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Raus aus der Stadt: Ostermontag am Mönchsteich

Hatten Sie schöne Ostern? Ich hoffe, auch bei Ihnen schien die Sonne so herrlich – zumindest zeitweise — wie hier im Norden.
Sie waren sicher draußen, oder?
Bei der Ostereiersuche (bzw. bei Ihrem Job als Ersatzosterhase), beim Spaziergang oder gar einer sportlichen Betätigung?

Mich lockten die Sonnenstrahlen und die Sehnsucht nach frischer Luft hinaus. Als Blogstammgast wissen Sie natürlich, dass Hamburg (obwohl Großstadt) selbst bereits gut für Spaziergänge geeignet ist – sogar dann, wenn es einen ans Wasser zieht – doch an den Osterfeiertagen wird es drängelig an der Alster, und es quillt förmlich direkt unten im Hafen an den Landungsbrücken.
Deshalb war ich diesmal östlich von Hamburg auf dem Land. Dort befinden Sie sich in der Stormarner Schweiz. Weiter als 30-40 km brauchen Sie nicht fahren, dann wird es sogar etwas hügelig, wenn auch nicht bergig, wie der Begriff Schweiz implizieren könnte … ^^
Eine schöne Landschaft. Seen, kleine Gemeinden mit dörflichem Charme und oft liebevoll gepflegten Gärten. Man sieht sogar Straßenschilder, die schmiedeeisern eingerahmt sind, kunstvoll geschwungen! Es gibt viel alten Baumbestand. Große, ausdrucksstarke, knorrige Bäume, deren Borke oft tiefe Furchen zeigt und deren Äste phantasievolle Formen ausgebildet haben.
Hier und dort beginnt plötzlich eine Allee, weite Felder umgeben Sie und manchmal taucht eine Wasser- bzw. Windmühle auf oder Sie passieren sehenswerte Dorfkirchen.

Einige Eindrücke hätte ich für Sie – vielleicht sind Sie auch für so etwas zu haben.

Ostern 2013 - Allee nahe Gut Basthorst

Ostern 2013 – Allee nahe Gut Basthorst

Ostern 2013 - Großes Stand-Vogelhaus aus Holz, reetgedeckt

Ostern 2013 – Großes Stand-Vogelhaus aus Holz, reetgedeckt

Ostern 2013 - Evang. St. Marien-Kirche, Basthorst - Schleswig-Holstein

Ostern 2013 – Evang. St. Marien-Kirche, Basthorst – Schleswig-Holstein

St. Marien-Kirche, Basthorst - von knorrigen Bäumen bewacht

St. Marien-Kirche, Basthorst – von knorrigen Bäumen bewacht

Ostern 2013 - Seltsam geformte Äste ... St. Marien-Kirche, Basthorst - Als würde jemand gleich auf das Dach springen ...

Ostern 2013 – Seltsam geformte Äste … St. Marien-Kirche, Basthorst – Als würde jemand gleich auf das Dach springen …

 Ostern 2013 - ausreichend Holzscheite für den Kamin oder Feuerkörbe ...

Ostern 2013 – ausreichend Holzscheite für den Kamin oder Feuerkörbe …

Einmal volltanken, bitte ...   Diesel-Zapfsäule mit eigener Beleuchtung.

Einmal volltanken, bitte … Diesel-Zapfsäule mit eigener Beleuchtung.

Mich zog es für den eigentlichen Spaziergang zum Mönchsteich, einem kleineren See, der sich nahe den zwei größeren Gewässern, dem Großen- und dem Lütjensee befindet. Auf der Strecke von Trittau nach Lütjensee (die Gemeinde selbst trägt auch diesen Namen), kommen Sie daran vorbei.
Manchmal erwarte ich, dort am Ufer einem älteren Herrn mit einer vielleicht braunen Kutte sowie einer locker um den Leib gewundenen Kordel zu begegnen, denn irgendwann, allerdings schon vor über 800 Jahren, waren es Mönche, die diesen Teich anlegten, um Karpfen zu züchten. So entstand sein Name.
Man kann dort auch baden. Es gibt zwar keinen Badestrand, aber kleine, verschwiegene Buchten, und es heißt, der See sei daher beliebt bei FKK-Anhängern.
Nun, im Winter bzw. an einem Osterfeiertag inklusive Schnee, ist die Chance relativ klein, dass Sie dort einem Nackten begegnen …

Ostern 2013 - Mönchsteich - Ein Blick hinüber zum winterlichen Ufer. Es ist noch Eis auf dem See ...

Ostern 2013 – Mönchsteich – Ein Blick hinüber zum winterlichen Ufer. Es ist noch Eis auf dem See …

Es ist herrlich dort draußen! Der Weg entlang des Sees führt durch Mischwald, die Luft ist klar, munteres Vogelgezwitscher ertönt von allen Seiten. Die Randzonen des Mönchsteichs sind natürlich geformt und mit Gräsern, Schilf, Rohrkolben u. a. typischen Uferpflanzen bewachsen. Ein Großteil der Gegend ist Naturschutz- bzw. Wasserschutzgebiet.

Ostern 2013 - Mönchsteich - Einige Baumarten, wie z. B. Weiden,beugen sich beim Wachsen wie zum Trinken ganz tief gen Wasser  ...

Ostern 2013 – Mönchsteich – Einige Baumarten, wie z. B. Weiden,beugen sich beim Wachsen wie zum Trinken ganz tief gen Wasser …

Ich hatte das Vergnügen auf der sonnenbeschienenen Seite des Sees zu laufen und dabei den Blick hinüber zum anderen hügeligen Ufer zu haben, das durch seinen offenbar dichteren Baumbestand und seine Lage wahrscheinlich länger im Schatten liegt und noch wesentlich winterlicher aussah. Ein Teil der Wasserfläche trug auch eine Eisschicht.
An einem Ufer bereits  Frühlingsluft,  am anderen noch das Winterfeeling …

Alles wirkt überaus idyllisch. Nur wenige Wanderer, vereinzelt mit Hunden, sind unterwegs. Zwei fast kalbgroße, wohlerzogene, sehr gepflegte, dickflauschige Bettvorleger schnuppern zurückhaltend, während sie vorbeitraben.
Alles ist friedlich. Zumindest zu Beginn …

Ostern 2013 - Mönchsteich -

Ostern 2013 – Mönchsteich – Rohrkolben am Ufer …

Oster 2013 - Am Mönchsteich zwischen nahe Lütjensee

Oster 2013 – Am Mönchsteich zwischen nahe Lütjensee

Am Mittag des Ostermontags gibt es anfangs auf dem See genau sieben Vögel, die sich zudem sehr großzügig verstreut haben.
Ein kleines Teichhuhn ist Single und teilt sich etwa ein Viertel der gesamten Seefläche mit einem einzigen Stockentenpaar, das dicht nebeneinander schwimmend, friedlich seine Runden dreht.
Im zweiten Viertel des Mönchsteichs dümpeln gelangweilt – oder extrem relaxed – zwei Graugänse vor sich hin.
Bei denen weiß ich nie, ob sie männlich oder weiblich sind. Sagen wir, es waren Jens und Uschi … vielleicht aber auch Jens und Hagen respektive Uschi und Lisbeth.

Ostern 2013 - Mönchsteich  - Graugänse genießen die wärmende Sonne auf dem Gefieder ...

Ostern 2013 – Mönchsteich – Graugänse genießen die wärmende Sonne auf dem Gefieder …

Die Gruppe komplettiert ein Schwanenpaar, das die gesamte zweite Hälfte des Sees sein Eigen zu nennen scheint. Sehr elegant sehen die beiden aus. Gleiten majestätisch über das Wasser. Vielleicht ein ganz wenig snobistisch … Ihre Bewegungen sind fließend, die Haltung vorbildlich.

Ostern 2013 - Mönchsteich - Das Schwanenpaar zieht seine Kreise ...

Ostern 2013 – Mönchsteich – Das Schwanenpaar zieht seine Kreise …

Es herrscht Ruhe auf dem Wasser.
Noch!

Bis irgendwann, aus heiterem Himmel, den Gänsen fatalerweise einfällt, dass sie Ortsveränderung brauchen. Vielleicht suchen sie auch das Abenteuer oder Action. Kurzerhand paddeln sie schnatternd los, kennen kein Halten und überqueren dabei eine unsichtbare Grenze.
Sie befinden sich nun in Seehälfte zwei!
Der Schwanenhälfte!
Denen wird selbstverständlich prompt in dem Augenblick klar, dass sie erstens das Schnattern kolossal stört und dass es zweitens verdammt eng werden könnte auf dem Wasser!
Wieso eng?
Na, hören Sie! Was ist ein halber See?
Das ist nichts!
Die Schwäne verlieren ihre Gelassenheit. Das Erhabene ist verschwunden. Sie scheinen sich untereinander zu verständigen, wer für die Abwehr der Eindringlinge zuständig ist.
Ein Schwan bleibt zunächst zurück, der andere wird zum Krawallbruder. Er nimmt Kurs auf die am nächsten schwimmende Gans, hebt wütend sein Gefieder an, breitet es leicht aus, vergrößert auf diese Art effektvoll sein Volumen, nähert sich mit dieser Drohgebärde und gibt fauchende Laute von sich.
Die Gänse haben noch genügend Sicherheitsabstand, um großkotzig zurückzustänkern.
Die Entfernung verringert sich jedoch schnell, und auch der zweite Schwan mischt jetzt mit, wenn auch nur begleitend. Gans eins, welche die Schwäne anpeilen, wird es obermulmig. Sie gibt aus taktischen Gründen vor abzudrehen. Der Bluff wirkt nur kurz.
Schwäne sind nicht dumm!

Ostern 2013 - Mönchsteich - Es wird ernst für die Gans ... Die Schwäne mögen keine Eindringlinge.

Ostern 2013 – Mönchsteich – Es wird ernst für die Gans … Die Schwäne mögen keine Eindringlinge.

Die Verfolgung geht weiter. Als nur noch ein Meter Distanz besteht, startet die Gans durch. Durchpflügt leicht panisch das Wasser, legt an Tempo zu, hebt ab und beschwert sich bei ihrem Abflug unüberhörbar entrüstet über die Ungerechtigkeit dieser Welt. Pöbelt weiter, während sie an Höhe gewinnt.
Gans zwei wartet ab, doch der aggressivere der beiden Schwäne dreht bereits auf sie zu. Sie verzichtet weise auf sein Komplettprogramm, sieht die Aussichtslosigkeit der Lage ein und fliegt solidarisch ihrem Kumpel hinterher.

Ostern 2013 - Mönchsteich - ... Kurs auf die noch verbliebene zweite Gans

Ostern 2013 – Mönchsteich – … Kurs auf die noch verbliebene zweite Gans

Ostern 2013 - Mönchsteich - ... auch sie wird erfolgreich vertrieben.

Ostern 2013 – Mönchsteich – … auch sie wird erfolgreich vertrieben.

Beide landen in ihrem ursprünglichen Seeviertel. Selbst dort hört man sie noch länger erbost randalieren.

Der Schwan hat sich beruhigt. Die Eindringlinge wurden erfolgreich vertrieben. Die lästigen Revier- oder Nahrungskonkurrenten sind außer Sicht.

Ostern 2013 -  Schwäne auf dem Mönchsteich - ... Ruhe kehrt wieder ein

Ostern 2013 – Schwäne auf dem Mönchsteich – … Ruhe kehrt wieder ein

Ganz schön imposant, wenn ein Schwan zur Furie wird!
Wenn Zoff auf dem See ist!
Wenn es laut wird und das Wasser dramatisch aufspritzt …

Auf dem Rückweg komme ich erneut an den Gänsen vorbei. Wieder scheinen sie  wie verankert an einer Stelle auf- und niederzuwippen. Ich schaue zu ihnen hinüber und rufe:
„Mein lieber Schwan, das ging aber heftig zu bei euch!“
Die Gänse drehen sich weg …
Ich glaube, sie hatten keine Lust auf solch überflüssige Konversation.

Vielleicht war es auch das Wort Schwan

©März 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand (WordPress)_

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Hamburg. Alster. Kühl! Und doch: Bootsfahrt im November …!

Michèle Legrand auf WordPressDas Boot nähert sich unauffällig der Gruppe.
„So, Freunde, es geht los! Alle einsteigen bitte …“
Der Herr scheint allen Ernstes behaupten zu wollen, eine Fahrt im offenen Boot über
die Alster wäre jetzt im November bei knapp 3° Celsius eine klasse Sache! Die Angesprochenen sehen das offenbar auch anders, und dementsprechend fällt ihre Reaktion aus.
Einer dreht sich weg und schaut in die entgegengesetzte Richtung.
Ein weiterer gibt vor, nichts gehört zu haben.
Ein sehr elegant wirkendes Wesen ergreift geradezu panisch die Flucht.

Der eigentlich harmlos wirkende Kapitän möchte sich damit nicht abfinden und schnappt sich einfach den
ersten Fahrgast! Das Festhalten entpuppt sich als schwierig, denn es wird heftig protestiert und kraftvoll herumgefuchtelt. Nach kurzem Nahkampf landet der Gast in Weiß im Boot und schaut etwas schnippisch und ungnädig zur Seite.
Diese Szene wiederholt sich mehrfach, und sie wird nicht einfacher! Der Bootsführer erhält mittlerweile die Unterstützung der Wasserschutzpolizei. Die unwilligen Mitfahrer werden eingekreist und Richtung Schleuse
am Rathaus getrieben.
Haben sie etwas verbrochen?
Gerade wieder wird ein fauchendes Etwas gegen seinen Willen über die Bordkante gehoben und landet auf dem
mit Stroh ausgelegten Boden des blauen Bootes. Empörtes Getuschel mit dem bereits dort sitzenden Nachbarn.
Geht es um den Komfort?
Zu guter Letzt ist der Bootsrumpf gefüllt mit neugierig umherschauenden Herrschaften in Weiß, die sich jetzt damit abgefunden zu haben scheinen, dass ihnen eine kleine, schon leicht winterliche Alstertour bevorsteht.

Apropos Winter …

Langsam müssten die Schwäne doch wissen, dass es jedes Jahr so abläuft!
Schwanenvater Olaf Nieß sammelt sie immer um diese Zeit ein, um sie zum künstlich eisfrei gehaltenen Mühlenteich in Eppendorf zu bringen, ihrem Winterquartier.  Dort werden sie auch gefüttert.
Geht man davon aus, dass ein Höckerschwan etwa 16-20 Jahre alt werden kann, so dürften einige diese Um-
quartieraktion schon mehrfach mitgemacht haben. Nur weiß ja keiner so ganz genau, wie gut das Gedächtnis eines Schwanes funktioniert …
Ich war einmal zufällig vor Ort, als es hieß: Alle an Bord!
Es wirkt durchaus komisch, wenn einige der Vögel versuchen, noch schnell auszubüxen, es erregt aber auch Mitgefühl. Für die Schwäne, weil die schöne Binnenalster doch so ungern verlassen wird und zudem die Aufregung anfangs groß ist – jedoch auch für Schwanenvater Nieß und sein Team, da sie ziemliches Durchhaltevermögen zeigen müssen! Mit sich wehrenden Schwänen ist sicher nicht zu spaßen! Um diese Zeit verteidigen sie allerdings keine Jungen und mit der Erfahrung, die dem Team vorliegt, hat der Transport  bisher jedes Mal – früher oder später – geklappt.
Es soll sogar den ein oder anderen Schwan geben, der den Weg nach Eppendorf kennt und schon selbst dorthin schwimmt. Mir scheint, sie haben doch ein Gedächtnis … ;)

Heute ist es wieder soweit. Ich las vorhin die kleine Ankündigung in der Zeitung:

  ….. „120 Schwäne machen sich auf ihren Weg ins Winterquartier.“

Und Olaf Nieß wird sich am Ende wieder einmal leicht geschafft den Schweiß von der Stirn wischen …
.
Schwäne auf der Kleinen Alster, Hamburg

Offizielle Bilder  dazu (2011) gibt es hier:

http://www.mopo.de/nachrichten,5067140,11182214.html

©November 2011 by Michèle Legrand

Nachtrag im November 2012:
In diesem Jahr wurden die Schwäne am 20. November wieder in Richtung Winterquartier gefahren. Wer Facebook nutzt, findet bei Malte Klauck auf seiner Seite „Hamburg Fotografiert“ schöne Aufnahmen vom heutigen Tag.  Der folgende Link führt dorthin:

https://www.facebook.com/photo.php?fbid=369434206482247&set=a.287920967966905.67513.287674981324837&type=1&theater

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