Beiträge getaggt mit Lächeln

Torben und Lisa

Michèle Legrand - Michèle. Gedanken(sprünge) - April 2013Stielaugen, Aufregung, Rotwerden … alles war dabei.
Ich möchte Ihnen heute von einer Szene erzählen, bei der ein männliches und ein weibliches Wesen das erste Mal und obendrein offenbar ungeplant aufeinandertrafen.
Und eine gewisse … Anziehung da war.
Kennen Sie, oder?
Wahrscheinlich haben Sie es auch schon einmal mitbekommen.
Ich habe es nach meinen Wochenend-Besorgungen im EKZ erlebt, als ich dort einen Kaffee in Eiscafé trank.

Zwei Tische weiter saß Torben (den ich der Einfachheit halber  hier so nenne). Torben hatte übrigens bereits eine ihm sehr zugewandte weibliche Begleitung dabei. Sie trank Latte Macchiato, er stocherte in einem Glaskelch, der vor ihm stand. Besser gesagt, er rührte in den Resten der Eiscreme, die bereits zu Soße geschmolzen war.
Seine Begleiterin war attraktiv, aber älter als er, reifer. Er schien sich nach dem zu richten, was sie ihm sagte, hielt sich zumindest meist an ihre Anweisungen. Viel zu Wort kam er nicht, doch es wirkte, als würde es ihn nicht besonders stören. Vielleicht war er sowieso nicht der Redseligste.

Auf einmal erklang von der Rolltreppe her ein glockenhelles Lachen. Ein lebhaftes weibliches Wesen, jung, blond, wirklich nett anzuschauen, steuerte das Eiscafé an. Sie in Begleitung eines ihr hinterher eilenden, beladenen Herrn.
Die entzückende Lisa (so heißt sie der Einfachheit halber) kümmerte sich herzlich wenig um den abgehängten Hünen. Sie hatte ganz offenbar Eisgelüste, und auf der Suche nach einem Sitzplatz,  schweifte Ihr Blick über die Tische, Sitzbänke und Stühle, bis er plötzlich an Torben hängenblieb.
Sie stoppte abrupt.
Schaute ihn an. Anfangs beinahe verblüfft, den Mund leicht geöffnet.
Einen Moment später musterte sie ihn intensiv und zeigte dabei ganz unverhohlen ihr Interesse.
Störte sich nicht im Geringsten an seiner Begleitung …

Er hatte sie ebenfalls bemerkt. Auch ihm fiel es schwer, sich wieder von ihr loszureißen. Torben wurde zudem zunehmend unruhig. Irgendwann schaute er prüfend auf seine Begleitperson und entschied, es darauf ankommen zu lassen.
Er lehnte sich weit vor und fixierte mit seinen immens blauen Augen ungeniert Lisas Gesicht, ihre Haare …
Sie beobachtete ihn mit ihren wachen Augen.
Beide schienen  nichts anderes mehr wahrzunehmen …

Nach geraumer Zeit des verzückt Anstarrens, lächelte sie leicht und begann mit dem Finger in eine ihrer goldenen Haarsträhnen Locken zu zwirbeln.
Es musste ihn wuschig gemacht haben, denn er errötete leicht. Offenbar hatte Torben sich auch verschluckt, denn es folgte ein kurzer, unvermuteter Hustenanfall. Das Rot der Gesichtshaut wurde intensiver.
Der Anfall war bald vorbei, doch fehlten ihm die Worte, weshalb er zur Ablenkung sein Hosenbein zurechtzupfte. Er zog es ein doch beachtliches Stück höher, woraufhin sein Faible für modische Outfits sichtbar wurde. Er trug farbenfrohe, gestreifte Strümpfe.
Sie beobachtete es fasziniert.
Sah ihn unverwandt an.
Lächelte ausgiebig. Steigerte das Lächeln noch in seiner Intensität!
Reagierte überhaupt nicht auf die Zurufe ihres Begleiters.
Mein Gott, sie strahlte ihn an!
Torben konnte es kaum fassen!
Sie meinte ihn!
Erneut beugte er sich so weit vor, wie es nur ging und fegte dabei beinahe sein Kelchglas vom Tisch.
Es war willenlos!
Er konnte seine Beine nicht mehr ruhig halten! Er hatte seine Arme nicht mehr unter Kontrolle!  Sie ruderten wild umher, die Frau an seiner Seite musste etwas in Deckung gehen.

Die aparte Lisa war inzwischen direkt am Tisch angekommen, stand unmittelbar neben ihm. Mittlerweile schien sie sein weit hochgezogenes Hosenbein zu irritieren. Vielleicht war sie auch kein Freund von kräftigen Farben und Ringelmustern.
Also zog sie es wieder herunter.
Er beobachtete sie dabei und ließ es geschehen.
Danach piekste sie ihn mit ihrem Zeigefinger ein wenig in seinen Oberschenkel.
Torben stutzte leicht. Er schien zu überlegen.
Plötzlich griff er zu und zog sie recht entschlossen an den Haaren etwas dichter zu sich heran.
„Torben, lass das! Du darfst das Mädchen nicht an den Haaren ziehen! Das tut ihr weh!
„Da-da-hadda, habba …?“
„Nein!“
Die aufgeregte Stimme seiner Begleitung duldete keine Diskussion. Mama hatte nein gesagt!
Die ganze Zeit hatte sie Torben auf dem Schoß gehalten, was einem kleinen Nahkampf nicht unähnlich gewesen war. Sie hatte einen Absturz vermeiden können, ebenso Glasbruch, aber nun wurden ihr die Zappelei ihres Sprösslings und sein glutvolles Begehren doch zu viel. Bezahlt hatten sie schon. Sie rüstete sich zum Aufbruch, stülpte ihm kurzerhand die Wollmütze über und griff entschlossen nach seinem bunten Anorak …

Die Gegenseite war auch der Ansicht, genug Kennenlernzeit gewährt zu haben. Der Hüne rief:
„Lisa, komm jetzt weiter, der kleine Junge geht gleich mit seiner Mutter nach Hause. Und wir wollen Eis bestellen!“
Ein letzter Blick von Torben zu Lisa.
Ein letztes Lächeln von Lisa.
Pieksen und an den Haaren ziehen waren vergeben und vergessen.
Trotz allem ging es nun um das Setzen von Prioritäten. Für Lisa hieß das mit Papa Eis aussuchen, für Torben mit Mama Rolltreppe fahren.

Vielleicht treffen Sie wieder einmal aufeinander.
Bald oder … Nehmen wir einmal an, sie träfen sich in 15-20 Jahren!
Wie es dann wohl ablaufen würde?

Anstarren, lächeln, rot werden, Haare zwirbeln, Hustenanfall?
Klingt realistisch. Es wird wohl gar nicht so viel anders.
Die Bewegungen wären weniger stürmisch.
Es würde ohne Eltern ablaufen.
Und sonst?

Das Eis wird irgendwann völlig uninteressant und auch die Rolltreppe verliert jegliche Attraktivität …
Sage ich.
Aus Erfahrung.
Kennen Sie auch, oder? ^^

©April 2013 by Michèle Legrand
Herzen

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