Beiträge getaggt mit Quarrée

Richard II. – Auf die Wiesn warten…

Es ist Ende September. In Bayern begann schon am 17. dieses Monats das legendäre Oktoberfest.  Es zu feiern, ist ein Brauch, den es mittlerweile auch in den Norden verschlagen hat, bzw. der dahin geschlagen wurde. Wie auch schon Halloween, Karneval und Valentinstag. Wir bleiben vorerst jedoch beim Oktoberfest.
„In wenga Toagn hoaßts auf dem Wandsbeker Markt widda ‘O´zapft is!“
Dieser Satz gefällt Richard II.
Ich sah ihn heute auf einer Bank sitzen und den Aufbau eines großen weißen Zeltes verfolgen. Vielleicht heißt er anders, aber für mich ist er Richard II. Der ältere Mann sieht ein wenig aus wie unser früherer Bundespräsident,  Herr von Weizsäcker. Er könnte als dessen Double durchgehen – bis zum Moment des Aufstehens. Dann fiele er durch – aufgrund mangelnder Höhe.
Nicht Größe!
O nein, Format hat er schon, dieser Richard II. In der entsprechenden Kleidung könnte er von Wies’n-Zelt-Aufbau-Beaufsichtiger über Schachprofi und Juwelier bis Bundespräsident-Ersatz-Richard alles sein.
Wir kamen in dem Moment in Kontakt, als ich vergeblich versuchte, den üblichen Weg über den Wandsbeker Marktplatz nach Hause zu nehmen. Er war größtenteils versperrt für die Vorbereitungen zum Oktoberfest. Hier nimmt alles zurzeit wahnsinnig schnell Formen an.
Die normalerweise große, mit Steinplatten gepflasterte Freifläche, ist schon von einem riesigen, recht hässlichen, jedoch stabilen weißen Zelt belegt. Hässlich von außen, drinnen ist es am Ende sicher sehr zünftig.
Am Freitag ist es soweit. Am 23.09.2011 heißt es auch hier in Hamburgs Osten wieder:
Was die in München können, können wir auch!
Fahnen flattern im Wind. Sie verraten dem Vorbeikommenden schon jetzt, dass er hier Paulaner ausgeschenkt bekommen wird. Das Originalbier, welches es auch beim Oktoberfest auf der ‚Theresienwiesn’ gibt. Höchstwahrscheinlich sponsert die Firma auch das Fest sowie das Zelt, denn dort ist ebenfalls der Namenszug unübersehbar, direkt über dem Eingang. Nicht zu vergessen, die kleinen, herzigen Wimpel links und rechts an den Straßenlaternen. Alles einladend im fröhlichen Blau-Weiß.
Es scheint, in diesem Jahr wird das Fest noch größer, schöner, greller und so bald es losgeht, vermutlich auch noch lauter.
Und an diesem Punkt komme ich zurück auf Richard II.
Weil ich nicht durchkam und eine schwere Tüte trug, die ich einen Augenblick absetzen wollte, hielt ich an der Bank, auf der er alleine saß. Junge Männer brachten gerade auf einem rollenden Podest einen Brunnen zum Zelteingang. So sah es zumindest aus. Es wirkte, als sei er hundsgemein schwer, aus purem Granit geschlagen. Nur, als sie ihn über eine schräge Ebene auf den kleinen Rollen nicht ohne kritisches Gekippel bewegen konnten, entschlossen sie sich kurzerhand, ihn etwas anzuheben.
Alles Lug und Trug, wie sich zeigte!
Dieser Brunnen ist eindeutig aus Kunststoff.
Richard II. bemerkte trocken:
„Entweder sind das ganze Kerle, oder Stein ist nicht Stein.“
Er hatte es also auch bemerkt.  „Hoffentlich ist der Rest nachher echt…“, kam es noch im Nachsatz hinterher.
„Wollen Sie ab Freitag mitfeiern?“ frage ich ihn.
„Auf jeden Fall mal ansehen. Mache ich jedes Jahr!“
Aha. Nun habe ich endlich einmal jemanden an der Hand, den ich ein paar Dinge fragen kann. Da er die Unterhaltung startete, habe ich auch keine Bedenken, dies zu tun.
„Wie hat es Ihnen denn bisher gefallen? Waren Sie auch schon zu den Zeiten dabei, als es noch bei Karstadt stattfand?“
Es interessiert mich brennend. Als Wandsbek vor ewigen Jahren beschloss, es sei nun die Zeit für das Zelebrieren eines Oktoberfestes gekommen, gab es keine sonderlich gut geeignete Örtlichkeit dafür. Die Fläche, auf der ich stehe und die heutzutage genutzt wird, gibt es erst seit April 2005. Trotzdem entschied damals irgendein durchsetzungsfähiger Kopf:
Egal wo, wir feiern jetzt Oktoberfest. Basta! Nehmen wir eben das Parkdeck von Karstadt. Oberste Etage!

Als zur Zeit des Festes einmal die Rolltreppen des Kaufhauses  außer Betrieb waren und ich unwissend den Fahrstuhl mit 20 anderen Menschen benutzte, die komischerweise alle zum Parkhaus wollten, machte ich große Augen, als sich die Fahrstuhltüren öffneten. Es zog wie Hechtsuppe und zwischen faden, grauen Betonplatten tauchten Zeltplanen auf. Man sah hier und dort Tische,  Bierfässer und angetüdelte Besucher. Hätte man an diesem Tag am Parkhausausgang eine Alkoholkontrolle durchgeführt, wäre viel Geld ins Staatssäckl gekommen…
Ich vermisste damals jegliche Atmosphäre und mir fällt ein Satz ein, den ich neulich, bei Eröffnung der Feier in München, von einem Betrunkenen im Fernsehen hörte:
„Liawa bsuffa und lusdig, ois niachdan und bläd.“
Mich hätte man dafür bezahlen können, ich wäre nicht hingegangen.
Richard II. kennt die Wiesn auf dem Parkdeck und fährt schaudernd zusammen. Ich muss grinsen.
„Da war ich auch. Das Beste waren die Brezeln. Jedes Jahr bin ich wieder hin, weil ich dachte: Leute, ihr werdet doch was daran geändert haben. Ihr habt einen Dekorateur geholt, nicht wahr, habt ihr…! Doch nein, wieder Beton, Abgas und Zugluft – im Wechsel oder zugleich. Gut, dass es das dort nicht mehr gibt.“
„Ist es denn hier schön? Ich war noch nie im Festzelt drin, aber ich sehe, dass es Jahr für Jahr wieder aufgebaut wird, und mit jedem Jahr scheint es sich auszuweiten. Nicht von den Tagen her, der Umfang insgesamt wird gewaltiger.“
„Ja, das stimmt. Ich habe das Zelt auch wesentlich kleiner in Erinnerung. Doch, es ist ganz gut gemacht. Die kopieren wie die Wilden. Oder packen was hierher, von dem sie denken, dass es bayerisch ist.“
„Denken? Erzählen Sie mal, was haben Sie an pseudo-bayerischen Dingen entlarvt!“
„Im ersten oder zweiten Jahr hatten sie eine Live-Band, die angeblich aus Bayern kam. Nie im Leben sag ich, nie im Leben!“ Er schaut ziemlich entrüstet. „Dann haben sie das Bier nicht sonderlich gut gezapft, und die armen, ungeübten Mädels schafften kaum, ein paar Maß auf einmal zu tragen. Die Brezn und Weisswurst gab’s auf Tellern!  Die gehören auf ein Brotzeitbrettl.“
Uff, da bin ich ja an einen Spezialisten geraten. Man hört es ihm nicht an, deshalb frage ich lieber mal direkt nach:
„Kommen Sie aus Bayern, oder haben Sie dort länger gelebt?“
„Mischling“, lautet die Antwort. Mutter aus Füssen, Vater aus Norddeutschland. In seinem siebenten Lebensjahr hatte es die Familie in den Norden verschlagen, doch Besuche im Süden fanden natürlich regelmäßig statt.
„Ich war öfter auch in München, wenn das Oktoberfest stattfand. Bin immer zumindest einmal hingegangen. Doch auch wenn es das Original ist und ich deshalb nicht meckern kann: es wurde mir einfach zu wühlig! Zu voll, zu unübersichtlich, zu laut und zu teuer.“
„Und daraufhin fanden sie diesen vollwertigen Wandsbeker Ersatz?“
Er hat es richtig verstanden und grinst.
„Genau. Ich dibbere jedes Jahr, dass es wieder los geht! Sitz’ hier auf der Bank und warte auf die Eröffnung.“
„Wurde es bei Ihnen zu Hause eigentlich gefeiert? Sie sagten, Ihre Mutter stammte aus Bayern.“
„Oh ja, wir machten immer einen Riesenspaß daraus. Wenn wir in der Zeit nicht in München Familientreff hatten, kamen oft Verwandte zu uns. Wir dekorierten – schon zu einer Zeit, als hier kein Mensch auf die Idee gekommen wäre – ein paar Wände und den Tisch mit blauweißem Papier, machten Brotzeit, Fingerhakeln, Bierdeckelweitwurf und Breznschnappen…“
Ich muss lachen. „Breznschnappen? Mit der Hand oder mit dem Mund?“
„Mit dem Mund! Die wurden an einer Schnur ganz hoch aufgehängt. Da mussten wir springen wie ein Gamsbock, um etwas abzubeißen. Ohne Hände!!“
Richard II. schwelgt jetzt in Erinnerungen. Man sieht förmlich, wie er Anlauf nimmt, springt und zubeißt. Richard, dem keine Brezn entkommt…  Seine Zungenspitze ist im linken Mundwinkel, und er bereitet sich mental sicher gerade auf den Deckelweitwurf vor. Ich reiße ihn vorsichtig aus seinen Gedanken.
„Hatten Sie denn auch die richtige Kleidung an?“
„Sie meinen, ob ich meine Krachlederne anhatte? Aber sicher doch! Meine Mutter und meine Kusinen trugen immer fesche Dirndl. Mein Vater hat nur Hosenträger an seine Alltagshose geklippt. Mehr war nicht drin. Preuße halt, doch er war dafür Meister im Armdrücken.“
Trotz dieser harten Verurteilung als Preuße, klingt die Stimme voller Hochachtung.
Richtig rote Bäckchen hat Richard II. beim Erzählen bekommen. Solche hat unser ehemaliger Bundespräsident nie. Jedenfalls habe ich nie ein derartiges Foto von ihm gesehen. Rote Wangen beim Interview. Vielleicht hat ihm auch nur keiner „vernünftige“ Fragen gestellt … ;)
Wir beobachten noch einen Moment die weitere Anlieferung von Tischen. Es gibt auch Bänke, doch diese Tische….
Der Kommentar von Richard II.:
„Sehen Sie jetzt, was ich meine? In Bayern würde man nie diese runden Stehtische aufbauen. Das ist viel zu etepetete. Das mauscheln sie den Norddeutschen hier wieder unter.“
Ja, so sieht es aus. Hier geht es vor allem ums Geschäft.
Ich verabschiede mich und umgehe die Absperrungen weiträumig.

Überall, auch im benachbarten Quarrée (EKZ), sind Aushänge mit einem Hinweis auf das beginnende Fest. Das Bild ziert eine junge, blonde Frau mit üppiger Oberweite, die in ein offenherziges Dirndl gepackt wurde. Die Oberweite vor allem, die Frau auch. Das zieht schon mal die Männerblicke an. In Kombination mit dem formidablen Bierangebot ist das Thema „männliche Kundschaft heranlocken“ abgehakt.
Wie kriegt man nun noch die Frauen dazu? Es kommt sehr entgegen, dass mittlerweile mehr und mehr Frauen Bier mögen. Die Gewöhnung daran hat die Bierindustrie gut hinbekommen. Völlig ohne Hintergedanken wurden schnell ein paar Misch-Pansch-Bier-Softies ins Programm genommen, die dem weiblichen Geschmack mehr entgegenkommen sollten.
Hat geklappt. Jetzt sind sie abhängig ;)
Biertoleranz bzw. –akzeptanz allein reicht bei einem weiblichen Wesen nur nicht. Hier muss einfach mehr Geschütz aufgefahren werden. Karstadt bietet das richtige Outfit an. Passende Trachtenmode, neue Schuhe.
Bei einem Friseur klebt der Hinweis, dass man momentan gern auch passende Flechtfrisuren (Zöpfe) fabriziert, und bei Bijou Brigitte steht ein Extraständer mit themengerechtem Modeschmuck. Broschen, Ketten für den XXL-Dirndlblusen-Ausschnitt, Anstecknadeln, Schleifen zum Anheften.
Der Supermarkt hat Weißwürste und süßen Senf im Oktoberfest-Design.
Interessiert aber nur peripher.
Die Frau allerdings,  die sich extra ein Dirndl und Accessoires kauft, möchte sie auch präsentieren und ausführen. Auf zum Oktoberfest in Wandsbek! Damit hat man sich auch diese Gruppe gekrallt.
Der Rest geht über Mundpropaganda, Preis (1 l Maß = 7,40 €, München verlangt 9,20 €), Herdentrieb und das Implizieren einer Gaudi-Garantie bei Teilnahme. Es gibt ja schließlich anständige Musik dort.
Ja, von der habe ich auch regelmäßig etwas, obwohl ich fast einen Kilometer entfernt wohne. Live-Musik wird weit getragen, und in der Zeit leiden die unmittelbaren Anwohner ziemlich. Andererseits, wer sich aus der Not heraus entscheidet, dann lieber auch gleich ins Festzelt zu gehen…
Schwupps, die Venusfalle greift sich gierig weitere Opfer!
Bayerische Musik allein ginge vielleicht noch. Es bleibt nur nicht dabei. Letztes Jahr bekam ich wochenlang Heino nicht mehr aus dem Kopf mit: Komm in meinen Wigwam!
Während mein Informant Richard II. in froher Erwartung ist, werde ich wieder nur aus der Ferne ein Oktoberfest miterleben. Sollen alle, die dort hingehen, recht viel Spaß haben! Ich gönne es Ihnen wirklich! Ist nur nichts für mich. Ich mag einfach kein Bier und keine Alkoholleichen. Sehr unschöne Erinnerungen an Personen aus der Jugend – und das meine ich bierernst.

Wir sehen, Bräuche werden hinausgetragen in alle Welt. Oktoberfest feiert man mittlerweile auch in Amerika und Australien und Nikolaus (begrenzt) in Irland (dank meiner Tochter).
Bräuche kommen zu uns. Aus dem Rheinland immer wieder der hartnäckige Versuch, uns vom Karneval zu überzeugen, aus dem angelsächsisch-keltischen Raum das vor der Nase herumwedeln mit Halloween. Dabei hat Halloween hier wirklich die Nase vorn! Sich zu verunstalten scheint eher typisch norddeutsch zu sein…
Ist es nicht phantastisch?
Beim Oktoberfest haben wir im Grunde alles vereint:
Den Valentinstag, denn auch beim Oktoberfest hängen sich viele ein Lebkuchenherz um den Hals.
Den Karneval, denn – mal ehrlich – verkleidet sind sie schon, oder ..?
Halloween, denn manch einer, der nächtens wankend – mit roten Augen und schwarzen Schatten darunter – aus dem Zelt schleicht, wäre der absolute Renner auf jeder Halloween-Party.
Vielleicht sollte ich doch …?
Nein!
Aber falls irgendwo jemand Bierdeckelweitwurf und Breznschnappen veranstaltet – da bin ich dabei!

©September 2011 by Michèle Legrand

, , , , , , , , , , , , , , ,

2 Kommentare

Verschärfte Bedingungen für Nachwuchsmodels …

Wer häufiger im Blog mitliest oder am Freitag beim Boo dabei ist, hat sicher noch in Erinnerung, dass in meinem … einmaligen, grandiosen… Einkaufszentrum (ja, das gibt es durchaus, oder bin ich einfach leicht zufriedenzustellen?) schon seit dem Frühjahr ein Wettbewerb ausgetragen wird. Ein Casting, um das „Gesicht 2012“ zu finden. Am Anfang, es war Februar 2011,  hatte ich vermutet, es hätte sich die falsche Jahreszahl eingeschlichen. Tatsächlich fällt die Entscheidung jedoch erst im Oktober dieses Jahres. Demnach hat alles seine Richtigkeit.
Für interessierte Nachkömmlinge nachstehend noch einmal die Links zum April-Boo (  http://wp.me/p1zeK1-A  )
und zum Artikel von Anfang Mai  ( http://wp.me/p1zeK1-5  ) (mit Fotos)
Heute geriet ich unvermutet in den neuesten und vorletzten Part der Ausscheidungen. Die Models hatten ein Training erhalten, um sogenannte Living Dolls darzustellen. Lebendige Schaufensterpuppen, deren Aufgabe in der Bevölkerung der dortigen Geschäfte bestand. Mir fehlte später die Zeit, um auf die Suche nach allen Kandidaten zu gehen, aber ich passierte zufällig und noch unwissend einen „Camp David“ Shop.
Sehr erstaunt registrierte ich direkt am Eingang  zwei mir neue Schaufenstergestalten. Sehr naturgetreu und beinahe etwas im Weg. Es dauerte ein paar Sekunden, ehe mir die Echtheit der beiden jungen Männer dort bewusst wurde und auch die Erinnerung an das Casting einsetzte.
Ich blieb stehen und beobachtete die Szenerie einen Moment. Vor allem die Reaktion der Passanten. Viele huschten unbeirrt vorbei. Zwei junge Männer betraten das Geschäft und streiften fast die ‚Puppen’. Kein Erkennen. Was nicht erwartet wird, wird auch nicht gesehen.
Einer Dame erging es allerdings wie mir. Sie hielt sie kurzzeitig für Puppen, entdeckte ihren Irrtum, und dann konnte sie sich nicht bremsen. Aus ihrem Einkaufsbeutel holte sie eine braune Papierspitztüte vom Obstmann und entnahm ihr Kirschen. Keine einzelnen Früchte sondern Zwillingskirschen, die noch durch ihre Stiele miteinander verbunden waren. Sie näherte sich diebisch grinsend und stülpte diese Zierde einem der Models über seinen ein wenig ausgestreckten Finger.
Als gerade trainierter und ehrgeiziger Casting-Teilnehmer blieb er anfangs regungslos, nur dauerte es nicht lange, bis seine Gesichtszüge entgleisten. Ich musste an die Palastwachen des Buckingham Palace denken oder die Posten im Tower zu London, die unter ihren Bärenfellmützen keine Miene verziehen dürfen, egal was verrückte Touristen aushecken, um sie zu einer Reaktion zu bringen…
So strenge Ansagen gab es hier sicher nicht, und so griente er ungestraft. Mir schien, in seinem Kopf rotierte die Frage: Darf eine Schaufensterpuppe an ihr befestigte Kirschen entfernen oder muss sie fortan heldenhaft damit leben?
Eine Minute später hatte er sich wieder unter Kontrolle und blieb – mit Kirsche (halt ein Profi) – auf seinem Posten stehen.

Ich bin sehr gespannt, welches junge Talent am Ende das Casting gewinnen wird. Sympathisch war mir dieser junge Mann auf jeden Fall…

, , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Ihr Charme bringt Eiskugeln zum Schmelzen…

Wettbewerb Beste Servicekraft Hamburgs

Anerkennung. Bekommt natürlich jeder gerne. Wie ist das eigentlich heutzutage? Erhalten wir sie? Wenn ja, wie, auf welche Art? Von wem? Erhalten wir sie oft, gelegentlich oder gar nicht?
Fakt ist, viele erhalten sie definitiv nicht oft genug, obwohl sie es mehr als verdient hätten. Dabei wäre es so einfach, sie auszudrücken. Durch Lächeln, Lob, Zeigen des Stolzes – und durchaus auch obendrein einmal durch Belohnung. Vielleicht durch ein offizielles: Schaut her! Das ist herausragend! Er/sie ist speziell. Diese Person tut etwas in einer Weise, die ins Auge sticht – positiv natürlich und ohne Verletzungen – auf eine Art, die auffällt – und zwar angenehm.

Bei meiner heutigen kleinen Kaffeepause, schaute ich irgendwann leicht irritiert auf, als um mich herum plötzlich leichtes Blitzlichtgewitter herrschte. Mein suchender Blick glitt über die Tische des Eiscafés Giovanni L. im Wandsbeker Quarrée und verharrte dann im Quergang. Meine sehr bevorzugte Bedienung – ich habe den Namen Anna in Erinnerung –  die  mich heute besonders hübsch zurechtgemacht bedient hatte, wurde von einer professionellen Fotografin abgelichtet.
Ein auf einem Ständer aufgespannter kleiner weißer Schirm sollte für das optimale Licht beim Blitzen sorgen. Anna, eine überaus freundliche, patente, junge Dame mit blondem Zopf, bildschönem Gesicht und angenehmen Wesen, hielt vor sich einen großen, sehr appetitlich aussehenden, kunterbunten Früchte-Eisbecher mit Sahne. Obendrein enthielt das Kunstwerk eine überdimensionale Wunderkerze (mehr ein Röhrchen), aus dem die Funken nur so sprühten.
Die Fotografin machte mehrere Aufnahmen, und ich ließ es mir nicht nehmen, ebenfalls ein Foto zu knipsen. Eine andere junge Angestellte näherte sich meinem Tisch, so dass ich zuerst  befürchtete, sie würde mich darauf hinweisen, das Fotografieren zu unterlassen.
Stattdessen erzählte sie mir jedoch, dass ihre Kollegin als Kandidatin bei einem Wettbewerb der Bild-Zeitung vorgeschlagen worden ist, der da (in etwa) heißt:
Wer ist die beste Servicekraft Hamburgs?
Ich reagierte hocherfreut, denn zum einen kann ich diesen Vorschlag nur  kräftig unterstützen, zum anderen finde ich es toll, dass es hier wirklich die Richtige trifft und jemand sich aufgerafft hat – anscheinend völlig uneigennützig – sie bei der Zeitung als adäquate Kandidatin zu melden. Da ich keine Bild-Zeitung lese, gehen diese Wettbewerbe leider an mir vorbei.
Anerkennung. Im Dienstleistungsbereich sehr unterschiedlich verbreitet. Vielleicht mal eine nette Bemerkung eines Kunden, vielleicht ein Trinkgeld. Unter Umständen auch ein Lob des Chefs nach einem Tag mit Hochbetrieb, der gut gelaufen ist.
Hier könnte der jungen Frau auf eine weitere, zusätzliche  Art gezeigt werden, wie wertvoll und hochgeschätzt ihr umsichtiges und verbindliches Auftreten ist. Wie gern gesehen ihre Zurückhaltung bei gleichzeitiger Aufmerksamkeit, wie beliebt ihr unaufdringliche, unaufgeregte Art des Bedienens. Wie angenehm es ist, sich auf ihr gutes Gedächtnis verlassen zu können, wie schön, mit guten Wünschen für den Tag verabschiedet zu werden. Beste Servicekraft Hamburgs. Sie ist absolut würdig, diesen Titel zu tragen, denn sie verkörpert  den Begriff Service sozusagen.
Man verriet mir, dass es nun an den Lesern der Zeitung ist, für die einzeln vorgestellten Kandidaten zu voten. Dem Sieger winkt zudem ein Preisgeld von 1.000 Euro.
Ich habe Anna gefragt, ob ich ein  Foto von ihr  ins Internet stellen darf, um für sie – in Verbindung mit dem Artikel – ein bisschen die Werbetrommel zu rühren.
Sie hatte nichts dagegen und bedankte sich nur im Voraus schon überschwänglich. Es war rührend, und falls ihr nichts anderes vorhabt, die Zeitung gerade vorliegt (vielleicht geht es ja auch online) und jemandem eure Anerkennung zeigen möchtet, dann stimmt für diese junge Dame. Sie hat es verdient!
Wenn ich zu Beginn davon sprach, dass ihr Charme Eiskugeln schmelzen lassen würde, dann ging ich von ihrem täglichen ‚normalen’ Verhalten aus. Sollte sie diesen Titel für sich gewinnen, befürchte ich, dass ihr Strahlen im Quarrée Wandsbek noch viel mehr ‚anrichtet’…

, , , , , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Wann Castings für mich anfangen, interessant zu werden…

Casting "Quarrée Gesicht 2012" Gruppenfoto Damen, Mai 2011

Casting "Quarrée Gesicht 2012"

Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere Leser bzw. in dem Fall eher Hörer an einen Boo, nämlich den vom 01. April. Es ging darin u a. um eine Casting-Veranstaltung im Wandsbeker Quarrée. Wandsbek ist ein östlich gelegener Stadtteil von Hamburg, und das Quarrée ist das lokale, relativ große Einkaufszentrum. Für mich günstig gelegen, daher komme ich dort häufiger vorbei.
Im Februar startete der Wettbewerb „Quarrée Gesicht 2012“ mit einer Casting-Woche. Damals meldeten sich weit über 900 junge ‚Models’ zum Foto-Shooting. Es gab einen Recall  im März mit etwas über 300 Eingeladenen,  bei dem natürlich weiter gesiebt wurde. Übrig blieben danach ca. 130 Teilnehmer. Diese erhielten in einem Workshop Laufsteg-Training und am 01. April die Gelegenheit zu einem Auftritt bei einer Frühjahrsmodenschau.
Wer dort positiv auffiel und weiterkam, gewann einen weiteren Workshop, der vertieftes Catwalk-Training vermittelte, sowie erste Kenntnisseanbot, die für die Darstellung einer sogenannten „Living Doll“ (Schaufensterpuppe, die gelegentlich auch lebendig wird) nötig sind.

Die nächste Stufe dieses Wettbewerbs war für die Kunden des EKZ am Freitag und Sonnabend (06. und 07.05.2001) live mitzuerleben. Diesmal wurde völlig auf einen vorbereiteten langen Catwalk verzichtet. Stattdessen ließ man die Kandidaten in Gruppen durch das gesamte Zentrum promenieren, inkl. Rolltreppenfahrt und Stopps, bei denen in Posen verharrt wurde.

Ich hatte diese Veranstaltungstermine vorher übersehen und habe mich beim ersten Mal gehörig erschrocken, als plötzlich in meiner Nähe resolutes Gebrüll begann. Wie sich herausstellte, handelte es sich jedoch nur um einen harmlosen Fotografen, der einer Gruppe von sechs gestylten jungen Damen irgendwelche Anweisungen zurief.
Einmal darauf aufmerksam geworden, hatte ich natürlich Blut geleckt. Mit Castings im Fernsehen kann man mich üblicherweise jagen, aber so live mit allem Drumherum, das hat was. Ich beschloss, mir einen strategisch günstigen Platz zu suchen und von dort aus das Geschehen zu beobachten. Strategisch nahezu perfekt war – dreimal dürft ihr raten – mein Eiscafé direkt an der Rolltreppe.
Wer jetzt meint, ich könnte die Models näher beschreiben, sagen, was exakt sie trugen, wer die oder der Beste war, wie das Können zu bewerten war – keine Ahnung, ich gucke immer auf andere Dinge.

Am Freitag waren die Mädchen innerhalb der kleinen Gruppen alle völlig unterschiedlich angezogen, nur das Oberthema war gleich. City-Look, Strand-Look, Freizeit, Sport.

Casting "Quarrée Gesicht 2012" - Laufen im Einkaufzentrum Wandsbeker Quarrée

Laufen im Einkaufzentrum Quarrée

Die Folge war, dass nicht jeder Passant und Kunde gleich bemerkte, dass sich ihm Models und Fotograf näherten. Wer gerade durch einen Seiteneingang ins Zentrum trat, befand sich manchmal mittendrin. Das ist ein Bild für die Götter!
Am Anfang keine Reaktion, alles normal. Dann der Gedanke: Warum laufen die alle im Gänsemarsch? Leichte Unruhe.
Als nächstes: Huch, wo bin ich hier hineingeraten?? Etwas Hektik und abruptes Stoppen.
Der Fotograf wird entdeckt. Hier spaltet sich das Volk. die einen schmeißen ihr Lächeln an und wollen ins Bild, die anderen sind panisch am Auseinanderstieben. Bloß weg hier!!
Der Fotograf selbst ist genervt. Mist, schon wieder die Falschen mit auf dem Foto.
Der Auf-/Gänsemarsch der Models muss wiederholt werden.
Die männlichen Models laufen offensichtlich woanders, denn hier kommen sie nur gelegentlich zum Posen auf den Rolltreppen vorbei. Sechs fesche Jungs mit Polohemden und hochgestelltem Kragen, weißen Leinenhosen und als Accessoire hat jeder eine große rechteckige Einkaufstüte aus Papier mit Kordel in die Hand gedrückt bekommen. Mitten auf der Rolltreppe folgt die Ausführung der Aufgabe: Die Handetasche muss lebendig sein! (©Bruce Darnell)

Casting "Quarrée Gesicht 2012" - die Herren auf der Rolltreppe

Casting "Quarrée Gesicht 2012" - die Herren auf der Rolltreppe

Alle halten ihre Tragetasche fotogen am seitlich ausgestreckten Arm. Zauberhaftes Lächeln (oder eher Grinsen) Richtung Kamera. Einsetzender Applaus von einigen Kunden des Quarrées. Ich habe den Fotoapparat dabei, nur es stehen häufig Leute davor im Bild. Ich lege ihn also wieder zur Seite, als nochmals ein leicht kümmerlicher Applaus ertönt. Das Geklatsche von höchstens zwei bis drei Personen. Ich schaue zur Rolltreppe. Sind die Models schon wieder da? Ein „Nachwuchsmodel“ fährt gerade hinab. Es ist ein älterer Herr mit Wohlstandsbauch, der seine Karstadttüte ebenfalls sehr ambitionös am weggestreckten Arm in die Gegend hält und engagiert posiert. Es wirkt schon komisch…
Schade, dass der hauptamtliche Fotograf das nicht mehr mitbekommen hat. Solche zusätzlichen Bilder wären sicher nett. Ich habe es auch zu spät gesehen, und ehe ich  meinen Apparat wieder einsatzbereit habe, hat Model ‚Graue Tolle’ seinen Auftritt bereits beendet.

Casting "Quarrée Gesicht 2012", Auftritt der Damen im Einkaufszentrum

Auftritt der Damen im Einkaufszentrum

Gestern erwischte ich beim Einkaufen zweimal die Mädchen, diesmal alle einheitlich angezogen. Sie zogen einige Männerblicke auf sich, wenn sie hüftschwingend zwischen Bäcker und Gemüsestand entlangzogen.

Mittendrin aufgebaut ein kleines Szenario für Gruppenfotos. Hintergrund, Podest und besseres Licht. Als ich diesen Stand passiere, soll gerade wieder eine Aufnahme entstehen. (Siehe auch Bild über dem heutigen Artikel) Die jungen Damen sind ja inzwischen keine Neulinge mehr. Gekonnt schalten sie ihr Zahnpasta-Lächeln ein, ziehen nicht vorhandene Bäuche ein und drücken durchaus vorhandene Brüste noch ein bisschen weiter vor.
Der Fotograf brüllt: „Hüpfen! Auf drei!“
Offenbar gibt es leichte Differenzen bei der Auslegung von „drei“. Zu früh gehüpft, zu spät gehüpft, allein gehüpft, Balance verloren, Lächeln vergessen… Es ist gar nicht einfach.
Wisst ihr eigentlich, welches Wort angeblich das beste Lächeln erzeugt?  Ein französisches Wort „Ouistiti“ (gesprochen ui-sti-ti)  – was soviel heißt wie „kleines Äffchen’. Soll – wie gesagt alles freibleibend –  ein schöneres Fotolächeln  erzeugen als das italienische „famiglia“,  das spanische „patatas“, das polnische „marmolada“ oder das holländische „zaar een(s) kaas“ (Sag Käse)… Nur mal so am Rande.
Als ich zum Abschluss beim Geflügelhändler anstand, bediente mich eine ältere Angestellte. Ihr junger Kollege hatte bereits einen Kunden. Applaus klang in der Nähe auf. Sie rollt mit den Augen, grinst dann diebisch und stößt ihren Kollegen freundschaftlich in die Seite.
„Achtung, gleich kommen die Mädels wieder. Vergiss nicht, weiter zu bedienen und sabber nicht wieder so rum!“

Wie ich schon sagte, mich interessieren bei Castings eben mehr die Reaktionen …
Und wieder wird nach diesem Wochenende der Kreis der Auserwählten kleiner. Ich bin sehr darauf gespannt, wenn vom 17. – 19. Juni die Aspiranten auf den Titel „QUARREE Gesicht 2012“ als lebendige Schaufensterpuppen in den Schaufenstern der Geschäfte im Einkaufszentrum auftauchen!
Der letztendliche Gewinner wird erst im Herbst feststehen. Mitte Oktober endet alles mit einer finalen Herbst-Modenschau.
Sehr schön. Also gibt es für mich (oder für euch, wenn ihr hier lest) noch einiges zu entdecken.

Casting "Quarrée Gesicht 2012" - die Damen auf der Rolltreppe

Casting "Quarrée Gesicht 2012" - auch die Damen müssen die Rolltreppe bewältigen


Wen es interessiert, hier ist noch einmal der Link zum Boo vom 01. April, der auch Casting-bezogen war.
http://theladyfromhamburg.posterous.com/freitags-boo-so-siehts-aus-heute

, , , , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: