Beiträge getaggt mit Kaninchen

Nikolas

Link zur Hörvariante (Podcast-Version via Audioboo):
Nikolas ->  boo.fm/b709915

Ich hatte es ihm versprochen. Versprochen ihn abzuholen, sobald es möglich war. Sobald sie ihm erlaubten zu gehen! Ein letzter, langer Blick aus dunklen Augen, als ich ihn vor wenigen Stunden verließ, und dieser Blick verfolgte mich seitdem. Vorhin hatten sie angerufen, kurz nach 15 Uhr. Immer dieser Schreck und gleichzeitig die Erleichterung, dass sie sich melden. Dieses bange Gefühl, bevor die ersten erleichternden Worte fallen …
Und dann hatte ich wieder dort gesessen. Wartete. Ulli neben mir fand offenbar alles nur ätzend langweilig und kratzte sich. Lucy gegenüber regte sich tierisch auf. Über den dunkelhaarigen Ulli, kurz darauf über den Neuen, der hereinkam und über die Tatsache, dass der Raum beengt war und sie nicht so durfte, wie sie wollte. Als der eben Eingetretene mit seiner Begleitung nur einen Platz direkt neben ihr fand und sie zudem scheel anschaute, war ihre Laune vollends im Keller. Sie fing an zu motzen. Wäre am liebsten gegangen. Ich weiß, ich dachte in dem Moment: So ungenießbar drauf und dabei doch so zivilisiert und hübsch anzuschauen! Aparte, gepflegte Haarpracht, schlanke Figur, Stupsnase. Vielleicht bekam sie sich wieder in den Griff.
Der Neue wurde als Bertram angesprochen und zog es vor, sich etwas zurückzuziehen bzw. schien auch mehr Interesse an Ulli zu entwickeln. Der allerdings nicht an ihm. Ulli hatte sich wiederum bereits zweimal an mich herangemacht. Mir stand heute jedoch nicht der Sinn danach, und so hatte ich ihn einfach ignoriert. Er berührte danach noch zweimal wie zufällig meinen Oberschenkel. Ich ignorierte auch das.

Und nun wartete ich hier auf Nikolas B. Uns verbindet eine enge Freundschaft, die schon siebeneinhalb Jahre dauert. Er heitert mich auf, wenn ich von Zeit zu Zeit ein wenig durchzuhängen drohe, ist ein exzellenter Zuhörer. Sein Sternzeichen ist Löwe. Gewiss, manchmal sind diese „Sonnenkönige“ etwas anstrengend, eigensinnig, stark von sich selbst überzeugt, doch generell ist er höchst angenehm, da von heiterem Gemüt. Und ich? Ich revanchiere mich, indem ich mich um sein Wohl kümmere, inklusive Körperkontakt.
Er ist bei uns Untermieter, und auch mein Mann ist ihm sehr zugetan. Man kann daher nicht so allgemein und grundsätzlich behaupten, dass das System eine Frau und zwei männliche Wesen überhaupt nicht funktioniert. Sie müssen halt die Eifersucht zügeln und sich arrangieren! Es muss zeitlich vernünftig eingeteilt werden. Oder eben beide zusammen … So hat jeder was von mir.

Doch zurück zum Zeitpunkt vor einer Stunde. Ich wartete also. Nach etwa zwanzig Minuten erschienen sie mit ihm. Er war noch halb im Rausch. Die Mittel wirkten offenbar nach. Wie vor wenigen Monaten, als das gleiche Problem ihn peinigte. Torkeln. Kippen …
Überhaupt, das Timing war wieder perfekt gewesen. Die Buchmesse steht vor der Tür, die Fahrkarte ist gekauft, das Hotel gebucht und dann … Nikolas. Malade. Krank. Unfähig, einen Happen zu sich zu nehmen. Auf Hilfe angewiesen. Und kein anderer da, der die Zeit hätte …
Ach, Nikolas, ahntest du schon wieder, dass ich los muss? Wissen das deine „Missetäter“, die dir prompt und just in diesem Augenblick das Leben schwer machen?
Ich habe dich nach Hause tragen müssen! Wahrscheinlich hast du alles auch nur halb mitbekommen. Während ich hier sitze und vor mir auf dem Tischchen den Laptop habe, liegst du schwer auf mir und stöhnst. Windest dich in meinem Schoß hin und her. Dabei soll man nun vernünftig schreiben können. Aber bleib ruhig da, schlaf noch ein bisschen. Nachher geht es dir vielleicht schon besser.
Du hast in der Praxis wohl auch nicht mitbekommen, dass der Labrador auch dich abschnuppern wollte. Ich konnte Ulli noch davon abhalten. Lucy, die schöne, aber launische Perserkatze war zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr da. Glück gehabt, Nicky, sie hätte dich echt genervt.
Ach, mein Hase, warum wachsen deine Zähne bloß immer so schief und spitz, dass sie deine Backen verletzen oder deine Zunge perforieren?
Mein Freund, wir haben noch ein paar Tage der Rekonvaleszenz, jetzt nachdem dir wieder in Narkose die hintersten Zähne gekürzt wurden. Ich hoffe, du isst wieder, bis ich nach Leipzig muss …

, , , , , , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Der Hase frisst wieder!

Auch das ist heute einen kleinen Blogeintrag wert. Nach einer Woche Essensverweigerung und Trinkflaschenignoranz nun die Kehrtwende: der Hase hat wieder Hunger!

Alle diejenigen, die ein Haustier haben, können es sicher nachvollziehen: Man leidet ziemlich mit, wenn der Hausgenosse kränkelt und weder essen noch trinken mag.

In dem Fall der Haushase  – oder  besser gesagt das Zwerglöwenkopfkaninchen – Nicky. Inzwischen seit August stolze sechs Jahre alt, und ein toller Kerl! Charakterstark, einfallsreich, gelegentlich auch etwas einfältig, einschmeichelnd, willensstark und – für ein Kaninchen nicht unbedingt typisch – durchaus als redselig zu bezeichnen.

Merkwürdige Geräusche werden da kreiert, je nachdem, ob es sich um einen Ausdruck des Hungers handelt (Raubtiergrummeln), um Wohlbehagen (Katzenschnurren, unterbrochen von leicht asthmatischem Lufteinziehen) oder um Müdigkeit (Schnarchen unter der von der Couch herabhängenden Fransendecke).
Seine Achillesferse ist der Magen und immer wieder, wenn auch mittlerweile glücklicherweise in größeren Abständen, passiert es, dass  der Hase von heute auf morgen krank wird. Was bei einem Hund vielleicht noch nicht so kritisch ist – nämlich einen Tag ohne Futter auszukommen –  kann bei Kaninchen sehr schnell gefährlich werden.

Nun, die Situation war die ganze Zeit irgendwie im Griff, denn er ließ sich zumindest mit  einem Extrafutter, das als Brei auf eine Spritze gezogen wird, füttern. Doch sicher sein, dass alles sich wieder beruhigt und nicht verschlimmert, kann man nie.

Die längste Periode des Nichtfressens dauerte sechs Wochen! Und das hieß dann ca. sechs Mal am Tag (bis in die Nacht hinein) den Plüschzwerg davon überzeugen, dass leckere Breipampe angesagt ist und man dabei doch praktischerweise etwas still hält.

Diesmal war es nur eine Woche. Und Sie glauben gar nicht, was das für ein Gefühl ist, morgens mit bangem Blick ins Zimmer zu kommen und dann einen Hasen anzutreffen, der einen frech anschaut und in aller Seelenruhe einen Heuhalm nach dem anderen knabbert.

Wollte ich nur mal gesagt haben. Ich glaube fast, mir schmeckt’s jetzt auch wieder besser …

Zwerglöwenkopfkaninchen Nicky

©November 2010 by Michèle Legrand

, , , , , , , , , , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: