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Spontane Schoßgäste, Jagd auf Aliens, gekappte Daumen und Glitzerziegen: Bahnfahrterkenntnisse (2)

Neulich habe ich mich richtiggehend erschrocken!
Karlsruhe Hauptbahnhof. Ich wartete auf den Zug, der mich heimbringen sollte. Der Bahnsteig füllte sich und eine knackende, rauschende Lautsprecherstimme verkündete, dass ICE 74 in Kürze einlaufen würde.
In Kürze!
Das ist relativ. Oft dient diese Ansage gefühlt nur der Besänftigung der Wartenden. Doch ich wollte zuversichtlich sein.
Nun, immerhin sagt sie ihn schon an, dachte ich.
Ich hatte den Gedanken noch nicht einmal zu Ende gedacht, da fuhr der Zug auch schon ein!
Vor der Fahrplanzeit!
Haben Sie das schon einmal erlebt?
Vorher?
Und der Schock war noch nicht vorbei!
Der Zug hatte auch alle Waggons dabei! Sogar meinen, in dem ich reserviert hatte!

In der letzten Zeit hatte ich anderes erlebt. Nicht immer die Schuld der Bahn, möchte ich betonen, denn häufig waren die Verspätungen und Ausfälle eine Folge von Unfällen an der Strecke, entstanden durch mutwillige Beschädigungen an Gleisen und Weichen sowie durch Vandalismus im Zug in einer Form, dass Waggons nicht mehr benutzbar waren und Ersatzzüge fuhren (die, bei denen dann die ursprünglich genannten Waggons nicht immer alle dabei sind).
Bei mir kam jedoch das Original. Superpünktlich! Ein gutes Zeichen?
Es fing zumindest vielversprechend an. Dementsprechend war ich nun überaus neugierig auf meine Sitznachbarn. Sie wissen aus Teil (1), man kann auch neben verdrießlichen Steinen landen, die man erst neutralisieren muss, um angenehm zu reisen. (Neutralisieren sagte ich, nicht eliminieren.)
An diesem Tag stellte ich fest, dass ich wieder einmal unerhörtes Glück mit den Reisegefährten hatte. Es begann so:

Frankfurt - vom Zug aus gesehen

Frankfurt – vom Zug aus gesehen

Der Großraumwagen ist schon dicht belegt, der Nachweihnachtsreiseverkehr ungebrochen. Gedrängel im Zug, Staus im Gang, und es dauert ein Weilchen, bis ich am Zielort ankomme. Meinen Platz am Vierertisch kann ich anfangs nicht einnehmen, denn mein Sitznachbar hat sich ein bisschen ausgebreitet, solange keiner neben ihm saß. Bücher liegen kreuz und quer auf dem Tisch, ein MP3-Player auf seinen Beinen, die Winterjacke auf dem freien Platz. Die Zwischenarmlehne ist hochgeklappt, er hängt bequem leicht quer und ist gerade beschäftigt. Hört auch nichts, weil die Ohrhörer drin sind. Sein Gegenüber macht ihn darauf aufmerksam, dass ich da bin, noch ehe ich dazu komme, mich selbst direkt an ihn zu werden.
Mein zukünftiger Nachbar wird etwas hektisch, springt hoch, schiebt alles wild zusammen, bleibt im Kabel hängen, das vom Ohr zum MP3-Player führt und sucht nebenher seinen rechten Schuh.
Wir einigen uns darauf, dass er den Tisch vorerst belegt lassen kann und nur sich sortiert.
(Das war der Anfang einer Freundschaft, die bis Hannover andauerte und nur endete, weil er mich dort verließ.)

Ich habe in ihm einen sehr intelligenten und freundlichen Schweizer als Sitznachbarn, der aus der Nähe von Luzern kommt, thailändischer Herkunft ist und mit Schweizer Dialekt spricht. Das ist ein wenig so, wie wenn Yared Dibaba auftaucht und plattdeutsch lossnackt.
Bald hockt er recht dicht neben mir, und ich werde regelrecht gelöchert, woher ich komme, wohin ich will, ob ich seine Stadt kenne etc. Ich stehe Rede und Antwort, was ich bei mir noch fremden männlichen Wesen sonst nicht sofort mache, doch sein Vater ist dabei. Der Herr gegenüber. Der wird den Sohn schon im Auge behalten …
Mein Nachbar Simon verrät mir nach der ersten Kennenlernphase vertraulich, dass er „schon“ zehn Jahre alt sei. Die Bücher auf dem Tisch sind u. a. einige Drei-Fragezeichen-Bände. Über Justus, Peter und Bob kann man sehr gut Unterhaltungen führen. Und über Luzern. Denn ich kenne das Verkehrshaus dort, was ihn freut, weil er es mag. Und über Thailand. Und Hannover. Dahin ist er unterwegs und will die Oma besuchen.
Sie sind schon eine Weile auf Reisen. Sein Vater hatte es sich so schön gedacht: Ganz viele Bücher und Musik im Ohr sollten den Filius leicht ein paar Stunden beschäftigen, doch er verrät, dass der Kerl schon kurz hinter Basel Hummeln im Hintern hatte und sich nicht auf Bücher konzentrieren konnte. Es gab zu viel im Zug, was ablenkte. Leider immer nur kurzzeitig. Danach kamen jedes Mal die obligatorischen Fragen: Wann sind wir da? bzw.  Was kann ich jetzt machen? Es ist ganz offensichtlich, dass er über die lockeren Unterhaltungen zwischen seinem Sohn und mir sehr erfreut ist, kommt er doch nun selbst zum Lesen und Verschnaufen.
Nach zehn Minuten plagen ihn jedoch offenbar genau deshalb Skrupel, denn er sagt dem Sohn:
„Nun lass die Dame mal wieder ein bisschen in Ruhe.“
„Okay … Was kann ich machen?“

Der Vater erinnert sich an Käsekästchen. Kennen Sie dieses Striche zeichnen – auf möglichst kariertem Papier – und dabei Kästchen bilden?  Immer wenn ein Kästchen alle vier Seiten hat, darf der, der es mit dem letzten Strich geschlossen hat, es als seins betrachten und sein Zeichen (Kreis oder Kreuz) hineinmalen. Wer am Ende die meisten hat … Sie kennen das.
Ich habe es ewig nicht gemacht.
Der Vater findet den mitgenommenen Stift nicht.
„Ich weiß genau, ich habe einen in deinen Rucksack getan“, verkündet er und wälzt den Inhalt des Gepäckstücks um.
„Du musst das immer ordentlich einsortieren, Papa, dann findet man das auch“, vermeldet Simon weise.
„Wir wär’s, wenn du es das nächste Mal selbst machst?“ Touché. Der Vater lässt die leichte Kritik nicht so auf sich sitzen.
„Ja, mal schauen …“, meint Simon.
Immer vage halten, gell? Fast wäre der Schuss nach hinten losgegangen. Ich helfe mit einem meiner Stifte aus, woraufhin der Knabe das Spiel nicht mit dem Herrn Papa sondern mit mir spielen möchte.
„Ja, Simon, aber …!“ Die Skrupel kommen wieder durch.
„Ist ja ihr Stift, Papa!“
Überzeugt?

Bahnfahrt Karlsruhe - Hamburg / Käsekästchen malen mit Simon ...

Bahnfahrt Karlsruhe – Hamburg / Käsekästchen malen mit Simon …

Es hält uns solange beschäftigt, bis es immer schwieriger wird, keine weiteren Kästchen zu bilden bzw. es schwerfällt, nicht Vorlagen für den Gegner zu produzieren. Ihm unterlaufen Fehler, und er befürchtet, ich könnte am Ende besser abschneiden. Gewinnen …
„Du, wir machen später weiter …“, informiert er mich ganz nebenbei.
Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Später war dann nie. Ein schlaues Bürschchen, wie gesagt …
„Ja, klar“, antworte ich.

So verging die Zeit. Der Abstand bis zur erneuten Frage nach der  Restdauer der Reise hatte sich verlängert. Ganz einfach wäre die Beantwortung auch nicht gewesen, denn der Zug fuhr seit einiger Zeit etwas langsamer …

In Frankfurt treffen wir bereits mit Verspätung ein. Im Zug wird informiert, dass es einen Notarzteinsatz bzw. einen Unfall an der Strecke gab und wir daher nun ab Frankfurt eine Umgehungsstrecke fahren würden. Ankunft in Kassel mit vermutlich 40 Minuten Verspätung. Mein junger Freund zeigt Anzeichen von Verzweiflung, daher hoffe ich auf Verstärkung bei der Unterhaltung in Form von in Frankfurt neu zusteigenden, freundlichen Lebewesen.
Wir betrachten gemeinsam, wer sich durch die Gänge schiebt. Eine Frau trägt ein Bärenjunges vor dem Bauch mit sich herum.
Wie? Bärenjunges?
Der zweite Blick klärt auf, es ist ein Baby im Bärenoutfit. Es steckt in einem Overall mit angenähten Fäustlingen/Füßlingen, inkl. Kapuze mit sehr markanten Bärenohren. Alles aus braunem Teddyplüsch. Und die Mutter hat ihr Baby darüber hinaus nicht „hochkant“ vor sich sondern quer, Arme und Beine schlaff herabhängend lassend. Täuschend ähnlich, dieser Bär.
Simon findet das sehr lustig. Aber er selbst möchte nicht so einen Anzug tragen. Die Ablehnung als Antwort auf meine Frage kommt schnell und klingt absolut sicher.

Frankfurt/Main - Hauptbahnhof

Frankfurt/Main – Hauptbahnhof

Mittlerweile findet ein Platzgetausche  statt. Am Vierertisch nebenan wird umarrangiert. Das vorhin fast eingeschlafene junge Mädchen, das bisher am Gang saß, wechselt auf einen freien Einzelplatz einige Reihen weiter, während zwei junge Herren dadurch nun zusammen sitzen können und fortan sich gegenübersitzend die beiden Gangplätze neben uns belegen. Anfangs schätze ich die zwei auf 16-18, doch später stellt sich heraus, dass der Ältere der beiden schon 21 ist, der andere und nur unwesentlich jünger.

Der Zug befindet sich nun auf einer kurvenreichen, nicht für die Geschwindigkeit eines ICEs ausgelegten Strecke. Da man seitens der DB jedoch offenbar gern Zeit einholen möchte, wird ziemlich gebrettert. Bei Weichenpassierung mit Gleiswechsel werden Zuggäste und auch Personal stark durchgerüttelt. Ich drücke den armen Simon einmal fast ein bisschen platt. Als Konsequenz hält er mich danach mannhaft eine Weile fest und stützt mich ritterlich. Vielleicht ist es auch ein Selbsterhaltungstrieb.
Für ihn ist die Strecke wesentlich interessanter als die ursprünglich geplante. Man lernt auf dieser Tour nämlich das Hessische kennen. Es geht über Land. Friedberg, Wetterau, Marburg, Borken … und nebenher huscht der Zug durch haufenweise kleine Bahnhöfe, deren Namen an Leutheusser-Schnarrenberger erinnern. Nicht an die Dame direkt, doch diese Namenskonstruktionen klingen genauso und sind vermutlich auch auf die gleiche Art entstanden: durch Heirat. In dem Fall von Gemeinden.

Eine junge Frau torkelt durch den Zug. Stocknüchtern, alles Gewanke ist nur eine Auswirkung der Kurvenstrecke. Wieder eine Weiche. Und – schwups – hat es sie auf den nächsten Schoß geschmissen. Er gehört einem Herrn, der sich zunächst verschrickt, Anstalten macht aufzubegehren, danach sieht, was auf ihm gelandet ist, es sich anders überlegt und stattdessen freundlich zum Verweilen einlädt.
„Ach, bleiben Sie doch …!“
Es klingt gar nicht nach billiger Anmache, einfach nur humorvoll. Sie verzichtet, lehnt dankend ab und rappelt sich auf. Sie steht noch gar nicht wieder ganz senkrecht, da schießt der Zug rasant in eine engere Kurve. Sie fällt zur anderen Seite – auf Schoß Numero 2.
„Von mir aus können Sie auch hier bleiben“, grinst der Schoßbesitzer und äfft hinüber zu dem vorherigen Auffänger: „Ich gebe Sie Ihnen nicht zurück!“
In einem Ton, bei dem Sie sich das Ätschibätsch dazudenken dürfen. Ihr wird es langsam peinlich.
„Ich wollte mir einen Kaffee aus dem Bistrowagen holen, aber ich glaube, den werde ich zurück nicht mit an den Platz nehmen, sondern lieber dort trinken. Heißer Kaffee im Schoß wird von Ihnen sicher nicht so freundlich begrüßt.“
„Nun, das stimmt!“

Es beruhigt sich wieder und Simon fragt, wann wir denn nun ankommen. Es ist höchste Zeit für neue Attraktionen.

Die beiden jungen Herren, die neben uns sitzen, sind Brüder. Sie vertreiben sich die Zeit mit lesen und einem Spiel auf dem Handy. Der jüngere liest anspruchsvolle Lektüre, der ältere hat irgendein Fachheft zugunsten des Spiels weggelegt. Simon steht auf, stoppt bei dem Spieler und stellt sich vor.
„Ich bin Simon. Ich bin aus der Schweiz. Komme aber aus Thailand. Und wie heißt du?“
„Ich?“ Sein Gegenüber wirkt noch leicht überrumpelt. „Julius.“
„Wie Cäsar?“
„Hey, den kennst du?“ Julius ist überrascht, denn Simon wirkt jünger als zehn.
„Ja, kenne ich. Einer von den Römern. Ist aber schon lange tot.“
Julius’ Bruder grient über den Rand seines Buches.
„Was spielst du denn da?“ Simon hat die Förmlichkeiten erledigt. Ihm brennen nun Fragen unter den Nägeln.
Julius erklärt ihm das Spiel bereitwillig, Simon steht weiter im Gang, schaut ein Weilchen über die Schulter zu, bis der junge Mann innehält und ihm das Handy reicht.
„Hast du gesehen, wie es geht? Willst du selber mal? Nimm’s doch mit auf deinen Platz. Hier wollen ja dauernd welche durch. Kannst es mir später wiedergeben – wenn der Akku leer ist.“
Das ist sehr generös. Doch Julius hat natürlich ein weiteres Handy, das für die wirkliche Kommunikation gedacht ist. Das andere ist lediglich sein Zweithandy, fungiert als reines Spielegerät.
Der Schweizer ist begeistert. Sein Vater auch. Es bedeutet für ihn, die nächste Viertelstunde ist zumindest gerettet.
Von meinem Nebenplatz kommen jetzt komische Geräusche. Das Spiel hat er auf lautlos gestellt, doch er selbst kann nicht völlig still bleiben. Er schwenkt das Handy, mit beiden Händen quer haltend, wild durch die Gegend, macht merkwürdige Verrenkungen, zischt genervt, hält die Luft an und wird stocksteif, jubelt zwischendurch und verkündet nach einer Weile:
„Ich habe ein Alien gefangen!“ Und mit Blick hinüber zu Julius: „Und was jetzt?“
„Ein Alien?“ Julius wirkt irritiert.
„Ja!“
„Zeig mal!“

Simon stellt sich mit dem Handy neben Julius und zeigt auf das Display.
„Das ist kein Alien, das ist eine Schildkröte.“
„Aha. Sieht aber aus wie ein Alien. Ist ja auch egal. Was kommt jetzt?“

Ihm wird geholfen, doch offenbar war das Schildkröte einfangen der Höhepunkt in diesem Level. Simon beschließt daher, eine Pause einzulegen.
„Papa, wann sind wir da?“

Wir erreichen Kassel. Am Vierertisch nebenan ändert sich die Fensterbesetzung. Eine Mutter mit einer achtjährigen Tochter gesellt sich dazu. Die Kleine ist anfangs enorm schüchtern angesichts der großen Jungs. Auch sie hat u. a. elektronisches Spielzeug dabei, eine Art Konsole speziell für jüngere Kinder. Bunt mit großen Knöpfen. Die großen Jungs und auch Simon sind fasziniert von der Einfachheit des Spiels und den gar reizenden, lieblichen Figuren, die darin vorkommen. Auch sie wollen nun Prinzessinnen retten.
„Die müsst ihr nicht retten, die sollt ihr ankleiden!“, erklärt die Jüngste der Runde. Sichtlich stolz, dass sie mehr weiß.
Julius fällt etwas ein. Er stößt seinen Bruder leicht mit dem Fuß am Schienbein an.
„Gib mal bitte die Sachen von Oma raus.“
Die beiden haben ihrer Großmutter nach Weihnachten einen Besuch abgestattet und haben dort etwas abgesahnt. Sie haben eine besondere Oma, denn ihre holt regelmäßig beim Einkaufen Sticker für ihre Enkel. Immer noch! Julius erzählt, dass sie damit vor vielen Jahren angefangen hat und nun nicht mehr damit aufhört.
Und was sagen die jungen Männer dazu?
„Wir finden das cool, wir sind noch nicht zu alt für Sticker!“, beteuert Julius und zeigt  auf seinen Bruder. „Er hier, er war sogar noch auf einer Tauschbörse vorhin!“
Auf dem Tisch landet eine große Tüte. Darin befinden sich Unmengen von teilweise noch ungeöffneten Stickersammeltüten. Es muss sich um mehrere Serien handeln, denn die Verpackung ist höchst unterschiedlich.
Die Kleine bekommt Stielaugen. Sticker! Und eine Serie scheint sie zu erkennen. Die Tiersticker. Aber es erscheinen auch Motive aus Deutschland, Bilder zu Sportthemen, Sticker zu Filmen und vieles mehr.

In der nächsten Stunde sitzen Alt und Jung einträchtig beieinander und sortieren Sticker, kleben sie sogar in Sammelalben ein.
Ja! Die großen Jungs haben auch bunte Alben!
Und überzählige Exemplare landen bei dem Mädchen, das sein Glück gar nicht fassen kann. Julius hält ihr einen Sticker hin.
„Kennst du das, was da drauf ist?“
„Nein …“
Sie schaut verlegen.
„Das ist die Frauenkirche in Dresden.“
„Aha …“

„Sieht doch schön aus, oder …?“
„Ja, schon … und was ist das?“
Die Frauenkirche konnte sie nicht ganz so fesseln, sie hat daher ein weiteres Motiv aus dem Stapel gepickt. Julius schaut es sich an, dreht es, runzelt die Stirn und hält es dem Bruder hin.
„Was ist denn das für ein Tier?“
Der Angesprochene schaut es sich an und lacht:
„Das Tier gibt es doch gar nicht!“
Julius hat den Sticker umgedreht und entziffert ein Wort.
„Da steht, das ist ein Wolpertinger. Siehst du, das Tier gibt es doch!“
„Mann, das ist ein Fantasietier, ein Wolpertinger ist ein Fabelwesen! Das gibt es nicht! Habe ich dir doch gesagt.“
Julius grübelt und tippt auf das Bild.
„Sag mal, stammt der von Werner? Der hat doch mal so was gemacht, oder nicht?“
„Der hat zwar so etwas entworfen, aber aus anderen und auch noch mehr Tieren zusammengesetzt. Der Wolpertinger auf dem Sticker ist der aus Bayern, dieses alte, bayerische Fabelwesen.“
„Mensch, du bist echt ein wandelndes Lexikon
“, staunt Julius anerkennend.
Er nimmt den nächsten Sticker.
„Und wer ist bitteschön Aurora?“ Es klingt ein wenig herausfordernd.
Sein Er-erspart-mir-das-Nachschlagewerk-Bruder zieht nur leicht die Augenbraue nach oben.
„So nennt Disney sein Dornröschen …!“
Spricht’s, fischt nach einem anderen Album und klebt Aurora auf die entsprechend dafür vorgesehene Seite.
„Blättere noch einmal eine Seite zurück!“, bittet Julius.
Die Vorseite ist für Arielle und ihre Freunde reserviert. Einige Sticker fehlen noch.
„Was wolltest du denn gucken?“
„Schade, die Riesenmuschel fehlt immer noch“, bedauert Julius.
Alle filzen die restlichen Tüten und suchen im Stickerberg auf dem Tisch nach der Muschel. Vergebens. Dafür tauchen andere Schätze auf.
„Oh, die Glitzerziege!“ Die Brüder jubeln und sind außer sich vor Begeisterung.
Sie erklären dem Mädchen, dass sie diese Ziege leider unbedingt behalten müssten, die sei derbe cool. Als Alternative schnappt sich der Allwissende ein anderes funkelndes Motiv.
„Hier, du kannst aber Beethoven in Glitzer haben.“
Ah, wir haben jetzt offenbar die Musiker/Komponisten-Serie erwischt. Oder ist das eine einzige, thematisch breit gefächerte Glitzerserie? Ziegen und Beethoven …
Simon sortiert und macht Häufchen. Die Konzentration bei der Kleinen lässt langsam nach. Um ihren Hals baumelt ein Gurtband, an dessen Ende sich ein silberner Karabinerhaken befindet. Sie spielt mit den Fingern daran herum und steckt irgendwann den Haken in den Mund. Auf einmal fließen Tränen. Die Lütte hat sich mit dem Karabinerhaken die Lippe verklemmt! Während ihre verschreckte Mama sie befreit, entpuppt sich Julius als Retter der Situation und sorgt für Ablenkung.
Er kennt einen Trick mit seinen Händen, bzw. mit den Fingern. Er schafft es, es so aussehen zu lassen, als würde er mit der einen Hand die Daumenkuppe des einen Daumens abtrennen und beiseite schieben. Dazu knickt er den Daumen der einen Hand nach hinten, so dass nur noch das Stück bis zum Gelenk zu sehen ist, und setzt die Kuppe vom Daumen der anderen Hand daneben. Dazwischen verdeckt sein Zeigefinger den Ansatz. Er „fährt“ die Finger auseinander, was auf eine Art kolossale Heiterkeit hervorruft, aber im selben Moment ein beachtliches Schaudern sowie Gänsehaut hinterlässt. Das Mädchen hat jedenfalls ihre Lippenblessur völlig vergessen.
Das stürmische Gelächter veranlasst weitere Mitreisende hinüber- und dabei zuzusehen. Im Endeffekt lernen in den nächsten Minuten zehn Leute diesen neuen Trick und verbreiten ihn vermutlich in nächster Zeit weiter. Es wird Kreise ziehen, und es wäre interessant zu wissen, welche Reichweite Julius’ Demonstration erzielt.
Wenn Ihnen in nächster Zeit jemand damit kommt, dann reiste er vielleicht kürzlich im ICE Richtung Hamburg …

Moment, ich muss kurz einmal auf die Uhr schauen…. Oh, schon so spät!
Nun, Sie kennen das inzwischen, ich muss weg. Und wenn unser Treff hier länger ausfiel, dann kennen Sie das mittlerweile auch. Ich bin halt kein Freund davon, ein für mich durchgehendes Erlebnis in tausend Einzelposts aufzusplitten. Gönnen Sie sich gegebenenfalls doch einfach ein Päuschen beim Lesen. Es läuft Ihnen ja nicht weg.

Und wieder daheim ... Hamburg Hauptbahnhof am 28.12.2013, noch mit der Weihnachtsdekoration

Und wieder daheim … Hamburg Hauptbahnhof am 28.12.2013, noch mit der Weihnachtsdekoration

Die Reise endete mit am Ende 47 Minuten Verspätung. Für Simon und seinen Vater in Hannover, wobei Simon jetzt auf einmal gern weitergefahren wäre.
„Sind wir schon da?“, fragte er erstaunt, und es klang ein wenig enttäuscht.
Der Rest der Gesellschaft fuhr bis Hamburg. Dort war dann das kleine Mädchen untröstlich, die neuen, großen Ersatzbrüder zu verlieren. Immerhin versüßten all die geschenkten Sticker den Abschied.
„Mama, darf ich die bei mir an die Wand kleben …!“
„An die Wand?? Oh, Liebes, die gehen da gar nicht wieder ab!“
„Die sollen ja auch nicht abgehen!“
„Ja, aber irgendwann willst du sie vielleicht nicht mehr haben, wenn sie dir nicht mehr gefallen …“
„Ich finde die immer schön!“
„Ja, ich meine doch, wenn du dann älter bist!“
„Dann mag ich die immer noch ganz doll. Die großen Jungens fanden die ja auch immer noch schön!“
Dagegen soll erstmal einer etwas sagen …

Schluss.
Endgültig.
Bis zum nächsten Mal!

PS Denken Sie auch manchmal, dass Freundlichkeit ansteckt?

©Januar 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com

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Mit der Bahn unterwegs: Marvin und die Big Five

Diorama  - Karlsruhe Hauptbahnhof

Diorama – Karlsruhe Hauptbahnhof

26. Dezember 2011.
Es ist Vormittag, und der ICE Richtung Zürich läuft soeben im Hamburger Hauptbahnhof ein. Die Feiertage sind schon fast vorbei, doch  der offenbar familiär bedingte Reiseverkehr ist weiterhin in vollem Gange, der Bahnsteig  proppevoll.  Alles drängt und quillt Richtung Zugtüren. Beeilung beim Einsteigen.
Das Reisegepäck wird hinter sich hergezerrt, unter Schnaufen vor sich hergeschoben oder mangels Bodenfreiheit über den Kopf gehievt und in olympiaverdächtiger Manier durch die Gänge gestemmt.
Die erste Aufregung war am Bahnhof bereits in dem Moment entstanden, als klar wurde, dass der Zug „andersherum“ einfahren würde und somit die Wagenstandsanzeige nicht mehr stimmte.
Die von links wetzten nach rechts, die anderen kamen von dort im Eilschritt entgegen.
Die, die nichts gelesen oder die Durchsage nicht verstanden hatten, schauten irritiert.
Es hatte sich gerade alles etwas entkrampft, doch nun schlugen die Herzen wieder schneller, und die Gemüter erregten sich, weil  alle feststellten, dass einfach zu wenig Platz für Koffer, Trolleys, Reisetaschen und Rucksäcke vorgesehen ist. Die ersten Reisenden gerieten bereits aneinander – teilweise körperlich durch Enge, teilweise verbal. Es entstanden lebhafte Diskussionen, welcher Koffer wo am besten untergebracht werden könnte, wobei hier wiederum die Meinungen naturgemäß auseinandergingen.
Es scheint grundsätzlich ein Ding der absoluten Unmöglichkeit für viele, ihr gutes Stück etwas weiter entfernt als über oder zumindest direkt an dem eigenen Sitzplatz zu wissen.
Unter denen, die mit Rucksäcken reisten, war wieder der übliche Prozentsatz derjenigen unterwegs, die  komplett vergessen, dass sie nach hinten reichlich Überlänge haben. Bloß gut, dass hier keiner mit langen Bretten oder Skiern reiste. Es wäre ein bisschen wie Slapstick.
Sie kennen sicher noch die Szenen aus alten Stummfilmen, in denen sehr gern sich wild um sich drehende Personen gezeigt werden, die beim Rotieren Mitmenschen mehrmals umrasieren.
Bis eine Viertelstunde nach Abfahrt im Bahnhof, herrschte noch wildes Durcheinander, dann kehrte langsam wieder Ruhe ein.

Ich fuhr auch schon   – unüblicherweise – in der 1. Klasse. Beim Buchen des Tickets waren in dem Fall die Spartarife der 2. Klasse ausverkauft gewesen, jedoch nicht die der 1. Klasse. So kam es, dass Reisen in der sonst teureren Klasse billiger war, als Fahren im Normalbereich. Ich habe für mich festgestellt, dass ich nicht gerne so feudal reise. In vielen Zügen sind Ledersitze, und die sind anfangs ziemlich kalt. Später gibt es sich, doch sie knirschen und knartzen weiterhin bei fast jeder Bewegung. Und mindestens ein oder zwei der ausklappbaren Fußstützen quietschen. Die Mitreisenden, die dort mit Kopfhörern sitzen und am Laptop hantieren, wippen besonders viel, bemerken aber aufgrund der Verstöpselung die Geräusche selbst meist nicht.
Andererseits – ganz objektiv betrachtet – angenehm für die Beine, ist eine derartige Stütze  schon …
Die Platzfreiheit und Breite der Gänge ist selbstredend ebenfalls lobenswert, genauso wie der massenhafte Platz für das Gepäck. Doch es ist irgendwie einsam dort. Man trifft dort viel auf ältere, gut situierte Herrschaften und auf Geschäftsreisende, die – wie ihr Name es schon sagt – furchtbar geschäftig am Werkeln sind mit ihrer ganzen Elektronik.
Ich muss das gerade sagen, nicht wahr? Ich, die selbst sehr häufig mit Laptop oder dergleichen unterwegs ist!
Was ist es dann wirklich? Langeweile?
Nein, die kenne ich nicht, außerdem habe ich  ein Buch dabei, dazu das obligatorische Notizbuch und meist – wie erwähnt – sogar das Notebook. Doch mir fehlt in der 1. Klasse einfach die Anregung.
Mir fehlt Leben!
Das bunte Durcheinander aus Passagieren, das sich Arrangieren mit den Unwägbarkeiten, die im Nicht-Luxus herrschen. Sicher, manchmal ist es lauter, doch oft ist dies nur der allgemein höhere Geräuschpegel, der nach gewisser Zeit einfach nicht mehr stört. Ich habe mir angewöhnt, mir einen Platz am Gang zu nehmen. Es erlaubt mehr Bewegungsfreiheit und bietet auch den  Luxus des ungefragten Aufstehens, des spontanen Umhergehens und des „sich Ausbreitens“ bei Bedarf.  Wie oft fühlte ich mich früher oder wenn für mich mitgebucht wurde, am Fensterplatz eingequetscht!
Außerdem herrscht so wesentlich mehr Sicht auf das Umfeld und ebenso spontan, wie ich den Platz verlassen kann, kann sich wiederum auch ein anderer entscheiden, mich zu besuchen.
Besuchen? Wer sollte sie besuchen? Fremde …?
(Vielleicht stellen Sie sich gerade diese Frage)
Ja, Fremde. Gewissermaßen.
Kinder tun es mit Vorliebe, und ich habe absolut nichts dagegen. Ich sehe es nicht als Babysitter-Job für die Dauer der Fahrt, mehr als gegenseitige Unterhaltung für eine gewisse Zeit.
Während der Rückfahrt am 28.12  von Karlsruhe nach Hamburg, erhielt ich auch wieder Besuch. Ein männlicher Gast stoppte bei mir. Eigentlich tapperte er nur aus Langeweile ziellos durch den Gang. Oder aus Abenteuerlust. Vielleicht hatte er auch Hummeln im Hintern. Blond. Ungefähr acht Jahre alt.
Es hielt ihn an meinem Sitz fest, weil ich in dem offiziellen Bahnheft blätterte. Als er kam, las ich gerade einen mit Fotos angereicherten Bericht über wilde Tiere in Südafrika. Abgebildet waren u. a. eine Giraffe und ein vermutlich brüllendes Flusspferd. Vielleicht gähnte es auch nur. Ich war mir nicht so sicher, denn das Heft war wie üblich ohne Ton.
Marvin – so hieß er, wie ich schon bald erfuhr – schaute mit Fotos an und beobachtete etwas abwartend, wie ich auf sein Herumstehen wohl reagieren würde. Ich sprach ihn auf meine Überlegung bezüglich des Flusspferdes an.
„Was würdest du denn sagen? Brüllt oder gähnt es?“
Er tippte auf Gähnen. Ich zeigte auf die beiden Löwen auf einem anderen Bild.
„Und die?“
„Die brüllen“, erwiderte er im Brustton der Überzeugung.
„Was macht dich denn so sicher?“
Er meinte, Löwen seien gefährlich und brüllten immer. Das bot Gesprächsstoff für die nächsten Minuten. Wir diskutierten, ob Löwen denn auch schlafen und wenn ja, wie lange und  mutmaßten dann, dass sie beim Schlafen wahrscheinlich nicht brüllten. Er schränkte daraufhin „immer“  ein. Sie brüllten natürlich nur im wachen Zustand!
Aber gefährlich, gefährlich wären sie immer. Auch beim Schlafen!
„Beim Schlafen auch?“, fragte ich ihn.
„Ja“, erklärte mir Marvin, „wenn ihnen dann nämlich jemand auf den Schwanz tritt, dann sind sie echt sauer und ziemlich gefährlich!“
Richtig. Man darf nicht einfach – egal wem – auf den Schwanz treten! Schon gar nicht im Schlaf …
Wir sprachen danach über die Giraffe und ihr tolles Muster und überlegten, ob die Zeichnung auch bei dieser Tierart immer ganz unterschiedlich wäre – so wie bei den Zebras. Marvin wollte gar nicht glauben, dass jedes Zebra eine andere Fellzeichnung hat und daran identifiziert werden kann – wie der Mensch am Fingerabdruck.
Er kehrte also zwischendurch zu seinen Eltern zurück, um meine Glaubwürdigkeit zu checken. Nach drei Minuten war er wieder da – mit seiner Mutter, die herausfinden wollte, ob er anderen Mitreisenden zu sehr auf die Pelle rückte. Ich versprach ihr, Marvin direkt mitzuteilen, wenn ich wieder meine Ruhe wollte, aber bisher traf dies nicht zu.
Ihn interessierte, ob ich den ganzen Artikel im Heft schon gelesen hätte und was denn dort so stände. Ich verriet ihm, dass ich jetzt gelernt hätte, was die Big Five seien.
Big Five?“
Er konnte mit den englischen Worten schon etwas anfangen, denn er geht in die zweite Klasse und hat in der Grundschule bereits ein wenig Englischunterricht. Nur die genaue Bedeutung von diesenBig Five“ war ihm natürlich – wie auch mir vorher – nicht geläufig.
„Was soll das denn sein?“
„Marvin, üblicherweise sind es die fünf großen Tierarten, die Menschen bei einer Safari gesehen haben sollten, doch hier steht noch etwas anderes. Es sind die wilden Tiere, die in der Region dort lebten (es geht um Südafrika, die Provinz Kwu-Zala-Land und den Zembe Elephant Park an der Grenze zu Mosambik) und sehr schwer zu jagen waren. Sie nennt man die „Großen Fünf„. Dazu zählen der Elefant, der Löwe, das Nashorn, der Leopard und der Büffel. Und wenn von früher die Rede ist, dann ist die Zeit gemeint, in der diese Tiere noch gejagt werden durften. Heute stehen sie allesamt unter Schutz.“
Er lässt es ein wenig sacken und schaut noch einmal auf die Fotos im Heft.
„Und was ist mit der Giraffe?“
„Mit der Giraffe? Was genau meinst du denn?“
„Na, ist die auch eine Bickpfeif?“
„Nein, sie zählt nicht dazu.“
Das verstand Marvin nicht.
„Aber sie ist doch größer als das Nashorn!“
„Offenbar ließ sie sich aber leichter jagen und ist sicher auch weniger gefährlich für den Menschen.“
Wir rätseln noch darüber, warum nicht auch das Flusspferd oder das Krokodil dazu zählen, denn so harmlos sollen diese Tiere ja wirklich nicht sein.
„Vielleicht wollte die ja gar keiner jagen“, vermutete Marvin, und das muss man erst einmal widerlegen.
„Wenn es die großen Fünf gibt, gibt es dann auch die kleinen Fünf?“, fragte der junge Mann jetzt.
Ich finde, dies ist eine typische Kinderfrage. Und ich meine es absolut nicht abwertend! Nein, es ist eine absolut logische Frage, und die ist sehr typisch für Kinder.
Gut, dass ich schon weitergelesen hatte, denn zwei Seiten später tauchten sie tatsächlich auf: die sogenannten „Small Five„, ebenfalls Tiere, die geschützt sind. Diesmal sind es Ameisenlöwe,  Leopardenschildkröte, Büffelweber,  Nashornkäfer und Elefantenspitzmaus.
Marvin war beruhigt.
Es blieb noch etwas Zeit, über die kleinen Fünf zu sprechen, denn der Achtjährige möchte mehr zum Büffelweber („Das ist ein Vogel? Echt?“)  und der Leopardenschildkröte wissen.  Ich habe schon ein Foto von einer gesehen, allerdings nicht hier – in diesem Heft.
„Der Panzer der Schildkröte sieht von den Farben und vom Muster her ein bisschen so aus wie das Fell eines Leoparden“, versuche ich ihm den Namen des Panzertiers verständlich zu machen.
„Die Schildkröte hat aber keine Haare, oder?“, fragte er vorsichtshalber noch nach.
„Nein, aber Flecken wie der Leopard“, klärte ich ihn auf.
Ich las ihm eine Zeile im Text vor, die mir gerade ins Auge fiel. Sie besagte, das der Urin eines Leoparden nach Popcorn und Erdnussbutter riecht (oder stinkt). Marvin  war schwer beeindruckt.
„Popcorn esse ich manchmal im Kino“, verriet er mir, „das riecht ganz schön doll …!“
„Kannst ja den anderen sagen, ein Leopard war grad dort  …“
STOPP, ich darf Kindern nicht solche Tipps geben!
Zu spät.
Leider fand er die Idee auch noch gut …
Wir näherten uns inzwischen Frankfurt, dem Zielbahnhof der Familie des Jungen. Sein Vater war es diesmal, der Alarm schlug und ihn holen kam.
„Schon?“
Marvin war völlig überrascht. Sein Zeitgefühl hatte ihn verlassen. Doch so interessiert er eben noch gewesen war, so schnell schwang er nun um auf Aussteigen müssen, und prompt stiegen Hektik und Sorge in ihm auf, ob er noch rechtzeitig hinauskäme.
Dabei fuhr der Zug noch nicht einmal langsamer!
Husch, weg war er, und ich hatte meine Armlehne sowie das Heft wieder für mich. Ich hörte gerade noch, wie er beim Weggehen fragte:
„Papa, kennst du den Büffelweber?“
Ich hoffe,  sein Papa kam daraufhin nicht zu sehr ins Schwitzen. Andererseits, falls er es nicht wusste, würde er jetzt durch Sohnemann etwas lernen.
Ich schaute hinaus, ein bisschen Skyline von Frankfurt tauchte auf. Mal schauen, was sich hier im Bahnhof so ereignen würde. Neues Gepäck musste schließlich wieder verstaut werden …
Ich lehnte mich zurück in das Polster. Stoffpolster wohlgemerkt. Es lebe die zweite Klasse!
Was freute ich mich auf daheim! Noch gut drei Stunden, dann hätte Hamburg mich wieder.
Nach Hause kommen ist doch was Feines.

PS Ich habe unterwegs noch zwei, drei Dinge erspäht, die ich im nächsten Blogpost gerne teilen würde.
Es würde mich freuen, wenn Sie wieder mit dabei wären …

©Dezember 2011 by Michèle Legrand

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