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Bom dia, MADEIRA – Part 3: Funchal, Madeiras Hauptstadt

Heute haben Sie die Möglichkeit, ein oder sogar zwei Augen auf Funchal, die Hauptstadt Madeiras, zu werfen. Am Ende des letzten Parts deutete ich bereits an, dass es nicht um touristische Attraktionen allein gehen wird. Lassen Sie uns Funchal von unterschiedlichen Seiten betrachten und so ein bisschen Rückblick und Einblick wagen.

Funchal. Eine Stadt, die sich im Laufe der Zeit an einer eher sanft geformten Bucht an Madeiras Südostküste nicht nur entlang des Ufers in Westrichtung ausgebreitet hat, sondern die ganz allmählich den zum Teil recht steilen Hang dahinter halbkreisförmig in Beschlag nahm und an ihm hinaufkletterte. Direkt unten in der Bucht und entlang der Hauptstraßenzüge sind zwischen niedrigen auch typische Stadtbauten höherer Natur (Hotels, öffentliche Gebäude) vertreten, den Hang hinauf überwiegen die kleineren Wohngebäude  Überall erblickt man sie, mit zunehmender Entfernung scheinbar kleiner werdend, dicht an dicht errichtet. Helles Mauerwerk, in der Mehrzahl terracottafarbene Ziegeldächer, die im Sonnenschein warm aufleuchten.

Selbst am Abend funkelt es! Mit dem Einbruch der Dunkelheit blitzen am Hang plötzlich Tausende kleiner Lichter auf. Straßenbeleuchtungen, Licht, das aus unzähligen Zimmern dringt, der Schein von Glühbirnen, die als lange Ketten um die Stämme von Palmen oder anderen Bäumen gewickelt wurden und nun ihren großen Auftritt haben. Nur wenn Wolken und Dunst von Norden her über den Gipfel geschoben werden und im oberen Berg-
bereich hartnäckig hängenbleiben, ist es, als hätte jemand das Licht ausgeknipst, sämtliche Farben geschluckt und dazu noch Häuser geklaut.

Ziemlich weit oben, in 600 bis 800 m Höhe über dem Meeresspiegel liegt der Villenvorort Monte. Die Straßen, die hinaufführen, sind schmal, enorm steil und mit zahlreichen engen Kurven. Zu Fuß ist es ungeübt eine Herausforderung. Mit dem Auto im Prinzip auch. Anfahren am Berg ist hier keinesfalls eine Ausnahme, sondern die Regel. Selbst wenn Autos und Busse dabei permanent zu röcheln scheinen – sogar ein voll besetzter Bus schafft es hinauf. Herunter geht es wesentlich schneller … Egal auf welche Art.

Mit Sicherheit haben Sie schon von den Korbschlitten („carros de cesto“) gehört, mit denen direkt von Monte aus ein ganzes Stück auf Kufen hinabgerutscht und -geschlittert werden kann. Heute eher aus Jux oder als kleines Abenteuer, ursprünglich jedoch, um sich zumindest einen Teil des beschwerlichen Abstiegs zu ersparen. 1850 wurde die Schlittenidee ausbaldowert. Damals ging die Strecke bis ganz hinunter, heute endet die Tour eher (nach 2 km) und stellt nur noch eine Touristenattraktion dar. Vor 167 Jahren – d. h. noch vor der Zeit der Korbschlitten – gab es für die Anwohner keinerlei Alternative zum Fußmarsch, denn Straßen waren bis in diese Höhen noch gar nicht angelegt worden. Später, zwischen 1893 und 1943, fuhr eine Zahnradbahn hinauf, heute gibt es die Seilbahn. Die zeige ich Ihnen in einem separaten Teil, wenn es hoch zum Tropischen Garten von Monte geht.

Denken Sie sich jedoch gern noch einmal für einen Moment zeitlich zurück. Noch etwas weiter zurück als bis 1850. Etwa 600 Jahre…

Der weite Atlantik, Wellen bis zum Horizont. Der typische Geruch nach See. Ein Segelschiff nähert sich aus nordöstlicher Richtung. Bereits im Vorjahr war es in nicht allzu großer Entfernung hier entlanggekommen, musste bei widrigen Verhältnissen auf der Nachbarinsel Porto Santo Schutz suchen und hatte dabei entfernt weiteres Land erspäht. Der Segler stammt aus Portugal, fährt im Auftrag von Heinrich dem Seefahrer und ist schon geraume Zeit unterwegs. Plötzlich meldet der Posten im Ausguck: Land in Sicht!

 

Madeira - Ostküste

Madeira – Ostküste

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Das hölzerne Boot steuert auf die vor ihm liegende Insel zu. Vulkangestein, vereinzelt reckt sich erstarrte Lavamasse in unterschiedlicher Form vor der Küste aus dem Wasser. Die Brandung tost und bricht sich an diesen Widerständen.
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Madeira - Der östlichste Zipfel: Ponta de São Lourenço (eine Halbinsel, Naturreservat) - "Lavatropfen" im Meer ...

Madeira – Der östlichste Zipfel: Ponta de São Lourenço (eine Halbinsel, Naturreservat) – „Lavatropfen“ im Meer …

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Überhaupt ist das Ufer rau, recht dunkel der Grund. In der Ferne ragen einige Berggipfel auffällig hoch in den Himmel empor. Selbst direkt an der Küste erwarten die Ankömmlinge Felsen und Hänge, doch der Boden scheint sehr fruchtbar zu sein. Die Vegetation ist üppig, Teile der Insel sind von subtropischem Regenwald bedeckt.
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Madeira im Nordosten - Faial - Blick auf Penha de Águia (dt. Adlerfelsen)

Madeira im Nordosten – Faial – Blick auf Penha de Águia (dt. Adlerfelsen)

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Man weiß aus Aufzeichnungen und Erwähnungen, dass die Insel offensichtlich schon weit früher gesichtet wurde, doch die richtige Zeitrechnung Madeiras beginnt im Jahr 1419, als der portugiesische Wiederentdecker João Gonçalves Zarco mit seiner Besatzung am Archipel eintraf, sie im Osten an einer günstigen Stelle anlandeten, sich umschauten und wahrscheinlich sagten: „Ach, komm, sieht gut aus. Wir bleiben hier!“
Vielleicht war es Zarco selbst, der angesichts des damals hohen Anteils an Regenwald ergänzte: „Männer, hier gibt es so viel Holz. Nennen wir die Insel Madeira!“ Denn nichts anderes bedeutet es, wenn man ihren Namen ins Deutsche übersetzt.
An diesem ersten Ankerplatz der Portugiesen entstand – und befindet sich noch heute – die älteste Stadt der kleinen Atlantikinsel: Machico. Sie liegt nicht wie Funchal westlich vom Flughafen (Santa Cruz), sondern etwas östlich davon.
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Madeira - Machico - Igreja Da Nossa Senhora Da Conceicao (15. Jh.)

Madeira – Machico – Igreja Da Nossa Senhora Da Conceicao (15. Jh.)

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Madeira - Machico - Coral ist das Madeira eigene Bier ... (Wandmalerei mit einer Bierflasche CORAL)

Madeira – Machico – „Coral“-Bier ist die Eigenmarke der Madeirer …

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Warum die Ankömmlinge damals nicht gleich weiterzogen und sofort das Land um die großzügigere Bucht von Funchal herum für sich einnahmen und besiedelten?
So schnell ging das nicht! Es war unmöglich, denn exakt dort wuchs wilder Fenchel in Hülle und Fülle, der vor jeglicher Nutzung der Fläche zunächst mühsam gerodet werden musste. (Das portugiesische Wort funchal hat die Bedeutung von „viel Fenchel“.)

Man kreiste den Bereich folglich zunächst etwas ein. Zog von Machico allmählich westwärts, an der „Fenchel-
bucht“ vorbei und gründete einige Kilometer darüber hinaus an der Küste das Fischerdorf Câmara de Lobos. Von hier aus wurde operiert, bis endlich alles so weit vorbereitet war, dass der Gründung der Stadt Funchal 1421 nichts mehr im Wege stand.
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Madeira - João Gonçalves Zarco ( von Augusto Cid)

Madeira – João Gonçalves Zarco ( von Augusto Cid)

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Funchal, entstanden auf dem alten Fenchelgrund, ist heute als Hauptstadt das Zentrum der Insel.
Gesicherte Einwohnerzahlen zu finden, ist eigenartigerweise unmöglich. Jede Quelle, ob Reiseleiter, Reise-
führer in Buchform, Reisekatalog oder Internet, nennt andere. Vermutlich beziehen sie sich auf Zählungen
aus unterschiedlichen Jahren, basieren auf Schätzungen oder machen Unterschiede zwischen dem reinen Stadtgebiet und dem Kreis Funchal.
So gebe ich Ihnen gleich unter Umständen keine korrekt definierten oder brandaktuellen Zahlen, sondern Durchschnittswerte, doch ich möchte Ihnen anhand dessen einfach ein Gefühl für die Wichtigkeit und die zentrale Rolle Funchals vermitteln. Hier konzentriert sich nämlich alles!

Natürlich existieren weitere Städte, doch lassen sich diese an einer Hand abzählen und können an Madeiras Hauptstadt nicht im Entferntesten heranreichen. In den letzten Jahren und Jahrzehnten haben sich viele Orte herausgeputzt, haben investiert, um auch eine Scheibe vom Touristenkuchen abzukriegen. Doch weder hinsichtlich ihrer Häfen, noch bezüglich städtebaulicher Aspekte, Ausstattung oder pflanzlicher Gestaltung, weder wenn es um das Freizeit-, Sport- oder Kulturangebot noch um sonstige Kriterien geht, kann auch nur eine von ihnen mithalten. Keine einzige übernimmt eine vergleichbare Funktion, hat diese Konzentration des Tourismus, keine spielt als Arbeitgeber eine derart große Rolle, nirgendwo sonst auf der Insel ist das Schul-
und Ausbildungsangebot für die Bevölkerung auch nur annähernd vergleichbar mit dem in der Hauptstadt.

Einige Zahlen machen die markanten Unterschiede etwas deutlicher:

Auf Madeira leben insgesamt ca. 280 000 Menschen. Davon um die 165 000 direkt in Funchal! Städte wie Caniço im Südosten mit ca. 23 000 Bewohnern, das besagte Machico in dessen Nähe, welches nach einigen Aussagen sogar die zweitgrößte Stadt der Insel mit einer Einwohnerzahl ebenfalls in diesem Bereich sein soll oder auch Câmara de Lobos westlich von Funchal mit über 20 000 Einwohnern sowie das kleinere Ribeira Brava im Südwesten mit ca. 15 000 Ansässigen, sie fallen im Vergleich weit zurück.
Alles was sonst noch kommt, sind kleine Ortschaften und Gemeinden. Und überall merkt man angesichts der stark schwankenden Zahlenangaben, dass umliegende Gemeinden wohl häufig zur Bevölkerung der nächsten Stadt hinzugerechnet werden, im Hauptstadtfall sicherlich, da die Bebauung nahtlos ineinander übergeht und daher Vorortcharakter besitzt – mehr denn den einer völlig eigenständigen Gemeinde.

Wenn Sie sich jetzt vorstellen, dass auf Madeira inzwischen mehr als 30 000 Gastbetten zur Verfügung stehen und auch hier der Fokus auf Funchal liegt, dass jährlich fast eine Million Touristen anreisen und dazu noch einmal eine halbe Million Kreuzfahrturlauber in Funchals Hafen eintrifft und einen Zwischenstopp auf der Insel einlegt, dann wird schnell klar, dass die meisten Angestellten des Tourismusgewerbes im Zentrum, in der Hauptstadt, gebraucht werden.

Nur als Bewohner Madeiras direkt in Funchal wohnen? Inzwischen kann es sich kaum noch ein Einheimischer leisten, dort eine Immobilie in Form von Haus oder Wohnung zu erstehen. Und das, wo der Madeirer doch eher zum Kaufen als zum Mieten tendiert! Hypotheken werden von den Banken allerdings nur vergeben, wenn beide Ehepartner arbeiten …
Der Mindestlohn auf Madeira liegt bei 525 €, der Durchschnittslohn bei etwa 800 €. Nur Studierte mit sehr verantwortungsvollen Posten erreichen Löhne im Bereich von 1 000 bis 1 200 €. Wohnungen kosten jedoch schnell Beträge von 300.000 € und mehr. Der Traum von der eigenen Immobilie erledigt sich so im Nu, und selbst das eher ungeliebte Wohnen zur Miete stellt preislich keine wirkliche Alternative dar.
Bei einem angenommenen Kaufpreis von 300 000 € für eine Wohnung in Funchal, wird für eine Wohnung gleicher Größe und Ausstattung in z. B. Machico allerdings lediglich ein Drittel, also 100 000 €, verlangt …

Folglich wohnt ein Großteil der in Funchal arbeitenden Bevölkerung Madeiras in den umliegenden Dörfern und Kleinstädten und fährt jeden Tag zum Arbeiten in die Hauptstadt.
Dadurch, dass in den letzten Jahrzehnten – auch dank EU-Fördermitteln – viel in die Infrastruktur investiert wurde, gibt es heute Schnellstraßen und eine immense Anzahl von Tunneln, die quer durch die Berge gebaut wurden. Es verkürzt Arbeitsweg und Fahrzeit ganz enorm.
Während Sie als Gast des Seeblicks oder der angestrebten Bergziele wegen die ellenlangen Serpentinen-
routen nehmen und der Ausflugsbus Sie gewöhnlich dort ebenfalls entlangkutschiert, düsen die Madeirer direkt. Auch hier staune ich immer wieder, dass in Gesprächen die Zahl der Tunnel locker zwischen 145 und 300 schwankt …

Welche Einnahmequellen die Madeirer haben und wovon sie leben, kommt demnächst noch einmal zur Sprache, doch viele, die hier sind, sehen ihre Chancen natürlich am größten in der Tourismusbranche.
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Madeira - Funchal - Hotelanlagen in der Stadt ... (Anlage mit Pool)

Madeira – Funchal – Hotelanlagen in der Stadt …

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So ist es nicht verwunderlich, dass eine gute Tourismusfachschule ihren Standort auf der Insel hat und die angehenden Fachkräfte dort gleich mehrere Sprachen lernen. Englisch, Französisch und Deutsch stehen auf dem Plan, und ich staune und bewundere, wie das erlernte Wissen in der Praxis später angewandt und die Kenntnisse vervollkommnet werden.
In den Hotels und Restaurants und sämtlichen Bereichen, die vom Tourismus betroffen sind, wird nahezu mühelos von einer Sprache zur anderen gewechselt.
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Madeira - Funchal - Hotelanlagen in der Stadt

Madeira – Funchal – Hotelanlagen in der Stadt

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Studieren können Sie in Funchal ebenfalls, nur nicht alle Fachrichtungen. Für Studiengänge wie Medizin, Architektur oder Ingenieurwesen müssen Studenten ans Festland.
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Madeira - Funchal - Hotelanlagen in der Stadt ... (kleine gelbe und rote Bungalowhäuser)

Madeira – Funchal – Hotelanlagen in der Stadt …

 

Die Altstadt

Funchals erste Bauten entstanden seinerzeit im Osten des heutigen Stadtareals, direkt am Wasser. Dieses Viertel zieht besonders viele Besucher an. Die Altstadt ist sehenswert, jedoch in der Saison sehr bevölkert und bei zusätzlichem Eintreffen von Kreuzfahrtschiffen auch überlaufen. Reisegruppen schieben sich durch die schmalen Gassen, doch nach ein paar Stunden ist der Zauber oft schon wieder vorbei. Ein Restaurant reiht sich an das nächste. Die Außensitzplätze sind beliebt, machen ein Durchkommen jedoch nicht leichter.
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Madeira - Funchal - Altstadt - Schlendern in den Gassen ...

Madeira – Funchal – Altstadt – Schlendern in den Gassen …

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Ein Kunstmuseum in einem alten Fort, kleine Läden, Bars etc. ergänzen das Angebot.
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Madeira - Funchal - Kunstmuseum im alten Forte de São Tiago (Foto © W. Bohlayer)

Madeira – Funchal – Kunstmuseum im alten Forte de São Tiago (Foto © W. Bohlayer)

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Madeira - Funchal - Altstadt - Santa Maria (Kapelle)

Madeira – Funchal – Altstadt – Santa Maria (Kapelle)

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Madeira - Funchal

Madeira – Funchal

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Madeira - Funchal - Altstadt - Blütenpracht Anfang März

Madeira – Funchal – Altstadt – Blütenpracht Anfang März

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Die Häuser, die noch vor gar nicht so langer Zeit eher farblos und leicht verfallen wirkten, wurden inzwischen vielfach sehr schön wiederhergerichtet und die Fassaden farbenfroh gestaltet. Vor allem haben die Gebäude durch ein Kunstprojekt äußerst interessante Türen! Zu Beginn dieses Jahrzehnts lautete das Motto: „artE de pOrtas abErtas“, die Kunst der offenen Türen. Diese wurden malerisch phantasievoll gestaltet, die Resultate können Sie heute noch bewundern.
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Madeira - Funchal - Altstadt - Kunstprojekt offene Türen

Madeira – Funchal – Altstadt – Kunstprojekt offene Türen

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Es sind in den darauffolgenden Jahren weitere Türmotive hinzugekommen, die womöglich gar nicht mehr zum ursprünglichen Kunstprojekt gehören. Andererseits wurde das Projekt wahrscheinlich einfach nie wirklich komplett abgeschlossen, sondern es steht jedem Hauseigentümer der Altstadt weiterhin frei, seine Tür auch jetzt noch in diesem Sinne positiv zu verändern. Sinn war und ist, dass das Viertel mit seinen Gassen wieder menschlicher und anziehender wirkt und dass manch einer den Eindruck gewinnen könnte, er befände sich gar nicht draußen, sondern in einem Raum.
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Madeira - Funchal - Altstadt - Kunstprojekt offene Türen

Madeira – Funchal – Altstadt – Kunstprojekt offene Türen

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Madeira - Funchal - Altstadt - Kunstprojekt offene Türen

Madeira – Funchal – Altstadt – Kunstprojekt offene Türen

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Madeira - Funchal - Altstadt - Kunstprojekt offene Türen

Madeira – Funchal – Altstadt – Kunstprojekt offene Türen

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Madeira - Funchal - Altstadt - Kunstprojekt offene Türen

Madeira – Funchal – Altstadt – Kunstprojekt offene Türen

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Madeira - Funchal - Altstadt - Kunstprojekt offene Türen

Madeira – Funchal – Altstadt – Kunstprojekt offene Türen

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Madeira - Funchal - Altstadt - Kunstprojekt offene Türen

Madeira – Funchal – Altstadt – Kunstprojekt offene Türen

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Madeira - Funchal - Altstadt - Kunstprojekt offene Türen

Madeira – Funchal – Altstadt – Kunstprojekt offene Türen

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Am Rande der Altstadt liegen die Markthallen (Mercado dos Lavradores), deren Besuch lohnenswert ist. Hier werden unzählige Früchte, Gemüsesorten und Blumen angeboten, im hinteren Teil, ein wenig tiefer gelegen, findet der Fischmarkt statt.
Es ist einfach ein schöner Anblick, man darf auch gern probieren. Die Preise sind dort eher auf der höheren Seite …
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Madeira - Funchal - Markthallen (Mercado dos Lavradores)

Madeira – Funchal – Markthallen (Mercado dos Lavradores)

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Madeira - Funchal - Markthallen (Mercado dos Lavradores)

Madeira – Funchal – Markthallen (Mercado dos Lavradores)

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Madeira - Funchal - Markthallen (Mercado dos Lavradores)

Madeira – Funchal – Markthallen (Mercado dos Lavradores)

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Madeira - Funchal - Markthallen (Mercado dos Lavradores)

Madeira – Funchal – Markthallen (Mercado dos Lavradores)

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Richtung Westen wird Funchal moderner. Ein Mix aus Altbestand und neuen Bauten, die sich ihren Platz dazwischen erobert haben. Entweder, weil noch ein Lücke da war, oder, weil nach Abriss Raum für z. B. ein
Hotel entstand. Dennoch bleibt Platz für Grün …
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Madeira - Funchal - Kleine Schluchten auch in der Stadt ....

Madeira – Funchal – Kleine Schluchten auch in der Stadt ….

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… und kleine Gassen bestehen weiterhin.
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Madeira - Funchal (Gasse mit aufgehängten, aufgespannten Regenschirmen)

Madeira – Funchal

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Madeira - Funchal - Kunst in der Altstadt

Madeira – Funchal – Kunst in der Altstadt

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Schöne Parkanlagen lockern immer wieder das Bild auf, die Straßen der Stadt sind häufig baumgesäumt.
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Madeira - Funchal

Madeira – Funchal

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Madeira - Funchal - Mitten in der Stadt einen Leberwurstbaum (Kigelia africana) entdeckt!

Madeira – Funchal – Mitten in der Stadt einen Leberwurstbaum (Kigelia africana) entdeckt!

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Wenn die Avenida Arriaga im April mit ihren zu beiden Seiten blühenden Jacaranda-Bäumen die Straße mit  luftigen blasslila Wolken überzieht, muss das ein grandioser Anblick sein …
Hin und wieder streift der Blick ein Hotel, ansonsten Geschäfte, Wohnhäuser, die Kathedrale (momentan mit eingerüstetem Turm), Banken, Museen, Cafés und Restaurants, Ticketshops, Souvenirläden, Dienstleistungsgeschäfte, ein Einkaufszentrum.
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Madeira - Funchal - Banco de Portugal und Avenida Arriaga mit Madeiras Entdecker Zarco

Madeira – Funchal – Banco de Portugal und Avenida Arriaga mit Madeiras Entdecker Zarco

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Madeira - Funchal

Madeira – Funchal

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Madeira - Funchal - Das Militärmuseum unten am Hafen ...

Madeira – Funchal – Das Militärmuseum unten am Hafen …

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Entlang des Hafens führt die Avenida do Mar mit der neuen Uferpromenade. Das ganze Geröll, was bei dem schweren Unwetter im Jahr 2010 den Hang heruntergerutscht kam, wurde am Hafen aufgestaut und genutzt. Als Untergrund z. B. für einen weiteren Anleger und die neuen Terrassen …
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Madeira - Funchal - Am Hafen - Promenade

Madeira – Funchal – Am Hafen – Promenade

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Madeira - Funchal - Die neuen Terrassen (Stufen) am Hafen ...

Madeira – Funchal – Die neuen Terrassen (Stufen) am Hafen …

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Madeira - Funchal - Hafen - Im Hintergrund das Design Centre

Madeira – Funchal – Hafen – Im Hintergrund das „Design Centre“

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Madeira - Funchal - Yachthafen

Madeira – Funchal – Yachthafen

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Dieser Herr darf natürlich auch nicht fehlen. Fußballer Cristiano Ronaldo, geboren in Funchal auf Madeira.
Es gibt hier ein eigenes Cristiano Ronaldo Museum (CR7)! Haben Sie es mitbekommen? Seit ein paar Tagen (Ende März 2017) trägt sogar der Flughafen seinen Namen! Man ist stolz auf ihn und zeigt jedem Fremden die Statue, die seit drei Jahren am Hafenrand zu finden ist …
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Madeira - Funchal - 2,40 m groß -Cristiano Ronaldo (Bildhauer: Ricardo Velosa, 2014)

Madeira – Funchal – 2,40 m groß -Cristiano Ronaldo (Bildhauer: Ricardo Velosa, 2014)

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Fußball gibt es auf der Insel seit 1875. Sie wissen, dass Engländer eine sehr enge Bindung zur Insel haben. Einer der englischen Übersiedler, der sich Mitte des 19. Jahrhunderts auf Madeira dauerhaft niederließ, schickte seinen Sohn zum Studium nach England. Der schnappte dort das Spiel samt seiner Regeln auf und – begeistert wie er war – exportierte er es bei seiner Rückkehr auf die Atlantikinsel.
Madeirer sind ziemlich fußballverrückt. Weiter oben am Hang in Funchal gibt es ein großes Stadium (Estadio da Madeira) und gleich drei Vereine spielen in der ersten portugiesischen Liga. Das Stadion hat übrigens auch zu weiten Teilen Ronaldo finanziert. 5 500 Zuschauer finden auf den Sitzplatztribünen an beiden Längsseiten des Spielfelds Platz.
Sie erinnern sich noch, dass Madeira kleiner als Rügen ist? Ein großes Stadion? Nötig? Aber klar! Der kickende oder fußballaffine „Funchalese“ braucht es einfach.

Der Hafen

Funchals Hafen wird seit beinahe einem Jahrhundert von Fahrgastschiffen angelaufen, die ihre Fahrgäste zur Blumeninsel transportieren. Nur in den Anfängen existierten keine richtigen Kais und auch die Mole fehlte! Die Schiffe mussten auf Reede vor Anker gehen. Das, was wir bereits als Kreuzfahrttourismus bezeichnen würden, kam in den 50er Jahren auf und nahm seitdem kontinuierlich zu. Heutzutage steuern jährlich mehr als hundert Kreuzfahrtschiffe Funchal an. Sie legen im durch die Mole geschützten Hafenbecken an, haben allerdings auch Anlegestellen außerhalb dieser Zone. Der Kai 8 liegt beispielsweise offen zum Meer – was jetzt eigentlich wieder eine Verlängerung der Mole notwendig machte, da Kai 8 im Herbst und Winter starken Winden ausgesetzt ist und das Meer (gelinde gesagt) zu der Zeit „sehr bewegt“ ist. Nicht ganz ungefährlich, nicht einfach für die Crew und überhaupt nicht angenehm für die mitfahrenden Schiffspassagiere.
Manch Kreuzfahrerkapitän weigert sich, Madeira anzulaufen, wenn er unter widrigen Wetterverhältnissen genau diesen Kai zugewiesen bekommt.
Sie merken, nicht nur der Flughafen (siehe Part 1)  hat so seine Besonderheiten und riskanten Situationen in bestimmten Wetterlagen, auch der Hafen ist eben der einer Insel, die mitten im rauen Atlantik liegt.
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Madeira - Kreuzfahrertreffen im Hafen von Funchal

Madeira – Kreuzfahrertreffen im Hafen von Funchal

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Madeira - Funchal - Hafenanlagen

Madeira – Funchal – Hafenanlagen (Die Mole könnte zum Schutz der Anleger schon wieder länger sein …)

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Im äußersten Westen Funchals, zum Kreis Funchal gehörend, liegt São Martinho. Hier befindet sich der Küstenabschnitt mit dem Lidos (Meeresschwimmbad), und es entstand zu beiden Seiten der langen Estrada Monumental ein großes, mehr oder weniger reines Hotelviertel.
Sollten Sie eine Bleibe in Funchal suchen, so können Sie zwar davon ausgehen, dass Sie in einem dieser modernen Gebäude renommierter Hotelketten sicherlich eine hervorragende Ausstattung finden, vermutlich einen guten Service und zumindest in der ersten Baureihe direkt am Wasser einen sagenhaften Atlantikblick genießen können – nur untergebracht in so extrem dicht gebauten, hohen Anlagen, die oft schneller wuchsen als mageres Restgrün in den verbliebenen Betonritzen drumherum, zudem zusammengeballt hausend in einem reinen Touristengebiet … Man muss es mögen.
Die einzelnen Hotels, die in der Stadt verstreut angesiedelt sind, wirken in der Hinsicht persönlicher, gemütlicher.

Sie merken, die Stadt ist vielseitig und vielfältig. Altes und Neues vermischt sich größtenteils gekonnt, Land-
schaftsformung, Vegetation und wohltuendes Klima tun ein Übriges. Bei allem Vorantreiben des Tourismus muss man sich vor Ort nur vor Augen halten, was Funchal besonders und liebenswert macht. In welchem Ausmaß sind immer neue Besucherattraktionen notwendig, und müssen sich Denkfehler und vor allem Bausünden, wie man sie teilweise von den Kanarischen Inseln kennt, hier wirklich erst wiederholen …?

Im Westen werden wir beim nächsten Mal starten, nicht um die riesigen Gebäudekomplexe zu betrachten, sondern um an der Küste Richtung des alten Fischerdorfes Câmara de Lobos zu spazieren. Dabei wird u. a. das Thema Baden eine Rolle spielen. Gibt es auf Madeira Strände oder gibt es sie nicht? Und wenn es schon
in ein Fischerdorf geht, stellt sich die Frage: Was fischen die eigentlich? Und was machen die Madeirer noch
so auf ihrer Insel? Wie pflanzt man bloß, wenn das Grundstück ein steil ansteigender Hang ist?

Demnächst mehr dazu in Bom dia, MADEIRA – Part 4.

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Ein kleiner Gruß bis dahin mit einem Schatten-Selfie …
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Madeira - Funchal - Schattenselfie mit dem Gemahl bei alten Fundamentresten ...

Madeira – Funchal – Schattenselfie mit dem Gemahl bei alten Fundamentresten …

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Bis bald!

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© by Michèle Legrand, April 2017
Michèle Legrand

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47 Kommentare

Neue Blogserie: Bom dia, MADEIRA! – Part 1: Atlantikinsel voraus …

Seit einigen Tagen bin ich zurück von Madeira. Verblüffend vielfältig! Das fällt mir spontan ein, wenn ich an die Insel zurückdenke. Waren Sie schon dort? Falls nicht, können Sie Madeira im Laufe der nächsten Zeit via Blog näher kennenlernen.
Heute startet eine kleine Serie, in der es um die Atlantikinsel gehen wird. Wenn Sie hier bei mir bereits ein wenig länger mitlesen, dann ahnen Sie, dass es auch diesmal nicht auf ein bloßes Ansteuern der typischen Touristen-
ziele hinausläuft, sondern dass ebenso Dinge einen Platz finden werden, über die man im Vorbeigehen stolpert. Oder die aus einem unerfindlichen Grund beeindrucken. Dazu gesellen sich Unterschiede oder aber Gemein-
samkeiten, die auffallen. Wenn es passt, werde ich Zusammenhänge erwähnen. Die Erzählungen der Ein-
heimischen bringen doch manches Mal Licht in eine Sache oder etwas lässt sich plötzlich von mehreren Seiten betrachten.

Schließen Sie sich gern an, wenn es ums Fühler ausstrecken, um eine erste Erkundung der Insel geht, wenn Funchal, die Inselhauptstadt sich präsentiert, wenn Gärten, Gebirgslandschaften, die Steilküste, Lavabecken, Lorbeerwälder u. v. m. einladen oder es sich zwischendurch um das Leben, den Alltag und das Auskommen der Madereinser (auch: Madeirer) dreht.

Weil Madeira so vielseitig ist, bietet sich ein Blogmehrteiler an, der wie immer meine persönlichen Eindrücke und Gedanken(sprünge) wiedergibt und somit weder ein reiner Bericht noch ein weiterer Reiseführer und keines-
wegs objektiv ist. Sie wissen also, worauf Sie sich einlassen.

Heute findet die erste Annäherung an die Insel statt. Mir ist immer danach, für neues Terrain zunächst ein Ge-
fühl zu entwickeln. Für seine Entfernung, seine Lage, die groben Umstände. Sie reisen also mit mir an. Und den Auftakt vor Ort macht der Flughafen, der für mich wirklich ein Thema für sich ist …

Lassen Sie uns beginnen!
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Madeira - Ostküste mit Adlerfelsen

Madeira – Ostküste mit Adlerfelsen

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Bom dia, MADEIRA! – Part 1: Atlantikinsel voraus …

Irgendwann im Januar haben der Gemahl und ich beschlossen, so geht das nicht weiter, wir nehmen Reißaus. Wochenlanges Grau im Norden, Kälte, nur Erkältungskranke um einen herum, keine Besserung in Sicht. Auf der Suche nach milderen Temperaturen und ein bisschen Blau am Himmel fiel die Wahl des Reiseziels auf Madeira.
Im Laufe der Jahre war der Name der Insel bei der Urlaubsplanung bereits hin und wieder gefallen. Immer wenn wir es gegenüber anderen, Menschen, die schon dort gewesen waren, erwähnten, fiel die Reaktion bzw. Beurteilung der Insel überraschend unterschiedlich aus.
Es gab die enttäuschten Einmalurlauber genauso wie die notorischen, weil schwer begeisterten, Wiederho-
lungstäter. Madeira for ever! Ich selbst habe vor Ankunft bewusst keine präzise Vorstellung, geschweige denn eine feste Erwartung, doch was mir nach Gesprächen über die Insel hängenblieb, sind einerseits die Begriffe mild, viele Blumen, schön grün, andererseits solche Aussagen wie: „Da werden jeden Tag Unmengen von Rentnern von den endlos eintreffenden Kreuzfahrtschiffen ausgespuckt und fallen dann heuschreckenartig in Funchal ein.“ Überhaupt soll das ältere Publikum bei den Touristen in der Mehrzahl sein.
Meine verstorbene Schwiegermama fand es vor Jahrzehnten etwas enttäuschend, weil „die Wege so steil waren“ und „gar nicht so viel blühte, wie sie gesagt haben“. Gelegentlich wird bemängelt, dass „überhaupt kein netter Sandstrand“ existiert. Mein ehemaliger Chef, der Anfang der Achtzigerjahre im (deutschen) Winter dort seinen Urlaub verbrachte, kam wiederum aus dem Schwärmen nicht heraus. „Es gibt so viel zu entdecken! Angenehmes Klima, tolle Natur – man kann herrlich laufen!“
Die Ausgangslage ist spannend. Wir werden im Laufe der Serie sehen, was zutrifft und was eher nicht.

Wo liegt eigentlich dieses manchmal als Blumeninsel, als Perle im Atlantik, Paradiesinsel oder gelegentlich als Insel des ewigen Frühlings beschriebene Madeira?

Denken Sie sich nach Nordafrika, an die marokkanische Atlantikküste. Etwa auf halber Strecke zwischen Casablanca und Marrakesch befindet sich die Stadt Safi. Wenn Sie am Strand von Safi auf den Atlantik hinaussehen, liegt Madeira ziemlich genau gegenüber. Allerdings 727 km entfernt. Luftlinie. Selbst mit Adleraugen haben Sie keine Chance, Land in der Ferne zu erblicken. Es wäre so, als würden Sie versuchen, von Flensburg an der dänischen Grenze durch ganz Deutschland südwärts bis fast nach Basel (CH) zu schauen.
Von den Kanarischen Inseln wiederum Richtung Norden geblickt, sind es je nach Insel lediglich etwa 450 km. Nahezu ein Klacks, jedenfalls gegenüber der mehr als doppelten Distanz (974 km Luftlinie), die die zu Portugal zählende Insel vom heimatlichen Festland und der Hauptstadt Lissabon entfernt liegt. Bei dem großen Abstand ist es absolut berechtigt und mit Sicherheit hilfreich, zumindest den Status einer autonomen Region zu haben.
Hamburg hat übrigens auch ein Eiland im Meer! Die Insel Neuwerk draußen westlich von Cuxhaven in der Nordsee. Allein. Völlig für sich. Rund 100 km von der Hansestadt entfernt gelegen, gehört sie dennoch zum Bezirk Hamburg-Mitte. Unser Madeira. Mit Watt. Doch das nur nebenbei. …

Madeira also ein autonomes Gebiet mitten im Atlantik und besonders im Osten der Insel unter dem Einfluss des Golfstroms. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs und Teil eines Archipels, zu dem noch einzelne kleinere Nebeninseln gehören. Die letzten vulkanischen Aktivitäten sind Urzeiten (über 6400 Jahre) her, da ist nichts mehr zu erwarten, doch die Ausbrüche haben gewaltige Spuren hinterlassen. Spuren in Form von schroffen Bergmassiven, die im Osten und Westen jeweils im Inselinneren ihre höchsten Punkte haben. Dort hat die Landschaft den Charakter eines Mittel- und Hochgebirges (inklusive eines Hochplateaus im Westteil), während es speziell zur Ost- und Südostküste hin etwas großzügiger, offener erscheint, jedoch immer noch in veritablen Hängen ausläuft und Klippen am Wasser das Bild bestimmen. Sie werden davon später mehr sehen.
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Madeira - Westteil der Insel (Landesinnere, Bergmassiv nahe Paúl da Serra)

Madeira – Westteil der Insel (Landesinnere)

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Nach unten, also ins Meer hineingeblickt, ist noch lange nicht Schluss! Die sichtbare Insel ist ja nur der oberste Teil des Vulkansystems. Dreiviertel befindet sich aber unter Wasser! Sie können wegen der in der Tiefe zunehmenden Dunkelheit nur gar nicht sehen, wo eigentlich Ende ist.
Manche fragen sich, ob so große Schiffe wie zum Beispiel die QUEEN MARY 2, die nicht gerade wenig Tiefgang hat, eine derart kleine Insel wie Madeira anlaufen kann. Klar, kann sie das! Kein Problem beim Anlegen an der langen Hafenmole. Die Meerestiefe rund um Madeira beträgt 4 000 bis 5 000 m!
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Madeira - Hafeneinfahrt Funchal (mit Mole rechts)

Madeira – Hafeneinfahrt Funchal (mit Mole rechts)

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Als Hauptinsel für sich gesehen, misst Madeira 741 km². Ohne Vergleich kann man sich das nie so recht vorstellen. Haben Sie Rügen vor Augen? Madeira ist von der Fläche her ein wenig kleiner als die Ostseeinsel (926 km²). Wenn Sie eher von der Größe Sylts eine Vorstellung  haben, dann binden sie Sylt (mit knapp 100 km² Fläche) gedanklich einfach sieben bis acht Mal aneinander oder – um noch einmal zur Insel vor Cuxhaven zurückzukommen – Sie könnten genauso gut 247 kleine Neuwerks (à 3 km²) auf Madeira unterbringen.

Jetzt stellen Sie sich noch vor, dass die Insel von links nach rechts 57 km breit ist und von oben nach unten 22 km. An der Südküste liegt die Inselhauptstadt Funchal und 15 min. mit dem Auto entfernt östlich davon befindet sich bei Santa Cruz der Flughafen.

Apropos Fliegen. Einer meiner Reisesitznachbarn sprach mich beim Einsteigen in Hamburg an.
„Sitzen Sie am Fenster oder im Flur?“
Das gab mir trotz der bevorstehenden Flugstrecke von 3 145 km ein irgendwie heimeliges, behagliches Gefühl. Gedanklich war es jetzt nicht mehr weit zum Wohnzimmer. Was doch die Wortwahl ausmacht … Der Nachbar fiel nachträglich selbst über seinen Ausdruck.
Zwei Stunden später, die Monitore waren über den Sitzen an der Decke ausgeklappt, raunte ich mich ihm zu: „Darf ich Sie kurz stören und aus Ihrem Fernsehsessel bitten? Ich würde gern ins Bad … “  Ich erntete nach dem ersten Erstaunen ein Grinsen.

Zurück zur Insel, der wir uns nähern. Ein Landeanflug auf Madeira ist eine Sache für sich. Wussten Sie, dass der Flughafen von Funchal immer noch als einer der am schwierigsten anzufliegenden und somit auch als einer der Sorte „gefährlich“ gilt? Das heißt nicht notgedrungen, dass dort tatsächlich mehr passiert, doch bestimmte Umstände machen besondere Kenntnisse und Fähigkeiten erforderlich.
Wenn Sie nach etwa viereinhalb Stunden Flugzeit im Landeanflug auf die Insel sind, dann hat ein Teil des Sinkflugs bereits entlang der marokkanischen Küste nordöstlich von Madeira begonnen. Die Maschine biegt in Höhe der Insel quasi nur noch nach rechts ab. Sie haben bald einen sehr schönen Blick auf die Berge und fliegen ein Stück parallel zur Südküste Madeiras, über den Flughafen hinaus, Richtung Funchal. Die Landepiste befindet sich direkt neben dem Berghang, läuft parallel zum Ufer.
Immer noch draußen über dem Meer, inzwischen jedoch bei Funchal angekommen, fliegt der Pilot eine ziemlich enge Rechtskurve, in der sich die Maschine samt ihrer Flügel wirklich schräg stellt (und Sie reichlich schief in der Luft hängen), um nach dieser Wende die Landebahn anzupeilen. Viel Zeit zum endgültigen Herunter-
kommen ist nicht und viel Platz ebenfalls nicht, weder nach links zum Hang noch nach vorne zum Flughafen – und vor allem nicht bis zum Erreichen des Endes der Landebahn!
Der Pilot muss dabei in dieser Phase extrem auf Fallwinde achten und mit Windscherungen rechnen. Während dieses gesamten Quer- und Endanflugs fliegt er auf Sicht, denn über ein Instrumentenlandesystem verfügt der Flughafen von Funchal gar nicht.
Sie werden vielleicht einwenden, ja, aber es gibt doch immer noch die Lichter auf der Start- und Landebahn oder die Anflugbefeuerung. Anflugbefeuerung? Wo denken Sie hin! Dort, wo die eigentlich ihren Platz hat, ist in Funchal der Atlantik.
Wasser? Direkt neben … hinter …?
Ja, denn man hat die Landepiste mehrfach, zuletzt im Jahr 2000 von 1 781 auf 2 777 Meter verlängert, damit angesichts des wachsenden Touristenzustroms auch größere Maschinen in Funchal landen können. Nur für diese letzte Erweiterung standen die Madeirer vor einem enormen Problem: Das Land war dort, wo es gebraucht wurde, zu Ende! Es ging nicht weiter.
Eine Idee musste her. Aus der Idee wurde ein Plan und eine Wahnsinnskonstruktion entstand. Man verlängerte an der Klippe direkt in eine Bucht hinein indem man insgesamt 180 hohe Betonpfeiler als Stelzenträgerwerk setzte und darauf eine 180 m breite Bahn mit einer Gesamtlänge von 1 020 m errichtete.
Sie können heute teilweise mit dem Auto darunter durch fahren, dann wird erst bewusst, um was für ein Riesenunterfangen es sich handelt. Pfeiler mit drei Metern Durchmesser, die knapp 60 Meter oberirdisch zu sehen sind. Der Rest der bis zu 120 m langen Stelzen verschwindet unterirdisch oder ist in der Bucht im Meeresboden verankert.
Die Einheimischen sprechen angesichts des Aufwands und der Kosten, die bei diesem Projekt entstanden,
gern vom „Bau der zweiten Kathedrale Madeiras“.
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Madeira - Mit dem Bus unter der Landepiste des Flughafens .... (Betonstelzen)

Madeira – Mit dem Bus unter der Landepiste des Flughafens ….

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Nun ist der Runway zwar länger, doch dafür kommen auch größere Maschinen, die entsprechend mehr Piste benötigen. Viel einfacher ist es für die Piloten deshalb nicht geworden. Daher ist es nach wie vor vorge-
schrieben, dass nur der Kapitän selbst landen darf und dass jeder Pilot, der vorhat Funchal anzufliegen, ein Spezialtraining durchlaufen und nachweisen muss.
Was denken Sie, was passiert, wenn es nicht auf Anhieb klappt und der Pilot durchstartet und hochzieht, um es erneut zu versuchen. Darf er das endlos? Bis die Landung irgendwann erfolgreich verläuft? Nein, auch dafür existiert eine Regel. Höchstens sechs Versuche. Wenn es dem Flugkapitän bis dahin nicht glückt, muss er leider wieder zurück bis zum Festland.

Ich hoffe, bei Ihnen ist jetzt vorrangig die Neugier auf den Flughafen geweckt. Nicht, dass Ihnen die neuen Kenntnisse den Mut nehmen, auf dem Luftweg nach Madeira zu gelangen. Die Insel ist doch ein sehr beliebtes und häufig angeflogenes Ziel. Somit haben die Piloten inzwischen einige Übung. An meinem Abflugtag waren
es weitere 17 große Maschinen, die allein ab Mittag Funchal noch verlassen sollten und zwangsläufig ja irgendwann davor auch sicher gelandet sein müssen.

Eine Alternative zum Fliegen wäre die Ankunft mit einem Schiff. Entweder mit einer gelegentlich zwischen den Kanarischen Inseln und Madeira verkehrenden Fähre oder aber per Kreuzfahrtschiff …
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Madeira - Hotelblick - Der Hafen von Funchal mit Kreuzfahrtschiffen ...

Madeira – Hotelblick – Der Hafen von Funchal mit Kreuzfahrtschiffen …

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Kreuzfahrtschiffe und der Hafen von Funchal werden uns in einem der nächsten Teile der Blogserie ein weiteres Mal begegnen, doch für heute verabschiede ich mich von Ihnen.
Seien Sie gern beim nächsten Mal wieder mit dabei, wenn die ersten Schritte auf der vielseitigen Perle im Atlantik angesagt sind!

Fortsetzung folgt.

 

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© by Michèle Legrand, März 2017
Michèle Legrand

 

 

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Glückstadt: Elbluft und ein Test …

Zeit für einen kleinen Plausch? Ich habe nichts Weltbewegendes, völlig Umwerfendes für Sie aus dem Ärmel
zu schütteln, aber ich hätte gerade welche. Zeit, meine ich. Und Lust auf eine nette Unterhaltung. Sollte das
bei Ihnen auch der Fall sein, rutschen Sie gern näher.

Sind Sie bei Facebook aktiv? Ja? Haben Sie auch schon festgestellt, dass man sich dort von Betreiberseite
her große Mühe gibt, mit Ihnen zu kommunizieren, dabei mehr und mehr dazu übergeht, Sie sehr persönlich anzusprechen, um dadurch eine Art Beziehung – oder nennen wir es eher Bindung – aufzubauen?
„Guten Tag, Michèle“, heißt es zum Beispiel, sobald ich mich einloggt habe, „wie geht es dir?“ „Hallo Michèle, was machst du gerade?“ Immer mit namentlicher Ansprache. Vergleichbar mit der Serienbrieffunktion bei herkömmlicher Briefmassenpost. Gleicher Text an alle, jedoch geänderter Name. Des Empfängers im Adressfeld, der Anspracheform im gesamten Text. Personifizierung. Vertraulichkeit. Ankuscheln …
Facebook bezeichnet sich selbst immer als „wir“.
„Wir haben uns gedacht, du würdest dich und deine Freunde vielleicht gern an Ereignis XYZ von vor vier
Jahren erinnern. (Ein Uraltpost ist bereits herausgekramt.) Teile mit deinen Freunden … “
„Uns ist aufgefallen, dass du dein Profilfoto seit Langem nicht geändert hast. Michèle, willst du nicht deinen Freunden …?“ Anschmeicheln. Neues herauskitzeln …
Oder man hat Tipps, die mir das Leben und den Alltag erleichtern sollen.
„Hallo Michèle, morgen soll es in Hamburg regnen. Packe lieber deinen Regenschirm ein.“

Ist das nicht rührend? (Sekunde … mein Taschentuch …) Wie für einen gesorgt wird? Der Mensch benötigt in Zukunft bald wirklich keine realen Freunde mehr. Die sind völlig überflüssig. (Die Ironie kommt durch, oder?)
Bei mir können die Wir-Poster lange auf eine Reaktion warten, ich schreibe, wann ich lustig bin und teile nach eigenem Ermessen. Und wenn mein Foto fünf Jahre alt ist, dann ist das eben so.

Um auf die Wettervorhersage zurückzukommen, die ist bekanntlich nicht immer das Gelbe vom Ei. Am Montag herrschte wider Erwarten richtig Sonnenschein – angekündigt waren Regen und vereinzelte Schneeregen-
schauer. Auf diese Vorhersage vertraute auch mein fürsorgliches soziales Netzwerk. Ging ihr auf den Leim!
Tja, liebe WirPoster, und nun? Was mache ich jetzt mit dem Schirm? Für diesen Fall wäre irgendwo ein per-
sönliches Schließfach zwecks Ablage gar nicht schlecht.

Letzten Sonnabend wiederum fuhr ich mit einer Dauersonnenscheinankündigung der Wetterfrösche im Gepäck Richtung Glückstadt. Und die angepriesene Sonne? Untergetaucht. Oder sie hatte sich heillos verirrt. Blinzelte jedenfalls bis zum späten Nachmittag lediglich dreimal versuchsweise jeweils für knapp fünf Minuten uninspiriert durch ein Miniaturwolkenloch, und das war’s dann gewesen.
Nichtsdestotrotz empfand ich es als feine Sache, Elbluft zu schnuppern! Graue Wolken hin oder her.
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Elbe bei Glückstadt mit Deichvorland (Niedrigwasser)

Elbe bei Glückstadt

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Sie werden sich vielleicht wundern. Warum fährt sie dafür nach Glückstadt? Elbluft gibt es doch in Hamburg auch! Der Fluss fließt doch quasi vor der eigenen Haustür …
Ja, schon, das ist aber anders!

Hamburg bedeutet Großstadt. Um die 1,8 Mio. Einwohner. Großstadt mit Hafenbetrieb, mit Gewerbe und Industrie, mit Verkehr nahezu rund um die Uhr und einem dementsprechend hohen Lärmpegel. Hamburg hat Stadtluft. So gern ich meine Stadt generell habe, im Winter fehlt das Grün. Als Farbklecks, als Luftfilter, als Lärmschutz. Bei Kahlheit und dazu permanent grauem Wetter wie in diesem Winter, verliert jede Großstadt enorm von ihrem Charme. Draußen zumindest.
Zudem herrscht hier – völlig wetterunabhängig – immer Trubel, am Wochenende speziell an Elbe und Alster. Einheimische, Besucher und Touristen machen sich alle gleichzeitig auf den Weg. Die einen zum Entdecken und Besichtigen, die anderen zum Spazieren, zum Joggen, Radeln, Hund ausführen etc.

Glückstadt hingegen ist selbst im Winter ein hübsches, kleines, exakt 400 Jahre altes Städtchen mit nur etwa 12.000 Einwohnern sowie einer charmanten Altstadt. Viele historische Gebäude, alles sehr gepflegt. Extrem gut geeignet für kurzzeitiges Stadtflüchten, ebenso geschätzt mittlerweile allerdings auch als Wohnsitz von Pendlern, die den Wert der Ruhe kennen. Ich erzähle Ihnen ein anderes Mal mehr davon. Heute nur soviel:

Glückstadt liegt ca. 60 km (nord)westlich von Hamburg direkt an der Elbe. Es gibt einen Außenhafen, zusätz-
lich einen durch ein Sperrwerk abgetrennten Binnenhafen, und der Tourismus hält sich im Winter sehr in Grenzen.
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Glückstadt an der Elbe - Hafenbereich

Glückstadt an der Elbe – Hafenbereich

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Die Luft ist spürbar besser, man merkt es sofort bei der Ankunft. Ganz besonders fällt es jedoch bei der Rückkehr in die Großstadt auf! Der Fluss hat hier draußen inzwischen immerhin eine Breite von fast drei Kilometern, Elbmündung und Nordsee liegen nur noch 50 km entfernt, und landschaftlich ist das alles natürlich ebenfalls ein ganz anderes Ding.
Drumherum weite Flächen mit Ackerland und Wiesen, Begriffe wie Engelbrechtsche Wildnis oder Blomesche Wildnis deuten schon an, dass man mit Riesenandrang eher nicht rechnen muss. Das Flüsschen Herzhorner Rhin, das später als Rhin mit dem Schwarzwasser zusammen den Glückstädter Binnenhafen bildet und dort in die Elbe mündet, schlängelt sich durch die Region.
Grasbewachsene Deiche und etwas Vorland schützen Stadt und Einwohner vor Elbhochwasser und Über-
schwemmungen. Von Frühjahr bis Herbst ziehen Schafe über diese Grünflächen. Lebende Rasenmäher …
Hinter dem Deich die Elbe, ruhig, gelassen wirkend, denn eine schmale, parallel zum Ufer liegende, langge-
streckte Insel, die Rhinplate, befindet sich direkt vor der Stadt mitten im Strom. Sie unterteilt den Fluss optisch, trennt gleichzeitig Glückstadt von der tiefen Fahrrinne. Das Fahrwasser der großen Pötte, die Hamburg an-
laufen oder den Hafen Richtung Nordsee verlassen, liegt nämlich zur anderen Seite, im Bereich zwischen der Insel und dem niedersächsischen Ufer.
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Glückstadt - Elbe - Gut zu erkennen, dass die Fahrrinne hinter der Insel verläuft ... (Frachter durch Lücke zu erkennen)n?

Glückstadt – Elbe – Gut zu erkennen, dass die Fahrrinne hinter der Insel verläuft … Sie sehen den Frachter durchblitzen?

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Diese spezielle Lage Glückstadts ist übrigens mit ein Grund dafür, dass es nie so recht geklappt hat mit dem Vorhaben, eine Art Konkurrenzhandelsplatz zu Hamburg zu werden. Mit einem konkurrierenden Hafen an der Unterelbe. Der ließ sich einfach nicht so ideal und vor allem tief genug ausbauen.
Dennoch können hier heute immerhin Frachter bis 130 m Länge, 16 m Breite und mit bis zu 5,80 m Tiefgang den Außenhafen anlaufen. So kann doch einiges vor Ort umgeschlagen werden.
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Glückstadt an der Elbe - Leitfeuer Nordmole

Glückstadt an der Elbe – Leitfeuer Nordmole

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Vielleicht ist Ihnen auch die Fährverbindung von Glückstadt (Schleswig-Holstein) nach Wischhafen (Niedersachsen) ein Begriff. Schon selbst genutzt? Oder in den Verkehrsnachrichten davon gehört?
Die Anlegestelle liegt von Glückstadt aus gesehen bereits ein Stück elbabwärts, doch muss die Fähre beim Übersetzen nach Wischhafen immer noch in einem Bogen um die Inselspitze (links im Bild) herum fahren …
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Glückstadt (Elbe) - Hinten rechts der Anleger der Fähre Glückstadt-Wischhafen mit gerade ablegender Fähre, links die Insel Rhinplate und Frachtverkehr

Glückstadt (Elbe) – Hinten rechts der Anleger der Fähre Glückstadt-Wischhafen mit gerade ablegender Fähre

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Wenn Sie ganz genau hinschauen, erkennen Sie trotz Dunst sogar die zwei sich begegnenden Frachter im Elbfahrwasser. (Ein Klick aufs Bild vergrößert die Ansicht.)

In Planung ist eine Autobahn als Nord-Süd-Verbindung. Ihr würde als Elbquerung natürlich die kleine Fähre nie reichen. Die Neubaustrecke wird einen Tunnel zur Unterquerung der Elbe erhalten.

Mich führen seit Spätherbst letzten Jahres familiäre Gründe nach Glückstadt, was mich sehr freut, und am Sonnabend hatte ich die Gelegenheit, einen für mich interessanten Test zu starten. Ich fuhr am selben Tag die Hinstrecke mit dem Zug, legte jedoch den Rückweg am Steuer meines Autos zurück. So hatte ich die Chance, unmittelbar zu vergleichen:
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.                   .Wie gelangt man besser ans Ziel? Per Auto oder per Bahn?

Eine Frage, die sich derart allgemein gehalten mit Sicherheit nie beantworten lässt. Es hängt von so vielen Faktoren ab. Hier wird es jedoch interessant, weil eine Strecke zur Verfügung steht, die einen Vergleich zulässt, während sonst meist schon Gründe wie schlechte Verbindung, häufiges Umsteigen, lange Fahrtdauer, mühsamer Gepäcktransport, keine Möglichkeit vom Endbahnhof zum eigentlichen Ziel zu gelangen etc. schnell die Bahnreise von vornherein als den Testverlierer darstellen.
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Glückstadt - Elbe - Leitfeuer Südmole

Glückstadt – Elbe – Leitfeuer Südmole

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Hamburg und Glückstadt bieten sich deshalb als Versuchsstrecke an, weil sich – ob per Zug oder Auto – zunächst zeitmäßig kein allzu großer Unterschied ergibt. Außer, sie leben bereits im Westen Hamburgs
und sind daher sofort an der Autobahnauffahrt.
Ansonsten müssen sie jedes Mal erst durch Hamburgs dichten Stadtverkehr, um auf die Autobahn (A23)
zu gelangen. Später hinter Elmshorn geht es von der Autobahn ab. Für die restliche Strecke Richtung Elbe
stehen Land-/Bundesstraße zur Verfügung.
Per Zug gibt es ab Hamburg eine Direktverbindung und genügend Regionalbahnen, die täglich via Glückstadt Richtung Itzehoe aufbrechen bzw. die Gegenrichtung bedienen. Selbst am Wochenende.
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was heißt eigentlich „besser“ ans Ziel kommen. Ich definiere es für mich einfach als ruhiger, entspannter. Und unter dem Aspekt geht für mich die Bahn als klarer Sieger dieses Wettbewerbs hervor!
Was habe ich es genossen, nicht überall im Stau zu stecken! Stattdessen abschalten, Beine ausstrecken, Gedanken freien Lauf lassen, hinaussehen. Keine Kuppelei, kein Stop and Go, keine mühsame Schlängelei durch einspurige Autobahnbaustellenbereiche.
Und vor allem, was kann man alles während der Bahnfahrt stattdessen machen oder einfach von außen aufnehmen. Was entdeckt man nicht alles unterwegs! Dinge, die einem konzentriert fahrenden, gestressten Autofahrer verborgen bleiben – ganz abgesehen davon, dass er genau dort gar nicht lang käme.
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Glückstadt - Hafen - Wandverschönerung am Fischpark (Wandmalerei mit Wal und Taucher)

Glückstadt – Hafen – Wandverschönerung am Fischpark

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Fazit: Mit Ausnahme der Landstraßenabschnitte in Schleswig-Holstein, die für Autofahrer recht entspanntes Fahren bedeuten, würde ich für diese Strecke jederzeit wieder die Bahn bevorzugen. Autofahren im Hamburger Stadtbereich oder der Peripherie ist eben absolut kein Vergnügen und das Argument Zeitvorteil kommt hier nicht zum Tragen.

Wissen Sie, was von der Zugfahrt besonders hängengeblieben ist? Der unabgelenkte Blick ins Weite!
Dunst, der über Feldern und Äckern liegt und langsam aufsteigt. Der aufreißt und sich verflüchtigt.
Die Ausschau auf Wiesen mit hunderten von Maulwurfshügeln. Einer neben dem anderen. Ich frage mich ernsthaft, wie viele Maulwürfe dort aktiv waren oder anders herum gesagt, wie viele Haufen ein einzelner Maulwurf wohl üblicherweise aufwirft. Wo sein Revier endet und der Kollege am buddeln ist.
Faszinierend auch der Anblick des Bussards, der von einem Zaunpfosten abhob, aufstieg und nach ein paar Flügelschlägen bereits in den Gleitflug verfiel …

Auf Hamburger Gebiet war es eher der ungewohnt geballte Anblick von Malereien an Gebäuden und Wänden entlang der Strecke. Oft wirklich keine Schönheit, nur Tags oder wilde Kritzeleien. Manchmal dazwischen plötzlich fantasievolle Fassadenmalerei, lebhafte, farbenfrohe Graffiti und zwischendurch Aussagen wie diese:
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.              Och, nö …

.              Du bist. Bist du? Du bist du!

.            .Wir wollen die Freiheit der Welt und Straßen aus Zucker.
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Hinter Hamburg-Eidelstedt bzw. -Stellingen enden die vielen Kurven und Gleiswechsel und mit ihnen das ge-
fühlte Schleichen. Nun kann die Regionalbahn richtig Gas geben. Die Autobahn des Bahnreisenden beginnt, hier werden Kilometer geschafft. Und das Schöne im Zug, ich muss selbst nichts dafür tun …

In Elmshorn hält der Zug regelmäßig etwas länger im Bahnhof, wartet auf andere Züge und Umsteiger. Mich beschlich irgendwann das Gefühl, wir kämen gar nicht wieder los, was offenbar an etwas unschlüssigen Menschen auf dem Bahnsteig lag. Kurz darauf erklang die freundlich-mahnende Durchsage des Zugführers:

„Bitte entscheiden Sie jetzt: Entweder rein in den Zug oder im schönen Elmshorn bleiben!“

Gerumpel, sich schließende Türen, Abfahrt. Der trotz Freundlichkeit offenbar genügend energisch herüberkommende verbale Anstupser hatte Wirkung gezeigt.

In Glückstadt riss übrigens tatsächlich der Himmel später etwas auf! Bei diesem Stadtnamen vielleicht kein Wunder, sondern Programm? Geht es Ihnen auch so, dass es sich für Sie netter, positiver und wünschens-
werter anhört, wenn Sie verkünden, Sie fahren nach Glückstadt, als – beispielsweise – nach Kummerfeld oder Elend?
Nichts gegen Kummerfeld und Elend! Ich spreche nur vom Namen und vom Gefühl!
Ich würde mich magisch von Glückstadt angezogen fühlen …
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Glückstadt - Die Elbe bei Niedrigwasser ...

Glückstadt – Die Elbe bei Niedrigwasser …

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Jetzt habe ich Ihnen tatsächlich schon wieder viel mehr erzählt, als ich ursprünglich vorhatte. Wie die Zeit vergeht! Lassen wir es für heute gut sein. Genügend Glückstädter Elbluft inhaliert. Für den Moment zumindest.

Nur eines noch: Haben Sie schon einmal einen Erpel landen sehen? Auf Eis? Auf nur einem, genauer gesagt dem linken Bein? Den rechten Patschfuß in die Luft und wie ein Stechpaddel elegant nach hinten rechts weggestreckt? Nicht?
Im Stadtpark von Glückstadt mit seinen Wasserläufen gibt es einen Artisten, der nach durchaus stürmischer Landung nicht etwa einbricht, sondern nach dem Aufsetzen mit lässiger Eleganz über hauchdünne Eisflächen glitscht. Ein Bild für die Götter!
Aller Aufwand nur, um danach Spaziergänger an Land zu Fuß zu begleiten …
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Glückstadt - Stadtpark - Als Spaziergänger fühlt man sich etwas verfolgt .... (Rechts vorne übrigens der Artistenerpel)

Glückstadt – Stadtpark – Als Spaziergänger fühlt man sich etwas verfolgt …. (Rechts vorne übrigens der Artistenerpel)

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Feierabend! Wenn Sie mögen, lesen wir uns demnächst wieder. Ich habe nur momentan einige Abendtermine und komme nicht so häufig an den Laptop wie gedacht.
Was nehmen Sie heute an Gelerntem mit? Genau: Aufpassen bei Facebook, Glückstadt ist schön, Elbluft ist nicht gleich Elbluft, Bahn fahren kann sehr entspannend sein, und es lohnt sich, auf landende Erpel zu achten.

Bis zum Wiederlesen! Lassen Sie es sich bis dahin gutgehen!

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© by Michèle Legrand, Februar 2017
Michèle Legrand

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45 Kommentare

Durch Hamburgs City im Advent / Ein Streifzug über die Weihnachtsmärkte 2016

Vergangenen Montag (21. 11.) wurde vielerorts die Weihnachtsmarktsaison für eröffnet erklärt. Vor der eigentlichen Adventszeit, jedoch nach den Trauer- und Gedenktagen des Novembers. Schwupps, es weihnachtet über Nacht. Ich hoffe, Sie sind nun auch ordnungsgemäß und prompt adventlich gestimmt.
Falls nicht, sollten Sie gleich mit mir eine kleine Erkundungstour durch das vorweihnachtlich geschmückte Hamburg unternehmen und sich ein bisschen in Stimmung versetzen lassen. Falls Sie selbst bereits vor-
gearbeitet haben und nun sowieso schon ständig Weihnachtslieder singen, können Sie dennoch mitkom-
men und sozusagen im passenden Ambiente trällern.

Weihnachtsmärkte 2016

Ich war am Mittwoch in Hamburgs Innenstadt. Wie Sie richtig vermuten, gibt es dort nicht nur einen, sondern diverse Weihnachtsmärkte, die alle nicht weit entfernt voneinander liegen. Wer nicht nur an einem einzigen Glühweinstand anwachsen und seinen Promillegehalt hochtreiben möchte, kann sich eine kleine Rundtour zusammenstellen und auf diese Weise außer der Stimmung und Dekoration auf den Märkten zugleich die Adventsatmosphäre in den Straßen erleben.
Nach vielen Jahren des Bloggens überlege ich – speziell bei wiederkehrenden Ereignissen – natürlich mittlerweile häufiger, ob ich ein Thema überhaupt noch einmal im Blog aufnehme. Wiederholt sich alles nur? Optisch gesehen verändert sich zumindest nicht sehr viel von einem Jahr zum anderen … So habe ich es diesmal auf mich zukommen lassen, die Entscheidung auf hinterher vertagt. Nur unterwegs stellte ich fest,
jeder neue Streifzug ist doch immer noch gut für kleine Überraschungen. Es geht heute daher mehr um Feinheiten am Rande.
Außerdem bin ich diesmal bereits vor der Dunkelheit unterwegs gewesen; das Hauptaugenmerk liegt somit
nicht auf der Illumination. Wenn Sie gerade die jedoch gern sehen möchten, dann huschen Sie einfach hin-
über zu einem der Vorjahresposts, die Ihnen ganz unten angezeigt werden („Ähnliche Beiträge“).

Weihnachtsmarkt Spitaler Straße

Startpunkt ist in der Spitaler Straße auf der zum Hauptbahnhof gewandten Seite. Während beim Historischen Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz oft jahrelang dieselben Händler an meist gleicher Stelle aufzufinden sind, wechseln Angebot und Platz im Fall des Weihnachtsmarkts in der Spitaler Straße häufiger. Stände zur Verköstigung sind immer genügend vorhanden, dazu (Silber-)Schmuck, Gebrauchsgegenstände, Wöllernes, Nippes zum Hinstellen, die obligatorischen Sterne, die von innen beleuchtet werden können. Hier, wie auch auf weiteren Märkten, sind wie bereits im letzten Jahr Produkte aus Olivenholz angesagt. Schüsseln, Brettchen, Untersetzer, Löffel … Speziell die Schalen sind sehr schön gemacht!
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Spitaler Straße - Artikel aus Olivenholz

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Spitaler Straße – Artikel aus Olivenholz

Am anderen Ende der Spitaler Straße, am Mönckebergbrunnen, befindet sich die altbekannte Weihnachts-
krippe, die Fassade des Barkhofs ist geschmückt. Doch hier herrscht immer noch Großbaustellenatmosphäre,
denn die ehemalige Landesbank-Galerie befindet sich weiterhin im Umbau und ist nur teilweise zugänglich.

Wussten Sie, dass es direkt am Mönckebergbrunnen etwas „Elbphiharmonisches“ gibt?  In dem Gebäude mit den tempelartigen Säulen (von Fritz Schumacher), in dem früher Burger King sein Domizil hatte und Whooper verkaufte, wurde 2009 das Elbphilharmonie Kulturcafé eröffnet.
Eine zugegebenermaßen zunächst gewöhnungsbedürftige Kooperation zwischen Starbucks als Cafébetreiber im Erdgeschoss (als hätten wir überhaupt keine hanseatischen Kaffeeröstereien, die es betreiben könnten) und einem Kulturbereich im Obergeschoss, der als Theaterkasse und Information fungiert und in dessen Räumen auch immer wieder (kostenlos) Konzerte, Vorträge oder Lesungen von Kulturschaffenden stattfinden. Ursprünglich war im Zuge der Entstehung des Cafés sogar die Rede davon, eine zentral gelegene, richtig große Touristeninformation zu integrieren, doch es ist nichts Offizielles daraus geworden. Der Rathausplatz ist dafür als Standort ebenfalls im Gespräch und aufgrund seiner zentralen Lage prädestiniert, doch auch dort gibt es diverse Probleme, es zu realisieren.
Elbphilharmonie … Ob ein Sponsor aus dem Bereich der klassischen Musik seinerzeit für die Namensvergabe verantwortlich war? Oder ob man im Jahr 2009 bereits geahnt hat, dass es mit der Fertigstellung der echten Elbphilharmonie noch ein geraumes Weilchen dauern wird (2007-2016) und dieses Café vorsichtshalber stellvertretend den Namen erhielt? Man weiß es nicht …
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Hamburg - Am Mönckebergbrunnen - Elbphilharmonie Kulturcafé

Hamburg – Am Mönckebergbrunnen – Elbphilharmonie Kulturcafé

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Weihnachtsmarkt am Gerhart-Hauptmann-Platz

Ein kleines Stück weiter am Gerhart-Hauptmann-Platz ist der nächste Weihnachtsmarkt. Kunsthand-
werkliches sowie Hunger und Durst Stillendes hat hier Priorität.

Es gibt „Hamburg-Armbänder“. Die sind aus fein gedrehten Kordeln (einreihig, doppelreihig, erhältlich in verschiedenen Farben) und haben am Ende jeweils einen kleinen Anker. Das Motto lautet: Ich wünsche dir
stets einen Anker, der dich hält.

Eine Steinschleiferei präsentiert u. a. Halbedelsteine. Aufgebrochen, so dass man nicht nur die unscheinbare graue Ummantelung sieht. Es erinnert mich an Amethystdrusen zum Hinstellen, die funkeln und glitzern. Die Stücke hier sind kleiner und präsentieren sich eher wie ein liegender Stein oder eine Schale. Ein kleines Mädchen bestaunte alles und fragte den Standbetreiber:
„Sind die selbst gezüchtet?“
„Nein, selbst aufgelesen“, lautete seine Antwort, und ich habe mich gewundert. Zum einen über so eine spezielle Frage eines höchstens sieben Jahre alten Kindes und ebenso über die Antwort. Die Steine liegen doch nicht so lose herum … Oder gibt es das etwa auch?

Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Gerhart-Hauptmann-Platz - Vor Einsetzen der Dunkelheit: Warten auf Kundschaft ... (beleuchtete Holzbuden)

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Gerhart-Hauptmann-Platz – Vor Einsetzen der Dunkelheit: Warten auf Kundschaft …

Was Sie dort außerdem erstehen können, sind Vogelvillen. Extrem bunte Holzhäuser, zudem beschriftet und mit  bewusst schiefen, geschwungenen Formen erstellt. Während der Begriff für die eigenwilligen Kreationen im Deutschen einfach „Vogelvilla“ und im Französischen entsprechend  „Villa des oiseaux“ ist, lautet die englische Bezeichnung „Crazy bird house“. Das trifft es offen gestanden wesentlich besser. Egal, ob gemeint ist, dass das Vogelhaus selbst verrückt ist oder ob es um einen verrückten Vogel ginge. Wahrscheinlich fliegt so einer am ehesten darauf … Neonschockfarben, gewagt kombiniert, dazu lose Sprüche.  Die eine Futtervilla nennt sich „Katzenkino“, die andere „Für deine Meise“ oder  „Schnatterstube“. Meine erste Reaktion ist durchaus amüsiert ausgefallen, doch wenn das bunte Etwas als Dauerbehausung im eigenen Garten hängt … So ein Witz hält nicht ewig vor …
Wem muss es eigentlich hauptsächlich gefallen? Dem Menschen, der es kauft oder dem Vogel, der es nutzt? Der wiederum kann den Spruch nicht lesen. Gut oder schlecht? Unter uns: Wäre ich ein Vogel, ich würde bei den Hausfarben vermutlich schon pikiert den Blick abwenden und im Busch sitzen bleiben.
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Weihnachtsmarkt rund um St. Petri

Schräg gegenüber beim Weihnachtsmarkt an der Petrikirche sind zusätzlich zu den diversen Buden für Kinder in Glasvitrinen Märchenszenen nachgestellt.

Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Petrikirche

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Petrikirche

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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Märchenszenen für Kinder an der Petrikirche

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Märchenszenen für Kinder an der Petrikirche

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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Märchenszenen für Kinder an der Petrikirche

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Märchenszenen für Kinder an der Petrikirche

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Wenn Sie auf etwas anderes als Glühwein zum Durchwärmen Appetit haben, gibt es an der Petrikirche einen guten Suppenstand. Den „Suppenheini“. Das Angebot wechselt, doch Kartoffelsuppe, Karotten-Mango-Suppe, Linsensuppe oder aus Käsecremesuppe mit Pfifferlingen sind häufig zu bekommen.
Wer Schaumküsse (politisch inkorrekt: Negerküsse) mag, kann auf diesem Weihnachtsmarkt ebenfalls schamlos zuschlagen. Eine unglaubliche Vielfalt wird angeboten. Verschiedene Schokoladenüberzüge von hell bis dunkel, mit und ohne Flocken oder Streusel  und zahlreiche Geschmacksrichtungen der Füllung wie z. B. Honig-Mandel, Rocher, Glühwein, Kokos Bounty, Whisky, Marzipan, Stracciatella etc.  stehen zur Auswahl.

Historischer Weihnachtsmarkt am Rathaus

Vom Markt an der Petrikirche aus ist die nächste Station der Historische Weihnachtsmarkt am Rathaus. Einer der schönsten aufgrund der Lage (Kulisse), seiner Gestaltung und der Vielfalt des Kunsthandwerks. Leider auch einer der immer übervollen Märkte. Vor Einsetzen der Dunkelheit haben Sie dort die besten Chancen in Ruhe zu schauen oder etwas zu erstehen, ohne ewig anstehen zu müssen. Die thematisch ge-
gliederten Gassen helfen bei der Suche nach bestimmten Ständen und Artikeln.
(In vorangegangenen Beiträgen finden Sie dazu mehr.)
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Historischer Weihnachtsmarkt am Rathaus - Der Andrang nimmt bei Dunkelheit schnell zu ...

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Historischer Weihnachtsmarkt am Rathaus – Der Andrang nimmt bei Dunkelheit schnell zu …

Bei den Spielzeugen treffen Sie in diesem Jahr auf Geduldsspiele, Holzartikel, Plüschtiere (ich hätte fast ein junges Wildschwein, einen zauberhaften Frischling, erstanden) und auf etwas, was ich noch gar nicht gehört hatte: auf Perlsacktiere. Der Begriff hört sich für meine Ohren im ersten Moment merkwürdig an, doch die Bezeichnung ist durchaus treffend. Es sind Wesen, deren textile Körper offenbar mit einer Art Granulat gefüllt sind. Perlen im Sack eben …
Doch mit den Tieren hat es wesentlich mehr auf sich. Sie werden vom Menschen „adoptiert“ und in der Folgezeit überall hin mitgeschleppt.  Erwachsene nehmen ihre Perlsackwesen mit auf Reisen und posten von unterwegs Fotos in den diversen sozialen Netzwerken. Es ranken sich Geschichten um sie und sie haben Namen wie z. B. Herbert Hasenbommel. Ich hatte ja keine Ahnung, und offen gestanden, so ganz schlau bin ich aus der Entstehung des Kults um die Perlsacktiere und hinsichtlich all der Zusammenhänge immer noch nicht geworden.
Wenn einer von Ihnen Ahnung oder Erfahrung damit hat – bitte immer her mit weiteren Informationen!

Die elektrische Eisenbahn schuffelt auch wieder über die Gleise und dreht über den Köpfen der Besucher ihre Runden …

Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Am Rathaus - Die elektrische Eisenbahn über den Köpfen der Besucher ...

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Am Rathaus – Die elektrische Eisenbahn über den Köpfen der Besucher …

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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Rathausmarkt mit elektr. Eisenbahn ....

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Rathausmarkt mit elektr. Eisenbahn …

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Blicken Sie durch das „Tor zur Welt“,  sehen Sie in diesem Jahr dahinter auf dem „Platz der Nationen“ Stände chinesischer Partner. Seit 30 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Shanghai und Hamburg, und so können Sie 2016 auf dem Historischen Weihnachtsmarkt z. B. eine chinesische Massage genießen oder Peking-Ente speisen.
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Rathausmarkt - Das "Tor zur Welt" mit dem Chinabereich dahinter ....

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Rathausmarkt – Das „Tor zur Welt“ mit dem Chinabereich dahinter ….

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Vom Rathausmarkt aus geht es über die Schleusenbrücke
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amburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Dammerung an der Schleusenbrücke - Seifenblasen treiben in der Abendsonne ...

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Dammerung an der Schleusenbrücke – Seifenblasen treiben in der Abendsonne …

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Hamburg - Rathausschleuse - Blick von der Schleusenbrücke Richtung Adolphsbrücke

Hamburg – Rathausschleuse – Blick von der Schleusenbrücke Richtung Adolphsbrücke

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Hinter der Brücke nach rechts, entlang der Alsterarkaden mit Blick auf die Kleine Alster  …
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Hamburg im Advent - An der Kleinen Alster - Gedanken an Vogelgrippe? (Möwen)

Hamburg im Advent – An der Kleinen Alster – Gedanken an Vogelgrippe?

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… direkt zum
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Weihnachtsmarkt am Jungfernstieg (Weißer Zauber)

Der Jungfernstieg sorgt wieder umfassend für unterschiedlichstes kulinarisches Angebot (auch heiße Maronen!), hält Accessoires (feine Schals, Hüte, Tücher, textile Gamaschen) bereit und zeigt reichlich Kunsthandwerk (Lichterketten aus Pflanzen, Gefilztes, Dekorationsgegenstände, Lederwaren etc.).
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Weißer Zauber am Jungfernstieg - Sterne und andere Lichter ...

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Weißer Zauber am Jungfernstieg – Sterne und andere Lichter …

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Für Kinder finden sich freundlich aussehende, kuschlige Wärmtiere, die allerdings nicht mehr wie die Wärmflaschen früher mit Wasser befüllt werden, sondern in Backofen oder Mikrowelle vorzuwärmen sind.

Was sich am Mittwoch am Anleger Jungfernstieg noch getan hat, sehen Sie hier. Die große Weihnachts-
tanne
, die alljährlich in der Vorweihnachtszeit mitten auf der Binnenalster erstrahlt, traf in der Nacht zuvor in Hamburg ein, wurde bereits auf dem Ponton montiert und zu dem Zeitpunkt am Mittwochnachmittag gerade geschmückt.

Hamburg - Anleger Jungfernstieg - 23.11.2016 - Die Alstertanne 2016 wird geschmückt ...

Hamburg – Anleger Jungfernstieg – 23.11.2016 – Die Alstertanne 2016 wird geschmückt …

Es gehörte ein bisschen Glück und Improvisation dazu, ehe es dazu kam, denn kurzzeitig standen wir komplett ohne Tanne da. Die Alstertanne wird jedes Jahr gespendet. Meist von Privatbürgern, die einen zu groß gewordenen Nadelbaum im eigenen Garten stehen haben und sich mehr oder weniger schweren Herzens davon trennen möchten. Sie stiften den Baum, die Stadt organisiert das Fällen und den Abtransport. Die Genehmigung zum Fällen muss der Eigentümer natürlich vorher einholen. An der fehlenden Erteilung dieser Fällerlaubnis scheiterte in diesem Jahr die erwartete Spende aus Harburg. Die alle überraschende Absage traf erst vor drei Tagen ein. Es wurde fieberhaft herumgefragt und nach Ersatz gesucht. Mit Erfolg. Nun kommt die diesjährige Tanne aus Schleswig-Holstein, genauer gesagt aus Alt-Erfrade im Kreis Segeberg. Inzwischen ist sie präpariert, der Ponton wurde auf den See hinausgezogen, verankert, und seit Donnerstag strahlen ihre 1000 Lichter weithin sichtbar. Wenn die Weihnachtszeit vorbei ist, wird aus ihrem Holz etwas Nützliches geschreinert. Gut möglich, dass das Ergebnis am Ende die Kinder einer KITA erfreut.

Vom Jungfernstieg aus geht es weiter Richtung Gänsemarkt.
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Weihnachtsmarkt am Gänsemarkt
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Gänsemarkt - Teils noch Schotterfläche ....

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Gänsemarkt – Teils noch Schotterfläche ….

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Dieser Markt ist relativ klein, dennoch als Treff recht beliebt. Ob er dieses Jahr überhaupt an diesem Ort stattfinden kann, geriet gerade in den letzten Wochen noch einmal in die Diskussion.
Der Gänsemarkt wird bereits seit über fünf Monaten umgestaltet, und die Arbeiten, die bis Weihnachten bzw. zum Jahresende abgeschlossen sein sollten, konnten nicht rechtzeitig beendet werden. Es tauchten plötzlich unerwartete Schwierigkeiten auf. Zum einen kamen unter dem bis dato verlegten Pflaster an einigen Stellen ungeahnt dicke Betonschichten hervor, die mühevoll und zeitaufwändig abgetragen werden mussten, bevor überhaupt umgestaltet und neu verlegt werden konnte. Zum anderen entstand ein Hin und Her bei der Auswahl der Steine. Man benötigte Pflaster in Dunkelgelb und in Hellgelb, nur die hellgelbe Sorte traf nicht ein. Alternativ sollte hellgraues Material aus Portugal angeliefert werden, doch diese Farbkombination ist optisch weitaus weniger ansprechend.
Nun verzögert sich alles bis Mitte Februar. Für den Weihnachtsmarkt bedeutet es, dass er teilweise auf neuer Pflasterung und teilweise auf Schotter oder Holzschnitzeln stattfindet. An den zu erkennenden unfertigen Stellen sind Sitzbänke geplant, dort fehlen die Baumanpflanzungen und erst im Zuge dieser Arbeiten wird die restliche Pflasterung fertiggestellt.
Immerhin ist das Lessing-Denkmal, das während der Umbauzeit entfernt wurde, schon wieder an seinen Platz zurückgekehrt.
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Gänsemarkt - Die Pflasterung ist noch nicht komplett, aber Lessing ist zurück ...

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Gänsemarkt – Die Pflasterung ist noch nicht komplett, aber Lessing ist zurück …

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Vom Gänsemarkt können Sie durch Gerhof- und Poststraße, vorbei an der Einkaufspassage „Hanseviertel“
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Hamburg City - Das Hanseviertel in der Adventszeit

Hamburg City – Das Hanseviertel in der Adventszeit

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… zurück zum Rathausmarkt spazieren, den Weihnachtsmarkt noch einmal bei Dunkelheit überqueren …
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Rathausmarkt - Und jeder macht ein Foto vom Eingangsportal ...

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Rathausmarkt – Und jeder macht ein Foto vom Eingangsportal …

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… und über die Mönckebergstraße hinauf zum Hauptbahnhof  gelangen.
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Gerhart-Hauptmann-Platz - Auch der Mann mit dem Klavier ist wieder mit von der Partie ....

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Gerhart-Hauptmann-Platz – Auch der Mann mit dem Klavier ist wieder mit von der Partie …

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Die mit Lichterketten durchzogenen kahlen Laubbäume der Mönckebergstraße sehen hauptsächlich in der Dunkelheit attraktiv aus. Bei Tageslicht präsentiert sich eher ein heilloses Kettenwirrwarr.
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Hamburg City - Barkhof an der Mönckebergstraße im Advent - dahinter der Beginn der Spitaler Straße (mit Krippe)

Hamburg City – Barkhof an der Mönckebergstraße im Advent – dahinter der Beginn der Spitaler Straße (mit Krippe)

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Auf dem Weg Richtung Bahnhof stoppen Sie noch einmal kurz am Levantehaus mit seiner Einkaufspassage, die in der Weihnachtszeit immer besonders schön geschmückt ist. Mit Girlanden, einem großen Tannenbaum und Sternen am Glashimmel.
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Hamburg - City im Advent - Mönckebergstraße - Eingang zur Passage im Levantehaus ...

Hamburg – City im Advent – Mönckebergstraße – Eingang zur Passage im Levantehaus …

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Hamburg - City im Advent - Mönckebergstraße - Weihnachtlich geschmücktes Levantehaus

Hamburg – City im Advent – Mönckebergstraße – Weihnachtlich geschmücktes Levantehaus

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Hamburg - City im Advent - Mönckebergstraße - Levantehaus mit Sternenhimmel

Hamburg – City im Advent – Mönckebergstraße – Levantehaus mit Sternenhimmel

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Im Levantehaus (mit Eingang ebenfalls zur Mönckebergstraße hin) hat im November vergangenen Jahres das Roncalli Grand Café eröffnet. Auf zwei Ebenen. Ganz in Rot. Es wirkt sehr ansprechend, man bietet leckere hauseigene Torten an … Nur wenn Sie dort nicht einen Platz vorbestellt haben, ist die Lage schwierig bis aussichtslos. Ich habe es jedenfalls bisher noch nicht geschafft, spontan auf einen Kaffee einzukehren. Es ist sind immer alle Plätze besetzt.

Für Liebhaber weihnachtlicher Dekoration, Geschenkartikelsucher oder Tee- und Kakaofans, lohnt sich ein Blick hinein in die „Compagnie Coloniale“
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Hamburgs City im Advent - Compagnie Coloniale in der Mönckebergstraße - Ein Blick durch die geöffnete Tür ...

Hamburgs City im Advent – Compagnie Coloniale in der Mönckebergstraße – Ein Blick durch die geöffnete Tür …

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Apropos Tee. Mir wäre jetzt nach einer Teepause. Es sind immerhin schon über 12.000 Schritte zusammen-
gekommen, während Sie sich hier mit mir Hamburg angesehen haben. Lassen Sie uns Feierabend machen.
Feierabend mit einem Blick auf Peek & Cloppenburg in Hauptbahnhofnähe. Auch hier leuchtet es mächtig aus dekorierten Fenstern …
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Hamburg im Advent - Peek & Cloppenburg - Mönckebergstraße

Hamburg im Advent – Peek & Cloppenburg – Mönckebergstraße

 

Hamburg - City im Advent - An Peek & Cloppenburg scheint gerade ein Eilzug vorbeizurasen ....

Hamburg – City im Advent – An Peek & Cloppenburg scheint gerade ein Eilzug vorbeizurasen …

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Bevor ich Richtung U-Bahn verschwinde, weise ich noch schnell auf meinen (Heimat-)Weihnachtsmarkt in Wandsbek hin. Den Winterzauber im Winterdorf mit Feuerwerk am Abend des Nikolaustages, Kinderkarussell und einer künstlichen Schlittschuhbahn
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Winterzauber im Wandsbeker Winterdorf ...

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Winterzauber im Wandsbeker Winterdorf …

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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Winterzauber in Wandsbek - Künstliche Eisbahn ...

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Winterzauber in Wandsbek – Künstliche Eisbahn …

 

Wenn Sie noch mehr Weihnachtsmärkte suchen, finden Sie in der City zusätzlich den Markt auf der Fleetinsel beim Steigenberger Hotel, weiterhin den Weihnachtsmarkt in der HafenCity am Überseeboulevard,, ebenfalls mit Eislaufbahn und den Santa Pauli auf St. Pauli. Er hält eine unkonventionelle Mischung aus klassischem Weihnachtsmarkt und Erotik parat.

Sollte Ihnen Hamburg im Advent jetzt zusagen, kommen Sie doch selbst einmal zum Weihnachtsmarktbummel in die City. Abends, wenn die Lichter strahlen oder am Nachmittag, wenn jeweils an den vier Sonnabenden vor Heiligabend die Weihnachtsparaden durch die gesamte Mönckebergstraße stattfinden!

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Ich wünsche Ihnen einen schönen ersten Advent und eine stimmungsvolle und entspannte Vorweihnachtszeit!

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© by Michèle Legrand, November 2016
Michèle Legrand

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Vergängliche Kunst …

Mein heutiges Blogthema ist ein Spontanentschluss. Was den Anstoß dazu gab, werden Sie wahrscheinlich nicht auf Anhieb erraten, darum sag ich es Ihnen: Es war kunstvoll geformter Vogelschiss auf der Windschutzscheibe meines Autos.
Da ich draußen und vorzugsweise am Haus parke, steht das gute Stück meistens unter der großen, rotblättrigen Blutpflaume, die von allen Vögeln extrem gern beflogen und belagert wird. Und von der man offenbar freudvoll auf parkende Fahrzeuge herabpladdern lassen kann.
Diesmal verlief das ganze Zeugs direkt auf der Scheibe zur nicht unbekannten springenden Raubkatze.
Sie wissen schon, dieser Kühlerfigur des Jaguars. Die Umrisse stimmten, das Tier war lediglich etwas senkrechter gestellt als üblich. (Sonst hätte der Vogel ziemlich quer und eher aus dem Flug treffen müssen.)
Mein neu gestylter Scheibenjaguar hatte außerdem kleine, rundliche Kleckse vor seinem aufgerissenen
Maul. Leicht darüber positioniert. Es schien, als würde er munter Blasen herauspusten. Sehr schick.
Ich habe es trotzdem entfernt. Vergängliche Kunst, wenn Sie so wollen …
Seitdem geistert mir dieser Begriff im Kopf herum.

Man kann davon ausgehen, dass diese Windschutzscheibenhinterlassenschaften definitiv nicht als Meisterwerk geplant waren, so wie es sich oft auch in der freien Natur bei in unseren Augen kunstvollen Dingen um keine bewusst arrangierte oder gar vorausgeplante Kunst handelt. Nichtsdestotrotz schafft der Anblick einiger Sachen es locker, dass einem urplötzlich überwältigt der Atem stockt. Hat mich der guanohaltige Jaguar eher verblüfft als in Begeisterungsstürme ausbrechen lassen, so gestehe ich gerne, dass es Naturkunst gibt, die ich schlichtweg umwerfend finde.

Vergängliche Kunst Wald-Geißbart (Aruncus dioicus) - Feinste Pflanzenaustriebe ...

Vergängliche Kunst Wald-Geißbart (Aruncus dioicus) – Feinste Pflanzenaustriebe …

Denken Sie nur an imposante, glitzernde Eiszapfen, die vom Dachrand herabhängen, an zarte Eisblumenbilder, die heute durch die Isolierverglasung nur noch selten an Fensterscheiben entstehen. Haben Sie blinkende Tautropfen im Gras am Morgen vor Ihrem inneren Auge? Kunstvoll verknüpfte Spinnenweben im Gegenlicht? Feinste Pflanzenaustriebe, bizarr geformte Samenkapseln, sich entrollender Farn, filigrane Reste vertrockneter Blüten? Herzförmige Kartoffeln oder Erdbeeren, zwei sich eng umschlingende Karotten, die faszinierende Gestalt von Ginkgo-Wurzeln?

Vergängliche Kunst .... Mohnkapseln nach dem Winter, s/w-Aufnahme

Vergängliche Kunst …. Mohnkapseln nach dem Winter, s/w-Aufnahme

Und wie phantastisch sind Farbmeere! Ein riesiges Lavendelfeld, eine blühende Heidelandschaft … Oder Farbkombinationen! Ein gelbes Rapsfeld, dazu Feldmohn und Kornblumen am Feldrand. Ist nicht auch die Blattfärbung im Herbst gewaltig? Staunen auch Sie manchmal heimlich beim Betrachten von außergewöhnlichen Wolkenformationen, sehen auf einmal Figuren? Und dann wären da noch Spiegelungen im Wasser, gestochen scharf, so farbintensiv … Oben das Original, im Wasser die exakte Kopie gedreht. Aber was ist, wenn Sie sich umdrehen, den Rücken zukehren, die Beine auseinanderstellen, eine tiefe Rumpfbeuge machen und aus dieser Position zwischen Ihren Beinen hindurchschauen. Wo ist nun oben, wo unten? Was ist echt, was gespiegelt? (Nicht auf die sonstige Umgebung achten!)
Ach, und dann bin ich ja auch so jemand, der Gischt verzückt anstarrt, weil sich darin ein Regenbogen gebildet hat …

Alles vergänglich, und bei fast all diesen Dingen hat der Mensch seine Finger nicht im Spiel. Bestenfalls leisten Tiere Hilfe bei der Entstehung. Wissen Sie, was ich einmal entdeckt habe? Ein entweder von Raupen oder von Käfern zerfressenes Riesenblatt! Doch das war nicht einfach von den Krabbelkollegen bzw. dem Raupenvolk vom Rand her reizlos weggenagt, sondern war auf der ganzen Fläche regelmäßig ausgestanzt, so genial, dass man meinte, es wäre eine Stickmustervorlage für einen Untersetzer oder ein Tischset.

Vergängliche Kunst ... Kartoffelrose im Winter mit Resten der Hagebutte

Vergängliche Kunst … Kartoffelrose im Winter mit Resten der Hagebutte

Wenn Sie jetzt die Natur einen Moment beiseite lassen und einmal den Menschen selbst betrachten, so stellen Sie fest, dass sich auch an ihm zuweilen vergängliche Kunst findet. Vergänglich nicht nur, weil der Mensch logischerweise altert, sondern weil einige Veränderungen bewusst nur für einen bestimmten Anlass oder auf Zeit gedacht sind. Sich gelegentlich auch einfach selbstständig bilden!
Interpretationsgeeignete Sommersprossengemälde, die durch unregelmäßig verteilte kleine Tuffs hervorgerufen werden! Farbmuster der Haut durch unterschiedliche Bräunung, Muster, die beispielsweise entstehen, sobald abweichende Trägerbreiten und -formen beim Sonnen immer andere Hautpartien abdecken oder freigeben bzw. stellenweise durchlässiges, grobmaschiges Gewebe für helle Hautareale, aber ebenso für rote Haut dazwischen sorgt.
Haarkunst! Es gibt phantasievolle Hochsteckfrisuren, kurzlebige Kreationen, besonders wenn diese Blüten im Haar beinhalten. Bärte malen zeitweise Formen und Muster ins Gesicht, mancher zwirbelt und wachst gelegentlich auch seine extralang gezüchteten Barthaare.
Ganz eindeutig Kunst (und im Vergleich zur Tätowierung ebenfalls vergänglich):  Body Painting!
Was gibt es da nicht alles für sagenhafte Motive, die sogar in der Lage sind, unser Seh- und Erkennungsvermögen zu täuschen!

Sie haben gemerkt, so allmählich sind wir in einem Bereich angekommen, in dem es nicht mehr die Natur und dort vielleicht zusammentreffende Umstände sind, die etwas entstehen lassen, sondern nun betätigt sich der Mensch selbst künstlerisch und wird Schöpfer eines Werks. Auch da gibt es so viel, was nicht für die Ewigkeit gemacht ist!

Kennen Sie den Begriff Land Art?
Wenn vergängliche Kunst in und mit der Natur gestaltet wird, spricht man von Land Art. Aber verwenden Sie den Begriff nicht gegenüber einem Engländer, auch wenn es sich passend anhört. Der wird Sie fragend anschauen. Bei ihm nennt sich die Kunst anders, nämlich Earth Art.
Ob Land Art oder Earth Art, in beiden Fällen erschafft man etwas mit Materialien aus der Natur, etwas, von dem man weiß, dass es nur eine begrenzte Zeit überleben wird, bevor es durch Regen, Wind, Schnee, Frost, Sonne etc. irgendwann wieder zu Humus wird und letztendlich keine Spur des Kunstwerks übrigbleibt.
Kleine Arrangements und Bilder im Freien aus dicken Hölzern, dünnen Zweigen, Wurzelwerk, Gräsern, Beeren, Gewürzkörnern, Laub, Steinchen, Blüten etc. Wenn etwas miteinander verbunden wird, dann ebenfalls auf natürliche Weise. Kein industriell angefertigter Kleber, kein Zement, sondern biegsame Ruten, erstaunlich reißfeste Gräser und Stängel und spitze Stöckchen übernehmen die Aufgabe, Teile miteinander zu verknüpfen, zu verbinden oder Blätter zu befestigen. Oft geben auch von der Natur geformte Verwachsungen und Verdrehungen eines Astes oder einer Wurzel dem ganzen Werk den nötigen Halt.

Nicht direkt lupenreine Land Art, aber so etwas Ähnliches sind im Prinzip die folgenden Kreationen, die ich persönlich sehr faszinierend zu betrachten finde. Auch hier sind es stets Werke, bei denen von vornherein klar ist, dass begrenzt überlebende Kunst geschaffen wird – denn sagen Sie selbst: Schnee und Eis als Werkmaterial ist eindeutig vergänglich, oder?
Hier lebt die temporär existente Kunst in Form von Snow Art und Ice Art.
Haben Sie schon einmal von Simon Beck gehört, jenem Mann, der ungewöhnliche, richtig schwierige, geometrische Muster in ausgedehnte Schneelandschaften stapft? Nicht? Er geht auf die 60 zu, ist Brite, und da in seinem Heimatland nicht sicher ausreichend oft und viel frischer Schnee fällt, ist er extra für seine Schneekunst umgezogen. Nach Les Arcs, in ein französisches Skigebiet. Nun läuft er mit Schneeschuhen und Kompass riesige Flächen ab, und was dabei an Bildern herauskommt, ist unglaublich!  Aber vielleicht haben Sie selbst ja auch schon Trittmuster fabriziert. Oder wenigstens im Schnee gelegen und mit den Armen einen Schneeengel gewischt…
Bei mir auf der Terrasse stapft im Winter immer eine Unmenge von Vögeln trotz Flugmöglichkeit zu Fuß Richtung Futterhäuschen und hinterlässt dabei grandiose Abdrücke im Schnee. Wild durcheinander, als hätten sie Baseball gespielt und sich alle dabei umgerannt, doch von den einzelnen Fuß- oder Krallenspuren her betrachtet wirkt wiederum alles hauchzart … Das ist wohl Bird Art.
Mir fallen noch Schneeskulpturen ein! Was wird da nicht alles kreiert! Doch kaum sind draußen um die Null Grad Celsius, schon zerfließt der Elch, schmilzt der Schneemann. Saisonende für das Schneehotel in Finnland; es  schließt seine Pforten bis zum nächsten Jahr.
Ganz enorme Bewunderung hege ich für diese Säger und Meißler, die im Winter statt Holz und Stein glasklares Eis als Ausgangsmaterial zur Formung unglaublich fein gearbeiteter Eisfiguren und ganzer Eisszenen wählen! (Ice Carving, Schnitzen von Eisskulpturen.) Wenn Sie noch keine Originalkunstwerke besichtigen konnten, dann haben Sie aber doch bestimmt schon einmal den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier …“ gesehen. Darin schnitzt und raspelt Bill Murray gerade an einem Werk. Man bekommt automatisch Lust, es selbst auszuprobieren …

Vergessen darf man natürlich keineswegs, was sich alles mit oder im Sand anstellen lässt!
Zum Beispiel rechen Künstler mit ihren Laubharken Wahnsinnsmuster auf Sandplätzen und -wegen! In Japan
ist es der Splitt (Kies lässt sich nicht wirklich in Form harken), der kunstvoll in den Gärten gerecht wird, damit so entstandene wellenartige Muster an die Bewegung von Wasser erinnern.
Apropos Japan und japanischer Gärtner! Sie kennen die alte Krimireihe Columbo, oder?
Ich erinnere gerade eine Episode, in der ein Mord nur deshalb aufgeklärt werden konnte, weil eben ein ganz speziell geharktes Muster auf dem Weg zur Zeit der Tat entweder nicht mehr oder umgekehrt bereits dort gewesen war. Auf jeden Fall höchst verräterisch und für einen Columbo alias Peter Falk natürlich unübersehbar.

Sand Art. Auf Teneriffa kennt man gelegentlich kein Halten, was Sandgemälde angeht. Dort gibt es jedes Jahr den sogenannten Sandteppich, der ist mittlerweile richtig berühmt! Wenn Sie einmal Urlaub in La Orotava machen sollten, dann können Sie sich das riesige Kunstwerk (stets 900 qm Fläche!) gleich anschauen. Vorausgesetzt, Sie sind zur richtigen Zeit vor Ort.

Entlang vieler Küsten werden bei Ebbe im Watt oder sonst im leicht feuchten Sand am Wasserrand gern mit den Fingern, mit Schaufelstielen – oder eben auch dort wieder mit Hilfe von Harken – Gemälde erstellt. Wenn es der Strand hergibt, gesellen sich noch Muscheln und Tangreste zur Gestaltung hinzu. Schon wird es ein kleines Kunstwerk, ein Hingucker.
In Strandnähe erschaffen kreative, begabte und vor allem geduldige Menschen Sandburgen und -schlösser, die fast an Neuschwanstein oder das Wasserschloss Chenonceau erinnern. Andere sind Meister im Formen von menschenähnlichen Sandskulpturen, erschaffen Nachbildungen von Wahrzeichen oder sind die Gestalter ganzer Sandlandschaften. Heute sind es die Profis, die die Erlaubnis erhalten, dort zu bauen. Der Urlauber muss sich zurückhalten, zumindest was Fallgruben und gewaltige Abschottungswälle angeht. Weil es Überhand nahm, kamen irgendwann die Verbote …
Malereien am Wasser. Wie vergänglich, denn alles, was nicht im trockenen Strandbereich liegt, muss vollendet sein, bevor Gezeitenwechsel ist und hat oft eben nur so lange Bestand, bis die nächste Flut es fortspült …

Die Bauwerke und Skulpturen der Sandspezialisten sind durch kleine Tricks etwas stabiler, sind dadurch zumindest für die Dauer einer Ausstellung zu erhalten. Doch nicht allein die Sandbauten, selbst Skulpturen aus anderen Materialien – wie Treibgut – sind nicht für die Ewigkeit tauglich. Sie überleben die gegebenen Umstände nicht lang. Schluckt sie nicht die Flut, so setzen UV-Strahlung und Witterungseinflüsse Farben und Material enorm zu. Es modert, verblasst, bricht, rostet ..  Vergängliche Kunst.

Seit einigen Jahren wird Sandmalerei noch auf eine ganz andere Art und Weise ausgeführt, und in dem Fall ist nicht das Endergebnis, sondern das kontinuierliche Beobachten, der Entwicklungsprozess, unheimlich interessant! Hier findet nämlich mehr ein Streuen und Wischen denn ein Malen statt. Die Künstler verwenden dazu unterschiedlich gefärbten Sand und verändern ihr Werk ständig. Laufend wird neu Sand hinzugefügt, vermischt, vermengt, neu arrangiert. Mit Staunen nimmt man als  Zuschauer wahr, wie sich Bilder ändern, sich neue Motive wie von Zauberhand herausbilden, sich weiter entwickeln, um durch wieder anderes abgelöst zu werden. Eine ganze Geschichte entsteht auf diese Art.
Und am Ende wird alles verwischt … Vergängliche Kunst.

Was am Meer ein Opfer der Gezeiten wird, erlebt an Land oftmals sein letztes Stündlein, sobald Regen einsetzt. 3D-Kreidezeichnungen auf Asphalt, die einem vorgaukeln, man schaue in den Abgrund und stehe vor einem Wasserfall. So reizvoll, so plastisch, so vergänglich
Apropos Kreidegemälde. Haben Sie das Geschehen vor wenigen Tagen mitbekommen, als eine Siebenjährige draußen mit Kreide malte und die Eltern daraufhin Schwierigkeiten mit dem Ordnungsamt bekamen? Ich schwitze jetzt noch nachträglich, denn offenbar haben wir vor vielen Jahren richtig Glück gehabt, dass kein Kontrolleur vorbeikam. Was haben meine Kinder (und die der Nachbarn) nicht alles auf den Asphalt des Wendeplatzes unserer Sackgasse gemalt: Läden, Gefängnisse, Krankenhäuser, Hubschrauberlandeplätze, Bushaltestellen, Schulen, Arztpraxen, Polizeistationen und selbstverständlich Straßen en masse nebst aller Verkehrsschilder …!
Wir haben geübt für das Leben da draußen! Das Verhalten im richtigen Stadtverkehr! Wie man heil zur Schule und zurück kommt! Jedes Mal hat bereits der nächste Regen die ganze Kreidewelt wieder beseitigt.
Es ist jedem klar, dass sich kein Erwachsener mit wasserfester Farbe selbst seine Privatparkplätze vor der Haustür einzeichnen darf, aber wenn ein Kind mit rosa und hellblauer Kreide ein oder zwei bestimmt nicht mit exakten Linien gezogene Rechtecke samt großem „P“ vor dem eigenen Haus malt, dann begreife ich wirklich nicht, warum dies ein Fall für das Ordnungsamt ist. Hätte nicht die Großmutter inzwischen zum Schlauch gegriffen und das Werk eliminiert, herrschte wahrscheinlich heute noch Zoff.
Es war vergängliche Kunst, verehrtes Ordnungsamt! Kinderkunst!

Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch etwas zeigen, was ich bei mir in der Nähe entdeckt habe.
Weil es ebenfalls vergängliche Kunst ist.

Hamburg - Mühlenteich -1

Hamburg – Mühlenteich

Am Mühlenteich in Wandsbek gibt es seit einem Jahr eine Green-Gym-Gruppe. Das sind Hobbygärtner, die ehrenamtlich im öffentlichen Raum (Mühlenteichpark) arbeiten und dabei zusätzlich mit einem Trainer sportlich aktiv sind und gymnastische Übungen machen. Die hatten die Idee, aus Ton kleine Kunstwerke an den Bäumen im Park zu hinterlassen.

Hamburg - Vergängliche Kunst am Mühlenteich - Baumstammdekor aus Ton und Blüten ...(Gesicht)

Hamburg – Vergängliche Kunst am Mühlenteich – Baumstammdekor aus Ton und Blüten …

 

Hamburg - Vergängliche Kunst am Mühlenteich - Baumstammdekor aus Ton ...

Hamburg – Vergängliche Kunst am Mühlenteich – Baumstammdekor aus Ton …

 

Hamburg - Vergängliche Kunst am Mühlenteich - Baumstammdekor aus Ton (Gesicht, weiß)

Hamburg – Vergängliche Kunst am Mühlenteich – Baumstammdekor aus Ton

 

Hamburg - Vergängliche (Ton-)Kunst am Mühlenteich

Hamburg – Vergängliche (Ton-)Kunst am Mühlenteich

Auch hier wird Nässe bzw.  die Witterung allgemein dafür sorgen, dass bald nichts mehr davon zu sehen sein wird.

Vergänglich ist nicht allein Kunst, sondern ganz eindeutig auch Zeit. Schon wieder so spät!
Ganz schnell nur noch eines:
Wissen Sie, was man von vergänglicher Kunst annimmt?
Man sagt, es scheine so, als würde ihr empfundener Wert durch die begrenzte, zudem oftmals extrem kurze Lebensdauer noch gesteigert werden.
Ich würde sagen, da ist etwas dran. An dieser These. Das ist Psychologie. Was einem nicht sicher ist, was man nicht haben und halten kann, das scheint einem immer besonders begehrenswert.

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© by Michèle Legrand, Mai 2016
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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Hamburg: Zwei Rohrstücke aus der frühen Zischzeit …

Warten Sie möglichst, bis der Bus durch ist. Sonst ergeht es Ihnen wie mir. Verstehen Sie mich nicht falsch, was sich ergab, war gar nicht so übel – nur vielleicht möchten Sie überhaupt nicht, dass an der Haltestelle wartende Menschen Ihr Treiben verfolgen und Ihnen spontan Hilfe anbieten, weil Sie irrtümlich der Ansicht sind, Sie seien auf der verzweifelten Suche nach einem Gegenstand, der Ihnen just durch die Gitterstäbe fiel und in der Tiefe verschwand. Können Sie mir folgen? Ist es zu mittendrin? Hätten Sie es lieber chronologisch? Das lässt sich auch einrichten.

Ich möchte Ihnen heute gerne ein weiteres Relikt aus vergangenen Zeiten zeigen. Mir fiel dessen Existenz am Sonnabend plötzlich wieder ein, als ich durch die noch etwas kahle Parkanlage Planten un Blomen spazierte und beim Blick über den alten Wallgraben auf der anderen Seite am Gorch-Fock-Wall das Gebäude der ehemaligen Oberpostdirektion entdeckte.

Hamburg - Blick von Planten un Blomen hinüber zur ehem. Oberpostdirektion (Gorch-Fock-Wall)

Hamburg – Blick von Planten un Blomen hinüber zur ehem. Oberpostdirektion (Gorch-Fock-Wall)

Im Sommer ist von ihr fast gar nichts zu sehen; das Laub der Bäume verdeckt alles bis auf den ein Stück über die Baumwipfel hinausragenden Turm und den goldenen, fliegenden Merkur, der auf seiner Spitze im Sonnenlicht funkelt.

Hamburg - Turm der ehem. Oberpostdirektion am Stephansplatz

Hamburg – Turm der ehem. Oberpostdirektion am Stephansplatz (Sommerfoto)

Bei Sonnenschein und blauem Himmel leuchtet die wilhelminische Prachtfassade sehr viel freundlicher und intensiver, nur gibt es für Sie heute leider lediglich die gedämpfte Ansicht. Als ich dort war, wollte die graue Wolkendecke partout nicht aufreißen.
Bei fehlendem Lärm- und Sichtschutz aufgrund unbelaubter Bäume offenbart sich ganz besonders, was für ein immenser Verkehr hier an der Kreuzung am Stephansplatz herrscht. Ein Taubenschlag ist nichts dagegen! Doch dieser Umstand ist absolut nicht neu. Bereits 1922 gab es in diesem Bereich ein derart hohes Verkehrsaufkommen, dass genau an dieser Kreuzung die erste Ampel Deutschlands aufgestellt wurde.
(Bevor Sie anmerken, so viel Autos seien gar nicht zu sehen, sei Ihnen verraten, dass ich einen der wenigen ruhigeren Momente zum Fotografieren abpasste.)

Hamburg - Ehem. Oberpostdirektion am Stephansplatz, Ecke Gorch-Fock-Wall

Hamburg – Ehem. Oberpostdirektion am Stephansplatz, Ecke Gorch-Fock-Wall

 

Hamburg - Alte Oberpostdirektion (Dammtorstraßen-Seite)

Hamburg – Alte Oberpostdirektion (Dammtorstraßen-Seite)

Sie sehen auf dem oberen Foto, die alte Oberpostdirektion war in einem Eckgebäude untergebracht. Es ragt mit einem Flügel in die Dammtorstraße, mit dem anderen in den Gorch-Fock-Wall – und genau auf diese Seite würde ich Sie jetzt gern einmal ziehen. Laufen Sie von der Ecke aus entlang des Gebäudes und zählen dabei die Lichtschächte an den Kellerfenstern. Bei Nummer fünf stoppen Sie bitte.
In dem Moment befinden Sie sich außerdem auf Höhe einer Bushaltestelle, was mich wieder zu der am Beginn geschilderten Empfehlung führt …
Das, was es heute zu sehen gibt, verbirgt sich in Lichtschacht Nr. 5, der, wie alle anderen, zu einem Großteil von einem Gitter verdeckt ist.

Hamburg - Ehem. Oberpostdirektion - Lichtschacht Nr. 5 auf der Gorch-Fock-Wall Seite ...

Hamburg – Ehem. Oberpostdirektion – Lichtschacht Nr. 5 auf der Gorch-Fock-Wall Seite …

Sobald Sie sich länger oder tiefer über das Gitter beugen, womöglich obendrein in die Hocke gehen, um das Darunter besser erkennen zu können, wird automatisch der ein oder andere Buswartende aufmerksam. In meinem Fall tauchte mit einem Mal ein Herr neben mir auf. Er zeigte sich leicht besorgt und erkundigte sich äußerst hilfsbereit:
„Kann ich Ihnen helfen? Haben Sie etwas verloren? Schlüssel …?“
Er reagierte verdutzt, als ich verneinte, und so verriet ich ihm, wonach ich schaute. Überrascht kauerte er sich prompt ebenfalls nieder, um es sich etwas genauer anzusehen.

Hamburg - Ehem. Oberpostdirektion am Stephansplatz, Ecke Gorch-Fock-Wall - Die letzten sichtbaren Überbleibsel der Rohrpost ...

Hamburg – Ehem. Oberpostdirektion am Stephansplatz, Ecke Gorch-Fock-Wall – Die letzten sichtbaren Überbleibsel der Rohrpost …

Wir spähten gemeinsam durch die Stäbe.
„Schauen Sie, sehen Sie diese beiden Rohrstücke, die dort unten quer durch die Öffnung verlaufen?“
„Ja, sehe ich“, meinte er.
„Das sind die letzten sichtbaren Beweise einer einst existierenden Rohrpost.
„Was? Die da?“ Er wirkte verblüfft. „Die sind ja so dünn! War so etwas nicht dicker? Passt da überhaupt was rein?“

„Aber sicher! Was Sie vielleicht in Erinnerung haben, ist die Großrohrpost, die später Teile Hamburgs unterirdisch miteinander verband. Die Rohre dieser ersten Rohrpost, der, die 1864 einführt wurde, waren aber nicht so üppig dimensioniert. Diese hier gehörten zu einer Strecke, die vom Jahr 1887 an die Börse hinterm Rathaus am Adolphsplatz mit dem Telegrafenamt hier am Stephansplatz verband. Die Schriftstücke mit Nachrichten wurden meist gerollt, in kleine Büchsen gelegt – und ab ging die Post.“
Mein hilfsbereiter Mitgucker schien interessiert bis moderat gefesselt, nur kam sein Bus, und so entschwand er mit einem: „Hab ich überhaupt nicht gewusst, und ich komme beinahe jeden Tag hier vorbei!“

Rohrpost in Hamburg

Rohrpost! Sie war seinerzeit enorm flott unterwegs! Vielleicht sind Sie auch erstaunt, wenn Sie hören, dass eine der kleinen zischenden Rohrsendungen von der Börse zum Telegrafenamt keine zweieinhalb Minuten brauchte.
Überlegen Sie doch nur, würden Sie heute aus dem Börsengebäude via Internet eine Mail zum Stephansplatz verschicken, käme die – angesichts notwendiger Spam- und Virenprüfung vorweg – kaum eher beim Empfänger an. Wäre stattdessen aber vermutlich auf dem Weg von A nach B von irgendwelchen Geheimdiensten angezapft, mitgelesen und gespeichert worden.
So etwas konnte bei der Rohrpost nicht passieren. Rein theoretisch hätte jemand irgendwo das Rohr ansägen, öffnen und versuchen können, eine durchflitzende Büchse herauszufischen. Aber die Rohre verliefen unterirdisch, die Sendungen hatten einen enormen Zacken drauf, und es gab sogar einen Alarm bei einigen Verbindungen, der ausgelöst wurde, sobald eine Kartusche nicht zur berechneten Zeit am Zielort ankam. Ein Punkt für die Rohrpost.

Was noch? Was sprach für diese Versandart?
Wenn man die Briefe damals mit Pferdewagen oder später – zunächst mit der Straßenbahn (sie hatte einen Eilpostbriefkasten!), nach dem Zweiten Weltkrieg mehr und mehr per Auto – via Straße beförderte, gingen dafür statt zweieinhalb mindestens zwanzig Minuten ins Land. (Angesichts der heutigen Laufzeit einiger Briefe dennoch eine Traumzeit, oder?) Meist benötigten sie jedoch auch etwas länger, denn der Innenstadtbereich war schon damals gern verstopft, was zur Folge hatte, dass die Post austeilenden Boten sich ständig verspäteten.
Wen störte es ganz besonders?
Sie erinnern sich, welchen Ausgangsort vorhin die Rohrpost mit Ziel Telegrafenamt hatte? Na …? Genau! Natürlich brachte es die Börsenmakler auf die Palme! Bei denen zählte jede Minute, sonst drohte der Verlust baren Geldes. Sie mussten ihre Nachrichten so schnell wie möglich weitergeleitet haben bzw. zugestellt bekommen.

Das ganze Streckennetz der Rohrpost kam im Stadtbereich bald auf eine Länge von ungefähr 43 Kilometern.
Wie sich die Büchsen bewegten?
Das Versenden funktionierte durch ein Druckluftsystem. Ansaugen und wegpusten und zwar mit erheblicher Power! Mit etwa 40 km/h zischten die Geschosse durch die Rohre.
Was der mitschauende Herr am Lichtschacht ganz richtig in Frage stellte, war die mangelnde Kapazität. Sie können sich vorstellen, so sehr viel passte nicht in die kleinen Kartuschen, doch das Brief- bzw. Postaufkommen insgesamt wuchs rapide. Aus diesem Grund und natürlich, weil der Verkehr auf den Straßen keinesfalls weniger wurde, ersann man nach der ersten Rohrpostversion mit den kleinen Rohrdurchmessern in späteren Jahren eine weitere Variante, die Großrohrpost. Deren Rohre hatten einen Durchmesser von 45 cm und die dort loskatapultierten Transportbehälter (diesmal auf Rollen) fassten ca. 2000 Briefe.

Nur was Ende des 19. Jahrhunderts noch verhältnismäßig einfach ging, nämlich das Verlegen von relativ dünnen Rohren in ein noch nicht so „überfülltes“ Erdreich in einer Tiefe von ca. einem bis maximal zwei Metern, bescherte später in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts beim Projekt Großrohrpost erhebliche Probleme. Nicht allein, dass nun viel dickere Rohre verlegt werden mussten, das gesamte Rohrsystem musste auch tiefer verlaufen. Zum einen geschützter, zum anderen deshalb, weil sich mittlerweile fast überall etwas im Weg befand. Es gab U- und S-Bahnlinien, es verliefen dicht verzweigt die Wasser- und Gasleitungen unter der Stadt und das Telefonnetz behinderte genauso wie viele in der Zwischenzeit entstandene Auto- und Fußgängertunnel.

Doch gestaltete sich nicht nur die Einrichtung mühsam, sondern bedauerlicherweise war das System Rohrpost von jeher trotz vieler unschlagbarer Vorteile auch mit erheblichen Nachteilen behaftet. Es war störanfällig.
Als die Rohrpost noch nicht so tief liegende Rohre hatte, erlitt sie durch Bombardierungen während des Krieges großen Schaden, und die Flickschusterei oder eine Umleitung in andere Rohre half nur kurzfristig. Wenn durch weitere Bombenschäden das angesteuerte Alternativpostamt bereits nicht mehr existierte, brachte es im Endeffekt gar nichts.
Erschütterungen durch die Straßenbahn lösten von Zeit zu Zeit ebenfalls Schäden aus.

Dabei hatten die dünnen Rohre noch den Vorteil, dass sie durchgängig verbunden waren. Die neueren Rohre mit dem großen Durchmesser wurden als einzelne Segmente verlegt. Sie brauchen nur an den Schwerlastverkehr oder auch die vielen Baustellen und Bautätigkeiten in Hamburg – auch schon in früheren Zeiten – denken und schon ist Ihnen klar: Bewegungen im Erdreich waren vorprogrammiert!
Ständig verrutschten die Anschlüsse der Rohrelemente und verschoben sich gegeneinander. Über die entstandenen Absätze im Rohr kamen die Rollen der Behälter nicht hinüber – schon gab es eine neue Störungsmeldung. Und die Suche nach der Blockadestelle begann. Finden Sie mal auf einer mehrere Kilometer langen Strecke unter Tage sofort den Punkt, an dem es hakt …
Irgendwann war man es leid, ständig Unterbrechungen zu haben und beklagte bitterlich die dabei regelmäßig entstehenden hohen Wartungskosten. Das Ende der Ära Rohrpost bahnte sich an. Nach immerhin 112 Jahren – mit leichten Unterbrechungen und Streckenbeschränkungen nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Entstehung der Großrohrpost in den 60er Jahren – nahm Hamburg 1976 endgültig Abschied von dieser Versandart.

Reste der großen Rohre können Sie lange suchen. Entweder wurden sie entfernt, wenn sie bei neuen Bauvorhaben und Straßenanlagen bzw. -änderungen störten oder man verfüllte sie mit Erde. Soweit mir bekannt ist, gibt es nirgendwo vergleichbare Überbleibsel, welche wie die beiden Rohre am Stephansplatz im Lichtschacht der ehemaligen Oberpostdirektion noch direkt sichtbar wären.

Mein Großpapa hat mir einmal einen recht alten Briefumschlag gezeigt, auf dem ein Stempelvermerk zu sehen war, der verriet, dass er einen Teil der Strecke mit der Rohrpost befördert worden war. Vorbei die Zeit. Und vorbei auch die Zeit, in der sich jede Kartusche mit einem durch die Druckluft entstandenem Zischen ankündigte und mit einem eindeutigen Aufprallgeräusch an ihrem Zielort landete.
Die Zischzeit hat ihr Ende gefunden. Endgültig? Komplett? Oder …

Es gibt sie an einigen Stellen noch hausintern! So wie es ja auch immer noch Paternoster gibt. Rohrpostsysteme existieren in einigen Firmen, die ihren Sitz in großen Gebäudekomplexen haben, aber auch in mancher Hochschule oder in Krankenhäusern. Dort wird diese praktische und schnelle Versandart genutzt, um weite Wege zu vermeiden sowie Zeit zu sparen. An diesen Orten werden weiterhin Dokumente oder Wertgegenstände zwischen Kasse und Tresor bzw. Blutproben, Berichte etc. zwischen OP und Labor oder aber Material, Lieferscheine, Anordnungen und was nicht alles zwischen Lager, Werk und Büro hin- und hergesandt.
Zischhhhh – Rummms.
(Doch glauben Sie mir, auch diese Tage sind gezählt … Nur die ganz neu entwickelten, hochmodernen Rohrversandanlagen mögen davon ausgenommen sein.)

Nun haben Sie wieder ein Stückchen altes Hamburg kennengelernt.

Damit Ihnen die Stadt bei Betrachtung der Fotos diesmal nicht nur reichlich grau vorkommt, gibt es zur dezenten farblichen Aufmunterung zum Abschluss  die Blüten der Zaubernuss-Sträucher, die gerade ersatzweise in den Beeten von Planten und Blomen etwas Helligkeit und Sonnengefühl vermitteln.

Hamburg - Planten un Blomen - Die Zaubernuss (Hamamelis) ersetzt fehlenden Sonnenschein ...

Hamburg – Planten un Blomen – Die Zaubernuss (Hamamelis) ersetzt fehlenden Sonnenschein …

 

Hamburg - Planten un Blomen - Die zarten Blüten der Zaubernuss (Hamamelis) ...

Hamburg – Planten un Blomen – Die zarten Blüten der Zaubernuss (Hamamelis) …

 

Eine gute Woche für Sie!
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© by Michèle Legrand, Februar 2016

Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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Relaxmodus, Radbruch und ein Chamäleon

Viel habe ich mir für heute nicht vorgenommen. Ich bin nämlich im Entspannungsmodus. Relaxen nach den
Feiertagen. Wenigstens ein Weilchen.
Sie auch? Oder arbeiten Sie bereits wieder?
So schön Weihnachten ist, es ist etwas anstrengend. Ich spreche von davor und danach. In jener längeren Vorbereitungsphase und komischerweise hinterher, sobald alle gegangen sind und das Abschlaffen einsetzt.
Mir geht es jedenfalls so.
Der Mensch tickt schon eigenartig. Alles verläuft schön und harmonisch an sämtlichen Festtagen inklusive der diesjährigen Extraverlängerung durch das Wochenende – trotzdem ist danach die Luft raus. Kurzzeitig.

Es mag daran liegen, dass ich definitiv mehr Merkmale des Typs introvertiert als solche der Gattung extrovertiert aufweise. Das bedeutet, mir ist es zwar möglich, chamäleongleich über gewisse Zeit eine nahezu preisverdächtige Anpassung an beinahe jegliche Situation und das entsprechende Umfeld zu vollbringen, alle Aktivitäten über einen überschaubaren Zeitraum je nach Zu- oder Abneigung auch richtig genießen bzw. zumindest ertragen zu können, doch dieses Anpassen und der Umgang mit vielen Menschen gleichzeitig, beides kostet Kraft, zapft ordentlich den internen Akku an und fordert seinen Tribut.
Wohlgemerkt, verursacht wird es nicht durch das passive Beobachten von Menschenmassen oder deren bloßes Vorhandensein, sondern tritt ein, sobald der direkte Kontakt inbegriffen ist. Das auf viele eingehen, mit allen interagieren.
Ein extrovertierter Mensch läuft bei solchen Anlässen und mitten im Gewühl zu seiner Höchstform auf und lädt dabei seine Energiereserven sogar noch auf! Er hält am Ende eines Veranstaltungsmarathons eigentlich schon Ausschau nach der nächsten großen Sache. Beneidenswert – was diese Power angeht!
Ansonsten muss ich nicht unbedingt tauschen.

Es kann – rein von der Logik her – gar nicht anders sein.
Wenn Sie mehr der Zuhörer sind, haben Sie eine Menge an Input zu verarbeiten, rufen bereits früher Gespeichertes dazu ab, damit Sie gezielt auf etwas eingehen oder zu etwas beitragen können und somit mit dem Gegenüber ein möglichst intensives, tiefergehendes Gespräch führen können. Das mit den stundenlangen, eher an der Oberfläche bleibenden und sich nicht groß unterscheidenden Gesprächsfetzen, ausgetauscht mit einer Unmenge von Personen, ist nicht so Ihr Ding. Vielleicht mögen Sie es auch insgesamt leiser.
Andere hingegen lieben genau das Gegenteil. Sie blühen im großen Kreis auf und sind die Sprecher. Es sprudelt nur so aus ihnen heraus. Gern auch lauter.

Introvertiert ist womöglich gar nicht immer und automatisch extrem nach innen gewandt, nimmt jedoch verstärkt auf (und zwar mit allen Sinnen) und muss somit reichlich verdauen.
Introvertiert löst seltener aus, sondern reagiert.
Introvertiert schweigt meist beim Denken.
Extrovertiert lässt hingegen zunächst (manchmal auch generell) Inhalt seines Speichers frei und ist entlastet. So wie ich es erlebt habe, besitzen extrovertierte Menschen hin und wieder sogar die Angewohnheit, „sprechzudenken“. Jede einzelne Überlegung wird laut ausgesprochen.
Extrovertiert übernimmt den aktiven Part. Hat dadurch oft auch das Drehbuch in der Hand und weiß, wie es weitergeht. Was denjenigen sicher entspannt.
Extrovertiert inhaliert Aufmerksamkeit und Beifall in tiefen Lungenzügen. Das wirkt wie der Anschluss an die Steckdose! Eine Person dieses Typs kann bei einer derartigen Wirkweise natürlich lange durchhalten.
Extrovertiert heißt nicht automatisch Rampensau oder stets narzisstisch veranlagt. Menschen dieses Typs kommen oft sehr gut in Gruppen und Teams klar!
Schon interessant …
Mich beeindruckt stets am meisten, aus welch unterschiedlichen Quellen Introvertierte und Extrovertierte Ihre Energie schöpfen.

Ich fühle mich grundsätzlich wohl, so wie es ist. Ich leide partout nicht, vermisse nichts, sondern genieße tatsächlich das Wirken im Hintergrund, auch das Alleinsein und die an rege Betriebsamkeit anschließende Ruhe, die einem Extrovertierten schon wieder kolossal auf die Nerven geht.
Ich brauche diese Ruhephase allerdings auch.

Nein, so wie es ist, ist alles gut. Es ist sogar bestens, solange nicht permanent Chamäleonfähigkeiten nötig sind und solange nach Unruhe Ruhe und nach Lärm Stille folgt.

Die kleine Lady, meine Enkelin, war dieses Jahr beim Weihnachten feiern neu mit von der Partie. Premiere!
Ich habe keine Ahnung, in welche Richtung sie sich entwickeln wird. Extrovertiert, introvertiert, irgendetwas in der Mitte … Wer weiß das schon nach sieben Wochen mitmischen auf dieser Welt.
Ich weiß, dass sie bisher vom Arm aus lieber konzentriert zur Gardinenstange an die Zimmerdecke schaut, als zum beleuchteten Tannenbaum vor ihrer Nase. Sagt das etwas aus? Tendenz introvertiert?
Zeigt die Vorliebe für eine unspektakuläre Zimmerdecke eine Sehnsucht nach einem ruhigeren Plätzchen.
Kein Verlangen nach Glitzerwelt?
Wenn sie lächelt, schmelzen Sie. Ratzfatz. Da geht nämlich die Sonne auf. Sie können gar nicht länger ernst oder grummelig schauen. Absolut keine Chance. Ein erstes Zeichen für eine gewisse Extraversion?
So ein Anlächeln ist doch eindeutig kontaktfreudig, aktiv, zieht  Aufmerksamkeit auf die eigene Person …

Papperlapapp! Spekulation! An den Haaren herbeigezogen!
Das lässt alles keine Rückschlüsse bezüglich der weiteren Entwicklung zu. Es ist viel zu früh für irgendeine verlässliche Aussage. Ich beobachte es weiter, und wir sprechen uns in ein paar Jahren wieder zu diesem Thema. Oder sie schreibt Ihnen später dazu in ihrem eigenen Blog, so um das Jahr 2035.

Beim Gedanken an die ganz junge Generation fällt mir der Vater mit dem Kleinkind ein, den ich unterwegs gesehen habe. Ein Stofftier war dabei, das der Steppke unter seinen Arm geklemmt hatte. Eines von diesen in natura einige Meter aufragenden Steppenbewohnern auf dünnen, hohen Beinen. Die mit dem ewig langen Hals und der blauen Zunge. Bei seinem tierischen Gefährten schlackerten allerdings die Beine wie Sülze, und der Hals kippte ziemlich lasch zur Seite. Ich horchte auf, als der Name des Stofffreundes fiel:
„Pass auf, dass die Beine von Schlaraffe nicht in der Rolltreppe einklemmen!“, sagte sein Vater.
Schlaraffe! Sehr passend. (Falls Sie jetzt immer noch nicht wissen, von welchem Tier die Rede ist, kann ich Ihnen auch nicht helfen …)

Apropos schlaff. Sie kennen die hier gelegentlich auftauchenden Gedankensprünge. Das Wort schlaff löst gerade einen neuen Hüpfer aus.

Lüneburg - "Am Sande" am Abend

Lüneburg – „Am Sande“ am Abend

Etwas schlaff fühlte ich mich kürzlich in Lüneburg und zwar nach einem Aufenthalt mit ausgedehntem Spaziergang. Der Abend nahte, ich freute mich auf daheim und genoss ermattet das Sinken in die Sitzpolster des Zuges, der mich von Lüneburg zurück nach Hamburg bringen sollte. Die Reise sollte noch ein bisschen dauern, denn das Fahrtempo ging hin und wieder herunter, und der Zug hielt sogar einige Zeit auf der Strecke.
Grund dafür ist meist, dass der Metronom, der hier verkehrt, schnellere Züge der DB (z. B. den ICE) vorbeilassen muss. Aufgrund der Gleissituation können ICE und Metronom nicht immer parallel und zeitgleich fahren. Einer muss zwangsläufig ausweichen.

Lüneburg - "Am Sande" mit Gebäude der Landeszeitung

Lüneburg – „Am Sande“

 

Kaum wieder angefahren, ruckelte es fünf Minuten später erneut, die Geschwindigkeit wurde abrupt gedrosselt, und beim Hochsehen fiel mein Blick auf das schmale Display am Wagenende. Hier werden Informationen jeglicher Art einblendet.

Radbruch

Ach, herrje! Deshalb wurde abgebremst? Ein technischer Ausfall? Musste das gerade jetzt sein? Ewiger Aufenthalt im Waggon, keine Aussicht auf baldiges Eintreffen im Hamburger Hauptbahnhof? Reparatur oder Abschleppmanöver? Wenn das nicht ging, blühte vielleicht sogar ein Aussteigen auf freier Strecke?

Radbruch im Metronom? (Display zeigt dieses Wort)

Radbruch im Metronom?

Ich hatte noch gar nicht zu Ende gestöhnt, da folgte eine freundlich klingende Durchsage:
„Verehrte Fahrgäste, wir erreichen in Kürze Radbruch. Nächster Halt in Radbruch.“

Jetzt mal ehrlich! Wer denkt sich denn solche Ortsnamen aus!
Fand sich nichts Aparteres und vor allem etwas weniger Verwirrendes? Ich fürchte, wenn man hier nichts unternimmt und gegensteuert, gibt es demnächst Orte, die Motorschaden, Reifenpanne oder Druckluftverlust heißen. (Alles Nachbarorte des Dorfes Schrottplatz …)

Verwunderung und leichtes inneres Aufmucken hielten jedoch nicht lange an. Die Erleichterung überwog, dass es keine Materialermüdung an den Rädern war und die Fahrt weiterging. Ausgedehnter als die Hinfahrt war sie trotzdem.
Es gibt zwei zeitlich unterschiedliche Touren des Metronoms. Die Strecke bleibt dieselbe, aber die Zahl der Stopps variiert. Bei der Hinfahrt hatte ich die Kurzvariante, den Sprinter, erwischt und die flotte Durchfahrt durch Radbruch überhaupt nicht registriert. Nun hielt der Zug an jeder Milchkanne. So lernt man auch seine Umgebung kennen.
Und glauben Sie mir, einen unschlagbaren Vorteil hat ein verquerer Name! Während alle anderen Haltepunkte schon wieder namentlich aus meinem Gedächtnis gelöscht sind, haftet Radbruch bis in alle Ewigkeit.

Und vielleicht auch die Erinnerung an eine Frau! Die mysteriöse, weißhaarige Dame, die mehrmals durch den Zugwagen strich. Von der äußeren Erscheinung her jemand, der gut den Namen Ruth tragen könnte. Sie beklagte die verbrauchte Luft und konnte sich irgendwie nicht entscheiden, wo sie sich endgültig niederlassen sollte. Sie hoffte vermutlich, irgendwo ein Quäntchen mehr Sauerstoff zu erhaschen. Immer wieder tauchte sie merkwürdigerweise wie ein Gespenst aus dem Nichts auf, stand mit einem Mal direkt neben mir und war genauso urplötzlich wieder spurlos verschwunden. Magie? Gerade eben war sie doch noch hier … Wo …?
Ruth Copperfield.

Frisch ist’s geworden! Der Dezemberfrühling scheint zu Ende zu gehen. Frost kündigt sich an. Ich muss mir meine Strickjacke holen und überhaupt, Sie haben doch sicher auch noch etwas anderes vor.
Treffen wir uns im nächsten Jahr wieder. Es ist nicht mehr lang hin.
Ein bisschen bleibe ich noch in dem Relaxmodus, der fühlt sich gut an …

Ich wünsche Ihnen allen einen recht schönen Übergang in das schon vor der Tür stehende neue Jahr!
Alles erdenklich Gute für 2016! Bleiben Sie gesund und weiterhin positiv gestimmt!
Und schauen Sie gern wieder vorbei.

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© by Michèle Legrand, Dezember 2015
Andreas Grav (Ausschnitt)

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Neues vom Bodensee (1) – Flughafen Friedrichhafen, Luftschiffe und eine Erstfliegerin

Ich war weg. Geben Sie es ruhig zu, Sie haben bisher gar nichts davon gemerkt. Die Lückenlänge beim Posten gilt noch als unauffällig.
Einige Tage verbrachte ich in der Bodenseeregion etwa zwischen Konstanz und Lindau, und es könnte gut sein, dass ich Ihnen davon im Laufe der Zeit wieder ein paar Eindrücke hinterlasse. Aus Friedrichshafen, Lindau, Meersburg, Konstanz
Letztes Jahr waren Sie weiter westlich am See bei den Pfahlbauten mit von der Partie, bei der Storchenkolonie und den Berberaffen von Salem, der Insel Mainau, der Rheinfahrt nach Schaffhausen und vielem mehr. Diesmal nun ist das östliche deutsche Ufer Schwerpunkt.

Für mich ging es von Hamburg auf dem Luftweg nach Friedrichshafen und retour. Intersky, eine österreichische Regionalluftfahrtgesellschaft, bietet diese Direktverbindung an. Sie fliegt mit Turboprop-Maschinen (Typ Bombardier Dash 8 Q300 für 50 Personen). Alternativ im Einsatz ist bei dieser Linie noch das leiseste Turboprop-Flugzeug, das gebaut wurde – der Typ ATR 72-600, welcher sogar zwanzig Passagiere mehr aufnehmen kann.

Mit Intersky von Hamburg nach Friedrichshafen ... (Turboprop-Maschine auf dem Rollfeld)

Mit Intersky von Hamburg nach Friedrichshafen …

Sind Sie schon einmal mit einer Propellermaschine geflogen? Nicht?
Ich vorher auch nicht. Selbst mein lang zurückliegender erster Flug im Jahre 1977 fand mit einer de Havilland Comet statt, einem Flugzeug mit Düsentriebwerk, und bei dieser Antriebsform blieb es. Im Laufe der Jahre sind lediglich die Maschinen immer größer geworden. Stehen Sie nun mit einem Mal vor einem Hüpfer von nur knapp 26 m Länge, ist das reichlich ungewohnt, und auch der Anblick von Propellern versetzt ein wenig zurück in vergangene Zeiten.

Diese kleinen Luftfahrtgesellschaften haben nicht das Riesenaufgebot an Personal, das Lufthansa, KLM oder Air France für die Abfertigung ihrer Flugzeuge besitzen. Sie brauchen es auch nicht. Während Sie bei den „Großen“ auf Ihrem Weg vom Einchecken bis zum Platznehmen in der Maschine diverse Angestellte kennenlernen, ist das bei den „Kleinen“ anders. Sie treffen beim Einchecken – nennen wir ihn – David Mantoff, und er erklärt Ihnen, dass Ihr Gepäck vorläufig auf „stand by“ bleibt.
Nicht, dass man sich sorgen müsste, womöglich nicht mitzukommen! Nein, nein. Es wäre ja alles gebucht und die Maschine sei von der Passagieranzahl her auch noch gar nicht ausgelastet. Es ginge vielmehr um die Trimmung.
Bei den kleinen Maschinen muss alles ordentlich gestaut, die Passagiere müssen korrekt verteilt werden. Wenn der Ballast nur auf einer Seite ist, entsteht womöglich Schlagseite. Nicht auszudenken, dass der Vogel bereits auf dem Rollfeld umkippt …
Sie bekommen deshalb zu diesem Zeitpunkt unter Umständen auch noch keinen Sitzplatz zugeteilt. Sie verstehen, man muss ja erst einmal schauen, wo Ihre persönlichen Körperkilos noch benötigt werden! Rechts hinten, links vorne … Vielleicht müssen Sie auch Ihr Bein während des gesamten Fluges in den Gang ragen lassen – wegen der Balance.
David sagt Ihnen also während der Gepäckaufgabe, dass Sie sich, sobald das Boarding beginnt, beim Personal melden sollen, damit Sie Ihre endgültige Sitzplatznummer erhalten. Gut, wird gemacht.
Wer kommt nach Schließung des Check-In-Schalters oben herbeigeeilt, um im Abflugbereich unten das Boarding zu erledigen? David Mantoff. Er regelt auch die Sache mit der Busanforderung. Der muss heute offenbar ausnahmsweise eingesetzt werden, da die Maschine wohl weiter weg parkt als gewöhnlich und nicht zu Fuß erreicht werden kann. Und wer taucht obendrein draußen am Bus auf, um noch etwas vor Abfahrt zu klären? David Mantoff. Soll ich Ihnen etwas verraten?
Es hätte mich überhaupt nicht gewundert, wenn in der Maschine folgende Durchsage über Lautsprecher erklungen wäre:
„Guten Morgen, verehrte Fluggäste, hier spricht Ihr Kapitän. Ich begrüße Sie recht herzlich an Bord zu unserem heutigen Flug von Hamburg nach Friedrichshafen. Mein Name ist David Mantoff, und ich …“
Der fliegt doch garantiert auch noch selbst!

Die Maschine ist nicht ganz voll. Einen Sitzplatz habe ich mittlerweile, einen neuen Nachbarn dazu. Beim engagierten Trimmen hat man mich kurzerhand vom Gemahl getrennt. Der sitzt nun zwei Reihen weiter vorne auf der anderen Seite und hat ebenfalls einen fremden Sitznachbarn. Gewogen hat man uns vorher nicht. Menschengewicht unbekannt, demnach irrelevant. Warum wir trotzdem anders zusammengewürfelt wurden, dürfen Sie mich nicht fragen. Ich habe keine Ahnung!
Ansonsten läuft alles reibungslos. Der Grundton, dieses beständige Brummen während des Fliegens, wirkt beruhigend. Jedenfalls solange es gleichmäßig bleibt. Sobald es irgendwie hakelt, schauen Sie automatisch hinaus zum Propeller … Nein, alles okay, und die Entfernung zum Schwäbischen Meer schrumpft schnell.
Praktisch – so eine Direktverbindung an den Bodensee.

Der Flughafen Friedrichshafen ist klein, aber fein. Er hat jetzt gerade am Sonnabend (10. Oktober 2015) sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Das Dornier Museum für Luft- und Raumfahrtgeschichte befindet sich gleich nebenan. Bei der Anfahrt zum Flughafen sehen Sie bereits zwischen dem eigentlichen Museumsgebäude und dem Rollfeld des Flughafens einige der dort ausgestellten Flugzeuge.
Nicht diese Flugzeuge, aber die unmittelbare Umgebung und das Geschehen am Flugplatz hat man im Blick, wenn man die Aussichtsterrasse des Airports besucht. Da vor dem Rückflug etwas Wartezeit entstand, nutzte ich diese Gelegenheit. Die Dachterrasse hat der Flughafengröße entsprechende Abmessungen und befindet sich in der schwindelerregenden Höhe eines ungefähr zweiten Geschosses. Ich frotzele etwas herum, aber in Wirklichkeit finde ich sie schön und Sie sind dort sehr nah dran am Geschehen!

Der enorme Andrang auf dem Rollfeld von Friedrichshafen ... Blick von der Dachterrasse - und in der Ferne erklingt Eselgeschrei.

Der enorme Andrang auf dem Rollfeld von Friedrichshafen … Blick von der Dachterrasse – und in der Ferne erklingt Eselgeschrei.

 

Dachterrassenatmosphäre ... Metall trifft auf Dachbegrünung

Dachterrassenatmosphäre … Metall trifft auf Dachbegrünung

Sportflugzeuge und kleine Privatmaschinen nutzen einen Teil des Geländes, starten und landen dort. Die Zahl der sonstigen Abflüge ist verhältnismäßig überschaubar, doch neben einigen innerdeutschen Kurzstreckenverbindungen mit den erwähnten kleineren Propellermaschinen, gibt es durchaus auch große Maschinen, die Richtung Istanbul oder Las Palmas starten. Wenn Sie in Friedrichshafen in der Stadt oder an der Uferpromerande flanieren, fällt es richtig auf, wenn eines dieser Düsenflugzeuge startet oder landet. Der Lärm ist so selten und in geringer Höhe direkt über Ihnen so herausragend, dass Sie es wahrnehmen müssen! (Und froh sind, wenn der Flieger Höhe erreicht hat bzw. gelandet ist und das Röhren der Triebwerke nachlässt.)

Dachterrasse Flughafen Friedrichshafen - Schatten-Selfie auf der Dachterrasse ...

Dachterrasse Flughafen Friedrichshafen – Schatten-Selfie auf der Dachterrasse …

Ein kleiner Flughafen wie dieser bietet den Vorteil, dass im Terminal keine langen Wege anfallen, Sie überall an den Schaltern schnell fertig sind, Ihr Gepäck bei Ankunft im Nu bereitsteht – und Sie ansonsten alles aus nächster Nähe mitbekommen. Kein kilometerlanges Rollfeld, dessen Ende Sie nicht mehr erblicken. Keine angrenzenden Areale mit interessanten Aktivitäten, die Sie nur bedauerlicherweise aus Entfernungsgründen kaum erkennen.
Und das mit der Nähe trifft sich gut!
Sie wissen, dass Friedrichshafen die Zeppelinstadt ist. Ferdinand Graf von Zeppelin gründete hier 1908 seine Luftschiffbau Zeppelin GmbH.

Ferdinand Graf von Zeppelin - Friedrichshafen (F. Muller-Belecke, Hemmoor , 2000)

Ferdinand Graf von Zeppelin – Friedrichshafen (F. Muller-Belecke, Hemmoor , 2000)

In heutigen Zeiten fliegen über dem See Zeppeline vom Typ Zeppelin NT, die in den 1990er Jahren entwickelt wurden. Es sind halbstarre Luftschiffe, die Passagierflüge unternehmen. In ihren Gondeln bzw. der Kabine ist Platz für zwei Piloten und bis zu 14 Mitreisende. (Falls Sie keine zahlenmäßig zu große Verwandtschaft haben, die unbedingt mit dabei sein und in der Gondel Platz finden muss, können Sie mit Ihrer Gesellschaft sogar während eines Zeppelinflugs heiraten!)
Diese modernen Luftschiffe starten und landen am Flughafen, was Sie durch Ihren Logenplatz auf der Dachterrasse prima mitverfolgen können!

Friedrichshafen Flughafen - Start- und Landeplatz der Zeppeline

Friedrichshafen Flughafen – Start- und Landeplatz der Zeppeline

 

Startender und landender Zeppelin in Friedrichshafen

Startender und landender Zeppelin in Friedrichshafen

Zeppelin aus Friedrichshafen (über dem Bodensee fliegend)

Zeppelin aus Friedrichshafen

 

Auch er verlässt den Flughafen zu einem neuen Rundflug ... (Zeppelin NT in Friedrichshafen)

Auch er verlässt den Flughafen zu einem neuen Rundflug …

 

Am Flughafen startender Zeppelin vom Hafen aus betrachtet ... (Friedrichshafen)

Am Flughafen startender Zeppelin vom Hafen aus betrachtet …

 

Mein Rückflug verlief technisch gesehen genauso ruhig und unspektakulär wie der Hinflug. Nur hatte ich auf der Heimreise hinter mir eine siebenjährige Erstfliegerin. Eine Stunde und vierzig Minuten Action pur mit Dauerton! Anstrengend, doch ich mochte nichts dagegen unternehmen, denn die Lütte war einfach nur extrem aufgeregt und wohl generell ein Kind der recht lebhaften Sorte. Start und Landung wurden jedenfalls von panikfreiem Kreischen begleitet, einem Kreischjuchzen. Dauergeplapper im Wechsel mit Gesängen folgte während des Flugs.
Anfangs – sie war halt in froher Erwartung – ging es ihr nicht schnell genug mit dem Start.
„Mama, wann hebt das Flugzeug ab?“
„Gleich. Wir rollen erst einmal zur Startbahn.“
Diskussion über die Funktion einer Startbahn. Die Maschine setzt sich in Bewegung.
„Mama, fliegt der jetzt los?“
„Nein, noch nicht. Wir sind noch zu langsam. Der muss erst noch viel schneller werden.“
Drei Sekunden später:
Jetzt?“
„Nein, noch nicht.“
Das Flugzeug verliert stattdessen an Geschwindigkeit und biegt in eine Kurve.
„Mama, der wird aber langsamer!“
„Ja, der muss jetzt diese Kurve nehmen. Dann steht er am Anfang der Startbahn und kann durchstarten.“
Die Kurve ist geschafft, das Kind fiebert. Stillstand. Nichts passiert.
„Der steht aber immer noch!“
„Der Pilot muss warten, bis er starten darf.“
„Warum?“
„Weil die Bahn frei sein muss, sonst stößt er noch mit einer anderen Maschine zusammen.“
Kreisch.
Beruhigung. Sekundenstille. Kritischer Blick hinaus.
„Mama, aber da ist doch keine andere Maschine!“
Glücklicherweise rollt das Flugzeug an. Der Pilot gibt Gas …
Kreisch.
„Mama“, brüllt sie gegen den Startlärm an, „fliegen wir schon?“
„Noch nicht, aber gleich. Du merkst das, wenn das Flugzeug vorne hochgeht.“
„Nur vorne? Hinten nicht?“
„Doch, auch!“
Das Flugzeug ist in der Luft.
„Wie hoch fliegt das denn noch?“
„Bis über die Wolken.“
Pause. Gesang.
„Mama, der ist aber schon hoch. Kommt der auch wirklich wieder runter?“
„Ja, kommt er.“
„Guck mal, wie klein alles ist!“
„Ja, wie Spielzeug, nicht wahr?“
„Mama, haben wir was zum Spielen mit?“
Assoziationen.
Wir haben die ersten Wolkenpakete erreicht, und es wird etwas ruppig beim Durchfliegen. Ein kleiner Zwischenkreischer, der aber nach einer Erklärung der Mutter sofort stoppt.
Und dann startet mit unverminderter Wucht ein kaum endender Begeisterungsausbruch, als wir aus der Wolkendecke auftauchen, die Sonne strahlt und sich eine weiße Pracht unter uns wie ein flauschiger Teppich ausbreitet. (Ich möchte den sehen, der dann einem kleinen Mädchen sagt, es solle jetzt bitte schön leiser sein und seine Begeisterung bremsen …)

Wolkenmeer ... Wolkengebirge ... (Blick aus dem Flugzeug bei langsam sinkender Sonne)

Wolkenmeer … Wolkengebirge …

Wir sitzen in Tragflächennähe und haben Blick auf einen der Propeller. Das Mädchen hat ihn zuletzt im Stillstand auf dem Rollfeld beachtet.
„Mama! Wir haben keine Propeller mehr!“
Kreisch.
„Joana, die drehen sich nur zu schnell. Du kannst sie nicht sehen.“
„Nein, die sind weg!!“
„Nein, sind sie nicht!“
Es geht über in Gesänge. Englischsprachig. Jedenfalls hört sich ein Teil danach an. Ich würde auf Slang eigener Kreation tippen. Die Flugbegleiterin hat eben Kekse und einen Apfel verteilt. Für eine kurze Zeit ist es stiller. Dafür rüttelt die junge Dame leidenschaftlich an meiner Rückenlehne. Übt wohl auf ihrer Seite, das Tischchen auf- und zuzuklappen. Jetzt wird es mir und vor allem meinem Rücken doch etwas zu anstrengend. Doch als ich mich umdrehe und mich mit ihr darüber verständigen will, hat die Mutter gerade selbst eingegriffen.
„Mama, kann man auf den Wolken laufen?“
„Nein, da fällst du durch.“
„Ich bin doch leicht!“
„Trotzdem.“
„Das ist aber doof …“

Ich habe den Spätflug nach Hamburg gewählt und genieße den Sonnenuntergang. Ich kreische zwar nie so los wie Joana hinter mir, aber jedes Mal bin ich innerlich, still begeistert von dem, was ich sehe. Sind Sie auch so hin und weg beim Hinausblicken aus dem Flugzeugfenster? Für Aufnahmen müsste man natürlich kurz das Bullauge öffnen können … Ach, leben wir einfach mit dem leichten Schleier auf dem Foto, oder?

Blick hinaus bei untergehender Sonne ... (Sonnenübergang aus dem Flugzeug gesehen)

Blick hinaus bei untergehender Sonne …

Mit Gesang von hinten erreichen wir Hamburg, das schon in tiefer Dunkelheit liegt. Noch einmal ertönen Juchzer und zahlreiche Begeisterungsrufe von meiner Mitfliegerin, die die vielen Lichter der Stadt unter sich voll cool findet. Und vor allem gefällt ihr ein grün leuchtendes, hell angestrahltes Fußballfeld. Sie hat tausend Fragen zu dem, was sie entdeckt.
„Wir kommen vom Land …“, erklärt die Mutter anderen Passagieren, als die Aufregung nicht abebben will.
Die Piste ist erreicht, das Flugzeug fliegt dicht über dem Boden. Die Erregung hinter mir steigert sich erneut spürbar. Sie verschluckt sich, ein Hustenanfall behindert leicht ihre folgende Frage:
„Mama, stürzen wir jetzt ab?“
„Nein, wir landen.“
Das Aufsetzen fällt recht hart aus und wird dementsprechend von einem hohen weiblichen Quietschen begleitet. Die nachfolgende Vollbremsung löst das bereits bekannte Kreischen aus. Die Bremsen kreischen auch.
„Sind wir jetzt da?“
„Ja, wir sind da.“
Die Mutter klingt erleichtert, doch ihre letzte Antwort war nicht mehr durchdacht. Sie löst bei Joana augenblicklich Hektik aus. Sie will sich viel zu früh abschnallen, hat Sorge, nicht rechtzeitig aus dem Flieger zu kommen. Gedanklich erfolgte bereits eine Umschaltung. Der Flug ist abgehakt. Es beschäftigt sie nun Onkel Horst, der sie abholen wird. Alles ist eilig, eilig, eilig …
Ich lasse sie vor mir hinaus, hole tief Luft und genieße die Ruhe. Wundere mich über den Hamburger Großflughafen, der mir plötzlich still vorkommt.

Hamburg. Daheim! Das eigene Bett wird es heute auch wieder sein.
So schön es unterwegs ist, ich freue mich immer wieder enorm auf Zuhause.
(Denken Sie sich hier bitte ein leises Begeisterungskreischen.)

 

© by Michèle Legrand, Oktober 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com

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Auf nach Dithmarschen: Kanalblick, Heulerquartier, Plattfischberechnungen u. a.

2. Oktober. Haben Sie es auch wahrgenommen? Die Dämmerung setzt inzwischen dermaßen früh ein, die absolute Dunkelheit folgt rasant. Die Restwärme des Tages ist plötzlich verschwunden. Garantiert rüsten sich mit einem leicht hinterhältigen Grinsen auch schon Regen und Nebel irgendwo im Hintergrund. Also nichts wie raus, solange es tagsüber noch so mild ist und sich der Himmel strahlend blau zeigt!
Nach der Dünenlandschaft von Boberg und dem Vorgeschmack auf Strand, brach bei mir die große Lust auf eine Meeresergänzung durch.
Nordsee!
Heute geht es daher nach Friedrichskoog – inklusive eines kleinen Abstechers nach Büsum.

Darf ich kurz einen Abschweifer machen? Mich beschäftigt es irgendwie gerade.
Sie wissen, wie das beim Hoch- oder Weitsprung abläuft, nicht wahr?
Anlauf – hüpf, hüpf – Sprung – Landung. Oder so ähnlich.
Beim Bloggen funktioniert es im Prinzip auch so. Ein Thema wird anvisiert, man konzentriert sich, läuft los,
nimmt die Hürde respektive schafft es samt Post über die Querlatte und landet den Beitrag anschließend in
der Menge. Wie gesagt, meistens.
Diesmal aber … Mensch, was habe ich mir einen abgebrochen! Um bei der Springerei zu bleiben:
Anlauf – hoppel, hoppel – Hüpfabsicht – wiederholter Nichtsprung!
Fast folgte eine komplette Aufgabe des Vorhabens, doch gestern gab es eine kuriose Entwicklung, die dann so aussah:
Nichtanlauf – versehentliches Gehoppel – Hüpflust – Sprung!
Und die Landung ganz woanders als gedacht!

Mir ist schon klar, Sie können da gar nicht folgen. Passen Sie auf, ich versuche es anders:
Meine Ursprungsidee war, die Seehundstation in Friedrichskoog zu besuchen und danach darüber zu berichten. Bebildert.
Nun, ich war dort. Doch zunächst entpuppte sich das Ziel als etwas anders als gedacht, dann sind Fotos leider nur für den privaten Gebrauch gestattet und obendrein existiert die hauseigene Website, die hinreichend Informationen bietet und die zu wiederholen mich a) langweilt und b) Ihnen keinen Mehrwert böte.
Mehrere Tage war ich folglich am schwanken. Abhaken? Schreiben? Nein. Ja. Nein. Doch! Nein!
Nein. Schluss. Zeit ist eh knapp. Plan in die Tonne. Obwohl – schade ist es schon …

Gestern laufe ich an „Steffi-Moden“ vorbei. Sehe im Fenster eine Schaufensterpuppe, die eine hüftlange Daunenjacke trägt. Die Farbe der Jacke, bzw. der Farbverlauf des Aufdrucks, täuscht von Weitem vor, das verwendete Material sei Seehundfell. Vielleicht kennen die Reiferen unter Ihnen noch die echten Seehundfellmäntel. Sehr kurzhaarig das Fell, meist relativ steif der Fall der Mäntel. Hellgrundig mit dunklen Schattierungen. Ich habe seit mindestens 30 Jahren keinen Menschen mehr damit gesehen. Ich glaube, der letzte war ein Inuit in dem Film „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“. Nach Leoparden- und Tigerprint hat die Modebranche nun also den gedruckten Seehundlook für sich entdeckt.
Kurz darauf bemerke ich außerdem – ebenfalls im Vorbeigehen – beim Fischhöker Schollen.
Moment! Seehundfell, Schollen …
Die Seehundstation! Da war doch auch etwas mit Fischen!

Und nun kam gedanklich etwas in Gang (hoppel-hoppel), was vom Alleinthema Aufzuchtstation abwich. Was auch ohne Fotos der Robben und Seehunde funktionierte. Der Entschluss lautete, Sie einfach bereits auf der Fahrt dorthin einsteigen zu lassen, mich später auf einige persönliche Nebenerkenntnisse aus der Station zu beschränken und Sie am Ende in Büsum Ihrem Schicksal zu überlassen.
Hört sich grausam an, doch Sie werden sehen, ich bringe Sie gut unter!

Nord-Ostsee-Kanal

Wenn Sie Richtung Westküste und Nordsee aufbrechen, Hamburg erst einmal hinter sich gelassen haben, um auf der Autobahn (A 23) Richtung Heide/Husum zu fahren, wird es nach einigen Kilometern Fahrt merklich entspannter und ruhiger. Ein wirklich großer Vorteil, wenn man die typische Nord-Süd-Durchgangsroute Deutschlands, die A 7, verlassen kann und in Gegenden kommt, deren Bevölkerungsdichte nicht extrem hoch ist und deren Transitverkehrsaufkommen keine so große Rolle spielt. (Die Meldung am Mittwoch, dass ein LKW, der Schweine transportierte, umkippte und dadurch eine stundenlange Vollsperrung der Autobahn bei Itzehoe erfolgen musste, bildet tatsächlich eine seltene Ausnahme.)

Sollten Sie dennoch vor Heide eine kleine Fahrpause und Bewegung brauchen, steuern Sie den Parkplatz zwischen Bokhorst und Schafstedt an. Er liegt direkt vor dem Nord-Ostsee-Kanal, fast am Beginn der Auffahrt zur Autobahnhochbrücke Hohenhörn, die über die Wasserstraße führt.
Sie werden kaum einen Parkplatz finden, der zunächst weniger spektakulär wirkt. Nur ein Fahrstreifen zum Anhalten, keine besondere Ausstattung, kein WC. Das erste, was Ihnen auffällt, ist, dass weder ein Mensch bei seinem Auto ist, noch irgendjemand in Sichtweite. Und der Bereich ist absolut überschaubar.
Das kleine Geheimnis: Es gibt einen Spazierweg, der vom Parkplatz zu den mächtigen Brückenpfeilern (h= 37,30 m) am Kanal führt. Dort am Ufer befindet sich direkt am Pfeiler ein Stück unterhalb der Fahrbahn eine Aussichtsplattform. Aus dieser Höhe haben Sie einen exzellenten Blick auf den Kanal, der Ihnen beim schnellen Überqueren der Brücke im Auto nicht vergönnt ist und in dessen Genuss Sie als Fußgänger ebenfalls nie kommen werden, weil das Begehen der Brücke nicht möglich ist.

Nord-Ostsee-Kanal - ... über einem die A23 (Brücke Hohenhörn)

Nord-Ostsee-Kanal – … über einem die A23 (Brücke Hohenhörn)

 

Nord-Ostsee-Kanal - Hohenhörn - Blick Richtung Rendsburg ...

Nord-Ostsee-Kanal – Hohenhörn – Blick Richtung Rendsburg …

Sie können den Kanalverlauf (nordöstlich) Richtung Rendsburg betrachten oder den Blick südlich Richtung Brunsbüttel richten. In der Ferne taucht die Brücke von Hochdonn auf. Während hier die Autobahnbrücke
mit 390 m Länge auskommt, u. a. weil Autos auf kürzere Distanz Steigungen überwinden können, hat die Hochdonner Brücke als Eisenbahnstrecke für die Kanalquerung nahezu die sechsfache Länge, nämlich
2218 m.

Nord-Ostsee-Kanal - Blick von Hohenhörn hinüber zur 6 km entfernten Eisenbahnbrücke von Hochdonn

Nord-Ostsee-Kanal – Blick von Hohenhörn hinüber zur 6 km entfernten Eisenbahnbrücke von Hochdonn

Selbst wenn das Bauwerk auf dem Foto nur schwach zu erkennen ist – beeindruckend, oder? Mit all
seinen Verstrebungen! Und bald 100 Jahre alt! (Bereits 1920 erbaut und 2008 vollständig saniert.)

Nord-Ostsee-Kanal - Brücke von Hochdonn in der Ferne ...

Nord-Ostsee-Kanal – Brücke von Hochdonn in der Ferne …

 

Nord-Ostsee-Kanal bei Hohenhörn - Fährverbindung ...

Nord-Ostsee-Kanal – Höhe Hohenhörn – Fährverbindung …

Friedrichskoog / Seehundstation

Hinter der Brücke Hohenhörn geht es an der Ausfahrt Schafstedt bereits von der A 23 ab und weiter Richtung Küste und Friedrichskoog. Der Weg zur Seehundstation ist vor Ort gut ausgeschildert.
Im August feierte sie ihr 30jähriges Bestehen!

Hier in Schleswig-Holstein ist Friedrichskoog die Anlaufstelle für Heuler, in Niedersachsen existiert eine entsprechende Auffangstation in Norddeich. Ziel beider ist es, verwaiste junge Seehunde, die während der Säugezeit aus unterschiedlichen Gründen den Kontakt zu ihrer Mutter verloren haben (die sogenannten „Heuler“), aufzunehmen, aufzupäppeln und wieder auszuwildern. Gleichzeitig werden Verhalten und Lebensraum erforscht oder auch Untersuchungen unternommen, die sich beispielsweise mit den Auswirkungen der Geräusche durch die Installation von Ölplattformen in der Nordsee auf die Tiere und ihr Befinden beschäftigen.
Mehr insgesamt auf der Seite der Station.

Friedrichskoog - Schafe und Windräder nahe der Seehundstation

Friedrichskoog – Nahe der Seehundstation

Obwohl die jungen Seehunde generell zwischen Anfang Juni und Mitte Juli auf den Sandbänken vor der Küste zur Welt kommen und sich daran die Säugezeit von normalerweise vier bis sechs Wochen anschließt, sind auch jetzt im Herbst noch Aufzupäppelnde in der Station. Es sind in dieser Jahreszeit keine typischen Heuler, vielmehr hilfsbedürftige, schwächere Jungtiere, die allein am Strand aufgefunden wurden.
Obendrein gibt es erwachsene Dauerbewohner in der Station; fünf Seehunde und zwei Kegelrobben. Auswilderung ist nämlich nicht immer möglich; kam ein Tier bereits in Gefangenschaft zur Welt, ist es sogar gesetzlich untersagt.
Falls Sie also vorhaben, der Station einen Besuch abzustatten, treffen Sie auf jeden Fall Tiere an, können bei ihrer Fütterung vom Beckenrand aus zusehen oder sie beim Schwimmen bzw. von einem Kelleraum aus durch Glasscheiben hindurch sogar bei deren Tauchaktionen beobachten.
Haben Sie sich auch schon gefragt, warum Seehunde und Robben offenbar gern und häufig auf dem Rücken schwimmen? Das Dahingleiten sieht immer ausgesprochen relaxt aus, als diene es allein der Entspannung oder als sei es ein Zeichen, dass sich das Tier sicher fühlt. Mag durchaus sein, doch es hat zudem einen recht speziellen Grund: Die Tauchkünstler sind hinter Plattfischen wie z. B. Schollen her, die typischerweise am Boden schwimmen. Statt nun selbst weiter „Brust“ zu schwimmen und den Kopf zum Schauen ständig nach unten zu kippen, ziehen sie die Rückenlage vor und haben ihre Augen zum Absuchen des Gewässergrunds gleich in der richtigen Position.

Friedrichskoog - Seehundstation mit der alten Kugelbake der Insel Trischen

Friedrichskoog – Seehundstation mit der alten Kugelbake der Insel Trischen

Heuler und Jungtiere haben in der Station einen separaten Bereich mit einigen kleineren Becken. Zu den Kleinen müssen Sie leider gehörig Abstand halten. Weil sie wieder freigelassen werden und sich selbst versorgen sollen, beschränkt sich der Kontakt zum Menschen auf ein Minimum. Nur die Pfleger erledigen natürlich ihre Aufgaben. Für die jungen Tiere wäre alles andere auch purer Stress.
Auf der Homepage der Station steht, wie man sie trotzdem zu sehen bekommt.

Es gibt in der Ausstellung einige Nachbildungen zur Veranschaulichung und eine Vielzahl von Informationstafeln. Zu den Seehunden, den verschiedenen Robbenarten, zu ihren Verbreitungsgebieten, zur Nahrung etc. Was mir u. a. hängenblieb sind Angaben zur Lebenserwartung. Einerseits der der Robben, aber auch der ihrer Beutefische!
Wenn er jetzt nicht gerade vorher von einem hungrigen Seehund oder eine Robbe vertilgt wird, lebt ein Kabeljau bis zu 25 Jahre. Sein Maximalgewicht beträgt ca. 40 kg.
Ein Hering kann auch so alt werden. Wiegt aber höchstens ein Kilo.
Gewicht und mögliches zu erreichendes Höchstalter hängen offenbar nicht zusammen.
Aber jetzt passen Sie auf!
Eine Scholle mit maximal 7 kg Gewicht schafft es, bis zu 50 Jahre alt zu werden! Doppelt so alt!
Können Sie mir das erklären?
Es geht ja bei der Lebenserwartung nicht allein darum, wie lange ein Fisch es schafft, seinem Jäger auszuweichen! In dem Fall würde ich einfach sagen, die Scholle ist plietscher, kennt die besseren Verstecke, lässt sich platt, wie sie ist, eventuell schwerer fangen und wird deshalb so alt. Nein, es geht mehr um die generelle Konstitution und um die Fähigkeit des Körpers, das Alter tatsächlich zu erreichen!
Welche Voraussetzungen die Scholle wohl erfüllt?
Was bei ihr wohl genetisch anders tickt als bei ihren Nachbarn Kabeljau und Hering?

Seehundstation Friedrichskoog - Die Nordsee in Sicht ...

Seehundstation Friedrichskoog – Die Nordsee in Sicht …

Robben, las ich in der Station weiter, werden um die 30 Jahre alt. Je nach Art gibt es Abweichungen davon. (Bartrobben 25-30 Jahre, Kegelrobben 20-35 Jahre, Largha Robben 30-35 Jahre). Seehunde erreichen ein Alter von etwa 15-20 Jahren. Alle Angaben dazu schwanken allerdings heftig. Einiges bezieht sich vermutlich nur auf freilebende Tiere, anderes auf Wesen, die in Gefangenschaft gehalten werden.
Ein Robbenleben von rund 30 Jahren … Ist es nicht irgendwie beachtlich, wie viele Generationen einer Familie Kegelrobbe die Scholle in ihrem langen Leben rein theoretisch kennenlernen könnte – oder wie häufig sie einem der rückenschwimmenden, zahlreichen Robbenfamilienmitglieder entkommen müsste?
Rechnen Sie die Wahrscheinlichkeit gern nach! Ein Kegelrobbenweibchen wird mit vier bis sieben Jahren geschlechtsreif …
Sagen wir es so: Die Scholle könnte noch den Ur-Ur-Ur-Enkel einer mit ihr zur gleichen Zeit geborenen Robbe kennenlernen!
Wenn Sie mit dem Rechnen fertig sind und alles gesehen haben in der Station, schauen Sie sich unbedingt noch Friedrichskoog selbst an! Es ist ein sehenswertes Plätzchen!

Büsum

Die Nordsee und den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer direkt vor der Tür – das haben sie beide. Friedrichskoog und Büsum liegen sogar an der gleichen Bucht!
Friedrichskoog befindet sich allerdings am unteren Ende, Büsum hingegen am oberen Abschluss der Ausbuchtung. Was beim Blick über die Wellen einmal quer hinüber so nah wirkt, dass Sie von Friedrichskoog aus sogar das einzeln stehende Hochhaus am Strand von Büsum erkennen können, ist außen herum über Land doch etwas weiter. Sollten Sie rein zufällig kein Boot dabeihaben und mit dem Auto nach Büsum weiterfahren, rechnen Sie ungefähr 45 km Wegstrecke ein.

Büsum - Auf Tourismus eingestellt und viel neu errichtet in den vergangenen Jahren ...

Büsum – Auf Tourismus eingestellt und viel neu errichtet in den vergangenen Jahren …

Die Stadt Büsum ist Nordseeheilbad und lebt heute stark vom Tourismus. Man hat sich in den letzten Jahren einige zusätzliche Attraktionen ausgedacht und viel neu gestaltet.
Interessant, dass Büsum bei den Übernachtungszahlen – die Nordseeküste betreffend – gleich an dritter Stelle hinter St. Peter-Ording und Westerland (Sylt) auftaucht. Das hätte ich nicht vermutet. Von mir gibt es weniger Sympathiepunkte, da das Strandgefühl nicht so recht aufkommen mag. Büsum besitzt keinen Sandstrand. Stattdessen säumt Rasen das Meer bzw. Watt. Die Strandkörbe stehen im Grünen.

Büsum mit seinem Rasen ... (und dem einzelnen Hochhaus, das man bereits von Friedrichskoog aus sehen kann)

Büsum mit seinem Rasen … (und dem einzelnen Hochhaus, das man bereits von Friedrichskoog aus sehen kann)

Was mir als Fakt nicht so behagt ist aber keine Macke der Stadt, sondern liegt darin begründet, dass es im Wattenmeer vor Dithmarschen enorme Gezeitenunterschiede gibt. Oft mehr als 3,20 Meter! Hochsande oder auch Inseln haben sich als Barrierekette (und Schutz) vor der Küste also nie gebildet. Eine Folge: Man muss Sand überall künstlich auftragen.

Nordsee - An der Promenade in Büsum

Nordsee – An der Promenade in Büsum

Die Gäste, die kommen, sind – so heißt es – fast ausschließlich aus Deutschland. Lediglich ein halbes Prozent stammt aus anderen Ländern. Tatsächlich habe ich noch nie von einem Fremdsprachler vernommen, er hätte seinen Urlaub in Büsum verbracht oder würde es namentlich zumindest kennen. „Wästerländ“ oder „Säint Pieter-Ording“ sind hingegen durchaus ein Begriff. Diese Orte haben ihren Bekanntheitsgrad jedoch zusätzlich durch internationale Sportveranstaltungen (Surf World Cup (Sylt), Kite World Cup, (St. Peter-Ording)) und die weltweite Berichterstattung darüber erlangt. Und sie haben Sand …

Büsum - Hafen

Büsum – Hafen

An manchen Tagen und speziell am Wochenende herrscht enormer Trubel in Büsum. Dann schieben sich die Menschenmengen auf der Promenade und am Hafen entlang. Andenken kaufen, Möwen knipsen, Krabbenbrötchen vertilgen. Oder anstehen, um zu den Sandbänken der Seehunde hinauszufahren. Einige Ausflugsboote laufen sogar Helgoland an, das übrigens bis zum 30. September 1922 zu Dithmarschen gehörte!

Büsum - Hafen - Hier legen auch die Ausflugsboote ab ...

Büsum – Hafen – Hier legen auch die Ausflugsboote ab …

 

Büsum - Hafen

Büsum – Hafen

 

Büsum - Am Hafen

Büsum – Am Hafen

 

Büsum - Reger Betrieb ...

Büsum – Reger Betrieb …

 

Büsum - Am Hafen

Büsum – Am Hafen

Es gibt es noch viel zu entdecken, doch für mich wird es Zeit für den Heimweg. Ich lasse Sie nun allein. Falls es Ihnen irgendwann zu wühlig wird oder der Grasstrand Ihre Stimmung irgendwie niederdrückt, dann folgen Sie bitte dem Wegweiser und melden sich bei der Urlauberseelsorge. Ja, …?

Hinweisschild Urlauberseelsorge in Büsum

Urlauberseelsorge in Büsum

Gut, dann wäre alles klar …  (Zick-Zack-Sprung vollendet – Landung geschafft)

Ein schönes Wochenende für Sie! Bis zum nächsten Mal!

© by Michèle Legrand, Oktober 2015
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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Welly Throwing – Einmal im Jahr fliegen die Stiefel …

Der erste flog hoch statt weit. Viel zu hoch!! Bekommen Sie das richtig hin? Treffen Sie gleich mit diesen verflixten … Sekunde, lassen Sie uns lieber doch von vorn beginnen!
Ich muss heute einfach etwas dazwischenschieben!
(Die Alster, die ich letztes Mal ankündigte, erscheint mit etwas Verzögerung nach diesem Post.)

Die Queen winkte! Es flogen schwere Hämmer! Ein Pylon kippte! Männer trugen Rock!
Ich habe Gummistiefel durch die Gegend geworfen! (Eigentlich auf ein Ziel. Zumindest war das der Plan.)
All das nicht drüben im United Kingdom, womöglich sogar direkt oben im Norden bei den Schotten!
Nein, hier in Hamburg!

Man könnte es akkurat so formulieren, dass seit 25 Jahren die in Hamburg lebenden Briten, die Hanseaten selbst und wer sonst Lust verspürt, einmal jährlich eingeladen sind, an einem Sommerwochenende einer kulturellen, sehr britischen Veranstaltung mit gleichzeitig stilvoller Einkaufsmöglichkeit beizuwohnen und dabei tatkräftig einen wohltätigen Zweck zu unterstützen.
Etwas salopper ausgedrückt würde ich es Ihnen so beschreiben:
Es treffen sich Briten und anglophile Deutsche aus dem Norden, die alle locker und möglichst leicht schräg drauf sind, zur sogenannten British Flair, um entspannt zu shoppen, sich zu unterhalten und unterhalten zu lassen, spendabel zu sein und um für einen guten Zweck selbst allerlei verrückte Sachen auszuprobieren.
Die Briten machen das, weil sie es kennen und lieben, es ihnen fern von daheim vermutlich ein wohliges Heimatgefühl vermittelt. Die Deutschen tun es wiederum, weil es ihnen für einige Stunden das Gefühl gibt, den doch angeblich nicht unerheblichen Teil der britisch tickenden Gene des Norddeutschen zu entdecken, den unterdrückten Briten herauszulassen und einer heimlichen Liebe zu frönen.

British Flair in Hamburg. Sehr oft ist an dem angekündigten Termin sogar das entsprechende Wetter: Typisch britisch bzw. typisch schottisch. Feucht von oben. Regen.
Nicht in diesem Jahr am zweiten Augustwochenende! An diesen beiden Tagen herrschte Sommerwetter mit herrlichem Sonnenschein.
Gerade dann findet sich eine äußerst angenehme Atmosphäre an solchen Orten, doch ganz generell kommen bei dieser Art von Veranstaltung die vielen erfreulichen, uns oft als sehr positiv auffallenden Eigenschaften und Merkmale der Nachbarn von der Insel deutlich zum Tragen: Humor, das geduldige Anstehen, Höflichkeit, Gastfreundlichkeit, entspannter Smalltalk, der leichte Hang zur Skurrilität u. v. m.
Ulkig, jedoch sehr vorteilhaft ist, dass diese Wesenszüge im Laufe der Zeit vor Ort auf sämtliche Gäste abfärben. Selbst auf die Nichtbriten!

Passend und stilgerecht ausgewählt ist natürlich auch der Ort des Geschehens: Das Gelände des Hamburger Polo Clubs in der Jenischstraße in Klein Flottbek. Grün, das Areal. So weit das Auge reicht. Polo und gepflegter englischer Rasen – eine bekannte Sportart und ein typisch britisches Merkmal. Passt. Das Pferdeschnauben ist auch nicht weit …

British Flair im Hamburger Polo Club

„British Flair“ im Hamburger Polo Club

Wenn Sie Lust haben, streifen Sie mit über das Gelände und die Ausstellung. Schauen selbst, was die British Flair ausmacht …

Shopping, Show and Charity

Bei diesem Event entdecken Sie eine Vielzahl von Ständen, an denen Sie zugreifen und Ihre typisch britisch geprägten Gelüste jeglicher Art befriedigen können. Es finden sich Schneider, die Ihnen die Anfertigung hochwertiger Maßkleidung anbieten. Muster der Tweedstoffe stehen vor Ort zur Verfügung. Es gibt Schuhhersteller, die rahmengenähtes Schuhwerk offerieren. Sie stolpern über Sonnenhüte, Halstücher und Strickröcke, Artikel für den Hund („Finest Dog Food und Lifestyle für Hund und Halter“), Accessoires für die Wohnung und Informationen über Reisen ins Königreich oder auch nach Irland. Selbstverständlich wird ausreichend für Nahrung gesorgt. Fish & Chips, Indische Currygerichte, Suppen, Spezialitäten, Süßigkeiten, heiße und kalte Getränke aller Art stehen zur Verfügung. Selbst Guinness.

Sonnenhüte und Kappen finden reißenden Absatz bei dem strahlenden Sonnenschein ...

Sonnenhüte und Kappen finden reißenden Absatz bei dem strahlenden Sonnenschein …

Bei einem der Hutstände entdeckte ich von etwas weiter entfernt ein dort aufgestelltes Textschild, von dem ich annahm, es würde mir etwas zu den Kopfbedeckungen verraten.  Ich trat näher.
„Koi-Karpfen zu vekaufen“

Wer andere Vorlieben hat, wird vielleicht bei den Fahrradspezialanfertigungen fündig oder bekommt bei chromblitzenden Motorrädern leuchtende Augen. Auch für so etwas sind Spezialisten vor Ort.

Am Stand von "Le Velo" ...

Am Stand von „Le Velo“ …

 

Holzpedale ...

Holzpedale …

 

Autos ...

Autos …

 

Hunde an Bord ... (Plüschhunde im Fahrerraum eines Minis)

Hunde an Bord …

 

Oder klopft das Herz für Oldtimer?
Die Oldtimer verschiedener Altersklassen drehen sogar kleine Runden (classic car parade), damit sie jeder in Fahrt bestaunen kann. Den Motoren bekommen die langsamen Drehzahlen auf Dauer nicht so gut, daher geben die Teilnehmer gelegentlich zwischendurch ordentlich Gas und preschen nach vorn. Was natürlich auf diesem Rasen nur auf den geraden Streckenabschnitten möglich ist. Schließlich möchte keiner mit Blitzstarts oder Raserei in den Kurven das Polofeld des Clubs zerpflügen …

MG M-Type Midget, Bj. 1930

MG M-Type Midget, Bj. 1930

 

Classic car parade - Oldtimers Concours

Classic car parade – Oldtimers Concours

 

Oldtimer aufgeklappt ... (MG Midjet Baureihe TD, Baujahr 1953)

Oldtimer aufgeklappt … (MG Midjet Baureihe TD, Baujahr 1953)

 

... Innenraum (Feuerlöscher dabei)

… Innenraum (Feuerlöscher dabei)

 

Oldtimer ....

Oldtimer ….

 

Oldtimer ...

Oldtimer …

Es wird hier und bei vielen anderen Dingen gern Show mit Charity verbunden. Sie haben immer etwas zu schauen, doch Sie können ebenfalls Lose für die Tombola kaufen oder zusätzlich für 5 € das Mitfahrrecht im Oldtimer erwerben und so gleichzeitig etwas für den guten Zweck tun. In diesem Jahr geht der Erlös der Veranstaltung an die Stiftung „Ein Platz für Kinder“.

MG M-Type Midget, Bj. 1930

MG M-Type Midget, Bj. 1930

Und sollten Sie selbst Motoren und Technik nicht vollends befriedigen, sind da immer noch Pferde, Sport und etwas fürs Gehör. Dazu gleich mehr.
Bei Veranstaltungen dieser Art bietet sich netterweise ganz unverkrampft die Möglichkeit, sich mit den Sitten und Gebräuchen der Bewohner des Kingdoms vertraut zu machen und anzufreunden.
Briten und Norddeutsche. Briten und Hamburger!
So weit auseinander, wie es manchem scheint, liegen wir wesensmäßig in Wahrheit gar nicht.
Beispiel?
Was uns im Hafen hier der Shantychor im maritimen Look samt Matrosenkragen und Akkordeonmusik, das sind dem Briten und speziell dem Schotten die Dudelsackspieler im Kilt inklusive der ergänzenden Bass- und Snaredrums.
Singt hier die Finkwarder Speeldeel und tanzt dazu eine Volkstanzgruppe in Trachten, bewegen sich die Inselnachbarn im Schottenkaro zu ihren Reels (schottische Volkstänze) und haben dabei die Bagpipes im Ohr.
Wenn Norddeutsche bei Ebbe aufkommende Langeweile verspüren, kostümieren sie sich und veranstalten ungeniert Schlittenschlickrennen im Matsch. Oder heißt es Schlickschlittenrennen? Egal! Hemmungslose Rennen im Watt jedenfalls.
Das Pendant in Sachen Zeitvertreib bei ungewöhnlichen Spielen mit eigenartigen Geräten gibt es bei den Briten in Form der Scottish Highland Games, die dort seit Jahrhunderten Tradition haben. Theoretisch beinhalten sie ca. 50 verschiedene Sportarten, doch in der Praxis wird aus den verschiedenen Disziplinen jeweils gezielt etwas herausgepickt.
(Der Baron de Coubertin, den kennen Sie als den Begründer der modernen Olympischen Spiele, dieser Baron war bei der Weltausstellung 1889 in Paris von der Präsentation einiger Highland-Sportarten so hin und weg, dass er Hammerwerfen, Kugelstoßen und Tauziehen gleich mit in seinen Wettbewerb aufnahm. Bis auf das Tauziehen sind es bis zum heutigen Tage olympische Sportarten!)

Während es drüben auf der Insel jedes Jahr eine große Anzahl von lokalen, profimäßigen Turnieren gibt, hat sich immerhin schon ein spürbares Highland-Games-Fieber auch nach Deutschland verirrt. Vielleicht ist Fieber ein bisschen zu viel gesagt. Eine ordentliche Hitzewallung ist es jedoch durchaus.
Begeisterungsfähig sind wir schon!
Heute trifft man daher selbst bei uns so dann und wann anlässlich der  „British Days“ auf starke Männer, die „Tossing the Caber“ (Baumstammwerfen) oder auch „Putting the Stone“ (Steinstoßen) betreiben.
Die British Flair in Hamburg bot ersteres, dazu „Throwing the Hammer“ (Hammerwerfen) und an einem langen Seil wurden durch die pure Muskelkraft berockter Herren zwei Autos („Minis“) gezogen.

Hammerweitwurf (Throwing the Hammer)

Hammerweitwurf (Throwing the Hammer)

 

Scottish Highland Games - Hammerweitwurf ...

Scottish Highland Games – Hammerweitwurf …

 

Was so geworfen wird ...

Was so geworfen wird …

 

Autos ziehen per Seil und purer Muskelkraft ...

Autos ziehen per Seil und purer Muskelkraft …

Als Besucher wiederum konnten Sie „Welly Throwing“ (Gummistiefelweitwurf) betreiben. Das kann von Menschen sämtlicher Altersgruppen ausgeführt werden und macht allen, vom Kind bis zum Greis, Spaß! Hand aufs Herz: Herumschleudern bekommt schließlich jeder irgendwie hin! (Wo das Ding landet, ist eine andere Sache …)

Den Obolus für Ihre Werfversuche können Sie ebenfalls als Spende betrachten. Die kommt der Stiftung und den Kindern zugute, egal wie Sie abschneiden.
Nach den ersten grottenschlechten Versuchen erwacht allerdings häufig der Ehrgeiz herauszubekommen, wie der Stiefel am besten zu greifen und zu befördern ist. Wie er besser fliegt und zielgenauer eintrifft.
Man fasst ihn vorzugsweise am oberen Schaftrand, hält den Stiefel dabei zu und bewegt sich in etwa so, als würde man kegeln oder bowlen wollen. Der Haken ist, dass Sie dazu tendieren, dabei ihr Gummigeschoss beim Abwurf nach oben zu bewegen. Viel zu weit nach oben!
Das Geheimnis liegt irgendwo darin, die richtige Rotation hinzubekommen und auch den optimalen Winkel zum Wind zu finden. Nur selbst wenn einem all dies in der Theorie klar ist, es durchzuführen ist gar nicht so einfach. Diese Stiefel sind absolut nicht aerodynamisch …

Gummistiefelweitwurf? ... Gummistiefelhochwurf?

Gummistiefelhochwurf?

 

Gummistiefelweitwurf ...

Gummistiefelweitwurf …

Einige Versuche später verzeichnen Naturtalente jedoch schon eine signifikante Steigerung der Zielgenauigkeit. (Die roten Stofffelder auf dem Rasen sind anzupeilen.)

Welly throwing (Gummistiefelweitwurf) für Jung und Alt ...

Welly throwing (Gummistiefelweitwurf) für Jung und Alt … – Er kann’s!

Noch ein bisschen weiterschauen?

Schäferhunde (Hütehunde) demonstrieren ihr Können. Paddington Bear erzählt den Kindern Geschichten.

Paddington Bear ...

Paddington Bear …

Sie treffen ein Kamel …

Ein Kamel ...

Ein Kamel …

Sie könnten bei den Scottish Reels mittanzen …

Scottish Country Dancing (Reels)

Scottish Country Dancing (Reels)

Eine Liveband spielt auf einer Bühne und ein bisschen zurückversetzt in der Zeit fühlt man sich beim „Side-saddle riding display“. Dort schauen Sie historisch gekleideten Reiterinnen beim Ritt im Damensattel zu, diesem Reiten im Seitsitz.

Im Damensattel und historisch gekleidet ... (Side-saddle riding)

Im Damensattel und historisch gekleidet … (Side-saddle riding)

Kennen Sie die britische (Kult-)Fernsehserie „Downton Abbey“? Wir bewegen uns dort auf einem herrschaftlichen Anwesen und den Ländereien zu Beginn des 20. Jahrhunderts und bekommen einen Eindruck von Leben der feinen (adeligen) Gesellschaft, aber auch ihrer Dienerschaft. Die Damen, die hier in Hamburg in ihren langen Röcken reiten, könnten sehr gut aus der dort in den ersten Staffeln gezeigten sogenannten Edwardian era (1901-1914) stammen. Beim zweiten, genauen Hinschauen scheint es jedoch eher so, dass ihre Kleidung bereits einige Jahrzehnte früher angesagt gewesen sein könnte.

Im Damen- aber auch normalen Reitsattel ...

Im Damen- aber auch normalen Reitsattel …

Im Damensattel ...

Im Damensattel …

 

Reiten im Damensattel mit Hund - Side-saddle riding with dog

Reiten im Damensattel mit Hund – Side-saddle riding with dog

Eine Kopfbedeckung (Hut, auch Zylinder) gehörte selbstverständlich dazu. Daran befestigt war ein feinmaschiges Netz, das die Reiterin recht eng über dem Gesicht anliegen hatte. Es diente nicht nur zur eigenen Zierde, sondern auch zu dem Zweck, während des Ritts vor Insekten oder schrammenden kleinen Ästen zu schützen.
Ist es für Sie vorstellbar, dass man in einer solchen Position auf dem Pferd auch noch Hindernisse überspringt? Ohne dabei vom Ross zu fallen? Man kann!

Im Damensattel auch über Hindernisse ...

Im Damensattel auch über Hindernisse …

Nur warum setzt man sich nicht vernünftig? Warum sicher, wenn’s auch wackelig geht?
Das ist unser heutiges Denken!
Früher musste man als Dame eben „ordentlich“ sitzen. Nicht breitbeinig. Das Seitsitzreiten tat man schließlich seit Urzeiten, seit Jahrhunderten – immer schwer, dann etwas zu verändern. Nur eine wirkliche Dame durfte überhaupt auf dem Pferd mit einem Damensitzsattel reiten! Es wäre ein Unding gewesen, hätte ein Mädchen aus dem Dorf gewagt, es ihr gleichzutun. Bei dem Standesunterschied! No, no, no!
Allerdings erkannte man die erhöhte Unfallgefahr trotz so mancher Verbesserung bei der Konstruktion der Sättel. Als Nichtreiter würde ich denken, man fiele einfach viel leichter herunter, doch in Wirklichkeit war das besonders Gefährliche, dass man beim Abrutschen hängenblieb und mitgeschleift wurde.
Nach dem ersten Weltkrieg hat sich (glücklicherweise) der Herrensitz langsam durchgesetzt.

Haben Sie noch Zeit und Lust? Kleine Pause vielleicht …?

Setzen Sie sich einfach auf den weichen Rasen und erwarten die Dudelsackspieler. In Hamburg waren Mitglieder der Gruppe Baul Muluy Pipes & Drums eingeladen und spielten bekannte Titel.

Dudelsackspieler der Gruppe "Baul Muluy Pipes & Drums"

Dudelsackspieler der Gruppe „Baul Muluy Pipes & Drums“

Solche Instrumente müssen durchaus auch zwischendurch gestimmt werden. Gerade bei der Hitze! Vor dem Spielen von Amazing Grace ging ein Mitglied der Truppe reihum und kontrollierte den Klang der Pfeifentöne mit einem elektronischen Stimmgerät. Schließlich soll sich stets alles harmonisch und perfekt anhören …

... stimmen (Stimmen der Dudelsackpfeifen per Gerät)

… stimmen

Marschieren die Musiker nicht während ihres Spiels, bekommen Sie Feinheiten besser mit. Nicht unbedingt der Musik (die hören sie immer gut), aber der Abläufe untereinander. Wer gibt welches Signal an die anderen der Gruppe (Vortreten kurz vor Ende des Lieds, Instruktionen zu Beginn) etc.
Aus der Perspektive des am Boden sitzenden Zuschauers haben Sie zudem einen etwas anderen Blickwinkel als üblicherweise. Meine Aufmerksamkeit wurde auf etwas in Wadenhöhe des einen Dudelsackspielers gelenkt. Die Augen wanderten daraufhin zu den nächsten Füßen und Waden und danach zu der Person daneben …
Die haben das ja alle so!

Schnürtechnik bei den Ghillie Brogues der Dudelsackspieler ...

Schnürtechnik bei den Ghillie Brogues der Dudelsackspieler …

Mittlerweile habe ich gelernt, dass diese speziellen Schuhe Ghillie Brogues heißen, sie keine Zunge haben und die ihnen eigenen langen Schnürbänder traditionell sehr kunstvoll um das Bein geschlungen werden. Falls Sie planen, das Spielen des Dudelsacks zu erlernen und Ambitionen haben, irgendwann korrekt gekleidet aufzutreten, dann passen Sie gleich gut auf. Es gibt zwar keine ganz einheitlich geregelte Bindetechnik, aber grundsätzlich funktioniert es so:
Die Schnürsenkel werden straff gezogen, vorne in Schienbeinhöhe ungefähr fünfmal verzwirbelt und dann nach hinten geführt. In Wadenmitte werden wieder die Bänder miteinander verdreht, aber nur etwa zweimal. Zuletzt werden die Schnürsenkel vorne, alternativ gelegentlich auch seitlich, zusammengeführt und mit Doppelschleife befestigt. Das dies alles über dem Strickstrumpf passiert, sitzt, passt und hält es.
Bis jetzt ist mir nur immer noch nicht ganz klar, ob es rein zur Zierde dient oder die Befestigungstechnik noch weitere Gründe nützlicher und praktischer Art hat …

Was sollte man auf jeden Fall gesehen haben, wenn man schon einmal in einem Poloclub ist?
Polo selbstverständlich! Den Sport, den die Engländer auch „hockey on horses“ nennen.
Stehen Sie bei der British Flair am Feldrand, haben Sie entweder jemanden neben sich, der Ihnen Unklares erläutert (wer in Frage kommt, erkennen Sie schon vorher an den lautstarken Fachkommentaren zu Aktionen auf dem Spielfeld und etwas erhöhter Erregung) oder aber die Lautsprecherdurchsagen verraten mehr über das Treiben auf dem Rasen.
Ich hatte vorher keinen blassen Schimmer, weiß aber jetzt, dass Polo ein Sport ist, bei dem das Tier mehr zählt als der Reiter. Der Schutz des Pferdes hat Priorität. Deshalb gibt es strenge Verhaltens- und Wegerechtregeln für die Spieler. Da darf keiner in vollem Galopp einfach die Bahn des Gegners kreuzen, nur um diesem den Ball abzujagen! Viel zu gefährlich! Es hat derjenige das Wegerecht, der sich in der Bewegungslinie des Balles befindet. Der, der diese Linie kreuzen würde, beginge ein Foul.

Polo ...

Polo …

Ein Spiel besteht aus mehreren Zeitabschnitten (Chukker, Chucka). Auch hier gilt es als unmöglich, dass ein Pferd zwei Abschnitte hintereinander absolviert. Es braucht Pause und darf sowieso nur eine bestimmte Höchstzahl von Chukkers pro Tag absolvieren. Was ist also die Konsequenz?
Ein Spieler braucht für ein einziges Polospiel mindestens zwei Pferde!

Es ist zwar nicht gestattet, die Wege zu kreuzen, dennoch jagen die Teams in wilden Verfolgungsjagden dem Ball hinterher. Direkt auf die Tore zu, die durch locker aufgestellte, nicht am Boden verankerte, Pylone dargestellt werden. Im Eifer des Gefechts kippt schon einmal so ein Torpfosten um …  Es minimiert aber enorm die Verletzungsgefahr der Pferde (und Reiter)!

Polo - Kurze Unterbrechung, der Torpfosten (Pylon) ist umgekippt ...

Polo – Kurze Unterbrechung, der Torpfosten (Pylon) ist umgekippt …

Fiele ein Tor (jetzt meine ich nicht den Pfosten!) ist Seitenwechsel. Diese Regel hat ihren Ursprung in früherer Zeit, als z. B. in Indien gespielt wurde. Aufgrund der Hitze verlegte man die Spiele auf den späten Nachmittag. Dann stand die Sonne sehr tief und eine der beiden Mannschaften wurde mit Sicherheit massiv geblendet. Mit den torbedingten Seitenwechseln wurde ein Ausgleich geschaffen.

Ich habe anfangs den Schiedsrichter gesucht! Bis mir auffiel, dass sich eine ungerade Anzahl von Pferden und Reitern auf dem Feld befand. Ungerade war es durch den Vermissten. Der Schiedsrichter ist nämlich auch beritten und trägt zum besseren Erkennen ein gestreiftes Hemd.
Pfeift er ein Foul, wird die Zeit angehalten. Sollte ein Reiter vom Pferd fallen, ist es nicht zwangsweise so, dass deshalb ein Spiel unterbrochen oder gar abgebrochen wird. Wie gesagt, es zählt mehr das Pferd als sein Reiter …

Polo - Dem Ball hinterher ... (Ganz am Ende reitet der Schiedsrichter)

Polo – Dem Ball hinterher … (Ganz am Ende reitet der Schiedsrichter)

Genug entdeckt?
Sie waren heute übrigens im ältesten Poloclub! Es gibt nur eine kleine Einschränkung: Im ältesten Poloclub auf dem Kontinent. Natürlich gab es auf der britischen Insel schon eher welche – und den Polosport selbst sogar schon seit etwa 600 vor Christus! Hätten Sie das gedacht?

Sie wollen aufbrechen? Ich auch. Es freut mich, dass Sie mit von der Partie waren und so lange durchgehalten haben! Ich glaube, die Geduld der Briten hat schon auf sie abgefärbt … ^^

Am Ende, kurz vor dem Verlassen des Geländes, hat mir sogar die Queen noch zugewinkt. Eine Miniaturausgabe Ihrer Majestät. Sie stand auf einer Kühlerhaube und war adrett in Rosa gekleidet.

Her Majesty, the Queen ...

Her Majesty, the Queen …

Zum Ausklang der beiden Festtage bestände übrigens jedes Jahr noch die Möglichkeit, sich einen Platz für das Konzert am Sonntagabend zu sichern. In Anlehnung an die legendäre „ Last Night of the Proms“ in der Royal Albert Hall in London, gab es z. B. dieses Mal „The British Flair Open Air Proms Concert“ mit dem Hamburg Festival Orchestra. Very British!

Wie wär’s?  Sind Sie beim nächsten Mal auch dabei?

© by Michèle Legrand, August 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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24 Kommentare

Deine Christine!

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