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Omar Sharif II und die richtige Kälte …

Vor einigen Tagen fragte ich Sie, ob Sie für den bevorstehenden Wintereinbruch schon vorgesorgt hätten. Ob Sie an das Einbringen des Proviants gedacht hätten.
Sagen Sie bitte, hätten Sie – trotz aller Vorhersagen – mit Schneefall in diesem Maße gerechnet?

März - 11.03.2013 - Schneegestöber ...

März – 11.03.2013 – Schneegestöber …

Derart, dass Sie wirklich bald ein paar Dosensuppen und Zwieback im Schrank haben sollten, da durchaus das Risiko besteht, dass Sie eines Morgens beim Öffnen der Haustür vor einer massiven, undurchdringlichen Schneewand stehen?
Oder hätten Sie erwartet, dass die Temperaturen noch einmal derart in den Keller rutschen würden?
Erheblicher Schneefall am 10. März, gefolgt von weiteren massiven und äußerst ausdauernden Schneegestöbern am Tag darauf. Nachts Frost. Richtiger Frost! Nicht bloß das eine Grad minus, das die Schneepracht am Tag konserviert hatte.

12. März 2013 - Eiszapfen am Geländer

12. März 2013 – Eiszapfen am Geländer

Seit dem Wochenbeginn hat sich die Wetterfront samt Schnee langsam nach Süden vorgearbeitet – ohne dabei vorerst im Norden die Arbeit zu vernachlässigen. Am 12. März jedoch, nach klarer, kalter Nacht, strahlte die Sonne an einem traumhaft blauen Himmel, und die Welt sah für einen Moment gleich wieder ganz anders aus. Dafür war  inzwischen bis zum Rhein-Main-Gebiet der Winter zurück, und am Frankfurter Flughafen herrscht seitdem Zustand. Die Bahn ist auch betroffen – nicht nur hier, ebenfalls bei den europäischen Nachbarn.

März - 10.03.2013 - Schneebeladene Hecken ...

März – 10.03.2013 – Schneebeladene Hecken …

Die Menschheit wurde wirklich fuchsig. Ist fuchsig seit dem Wochenende! Ist aufgebracht! Mordlustig!
Lyncht den Winter!
Würde es sich um Herrn Winter handeln, also um eine Person, hätte sie – bezogen auf die üblen Attacken und den regelrechten shitstorm, der hier im Netz ausgebrochen ist – bestimmt schon Klage eingereicht. Wegen Beleidigung, Bedrohung, Anfeindung, übler Nachrede, Intoleranz etc.

März - 10.03.2013 - Auch Straßen ... weiß - Wenn man es nur nicht schon so über hätte mit der Kälte ...

März – 10.03.2013 – Auch Straßen … weiß – Wenn man es nur nicht schon so über hätte mit der Kälte …

Es wird schon jämmerlich geheult, gemosert und gemotzt!
Sie können fast sicher sein, alles wäre gut gewesen, hätten wir nicht kurz zuvor diese verführerischen, frühlingshaften Stunden genießen können. Es ist so, wie einem Hungrigen etwas lecker Gebrutzeltes vor die Nase zu halten, ihn daran schnuppern zu lassen, aber beim Zubeißversuch die Leckerei nicht nur wegzuziehen, sondern stattdessen auch noch Lebertran oder Verdorbenes hinzuhalten.
Ohne eine gewisse Erbostheit lässt sich die Angelegenheit nicht hinnehmen!
Sozusagen die Wut der ersten Sekunde, eine Spontanreaktion.
Mensch A fängt sich schnell wieder, Mensch B … Nun, sagen wir es so: Es ist generell eine Herausforderung, mit dem Guten vor der Nase wieder das weniger Gute – selbst wenn es nicht wirklich schlecht ist – einfach gelassen zu akzeptieren.
Ist es nicht immer so?
Egal bei welchen Dingen – ist erst einmal ein gewisser Level, ein bestimmter Standard erreicht, fällt es dem Menschen außerordentlich schwer wieder zurückzudrehen, mit weniger auszukommen. Kleinere Wohnung, weniger Gehalt, Urlaub auf dem Balkon, kleineres/kein Auto, Verzicht auf eine bestimmte Marke …

Doch zurück zum Wintereinbruch und zu Herrn Sharif. Ich erinnerte mich gestern plötzlich an ihn, als ich während des Schneetreibens vor geschlossener Bahnschranke stand und die Gedanken beim Blick auf die Gleise treiben ließ …

März - 12.03.2013 - Gleise im Schnee ...

März – 12.03.2013 – Gleise im Schnee …

Klirrende Kälte. Endlos wirkende Gleise irgendwo im Ural. Dann das Geräusch einer zischenden und schnaufenden Dampflok. Ein Bahnhof. Jurij im langen Mantel, die Fellmütze telegen in die Stirn gezogen, steigt aus, sieht sich um. Der melancholische Blick aus dunkel bewimperten, braunen Augen gleitet langsam und suchend den Bahnsteig entlang.
Dr. Schiwago!
Omar Sharif hat ihn gespielt. Sie haben ihn noch vor Augen?
Von ihm komme ich zu Joe B. Kadlec, einem Herrn etwa gleichen Alters, dessen Vorfahren – wenn ich mich richtig entsinne – aus der Tschechei nach Kanada auswanderten und der dort, als ich ihn kennenlernte, für die Cominco Polaris Mine gearbeitet hat. Mit ihm hatte ich beruflich länger zu tun, als meine damalige Firma Produkte lieferte, die für den Erzabbau in dieser Mine notwendig waren.

Eines Tages kündigte unser kanadischer Kunde seinen Besuch an und aufgrund des sehr netten Kontakts und seiner wirklich angenehmen Art, wollten wir es uns nicht nehmen lassen, ihn direkt vom Flughafen abzuholen.
Doch wie sah Mr. Kadlec aus? Wie konnte man ihn erkennen?
Es war noch nicht die Zeit, in der man einfach schnell ein Foto über den Atlantik mailte und alle Bescheid wussten.
Mein damaliger Chef, ein sehr gelassener Mensch, hatte wenig Abneigungen, stellte sich kaum an, doch eine Sache verabscheute er wirklich sehr: das Herumstehen im Ankunftsbereich mit einer Namenspapptafel …!
Oh, nein, nicht mit ihm!
Er fragte immer nach Erkennungszeichen (Ach, kommen Sie, Sie haben doch bestimmt irgendwo eine Narbe!), doch wenn man ihn im Gegenzug aushorchen wollte, was denn an ihm spezifisch wäre, dann sagte er nur: Ich schaue Sie an.
Er hat auch nie einen verpasst. Nur manchmal blickte er zu viele an, die das gelegentlich missverstanden …
Mr. Kadlec aus Kanada schrieb auf seine Frage zurück:
Don’t worry, you can’t miss me. I look like Omar Sharif. Well, a bit. At least, they say so …

Ein Double? Wir unkten ein wenig herum, denn häufig sind es gar nicht die Gesichtszüge, die Augen, die Haare etc. , die die Ähnlichkeit ausmachen. Oft sind es Bewegungen, Ausdruck, Haltung, Stimme oder das Lachen, was an eine bestimmte Person erinnert.
Wenn der Gast aber nicht wirklich so aussah wie Omar Sharif, wenn er womöglich schwieg und wie festgewachsen dort stand … was dann?
„Wenn wir uns unsicher sind, summen wir bei Wackelkandidaten einfach das Lied! Dann wird schon der Richtige reagieren …“
Die Schiwago-Melodie! Lara’s Theme!
Das müsste gehen.

Es hat damals geklappt, sogar ohne Summen, denn Joe B. Kadlec war ein Omar Sharif Double erster Klasse! Noch besser aussehend. Etwas kantiger.
Er war bei leicht frostigen Temperaturen in einer relativ dünnen Jacke erschienen, weshalb wir ihn schnell zum Auto bugsieren wollten. Uns selbst war auch etwas frisch. Doch er erstaunte uns mit der Bemerkung, wie schön mild es doch in Deutschland im Winter sei!
Frühlingshaft!

Und dann begann er, uns mehr von der Gegend, in der sich die Polaris Mine befand, zu erzählen.
(Mittlerweile ist sie geschlossen, denn der unterirdische Abbau von Zink auf Little Cornwallis Island im kanadischen Territorium Nunavut lohnte sich 2002 nach gut 20 Jahren nicht mehr.)
Die Mine lag 1.120 km nördlich vom Polarkreis und fast 100 km entfernt von der nächsten Siedlung (Resolute). Kaum eine Seele, logischerweise eine karge Landschaft, arktische Temperaturen, Erzabbau unter extremsten Bedingungen.
Sagen Ihnen die Lage oder die Kilometerangaben etwas? Nicht?
Warten Sie, wir starten anders und bringen es ein wenig in Beziehung zu Orten, die Sie kennen!
Die Region im äußersten Norden Kanadas liegt etwa auf dem 75. Breitengrad. Deutschland von Bayern bis Sylt zieht sich vom 47. bis zum 55. Breitengrad.
Sylt wiederum ist etwa gleichauf mit den kanadischen Territorien Neufundland und Labrador.
Von Sylt aus (= 55. Breitengrad) 20 Breitengrade Richtung Norden zu gehen, heißt, ca. 2.222 km weiter nördlich zu reisen! Westlich an Grönland vorbei bis zum Ende der Baffin Bay oder meist die Northwestern Passages nutzend.  Immer weiter Richtung Norden.
(1 Grad = 60 Minuten, 1 Minute entspricht 1 Seemeile, 1 Seemeile = 1,852 km).

Ziemlich weit oben. Sie haben jetzt ein Gefühl für die Entfernung?
Bitte?
Man geht als Europäer eher nach Süden als nach Norden?
Dann stellen Sie sich doch vor, Sie würden von Bayern aus südwärts starten. In dem Fall würden Sie ungefähr auf den kanarischen Inseln vor der afrikanischen Küste angelangen!

Unser Omar Sharif hielt sich jedoch oft im äußersten Norden auf und hatte sich mittlerweile schon gut mit den örtlichen Gegebenheiten arrangiert. Er zeigte uns ein Foto, auf dem er winterliche Privatkleidung trug – sehr ähnlich der, die der echte Omar Sharif als Doktor Schiwago anhatte – was einer gewissen Komik nicht entbehrte, denn er hätte diese Aufnahme durchaus glaubhaft als Autogrammkarte benutzen können.
Ein anderes Bild zeigte ihn in moderner, hochentwickelter, leuchtkräftiger Kälteschutzkleidung , inkl. Gesichtsschutz.
Er erzählte von den strengen Vorschriften, an die sich jeder Mitarbeiter zu seiner eigenen Sicherheit zu halten hatte. Verlassen der Innenräume nur in kompletter Schutzkleidung und stets mit Anmeldung und Abmeldung, nur bestimmte (kurze) Zeiten in freier Umgebung. Vieles mehr wurde genauestens reglementiert, natürlich auch das Arbeiten in der Mine selbst erfolgte im genau festgelegten Rhythmus und mit häufigen Schichtwechseln. Wer länger dort war und sich akklimatisiert hatte, hielt besser durch.
Warum ihm bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in Hamburg Frühlingsgefühle überkamen, erklärt sich damit, dass in der Region der Polaris Mine im Jahresschnitt  -16° C herrschen. Das hört sich noch halbwegs erträglich an, ist aber eben auch nur der Mittelwert.
Jetzt, um diese Zeit, Anfang März, herrschen dort allerdings etwa -30° C, Anfang Februar waren es  -35° C, gelegentlich sogar -50° Celsius!
Schneefall?
Ja, schon, doch der meiste fällt bereits im September und Oktober.
Sommer?
Nicht nach unserem Verständnis. In den Monaten Mai/Juni klettern die Temperaturen durchaus kurzfristig leicht in den Plusbereich, weshalb sämtliche Lieferungen, die per Schiff für die Mine ankamen, genau dann einzutreffen hatten, da in diesen „warmen“ Monaten das Eis des Seeweges noch durchdringbar ist oder zumindest die Fahrrinne mit Hilfe von Eisbrechern freigehalten werden kann.
Genau das war es, was im Endeffekt für uns als Händler und Lieferanten immer wieder für Nervenkitzel und Stressmomente sorgte: Lieferungen, die aus der Produktion von Ländern des ehemaligen Ostblocks stammten und zur Weiterverladung nach Kanada bestimmt waren, kamen oft nicht pünktlich. Wir starben unterdessen stets kleine Tode, wenn das Wetter schlechter wurde, Schiffe verpasst wurden, die Eisdecke auf dem Fahrwasser wuchs …
Später ging man deshalb dazu über, einige Dinge auch per Flugzeug zumindest bis zur Resolute Bay zu bringen. Nur waren die Kosten entschieden zu hoch, um alles auf diese Art und Weise zu transportieren. Es ging bei der Versorgung einer Mine nicht um kleine Pillenboxen, sondern mehrheitlich um beträchtliche Mengen von  20ft und 40ft Containern. Und irgendwie hat es dann doch immer gerade noch geklappt …

Wir in Deutschland haben in diesem Winter besonders über die Dunkelheit, das trübe Licht geklagt.
Wie schaut es denn dort oben diesbezüglich aus?
Im Territorium Nunavut sind im Winter teilweise nur knapp vier Stunden Licht am Tag, je nördlicher man kommt, desto weniger. Irgendwann erreichen Sie die Regionen, in denen es dunkel bleibt – genauso wie es während der wenigen Sommermonate dort fast 24 Stunden hell ist.
Gewöhnungsbedürftig.
Besser als bei uns? Schlechter?
Worüber gibt es mehr zu klagen? Was wäre uns lieber?
Würden wir bei dieser Auswahl doch lieber bei unserem deutschen Klima bleiben? Selbst dann, wenn heute Frankfurt wieder im Schnee versinkt, die Sonne im Norden sich schon wieder verkrümelt und neues Schneetreiben einsetzt, und alles Kalte doch schon so lange geht, uns so über ist, und wir doch Frühling wollen und überhaupt …?

Halten Sie einfach durch!
Es kann jetzt nicht mehr lange dauern!
Letztendlich ist alles eine Frage der Verhältnismäßigkeit.
Im Verhältnis zu Nordkanada sind wir recht gut dran.
Im Verhältnis zu der Zeit, die schon Winter war, ist die Zeit, die wir jetzt noch Geduld aufbringen müssen, recht begrenzt.
Im Verhältnis zum Gejaule, ist Gelassenheit irgendwie die coolere Variante.

März - 10.03.2013 - Ein neuer Wintereinbruch

März – 10.03.2013 – Ein neuer Wintereinbruch

März - 10.03.2013 - Baumwolle, Schaum, Watte ...? Schnee .. was auch sonst dieser Tage!

März – 10.03.2013 – Baumwolle, Schaum, Watte …? Schnee .. was auch sonst dieser Tage!

März - 10.03.2013 - Bis auf den Boden herunter gedrückte Zweige ...

März – 10.03.2013 – Bis auf den Boden herunter gedrückte Zweige …

März - 12.03.2013 - Eiszauber an der Dachrinne

März – 12.03.2013 – Eiszauber an der Dachrinne

März - 10.03.2013 - ... alles weiß

März – 10.03.2013 – … alles weiß

März - 12.03.2013 - Blumenhartriegel mit Schneetuffs ... Cornus kousa var. chinensis ...

März – 12.03.2013 – Blumenhartriegel mit Schneetuffs … Cornus kousa var. chinensis …

März - 10.03.2013 - Es läppert sich zusammen. Erstaunlich wie aufrecht die Haselnuss dabei bleibt ...

März – 10.03.2013 – Es läppert sich zusammen. Erstaunlich wie aufrecht die Haselnuss dabei bleibt …

März - 10.03.2013 - ... von unten gesehen. Der Schnee auf den Zweigen des Cornus kousa (Blumenhartriegels).

März – 10.03.2013 – … von unten gesehen. Der Schnee auf den Zweigen des Cornus kousa (Blumenhartriegels).

März - 10.03.2013 - An den Enden der Schneeball-Zweige (Viburnum rhytidophyllum) formen sich - passend zum Namen - regelrechte Schneebälle ...

März – 10.03.2013 – An den Enden der Schneeball-Zweige (Viburnum rhytidophyllum) formen sich – passend zum Namen – regelrechte Schneebälle …

März - 12.03.2013 - Eiszapfen am Geländer

März – 12.03.2013 – Eiszapfen am Geländer

März - 10.03.2013 - Die Korkenzieher-Hasel (Corylus avellana 'Contorta). Das Wollknäuel von gestern heute mit Schnee ...

März – 10.03.2013 – Die Korkenzieher-Hasel (Corylus avellana ‚Contorta). Das Wollknäuel von gestern heute mit Schnee …

März - 10.03.2013 - Schnee-Engel ...

März – 10.03.2013 – Schnee-Engel …

Und wenn Sie jetzt gerade die letzten Bilder von unserem Winter angesehen haben … sagen Sie selbst, wirken sie nicht doch irgendwie positiv, so ganz grundsätzlich? Wattetuffs auf den Zweigen, glitzernder Schnee, blinkende Eiszapfen und nicht zu vergessen … die Helligkeit!
Wenn Omar Sharif II in der Arktis überlebt hat, dann müssten wir das hier doch auch schaffen.
Manchmal kommt es nur auf die richtige Kleidung an.
Und die richtige Einstellung.
Hören Sie: Wir werden es alle überleben bis zum Frühlingsbeginn!

Doch, doch … ich bin mir sicher!

Ach, nur noch eines: Wenn Ihr Herz jetzt Lust bekommt,  zu irgendjemanden auf die Reise zu gehen, dann tun Sie sich keinen Zwang an und gönnen sich die Instrumentalversion von Maurice Jarres Song für den Film Dr. Schiwago – Lara’s Theme. Hier dirigiert er selbst, und Sie können bei den eingespielten Szenen auch Omar Sharif I (das Original ^^) sehen.

Youtube dot com/watch?v=3X-Q4nmYqc4 (->Bitte dot durch Punkt ersetzen. Zum Schutz Ihrer Daten kein aktiver, direkter Link hinüber zur Videoplattform!)

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©März 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand auf WordPress.com

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Ach, könnte ich Ihr Wischerdings mal kurz haben …?

Michèle Legrand (WordPress)Heute finden Sie hier ein kleines Bloghäppchen – nur kurz etwas über den … SCHNEE!
Allerdings den Schnee von gestern.
Neuschnee von gestern ist quasi der Altschnee von heute.

Ich wollte mich jetzt eigentlich nicht über das Chaos auslassen, das immer einsetzt, sobald der erste Schnee besonders in einer Großstadt fällt. Das kennen Sie sowieso, haben es erlebt, waren eventuell mittendrin.
Sie kennen die Dramen, die sich abspielen, weil es immer so völlig überraschend kommt! Entweder total verblüffend, da nach zehn nicht eingetretenen Ankündigungen der Meteorologen, beim elften Mal keiner mehr daran glaubte oder dadurch bedingt, dass die Wetterfachleute es selbst diesmal nicht kommen sahen und es über uns alle hereinbricht wie ein Sommergewitter oder wie überkochendes Nudelwasser.
Unvermutet!
Unberechenbar!
Man weiß nur, irgendwann passiert es wieder …

Stopp, ich wollte mich nicht damit beschäftigen! Das ist Stoff für einen kompletten eigenen Blogpost. Kommen wir stattdessen zum gestrigen Tag.
Oft ist es so, dass der Mensch in einem solchen Moment der „Naturkatastrophe“ eben nicht bestens präpariert ist! Sein Outfit lässt zu wünschen übrig! Die Schuhe, die Kleidung … Das Auto ist für den Wintereinbruch meist besser gerüstet – zumindest seit wettertaugliche Reifen bei winterlichen Verhältnissen vorgeschrieben sind. Sie haben sich durchgesetzt – hauptsächlich aus versicherungstechnischen Gründen.
Reicht das schon? Winterreifen und fertig?

Wir sind nun an dem Punkt angelangt, an dem ich Ihnen von gestern Abend erzählen kann, als ich selbst noch mit dem Auto unterwegs war. Um halb sechs herrschte tiefste Dunkelheit. Auf der Hinfahrt war es  lediglich kalt, die Fahrbahn war jedoch trocken. Kein Niederschlag. Alles lief ohne besondere Vorkommnisse. Ich kam an, fand einen Parkplatz in der Nähe, stellte den Wagen ab und huschte nach kurzem Fußweg  schnell wieder ins Warme.

Als ich um kurz nach sieben Uhr das Haus verließ, umfing mich wüstes Schneegestöber, und es herrschte übelste Glätte. Ich schlich vorsichtig Richtung Auto, das sich irgendwo in diesem Treiben verbarg. Hinter einem Vorhang aus Schnee ließ es sich schließlich ausmachen, und ich war erstaunt, wie dick es eingeschneit war – nach nur einer guten Stunde, die es dort gestanden hatte!
Im Seitenfach der Fahrertür steckt immer ein Fensterwischer. Ein Exemplar, wie Sie es von der Tankstelle kennen. Ein Wischer, mit dem man die Nässe abziehen kann, der aber auch ein Schwammteil besitzt, mit dem sich lockerer Schnee recht gut herunterschieben lässt.
Einmal rund ums Auto hieß, wenn ich fertig war, konnte ich im Grunde schon wieder von vorne anfangen. Bis dahin hatte sich erneut eine beachtliche Schicht abgesetzt.  So fuhr ich noch ein zweites Mal nur kurz über die Windschutzscheibe, als der Fahrer des längs neben mir abgestellten Wagens an sein Fahrzeug trat.
Er fluchte unterdrückt über die Schneepracht und darüber, dass er nichts dabei hatte, um die Berge zu entfernen. Nach kurzem Stocken kam die Frage:
„Ach, könnte ich vielleicht Ihr Wischerdings mal haben …?“
Nun, warum denn nicht.
Ich gab es ihm, schüttelte mir die Schneeflocken aus den Haaren und setzte mich, derweil er putzte, bei geöffneter Tür in mein Auto. Wenigstens ein Dach über dem Kopf …
Er war schnell fertig und machte Anstalten, mir meinen Wischer wiedergeben. In dem Moment fiel ihm allerdings auf, dass mein Auto in der Wartezeit erneut zugeschneit war.
„Nein, nein, das geht jetzt aber nicht, dass Sie zweimal …!“
Sprach’s und wischte bei mir. Richtig sorgfältig!
Nur – Sie ahnen es vermutlich – in der Zeit schneite sein Auto wieder ein!
Ich musste mir ein Lachen sehr verkneifen. Das hätte jetzt die ganze Nacht so gehen können, bzw. zumindest bis zum Ende des Schneefalls.
„Es reicht, wenn Sie mir am Ende, wenn Sie bei sich fertig sind, nur noch einmal ganz kurz vorne über die Stellen gehen, die der Scheibenwischer nicht erreicht“, beruhigte ich ihn. „Danach sollte auch Ihr Auto immer noch recht frei und startbereit sein.“
So geschah es. Der Fensterputzer flog ein letztes Mal von links nach rechts über meine Windschutzscheibe, wechselte dann blitzartig, dennoch gekonnt, wie ein Staffelholz den Besitzer, und ich schloss meine Tür. Er sprang in seinen Wagen.
Motor an, Scheibenwischer an, Licht an und los.
Los? Fast …
Er wollte mich partout zuerst rückwärts aus der Lücke fahren lassen, während ich froh gewesen wäre, wenn er den Anfang gemacht hätte. Er parkte recht dicht und dann diese Glätte.
Es half nichts, gegen einen Gentleman kommt man nicht an. Ich musste, sonst wären wir beide dort angewachsen.
Sein Motor röhrte ziemlich. Ich setzte zurück. Inzwischen wehte der Schnee von der Seite, und kaum hatte ich seinen Wagen nicht mehr als Schutz neben mir, war mein Fahrerfenster weiß, und ich konnte nichts mehr sehen.
Zugeschneit!
Also Fenster runter.
Und da hörte ich es. Der Lärm kam gar nicht von seinem Motor!
Ganz in der Nähe hatte jemand ein lautes Gerät gestartet.
Wo …?
In einer Einfahrt schräg gegenüber, lief eine leicht vermummte Gestalt im hellen Anorak herum.
Mit einem Laubbläser!
Zum Schneeräumen!
Ob schon mehr Menschen auf diese glorreiche Idee kamen? Ich war so froh, dass der Lärm mit dem Ende des Laubfalls aufgehört hatte, jetzt ging das wieder los!
Doch, wo ich ihn dort gerade so blasen sehe … da fällt mir fällt etwas ein!

Wissen Sie, was ich mir überlegt habe?
Das nächste Mal könnte ich ihn eigentlich fragen, ob er mir damit mein Auto freipustet!

Ich habe heute noch ein Foto für Sie.  Aus dem Bestand, denn Sie erinnern sich – meine Kamera starb kürzlich, und ich muss hinsichtlich einer neuen nun auf den Weihnachtsmann vertrauen. Daher kein Bild von gestern oder direkt zur Geschichte, aber eindeutig winterlich: Eisblumen!

Eisblumen - Ausschnitt

Dies ist ein Ausschnitt aus einem Eisblumenbild, das im Winter 2010 entstand. Sind solche natürlichen Kunstwerke nicht wunderschön?

©Dezember 2012 by Michèle Legrand

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Ins richtige Verhältnis gerückt … ist es warm. Beinahe.

Im Grunde ist es ja langweilig wie Krabben pulen – dieses über das kalte Wetter sprechen. Nur irgendwie beschäftigt dieses unberechenbare Phänomen die Menschheit. Das war so, und es wird garantiert so bleiben. Wir tauschen uns darüber aus. Sei es beim Small Talk, um Gesprächsstoff zu haben:
„Wie ist denn das Wetter heute bei Ihnen so?“ – „Ja, genau, bei uns sieht es auch nach Frost aus.“,
oder beim Klugscheißern:
„Nein, also ICH kenn mich mit Wolken aus! Es gibt eindeutig Regen. Lassen Sie sich das gesagt sein!“,
oder beim Gespräch unter ‚Fachleuten’: „Kollege, ich prophezeie Ihnen, wir werden eine neue Eiszeit erleben.“ – „Das Ozonloch wird uns alle vernichten! Alle!“ – „Klimaerwärmung, meine Herren, Sie wissen, die Meeresspiegel steigen. Wir saufen ab. Wie die Ratten!“
Warum noch?
Weil es auch persönliche Erinnerungen wachruft. Erinnerungen an Momente, in denen es wirklich sehr heiß, trocken, nass oder eben extrem  kalt war. Momente, die uns im Gedächtnis blieben. Situationen, die durch extreme Wetterlagen entstanden. Positiv und negativ.  Nicht so oft positiv, denn extrem beinhaltet bereits, dass es nicht der Regel entspricht, ungewöhnlich, von der Norm abweichend, fast generell ein zu viel oder zu wenig von etwas ist.

Erinnert habe ich mich heute Morgen, als ich noch im Halbdunkel mit dem Fahrrad unterwegs war. Nicht mal weit. Der Weg war zu lang, um ihn eben schnell zu Fuß zu bewältigen, und gegen das Auto sprach die Tatsache, dass es am Ziel nie einen Parkplatz gibt. Fahrrad und 0° Celsius. Leichter Wind. Etwas Feuchtigkeit in der Luft. Noch nicht mal richtig hell geworden.
Mir war saukalt!  Ich stellte nüchtern fest: „Michèle, du bist eine Memme und wirst offenbar alt!“
Dann musste ich schmunzeln. Nicht, das dies nicht stimmen würde, aber ich sollte der Vollständigkeit halber ergänzen, dass ich auch jung in dieser Hinsicht eine Memme war.

Es ist schon ewige Jahre her. Eine Woche Urlaub in Graubünden im Februar. In Lenzerheide, einem Ort, den ich schon von vorherigen Besuchen kannte. Allerdings bis dato nur im Sommer sowie im Herbst bei milden Temperaturen. Ein schönes Fleckchen Erde. Ich mag die Schweizer und hatte bisher nie negative Erlebnisse wie beispielsweise ein entfernter Onkel, der sich wunderte, warum man auf sein „Grütze miteinander“ verstimmt reagierte.
Vielleicht hätte er sich doch vorher erklären lassen sollen, dass hier keiner Kompott teilte, sondern einen freundlichen Gruß austauschte  (Grüezi mitanand).
Einer meiner Lieblingswege führt aus dem Ort hinauf in Richtung Sporz Davains. Nicht die Straße entlang, sondern querfeldein, einen Wanderweg und Bergpfad nutzend. Auf halber Strecke eine schöne Aussicht auf die Umgebung.  Das wollte ich natürlich auch im Winter erleben.
Es hatte schon reichlich Schnee bei der Ankunft gelegen, die Metereologen sagten weiteren Schneefall voraus. Aufenthalt in 1.500m Höhe bietet eine gewisse Schneegarantie zu dieser Zeit.
Gut eingepackt und ausgerüstet mit Schal, Mütze, Handschuhen sowie dicken Stiefeln, ging es am frühen Mittag bei -8° C los.  Der Hinweg war himmlisch. Er führte ein Stück weit durch ein kleines, windgeschütztes Wäldchen. Die Schneekristalle auf dem Weg glitzerten, unter den Füßen knirschte und knackte es. Man sah Spuren von Tierpfoten. Die Luft war klar, es war still und nur hin und wieder raschelte es irgendwo seitlich des Weges. Die Aussicht, die ich noch in Erinnerung gehabt hatte, war wunderschön. Unheimlich weit und so friedlich.
In Sporz  gab es beim Pausieren etwas Heißes zu trinken, und die Sonne schickte ein paar neckende Strahlen zum Fenster der Hütte herein. Es war fast schon schwer gewesen, sich dort wieder loszureißen, um den Rückweg anzutreten.
Ein anderer einheimischer Gast brachte uns schließlich dazu, als er etwas von Wetterverschlechterung und starkem Schneefall murmelte.
Als wir die Hütte verließen, zogen von Westen her dicke graue Wolken mit erstaunlicher Geschwindigkeit in unsere Richtung. Wind war aufgekommen. Schon im Ort recht ungemütlich. Wir entschlossen uns, auf dem gleichen Weg zurückzukehren, da uns der Gedanke an den geschützten Waldweg behagte. Allerdings hatten wir vergessen, dass er höchstens 1/7 des Gesamtweges ausmacht. Der andere Part liegt frei und ungeschützt in etwa 1.600-1.700 m Höhe.
Wir waren kaum 15 min. unterwegs, als die Windböen drehend kamen und heftiger wurden. Ein leichtes Heulen setzte ein. Dicker Flockenflug begann, und auf einmal war kaum noch Sicht …
Wo war der Weg geblieben? Wie konnte es nur so kalt sein?
Die Augen tränten, die Nase lief, und alles fror gleich an. Der Wind riss am Schal, den ich versuchte, vor den Mund zu ziehen. Die Mütze wollte davonfliegen. Beim Versuch, sie zu halten, fielen einem vor Kälte fast die Finger ab – in den Handschuhen. Alles wurde langsam feucht und fror sofort hart.
Der Wind kam nun hauptsächlich von vorne. Wenn wir bloß überhaupt noch die Orientierung hatten! Mir kam Gelesenes in den Sinn, beim dem die Menschen immer im Kreis wanderten. Gut, wir waren jetzt nicht in der Wüste, aber dementsprechende Gedanken waren einfach da.  Auch die Befürchtung, bei dem weißen Treiben irgendwann Richtung Abgrund zu geraten …
Man wird langsamer bei so einer Kälte. Die Gliedmaßen gehorchen nicht mehr zuverlässig. Die Lippen bibbern, die Zähne klappern aufeinander.  Du schaust nach unten, weil es dir das Gefühl des Schutzes vor dem Eiswind und den ins Gesicht treffenden Flocken gibt. Inzwischen waren es auch nicht mehr die sanften Flöckchen vom Vortag. Das was jetzt herunterkam, war leicht angefroren, und fühlte sich beim Auftreffen auf der Haut an wie Hunderte kleiner Nadelstiche.
Mein Begleiter war zwei Meter vor mir. Dafür war ich sehr dankbar. Einmal, weil er generell die bessere Orientierung hat, und zweitens erhoffte ich mir den vielgepriesenen Effekt des im Windschatten Laufens. Ich glaube, es brachte nicht wirklich viel.
Der Weg schien kein Ende zu nehmen. Wir brauchten dreimal so lange wie zuvor und kamen völlig erschöpft wieder im Ort bei unserer Bleibe an. Mühsames Herausschälen aus der steifen Kleidung mit ungelenken Fingern, langsames Auftauen, heißer Tee und ein warmes Bad brachten die Lebensgeister zurück.
Ich habe mich jedoch auch noch am nächsten Tag strikt geweigert, hinaus zu gehen – so fest steckte mir der Kälteschock in den Gliedern!

Ich komme jetzt wieder auf meine heutige Mini-Fahrradtour zurück. Wie gesagt: Memme!
Damals gab es vielleicht doch mildernde Umstände – es war wirklich nicht ohne. Aber heute? Weichei!
Nun noch einmal neu die Beurteilung des aktuelle Temperaturstandes:
Es sind ca. 0° Celsius, und alles ist recht erträglich. Mir ist auch überhaupt nicht kalt.
Drinnen.

Lenzerheide, der Winter und ich



©November 2010 by Michèle Legrand

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Es geht los! Ist dies der Anfang des Winter-Wonderlands…?

Die ersten feinen Fieselschneeminiflöckleinchen fallen herab. Doch, man kann sie erkennen – als Schnee.
Oder Moment!
Es sieht gerade wieder ein wenig mehr nach klumpigem Regen aus. Trotzdem folgt der Schlachtruf:
Ihr Kinderlein, kommet!
Entrostet die Kufen eurer Schlitten oder schrubbt den Plastiksitz der Rutschwanne. Nur seid schnell, es scheint noch keine Liegenbleibgarantie zu geben!
Eher als es der Wetterbericht prophezeite, ziehen die Boten des Winters ein. Und ja, ich spreche definitiv lieber von Wetterbericht als von Wettervorhersage. Eine Vorhersage der Wetterkundler  im Sinne von „vorher etwas sagen“ ist es zwar immer, aber – über einen Tag hinaus – relativ selten im Sinne von „vorher etwas Zutreffendes verkünden/voraussagen“…
Natur ist eben Natur. Die macht es so, wie sie es will, auch angesichts der schwerverdaulichen Brocken, die die Menschheit ihr so vorwirft.
Es schnieselt also.
Die passende Bezeichnung dafür, was das feine Weiß gerade veranstaltet – hier und wahrscheinlich noch vielerorts.
Wieder ist die Zeit gekommen, Schneeschieber und Streusplitt in greifbarer Nähe zu deponieren.
Wessen  Auto-Scheibenwischanlage jetzt noch Mittel ohne Frostschutzim enthält, ist demnächst mit eingefrorenem Klumpen unterwegs – und trockener, dreckiger Scheibe!
Und bedenken Sie: Winterreifen bieten große Vorteile. Besonders am Auto!
Vielleicht sollte auch der Vorrat an Handschuhen, Schals, Mützen und Winterstiefeln kontrolliert werden. Die Erfahrung aus dem letzten Jahr zeigt: es könnte länger dauern mit Väterchen Frost. Anschaffungen amortisieren sich daher wahrscheinlich schon im ersten Jahr.
Dass es auch diesmal so ist, dass es länger dauern könnte,  sagen die hektischen Bevorratungen und Hamstereien der Vögel und sonstigen Getiers, die schon im September und Anfang Oktober mehr plünderten, als sie es die Jahre zuvor taten. Haselnüsse habe ich in dieser Saison nicht mehr zu Gesicht bekommen. Die Früchte am Pfaffenhütchen waren in Nullkommanichts weg, der Feuerdorn verlor seine roten Beeren, die Efeu- und Holunderbeeren waren heiß begehrt. Die Aralie wurde tagelang zur Anlaufstelle ganzer Meisenschwärme, der Kirschlorbeer – sonst eher in dieser Hinsicht vernachlässigt – ebenso erleichtert wie das Vorgenannte.
Harren wir nun also der Dinge, die da kommen.

Heute Morgen stand in unserer lokalen Zeitung, dass Hamburg die Bewerbung für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2028 erwägt. Es ist nicht die erste Bewerbung dieser Art. Seinerzeit erhielt die Stadt allerdings eine Absage. Das Komitee hatte sich anderweitig entschieden.
Der Vorschlag geht nun dahin, sich doch gleich angesichts der geänderten Klimaverhältnisse lieber um den Zuschlag für die Winterspiele 2026 zu kümmern. Es scheint, dass sich Hamburg zu einem nicht zu unterschätzenden Wintersportort entwickeln könnte!

Während ich noch diesen Gedanken leicht schmunzelnd ausbaue und ausschmücke, fällt mir ein Artikel von Nico Binde in die Hände, der in einer Kolumne fürs Hamburger Abendblatt ähnliche Ideen im Kopf hat:
Darin schreibt er  u. a:
… Denn gerade für Hamburg, das sich erst vor gefühlten zwei Monaten mit ausgiebigen Schneefällen für die Vierschanzentournee empfohlen hat, kommt dieser erneute Wintereinbruch zu früh. Manch einer mag sich angesichts der frisch verheilten Glatteis-Fraktur oder der allzu präsenten Asphaltverwerfungen sogar fragen, ob die Flocken-Botschaft jetzt ein ernst zu nehmendes Déjà-vu, ein wiederkehrender Albtraum oder einfach nur ein Fehler in der Matrix ist. Zumal die Botanikerweisheit „Unter Schnee muss man nicht mähen“ lediglich der überschaubaren Gruppe von Gartenbaufreunden echte Vorteile verspricht.
Wie dem auch sei: Der gemeine Hanseat fremdelt noch mit den veränderten klimatischen Rahmenbedingungen in seiner Heimat – also mit sechsmonatiger Schneesicherheit. Das wird besonders am zartesten Trieb der aufstrebenden hamburgischen Industriezweige deutlich, dem Wintersporttourismus: Längst nicht alle Loipen sind rechtzeitig zum Saisonstart präpariert, Sessellifte noch nicht final verschraubt und Slalomstangen noch nicht in die Harburger Berge gedübelt …“
Soweit Nico Binde.

Während ich noch überlege, welche Ecken in Hamburg umgewandelt werden könnten, geht mein Blick in den (kleinen) Garten, um auch hier den idealen Platz für den Bau einer Schanze zu erkunden.
Doch halt, was sehe ich …?
Es hat aufgehört zu schneien, regnet nur noch …  Aus der Traum vom Schnee, vom Winter-Wonderland. Adé Winterolympiade!
Mein Schnee-Ersatz für den Moment sieht so aus:  ich genehmige mir einen dicken Klecks Schlagsahne auf den Kaffee! Helle Spitze auf dunklem Berg.
Und dann wird neu geträumt: vom Fujijama.
Oder vom Kilimandscharo….

©November 2010 by Michèle Legrand

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