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Erledigt! Dinge, Tätigkeiten – nicht Sie selbst …

Wandsbeker Mühlenteich - Nachmittagssonne im April

Wandsbeker Mühlenteich im April

Ich habe keine Ahnung, wie Sie es handhaben. Ob Sie ein Nebenher-Typ sind, ein Gehäuft-Typ oder gar ein Delegier-Typ. Ob Sie es selten tun, ob gern, ungern, ad hoc, geplant, chaotisch, murrend, gleichgültig, freudig, widerwillig …Vielleicht sind Sie noch ganz anders drauf, viel spezieller, sind quasi ein Unter- oder Mischtyp! Das kennen sie von der Haut: Mischhaut. Oder vom Hund: Misch(lings)hund. Wenn wir bei diesem Beispiel bleiben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie eine Art Promenadenmischung sind. Sie mixen sicher bunt und je nach Gelegenheit bzw. Umständen.
Falls Sie noch nicht sicher sind, um welches Thema es heute geht: Wir sprechen gerade von Dingen, die erledigt werden müssen. Kurz: Erledigungen. Pflichterledigungen. Sie und die Art und Weise der Erledigung von Erledigungen.

Ich meine nicht die beinahe täglich anstehenden Dinge wie Lebensmitteleinkauf, Haushalt oder die wegen ihrer Kürze hier zu vernachlässigenden Tätigkeiten wie Gaszähler ablesen oder Müll heraustragen. Ich spreche von Pflichterledigungen der nächsthöheren Kategorie: ab Aufwandsstufe 2 aufwärts. Sie stehen mit ziemlicher Sicherheit und in regelmäßigen Abständen an. Rumsen unangefordert an die Tür. Bollern aufdringlich und nerven mit einem:
Hey, mach endlich mal!
Der Imperativ! Damit wir merken, dass wir müssen …
Menschen handeln unterschiedlich. Manche (Delegier-Typen) geben gern alles ihnen Unangenehme weiter, was aber (Gott sei Dank) nicht immer möglich ist. Einige (Gehäuft-Typen) sammeln erst lustlos Aufgabe um Aufgabe, bevor sie loslegen. Andere handeln gleich. Wieder andere nehmen sich Extrazeit dafür, trennen strikt, doch die Tendenz ist, vieles schnell nebenher zu schaffen.
Nur kurz bei der Reinigung etwas abholen, mal eben zur Bücherhalle wegen der Fälligkeit des Lesestoffs. Schnell huschen, um ein Geschenk zu besorgen,  zackig mit Paketen zur Post, locker den Werkstatttermin einschieben, den Vorsorgecheck gleich mit, kurz etwas in der Apotheke besorgen oder bei der Reinigung abholen, Zahnarzt erfreuen, Auto ummelden, Ausweis verlängern, Baugenehmigung beantragen – Behördensachen gehen sicher besonders flott …
Wann plant der Nebenher-Typ seine Erledigungsaktionen ein?
Vor der Arbeit, in der Pause, mittendrin – jedenfalls irgendwie hineingezwängt. Nebenher schaffen lautet die Parole. Bloß keine Zeit verlieren.
Dauert ja alles nicht lang …
Genau hier liegt aber der Denkfehler! Derartige Pflichterledigungen haben überhaupt nichts mit der simplen Fähigkeit, die wir als Multitasking bezeichnen, zu tun. Denn dort werden zwar zeitgleich mehrere, verschiedenartige Tätigkeiten erledigt, jedoch an einem Ort! Dadurch können sie parallel laufen und sind – wenn es auch oft alles andere als ratsam ist – ausführbar. In welchem Maße ist natürlich abhängig von den Fähigkeiten jedes Einzelnen.
Erledigungen (wie oben näher eingegrenzt) verteilen sich hingegen auf unterschiedliche Örtlichkeiten. Ihnen ist zudem eigen, dass ihr Einschieben grundsätzlich anders verläuft als angenommen.
Der weitaus größte Teil erfordert mehr Zeit und Aufwand als erwartet. Sei es durch längere Wartezeiten in Geschäften und Behörden, Notfälle beim Arzt, Formularkämpfe, Parkplatzsuche, o. ä. Jeder neu hinzukommende Ort, jeder zusätzliche Weg erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der angepeilte Zeitrahmen nicht eingehalten werden kann und Ihre frohgemuten Pläne sehr schnell durchkreuzt und boykottiert werden.
Folge: diese Aktionen mal eben nebenher kollidieren mit der restlichen Terminplanung des Tages, den feststehenden Arbeitszeiten, der Routine etc. Ihr Ablauf wird durcheinander gebracht.
Ich müsste schon längst wieder bei der Arbeit sein …!
Wahrscheinlich haben sich die Kollegen schon gemeldet. Ihr Handy zeigt diverse SMS, Mails und Anrufe in Abwesenheit an. Nachdem Sie endlich mit schon leicht erhöhtem Blutdruck zurückgekehrt sind, lässt sich das eigentliche Pensum so nicht mehr schaffen. Der Blick wandert ständig zur Uhr, die Unruhe wächst und mit ihr kommen Anspannung, Verspannung. Kopfschmerzen, mangelnde Konzentration. Die Laune ist auf dem Nullpunkt.
Es schließt sich der hektische Versuch an, die verlorene Zeit einzuholen, doch nüchtern betrachtet, gestaltet sich die Restarbeitszeit an diesem Tag vergleichsweise unproduktiv. Für effizienteres Tun und Handeln ist der Mensch zu erledigt. Von seinen Erledigungen …
Noch ein Wort zur verlorenen Zeit: Dadurch, dass wir sie als solche betrachten, sinkt in unseren Augen der ohnehin nicht sehr hohe Wert, den wir unserer Erledigungstätigkeit beimessen, erneut. Ins Unterirdische. Von Lust auf zukünftige derartige Erledigungen kann man kaum noch sprechen. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass sie vielen mittlerweile ziemlich bevorstehen. Manch einer schiebt sie daraufhin ewig vor sich her, solange, bis es sich nicht mehr hinauszögern lässt. Aus der Not heraus startet irgendwann die geballte Aktion, wahrscheinlich wieder mit dem genialen Plan:
Mach ich nebenher … Passt schon.
Möglicherweise sind Ihnen solche Geballt-in-letzter-Minute-Erlediger bereits begegnet. Es sind häufig Mitmenschen, die überall zuerst drankommen möchten, in Kassenschlangen leicht ausrasten oder die Mitleidsmasche anwenden.
Kann ich vor? Ich habe es fürchterlich eilig … Schon haben sie sich dazwischen gequetscht.
Falls sich jemand querstellt, ist die Reaktion anklagend:
Nicht? Wieso das denn? Also, SIE haben bestimmt alle Zeit der Welt, da hätte ich doch ein bisschen mehr Entgegenkommen erwartet …!
Es gibt die, die hoffen, Termine von heute auf morgen zu ergattern oder annehmen, dass das Bezirksamt ihr Formular für den neuen Personalausweis sicher auch noch gegen 22 Uhr bearbeitet.
Ach, Sie haben nur bis 16 Uhr auf …? Unmöglich ist das, unmöglich!
Weiterhin die, die schnell lospöbeln, wenn im Geschäft das Gewünschte nicht bei Eintreten vorrätig ist, die,  die häufig unvorbereitet loshechten und unterwegs sehr uncharmant reagieren, wenn so ein unverschämter Depp bei Kaufvertragsabschluss doch glatt ihren Ausweis verlangt, der selbstverständlich alleine zu Hause geblieben ist …
Doch genug davon.

Was hat das jetzt eigentlich alles mit dem schönen Teichbild von oben zu tun?
War das Ihr Gedanke?
Ich habe es mir so gedacht: Persönlich ziehe ich es vor, meine Erledigungen unter anderen und entspannteren Umständen zu machen. In der Vergangenheit war es mir durchaus auch einen Urlaubstag wert. Das ist keine für jeden zutreffende Lösung, keine allgemeingültige und unumstrittene  Empfehlung, sondern etwas, was jeder für sich entscheiden muss.
Was ist es mir persönlich wert, wenn ich Dinge, die getan werden müssen, effektiv und zugleich in Ruhe erledigen kann?
Vielleicht taucht die Frage auf:
Aber dafür gleich einen Urlaubstag wegwerfen …?
Auch dies ist Einstellungssache. Nur, was nützt es einem, die Tage für einmal im Jahr groß in den Urlaub zu sammeln, aber bis dahin entweder alles wie Ballast vor sich herzuschieben oder in ständiger Zeitnot zu erledigen und infolgedessen geschlaucht und missgelaunt zu sein?
Will ich mir selbst diese Stresssituationen schaffen?

So ein „geopferter“ Urlaubstag ist doch nicht zwangsläufig weggeworfen oder verplempert!

Einen solchen Erledigungstag der anderen Art,  gönnte ich mir in der zurückliegenden Woche. Wie so häufig im Leben,  ist es die Ausgewogenheit, die bewirkt, dass der so negative Touch der als unliebsam und aufgezwungen empfundene Tätigkeiten  vielleicht nicht ganz genommen, aber zumindest abgemildert werden kann, indem ich Dinge zulasse und beisteuere, die mir persönlich behagen, die als schön und positiv empfunden werden. Ich erziele eine Balance durch die Kombination von Müssen und Wollen. Bildlich gesprochen, hocke ich nicht in der am Boden aufsitzenden Müssen-Waagschale, sondern winke durch mein eingebrachtes Gegengewicht munter aus luftiger Höhe. Mein Pflichtprogramm wird um die Kür erweitert.
Während Erledigungen und Arbeit eindeutig nicht recht harmonieren, verstehen sich Pflichterledigungen und Küreinlagen  ausgezeichnet!

Mein Erledigungstag sah daher so aus (und nun kommen die Bilder zum Einsatz):

Pflicht: 1
Termin Werkstatt. Auto morgens abgeliefert.
Kür:

Wandsbeker Mühlenteich morgens bei Bewölkung (April)

Der Mühlenteich am Morgen …

Ausgedehnter Spaziergang danach um acht Uhr morgens rund um den Mühlenteich. Schöne Stimmung. Es ist bewölkt, aber trocken. Ruhig, trotz angrenzender Straßen. Die Enten schlafen um diese Zeit noch.

Morgens um acht - Die Herren Erpel schlafen noch ... (Wandsbeker Mühlenteich)

Morgens um acht – Die Herren Erpel schlafen noch …

Ich bin präpariert und habe getrocknetes Brot zum Verfüttern bei mir. In die Gewässer darf es nicht geworfen werden, aber man kann schließlich auch an Land füttern. Beim Rascheln der Tüte wachen die Kollegen prompt auf und nähern sich neugierig.

Sofort aufgewacht beim Rascheln der Brottüte ... (Mühlenteich in Wandsbek)

Sofort aufgewacht beim Rascheln der Brottüte … Na, gibt’s jetzt was …?

Die ersten Krumen sind verteilt. Das war der Startschuss: sie strömen heran.
Ist das nicht merkwürdig? Nur Erpel! Jedenfalls was die Entenbevölkerung angeht. Sitzen die Damen eventuell auf Gelegen und brüten?

Es strömt heran. Das hungrige Vogelvolk ... Frühstück! (Wandsbeker Mühlenteich)

Es strömt heran. Das hungrige Vogelvolk … Frühstück! (Wandsbeker Mühlenteich)

Ansonsten frühstücken noch eine Graugans und ein Teichhuhn mit.
Das Interesse der Vögel lässt schlagartig nach, als mein Vorrat aufgebraucht ist …

Pflicht: 2
Zwei weitere Termine im Umkreis bis zum frühen Mittag, anschließend Bankangelegenheiten
Kür:
Stippvisite auf dem Wochenmarkt mit seinen vielen Blumenständen und meinem langjährigen Baumschulgärtner.

Wandsbek Quarrée - Wochenmarkt mit Blumenhändlern - April 2012

Wandsbek Quarrée – Wochenmarkt

In einer Wohnstraße am Wochenmarkt sitzt auch sie: die Gitarrenspielerin

Gitarrenspielerin nahe Wochenmarkt Wandsbek Quarrée

Gitarrenspielerin …

Cappuccino im Eiscafé Giovanni L (EKZ Wandsbek Quarrée). Treffe dort unvermutet gute Bekannte mit ihrer Chihuahua-Mix Hündin. Hündin und ich sind dicke Freunde.

Meine Hundefreundin ...

Meine Hundefreundin …

Nächstes Ziel ist das Finanzamt. Auf sehr nettem (Um-)Weg erreicht. Vorher beim Schimmelmann-Mausoleum (hinter der Christus-Kirche) vorbeigeschaut. Dort befindet sich ebenfalls der historische Friedhof. Der Dichter Matthias Claudius sowie seine Frau haben hier ihren Platz, und es stehen sogar frische Blumen dort.

Schimmelmann-Mausoleum (Hamburg Wandsbek)

Das Schimmelmann-Mausoleum ist eine klassizistische Grabkapelle für Heinrich Carl Graf von Schimmelmann. Neben aller anderen Verdienste nicht ganz unumstritten der Mann, da er auch mit Sklavenhandel zu tun hatte.

Der historische Friedhof an der Christuskirche (Wandsbek-Markt) mit den Kreuzen von Matthias Claudius und seiner Frau

Historischer Friedhof an der Christuskirche. Frische Blumen für Matthias Claudius …

Danach plötzlich ein Privatkonzert!

Amsel gibt Privatkonzert an der Christuskirche Wandsbek

Privatkonzert von einer nur etwa 2m entfernt sitzenden Amsel …

Pflicht: 3
Finanzamt Wandsbek
Kür:
Nach dem Termin in unmittelbarer Nähe diesen kunstvoll gestalteten Verteilerkasten entdeckt. Ihn ziert das Wandsbeker Schloss, welches leider nicht mehr existiert (es wurde 1861 abgerissen). Ich habe dieses Foto bereits auf Facebook/Twitter gepostet, ergänze es dennoch hier für die zahlreichen Blogleser. Das Motiv wurde von 08SCHULZEDESIGN.de umgesetzt. Mir gefällt es, wenn das Aussehen von relativ unattraktiven Gegenständen so positiv verändert wird und zudem Bezug zur Umgebung hat.

Von 08SCHULZEDESIGN.de  gestalteter Verteilerkasten - Motiv: das frühere Wandsbeker Schloss (wurde bereits 1861 abgerissen)

Verteilerkasten mit Wandsbeker Schloss, links daneben auf dem kleinen Kasten noch eine ergänzende Karte. Gestaltung: 08SCHULZEDESIGN.de

Durch einen Teil des Wandsbeker Gehölzes nach Hause gewandert und dabei neugierig geschaut, was hier im Unterholz momentan blüht oder herumliegt.

Wandsbeker Gehölz im April

Wandsbeker Gehölz im April – es wird langsam aber sicher grün …

Gehölz Wandsbek - April - Scharbockskraut (Feigwurz Ranunculus ficaria)

Scharbockskraut (Feigwurz Ranunculus ficaria)

Gehölz Wandsbek - April - Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Wandsbeker Gehölz - grünliches Dreieck am Stamm  - Wanderweganzeige oder Fällurteil?

Grünliches Dreieck am Stamm – Wanderweganzeige oder Fällurteil?

Gehölz Wandsbek - April - Felsen ...?

Felsen?

Gehölz Wandsbek - April - kein Felsen, sondern die Restborke an einem gefällten Baum

Kein Felsen im Gehölz, sondern die Restborke an einem gefällten Baum

Pflicht: 4
(Hausarbeit, Schreibkram, Ablage erwähne ich nicht extra ;)
Auto wieder von der Werkstatt abholen (+ Einkäufe anschließend)
Kür:
Auch zum Abholen einen kleinen Umweg eingeplant, um wieder ein Stückchen entlang der Wandse zu gehen.

Wandselauf  (Hamburg-Wandsbek)

Wandselauf

Inzwischen ist die Sonne herausgekommen und bestrahlt den Mühlenteich, der morgens noch schlummerte. Die Graugänse ziehen ihre Kreise, die Erpel sind verschwunden.

Mühlenteich Wandsbek: Am sonnigen Nachmittag gehört der Teich den Graugänsen ...

Mühlenteich Wandsbek: Am sonnigen Nachmittag gehört der Teich den Graugänsen …

Graugans am Mühlenteich

Graugans am Mühlenteich

Pflicht: 5
Der Garten ruft. Schreit!
Kür:
Beschlossen, an diesem Restnachmittag nur Kleinigkeiten im Garten zu richten. Trotzdem noch zwei Stunden zufrieden gewerkelt, Sonne genossen, und mehr erledigt als gedacht. Freue mich über meinen ständigen Gast – ein Rotkehlchen, das auf Armlänge entfernt vor mir auf dem Boden sitzt. Emily erzählt viel, ganz zart und nur halblaut. Sie lässt sich auch von meinen Kommentaren (Echt? – Nein!) nicht aus dem Konzept bringen. Entferne ich Laubreste oder alte Staudenteile, hüpft sie noch näher heran, um das frisch freigelegte Erdreich nach Nahrung abzusuchen.

War wieder dabei: Emily, mein zutrauliches Rotkehlchen mit dem Erzähldrang ...

War wieder dabei: Emily, mein zutrauliches Rotkehlchen mit dem Erzähldrang …

Die Sonne verschwindet und kündigt das Ende eines Erledigungstages an …

Für mich bleibt das überaus positive Gefühl, etwas geschafft zu haben, diverse Punkte einer Liste abhaken zu können. Dazu gesellt sich Wohlbehagen, welches durch Bewegung, Sonne, frische Luft, Natur in der Stadt und ihren Sinneschmaus ausgelöst wurde. Keinerlei Stressanzeichen, lediglich angenehm körperlich ermüdet.
Es fehlt hingegen definitiv das bedauernde Gefühl, den Tag weggeworfen oder verplempert zu haben.

Könnten Sie sich mit dieser Art von Erledigungsbewältigung anfreunden? ;)
Heute habe ich versucht, für Sie eine ähnliche Ausgewogenheit hier im Blog zu schaffen. Möglicherweise haben Sie ja Gefallen gefunden an der Mischung aus Artikel lesen und entspannt Fotos anschauen.
Ansonsten wünsche ich Ihnen, dass Sie für sich einen Ihnen genehmen Weg entdecken, notwendige, unliebsame, lästige, manchmal mühsame Tätigkeiten relativ stressfrei zu erledigen.

Denn nur diese sollten erledigt sein – nicht Sie!

©April 2012 by Michèle Legrand

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2 Kommentare

Hamburg. Alster. Kühl! Und doch: Bootsfahrt im November …!

Michèle Legrand auf WordPressDas Boot nähert sich unauffällig der Gruppe.
„So, Freunde, es geht los! Alle einsteigen bitte …“
Der Herr scheint allen Ernstes behaupten zu wollen, eine Fahrt im offenen Boot über
die Alster wäre jetzt im November bei knapp 3° Celsius eine klasse Sache! Die Angesprochenen sehen das offenbar auch anders, und dementsprechend fällt ihre Reaktion aus.
Einer dreht sich weg und schaut in die entgegengesetzte Richtung.
Ein weiterer gibt vor, nichts gehört zu haben.
Ein sehr elegant wirkendes Wesen ergreift geradezu panisch die Flucht.

Der eigentlich harmlos wirkende Kapitän möchte sich damit nicht abfinden und schnappt sich einfach den
ersten Fahrgast! Das Festhalten entpuppt sich als schwierig, denn es wird heftig protestiert und kraftvoll herumgefuchtelt. Nach kurzem Nahkampf landet der Gast in Weiß im Boot und schaut etwas schnippisch und ungnädig zur Seite.
Diese Szene wiederholt sich mehrfach, und sie wird nicht einfacher! Der Bootsführer erhält mittlerweile die Unterstützung der Wasserschutzpolizei. Die unwilligen Mitfahrer werden eingekreist und Richtung Schleuse
am Rathaus getrieben.
Haben sie etwas verbrochen?
Gerade wieder wird ein fauchendes Etwas gegen seinen Willen über die Bordkante gehoben und landet auf dem
mit Stroh ausgelegten Boden des blauen Bootes. Empörtes Getuschel mit dem bereits dort sitzenden Nachbarn.
Geht es um den Komfort?
Zu guter Letzt ist der Bootsrumpf gefüllt mit neugierig umherschauenden Herrschaften in Weiß, die sich jetzt damit abgefunden zu haben scheinen, dass ihnen eine kleine, schon leicht winterliche Alstertour bevorsteht.

Apropos Winter …

Langsam müssten die Schwäne doch wissen, dass es jedes Jahr so abläuft!
Schwanenvater Olaf Nieß sammelt sie immer um diese Zeit ein, um sie zum künstlich eisfrei gehaltenen Mühlenteich in Eppendorf zu bringen, ihrem Winterquartier.  Dort werden sie auch gefüttert.
Geht man davon aus, dass ein Höckerschwan etwa 16-20 Jahre alt werden kann, so dürften einige diese Um-
quartieraktion schon mehrfach mitgemacht haben. Nur weiß ja keiner so ganz genau, wie gut das Gedächtnis eines Schwanes funktioniert …
Ich war einmal zufällig vor Ort, als es hieß: Alle an Bord!
Es wirkt durchaus komisch, wenn einige der Vögel versuchen, noch schnell auszubüxen, es erregt aber auch Mitgefühl. Für die Schwäne, weil die schöne Binnenalster doch so ungern verlassen wird und zudem die Aufregung anfangs groß ist – jedoch auch für Schwanenvater Nieß und sein Team, da sie ziemliches Durchhaltevermögen zeigen müssen! Mit sich wehrenden Schwänen ist sicher nicht zu spaßen! Um diese Zeit verteidigen sie allerdings keine Jungen und mit der Erfahrung, die dem Team vorliegt, hat der Transport  bisher jedes Mal – früher oder später – geklappt.
Es soll sogar den ein oder anderen Schwan geben, der den Weg nach Eppendorf kennt und schon selbst dorthin schwimmt. Mir scheint, sie haben doch ein Gedächtnis … ;)

Heute ist es wieder soweit. Ich las vorhin die kleine Ankündigung in der Zeitung:

  ….. „120 Schwäne machen sich auf ihren Weg ins Winterquartier.“

Und Olaf Nieß wird sich am Ende wieder einmal leicht geschafft den Schweiß von der Stirn wischen …
.
Schwäne auf der Kleinen Alster, Hamburg

Offizielle Bilder  dazu (2011) gibt es hier:

http://www.mopo.de/nachrichten,5067140,11182214.html

©November 2011 by Michèle Legrand

Nachtrag im November 2012:
In diesem Jahr wurden die Schwäne am 20. November wieder in Richtung Winterquartier gefahren. Wer Facebook nutzt, findet bei Malte Klauck auf seiner Seite „Hamburg Fotografiert“ schöne Aufnahmen vom heutigen Tag.  Der folgende Link führt dorthin:

https://www.facebook.com/photo.php?fbid=369434206482247&set=a.287920967966905.67513.287674981324837&type=1&theater

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