Beiträge getaggt mit photo

Eine neue Seite bei den „Gedanken(sprüngen)“ – Und: Gegen die Regeln – Ein Post in eigener Sache

Michèle. Gedanken(sprünge) .. Manchmal müssen Gedanken so herausquellen dürfen. Bunt durcheinander ... ©Michèle Legrand

Michèle. Gedanken(sprünge):  Manchmal müssen Gedanken so herausquellen dürfen. Bunt durcheinander …

Liebe Blogbesucher,

es passiert von Zeit zu Zeit, dass ich mit Fragen bezüglich des Blogs konfrontiert werde. Fragen, die ich früher, sobald sie aufkamen, gleich in den wöchentlichen Freitags-Boos, den Hörbeiträgen, beantwortet habe.
Das war damals eine gute Lösung, doch allen, die heute dieselben Dinge wissen möchten, nützt es herzlich wenig.
Die auftauchenden Fragen beziehen sich auf die verschiedensten Bereiche.
Seien es Blogaufbau und angebotene Themen, Fragen zur Häufigkeit des Erscheinens, Erkundigungen zu Veröffentlichungsterminen im Fall von Blogserien, Fragen zum Suchen und Finden im Blog. Des Weiteren gibt es Einschätzungen, in welche Schublade mein Blog passen könnte, Mutmaßungen und Nachfragen zu meiner Person und hin und wieder auch (sicher gut gemeinte) Tipps von dynamischen Fachleuten, die aus meinem Blog eine Goldquelle oder sich dort breit machen wollen.

Ich möchte mich gleich dazu äußern und ansonsten gern auf eine weitere, neu angelegte Seite (zu finden über den zusätzlichen Reiter auf der Startseite am unteren Rand des Titelbilds) hinweisen. Sie hat den Namen: Blog-Info und Tipps und beschäftigt sich sowohl mit dem Blog samt seiner Struktur als auch mit dem Suchen und Finden von Artikeln.

Zu den anderen Fragen nehme ich nachstehend gesammelt Stellung:

Ja, ich handhabe vieles anders als geraten!
Bewusst! Wenn Sie so wollen aus Überzeugung – weniger aus Rebellentum.

Ich spezialisiere mich – entgegen allen Empfehlungen der Blog-Gurus – nicht auf ein Thema, weil ich als Mensch auch nicht nur ein einziges Interesse habe. Ich würde verdursten, bekäme ich nicht für alle meine Sinne etwas! (Mehr auf der neuen Bloginfo-Seite)

Ich veröffentliche nicht immer am gleichen Wochentag oder überhaupt im immer gleichen Abstand – aus dem ganz einfachen Grund, weil sich mein neuer Blogpost genau in dem Moment zu Ihnen auf den Weg macht, in dem ich das Gefühl habe, er ist fertig, rund!
Ich ziehe nichts vor, ich hebe nichts künstlich auf, nur um einen speziellen Tag zu treffen, ihn krampfhaft einzuhalten!
Wer hier Stammgast ist oder Spezialthemen sucht, findet die Posts sowieso. In der Hinsicht arbeite ich ziemlich gewissenhaft – nur wieder nicht vorrangig aus dem Grund, den Blog zu pushen (ich bin mit den Besucherzahlen mehr als zufrieden!)  sondern eher deshalb, um beispielsweise meinen zahlreichen blinden Blogbesuchern den Zugang zu erleichtern (aussagekräftige Beschriftungen und Bildtitel etc.)

Mir widerstrebt es weiterhin, aus rein taktischen Gründen, zu einer ganz bestimmten Uhrzeit zu veröffentlichen.
Wenn Sie danach gehen und sich auf solche Beschränkungen einlassen, können Sie bald gar nicht mehr posten! Entweder ist es zu früh oder zu spät, die Leute essen Mittag, es ist Urlaubszeit, DSDS läuft, ein Fußballspiel bzw. Formel 1 Rennen findet statt oder – auch ganz schlecht – der Papst wird gewählt. Dieses ganze Heiopei nur, weil es Ihnen angeblich ein paar Seitenklicks mehr bringt.
Bringen könnte …
Vergessen Sie es!
Mit zu viel Kalkül können Sie einen lebendigen Blog killen und ihn und sich demnächst begraben. Denn es killt auch Ihre Lust am schaffen!

Was Sie bei mir ebenfalls vergeblich suchen werden, sind tage- und seitenlang wiederholt abgesetzte Tweets (der Zwei-Stunden-Takt bei Twitter wird empfohlen) oder FB-Statusmeldung-Bombardements, die einen Post bewerben, ihn enthusiastisch lobpreisen und dabei in die Nähe einer Grimme-Preis-Nominierung drängen.
Ich kündige eigene neue Blogeinträge je einmal bei Facebook und via Twitter an. Wenn es nach zwei Jahren aus irgendeinem besonderen Grund den Anlass gibt, einen speziellen Artikel zu wiederholen, dann kommt es vereinzelt vor. Es ist allerdings die absolute Ausnahme.
Der Grund für die Zurückhaltung ist, dass ich es wirklich nicht leiden kann, wenn ich – jetzt aus anderer Sicht gesehen – immer wieder mit den gleichen Links zu ein und demselben Blogpost zugemüllt werde. Bei mir weckt das eine Aversion, und es entsteht nachhaltig Ablehnung. Ich fühle mich belästigt. Weil das so ist, handle ich konsequenterweise anders.

Da ich der Ansicht bin, dass es auf Dauer sehr auf Qualität, Kontinuität, Glaubwürdigkeit und eben den Menschen dahinter ankommt, fällt es mir überhaupt nicht schwer, die kursierenden Regeln sehr locker zu sehen.
Ich vernetze mich gern, halte aber von dem Eine-Hand-wäscht-die-andere-Prinzip nicht grundsätzlich etwas. Wenn etwas gut ist, braucht es keine Gegenleistung, um von mir angepriesen oder mit einem Gefällt mir versehen zu werden. Ist etwas nicht empfehlenswert, werden mich auch mehrere im Gegenzug erhaltene Likes oder Retweets leider nicht dazu bringen können.
Ich lese sehr viele Blogartikel (weltweit), finde oft interessante Einträge und wurde einmal sehr erstaunt gefragt, warum ich ein Like gegeben hätte, wo sonst keiner eins gab.
Das ist ganz einfach: Ich fand es gut.

Ich glaube, einen Großteil der Fragen beantwortet zu haben. Der Blog lässt sich in keine Schublade packen, ich übrigens auch nicht. Die Beantwortung verrät Ihnen gleichzeitig mehr über mich – wie auch die Blogposts selbst.
Wenn Sie dennoch eine konkrete Aussage möchten, dann verrate ich Ihnen, dass ich es authentisch mag.
Taktik kann Vorteile bringen. Taktik hat aber auch Nachteile. Erhebliche! Denn Taktik ist berechnend und fordert ein überaus unnatürliches Verhalten.
Taktik sollte man kennen, um zu wissen, was man nicht möchte.

Wenn Sie immer noch nicht genug haben, liebe Leser, besuchen Sie gern die neue Seite …
https://michelelegrand.wordpress.com/blog-info-und-tipps/ 

©März 2013 by Michèle Legrand

, , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

7 Kommentare

Zwischen den Jahren …

29. Dezember 2012.
Bald ist das Jahr zu Ende!
Gut, das wussten Sie jetzt auch ohne mich. (Offen gestanden hatte ich mehr mit mir selbst gesprochen)
Noch knapp drei Tage … dann … siehe Bild.
Zwischen den Jahren ... Feuerwerk -Blog Michèle. Gedanken(sprünge)

Wie geht es Ihnen? Hatten Sie schöne Weihnachtsfeiertage? Haben sich alle einmal wieder gesehen?
Ja, aber …
Ja, aber?
Nein, schon klar. Sie brauchen es mir nicht zu erklären.
Weihnachten ist gelegentlich eine etwas zweischneidige Sache. Es hat seine schönen Seiten, ohne Frage, denn es ist nett, Familie zu sehen, zusammenzusitzen und über dies und das zu klönen, Geschenke erst ein- und später auszupacken, leckere Dinge vorzubereiten, um sie danach in festlicher Atmosphäre zu verspeisen, Kerzenlichter auf dem Tisch.
Nur kann es auch im Laufe der Tage ziemlich  anstrengend sein!
Es ist ja alles so fürchterlich komprimiert!
Die Festtage folgen Schlag auf Schlag, das Essen genauso. Und so lang die Festtage zwischendurch gele-
gentlich erscheinen mögen, so kurz kommen sie daher, wenn es gilt, alles unter einen Hut zu kriegen.
Man will ja schließlich alle einmal sehen … (Will man?)
Leben Teile der Familie in einer anderen Region, womöglich einige Hundert Kilometer voneinander entfernt,
wird es eng mit der zur Verfügung stehenden Zeit und rechtzeitiges Planen erforderlich  (Fahrt, Unterkunft, Versorgung von Haustier, Blumen, Briefkasten, etc.)

Wenn Ihnen allerdings die Invasion droht, liegt der Schwerpunkt auf Einkaufen, Verpflegung produzieren,
alles hübsch herrichten – und sollte Ihre Wohnung auch noch Hotelfunktion haben, wird es nötig umzuräumen, Schlafstätten zu schaffen u. v. m.  Umgeräumte Wohnungen verlieren dabei häufig die persönlichen Erholungsecken, die Rückzugsgebiete.

Viele Menschen kennen jedes Jahr beide Programmpunkte. Sie empfangen Besuch, und sie werden irgendwo erwartet. Das Datum steht bombenfest, es sind folglich alle gleichzeitig unterwegs bzw. am feiern. Das Wetter zeigt sich nicht immer in Festtagslaune und erschwert gern An- und Abreise oder das Integrieren von Außenaktivitäten zwecks Abwechslung. Keine Bewegung in Form von Spaziergang und Spielen. Stattdessen hocken alle  aufeinander.  Vom Baby bis zum Uropa. Häufig beengt. Stunden über Stunden.

Und ganz leise möchte ich an dieser Stelle gern noch einen Punkt erwähnen, der Weihnachten feiern für die Menschheit immer wieder zu einem anstrengenden Unterfangen machen kann:
Die unumstößliche Gästeliste!
Sie wissen, an Weihnachten wird zusammengepackt, was laut Stammbaum zur Familie gehört!
Das kann – wenn Sie Glück haben – super funktionieren.
Es kann aber auch sein, dass es sich – um es einmal vorsichtig auszudrücken – nicht exakt um die Auswahl handelt, die Sie für eine sonstige private Feier zusammentrommeln würden.
Familie – das sind nicht zwangsläufig die Menschen, bei denen untereinander die Chemie stimmt! Doch selbst ohne große Feindschaften prallen häufig sehr unterschiedliche Temperamente aufeinander. Oder stellen Sie sich lediglich das Zusammenrasseln von extrovertierten und introvertierten Typen vor, die wirklich grund-
verschiedene Bedürfnisse haben. Immer interessant und anregend für ein kurzes gemeinsames Kaffeetrinken, nur kippt die Stimmung nach maximal zwei Stunden! Wenn die Party für den einen erst richtig beginnt, der Lärmpegel steigt – der andere hingegen die ersten ernsthaften Fluchtgedanken hat. Sobald es sich beruhigt, die Dezibel sinken, atmet dieser erleichtert auf, während beim Hallo-hier-komm-ich-Menschen  prompt die Langeweile startet.
Wer sich langweilt, kommt auf dumme Gedanken …
Sie haben folglich während des Fests der Familien die ganze Bandbreite von großer Zuneigung, Harmonie
und Freude bei lockeren Gesprächen bis hin zu unterschwelliger Apathie, Stänkergelüsten, Anspruchsdenken, seltsamen Erwartungen. Mehr oder weniger erfolgreich wird der aufkommende Frust und Ärger im Zaum ge-
halten.
Es ist ja schließlich Weihnachten …
Die Gespräche versiegen, doch kurz bevor der Schwenk in die Eiszeit starten kann, bevor richtige Dramen starten, Massaker beginnen … ist Weihnachten glücklicherweise sogar bei derart traumhaft zusammen-
gesetzten Familienclans wieder vorbei.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass das Schlimmste meist dadurch vermieden wird, dass es überall einen gibt, der anpassungsfähiger, geduldiger und milder gestimmt ist, d. h.  einen, der entgegenkommt, der mehr zu schlucken bereit ist, als sein Kontrahent?
Warten Sie!
Schlucken ist wieder zweideutig, oder?
Nicht mehr Alkohol! Dass wir uns hier nicht missverstehen …
Nein, mehr an Merkwürdigkeiten, Ärgernissen, überflüssigen Sprüchen.
Alles in allem geht es am Ende fast immer gut aus, nur für den friedliebenden und vermittelnden, diplo-
matischeren Typ, ist es enorm anstrengend, und so kommt das Ende der Weihnachtsfeiertage just in dem Moment, in dem auch seine Batteriereserven aufgebraucht sind.
Es wird allerhöchste Zeit für Rückzugsmöglichkeiten, Ruhe, gesünderes Essen in kleineren Mengen, mehr Bewegung, Entspannung.
Wer großes Glück hat, muss nicht sofort wieder arbeiten und hat diesen Ausgleich.

Falls Sie in Ihrer Familie ein Herz und eine Seele sind,  alle irgendwie vom gleichen Schlag,  so staunen Sie einfach nur über das eben Gelesene.
Doch das gibt es!
Vorhin hörte ich wieder eine derartige Geschichte, die damit endete, dass die zwei Personen, die dieses Jahr Gastgeber und Friedensstifter waren, sich geschworen haben, das nächste Jahr an Weihnachten zu verreisen, wenn nicht sogar auszuwandern.

Wissen Sie, was eigenartig ist?
Trotz allem klingt der Begriff Weihnachten zwei Monate später schon wieder recht anziehend. So grundsätzlich.
War doch gar nicht soo schlimm …
Gut, die Menschheit hat es erst einmal wieder hinbekommen. Die einen so, die anderen so.

Und jetzt sind diese besonderen Tage angebrochen, die Zeit zwischen den Jahren. Manche behaupten, das sei eine Zeit, in der gar nichts passiere. Höchstens Geschenke tauschen. Gutscheine einlösen. Die Feiertage wären vorbei, das Neue Jahr hätte noch nicht begonnen, viele hätten frei. Somit eine Zeit des Nichtstuns …
Im Grund überflüssig.
Ja?

Für mich ist es immer ein willkommener Zeitpunkt, um ein bisschen auf mein persönliches zurückliegendes Jahr zurückzuschauen.
Was hat sich getan? Wo gab es Veränderungen, was war auffällig?
Was glückte, was misslang?
War es ein gutes Jahr? Oder anders gesagt: Habe ich es gut genutzt?
Wer ist mir begegnet, was habe ich erlebt, was hat mich geprägt, woran habe ich zu nagen?

Und ich schaue ein bisschen voraus.
Wie wird es im Neuen Jahr weitergehen?
Ich halte nicht viel von diesen halbherzigen Silvester-/Neujahrsvorsätzen, die so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind. Meine Planung ist langfristiger. Meine – eher nicht materiellen – Wünsche halten länger an, sind äußerst beständig, ihr Umsetzen erfordert Zeit, Geduld, Disziplin …
Und ganz sicher auch ein Quäntchen Glück.
Vielleicht bedeutet 2013, der Erfüllung dieser Wünsche wieder ein Stückchen näher zu kommen. Veränderung ist selten eine Sache, die von heute auf morgen erfolgt, geschweige denn komplett erledigt wäre.
.

Jahreswechsel 2012/2013 - Michèle Legrand auf WordPress.comIch wünsche Ihnen allen, dass auch Sie Ihre Träume haben, Ziele, die Sie im nächsten Jahr angehen möchten. Seien es persönliche Veränderungen oder vielleicht Ideen und Projekte, die Sie im Auge behalten und Stück für Stück realisieren möchten.
Wenn Sie sich nichts mehr als Gesundheit wünschen, dann hoffe ich, dass auch dieser Wunsch für Sie in Erfüllung geht.
Viel Glück bei allen Ihren Vorhaben!

Für Sie alle einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

.

© by Michèle Legrand, Dezember 2012

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

11 Kommentare

Weihnachtliche Bevorratung und andere Phänomene …

Hamburg - Hauptbahnhof - Wandelhalle mit weihnachtlicher Dekoration - Dezember 2012

Hamburg – Hauptbahnhof – Wandelhalle mit weihnachtlicher Dekoration – Dezember 2012

Hallo! Willkommen zurück! ^^
Schön, dass Sie den 21. Dezember gut überstanden haben!
Auch wenn kein Weltuntergang stattfand, ist es gar nicht selbstverständlich, dass Sie hier heute, am 22.12.2012, wieder auftauchen!
Es geht es in den letzten Tagen dermaßen wühlig zu in Deutschland, es herrscht ein solcher Andrang in den Einkaufshochburgen, dass manch einer dabei leicht verschütt gehen könnte.
Prima, dass Sie offenbar unversehrt sind und sicher wieder nach Hause gefunden haben.

Wie lief es bei Ihnen unterwegs?
Mit welchen „Bräuchen“ wurden Sie konfrontiert?

Ich biete folgende Stichworte: Verstöpselung. Bevorratung. Erpressung.
Kennen Sie auch?
Wenn nicht, liegt es unter Umständen nur an den Begriffen. Gut möglich, dass Sie gewisse Phänomene lediglich anders betiteln.

1. Die Verstöpselung
Verstöpselung hat mit Babys und deren Lage im weihnachtlichen Gedränge zu tun. Genauer gesagt geht es um deren missgelauntes Gequake – nein, Gebrüll! – und um die kleinen Dinger, die gemeinhin als Schnuller bekannt sind.
Einerseits werden diese Gummipfropfen von vielen Eltern rein prophylaktisch bei ihrem Nachwuchs eingesetzt.
Zustöpseln, damit gar kein Geschrei möglich ist!
Andererseits sind viele Babys sie mittlerweile gewohnt, brauchen sie unbedingt!

Vielleicht haben Sie schon einmal beobachtet, dass Babys beim weihnachtlichen Einkaufen gar nicht losheulen, weil es so tropisch warm in den Einkaufszentren wäre. Nein, dagegen haben die Eltern meist Gegenmaßnahmen ergriffen. Der Wintersteppanorak mit der plüschohrverzierten Bärenkapuze wurde bereits ausgezogen.
Das Gebrüll kommt aus einem anderen Grund.
Die abgestandene Luft löst ständiges Gähnen aus! Selbst bei den Kleinsten. Warum sollte es Babys in der Situation anders ergehen als Erwachsenen.
Und die Konsequenz der Gähneritis?
Richtig! Der Schnuller fällt dauernd aus dem Mund!
Das hat zur Folge, dass mit zwei Sekunden Verzögerung das Gequake einsetzt, und keiner kommt hinterher mit dem immer wieder neu Einstöpseln!
So ein Muss-Schnuller hat eben auch seine Nachteile …

Hamburg - Hauptbahnhof (Wandelhalle) in der Weihnachtszeit

Hamburg – Hauptbahnhof (Wandelhalle) in der Weihnachtszeit

2. Die Bevorratung
Die Erwachsenen quaken übrigens auch, nur können Sie hier einen herausploppenden Schnuller als Ursache getrost vernachlässigen.
Der kauffähige Anteil der Bevölkerung ist aktuell geschädigt und entnervt vom kolossalen Andrang an Theken, Tresen und Kassen in Läden und ganz speziell in Lebensmittelgeschäften.
Jedes Jahr das gleiche Spiel. Zuerst allseits die große Verdrängung, und dann kommt Weihnachten absolut überraschend!
Oh, schon der 22.12.! Nun aber hurtig …!
Neben der Bewältigung der Last Minute Weihnachtseinkäufe für den Gabentisch, schlaucht die Menschheit speziell die Bevorratung mit Lebensmitteln.
Sie könnten leicht auf den Gedanken kommen, die Feiertage zögen sich in diesem Jahr bis über Neujahr hin – in einem Rutsch – oder die Geschäfte wären nun mindestens vier Wochen geschlossen.
Hamstereinkäufe!
Panik-Tütenfüllen! (Ich habe einen Bindestrich bevorzugt, ich hatte sonst das Bild von panischen, wild herumzappelnden Tüten vor meinem inneren Auge)
Einkaufswagenüberladung!

Es sind zwei Tage, liebe Menschheit, zwei lumpige Tage …
Aber verständlich, man sollte das Risiko des Hungertodes in unseren Breitengraden nicht unterschätzen …
Ja, ja, ich bin gehässig! Und – sagen Sie es ruhig laut – schnodderig!
Verraten Sie es nicht weiter.
Ich darf mir nämlich eigentlich nichts leisten im Moment …

3. Erpressung
Sie kennen diese andere Sitte, die an Weihnachten neben Panikeinkäufen gern gepflegt wird? Sie nennt sich Erpressungssprücheklopfen.
„Wenn du schön brav bist, bringt dir der Weihnachtsmann auch, was du dir wünschst …“
Das bekommen Sie in jedem Alter zu hören – glauben Sie nicht, das wäre irgendwann vorbei!
Nun, ich wünsche mir, nicht mehr kameralos zu sein – denn ich gehe langsam ein ganz ohne Fotoapparat.
Kamera gegen Bravsein.
So ein Deal ist anstrengend!
Das ist psychologisch bedingt. Immer wenn Sie wissen, dass Sie etwas nicht dürfen oder vermeiden sollen, dann passiert es umso leichter.
Wenn Sie zu einem bestimmten Verhalten gezwungen werden, bocken Sie innerlich. Ihr aufmüpfiges Ich rebelliert dagegen.
Sei brav! Benimm dich! Mach dir keine Flecken! Weck ihn nicht auf! Nichts essen vorher! Bleib wach! Komm nicht zu früh! …

Sie kennen es, oder?
Die Müdigkeit, die Sie aus purer Bosheit regelmäßig an Silvester schon um 22 Uhr befällt – weil Sie wissen, dass Sie heute einfach nicht vor Mitternacht ins Bett gehen können!
Sie dürfen nicht einschlafen, Sie müssen wach bleiben – herrje, warum klappen bloß die Augen zu?
Der Hunger, der Sie quält, just an dem Tag, an dem Sie nüchtern zur Blutentnahme kommen sollen. Sonst ist Ihrem Magen die Versorgung am frühen Morgen relativ schnuppe.
Der gleiche Hunger, der sofort einsetzt, sobald Sie beim Zahnarzt fertig sind und er Ihnen die Anweisung mit auf den Weg gibt, die nächsten drei Stunden noch nicht wieder etwas zu sich zu nehmen.
Was macht Ihr werter Magen?
Er knurrt wüst!
Und Sie blicken dauernd auf Ihre Uhr und trauen dem Ding immer weniger …

Kekse zu Weihnachten (Michèle. Gedanken(sprünge)

Kekse zu Weihnachten – hier halt ohne Glocke und Tannenbaum!

Sie könnten jetzt den Eindruck gewinnen, dass ich immer nur esse. Dem ist nicht so. Ich hadere nur mit Verboten, womit wir wieder beim Bravsein wären.
Ich bemühe mich redlich.
Noch zwei Tage!
Wenn jetzt keiner zu hohe Ansprüche stellt, könnte es klappen.
Notfalls gibt es vielleicht noch gewisse Bonuspunkte für diesen ganzen Weihnachts-Familien-Bekochungs-Zauber, der an mir hängenbleibt.
Unter Umständen lässt sich damit manches noch retten … herausreißen!

Und nun zu Ihnen!
Ich hoffe, Sie sind durch mit Ihren Besorgungen, konnten alles erfolgreich ergattern, was Sie suchten und haben auch den Eindruck, dass es nicht das Schlechteste ist, wenn die Weihnachtsfeiertage nach einem Wochenende starten.
Mein Empfinden ist, dass manches ruhiger läuft, und die Menschen etwas gelassener unterwegs sind.

Wir treffen uns hier sicher noch einmal in den kommenden Tagen, doch sollten Sie es aufgrund familiärer Verpflichtungen nicht mehr schaffen, wünsche ich Ihnen schon an dieser Stelle ein schönes, fröhlich-besinnliches Weihnachtsfest und bleiben Sie gesund!

©Dezember 2012 by Michèle Legrand

, , , , , , , , , , , , , , , , , ,

4 Kommentare

Kostbare Zeit … und das Thema Weltuntergang wird jetzt zu den Akten gelegt!

Michèle Legrand  ©Foto: Andreas Grav (Ausschnitt)Vorweihnachtszeit. Und prompt kommt man zu nichts mehr! Hier herrscht schon seit einer kompletten Woche Funkstille.
Eine Woche … gähnende Leere!
Und Sie! Sie melden sich natürlich auch nicht! Sagen keinen Ton! ^^
Wie darf ich denn das auslegen, hm?
Geben Sie es ruhig zu, Sie sind heilfroh, dass wenigstens einmal Ruhe ist.
Nicht?
Ach, Sie sind selbst auch am rotieren?
Klar, das adventliche Zeitknappheitsproblem ist Ihnen nicht neu …
Bitte?
Exakt! Sie haben natürlich völlig recht, es ist nicht nur die generell vorbereitungsintensive Zeit vor Weihnachten, es ist auch dieser zusätzliche Zeitdruck durch den unsäglichen Weltuntergang am 21. Dezember.
Wenn es danach geht, ist die aufkeimende Weihnachtshektik eigentlich völlig für die Katz …
Stopp!
Soll ich Ihnen einmal hier – so unter uns – etwas verraten?
Kommen Sie bitte etwas näher, ich muss es leiser sagen, denn einige werden mich jetzt sicher steinigen. Es ist nämlich so:
Ich kann dieses Weltuntergangs-Gedöns nicht mehr hören!
Alles, was jetzt daraus entsteht!

Haben Sie schon einmal beobachtet, welches Verhalten diese Ankündigung bei vielen Menschen auslöst?
1)
Es gibt den Typ 1, der plötzlich überhaupt nichts mehr anpackt, weil die Welt in ein paar Tagen sowieso am Ende ist. Er glaubt selbstverständlich nicht daran, aber er nutzt es für alles und jedes als Ausrede, um sich vor Dingen zu drücken oder sich etwas zu gestatten.
Was soll ich die Aufgabe jetzt erledigen/aufräumen/helfen, wo doch hier bald Schluss ist?
– Ich kann weiter (fr)essen – denn ich sterbe ja eh am 21. Dezember!
– Was soll ich diese Sache klären, „bis dahin“ geht es auch gut ohne Einigung.
– Ich rauche/trinke/ rase, etc. weiter. Auf die paar Tage kommt es wirklich nicht an.
Typ 1 ist klar, dass er schwafelt, doch eine gute Ausrede ist es allemal – aus seiner Sicht.
2)
Typ 2 glaubt zwar auch nicht an den Weltuntergang, aber seine Logik weicht leicht ab. Sie sieht so aus:
Weil es theoretisch doch passieren könnte, vertagt er alle Aktivitäten auf einen Termin nach dem 21.12.2012. Rein vorsichtshalber.
– Du, ich warte mal ab, wegen Weltuntergang und so …
Mit Menschen des Typs 2 ist zurzeit auch nichts anzufangen.
3)
Mensch Typ 3 erlebt momentan einen Ausbruch von Kreativität. Er malt sich diesen Tag des Weltuntergangs in bunten Farben aus und schreibt irrwitzige Szenarien. Er erfindet quasi Stundenpläne für den Ablauf. Wo es wann startet, wer sich mit wem versammelt, wie das Menü (Apokalypse-Brunch) aussieht, wer zur Eröffnung singt, wie lange alles dauert.
Natürlich ist der UN-Sicherheitsrat involviert! Alles wird ein einziges Happening! Eine große Weltuntergangsfeier, bei der Brasilien gegen eine Weltauswahl Fußball spielt – letzteres las ich bei Facebook.
4)
Mensch Typ 4 ist von der ernsthaften Sorte und stets bemüht, die Hintergründe um die These des kommenden Untergangs zu klären. Auch zu erklären. Er möchte sich damit auseinandersetzen und versucht, seriös Fachwissen zu vermitteln.

Es gibt sicher weitere Wesen anderer Art, doch dabei wollen wir es vorerst bewenden lassen und kommen stattdessen zu meinem Einwand, es nicht mehr hören zu können.
Warum diese Abneigung?
Mir könnte es im Grunde herzlich egal sein, was wer wie oder wann über den Weltuntergang zu sagen hat.
Zu schreiben hat. Oder welche Informationen es darüber gibt.
Wer welche Späße dazu erfindet. Wie abgedroschen, überholt oder  überhaupt nicht witzig sie teilweise auch sein mögen.
Ich könnte auch die zweihundertfünfzigste Wiederholung milde lächelnd hinnehmen.
Kann ich es?
Weiterhin habe ich durchaus die Hintergründe verfolgt, studierte die Geschichte vom Langzeit-Maya-Kalender, die Theorien bezüglich des Sonnensystems und der Sternenkonstellation. Dort ist nicht unbedingt von einem Untergang im eigentlichen, ganz wörtlichen Sinn die Rede! Kein Versinken wie bei Atlantis o. ä. Oft wird von einem Übergang geredet …
Wir wissen demnach gar nicht, was genau uns erwartet!
Dennoch lähmt es die Leute in ihrem Handeln. Nicht, weil es sich so entsetzlich darstellt, vorgestellt wird – nein, es ist zu abstrakt, zu schwer greifen und zu begreifen – daher ist die Reaktion irrational, eher kindisch.

Für mich wirft die derzeitige Weltuntergangs-Beschau jedoch eine andere Frage auf, die ich für viel naheliegender halte. Ein Szenario, das greifbarer ist und mit dem wir uns daher besser auseinandersetzen oder darauf geeigneter reagieren können:
Hat schon einmal jemand daran gedacht, dass jeden Tag irgendwo für irgendeinen Menschen gerade die Welt untergeht?
Seine Welt?
Dass es gar nicht so selten ist?
Dass es nicht derart vage oder abstrakt ist wie die Ankündigung, mit der wir uns gerade herumschlagen oder mit deren Berichten uns die Medien zupflastern?
Naturkatastrophen, Terrorakte, Amokläufe, Kriege, Unfälle, Krankheiten, familiäre Zerwürfnisse, Tod eines nahestehenden Menschen, Notsituationen aller Art … alles Auslöser, die eine (persönliche) Welt untergehen lassen.
Die Welt eines oder auch mehrerer Menschen.
Immer wieder!

Würden auch diese betroffenen Menschen immer nur davon reden, dass sie jetzt gerade nichts tun könnten, weil doch Weltuntergang sei oder sich nicht getrauten mit dem Hinweis auf ein vielleicht kommendes Ende ihrer Welt?
Nein, sie würden für sich überlegen, ob sie damit weiterleben könnten und dann handeln. Und das Wissen um die Möglichkeit des Verlustes, würde sie dazu bewegen, sich ihrer Zeit bewusst zu sein und Dinge noch vorher zu tun – weil manche Momente und Gelegenheiten unwiederbringlich sind!

Mich stört das sinnlose Vergeuden der Zeit.
Mich irritiert das Verhalten, als hätten wir grundsätzlich noch alle Zeit der Welt – nämlich nach dem Untergang, an den nicht geglaubt wird.
Wir wissen nie, wie viel Zeit noch ist!

Es wird kein Langzeit-Mayakalender sein, der uns persönlich darauf hinweist, wann unser Ende gekommen ist. Es wird auch nicht als Neuigkeit in der Zeitung zu finden sein. Überhaupt sollte sich jeder darüber im Klaren sein, dass es nicht unbedingt erst dann passiert, wenn er damit rechnet! Es wird nicht immer gewartet, bis wir unseren Kram endlich geregelt haben!
Und was bedeutet das?
Es bedeutet nicht, dass Sie jeden Tag Angst haben müssen, dass Sie dran sind.
Es heißt nicht, dass Sie nicht heute noch etwas beginnen können – selbst wenn sich herausstellen sollte, dass Sie es nicht mehr lange fortführen könnten …
Es heißt nicht, dass Sie von nun an grundsätzlich vorpreschen müssen, panisch alles erledigen müssen …
Es heißt nur, dass Sie die Zeit nutzen sollen und bedeutet, dass sie wirklich kostbar ist!
Zu schade zum Vergeuden.
Schieben Sie nicht alles auf die lange Bank!
Und schieben Sie nicht diesen dämlichen Weltuntergang vor!

Wenn Sie noch irgendetwas Unerledigtes zu tun haben, irgendetwas, das Ihnen am Herzen liegt, dann tun Sie es jetzt!
Sie können es nicht vorher wissen – aber es könnte die letzte Chance sein!
Tun sie es deshalb.
Nicht, weil die Zeitung schon wieder reißerisch den 21. Dezember erwähnt.

Diese Art Weltuntergangs-Gedöns legen wir nun zu den Akten.

©Dezember 2012 by Michèle Legrand

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

17 Kommentare

Rentier mit Krokantbecher

Die Zeit, in der ich ohne Kamera auskommen muss  (ich vermisse sie sehr!), möchte ich – was den Blog angeht – gern für etwas Spezielles nutzen. Ich würde gern Ergänzungen vornehmen!
Daher taucht heute an dieser Stelle ein Beitrag auf, der (in einer anderen Version) vor zwei Jahren auf der Seite http://www.goodnewstoday.de veröffentlicht wurde. Einer Internet-Seite, die es sich zum Ziel gemacht hat, positive Nachrichten (good news) zu verbreiten. Eine ganze Reihe meiner Erlebnisse ist vorrangig 2010 dort gelandet.

Ich erwähne gelegentlich Robert Redford oder den Krokantbecher und manche fragten nach dem Hintergrund. Falls es Sie auch interessiert, Sie Lust haben, es noch nicht oder nicht mehr kennen, dann lade ich Sie heute herzlich ein zum:

Rentier mit Krokantbecher

Sie haben das Tier der Lappen vor Augen und wundern sich?
Sie müssten mittlerweile als Stammleser wissen, dass ich es manchmal sehr liebe, Verwirrung zu stiften – die ich selbstredend auch wieder auflöse!
Es geht heute im Blog um einen Herrn im Ruhestand, einen Rentner, auch Rentier genannt, sowie einen Besuch im Eiscafé.
Solche althergebrachten Begriffe wie Rentier, die haben schon etwas, oder?^^
Und Krokantbecher. Ich kann mir nicht helfen, auch dieses Wort erschien mir absolut titeltauglich.

Lassen Sie uns beginnen:
Ich sage Ihnen nichts Neues, wenn ich Ihnen verrate, dass manche Wochen es in sich haben und manche Tage ziemlich bescheiden anfangen. In einem solchen Fall gibt es immer mindestens zwei, wenn nicht gar drei Möglichkeiten, damit umzugehen:
1.
Sie können jedes negative Puzzleteilchen des Tages aufpicken, aufbauschen, jammern und leiden. Gut macht es sich auch, depressiv dreinzuschauen und zu muffeln. Auf jeden Fall sollten Sie den anderen gehörig auf die Nerven gehen und ihnen generell an allem die Schuld geben!
Vorteil: Gefühlt geht es den anderen jetzt ebenfalls nicht so blendend.
Nachteil: Die Situation ist immer noch bescheiden, und es fördert nicht gerade die eigene Beliebtheit oder die eigene Zufriedenheit mit sich selbst.
2.
Ignorieren, so weit dies möglich ist. Gute Miene machen zum ganzen Elend. Hinnehmen, ergeben ertragen, still vor sich hin leiden. Abwarten.
Vorteil: Keiner
Nachteil: Die Passivität ist deprimierend. Der Ärger nagt. Die Situation bleibt.
3.
Wenn der Tag bis – sagen wir – 15 Uhr katastrophal war, dann kann dies eigentlich nur bedeuten, dass das Gute, das an jedem Tag passiert, eben heute noch dran ist, und Sie mit dem anderen Elend jetzt gleich durch sind.
Vorteil: Sie können das Zurückliegende abhaken und sich auf das Kommende freuen.
Nachteil: Sie müssen sich ein bisschen selbst darum kümmern, dass Ihnen das Positive auch auffällt. Das klappt besser, wenn Sie nicht gerade mit Punkt 1 und Punkt 2 beschäftigt sind …

Ich befand mich dieser Tage  in jener erwähnten 15-Uhr-Situation und wollte mich, zum Abschütteln des ersten Teils des Tages und zum Begrüßen des zweiten Teils,  in dieser Übergangsphase mit einem Kaffee vergnügen.
Liebend gerne hätte ich es in dem gewohnten Coffee Shop getan, dem, in dem auch die Geschichte über den Rolltreppen-Voyeurismus (siehe Link unten) entstand. Leider stellte ich fest – er hat zugemacht!

Wissen Sie, was mir dabei auffiel?
Sämtliche Läden, in denen ich in den letzten Jahrzehnten hin und wieder mal eine Tasse Schwarzes trank, sind nach einer Weile geschlossen worden!
Ich fragte mich natürlich doch leicht verunsichert, ob ich mir tatsächlich eine neue Kaffeebleibe suchen sollte oder ob dann auch dort bald das letzte Stündlein geschlagen hätte …
Was soll ich Ihnen sagen, ich schob energisch jegliche Bedenken beiseite, fuhr mit der Rolltreppe eine Etage höher und besuchte dort ein Eiscafé.
Vor einiger Zeit wechselte der Inhaber, und man baute komplett um. Es wurde sich viel Mühe hinsichtlich der Dekoration gegeben, ist an einigen Stellen aber etwas overdone. Sehr viel Gold, Lederimitat und Glanz. Andererseits – ich glaube, man gewöhnt sich daran …

Eiscafé - Blogpost: Rentier mit Krokantbecher

Im Eiscafé …

Wie geht es Ihnen, wenn Sie zwangsweise, aus der Not heraus, irgendwo neu hinzustoßen? Fühlen Sie sich sofort heimisch?
Ich brauche immer ein bisschen, muss mich umschauen, horchen und mich an Gerüche gewöhnen.
Ich setzte mich also inmitten einer Kissenflut auf eine Eckbank an einen etwas größeren Tisch, denn die kleinen 2er-Tische waren besetzt. Versuchte abzuschalten, was mir auch gelang, bis sich neben mir im Gang eine lautstarke Diskussion zwischen der Bedienung und einem Pärchen mit Kinderwagen entwickelte. Wie sich herausstellte, hatte das Center-Management harte Auflagen erlassen, was das Freihalten der Fluchtwege, sprich Gänge, angeht. Ein Kinderwagen darf dort neben dem ausgewählten Tisch nicht in den Gang ragen. Es war zwar mindestens noch ein Weg von einem Meter Breite frei, aber Auflage ist Auflage!

Während ich meinen Blick in die Runde gleiten ließ, registrierte ich, dass mein Tisch perfekt sein würde, denn es gab hier eine Nische, in die das Gefährt ideal hineingepasst hätte. Also bot ich an, als Einzelperson mit meiner Kaffeetasse umzuziehen. Spontan, wie ich manchmal halt bin. Große Begeisterung, Dankesbekundungen, etc.
Soweit prima – nur, wohin sollte ich jetzt gehen?

Cafè Latte - Blogpost: Rentier mit Krokantbecher

Cafè Latte …

Überall saß schon mindestens eine Person am Tisch. Aufdrängen mochte ich mich nicht. Im Stehen Kaffee trinken hatte ich allerdings auch nicht geplant und so entschloss ich mich, einen älteren Herrn zu meiner Linken zu fragen, ob ihm meine Gesellschaft recht wäre. Es löste bei ihm einen überaus erstaunten Blick aus, doch nach drei Sekunden Bedenkzeit wurde mir die Genehmigung zum Platz nehmen erteilt.
Ich beschäftigte mich ein wenig mit meinem Stift und dem Notizblock und beobachte ihn unauffällig aus den Augenwinkeln.
Auch so eine Manie von mir, gerne wissen zu wollen, mit wem ich es zu tun habe. Wer mir so dicht auf die Pelle rückt, oder – wie in diesem Fall – wem ich nahe komme.

Sein Alter war schwer zu schätzen. Rentier, also Rentner, auf jeden Fall. Wenn ich ihn beschreiben sollte, würde ich sagen: Denken Sie an den Film mit Robert Redford, den, in dem er einen Fliegenfischer spielt. Addieren Sie Jahre und Falten hinzu, und Sie haben meinen Tischnachbarn. Eine allgemein große Ähnlichkeit der Gesichtszüge,  aber auch ansonsten der Typ einsam im Fluss stehender Angler mit wettergegerbtem Gesicht.
Wortkarg.
Ruhe ausstrahlend.
Und vor ihm stand sein Espresso.
Nachdem meine Erkundung abgeschlossen war, stellte ich fest, ich saß genau am richtigen Tisch. Der Herr übertrug diese ihm eigene Ruhe, und das tat enorm gut! Außerdem schien er keinerlei Bedürfnis zu haben, unbedingt eine Unterhaltung zu führen.
Nichts Ablehnendes in der Haltung, im Gegenteil!
Es war ein sehr einvernehmliches und friedliches Schweigen.
Sein rechter Arm bereitete ihm momentan offensichtlich Probleme, denn er trug ihn in einer schwarzen Schlinge.
Ich trank weiter meinen Kaffee, während das Pärchen das kleine Kind aus dem Kinderwagen gehoben hatte und es, nun auf der Sitzbank hockend, mit einem prallen Luftballon spielen ließ.
Die Bedienung trat an den Tisch und setzte einen Krokantbecher für den Fliegenfischer ab. Er freute sich sichtlich und begann, den Löffel in der linken Hand, sein Eis zu vertilgen.
Er musste definitiv Rechtshänder sein, denn er tat sich jetzt schwer. Kleine harte Krokantstückchen auf Sahne verschwanden etwas ungelenk hinter seinen Lippen. Wenn er mit links nicht genau die Mundöffnung traf, blieben Sahnereste an der Oberlippe hängen.
Plötzlich ein ohrenbetäubender Knall!
Ich fuhr zusammen. Mein Kaffee geriet ins Schwappen. Ihm fiel der Löffel aus der Hand, gefolgt von seinem erschrockenen Einziehen des Atems.
Dem Kleinkind war der Luftballon geplatzt!
Während ich mich schon wieder etwas beruhigt hatte, wurde er plötzlich knallrot und fing an zu husten. Es wirkte recht bedrohlich, doch er winkte ab, es schien nur immens im Hals zu kratzen.
Wirklich alles okay?
Er wurde immer dunkler und japste. Krokant ist nicht ohne …
Ich fragte die Bedienung, die sich leicht besorgt in sicherer Entfernung bemühte wegzuschauen, nach einem Glas Wasser. Als sie zögerte, wiederholte ich die Bitte und erwähnte, dass es nett wäre, wenn sie es jetzt gleich bringen würde, so lange der Gast noch lebte …
(Ja, wundern Sie sich ruhig. Sie kennen mich sonst sehr friedlich, nur als  in einer solchen Situation keinerlei Reaktion erfolgte …)
Ihr Verhalten war höchst seltsam, sie holte zwar das Wasser, schien sich damit aber nicht heranzutrauen. Also stand ich auf, ging zu ihr, nahm es ihr ab und reichte es weiter an Herrn Redford.
Er trank vorsichtig kleine Schlucke, das Husten ebbte langsam ab, und seine Gesichtsfarbe wechselte wieder in den Normalbereich.
Die Bedienung erwachte nun auch aus ihrer Starre und verhielt sich von da an wieder formvollendet.

Ein finales Räuspern, dann war er soweit, dass er grinsen konnte und trocken verkündete, er hätte nicht den Krieg überlebt und einen Fahrradunfall (daher der Arm in der Schlinge), um letztendlich in der Eisdiele an Krokant zu ersticken.

Rentier Robert Redford und ich  haben danach noch eine Viertelstunde höchst angelegentlich miteinander geplaudert und sehr vergnügliche Minuten miteinander verlebt.

Die 15-Uhr-Regel hatte sich an diesem Tag, der so unruhig und nervig begonnen hatte, wieder einmal bewahrheitet. Das Elend hatte sich verzogen, aufgelöst.
Und bei Ihnen? Nicht?
Seien Sie guten Mutes! Es klappt auch bei Ihnen!
Manchmal müssen Sie nur etwas genauer schauen. Oder ein bisschen mehr mit daran herumbasteln.
Dann wird’s …

Hier noch der Link zum „Rolltreppen-Voyeurismus“:
https://michelelegrand.wordpress.com/2012/06/27/bloglesernachfrage-was-ist-bitte-rtv-heute-die-ganze-geschichte-dazu/
Oder auch der Link zu „Zerstört mir nicht die Kaffeehausatmosphäre!“:
https://michelelegrand.wordpress.com/2010/12/04/umstellungen-kaffeehausatmosphare-nervtoter/

PS In dem Eiscafé ist es 2012 übrigens sehr nett und auch nicht mehr so streng hinsichtlich der Gangfreihaltevorschriften.

©Dezember 2012 by Michèle Legrand

, , , , , , , , , , , , , , , , , ,

9 Kommentare

Ach, könnte ich Ihr Wischerdings mal kurz haben …?

Michèle Legrand (WordPress)Heute finden Sie hier ein kleines Bloghäppchen – nur kurz etwas über den … SCHNEE!
Allerdings den Schnee von gestern.
Neuschnee von gestern ist quasi der Altschnee von heute.

Ich wollte mich jetzt eigentlich nicht über das Chaos auslassen, das immer einsetzt, sobald der erste Schnee besonders in einer Großstadt fällt. Das kennen Sie sowieso, haben es erlebt, waren eventuell mittendrin.
Sie kennen die Dramen, die sich abspielen, weil es immer so völlig überraschend kommt! Entweder total verblüffend, da nach zehn nicht eingetretenen Ankündigungen der Meteorologen, beim elften Mal keiner mehr daran glaubte oder dadurch bedingt, dass die Wetterfachleute es selbst diesmal nicht kommen sahen und es über uns alle hereinbricht wie ein Sommergewitter oder wie überkochendes Nudelwasser.
Unvermutet!
Unberechenbar!
Man weiß nur, irgendwann passiert es wieder …

Stopp, ich wollte mich nicht damit beschäftigen! Das ist Stoff für einen kompletten eigenen Blogpost. Kommen wir stattdessen zum gestrigen Tag.
Oft ist es so, dass der Mensch in einem solchen Moment der „Naturkatastrophe“ eben nicht bestens präpariert ist! Sein Outfit lässt zu wünschen übrig! Die Schuhe, die Kleidung … Das Auto ist für den Wintereinbruch meist besser gerüstet – zumindest seit wettertaugliche Reifen bei winterlichen Verhältnissen vorgeschrieben sind. Sie haben sich durchgesetzt – hauptsächlich aus versicherungstechnischen Gründen.
Reicht das schon? Winterreifen und fertig?

Wir sind nun an dem Punkt angelangt, an dem ich Ihnen von gestern Abend erzählen kann, als ich selbst noch mit dem Auto unterwegs war. Um halb sechs herrschte tiefste Dunkelheit. Auf der Hinfahrt war es  lediglich kalt, die Fahrbahn war jedoch trocken. Kein Niederschlag. Alles lief ohne besondere Vorkommnisse. Ich kam an, fand einen Parkplatz in der Nähe, stellte den Wagen ab und huschte nach kurzem Fußweg  schnell wieder ins Warme.

Als ich um kurz nach sieben Uhr das Haus verließ, umfing mich wüstes Schneegestöber, und es herrschte übelste Glätte. Ich schlich vorsichtig Richtung Auto, das sich irgendwo in diesem Treiben verbarg. Hinter einem Vorhang aus Schnee ließ es sich schließlich ausmachen, und ich war erstaunt, wie dick es eingeschneit war – nach nur einer guten Stunde, die es dort gestanden hatte!
Im Seitenfach der Fahrertür steckt immer ein Fensterwischer. Ein Exemplar, wie Sie es von der Tankstelle kennen. Ein Wischer, mit dem man die Nässe abziehen kann, der aber auch ein Schwammteil besitzt, mit dem sich lockerer Schnee recht gut herunterschieben lässt.
Einmal rund ums Auto hieß, wenn ich fertig war, konnte ich im Grunde schon wieder von vorne anfangen. Bis dahin hatte sich erneut eine beachtliche Schicht abgesetzt.  So fuhr ich noch ein zweites Mal nur kurz über die Windschutzscheibe, als der Fahrer des längs neben mir abgestellten Wagens an sein Fahrzeug trat.
Er fluchte unterdrückt über die Schneepracht und darüber, dass er nichts dabei hatte, um die Berge zu entfernen. Nach kurzem Stocken kam die Frage:
„Ach, könnte ich vielleicht Ihr Wischerdings mal haben …?“
Nun, warum denn nicht.
Ich gab es ihm, schüttelte mir die Schneeflocken aus den Haaren und setzte mich, derweil er putzte, bei geöffneter Tür in mein Auto. Wenigstens ein Dach über dem Kopf …
Er war schnell fertig und machte Anstalten, mir meinen Wischer wiedergeben. In dem Moment fiel ihm allerdings auf, dass mein Auto in der Wartezeit erneut zugeschneit war.
„Nein, nein, das geht jetzt aber nicht, dass Sie zweimal …!“
Sprach’s und wischte bei mir. Richtig sorgfältig!
Nur – Sie ahnen es vermutlich – in der Zeit schneite sein Auto wieder ein!
Ich musste mir ein Lachen sehr verkneifen. Das hätte jetzt die ganze Nacht so gehen können, bzw. zumindest bis zum Ende des Schneefalls.
„Es reicht, wenn Sie mir am Ende, wenn Sie bei sich fertig sind, nur noch einmal ganz kurz vorne über die Stellen gehen, die der Scheibenwischer nicht erreicht“, beruhigte ich ihn. „Danach sollte auch Ihr Auto immer noch recht frei und startbereit sein.“
So geschah es. Der Fensterputzer flog ein letztes Mal von links nach rechts über meine Windschutzscheibe, wechselte dann blitzartig, dennoch gekonnt, wie ein Staffelholz den Besitzer, und ich schloss meine Tür. Er sprang in seinen Wagen.
Motor an, Scheibenwischer an, Licht an und los.
Los? Fast …
Er wollte mich partout zuerst rückwärts aus der Lücke fahren lassen, während ich froh gewesen wäre, wenn er den Anfang gemacht hätte. Er parkte recht dicht und dann diese Glätte.
Es half nichts, gegen einen Gentleman kommt man nicht an. Ich musste, sonst wären wir beide dort angewachsen.
Sein Motor röhrte ziemlich. Ich setzte zurück. Inzwischen wehte der Schnee von der Seite, und kaum hatte ich seinen Wagen nicht mehr als Schutz neben mir, war mein Fahrerfenster weiß, und ich konnte nichts mehr sehen.
Zugeschneit!
Also Fenster runter.
Und da hörte ich es. Der Lärm kam gar nicht von seinem Motor!
Ganz in der Nähe hatte jemand ein lautes Gerät gestartet.
Wo …?
In einer Einfahrt schräg gegenüber, lief eine leicht vermummte Gestalt im hellen Anorak herum.
Mit einem Laubbläser!
Zum Schneeräumen!
Ob schon mehr Menschen auf diese glorreiche Idee kamen? Ich war so froh, dass der Lärm mit dem Ende des Laubfalls aufgehört hatte, jetzt ging das wieder los!
Doch, wo ich ihn dort gerade so blasen sehe … da fällt mir fällt etwas ein!

Wissen Sie, was ich mir überlegt habe?
Das nächste Mal könnte ich ihn eigentlich fragen, ob er mir damit mein Auto freipustet!

Ich habe heute noch ein Foto für Sie.  Aus dem Bestand, denn Sie erinnern sich – meine Kamera starb kürzlich, und ich muss hinsichtlich einer neuen nun auf den Weihnachtsmann vertrauen. Daher kein Bild von gestern oder direkt zur Geschichte, aber eindeutig winterlich: Eisblumen!

Eisblumen - Ausschnitt

Dies ist ein Ausschnitt aus einem Eisblumenbild, das im Winter 2010 entstand. Sind solche natürlichen Kunstwerke nicht wunderschön?

©Dezember 2012 by Michèle Legrand

, , , , , , , , , , , , , , , , ,

10 Kommentare

Bis in alle Ewigkeit …

Michèle Legrand  - Michèle. Gedanken(sprünge) - BLOGViele Menschen haben bereits erlebt, wie es ist, einen Menschen gehen lassen zu müssen.
Endgültig.
Sie möglicherweise auch …
Manchmal kam es erwartet, in vielen Fällen auch völlig überraschend.
Was ist geblieben?
Nur der Stein auf dem Grab, der ausdrücken soll „Ich war hier“?
Nur Schmerz um den Verlust, womöglich sogar Groll? Die Angst vor Künftigem, vielleicht sogar die vor dem eigenen Gehen müssen?
Oder ist da auch Dankbarkeit? Für gemeinsame Erinnerungen, einfach dafür, dass man einen Teil seines Lebens mit diesem Menschen verbringen durfte?
Ihm überhaupt über den Weg lief!

Ich habe eine Geschichte bei mir im Blog, die ich 2010 veröffentlichte. Die wahre Geschichte einer Freundschaft.
Heute am Totensonntag, der auch Ewigkeitssonntag genannt wird, möchte ich Ihnen den Link dazu hier hinterlassen.
Manche Menschen werden einem immer fehlen und bleiben einem gleichzeitig bis in alle Ewigkeit nahe …

Sie – Die Geschichte einer Freundschaft
-> https://michelelegrand.wordpress.com/2010/11/21/sie/

, , , , , , , , , , , , , , ,

2 Kommentare

Alles eine Frage der Gewöhnung: Die neue Haustür (und der Text übrigens auch!)

Michèle Legrand - Der Bloghinweis im November 2012 - "Die Haustür ..."Hallo, schön, dass Sie da sind!
Ich bin gerade noch am überlegen, ob … Anleitungen sind langweilig, oder?
Warum ich das frage?
Eine Anleitung wäre heute die Alternative zu ich lasse Sie so auf den Text los.
Wie bitte? Sie hätten einen Vorschlag?
Eine Vorwarnung möchten Sie stattdessen?
Und wie soll die aussehen?
Nein, nein, lieber Bloggast, nichts vorab. Im Grunde haben Sie ja jetzt Ihre Vorwarnung, denn Ihnen ist mittlerweile klar, dass es heute anders laufen wird.
Also gut, passen Sie auf! Kleiner Tipp:
Lesen Sie einfach flüssig durch! Widerstehen Sie dem Verlangen, Pausen zu machen.
Ja, Satzzeichen sind Mangelware! Wundern Sie sich nicht!
Lesen Sie unverzagt weiter!

Die neue Haustür

Anfang der Woche habe ich eine neue Haustür eingebaut bekommen Sie auch immer Bedenken und fragen sich ob Sie sich an etwas Neues schnell gewöhnen werden Sie nicht auch meist eines Besseren belehrt und begreifen mit Erstaunen hilft Ihnen da aber auch nicht dass Sie meinen ich würde diese Reaktion nicht auch schon gehabt haben wir es schließlich alle schon mal so oder so ist das Leben eben.
Es beginnt im Grunde schon beim Aussuchen Sie sich nicht oft erst fürchterlich einen ab und an hat man natürlich auch Glück und läuft direkt auf etwas zu teuer sind viele Modelle freilich so dass sie von vornherein ausscheiden tut immer weh wenn die alte vertraute Haustür ausgemustert wird nicht gelegentlich den alten Dingen zu wenig Beachtung geschenkt?

Die alte Tür von 1956 war schief und verzogen wir also los eine neue auszusuchen und Finden ist nicht einfach aufgrund der großen Auswahl und der gegebenen Umstände nicht der Altbau schon dort würde man natürlich völlig unbefangen Sie nie an zu grübeln ob der Stil passen tut es sowieso nicht allen kann man es nicht recht machen Sie sich deshalb keinen Kopfschmerzen sind nämlich wirklich nicht das Gelbe vom Eiderdaus wir weichen vom Thema ab!

Die Entscheidung fiel dementsprechend nicht leicht macht man sich das ja nie sollten Sie so eine Tür im letzten Moment bestellen Sie sich vor es hat acht Wochen gedauert bis sie tatsächlich fertig war mir nicht so als hätte der Verkäufer  vier bis sechs Wochen versprochen wird selbstverständlich viel doch im Endeffekt warten sie deutlich länger wäre echt blöd gewesen weil langsam Frost kommt und das Haus während des Aus- und Einbaus lange offen ist das dann aber auch saukalt!

Die Handwerker brauchten zusammen mit dem Anbau eines ebenfalls neuen Vordachs immerhin sechs Stunden über Stunden wurde gebohrt und leise geflucht weil der alte Rahmen windschief gewickelt sind Sie immer dann wenn Sie meinen etwas würde auf Anhieb funktionieren tut es selten einwandfreilich kommt es auf die Handwerker an. Nun irgendwann ist es geschafft Sie das auch so wenn die Instruktionen dann im Schnelltempo erfolgen können sie kaum hat man das eine begriffen folgt schon das nächste Mal soll der mir das doch bitte gemütlicher erklären!

Mit der neuen Spezialtür habe ich jetzt ein wenig das Gefühl in Fort Knox zu wohnen lässt es sich recht nett wäre nur nicht die Umgewöhnung an diesen verzwickten Hochsicherheitstraktmechanismus(s) ich mir das antun oder lassen ist immer die Frage. Schön und gut das Ding ist da haben wir den Salat. Ich werde es lernen kann man nie genug Schlüssel habe ich jedenfalls zum Schließen Sie daraus nur nicht dass das ausreicht. Der Vorsatz daran denken zu wollen bringt überhaupt nichts solange nicht ein Automatismus entsteht die Tür plötzlich offen. Die Klinke brauchen Sie überhaupt nicht mehr herunterzudrücken Sie einfach alles ran dann ist sie zu spät ist es allerdings wenn sie zugezogen haben und merken dass Sie keinen Schlüssel dabeihatten wir erst neulich dass sich jemand selbst aussperrte. Und das bei vier Grad sagte ich noch, ich würde ungern erfrieren ist kein schöner Tod und Teufel fürchten ist da nie verkehrt.

Ich muss jetzt insgesamt viermal den Schlüssel herumdrehen Sie zusätzlich an dem Extraknauf in Augenhöhe legt sich noch ein Riegel vor allem der kann Probleme verursachen gibt’s! Wenn jemand draußen steht und der Sperrriegel ist von drinnen zu gibt es einen Trick wie man ihn von außen öffnet Ihnen das nicht auch ihr gutmütiges Herzrasen entsteht immer dann wenn Sie vergessen haben wie es geht doch irgendwie allen so ein Mist!

Momentan komme ich raus bzw. rein theoretisch ist es das dachte ich jedenfalls Sie auch der Meinung waren sei Ihnen gesagt man muss sich auch noch auf andere Lichtverhältnisse und neue Geräusche umpolen haben da sicher genau die gleichen Schwierigkeiten.
Und diese Tür verfügt nicht mehr über den vertrauten Briefschlitzaugen brauchten Sie früher nie um Ihre Post zu entdecken. Sie lag einfach im Hausflur auf dem Bodenlose Frechheit dass das Gedächtnis sich noch nicht einprägen konnte dass fortan ein Briefkasten neben dem Eingang hängt der Haussegen deshalb schief ist das nervig und überflüssig ist man nach dem Kauf einer solchen Tür-/Vordachkombination auch nicht mehr hätten sie auch nicht verlangen dürfen die das überhaupt? Nun irgendwofür geht das Geld ja immer weg damit also.

Anstelle des Schlitzes habe ich jetzt besagten schnieken Briefkasten den man die ersten Tage gern vergisst und sich wundert dass die Pöstler nichts austragen Sie es mit Fassung. Es wird besser Sie sind sich bewusst dass der Mensch ein Gewohnheitstierisch schwer sich umzustellen Sie sich doch nicht so an!

Am fünften Tag hingegen ist schon fast alles gut dass hier alles zur Sprache kam es Ihnen sehr schwierig vor Begeisterung über Ihr Durchhaltevermögen möchte ich Ihnen gebührend danken Sie mir nicht dafür dass ich Ihnen ihre Zeit gestohlen habe n Sie nichts Besseres vor?

Erholen Sie sich am Wochenende davon geht die Welt nicht unter Umständen kommt so ein vertrackter Text auch nie wieder vor. Ich brauchte nach den Massenfoto-Blogposts (Model Contest) nur etwas Zeit für Spielereien, bevor ich wieder mit Ihnen (bebildert) Kontorhäuser anschaue n Sie nicht so entgeistert …!
Doch, die kommen auch wieder dran!
Sobald ich nicht mehr bildgeschädigt bin. Das ist so ein Gefühl wie früher, wenn Sie den Schuhkarton mit Bildern endlich mühsam sortiert und in stundenlanger Fleißarbeit die Fotos beschriftet und in Alben eingeklebt haben. Danach wollten sie vorerst keine Aufnahmen mehr sehen wir uns trotzdem wieder hier können Sie echt was erleben lasse ich Sie aber alle.
Versprochen!

©November 2012 by Michèle Legrand

PS Das obige Foto habe ich diesmal ausgewählt, weil wir hier heute wirklich einen sehr typischen (und gravierenden)  Fall von Gedanken(sprüngen) haben … ;)

, , , , , , , , , , , ,

4 Kommentare

Der Schenkelklopfer

Michele Legrand  @Wordpress.comHatten Sie auch schon einmal einen wiehernden Schenkelklopfer drei Meter von sich entfernt? Erlebt … oder überstanden? Ich brauchte ihn heute auch nur von hinten und halb seitlich zu ertragen, denn er hat sich nicht umgedreht.
Dunkel gekleidet, hager, einen Elbsegler auf dem Kopf, auf die 70 zugehend und Radfahrer. Vermute ich – obwohl er drinnen sein Rad natürlich nicht dabeihatte! Ich schließe es lediglich aus dem hochgekrempelten rechten Hosenbein.
Herrschaftszeiten! Das war ein …
Stopp! Sie waren ja nicht dabei! Also von Anfang an:

Es ist beruhigend, dass der Mensch einige Begebenheiten, deren unfreiwilliger Zeuge er im Laufe seines Lebens wird, einfach nur aus relativ sicherer Entfernung miterlebt. Merkwürdige Szenen, seltsame Zusammentreffen – was auch immer.
Er braucht sich in diesem Moment nur still zu wundern, kann als Unbeteiligter vielleicht sogar darüber schmunzeln und vor allem – das ist sehr vorteilhaft und der krasse Gegensatz zu der prekären Lage der direkt beteiligten Personen – er muss sich überhaupt keine Gedanken darüber machen, wie er aus der Situation herauskommt!
Aufstehen und gehen reichte völlig aus – keiner würde ihn daran hindern.

Allerdings – vielleicht haben Sie das auch schon bemerkt, das Gefühl, dies jederzeit zu können – verhindert im Endeffekt, dass wir es auch tun. Weggehen.
Es läuft immer so. Können wir einfach verschwinden, ist alles in Butter und wir bleiben. Jetzt gerade!
Doch sobald direkter Druck da ist, sobald eine unmittelbare Einengung vorliegt, wir in etwas hineingezwungen sind, uns eingefangenen fühlen in einem unsichtbaren, jedoch äußerst stabilen Netz oder auch dem berühmten goldenen Käfig (der keinen Deut besser ist) – in diesem Moment wollen wir nichts als weg, zerren an den Seilen, rütteln am Gitter. Wir müssen unbedingt Ketten sprengen, haben Fluchtgedanken, empfinden Genervtheit, Unwohlsein bis hin zu Stress oder Panik. Es kommt darauf an, welche Geschütze das Gegenüber gerade beliebt aufzufahren …

Ich bin nur Zuschauer. Genüsslich einen Cappuccino trinkend und Zeitung lesend. Tisch am Gang, der nächste Tisch ist dadurch etwa drei Meter entfernt. Ein älteres Ehepaar hat dort Platz genommen. Ich habe ausgelesen, mache Anstalten, die Zeitung, die im Café zum Ausleihen ausliegt, zurückzutragen. Doch der Herr hätte sie jetzt gern und hält mich an. Wir kommen ins Gespräch. Alle drei, denn seine Frau beteiligt sich auch daran, allerdings zurückhaltend. Im Moment ist eindeutig er der Wortführer und durchaus redselig.
Nach zwei Minuten ist unter Fremden alles gesagt und Schweigen kehrt wieder ein. Nun lesen sie und ich schreibe. Friedlich.
Bis plötzlich besagter Radfahrer (s. oben) die Bühne betritt. Er kommt mit der Rolltreppe, die an diesem Tisch quasi endet, hochgefahren, schaut, stutzt und los geht es:

„NEIN! Das gibt es doch nicht! Sie! Also wirklich!“
Seine Stimme dröhnt Richtung Ehepaar, er bricht in lautes, stakkatoartiges, sehr gekünstelt wirkendes Gelächter aus (HA-HA-Ha-ha-ha-ha-haaa!) und schlägt sich beim letzten Haaa! krachend auf den Schenkel.
Himmel! Hab ich mich erschrocken!
Das Ehepaar auch. Der lesende Herr schaut perplex auf. Er wirkt ratlos, weiß nicht, wer sich vor ihm aufgebaut hat. Sie hingegen meint, den Schenkelklopfer eventuell zu erkennen und reagiert zögerlich:
„Ach, das ist ja ein Zufall …“
Hinter ihrer Stirn rattern die Gedanken:
Woher kenne ich den bloß? Ist das vielleicht …? Mensch, wie hieß der noch …? Was will der jetzt …?
Er legt schon nach:
„Ich denk’, das sind sie doch! Und sach zu mir: Georg, sach ich, das sind sie, geh hin und wünsch ´nen Guten Tag.“ HA-HA-Ha-ha-ha-ha-haaa! Leicht nach vorne übergebeugt erfolgt der schallende Schenkelklopfer.
Sie zuckt zusammen und fragt etwas verschüchtert:
„Wohnen Sie noch immer da?“

Ich finde diese neutralen Fragen sehr gekonnt. Das kann man jeden fragen, auch wenn man noch keinen blassen Schimmer hat, wer der andere ist.

„Ja, fast. Ein Stück um die Ecke, weil, die haben da paar Häuser abgerissen. Und die Haspa haben sie auch dicht gemacht.“ HA-HA-Ha-ha-ha-haaa!
Und richtig: Krawumm! Der obligate Klopfer auf das Oberbein.
Sie hat offenbar eine Ahnung und will jetzt Nägel mit Köpfen machen:
„Wie lange ist das jetzt her? Elf Jahre?“
„Also Joschi ist 2002 gestorben, da waren Sie schon weg.“ HA-HA-Ha-ha-ha-haa! Rumms!

Auffällig ist, dass die bessere Hälfte der Dame sich hinter die Zeitung zurückgezogen hat und im Gegensatz zu vorhin kein Interesse an Konversation zeigt. Er gibt vor, intensiv zu lesen und bemüht sich, beim Klatscher nicht zu zucken.
Sie ahnt nun halbwegs, wer der Tischgast ist, antwortet auch höflich, doch möchte ihn eindeutig loswerden.

„Nun, das ist ja nett, dass wir uns hier quasi über den Weg gelaufen sind. Wir wollen auch gleich weiter … Nicht wahr, Jens? JENS?“
Jens brummelt zustimmend.
Der Radfahrer ist allerdings noch nicht fertig. Es folgen geschlagene zehn Minuten, in denen  er lauthals  Infomationen zu seinem Privatleben (ja, auch die Krankengeschichte) preisgibt und von besonderen Geschehnissen der vergangenen elf Jahre berichtet.
Alle halbe Minute kracht es und – Sie ahnen es – alles wird begleitet von : HA-HA-Ha-ha-ha-haaa!
Sein rechter Oberschenkel müsste blaue Flecken aufweisen.
Georg ist in seinem Element.
„Wie hieß eigentlich die Bedienung dort?“ HA-HA-Ha-ha-ha-ha-haaa! ……… Rums!
„Die Praxis hat jetzt der Dr. … übernommen. Finde ich schon schade, dass der Dr … nicht mehr da ist!“ HA-HA-Ha-ha-ha-ha-haaa! … Wusch!
(Sie merken, man lacht auch, wenn man etwas nicht mag. Schreiben Sie sich das bitte auf!)
„Nein, 1958 gab es so etwas noch nicht. Wir hatten ja später einen Opel Rekord.“ HA-HA- … (Und noch eins auf den Schenkel …)
„Ne, der ist doch schon lange unter der Erde!“ HA-HA-Ha-ha-ha-ha-haaa!Klatsch!
Irgendwann fällt ihm auf, dass seitens des Ehepaars doch relativ wenig zurückkommt.
„Na, ich muss auch mal wieder los, aber wissen Sie …“
Und weiter geht es, denn irgendwie war er doch noch nicht fertig.
HA-HA-Ha-ha-ha-ha-haaa! Zack!

Weitere acht bis zehn Minuten darauf. Alles geht einmal zu Ende.
Er verschwindet tatsächlich – mit einem letzten Krawumm.

Der Ehemann taucht hinter der Zeitung auf.
„Meine Güte, noch fünf Minuten, und ich hätte den gekillt! Wer war denn das nun eigentlich? Ich kenne den nicht …“
„Doch Jens, den kennst du!“, antwortet sie. „Das war der aus Rahlstedt, der über dem Bäcker wohnte. Der mit dem dicken Hund. Dem Joschi. Als wir Tessa hatten, haben wir den manchmal beim Ausführen gesehen.“
„War der nicht größer?“
„Na ja, wir schrumpfen doch alle …“, meint sie.
„Und wie heißt der sonst? Georg wie?“, will Jens wissen.
„Du, ich habe keine Ahnung!“, gesteht sie, „ich hoffe, ich ordne den jetzt überhaupt richtig zu.“
Er grinst.
„Ach, du hast im Grunde nur so einen Verdacht? Du unterhältst dich mit ihm auf bloßen VERDACHT?“
Er ahmt den anderen nach.
„HA-HA-Ha-ha-ha-haaa!“
Sie fährt zusammen.
„Hör bloß auf, du!“, entfährt es ihr erbost.
Er kann es nicht lassen. Er muss sich auch noch kräftig auf die Schenkel kloppen und erträgt mannhaft den folgenden Schmerz …

Und ich genieße. Das nur Zusehen. Das nicht involviert sein. Das enorm Lebendige.
Manchmal höre ich jetzt noch die enervierende Lache und zucke vor nachklingenden Klatschern zusammen.
Sie auch?

©November  2012 by Michèle Legrand

, , , , , , , , , , , , ,

6 Kommentare

Mit der Bahn unterwegs: Marvin und die Big Five

Diorama  - Karlsruhe Hauptbahnhof

Diorama – Karlsruhe Hauptbahnhof

26. Dezember 2011.
Es ist Vormittag, und der ICE Richtung Zürich läuft soeben im Hamburger Hauptbahnhof ein. Die Feiertage sind schon fast vorbei, doch  der offenbar familiär bedingte Reiseverkehr ist weiterhin in vollem Gange, der Bahnsteig  proppevoll.  Alles drängt und quillt Richtung Zugtüren. Beeilung beim Einsteigen.
Das Reisegepäck wird hinter sich hergezerrt, unter Schnaufen vor sich hergeschoben oder mangels Bodenfreiheit über den Kopf gehievt und in olympiaverdächtiger Manier durch die Gänge gestemmt.
Die erste Aufregung war am Bahnhof bereits in dem Moment entstanden, als klar wurde, dass der Zug „andersherum“ einfahren würde und somit die Wagenstandsanzeige nicht mehr stimmte.
Die von links wetzten nach rechts, die anderen kamen von dort im Eilschritt entgegen.
Die, die nichts gelesen oder die Durchsage nicht verstanden hatten, schauten irritiert.
Es hatte sich gerade alles etwas entkrampft, doch nun schlugen die Herzen wieder schneller, und die Gemüter erregten sich, weil  alle feststellten, dass einfach zu wenig Platz für Koffer, Trolleys, Reisetaschen und Rucksäcke vorgesehen ist. Die ersten Reisenden gerieten bereits aneinander – teilweise körperlich durch Enge, teilweise verbal. Es entstanden lebhafte Diskussionen, welcher Koffer wo am besten untergebracht werden könnte, wobei hier wiederum die Meinungen naturgemäß auseinandergingen.
Es scheint grundsätzlich ein Ding der absoluten Unmöglichkeit für viele, ihr gutes Stück etwas weiter entfernt als über oder zumindest direkt an dem eigenen Sitzplatz zu wissen.
Unter denen, die mit Rucksäcken reisten, war wieder der übliche Prozentsatz derjenigen unterwegs, die  komplett vergessen, dass sie nach hinten reichlich Überlänge haben. Bloß gut, dass hier keiner mit langen Bretten oder Skiern reiste. Es wäre ein bisschen wie Slapstick.
Sie kennen sicher noch die Szenen aus alten Stummfilmen, in denen sehr gern sich wild um sich drehende Personen gezeigt werden, die beim Rotieren Mitmenschen mehrmals umrasieren.
Bis eine Viertelstunde nach Abfahrt im Bahnhof, herrschte noch wildes Durcheinander, dann kehrte langsam wieder Ruhe ein.

Ich fuhr auch schon   – unüblicherweise – in der 1. Klasse. Beim Buchen des Tickets waren in dem Fall die Spartarife der 2. Klasse ausverkauft gewesen, jedoch nicht die der 1. Klasse. So kam es, dass Reisen in der sonst teureren Klasse billiger war, als Fahren im Normalbereich. Ich habe für mich festgestellt, dass ich nicht gerne so feudal reise. In vielen Zügen sind Ledersitze, und die sind anfangs ziemlich kalt. Später gibt es sich, doch sie knirschen und knartzen weiterhin bei fast jeder Bewegung. Und mindestens ein oder zwei der ausklappbaren Fußstützen quietschen. Die Mitreisenden, die dort mit Kopfhörern sitzen und am Laptop hantieren, wippen besonders viel, bemerken aber aufgrund der Verstöpselung die Geräusche selbst meist nicht.
Andererseits – ganz objektiv betrachtet – angenehm für die Beine, ist eine derartige Stütze  schon …
Die Platzfreiheit und Breite der Gänge ist selbstredend ebenfalls lobenswert, genauso wie der massenhafte Platz für das Gepäck. Doch es ist irgendwie einsam dort. Man trifft dort viel auf ältere, gut situierte Herrschaften und auf Geschäftsreisende, die – wie ihr Name es schon sagt – furchtbar geschäftig am Werkeln sind mit ihrer ganzen Elektronik.
Ich muss das gerade sagen, nicht wahr? Ich, die selbst sehr häufig mit Laptop oder dergleichen unterwegs ist!
Was ist es dann wirklich? Langeweile?
Nein, die kenne ich nicht, außerdem habe ich  ein Buch dabei, dazu das obligatorische Notizbuch und meist – wie erwähnt – sogar das Notebook. Doch mir fehlt in der 1. Klasse einfach die Anregung.
Mir fehlt Leben!
Das bunte Durcheinander aus Passagieren, das sich Arrangieren mit den Unwägbarkeiten, die im Nicht-Luxus herrschen. Sicher, manchmal ist es lauter, doch oft ist dies nur der allgemein höhere Geräuschpegel, der nach gewisser Zeit einfach nicht mehr stört. Ich habe mir angewöhnt, mir einen Platz am Gang zu nehmen. Es erlaubt mehr Bewegungsfreiheit und bietet auch den  Luxus des ungefragten Aufstehens, des spontanen Umhergehens und des „sich Ausbreitens“ bei Bedarf.  Wie oft fühlte ich mich früher oder wenn für mich mitgebucht wurde, am Fensterplatz eingequetscht!
Außerdem herrscht so wesentlich mehr Sicht auf das Umfeld und ebenso spontan, wie ich den Platz verlassen kann, kann sich wiederum auch ein anderer entscheiden, mich zu besuchen.
Besuchen? Wer sollte sie besuchen? Fremde …?
(Vielleicht stellen Sie sich gerade diese Frage)
Ja, Fremde. Gewissermaßen.
Kinder tun es mit Vorliebe, und ich habe absolut nichts dagegen. Ich sehe es nicht als Babysitter-Job für die Dauer der Fahrt, mehr als gegenseitige Unterhaltung für eine gewisse Zeit.
Während der Rückfahrt am 28.12  von Karlsruhe nach Hamburg, erhielt ich auch wieder Besuch. Ein männlicher Gast stoppte bei mir. Eigentlich tapperte er nur aus Langeweile ziellos durch den Gang. Oder aus Abenteuerlust. Vielleicht hatte er auch Hummeln im Hintern. Blond. Ungefähr acht Jahre alt.
Es hielt ihn an meinem Sitz fest, weil ich in dem offiziellen Bahnheft blätterte. Als er kam, las ich gerade einen mit Fotos angereicherten Bericht über wilde Tiere in Südafrika. Abgebildet waren u. a. eine Giraffe und ein vermutlich brüllendes Flusspferd. Vielleicht gähnte es auch nur. Ich war mir nicht so sicher, denn das Heft war wie üblich ohne Ton.
Marvin – so hieß er, wie ich schon bald erfuhr – schaute mit Fotos an und beobachtete etwas abwartend, wie ich auf sein Herumstehen wohl reagieren würde. Ich sprach ihn auf meine Überlegung bezüglich des Flusspferdes an.
„Was würdest du denn sagen? Brüllt oder gähnt es?“
Er tippte auf Gähnen. Ich zeigte auf die beiden Löwen auf einem anderen Bild.
„Und die?“
„Die brüllen“, erwiderte er im Brustton der Überzeugung.
„Was macht dich denn so sicher?“
Er meinte, Löwen seien gefährlich und brüllten immer. Das bot Gesprächsstoff für die nächsten Minuten. Wir diskutierten, ob Löwen denn auch schlafen und wenn ja, wie lange und  mutmaßten dann, dass sie beim Schlafen wahrscheinlich nicht brüllten. Er schränkte daraufhin „immer“  ein. Sie brüllten natürlich nur im wachen Zustand!
Aber gefährlich, gefährlich wären sie immer. Auch beim Schlafen!
„Beim Schlafen auch?“, fragte ich ihn.
„Ja“, erklärte mir Marvin, „wenn ihnen dann nämlich jemand auf den Schwanz tritt, dann sind sie echt sauer und ziemlich gefährlich!“
Richtig. Man darf nicht einfach – egal wem – auf den Schwanz treten! Schon gar nicht im Schlaf …
Wir sprachen danach über die Giraffe und ihr tolles Muster und überlegten, ob die Zeichnung auch bei dieser Tierart immer ganz unterschiedlich wäre – so wie bei den Zebras. Marvin wollte gar nicht glauben, dass jedes Zebra eine andere Fellzeichnung hat und daran identifiziert werden kann – wie der Mensch am Fingerabdruck.
Er kehrte also zwischendurch zu seinen Eltern zurück, um meine Glaubwürdigkeit zu checken. Nach drei Minuten war er wieder da – mit seiner Mutter, die herausfinden wollte, ob er anderen Mitreisenden zu sehr auf die Pelle rückte. Ich versprach ihr, Marvin direkt mitzuteilen, wenn ich wieder meine Ruhe wollte, aber bisher traf dies nicht zu.
Ihn interessierte, ob ich den ganzen Artikel im Heft schon gelesen hätte und was denn dort so stände. Ich verriet ihm, dass ich jetzt gelernt hätte, was die Big Five seien.
Big Five?“
Er konnte mit den englischen Worten schon etwas anfangen, denn er geht in die zweite Klasse und hat in der Grundschule bereits ein wenig Englischunterricht. Nur die genaue Bedeutung von diesenBig Five“ war ihm natürlich – wie auch mir vorher – nicht geläufig.
„Was soll das denn sein?“
„Marvin, üblicherweise sind es die fünf großen Tierarten, die Menschen bei einer Safari gesehen haben sollten, doch hier steht noch etwas anderes. Es sind die wilden Tiere, die in der Region dort lebten (es geht um Südafrika, die Provinz Kwu-Zala-Land und den Zembe Elephant Park an der Grenze zu Mosambik) und sehr schwer zu jagen waren. Sie nennt man die „Großen Fünf„. Dazu zählen der Elefant, der Löwe, das Nashorn, der Leopard und der Büffel. Und wenn von früher die Rede ist, dann ist die Zeit gemeint, in der diese Tiere noch gejagt werden durften. Heute stehen sie allesamt unter Schutz.“
Er lässt es ein wenig sacken und schaut noch einmal auf die Fotos im Heft.
„Und was ist mit der Giraffe?“
„Mit der Giraffe? Was genau meinst du denn?“
„Na, ist die auch eine Bickpfeif?“
„Nein, sie zählt nicht dazu.“
Das verstand Marvin nicht.
„Aber sie ist doch größer als das Nashorn!“
„Offenbar ließ sie sich aber leichter jagen und ist sicher auch weniger gefährlich für den Menschen.“
Wir rätseln noch darüber, warum nicht auch das Flusspferd oder das Krokodil dazu zählen, denn so harmlos sollen diese Tiere ja wirklich nicht sein.
„Vielleicht wollte die ja gar keiner jagen“, vermutete Marvin, und das muss man erst einmal widerlegen.
„Wenn es die großen Fünf gibt, gibt es dann auch die kleinen Fünf?“, fragte der junge Mann jetzt.
Ich finde, dies ist eine typische Kinderfrage. Und ich meine es absolut nicht abwertend! Nein, es ist eine absolut logische Frage, und die ist sehr typisch für Kinder.
Gut, dass ich schon weitergelesen hatte, denn zwei Seiten später tauchten sie tatsächlich auf: die sogenannten „Small Five„, ebenfalls Tiere, die geschützt sind. Diesmal sind es Ameisenlöwe,  Leopardenschildkröte, Büffelweber,  Nashornkäfer und Elefantenspitzmaus.
Marvin war beruhigt.
Es blieb noch etwas Zeit, über die kleinen Fünf zu sprechen, denn der Achtjährige möchte mehr zum Büffelweber („Das ist ein Vogel? Echt?“)  und der Leopardenschildkröte wissen.  Ich habe schon ein Foto von einer gesehen, allerdings nicht hier – in diesem Heft.
„Der Panzer der Schildkröte sieht von den Farben und vom Muster her ein bisschen so aus wie das Fell eines Leoparden“, versuche ich ihm den Namen des Panzertiers verständlich zu machen.
„Die Schildkröte hat aber keine Haare, oder?“, fragte er vorsichtshalber noch nach.
„Nein, aber Flecken wie der Leopard“, klärte ich ihn auf.
Ich las ihm eine Zeile im Text vor, die mir gerade ins Auge fiel. Sie besagte, das der Urin eines Leoparden nach Popcorn und Erdnussbutter riecht (oder stinkt). Marvin  war schwer beeindruckt.
„Popcorn esse ich manchmal im Kino“, verriet er mir, „das riecht ganz schön doll …!“
„Kannst ja den anderen sagen, ein Leopard war grad dort  …“
STOPP, ich darf Kindern nicht solche Tipps geben!
Zu spät.
Leider fand er die Idee auch noch gut …
Wir näherten uns inzwischen Frankfurt, dem Zielbahnhof der Familie des Jungen. Sein Vater war es diesmal, der Alarm schlug und ihn holen kam.
„Schon?“
Marvin war völlig überrascht. Sein Zeitgefühl hatte ihn verlassen. Doch so interessiert er eben noch gewesen war, so schnell schwang er nun um auf Aussteigen müssen, und prompt stiegen Hektik und Sorge in ihm auf, ob er noch rechtzeitig hinauskäme.
Dabei fuhr der Zug noch nicht einmal langsamer!
Husch, weg war er, und ich hatte meine Armlehne sowie das Heft wieder für mich. Ich hörte gerade noch, wie er beim Weggehen fragte:
„Papa, kennst du den Büffelweber?“
Ich hoffe,  sein Papa kam daraufhin nicht zu sehr ins Schwitzen. Andererseits, falls er es nicht wusste, würde er jetzt durch Sohnemann etwas lernen.
Ich schaute hinaus, ein bisschen Skyline von Frankfurt tauchte auf. Mal schauen, was sich hier im Bahnhof so ereignen würde. Neues Gepäck musste schließlich wieder verstaut werden …
Ich lehnte mich zurück in das Polster. Stoffpolster wohlgemerkt. Es lebe die zweite Klasse!
Was freute ich mich auf daheim! Noch gut drei Stunden, dann hätte Hamburg mich wieder.
Nach Hause kommen ist doch was Feines.

PS Ich habe unterwegs noch zwei, drei Dinge erspäht, die ich im nächsten Blogpost gerne teilen würde.
Es würde mich freuen, wenn Sie wieder mit dabei wären …

©Dezember 2011 by Michèle Legrand

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: