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Erledigt! Dinge, Tätigkeiten – nicht Sie selbst …

Wandsbeker Mühlenteich - Nachmittagssonne im April

Wandsbeker Mühlenteich im April

Ich habe keine Ahnung, wie Sie es handhaben. Ob Sie ein Nebenher-Typ sind, ein Gehäuft-Typ oder gar ein Delegier-Typ. Ob Sie es selten tun, ob gern, ungern, ad hoc, geplant, chaotisch, murrend, gleichgültig, freudig, widerwillig …Vielleicht sind Sie noch ganz anders drauf, viel spezieller, sind quasi ein Unter- oder Mischtyp! Das kennen sie von der Haut: Mischhaut. Oder vom Hund: Misch(lings)hund. Wenn wir bei diesem Beispiel bleiben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie eine Art Promenadenmischung sind. Sie mixen sicher bunt und je nach Gelegenheit bzw. Umständen.
Falls Sie noch nicht sicher sind, um welches Thema es heute geht: Wir sprechen gerade von Dingen, die erledigt werden müssen. Kurz: Erledigungen. Pflichterledigungen. Sie und die Art und Weise der Erledigung von Erledigungen.

Ich meine nicht die beinahe täglich anstehenden Dinge wie Lebensmitteleinkauf, Haushalt oder die wegen ihrer Kürze hier zu vernachlässigenden Tätigkeiten wie Gaszähler ablesen oder Müll heraustragen. Ich spreche von Pflichterledigungen der nächsthöheren Kategorie: ab Aufwandsstufe 2 aufwärts. Sie stehen mit ziemlicher Sicherheit und in regelmäßigen Abständen an. Rumsen unangefordert an die Tür. Bollern aufdringlich und nerven mit einem:
Hey, mach endlich mal!
Der Imperativ! Damit wir merken, dass wir müssen …
Menschen handeln unterschiedlich. Manche (Delegier-Typen) geben gern alles ihnen Unangenehme weiter, was aber (Gott sei Dank) nicht immer möglich ist. Einige (Gehäuft-Typen) sammeln erst lustlos Aufgabe um Aufgabe, bevor sie loslegen. Andere handeln gleich. Wieder andere nehmen sich Extrazeit dafür, trennen strikt, doch die Tendenz ist, vieles schnell nebenher zu schaffen.
Nur kurz bei der Reinigung etwas abholen, mal eben zur Bücherhalle wegen der Fälligkeit des Lesestoffs. Schnell huschen, um ein Geschenk zu besorgen,  zackig mit Paketen zur Post, locker den Werkstatttermin einschieben, den Vorsorgecheck gleich mit, kurz etwas in der Apotheke besorgen oder bei der Reinigung abholen, Zahnarzt erfreuen, Auto ummelden, Ausweis verlängern, Baugenehmigung beantragen – Behördensachen gehen sicher besonders flott …
Wann plant der Nebenher-Typ seine Erledigungsaktionen ein?
Vor der Arbeit, in der Pause, mittendrin – jedenfalls irgendwie hineingezwängt. Nebenher schaffen lautet die Parole. Bloß keine Zeit verlieren.
Dauert ja alles nicht lang …
Genau hier liegt aber der Denkfehler! Derartige Pflichterledigungen haben überhaupt nichts mit der simplen Fähigkeit, die wir als Multitasking bezeichnen, zu tun. Denn dort werden zwar zeitgleich mehrere, verschiedenartige Tätigkeiten erledigt, jedoch an einem Ort! Dadurch können sie parallel laufen und sind – wenn es auch oft alles andere als ratsam ist – ausführbar. In welchem Maße ist natürlich abhängig von den Fähigkeiten jedes Einzelnen.
Erledigungen (wie oben näher eingegrenzt) verteilen sich hingegen auf unterschiedliche Örtlichkeiten. Ihnen ist zudem eigen, dass ihr Einschieben grundsätzlich anders verläuft als angenommen.
Der weitaus größte Teil erfordert mehr Zeit und Aufwand als erwartet. Sei es durch längere Wartezeiten in Geschäften und Behörden, Notfälle beim Arzt, Formularkämpfe, Parkplatzsuche, o. ä. Jeder neu hinzukommende Ort, jeder zusätzliche Weg erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der angepeilte Zeitrahmen nicht eingehalten werden kann und Ihre frohgemuten Pläne sehr schnell durchkreuzt und boykottiert werden.
Folge: diese Aktionen mal eben nebenher kollidieren mit der restlichen Terminplanung des Tages, den feststehenden Arbeitszeiten, der Routine etc. Ihr Ablauf wird durcheinander gebracht.
Ich müsste schon längst wieder bei der Arbeit sein …!
Wahrscheinlich haben sich die Kollegen schon gemeldet. Ihr Handy zeigt diverse SMS, Mails und Anrufe in Abwesenheit an. Nachdem Sie endlich mit schon leicht erhöhtem Blutdruck zurückgekehrt sind, lässt sich das eigentliche Pensum so nicht mehr schaffen. Der Blick wandert ständig zur Uhr, die Unruhe wächst und mit ihr kommen Anspannung, Verspannung. Kopfschmerzen, mangelnde Konzentration. Die Laune ist auf dem Nullpunkt.
Es schließt sich der hektische Versuch an, die verlorene Zeit einzuholen, doch nüchtern betrachtet, gestaltet sich die Restarbeitszeit an diesem Tag vergleichsweise unproduktiv. Für effizienteres Tun und Handeln ist der Mensch zu erledigt. Von seinen Erledigungen …
Noch ein Wort zur verlorenen Zeit: Dadurch, dass wir sie als solche betrachten, sinkt in unseren Augen der ohnehin nicht sehr hohe Wert, den wir unserer Erledigungstätigkeit beimessen, erneut. Ins Unterirdische. Von Lust auf zukünftige derartige Erledigungen kann man kaum noch sprechen. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass sie vielen mittlerweile ziemlich bevorstehen. Manch einer schiebt sie daraufhin ewig vor sich her, solange, bis es sich nicht mehr hinauszögern lässt. Aus der Not heraus startet irgendwann die geballte Aktion, wahrscheinlich wieder mit dem genialen Plan:
Mach ich nebenher … Passt schon.
Möglicherweise sind Ihnen solche Geballt-in-letzter-Minute-Erlediger bereits begegnet. Es sind häufig Mitmenschen, die überall zuerst drankommen möchten, in Kassenschlangen leicht ausrasten oder die Mitleidsmasche anwenden.
Kann ich vor? Ich habe es fürchterlich eilig … Schon haben sie sich dazwischen gequetscht.
Falls sich jemand querstellt, ist die Reaktion anklagend:
Nicht? Wieso das denn? Also, SIE haben bestimmt alle Zeit der Welt, da hätte ich doch ein bisschen mehr Entgegenkommen erwartet …!
Es gibt die, die hoffen, Termine von heute auf morgen zu ergattern oder annehmen, dass das Bezirksamt ihr Formular für den neuen Personalausweis sicher auch noch gegen 22 Uhr bearbeitet.
Ach, Sie haben nur bis 16 Uhr auf …? Unmöglich ist das, unmöglich!
Weiterhin die, die schnell lospöbeln, wenn im Geschäft das Gewünschte nicht bei Eintreten vorrätig ist, die,  die häufig unvorbereitet loshechten und unterwegs sehr uncharmant reagieren, wenn so ein unverschämter Depp bei Kaufvertragsabschluss doch glatt ihren Ausweis verlangt, der selbstverständlich alleine zu Hause geblieben ist …
Doch genug davon.

Was hat das jetzt eigentlich alles mit dem schönen Teichbild von oben zu tun?
War das Ihr Gedanke?
Ich habe es mir so gedacht: Persönlich ziehe ich es vor, meine Erledigungen unter anderen und entspannteren Umständen zu machen. In der Vergangenheit war es mir durchaus auch einen Urlaubstag wert. Das ist keine für jeden zutreffende Lösung, keine allgemeingültige und unumstrittene  Empfehlung, sondern etwas, was jeder für sich entscheiden muss.
Was ist es mir persönlich wert, wenn ich Dinge, die getan werden müssen, effektiv und zugleich in Ruhe erledigen kann?
Vielleicht taucht die Frage auf:
Aber dafür gleich einen Urlaubstag wegwerfen …?
Auch dies ist Einstellungssache. Nur, was nützt es einem, die Tage für einmal im Jahr groß in den Urlaub zu sammeln, aber bis dahin entweder alles wie Ballast vor sich herzuschieben oder in ständiger Zeitnot zu erledigen und infolgedessen geschlaucht und missgelaunt zu sein?
Will ich mir selbst diese Stresssituationen schaffen?

So ein „geopferter“ Urlaubstag ist doch nicht zwangsläufig weggeworfen oder verplempert!

Einen solchen Erledigungstag der anderen Art,  gönnte ich mir in der zurückliegenden Woche. Wie so häufig im Leben,  ist es die Ausgewogenheit, die bewirkt, dass der so negative Touch der als unliebsam und aufgezwungen empfundene Tätigkeiten  vielleicht nicht ganz genommen, aber zumindest abgemildert werden kann, indem ich Dinge zulasse und beisteuere, die mir persönlich behagen, die als schön und positiv empfunden werden. Ich erziele eine Balance durch die Kombination von Müssen und Wollen. Bildlich gesprochen, hocke ich nicht in der am Boden aufsitzenden Müssen-Waagschale, sondern winke durch mein eingebrachtes Gegengewicht munter aus luftiger Höhe. Mein Pflichtprogramm wird um die Kür erweitert.
Während Erledigungen und Arbeit eindeutig nicht recht harmonieren, verstehen sich Pflichterledigungen und Küreinlagen  ausgezeichnet!

Mein Erledigungstag sah daher so aus (und nun kommen die Bilder zum Einsatz):

Pflicht: 1
Termin Werkstatt. Auto morgens abgeliefert.
Kür:

Wandsbeker Mühlenteich morgens bei Bewölkung (April)

Der Mühlenteich am Morgen …

Ausgedehnter Spaziergang danach um acht Uhr morgens rund um den Mühlenteich. Schöne Stimmung. Es ist bewölkt, aber trocken. Ruhig, trotz angrenzender Straßen. Die Enten schlafen um diese Zeit noch.

Morgens um acht - Die Herren Erpel schlafen noch ... (Wandsbeker Mühlenteich)

Morgens um acht – Die Herren Erpel schlafen noch …

Ich bin präpariert und habe getrocknetes Brot zum Verfüttern bei mir. In die Gewässer darf es nicht geworfen werden, aber man kann schließlich auch an Land füttern. Beim Rascheln der Tüte wachen die Kollegen prompt auf und nähern sich neugierig.

Sofort aufgewacht beim Rascheln der Brottüte ... (Mühlenteich in Wandsbek)

Sofort aufgewacht beim Rascheln der Brottüte … Na, gibt’s jetzt was …?

Die ersten Krumen sind verteilt. Das war der Startschuss: sie strömen heran.
Ist das nicht merkwürdig? Nur Erpel! Jedenfalls was die Entenbevölkerung angeht. Sitzen die Damen eventuell auf Gelegen und brüten?

Es strömt heran. Das hungrige Vogelvolk ... Frühstück! (Wandsbeker Mühlenteich)

Es strömt heran. Das hungrige Vogelvolk … Frühstück! (Wandsbeker Mühlenteich)

Ansonsten frühstücken noch eine Graugans und ein Teichhuhn mit.
Das Interesse der Vögel lässt schlagartig nach, als mein Vorrat aufgebraucht ist …

Pflicht: 2
Zwei weitere Termine im Umkreis bis zum frühen Mittag, anschließend Bankangelegenheiten
Kür:
Stippvisite auf dem Wochenmarkt mit seinen vielen Blumenständen und meinem langjährigen Baumschulgärtner.

Wandsbek Quarrée - Wochenmarkt mit Blumenhändlern - April 2012

Wandsbek Quarrée – Wochenmarkt

In einer Wohnstraße am Wochenmarkt sitzt auch sie: die Gitarrenspielerin

Gitarrenspielerin nahe Wochenmarkt Wandsbek Quarrée

Gitarrenspielerin …

Cappuccino im Eiscafé Giovanni L (EKZ Wandsbek Quarrée). Treffe dort unvermutet gute Bekannte mit ihrer Chihuahua-Mix Hündin. Hündin und ich sind dicke Freunde.

Meine Hundefreundin ...

Meine Hundefreundin …

Nächstes Ziel ist das Finanzamt. Auf sehr nettem (Um-)Weg erreicht. Vorher beim Schimmelmann-Mausoleum (hinter der Christus-Kirche) vorbeigeschaut. Dort befindet sich ebenfalls der historische Friedhof. Der Dichter Matthias Claudius sowie seine Frau haben hier ihren Platz, und es stehen sogar frische Blumen dort.

Schimmelmann-Mausoleum (Hamburg Wandsbek)

Das Schimmelmann-Mausoleum ist eine klassizistische Grabkapelle für Heinrich Carl Graf von Schimmelmann. Neben aller anderen Verdienste nicht ganz unumstritten der Mann, da er auch mit Sklavenhandel zu tun hatte.

Der historische Friedhof an der Christuskirche (Wandsbek-Markt) mit den Kreuzen von Matthias Claudius und seiner Frau

Historischer Friedhof an der Christuskirche. Frische Blumen für Matthias Claudius …

Danach plötzlich ein Privatkonzert!

Amsel gibt Privatkonzert an der Christuskirche Wandsbek

Privatkonzert von einer nur etwa 2m entfernt sitzenden Amsel …

Pflicht: 3
Finanzamt Wandsbek
Kür:
Nach dem Termin in unmittelbarer Nähe diesen kunstvoll gestalteten Verteilerkasten entdeckt. Ihn ziert das Wandsbeker Schloss, welches leider nicht mehr existiert (es wurde 1861 abgerissen). Ich habe dieses Foto bereits auf Facebook/Twitter gepostet, ergänze es dennoch hier für die zahlreichen Blogleser. Das Motiv wurde von 08SCHULZEDESIGN.de umgesetzt. Mir gefällt es, wenn das Aussehen von relativ unattraktiven Gegenständen so positiv verändert wird und zudem Bezug zur Umgebung hat.

Von 08SCHULZEDESIGN.de  gestalteter Verteilerkasten - Motiv: das frühere Wandsbeker Schloss (wurde bereits 1861 abgerissen)

Verteilerkasten mit Wandsbeker Schloss, links daneben auf dem kleinen Kasten noch eine ergänzende Karte. Gestaltung: 08SCHULZEDESIGN.de

Durch einen Teil des Wandsbeker Gehölzes nach Hause gewandert und dabei neugierig geschaut, was hier im Unterholz momentan blüht oder herumliegt.

Wandsbeker Gehölz im April

Wandsbeker Gehölz im April – es wird langsam aber sicher grün …

Gehölz Wandsbek - April - Scharbockskraut (Feigwurz Ranunculus ficaria)

Scharbockskraut (Feigwurz Ranunculus ficaria)

Gehölz Wandsbek - April - Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Wandsbeker Gehölz - grünliches Dreieck am Stamm  - Wanderweganzeige oder Fällurteil?

Grünliches Dreieck am Stamm – Wanderweganzeige oder Fällurteil?

Gehölz Wandsbek - April - Felsen ...?

Felsen?

Gehölz Wandsbek - April - kein Felsen, sondern die Restborke an einem gefällten Baum

Kein Felsen im Gehölz, sondern die Restborke an einem gefällten Baum

Pflicht: 4
(Hausarbeit, Schreibkram, Ablage erwähne ich nicht extra ;)
Auto wieder von der Werkstatt abholen (+ Einkäufe anschließend)
Kür:
Auch zum Abholen einen kleinen Umweg eingeplant, um wieder ein Stückchen entlang der Wandse zu gehen.

Wandselauf  (Hamburg-Wandsbek)

Wandselauf

Inzwischen ist die Sonne herausgekommen und bestrahlt den Mühlenteich, der morgens noch schlummerte. Die Graugänse ziehen ihre Kreise, die Erpel sind verschwunden.

Mühlenteich Wandsbek: Am sonnigen Nachmittag gehört der Teich den Graugänsen ...

Mühlenteich Wandsbek: Am sonnigen Nachmittag gehört der Teich den Graugänsen …

Graugans am Mühlenteich

Graugans am Mühlenteich

Pflicht: 5
Der Garten ruft. Schreit!
Kür:
Beschlossen, an diesem Restnachmittag nur Kleinigkeiten im Garten zu richten. Trotzdem noch zwei Stunden zufrieden gewerkelt, Sonne genossen, und mehr erledigt als gedacht. Freue mich über meinen ständigen Gast – ein Rotkehlchen, das auf Armlänge entfernt vor mir auf dem Boden sitzt. Emily erzählt viel, ganz zart und nur halblaut. Sie lässt sich auch von meinen Kommentaren (Echt? – Nein!) nicht aus dem Konzept bringen. Entferne ich Laubreste oder alte Staudenteile, hüpft sie noch näher heran, um das frisch freigelegte Erdreich nach Nahrung abzusuchen.

War wieder dabei: Emily, mein zutrauliches Rotkehlchen mit dem Erzähldrang ...

War wieder dabei: Emily, mein zutrauliches Rotkehlchen mit dem Erzähldrang …

Die Sonne verschwindet und kündigt das Ende eines Erledigungstages an …

Für mich bleibt das überaus positive Gefühl, etwas geschafft zu haben, diverse Punkte einer Liste abhaken zu können. Dazu gesellt sich Wohlbehagen, welches durch Bewegung, Sonne, frische Luft, Natur in der Stadt und ihren Sinneschmaus ausgelöst wurde. Keinerlei Stressanzeichen, lediglich angenehm körperlich ermüdet.
Es fehlt hingegen definitiv das bedauernde Gefühl, den Tag weggeworfen oder verplempert zu haben.

Könnten Sie sich mit dieser Art von Erledigungsbewältigung anfreunden? ;)
Heute habe ich versucht, für Sie eine ähnliche Ausgewogenheit hier im Blog zu schaffen. Möglicherweise haben Sie ja Gefallen gefunden an der Mischung aus Artikel lesen und entspannt Fotos anschauen.
Ansonsten wünsche ich Ihnen, dass Sie für sich einen Ihnen genehmen Weg entdecken, notwendige, unliebsame, lästige, manchmal mühsame Tätigkeiten relativ stressfrei zu erledigen.

Denn nur diese sollten erledigt sein – nicht Sie!

©April 2012 by Michèle Legrand

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Ein Gartenthema? Ach, das könnt‘ man (als Leser) eigentlich auch mal riskieren …

Lila Krokusse

Krokusse

Gartenzeit. Gartenblog-Zeit!

Vorweg: Ich hatte Sie vorgewarnt. Im ersten Blogpost überhaupt. Es ist noch Zeit genug für alle Nicht-Gartenanhänger, sich jetzt klammheimlich wegzuklicken. Es ist jedoch auch die Gelegenheit, sich locker über Gartengeschehnisse und -erlebnisse zu unterrichten.
Wenn Sie mich hier im Blog schon länger lesen, wissen Sie vermutlich, dass ich keine Lehrbücher schreibe. Ich mag keine Bekehrungen, keine Besserwisserei und keinen erhobenen Zeigefinger.
Ich erzähle, was mir auffällt, widerfährt, was ich einsauge mit Augen, Ohren und Nase, und Sie entscheiden für sich,  ob Sie auch etwas sehen, hören, riechen oder ganz allgemein etwas empfinden und fühlen. Ob Sie auch Freude daran haben.
Dann lesen Sieweiter – oder lassen es eben bleiben.
Vielleicht kommt Überraschendes, vielleicht Bekanntes, vielleicht der Genau!-Effekt. Wer etwas zu den Gartenposts sagen möchte, den kann ich nur dazu ermutigen, denn ich tausche mich sehr gerne darüber aus!

Neulich startete es mit „Duftende Erde“  eigentlich schon inoffiziell.  Ein heimlich eingemogeltes Gartenthema. Ein Testballon. Nun, es gab keine Beschwerden und gelesen haben es auch recht viele. Offenbar sind Sie bereit für offiziellen Nachschub.

„Was hast du denn gemacht?“ Entsetzter Blick meiner unangekündigt vorbeischauenden Mama angesichts meiner wirren Haare sowie hauptsächlich aufgrund der Striemen und Kratzer an den Unterarmen.
„Ich habe mit einem Puma gekämpft!“ lautet meine bierernste Antwort, doch sie glaubt mir wieder nicht. Mütter kennen ihre Töchter halt doch zu gut.
Was mich wieder einmal verunstaltet hat, wurde verursacht durch die Aktion Feuerdorn und andere Büsche zurückschneiden und auslichten.
Es scheint ein Mysterium: Ich trage eine dicke Jacke, lange Hosen, Gummistiefel bis zum Knie, Handschuhe … und habe dennoch regelmäßig Kratzer, Splitter, Blasen und perforierte Oberschenkel!
Die Erklärung ist ziemlich einfach und logisch: Bei allem was über Kopfhöhe und mitten im Busch gestutzt werden muss, rutschen die Ärmel der Jacke hoch und legen die Arme bis zum Ellenbogen frei. Und die Handschuhe sind regelmäßig zu dünn! Nur wenn man nicht gerade Schlachterhände hat, die vom Format und der Größe her locker in Männerhandschuhe passen, welche dann netterweise aus vernünftigem Material sind – ja, dann bleibt einer Frau nur die Möglichkeit, völlig unzulängliche Damenhandschuhe zu benutzen. Baumärktebelieferer denken ja heute noch, dass Frauen ausschließlich Dekomaterial oder Primeln suchen und kaufen, während ebenfalls exklusiv Männer Werkzeug und Schutzkleidung wünschen und bekommen.
Die sogenannten Garten– oder auch Arbeitshandschuhe für die Primeldamen sind ein Witz. Und Blümchenmuster macht das Ganze eher schlimmer. Tut mir leid, das musste einfach gesagt werden!
Die Menge an Ästen, die herausgeschnitten wird, füllt Komposthaufen und Biomülltonne im Nu. Die Folge: Es sind zusätzliche Säcke nötig – solche, die die Müllabfuhr mitnimmt. Ich zerkleinere alles, um die Massen verstauen zu können.
Was passiert?
Blasen an den Fingern (ich sag nur: Handschuhe!) Am Ende heißt es, die proppevollen Säcke an den Straßenrand zu tragen. Aufgrund des erheblichen Gewichts natürlich inniglich an den Körper gepresst, die durchstechenden Piekser des Feuerdorns (wie kleine Speerspitzen) kurzzeitig ignorierend. Sie hinterlassen jedoch Spuren auf den Oberschenkeln. Ein bisschen wie räumlich begrenzte Masern. Nur brennend, denn die Pflanze macht ihrem Namen alle Ehre. Der Saft reizt die Haut enorm, die Kratzer sind noch lange feuerrot und heilen recht schlecht, wenn es mal in Vergessenheit gerät, die Wunden gleich gründlich auszuwaschen.
Nun kann ich jedoch stolz verkünden: Busch gebändigt, Gärtner(in) lebt noch, und die Blessuren sind am abklingen. Es kann also weitergehen.

Heute zu Beginn der Garten-Session ein kleiner Rundgang, um zu sehen, was sich seit dem letztem Wochenende getan hat. Schön ist, alles ist im Durch- und Aufbruch. Die Stauden recken ihre ersten frischen grünen Spitzen durch die Erde, die Blätterknospen der Büsche sind zum Teil am Aufbrechen oder haben an Umfang zumindest noch einmal zugelegt. Die Krokusse, Schneeglöckchen, Märzenbecher blühen weiterhin, die Schneeheide ebenfalls.

Schneeheide (Erica carnea 'alba')

Schneeheide (Erica carnea ‚alba‘)

Scillas (Blausternchen) wachsen flink und brauchen auch nicht mehr lange bis zur Blüte. Kugeldisteln, Fetthennen, Taglilien, Schafgarben, Mädchenaugen, Salbei, Phlox und viele andere mehrjährige Pflanzen zeigen, dass sie auch noch da sind.
Doch halt! Nein!
Doch, tatsächlich. Es gibt in diesem Jahr offensichtlich wieder Wildkaninchen. Jahrelang herrschteRuhe, nachdem einmal die CRD (Chinese Rabbit Desease) den ganzen Bestand ausgerottet hatte. Nun waren welche hier, haben an jungen Trieben gesäbelt, um die Pflanzen herum gebuddelt und als definitiven Beweis ihrer Anwesenheit Ködel auf dem Rasen hinterlassen.

Kaninchenködel auf dem Rasen als Beweis der Anwesenheit

Die Hinterlassenschaften der wilden Kaninchen …

Ich habe vor längerem gelesen, dass (angeblich) das Auslegen von Menschenhaaren die kleinen Plüschfreunde vertreiben soll. Dazu sage ich nur: Ich könnte mir eine Glatze rupfen, um alle von Kaninchen besuchten Stellen damit zu versorgen, es würde nichts nützen. Im Gegenteil, ich sehe die Fellwesen grinsend daneben sitzen, genüsslich weiter am Phlox mümmeln und sich fragen, was diese unordentliche Lady damit wohl bezweckt. Man lässt doch keine Haare herumliegen. Tse, Menschen …
Vielleicht sollte ich das grauenhafte Parfum einer ein paar Häuser weiter wohnenden Dame im Garten ausprobieren, aber dadurch würde ich mich mit verscheuchen.
Diese Erfahrung habe ich übrigens seinerzeit mit der ‚tollen’ Kaiserkrone gemacht. DER Tipp schlechthin gegen Wühlmäuse. Angeblich.
Die Zwiebel der Kaiserkrone – und auch die ganze Pflanze selbst – riecht nach Knoblauch.
Wen hat’s vertrieben?
Mich!
Die Wühlmäuse haben einen Höflichkeitsabstand zur Pflanze eingehalten und buddelten ihre Gänge halt zwei Meter weiter links. Das Thema ist durch. Nun in diesem Frühjahr sind es Kaninchen, denen man eigens hergerichtete Rohkostplatten stiften könnte, sie würden trotzdem weiter an die Pflanzen gehen.
Augen zu und durch.
Irgendwann sind die Triebe nicht mehr so zart, wie Langohr es gern hätte, dann hört das Klauen auf.

Es wird schon wieder länger als gedacht. Vielleicht erzähle ich besser nächstes Mal weiter. Ich möchte Ihnen nur noch ein paar Bilder zeigen, denn heute hatte ich wieder Emily hier, mein Rotkehlchen der letzten Woche.  Sie ist sehr zutraulich, nur sobald ich die Arbeit unterbreche, um sie (ich glaube, es ist eine Sie) zu fotografieren, rückt sie etwas ab und wird vorsichtig. Sie heißt Emily, weil sie manchmal nicht einen Millimeter zur Seite geht (e- Milli- meter). Sie zwischert leise fröhlich vor sich hin und erzählt die ganze Zeit. Auch deshalb denke ich, Emily muss weiblich sein …

Rotkehlchen, zutraulich, am Boden hockend

Rotkehlchen Emily traut sich näher …

Rotkehlchen am Boden, beobachtend

Emily beoabchtet und traut sich dichter heran …

Weitere Gäste im Garten

Hummel im März auf dem Balkongeländer

Mo, die Hummel ist auch schon da. Wanderung auf dem Balkongeländer …

Max, auch schon unterwegs …

Schnecke mit Haus auf Moos im Frühjahr (März 2011)

Max, auch schon unterwegs …

Fortsetzung folgt.

Vielleicht lesen wir uns demnächst wieder …

©März 2011 by Michèle Legrand

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Duftende Erde … (woran Sie den Frühling erkennen)

Märzenbecher (Leucojum vernum)

Märzenbecher (Leucojum vernum)

Am vergangenen Wochenende war ich einige Stunden im Garten am werkeln und kann jetzt definitiv verkünden:
Es wird Frühling!
Die offensichtlichen Zeichen kennt, sieht und fühlt jeder! Es gibt längere Tage, blühende Winterlinge, Schneeglöckchen, Krokusse, Märzenbecher sowie Zaubernuss, morgens ab ca. 4.30 Uhr zwitschernde Vögel und die ersten sonnigen Tage mit leicht steigenden Temperaturen.
Das alles leitet uns jedoch nicht selten in die Irre.  Manchmal ist es nur ein kurzes Intermezzo.
Sobald es wieder kälter wird, hören die Vögel mit ihrem Tirili  sofort wieder auf, die Knospen der Blumen bleiben verschlossen, alles gerät ins Stocken, und der verkühlte Cabrio-Fahrer verschließt nun leicht schniefend wieder sein Autodach.
Fehlalarm!
Frühling in Raten? Frühling mit Anlauf?
Es könnte fast so sein.
Es gibt allerdings zusätzliche , untrügliche Anzeichen und wenn diese vorhanden sind, dann ist der Lenz tatsächlich nicht mehr zu bremsen.
Marienkäfer sind definitiv ein solcher Frühlings-Marker, Ameisen, die langsam wieder aus ihren metertiefen Winternestern auftauchen. Die ersten Schnecken, die  – woher auch immer – bei feuchter Witterung unter neu austreibenden Pflanzen zu finden sind.  Sie entdecken, dass die Blattknospen des Ahorns und der Haselnuss innerhalb kürzester Zeit den dreifachen Umfang haben,  dass Kätzchen plötzlich plusteriger und farbintensiver werden und dass Vögel eifrig Material für den Nestbau zupfen. Zum Beispiel Moos.
Haben Sie schon einmal nach dem Winter auf ein dickes Moospolster geklopft?
Nein?
Tun Sie es! Es staubt gewaltig!
Falls Sie Kinder haben, empfehle ich Ihnen Folgendes: Nehmen Sie Playmobil-Männchen mit nach draußen, lassen Sie diese auf dem Moos Trampolin springen und sehen Sie daraufhin die erstaunten Gesichter Ihres Nachwuchses, wenn die Männekes durch die Staubwolken enorme Hustenanfälle bekommen (dafür Sind sie mit zuständig !^^). Das Thema Staub in der Wohnung wird von da an mit ganz anderen Augen gesehen …

Ich habe diesmal nicht Moos geklopft, aber aufgeräumt im Garten,  was bei mir im Frühjahr mehr Arbeit bedeutet, als bei Menschen, die ihren Garten im Herbst ‚klar’ machen. Klar heißt in dem Fall, es wird alles ratzekahl heruntergeschnitten (Stauden, Büsche, Gräser), jedes Blatt wird aufgesammelt oder mittels Laubbläser/-sauger entfernt.
Alles ist wie geleckt …
Schön.
Bei mir nicht.
Es handelt sich nicht um Faulheit, sondern liegt darin begründet, dass es für mich keinen Sinn macht. Die Natur sieht das nicht vor! Was frei wächst, bleibt im Herbst mit seinen Fruchtständen erhalten, dient als Nahrung für Insekten und anderes Getier, bietet zudem Schutz (Winterunterkunft für manchen Gartenbewohner) und Isolation gegen Kälteeinflüsse. Es beschattet andere Pflanzen (Immergrüne), die an eiskalten, trockenen Tagen sonst extrem unter dem Sonneneinfluss leiden würden.
In der Natur erscheint auch keiner, um das Laub unter den Bäumen wegzuharken! Es hat die gleiche Funktionen, die ich eben schon beschrieb. Zudem vermodert die Laubschicht  bereits zu einem Teil über den Winter und liefert damit neuen Humus für den Boden.
Einige Gartenbesitzer werden jetzt aufschreien und rufen : Ja, aber der Rasen!
Sehr gut aufgepasst! Das ist aber auch das Einzige, was abgeharkt werden sollte.

Schluss mit den Belehrungen – Sie sind schließlich selber groß und mündig! Es geht hingegen noch einmal um die Erde. Wer im März bei sichtbarem Austrieb der Pflanzen beginnt, die Reste vom Vorjahr zu entfernen und dabei zufällig  in der Erde herumrührt, stößt auf ein – für mich – fantastisches Phänomen:
Der durch und unter bzw. mittels Winterschutz (sprich Laub, Pflanzenreste) entstandene humusreiche Boden duftet!
Ein Wahnsinnsgeruch!
Er duftet besser als jedes Parfum! Und dieser ganz bestimmte Duft, den die Erde nur zu dieser Zeit hat, der ist das sicherste Zeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Frühling, das es überhaupt gibt.

Testschnuppern Sie doch bitte, seien Sie so gut … ;)

 Helfer im Garten am 06.03.2011

Rotkehlchen im Garten auf Rankobelisk

Rotkehlchen „Emily“ macht es sich auf dem Rankobelisken bequem …

Amsel zu Besuch am Futternapf, Anfang März 2011

Amsel zu Besuch auf Futternapf

©März 2011 by Michèle Legrand


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