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Stilvolle Treppenhäuser, schöne Fassaden, eigenwilliges Interieur – der Charme Hamburger Kontorhäuser / Teil I – Darf es etwas Basiswissen sein …?

Heute wird es ernst! Seit wann, wie und wozu gibt es überhaupt diese Kontorhäuser? Wir befassen uns näher mit dem Thema und aus der Einleitung zur neuen Blogserie vom 17.08.2012 wissen Sie … es gibt Text!
Uff …
Ach, kommen Sie!
Es hat doch keiner etwas gesagt von Lexikonstil, Einbläuen, Frontalunterricht etc. Das heißt, verschieben Sie das Gähnen noch ein wenig. Doch, doch! Ich erwarte, dass Sie hier fit sind und mitdenken!
Nein, nur Spaß! Entspannen Sie sich wieder.
Wie aktiv oder passiv Sie dabei sind, ist allein Ihre Sache, nur ich weise gern darauf hin, dass ein gewisses Hineinversetzen und Miterleben alles viel interessanter macht und Sie vieles mit anderen Augen sehen lässt. Völlig anders, als wenn Sie Ihre Schotten dichtmachen,  Arme verschränken, Lippen zur Flunsch verziehen und denken:
So, soll die mal machen …!
Vielleicht war das jetzt psychologisch unklug. Sie zu verschrecken, meine ich. Aber andererseits stellen Sie möglicherweise gerade fest:
Mensch, ich bin noch wach!
Und somit können wir starten.

Kontorhäuser
Kontorhäuser sind besonders.  Sie bergen oft Geheimnisse, und keins ist wie das andere. Sie weisen Unerwartetes auf, sie enthalten sehr persönliche Elemente, sie vermögen es zu überraschen, zu verblüffen und zu begeistern!

Man sagt, es gibt in Hamburg ungefähr noch 200 dieser Gebäude. Der alten. Es hat natürlich auch eine Art Renaissance stattgefunden, und neue Häuser mit dieser Bezeichnung kamen in den 1990er Jahren hinzu. Die ursprünglichen Bauten sind nicht alle im Originalzustand erhalten, doch die Tatsache, dass viele, vom Krieg erheblich getroffene, wieder hergestellt wurden, zeigt, dass sie etwas haben müssen, was die Mühe lohnt.
Was denken Sie?
Lohnt es auch die Mühe, ein wenig mehr zurückzuschauen, um zu verstehen, was ihr Sinn und Zweck war und ist? Zu forschen, warum es sie gibt, und warum sie so sind wie sie sind?
Glauben Sie, es könnte Ihnen gelingen, sich gedanklich in eine Zeit zurückzuversetzen, die etwa 130 Jahre zurückliegt? Genaugenommen müssen wir noch weiter zurückgehen …
Versuchen Sie es bitte.
Blenden Sie Modernes aus, überhören Sie typische Geräusche von heute. Setzen Sie Ihren Zylinder auf, knöpfen Sie den Gehrock zu bzw. richten Sie die Rüschen Ihres Kleides, schlüpfen in die seidenen Handschuhe und spannen Sie das Sonnenschirmchen auf. Wir promenieren und schauen.
Vorsicht, dort liegen Pferdeäpfel!

Städte, dicht besiedelte Räume. Sie sahen nicht immer so aus, wie wir sie heute kennen.
Natürlich, werden Sie denken, das ist mir schon klar …
Wo, an welchem Punkt jedoch ein Umschwung stattfand, ein Umdenken begann, sich etwas Neues seinen Weg bahnte, wird in dem Moment, in dem Sie ein Haus – im Grunde genommen jegliches Bauwerk – betrachten, häufig außer Acht gelassen. Dabei ist dieser Punkt (z. B. ein bestimmtes Ereignis) die Ursache für seine Existenz und ursprünglich oft sogar alleiniger Grund für sein Dasein in genau dieser und keiner anderen Form!
Städte haben sich entwickelt. Sie haben sich angepasst an die äußeren Umstände und Gegebenheiten, an wirtschaftliche Erfordernisse, an veränderte Bevölkerungszahlen, an technische Entwicklungen. Gelegentlich gab es erforderliche Veränderungen erst als Reaktion auf vorausgegangene, schmerzliche Erfahrungen. Sie wissen schon, dieses „aus Schaden wird man klug“ Ding.
Um bei dem konkreten Beispiel Hamburg zu bleiben:
Im Südosten der Stadt herrschte bereits seit dem 17. Jahrhundert eine sehr enge Bebauung. Dem ein oder anderen ist vielleicht der Begriff „Gängeviertel“ vertraut. Lauter schmale Gassen, Twieten und natürlich die Fleete. Die Fläche der ursprünglichen Altstadt war naturgemäß begrenzt, doch zu dieser Zeit erfolgte genau dort der Zuwachs, und im Alltag der Menschen spielte sich das weitaus meiste genau dort ab. Hier wurde nicht nur gelebt, hier wurde gleichzeitig gewerkt, gehandelt und gelagert. Ein Großteil der Warentransporte erfolgte über die Fleete direkt bis ans Haus.
Sie können sich vorstellen, dass dies nicht nur ein Idyll war …

Hören Sie das Klappern von Hufen auf dem Kopfsteinpflaster? Das Quietschen von Rädern eines Leiterwagens?
Ja, stimmt, es riecht sehr muffig hier. Es kommt vom Fleet. Hier werden noch die Abwässer hineingeleitet, und es ist warm im Moment. Nehmen wir lieber den Weg auf der anderen Seite, weg vom Wasser …
Moment, lassen Sie eben den Herrn mit dem Kohlensack durch! Er hat ziemlich schwer zu schleppen!
Kommen Sie, wir gehen hier entlang
Achtung! – Ja, ich meine Sie! – Ihr Saum schleift im Dreck!

Man hockte aufeinander wie die Sardinen in der Büchse und hatte seine erheblichen Probleme mit der Hygiene allgemein und der Wasserreinheit im Speziellen.
Warum sollte es seinerzeit anders gewesen sein als heute in Bezug auf Entscheidungen; man konnte sich damals zwischen Senat und Bürgerschaft lange nicht auf eine Filteranlage einigen und entnahm daher das Wasser weiterhin ungereinigt aus der Elbe – todesmutig, samt aller Bakterien!
Nein, nicht trinken! Schütten Sie das weg! Wir sind noch nicht wieder in der heutigen Zeit!

Der Große Brand in Hamburg von 1842, der nur unheimlich schwer unter Kontrolle zu bringen war – erst nach vier Tagen und erheblichen Zerstörungen – war die Ursache für weitere Wohnungsnot und führte zu einer zusätzlichen Konzentration der Bebauung.
In diesem Jahrhundert hatte man bereits mehrmals unter Cholera-Ausbrüchen gelitten, doch erst die Epidemie von 1892 führte dazu, dass man sich mehr als nur schöne Gedanken über eine Sanierung des Gebietes machte.
Die Speicherstadt mit ihren vielen Lagermöglichkeiten entstand bereits ab 1883. Das Freihafengebiet wurde geschaffen. Dadurch gewann man ein wenig Übung mit der Umsiedlung größerer Teile der Bevölkerung. Es wurde danach vielerorts nötig.

Kommen Sie ein Stück in diese kleine Nebengasse. Es ist gerade sehr laut durch den Baulärm, der hier herrscht.

Stellen Sie sich vor, wie die Entwicklung voranschreitet, das Eisenbahnwesen neu geordnet wird, der U-Bahn-Bau beginnt – neue Straßen notwendig werden. Der Handel floriert, die Hygiene wird besser, die Stadt wächst weiter. Man beschließt einerseits eine hafennahe Wohnbebauung, anderseits beginnt parallel das kontinuierliche Erobern neuer Flächen im nördlichen bis dato noch unbebauten Raum für Wohnzwecke. Die Außenalster hat ihren Namen übrigens daher, dass sie damals tatsächlich noch außerhalb der Stadt lag und die Bürger erst nach und nach die heutigen nördlichen Stadtteile Rotherbaum oder Uhlenhorst etc. besiedelten.
War zuvor schon der Bereich Lagerung im Wohnbereich nicht mehr üblich, so fand jetzt auch eine Trennung zwischen Wohnen und Arbeiten statt.
Die Kaufmannschaft in Hamburg können Sie sich zu diesem Zeitpunkt als aufstrebend vorstellen, denn mittlerweile hatte es den Zollanschluss gegeben. Ihr Einfluss auf sowie ihr Wirken für die Stadt war nicht unerheblich, so war es logisch und folgerichtig, dass die seinerzeit Zuständigen sich Gedanken machten, wie sie dem Raumbedarf der Kaufleute Rechnung trugen.
Ihre Lösung lautete: Kontorhäuser.

Wir haben zwei Bereiche in Hamburg, in denen sehr konzentriert Kontorhäuser anzufinden sind.
Im eigens geschaffenen Kontorhausviertel im Südosten den Stadt sowie im Westen der Stadt im Bereich der Straßen Neuer Wall, Große Bleichen, Poststraße, Hohe Bleichen etc.

Bronzemodell (Tastmodell) von Egbert Broerken -  City Hamburg  - Lage Kontorhäuser

Ein Überblick …

Hamburgs Kontorhäuser - Anschauungs- und Tastmodell der Stadt von Egbert Broerken mit hinzugefügter Beschriftung

Hamburgs Kontorhäuser – Anschauungs- und Tastmodell der Stadt von Egbert Broerken mit hinzugefügter Beschriftung

Dies schließt nicht aus, dass sie weitere einzelne Bauten überall in der City verstreut antreffen.
Im Endeffekt mussten auch dafür Bewohner weichen und umsiedeln. Irgendwie schien es eine Zeit lang praktischer, die Innenstadt mehr und mehr für das Arbeiten, Kaufen, Handeln zu nutzen und das Wohnen weiter zu verdrängen. Die Folge kennen Sie: Innenstädte, die mit Laden- bzw. Büroschluss absolut tot sind. Hochgeklappte Bürgersteige …
Viel, viel später erst folgten hier eine Kehrtwendung und die Bemühungen zur Wiederbelebung der ausgestorbenen Innenstädte …

Lassen Sie uns ein Stück den Jungfernstieg entlanggehen. Der typischen Flaniermeile. Gesehen werden auf der Promenade …
Wussten Sie, dass es unheimlich fein war, wenn man   g a n z … l a n g s a m … g i n g? Es geht ein Gerücht, dass Sie sich dem Tempo einer Schildkröte anzupassen hatten.
Bitte? Ihre Schildkröte rennt grundsätzlich?
Nun, ich bin nicht sicher, ob Sie mit dieser Ausrede durchgekommen wären.

Und noch etwas, was Sie vielleicht sehr entrüstet, wenn Sie es hören, ist folgende Legende:
Wenn die Damen der Gesellschaft in eben jenem Tempo graziös auf dem Jungfernstieg entlangpromenierten, gesellten sich häufig die Herren dazu und parlierten, was das Zeug hält. Manchmal kamen Sie dadurch zu spät zur Börse, die ihren festen Termin hatte.
Ein Ärgernis, ein Problem, das es zu beheben galt.
Was meinen Sie, wie die Lösung aussah? Hm?
Nein, die Herren wurden nicht ermahnt! Niemand raunte ungeduldig:
Herr Bankier Schröder, jetzt beenden Sie sofort Ihr Gesäusel und kommen gefälligst in die Puschen!
Oh nein! Stattdessen wurde den Damen  für die bewusste halbe Stunde vor Börsentermin sehr nahegelegt, das Promenieren zu unterlassen, da sie mit diesem unerhörten und absolut inakzeptablen Tun die selbstredend völlig unschuldigen Herren ablenkten!

Wir werden eine kurze Pause einlegen. Solange, bis sich die leichte Empörung einzelner, offenbar weiblicher Leser, wieder etwas gelegt hat. Ich höre hier jemanden grummeln …
Und werte männliche Bloggäste: Es gibt keinen Grund zu grinsen!

Himmel, wir sind von den Kontorhäusern abgekommen! Konzentration!

Unter Kontorhäusern versteht man reine Bürogebäude, die zwischen 1886 und 1938, meist in den norddeutschen Hafenstädten gebaut wurden. So auch in Hamburg. Charakteristisch für sie ist, dass sie als Stahl- und Betonbauten (ganz am Anfang noch Eisen- und Betonbauten) erbaut sind, die im Kontorhausviertel Klinkerfassaden haben. Dort sind die Häuser recht dominant, groß (oft mehrflügelig) und jedes Bauwerk hat seinen doch sehr individuellen Charakter.

Hamburgs Kontorhäuser - Das Chilehaus mit seiner markanten Form ... (Blogserie Michèle. Gedanken(sprünge)

Hamburgs Kontorhäuser – Das Chilehaus (Backsteinexpressionismus) mit seiner markanten Form …Das Motiv wurde sogar für eine 40-Pf-Briefmarke der Post verwendet

Die Kontorhäuser, die ab ca. 1896 bis zum Ersten Weltkrieg im Westen der City entstanden, haben hingegen vorne sehr häufig eine Sandsteinfassade, die Rückwand wurde aus einfachem Backstein errichtet.
Ihnen allen gemein ist ein regelmäßiger Grundriss und meist ca. fünf bis sieben Etagen. Für damalige Verhältnisse schon relativ hohe Bauten. Daher finden Sie oftmals Staffelgeschosse, d. h. die oberen Geschosse sind treppenförmig zurückversetzt, was eine optische Aufweitung erwirkt (dazu noch eine Anmerkung in einem späteren Teil der Serie).

Gut, dass wir gerade am Jungfernstieg stehen, so kann ich Ihnen anhand eines Bildes des Gutruf-Hauses (in dem jetzt auf der Jungfernstiegseite die Fa. Apple ihren Store eingerichtet hat) etwas über die vielfach gewählte Konstruktionsart erzählen.

Hamburgs Kontorhäuser - Säulenkonstruktion am Gutruf-Haus (Jungfernstieg/Neuer Wall)

Hamburgs Kontorhäuser – Säulenkonstruktion am Gutruf-Haus (Jungfernstieg/Neuer Wall)

Hamburgs Kontorhäuser - Zwar grau, aber nicht schmucklos: Die Säulen am Gutruf-Haus ...

Hamburgs Kontorhäuser – Zwar grau, aber nicht schmucklos: Die Säulen am Gutruf-Haus …

Sie finden bei Kontorhäusern ein Pfeilersystem vor, was bedeutet, dass aufgrund des Stahl- und Betonbaus die Möglichkeit gegeben ist, mit diesem System die Außenwände als tragend zu konstruieren und auf tragende Wände im Innern zu verzichten. Bei gleichmäßiger Verteilung der Fensterflächen, gewährt man somit die größtmögliche Flexibilität bei der Bestimmung von Raumgrößen und –formen. Das ist überaus wichtig gewesen, da es sich fast immer um Zusammenschlüsse von Kaufleuten handelte, die mit ihren verschiedenen Unternehmen unterschiedlicher Größe dort einzogen.
Das Merkmal eines Kontorhauses ist, dass es nie von einer Firma allein bezogen wurde – sonst war es kein Kontorhaus!
Heute gibt es diese strenge Regel für die restaurierten bzw. sanierten Kontorhäuser nicht mehr – die Bezeichnung hingegen ist geblieben.

Das Wort Kontorhaus geht übrigens zurück auf das franz. „comptoir“ (Zahltisch) bzw. das engl. „counting (room)“ (Zählraum). Kontor selbst hat etwas differierende Bedeutungen, doch wir wenden es hier auf die Häuser bezogen im Sinne von Bürogebäude an.
Auch wenn es sich oft lediglich um die Außenwände und das Treppenhaus handelte, die nach dem Krieg stehengeblieben waren, so hat man dennoch in den letzten Jahrzehnten alles darangesetzt, stilgetreu zu rekonstruieren und neu aufzubauen. Damals hatten die Erbauer je nach Zeitgeschmack die Fassaden und die beeindruckenden Foyers und Treppenhäuser in der Art der Neo-Renaissance, des Expressionismus, der Reformarchitektur oder auch des Jugendstils gestaltet. Die Neugestaltung erfolgte nach diesem Vorbild und durch die besondere Vielfalt der Stile ist jedes Haus heute wieder eine Entdeckung für sich.
Denkmalschutz besteht darüber hinaus für die weitaus meisten Bauten seit 1999.

Ich habe Ihnen im Blog bereits im letzten Jahr das Levante-Haus ein wenig näher gezeigt, welches durch seinen Umbau allerdings viele neue Elemente bekommen hat und heutzutage eine andere Funktion als ursprünglich ausübt. Es beherbergt z. B.  ein Hotel sowie eine Ladenpassage.
Die Kontorhäuser, die hier im Blog in der nächsten Zeit ihr Herz erobern könnten, sind auch heute noch Gebäude, in denen Firmen aller Branchen, Arzt-, Notar- und Rechtsanwaltspraxen oder auch Honorarkonsulate, honorige Clubs etc. ihren Sitz haben. Im Westen der Stadt, den heutigen „besseren“ Einkaufsvierteln, sehr häufig mit Geschäften und großflächigen Schaufensterfronten auf Straßenhöhe oder bis in den zweiten Stock.
Sie werden sicher überrascht sein, was es alles gibt, wenn sich die schweren Eingangstüren dieser Häuser für Sie öffnen. Kontorhäuser dienten nämlich nicht einzig und allein als Tagesherberge für arbeitswütige Kaufleute, sondern sie hatten Repräsentationscharakter. Man zeigte, was man hatte, zeigte, wie gut es einem ging, dass die Geschäfte florierten.
Vermutlich erahnen Sie jetzt auch, warum die Rückwände nur aus Backstein waren. Was scherte schon die rückwärtige Ansicht? Der Besucher kam von vorne …

Wir hingegen kommen zum Ende. Was ist nun also der Nutzen dieser Häuser? Warum haben Sie sich in gewisser Weise durchsetzen können?
Sagen wir einfach: Die Zeit war reif, und es war enorm praktisch. Der technische Fortschritt war noch nicht so weit gediehen, dass Verständigung über größere und selbst kleinere Entfernungen schnell und unkompliziert möglich war. Das Telefon hielt erst sehr viel später Einzug in die Kontore.
Im einem Zeitalter, in dem elektrische Telegrafenlinien genutzt wurden, gemorst wurde, sich erst ab 1894 langsam die Schreibmaschine in den Büros verbreitete, war es von unschätzbarem Wert, wenn Kaufleute ihre Handelsgeschäfte durch günstige Lage zueinander, schnelle Erreichbarkeit und bestmögliche Kommunikation untereinander erleichtern und beschleunigen konnten. Wenn sie Erfahrungen austauschen, Absprachen treffen, Informationen weitergeben, Papiere schnell weiterleiten konnten.
Bitte? Post?
Sicher, natürlich wurde schon Post auf den Weg gebracht. Nur Schriftstücke konnten, mussten aber nicht notgedrungen schnell eintreffen. Auch das ist heute nicht anders als damals …

Es machte vieles einfacher, wenn es im Erdgeschossbüro eines Kontorhauses nach dem Diktat nur eines kleinen Auftrags seitens des Chefs bedurfte:
Fräulein Stahmer, gehen Sie damit nachher gleich in den 2. Stock zum Sloman und lassen das von ihm gegenzeichnen!
Den Namen Stahmer mit einem hamburgisch-hanseatisch spitzen St gesprochen.
Fräulein S-tahmer.
Sie oder der Commis Hansen sprangen kurze Zeit später pflichtgemäß mit den Unterlagen in den Paternoster und rumpelten nach oben.

Wissen Sie was?
Genau das werde ich im nächsten Teil der Blogserie über Kontorhäuser mit Ihnen machen!
Ein sehr schönes Haus besuchen und Paternoster fahren!

Und atmen Sie durch, die Zeit der langen Texte ist vorbei …
Sie waren übrigens sehr tapfer heute. Schön, dass Sie durchgehalten haben! ^^
PS: JETZT dürfen sie gähnen.

Zum Abschluss noch ein Appetizer-Foto:

Hamburgs Kontorhäuser - Das Treppenhaus im Ludwigshof - Hohe Bleichen 19

Hamburgs Kontorhäuser – Das Treppenhaus im Ludwigshof – Hohe Bleichen 19 (Dieses Haus wird noch separat im Blog vorgestellt)

Anmerkung/Quelle:
Als Quelle für Jahresdaten und Konstruktionsdetails habe ich größtenteils Wikipedia zu Rate gezogen. Der Rest ist meiner Feder (Tastatur) entsprungen.

©August 2012 by Michèle Legrand

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Vorbeigeschaut: Triathlon in Hamburg

Hamburg - Triathlon 2012 - Mitten in der Stadt ...

Hamburg – Triathlon 2012 – Mitten in der Stadt …

Am vergangenen Wochenende (21./22.07.2012) war Hamburg zum wiederholten Mal Austragungsort des Triathlons. Es ging um das fünfte Rennen der Dextro Energy Triathlon ITU World Championship Series 2012 und um die Austragung der Deutschen Meisterschaft im Paratriathlon Sprint Elite.
Schwimmen, Radfahren, Laufen. Verschiedene Distanzen, je nachdem, ob die Elite im offiziell gewerteten Rennen antrat oder ob es sich um die zahlreichen, ebenfalls startenden Jedermänner handelte.
Ich habe am Sonnabend vorbeigeschaut und hinterlasse im Blog einige Eindrücke und Gedanken.
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Hamburg - Triathlon 2012 - Streckenführungsplan

Hamburg – Triathlon 2012 – Streckenführungsplan

Ich mache mich auf den Weg zur Innenstadt an die Binnenalster, dem Schwimmterrain und zum Rathausplatz, der Wechselzone und Zieleinlauf darstellt. Bin ich ein ausgesprochen großer Sportenthusiast? Nicht unbedingt, doch mir gefällt das Drumherum, die Atmosphäre. Ich möchte sehen, was der Triathlon in diesem Jahr wieder aus meiner Heimatstadt macht.

Schon in der U-Bahn sind mehr Fahrgäste als gewöhnlich. Der Anteil der Menschen, die Kameras mit sich führen, ist überproportional hoch. Vor allem die Herren haben sehr profimäßig aussehende Exemplare dabei, und beim Aussteigen am Jungfernstieg wimmeln plötzlich am Anleger Schwärme dieser „Profifotografen“. An diesem Wochenende werden mit ziemlicher Sicherheit wieder Trilliarden von Aufnahmen entstehen. Gut, dass mit jedem Bild, das geschossen wird, nicht irgendetwas von der Landschaft verschwindet, oder ein Mensch Stück für Stück weggeknipst wird …
Schnappschüsse zum Text habe ich auch vorgesehen, doch für richtige, qualitativ hochwertige, „sportliche“ Fotos als Dokumentation zu einem Sportevent, verweise ich gleich vorweg auf die Fotostrecken der Zeitungen und Nachrichtenmagazine, an Galerien in speziellen Fotoblogs, etc.

Die Innenstadt ist vom Boden bis auf etwa Augenhöhe kaum wiederzuerkennen. Wären nicht beim Aufschauen immer noch die bekannten Fassaden höherer Gebäude und vor allem die Kirchturmspitzen und der Rathausturm sichtbar, so fühlte ich mich unter Umständen örtlich versetzt. Der NDR sorgt für Musik und beschallt gutgelaunt die Innenstadt. Der Beat wummert aus den Lautsprecherboxen. Vor lauter Menschentrauben am Anleger Jungfernstieg ist anfangs kaum die Binnenalster auszumachen. Die in meinem Rücken liegende Straße Jungfernstieg ist gesperrt, wird flankiert von weißen Zeltpavillons, in denen es für diejenigen, die noch nicht mit ihrem Triathlon-Outfit zufrieden sind, zusätzliches Equipment gibt.

19_Hamburg - Triathlon - Wer noch Outfit benötigt, findet es in einem der zahlreichen Zeltshops entlang des Jungfernstiegs

Wer noch Outfit-Ergänzungen benötigt, findet sie in einem der zahlreichen Zeltshops entlang des Jungfernstiegs

18_Hamburg - Triathlon 2012 - Ungewohnter Anblick: Der abgesperrte Jungfernstieg

Hamburg – Triathlon 2012 – Ungewohnter Anblick: Der abgesperrte Jungfernstieg

Entschieden habe ich mich an diesem Tag für die Starts der Jedermänner. Bei den Spitzensportlern, den Eliteathleten, die auch noch antreten, gehe ich natürlich davon aus, dass sie gut trainiert sind, es schaffen und es ihnen um das Superergebnis geht. Für sie ist halt einzig allein die Zeit immens wichtig.
Für mich spielt das nicht die Hauptrolle. Die Jedermänner (so um die 10.000 Anmeldungen und Startplätze gibt es) reizen mehr. Besonders, wenn in Sprint-Staffeln gleich ganze Familien antreten. Der Sohn übernimmt die Rennstrecke mit dem Rad, die Schwester das Laufen, der Vater stürzt sich todesmutig in die Binnenalster. Mutter filmt und feuert an,  Opa holt Würstchen, Oma betreut geduldig den jüngsten Enkel. Das hat was! Da wird wirklich mitgefiebert!

Apropos todesmutig …  Ist es eigentlich riskant, das Schwimmen im Alsterwasser?
Manche behaupten, nur das ihnen bekannte trinkbare Alsterwasser (anderenorts auch Radler genannt) wäre akzeptabel. Herrschaften, es geht ums Schwimmen!
Die Triathlon-Teilnehmer sollen die Binnenalster ja nicht austrinken!
Doch wie sieht es mit der Wasserqualität aus? Muss man mit Hautquaddeln rechnen, darf man sich verschlucken?
Bis in die 1940er Jahre gab es an der Außenalster mehrere Badestellen und Baden war ganz selbstverständlich. Am Schwanenwik befand sich die große (später zerstörte) Volksbadeanstalt. In den Jahren und Jahrzehnten danach verschlechterte sich die Wasserqualität, das Baden war,  unter dem gesundheitlichen Aspekt betrachtet, nicht ratsam. Durch umfangreiche Verbesserungen am Sielsystem ist die Qualität wieder so gut, dass Messungen der Umweltbehörde ergaben: es kann geschwommen (und notfalls ohne Todesfolge geschluckt)  werden.
Könnte.
Denn es gibt kein offizielles Bad! Zu teuer, zu gefährlich. Nicht wasserbedingt, sondern aufgrund des Schiffsverkehrs auf der Alster. Dampfer und Barkassen könnten in der Dämmerung schwimmende Personen übersehen. Außerdem ist das Ufer zu schlickreich und zu steinig.
Sie hat das im letzten Jahr wenig gekümmert. Die Alster-Nixe war für kurze Zeit Badegast in der Binnenalster …

Hamburg - Binnenalster - Badenixe vom letzten Jahr

Hamburg – Binnenalster – Badenixe vom letzten Jahr (2011)

Und wie steht es um die Wasservögel?
Ein paar Schwimmer – gezielt an dafür zugelassenen Stellen – würden hingegen das Brutgeschehen der vielen Alsterwasservögel wohl nicht stören.
Sagt man.
Hamburger, die sich um einen Startplatz beim Jedermann-Rennen beworben haben, haben übrigens für die Disziplin Schwimmen oft nicht nur im Hallenbad trainiert, sondern versuchten realitätsnah draußen in natürlichen Gewässern fit zu werden. Nicht wenige sind etwas außerhalb Hamburgs in die Nähe von Trittau gefahren, nach Großensee. Dort gibt es das gleichnamige Gewässer  inkl. offiziellem Freibad (Naturbad).

Um jedoch auf den Triathlon zurückzukommen:
Sportler haben die Möglichkeit unter www.hu.hamburg.de aktuelle Informationen zur Wasserqualität abzurufen. Das Institut für Hygiene und Umwelt der Gesundheitsbehörde untersucht die Schwimmstrecke seit Anfang Mai und prüft auf Bakterien und Blaualgen-Konzentration. Bisher war alles okay. Die Alster ist nun einmal „naturtrüb“ und etwas bräunlich, keine Südsee mit Sandstrand.
Gegen eine spontane Algenblüte spricht übrigens die momentane Wassertemperatur von lediglich 17,3 Grad Celsius.
17,3 Grad C? Im Juli! Das ist definitiv nichts für mich!
Und für die Schwimmer hier?
Sie haben (wahrscheinlich im krassen Gegensatz zu den Elite-Athleten, die noch starten) längst nicht alle Neoprenanzüge an. Viele springen nur in kurzer oder bestenfalls wadenlanger Hose, aber bloßem Oberkörper ins Nass. Manche Rücken, die aus dem Wasser blitzen, haben die Farbe von Hummern, die ins Heiße getaucht wurden. Sie sind knallrot!
Die Riegen der Schwimmer starten momentan in relativ kurzem Abstand. Wie hält man die Teilnehmergruppen bloß auseinander?
Woher weiß jeder Schwimmer, wohin er gehört und jeder der Helfer, wen er wohin leitet und begleitet auf dem Wasser?
Simples Prinzip: die Farben der Badekappen ändern sich! Die rote Gruppe ist bei der Boje, die blaue Gruppe schon an der Reesendammbrücke, die mit den weißen Mützen startet als nächstes.

5_Hamburg - Triathlon - Jedermann-Start - Eine Gruppe bereits auf dem Weg zum Ziel, die nächste startet am Anleger Jungfernstieg

Triathlon – Jedermann-Start – Eine Gruppe bereits auf dem Weg zum Ziel, die nächste startet am Anleger Jungfernstieg

Ich frage mich an diesem Tag zum wiederholten Mal, wo all die regulären Profischwimmer der Alster, die ohne Badekappen, abgeblieben sind. Die Schwäne, Wildgänse, Möwen, Enten, Rallen …etc. Sie haben sich sicher genervt auf die Außenalster verzogen. Kann ein Schwan eigentlich stirnrunzelnd gucken? Wo sitzt seine Stirn und würde man sein Runzeln wahrnehmen? Wahrscheinlich wäre es leichter zu erkennen, wenn er den Kopf traurig hängen ließe oder so’n Hals kriegen würde.

2a_Hamburg - Triathlon - Betrieb auf der Binnenalster - Netter Anblick für die ICE-Fahrgäste auf der Lombardsbrücke

Triathlon – Betrieb auf der Binnenalster – Netter Anblick für die ICE-Fahrgäste auf der Lombardsbrücke

Wenn ich mir das Foto ansehe, auf dem der ICE gerade die Lombardsbrücke quert, würde ich schon gern wissen, ob der ein oder andere Zugführer am heutigen Tage kurz sein Mikro anschaltet und verkündet:
„Verehrte Fahrgäste. Wir passieren gleich die Lombardsbrücke. Wenn sie hinunterschauen auf den Wanderweg an der Binnenalster, sehen sie die Läufer des gerade stattfindenden Triathlons. Bei den vielen kleinen, entfernten Punkte auf dem Wasser, handelt es sich nicht um von Kanus begleitete Wasservögel, es ist das schwimmende Teilnehmerfeld. Und hier ein Service ihrer Deutschen Bahn: Es besteht für Sie jetzt die Möglichkeit, den Reisezug am  Bahnhof Dammtor, den wir gleich erreichen werden, zu verlassen – falls Sie sich auch gern mit ins Getümmel stürzen möchten.“
Und prompt folgt ein Mordsgedrängel und Geschubse im Gang …
Oder er erzählt ihnen Märchen.
„In Hamburg gibt es an jedem Sommerwochenende Zwangsschwimmkurse für Einheimische. Eine Wiedergutmachung der Behörden, denn seit durch deren Beschluss  in den Schulen am Sachwimmunterricht gespart wird, kann kaum noch ein Hanseat schwimmen.“
Das Märchen ist übrigens nur der Kurs, das andere ist wahr.

Man sieht, die Strecke führt ein Stück auf die Binnenalster hinaus. Hilfsdienste sichern das Schwimmfeld. Bojen markieren die Wendepunkte. Zurück geht es unter der Reesendammbrücke hindurch in die Kleine Alster.

2_Hamburg - Triathlon 2012 - Jedermann-Start - Schwimmen in der Binnenalster

Jedermann-Start – Schwimmen in der Binnenalster

2_Hamburg - Triathlon 2012 - Jedermann-Start - Schwimmen in der Binnenalster - Von Weitem wirken die Köpfe wie Wasservögel ...

Triathlon 2012 – Jedermann-Start – Von Weitem wirken die Köpfe wie Wasservögel …

4_Hamburg - Triathlon - Binnenalster - Hilfskräfte auf der Ballindamm-Seite ...

Triathlon in Hamburg – Hilfskräfte auf der Ballindamm-Seite …

3_Hamburg-Triathlon 2012 - Jedermann-Start - Schwimmen - Unterquerung der Reesendammbrücke Richtung Kleine Alster und Rathaus (Ziel)

Triathlon 2012 – Jedermann-Start – Schwimmen – Unterquerung der Reesendammbrücke Richtung Kleine Alster und Rathaus (Ziel)

3a_Hamburg - Triathlon - Bitte links hindurch - Vorübung für Olympia (Linksverkehr in GB)

Hamburg – Triathlon – Bitte links hindurch! – Gleich eine Vorübung für die Profis, die zur Olympiade wollen … (Linksverkehr in GB)

Die Schwimmer, die unter dem Applaus der auf der großen Freitreppe sitzenden Zuschauer am Rathaus der Kleinen Alster entsteigen, begeben sich zur Wechselzone. Der Rathausplatz ist umgestaltet für den heutigen Anlass. Auf der sonstigen Freifläche sind Tribünen aufgebaut, der Zieleinlauf findet ebenfalls hier statt.

9_Hamburg - Triathlon - Unterquerung der  Reesendammbrücke ...

Hamburg – Triathlon – Unterquerung der Reesendammbrücke …

10_Hamburg - Triathlon - ... noch ein kurzes Stück in der Kleinen Alster entlang der Alsterarkaden ...

… noch ein kurzes Stück in der Kleinen Alster entlang der Alsterarkaden …

11_Hamburg - Triathlon - ... Ausstieg kurz vor der Schleuse links.

… Ausstieg kurz vor der Schleuse links.

12_Hamburg - Triathlon - Helfende Hände am Ziel der Schwimmstrecke

Hamburg – Triathlon – Helfende Hände am Ziel der Schwimmstrecke

Weiter zum Platz vor dem Rathaus …

13_Hamburg - Triathlon - Auf dem Rathausmarkt sind Tribünen aufgebaut ...

Hamburg – Triathlon – Auf dem Rathausmarkt sind Tribünen aufgebaut …

14_Hamburg - Triathlon - Tribünenplätze vor dem Rathaus

Tribünenplätze vor dem Hamburger Rathaus

14a_Hamburg - Triathlon - Einlauf auf dem Rathausmarkt - Teilnehmer des Jedermann-Felds. Vorne schon Tafeln mit den Namen der Elite-Sportler

Hamburg – Triathlon – Einlauf auf dem Rathausmarkt – Teilnehmer des Jedermann-Felds. Vorne bereits Tafeln mit den Namen der Elite-Sportler, die später am Tag antraten

Manch einen, den ich dort laufen sehe, hätte ich bei nur flüchtiger Betrachtung nicht unbedingt für einen Sportler gehalten. Einige Teilnehmer haben durchaus Bauch oder generelles Übergewicht. Es gibt auch Damen und Herren reiferen Alters, denen man solche extreme Belastungsfähigkeit gar nicht zutrauen würde.
So kann man daneben liegen.
Einige, die hier ihr Werk vollbracht haben, stehen mit Kollegen an den Ständen und trinken Bier. Sei es ihnen gegönnt, doch vielleicht erklärt es, warum sie eben ein bisschen mehr Gewicht haben.
Kalorienverbrauchstabellen geben darüber Auskunft (natürlich abhängig vom Körpergewicht), wie viele Kalorien ein Mensch beim Laufen, Radfahren oder Schwimmen verbraucht. Nehme ich mir diese groben Werte, dann verliert ein Jedermann-Teilnehmer während des Wettkampfs so um die 700 kcal. (Was mich erstaunt, ich dachte es wären unter dieser Belastung mehr)
Trinkt er danach zwei Bier (à 0,5 l), sind ca. 400 kcal direkt wieder da. Die alternativ oder auch zusätzlich getrunkenen Energy Drinks liefern pro 250 ml Dose etwa 120 kcal. Außerdem wird hier noch Dextro Energen Traubenzucker verteilt … Irgendwie muss das Loch ja wieder aufgefüllt werden.

15_ Hamburg - Triathlon 2012 - Teilnehmer  (erkennt man am Fußband) und fertig (erkennt man am Bier in der Hand)

Triathlon 2012 – Teilnehmer (erkennt man am Fußband) und fertig (erkennt man am Bier in der Hand)

16_Hamburg - Triathlon 2012 - Teilnehmer mit ihrem Erkennungszeichen: Fußband

Teilnehmer mit ihrem Erkennungszeichen: Fußband

Die ersten drei männlichen Elite-Athleten, die am Samstagabend ins Ziel liefen, schafften es in einer Zeit von 0:51.48/0:51.53 und 0:51:59 min.
Unglaublich! Das ganze Pensum in unter einer Stunde! Die sind schneller mit allem durch, als mein Waschmaschinenprogramm läuft und könnten theoretisch hinterher – schon wieder ausgeruht – noch die Wäsche aufhängen!
Solche Gedanken drängen sich dazwischen, während ich herumstromere.
An den Absperrgittern steht neben mir eine Frau mit einem Kleinkind auf dem Arm. Sie hat eben ihren Mann entdeckt, der sich joggend auf der Laufstrecke nähert. Der Lütte erkennt den Vater ebenfalls:
„Papa! – Auch!“
Aha, er will mitlaufen. Er unterstreicht seine Absicht deutlich, indem er beginnt, wie ein Wildgewordener auf dem Arm seiner Mutter herumzuzappeln.
Andere Leute applaudieren den Teilnehmern oder haben zum Ausdruck ihrer Begeisterung mit Luft gefüllte, lange Stäbe (Samsung hat gesponsert) in der Hand, mit denen sie herumfuchteln, sich duellieren und Knallgeräusche produzieren. Blaue Plastik-Ratschen kommen ebenfalls zum Einsatz. Ein Krawall! Muss wohl so sein. Immerhin keine Vuvuzelas …

Es herrscht trotz der Fülle und ungeachtet des gelegentlichen Lärms eine sehr entspannte Atmosphäre. Polizei ist nirgendwo zu sehen, aber überall und unermüdlich präsent sind die Hilfskräfte von DRK, THW, Maltesern u. a. Manche lassen sich gar keinem speziellen Dienst zuordnen. Sie wirken gut vorbereitet und haben alles im Blick. Es funktioniert einwandfrei.

17_Hamburg - Triathlon 2012 - Geparkt in der Bergstraße ...

Hamburg – Triathlon 2012 – Geparkt in der Bergstraße …

17_Hamburg - Triathlon 2012 - Wechselzone am Ballindamm - Laufen und Radfahren stehen noch aus ...

Triathlon 2012 – Wechselzone nahe des Rathauses am Ballindamm – Laufen und Radfahren stehen noch aus …

7_Hamburg - Triathlon - Ballindamm - Wechselzone

Ballindamm – Wechselzone

Obwohl halbhohe Metallgitter die Stadt durchtrennen, die die Laufstrecken kennzeichnen oder die Zuwegung zur Wechselzone mit den Fahrrädern, wird keiner wirklich behindert. Es wird auch keiner genötigt, kilometerweite Umwege zu gehen. Zwischendurch dürfen die Laufwege immer wieder passiert werden. Helfer leiten einen hindurch bzw. riegeln ab.

8_Hamburg - Triathlon - Vom Rathaus kommend, die Bergstraße querend und weiter  Richtung Ballindamm.

Vom Rathaus kommend, die Bergstraße querend und weiter Richtung Ballindamm. Die Sicherheitskräfte mit den gelben Westen regulieren den Fußgängerverkehr an den Durchgängen der Metallgitter. Hier hat der Läufer Vorrang …

8a_ Hamburg - Triathlon - ... einen Moment später können Passanten wieder weiter.

… einen Moment später können Passanten wieder weiter.

Das Gejammer der Ladenbesitzer in den ersten Jahren der Veranstaltung (Dann kommt ja keiner mehr zum Einkaufen!) hat sich als nicht ganz zutreffend erwiesen. Viele verbinden beides – Triathlon plus Shoppen – oder holen die Einkäufe eben am folgenden Wochenende nach.
Solange nicht Wochentage mit davon betroffen sind, sind die Auswirkungen nicht so schlimm. Es gibt jedoch immer einen Prozentsatz Menschen, der lauthals jammert:
Wenn die Straßen gesperrt sind, komme ich da überhaupt nicht hin!
Genau. Drama! Denn eine Stadt wie Hamburg bietet selbstverständlich überhaupt keine Alternativen. Und öffentliche Verkehrsmittel gibt es in dieser Großstadt generell gar nicht …
Oft sei auch die Frage gestattet: Wollte derjenige denn wirklich an diesem Tag unbedingt genau dort hin?
Werden die Sperrungen hingegen zeitlich ausgeweitet und fallen zusätzlich auf reguläre Wochenarbeitstage, sind die Auswirkungen gravierender. Der Anlieferverkehr in der Stadt kommt zum Erliegen. Der Geschäftsverkehrt hakt. Das Berufsverkehrschaos bricht regelmäßig aus, weil trotz vorheriger Ankündigung jeder überrascht tut und ausprobiert, ob er nicht eventuell doch dort durch kommt. Das Gejammer über die Situation steckt prompt allgemein an (hochinfektiös!), die Unmutsäußerungen nehmen zu.
Man hat es beobachtet, als 2007 Hamburg erstmals die WM durchführte und von Donnerstag bis Sonntag mit entsprechenden Sperrungen durchzog. Es wäre beinahe das letzte Mal gewesen …
Heute tritt einerseits der Gewöhnungsfaktor ein, andererseits helfen die Erfahrungen der letzten Jahre. Für 2017 ist angedacht, möglicherweise das Finale der WM nach Hamburg zu holen, d. h. es wird nötig werden zu prüfen, was anlässlich einer solchen Veranstaltung zugemutet werden kann.

Es ist schön in Hamburgs City an diesem Tag. Das Wetter hält sich. Die Sonne schafft es gelegentlich sogar, kurz durchzublinzeln und zu zeigen, dass es sie noch gibt.

Hamburg - Triathlon 2012 - Rathaus

Rathaus

Die Annahme, dass eine derartige Großveranstaltung geschäftsschädigend sei oder nur Unruhe und Unannehmlichkeiten bringe, ist definitiv falsch. Die Menschen um mich sind sehr ausgeglichen, was man an einem normalen Allerweltssonnabend nicht immer feststellt. Dieses Wochenende herrscht Ausnahmezustand in meiner Stadt. Und das ist gut so.
Mir kommt es  vor, als seien Events dieser Art (ganz besonders Open Air Sportveranstaltungen) einfach eine enorme Bereicherung für Hamburg und fördern (auch international betrachtet) ein positives Image.
Wo und wie sonst kann sich eine Stadt derart vorteilhaft präsentieren? Die Berichterstattung hat gewaltige Ausmaße angenommen. So etwas will mit irgendwelchen PR-Maßnahmen erst einmal erreicht werden!
Welche Stadt hat schon all die örtlichen Gegebenheiten, kann alle Voraussetzungen erfüllen?
Wir sollten sehr froh darüber sein, dass es so ist und wirklich die Chance nutzen, das vielgerühmte Tor zu Welt weit zu öffnen!

©Juli 2012 by Michèle Legrand

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Sommer, Sonne, Alster … und wie ist es mit Ihnen?

Alsterrundfahrt - Hamburg - Blogtitel  zu Sommer, Sonne, Alster ... und wie ist es mit Ihnen?

Hamburg – Jungfernstieg (Binnenalster)

Das vergangene Wochenende (30.06./01.07.) brachte sonniges Wetter und überaus angenehme, sommerliche Temperaturen nach Norddeutschland. Haben Sie Lust, dies auszunutzen und mit ans Wasser zu kommen?
Oben ohne?
Ich hätte heute hier im Blog für Sie Folgendes im Angebot:
Eine Rundfahrt mit dem Alster-Cabrio über die Hamburger Binnen- und Außenalster.
Sie überlegen noch?
Nur das Boot ist offen, oben ohne – Sie dürfen weiterhin geschlossen, sprich bekleidet bleiben.
Es wird eine kleine, kurzweilige Fahrt, einige wissenswerte oder unterhaltsame Dinge werden locker und unauffällig hineingestreut. Wir plaudern ein wenig, Sie können Fotos ansehen, entspannen sich ein bisschen und in gut zehn Minuten steigen Sie wieder aus. Trocken und ohne dass Empfindsamen unter Ihnen vom Seegang schlecht geworden wäre.
Letzte Chance! ;)
Es geht los …

1_Alsterrundfahrt Hamburg - Ablegen am Jungfernstieg mit dem Alster-Cabrio - Am Anleger befinden sich noch "Alsterwasser", "St. Georg" und  "Eilbek" (siehe auch Text)

Ablegen am Jungfernstieg mit dem Alster-Cabrio – Am Anleger befinden sich noch die Boote „Alsterwasser“, „St. Georg“ und „Eilbek“ (siehe auch Text)

Wir starten am Anleger Jungfernstieg direkt in Hamburgs Innenstadt nahe dem Rathaus. Hier legen viele Schiffe der Alsterschifffahrt zu ihren Rund-, Kanal-. Fleetfahrten, zu Dämmertörns oder sonstigen (gecharterten) Sonderfahrten ab. Es gibt ebenfalls gesondert einen festen Linienfahrplan, der Ein- und Aussteigen an insgesamt neun Anlegern ermöglicht.

Die Boote der weißen Alsterflotte sind unterschiedlicher Bauart. Es gibt die traditionellen Alsterdampfer mit voneinander leicht abweichenden Bautypen. Sie tragen Namen wie Goldbek, Eilbek, Susebek etc. Des Weiteren die Flachschiffe („MS Fleetenkieker“ u. a.), eine restaurierte Motorbarkasse („Aue“), einen Solarkatamaran („Alstersonne“), den erwähnten offenen Schiffstyp  („Alster-Cabrio I und II“) sowie ein ZEMship („Alsterwasser“). ZEMship steht für „zero emission ship“, d. h. ein Fahrgastschiff, welches sehr fortschrittlich mit Brennstoffzellen – emissionsfrei und geräuscharm – angetrieben wird.
Von Zeit zu Zeit begegnet Ihnen auf der Alster sogar ein altes Dampfschiff. Wenn ein weißes Boot an Ihnen vorbeituckert, aus dessen Schornstein grauer Rauch quillt, dann ist es sehr wahrscheinlich die „St. Georg“. Sie gehört dem Verein Alsterdampfschifffahrt e. V.

2_Alsterrundfahrt - Hamburg - Zu sehen das solarbetriebene Alsterboot "Alstersonne"

Hamburg – Anleger Jungfernstieg – Zu sehen ist das solarbetriebene Alsterboot „Alstersonne“

Sie haben an diesem warmen Tag wirklich Glück, denn für uns steht das offene Boot abfahrbereit. Keine trübe Fensterscheibe, die die Sicht behindert, Sonne pur auf Ihrer Haut und ein bisschen frischen Wind um die Nase.

Sitzen Sie gut?
Bitte? Schwimmwesten?
Nein, die gibt es hier nicht. Sollten Sie hinausfallen, ist die Chance jedoch ziemlich groß, dass jemand hinterherspringt und sie rettet. Nicht nur das Alster-Cabrio, auch andere Boote würden sofort stoppen, beidrehen und sie wieder an Bord ziehen. Die Binnenalster ist zudem gar nicht so tief. Wenn Sie noch ein bisschen wachsen, können Sie fast darin stehen (2,50 m).

Die Binnen- und die Außenalster gibt es seit dem 13. Jahrhundert, als die Alster (der Fluss, dessen Quelle nördlich von Hamburg bei Henstedt-Ulzburg zu finden ist) zu Mühlenteichen aufgestaut wurde. Die Fläche der kleineren Binnenalster beträgt 18 ha, die der großen Außenalster 160 ha. Den großen See dürfen Sie sich etwa so groß wie das Fürstentum Monaco vorstellen. Hier beträgt die Wassertiefe ungefähr 3,50 m.

2a_Alsterrundfahrt - Hamburg - unter der  Lombards- und Kennedybrücke (dahinter) hindurch Richtung Außenalster

Unter der Lombards- und Kennedybrücke (dahinter) hindurch Richtung Außenalster …

Wir erreichen gleich die  Lombards- und die Kennedybrücke, die die beiden Seen voneinander trennen. Wenn man unter diesen steinernen Bauwerken durchfährt, hallt die Stimme plötzlich wie im Gebirge! Was gerade über uns hinwegrauscht, ist ein Fernzug. Einer von sehr vielen. Die Lombardsbrücke ist die Querung der Alster für Fern- und Güterzüge und mit 900 Zügen, die pro Tag über ihre Gleise fahren, die meistbefahrene Eisenbahnbrücke Europas!
Der Autoverkehr nutzt die Kennedybrücke dahinter, die zusätzlich gebaut wurde, als das Verkehrsaufkommen immer größer wurde. Sie hatte anfangs den sehr logischen Namen Neue Lombardsbrücke und wurde erst nach der Ermordung John F. Kennedys 1963 ihm zum Gedenken in Kennedybrücke umbenannt.

3_Alsterrundfahrt - Hamburg - Nachwuchs bei den Schwänen ...

Außenalster – Nachwuchs bei den Schwänen …

Die Brücken liegen hinter uns, wir befinden uns nun auf der Außenalster. Rechts taucht das bekannte Hotel Atlantic auf. Sehen Sie doch einmal hoch zum Dach! Es sind Menschen oben! Wird dort gearbeitet, oder spielen sich vielleicht Dramen in dieser Höhe ab?

4_Alsterrundfahrt - Hamburg - Hotel Atlantic - rechts auf dem Dach die Weltkugel mit den beiden Karyatiden  (-> James Bond Szene, siehe Text)

Hotel Atlantic – rechts auf dem Dach die Weltkugel mit den beiden Karyatiden (-> James Bond Szene, siehe Text)

Es gab dort oben tatsächlich schon einmal eine dramatische Begebenheit. 1997 wurden hier Szenen für den James Bond Film „Der Morgen stirbt nie“ mit Pierce Brosnan gedreht, der (oder sein Stuntman-Double) vor einem Killer über den Balkon an der Hausfassade hinauf auf das Dach flüchtete, bis hin zur Weltkugel rechts mit den beiden Karyatiden.
Was meinten Sie bitte?
Nein, es ist nicht schlimm! Machen Sie sich keine Gedanken!
Sie dürfen ruhig weiter James Bond Musik vor sich her summen …
Sollte sie noch der Begriff Karyatiden im Zusammenhang mit der Weltkugel beschäftigen –  so werden  in der Architektur Skulpturen von weiblichen Figuren, die eine tragende Funktion haben, genannt.

Ein Stückchen weiter, nahe der Gurlitt- Insel, treffen wir auf einen Herrn, der mitten im Wasser steht. In Hamburg gibt es an verschiedenen Orten insgesamt vier dieser auf Bojen befestigten Figuren von Stefan Balkenhol. Sie sind aus Eichenstämmen gefertigt, fast identisch, und die Kollegen befinden sich seit 1993 auf der Süderelbe in Harburg, im Serrahn in Bergedorf sowie auf der Elbe beim Museumshafen Övelgönne. Im Winter werden sie eingeholt.

5_Alsterrundfahrt - Hamburg - Einer von "4 Männern auf Bojen"  von Stephan Balkenhol

Außenalster – Einer von „4 Männern auf Bojen“ von Stephan Balkenhol

6_Alsterrundfahrt - Hamburg ...der Herr von hinten betrachtet. Besuch durch einen Wasservogel ...

… der Herr (Größe: 2,40 m) von hinten betrachtet. Besuch durch einen Wasservogel.

Unser Boot nähert sich dem Schwanenwik. Schwanenwik bedeutet so viel wie Bucht der Schwäne. Hier sehen Sie rechts die 1952/53 entworfene Bronze „Drei Männer im Boot“ von Edwin Scharff. Bevor Sie allerdings fertig gegossen und aufgestellt war, starb der Künstler 1955. Er selbst hatte sich die Herren mit den hoch aufgerichteten Ruderstangen eigentlich an den (von ihm – so dachte er) umgestalteten Jungfernstieg gewünscht – nun steht die Bronze hier, die Figuren zum Wasser ausgerichtet.

7_Alsterrundfahrt - Hamburg - Bronze "Drei Männer im Boot" von Edwin Scharff am Schwanenwik

Bronze „Drei Männer im Boot“ von Edwin Scharff am Schwanenwik

Genau hier, in der Bucht der Schwäne, befindet sich die breiteste Stelle der Außenalster. Die Entfernung vom Ostufer zum Westufer hinüber beträgt ca. 1.200 m. Die Straße, die jetzt auf unserer Uferseite entlangführt, nennt sich Schöne Aussicht. Häuser mit dieser Adresse sind begehrt, rar und in ihrer Anschaffung äußerst kostspielig.  Die Straße hat ihren Namen nicht ohne Grund, denn wer von hier aus über die Alster schaut, dem bietet sich ein großartiges Panorama! Der Blick erfasst die Silhouette der Stadt, zeigt all die markanten Kirchturmspitzen und eine Menge Himmel und Wasser drumherum!
Höher als alle Kirchtürme ist übrigens der Fernsehturm  oder Heinrich-Hertz-Turm, wie er  korrekt heißt. Er misst 279 m, ragt dementsprechend hoch in den Himmel. Ist riesig! Doch wer im Hamburger Hafen oder auch anderswo schon einmal die Queen Mary II gesehen hat, dem sei gesagt, würde man dieses Schiff hochkant an den Turm stellen, dann ragte es noch 66 m über die Spitze hinaus …

8_Alsterrundfahrt - Hamburg - Blick von der Schönen Aussicht hinüber zur Innenstadt

Blick von der „Schönen Aussicht“ hinüber zur Innenstadt

Es geht weiter am Gästehaus des Hamburger Senats vorbei. Es wird heute nicht mehr so viel genutzt wie z. B. zu jener Zeit, als Helmut Schmidt Bundeskanzler war. Er lud gern zu Gesprächen in seine Heimatstadt ein und quartierte seine Gäste an der Alster ein. Der Senat empfängt schon seit 1965 in dieser Villa und seither stiegen viele prominente Persönlichkeiten hier ab. Queen Elizabeth II hat sich als erste eingetragen. Kissinger war da, Yassir Arafat, Breschnew, der Dalai Lama, Giscard d’Estaing u. v. m. Auch der König von Tonga, für den das Bett verstärkt werden musste – er wog viereinhalb Zentner!

8a_Alsterrundfahrt - Hamburg - Gästehaus des Hamburger Senats (sehr versteckt, der Garten mit Bootsanleger liegt Richtung Feenteich)

Gästehaus des Hamburger Senats (sehr versteckt, der Garten mit Bootsanleger liegt Richtung Feenteich)

Wir passieren jetzt die Feenteichbrücke, die den Eingang zum Feenteich bildet.

9_Alsterrundfahrt - Hamburg - Feenteichbrücke

Außenalster/Ostufer – Feenteichbrücke

Nur eine von sehr vielen Brücken in dieser Stadt. Es gibt in Hamburg offiziell 2.376 Brücken (inoffiziell 2.500). Damit ist Hamburg die brückenreichste Stadt Europas und hat mehr Brücken als Amsterdam, London und Venedig zusammen! (Mit Brücken sind wirklich alle, nicht nur die über Wasserwege gemeint)

Ein Stückchen hinter der Feenteichbrücke und hinter dem Anleger  Uhlenhorster Fährhaus (Uhlenhorst = Eulennest) befindet sich die Imam-Ali Moschee. Sie ist die viertälteste Moschee in Deutschland (Grundsteinlegung 1961, Einweihung 1963 und 1965).

10_Alsterrundfahrt - Hamburg - Anleger "Uhlenhorster Fährhaus" - Im Hintergrund die Imam-Ali Moschee, das Islamische Zentrum Norddeutschlands

Anleger „Uhlenhorster Fährhaus“ – Im Hintergrund die Imam-Ali Moschee, das Islamische Zentrum Norddeutschlands

10a_Alsterrundfahrt - Hamburg -  ... gegenüber zu erkennen:der Anleger "Fährdamm" mit dem Café Cliff

… gegenüber am Westufer zu erkennen: der Anleger „Fährdamm“ mit dem Café Cliff

Lassen Sie uns von der Außenalster einen kleinen Abstecher in den Langen Zug machen. Hier gibt es auch etwas, das Sie vielleicht sehen möchten. Beim Einbiegen passieren wir das Haus des Rudervereins der Hamburger Schulbehörde. Er wirkt momentan ein bisschen verwaist, was sicher daran liegt, dass die Schulferien schon begonnen haben. Aufgenommen wird hier nicht jeder, der eine Hamburger Schule besucht, sondern nur, wer als Schüler u. a. mindestens einen Notendurchschnitt von 1,2 vorweisen kann.
Über dem Club befindet sich die Wohnung des Hausmeisters. Er ist bereits ein älterer Herr, der – laut einem Gerücht – nicht in Rente gehen möchte, weil es für ihn bedeuten würde, dass er von diesem doch sehr schön gelegenen Plätzchen fortziehen müsste …

11_Alsterrundfahrt - Hamburg - Einbiegen in den Langen Zug. Rechts der Ruderverein der Hamburger Schulbehörde

Einbiegen in den Langen Zug. Rechts der Ruderverein der Hamburger Schulbehörde.

Ein kleines Stück weiter auf der rechten Seite taucht ein recht interessantes, eigenwilliges Haus auf. Der Hamburger Architekt Hadj Teherani hat es nach seinen Entwürfen bauen lassen.

12_Alsterrundfahrt - Hamburg - Teherani Entwurf - Kreuzfahrtschiff von hinten ...

Außenalster/Am Langen Zug – Ein Teherani Entwurf : Kreuzfahrtschiff von hinten …

13_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... man sieht, dass auch der Garten in Wellen angelegt ist, so dass der Eindruck entsteht, das "Schiff" sei im Wasser

… man sieht, dass auch der Garten in Wellen angelegt ist, so dass der Eindruck entsteht, das „Schiff“ gleite durchs Wasser

Es sieht aus wie ein Kreuzfahrtschiff von hinten, große Glasfronten bieten Ausblick und selbst der Garten wurde danach  gestaltet. Der Rasen verläuft wellig, die Anpflanzung unterschützt zusätzlich den Eindruck, dass sich das „Schiff“ im Wasser befindet. Herr Teherani wohnt dort, allerdings nur im Parterre auf „lumpigen“ 210 qm. Es gibt insgesamt sieben Parteien in diesem Haus, für einen allein waren die Kosten wohl doch zu gewaltig. Unter anderem soll Hugo Boss hier seine Ferienwohnung haben. Eine verglaste Außenkabine sozusagen …

Während Sie noch weitere Villen links und rechts anschauen, gedenke ich einen Moment einer  früheren Firma, bei der ich gern gearbeitet habe,  die sich hier ganz in der Nähe, etwa am Beginn der Straße Bellevue, befand. Fast acht Jahre konnte ich in jeder Mittagspause schnell an den Langen Zug und vor zum offenen See spazieren, Alsterluft schnuppern, den Blick über das Wasser gleiten lassen oder Wasservögel beobachten. Die Firma gibt es mittlerweile nicht mehr – aber wenigstens die Alster, nicht wahr?

14_Alsterrundfahrt - Hamburg - Richtung Krugkoppelbrücke, rechts "Bobby Reich"

Außenalster – Richtung Krugkoppelbrücke, rechts „Bobby Reich“

Die Sonne strahlt weiterhin, das Wasser glitzert, und die Fahrt führt Sie nun Richtung Krugkoppelbrücke. Am Ufer liegt die Straße Bellevue mit sehr noblen Häusern. Bellevue heißt im Grunde auch wieder Schöne Aussicht. Doch auf diese Art findet sich der Postbote leichter durch, als wenn das ganze Ostufer den gleichen Straßennamen hätte. ;)
Rechts von der Krugkoppelbrücke an der Straße Fernsicht, liegt das bekannte und gut besuchte Restaurant-Café „Bobby Reich“ mit Bootssteg, Bootslagerung und Bootsvermietung schon seit 1883.

Sie haben es natürlich bereits bemerkt: Auf der Alster fahren selbstverständlich nicht nur die Boote der Alstertouristik (Alsterschifffahrt). Hier sind auch viele Segler, Ruderer und Tretbootfahrer unterwegs. Es werden Regatten veranstaltet und Ruderrennen ausgetragen. Es gibt mehrere Ruderclubs an verschiedenen Stellen entlang des Ufers,  die Segelschule Käpt’n Prüsse unweit des Hotel Atlantics und einige Verleihstellen für Segel-, Tret- und Ruderboote rund um den See. Lediglich weitere motorisierte Fahrzeuge sind  nicht erlaubt, und es gilt zudem der Grundsatz: Vorfahrt haben immer die Alsterschiffe!

Unser Alster-Cabrio fährt noch unter der Krugkoppelbrücke hindurch, so dass Sie sehen können, wo der Alsterlauf hinführt. Schauen Sie bitte einmal nach rechts.

15_Alsterrundfahrt - Hamburg - Unter der Krugkoppelbrücke hindurch und wenden. Weiter geht es bei dieser Tour nicht.

Unter der Krugkoppelbrücke hindurch und wenden. Weiter geht es bei dieser Tour nicht.

Von hier aus bleiben gut 50 km Wasserstrecke bis zur Quelle. Befahrbar mit den Schiffen der Alstertouristik sind allerdings lediglich noch die nächsten sieben bis acht Kilometer (Richtung Winterhuder Fährhaus).
Wir drehen und wählen die Route entlang des Westufers zurück. Dort sind die Stadtteile Harvestehude und Rotherbaum, und das Alstervorland mit Alsterwiesen und  Alsterpark ragt bis an das Ufer.

Unser Kapitän hat jedoch eben bemerkt, dass die Zeit knapp wird, empfiehlt, die Hüte festzuhalten und gibt Gas. Es dröhnt, der Boden vibriert, und der Lärm verhindert vorerst weitere Erläuterungen.

Immer noch Sonnenschein. Aber selbst wenn hier – wie in den letzten Wochen – sehr viel Regen fällt, besteht nie die Gefahr, dass die Alster oder ihre Fleete überlaufen. Zwei elektronisch gesteuerte Schleusen (Rathausschleuse und Schaartorschleuse) regulieren den Wasserstand und sorgen für einen gleichmäßigen Pegel.
Auch ansonsten können Sie beruhigt sein, denn schauen Sie jetzt einmal nach links: die Polizei ist schon da und passt auf …

16_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... die Polizei ist anwesend.

Außenalster – … die Polizei ist anwesend.

17a_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... auf der Rücktour vorbei am Anleger "Alte Rabenstraße" mit Bodos Bootssteg

… auf der Rücktour vorbei am Anleger „Alte Rabenstraße“ mit Bodos Bootssteg

18_Alsterrundfahrt - Hamburg - .... die Zeit drängt. Noch einmal Gas geben, dass der Boden vibriert.

Alsterrundfahrt: …. die Zeit drängt. Noch einmal Gas geben, dass der Boden unter den Füßen vibriert.

Wir lassen die Außenalster gleich wieder hinter uns und steuern erneut auf die Kennedybrücke zu. Haben Sie es erkannt? Im Wasser schwimmt ein „Seehund“ …

19_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... was hier in der Alster schwimmt, ist ein Seehund.

… was hier in der Alster schwimmt, ist ein Seehund ;)

19b_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... der See-Hund

Außenalster mit See-Hund …

Geht es Ihnen gut?
Fühlen Sie sich noch wohl?
Ich hoffe, sie haben die leichte Schaukelei eben vertragen.
Ansonsten wird es jetzt wieder ruhiger, denn wir befinden uns nun wieder auf der Binnenalster. Was als leichter Sprühnebel auf sie niederkommt, ist die zart verpustete Gischt der großen Alsterfontäne.

19a_Alsterrundfahrt - Hamburg - Unter der Kennedybrücke, vorweg die Lombardsbrücke und die Binnenalster

Unter der Kennedybrücke. Vorweg die Lombardsbrücke sowie die Binnenalster.

20_Alsterrundfahrt - Hamburg - Zurück auf der Binnenalster mit Fontäne

Die Alsterfontäne in Aktion.

Das schöne Gebäude zur Rechten ist das Hotel Vier Jahreszeiten, von dem ich Ihnen kürzlich schon den Eingang auf einem Nachtfoto zeigte. (Lesen Sie hier bitte freundlicherweise korrekt! Es heißt nicht Nacktfoto!)  Das Vier Jahreszeiten ist immer noch eines der besten Hotels weltweit und dementsprechend sind  die Preise. Ein Zimmer (nach hinten heraus, kein Alsterblick!) bekommen Sie bereits für günstige 430,00 €, die Präsidentensuite, die Sie rechts oben (dort, wo die schmalen Fenster sind) erkennen, kostet 4.900,00 € pro Nacht.

21_Alsterrundfahrt - Hamburg - Hotel Vier Jahreszeiten - rechts oben (mit schmalen  Fenstern) die Präsidentensuite

Hotel Vier Jahreszeiten – rechts oben (mit schmalen Fenstern) die Präsidentensuite

22_Alsterrundfahrt - Hamburg - Das ALEX am Jungfernstieg, links der eigene Beach Club

Das ALEX (früher Alsterpavillon) am Jungfernstieg, links der eigene Beach Club (Georgia-Beachclub-Lounge)

23_Alsterrundfahrt - Hamburg - Geradezu der Eingang der Europapassage, im Hintergrund die Petrikirche

Anleger Jungfernstieg. Geradezu der Eingang der Europapassage, im Hintergrund die Petrikirche

Wir sind fast am Ende unserer Rundfahrt,  doch bleiben Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit noch sitzen! Im Gegensatz zu früher, werden wir heute nicht an der Pier vertäut. Am Anleger Jungfernstieg befinden sich an einigen Stellen senkrecht Metallplatten montiert, an Bord der Alsterschiffe hingegen gibt es Magneten. Das Anlegen erfolgt  elektromagnetisch, und da es nicht reicht, einfach nur in die Nähe der Platten zu kommen und sich hoffnungsfroh anziehen zu lassen, muss unser Kapitän mit relativ viel Schwung dagegen halten.

23a_Alsterrundfahrt - Hamburg - Anlegen am Jungfernstieg - Metallplatten für die elektromagnetische "Andockung"

Anlegen am Jungfernstieg – Metallplatten für die elektromagnetische „Andockung“

Nun, Sie sind ja jetzt mental vorbereitet und halten sich am besten vorsichtshalber an der Sitzbank oder an  ihrem Nachbarn fest. Wenn Sie ihn bisher noch nicht kennen, kann das nun mit einer guten Begründung nachgeholt werden. Starten Sie die Kontaktaufnahme vielleicht zwanglos mit einem: „Sind Sie auch so furchtsam?“ oder „Ihre Hände wirken auf mich irgendwie beruhigend!“

24_Alsterrundfahrt - Hamburg - Ende. Schön war's ...

Ende der Alsterrundfahrt. Schön war’s. Der schlanke Herr in dunkler Hose und weißem, kurzärmeligen Hemd, der uns gerade den Rücken zuwendet – das war unser Kapitän.

Angedockt. Sie können ausatmen.
Hat es Ihnen ein bisschen gefallen?
Ich betone, es waren nicht immer oder ausschließlich die Erläuterungen, die der Kapitän von sich gab, doch ich fand, wir bräuchten zusätzlich noch ein bisschen Information.
Falls Ihre Beine sich erst wieder an Festland gewöhnen müssen, setzten Sie sich noch einen Moment hier auf die sonnenbeschienenen Sitzbänke und schauen dem Treiben zu.

25_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... noch ein bisschen die Sonne genießen und gucken ...

Wieder festen Boden unter den Füßen. Noch ein bisschen die Sonne genießen und gucken …

Demnächst können Sie – wenn Sie denn wollen – auch einen Ausflug auf der Landseite mitmachen. Zu Fuß entlang der Außenalster.
Was halten Sie davon?

26_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... und demnächst könnten Sie mit mir die Alster von der Landseite aus kennenlernen

… die Landseite ist nämlich auch sehr schön!

Ich sage rechtzeitig Bescheid …!

©Juli 2012 by Michèle Legrand

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