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Sommer, Sonne, Alster … und wie ist es mit Ihnen?

Alsterrundfahrt - Hamburg - Blogtitel  zu Sommer, Sonne, Alster ... und wie ist es mit Ihnen?

Hamburg – Jungfernstieg (Binnenalster)

Das vergangene Wochenende (30.06./01.07.) brachte sonniges Wetter und überaus angenehme, sommerliche Temperaturen nach Norddeutschland. Haben Sie Lust, dies auszunutzen und mit ans Wasser zu kommen?
Oben ohne?
Ich hätte heute hier im Blog für Sie Folgendes im Angebot:
Eine Rundfahrt mit dem Alster-Cabrio über die Hamburger Binnen- und Außenalster.
Sie überlegen noch?
Nur das Boot ist offen, oben ohne – Sie dürfen weiterhin geschlossen, sprich bekleidet bleiben.
Es wird eine kleine, kurzweilige Fahrt, einige wissenswerte oder unterhaltsame Dinge werden locker und unauffällig hineingestreut. Wir plaudern ein wenig, Sie können Fotos ansehen, entspannen sich ein bisschen und in gut zehn Minuten steigen Sie wieder aus. Trocken und ohne dass Empfindsamen unter Ihnen vom Seegang schlecht geworden wäre.
Letzte Chance! ;)
Es geht los …

1_Alsterrundfahrt Hamburg - Ablegen am Jungfernstieg mit dem Alster-Cabrio - Am Anleger befinden sich noch "Alsterwasser", "St. Georg" und  "Eilbek" (siehe auch Text)

Ablegen am Jungfernstieg mit dem Alster-Cabrio – Am Anleger befinden sich noch die Boote „Alsterwasser“, „St. Georg“ und „Eilbek“ (siehe auch Text)

Wir starten am Anleger Jungfernstieg direkt in Hamburgs Innenstadt nahe dem Rathaus. Hier legen viele Schiffe der Alsterschifffahrt zu ihren Rund-, Kanal-. Fleetfahrten, zu Dämmertörns oder sonstigen (gecharterten) Sonderfahrten ab. Es gibt ebenfalls gesondert einen festen Linienfahrplan, der Ein- und Aussteigen an insgesamt neun Anlegern ermöglicht.

Die Boote der weißen Alsterflotte sind unterschiedlicher Bauart. Es gibt die traditionellen Alsterdampfer mit voneinander leicht abweichenden Bautypen. Sie tragen Namen wie Goldbek, Eilbek, Susebek etc. Des Weiteren die Flachschiffe („MS Fleetenkieker“ u. a.), eine restaurierte Motorbarkasse („Aue“), einen Solarkatamaran („Alstersonne“), den erwähnten offenen Schiffstyp  („Alster-Cabrio I und II“) sowie ein ZEMship („Alsterwasser“). ZEMship steht für „zero emission ship“, d. h. ein Fahrgastschiff, welches sehr fortschrittlich mit Brennstoffzellen – emissionsfrei und geräuscharm – angetrieben wird.
Von Zeit zu Zeit begegnet Ihnen auf der Alster sogar ein altes Dampfschiff. Wenn ein weißes Boot an Ihnen vorbeituckert, aus dessen Schornstein grauer Rauch quillt, dann ist es sehr wahrscheinlich die „St. Georg“. Sie gehört dem Verein Alsterdampfschifffahrt e. V.

2_Alsterrundfahrt - Hamburg - Zu sehen das solarbetriebene Alsterboot "Alstersonne"

Hamburg – Anleger Jungfernstieg – Zu sehen ist das solarbetriebene Alsterboot „Alstersonne“

Sie haben an diesem warmen Tag wirklich Glück, denn für uns steht das offene Boot abfahrbereit. Keine trübe Fensterscheibe, die die Sicht behindert, Sonne pur auf Ihrer Haut und ein bisschen frischen Wind um die Nase.

Sitzen Sie gut?
Bitte? Schwimmwesten?
Nein, die gibt es hier nicht. Sollten Sie hinausfallen, ist die Chance jedoch ziemlich groß, dass jemand hinterherspringt und sie rettet. Nicht nur das Alster-Cabrio, auch andere Boote würden sofort stoppen, beidrehen und sie wieder an Bord ziehen. Die Binnenalster ist zudem gar nicht so tief. Wenn Sie noch ein bisschen wachsen, können Sie fast darin stehen (2,50 m).

Die Binnen- und die Außenalster gibt es seit dem 13. Jahrhundert, als die Alster (der Fluss, dessen Quelle nördlich von Hamburg bei Henstedt-Ulzburg zu finden ist) zu Mühlenteichen aufgestaut wurde. Die Fläche der kleineren Binnenalster beträgt 18 ha, die der großen Außenalster 160 ha. Den großen See dürfen Sie sich etwa so groß wie das Fürstentum Monaco vorstellen. Hier beträgt die Wassertiefe ungefähr 3,50 m.

2a_Alsterrundfahrt - Hamburg - unter der  Lombards- und Kennedybrücke (dahinter) hindurch Richtung Außenalster

Unter der Lombards- und Kennedybrücke (dahinter) hindurch Richtung Außenalster …

Wir erreichen gleich die  Lombards- und die Kennedybrücke, die die beiden Seen voneinander trennen. Wenn man unter diesen steinernen Bauwerken durchfährt, hallt die Stimme plötzlich wie im Gebirge! Was gerade über uns hinwegrauscht, ist ein Fernzug. Einer von sehr vielen. Die Lombardsbrücke ist die Querung der Alster für Fern- und Güterzüge und mit 900 Zügen, die pro Tag über ihre Gleise fahren, die meistbefahrene Eisenbahnbrücke Europas!
Der Autoverkehr nutzt die Kennedybrücke dahinter, die zusätzlich gebaut wurde, als das Verkehrsaufkommen immer größer wurde. Sie hatte anfangs den sehr logischen Namen Neue Lombardsbrücke und wurde erst nach der Ermordung John F. Kennedys 1963 ihm zum Gedenken in Kennedybrücke umbenannt.

3_Alsterrundfahrt - Hamburg - Nachwuchs bei den Schwänen ...

Außenalster – Nachwuchs bei den Schwänen …

Die Brücken liegen hinter uns, wir befinden uns nun auf der Außenalster. Rechts taucht das bekannte Hotel Atlantic auf. Sehen Sie doch einmal hoch zum Dach! Es sind Menschen oben! Wird dort gearbeitet, oder spielen sich vielleicht Dramen in dieser Höhe ab?

4_Alsterrundfahrt - Hamburg - Hotel Atlantic - rechts auf dem Dach die Weltkugel mit den beiden Karyatiden  (-> James Bond Szene, siehe Text)

Hotel Atlantic – rechts auf dem Dach die Weltkugel mit den beiden Karyatiden (-> James Bond Szene, siehe Text)

Es gab dort oben tatsächlich schon einmal eine dramatische Begebenheit. 1997 wurden hier Szenen für den James Bond Film „Der Morgen stirbt nie“ mit Pierce Brosnan gedreht, der (oder sein Stuntman-Double) vor einem Killer über den Balkon an der Hausfassade hinauf auf das Dach flüchtete, bis hin zur Weltkugel rechts mit den beiden Karyatiden.
Was meinten Sie bitte?
Nein, es ist nicht schlimm! Machen Sie sich keine Gedanken!
Sie dürfen ruhig weiter James Bond Musik vor sich her summen …
Sollte sie noch der Begriff Karyatiden im Zusammenhang mit der Weltkugel beschäftigen –  so werden  in der Architektur Skulpturen von weiblichen Figuren, die eine tragende Funktion haben, genannt.

Ein Stückchen weiter, nahe der Gurlitt- Insel, treffen wir auf einen Herrn, der mitten im Wasser steht. In Hamburg gibt es an verschiedenen Orten insgesamt vier dieser auf Bojen befestigten Figuren von Stefan Balkenhol. Sie sind aus Eichenstämmen gefertigt, fast identisch, und die Kollegen befinden sich seit 1993 auf der Süderelbe in Harburg, im Serrahn in Bergedorf sowie auf der Elbe beim Museumshafen Övelgönne. Im Winter werden sie eingeholt.

5_Alsterrundfahrt - Hamburg - Einer von "4 Männern auf Bojen"  von Stephan Balkenhol

Außenalster – Einer von „4 Männern auf Bojen“ von Stephan Balkenhol

6_Alsterrundfahrt - Hamburg ...der Herr von hinten betrachtet. Besuch durch einen Wasservogel ...

… der Herr (Größe: 2,40 m) von hinten betrachtet. Besuch durch einen Wasservogel.

Unser Boot nähert sich dem Schwanenwik. Schwanenwik bedeutet so viel wie Bucht der Schwäne. Hier sehen Sie rechts die 1952/53 entworfene Bronze „Drei Männer im Boot“ von Edwin Scharff. Bevor Sie allerdings fertig gegossen und aufgestellt war, starb der Künstler 1955. Er selbst hatte sich die Herren mit den hoch aufgerichteten Ruderstangen eigentlich an den (von ihm – so dachte er) umgestalteten Jungfernstieg gewünscht – nun steht die Bronze hier, die Figuren zum Wasser ausgerichtet.

7_Alsterrundfahrt - Hamburg - Bronze "Drei Männer im Boot" von Edwin Scharff am Schwanenwik

Bronze „Drei Männer im Boot“ von Edwin Scharff am Schwanenwik

Genau hier, in der Bucht der Schwäne, befindet sich die breiteste Stelle der Außenalster. Die Entfernung vom Ostufer zum Westufer hinüber beträgt ca. 1.200 m. Die Straße, die jetzt auf unserer Uferseite entlangführt, nennt sich Schöne Aussicht. Häuser mit dieser Adresse sind begehrt, rar und in ihrer Anschaffung äußerst kostspielig.  Die Straße hat ihren Namen nicht ohne Grund, denn wer von hier aus über die Alster schaut, dem bietet sich ein großartiges Panorama! Der Blick erfasst die Silhouette der Stadt, zeigt all die markanten Kirchturmspitzen und eine Menge Himmel und Wasser drumherum!
Höher als alle Kirchtürme ist übrigens der Fernsehturm  oder Heinrich-Hertz-Turm, wie er  korrekt heißt. Er misst 279 m, ragt dementsprechend hoch in den Himmel. Ist riesig! Doch wer im Hamburger Hafen oder auch anderswo schon einmal die Queen Mary II gesehen hat, dem sei gesagt, würde man dieses Schiff hochkant an den Turm stellen, dann ragte es noch 66 m über die Spitze hinaus …

8_Alsterrundfahrt - Hamburg - Blick von der Schönen Aussicht hinüber zur Innenstadt

Blick von der „Schönen Aussicht“ hinüber zur Innenstadt

Es geht weiter am Gästehaus des Hamburger Senats vorbei. Es wird heute nicht mehr so viel genutzt wie z. B. zu jener Zeit, als Helmut Schmidt Bundeskanzler war. Er lud gern zu Gesprächen in seine Heimatstadt ein und quartierte seine Gäste an der Alster ein. Der Senat empfängt schon seit 1965 in dieser Villa und seither stiegen viele prominente Persönlichkeiten hier ab. Queen Elizabeth II hat sich als erste eingetragen. Kissinger war da, Yassir Arafat, Breschnew, der Dalai Lama, Giscard d’Estaing u. v. m. Auch der König von Tonga, für den das Bett verstärkt werden musste – er wog viereinhalb Zentner!

8a_Alsterrundfahrt - Hamburg - Gästehaus des Hamburger Senats (sehr versteckt, der Garten mit Bootsanleger liegt Richtung Feenteich)

Gästehaus des Hamburger Senats (sehr versteckt, der Garten mit Bootsanleger liegt Richtung Feenteich)

Wir passieren jetzt die Feenteichbrücke, die den Eingang zum Feenteich bildet.

9_Alsterrundfahrt - Hamburg - Feenteichbrücke

Außenalster/Ostufer – Feenteichbrücke

Nur eine von sehr vielen Brücken in dieser Stadt. Es gibt in Hamburg offiziell 2.376 Brücken (inoffiziell 2.500). Damit ist Hamburg die brückenreichste Stadt Europas und hat mehr Brücken als Amsterdam, London und Venedig zusammen! (Mit Brücken sind wirklich alle, nicht nur die über Wasserwege gemeint)

Ein Stückchen hinter der Feenteichbrücke und hinter dem Anleger  Uhlenhorster Fährhaus (Uhlenhorst = Eulennest) befindet sich die Imam-Ali Moschee. Sie ist die viertälteste Moschee in Deutschland (Grundsteinlegung 1961, Einweihung 1963 und 1965).

10_Alsterrundfahrt - Hamburg - Anleger "Uhlenhorster Fährhaus" - Im Hintergrund die Imam-Ali Moschee, das Islamische Zentrum Norddeutschlands

Anleger „Uhlenhorster Fährhaus“ – Im Hintergrund die Imam-Ali Moschee, das Islamische Zentrum Norddeutschlands

10a_Alsterrundfahrt - Hamburg -  ... gegenüber zu erkennen:der Anleger "Fährdamm" mit dem Café Cliff

… gegenüber am Westufer zu erkennen: der Anleger „Fährdamm“ mit dem Café Cliff

Lassen Sie uns von der Außenalster einen kleinen Abstecher in den Langen Zug machen. Hier gibt es auch etwas, das Sie vielleicht sehen möchten. Beim Einbiegen passieren wir das Haus des Rudervereins der Hamburger Schulbehörde. Er wirkt momentan ein bisschen verwaist, was sicher daran liegt, dass die Schulferien schon begonnen haben. Aufgenommen wird hier nicht jeder, der eine Hamburger Schule besucht, sondern nur, wer als Schüler u. a. mindestens einen Notendurchschnitt von 1,2 vorweisen kann.
Über dem Club befindet sich die Wohnung des Hausmeisters. Er ist bereits ein älterer Herr, der – laut einem Gerücht – nicht in Rente gehen möchte, weil es für ihn bedeuten würde, dass er von diesem doch sehr schön gelegenen Plätzchen fortziehen müsste …

11_Alsterrundfahrt - Hamburg - Einbiegen in den Langen Zug. Rechts der Ruderverein der Hamburger Schulbehörde

Einbiegen in den Langen Zug. Rechts der Ruderverein der Hamburger Schulbehörde.

Ein kleines Stück weiter auf der rechten Seite taucht ein recht interessantes, eigenwilliges Haus auf. Der Hamburger Architekt Hadj Teherani hat es nach seinen Entwürfen bauen lassen.

12_Alsterrundfahrt - Hamburg - Teherani Entwurf - Kreuzfahrtschiff von hinten ...

Außenalster/Am Langen Zug – Ein Teherani Entwurf : Kreuzfahrtschiff von hinten …

13_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... man sieht, dass auch der Garten in Wellen angelegt ist, so dass der Eindruck entsteht, das "Schiff" sei im Wasser

… man sieht, dass auch der Garten in Wellen angelegt ist, so dass der Eindruck entsteht, das „Schiff“ gleite durchs Wasser

Es sieht aus wie ein Kreuzfahrtschiff von hinten, große Glasfronten bieten Ausblick und selbst der Garten wurde danach  gestaltet. Der Rasen verläuft wellig, die Anpflanzung unterschützt zusätzlich den Eindruck, dass sich das „Schiff“ im Wasser befindet. Herr Teherani wohnt dort, allerdings nur im Parterre auf „lumpigen“ 210 qm. Es gibt insgesamt sieben Parteien in diesem Haus, für einen allein waren die Kosten wohl doch zu gewaltig. Unter anderem soll Hugo Boss hier seine Ferienwohnung haben. Eine verglaste Außenkabine sozusagen …

Während Sie noch weitere Villen links und rechts anschauen, gedenke ich einen Moment einer  früheren Firma, bei der ich gern gearbeitet habe,  die sich hier ganz in der Nähe, etwa am Beginn der Straße Bellevue, befand. Fast acht Jahre konnte ich in jeder Mittagspause schnell an den Langen Zug und vor zum offenen See spazieren, Alsterluft schnuppern, den Blick über das Wasser gleiten lassen oder Wasservögel beobachten. Die Firma gibt es mittlerweile nicht mehr – aber wenigstens die Alster, nicht wahr?

14_Alsterrundfahrt - Hamburg - Richtung Krugkoppelbrücke, rechts "Bobby Reich"

Außenalster – Richtung Krugkoppelbrücke, rechts „Bobby Reich“

Die Sonne strahlt weiterhin, das Wasser glitzert, und die Fahrt führt Sie nun Richtung Krugkoppelbrücke. Am Ufer liegt die Straße Bellevue mit sehr noblen Häusern. Bellevue heißt im Grunde auch wieder Schöne Aussicht. Doch auf diese Art findet sich der Postbote leichter durch, als wenn das ganze Ostufer den gleichen Straßennamen hätte. ;)
Rechts von der Krugkoppelbrücke an der Straße Fernsicht, liegt das bekannte und gut besuchte Restaurant-Café „Bobby Reich“ mit Bootssteg, Bootslagerung und Bootsvermietung schon seit 1883.

Sie haben es natürlich bereits bemerkt: Auf der Alster fahren selbstverständlich nicht nur die Boote der Alstertouristik (Alsterschifffahrt). Hier sind auch viele Segler, Ruderer und Tretbootfahrer unterwegs. Es werden Regatten veranstaltet und Ruderrennen ausgetragen. Es gibt mehrere Ruderclubs an verschiedenen Stellen entlang des Ufers,  die Segelschule Käpt’n Prüsse unweit des Hotel Atlantics und einige Verleihstellen für Segel-, Tret- und Ruderboote rund um den See. Lediglich weitere motorisierte Fahrzeuge sind  nicht erlaubt, und es gilt zudem der Grundsatz: Vorfahrt haben immer die Alsterschiffe!

Unser Alster-Cabrio fährt noch unter der Krugkoppelbrücke hindurch, so dass Sie sehen können, wo der Alsterlauf hinführt. Schauen Sie bitte einmal nach rechts.

15_Alsterrundfahrt - Hamburg - Unter der Krugkoppelbrücke hindurch und wenden. Weiter geht es bei dieser Tour nicht.

Unter der Krugkoppelbrücke hindurch und wenden. Weiter geht es bei dieser Tour nicht.

Von hier aus bleiben gut 50 km Wasserstrecke bis zur Quelle. Befahrbar mit den Schiffen der Alstertouristik sind allerdings lediglich noch die nächsten sieben bis acht Kilometer (Richtung Winterhuder Fährhaus).
Wir drehen und wählen die Route entlang des Westufers zurück. Dort sind die Stadtteile Harvestehude und Rotherbaum, und das Alstervorland mit Alsterwiesen und  Alsterpark ragt bis an das Ufer.

Unser Kapitän hat jedoch eben bemerkt, dass die Zeit knapp wird, empfiehlt, die Hüte festzuhalten und gibt Gas. Es dröhnt, der Boden vibriert, und der Lärm verhindert vorerst weitere Erläuterungen.

Immer noch Sonnenschein. Aber selbst wenn hier – wie in den letzten Wochen – sehr viel Regen fällt, besteht nie die Gefahr, dass die Alster oder ihre Fleete überlaufen. Zwei elektronisch gesteuerte Schleusen (Rathausschleuse und Schaartorschleuse) regulieren den Wasserstand und sorgen für einen gleichmäßigen Pegel.
Auch ansonsten können Sie beruhigt sein, denn schauen Sie jetzt einmal nach links: die Polizei ist schon da und passt auf …

16_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... die Polizei ist anwesend.

Außenalster – … die Polizei ist anwesend.

17a_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... auf der Rücktour vorbei am Anleger "Alte Rabenstraße" mit Bodos Bootssteg

… auf der Rücktour vorbei am Anleger „Alte Rabenstraße“ mit Bodos Bootssteg

18_Alsterrundfahrt - Hamburg - .... die Zeit drängt. Noch einmal Gas geben, dass der Boden vibriert.

Alsterrundfahrt: …. die Zeit drängt. Noch einmal Gas geben, dass der Boden unter den Füßen vibriert.

Wir lassen die Außenalster gleich wieder hinter uns und steuern erneut auf die Kennedybrücke zu. Haben Sie es erkannt? Im Wasser schwimmt ein „Seehund“ …

19_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... was hier in der Alster schwimmt, ist ein Seehund.

… was hier in der Alster schwimmt, ist ein Seehund ;)

19b_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... der See-Hund

Außenalster mit See-Hund …

Geht es Ihnen gut?
Fühlen Sie sich noch wohl?
Ich hoffe, sie haben die leichte Schaukelei eben vertragen.
Ansonsten wird es jetzt wieder ruhiger, denn wir befinden uns nun wieder auf der Binnenalster. Was als leichter Sprühnebel auf sie niederkommt, ist die zart verpustete Gischt der großen Alsterfontäne.

19a_Alsterrundfahrt - Hamburg - Unter der Kennedybrücke, vorweg die Lombardsbrücke und die Binnenalster

Unter der Kennedybrücke. Vorweg die Lombardsbrücke sowie die Binnenalster.

20_Alsterrundfahrt - Hamburg - Zurück auf der Binnenalster mit Fontäne

Die Alsterfontäne in Aktion.

Das schöne Gebäude zur Rechten ist das Hotel Vier Jahreszeiten, von dem ich Ihnen kürzlich schon den Eingang auf einem Nachtfoto zeigte. (Lesen Sie hier bitte freundlicherweise korrekt! Es heißt nicht Nacktfoto!)  Das Vier Jahreszeiten ist immer noch eines der besten Hotels weltweit und dementsprechend sind  die Preise. Ein Zimmer (nach hinten heraus, kein Alsterblick!) bekommen Sie bereits für günstige 430,00 €, die Präsidentensuite, die Sie rechts oben (dort, wo die schmalen Fenster sind) erkennen, kostet 4.900,00 € pro Nacht.

21_Alsterrundfahrt - Hamburg - Hotel Vier Jahreszeiten - rechts oben (mit schmalen  Fenstern) die Präsidentensuite

Hotel Vier Jahreszeiten – rechts oben (mit schmalen Fenstern) die Präsidentensuite

22_Alsterrundfahrt - Hamburg - Das ALEX am Jungfernstieg, links der eigene Beach Club

Das ALEX (früher Alsterpavillon) am Jungfernstieg, links der eigene Beach Club (Georgia-Beachclub-Lounge)

23_Alsterrundfahrt - Hamburg - Geradezu der Eingang der Europapassage, im Hintergrund die Petrikirche

Anleger Jungfernstieg. Geradezu der Eingang der Europapassage, im Hintergrund die Petrikirche

Wir sind fast am Ende unserer Rundfahrt,  doch bleiben Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit noch sitzen! Im Gegensatz zu früher, werden wir heute nicht an der Pier vertäut. Am Anleger Jungfernstieg befinden sich an einigen Stellen senkrecht Metallplatten montiert, an Bord der Alsterschiffe hingegen gibt es Magneten. Das Anlegen erfolgt  elektromagnetisch, und da es nicht reicht, einfach nur in die Nähe der Platten zu kommen und sich hoffnungsfroh anziehen zu lassen, muss unser Kapitän mit relativ viel Schwung dagegen halten.

23a_Alsterrundfahrt - Hamburg - Anlegen am Jungfernstieg - Metallplatten für die elektromagnetische "Andockung"

Anlegen am Jungfernstieg – Metallplatten für die elektromagnetische „Andockung“

Nun, Sie sind ja jetzt mental vorbereitet und halten sich am besten vorsichtshalber an der Sitzbank oder an  ihrem Nachbarn fest. Wenn Sie ihn bisher noch nicht kennen, kann das nun mit einer guten Begründung nachgeholt werden. Starten Sie die Kontaktaufnahme vielleicht zwanglos mit einem: „Sind Sie auch so furchtsam?“ oder „Ihre Hände wirken auf mich irgendwie beruhigend!“

24_Alsterrundfahrt - Hamburg - Ende. Schön war's ...

Ende der Alsterrundfahrt. Schön war’s. Der schlanke Herr in dunkler Hose und weißem, kurzärmeligen Hemd, der uns gerade den Rücken zuwendet – das war unser Kapitän.

Angedockt. Sie können ausatmen.
Hat es Ihnen ein bisschen gefallen?
Ich betone, es waren nicht immer oder ausschließlich die Erläuterungen, die der Kapitän von sich gab, doch ich fand, wir bräuchten zusätzlich noch ein bisschen Information.
Falls Ihre Beine sich erst wieder an Festland gewöhnen müssen, setzten Sie sich noch einen Moment hier auf die sonnenbeschienenen Sitzbänke und schauen dem Treiben zu.

25_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... noch ein bisschen die Sonne genießen und gucken ...

Wieder festen Boden unter den Füßen. Noch ein bisschen die Sonne genießen und gucken …

Demnächst können Sie – wenn Sie denn wollen – auch einen Ausflug auf der Landseite mitmachen. Zu Fuß entlang der Außenalster.
Was halten Sie davon?

26_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... und demnächst könnten Sie mit mir die Alster von der Landseite aus kennenlernen

… die Landseite ist nämlich auch sehr schön!

Ich sage rechtzeitig Bescheid …!

©Juli 2012 by Michèle Legrand

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2 Kommentare

Akademie für Mode und Design – Open House 12: Stehröcke kennen Sie schon …?

Prolog
In der Zeitung fänden Sie jetzt vermutlich einen kleinen Bericht von acht bis zehn Zeilen, der sie knapp und präzise über Open House 12 informierte. Wann, wo, wie … Vielleicht ein Foto dazu.
Bevor ich mit diesem Bericht beginne, stelle ich mir selbst gerade die Frage, weshalb ich es angenehmer finde, Blogposts zu schreiben als Artikel für eine Zeitung.
Ich übermittle genauso gern Informationen im Blogpost wie im Artikel und halte durchaus an vielen Stellen Sachlichkeit für notwendig. Doch im Blog kann ich Wissen anders verpacken. Zudem habe ich Platz und keine Spaltenbegrenzung.
Ein Blog bietet mehr. In ihm ist Platz für Gedankenspiele und ein bisschen Emotion. Dort finden Dinge Erwähnung, die mit dem eigentlichen Erlebnis nur bedingt zu tun haben, jedoch unmittelbar dort oder aber zeitgleich stattfinden. Ich darf dort jemanden, dem daran liegt einen Gesamteindruck zu erhalten, virtuell die Hand geben und ihn mitnehmen.
Das ist der Luxus des Blogs …
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Rückblick. Freitag, 15. Juni 2012.
An diesem Tag lud die Akademie für Mode und Design (AMD) ein und informierte interessierte Gäste zwischen 17 und 22 Uhr nicht nur über die verschiedenen Studiengänge und Möglichkeiten, die sich an dieser staatlich anerkannten Hochschule für Studenten bieten, sondern bot auch Praxis-Workshops zum Mitmachen an, stellte aus und lockte zusätzlich mit einer Modenschau, der sog. Floorshow.
Der Studiengang Mode Design (B.A.) präsentierte seine Semesterarbeiten und wäre das Wetter wärmer, weniger windig oder insgesamt beständiger gewesen an diesem Tag, so hätte dieses Event sogar im Garten stattfinden können.
Ein denkbar schöner Fleck für eine Modenvorführung, denn das Grundstück, auf dem sich die AMD befindet, liegt direkt an der Außenalster (Alte Rabenstraße 1/Ecke Alsterufer bzw. Harvestehuder Weg), in unmittelbarer Nähe des Anlegers (Alsterschifffahrt u. a.), dort, wo sich auch das Lokal „Bodo’s Bootssteg“ befindet (und ja, in diesem Eigennamen ist ein Apostroph)

Open House 12 - AMD - Ein deutliches Zeichen, dass Sie sich in der Alten Rabenstraße befinden

Ein deutliches Zeichen, dass Sie sich in der Alten Rabenstraße befinden …

"Open House 12" - Akademie für Mode und Design (AMD) - Alte Rabenstraße 1

„Open House 12“ – Akademie für Mode und Design (AMD), Hamburg

Wenn Sie an einen Ort möchten, von dem Sie annehmen, dass Sie mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit keinen Parkplatz finden werden, stellen Sie sich möglicherweise – wie ich – auch gleich auf das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel ein. Keine strapazierten Nerven, kein Zeitdruck, unter den Sie geraten, weil Sie auch eine halbe Stunde nach Ihrer Ankunft vor Ort weiterhin durch vollgeparkte Seitenstraßen fahren – mit schwindender Hoffnung auf einen temporären Abstellplatz für Ihre Limousine.
Mir geht es allerdings so, dass ich mich – nach dem Entschluss, die Bahn zu nehmen – in Sicherheit wiege und weitere Nachforschungen bezüglich möglicher anderer Verkehrsbeeinträchtigungen unterlasse.
So spaziere ich am 15.06. in den Abendstunden zu Fuß die Alte Rabenstraße hinab Richtung Alster und staune über Stau, Hupen, blau zuckendes Blinklicht in der Ferne am Alsterufer, unverständliche Durchsagen per Megaphon, die zu mir herüberschallen, generellen Menschenlärm und etwas, was wie Applaus klingt.
Alles, weil die AMD einen Tag der offenen Tür veranstaltet? Na, da herrscht aber Betrieb …!
Oder hat es einen Unfall gegeben?
Das amerikanische Generalkonsulat ist auch nicht weit entfernt … Hat da jemand …?
Nichts dergleichen! An diesem Abend findet entlang der gesamten Außenalster der 8. Hamburger Nachtlauf mit über 5.000 Läufern statt, die das große Gewässer ein- oder zweimal umrunden (7,5 bzw. 15 km Strecke sind möglich). Start und Ziel nahe dem Ort, dem ich mich gerade nichtsahnend nähere.

"Open House 12" - AMD - Absperrungen aufgrund des 8. Hamburger Nachtlaufes

Absperrungen aufgrund des 8. Hamburger Nachtlaufes

Ich erahne, worum es geht, als eine nicht endende wollende Truppe joggender Menschen in einheitlichen weiß-orangefarbenen T-Shirts an mir vorbeieilt. Das Blaulicht stammt von einem Peterwagen, der Absperrungen kontrolliert und sichert, der Applaus ertönt immer dann, wenn Läufer eine Art Torbogen durchlaufen, der das Ende der ersten Runde markiert.
Die AMD muss noch ein klein wenig warten, denn ich schaue diesem Treiben weitere Minuten zu. Man erzählt mir, dass ich gar nicht erst versuchen soll, hinüber auf den Wanderweg an der Alster zu kommen – ich käme nie wieder zurück zur Straße! Es würde nämlich das Gros der Teilnehmer erst noch erwartet … Und man verrät mir auch, dass ein weiterer Start um 22 Uhr erfolgt.
Das wiederum kommt meinen Plänen sehr entgegen, denn ich würde gern später nach der Modenschau noch im Dunkeln an der Alster und Richtung Stadt zur U-Bahn spazieren. Ich glaube, dass ich heute reichlich Gesellschaft haben werde und somit dort trotz Finsternis gefahrlos „alleine“ unterwegs sein kann.

Zurück zum Open House 12 der AMD.
Ich folge gern einer Einladung, denn abgesehen davon, dass mich die Möglichkeit des Anschauens von Objekten der Studenten der Studiengänge
Mode Design (B.A.),
Mode- und Designmanagement (B.A.) sowie
Raumkonzept und Design (B.A.)
generell interessiert, reizt es mich, die angekündigte Modenschau zu besuchen. Aus sehr persönlichem Interesse, da einige der Teilnehmer (männlich und weiblich) des Model Contests QUARREE GESICHTER 2013, über den ich regelmäßig im Blog berichte, sich hier einem Casting gestellt und sich durchgesetzt haben.
Alexander Strauß, Verantwortlicher beim eben erwähnten Model-Wettbewerb, steht hier ebenfalls eine große Herausforderung bevor. Er choreographiert die Show – hatte dafür allerdings nur eine extrem kurze Zeitspanne zur Verfügung – nämlich wenige Stunden an diesem Nachmittag. Für mich schwer vorstellbar, wie diese Aufgabe gelöst werden soll angesichts der nicht geringen Anzahl von Teilnehmern, der Vielzahl der Outfits/Styles, der nicht optimalen räumlichen Gegebenheiten etc.

Ich möchte Sie gern, bevor die Modenschau beginnt, mit hinab in den Keller nehmen. Dort werden an diesem Tag Ausstellungsstücke unterschiedlicher Studiengänge gezeigt.

Open House 12 - AMD - Interessante Objekte im Untergeschoss - Modelle des Studiengangs Raumkonzept und Design

Interessante Objekte im Untergeschoss – Modelle des Studiengangs Raumkonzept und Design

Open House 12 - AMD - Modelle im Untergeschoss - Studiengang Raumkonzept und Design, 1. Sem.

Modelle im Untergeschoss – Studiengang Raumkonzept und Design, 1. Sem.

Außerdem befinden sich hier im Untergeschoss die Werkstätten mit den Nähmaschinen für den Fachbereich Mode Design. In der Raummitte stehen Sie als Besucher vor Tischen mit Schneiderpuppen und dürfen sich heute die Modelle ansehen, die Studierende des 1. Semesters entworfen haben.

"Open House" - AMD - Lampenschirme - Hinterlegt mit Entwürfen ...

„Open House“ – AMD – Lampenschirme – Hinterlegt mit Entwürfen … Eine Arbeit von Sarah Isabella Ford, 1. Semester Mode Design

Open House 12 - AMD - Röcke - neue Formfindung - Studiengang Mode Design (B.A.) - 1. Sem.  Richard Knauer

Röcke – neue Formfindung – Studiengang Mode Design (B.A.) – 1. Sem. Richard Knauer

"Open House 12" - AMD - Entwurfsmodelle für Rockformen

Entwurfsmodelle für Rockformen

AMD - Open House 12 - Neue Rockentwürfe - vielleicht Ihr nächster ... ? - 1. Sem. Laura  Riepel

Neue Rockentwürfe – vielleicht Ihr nächster …? – 1. Semester – Laura Riepel

"Open House 12" - AMD - Weitere Entwürfe ... u. a. von Aljona Lange

„Open House 12“ – AMD – Weitere Entwürfe … u. a. von Aljona Lange

"Open House 12" - AMD - Auch ein sehr schickes Modell - 1. Sem., Yasmin Gleitsmann

Auch ein sehr schickes Modell – 1. Sem., Yasmin Gleitsmann

Es geht um neue Formfindung und so sehen Sie ausgefallene, ins Auge stechende Entwürfe und Modelle. Seien Sie einfach offen und unvoreingenommen!
Es geht um Ideen, um Kreativität, die Erarbeitung, das Umsetzen (Aufgabenerfüllung), die Verarbeitung!
Sie dürfen sich dabei bitte nicht vorrangig fragen:
Ist das denn tragbar?
Tragbar ist ein weiter Begriff, ein unklarer, mehrdeutiger Begriff.
Tragbar heißt für manchen, dass das Kleidungsstück nicht besonders, nicht merkwürdig oder eigenartig sein darf. Es soll sich nicht aus der Masse hervorheben, nicht provozieren, soll normal sein …
Jetzt könnten wir dazu übegehen, normal zu definieren. Machen wir aber nicht.
Tragbar, wie zuvor genannt, bedeutet, sie fallen nicht auf wie ein bunter Hund, wenn sie damit vor Ihre Haustür treten und werden in Ihrer Firma nicht aufgrund eines nicht verstandenen  oder zu locker interpretierten Dresscodes postwendend zum Chef bestellt.
Tragbar kann im schlimmsten Fall allerdings auch für langweilig, öde stehen. Ein Synonym werden für Einheitslook, Konformität. Tragbar, aber belebend wie abgestandener Sekt, grau wie ein Nebeltag.

Tragbar im anderen Sinn signalisiert einen gewissen Tragekomfort. Sie fühlen sich wohl in dem, was sie anhaben. Das Material ist angenehm auf der Haut, die Verarbeitung gut, der Schnitt bequem.
Sie genießen Bewegungsfreiheit und fühlen sich in keiner Weise in Ihrem Tun eingeschränkt.

Weiterhin gibt es tragbar natürlich noch in Bezug auf das Gewicht – diese Definition vernachlässigen wir generös.

Sie haben gerade die Fotos der Werkstattmodelle gesehen. Kann jemand so etwas anziehen?
Wir haben das große Glück, dass genau diese Entwürfe umgesetzt wurden und während der Fashion Show von Models vorgeführt werden."Open House 12" - AMD - Fashion Show - Rockentwürfe

„Open House 12“ – AMD – Fashion Show – Rockentwürfe
"Open House 12" - AMD - Rockentwürfe ... die Rückseite.

Rockentwürfe … die Rückseite.

"Open House 12" - AMD - Rockentwürfe ... weitere Ansichten von hinten.

Rockentwürfe … weitere Ansichten von hinten.

Entdecken Sie Stehröcke? Genau, da taucht er auf, der Begriff aus der Überschrift.
Bei welchem Rock ist vom Hinsetzen abzuraten?
Wenn Sie bitte einmal von links nach rechts kontrollieren möchten:
Modell 1:
Sitzen ist möglich, aber vorzugsweise auf einem Doppelsitz und nicht am Tisch. Dafür stehen Sie zu weit vor. Möglicherweise können Sie auch ihren Stuhl gar nicht in eine bessere Position schieben, weil ihr Arm nicht bis zur Stuhllehne herunterreicht. Was schick aussähe, wäre, wenn sie mit diesem Rock Hand- und Kopfstand machen. Dann wäre ihr Rock „richtig herum“.
Modell 2 und 3:
Sitzen? Jein. Keine Verletzungsgefahr für Sie, aber Faltenwurf und Schleife sind platt.
Modell 4:
Ein absoluter Nur-Stehrock! Das Modell „Vorstehende Eistüten“. (Ausnahme: Sie finden einen Stuhl mit extrem großen Lochmuster in der Sitzplatte)
Model 5-7:
Ähnlich wie 2 und 3 – es wäre einfach zu schade um Ihr gutes Stück.
Model 8:
Es ist zu überlegen, den Rock fürs Sitzen zu drehen. Rückseite nach vorne …

Nein, ich beabsichtige nicht, mich über die Arbeiten lustig zu machen! Bitte nicht falsch verstehen! Im Gegenteil, ich bewundere den Ideenreichtum und die kunstvolle Ausarbeitung sehr! Die Entwürfe und Modelle sind absolute Hingucker.
Ich prüfe nur momentan spaßeshalber doch einmal auf Praxistauglichkeit.

Die Modenschau wird mit diesen besonderen Stücken eröffnet und fortgesetzt mit Arbeiten einzelner Studenten, die zum Teil interessante Entwürfe präsentieren. In einer offenen Weltstadt wie Hamburg durchaus „tragbar“ – doch … individuell. Dezente Farbtöne sind vertreten genauso wie grasgrün oder leuchtendrot, es gibt etwas düster und hochgeschlossen Gehaltenes genauso wie dunkle Unikate, die viel Einblick gewähren, sexy sind. Man findet die Varianten ärmellos, mit kleinen Flügeln, extrem lange Ärmel oder lange Stulpen an nackten Armen. Es ist Figurbetontes, Bauschiges, Mode für Schwangere (?), Beschwingtes, leicht Festliches, aber auch Casual Look dabei. Für mich optisch gewöhnungsbedürftig sind Oberteile, die nur einseitig ein Schulterpolster besitzen …
Wie kommt die Show an?
Gut! Der Raum ist vollbesetzt. Die U-förmig um einen imaginären Laufsteg aufgestellten Stuhlreihen sind eine halbe Stunde vor Beginn schnell gefüllt. Viele besetzen hartnäckig und ausdauernd mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Plätze für noch erwartete Nachzügler.

"Open House 12" - AMD - Platzhalter ...

Platzhalter …

Überall hinter den Stuhlreihen stehen die Zuschauer dichtgedrängt. Zwischen Ihnen die Dozenten und Professoren der Akademie, viele mit vor der Brust verschränkten Armen und – wie ich finde – einem milden Lächeln. Gut erkennbar (sie, nicht das Lächeln) an den Plaketten, die sie in Brusthöhe tragen. Es segeln einige Luftküsse durch den Raum, wenn Menschen sich auf Entfernung entdecken, aber nicht mehr zueinander finden können. Meine übernächste Sitznachbarin scheint mit jemanden schräg gegenüber zu telefonieren …

Und der Ablauf der Show? Alexander Strauß ist es tatsächlich in dieser kurzen Zeit gelungen, nicht nur alle Modelle unter einen Hut zu bekommen, sondern sie auch wirkungsvoll zusammenzustellen und ihnen eine ansprechende Choreographie zu vermitteln! Er hat es geschafft, dass alle Outfits rechtzeitig zur Verfügung stehen, im fliegenden Wechsel getauscht werden und sämtliche Models stehen zum richtigen Zeitpunkt an der Tür zum Raum der Auftritts parat. Keine Pausen, der nächste Walk folgt sofort.  Zur An- und Umkleidung verschwinden sie kurzzeitig über den Flur in einen separaten Raum, also nicht einfach nur hinter die Bühne, die hier auch gar nicht existiert. Die Distanz erleichtert nicht gerade die Kommunikation, und so sieht man Alexander Strauß zwischen Tür und Angel agieren, um die Abstimmung zwischen Discjockey, Fotografen, Models im Veranstaltungsraum, Models vor dem Raum und Models/Helfern im Raum auf der gegenüberliegenden Flurseite zu bewerkstelligen. Zeichensprache ist angesagt. Lippenlesen dazu. Es funktioniert.
Von ihm würde ich gern eine Show sehen, bei dem für die Vorbereitung mehr Zeit zur Verfügung steht, und den Fotografen wären bessere Umstände bei ihrer Arbeit zu wünschen (Platz, Entfernung, Lichtverhältnisse, etc.)
Der Applaus ist überaus freundlich, bei einigen Modellen auch begeistert. Nach einer guten Stunde endet die Show mit einem bunten Finale, bei dem sich auch die Schöpfer der Werke zeigen.

Ein gelungener, interessanter Abend in der AMD. Toller, professioneller  Auftritt auch der mir mittlerweile bekannten und ein bisschen ans Herz gewachsenen Nachwuchsmodels des Model Contests QUARREE GESICHTER 2013.
Im Garten hätte es wahrscheinlich noch mehr Atmosphäre gehabt, als in der von Neonröhren ausgeleuchteten, sehr nüchternen, vom Platz und der Aufteilung her unvorteilhaftem Räumlichkeit (Stützpfeiler im Sichtfeld), die leider nur zur Verfügung stand.
Schade, dass das Wetter eine Außenshow diesmal nicht zuließ.

22.45 Uhr. Auf dem Heimweg.
Im Dunkeln an der Alster laufen immer noch Heerscharen von sportlichen Menschen ihren Nachtlauf. Manche joggen locker und unangestrengt fröhlich plaudernd in Gruppen. Je weiter ich mich jedoch Richtung City und Binnenalster bewege, desto mehr erreichen mich schnaufende, erschöpfte Nachzügler. Es ist, als kämen einem Dampfloks in der Dunkelheit entgegen oder stampfende und schnaubende Rösser. Gespräche können sie nicht mehr führen. Das einzige Wort, dass ihnen vielleicht noch krächzend  über die Lippen kommt: „Wasser!“
Durchhalten! Das Ziel naht, ihr habt es fast geschafft!

Die Wasservögel schlafen schon. Sie sitzen auf den in Ufernähe im Wasser angelegten künstlichen Steinbänken oder –inseln und haben den Kopf ins Gefieder gesteckt.
Die Luft ist mild an diesem Abend, und es ist ein so wunderbarer Anblick, über die dunkle Außenalster auf die beleuchteten Gebäude der gegenüberliegenden Seite zu sehen, dass ich nicht zur U-Bahn am Stephansplatz abbiege, sondern noch weiter, nun auch entlang der Binnenalster, laufe. Ich passiere das Hotel Vier Jahreszeiten und allmählich setzt die Müdigkeit ein.

Blick über die Binnenalster am späten Abend des 15. Juni 2012

Blick über die Binnenalster am späten Abend des 15. Juni 2012

Hotel Vier Jahreszeiten - Hamburg

Ebenfalls schön anzusehen mit der abendlichen Beleuchtung: Hotel Vier Jahreszeiten – Hamburg

Meinem Chauffeuer winkte ich ab. Nein, danke, heute fahre ich U-Bahn … ;)

Und dann kam mein Chauffeur ... ;)

Und dann kam mein Chauffeur … ;)

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Epilog

Daheim. Ich stehe Haare bürstend vor dem Spiegel und komme mir schon ein wenig bieder vor in meinem schlichten Nachthemd. Nicht ganz bieder. Meins ist rot. Aus Satin. Bequem. Und ich lache bei der Vorstellung, dass ich in Hüfthöhe jetzt diese aufgesetzten Eistüten hätte und irgendwie wie ein Fakir auf meinem B(r)ett nächtigen müsste.
Ich glaube, ich bin doch recht konservativ. Ich stehe auf tragbar.
Sie wissen schon im welchem Sinne …

Oh doch, ein Blog lässt einem eindeutig mehr Freiheiten!

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Anmerkung:
Die Genehmigung zum Veröffentlichen der Rockentwürfe etc. (Werkstattraum) wurde eingeholt. Auf die Einstellung weiterer Fotos der Show habe ich verzichtet, da einerseits keine Gelegenheit war, von jedem Model das Einverständnis zur Veröffentlichung einzuholen und andererseits die Qualität der Fotos (Sichtbehinderung beim Fotografieren, schlechtes Licht) nicht ausreicht.

©Juni 2012 by Michèle Legrand

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