Beiträge getaggt mit Lenz

Kraftmeier Winter bremst Lenz aus – Dazu: Bizarre Kunst in der ersten Märzsonne

Nun, wie sieht es aus? Haben Sie schon eingebunkert?
Sie wissen, der Winter kehrt zurück!
Dieser Frühling killende Kerl, der Ihnen unbarmherzig seinen eiskalten Atem in den Nacken haucht! Dieser Klammeraffe, welcher partout nicht gehen will und der den uns so sympathischen Lenz rüde zurückstößt. Los, weg da, ich schick dir sonst Wehen, du … Schneewehen!
Passen Sie jetzt mit Ihren Hormonen auf! Drosseln Sie sie bloß wieder nach diesen Sonnentagen! Gewohnt eigenmächtig wie sie sind, bringen sie Sie sonst während des kommenden Frosts gehörig in die Bredouille.
Andererseits sind Sie momentan gerade etwas sicherer vor Frühjahrsmüdigkeit und weiterem, umfangreichem Pollenflug. Das Kopfhaut-Sonnenbrandrisiko  der Cabrio-Fahrer sinkt markant. Luftigere Kleidung wird weiterhin geschont. Sie hält erfreulich lang, genau wie Ihre Sandalen.
Sie vermissen das Klappern feiner Absätze?
Keine Bange, Sie gleichen das bald wieder mit dem Klappern Ihrer Zähne aus …
Sie sehen, man muss sich nur ein ganz klein bisschen Mühe geben und schon lässt sich diese anhängliche Winterplage schönreden.

Es ist nett, Sie wieder hier anzutreffen. Ich wollte mich nicht in Ihre schönen, sonnigen Tage mischen. In dieser Zeit gibt es von allein genug Positives, was Sie gutgelaunt stimmt, und das Bloglesen erscheint insofern auf Ihrer Prioritätenliste naturgemäß relativ weit hinten. Sie haben ja völlig recht, denn wie wir wieder gesehen haben, muss alles gleich genutzt werden, sonst ist es vorbei.

Ich habe an besagten Tagen nebenher im Garten gewerkelt. Nur es fiel mir trotz Sonnenschein – und ohne Kenntnis von der tatsächlichen Wetterprognose zu haben –  auf, dass der Zeitpunkt des Frühlingsbeginns noch nicht gekommen ist.
Erinnern Sie sich noch an einen Blogpost von vor exakt zwei Jahren? Dort hatte ich Ihnen von einem untrüglichen Zeichen erzählt. Das definitive Anzeichen für den Frühlingsbeginn! Ein Beginn, der sich noch nie am Kalender orientierte.
Das Erdreich hat irgendwann einen ganz eigenen, typischen Geruch. Erst ab einem bestimmten Zeitpunkt riecht es so, und erst wenn Ihnen dieser Duft in die Nase steigt, ist es soweit!
->  https://michelelegrand.wordpress.com/2011/03/08/duftende-erde/
Dennoch gibt es selbstverständlich frühzeitig blühende Pflanzen, die alles bereits vorher freundlicher, farbenfroher erscheinen lassen und unser aller Vorfreude auf Kommendes wecken. Es sind jedoch Winterblüher! Wir nehmen Sie gern als Lustmacher auf den Frühling, aber sie sind im Grunde keine Frühlingsboten, geschweige denn -garanten. Für sie ist nicht Voraussetzung, dass es mild, warm und sonnig ist.

Schneeglöckchen im Moos

Schneeglöckchen im Moos

Schneeheide, weiß (Erica carnea)

Schneeheide, weiß (Erica carnea)

März - Winterlinge ...

März – Winterlinge …

März - Krokus

März – Krokus

März - Märzenbecher

März – Märzenbecher

März - Farbtupfer und Nahrung in der kalten Zeit: die Beeren Efeupflanze

März – Farbtupfer und Nahrung in der kalten Zeit: die Beeren der Efeupflanze

Schneeheide (Erica carnea)

Schneeheide (Erica carnea)

Wiese mit Frühjahrszwiebelpflanzen - Die Sonne hat sich verzogen, die Blütenkelche schließen sich.

März – Wiese mit Frühjahrszwiebelpflanzen – Die Sonne hat sich verzogen, die Blütenkelche schließen sich.

Meinen früheren Posts haben Sie vielleicht auch entnommen, dass ich die weitaus meisten Stauden, alle Gräser und sonstiges Abgeblühtes, im Herbst stehen lasse. Um mich nicht zu sehr zu wiederholen, betone ich den Aspekt des natürlichen Gärtnerns und nenne nur kurz die Schlagworte Versorgung von Insekten und Vögeln, Quartierbeschaffung für allerlei Gartenbewohner und Winterschutz der Pflanzen.
Es gibt noch einen weiteren Punkt:
Viele Menschen, die keinen eigenen Garten haben, kennen Pflanzen nur in einem einzigen Stadium: dem der Blüte. So, wie sie sie im Blumengeschäft sehen oder im gebundenen Strauß erhalten.  Gelegentlich werden Sie  hinsichtlich der Farbe in die Irre geleitet, denn einige Blumen werden über die Versorgung mit eingefärbtem Wasser künstlich umgestylt. Weiße Blüten von Bellis, Nelken, Chrysanthemen oder auch Gänseblümchen verfärben sich auf diese Art z. B. blau.
Ein weiterhin beachtlicher Teil der Menschen, die zwar über einen Garten verfügen, kennen die Pflanzen jedoch hauptsächlich vom Zeitpunkt des Austriebs bis zum Verwelken im Herbst. Typische (einjährige) Sommerblumen sterben danach bei Frost komplett ab und werden daher meist vor dem Winter herausgerissen, (mehrjährige) Stauden sehr oft bis zum Boden zurückgeschnitten.
Herbstputz im Garten …
Genau das ist ein Punkt (abgesehen von den anderen oben genannten), den viele derart agierende Gartenbesitzer überdenken sollten.
Wenn Sie so verfahren, können Sie in der trostlosen Winterzeit immer nur über die unendlichen Weiten Ihrer Stoppelfelder schauen!
Sie kommen nie in den Genuss zu entdecken, wie schön Blütenstände im Winter aussehen können. Wenn Gräser oder die eingetrockneten Blüten der Fetthenne (Sedum telephium) aus dem Schnee ragen. Wenn Raureif an dem vertrockneten Blütendach der hoch aufragenden Schafgarbe (Achillea millefolium) haftet, wenn sich Frost auf den braunen, schlaffen Blättern des Frauenmantels (Alchemilla mollis) absetzt oder sich im Moos verfängt.

Moos an einem frostigen Tag

Moos an einem frostigen Tag

Schafgarben mit Schneemützen ...

Schafgarben mit Schneemützen …

Wenn die trockenen, leicht knisternden Blütenbüschel der Bauernhortensie (Hydrangea macrophylla) jeder Schneehaube standhalten und ihre einzelnen Blütenblätter mit den Monaten immer filigraner werden.

März - Hortensienblüte vom Vorjahr ...

März – Hortensienblüte vom Vorjahr …

März - Bauernhortensie, verblüht und immer durchscheinender werdend ...

März – Bauernhortensie, verblüht und immer durchscheinender werdend …

Sie wüssten gar nicht, wie zart im Vergleich dazu die „Reste“ einer Kletterhortensie (Hydrangea petiolaris) wirken. Ihre Blüte im Frühjahr ist tellerartig, lockerer aufgebaut als die kompakte Bauerhortensie, die oft regelrechte Blütenbälle formt. Sie sehen hier keinerlei Restblütenblätter, jedoch die verbliebenen, zart verästelten Blütenstände.

März - ... auch verblüht aus der Nähe irgendwie anrührend und schön: die Vorjahresreste der Blütenstände der Kletterhortensie

März – … auch verblüht aus der Nähe irgendwie anrührend und schön: die Vorjahresreste der Blütenstände der Kletterhortensie

Und Sie würden nicht ahnen, welche Kunstwerke entstehen, wenn Sie die langen Stängel des Mohns (Papaver orientale, Türk. Mohn) mitsamt der Samenkapsel im Winter der Natur überlassen und nicht vorher entsorgen.
Vielleicht haben sie die Kapsel relativ kurz nach der Blüte schon  selbst einmal  gesehen. Sehr kompakt, stabil, von einer dicken Haut umgeben, noch gut mit Flüssigkeit versorgt und relativ schwer!

Samenkapsel des Papaver  orientale (Türkischer Mohn) kurz nach der Blüte

Samenkapsel des Papaver orientale (Türkischer Mohn) kurz nach der Blüte

Aber kennen Sie auch diese Variante, die ich, damit Sie sie besser sehen können und nicht meine haltenden Finger dazwischen sind, gegen den Stamm einer kleinen Haselnuss gelehnt habe?

März - Mohnkapseln vom Vorjahr

März – Mohnkapseln vom Vorjahr

März - Mohnkapseln vom Vorjahr (an eine kleine Haselnuss angelehnt)

März – Mohnkapseln vom Vorjahr (an eine kleine Haselnuss angelehnt)

Sind Sie auch so angetan oder überwältigt von dieser Zartheit, diesem feinen Lochmuster und dem Spiel von Licht und Schatten? Überhaupt der Konstruktion der Kapsel sowie ihrer kunstvollen Zersetzung?
Ich dachte mir, das teile ich mit Ihnen. Wenn es Sie nicht so umhaut, ist das auch nicht tragisch. ^^
Dazu farblich passend – und im unbelaubten Zustand ebenfalls ein wenig bizarr wirkend – das Astgewirr der Korkenzieher-Haselnuss.

Wie ein leicht durcheinander geratenes Wollknäuel:  Korkenzieher-Haselnuss, noch unbelaubt

Wie ein leicht durcheinander geratenes Wollknäuel: Korkenzieher-Haselnuss, noch unbelaubt

Sonnenschein. Milde Tage.
Die Folge: Nun treiben die ersten Gehölze aus, die Stauden, sogar die Rosen!
Und was passiert?
Wolfgang kommt mit klirrender Kälte.
Ja, nicht der schon wieder!
Das! Das Tief Wolfgang beschert knackigen Frost! Mit neuem Schnee, Glätte und dem ganzen mittlerweile zutiefst verachteten Trara.
Ich hatte mir vorgenommen, Ihnen beim Einsetzen der Wetteränderung mit diesem neuen Blogpost aufbauend  näherzutreten, wenn Sie – noch sonnenverlangend, aber nicht bekommend –  murrend, erneut frierend  und mit anklagender Miene ins Haus zurückkehren – samt einer Laune, die sich zügig dem Tiefpunkt nähert.
Das könnte demnächst zutreffen!
Falls das nämlich hier schon Eis ist und nicht irgendjemand lediglich Klarsichtfolie gespannt hat …

März - Doch wieder Frost. Oder hat jemand Klarsichtfolie darüber gespannt ...?

März – Doch wieder Frost. Oder hat jemand Klarsichtfolie darüber gespannt …?

Im Norden ging die Temperatur bereits merklich zurück, leichter Graupel setzte ein. Hier ist die weitere Vorhersage deprimierend, da extrem winterlich. Unwirtliche Zustände drohen.
Sie im Süden des Landes bleiben vorerst noch verschont, also wenn Sie wollen, heben Sie sich den Blogpost auf, bis auch Sie eingeschneit sind!

Das ist letztendlich Ihre Entscheidung …

Ach, … machen Sie doch was Sie wollen!

(Achtung! Hinweis:  Nehmen Sie mich nicht zu ernst! ^^
Doch, Moment! … Dass wir uns jetzt nicht missverstehen! Bei den Fachthemen natürlich schon!)

Schönes Wochenende!

©März 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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Duftende Erde … (woran Sie den Frühling erkennen)

Märzenbecher (Leucojum vernum)

Märzenbecher (Leucojum vernum)

Am vergangenen Wochenende war ich einige Stunden im Garten am werkeln und kann jetzt definitiv verkünden:
Es wird Frühling!
Die offensichtlichen Zeichen kennt, sieht und fühlt jeder! Es gibt längere Tage, blühende Winterlinge, Schneeglöckchen, Krokusse, Märzenbecher sowie Zaubernuss, morgens ab ca. 4.30 Uhr zwitschernde Vögel und die ersten sonnigen Tage mit leicht steigenden Temperaturen.
Das alles leitet uns jedoch nicht selten in die Irre.  Manchmal ist es nur ein kurzes Intermezzo.
Sobald es wieder kälter wird, hören die Vögel mit ihrem Tirili  sofort wieder auf, die Knospen der Blumen bleiben verschlossen, alles gerät ins Stocken, und der verkühlte Cabrio-Fahrer verschließt nun leicht schniefend wieder sein Autodach.
Fehlalarm!
Frühling in Raten? Frühling mit Anlauf?
Es könnte fast so sein.
Es gibt allerdings zusätzliche , untrügliche Anzeichen und wenn diese vorhanden sind, dann ist der Lenz tatsächlich nicht mehr zu bremsen.
Marienkäfer sind definitiv ein solcher Frühlings-Marker, Ameisen, die langsam wieder aus ihren metertiefen Winternestern auftauchen. Die ersten Schnecken, die  – woher auch immer – bei feuchter Witterung unter neu austreibenden Pflanzen zu finden sind.  Sie entdecken, dass die Blattknospen des Ahorns und der Haselnuss innerhalb kürzester Zeit den dreifachen Umfang haben,  dass Kätzchen plötzlich plusteriger und farbintensiver werden und dass Vögel eifrig Material für den Nestbau zupfen. Zum Beispiel Moos.
Haben Sie schon einmal nach dem Winter auf ein dickes Moospolster geklopft?
Nein?
Tun Sie es! Es staubt gewaltig!
Falls Sie Kinder haben, empfehle ich Ihnen Folgendes: Nehmen Sie Playmobil-Männchen mit nach draußen, lassen Sie diese auf dem Moos Trampolin springen und sehen Sie daraufhin die erstaunten Gesichter Ihres Nachwuchses, wenn die Männekes durch die Staubwolken enorme Hustenanfälle bekommen (dafür Sind sie mit zuständig !^^). Das Thema Staub in der Wohnung wird von da an mit ganz anderen Augen gesehen …

Ich habe diesmal nicht Moos geklopft, aber aufgeräumt im Garten,  was bei mir im Frühjahr mehr Arbeit bedeutet, als bei Menschen, die ihren Garten im Herbst ‚klar’ machen. Klar heißt in dem Fall, es wird alles ratzekahl heruntergeschnitten (Stauden, Büsche, Gräser), jedes Blatt wird aufgesammelt oder mittels Laubbläser/-sauger entfernt.
Alles ist wie geleckt …
Schön.
Bei mir nicht.
Es handelt sich nicht um Faulheit, sondern liegt darin begründet, dass es für mich keinen Sinn macht. Die Natur sieht das nicht vor! Was frei wächst, bleibt im Herbst mit seinen Fruchtständen erhalten, dient als Nahrung für Insekten und anderes Getier, bietet zudem Schutz (Winterunterkunft für manchen Gartenbewohner) und Isolation gegen Kälteeinflüsse. Es beschattet andere Pflanzen (Immergrüne), die an eiskalten, trockenen Tagen sonst extrem unter dem Sonneneinfluss leiden würden.
In der Natur erscheint auch keiner, um das Laub unter den Bäumen wegzuharken! Es hat die gleiche Funktionen, die ich eben schon beschrieb. Zudem vermodert die Laubschicht  bereits zu einem Teil über den Winter und liefert damit neuen Humus für den Boden.
Einige Gartenbesitzer werden jetzt aufschreien und rufen : Ja, aber der Rasen!
Sehr gut aufgepasst! Das ist aber auch das Einzige, was abgeharkt werden sollte.

Schluss mit den Belehrungen – Sie sind schließlich selber groß und mündig! Es geht hingegen noch einmal um die Erde. Wer im März bei sichtbarem Austrieb der Pflanzen beginnt, die Reste vom Vorjahr zu entfernen und dabei zufällig  in der Erde herumrührt, stößt auf ein – für mich – fantastisches Phänomen:
Der durch und unter bzw. mittels Winterschutz (sprich Laub, Pflanzenreste) entstandene humusreiche Boden duftet!
Ein Wahnsinnsgeruch!
Er duftet besser als jedes Parfum! Und dieser ganz bestimmte Duft, den die Erde nur zu dieser Zeit hat, der ist das sicherste Zeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Frühling, das es überhaupt gibt.

Testschnuppern Sie doch bitte, seien Sie so gut … ;)

 Helfer im Garten am 06.03.2011

Rotkehlchen im Garten auf Rankobelisk

Rotkehlchen „Emily“ macht es sich auf dem Rankobelisken bequem …

Amsel zu Besuch am Futternapf, Anfang März 2011

Amsel zu Besuch auf Futternapf

©März 2011 by Michèle Legrand


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