Beiträge getaggt mit Luchs

Ungewohnter Anblick: Was macht ihr denn hier?

Nandu

Nandu

Halsbandsittiche – papageienartige Vögel, die krächzen. Außerdem Gelbscheitelamazonen. Mandarinenten. Und Flamingos.
Kängurus, Strauße, Nandus.
Kamele …
Richtig: Wölfe, Luchse, Waschbären, Marderhunde, Biber …
Wer das alles (frei) gesehen hat, muss weit herumgekommen sein. Südamerika, Nordamerika, Afrika, Australien, Asien …

Man könnte es meinen. Doch wo krächzen mittlerweile vertraut die aus Afrika und Südostasien stammenden stargroßen, grünen Sittiche?
In Düsseldorf, Köln und Bonn. Die Parks und Gärten des Rheinlandes wurden in den letzten Jahren zu ihrer Heimat. Beliebt bei der Bevölkerung, kritisch gesehen, wenn das Thema auf andere einheimische Höhlenbrüter wie Fledermäuse und Spechte kommt. Verdrängen die Sittiche die Ur- bzw. Stammbewohner?
Man liest, in den letzten 20 Jahren sind 4.000 Tierarten nach Deutschland eingewandert. Allein neun Vogelarten von der Nilgans über die Zitronenstelze bis zur Weißbartseeschwalbe suchten sich Mecklenburg-Vorpommern als neue Heimat aus.  Insgesamt gesehen, ist vom kleinen Insekt bis zum mittelgroßen Säugetier alles vertreten.

Strauße dort hinten zwischen den Bäumen? Wenn das Areal zu einer Farm gehört vielleicht schon, denn Strauße treffen wir in unserem Land meist auf Farmen an, die vermehrt in den 1990er Jahren entstanden, als auf einmal das Fleisch der Vögel als Steak begehrt wurde. Eine der größten Einrichtungen Europas und wohl die älteste in Deutschland, ist in Rheinland-Pfalz – die Farm Mhou in Rülzheim.
Während man, um diese Vögel bei uns zu sehen, schon eine derartige Farm (oder den Zoo) besuchen muss, laufen einem die kleineren südamerikanischen Verwandten, die Nandus, unter Umständen plötzlich „wild“ über den Weg. 2001 flüchteten sieben weiße Nandus aus einem Privatgehege in Lübeck und schummelten sich nach Westmecklenburg durch. Ihr Glück, dass man sich anfangs nicht so richtig über die Zuständigkeit einigen konnte. Schleswig-Holstein fühlte sich nicht mehr, Mecklenburg vom Prinzip her nicht verantwortlich. Die Tiere fanden die neue, naturbelassene Heimat attraktiv, zeigten sich widerstandsfähig, solange der Frost nicht zu hart war (Jungvögel sind gefährdet), vermehrten sich, und ihre heutige Anzahl freilebender Exemplare beläuft sich auf ca. 100 Vögel. Für Touristen eine nette Attraktion, für Naturschützer eher etwas, was gemischte Gefühle hervorruft. Der Einfluss auf das Ökosystem ist nicht unerheblich.

Es kann auch passieren, dass Sie auf der Landstraße unterwegs sind und plötzlich auf nahe gelegenem Terrain Kamele entdecken. Auch diese Tiere haben sich mit unserem Klima anfreunden können. Sie kamen zwar nicht aus eigenem Antrieb und sind nicht wildlebend bei uns, doch sie arrangierten sich mit den  z. B. auf dem Kamelhof Rotfelden im Nordschwarzwald geschaffenen Bedingungen. Selbst zu einem Kamelrennen auf der Galopprennbahn Hoppegarten in Berlin vor mehr als 40.000 Zuschauern ließen sie sich hinreißen.

Was gibt es noch?
In Nordrhein-Westfalen am Zwillbrocker Venn ist eine Flamingokolonie die Attraktion und ein recht ungewohnter Anblick. Mecklenburg-Strelitz  nennen einige Kängurus ihr Zuhause, die vor einigen Jahren aus einem Tierpark dieser Region entkamen.
Gelegentlich stolpert der Wanderer an Gewässern über Schildkröten. Es heißt zwar, es gibt keine freilebende Rasse in Deutschland, doch werden privat oftmals Tiere draußen im Garten (Freigehege) gehalten, die beim Ausbüxen gute Chancen haben, mit den Bedingungen der Natur zurechtzukommen – zumindest bis zum Frost.

Einem Waschbären kann man begegnen. In Deutschland vermehren sich auch diese eingewanderte Tierart sowie der chinesische Marderhund rasant. Wenn man überlegt, dass in den 1930er Jahren nur zwei Paare von Waschbären ausgesetzt wurden (eines bei Kassel, das andere entkam in Berlin), dann ist es fast nicht vorstellbar, dass heute von der Zahl eine Million ausgegangen werden kann. Im Jagdjahr 2009/2010 wurden 49.785 Tiere von Jägern erlegt.  Es gibt offenbar nur noch zwei Bundesländer, in denen keine leben: in Bremen und dem Saarland.

Auch sehr verbreitet, trotzdem nicht oft zu sehen, ist der Marderhund, ursprünglich aus China. Er vermehrte sich hier besonders nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Viele gefangene Exemplare wurden freigelassen, und da ihm der natürliche Feind fehlt, steht seiner Vermehrung nicht viel im Weg. Allmählich fürchtet man ihn als Bedrohung für Fuchs und Reh bzw. für Bodenbrüter, deren Gelege er ausräumt.
Außer den fremden Zuwanderern, den Exoten, den Eingeschleppten, gibt es noch die Art Tiere, die sich nach langer Zeit wieder hier ansiedelt. Es kann durchaus vorkommen, in der Pfalz, dem Schwarzwald oder dem Harz einem Luchs zu begegnen. Noch wahrscheinlicher ist allerdings das Sichten eines Wolfes. In Deutschland  wird die Ausbreitung von Wolf und Luchs unterstützt und versucht, gefährdete Tierarten wie die Wildkatze vor dem Aussterben zu bewahren. Ihre Zahl geht weiter zurück doch, hier ist der BUND aktiv und versucht, Lebensräume zu erhalten und zu schaffen.
Schön, wenn diese Maßnahmen Erfolg zeigen.

Andererseits errstaunlich, wie ohne Schutzmaßnahmen o. ä.,  nur durch geänderte Klimabedingungen, Unvorsicht (z. B. bei Transporten, Export, Pflanzenausfuhr, etc.), Neugier,  Leichtsinn, Zufall oder was auch immer, die neuen Mitglieder der Gemeinschaft hierher gefunden haben und sesshaft geworden sind. Erstaunlich, wie anpassungsfähig und robust sie sind!
Irgendwann wird es höchstwahrscheinlich auch keine erstaunten Blicke mehr auslösen, wenn der Papagei aus der Birke krächzt oder ein Nandu an Ihnen vorbeirauscht.
Vor einiger Zeit entflog in meiner Nachbarschaft ein Nymphensittich. Vielleicht hat er überlebt – draußen in der „Wildnis„.  Ich werde Ausschau nach Nachkommen halten …

Nachstehend Quellen (soweit sie notwendig waren) und der Hinweis, dass dort mehr Interessantes zu diesem Thema zu finden ist und Fotos zur Verfügung stehen:

http://www.stern.de/wissen/natur/eingewanderte-tierarten-kaengurus-in-mecklenburg-halsbandsittiche-im-rheinland-541269.html

http://www.welt.de/wissenschaft/article13452496/Nicht-jede-eingewanderte-Art-ist-eine-Gefahr.html

http://tiere.t-online.de/wildtiere-waschbaer-und-marderhund-bedrohen-heimische-tierarten-/id_42601224/offset_/index

http://www.mhoufarm.de/

http://de.wikipedia.org/wiki/Kamelhof_Rotfelden

http://www.bund.net/themen_und_projekte/artenschutz/saeugetiere/wildkatze/

www.projekt-waschbaer.de/ergebnisse/

©Januar 2012 by Michèle Legrand

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Schwedenhappen – Teil 5: Skansen und Liebe auf den ersten Blick macht auch blind

Gibt es die Liebe auf den ersten Blick?
Eindeutig!
Und macht sie – wie es ja generell von der Liebe behauptet wird – blind?
Definitiv!
Und weiche ich vom Thema Schweden ab? Überhaupt nicht!
Die Episoden der Schwedenhappen nähern sich hier im Blog langsam dem Ende (ein kleiner Teil 6 steht noch aus). Was bisher vielleicht fehlt, sind mehr Gefühl, Herzklopfen und Schmetterlinge im Bauch. Heute daher das Geständnis: ich habe mich in Schweden verliebt. Jawohl! Aber vielleicht fangen wir doch besser von vorne an…

Sonntag, der Tag, an dem wir vormittags das Vasa-Museum besucht hatten. Es war ziemlich beeindruckend gewesen, hatte mich allerdings auch ein wenig geschafft. Vielleicht bin ich kein Wesen der Dunkelheit und der Muffluft.
Als Ausgleich stand nun etwas besonderes  auf dem Plan. Auf der Insel Djurgården befindet sich etwas, was die Schweden Skansen nennen. Ich erwähnte in einem vorangegangenen Teil dieser Blogserie, dass die Insel übersetzt ‚Tiergarten’ heißt. Nicht nur die Insel selbst, sondern ein Bezirk, der noch bis zum ‚Stockholmer Festland’ weiter nördlich reicht.
Die Insel ist nicht sehr groß. Sie misst ca. vier Kilometer in der Länge und an der breitesten Stelle so um einen Kilometer. Es ist – so empfand ich  es – die grüne Lunge Stockholms, auch wesentlich ruhiger als die Bezirke Ostermalm oder Norrmalm. Selbst die Stockholmer wählen es als Ausflugsziel am Wochenende. Es sind dort zahlreiche Museen angesiedelt, wie z. B. das Nordiska Museet (Nordisches Museum), das Biologiska Museet (Biologisches Museum), das Aquaria Vattenmuseum („Wassermuseum“), das Vasa-Museum etc., und es gibt sogar einen Vergnügungspark Gröna Lund (von dem ich das Kreischen der Achterbahn fahrenden Menschen vernommen hatte…)

Altes schwedisches Wohnhaus

Für uns hieß es jedoch: Skansen. Artur Hazelius gründete bzw. erschuf 1891 auf der Insel eine Art Museumsdorf. Schweden in Miniatur mit traditionellen Gebäuden und Bauernhöfen, die einen Querschnitt durch die Geschichte und verschiedene Baustile zeigen – vom äußersten Norden bis zum Süden des Landes.
Freilichtmuseen gibt es bei uns auch, sie sind unterschiedlich interessant und gelegentlich thematisch und räumlich sehr eng gehalten. Hier ist es anders, freier. Der Unterschied ist, dass typische Bauerngärten um die Farmhäuser angelegt wurden, dass viel Platz für Natur pur dazwischen ist, dass alte Handwerke gezeigt werden, dass Seen angelegt wurden – wenn sie nicht schon natürlich dort an dieser Stelle waren, und – was ich als das Schönste empfinde: es integriert zudem noch etwas sehr Lebendiges!
Ein großer Teil des gut 30 ha großen Gebiets ist für in Skandinavien beheimatete Tiere reserviert. Sowohl Haustiere als auch wild lebende Tiere. Skansen ist im Grunde genommen gleichzeitig Stockholms Zoo. Die Tiere haben einen sehr natürlichen Lebensraum dort, oft – und gerade bei den scheuen oder nachtaktiven Lebewesen – mit der Möglichkeit, sich zurückzuziehen in versteckte Höhlen oder höher wachsendes Unterholz.

Hallo…

Eule am Tag

Ich finde es immer merkwürdig, wenn jemand auf sein Recht pocht, alle Tierarten zu sehen, weil er ja schließlich bezahlt hat. Es sind Lebewesen mit eigenen Rechten und Gewohnheiten, keine Roboter oder Marionetten! Ich würde mir oft mehr Respekt wünschen …

Vielfraß

Dieses Gelände mit Luchsen, Bären, Seelöwen, Ottern, Wildschweinen, Füchsen, Eulen und Uhus, Rentieren, aber auch mit Ziegen, Pferden und kleinem Hausgetier, wollte ich gerne erleben. So standen wir vor dem Haupteingangsportal und sahen einen Übersichtsplan der Anlage im Schaukasten.
Meinem Mann entrutschte ein: „Oh, das ist aber ziemlich groß!“
Seine Art zu sagen: „Himmel, da muss ich aber wieder ganz schön durch die Gegend stiefeln! Größer geht’s wohl nicht.“
Ich frage vorsichtshalber nach.
„Hast du doch keine Lust dazu?“ Lieber vorher klären, als sich später ärgern.
„Doch, doch…“ Die Antwort kommt mäßig begeistert.
„Es gibt sicher auch Sitzbänke dort“, beruhige ich ihn, „und schau, hier gibt es auch mehrere Stellen, wo Besteck und Kaffeetasse eingezeichnet sind.“
Der Gatte schluckt tapfer. Ich sehe, weiteres Entgegenkommen ist ratsam.
„Ich muss nicht überall hin. Wenn es uns zu weit wird, können wir auch hier (ich zeige auf einen Weg auf der Karte) quer abkürzen. Nur die Tiere, die würde ich schon sehr gern alle besuchen.“ Die Gehege erstrecken sich ungünstigerweise ganz bis an das andere Ende von Skansen.
„Na, nun lass uns schon gehen…“, meint der Herr und strömt Richtung Eingang.
Wir lösen Tickets und starten. Einmal drinnen, geht es erstaunlich gut. Auch meinem Mann scheint es auf einmal zu behagen. Die Wanderei auf Wald- und Schotterwegen ist oft wesentlich angenehmer, als die auf Betonplattenwegen in der Stadt.

Soldatenhaus (jeder Bauer musste einem Soldaten Platz auf seinem Grund geben)

Die Zeit mit einer Entdeckung nach der anderen, verging wie im Flug. Inzwischen hatten wir fast den äußersten Zipfel der Anlage erreicht. Eine weitere Abzweigung war erreicht. Selbstverständlich war die Wegbiegung in der kleinen Mappe eingezeichnet.
„Rechts oder links?“ Mein Gatte hebt fragend den Blick von der Karte.
Nicht, weil er sich etwa verirrt hatte, oh nein, er ist hier mein Meister im Karten lesen und Orte finden. Ich bin mehr die, die nach der Nase geht – notgedrungen, denn ich sehe Pläne irgendwie  immer anders als ihr Zeichner. Es bringt mir einfach nicht so viel. Ein Stadtplan ist mir durchaus eine Hilfe, denn dort kann ich nach den Straßennamen gehen und ggf. die Richtung korrigieren. Bei Wanderkarten oder dergleichen gibt es das nicht, und leider interpretiere ich vieles anders.
Ach, es soll von der anderen Seite aus gesehen werden? Auf dem Kopf? Das muss mir doch gesagt werden. Der Weg ist superschmal,  und dann werden hier fast Hauptstraßen eingezeichnet. Das muss doch verwirren!
Es macht mir einfach keinen Spaß, wenn ich auf Entdeckungstour bin oder im Urlaub. In der Zeit, in der ich dauernd stehen bleibe und die Karte kontrolliere, könnte ich stattdessen schon so viel neues Tolles entdecken! Wie oft laufen die Menschen an etwas vorbei, weil sie nach unten gucken und sich stur an den öden Plan halten. Wenn der linke Weg gerade das schönere Licht hat oder ein Gingkobaum dort wächst, dann nehme ich den. So ist das eben.
Heute nun der Luxus des Services durch einen Kartenkundigen. Um nun wieder auf seine Frage rechts oder links zurückzukommen: Sie zielte mehr darauf hinaus zu erfahren, was ich nun erkunden wollte. Und das konnte ich genau sagen.
„Dorthin, wo die Elche sind“, lautete meine Antwort. Ich finde Elche klasse.
„Dann müssen wir nach links.“
Ein kleines Stück auf dem Sand-/Schotterboden war noch nötig, und auf einmal war sie da.

Elch mit Charakterkopf

Es war Liebe auf den ersten Blick. In meiner Begeisterung habe ich zwei Tage lang gedacht, ich hätte einen neuen Freund, und da ich Freunde gerne namentlich anspreche, taufte ich ihn Arne Lindquist.
Die Liebe machte blind! Komplett! Und dusselig dazu …
Erst nach Tagen überlegte ich genauer, befragte das Internet und begutachtete Bilder. Tut mir leid, ich muss mich korrigieren. Ich Ignorant hatte im Kopf nur das Wort „der Elch“ und schon war „er“ Arne.
Meine neue Bekanntschaft hat jedoch kein Geweih und die Nachforschungen ergaben, dass Elchhirsche zwar im Januar/Februar ihre Schaufelgeweihe abwerfen, aber bis zur Brunft im Herbst wieder komplett neu „bestückt“ sind. Wir haben Herbst! Kein Geweih, nicht mal der Ansatz eines winzigen Stöpselchens, das nach oben herausschaut!
Demnach ist er eine Elchkuh!
Entschuldigung, ich schiebe es auf die Glücks-/Liebeshormorme. Sorry, Fräulein Smilla! Ja, nun ist sie Smilla Bergström. Es ist ja nicht so, dass uns der Name aus der Ruhe bringen könnte …
Smilla – sie ist eine beeindruckende Elchkuh, von angenehmem, bedächtigem Wesen, und sie hat einen zauberhaften Charakterkopf. Sie beobachtete mich, und ihre Bewegungen geschahen in Zeitlupe. Kaum vorstellbar, dass diese Tiere ein enormes Tempo entwickeln können und auch durchaus Menschen angreifen.  Sie stand jetzt auf ihren hohen, dünnen Beinen am Gatter. Ihre dunklen Augen waren wunderhübsch. Sie sagte allerdings keinen Ton. (Was soll sie auch sagen …) Nachdem sie uns für harmlos erachtet hatte, legte sie sich hin. Neben ihr ließen sich noch zwei weitere Elche nieder. Ich lasse es neutral. Es waren jüngere Tiere,  und ich habe keine Ahnung,  ob es nun Bosse und Nils-Olof oder Björk und Dörte waren…
Ich blieb eine Weile dort, und sie ließ sich willig fotografieren. Als ich gerade gehen wollte, entrückte ihrer Kehle ein kleiner Laut. Eine Mischung aus eselähnlichem Geräusch und menschlichem Gestöhne. Vielleicht war es auf elchisch Auf Wiedersehen.
Ach, Smilla, du bist eine Superkuh!
Wenigstens habe ich dich als Bild, wenn mich die Sehnsucht packt.
Es gab noch viele tolle Bewohner. Eine Luchsmama mit ihren drei Jungen, die durch das Unterholz streiften.

Luchsmutter mit zwei von drei Jungen

müde Braunbären

Schlafende Bären, die zu fünft aneinandergekuschelt dalagen, und die nichts stören konnte. Otter, die sich einen Spaß daraus machten, an den unmöglichsten Stellen plötzlich wieder aufzutauchen.
Seelöwen, die gerade eine Fütterung bekamen und gierig nach den ins Wasser geworfenen Heringen jagten. Frischlinge, die sich um ihre Wildschweinmama drängelten, Pfaue und Fasane die beide majestätisch über die Wege schritten oder ihren Nachwuchs

Beute gemacht

antrieben.

Wir kehrten schließlich noch zum Kaffeetrinken ein und schauten uns in einem nachgestellten alten Eisenwarenladen um. Eine schöne alte Registrierkasse mit Kurbel stand auf dem Tresen.
Schränke mit zahlreichen Schubladen, ordentlich an der Wand an Haken befestigte Geräte für den Verkauf.

Eisenwarenladen dazumal

Ein Herr, der alte Gewänder trug, mimte den Verkäufer. Wie es früher oft üblich war, hatten die Ladenbesitzer ihre Wohnräume direkt hinter dem Geschäft. Man konnte auch hier Einblick nehmen, sah das Mobiliar, staunte über die niedrigen Decken und über den gusseisernen Herd in der Küche. Eine junge Familie mit Kind war auch gerade da. Skansen verkleidet seine Angestellten, zumindest einige,  und platziert sie mitten in die Szene. Hier hatte man eine junge Dame in alter Tracht im Wohnzimmer auf das Sofa gesetzt. Stickend.
Der kleine Junge hatte offensichtlich vorher von seinem Vater erklärt bekommen, dass hier alles ganz betagt und bejahrt ist. Eben von früher. Nun entdeckte er das lebendige Inventar der Wohnung und sein entrüsteter Kommentar Richtung Papa war: „Die sieht doch aber noch gar nicht so alt aus…!“
Es war höchst amüsant, den errötenden Papa und die grinsende Skansen-Bewohnerin zu beobachten.

Gasse mit Handwerksbetrieben und altem Fuhrwerk

Nach weiteren Besuchen in der alten Glasbläserei, im Kräutergarten, etc. hatten wir unseren Rundgang vollendet und sahen vom Hügel noch einmal Richtung Wasser und Stockholms Hafen. Eben kam ein Segelschiff hinein. Grün. Die Alexander von Humboldt, das Schiff, das fast jeder aus der Beck’s Bier Werbung kennt (das mit den ebenfalls grünen Segeln).

Alexander von Humboldt (im Vordergrund „Gröna Lund“)

Krönender Abschluss für meinen Mann, der Skansen ziemlich gut und klaglos überstanden hat. Die Lauferei, meine ich. Sie  bräuchten eigentlich nur alle 300 Meter eine Lokomotive bzw. Waggons oder ein Schiff hinzustellen, dann wäre für ihn die Welt in Ordnung. Allerdings glaube ich, nach dem fünften Schiff kämen mir die Wege urlang vor….

Ursprünglich norwegisches Haus (aus der Zeit, als Norwegen und Schweden zusammengehörten)

Für heute endet der Bericht. Im letzten Teil geht es um kleine Blamagen und einen Irrtum, der mich trotzdem mit Hinblick auf die Frage nach der Herkunft meines Großvaters auf seine Art etwas weiter brachte…

©September 2011 by Michèle Legrand

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