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SASHA in Hamburg – Ausverkauftes Konzert im Mojo Club!

SASHA im MOJO CLUBSankt Pauli, Donnerstag, 18. Juni 2015,  19.20 Uhr …
Menschen in einer langen Warteschlange am Beginn der Reeperbahn, das kann an diesem Tag nur eines bedeuten: Andrang vor Einlass anlässlich des Sasha-Konzerts im Mojo Club! Jenem unterirdisch angelegten Club, der 2013 unterhalb der Tanzenden Türme wiedereröffnet wurde. Ein Rondell. Ein sparsam ausgestatteter, höherer, runder, mit dunklen Hölzern ausgekleideter Raum, der über eine gute Akustik verfügt und nicht nur die Fläche unten direkt vor der Bühne bietet, sondern weiteren Raum auf einer sich darüber befindlichen umlaufenden Galerie.

Die Station Hamburg stand nach München, Köln, Dortmund, Frankfurt sowie Berlin als letztes auf dem Terminplan der Sasha-Clubtour 2015. Diese Art von Heimspiel hatte sich der aus Soest stammende Wahlhamburger für den Schluss aufgehoben. Die ca. 800 Tickets, die für dieses Konzert zur Verfügung standen, waren übrigens von allen Veranstaltungsorten am schnellstens vergriffen. Im Nu hieß es:
Mojo Club? Ausverkauft!
Am vergangenen Donnerstag erschien Sasha mit den Songs seines im Dezember 2014 erschienenen Albums „The One“ im Gepäck und sorgte zusammen mit seinen fünf exzellenten Musikern sowie Gastsängerin Lynne für einen äußerst gelungenen Abend mit sehr abwechslungsreichem Programm.

(Kurze Anmerkung vorweg: Persönlicher Konzertbericht, keine reine Konzertkritik!)

Die Idee, rechtzeitig vor Einlass um 19.30 Uhr vor Ort zu sein, schienen offenbar sämtliche Gäste des Konzerts zu haben. Die rasant länger werdende Schlange reichte bald zurück bis fast zur Kreuzung am Millerntorplatz. Ziemlich zugig ist es neben den Tanzenden Türmen, und bei kühlen 13 °C konnten es sich obendrein ein paar Regentropfen leider nicht verkneifen, noch vor Öffnung der Clubtüren zu fallen. Gut, dass der Termin für diesen Auftritt im trockenen Keller angesetzt und nicht die Stadtpark-Freilichtbühne für den heutigen Anlass ausgesucht wurde. Das wäre ein recht frischfeuchter Abend geworden …
Die Warteminuten erscheinen lang, wenn der Sommer hartnäckig pausiert, der Mensch fröstelt. Ablenkung kommt gerade recht. Wer sich in diesen Minuten den Weg quer durch die wartenden Konzertbesucher bahnen musste, weil er sonst nicht weitergekommen wäre? Der vielen besonders durch Let’s Dance bekannt gewordene Tänzer Christian Polanc

Der Zugang zum Mojo Club befindet sich nicht im Gebäude selbst. Stattdessen scheint neben den Tanzenden Türmen an zwei Stellen der Gehweg hochgeklappt wie der geöffnete und hochgebogene Deckel einer Sardinenbüchse. Diese zwei schleusenähnlichen Tore geben den Weg ins Unterirdische frei.

Kurz nach halb acht …
Einlassbeginn. Die Tickets werden zügig kontrolliert, die Besucher verteilen sich auf die beiden vorhandenen Etagen im Clubinnern. Noch knapp eine Stunde bis zum Konzertbeginn um 20.30 Uhr.
Die Stimmung ist heiter und aufgeräumt. Das Publikum besteht zu ca. 80 % aus weiblichen Fans, Männer scheint es nur in der Funktion des Begleiters zu geben. Was Sasha etwas später von der Bühne aus zu der Frage veranlassen wird, wer denn nun von den anwesenden Herren alles „mitgeschleppt“ wurde. Doch auch die Begleiter wirken entspannt und gut aufgelegt. Sie werden sowieso schnell feststellen, dass die Befürchtung, man befände sich jetzt – überzogen ausgedrückt – beim Konzert eines Schnulzen- und Schmusesängers, dessen einzige Aufgabe es ist, bei Frauen verzückte Blicke hervorzurufen oder ihnen Ohnmachtsanfälle bzw. Heulkrämpfe zu bescheren, nicht zutrifft. Woher kommt diese Fehleinschätzung nur?
Alte Bravo-Poster? Die Anfänge vor 17 Jahren? Die ersten Songs mit – aus heutiger Sicht – teilweise tatsächlich eher bravem Arrangement? Oberflächliche Berichte, die sich vorrangig mit Aussehen, Frisur etc. beschäftigen? Ewige Jahre keine neueren Songs gehört?
Mir hat einmal jemand gesagt, es sei der Name. SASHA. Der höre sich schon so weich an, da könne doch nur ein Womanizer mit „Frauenmusik“ kommen. So ein Quatsch!
Oder doch nicht?
Es scheint tatsächlich für ein männliches Wesen einfacher zu sein zuzugeben, dass es bzw. er bei einem Auftritt von Dick Brave & The Backbeats war, als ohne Schamesröte zu erwähnen, er käme soeben von einem Sasha-Konzert. (Sie wissen, dass Sasha einen kanadischen Klon hat, der merkwürdigerweise immer dann auftaucht, wenn er selbst gerade nicht da ist. Dabei ist der Deutsch radebrechende Dick aus Kanada im Holzfällerhemd auch nicht „more brave“ als unser Soester Sasha …)
Namen sind Schall und Rauch. Was aber, wenn nicht?
Wahrscheinlich hätte Herr Schmitz sich zu Beginn seiner Karriere einfach überlegen müssen, zwei Buchstaben des Vornamens Sasha zu streichen. Er hätte ein Ausrufezeichen anfügen können und – zack! – hätten die Männer ihn von Anfang an für voll genommen.
„Wer hat gestern gesungen? Bei wem warst du?“
„Bei Ash! „Der nennt sich Ash! – eine echt coole Socke!“

Kurz nach halb neun …
Die Band nimmt die Plätze ein. Kurz darauf betritt Sasha, begleitet von wildem Getrampel, begeisterten Pfiffen und dem Beifall seiner Fans, die Bühne. Ab diesem Moment ist Show angesagt – gut zwei Stunden Musik und Entertainment nonstop! Es gibt wenige Künstler, die auf der Bühne dermaßen präsent und mit so viel Herzblut dabei sind. Ohne Unterlass „arbeiten“, wie dieser Mann. Es gibt ebenfalls nur wenige, die derart hervorragende Live-Interpreten sind. Ist man als Zuhörer gelegentlich bei einem Künstler enttäuscht, dass dessen Stimme oder Tontreffqualität live bei weitem nicht an die Aufnahme der CD herankommen, die Stimme nicht das gesamte Konzert durchhält oder es an Ausstrahlung auf der Bühne fehlt, so trifft man hier auf einen Künstler, der nicht nur scheinbar mühelos zwei Stunden auf immer gleich hohem Niveau singt, sondern der überdies zwischendurch äußerst unterhaltsam mit seinem Publikum agiert. Bei aller Arbeit auch noch immenses Vergnügen zu empfinden scheint.
Einziges Zeichen seiner Anstrengung: Durchschwitzte Shirts und zahlreiche Handtücher, die zum Trockenwischen benötigt werden …

Die Band …
Nicht minder aktiv die ihn begleitenden Musiker. An diesem Abend mit von der Partie sind Ali Zuckowski (Gitarre), Sevan Gökoglu (Keyboard), Sven Petri (Schlagzeug), Raymond David Blake (Bass) sowie Justin Balk (Gitarre). Bassist Raymond begleitet Sasha bereits seit mittlerweile 15 Jahren, Justin Balk aus Hamburg ist neu hinzugekommen. Ali Zuchowski sagt Ihnen gerade etwas? Das ist einer der Herren, der mit den Song „Rise like a Phoenix“ für Conchita Wurst komponiert hat …

Das Programm an diesem Abend ist sehr vielseitig. Es werden nicht nur Stücke aus dem inzwischen sechsten Album „The One“ präsentiert, sondern immer wieder auch Songs aus vorangegangenen Alben in neuem Arrangement.

„The One“ …
Was hat dieses Album, was Vorgängeralben vielleicht nicht haben?
„The One“, in Kalifornien produziert, hebt sich durch mehr Melodie (speziell bei den Balladen „Silver Linings“ (im Duett mit Lynne), „Sleeping With The Light On“, „Can’t Quit Loving You“), aber auch mehr Groove vom Bisherigen ab. Manches klingt kubanisch, lateinamerikanisch angehaucht („Enjoy The Ride“), anderes ist sehr funky („Good Days“). Es geht sogar Richtung Jazz, Richtung Reggae („Rock WithinThe Breakers“, „A Girl Like You“) oder auch Swing, wie der TitelsongThe One“ demonstriert.
Bei diesem Titel mutierten einige Konzertbesucher kurzzeitig zu fröhlich auf und ab hopsenden Flummis …

Speziell beim Live-Auftritt fällt auf, dass die neuen Songs grundsätzlich „basslastiger“ als früher herüberkommen. Vielleicht spielen dabei aber auch der speziell hier herrschende Sound sowie die Akustik des Mojo Clubs eine Rolle …
Was beim heutigen Konzert unter Umständen ausschließlich und in Folge gespielt zu viel (Bass, Groove) werden würde, gleichen die früheren Titel aus, die immer wieder eingeschoben werden und dem Publikum aufgrund ihres hohen Wiedererkennungswerts merklich gefallen.
Please, please, please“ aus dem 2009 erschienenen Album Good News on a Bad Day ist ebenso dabei wie „Hide & Seek“ von 2007 (Titelsong für den Drei-Fragezeichen-Kinofilm „Das Geheimnis der Geisterinsel“). „Lucky Day“ wird lauthals im Chor mitgesungen, „I’m Coming Home“ macht hier keine Ausnahme.
Mit „Me And My Gorilla“, „Skyline“ sowie „Mad Love“ sind weitere Songs aus „The One“ vertreten.
Der Konzertabend klingt aus mit vielen bekannten Songs. „Rooftop“ und „Turn It Into something Special“ aus dem Album Surfin’ on a Backbeat von 2001, „Slowly“ aus dem Album Open Water (2006) erklingt zu blauen Nebelschwaden.
Mit „This is my time“ (2001) ist das Ende erreicht, doch unter drei Zugaben kommt Sasha bei seinen Anhängern generell kaum weg. Was er weiß und einplant. Zugabe eins „If you believe“ mit kräftiger Publikumsunterstützung (ein Titel des allerersten Albums Dedicated to …, 1998 erschienen) wird gefolgt von der Vorstellung seiner demnächst erscheinenden neuen Single. Als endgültiger „Rausschmeißer“ (O-Ton Sasha) fungiert sein Song „I feel lonely“.

Begeistertes Konzertpublikum. Wieder einmal langanhaltender Beifall mehr als zufriedener Fans für den heutigen Auftritt.
Es herrschte eine schöne Atmosphäre bei einem äußerst kurzweiligen, vergnüglichen Clubabend mit vielseitigen Songs unterschiedlicher Stilrichtungen, die allesamt gekonnt dargeboten wurden. Ein Genuss, solchen Könnern zuzuhören! Dass es zusätzlich enorm Spaß macht, ist das Sahnehäubchen, das Sasha stets parat hat. Ein absolut empfehlenswertes Live-Erlebnis!
In Erinnerung bleiben wird mit Sicherheit auch Gastsängerin Lynne, die eine Stimme mit hohem Wiedererkennungswert besitzt und deren Performance sehr gut beim Publikum ankam.

Ich wage zu behaupten, dass vermutlich keiner der  männlichen Anwesenden dieses Sasha-Konzert als schnulzig oder die Stilrichtung(en) der Musik als „reine Frauensache“ empfunden haben wird. Und überhaupt: Wer einmal zu Sasha „mitgeschleppt“ wurde, ist von da an ohnehin höchst freiwillig wieder mit von der Partie. Hat eventuell vorhandene Vorurteile abgelegt. Ist infiziert und genießt einfach derartige Live-Auftritte. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Den ersten Besuch eines Konzerts 2006 im Grünspan (Hamburg) absolvierte ich streng genommen auch nur als Begleitung. Es war der Beginn einer langen Reihe weiterer Sasha/Dick Brave Konzerte…

Wer den Termin im Mojo Club verpasst oder keine Karten mehr bekommen hat, könnte sich den 27. August 2015 vormerken. An diesem Tag gibt Sasha mit Band erneut in Hamburg ein Konzert. Diesmal auf der Freilichtbühne im Stadtpark. Karten für SASHA – A special night in the park! sind im Moment noch verfügbar …

Zwei kleine Nachträge:

1)
Fotograf Carsten Göke (CarlitoPix) hat im Mojo Club offiziell fotografiert. Eine ganze Reihe dieser Konzertaufnahmen findet sich für alle Interessierten unter diesem Direktlink zu seinem Blog.
https://carlitopix.wordpress.com/2015/06/22/sasha-clubtour-2015/

2)
Ich wurde zwischenzeitlich von meiner Tochter (mit der ich diese Konzerte immer besuche) in einer Sache korrigiert: Bereits seit 2004 sind wir dabei, ab 2006 „Wiederholungstäter“. Im Februar 2004 trat Dick Brave mit seinen Backbeats in der Großen Freiheit auf Sankt Pauli auf.

© by Michèle Legrand, Juni 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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