Beiträge getaggt mit Smalltalk zwanglos

Von Flossen, unsichtbaren Brillengläsern und Katzenaugen …

In den letzten Tagen bin ich mehrheitlich hin- und hergewutscht. Termine hier und dort, die nächste Erledigung wieder woanders, zwischendurch ein Geburtstag, kurzzeitig Tiere sitten …
Jetzt schreiben Sie so mal Ihren Blogbeitrag! Einen, der Hand und Fuß hat! Zeitmangel ist das eine, doch Sie sind in dem Fall obendrein auch geistig irgendwie verhuscht, da sieht es einfach nicht so toll aus mit der Konzentration und Ausdauer.
Tja, und nun? Gardine beim Blog zugezogen lassen? Schild umdrehen? Geschlossen?
Das Komische ist, dass Lust zum Schreiben grundsätzlich und reichlich vorhanden ist. Ohne fehlt etwas. Schreiben wirkt entspannend. Vielleicht so, wie für einen Raucher die Zigarette.
Gut, habe ich mir gedacht, dann mach dir keinen Stress und pass dich den Gegebenheiten an. Pfeif auf die Recherche, such dir etwas, was du aus dem Ärmel schüttelst. Tu so, als würdest du den Nachbarn vor der Tür treffen und lockeren Smalltalk halten.

Laptop an und nachgedacht. Was würde ich meinem Nachbarn erzählen …?
Zack, schon ins Stocken geraten!
Nachbarn sind irgendwie ein Sonderfall. Die kennt man mittlerweile zu gut. Denen sagt man manches vorsichtshalber nicht. Außerdem erzählt mein Nachbar eigentlich meistens mir etwas.
Streichen wir den Nachbarn. Die ganze Idee.
Wonach wäre Ihnen denn?
Karneval? Ich könnte die Sache mit Mirko in der Bahn erzählen …
Sie haben es nicht so mit dem Fasching? Ja, dann eben nicht.
Und wie ist es mit Freitag, dem 13.? Wie ist der Ihnen bekommen?
Ach, Sie möchten nicht darüber reden …?
Wir könnten uns auch den Valentinstag vorknöpfen!
Nein, stopp, wissen Sie, den möchte ICH jetzt nicht. Der wird schon genug breitgetreten in den Medien.
Wobei – wissen Sie was?
Ich habe eine rote Rose geschenkt bekommen. Am Valentinstag. Von einem, den ich überhaupt nicht kenne! Der stand auf der Straße herum und hat noch mehr Frauen abgepasst. Vielleicht um seine Chance zu erhöhen, hatte er seinen Namen an die Rose drangetackert. Matthias Soundso. Ob ich ihn jetzt deshalb wähle, weiß ich noch nicht.
Bitte?
Ja, genau! Die Rose war eigentlich mehr wegen der Wahl morgen. Ich glaube, ich selbst – ganz persönlich gesehen – war Matthias herzlich schnuppe. Doch bei der Gelegenheit habe ich Frau Duden wiedergetroffen, die stand auch am Straßenrand neben dem Sonnenschirm. Ebenfalls eine Kandidatin der Partei, der auch Rosenmatthias angehört. Die kenne ich noch aus der Zeit, als sie hauptsächlich in der Bücherei tätig war. Die Frau Duden, nicht die Partei. Früher habe ich oft bei ihr Bücher vorbestellt, das ging jetzt leider nicht. Wir haben aber kurz geplaudert.
Wen soll man jetzt wählen?
Den, der Rosen schenkt, die, die mit einem redet oder lieber doch die Opposition?

Ansonsten bin ich vor ein paar Tagen richtig reingefallen. Völlig unpolitisch.
Ich saß einem gegenüber, der – so dachte ich – eine randlose Brille tragen würde. Die tollste randlose Brille, die ich je gesehen hatte! Völlig unauffällige Gläser! Mit Sicherheit x-mal entspiegelt. Nichts lenkte unnötig von Gesicht oder Augen ab. Man sah nur seitlich ein bisschen etwas an der Nase, dort, wo das Gestell gewöhnlich aufsitzt. Diese Halterung, an der die Gläser befestigt sind.
Irgendwann drehte sich der Mann leicht seitlich.
Die Brille hatte keine Bügel, die zum Ohr führten!
Eine Wunderbrille? Oder wie hält so etwas?
Ich habe mir mehr Mühe beim unauffällig Anstarren gegeben.
Tja, es war … keine Brille.
Der gute Mann hatte lediglich seitlich in Höhe der Nasenwurzel Piercings. Kennen Sie die Form von Meerschweinchenködeln? Genauso längliche Stäbchen, nur heller (aus Stahl oder Titan) steckten schräg hochkant in Augenhöhe links und rechts an der Nase, was dem Ganzen die Optik eines Stegs des Brillengestells gab. Falsch geschaut.
Ich frage mich, ob ich damit gucken könnte. Ich zweifle nicht, weil die geschliffenen Gläser als Sehhilfen komplett fehlen, das ist es nicht. Nein, ich bin überzeugt, mich würden diese Ködelobjekte im Blickfeld stören. Die verleiten doch zum Schielen, oder nicht? Kann man so etwas willentlich übersehen? Ignorieren?

Und auch, wenn Sie jetzt nicht über Karneval reden wollen, ich bin über den Umweg Fasching und Verkleiden mit einem Teenager, einem jungen Mädchen, in der U-Bahn ins Gespräch gekommen, weil aus der Umhängetasche ihre Schwanzflosse herausschaute. Ich nahm an, sie wollte als Meerjungfrau zur Karnevalsfeier. Doch man kann mit dem Unterteil doch gar nicht laufen! Das war der Start unserer Unterhaltung, in der sie mich aufklärte und mir deutlich machte, dass auch hier wieder alles völlig anders war.
Die junge Dame nimmt an Meerjungfrau-Schwimmwettbewerben teil. Einzeln oder im Team. Sie und ihre Mitstreiter ziehen sich einen sagenhaft eng anliegenden Meerjungfrauschwanz mit Schwimmflosse über und schlängeln sich dann mit einem Affenzahn durch die Fluten. Sie meinte, man müsste vorher schon recht gut schwimmen können, um das hinzubekommen. Die „fehlenden“ Beine seien schon ein kleines Problem …
Ich war verblüfft, denn davon hatte ich noch nie gehört. Ich hätte gern noch viel mehr erfahren, aber sie musste aussteigen.
Die Bewegungen mit der Flosse, dieses Auf und Ab, kann ich mir ja vorstellen, aber wie bewegen sich die Arme dazu? Geht das kreisend wie beim Brustschwimmen? Oder krault die Meerjungfrau, zumindest, wenn sie es eilig hat? Werden die Arme schlängelnd durch das Wasser geschoben? Graziös? Ich sollte mir vielleicht einmal den Film von Arielle ansehen …
Mir ließ es keine Ruhe. Ich habe nachgehakt und bei Facebook gefragt, ob einer meiner Kontakte den Sport kennt oder betreibt, und wollte in dem Zuge ebenfalls wissen, wie man denn mit dem Schwanz überhaupt bis zum Beckenrand kommt. Auf dem Bauch rutschend? Nein, nicht wahr?
Wird man dahin getragen? Danach mit Schwung ins Wasser geworfen?
Oder ist man im Wasser, liegt auf dem Rückern, streckt die Beine über den Beckenrand hinaus und staffiert sich dann erst mit Flosse aus? Eine etwas wackelige, gluckerige Angelegenheit …
Tatsächlich hat sich eine Dame gemeldet, die sich auskennt! Man zieht diesen bunten Ersatzschwanz erst direkt am Beckenrand über – was das Schwierigste überhaupt sein soll! – und rollt sich dann ins Wasser.
Ich werde auch das bei Arielle prüfen. Können Sie sich vorstellen, dass Arielle dermaßen unelegant ins Wasser plumpst?
Wie? Sie meinen, sie verlässt das Wasser nie, weil sie eine waschechte Meerjungfrau ist?
Sie haben ja so recht …

War’s das für heute …? Warten Sie! Eines noch!
Vorhin habe ich Katzen besucht. Als Tiersitter während der Abwesenheit der Besitzer. Kater und Katze haben sich langsam an mich gewöhnt. Sie werden spürbar zutraulicher.
Mit Katzen hatte ich bisher keine eigenen Erfahrungen, deshalb war es mir neu, dass die Felltiger offenbar erst in dem Moment besonders neugierig werden und näher herankommen, in dem man gerade für sich beschlossen hat, sie völlig zu ignorieren.

Katzen sitten - A - der Kater

Der Kater …

Katzen sitten - C - die Katze

Die Katze …

Dichter herankommen trifft es nicht wirklich. Es ging schließlich so weit, dass der Kater über meinen Bauch stolzierte, kurz verweilte, maunzte, abstieg, sich drei Schritte entfernte, drehte und den Rückweg ebenfalls über den Bauch wählte. Die Katze spazierte zwar außen herum, setzte sich jedoch in Kopfhöhe dich neben mich auf die Sofarückenlehne und starrte mir aus 15 cm Entfernung intensiv in die Augen. Da habe ich mitgemacht. Grüne Augen blicken in grüne Augen …
Ein sehr intensives Gefühl!
Irgendwie ist es, als würde man sich gegenseitig so ein klein wenig in die Seele schauen …

Katzen sitten - B - der Kater
Katzen sitten - D - die KatzeDer Kater hat sich nach den Bauchbesteigungen später zum Nickerchen verzogen, sie aber hat mich am Schluss bis zur Tür begleitet. Das könnte eine Mädelsfreundschaft werden. Und mit ihm? Mal abwarten, was sich da weiter entwickelt.

Sie! Ich muss aufhören! Meine freie Zeit ist um! Es war nett, zwanglos mit Ihnen zu plaudern, doch nun ruft die Pflicht. Lassen Sie es sich gutgehen, und falls Sie noch Meerjungfrauwissen respektive Flosseninformationen haben oder Ihnen zu Nasenpiercings und Katzenverhalten etwas unter den Nägeln brennt, dann schreiben Sie es gerne.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag!

(Die Fotos der Tiere darf ich netterweise mit Erlaubnis der Katzenbesitzerin im Blog zeigen. Endlich habe ich als Katzenlose auch einmal Katzenbilder zu posten! ^^)

© by Michèle Legrand, Februar 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com__

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