Beiträge getaggt mit Spinnen haben Lieblingsplätze

Stippvisite – Heute: Dellen, Netze, Krümel und Ruin

Stippvisite. Hier im Blog. Es wird lausig Zeit. Kaum zu glauben, mittlerweile rauschen die Kastanien schon wieder von den Bäumen! Mit Karacho!
Während der stürmischen Tage kürzlich steckte dermaßen Wucht dahinter, dass auf den Dächern parkender Autos nach dem Bombardement richtige Dellen zu erkennen waren. Ein Roverfahrer, dessen Wagen mehrfach getroffen worden war, blickte erst ungläubig und fluchte, als ihm die Ursache klar wurde. Beim Abstellen hatte
er wohl nicht darauf geachtet, was über ihm reifte und den Baum geschossartig verlassen wollte.

Herbst. Ganz eindeutig. Die Mücken streben zunehmend ins Warme. Scheinen kleine Frostködel zu sein. Mücken sind absolut nicht meine Freunde. Diese Plagegeister finden mich zielstrebig und hinterlassen deutliche Spuren. Auch eine Art von Dellen. Ist das Resultat nach einem Kastanienangriff auf ein Autodach jedoch eine farbneutrale, konkave Hinterlassenschaft, so sorgen die Stechheinis auf meiner Oberfläche für farbgewaltige, konvex geformte Ergebnisse in Form von dicken, dunkel verfärbten Beulen.

Die Septembernächte fallen mittlerweile reichlich frisch aus, der Morgen kommt klamm daher, manchmal hat er sogar Nebel mit im Gepäck.
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Zwei Fliegenpilze, die aus dem herabgefallenen Laub ragen. Der Hut noch eng am Körper, nicht aufgeklappt wie ein Schirm.

Herbstzeit ist Pilzzeit …

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An unserer Eingangsaußenlampe, zwischen dem Ende ihrer ein Stück vorstehenden Wandhalterung, der rauen, steinernen Einfassung der Haustür und einem in Hüfthöhe endenden Geländer daneben, spinnt wie jedes Jahr eine Spinne großflächig ihr Netz.
Immer wieder verfängt man sich unversehens mit Kopf und Haaren darin, wenn man morgens die Zeitung aus der Metallrolle ziehen will. Die befindet sich nämlich genau darunter. Unter der Lampe, am Geländer.
Große Beute für ein Spinnentier, so ein ganzer Menschenkopf. Meiner. Oder der vom Gemahl. Dem passiert das auch gern.
Ich entkomme dem Vieh zum Glück immer rechtzeitig, bevor es mich erreicht. Das Netz ist danach natürlich zerstört, und die letzten Reste entfernt der Handfeger. Ob es das diesmal endgültig war? Nein. Fast täglich die gleiche Prozedur und daraufhin stets der Vorsatz: Da rauscht du nicht noch einmal hinein!
Nur was passiert am nächsten Morgen? In Nachtarbeit und in rekordverdächtiger Zeit entstand ein neues Wunderwerk. Sie gibt ihren Lieblingsplatz nicht auf. Er wird vermutlich weiterempfohlen. Von Generation zu Generation weitervererbt! So wartet ein weiteres, nahezu perfekt gewebtes Spinnennetz samt gierigem Wach-
posten über der Zeitungsröhre. Und nun raten Sie mal, wer erneut mit dem Spinnfadenzeugs Bekanntschaft macht … Genau!
Um die Zeit funktioniere ich noch nicht zufriedenstellend. Ich werde stets erst richtig wach, nachdem die Fäden im Gesicht hängen.

Vorgestern habe ich sogar drinnen eine … Nein, warten Sie. Ich fange andersherum an. Kennen Sie auch das merkwürdige Gefühl, wenn sie vom Teppich oder auf den Fliesen einen Krümel aufheben wollen und dieser Krümel fängt plötzlich an zu laufen?
Die Mischung aus Schreck, leichtem Hitzeschub, unangesprochenem „Uaaah“ und etwas verschämtem Gefühl anlässlich der eigenen Reaktion bei so einer harmlosen „Minisache“ ist schon speziell.
Ich habe zunächst grundsätzlich den Plan, bewegliche „Fussel“ und dergleichen irgendwie lebend nach draußen zu befördern. Käfer sind kein Problem. Finger hinhalten. Aufstieg abwarten. Ab vor die Tür. Fertig.
Bei stechenden Wesen versuche ich, die Gäste dazu zu bewegen, sich auf Papier oder Heft niederzulassen, damit ich sie hinaustragen kann. Komfortabel, nicht wahr? Aber manche kapieren es einfach nicht! Oder finden es drinnen schöner.
Wenn es dann auch mit Einfangen per Glas (bei Spinnen, zu denen brauche ich etwas Abstand) nicht funktioniert, dann müssen sie gelegentlich leider doch dran glauben.
Hm …? Was heißt hier „ooohh“? Ich bitte Sie! Wer wohnt denn schließlich wirklich hier! Die hatten nun wirklich ihre Chance!
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Kreisrundes Spinnennetz. Ca. 30 cm im Durchmesser, kunstvoll gewebt. Über einem Busch am Rosenbogen enstanden. Im Gegenlich gut zu erkennen.

Spinnennetz … an anderer Stelle, nicht minder kunstvoll (und weniger im Weg)

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Eigentlich ist meine Zeit um. Ich wollte nur kurz hereinschauen. Ein Lebenszeichen absetzen. Doch wenn
ich es mir recht überlege … Ein bisschen etwas lernen könnten Sie bei der Gelegenheit natürlich doch!
Vor ein paar Tagen bin ich bei einer Twitterkollegin über einen Begriff gestolpert. Wissen Sie, was ein Stirnwaffenträger ist?
Ich möchte behaupten, dass die Mehrheit von Ihnen bereits einmal, wenn nicht sogar mehrfach, einem persönlich begegnet ist. Auch wenn der Begriff vielleicht ganz automatisch gefährliche Bilder freisetzt oder im Kopfkino Action- und Kampfszenen auslöst, entfernen Sie sich beim Überlegen von typischen, von gefertigten Waffen. Entfernen Sie sich gedanklich auch vom Menschen. Zerpflücken Sie den Begriff in seine Einzelteile … Wer hat wo was … Nun? Eine Idee?
Als Stirnwaffenträger bezeichnet man z. B. einen Hirsch. Nicht nur ihn! Es zählen diverse Paarhufer dazu. All jene, die eine Stirnbewaffnung tragen. Neben der Gruppe der Hirsche also auch Tiere wie Okapis, Antilopen, Spießböcke u. ä.
Wussten Sie`s? Ja? Sehr gut! Ich hatte den Begriff – zumindest bewusst – vorher tatsächlich noch nicht gehört.

Feierabend. Fast … Mich haben Menschen gefragt, wie ich auf andere Gedanken komme, jetzt, wo die Lage alles andere als rosig ist. Was ich zur Ablenkung mache, wie ich Ruhe finde, ruhig bleibe etc. Da es viele interessiert, möchte ich dazu gerne etwas sagen.

Es ist zum einen eine (innere) Grundeinstellung, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Der feste Wille, sich durch nichts und niemanden unterkriegen zu lassen. Er sorgt dabei zugleich für Gelassenheit, und die ist wichtig für Geduld und Durchhaltevermögen.
Alles zusammen stärkt Sicherheit und gibt Vertrauen, dass man klarkommt mit allem, was da kommen mag.
Es ist die bevorzugte Wahrnehmung der vielen kleinen positiven Dinge, die weiterhin passieren und gleichzeitig eine andere Bewertung des Negativen. Es erhält schlicht und einfach kaum Platz, nur die geringstmögliche Beachtung in jeglichen Gedankengängen. Wenn belastende Gedanken dennoch einmal anfangen zu kreisen, eigenwillig, hartnäckig, wie ein Adler, der wieder und wieder um seinen Horst kreist, dann hilft entweder ein Spaziergang, Gartenarbeit oder aber bewusste Kopfbeschäftigung. Mit erbaulicheren, gern harmlosen, Spaß machenden, ablenkenden Dingen und Themen.

Kürzlich habe ich dazu beim NDR (Kultur) via Facebook mitgemacht. Die Aufgabe lautete: Einen Werktitel verändern (ruinieren) mit nur einem Buchstaben. Kurz überlegt, im Handumdrehen mitten drin im Thema und schon entstehen neue Sachen: Die Zauberflöhe. Die Brechtrommel! Krieg und Friesen. Hammelflug. Der Name der Hose, die Rinder des Monsieur Mathieu oder der Zauderer von Oz. Der liegende Holländer, der eingebildete Franke, Romeo und Julio, das Phantom der Ober, der König der Möwen …Wehe, man fängt an, es fällt einem immer noch etwas Neues dazu ein – und der Kopf ist gnädigerweise damit beschäftigt und übergangsweise voll ausgelastet! Kleine Krise überwunden.

Oder haben Sie schon einmal Sprichwörter kombiniert? Aus zwei mach eins? Das war eine weitere Vorgabe der Kulturredaktion des NDR. Es erfordert, sich wieder mit einem völlig anderen Thema intensiv zu beschäftigen und macht obendrein richtig Laune! Das fanden mit mir auch andere Leser der Seite und schickten lustvoll ihre Kreationen, aus denen der NDR später ein Best of aller abgegebenen Vorschläge erstellte. Ein Auszug daraus:

„Da rennst du bei mir offene Ohren ein.“ (Leoni Prieß)
„Es nützt nichts, den Brunnen zuzuschütten, wenn das Kind schon verbrannt ist.“ (Thomas E. W. Harden)
„Alles in grünen Tüchern.“ (Ellen Kommer)
„Was lange währt, kann noch werden.“ (Anke Harder)
„Da bist du aber auf dem Holzdampfer.“ (Marcel Kawentel)
„Nachts sind alle Tauben auf dem Dach.“ (Jacqueline Hofer)
„Wie man in die Grube rein ruft, so schallt es heraus.“ (Daniel Lücking)
„Die Lage ist ernst, aber darin liegt die Würze.“ (Michèle Legrand)

Die Idee ist natürlich nicht komplett neu. Der verstorbene Jürgen von Manger hat seinerzeit gleich mehrere Sprichwörter miteinander verkuppelt – was zeigt, dass man es auch ein bisschen übertreiben kann:
„Der Zahn der Zeit, der schon so manche Träne getrocknet hat, wird auch über diese Wunde Gras wachsen lassen.“

Falls Sie Lust haben oder einmal Ablenkung für ihren kreisenden Adler brauchen, kreieren Sie mit. Hier heißt
es nun endgültig Klappe zu und Tee trinken. Ende gut, Affe tot. Wir lesen uns wieder – wenn Sie denn mögen.
Schauen Sie gern herein, was sich hier tut, denn:
„Wer nicht kommt zu rechten Zeit, der muss selbst sehen, wie er in die Grube hineinfällt.“
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Bis demnächst!

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© by Michèle Legrand, September 2017
Michèle Legrand

 

 

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