Beiträge getaggt mit Schneegestöber

Ach, könnte ich Ihr Wischerdings mal kurz haben …?

Michèle Legrand (WordPress)Heute finden Sie hier ein kleines Bloghäppchen – nur kurz etwas über den … SCHNEE!
Allerdings den Schnee von gestern.
Neuschnee von gestern ist quasi der Altschnee von heute.

Ich wollte mich jetzt eigentlich nicht über das Chaos auslassen, das immer einsetzt, sobald der erste Schnee besonders in einer Großstadt fällt. Das kennen Sie sowieso, haben es erlebt, waren eventuell mittendrin.
Sie kennen die Dramen, die sich abspielen, weil es immer so völlig überraschend kommt! Entweder total verblüffend, da nach zehn nicht eingetretenen Ankündigungen der Meteorologen, beim elften Mal keiner mehr daran glaubte oder dadurch bedingt, dass die Wetterfachleute es selbst diesmal nicht kommen sahen und es über uns alle hereinbricht wie ein Sommergewitter oder wie überkochendes Nudelwasser.
Unvermutet!
Unberechenbar!
Man weiß nur, irgendwann passiert es wieder …

Stopp, ich wollte mich nicht damit beschäftigen! Das ist Stoff für einen kompletten eigenen Blogpost. Kommen wir stattdessen zum gestrigen Tag.
Oft ist es so, dass der Mensch in einem solchen Moment der „Naturkatastrophe“ eben nicht bestens präpariert ist! Sein Outfit lässt zu wünschen übrig! Die Schuhe, die Kleidung … Das Auto ist für den Wintereinbruch meist besser gerüstet – zumindest seit wettertaugliche Reifen bei winterlichen Verhältnissen vorgeschrieben sind. Sie haben sich durchgesetzt – hauptsächlich aus versicherungstechnischen Gründen.
Reicht das schon? Winterreifen und fertig?

Wir sind nun an dem Punkt angelangt, an dem ich Ihnen von gestern Abend erzählen kann, als ich selbst noch mit dem Auto unterwegs war. Um halb sechs herrschte tiefste Dunkelheit. Auf der Hinfahrt war es  lediglich kalt, die Fahrbahn war jedoch trocken. Kein Niederschlag. Alles lief ohne besondere Vorkommnisse. Ich kam an, fand einen Parkplatz in der Nähe, stellte den Wagen ab und huschte nach kurzem Fußweg  schnell wieder ins Warme.

Als ich um kurz nach sieben Uhr das Haus verließ, umfing mich wüstes Schneegestöber, und es herrschte übelste Glätte. Ich schlich vorsichtig Richtung Auto, das sich irgendwo in diesem Treiben verbarg. Hinter einem Vorhang aus Schnee ließ es sich schließlich ausmachen, und ich war erstaunt, wie dick es eingeschneit war – nach nur einer guten Stunde, die es dort gestanden hatte!
Im Seitenfach der Fahrertür steckt immer ein Fensterwischer. Ein Exemplar, wie Sie es von der Tankstelle kennen. Ein Wischer, mit dem man die Nässe abziehen kann, der aber auch ein Schwammteil besitzt, mit dem sich lockerer Schnee recht gut herunterschieben lässt.
Einmal rund ums Auto hieß, wenn ich fertig war, konnte ich im Grunde schon wieder von vorne anfangen. Bis dahin hatte sich erneut eine beachtliche Schicht abgesetzt.  So fuhr ich noch ein zweites Mal nur kurz über die Windschutzscheibe, als der Fahrer des längs neben mir abgestellten Wagens an sein Fahrzeug trat.
Er fluchte unterdrückt über die Schneepracht und darüber, dass er nichts dabei hatte, um die Berge zu entfernen. Nach kurzem Stocken kam die Frage:
„Ach, könnte ich vielleicht Ihr Wischerdings mal haben …?“
Nun, warum denn nicht.
Ich gab es ihm, schüttelte mir die Schneeflocken aus den Haaren und setzte mich, derweil er putzte, bei geöffneter Tür in mein Auto. Wenigstens ein Dach über dem Kopf …
Er war schnell fertig und machte Anstalten, mir meinen Wischer wiedergeben. In dem Moment fiel ihm allerdings auf, dass mein Auto in der Wartezeit erneut zugeschneit war.
„Nein, nein, das geht jetzt aber nicht, dass Sie zweimal …!“
Sprach’s und wischte bei mir. Richtig sorgfältig!
Nur – Sie ahnen es vermutlich – in der Zeit schneite sein Auto wieder ein!
Ich musste mir ein Lachen sehr verkneifen. Das hätte jetzt die ganze Nacht so gehen können, bzw. zumindest bis zum Ende des Schneefalls.
„Es reicht, wenn Sie mir am Ende, wenn Sie bei sich fertig sind, nur noch einmal ganz kurz vorne über die Stellen gehen, die der Scheibenwischer nicht erreicht“, beruhigte ich ihn. „Danach sollte auch Ihr Auto immer noch recht frei und startbereit sein.“
So geschah es. Der Fensterputzer flog ein letztes Mal von links nach rechts über meine Windschutzscheibe, wechselte dann blitzartig, dennoch gekonnt, wie ein Staffelholz den Besitzer, und ich schloss meine Tür. Er sprang in seinen Wagen.
Motor an, Scheibenwischer an, Licht an und los.
Los? Fast …
Er wollte mich partout zuerst rückwärts aus der Lücke fahren lassen, während ich froh gewesen wäre, wenn er den Anfang gemacht hätte. Er parkte recht dicht und dann diese Glätte.
Es half nichts, gegen einen Gentleman kommt man nicht an. Ich musste, sonst wären wir beide dort angewachsen.
Sein Motor röhrte ziemlich. Ich setzte zurück. Inzwischen wehte der Schnee von der Seite, und kaum hatte ich seinen Wagen nicht mehr als Schutz neben mir, war mein Fahrerfenster weiß, und ich konnte nichts mehr sehen.
Zugeschneit!
Also Fenster runter.
Und da hörte ich es. Der Lärm kam gar nicht von seinem Motor!
Ganz in der Nähe hatte jemand ein lautes Gerät gestartet.
Wo …?
In einer Einfahrt schräg gegenüber, lief eine leicht vermummte Gestalt im hellen Anorak herum.
Mit einem Laubbläser!
Zum Schneeräumen!
Ob schon mehr Menschen auf diese glorreiche Idee kamen? Ich war so froh, dass der Lärm mit dem Ende des Laubfalls aufgehört hatte, jetzt ging das wieder los!
Doch, wo ich ihn dort gerade so blasen sehe … da fällt mir fällt etwas ein!

Wissen Sie, was ich mir überlegt habe?
Das nächste Mal könnte ich ihn eigentlich fragen, ob er mir damit mein Auto freipustet!

Ich habe heute noch ein Foto für Sie.  Aus dem Bestand, denn Sie erinnern sich – meine Kamera starb kürzlich, und ich muss hinsichtlich einer neuen nun auf den Weihnachtsmann vertrauen. Daher kein Bild von gestern oder direkt zur Geschichte, aber eindeutig winterlich: Eisblumen!

Eisblumen - Ausschnitt

Dies ist ein Ausschnitt aus einem Eisblumenbild, das im Winter 2010 entstand. Sind solche natürlichen Kunstwerke nicht wunderschön?

©Dezember 2012 by Michèle Legrand

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Ins richtige Verhältnis gerückt … ist es warm. Beinahe.

Im Grunde ist es ja langweilig wie Krabben pulen – dieses über das kalte Wetter sprechen. Nur irgendwie beschäftigt dieses unberechenbare Phänomen die Menschheit. Das war so, und es wird garantiert so bleiben. Wir tauschen uns darüber aus. Sei es beim Small Talk, um Gesprächsstoff zu haben:
„Wie ist denn das Wetter heute bei Ihnen so?“ – „Ja, genau, bei uns sieht es auch nach Frost aus.“,
oder beim Klugscheißern:
„Nein, also ICH kenn mich mit Wolken aus! Es gibt eindeutig Regen. Lassen Sie sich das gesagt sein!“,
oder beim Gespräch unter ‚Fachleuten’: „Kollege, ich prophezeie Ihnen, wir werden eine neue Eiszeit erleben.“ – „Das Ozonloch wird uns alle vernichten! Alle!“ – „Klimaerwärmung, meine Herren, Sie wissen, die Meeresspiegel steigen. Wir saufen ab. Wie die Ratten!“
Warum noch?
Weil es auch persönliche Erinnerungen wachruft. Erinnerungen an Momente, in denen es wirklich sehr heiß, trocken, nass oder eben extrem  kalt war. Momente, die uns im Gedächtnis blieben. Situationen, die durch extreme Wetterlagen entstanden. Positiv und negativ.  Nicht so oft positiv, denn extrem beinhaltet bereits, dass es nicht der Regel entspricht, ungewöhnlich, von der Norm abweichend, fast generell ein zu viel oder zu wenig von etwas ist.

Erinnert habe ich mich heute Morgen, als ich noch im Halbdunkel mit dem Fahrrad unterwegs war. Nicht mal weit. Der Weg war zu lang, um ihn eben schnell zu Fuß zu bewältigen, und gegen das Auto sprach die Tatsache, dass es am Ziel nie einen Parkplatz gibt. Fahrrad und 0° Celsius. Leichter Wind. Etwas Feuchtigkeit in der Luft. Noch nicht mal richtig hell geworden.
Mir war saukalt!  Ich stellte nüchtern fest: „Michèle, du bist eine Memme und wirst offenbar alt!“
Dann musste ich schmunzeln. Nicht, das dies nicht stimmen würde, aber ich sollte der Vollständigkeit halber ergänzen, dass ich auch jung in dieser Hinsicht eine Memme war.

Es ist schon ewige Jahre her. Eine Woche Urlaub in Graubünden im Februar. In Lenzerheide, einem Ort, den ich schon von vorherigen Besuchen kannte. Allerdings bis dato nur im Sommer sowie im Herbst bei milden Temperaturen. Ein schönes Fleckchen Erde. Ich mag die Schweizer und hatte bisher nie negative Erlebnisse wie beispielsweise ein entfernter Onkel, der sich wunderte, warum man auf sein „Grütze miteinander“ verstimmt reagierte.
Vielleicht hätte er sich doch vorher erklären lassen sollen, dass hier keiner Kompott teilte, sondern einen freundlichen Gruß austauschte  (Grüezi mitanand).
Einer meiner Lieblingswege führt aus dem Ort hinauf in Richtung Sporz Davains. Nicht die Straße entlang, sondern querfeldein, einen Wanderweg und Bergpfad nutzend. Auf halber Strecke eine schöne Aussicht auf die Umgebung.  Das wollte ich natürlich auch im Winter erleben.
Es hatte schon reichlich Schnee bei der Ankunft gelegen, die Metereologen sagten weiteren Schneefall voraus. Aufenthalt in 1.500m Höhe bietet eine gewisse Schneegarantie zu dieser Zeit.
Gut eingepackt und ausgerüstet mit Schal, Mütze, Handschuhen sowie dicken Stiefeln, ging es am frühen Mittag bei -8° C los.  Der Hinweg war himmlisch. Er führte ein Stück weit durch ein kleines, windgeschütztes Wäldchen. Die Schneekristalle auf dem Weg glitzerten, unter den Füßen knirschte und knackte es. Man sah Spuren von Tierpfoten. Die Luft war klar, es war still und nur hin und wieder raschelte es irgendwo seitlich des Weges. Die Aussicht, die ich noch in Erinnerung gehabt hatte, war wunderschön. Unheimlich weit und so friedlich.
In Sporz  gab es beim Pausieren etwas Heißes zu trinken, und die Sonne schickte ein paar neckende Strahlen zum Fenster der Hütte herein. Es war fast schon schwer gewesen, sich dort wieder loszureißen, um den Rückweg anzutreten.
Ein anderer einheimischer Gast brachte uns schließlich dazu, als er etwas von Wetterverschlechterung und starkem Schneefall murmelte.
Als wir die Hütte verließen, zogen von Westen her dicke graue Wolken mit erstaunlicher Geschwindigkeit in unsere Richtung. Wind war aufgekommen. Schon im Ort recht ungemütlich. Wir entschlossen uns, auf dem gleichen Weg zurückzukehren, da uns der Gedanke an den geschützten Waldweg behagte. Allerdings hatten wir vergessen, dass er höchstens 1/7 des Gesamtweges ausmacht. Der andere Part liegt frei und ungeschützt in etwa 1.600-1.700 m Höhe.
Wir waren kaum 15 min. unterwegs, als die Windböen drehend kamen und heftiger wurden. Ein leichtes Heulen setzte ein. Dicker Flockenflug begann, und auf einmal war kaum noch Sicht …
Wo war der Weg geblieben? Wie konnte es nur so kalt sein?
Die Augen tränten, die Nase lief, und alles fror gleich an. Der Wind riss am Schal, den ich versuchte, vor den Mund zu ziehen. Die Mütze wollte davonfliegen. Beim Versuch, sie zu halten, fielen einem vor Kälte fast die Finger ab – in den Handschuhen. Alles wurde langsam feucht und fror sofort hart.
Der Wind kam nun hauptsächlich von vorne. Wenn wir bloß überhaupt noch die Orientierung hatten! Mir kam Gelesenes in den Sinn, beim dem die Menschen immer im Kreis wanderten. Gut, wir waren jetzt nicht in der Wüste, aber dementsprechende Gedanken waren einfach da.  Auch die Befürchtung, bei dem weißen Treiben irgendwann Richtung Abgrund zu geraten …
Man wird langsamer bei so einer Kälte. Die Gliedmaßen gehorchen nicht mehr zuverlässig. Die Lippen bibbern, die Zähne klappern aufeinander.  Du schaust nach unten, weil es dir das Gefühl des Schutzes vor dem Eiswind und den ins Gesicht treffenden Flocken gibt. Inzwischen waren es auch nicht mehr die sanften Flöckchen vom Vortag. Das was jetzt herunterkam, war leicht angefroren, und fühlte sich beim Auftreffen auf der Haut an wie Hunderte kleiner Nadelstiche.
Mein Begleiter war zwei Meter vor mir. Dafür war ich sehr dankbar. Einmal, weil er generell die bessere Orientierung hat, und zweitens erhoffte ich mir den vielgepriesenen Effekt des im Windschatten Laufens. Ich glaube, es brachte nicht wirklich viel.
Der Weg schien kein Ende zu nehmen. Wir brauchten dreimal so lange wie zuvor und kamen völlig erschöpft wieder im Ort bei unserer Bleibe an. Mühsames Herausschälen aus der steifen Kleidung mit ungelenken Fingern, langsames Auftauen, heißer Tee und ein warmes Bad brachten die Lebensgeister zurück.
Ich habe mich jedoch auch noch am nächsten Tag strikt geweigert, hinaus zu gehen – so fest steckte mir der Kälteschock in den Gliedern!

Ich komme jetzt wieder auf meine heutige Mini-Fahrradtour zurück. Wie gesagt: Memme!
Damals gab es vielleicht doch mildernde Umstände – es war wirklich nicht ohne. Aber heute? Weichei!
Nun noch einmal neu die Beurteilung des aktuelle Temperaturstandes:
Es sind ca. 0° Celsius, und alles ist recht erträglich. Mir ist auch überhaupt nicht kalt.
Drinnen.

Lenzerheide, der Winter und ich



©November 2010 by Michèle Legrand

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