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Zwischen Altstadt und Neustadt (2) – Ein neuer Streifzug durch Hamburg


Es geht wieder weiter! Mit leichter Verzögerung folgt heute der zweite Teil des Streifzugs durch Hamburgs Alt- und Neustadt. Ich verwende weiterhin Aufnahmen, die Ende November entstanden, denn seinerzeit schien die Sonne, ein Ereignis, das bekanntermaßen nicht nur hier in Hamburg seit Monaten Seltenheitswert hat. Grau haben Sie sicher genug gesehen, bringen wir via Foto ein bisschen Farbe ins Leben.

Erinnern Sie sich? Wir waren im ersten Teil in der Altstadt im Bereich zwischen der U-Bahn-Station Meßberg und dem Mahnmal St. Nikolai unterwegs. Mit Zwischenstopp an architektonisch interessanten Kontorhäusern sehr unterschiedlichen Alters, an der Brauerei Gröninger und der inzwischen entrüsteten (im Sinne von Gerüst weg, nicht etwa einer furchtbar aufgebrachten) Kirchenruine von St. Nikolai.

Heute streben wir zunächst den Nikolaifleet an, werfen danach einen Blick auf eine der Hauptkirchen Hamburgs, St. Katharinen, und spazieren anschließend am Zollkanal entlang Richtung  Binnenhafen und Baumwall. Auf die Art werden Sie diesmal zu Beginn in der Altstadt unterwegs sein und sich am Ende auf Neustadt-Boden von mir trennen.

Start am Mahnmal …

Unsere letzte Tour endete bei St. Nikolai in der Willy-Brandt-Straße. Halten Sie sich dort westlich, so erreichen Sie nach kurzer Zeit die Straße Holzbrücke. In südlicher Richtung führt Sie diese über den Nikolaifleet auf die Fleetinsel Cremon. In der Verlängerung – nun mit der Straßenbezeichnung Mattentwiete  – geht es weiter zum Zollkanal und Binnenhafen.
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Hamburg - Altstadt - Nikolaifleet mit Blick auf "Holzbrücke" und Mahnmal St. Nikola

Hamburg – Altstadt – Nikolaifleet mit Blick auf „Holzbrücke“ und Mahnmal St. Nikolai

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Im Verlauf der Straße Holzbrücke gibt es tatsächlich immer noch die gleichnamige Brücke, nur ist das, was
Sie heute vor sich haben, ein dreibogiger Nachfolgebau, der vor gut 130 Jahren (1887) nicht mehr aus Holz, sondern aus Stein erreichtet wurde.
Wären Sie ein bisschen eher – so um 1170 oder auch noch in den folgenden Jahrhunderten – in der Altstadt unterwegs gewesen, hätten Sie die Vorläufer aus Holz selbst in Augenschein nehmen können und hätten auch die Zeit erlebt, als es am Nikolaifleet einen großen Hafen mit regem Betrieb gab, in dem mit Schuten u. a. viel Hopfen angelandet wurde. Gröninger und andere Betriebe brauchten schließlich kontinuierlich Nachschub zum Brauen ihrer Biere.

„Das Schiff“

Heute finden Sie am Fleet direkt an der Holzbrücke möglicherweise keine Schute, dafür jedoch „Das Schiff“, das dort seinen Stammplatz hat. Hamburgs Theaterschiff. An Bord ist politisches Kabarett angesagt, hin und wieder auch Kindertheater. Und gelegentlich wird Literatur zum Thema.
Man feierte 2015 sein 40jähriges Bestehen. Zwar hat vor geraumer Zeit schon (2000) sein bekannter Gründer, Kabarettist Eberhard Möbius, die Leitung in andere Hände übergeben, dennoch läuft der Betrieb weiter.
Noch vor einigen Jahren fuhr man hin und wieder sogar zu Gastspielen nach Kiel, Stade oder Buxtehude.
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Hamburg - Altstadt - Nikolaifleet - _Das Schiff_ (Theater) mit Stammplatz an der Holzbrücke

Hamburg – Altstadt – Nikolaifleet – „Das Schiff“ (Theater) an seinem Stammplatz nahe der Holzbrücke

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„Das Schiff“ ist ein Privattheater, das meist so viel einnimmt, dass laufende Kosten gedeckt sind. Nur was tun, wenn altersbedingt am Schiff umfangreiche Reparaturen notwendig werden? Wenn dazu sein Innenleben überaltert ist? Wenn obendrein Arbeiten am Liegeplatz erforderlich werden, z. B. für einen neuen Bodenbelag des Pontons, der rissig ist. Oder für den Ersatz der vorhandenen Treppe durch eine Art tideunabhängige Gangway, die den Zugang zum Schiff auch für ältere, nicht mehr ganz so rüstige und sportliche Menschen sichert bzw. erst möglich macht. Das ist im Budget nicht drin. Dafür ist man auf  Unterstützung angewiesen. Letzten Dezember standen die Chancen sehr gut, Gelder (über 300.000 Euro) aus einem Sanierungsfond bewilligt zu bekommen.

Schön häufig, wenn ich von der Holzbrücke das Schiff betrachtete, schoss  mir der Gedanke durch den Kopf: Mensch, ist das beachtlich, was der betagte Kahn alles miterlebt hat, seitdem es als Besansegel-Ewer 1912 in Holland das Licht der Welt erblickte! Wie lange das her ist!
Der erste Weltkrieg hatte noch gar nicht stattgefunden. In den Niederlanden saß damals die Uroma des heutigen Königs, Königin Wilhelmina, auf dem Thron, während bei uns Kaiser Wilhelm II herrschte. Zu jener
Zeit misst er lediglich 20,19 m. Der Kahn, nicht der Kaiser. Ein deutscher Kunde ersteht den Segler aus Holland und baut irgendwann eine Hilfsmaschine ein. Für ihn verrichtet der Ewer als „Seemöve“ seinen Dienst.
Ein paar Jahre darauf entscheidet sich der nächste Eigner für einen stärkeren Motor, ein Schiffsmast fällt, der Klüverbaum wird gekappt. So weit so gut. Doch dann! Stellen Sie sich vor, im zweiten Weltkrieg sinkt das Schiff im Hamburger Hafen! Geht komplett unter!
Es wird gehoben, repariert und bei dieser Gelegenheit gleich umgebaut. Plötzlich ist der Rumpf 34,50 m lang und das Boot kein Besan-Ewer mehr, sondern ein Küstenmotorschiff. So hört er bald darauf nicht mehr auf den Namen „Seemöve“, sondern nennt sich fortan „MS Rita Funck“. Dieses Schiff schauen sich Herr Möbius und sein Frau aus, um es nach dem Kauf auf einer Werft in Rothenburgsort für den Theaterbetrieb herrichten zu lassen.
Seit 1975 steht es für diesen Zweck zur Verfügung. Mitte der 80er Jahre war ich selbst einmal an Bord für eine Vorstellung …
Ein abwechslungsreiches Schiffsleben bis dahin mit Hochs und Tiefs. Doch seitdem es Theaterschiff ist, wurde nichts Größeres mehr daran erneuert, gerichtet, saniert oder verschönert, während gleichzeitig unablässig Wind, Wetter und vor allem das Fleetwasser an ihm „nagen“ – wie auch der Zahn der Zeit …

Vielleicht hat „Das Schiff“ im Alter von 106 Jahren nun bald einen längeren Kuraufenthalt.
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Lassen Sie uns ein Stück weiterspazieren …
In vielen dieser Altstadtstraßen stoßen Sie immer wieder auf besondere Eingangstüren oder Portale.
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Hamburg - Altstadt - ... und immer wieder sehenswerte Eingangstüren.

Hamburg – Altstadt – … und immer wieder sehenswerte Eingangstüren.

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Hinter der Holzbrücke, direkt links abgebogen in die Katharinenstraße,  geht es im sanften Bogen bis vor zur Kirche St. Katharinen.
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Sankt Katharinen
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Hamburg - Altstadt - Hauptkirche St. Katharinen

Hamburg – Altstadt – Hauptkirche St. Katharinen

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Von den fünf Hauptkirchen, die es bei uns gibt, ist St. Katharinen die dritte. Sie entstand um 1250 herum. Damals wuchs Hamburg, der Platzbedarf stieg erheblich, und Stadtflächen sollten durch Eindeichungen ver-
größert werden. Gesagt, getan. Doch ist nicht unmittelbar nach Eindeichung gleich alles knochentrocken. Das Gelände hier war noch feuchtes Marschland, und so wurden für das Fundament der Kirche 1 100 Lärchen-
stämme in den Grund getrieben.
Wir sprachen vorhin davon, dass der Hafen früher im Bereich des Nikolaifleets regen Betrieb aufweisen konnte. Ein aufstrebender Hafen zudem, der natürlich viele anzog. St. Katharinen wurde damals die Kirche für die sich neu niederlassenden Kaufleute, die Bierbrauer und Schiffbauer.
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Hamburg - Altstadt - Hauptkirche St. Katharinen (Rückseite)

Hamburg – Altstadt – Hauptkirche St. Katharinen (Rückseite)

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Ob Kirchgänger damaliger Zeit sich eine Vorstellung davon hätten machen können, wie sich die Zeiten wandeln, wie sich die Menschheit in Glaubensfragen und damit auch die Beziehung zwischen Mensch (Volk) und Kirche ändern würde? Die Kirche selbst findet sich mit anderen Aufgaben und Erfordernissen konfrontiert, so dass es nicht verwunderlich ist, wenn sich das Kirchenleben der Neuzeit hin und wieder überraschend anders gestaltet …

In Zeiten, in denen die Finanzlage der Kirchen aufgrund sinkender Kirchensteuereinnahmen und gleichzeitig steigender Pensionsansprüche sowie erhöhter Ausgaben jeglicher Art gehörig in die Schieflage gerät, denkt man mancherorts neben Einsparungen über zusätzliche Einnahmequellen nach. Was lobenswert ist und nicht grundsätzlich schlecht sein muss.
Unabhängig von Sparzwängen oder gar Profitdenken, gilt es manchmal auch nur sich hervorzuheben, sich von anderen Gemeinden bzw. Glaubensrichtungen abzuheben und zu positionieren. Seht her, so machen wir das. Wir sind anders. Fortschrittlicher, konservativer, offener … was auch immer.
Nähe, Erreichbarkeit – nicht nur im örtlichen Sinn – zu demonstrieren, scheint ein weiteres Ziel. Nicht selten erleben Sie den Versuch einzelner Kirchen (Pastoren, Kirchenvorstände), das Image des Starren, des Welt-
fremden, des ewig Gestrigen abzulegen.
Wenn Kirchen viele Mitgliedsaustritte verzeichnen und dazu die Bänke im Gottesdienst stets reichlich freie Plätze aufweisen (womit auch die Kollekte mager ausfällt), ist schon die Frage erlaubt, wie Kirche von heute bei den Menschen auszusehen hat, damit sie wahrgenommen, angenommen, obendrein im Idealfall (finanziell) unterstützt wird.
Es ist wohl immer ein bisschen von allem, was zum Tragen kommt und irgendwann  ein – ich nenne es einmal – Testballons starten auf Kirchenseite hervorruft. Die Katharinenkirche z. B. nutzte die Klimawoche 2015 dazu, ein „Klimakonzert mit grüner Modenschau“ im Kirchenschiff zu genehmigen und durchzuführen.  Mit Models, Lichteffekten und allem, was dazugehört. Das ist mittlerweile salonfähig und kein Aufreger mehr. Es bringt Einnahmen, sorgt für Gesprächsstoff, und immerhin steht dahinter der positiv behaftete „grüne“ Gedanke.
Ein Teil der Gemeinde schreit Hurra, der andere ist etwas pikiert, und morgen ist das Thema abgehakt.
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Hamburg - Altstadt - St. Katharinen vom Zollkanal aus gesehen

Hamburg – Altstadt – St. Katharinen, diesmal vom Zollkanal aus gesehen

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Als allerdings 1996 rund 2 000 Raver in St. Katharinen eine Technoparty feierten, gab es mehr als hanseatisch leicht gerümpfte Nasen. Da half es auch nichts, dass Rauchen nicht erlaubt war. Es gab reichlich Alkohol, seltsame „Energy Drinks“, leichtbekleidete Wesen zwischen Heiligenstatuen, ekstatische Tänzer und viel Remmidemmi.
Warum man es in der Kirche gestattete? Oh, es war eine Art Kreuzzug der Techno-Tänzer („Crusade“). Es sollten die beiden Kulturen Gregorianik und Techno miteinander verbunden werden. Immerhin war auch ein Kieler Gregorianik-Chor mit von der Partie. Auf diese Art erhoffte man, Menschen in die Kirche zu locken, die sonst nie hinfänden. Das hat man sicher auch geschafft, nur ob die danach je wiederkamen?

Finanziell hat es sich gelohnt. Man musste zwar einen Sicherheitsdienst engagieren, der zehn Stunden im Dauereinsatz war, aber bei damals 60 DM Eintritt kam doch ein erkleckliches Sümmchen von ca. 120 000 DM zusammen. Damit waren die Kosten kein Thema  mehr, und der ansehnliche Rest half, den der Kirchen-
technoparty folgenden Stress und Ärger leichter zu verdauen.
Danach fanden in St. Katharinen interessanterweise ebenso Abende mit Gegenveranstaltungen statt, in
denen genau dieses Verhalten (Konsumdenken, Profit egal wodurch) angeprangert und kritisiert wurde.
Kirchenleben ist also bunt. Vielfältig, mit einem Hauch Unberechenbarkeit.

Schauen Sie einmal zur Turmspitze. Diese als Krone geformte Goldverzierung soll gerüchteweise mit Gold
aus dem verschollenen Goldschatz Störtebekers hergestellt worden sein. Sie wissen schon, der berühmt-berüchtigte Pirat. Der Begriff Störtebeker – übersetzt aus dem Plattdeutschen – bedeutet „Stürz den Becher“. Man munkelt, der Pirat konnte einen Vierliter-Krug Wein, wahlweise Bier, in einem Zug austrinken. Ob er deshalb so genannt wurde?
Ich zweifle ein wenig daran, ob jemand überhaupt vier Liter auf einmal in sich hineinbringen kann …
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Hamburg - Altstadt - Turmspitze St. Katharinen mit kronenförmiger Goldverzierung

Hamburg – Altstadt – Turmspitze St. Katharinen mit kronenförmiger Goldverzierung

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Sie können auch in St. Katharinen die Aussicht von oben genießen, allerdings, wenn Sie hier auf den Turm möchten, müssen Sie es im Rahmen einer Führung machen. 292 Stufen hinauf, vorbei an fünf Glocken …
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Plaza oder Turm? Elbphilharmonie vs. Kirchtürme …

Apropos Turmbesteigung. Die Kirchen, und vorneweg der Pastor der Hauptkirche St. Michaelis, klagen, dass seit Eröffnung der Elbphilharmonie vor einem Jahr die Zahl der Kirchturmbesteigungen massiv zurückge-
gangen sei und damit eine wichtige Einnahmequelle versiege. Im Gegensatz zum kostenfreien Besuch der Plaza in der Elbphilharmonie kostet die Besteigung der Türme Geld.
Der Michel-Pastor hat jetzt nicht explizit gefordert, dass die Begehung der Plaza umgehend Eintritt kosten muss, doch hätte er angesichts der Umstände natürlich nichts dagegen. Sein nachvollziehbares Wunschdenken wurde in den Medien vielfach gleich in Richtung Forderung verdreht, und schon rief seine Bemerkung einen Sturm der Entrüstung hervor.

Lassen wir kurz den Punkt Plaza-Eintritt ja oder nein außen vor und betrachten die Situation ganz generell. Zum einen können nicht alle Kirchen diese Entwicklung uneingeschränkt oder in gleichem Maße bestätigen. Beim Mahnmal St. Nikolai ist es nicht eindeutig, weil gerade nach der Sanierung und Wiedereröffnung des Turms im letzten Herbst besonders viel Zustrom zu verzeichnen ist. Dort herrscht Andrang, obwohl die Fahrt mit dem gläsernen Panoramalift fünf Euro kostet. Also ebenso viel, wie beim Michel zu löhnen ist. Ob der Zulauf so bleibt, wird man sehen.
Andere verzeichnen ebenfalls einen Rückgang, der jedoch trotz verlangter Gebühr für die Turmbesichtigung geringer ausfällt.
Die Hauptkirche St. Petri in der City wiederum meldet zwar weniger Zulauf, nur hatte sie dabei eher mit den Auswirkungen des berüchtigten G20-Gipfels im letzten Jahr zu kämpfen. Währenddessen (im Monat Juli) erschienen gleich 17 000 Besucher weniger als im Folgemonat August (39 000 zu 56 000).

Wenn ein Hamburger Ur-Wahrzeichen wie der Michel von eklatantem Rückgang der Turmbesucher spricht, dann sind es vermutlich weniger die Einzelreisenden, als vielmehr – und zahlenmäßig relevanter – die Teilnehmer von Gruppen- und organisierten Städtereisen, die ausbleiben. Wer allein, auf eigene Faust kommt, plant meist mehr Zeit ein, steuert viele Attraktionen und Ziele an und hängt notfalls dafür noch einen Tag dran.
Bei organisierten Städtetrips (z. B. Wochenendtouren) ist irgendwann Schluss mit der Programmstraffung. Wenn keine zusätzliche Zeit zur Verfügung steht und jeder Reiseteilnehmer erwiesenermaßen vor allem die Elbphilharmonie gesehen haben möchte, wird kurzerhand der Michel entweder komplett herausgenommen oder aber zumindest der Turmbesuch gestrichen. Gerade die Besteigung kostet Zeit, ganz abgesehen davon, dass nicht jeder in der Lage ist, daran teilzunehmen. Die Aufzugfahrt ist nicht von ganz unten bis direkt zur Aussichts-
plattform möglich. Es bleiben einige Treppen, die weiterhin zu Fuß bewältigt werden müssen. Nehmen wir jetzt noch das mehr als unvorteilhafte Wetter des letzten Jahres mit entsprechend schlechter Aussicht, so ist es nicht verwunderlich, wenn weniger Interesse als sonst besteht, bei niedrigen Temperaturen und Nässe den Aufstieg für einen zugigen Turmausblick anzugehen.
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Hamburg - Hafen (Höhe Baumwall) - Restaurant _Feuerschiff_

Hamburg – Hafen (Höhe Baumwall) – Restaurant „Feuerschiff“ – Im Blick haben Sie auch die Elbphilharmonie …

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Es kann nicht allein an den Kosten liegen. Über ein reizvolleres Kombiticketangebot (Kirche mit Krypta plus Turm) ließe sich trotzdem nachdenken. Warum nicht auch als Anreiz den Treppensteigern einen günstigeren Preis anbieten als den Lift-Nutzern oder eventuell einen Tag festlegen, an dem es nur die Hälfte kostet …
Ja, und ein bisschen enthusiastischer die Besonderheiten einer solchen Turmbesteigung und vor allem die des Ausblicks hervorheben! Rundumblick vom Turm aus 106 m Höhe und Plaza-Ausblick sind nun wirklich nicht vergleichbar. Michel und Elbphilharmonie müssten so gesehen gar keine Konkurrenten sein.
(Ich lasse Ihnen am Ende einen Link zu einem Blogbeitrag meiner Michelklettertour da, falls Sie Lust darauf haben. Auch Glockengeläut ist zu hören!)
Angewiesen sind die Kirchen auf die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern, selbst wenn sie im Grunde nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind, betrachtet man die Kosten, die zum Erhalt der Gebäude nötig sind. Es ist also leider keine Option, grundsätzlich auf Eintritt zu verzichten.

Der Plaza-Besuch in der Elbphilharmonie wiederum würde unter Garantie bei den Reiseveranstaltern weiter im Programm bleiben, selbst wenn der Zutritt kostenpflichtig werden würde. Für den Reisegesamtpreis bedeutet es letztendlich keine dramatische Erhöhung. Einzelpersonen hingegen und speziell die Hamburger …

Nun, viele Hamburger fühlten sich doppelt ausgenommen, sollte es dazu kommen. Erst wird das Jahrhundert-
bauwerk und neue Wahrzeichen so hundsteuer, dass mehrfach immense Summen aus Steuergeldern der Hamburger Bürger nachgeschoben werden müssen, und nun soll womöglich noch einmal geblecht werden, bevor man als Einheimischer und Mitfinanzierer einmal einen Blick auf das Ganze werfen kann? Das sieht nicht jeder ein …

Wir werden die Entwicklung weiter verfolgen.
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Hamburg - Altstadt - Zollkanal (Bei den Mühren) mit Speicherstadt im Hintergrund

Hamburg – Altstadt – Zollkanal (Bei den Mühren) mit Speicherstadt im Hintergrund

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Wir sind inzwischen von St. Katharinen ein Stück entlang des Zollkanals gewandert und haben den Binnenhafen erreicht.
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Hamburg - Altstadt - Am Binnenhafen

Hamburg – Altstadt – Am Binnenhafen

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Hamburg - Altstadt - Binnenhafen - Blick Richtung Niederbaumbrücke

Hamburg – Altstadt – Binnenhafen – Blick Richtung Niederbaumbrücke

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Flussschifferkirche

Sehen Sie das blaue Schiff (Foto unten)? Das ist die Flussschifferkirche, Deutschlands einziges Gotteshaus auf dem Wasser, auf Schiffsplanken zumindest. Mit Gottesdiensten, einer Binnenschifferseelsorge, und „Hausbesuchen“. Man fährt zweimal die Woche mit einer alten Arbeitsbarkasse im Hafengebiet herum und besucht die Binnenschiffer direkt an ihrem Arbeitsplatz.
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Hamburg - Altstadt - Binnnhafen mit Flussschifferkirche links (blaues Boot) - Speicherstadt rechts

Hamburg – Altstadt – Binnenhafen mit Flussschifferkirche links (blaues Boot) – Speicherstadt rechts

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Nachdem wir uns bisher die ganze Zeit auf Altstadtgebiet befanden, wechseln wir hier nun auf Neustadtgebiet. Die Grenze verläuft etwa auf der Otto-Sill-Brücke, von der aus das obige Foto aufgenommen wurde. Der Baumwall liegt voraus – doch wenn ich es mir recht überlege, ist eigentlich dieser Wechsel des Stadtgebiets eine wunderbare Gelegenheit, für heute die Tour zu beenden. Mit einem Blick aus der Neustadt zurück in die Altstadt
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Hamburg - Hafen - Niederbaumbrücke - Blick von der Neustadt Richtung Altstadt

Hamburg – Hafen – Niederbaumbrücke – Blick von der Neustadt Richtung Altstadt / Ganz hinten St. Katharinen, links der Turm von St. Nikolai (Mahnmal)

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Sind Sie bei einem weiteren Streifzug wieder mit dabei? Sie haben gemerkt, obwohl es stets seine Zeit braucht, müssen Sie keine Riesenentfernungen schaffen oder tausend Dinge durchhecheln. Es bleibt entspannt.

Bis demnächst! Ich vermeide es allerdings, mich zeitlich festzulegen, denn das klappt erfahrungsgemäß nur mittelprächtig.

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Hier noch der Link zur oben erwähnten St.-Michaelis-Turmbesteigung:
=> „Der Hamburger Michel: Wem die Glocke schlägt“

Und so gelangen Sie bei Interesse zum ersten Teil des Altstadt/Neustadt-Streifzugs:
=>„Zwischen Altstadt und Neustadt (1): Ein neuer Streifzug durch Hamburg“
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© by Michèle Legrand, Januar 2018
Michèle Legrand

 

 

 

 

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50 Kommentare

Zwischen Deutschland und der Schweiz – Grenzhüpferei Teil I – Wo denn genau? – Merkt man eigentlich, wo man ist? – Die Holzbrücke von Diessenhofen

Sie wissen es aus dem letzten Blogpost: ich war einige Tage im Hegau und der Bodenseeregion unterwegs. Genauer genommen am Rhein und einem Ausläufer des Bodensees, dem sogenannten Untersee.
Auf deutscher Seite etwa in dem Gebiet des vom Hochrhein gut 20 km entfernten Tengen über Singen am Hohentwiel in Richtung Gailingen am Rhein und von dort weiter bis Wangen (am Untersee, nicht im Allgäu).
Auf Schweizer Terrain nahe Schaffhausen startend direkt am Ufer entlang via Diessenhofen und Stein am Rhein bis Berlingen.

Mal eine Frage am Rande: Fahren Sie – wenn Sie den äußersten Süden und Südwesten der Republik ansteuern – eigentlich mit dem Auto oder der Bundesbahn quer durchs ganze Land? (Vorausgesetzt natürlich, Sie kommen wie ich aus dem Norden)
Falls Sie Ihre Termine zeitig kennen, dann sollten Sie definitiv überlegen, ob sich nicht ein Flug nach Zürich anbietet mit anschließender „Wiedereinreise“ nach Deutschland. Ich habe die Feststellung gemacht, dass es günstiger (nicht nur zeitlich, sondern auch preislich!) ist, als z. B. Bahntickets oder eine Alleinfahrt im PKW – wenn Sie frühzeitig buchen!

Flughafen Zürich

Flughafen Zürich

Flughafen Zürich - Sie werden gleich mit Glocken begrüßt (Der Sound der Alpen ...)

Flughafen Zürich – Sie werden gleich mit Glocken begrüßt (Der Sound der Alpen …)

Was man auch nicht verachten sollte, ist die Tatsache, dass die Schweizer Züge und Busse, mit denen Sie dann ab Airport weiterreisen, komfortabel (und farbenfroh) ausgestattet sind, pünktlich fahren, sehr leise sind und an Stellen vorbeikommen, an denen sich der Blick aus dem Fenster wirklich lohnt.
Und stellen Sie sich vor: Der Busfahrer heißt seine Fahrgäste bei Fahrtbeginn über Lautsprecher mit einem freundlichen Grüezi mitenand willkommen und verabschiedet Sie auch am Endhaltepunkt!

Auf der Strecke Bülach-Singen - Fliederfarbene Kopfstützen gibt es auch noch ...

Auf der Strecke Bülach-Singen – Fliederfarbene Kopfstützen gibt es auch noch …

Auf der Zugstrecke von Bülach (CH) nach Singen (D) passieren Sie Schaffhausen und bekommen den Rheinfall präsentiert.

Rheinfall von Schaffhausen (aus dem Zug heraus gesehen)

Rheinfall von Schaffhausen (aus dem Zug heraus gesehen)

Auf diese Art reisend, sehen Sie auch gleich, was die Region ausmacht und warum so viele Touristen von ihr angezogen werden.
Eine idyllische, hügelige, überaus grüne Landschaft, viele Felder und Wiesen, schmale Landstraßen, überschaubarer Verkehr, vereinzelt kleine Städtchen. Ansonsten eher altertümlich anmutende, herausgeputzte Orte und Gemeinden mit fachmännisch restaurierten Fachwerkbauten, sorgfältig gepflegten Gärten und bunt bepflanzten Blumenkästen oder ebenso gestalteten Blumeninseln mitten im Dorf.
Selbst die Kreisel für den Autoverkehr sind oft kunstvoll gärtnerisch angelegt.
Und dann das Wasser!
Der Rhein und der größte See Deutschlands, der Bodensee, legen sich Ihnen zu Füßen und erfreuen das Auge!
Wo findet man das alles schon zusammen?
Bodensee. See hört sich gar nicht so groß an. In Niedersachsen gibt es das Steinhuder Meer. Von dem würde man doch die größere Fläche annehmen.
Nix da!
536 km² Maxisee gegenüber lumpigen 29,1 km² Minimeer.

Neben den üblichen Urlaubern fühlen sich besonders Radrennfahrer und Radwanderer rund um den Bodensee und weit ins Landesinnere gehend zu Hause und werden mittlerweile als Touristen gern gesehen.
Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als die ersten Urlauber beschlossen, per Fahrrad die Gegend zu durchstreifen? Von Ort zu Ort zu radeln? Eine Nacht hier, die nächste dort?
Die Pensionswirte und Hoteliers rümpften die Nase angesichts dieser Rucksacktouristen oder vielleicht sollte man eher sagen Satteltaschenreisenden. Da war der Missmut über die kurze Verweildauer, aber noch mehr dieser leicht an der Solvenz des Touristen zweifelnde Blick, der Versuch der Risikoeinschätzung angesichts eines schlappen Rucksacks und einer Invasion von Hosenklammern. Doch inzwischen wissen wir alle aus der Werbung, dass eine VISA-Card immer noch irgendwo hinpasst und ahnen, dass manchmal der Bus mit dem sonstigen Gepäck der Herrschaften separat kommt …

Bodensee (Untersee) bei Wangen

Bodensee (Untersee) bei Wangen

Wassersportler zieht es an. Wasserski-Fahrer, Ruderer, Besitzer kleinerer Motorboote, Segler. Es werden Regatten gefahren,  und wer selbst nicht aktiv sein möchte, lässt sich mit einem der Ausflugsschiffe chauffieren. Die Kursschifffahrt bedient den gesamten See und kreuzt zwischen Deutschland, der Schweiz und Österreich munter hin und her.

Freizeitrevier Bodensee ...

Freizeitrevier Bodensee …

Bodensee-Dampfer Thurgau auf der Route Kreuzlingen-Schaffhausen ...

Bodensee-Dampfer Thurgau auf der Route Kreuzlingen-Schaffhausen …

Auf dem Untersee verkehrt die Linie von Kreuzlingen (nahe Konstanz) bis Schaffhausen. Dort ist Schluss. Sie erinnern sich an das Foto des Rheinfalls weiter oben?
Nun, würde der Dampfer nicht rechtzeitig anlegen und weiterfahren in Schaffhausen

Rheinfall von Schaffhausen (aus dem Zug heraus gesehen)

Rheinfall von Schaffhausen (aus dem Zug heraus gesehen)

Wie sagt man so schön? Man hörte reichlich Holterdipolter …

Soviel allgemein zur Region.
Kommen wir doch zur Frage, ob Sie merken, in welchem Land Sie sich befinden. Angenommen jemand würde Sie in einer der Ortschaften diesseits oder jenseits des Rheins aussetzen und Sie müssten herausfinden, ob Sie in Deutschland oder der Schweiz sind.
Woran würden Sie sich zur Orientierung halten?
Genau, Sie würden auf den Dialekt der Bewohner, auf Autokennzeichen, die Art der Straßenschilder, die Form der Hydranten, die Schriftzüge an den Läden etc. achten.
Sie sind ja auch plietsch!
Das geht also …
Doch nun! Die Grenze zwischen den Nachbarländern verläuft nicht immer im Rhein oder mitten im Bodensee, sondern geht auch ins Landesinnere und hat dort einige Zungen, Schlenker, Nischen und Ecken. Wenn Sie von Singen Richtung Wangen unterwegs sind und wollen schnurstracks dorthin – ohne Umwege – dann ist zwar alles auf der gleichen Rheinseite, doch Sie sind mitnichten immer in Deutschland! Nein, Sie schneiden dauernd die Grenze. Zwei Minuten auf Schweizer Gebiet, zurück nach Deutschland, um die nächsten Kurve, Wiedereinreise in die Schweiz usw. Seit nicht mehr kontrolliert wird und die Zollstationen meist unbesetzt sind, läuft das zügig ohne Unterbrechungen und Wartezeiten.

Und nun komme ich und behaupte: Setzen Sie mich in ein Auto, verbinden Sie mir die Augen, setzen Sie mir Ohrenschützer auf und fahren Sie von mir aus vorher noch ein paar Mal im Kreis. Dann starten wir Richtung Wangen und ich sage Ihnen haargenau, wann wir in Deutschland und wann in der Schweiz sind.
Nein, ich zähle keine Kurven, rechne nicht mit Sekunden o. ä.
Es ist ganz einfach:
Wenn Sie auf wunderbar glattem Asphalt fahren, sind Sie in der Schweiz. Werden Sie durchgerüttelt und fallen von einem ins nächste Schlagloch, sind Sie in Deutschland.

Lassen Sie uns heute in Teil I der Grenzhüpferei noch einen Abstecher nach Diessenhofen in der Schweiz machen. Dem Ort am Hochrhein direkt gegenüber liegt das deutsche Gailingen. Als Verbindung über den Fluss gibt es die Rheinbrücke. Die einzige Holzbrücke am Hochrhein, die vollständig erhalten und die eine der seltenen Pfahljochbrücken ist.

Rheinbrücke Diessenhofen (CH, links) - Gailingen (D, rechts) Länge 86,7 m, Breite insg. 6,1 m, gedeckte Holzkonstruktion, einspurig befahrbar

Rheinbrücke Diessenhofen (CH, links) – Gailingen (D, rechts) – Länge 86,7 m, Breite insg. 6,1 m, gedeckte Holzkonstruktion, einspurig befahrbar

Informationen zu Abmessungen, Konstruktion und Geschichte finden Sie zum einen hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinbr%C3%BCcke_Diessenhofen%E2%80%93Gailingen

…und einige Daten kurz und übersichtlich auch auf dem Foto hier:

Rheinbrücke  Diessenhofen-Gailingen - Geschichtsdaten

Rheinbrücke Diessenhofen-Gailingen – Geschichtsdaten

Ich wiederhole nicht die Daten, die Sie gerade auf dem Schild sahen, das ist ein bisschen öde. Mir kam auch eben ein anderer Gedanke …
Natürlich wird allgemein angenommen, dass die erste Brücke im 13. Jahrhundert errichtet wurde, weil Handel und (Waren-)Verkehr über den Rhein zugenommen hatten. Das ist der übliche, etwas dröge Anlass, aus dem man meistens eine feste Flussquerung ersinnt.
Ich stelle mir allerdings gern andere Gründe dafür vor. Denn – sagen Sie selbst – es hätte doch ebenso gut in einem der Nachbarorte sein können – wenn es rein um die Transportmöglichkeiten und irgendeine Rheinquerung gegangen wäre!
Nein, nein! Das hat meistens völlig andere Gründe.
Manchmal ist es ein Prestigeobjekt. Da möchte der Bürgermeister des einen Ortes sich ein persönliches Denkmal setzen. Und wenn nicht sich, dann dem phantastischen Ort. (Wir sind die Größten, Schnellsten, Reichsten, Besten!)
Gelegentlich wohnt eine einflussreiche Person am Ort und plädiert entweder machtvoll dafür oder – wenn es nicht genehm ist – vehement dagegen. (Was der sagt, wird gemacht)
Es wird auch erpresst. (Baut ihr keine Brücke, schließe ich meine Brauerei. Basta.)
Es könnte in Diessenhofen natürlich auch lediglich mehr und besonders geeignete Zimmerleute zur Errichtung eines solchen Bauwerks gegeben haben.
Oder der Forst hinter dem Dorf wurde gerade gerodet (Mensch, was machen wir mit dem ganzen Holz? Wollen wir nicht eine Brücke bauen?)
Oder aber – das ist meine persönliche Lieblingsversion – es ist das Menschliche. Urs Knäppeli aus Diessenhofen hatte eine Liebschaft mit Lina Bilger aus Gailingen und war es schlichtweg satt, bei jedem Mistwetter hinüberrudern zu müssen. Wahrscheinlich hat sie auch ständig gemäkelt, dass das feuchte, windige Wetter ihr bei der Überfahrt jedes Mal die Frisur ruiniert, ihr sowieso immer schlecht wird bei dem Seegang und sie sich im Winter ständig etwas abfriert im Boot.
Bei Eisgang sahen Sie sich gar nicht! Was wiederum ihm mächtig stank.
Die Schwierigkeiten sorgten generell mehr und mehr für Zoff. Eine Trennung drohte und Urs musste sich etwas überlegen. Er schnappte sich Reto, seines Zeichens Bürgermeister von Diessenhofen, machte ihn (der listige Hund!) mit Unmengen Selbstgebranntem gefügig, versprach ihm auch noch zwei Kühe samt Glocken, und die Entscheidung für die Brücke war durch!

Sie behalten bitte im Auge, dass es sich dabei um Vermutungen handelt, ja?

So sieht die Rheinbrücke heutzutage aus, wenn Sie etwas näher kommen:

Rheinbrücke Diessenhofen (CH) - Gailingen (D) - recht das ehemalige Zollabfertigungsgebäude

Rheinbrücke Diessenhofen (CH) – Gailingen (D) – rechts das ehemalige Zollabfertigungsgebäude

Gedeckte Holzbrückenkonstruktion über den Rhein bei Diessenhofen/Gailingen

Gedeckte Holzbrückenkonstruktion über den Rhein bei Diessenhofen/Gailingen

Ausblick aus einem der Brückenfenster ...

Ausblick aus einem der Brückenfenster …

(Ich denke mir immer, hier hat Urs wahrscheinlich schnell noch die Zigarette zu Ende geraucht und die Kippe in den Rhein geworfen, bevor er den Restweg zurücklegte. Oder sie hat drüben in einem der Häuser gewohnt und hat vom Dachfenster aus ein Taschentuch geschwenkt … ^^)

Rheinbrücke Diessenhofen (CH) - Gailingen (D) - Ein Blick ins Balkengewirr ...

Rheinbrücke Diessenhofen (CH) – Gailingen (D) – Ein Blick ins Balkengewirr …

Rheinbrücke Diessenhofen (CH) - Gailingen (D) - Holztore, die heute allerdings nicht mehr verschlossen werden.

Rheinbrücke Diessenhofen (CH) – Gailingen (D) – Gut sichtbar die schweren Holztore, die heute allerdings nicht mehr verschlossen werden.

Etwas was sich hingegen wirklich zugetragen hat, ist Folgendes: Im Jahr 1944 wurde die Brücke von den Amerikanern bombardiert. Manchmal trafen die Bomber in diesen Tagen andere Ziele als geplant. Stein am Rhein  und Schaffhausen in der Schweiz litten darunter, aus Versehen getroffen worden zu sein und beklagten neben Sachschäden auch Todesopfer.
Man lag halt zu dicht an der Grenze. Da kann das halt passieren …
Im November wurden Gailingen und der deutsche Part der Brücke getroffen, aber durch die Wucht der Explosion flogen Teile (Steine und Splitter) bis nach Diessenhofen und beschädigten dort einige Häuser ganz erheblich.
Während die Amerikaner nach dem Krieg für den Schaden auf deutschem Boden aufkamen und zum Wiederaufbau der Brücke beitrugen, verweigerten sie die Zahlung für die Reparaturen in Diessenhofen. Die Begründung lautete: das ist auf Schweizer Boden, den haben wir nicht bombardiert. Dafür können wir nix. Die Bomben fielen schließlich auf deutschem Grund …
Es geht wirklich nicht gegen die Amerikaner. Es hätte jede Nation sein können, die so reagiert.
Krieg macht aus allen Wirrköpfe.

Ich glaube, wir kommen für heute zum Schluss. Wenn Sie möchten, schauen Sie sich noch einige Fotos aus dem Ort selbst an.

Diessenhofen (CH) - Siegelturm - 1545 erbaut v. Martin Heunsler - Zeitglockenturm und  Aufbewahrung von Urkunden und Siegeln

Diessenhofen (CH) – Siegelturm – 1545 erbaut v. Martin Heunsler – Zeitglockenturm und Aufbewahrung von Urkunden und Siegeln

Diessenhofen (CH)

Diessenhofen (CH)

Diessenhofen (CH) - Bronze IKARUS (Ikariden-Paar) von Ursula Fehr - Im Hintergrund das Rathaus

Diessenhofen (CH) – Bronze IKARUS (Ikariden-Paar) von Ursula Fehr – Im Hintergrund das Rathaus

Diessenhofen (CH) - Es ist alles gesagt ... Schäbig aber schigg - das andere Lädeli

Diessenhofen (CH) – Es ist alles gesagt … Schäbig aber schigg – das andere Lädeli

Wenn Sie einmal auf der Suche nach Schwalben sind – gehen Sie nach Diessenhofen. Da schwirrt es nur so über Ihren Köpfen. Überall unter den Dachüberständen sind Nester und zum Schutz der Vögel und auch der Fenster darunter, werden unterhalb Holzbretter quer  montiert. So können die brütenden Schwalben besser anfliegen und landen, die Jungen hingegen können nicht tief fallen und der Vogelkot trifft nicht gleich die Scheiben.

Diessenhofen (CH) - Überall Schwalbennester unter den Dachüberständen ...

Diessenhofen (CH) – Überall Schwalbennester unter den Dachüberständen …

Diessenhofen (CH) - Es gibt in der Schweiz richtig ausgefallene Wasserspeier - Und schauen Sie einmal nach rechts: eine Schwalbe ist mit auf das Bild gekommen.

Diessenhofen (CH) – Es gibt in der Schweiz richtig ausgefallene Wasserspeier – Und schauen Sie einmal nach rechts: eine Schwalbe ist mit auf das Bild gekommen.

Diessenhofen (CH) - Hänkisturm direkt am Rhein  -  Ehemalige Geschützstellung und Armbrusterturm. Bis 1800 auch Gefängnis. 1828-1880 Sitz einer Stofffärberei.

Diessenhofen (CH) – Hänkisturm direkt am Rhein – Ehemalige Geschützstellung und Armbrusterturm. Bis 1800 auch Gefängnis. 1828-1880 Sitz einer Stofffärberei.

... Zunft zum Grimmen Löwen

… Zunft zum Grimmen Löwen

Es geht demnächst weiter mit der Grenzhüpferei, Teil II. Dort sehen Sie die Altstadt von Stein am Rhein und ein wenig von der Burg Hohenklingen, die sich über diesem Plätzchen auf einem Berg erhebt.
Wissen Sie, wer in Stein am Rhein einen Spaghetti-Längenrekord aufgestellt hat?
Nicht?
Tja, dann sollten Sie wieder hereinschauen beim nächsten Mal.

Bis dahin viele Grüße und ein schönes Wochenende!

©Juli 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand - WordPress.com - ©Foto Andreas Grav

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