten sie sich von oder de Riethaim. Klingt gleicht viel imposanter.
In den Jahrhunderten wurde die Burg wiederholt verkauft, aber auch dem Schwager übertragen oder für neue Nutzungszwecke anderen überschrieben. Es ging in der Tat ganz schön hin und her!
Da war sie mal im Besitz der Herren von Randegg, dann derer von Schellenberg, ein Herrn von Pätsch nannte sie sein Eigen, ebenso von 1621-1735 das Haus Habsburg-Österreich. Interessant ist, dass gerade in dieser Periode sowohl Ort als auch Burg mehrfach verpfändet wurden!
Nach dieser Zeit wurde sie Kloster Petershausen bis 1803, gehörte ein paar Jahre dem Markgrafen von Baden und irgendwann für 100 Jahre der Gemeinde Riedheim, die den Turm abreißen wollte, was der Staat aber verbot.
Mit seiner Hilfe wurde das Gemäuer 1902 instandgesetzt – nur stürzte trotz allem 1951 das Turmdach ein! Also wieder Reparaturen! 1957 wurde das Dachgeschoss wiederhergestellt.
Seit 1974 ist die Burganlage im Besitz der Gemeinde Hilzingen (Riedheim ist jetzt ein OT von Hilzingen) und wurde in den darauffolgenden Jahren erneut restauriert.
Ganz schön was los für so eine kleine Burg!
Und besonders ist sie ebenfalls in der Hinsicht, als dass sie eine der wenigen Burgen ist, die überhaupt nicht auf einer Anhöhe steht!
Und nicht nur das!
Sie befindet sich zudem mitten im Ort! Der Turm ist natürlich höher als die umliegenden Wohnhäuser. Insofern fungierte auch dieser Turm als Ausguck. Nur sah man von dort halt nicht so weit … Es war definitiv keine Hochwacht. Hier konnte der Turmposten eher die Nachbarschaft im Auge behalten.
Feind in Sicht oder vielmehr der erwartete Bote aus Hilzingen?
Heute schauen die Tauben, was sich der Burganlage nähert …

Burganlage Riedheim - Es scheint so, als wäre es auch eine Behausung für die Tauben, doch beim Vergrößern erkennt man, dass in den Fensteröffnungen Maschendraht gespannt ist.

Burganlage Riedheim – Es scheint so, als wäre es auch eine Behausung für die Tauben, doch beim Vergrößern lässt sich erkennen, dass in den Fensteröffnungen Maschendraht gespannt ist.

Und den Storch? Ihn interessiert kein Eigentümer oder das fehlende Bergpanorama. Für ihn ist relevant, ob es ein guter Platz für sein Nest ist und ob sich die Umgebung für die Futtersuche und Aufzucht seiner Jungen eignet …

Burganlage Riedheim - Ein bewohntes Storchennest auf dem Turm ...

Burganlage Riedheim – Ein bewohntes Storchennest auf dem Turm …

Burganlage Riedheim - ... Storch Nr. 2 sitzt hinten und putzt sich.

Burganlage Riedheim – … Storch Nr. 2 sitzt hinten und putzt sich.

Die Burganlage wird heute gern für Festivitäten und Gemeindeaktivitäten genutzt, wie man auf diesem Plakat erkennen kann:

Riedheim (D) - Burganlage - Ankündigungsplakat für ein Event im Burggarten ...

Riedheim (D) – Burganlage – Ankündigungsplakat für ein Event im Burggarten …

Eine solche Burg … bei mir zu Hause … gleich um die Ecke? Das hätte was. Natürlich mit Storchennest!
Wenn schon, denn schon!

Und nun?
Viel gesehen, viel gelesen. Gönnen wir uns eine Pause, liebe Blogleser.
Riedheim ist zwar lediglich einen Katzensprung von Hilzingen entfernt, doch was ich Ihnen dort zeigen wollte, entdecken Sie ein bisschen später im Part IV der Grenzhüpferei. Es wird auch der vorerst letzte Teil dieser Serie mit Eindrücken aus dem deutsch-schweizerischen Grenzgebiet sein.
Vielleicht haben Sie schon etwas entdeckt, was Sie anzuschauen reizen könnte – falls Sie selbst einmal in diese Region reisen.

Sollten Sie die ersten Beiträge der Serie verpasst haben, finden Sie bei Interesse nachstehend noch einmal die entsprechenden Links zu diesen Blogposts.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende! Bis zum nächsten Mal!

Links:
Hinweis auf die kommende Blogserie:
https://michelelegrand.wordpress.com/2013/07/02/abgetaucht/
Teil 1:
https://michelelegrand.wordpress.com/2013/07/05/zwischen-deutschland-und-der-schweiz-grenzhupferei-teil-i-wo-denn-genau-merkt-man-eigentlich-wo-man-ist-die-holzbrucke-von-diessenhofen/
Teil 2:
https://michelelegrand.wordpress.com/2013/07/15/zwischen-deutschland-und-der-schweiz-grenzhupferei-teil-ii-mentalitatsgedanken-und-stein-am-rhein-ch/

©August 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand  auf WordPress.com

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Zwischen Deutschland und der Schweiz: Grenzhüpferei Teil II – Mentalitätsgedanken und Stein am Rhein (CH)

Stein am Rhein (CH) - Altstadt mit Rathaus

Stein am Rhein (CH) – Altstadt mit Rathaus

Man kann keine Nation irgendeiner einzelnen, bestimmten Kategorie Mensch zuordnen, wasserdichte Beweise für immer wiederkehrendes, typisches, identisches Verhalten liefern oder – ganz fürchterlich – ein ganzes Land in eine Schublade packen! Doch heute möchte ich mich außer dem Städtchen Stein am Rhein (CH) nebenher ein wenig der Schweizer und auch unserer, der deutschen Mentalität widmen. So wie ich sie bisher kennengelernt habe, gerade wenn sie aufeinanderprallten!
Ihnen ist klar, dass solche persönlichen Eindrücke immer subjektiv sind – so gern man auch objektiv wäre.
Und Sie werden automatisch auch wieder ein bisschen mehr meiner Mentalität kennenlernen. Der Grund, weshalb ich drei vorherige Fassungen dieses Blogposts in den virtuellen Papierkorb geworfen habe. Ich hatte das dumpfe Gefühl, Sie kennen mich bald ein bisschen zu genau. ^^

Wenn Sie mehr auf die Fotos aus der Altstadt von Stein am Rhein warten, dann scrollen Sie gern nach unten, ansonsten beginnen wir jetzt mit dem Text und – örtlich gesehen bedeutet dies – der Start ist im schweizerischen Diessenhofen, dem am Rhein gelegenen Ort mit der besonderen Holzbrücke, an dem ich das letzte Mal unterbrach.
(Mehr über die Region, aus der ich auch heute berichte, finden Sie im Archiv Juli 2013„Abgetaucht“ und die „Grenzhüpferei Teil I“, alle – auch die noch folgenden Teile – ebenfalls in der Kategorie Auf Entdeckung – unterwegs im In- und Ausland)

Diessenhofen hat nicht die einzige Brückenverbindung über den Rhein, einige Kilometer östlicher queren Autos und Eisenbahn den Fluss bei Hemishofen (CH). Danach erneut in Stein am Rhein. Und genau auf diesem Weg, über die Brücke Richtung Norden, fallen wir in das Städtchen ein.

ie Brücke über den Rhein, die beide Teile von Stein miteinander verbindet. Keine Holzbrücke wie in Diessenhofen ... Es gab schon vorher eine Brücke, doch diese wurde 1972-74 gebaut.

Die Brücke über den Rhein, die beide Teile von Stein miteinander verbindet. Keine Holzbrücke wie in Diessenhofen … Es gab schon vorher eine Brücke, doch diese wurde 1972-74 gebaut.

die Rheinbrücke nach Stein wollen, wird es nach der Überquerung eng. Eine Ampel regelt den Verkehr.  Selbst lange Gelenkbusse fahren hier entlang

Wenn Sie über die Rheinbrücke in die Alstadt von Stein wollen, wird es nach der Überquerung eng. Eine Ampel regelt den Verkehr. Selbst lange Gelenkbusse fahren hier entlang und durch die engen Kurven!

Das nicht kriegerisch gemeinte Wörtchen einfallen wähle ich aus folgendem Grund:

Ich habe bei dieser Kurzreise festgestellt, wie ungewohnt es für mich war, Orte fast nur vom Auto aus zu „erfahren“, immer wieder lediglich kurz herauszuhüpfen, um schnell einen Eindruck von etwas zu erhaschen. Ungewohnt war es vor allem auch deshalb, weil es mir behagt, mich zu Beginn des Kennenlernens eines neuen Terrains einfach irgendwo hinzustellen und nur zu schauen.
Ich bin ein Einsauger! Mit Ohren, Augen und Nase!
Was passiert? Welche Geräusche, Gerüche, Farben gibt es? Welchen Eindruck hinterlassen Gebäude, wie verhalten sich Menschen? Wie ist die augenblickliche Stimmung? Was fällt sofort auf? Lebt ein Ort?! Vor allem: ist etwas komplett anders?

Es folgt das Laufen. Das Erlaufen. Lange. Ohne Stadtplan. Abbiegen, wohin es mich zieht. Ich versuche lediglich, mir zu merken, wie ich wieder zurückfinde.
Dabei kommen die Beobachtungen, das Miterleben kleiner Szenen, das Eigenarten und Bräuche erkennen, das Warmwerden und – wenn man sehr viel Glück hat – plötzlich das Dazugehören. Durch ein Gespräch beispielsweise. Und wenn ich heimkomme, erinnere ich mich vorrangig an Menschen, verbinde sie mit einem Ort – weniger als dies Statuen, Brunnen, Kunstwerke generell und die typischen touristischen Anziehungspunkte vermögen.

Dieses Mal jedoch gab es Vorgaben. Zeitvorgaben. Kleine, bescheidene Zeitfenster.
Also kein Herantasten, dafür gezieltes Einfallen.
Was lässt sich in der kurzen Zeit erfassen?
Ich versuchte, bereits im Auto während der gesamten Wegstrecke ein Gefühl für die Umgebung zu entwickeln. Wenn Sie – besonders als Stadtmensch! – in der Schweiz nicht gerade in den ganz großen Ballungszentren unterwegs sind, merken Sie bald, dass allgemein das Tempo nachlässt, was nicht an den niedriger angesetzten Höchstgeschwindigkeiten auf Landstraßen oder Autobahnen liegt.
Es werden oft Witze darüber gemacht, dass Schweizer etwas langsamer seien. Nicht immer die feine Art, denn oft bezieht es sich in äußerst flachen Bemerkungen etwas herablassend auf das Denkvermögen – was absolut blödsinnig ist!
Doch Tatsache ist, in der Schweiz findet eine Verlangsamung statt, die ich – für alltägliche Gegebenheiten, den privaten Teil und selbst für den geschäftlichen Bereich – als äußerst positiv empfinde. Das langsamere Agieren hat nichts mit Intelligenz zu tun. Es ist körperlich spürbar. Es erlaubt Ihnen, einen Gang zurückschalten. Sie fühlen sich nicht gehetzt. Können kurz innehalten.
Was Sie nicht versuchen sollten, ist, ihr bisheriges Tempo, ihre Forschheit beizubehalten oder womöglich krampfhaft durchsetzen zu wollen!
Erstens sind Sie dort Gast, und ein Gast drängelt nicht herum oder schreibt seinem Gastgeber vor, dass er gefälligst auf die Tube drücken soll!
Zweitens würden Sie auf Granit beißen, denn der Schweizer wird sich wegen Ihres Tamtams nicht verbiegen oder ändern – dazu müsste er Ihre wilde Hast einsehen können! Ich würde nicht sagen, dass die Eidgenossen generell ruhiger oder geduldiger sind als Deutsche, doch sie leben wirklich nervenschonender.
Sie scheinen keinen zu mögen, der auf den Putz haut bzw. jemanden, der den schwer beschäftigten Manager, den Wichtigtuer, den Drängler oder die leicht hochnäsige Schlaue mimt.
Aber wer mag das alles schon …
Wir Deutschen lehnen es im Grunde – zumindest bei anderen – ebenso ab, verkennen allerdings, dass wir schnell so wirken können. Ich habe in der Schweiz (mehrfach im Kanton Graubünden, aber auch in Städten wie Luzern,  Zürich etc.) Situationen erlebt, in denen das vermeintlich schnellere Wesen (trügerisches Selbstbild!) und der Handlungseifer des Deutschen zu merkwürdigem Gebaren führten und dabei das Gefühl vermittelt wurde, man sei besser oder plietscher. Wollte alles selbst in die Hand nehmen …
Kommen Sie irgendwo ohne Gruß dazu und führen sich derart auf, dann fällt die Klappe und zwar schnell!
Es herrscht eisiges Schweigen und Sie werden fortan ignoriert. Sie ernten bestenfalls noch einen sehr kritischen Blick und gut möglich, dass Ihr Gegenüber beim nächsten „Hock“ mit Freunden etwas über die stressigen Deutschen herzieht.
Was man verstehen kann!
Was schaffen wir gelegentlich für eine Unruhe, und was haben wir (natürlich neben sehr vielen netten Menschen) von Zeit zu Zeit für selbstherrliche Artgenossen!

Ich habe über die Jahre in Graubünden einige sehr angenehme Schweizer kennengelernt, die lediglich dann erstaunlich fuchsig wurden, wenn etwas präzise Geplantes nicht funktionierte oder wenn der Postbus nicht pünktlich fuhr.
Sie ahnen den Zusammenhang?
Wer einwandfrei laufende Uhren herstellt und dafür weltweit bekannt ist, der kann es halt schlecht verknusen, wenn sich der Bus dann nicht an den Zeitplan hält. Unpräzise ist.
Aber sonst?
Sie mögen nicht nur das Dominante nicht so gern, sie scheinen generell lieber alles eine Nummer kleiner haben zu wollen. Man merkt es einerseits an ihrer Sprache, an der Endung -li, mit der sie vieles in seiner Größe (und auch Wichtigkeit) reduzieren. Wenn Sie wiederum über Land fahren, sehen Sie es real an der Größe der Häuser, Ortschaften, Läden, der Art der neuen Industrie-/Gewerbegebiete etc. Es wird auf moderne Technik geachtet und Wert gelegt, aber immer auch darauf, dass Neues nicht alles erschlägt, sondern sich einpasst und idealerweise der Natur eher unterordnet.
Ordnung. Überschaubarkeit. Die Größenverhältnisse müssen stimmen. Vielleicht wirkt diese Balance so beruhigend.

In vielen Gegenden unseres Landes wird hingegen gerade der Kontrast geliebt. Das Große, Bombastische muss her. Ein auffälliges Prestige-Objekt. Direkt neben das Alte. An der Verbindung hapert es manchmal. Wir stellen meist erst hinterher fest, dass uns das neue (Angeber-)Hochhaus die für die Stadt typische Silhouette wieder ein bisschen mehr zerstört, da es die Sicht auf markante Gebäude versperrt und zudem fortan als häufig seelenloser Kasten die Stadt verhunzt.
Natürlich hat auch die Schweiz Hochhäuser, hat ihre Fabriken mit Geräuschentwicklung und zeitweise qualmenden Schornsteinen, doch sie werden eher etwas abseits konzentriert bzw. dahinverlegt. Der Gedanke an Natur und Umwelt ist präsent. Präsenter als in vielen Gegenden unseres Landes. Mag sein, dass es für ein relativ kleines Land leichter ist, den Überblick zu behalten und relativ einheitlich zu agieren.

Getreidefeld bei Hemishofen (CH)

Getreidefeld bei Hemishofen (CH)

Bevor Sie darüber stolpern, möchte ich anmerken, dass es natürlich auch in der Schweiz besagte unangenehme Zeitgenossen gibt – wie überall auf der Welt, doch insgesamt wirken die Schweizer auf mich einfach entspannter, scheinen mehr eins nach dem anderen zu machen.
Deutsche, insbesondere Städter, werden einerseits mehr gescheucht (die Unruhe existiert eben durch alle Hierarchien und wird nach unten weitergegeben) und verwechseln andererseits dabei oft gesunde Geschäftigkeit mit wirrem, unproduktivem Hin- und Hergehechel. Machen Wirbel und erzeugen Stress, wo er gar nicht nötig ist. Preisen ihre ach so wünschenswerte und angeblich vorhandene Mutitasking-Fähigkeit.
Schaffen wir dadurch wirklich so viel mehr?
Selbst wenn – um welchen Preis!
Oft verzetteln wir uns, und das eine Mal, bei dem wir vielleicht wirklich flotter sind, effektiver arbeiten und die gleiche Entspanntheit dabei empfinden wie ein Großteil der Schweizer generell, dieses lumpige eine Mal ist zu vernachlässigen.

Fragen Sie sich auch gelegentlich, ob wir eigentlich in der Lage wären, bei Bedarf, Wunsch oder Einsicht wieder zurückschalten?
Angenommen, der Druck von außen wäre uns egal, und wir müssten nur etwas finden, womit wir persönlich Verlangsamung üben könnten …
Fahren Sie in die Schweiz! Das beste Trainingsziel!

In der Schweiz wird selbst für kleinere Straßenarbeiten  eine Baustellenampel aufgestellt, die den Verkehr regelt, der abwechselnd einspurig an dem Hindernis vorbeigeführt wird. Die Wartezeit an der Ampel ist wesentlich länger als die in Deutschland!
Ich sah einen Deutschen, den das richtig fertig machte!
Gar nicht der generelle Anfall von extra Wartesekunden, aber die Untätigkeit und das Erkennen, dass die Gegenseite offenbar ebenfalls schon länger Rot hat und es hier immer noch einen großzügigen Sicherheitspuffer gibt, bis tatsächlich auch das letzte Fahrzeug die Baustellenstrecke verlassen hat.
Momente, in denen sich scheinbar überhaupt nichts tut!
Das ist nichts für eilige Multituer! Zeitverlust! Bei unserer Mentalität ist die Reaktion meist: puterrot anlaufen, sich aufregen und renitent werden.

Ich behaupte, eine Schweizer Baustellenampel ist eine exzellente Übung, um zur Ruhe zu kommen, um durchzuatmen. Ein einfaches Mittel Geduld zu üben oder wieder zu erlernen.
Sie werden feststellen, dass es viel entspannter läuft, wenn die innere, oft selbst erschaffene Hetze nachlässt. Wenn alles geregelt ist und sicher wie ein Uhrwerk läuft, wenn sich alle einfach daran halten und wenn sie – weil sie wissen, dass es so oder so dauert – diese Unterbrechung als willkommene (Atem-)Pause nutzen.
Das ist wie mit dem Schlangestehen der Engländer. Was haben wir uns anfangs an den Kopf gefasst! Bis wir gemerkt haben, so läuft es besser. Stressfreier.
Es dauert gar nicht wirklich länger!
So langsam lernen wir es auch, dass manchmal langsamer schneller ist.

Wir haben Stein am Rhein erreicht!

Ich hoffe, Sie haben den langen Text überstanden und es eher als Unterhaltung während der Fahrt betrachtet … Oder wie das Warten an der Baustellenampel. Das könnte Ihr erstes Training gewesen sein!

Das Schweizer Städtchen liegt auf beiden Seiten des Rheins, der gut erhaltene Altstadtkern befindet sich auf der nördlichen Rheinseite. Er zieht viele Besucher an, denn rund um den Rathausplatz (ehemals Marktplatz) gibt es zahlreiche, wunderschöne mittelalterliche Bauten. Viel Fachwerk, sehenswerte Wandmalereien, ansprechende Erker und Giebel und schmale Gassen mit Kopfsteinpflaster lassen alles sehr altertümlich und gleichzeitig enorm gemütlich wirken.
Von Stein am Rhein westwärts gesehen, erstreckt sich bis Mammern (sogar auf beiden Seiten des Rheins) das Wasser- und Zugvogelreservat Untersee und Rhein. Dort können Schell-, Reiher- und Tafelenten überwintern.

Dadurch dass so viele Gäste kommen, um die Altstadt zu erkunden, ist man bereits vor Langem dazu übergegangen, den Verkehr außen herum zu führen. Es gibt eine Transitstrecke und vor dem Stadttor einen Riesenparkplatz, auf dem vorrangig die Busse halten und Reisegruppen ausspucken, die entweder in die Stadt oder aber zum Schiffsanleger möchten, um eine Fahrt auf dem Rhein (Linie Kreuzlingen-Schaffhausen) zu unternehmen. Die Boote verkehren von April bis Oktober und sind – besonders bei schönem Wetter – eine nette Alternative, um die Landschaft und die in Ufernähe gelegenen Ortschaften diesseits und jenseits des Flusses zu erkunden. Auch viele private kleine Boote haben in Stein am Rhein ihren Platz oder legen zeitweise dort an.

Die Rheinschiffe legen auch in  Stein am Rhein an - Hier die "Schaffhausen".

Die Rheinschiffe legen auch in Stein am Rhein an – Hier die „Schaffhausen“.

Stein am Rhein (CH) - Nicht nur die Kursschiffe, auch kleine Privatboote halten hier.  Sie erinnern sich noch an den tauchenden Schwan? ^^

Stein am Rhein (CH) – Nicht nur die Kursschiffe, auch kleine Privatboote halten hier. Sie erinnern sich noch an den tauchenden Schwan? ^^

Stein am Rhein (CH) - Der Rhein führt immer noch reichlich Wasser ...

Stein am Rhein (CH) – Der Rhein führt immer noch reichlich Wasser …

Speziell am Wochenende brummt es in Stein und die Parkplätze sind schnell belegt. Dann kommen außer den Bussen auch die Motorräder (ich habe schöne Harley Davidsons gesehen) und abgesehen von schlichten Autos auch die Fahrzeuge von Menschen, die stilvoll gekleidet im Oldtimer anreisen. Und es gibt viele Fahrradtouristen, die manchmal den langen Rheinradweg erforschen oder als „Velofahrer“ einfach zu einer Tagestour Richtung Stein gestartet sind.

Stein am Rhein (CH) - Zünftig gekleidet im Oldtimer unterwegs ... ein Skoda mit tschechischem Kennzeichen

Stein am Rhein (CH) – Zünftig gekleidet im Oldtimer unterwegs … ein Skoda mit tschechischem Kennzeichen

Bei Sommerwetter zieht es zudem viele Schwimm- und Sonnenbadfreunde – auch Einheimische – in das Strandbad. In seiner unmittelbaren Nähe fährt auch diese kleine Dampfeisenbahn, auf der Passagiere aufsteigen können.

Stein am Rhein (CH) - Miniatur-Dampfzug mit Passagieren fährt in den Bahnhof ein

Stein am Rhein (CH) – Miniatur-Dampfzug mit Passagieren fährt in den Bahnhof ein

Stein am Rhein (CH) -  Dampfeisenbahn - ... ankuppeln!

Stein am Rhein (CH) – Dampfeisenbahn – … ankuppeln!

Es quillt in der Altstadt (Fußgängerzone), denn die Gassen sind eng und selbst der Rathausplatz hat nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit.

Es wird ununterbrochen heftigst fotografiert, und ich vermute, es gibt Motive, die wohl jeder knipst, die schon millionenfach festgehalten wurden! Manche Besucher haben den Ehrgeiz, eine Fassade, einen Erker oder eine Brunnenfigur ohne einen Pulk von Menschen drum herum zu erwischen. Das kann dauern, und so gibt es gar nicht so selten Fotografierstaus vor einem beliebten Motiv. Busreisende, denen die genehmigte Zeit davonläuft, müssen irgendwann entscheiden, ob sie ein Foto mit Menschen oder gar keines haben wollen.

Stein am Rhein (CH) - Altstadt  mit dem Untertor (Stadttor)

Stein am Rhein (CH) – Altstadt mit dem Untertor (Stadttor)

Stein am Rhein (CH) - Fassadenmalerei an vielen Häusern der Altstadt ...

Stein am Rhein (CH) – Fassadenmalerei an vielen Häusern der Altstadt …

Stein am Rhein (CH) - Die Häuser am Marktplatz ...

Stein am Rhein (CH) – Die Häuser am Marktplatz …

Stein am Rhein (CH) - Altstadt

Stein am Rhein (CH) – Altstadt

Stein am Rhein (CH) - Das Hotel und Restaurant (Weißer) Adler, dessen Wandmalerei aus der Renaissance stammt, rechts daneben das Bürger-Asyl

Stein am Rhein (CH) – Das Hotel und Restaurant (Weißer) Adler, dessen Wandmalerei aus der Renaissance stammt, rechts daneben das Bürger-Asyl

Stein am Rhein (CH) - Die Brunnenfigur zeigt einen alten Krieger der Eidgenossenschaft

Stein am Rhein (CH) – Die Brunnenfigur zeigt einen alten Krieger der Eidgenossenschaft

Stein am Rhein (CH) - Auch hier am Rathaus sind es außer dem Fachwerk und der Wandmalerei wieder die Details, die entzücken ...

Stein am Rhein (CH) – Auch hier am Rathaus sind es außer dem Fachwerk und der Wandmalerei wieder die Details, die entzücken …

In diesem Gebäude befindet sich das Städtische Asyl, das Bürger-Asyl, wie es auf der Fassade steht. Es handelt sich um ein Bauensemble, dass schon im 14. Jh. erwähnt wurde – damals als Klosterspital.

Stein am Rhein (CH) - Teil der Fassade des Bürger-Asyls

Stein am Rhein (CH) – Teil der Fassade des Bürger-Asyls

Im Laufe der Zeit war es Pflegeheim, Armen- und Waisenhaus und während seiner Funktion als städtisches Asyl, wurden Delinquenten dort untergebracht.

Stein am Rhein (CH) - Bürger-Asyl

Stein am Rhein (CH) – Bürger-Asyl

Stein am Rhein (CH) - Pagodenförmiges Türmchen auf dem Dach des Bürger-Asyls

Stein am Rhein (CH) – Pagodenförmiges Türmchen auf dem Dach des Bürger-Asyls

Stein am Rhein (CH) - Blick in das Gebäude des Bürger-Asyls ...

Stein am Rhein (CH) – Blick in das Gebäude des Bürger-Asyls

Im Erdgeschoss gab es ein Gefängnis für die härteren Burschen, die Bettlerstube nahm harmlosere Personen unter Arrest (Landstreicher, Bettler, Handwerksburschen ohne Geld oder Personen, die in die Ausnüchterungszelle kamen).

Stein am Rhein (CH) - Die Bettlerstube im Bürger-Asyl

Stein am Rhein (CH) – Die Bettlerstube im Bürger-Asyl

Von 1999-2002 hat man es umgestaltet und restauriert, und heute wird es als Kultur-, Verwaltungs-, Wohn- und Begegnungszentrum genutzt.

Das Haus Pelikan stammt aus dem 14. Jahrhundert, doch erst 1611 wurde der Fachwerkteil aufgestockt. Das lässt sich in Stein am Rhein bei vielen Bürgerhäusern feststellen. Damals nahmen Wohlstand und mit ihr auch die Bevölkerung stark zu – jedoch nicht die Grundfläche im Zentrum. So wurde zusätzlicher Wohnraum eben nach oben erschaffen.
Die Fassadenmalerei an diesem Haus entstand um 1900 durch den aus Zürich stammenden Künstler Christian Schmidt.

Stein am Rhein (CH) - Altstadt - Metzgerei zum Pelikan

Stein am Rhein (CH) – Altstadt – Metzgerei zum Pelikan

So etwas findet sich ebenfalls in der Altstadt …

Stein am Rhein (CH) - Außerirdische?

Stein am Rhein (CH) – Außerirdische?

Auch Schweizer Spatzen genießen einen bequemen Sitzplatz und Blumen vor dem Schnabel …

Stein am Rhein (CH) - Spatzensitzplatz ...

Stein am Rhein (CH) – Spatzensitzplatz …

Wissen Sie, dass die am Schiffsanleger gelegene Spaghetteria Wasserfels einen Rekord hält? Nun, er ist zwar schon älter – stammt aus dem Jahr 1984 – doch er schaffte es in das Guinness Buch der Rekorde!
Man hat hier 182,42 m lange Spaghetti hergestellt. Oder einen einzigen Spaghetto. Ich bin nicht sicher völlig sicher. Ich wüsste schon gern, wie man es geschafft hat und auch, wohin man ihn oder sie zum Messen legte! Selbst als schmale Brücke über den Rhein gespannt, wären die Rekordnudeln immer noch zu lang gewesen.

Stein am Rhein (CH) - Direkt am Anleger gibt es die Spaghetteria Wasserfels, die Spaghetti-Längen-Rekordhalter ist. Mit Eintrag im Guinness Buch!

Stein am Rhein (CH) – Direkt am Anleger gibt es die Spaghetteria Wasserfels, die Spaghetti-Längen-Rekordhalter ist. Mit Eintrag im Guinness Buch!

Wenn Sie die Gassen nutzen, die sich entlang der Rückfronten der Häuser befinden, stoßen Sie auf abgemagerte Dinos …

in am Rhein (CH) - Abgemagerter Dino in der Undergass ...

Stein am Rhein (CH) – Abgemagerter Dino in der Undergass …

… oder Sie entdecken schöne Holztüren!

Stein am Rhein (CH) - Eingangstür

Stein am Rhein (CH) – Stilvolle Eingangstür

Und wenn Sie am Ende des Erkundungsganges aus der Altstadt zum Berg hinaufschauen, dann haben Sie dieses Bauwerk auf dem Gipfel im Blick.

Stein am Rhein (CH) - Blick hinauf zur Burg Hohenklingen

Stein am Rhein (CH) – Blick hinauf zur Burg Hohenklingen

Dieses Gemäuer können Sie – falls Sie Lust haben – im nächsten Part, dem Teil III der Grenzhüpferei zwischen Deutschland und der Schweiz, kennenlernen. Es ist die Burg Hohenklingen – genau die mit den grünen Stufen …

Und dazu eine Burg, die im Vergleich dazu ein Floh ist, aber eine Besonderheit hat …

Bis demnächst!

©Juli 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand auf WordPress

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