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Der Lustmolch – Eine untypische Adventsgeschichte

Er beobachtete sie.
Sie saß vier Tische entfernt von ihm. Sie wirkte entspannt und löffelte hingebungsvoll den Milchschaum von ihrem Cappuccino. Sie schob in Zeitlupe den Löffel in ihren Mund, schloss verzückt die Augen und bevor sie ihn wieder hinauszog, drehte sie ihn offenbar um, um mit der Zunge jeglichen Rest aus dem Löffel herauszuschlecken. Die Zungenspitze kreiste am Ende, wenn der Löffel schon längst erneut auf dem Weg zum Nachschlag holen war, ganz kurz einmal über Ober- und Unterlippe …
Allein beim Zusehen passierten mit ihm wundersame Dinge. Er war neidisch auf ihren Cappuccino, er konnte nicht wegsehen, es machte ihn an, und er fragte sich wieso. So ganz neu war es für ihn nun auch nicht …
Er winkte dem Ober zu. Es war der Richtige.
„Einen Espresso, bitte.“
„Sehr gerne, der Herr.“
Oh, freundlich heute, und offenbar erinnerte er sich auch nicht an die Szene von vor einer Woche. Vielleicht musste er nachhelfen …
Er schaute wieder zu dem anderen Tisch hinüber. Die Frau hatte ungefähr sein Alter, und sie war sein Typ. Sie war ladylike und mädchenhaft in einem. Sie wirkte geheimnisvoll, doch zugleich auch unschuldig. Sie hatte einfach etwas, das ihn sehr anzog, magisch anzog.
Der Ober näherte sich mit seinem Getränk.
Richard verwickelte ihn in ein Gespräch. Eventuell erkannte dieser seine Stimme wieder.
„Könnte ich vielleicht noch extra Zucker bekommen? Ich mag es gern süß.“
Er hatte auch letztes Mal danach gefragt.
Der Kellner schaute ihm jetzt ins Gesicht. Richard meinte, ein Wiedererkennen zu beobachten.
„Natürlich, ich bringe Ihnen gleich noch eine weitere Portion.“
„Das ist sehr freundlich. Haben Sie nicht neulich auch an diesem Tisch hier bedient?“
„Sicher. Ach, jetzt erinnere ich mich. Sie waren ja hier in Begleitung …“
Der Groschen war gefallen, und Richard bemerkte den urplötzlich auftretenden Unwillen, das leicht Abschätzige im Blick des Gegenübers. Dieser verzog sich nun, um das Gewünschte zu besorgen.
Richard war immer noch sauer, und gleichzeitig musste er grinsen. Am vergangenen Sonntag hatte er hier mit Mara gesessen. Er hatte sie gerade vom Flughafen abgeholt und weil ihr Magen lautstark geknurrt hatte, hatten sie hier angehalten, um eine Kleinigkeit zu essen. Sie hatte sich unbändig gefreut, ihn nach einem halben Jahr Aufenthalt im Ausland wiederzusehen und hatte ihn immer wieder herzlich berührt. Seine Hand zu sich hinübergezogen, ihm einen Kuss auf die Wange gegeben, ihn angestrahlt.
Er war 45 und hatte es sehr genossen, von einer hübschen, jungen Frau so angehimmelt zu werden. Mara war inzwischen 19. Und seine Tochter. Sie unterhielten sich über eine Klingel, die Mara aus Montreal mitgebracht hatte, weil sie den Klingelton einfach liebte.
„Kannst du mir helfen, sie zu montieren? Ich komme mit den vielen Kabeln nicht zurecht, und mir fehlen auch noch Schrauben und Dübel.“
Der Ober war in dem Moment an den Tisch gekommen, als er ihr antwortete:
„Klar, Kleines, ich besorg es dir.“
Mara hatte ihm eine Kusshand zugeworfen.
Der Kellner musste es wohl irgendwie in den falschen Hals bekommen haben. Er schaute indigniert, sein Verhalten wurde kühl und kühler, passend zum Anstieg der offenbar mit ihm wild durchgehenden Fantasie. In seinem Kopf schienen sich Sätze zu formen wie:
Dass die alten Knacker immer mit den jüngsten Mädels herummachen müssen!
Er hatte auch Mara anschuldigend und leicht verächtlich angesehen.
Was willst du mit dem? Ausnehmen?
Als Richard und Mara bemerkt hatten, was falsch lief, hatte er gerade den Weg in die Küche angetreten, und es war  ihnen zu müßig, sich zu verteidigen und alles klarzustellen. Wahrscheinlich hätte er es nicht einmal geglaubt.
Als sie ihre Garderobe holten, schaute der Angestellte demonstrativ weg. Im Hinausgehen hörten sie seine Bemerkung zu einem Kollegen an der Bar.
„Der ist wohl im zweiten Frühling! Widerlich!“
Sie waren verärgert gewesen. Mara hatte draußen vor der Tür jedoch schon wieder gelacht, und als sie bemerkte, dass ihr Ober sie von drinnen durchs Fenster hindurch immer noch im Blick hatte, hatte sie ihn besonders eng an sich herangezogen und ihm ins Ohr geflüstert:
„Papa, du musst jetzt tierisch verliebt tun. Dann kriegt er drinnen einen Anfall.“

Er hätte es dabei bewenden lassen können, aber es hatte ihn gewurmt.
Was bildete der sich eigentlich ein? Sich als Moralapostel aufzuspielen!
Das war das eine. Das andere, weitaus Schwerwiegendere war, dass er IHM zugetraut hätte, es in seinem Alter mit einem Teenager zu treiben! Das schrie nach Revanche.
Seine Frau reagierte auf die Geschichte anfangs wie Mara. Sie lachte sich schlapp, bis sie merkte, dass diese Sache ihn getroffen hatte.
Es hatte ihn in seiner Ehre getroffen!

Nun saß er ein weiteres Mal hier. Schön, sein Kontrahent hatte ihn wiedererkannt.
Wo blieb denn jetzt der Zucker? Mit den voreiligen Schlüssen schien er schneller zu sein …
Sein Blick wanderte wieder hinüber zu der Frau. Ihre Blicke trafen sich. Sie lächelte leicht und rührte dann wieder in ihrer Tasse. Sie setzte sich etwas schräger auf ihren Stuhl und schlug die Beine übereinander. Ihr Rock verrutschte.
Er schluckte. Das war ein … netter Anblick! Oh ja.
Der Ober kehrte zurück.
„Ihr Zucker.“
Das Wiedererkennen schien die Verwendung kürzerer Sätze in Gang gebracht zu haben.
Das kann ich auch, dachte Richard.
„Danke.“
Bevor der Kellner  jedoch verschwinden konnte, winkte er ihn näher zu sich heran und fragte sehr vertraulich:
„Kennen Sie die Dame dort drüben am Tisch?“
Sein Kopf nickte leicht in die richtige Richtung. Der Ober sah hinüber, antwortete jedoch nicht, sondern sah ihn nur fragend an.
Richard bemühte sich um einen jovialen Tonfall:
„Nun, unter uns Männern: ist schon ein Klasseweib, oder? Kennen Sie ihren Namen? Ich würde sie gern näher kennenlernen.“
Der andere schnappte nach Luft.
Reicht dir deine junge Gespielin vom letzten Mal nicht mehr, du Lustmolch?
Richard meinte, diese Worte auf seiner Stirn geschrieben zu sehen. Er wartete auf eine Antwort, die nun auch mit zitronensaurer Miene und leicht zusammengebissenen Zähnen kam:
„Ich kann Ihnen keinen Namen nennen, und es tut mir leid, ich glaube nicht, dass die DAME Interesse an Ihnen hat!“
Bingo! Richard hatte es vorausgesehen.
„Wetten doch?“
Er grinste sein schmierigstes Lächeln.
Der Ober starrte ihn an.
„Warten Sie  einen Moment“, instruierte er den Mann, kritzelte ein paar Worte auf einen kleinen Zettel, faltete ihn zusammen und reichte ihn hinüber. „Geben Sie ihn bitte der Dame! Wären Sie so nett?“
Sein Gegenüber war hin- und hergerissen. Schließlich nahm er, innerlich wutschnaubend, die Notiz und stampfte Richtung Richards Herzkasper verursachender Lady.
„Das soll ich Ihnen von dem Herrn dort drüben geben …“, kam es gepresst.
Richard beobachte die Szene.
Die Dame schaute anfangs überrascht, zögerte leicht, entfaltete dann den Zettel, las und lächelte schließlich. Sie entnahm ihrer Handtasche einen Stift und schrieb eine Antwort. Dann faltete sie das Blatt sorgsam wieder zusammen und wandte sich dem noch neben ihr stehenden Kellner zu. Sie reichte es ihm sehr charmant und fragte überaus gewinnend:
„Wären Sie so nett …?“
Dabei zeigte hinüber zu Richard. Der Ober bekam eine ungesunde Gesichtsfarbe, doch tat er, wie sie ihm geheißen. An dessen Platz angekommen, drosch er die Nachricht auf die Tischplatte.
Richard strich den Zettel glatt und legte ihn so vor sich, dass der Kellner ihre Antwort mitlesen konnte, mitlesen musste!
Ich finde sie auch enorm sexy! Macht es Ihnen etwas aus, wenn wir zu Ihnen gehen? Ich bin verheiratet.
Richard unterdrückte ein Grinsen.
Der Kellner konnte es nicht fassen!
Sie war inzwischen aufgestanden, kam leicht wiegenden Schrittes herüber, beugte sich am Tisch zu ihm herab und hauchte:
„Wollen wir …?“
Richard griff nach ihren Fingern, schaute ihr tief in die Augen und deutete einen Handkuss an.
„Gerne“, erwiderte er mit sonorer Stimme.
Er stand auf, holte seine Jacke, half ihr in ihren Mantel. Er liebte ihr Parfum und sog tief die zarte Duftwolke ein, die sie umgab.
Währenddessen kam der Ober zur Besinnung.
„Sie haben noch nicht bezahlt!“ Das galt für beide.
„Ich zahle“, entschied Richard.
„Zusammen?“, vergewisserte sich der Kellner.
„Ja“, bestätigte Richard und die Dame honorierte es mit einem: „Oh, ein Gentleman!“
Richard hatte das Gefühl, der Angestellte konnte gerade noch ein angewidertes Gentleman? Der? unterdrücken.
Richard und seine Eroberung wendeten sich der Tür zu. Der Kellner begleitete sie ein Stück, machte aber keine Anstalten, sie ihnen zu öffnen. Die Dame drehte sich leicht zu Richard und küsste ihn zärtlich auf den Mund. Lange. Dann sagte sie:
„Schatz, sag es ihm! Tu es – bitte!“

Richard seufzte. Natürlich musste wieder einer weich werden!
Er wandte sich um und murmelte etwas missmutig:
„Ich soll Sie von meiner Tochter grüßen. Das ist die junge Dame, die vor einer Woche mit mir hier gegessen hat. Ach ja, und meine Frau und ich“, Richard wies auf seine Begleitung, „wir wünschen Ihnen natürlich noch einen schönen 1. Advent!“
Das Auf Wiedersehen ließ er weg …

Vor der Tür hakte sich Helen bei ihm ein. Sie strich die Falten auf seiner Stirn glatt.
„Richard, schau mich an! Hör auf zu grummeln!  Das war kein Spiel verderben! Du wolltest ihm eine Lehre erteilen. Es wird ihm so viel mehr zu denken geben, glaub mir, mein Schatz! Außerdem ist jetzt dein guter Ruf wiederhergestellt.“
Sie knabberte sanft an seinem Ohrläppchen. Er stöhnte, zog sie dann allerdings forsch mit sich.
„Was …?“, fragte Helen irritiert.
„Ich habe gerade festgestellt, dass mein Ruf akut wieder in Gefahr ist, wenn wir nicht sofort nach Hause fahren …“

Ende

(NEU: Auch als Podcast! )
Den  Lustmolch gibt es jetzt auch in der Audioversion. Technisch bedingt besteht dieser Hörbeitrag  aus drei Teilen.
Sie werden auf die Seite von Audioboo geleitet. Es ist kein Download erforderlich, es verursacht Ihnen keinerlei Kosten!
Sie brauchen lediglich den Pfeil anzuklicken.
Viel Vergnügen!

http://audioboo.fm/boos/1114945-der-lustmolch-eine-untypische-adventsgeschichte-teil-1
http://audioboo.fm/boos/1114947-der-lustmolch-eine-untypische-adventsgeschichte-teil-2
http://audioboo.fm/boos/1114951-der-lustmolch-eine-untypische-adventsgeschichte-teil-3

Michèle Legrand - Kurzgeschichte im Blog - Der Lustmolch - eine etwas andere Adventsgeschichte©November 2011 (Podcast 2012)  by Michèle Legrand

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Hamburg. Alster. Kühl! Und doch: Bootsfahrt im November …!

Michèle Legrand auf WordPressDas Boot nähert sich unauffällig der Gruppe.
„So, Freunde, es geht los! Alle einsteigen bitte …“
Der Herr scheint allen Ernstes behaupten zu wollen, eine Fahrt im offenen Boot über
die Alster wäre jetzt im November bei knapp 3° Celsius eine klasse Sache! Die Angesprochenen sehen das offenbar auch anders, und dementsprechend fällt ihre Reaktion aus.
Einer dreht sich weg und schaut in die entgegengesetzte Richtung.
Ein weiterer gibt vor, nichts gehört zu haben.
Ein sehr elegant wirkendes Wesen ergreift geradezu panisch die Flucht.

Der eigentlich harmlos wirkende Kapitän möchte sich damit nicht abfinden und schnappt sich einfach den
ersten Fahrgast! Das Festhalten entpuppt sich als schwierig, denn es wird heftig protestiert und kraftvoll herumgefuchtelt. Nach kurzem Nahkampf landet der Gast in Weiß im Boot und schaut etwas schnippisch und ungnädig zur Seite.
Diese Szene wiederholt sich mehrfach, und sie wird nicht einfacher! Der Bootsführer erhält mittlerweile die Unterstützung der Wasserschutzpolizei. Die unwilligen Mitfahrer werden eingekreist und Richtung Schleuse
am Rathaus getrieben.
Haben sie etwas verbrochen?
Gerade wieder wird ein fauchendes Etwas gegen seinen Willen über die Bordkante gehoben und landet auf dem
mit Stroh ausgelegten Boden des blauen Bootes. Empörtes Getuschel mit dem bereits dort sitzenden Nachbarn.
Geht es um den Komfort?
Zu guter Letzt ist der Bootsrumpf gefüllt mit neugierig umherschauenden Herrschaften in Weiß, die sich jetzt damit abgefunden zu haben scheinen, dass ihnen eine kleine, schon leicht winterliche Alstertour bevorsteht.

Apropos Winter …

Langsam müssten die Schwäne doch wissen, dass es jedes Jahr so abläuft!
Schwanenvater Olaf Nieß sammelt sie immer um diese Zeit ein, um sie zum künstlich eisfrei gehaltenen Mühlenteich in Eppendorf zu bringen, ihrem Winterquartier.  Dort werden sie auch gefüttert.
Geht man davon aus, dass ein Höckerschwan etwa 16-20 Jahre alt werden kann, so dürften einige diese Um-
quartieraktion schon mehrfach mitgemacht haben. Nur weiß ja keiner so ganz genau, wie gut das Gedächtnis eines Schwanes funktioniert …
Ich war einmal zufällig vor Ort, als es hieß: Alle an Bord!
Es wirkt durchaus komisch, wenn einige der Vögel versuchen, noch schnell auszubüxen, es erregt aber auch Mitgefühl. Für die Schwäne, weil die schöne Binnenalster doch so ungern verlassen wird und zudem die Aufregung anfangs groß ist – jedoch auch für Schwanenvater Nieß und sein Team, da sie ziemliches Durchhaltevermögen zeigen müssen! Mit sich wehrenden Schwänen ist sicher nicht zu spaßen! Um diese Zeit verteidigen sie allerdings keine Jungen und mit der Erfahrung, die dem Team vorliegt, hat der Transport  bisher jedes Mal – früher oder später – geklappt.
Es soll sogar den ein oder anderen Schwan geben, der den Weg nach Eppendorf kennt und schon selbst dorthin schwimmt. Mir scheint, sie haben doch ein Gedächtnis … ;)

Heute ist es wieder soweit. Ich las vorhin die kleine Ankündigung in der Zeitung:

  ….. „120 Schwäne machen sich auf ihren Weg ins Winterquartier.“

Und Olaf Nieß wird sich am Ende wieder einmal leicht geschafft den Schweiß von der Stirn wischen …
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Schwäne auf der Kleinen Alster, Hamburg

Offizielle Bilder  dazu (2011) gibt es hier:

http://www.mopo.de/nachrichten,5067140,11182214.html

©November 2011 by Michèle Legrand

Nachtrag im November 2012:
In diesem Jahr wurden die Schwäne am 20. November wieder in Richtung Winterquartier gefahren. Wer Facebook nutzt, findet bei Malte Klauck auf seiner Seite „Hamburg Fotografiert“ schöne Aufnahmen vom heutigen Tag.  Der folgende Link führt dorthin:

https://www.facebook.com/photo.php?fbid=369434206482247&set=a.287920967966905.67513.287674981324837&type=1&theater

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Wie ist das mit der Wirkung von beschädigten Glücksbringern?

Glücksklee

Montag, der 14. November 2011, und es ist kalt und neblig.
Es herrscht schlechte Sicht, besonders bei der zusätzlich schon wieder einsetzenden Dämmerung.
Mein Vordermann im Peugeot fährt wie ich auf die größere Einbiegung zu und wartet anfangs ordnungsgemäß, denn hier herrscht rechts vor links.
Allerdings herrscht auch eigenartigerweise häufig die Annahme, man könnte als Abbiegender ruhig schon losfahren, selbst wenn sich noch weitere vorfahrtberechtigte Wagen nähern.
Die Logik dahinter ist die, dass wenn acht von zehn Autos in die Straße einbiegen wollen, aus der man selbst kommt und nicht geradeaus fahren und somit zuerst dran sind, dann sollten dies die zwei restlichen gefälligst auch vorhaben! Das Abbiegen. Dumm, wenn es dann nicht so kommt …
Besagter Peugeotfahrer übersah oder ignorierte anfangs ein solches vorfahrtberechtigtes Nachzüglerauto, fuhr an, um bei dem darauf folgenden, wilden Hupkonzert pflichtschuldigst wieder in die Bremsen zu gehen.
Zeit verloren. Nun, aber zackig …!
Und schon geschah es beim erneuten Anfahren, dass er auch den auf dem Fahrrad in voller Montur angeradelt kommenden Schornsteinfeger übersah..
Quietschende Reifen, ein reaktionsschneller, abspringender Mann in Schwarz, Schwenken der geballten Fäuste, Augenbrauenhochziehen,  lauter Protest sowie einzelne Selbstgespräche bei den am Gehwegrand wartenden Fußgängern. Zum Glück ging alles noch einmal gut, und der Tross löste sich danach zügig auf.

Zum Glück.
Wie ist das eigentlich? Mir stellt sich jetzt gerade folgende Frage:
Würde quasi der Glücksbringer „beschädigt“, brächte es dem Verursacher dann eigentlich doppelt Pech?
Und ich frage weiter:
Hat der Glücksbringer etwa keinen Selbstanspruch auf Glück?
Oder war die Tatsache, dass es gerade noch einmal gut ausging, sein Quäntchen Glücksbringer-Glück?
Es könnte auch das Glück des Peugeotfahrers gewesen sein, dass ausgerechnet ein Schornsteinfeger kam. Vielleicht hätte er einen Nicht-Glücksbringer wirklich überfahren …
Darüber lässt sich weiter nachsinnen, denn ist es nicht auch langsam an der Zeit, sich generell über den Umgang mit Glücksbringern ein paar Gedanken zu machen?
Wie verhalte ich mich richtig? Gibt es überhaupt richtiges Verhalten? Welche Konsequenzen habe ich zu erwarten, oder wie habe ich die Situation zu deuten?
Was passiert beispielsweise auf der Wiese?
Doppeltes Pech beim Platttrampeln eines vierblättrigen Kleeblatts?
Oder richtig Glück gehabt, weil nicht in dem Kuhfladen daneben gelandet?
Oder ein gutes Werk getan, weil sonst die Kuh darauf getreten wäre oder den Klee womöglich gefressen hätte?
Bringt der Klee der Kuh im Magen Glück? Wenn ja, weiß sie das?
Fragen über Fragen …
Lasse ich Scherben, die Glück bringen, nicht lieber liegen? Was helfen sie, wenn sie weggeräumt sind?
Was mache ich mit dem Glücks-Cent aus Griechenland?
Wenn ich jemandem über die Schulter spucke, soll es ihm bekanntlich Glück bringen. Was ist, wenn ich dabei jemanden dahinter treffe? Noch mehr Glück für die Zielperson oder simpel Pech, dass sie im Weg stand?
Um zum Schluss noch einmal auf den Schornsteinfeger zurückzukommen:
Der muss definitiv heil bleiben!
Dem darf nichts passieren!
Nicht, dass mir hier jetzt einer mit dem Vergleich kommt, ein Schornsteinfegerfuß (nach Unfall) reicht auch – analog zur Hasenpfote …

©November 2011 by Michèle Legrand

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Fertig gepackt! Es geht nordwärts …

Schweden - Stockholm, August 2011, M. Legrand

Schweden – Stockholm, August 2011

Fertig gepackt! Nun kann es losgehen.
Auf nach Schweden!
Ein weiteres Land, aus dem ein Teil meiner Vorfahren kommt. Mein Großvater mütterlicherseits trug den schönen Namen Gustav.
Genau, fast wie der schwedische König, nur ohne Carl, Gustav nicht mit ‚f’ am Ende, und er war auch nicht der XVI. in der Familie. Das kann ich allerdings gar nicht mit Sicherheit behaupten, denn merkwürdigerweise machte mein Opa immer ein großes Geheimnis um seine Herkunft. Er erwähnte seine schwedischen Eltern nicht, war einfach irgendwann hier in Deutschland und – schwieg. Meine Mutter hat nie mehr erfahren, er nahm sein Geheimnis mit ins Grab.
Wie häufig, wenn nichts bekannt ist, kursieren die wildesten Gerüchte.
War er ein uneheliches Kind?
Gab es ein Zerwürfnis?
Waren seine Eltern sehr früh verstorben, und wollte er hier einfach komplett neu anfangen?
Sah er hier unter Umständen die besseren Chancen? ­­­­Oder hatte er etwas verbrochen? Suchte man ihn?
Wollte er etwas aus der Erinnerung streichen?
Nun, man wird es nicht mehr erfahren. Allerdings, wenn er genauso allergisch auf Mückenstiche reagierte wie ich, dann hat er Schweden vielleicht aus diesem Grund den Rücken gekehrt …

Es existieren kaum Informationen, schon gar keine Details!  Weder woher genau er kam, noch wie seine Eltern mit Vornamen hießen. Später ließen sich auch keine Dokumente finden. Als er starb waren sie, wenn überhaupt, im Besitz meiner zu der Zeit noch lebenden Großmutter, nach deren Tod, war nichts auffindbar. Rein gar nichts! Sehr mysteriös …
Ich mochte ihn sehr. Leider starb er früh, schon, als ich gerade erst zur Schule kam. Die Tatsache, dass ich ihn immer noch genau vor Augen habe und mich an Gesprächsfetzen zwischen ihm und mir erinnern kann, zeigt, dass er Eindruck hinterlassen hat.
Jetzt fahre ich das erste Mal in dieses, sein Land. Nach Stockholm. Keine Ahnung, ob er dorther kam oder jemals dort war. Doch ich bin sehr gespannt, ob etwas auftritt, was ich bei meinem ersten Besuch Frankreichs und der Bretagne bzw. Normandie empfand. Dorther stammte der Großvater väterlicherseits bzw. seine Vorfahren. Eine Affinität zur Sprache war schon lange da, obwohl wir sie daheim nicht sprachen. Ich lernte sie, mich interessierte die Geschichte genauso wie die Kultur.
Dieser Großvater erzählte glücklicherweise ein wenig von früher, meist, wenn ich ihm die Haare schnitt. Das sind Szenen, die ich ebenfalls noch heute vor mir sehe…
Mit einem kleinen Vorwissen und weit geöffneten Augen, schaute ich mir 1982 diese Region an. Vorher darüber zu lesen oder davon erzählt zu bekommen, ist eins. Doch dort zu sein, war noch etwas völlig anderes. Es war seltsam vertraut. Irgendetwas kam mir wohlbekannt vor. Die Eigenarten der Menschen wirkten nicht fremd.
Und ich dachte: jetzt kannst du ein weiteres Stück deines Puzzles hinzufügen.
Ich fühlte mich eigenartigerweise auf eine Art ‚kompletter’.

Nun also der Weg in Richtung Norden. Ursprünglich einfach geplant als kleine Städtetour, Stockholm als Miniurlaub für ein verlängertes Wochenende. Meinen Mann zieht es schon länger in Richtung Vasa-Museum – Kogge angucken. Stundenlang.
Er ist ein großer Schiffsliebhaber, und auch ein Kenner auf diesem Gebiet. Nun, wir werden uns im Museum leider ein wenig trennen müssen, denn ich werde mir weitere Dinge ansehen. Alte und neue Dinge und eben auch Menschen – wie ich es immer mache…
Nach Stunden werden wir uns sicher irgendwo wiederfinden. Er wird von der Kogge schwärmen und ich von dem altmodischem Schild am WC, von Mikkeline und Morten, die im Gang mit Murmeln spielten und von denen ich etwas Schwedisch lernte, oder von der Sonne, die durch das bunte, alte Fenster im großen Saal fiel.
Heute beim Packen und je näher der Termin der Reise rückt, desto mehr wird mir klar, dass für mich diese Reise wieder eine Suche nach einem weiteren Puzzleteil sein wird.
Was wird mir Schweden vermitteln? Was anstoßen oder hervorbringen? 
Bei der Vorgeschichte gibt es ganz sicher nichts Konkretes, Fassbares, etwas womit jemand, der immer Begründungen und Beweise für alles und jedes braucht, etwas anfangen kann.
Aber ich glaube, dass es mir reichen wird. Ich bin überzeugt, dass jeder auf dieser Welt seine Spuren hinterlässt, so sicher auch mein Großvater. Vielleicht finde ich wieder ein unscheinbares, unförmiges Teil, dass jedoch mit allen anderen schon vorhandenen Teilen ein neues, genaueres Bild ergibt.
Von ihm, von mir, vom Leben und seinem Lauf.
Vielleicht bin ich ihm sogar für einen winzigen Moment etwas näher. Das wäre ein großes Geschenk.

Ich mache mich jetzt auf den Weg zum Flughafen.
Sverige, jag kommer…

©August 2011 by Michèle Legrand

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Thema Garagen und die Frage: Steckt Aufräumen an?

Lange Zeit war ich felsenfest der Überzeugung, dass eine Garage ein Raum sei, in dem ein fürsorglicher, liebevoller Autobesitzer sein Fahrzeug, meist des Nachts, abstellt. Damit es sicher ist, ihm nichts passiert, es im Sommer nicht zu warm wird, des Winters nicht zu kalt und selbstverständlich auch, um es vor Dreck zu schützen und sich selbst das Eiskratzen mit steifen Fingern  an einem frostigen Wintermorgen zu ersparen. Das Heim des Autos, bestenfalls zusätzlich noch der Winterreifen, oder die Unterbringungsmöglichkeit für Fahrräder.
Dort, wo ich wohne, sind die Häuser nicht gleich mit Garagen gebaut worden, sondern sie entstanden etwas später, wurden in einer langen Reihe nebeneinander errichtet, gehörten dem Architekten eben dieser Häuser und wurden von ihm – bzw. mittlerweile seinen Nachkommen – an die umliegenden Anwohner vermietet. 13 Häuser, 13 Garagen.
Zunächst waren wohl gar nicht so viele Autobesitzer vorhanden, denn es war etwa Anfang der 60er Jahre, als man stolz die Garagen einweihte. Um Leerstand zu vermeiden, durften auch Menschen aus etwas weiter entfernt gelegenen Häusern hier ihre Wagenbleibe anmieten. Bis zu den 80er Jahren hatte sich das Blatt jedoch gewendet. Inzwischen gab es eine Warteliste, auf die man sich eintragen lassen konnte, und offiziell hatten natürlich die am dichtesten Wohnenden – wie ursprünglich geplant – das Vorrecht, sobald etwas frei wurde.
Als wir hinzogen, landeten  wir auf dieser Liste und irgendwann erfuhren wir, dass eine sehr alte Dame der Nachbarschaft ihr Auto abschaffen wollte. Wir setzten uns mit dem Vermieter in Verbindung, um ihre Garage übernehmen zu können. Er reagierte sehr verblüfft. Diese Dame hatte überhaupt keine bei ihm gemietet! Alle Garagen haben eine Nummer. Wir nannten ihm die, um die es ging. Uns wurde erklärt, offiziell wäre eine völlig andere Mieterin bei ihm verzeichnet.
Am Abend sprachen wir diese Dame an, denn komischerweise hatte sie selbst überhaupt kein Fahrzeug mehr. Sie erklärte uns, sie hätte sie untervermietet, um sich den Platz sicher zu halten. Ihre Tochter würde vielleicht hierherziehen, und dann hätte diese…
So begehrt waren also besagte Garagen! Zwei Jahre vergingen noch, bevor auch wir eine als unsere bezeichnen konnten. Seitdem stehen dort Auto und ein bis mehrere Fahrräder.

Seit ungefähr zehn Jahren ist die Situation die, dass seitens des  Vermieters die Mieten immer mal wieder, z. T. recht heftig, erhöht werden. Nun bekommen diejenigen den Zuschlag, die bereit sind, diese Mieten zu zahlen. Von den Anwohnern sind mittlerweile ein paar abgesprungen. Es gab ja auch immer alternativ die Möglichkeit, sein Auto draußen abzustellen. Ein Wendeplatz am Ende einer Sackgasse steht zur Verfügung.
Die neuen Mieter kamen von irgendwoher. Man kannte sich nicht. Gut, mit einigen habe ich mich im Laufe der Zeit auch kurz unterhalten. Die sind jedoch fast alle schon wieder weg. Oft nach einer weiteren Mieterhöhung oder auch nach Zoff mit dem sturen Vermieter, der sich seiner exzellenten Position immer voll bewusst ist.
Der Wendeplatz füllte sich mehr und mehr. Völlig Fremde entdeckten ihn als ideale, kostenlose Parkmöglichkeit,  Garagenmieter parkten ihre Wohnwagenanhänger oder Zweitwagen plötzlich dort und die Folge war und ist, dass die eigentlich dort Lebenden Schwierigkeiten haben, überhaupt noch einen Platz zu ergattern.
Irgendwann fiel mir auf, dass von den von auswärts kommenden Mietern, eigentlich keiner dort sein Auto verwahrt. Die Garagen sind zu Lagerräumen geworden. Zu vollgepfropften Rumpel-Remisen, vor denen gelegentlich LKW großer Speditionen halten, um immer neue Dinge abzuladen. Reger Verkehr mit Kombis oder Transportern ist entstanden, die quer in der Landschaft parken, um Sachen abzuholen oder neu zu verstauen.

In der letzten Woche machte ich die Entdeckung, dass den Mieter der Nummer 5 die Aufräumwut gepackt hatte. Ich wollte schon hingehen und fragen, ob er vielleicht sein Auto nicht wiederfände. Er hätte es aber vielleicht nicht verstanden….

Aufräumwut in Garage 5 ...

Aufräumwut in Garage 5 …

Mehr und mehr Kartons und Kisten landeten vor der Garage draußen, wurden wenig kunstvoll zwischengestapelt. Ein wildes Rumoren, Stöhnen und Herumasten erscholl aus dem finsteren Loch. Der Strom, der die in der Mitte der Garagen hängenden Glühbirnen speisen soll, schien mal wieder nicht zu funktionieren. Es zog sich über  Stunden, bis endlich der Startschuss zum Wiedereinräumen fiel. Offensichtlich fanden eine Grundreinigung der Garage, das Aufstellen eines Regals und das grundsätzliche Durchgucken, erstaunte Wiederfinden, Ausmisten und Neusortieren der Kisten statt. Aus Spaß knipste ich ein Bild von dem Plunder, während er draußen stand.
Ich hätte es fast vergessen, wäre nicht heute Folgendes gewesen: Ich komme nach Hause, stoppe, staune und grinse, denn – siehe da: Der Nachbar rechts mit Garage 6 ist angesteckt worden! Nun hat ihn die Aufräumwut gepackt, und seine „Schätze“ wurden ebenfalls kurzzeitig ausgelagert. Sehr viele Ähnlichkeiten im Verhalten. Es herrschte auch ungefähr das gleiche Gestöhne während der Aktion.
Wie Sie feststellen, befindet sich auch in dieser Garage kein Auto. Sein Fahrzeug stellt er nämlich stattdessen auf dem Wendeplatz ab oder verbaut damit vorzugsweise die zwischen Hecken liegenden Zugänge zu den Häusern, so dass ich häufig, mit Einkaufstüten bepackt, gehörige Umwege laufen muss. Einmal darauf freundlich hingewiesen, gelobte er Besserung, was aber nur klappt, solange er einen anderen Platz findet. Ansonsten habe ich seinen Kotflügel wieder vor meinem Durchgang.
Was habe ich jetzt alles gelernt?
In wenigen Garagen stehen Autos, „missbrauchte“ Garagen sehen aus, als hätte sich dort ein Messie ausgetobt, aus Platzgründen sollte man aufblasbare Autos erfinden, bei denen zum Parken einfach die Luft herausgelassen wird und ja, Vorsicht ist geboten hinsichtlich der Ansteckung mit Aufräumeritis.

Ich habe – natürlich! ^^  – auch vom Garageninhalt der Nummer 6 ein Foto gemacht und lasse Sie nun an dem Tohuwabohu ein wenig teilhaben. Sie dürfen bitte nur nicht zu lange hinschauen  – das mit der Aufräumwut könnte auch übers Netz ansteckend wirken …

Aufräumwut in Garage 6

Aufräumwut in Garage 6

©Juli 2011 by Michèle Legrand

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Jochen Ahlmann oder Das Wiedersehen im Bus

Bus, HamburgDie Woche hat uns wieder.
Nachdem es gestern thematisch ein bisschen ernster zuging und dies auf keinen Fall ein Dauerzustand werden soll, poste ich heute eine Geschichte, die zuerst auf Raoul Haagens Seite „Goodnewstoday.de“ erschien und die ein Teil meiner sehr frühen Twitter-Follower vielleicht kennt.
Sollten Sie sie noch nicht kennen oder aber noch einmal lesen möchten, dann haben Sie heute und  hier die Gelegenheit dazu! Es handelt sich um eine leicht geänderte Variante – nur als Hinweis für die Kenner.

Als kleinen Nachtrag kann ich Ihnen heute ergänzen, dass mir Jochen Ahlmann inzwischen ein weiteres Mal über den Weg lief. Und es gibt Neuigkeiten! Er ist Opa geworden! Im Alter von 51 Jahren! Vielleicht liest seine Enkelin irgendwann den Blogpost und erfährt so, wie ihr Großpapa früher einmal „drauf war“… ^^

Jochen Ahlmann oder Das Wiedersehen im Bus

Vor ein paar Tagen begegnete ich einem Menschen wieder, den ich sehr lange nicht gesehen hatte.
Das wäre in Kürze eigentlich schon die Geschichte, nur Jochen Ahlmann (der in Wirklichkeit anders heißt) ist ein Fall für sich, und es lohnt sich,  darüber etwas ausführlicher zu berichten.
Vor zig Jahren war dieser besagte Herr einer meiner Kollegen. Fachlich ein Ass, ansonsten ein Aas.
Manchmal.
Häufig.
Ziemlich oft!
Ein Mensch, der nicht bösartig war, aber der einen dennoch zur Verzweiflung bringen konnte, denn er hatte Phantasie.
Phantasie?
Ich höre Sie fragen: Ja, ist denn das nicht gut?
Ja, … aber – lautet meine Antwort  Es fängt doch bereits an anders zu klingen, nicht mehr so positiv,  wenn Sie beispielsweise jemandem eine blühende Phantasie bescheinigen.
Nun, Jochen Ahlmann hatte nicht nur die, er hatte einen ziemlichen Spleen, eine Macke der ganz besonderen Art.
Er brachte seine Mitmenschen dadurch in Verlegenheit und letztendlich bis zur Raserei, dass er anderen Sachen über seine werten Kollegen erzählte, die haarsträubend waren. Es war kein Mobbing – oh, nein! Er dachte sich „nur“ Märchen aus, machte gern aus uns harmlosen Mitstreitern Prominente. Er spielte vor wildfremden Menschen auf der Straße Theater, indem er ihnen das Blaue vom Himmel erzählte, vor-phantasierte.
Haben Sie noch immer keine genaue Vorstellung?
Ich gebe Ihnen Beispiele, was er z. B. mit mir oder aus mir machte:
Ich habe, dank französischer Vorfahren einen französischen  Vor- und auch Familiennamen (bzw. Mädchennamen). Er ist rein vom Klang her identisch mit dem Namen eines berühmten französichen Komponisten. Er komponierte Filmmusik für z. B. Thomas Crown ist nicht zu fassen oder Die Regenschirme von Cherbourg.
Jochen Ahlmann erzählte anfangs allen Leuten, ich sei die Komponistin. Viele Deutsche kannten nicht den Unterschied zwischen der männlichen und der weiblichen Form des Namens. Als die ersten dennoch stutzten, wandelte er es kurzerhand ab und behauptete in leicht abgeschwächter Form, ich sei eben die Tochter. Die Leute erfuhren, dass ich vor kurzem einen César gewonnen hatte und die Filmindustrie sich um mich riss.
Es ist schwer, andere von so etwas wieder abzubringen, wenn sie es einmal glauben!
Auf der Straße  lief er in der Pause hinter mir her und rief verzückt:
„Nein! Sie – hier? Ein Foto bitte!“
An der Bushaltestelle verriet er Leuten, die ebenfalls in der Schlange warteten, wie klasse er es fände, dass ich trotz des Ruhms so bodenständig geblieben wäre und immer noch den Bus nähme, mit dem auch die kleinen Leute führen.
Für einen algerischen Kunden meiner Firma hatte ich einmal ein Effektgerät für sein privates Hobby – das E-Gitarre spielen – besorgt. Eines, das er überall gesucht und nirgends gefunden hatte. Der Mann spielte in einer kleinen Band in Oran/Algerien. Als Musiker war er sehr happy gewesen und rief ab und zu auch außer der Reihe an.
Was machte Jochen Ahlmann daraus?
„Es gibt da eine Superband in Nordafrika, die steht kurz vor dem Durchbruch zur Weltkarriere, und sie (ich) hat ihnen dazu verholfen! Sie hat intensiven Kontakt. Wahrscheinlich wird sie  jetzt als Managerin engagiert.“
Ein anderer Kunde aus Tunesien hatte sich angewöhnt, mir immer kurz vor Weihnachten eine Kiste Datteln als Dank für eine Gefälligkeit zu senden. Die Frau des Kunden war einst mit auf Geschäftsbesuch in Deutschland  gewesen und hatte erbärmlich gefroren in ihren dünnen Sachen. Ich gab ihr damals meine Strickjacke, schnappte sie mir und ging anschließend mit ihr shoppen.
Jochen Ahlmann:
„Sie hat diplomatische Beziehungen zum nordafrikanischen Lager, geht im Präsidentenpalast ein und aus und bekommt ständig  extrem wertvolle Präsente per Kurier.“
Wenn ich mittags in einem Tchibo-Depot einen Kaffee trank, tauchte er mit Vorliebe dort auf und bat um ein Autogramm oder fragte lautstark: „Wann ist denn ihr nächstes Konzert?
Oder säuselte auch gern:
„Ach, wie ich Sie beneide, dass Sie mit Pierce Brosnan einen Film drehen!“

Ich glaube, Sie haben nun eine Vorstellung von Jochen. Dem Mann, der ein extra-haftendes, übergroßes Pflaster vor den Mund geklebt gebraucht hätte,  gesichert mit Paketband – einmal rund um den Kopf  und zusätzlich angetackert – nur für alle Fälle!

Kommen wir zurück zur eigentlichen Geschichte.
Vor ein paar Tagen fuhr ich mit dem Bus in die Innenstadt. Mit dem Auto macht das wenig Sinn – Sie haben nur Stress und Parkplatzsorgen.
Ich saß auf der rechten Seite allein auf einer Zweierbank –  etwa in der Mitte des Busses – und träumte so  vor mich hin. Irgendwann hörte ich eine Stimme, die mich aufblicken ließ. Beim Fahrer vorne stand ein Herr mit schütterem Haar und Brille. Er war nicht ganz schlank und heftig mit dem Fahrer in eine Diskussion über den Fahrpreis verwickelt.
Ich schaute wieder weg. Es war wohl doch keiner, den ich kannte …
Die Unterhaltung ging weiter, und auf einmal war ich völlig sicher: Egal, wie der Mann dort von der Seite aussehen mochte, es musste  Jochen Ahlmann sein. Diese Stimme hatte kein Zweiter!
HILFE!
Ich sank automatisch etwas tiefer in mein Sitzkissen.
Hatte ich eine Sonnenbrille dabei, eine Zeitung, eine Mütze? Irgendetwas zum Verstecken, Verkleiden, Verschwinden?
Nein, ich war ausgeliefert! Meine einzige Hoffnung war, dass er mich nicht wiedererkannte. Es war immerhin viel Zeit seit dem letzten Mal vergangen – auch ich sehe mittlerweile anders aus.
Der Bus fuhr an, und Jochen Ahlmann schob sich, auf der Suche nach einem freien Sitzplatz, durch das schwankende Fahrzeug.
Ich schaute mich um. Mist, nicht viel frei!
Meine Chancen, unerkannt zu bleiben, sanken. Er kam immer näher, den Blick irgendwann auch auf mich gerichtet. Er blieb stehen, stutzte und schaute mich prüfend an. Schaute weg, schaute wieder hin, und plötzlich überzog sein Gesicht ein einziges breites Grinsen. Er blickte erneut in die Runde und es schien, als schätze er sein Publikum ab. Dann stellte er sich vor mir auf und rief überschwänglich:
„Sie! Sie – hier? Ich glaube es nicht!“
Meine Augen schossen Blitze ab, ich wurde augenblicklich stocksteif,  alles in mir drückte  Abwehr aus!
Doch dann geschah etwas Unerwartetes. In diesem Moment wurde aus dem etwas durchtriebenem Grinsen ein einfach nur spitzbübisches Lächeln und Jochen Ahlmann sagte:
„Hi, Michèle, ich bin’s, Jochen, schön dich zu sehen. Du kennst mich doch noch? Ich bin übrigens geheilt jetzt. Ich musste mit all dem Zeugs aufhören, sonst hätte ich nie ’ne Frau gefunden!“

Ich gebe es zu, ich war am Anfang misstrauisch, ungläubig. Doch wir haben am Rathausmarkt noch einen Kaffee getrunken – es kam tatsächlich zu keinem Rückfall. Bravo, Jochen!

Und was lehrt uns das jetzt, liebe Leser?

Es ist nicht an uns, die Menschen zu verändern, das wäre vermessen. Aber es ist an uns, stets Hoffnung zu haben, dass sie es selbst tun!
Manche schaffen es, und das ist die positive Botschaft der ganzen Geschichte.

©November 2010 by Michèle Legrand

 

 

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Kleber, Tacker oder Besen?

In den letzen Wochen haben sie wieder diese Krankheit. Die Blätter.
Oder die Bäume.
Oder liegt es an den Ästen?
Jedenfalls schmeißen sie.
Die Blätter ab und in die Gegend. Und wenn es nicht die Bäume und Äste sind, dann sind es die Blätter selbst, die eine spezielle Krankheit haben: die Laubfallsucht. Sie wiederum löst bei einem meiner Nachbarn einen ganz ähnlichen Infekt aus: die Laubtobsucht!
Sie dürfen dem Herrn nicht mit so etwas kommen wie Chemie, Physik, wenig Licht, kühleren Temperaturen, dem Jahreskreislauf, Herbst oder sonstigen logischen Argumenten.
Er hasst es, Laub zu entfernen und zeigt es recht deutlich. An friedlichen Tagen steht er mit nur heruntergezogenen Mundwinkeln und kummervoller Leidensmiene auf den Stiel des Besens gebeugt und brütet über die Last und diverse Ungerechtigkeiten des Lebens. An aufmüpfigen Tagen hingegen, knallt er den Besen schon einmal in die Ecke, mosert während seiner Selbstgespräche und ist immer kurz davor Leute anzublaffen, die zufällig seinen Weg kreuzen.
Irgendwo will der Mensch eben immer seiner Frust loswerden …
Das eigentliche Übel ist meiner Ansicht nach die Tatsache, dass er extrem langsam agiert und somit schlecht vorankommt. Vielleicht würde mir auch die Lust vergehen, wenn ich zu allem Stunden und Tage bräuchte. Und das ist etwas, was ihm ganz offenbar zusätzlich zu schaffen macht: zu sehen, ein anderer ist schneller!
Er  könnte oder wird sich damit beruhigen, dass er gründlicher ist und dass man von seinem gesäuberten Weg essen könnte.
Nur, wer will schon vom Weg essen?

Heute zog ich mir Gummistiefel an und begann draußen mit dem Laubfegen und -rechen. Mein Nachbar stand drinnen am Küchenfenster und bemerkte es. Es löst bei ihm regelmäßig eine milde Form der Panik aus.
Oh, die Nachbarin fegt! Ich muss das jetzt auch tun!
So ist das. Es geht selbstverständlich nicht, dass mein Weg sauberer ist als seiner (das Essen!).
Folglich hatte ich nach zehn Minuten Gesellschaft.
Hurra!
Anfangs war noch alles in schönster Ordnung. Nach einer kurzen Begrüßung folgte stillschweigendes Arbeiten. Bald jedoch verließ ihn wieder die eh schon geringe Lust und so startete der Zetermodus mit gründlichem Herummaulen und wiederholtem Gejammer.
„Es ist alles so sinnlos! Dauernd liegt wieder was!“ – „Wo soll ich mit dem ganzen Laub hin?“ – „Der Besen nimmt gar nicht alles mit …!“ – „… und dann bläst der Wind immer die Haufen auseinander!“ – „Herr und Frau X. könnten bei sich auch mal mehr aufräumen – alles fliegt hier zu mir herüber!“ – „Hier! Hier! Schon wieder Blätter von da drüben!“ – „Die nassen gehen auch nicht weg …!“ -„Das geht ganz schön auf den Rücken …“

So ging es mit erstaunlicher Ausdauer und immer neuen, missmutigen Anmerkungen weiter.
Zuerst versuchte ich ihn aufzumuntern und sagte ihm solche Dinge wie:
„Na, nun sind ja fast alle Blätter unten. Sie haben es bald geschafft!“
Es half für etwa eine halbe Minute, doch danach ging sein Wehklagen weiter.
Irgendwann hat es mir gereicht! Das hält man ja nicht aus!
Bunter Laubhaufen im  Herbst

Inzwischen hatte ich einen ziemlich großen Haufen Laub angehäuft. Nach einem erneuten Herumgenöhle seinerseits, lehnte ich meinen Besen an einen Baum und stellte mich vor meinen Nachbarn auf. Ich erklärte ihm:
„Lieber Herr E., Sie machen jetzt Folgendes: Sie nehmen Anlauf und springen hier in meinen Haufen! Und dabei schreien sie ganz laut:
Yeah, Laub ist der Wahnsinn!“
Er schaute mich völlig entgeistert an, so dass ich erwiderte:
„Gut, ich mache es Ihnen vor.“
Ehe er sich versah, startete ich, sprang ab, landete mit Karacho im Haufen und brüllte:
„Yeah, Laub ist der Wahnsinn!“
Der Nachbar stand völlig erstarrt.
Ich möchte gar nicht so genau wissen, was er gerade über mich dachte … Um ihn aus dieser Starre zu holen, wagte ich einen weiteren, letzten Versuch. Ich grinste ihn an und schlug vor:
„Wenn Ihnen das Fegen so widerstrebt, können Sie die Blätter auch ankleben oder wieder antackern. Dann hätten sie eine Weile Ruhe.“
Offensichtlich hatte ihm das Grinsen gezeigt, dass ich nur Spaß machte, ansonsten aber weiterhin normal bin – wenn auch nicht so normal, wie er es wohl gern hätte.
„Sie sind mir vielleicht eine!“, kam es schließlich schwer schluckend. Er griff resolut nach seinem Besen.
„Ich bleibe beim Fegen!“,  war sein letzter Kommentar, bevor er sich wieder seinem Schicksal ergab.

Ich denke, für das in den Laubhaufen springen ist er einfach noch nicht reif! ^^

PS Ich habe einen Forumskollegen, der vor zwei Jahren ein Video von seinem Laubsalto gepostet hat.
Sie finden es (ich hoffe, auch später noch), wenn Sie den nachfolgenden Link anklicken.

http://s20.photobucket.com/albums/b214/fryphile/Blah%20blah%20blah/?action=view¤t=Leaves.mp4

©November 2012 by Michèle Legrand

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Der Hase frisst wieder!

Auch das ist heute einen kleinen Blogeintrag wert. Nach einer Woche Essensverweigerung und Trinkflaschenignoranz nun die Kehrtwende: der Hase hat wieder Hunger!

Alle diejenigen, die ein Haustier haben, können es sicher nachvollziehen: Man leidet ziemlich mit, wenn der Hausgenosse kränkelt und weder essen noch trinken mag.

In dem Fall der Haushase  – oder  besser gesagt das Zwerglöwenkopfkaninchen – Nicky. Inzwischen seit August stolze sechs Jahre alt, und ein toller Kerl! Charakterstark, einfallsreich, gelegentlich auch etwas einfältig, einschmeichelnd, willensstark und – für ein Kaninchen nicht unbedingt typisch – durchaus als redselig zu bezeichnen.

Merkwürdige Geräusche werden da kreiert, je nachdem, ob es sich um einen Ausdruck des Hungers handelt (Raubtiergrummeln), um Wohlbehagen (Katzenschnurren, unterbrochen von leicht asthmatischem Lufteinziehen) oder um Müdigkeit (Schnarchen unter der von der Couch herabhängenden Fransendecke).
Seine Achillesferse ist der Magen und immer wieder, wenn auch mittlerweile glücklicherweise in größeren Abständen, passiert es, dass  der Hase von heute auf morgen krank wird. Was bei einem Hund vielleicht noch nicht so kritisch ist – nämlich einen Tag ohne Futter auszukommen –  kann bei Kaninchen sehr schnell gefährlich werden.

Nun, die Situation war die ganze Zeit irgendwie im Griff, denn er ließ sich zumindest mit  einem Extrafutter, das als Brei auf eine Spritze gezogen wird, füttern. Doch sicher sein, dass alles sich wieder beruhigt und nicht verschlimmert, kann man nie.

Die längste Periode des Nichtfressens dauerte sechs Wochen! Und das hieß dann ca. sechs Mal am Tag (bis in die Nacht hinein) den Plüschzwerg davon überzeugen, dass leckere Breipampe angesagt ist und man dabei doch praktischerweise etwas still hält.

Diesmal war es nur eine Woche. Und Sie glauben gar nicht, was das für ein Gefühl ist, morgens mit bangem Blick ins Zimmer zu kommen und dann einen Hasen anzutreffen, der einen frech anschaut und in aller Seelenruhe einen Heuhalm nach dem anderen knabbert.

Wollte ich nur mal gesagt haben. Ich glaube fast, mir schmeckt’s jetzt auch wieder besser …

Zwerglöwenkopfkaninchen Nicky

©November 2010 by Michèle Legrand

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Schnee in Sicht, oder wie man seinen Schokoladenvorrat aufstocken kann

…bald wieder soweit? Gewöhnen wir uns einfach schon ein bisschen an das Weiß

Es ist Montag.
Ich bin vom Wochenstart mäßig begeistert, was aber auch heißt, es ist alles noch steigerungsfähig.
Heute Morgen  musste ich doch tatsächlich Eis kratzen!
Ja, ja – ich weiß, nicht nur ich. Sie bestimmt auch.
Worauf ich hinaus will, ist: ES WIRD WINTER! Knapp über 0° Celsius (0,4° C ^^) zeigte das Thermometer, legte auch über den Tag nicht groß zu, und der Himmel blieb die ganze Zeit über dunkel und grau verhangen.
Es sieht nach Schnee aus…..

Mir fällt dabei gerade ein, was wir in meiner alten Firma gemacht haben. Vielleicht sind Sie und Ihre Kollegen auch schon darauf gekommen und veranstalten etwas Ähnliches.
Wir haben jedes Jahr Wetten abgeschlossen, wann wohl die ersten Schneeflocken fallen. Jeder durfte mitmachen, Name und Tipptermin wurden schriftlich festgehalten, der Einsatz betrug eine Tafel Schokolade pro Nase.
Offiziell gab es zwar keine Vorgabe, was es für eine Qualität zu sein hatte. Damit jedoch nicht langweilige 30 Tafeln Vollmilchschokolade der gleichen Sorte zusammenkamen, war inoffiziell ein wenig Kreativität erwünscht.
Getippt wurde im Oktober, die Spannweite der Termine ging von November bis Ende Januar.

Nachdem wir im ersten Wettjahr festgestellt hatten, dass es nötig war, den Begriff „Schneefall“ etwas näher zu definieren, um Kloppereien unter Kollegen („Es schneit!“ – „Nein, tut’s nicht!“ –  „Doch, es ist weiß!“ – „Es ist aber Hagel!“ – *knuff*) zu vermeiden, lief es ab dem zweiten Jahr gesitteter. Langweilig wurde es nur, wenn gleich im November die ersten Flocken kamen und damit die Wette durch war.
Keine Spannung und traurige Gesichter bei allen Dezember und Januar Tippern …

In einem Jahr gewann mein Chef (den ich bereits einmal in der via http://www.goodnewstoday.de veröffentlichten Geschichte vom ‚Ominösen Stern‚ erwähnte). Etwa 30 Tafeln  gewonnener Qualitätsschokolade vieler illustrer Marken, baute er sich zu einem hohen Stapel auf einer Seite seines Schreibtisches auf. Er war von Natur aus großzügig, gab gern ab. Ich glaube, es nahm nur eine Tafel Schweizer Schmelzschokolade mit nach Hause, weil seine Frau sie so gern mochte.
In der Zeit, in der dieser leicht schiefe Schokoladen-Pisa-Turm dort existierte, war er der begehrteste Mann der ganzen Firma. Erstaunlich, wie oft alle Kollegen auf einmal dringend den Weg durch sein Zimmer nehmen mussten …
Er sah es mit Humor und versank auch nicht in Depressionen, als seine Beliebtheit mit Wegfall des Stapels auf das Normalmaß zurückschrumpfte.
Er hatte ja seine Stammfans, seine Groupies.

Also, wie wäre es?
Kollegen-Wette und Firmen-Schokotafel-Turmbau in diesem Jahr?

©November 2010 by Michèle Legrand

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Neu zugezogen

Hier bin ich nun, habe mir abseits von Twitter eine Zweitwohnung gesucht. Sozusagen eine  Art Dauerbehausung. Es traf sich gut,  es war gerade eine Bleibe frei bei Posterous.com.

So stelle ich mir das Pendlerdasein vor: in der Woche regiert die Schnelligkeit, die Schnelllebigkeit und bietet dir ein kargeres Quartier.
Die Pendlerwohnung Twitter scheint ein bisschen dieses robuste Zelt zu sein, die Tagesunterkunft, der kurzfristige Treffpunkt, das schnelle sich Zurufen und Weitereilen.
Twitter, der Ort des ersten Kennenlernens, ein Infopoint. Wer hier steht, hält meist nur kurz an.
Oh doch, er kehrt schon regelmäßig zurück!
Nur, er darf nicht dauerparken. Er steht im Verkehr, agiert, reagiert, konsumiert und fasst sich kurz. So ist es gedacht, so ist es okay.

Es gibt allerdings den Moment, in dem einem der Gedanke an eine gemütliche Bleibe,  an einen Platz in der Garage und der Wunsch nach Muße und nach der Möglichkeit, drei Sätze komplett und ohne Abkürzungen zu schreiben oder sogar zu sagen (!) überkommt.
Und so wie ein Pendler sich am Freitagnachmittag auf dem Heimweg macht und sich auf Gemütlichkeit, Ausführlichkeit, Variation, etc. freut, so freue ich mich auf diese Hauptwohnung im Posterous-Haus.

Was wird hier nun passieren?

Hier wird regelmäßig (wenn auch nicht an festen Tagen) gebloggt.

Hier werden Geschichten erzählt (geschrieben und ebenfalls in der Variante Podcast veröffentlicht)

Hier wird „ge-Boo-t“ (Schauen Sie bitte dazu auch auf die Seite BOO)

Es werden Fotos auftauchen

Es wird eventuell Gezwitschertes (Twitter) hervorgeholt (wenn es die Themenvorlage liefert)

Das Thema Garten wird sicher hier und da eingestreut

Es wird gedichtet (Lyrik), Aktuelles begutachtet, appelliert, vorgestellt  u.v.m.

Das ist der Plan!
Die Zeit dafür ist gelegentlich knapp, aber wenn sie für das Zelt reicht, dann wird auch was übrig sein für das Haus.
Ein paar Renovierungsarbeiten sind noch nötig, ein paar Kisten müssen noch ausgepackt werden …

P1020182

Ich mache mich ans Werk. Wir lesen/hören uns vielleicht bald, und darauf freue ich mich sehr.

Liebe Grüße bis dahin!

Michèle

©November 2010 by Michèle Legrand

Nachtrag
Aus technischen Gründen, bin ich im Frühjahr 2011 mit meinem Blog von Posterous zu WordPress umgezogen.
Beiträge aus der Posterous-Zeit konnten dankenswerterweise ins neue Heim exportiert werden, doch hatten die Artikel anfangs ein anderes Design. Die Schriftart wich gegenüber neu erstellten Artikeln ab, die Bilder erschienen in anderen Größen.
Ich habe mich bemüht – wenn immer Zeit war – hier Ordnung zu schaffen, zu korrigieren, zu richten und zu verbessern. Vielleicht stolpern Sie dennoch über den ein oder anderen Abweichler. Lassen Sie sich davon bitte nicht irritieren!
Seit Mai/Juni 2011 stimmt  alles wieder. ^^
Bei einigen Artikel der Anfangszeit, die als Ergänzung einen Podcast anbieten oder einen Boo, werden Sie hierfür noch umgeleitet zum alten Posterous-Blog. Dies nur zu Ihrer Information.

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