Beiträge getaggt mit Severus Snape

Couchgespräch …

Am Übergang zum Wochenmarkt spielte gestern ein älterer Straßenmusikant mit Hingabe auf seiner Querflöte.
„Every night in my dreams, I see you, I feel you …”
Erkannt?
My Heart Will Go On. Der Céline-Dion-Titel aus dem Film „Titanic“. Es folgte das „Ave Maria“.
Ich habe keine Ahnung, ob er sein Repertoire bewusst den Umständen angepasst hatte. Alles schöne, traurige, etwas schwermütige Lieder angesichts der allgemeinen Lage und der vielen Todesfälle unter prominenten Künstlern? Angesichts des Todes von René Angélil, Céline Dions Ehemann? Auf jeden Fall wirkte es wie ein Gedenken. Klang zugleich nach Trauerfeier, nach Beerdigung.

Krebs ist die Pest. Egal, wessen Tod in den letzten zwei Wochen gemeldet wurde, er war durch Krebs verursacht. Maja Maranow, Lemmy Kilmister, David Bowie, Alan Rickman, René Angélil
Keiner von ihnen hatte gegen diese Krankheit auf Dauer eine Chance!
Da kann man den Weltraum erkunden, technischen Schnickschnack höchsten Grades entwickeln, um sich gegenseitig abzumurksen, aber dem Krebs Herr werden … Das scheint ein anderes Kaliber zu sein.
Trotz aller Therapieverbesserungen und Fortschritte im Laufe der Jahre; für manche Krebsarten gibt es nach wie vor kaum irgendeine Aussicht auf völlige oder dauerhafte Genesung. Manchmal scheint es, als wäre alles überstanden, nur um kurz darauf – häufig in Form von Metastasen – mit Wucht zurückzukehren.
54 Jahre. Das ist doch kein Alter! Auch 69 nicht.
Die Betroffenen werden immer jünger, oder? Vielleicht täuscht der Eindruck auch. Liegt es daran, dass wir selbst älter werden? Es gab auch früher junge Opfer. Meine Freundin starb damals mit 33 an einer Variante dieser Pest. Nur diese Häufung der Fälle …?

Alan Rickman. Den habe ich sehr gemocht. Als Künstler, als Menschen. Seinen feinen Charakter. Soweit man ihn eben kennt. Einen Prominenten. Einen Schauspieler.
Ich werde bei Menschen zunächst bei einer Stimme hellhörig, dann auf den Blick aufmerksam. Ich bin ein relativ ruhiger, stiller Vertreter, reagiere eher auf Augen. Auf Menschen, deren Augen reden. Wenn einer ohne großen Kasperkram und übertriebene Gesichtsverrenkung zu unzähligen Gefühlsausdrücken in der Lage ist, werde ich davon eingenommen. Mich fasziniert ebenso die Fähigkeit, durch pure Anwesenheit absolut präsent zu sein. Durch feinste Mimik, nicht durch angestrengte, laute Aktion. Es beeindruckt mich dauerhaft. Die entstandene Anziehung bleibt tatsächlich über Jahre bestehen. In den meisten Fällen bis zum Tod.

Kommen nebenher – wie bei Alan Rickman – eine spezielle, wohlklingende Stimme hinzu oder die Fähigkeit, obendrein Aquarelle malen zu können, vor denen man sich hinknien könnte, dann ist es soweit, dass ich sogar Filme wie Robin Hood schaue, nur, weil dieser Mensch mitwirkt. Schinken dieser Art haben es sonst recht schwer bei mir. Auch für einen Kevin Costner schalte ich nicht automatisch meinen Fernseher an. Wenn allerdings Alan Rickman den Sheriff von Nottingham verkörpert …
Zack! Sofaplatz. Bitte Ruhe jetzt hier!

Haben Sie ihn einmal Shakespeare rezitieren hören? Sie geraten in seinen Bann, schmelzen dahin!
Selbst wenn Sie mehr auf den Gruber aus Stirb langsam stehen, auf den Harry aus Tatsächlich Liebe, den Colonel Brandon aus Sense & Sensibility oder auf Severus Snape, seine Glanzrolle in Harry Potter:
Mr. Rickman hat viele Menschen beeindruckt.
Ich hoffe, er hat nicht so leiden müssen …

Ein bisschen Gegenprogramm zum Schluss? Als Kontrast zu Krebs, Abschied nehmen und trauriger Querflötenmusik?
Wie das Leben so spielt, präsentierte sich auch mir heute direkt im Anschluss gleich wieder ein Aufmunterer, während ich mir Pflanzen bei Blume 2000 ansah. Genauso wie es ein etwa Fünfjähriger mit seiner Mutter tat.
„Was willst du Oma denn für eine Blume mitbringen“, fragte er.
„Ich glaube, die haben gar nicht das, was ich suche …“, lautete die Antwort.
„Was denn?“, hakte er neugierig nach.
„Omas Yucca-Palme ist eingegangen. Ich hätte ihr gern eine neue geschenkt.“
„Nein, das darfst du nicht!“ Heftiger Protest!
„Warum denn das nicht?“ Seine Mutter war völlig perplex.
„Dann muss sie sich doch immer kratzen!“

Es dauerte auch bei mir einen Moment, ehe ich begriff, dass er von einer hinterhältigen Juckerpalme ausging, die einer älteren Dame das Leben zur Hölle machen würde …

Beenden wir doch so das heutige Couchgespräch. Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag!

Ich soll Sie übrigens grüßen von meinem gelegentlich auftauchenden Stadtreiher, der nach sozialer Vernetzung und Ansprache dürstet.
Momentan beschränkt sich sein Kontakt nämlich auf einen Wetterhahn …

Einsamer Stadtreiher sucht Anschluss beim Wetterhahn ...(Reiher auf dem Dachfirst)

Einsamer Stadtreiher sucht Anschluss beim Wetterhahn …

 

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© by Michèle Legrand, Januar 2016
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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