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Von freilaufenden Vögeln, neuen tierischen Freunden und merkwürdigen Kullerfrüchten – Winter im Luisenpark, Mannheim

Mannheim und sein Luisenpark im Januar. Hat das was? Bei Temperaturen knapp über Null Grad? Ist das nicht alles furchtbar kahl? Da blüht doch nichts! Wahrscheinlich kein Tier draußen, Stühle weggeräumt, Restaurants und Cafés geschlossen.
Tote Hose. Muss so sein …
Überhaupt nicht!
Heute halte ich mich mit der Geschichte bzw. Details zur Aufteilung des Geländes ganz zurück, denn Sie finden auf der Homepage des Luisenparks bzw. mit dem Parknamen als Stichwort mit einem Klick ausreichend Information.
Ich verrate Ihnen lediglich, es gibt für den Pflanzenfreund genauso etwas wie für den Tierliebhaber und für den Besucher mit Relaxwunsch genauso Zonen wie für den bewegungsfreudigen Menschen. Es gibt Programm für den Kulturinteressierten und Ihnen wird nicht nur etwas im Außen-, sondern auch im Innenbereich geboten, nämlich in den vielseitigen Schauhäusern mit unterschiedlichen Klimazonen. Ideal im Winter, um sich aufzuwärmen und dabei trübes Wetter zu vergessen. Vielleicht bei den Süß- und Meerwasseraquarien?

Einige Exemplare des Molukken-Kardinalbarschs ...

Einige Exemplare des Molukken-Kardinalbarschs …

Diese interessante Wesen lebt ebenfalls im warmen Bereich des Luisenparks:

Großer Madagaskar-Leguan ...

Großer Madagaskar-Leguan …

Bei Bedarf werden Sie im „Café-Restaurant Pflanzenschauhaus“ in sehr angenehmem Umfeld verköstigt. (An dem Kuchen kommen Sie nicht vorbei!)  Es hat beileibe nicht alles im Park im Winter geschlossen, es gibt nur im Sommer noch mehr Möglichkeiten im Freien.

Dass diese Garten- und Parkanlage mit vielen Tieren auch jetzt höchst anziehend und sehenswert ist, dass Ende Januar durchaus nicht „nichts los“ ist, möchte ich Ihnen gern an ein paar Beispielen zeigen und Sie daher – sogar bei Sonnenschein! – mit über das Gelände nehmen und Ihnen dabei u. a. meine neuen tierischen Freunde vorstellen.

Mannheim - Luisenpark - Insel im Kutzerweiher mit dem Mannheimer Fernmeldeturm im Hintergrund

Mannheim – Luisenpark – Insel im Kutzerweiher mit dem Mannheimer Fernmeldeturm im Hintergrund

Für den Besuch im Luisenpark habe ich vor gut zwei Wochen bewusst meine Heimreise von Karlsruhe nach Hamburg unterbrochen. Bei einer ICE-Fahrt ist in dem Fall nach knapp einer halben Stunde schon wieder Ende der Tour, denn das neue Ziel ist gleich der erste Halt nach Karlsruhe in Richtung Norden.

Mannheim - Hauptbahnhof - Von da geht es später weiter Richtung Norden ...

Mannheim – Hauptbahnhof – Von da geht es später für mich weiter Richtung Norden …

Was mir stets gut gefällt, wenn ich Gärten und Parks inspiziere (und genieße), ist eine gewisse Großzügigkeit– oder zumindest, wenn durch geschickte Anlage und Wegführung dieser Eindruck der Weitläufigkeit vermittelt werden kann. Man fühlt sich nicht eingeengt, hat nicht das Gefühl, am Eingang schon wieder das Ende des Parks zu erspähen und genießt die Überraschung, hinter Wegbiegungen, Strauchgruppen, Baumansammlungen oder einfach durch Höhenunterschiede, die einen nicht alles gleich einsehen lassen, plötzlich ungeahnte Ecken und Details zu entdecken. Wenn es dann außer Pflanzen aller Art, Wasserbereichen oder Skulpturen sogar noch tierische Bewohner gibt, die nicht nur eingesperrt, sondern recht frei dort leben können, ist das das berühmte Tüpfelchen auf dem I.
Manche Vogelarten sind hier inzwischen ansässig, obwohl sie nicht „festgebunden“ werden. Störche zum Beispiel können sich völlig frei bewegen – und kommen freiwillig zurück. Die Bedingungen zum Nisten und die Versorgung sind hier eben optimal. Im Park selbst und der Neckar liegt direkt nebenan.
Schon von Weitem fallen in den jetzt unbelaubten Bäumen ihre großen Nester auf …

Nester in luftiger Höhe. Schon jemand da?

Nester in luftiger Höhe. Schon jemand da?

Es sind welche da! Schon – oder noch? Sind es frühe Rückkehrer und Hiergebliebene? Manche, die es zwar noch südwärts treibt, fliegen gar nicht mehr bis Afrika, sondern nur noch bis Frankreich oder Spanien und sind bei milden Temperaturen frühzeitig wieder hier.

Mannheim - Luisenpark - ... tatsächlich, die Störche richten sich ein (29.01.2014)

Mannheim – Luisenpark – … tatsächlich, die Störche richten sich ein (29.01.2014)

Schauen Sie, was hier wächst. Ich musste ein bisschen überlegen, denn Laubbäume im Winter haben quasi ihre Hauptidentifikationsmerkmale abgelegt: die Blätter.

Mannheim - Luisenpark - Und was ist das?  Sieht nach einem weiblichen Ginkgobaum aus. Samen anschauen (keine Früchte!)

Mannheim – Luisenpark – Und was ist das? Sieht nach einem weiblichen Ginkgobaum aus. Samen anschauen (keine Früchte!)

Man kann sich nur am Habitus, also an der Wuchsform orientieren und danach die Baumart zumindest stark eingrenzen. Wenn wie hier, außerdem Früchte oder Samenstände zu sehen sind, wird das Erkennen erleichtert. Wenn ich mich nicht ganz schwer täusche, ist es ein Ginkgo-Baum (Ginkgo biloba, auch Fächerblattbaum)
Besonders reich die Anzahl der  kugelrunden Samenstände (keine Früchte). Demnach ein weiblicher Ginkgo-Baum.

Mannheim - Luisenpark - Samen eines Ginkgo biloba im Winter. Dicht an dicht ...

Mannheim – Luisenpark – Samen eines Ginkgo biloba im Winter. Dicht an dicht …

Im Reifezustand fangen die Samen übrigens ganz übel an zu stinken, weshalb man in Gärten vorwiegend männliche Exemplare des Baums pflanzt, um davor gefeit zu sein. Das Problem ist nur, man erkennt häufig jahrelang recht schwer, was es denn nun ist … Die erste Blüte erfolgt oft erst nach 20-30 Jahren oder noch später.
Der Anblick erinnert ein bisschen an leicht vergammelte Mirabellen. Oder eher Aprikosen? Wird der Name Ginkgo aus dem Japanischen abgeleitet, setzt er sich nämlich aus „Gin“ (Silber) und dem Wort „Kyo“ (für Aprikose) zusammen.

Mannheim - Luisenpark - Wie muss das erst im Sommer schön sein ...

Mannheim – Luisenpark – Wie muss das erst im Sommer schön sein …

Nadelbäume können im Winterhalbjahr für oftmals erstaunlich frisches Grün sorgen.  Nicht alle Gewächse sind so dunkel wie einige Tannenarten, Fichten oder die Nadeln der Eiben.

Mannheim - Luisenpark -  Ende Januar bei Sonnenschein erstaunlich farbenfroh: die immergrünen Gewächse liefern frisch leuchtendes Grün, die Heide blüht.

Mannheim – Luisenpark – Ende Januar bei Sonnenschein erstaunlich farbenfroh: die immergrünen Gewächse liefern frisch leuchtendes Grün, die Heide blüht.

Und auch hier gibt es Hingucker – wenn man genauer hinsieht:

Mannheim - Luisenpark - Zapfen geballlt. Könnten von einer Tränenkiefer (Pinus wallichiana) stammen. (Der Stamm dahinter gehört zu einem anderen Baum)

Mannheim – Luisenpark – Zapfen geballlt. Könnten von einer Tränenkiefer (Pinus wallichiana) stammen. (Der Stamm dahinter gehört zu einem anderen Baum)

Unbelaubte Sträucher stehen nicht immer farblos in der Gegend.  Hier trägt eine Schönfrucht/Liebesperlenstrauch (Callicarpa) ihre auffällig lilafarbenen Beeren.

Mannheim - Luisenpark im Januar - Farne, Holzskulpturen und an den lila Steinfrüchten (keine Beeren) gut zu erkennen: die  Schönfrucht/Liebesperlenstrauch (Callicarpa)

Mannheim – Luisenpark im Januar – Farne, Holzskulpturen und an den lila Steinfrüchten (keine Beeren) gut zu erkennen: die Schönfrucht/Liebesperlenstrauch (Callicarpa)

Die Störche sind gerade unterwegs auf Erkundung und Futtersuche …

Mannheim - Luisenpark - Störche auf Futtersuche ...

Mannheim – Luisenpark – Störche auf Futtersuche …

Und es gibt nicht nur die Weißstörche, sondern auch Sattelstörche mit ihrer markanten Schnabelfärbung (Deuschlandfarben).

Mannheim - Luisenpark - Nicht nur Weißstörche, auch Sattelstörche gibt es hier  (Ephippiorhynchus senegalensis)

Mannheim – Luisenpark – Nicht nur Weißstörche, auch Sattelstörche gibt es hier (Ephippiorhynchus senegalensis)

Mannheim - Luisenpark -  Auch sie laufen hier frei umher: Nonnengänse beim Spaziergang.

Mannheim – Luisenpark – Auch sie laufen hier frei umher: Nonnengänse beim Spaziergang.

Wen ich im nördlichen Europa im Winter draußen meist gar nicht erwarte, weil ich immer annehme, es sei viel zu kalt, sind Vögel, die aus wärmeren Breitengraden stammen. Doch auch hier in Mannheim sind die Flamingos offenbar abgehärtet genug, um sich Ende Januar am Wasser aufzuhalten.

Mannheim - Luisenpark - Die Flamingos sind draußen, es wird auf dem Gelände gearbeitet, und beim Seerestaurant ist jetzt noch nicht so viel Betrieb ...

Mannheim – Luisenpark – Die Flamingos sind draußen, es wird auf dem Gelände gearbeitet, und beim Seerestaurant ist jetzt noch nicht so viel Betrieb …

In einer Außenvoliere findet sich ein besonders hübscher Kerl, der Jägerliest (Dacelo novaeguineae), auch Lachender Hans genannt. Diese Art, die zu den Eisvögeln zählt, kommt sonst hauptsächlich in Australien vor.

Mannheim - Luisenpark - Ein schöner Vogel_ Der Jägerliest (Dacelo novaeguineae), auch Lachender Hans genannt.

Mannheim – Luisenpark – Ein schöner Vogel: Der Jägerliest (Dacelo novaeguineae), auch Lachender Hans genannt.

Oder diese Gesellen, die ich erst ganz weit weg entdeckte. Ich musste unbedingt ein Foto machen, trotz der Entfernung, denn „vielleicht sind sie sonst weg“.
Von wegen!

Mannheim - Luisenpark - Wer tummelt sich denn da hinten ...?

Mannheim – Luisenpark – Wer tummelt sich denn da hinten …?

Das Federvieh, eine Gruppe Rosapelikane (Pelecanus onocrotalus), hatte einen kaum gesichtet, da entschied sich die Truppe spontan, sich quer über die Wiese auf den Weg zu mir zu machen.
Haben Sie schon einmal einen Pelikan laufen sehen? Oder auf hartem Untergrund seine Laufgeräusche gehört?
Ich werde Ihnen gern einmal beschreiben, wie Sie die Haltung und das Geräusch nachstellen könnten. Als Mensch! Nehmen Sie sich eine alte Gardine und hängen Sie sie sich wie einen Umhang um Ihre Schultern. Breiten Sie ihre Arme im etwa 60° Winkel aus. Pfropfen Sie nun eine lange Gurke oder ein Baguette längs in Ihren Mund. Ziehen Sie Taucherflossen an. Und jetzt versuchen Sie loszurennen und heben dabei Ihre Umhangarmflügel weiter an.

Mannheim - Luisenpark - Pelikane!  Und sie entscheiden sich, näher zu kommen!

Mannheim – Luisenpark – Pelikane! Und sie entscheiden sich, näher zu kommen!

Mannheim - Luisenpark - Pelikane - ... während die einen noch hetzen, zeigt der andere schon lässig sein Profil.

Mannheim – Luisenpark – Pelikane – … während die einen noch hetzen, zeigt der andere schon lässig sein Profil.

Mannheim - Luisenpark - Pelikane - Und nun? Fast am Weg angelangt. Unbeteiligt tun ...

Mannheim – Luisenpark – Pelikane – Und nun? Fast am Weg angelangt. Unbeteiligt tun …

Freundschaft schließen.

Mannheim - Luisenpark - Pelikane - Hi, schau mal, meine Flügel sind von unten schwarz ...

Mannheim – Luisenpark – Pelikane – Hi, schau mal, meine Flügel sind von unten schwarz …

Das hier sind also meine neuen Freunde. Ich kann nicht so gut unterscheiden, ob es männliche oder weibliche sind. Männliche sollen größer sein.

Mannheim - Luisenpark - Pelikane - Das Model ...

Mannheim – Luisenpark – Pelikane – Das Model …

Wie viel Wasser bekommen Sie in Ihren Mund? In seinen Schnabel passen bis zu 11 Liter!

Es sieht wackelig aus, wenn die Vögel laufen. Es ist ein merkliches von links auf rechts hüpfen. Und auf Platten und Steinen patscht es ganz enorm. Jeder Schritt. Bewegungen am Boden wirken etwas plump, doch in der Luft sind sie elegante Langstreckenflieger, die auf eine Geschwindigkeit von über 50 km/h kommen, bis zu 500 km in einem Rutsch fliegen und in Höhen bis zu 3.000 m aufsteigen!
Denkt man nicht, oder?

Mannheim - Luisenpark - Pelikane - ... nur irgendeiner muss einem im Hintergrund schon wieder die Schau stehlen.

Mannheim – Luisenpark – Pelikane – … nur irgendeiner muss einem im Hintergrund schon wieder die Schau stehlen.


Es hat sich gelohnt, den Zwischenstopp auf der Reise einzulegen. Der Luisenpark ist nicht ohne Grund so beliebt bei den Mannheimern und vielen Gästen von außerhalb. Eine grüne Lunge inmitten der Stadt, eine Freizeiteinrichtung, ein Park, der viel zu bieten hat.
Auch ein Ziel, was es erneut im Sommer anzusteuern gilt! Wie schön muss es erst sein, wenn die Blumenbeete sich in voller Pracht entfaltet haben, jetzt noch leere Wasserbecken gefüllt oder Wasserspiele in Betrieb sind.
Vorteile im Winter sind hingegen eindeutig der geringere Besucherandrang und ein spezieller, niedrigerer Wintereintrittspreis.

Inzwischen waren die Pelikane am Wasser … Pelikane gehen übrigens vorzugsweise und fast immer in der Gruppe auf Jagd.

Mannheim - Luisenpark - Das Pelikan-Team, inzwischen waren sie am Wasser.

Mannheim – Luisenpark – Das Pelikan-Team, inzwischen waren sie am Wasser.

Sollten Sie einmal in der Nähe des Parks sein, besuchen Sie doch die neugierige Truppe rosafarbener Gesellen!

Ich muss jetzt schnellstens zum Bahnhof. Zugbindung, Sie wissen schon …
Bis zum nächsten Mal!

©Februar 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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Alte Bekannte, Menschenfresserzeugs und Heimatgefühle: Das Tropenschauhaus von Planten und Blomen

Es gibt Menschen, einige sogar, die zieht es immer wieder in ihre Stammkneipe. Sie biegen nach Feierabend noch schnell in die bewusste Nebengasse und schieben einen kurzen Besuch ein. Zur Entspannung, zum Abschalten. Dort fühlen sie sich wohl, dort kennen sie sich aus, alles ist vertraut. Trotzdem ist der Ort auch immer wieder gut für Überraschungen. Man erfährt dabei Neues! Oder stößt auf Bekannte.
Es gibt Fälle, da steigen Lebewesen, obwohl sie eigentlich durchfahren und mit der Bahn direkt nach Hause wollten, plötzlich an einer früheren Station aus. Sie legen spontan einen Zwischenhalt ein, um solch eine angenehm vertraute Stelle anzusteuern. Nur muss es nicht zwangsläufig ein Stammlokal sein! Es braucht lediglich eine Stätte, welche all die genannten Merkmale aufweist und die gleiche Funktion erfüllt.
Vertraut, heimelig, anziehend – genau mein oder Ihr Ding.

Bei mir ist das Tropenschauhaus von Planten un Blomen quasi die Ersatzkneipe und ein Ort mit erstaunlicher Anziehungskraft. Zog es mich vergangenen Wochenende doch tatsächlich am Dammtor-Bahnhof aus dem Zug! Dort oder über den Ausgang des U-Bahnhofs Stephansplatz kommen Sie schnell und ohne weitere Umwege in die Parkanlage, in der sich die Gewächshäuser befinden.
Im Zug konnte ich förmlich spüren, wie jemand kurz vor dem Halt am Dammtor an meinem Hosenbein zerrte und dabei sirenengleich säuselte: Komm! Komm mit! Du willst es doch auch!
Widerstand zwecklos. Ja, selbstverständlich wollte ich und war in Sekundenschnelle überzeugt! Der Zug präsentierte sich kalt und muffig. Ich wollte da raus, mich entlüften, allerdings auch wieder warm werden. Ich wünschte mirm die Beine zu vertreten, ich war süchtig nach Entspannung, ich brauchte Vertrautes. Einen Ort wie eine Stammkneipe. Eine für Nichttrinker.

Bahnhof Hamburg-Dammtor vom Congress Center (CCH) aus gesehen - November 2013

Bahnhof Hamburg-Dammtor vom Congress Center (CCH) aus gesehen – November 2013

Möchten Sie virtuell mitkommen? Es ist überhaupt nicht weit. Ich wollte Ihnen diesmal im Tropenschauhaus ein Gewächs mit einem merkwürdigen Namen und einem interessanten Hintergrund zeigen und auch Dinge, die Sie vielleicht – allerdings etwas anders ausschauend – von zwei vorherigen Besuchen erinnern.
Der kurze Weg vom Bahnhof führt am Congress Center Hamburg (CCH) und dem direkt daneben errichteten Hotel Radisson Blu entlang. Eine Fußgängerbrücke leitet Sie vom Bahnhofsvorplatz hinüber zum Park. Die Sumpfzypressen, von denen ich im Oktober unter anderem sprach (siehe auch rechts auf der Startseite des Blogs die Extrakategorie Planten un Blomen im Gartenbereich für sämtliche Artikel und Fotos), sind inzwischen ziemlich braun, doch haben sie ihre Nadeln bisher nicht abgeworfen.

Planten un Blomen - November 2013 - Sumpfzypressen (Taxodium distichum) mit inzwischen braunen Nadeln ...

Planten un Blomen – November 2013 – Sumpfzypressen (Taxodium distichum) mit inzwischen braunen Nadeln …

Von dort aus ist es nur noch ein kleines Stück Weg bis zum Tropenschauhaus.

Planten un Blomen - November 2013 - Vom Dammtor und CCH kein weiter Weg zum Tropenschauhaus ...

Planten un Blomen – November 2013 – Vom Dammtor und CCH kein weiter Weg zum Tropenschauhaus …

Immer wenn ich dort die Tür öffne und eintrete, habe ich einen ganz bestimmten Geruch in der Nase. Im Grunde habe ich ihn schon kurz vorher irgendwo – als Erinnerung. Er ist gar nicht so spezifisch, denn die eigentlichen Abteilungen des Gewächshauses beginnen erst hinter den nächsten Türen, es ist also im Eingangsbereich noch kein Regenwald- oder Tropenfeeling. Dort kommt jedoch Verschiedenes zusammen. Ich glaube, mit einer Augenbinde dort hingeführt, wüsste ich nach kurzer Zeit, wo ich mich befinde.
Viele blinde Menschen besuchen diesen Blog, sie können sehr gut nachempfinden, wenn ich jetzt sage, wie es sich anfühlt.
In den Minuten, in denen Sie – am besten  mittig – im Eingangsbereich stehen, öffnen und schließen sich im Wechsel die Tür nach draußen, die Glaseingangstür zum warmen Tropenhausteil und die Ausgangstür vom Sukkulentenhaus. In der Luft, die von draußen eindringt, schwingt immer irgendein Rest Pflanzenaroma mit, und gelegentlich dringt Vogelgeschrei mit hinein. Besonders jetzt im Herbst, wenn sich die relativ lauten Möwen unterhalb der Mittelmeerterrassen im Wallgraben breit gemacht haben. Ansonsten ist mehr menschliches Gemurmel zu vernehmen.
Öffnen Besucher die Tropenhaustür, dringt ein kleiner Schwall feuchte Luft und Wärme ins Foyer. Ein bisschen Regenwaldklima schleicht sich jedes Mal mit hinaus, dazu gesellt sich der leicht modrige Geruch der Erde. Doch sobald ein Besucher den Sukkulentenbereich des Schauhauses, der wesentlich kühler ist und trockene Luft besitzt, verlässt, dann geht, nachdem sich diese Glastür geöffnet hat, mit kurzer Verzögerung ein ganz leichtes Frösteln über ihre Haut.
Und manchmal, während Sie dort stehen und herauszufinden versuchen, wo Sie sind, sagt jemand belustigt: Oh, guck mal! Der Fisch!  Das ist dann höchst verräterisch! Es gibt nämlich Wandaquarien im Vorraum, und einer der schwimmenden Bewohner hat es wirklich drauf: Er hängt sich gern mit weit geöffnetem Maul platt an die Frontscheibe und starrt Besucher an.
Doch ich wollte ja hinein mit Ihnen und nicht nur mit Augenbinde im Vorraum verweilen …

Im Moment ist gleich beim Eintreten rechts ein eigentlich bekannt aussehendes Gewächs mit einem allerdings sehr merkwürdigen Namen zu finden. Die Menschenfressertomate!

Planten un Blomen - November 2013 - Tropenschauhaus - Menschenfressertomate (Solanum viride)

Planten un Blomen – November 2013 – Tropenschauhaus – Menschenfressertomate (Solanum viride) – Wirkt recht harmlos …

Denken Sie auch immer erst so einfach gestrickt wie ich? Aha, eine Tomate, die Menschenfresser frisst … Und wundern sich dann, was die angeblich so kann?
Willkommen im Club!
Sie kann es nicht! Es ist im Grunde nur ein Wort wie z. B. Berufskillercroissant. In dem Fall jedoch würden Sie wahrscheinlich nicht annehmen, das Croissant könnte Berufskiller killen, sondern Ihr Gehirn würde richtig erkennen:
Aha, ein Croissant, welches vermutlich besonders gern von Berufkillern verzehrt wird.
Und so ist das mit dieser Tomate, der Solanum viride, ebenfalls. Es gibt auch einen guten Grund, warum die Kannibalen der Fidschi-Inseln sie lieben. Menschenfresser haben es offenbar gar nicht so leicht beim Verzehr von Artgenossen. Sie kennen mit Sicherheit den Ausdruck: Du, das liegt mir jetzt aber schwer im Magen! Bei uns ist es im übertragenen Sinn gemeint, nur die Kannibalen haben tatsächlich ein Problem mit der nur gemächlich voranschreitenden Verdauung von Menschenfleisch, die etwa zwei bis drei Tage benötigt, egal wie sympathisch oder fies der Verzehrte war. Fleisch ist Fleisch bzw. Bokola ist Bokola. Es liegt schwer wie Blei und sorgt selbst bei ansonsten eher Hartgesottenen für einen verdorbenen Magen. Sagen wir lieber sorgte, denn offiziell gibt es keinen Kannibalismus mehr.
Etwas Abhilfe schaffte bei dieser unbeliebten Situation die leicht bittere, verdauungsfördernde Menschenfressertomate, die auch zu einer Tomatensoße verarbeitet wurde. Die Blätter der Pflanzen wiederum wurden häufig wie bei einer Kohlroulade genutzt: Man wickelte sie um das Fleisch, das dann auf heißen Steinen gebacken wurde.
Sven Bernhard vom Tropenschauhaus in Planten un Blomen hat Informationen dazu auf einer Schautafel hinterlassen. Etwas seriöser als ich, mehr fachsprachliche Ausdrücke als Worte wie Berufskillercroissants, Kohlrouladen etc. ^^ Er geht dort noch auf drei weitere Pflanzen ein, deren Blätter ebenfalls auf diese Art bei der Fleischzubereitung verwendet wurden.
Wer heutzutage schwer Verdauliches isst, schwört häufig auf Magenbitter (Kräutertrank) oder hat sonst irgendwelche Tricks auf Lager, die das Wohlbefinden danach wiederherstellen sollen. Vielleicht sollten Sie die wirkungsvolle Tomate anbauen. Ihre Wirkstoffe helfen sicher auch bei anderen Gerichten. Eisbein etc. Sie müssen jetzt deshalb nicht mit Bokola anfangen …

Diese schöne Pflanze, ein afrikanischer Losbaum, blüht auch im November:

Planten un Blomen - November 2013 - Tropenschauhaus - Blüht momentan: Der afrikanische Losbaum (Clerodendrum splendens)

Planten un Blomen – November 2013 – Tropenschauhaus – Blüht momentan: Der afrikanische Losbaum (Clerodendrum splendens)

Ein Stückchen weiter gelangen Sie an den Platz der Titanenwurz, die Ende Juli blühte und hier im Blog einen eigenen Artikel erhielt.
Damals sah sie so aus:

Planten un Blomen - Titanenwurz (Amorphophallus Titanum) in Blüte am 20.07.2013

Planten un Blomen – Titanenwurz (Amorphophallus Titanum) in Blüte am 20.07.2013

Der Blütenkelch verwelkte und der gesamte Rest – ich nenne es einmal salopp  – vergammelte mehr oder weniger, jedenfalls blieb danach oberirdisch nicht viel übrig. Manchmal stirbt die Pflanze danach sogar ab. Nicht generell, doch einige Knollen überleben den Kraftakt zuvor nicht. Wenn die Knolle sich allerdings erholt, treibt die Titanenwurz ein Blatt.  So las ich es damals und stellte mir daher wirklich einen langen Trieb mit mehr oder weniger einem großen Blatt vor. Nichts da! Wollen Sie einmal schauen, wie sie im Moment aussieht?

Planten un Blomen - November 2013 - Tropenschauhaus - Titanenwurz (Amorphophallus titanum)

Planten un Blomen – November 2013 – Tropenschauhaus – Titanenwurz (Amorphophallus titanum)

Ein völlig anderer Eindruck, nicht wahr? Spannend, ob sie nun innerhalb von etwa 12-20 Monaten eine weitere (neue, etwa doppelt so schwere) Knolle ausbildet, die nach einer Ruhepause entweder auch ein Blatt treibt oder aber einen erneuten Blütenansatz zeigt und daraufhin ihren gewaltigen Kelch eines Nachts öffnet. Man wird sehen …
Eine Dame traf ich dort, die auch das zarte Grün betrachtete. Irgendwie kam mir ihr Gesicht bekannt vor. Es stellte sich heraus, dass sie auch zur Blüte in der Julinacht gekommen war. Eine alte Bekannte gewissermaßen, mit der man prima fachsimpeln und auch in Erinnerungen schwelgen konnte.

Kommen Sie doch noch ganz kurz mit in den Sukkulentenbereich, denn ich möchte Sie fragen, ob Ihnen das etwas trockene Gestrüpp, das hinten an der Wand lehnt, irgendwie bekannt vorkommt.

Planten un Blomen - November 2013 - Tropenschauhaus - Sukkulentenbereich mit der abgetrockneten Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss aus dem Vorjahr

Planten un Blomen – November 2013 – Tropenschauhaus – Sukkulentenbereich mit der abgetrockneten Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss aus dem Vorjahr

Nicht? Ich gehe ein bisschen näher heran …

Planten un Blomen - November 2013 - Tropenschauhaus - Sukkulentenbereich- ... und Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss aus der Nähe gesehen

Planten un Blomen – November 2013 – Tropenschauhaus – Sukkulentenbereich- … und Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss aus der Nähe gesehen

2012 blühte im Herbst hier in diesem Teil der Gewächshäuser eine Agave weberi und ragte dabei meterhoch aus dem Schauhaus hinaus. Ein Fenster wurde damals dafür extra entfernt, weil die vorhandene Höhe drinnen bei Weitem nicht ausreichte. Als sie abgeblüht war, wurde der lange Blütenstiel nicht weggeworfen, kompostiert! Oh, nein! Der ist wirklich selten und besonders! Als ich im Juli hier war, lag er aufbewahrt – besser gesagt: aufgebahrt –  hinter den Kakteen.

Planten un Blomen - Tropenschauhaus - Sukkulentenbereich mit den Resten Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss aus dem Vorjahr - Juli 2013

Planten un Blomen – Tropenschauhaus – Sukkulentenbereich mit den Resten Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss aus dem Vorjahr – Juli 2013 – „Aufgebahrt …“

Nun steht er und erinnert dadurch besonders an die Zeit, als es so aussah:

Planten un Blomen - Agave weberi blühend und aus dem Gewächshaus wachsend im September 2012

Planten un Blomen – Agave weberi blühend und aus dem Gewächshaus wachsend im September 2012

Die nächsten zwei Pflanzenarten sind ebenfalls gerade am blühen. Die gelben Blüten auf dem ersten Foto erinnern auf Anhieb an Mohn, auch die Samenkapseln. Aber so pieksig? Doch, es gibt auch eine stachelige Variante der Mohngewächse (Papaveraceae)! Den mexikanischen Stachelmohn (Argemone mexicana):

Planten un Blomen - November 2013 - Tropenschauhaus - Sukkulentenbereich - Mexikanischer Stachelmohn (Argemone mexicana)

Planten un Blomen – November 2013 – Tropenschauhaus – Sukkulentenbereich – Mexikanischer Stachelmohn (Argemone mexicana)

Planten un Blomen - November 2013 - Tropenschauhaus - Sukkulentenbereich - Auch sie blüht im Moment_(Aloe bellatula) aus Madagaskar

Planten un Blomen – November 2013 – Tropenschauhaus – Sukkulentenbereich – Auch sie blüht im Moment: Aloe bellatula aus Madagaskar

Genug gesehen, oder? Beim Verlassen des Gewächshauses lohnt sich ein kleiner Gang auf die Johan-van-Valckenburgh-Brücke, auf der Fußgänger den Wallgraben überqueren können. Von dort haben Sie u. a. einen schönen Blick auf das Radisson Blu Hotel am CCH.

Planten un Blomen - November 2013 - Der Blick von der Johan-van-Valckenburgh-Brücke am Wallgraben hinüber zum Radisson Blu Hotel am Dammtor

Planten un Blomen – November 2013 – Der Blick von der Johan-van-Valckenburgh-Brücke am Wallgraben hinüber zum Radisson Blu Hotel am Dammtor

Und beim Verlassen des Parks am Ausgang U-Bahn Stephansplatz, zieht dieses Farbenspiel am inzwischen trockengelegten Bachbett die Blicke noch einmal auf sich. Ein Kommentator bei Facebook, wo ich das Bild vorab veröffentlichte, äußerte, er hätte zu gern noch Schnee dazu gehabt. Das stelle ich mir von der Farbkombination her auch wunderschön vor.

Planten un Blomen - November 2013 - Intensive Laubfärbung neben dem inzwischen trockenen Bachbett am Ausgang Stephansplatz

Planten un Blomen – November 2013 – Intensive Laubfärbung neben dem inzwischen trockenen Bachbett am Ausgang Stephansplatz

Nachdem wir für heute alles entdeckt haben, frage ich Sie: Was sagen Sie zu der gewagten These vom Tropenschauhaus als Ersatzstammkneipe? Diesem Vergleich. Hinkt gar nicht so sehr, oder?
Sie kommen in vertraute Umgebung, was Ihnen dieses Heimatgefühl vermittelt, Sie fühlen sich wohl, kommen ins Gespräch, treffen Bekannte, erfahren, was es Neues gibt, freuen sich dennoch ungemein, das meiste wie gewohnt anzutreffen und gehen irgendwann zufrieden und entspannt nach Hause. Sogar nüchtern!

©November 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand auf WordPress

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