Beiträge getaggt mit Holland

Een beetje van Amsterdam (2) – Psst! Geheim …!

Amsterdam!

Amsterdam!

Laut Beschluss (meinem) nehmen wir das Thema Amsterdam (inklusive einiger Gedankensprünge, Sie wissen Bescheid) einfach gleich wieder auf. Kommt jenes in Teil (1) etwas nebulös angekündigte „später einmal, irgendwann“ eben „früher einmal, jetzt“.
Een beetje eher.
Sie haben sich unseren vielseitigen Begriff hoffentlich gemerkt.
Möchten Sie eventuell in Geheimnisse eingeweiht werden?
Etwas über einst sehr verschwiegene, versteckte Orte erfahren?

Falls ja, wäre es gar nicht schlecht, wenn Sie und ich uns een beetje auf das heutige Thema einstimmen. Wie ist das bei Ihnen:
Angenommen, Sie hätten etwas, woran Ihnen liegt, und eine Tätigkeit, die Sie in diesem Zusammenhang regelmäßig ausüben, liegt Ihnen enorm am Herzen.
Sie brauchen das einfach!
Sie fühlen sich unvollständig ohne diese – sagen wir – Zeremonie. Ihr Seelenheil hängt nämlich davon ab.
Nehmen wir weiter an, aus heiterem Himmel tauchte plötzlich jemand auf, stellte sich vor Sie hin und würde Ihnen das verbieten, was Ihnen doch so viel bedeutet.
Halt! Nein, ab heute gibt es das hier nicht mehr! Strengstens untersagt!
Jedenfalls in der Öffentlichkeit. Und dieser jemand drohte Ihnen im Fall der Fälle mit Strafe, nähme Ihnen Ihr was auch immer sogar weg!
Gehört jetzt mir! Basta. Meins! Schluck es!
Worum könnte es gehen?
Kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit so profanen Dingen wie Zigarettenritual im Freien, stundenlangen Freibad- oder Wellness-Orgien, auch nicht mit öffentlichen Tête-à-têtes resp. Dates oder der Jogagruppe im Park! Es geht um etwas anderes.
Doch ganz gleich, worum es sich handelt, wie würden Sie generell reagieren?
Würden Sie ein Verbot hinnehmen? Seufzend auf alles verzichten?
Oh, ich darf nicht! Die haben es ja verboten! Ist halt so … Ach, geht’s mir jetzt schlecht!
Oder würden Sie versuchen, einen Ausweg zu finden? Eine Kompromisslösung? Für sich? Oder gar mit dem anderen?
Wer weiß, vielleicht ist es ja sowieso alles nur vorübergehender Natur.
Wie könnte die Alternative aussehen?
Spinnen Sie den Gedanken ein wenig weiter: Wenn Sie es nun auch gar nicht alleine wären, der betroffen wäre. Wenn es um viele ginge. Familie, Freunde, Bekannte, Unbekannte …
Um eins der Beispiele von vorhin zu benutzen: Wären Sie der einzige, der nicht mehr öffentlich baden dürfte, dann würden Sie wahrscheinlich fortan in Ihre Badewanne hüpfen. Etwas beleidigt zwar, doch Sie würden vorerst damit vorliebnehmen. Wenn Sie sich hingegen bisher mit hundert gleichgesinnten Personen immer zu einer Badezeremonie trafen, was machen Sie dann? Ihre Badewanne schafft das nicht …
Sie müssen folglich größer denken.
Aber halt! Vergessen Sie es nicht! Es ist streng verboten. Es darf nicht auffallen!
Bitte?
Richtig, Sie müssen einen grandiosen Plan entwickeln, wie Sie es versteckt und heimlich tun könnten. Einen Ersatz schaffen, den keiner erahnt. Einen Ort finden, an dem Sie ab jetzt ihre Treffen abhalten. Der ist natürlich nicht fertig ausgestattet vorhanden! Sie müssten – um beim Baden zu bleiben – heimlich einen großen Pool anlegen. Unauffällige Zugänge schaffen. Per Mundpropaganda Informationen weitertragen.
Psst! Dienstag ist Badeorgientag …

Amsterdam - Geradezu die Oude Kerk

Amsterdam – Geradezu die Oude Kerk

Und jetzt kommen wir zu Amsterdam. Nichts anderes ist dort geschehen. Nein, keine Geheimpools! Es gibt in dieser Stadt jedoch geheime Kirchen. An Orten, an denen sie absolut kein Mensch vermutet! Quasi unsichtbar.
Warum?
Erinnern Sie sich noch dunkel an den Geschichtsunterricht in der Schule?
Gehen Sie zurück zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Martin Luther. Das Zeitalter der Reformation war durch ihn angebrochen. Die Niederlande und somit auch Amsterdam, waren bis zu diesem Zeitpunkt katholisch, Karl V. und auch sein Sohn und Nachfolger Philipp II. von Spanien beide strenggläubige Katholiken.
Plötzlich konvertierten in den „Niederen Landen“ Teile des Volks zum Protestantismus!
Entrüstung, Verfolgung der Andersgläubigen!
Die Calvinisten bildeten seinerzeit eine dominierende protestantische Kraft, und obwohl ihre Zahl überschaubar war, verfolgte die Regierung (das katholische Besatzungsregime der Spanier) sie recht unnachgiebig.
Der Adel lehnte das ab, und auch viele Städte waren nicht bereit, Ketzer aufzuspüren, sie zu jagen, zu bestrafen. Kurzzeitig schien sich die Lage zu entspannen, es sah aus, als signalisierte die andere Seite Entgegenkommen. Doch bereits unmittelbar darauf kam neuer, noch massiverer Druck aus Spanien, es gab blutige Verfolgungen.
Trotz allem nahm der Einfluss der Protestanten weiterhin zu!
Unruhen, kriegerische Auseinandersetzungen, Rebellion waren lange Jahre an der Tagesordnung. Im Januar 1579 schlossen die wallonischen Provinzen einen Sonderfrieden mit dem spanischen König. Etwa zur selben Zeit vereinigten sich die sieben niederländischen Provinzen zur Utrechter Union. Wenige Jahre später gründeten sie die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen. Der (katholische) spanische König wurde abgesetzt, und das Land war von da an gespalten.
Nun waren es auf einmal die Katholiken, die zwar nicht auf die gleiche Weise verfolgt wurden, denen jedoch zwischen 1578 und 1795 untersagt war, ihrer Religion öffentlich nachzugehen. Die Protestanten konfiszierten ihre Kirchen.

Einige dieser betroffenen, gläubigen Katholiken, ersannen im Laufe der langen Zeit an mehreren Stellen in Amsterdam Notlösungen in Form von Versteckkirchen, sogenannten Schuilkerken. Die im Land verbliebenen Katholiken hatten es aufgrund der noch folgenden Kriege zwischen Niederländern und Spanien immer schwerer, und es ist nicht so, dass ihre Geheimkirchen im Laufe der Jahrzehnte tatsächlich alle völlig unentdeckt blieben, nur sobald sie als Händler eine bedeutende Rolle spielten (wie z. B. in Amsterdam oder auch in Utrecht), sah man manchmal darüber hinweg, dass sie im Versteckten ihren Glauben lebten.
Auch nicht ganz konsequent, oder? Doch wo der Profit winkt …

Das ist alles lange her, dennoch können SIe vier dieser geheimen Orte heute noch finden. Um zwei dieser Plätze geht es nun hier.
Ihnen gemein ist, dass Sie – wenn Sie durch Amsterdams Straßen gehen und an den nahtlos aneinandergesetzten Häusern vorbeistreifen – nie ahnen würden, was sich vielleicht dahinter oder in diesen Gebäuden befindet. Es sieht alles ganz normal aus. Unverdächtige, schöne Wohnhäuser.

msterdam -Häuserfassade zur Straße hin - Durchgang zum Begjin-Hof.

msterdam – Häuserfassade zur Straße hin – Durchgang zum Begjin-Hof.

Gut, zugegeben, bei dieser Tür haben Sie einen dezenten Hinweis …

Amsterdam - Durchgangstür zum Begijn-Hof

Amsterdam – Durchgangstür zum Begijn-Hof

Es könnte etwas mit Kirche zu tun haben. Sie öffnen die Tür, befinden sich in einem Durchgang, der Sie zu einem Innenhof leitet.

Durchgang zum Innenhof - Begijn-Hof, Amsterdam

Durchgang zum Innenhof – Begijn-Hof, Amsterdam

Im Innenhof selbst sind Fotoaufnahmen leider nicht gestattet. Deshalb beschreibe ich es Ihnen:
Sie treten hinaus auf einen ruhigen Platz, um dessen sorgsam eingefasste Rasenfläche sich im Oval viele Häuser anordnen. Schmale Bauten aus roten Steinen, weiße Sprossenfenster, viele der typischen holländischen Giebel (glockenförmig oder wie ein A geformt, dessen Spitze gekappt wurde). Gepflegte Vorgärten, die länglichen Steine des Weges sind sorgfältig im Fischgrätmuster verlegt. Es herrscht Stille, eine Ruhe, die Sie aufgrund der naheliegenden Hauptstraßen und Straßenbahnen mit ihrem Geläut überhaupt nicht erwarten. In diesem Hof steht eine Kirche.
Wenn Sie vermuten, dass es sich hierbei schon um die geheime Kirche handelt, komplett den Blicken entzogen, von der Straße aus überhaupt nicht zu sehen – dann haben Sie sich getäuscht.
Die Engelsekerk war den Protestanten durchaus bekannt. Sie wussten, dass sie von einer katholischen Frauengemeinschaft, den Begijn-Frauen, genutzt wurde, die alle in den Anrainerhäusern ihre Wohnungen hatten.
Und zwar ausschließlich diese Frauen lebten dort!
Was eine Zeitlang wirklich geheim blieb, und später zumindest als nicht öffentlich zählte, war hingegen eine Hauskapelle, die sich in zwei verbundenen Häusern (Nr. 31) befand. In dieser Kapelle sieht man Szenen, die die Geschichte des Wunders von Amsterdam darstellen.

Ein wenig verblichen in all den Jahren ...

Ein wenig verblichen in all den Jahren …

Kapelle mit Altar

Kapelle mit Altar

Blick in die Kapelle

Blick in die Kapelle

Altar

Altar

Wenn Sie von dort weiter ein wenig durch Amsterdam spazieren und dabei irgendwann die Straße Oudezijds Voorburgwal durchqueren, dann wird Ihnen wieder nichts Ungewöhnliches auffallen. Abgesehen vielleicht von etwas merkwürdigen Fensterherausblickern …

Amsterdam - Am Oudezijds Voorburgwal - Blick hinüber ...

Amsterdam – Am Oudezijds Voorburgwal – Blick hinüber …

Amsterdam ... wer schaut denn dort aus dem Fenster?

Amsterdam … wer schaut denn dort aus dem Fenster?

Doch wenn Sie – in Richtung Hauptbahnhof laufend – diese Bank erreicht haben … ja, dann sind Sie leider schon ein Stückchen vorbeigelaufen!

Amsterdam - Oudezijds Voorburgwal 14

Amsterdam – Oudezijds Voorburgwal 14

Entlang dieser Straße, die an einem Kanal verläuft, befinden sich Grachtenhäuser. Die typischen, hohen, schmalen Bauwerke, die hier auch gar nicht anders möglich sind, da es in Amsterdam eine Regel bezüglich der maximal erlaubten Gebäudebreite gibt. Reiche Amsterdamer Bürger haben diese Vorschrift manchmal umgangen, indem sie zwei oder drei nebeneinander liegende Häuser bauten, sie im hinteren Bereich miteinander mittels Durchbruch verbanden, Ihnen vorne jedoch völlig unterschiedliche Fassaden gaben, so dass sie wie regelkonforme Einzelhäuser wirkten.

Gehen Sie nun bitte gedanklich wieder zurück. Diesmal ins 17. Jahrhundert.
Im Jahr 1663 baute der katholische Kaufmann Jan Hartmann im Oudezijds Voorburgwal das Haus mit der Nr. 40.

Amsterdam - Oudezijds Voorburgwal 40

Amsterdam – Oudezijds Voorburgwal 40

Wenn Sie das Haus unten über einige Eingangsstufen betreten und im Flur bzw. Wohnbereich landen, würden Sie nie denken, was Sie einige Geschosse darüber erwartet!
Jan Hartman erschuf über den gesamten Dachgeschossbereich hinweg eine geheime Kirche! Ons‘ Lieve Heer op Solder – soviel wie Unser lieber Herr vom Dachboden wurde sie genannt.
Und da auch dort im Haus das Aufnehmen von Fotos leider nicht gestattet war, verweise ich auf nachfolgenden Link, der zur entsprechenden op-Solder-Website führt. Allerdings ist man auch hier, was Bilder angeht, sehr zurückhaltend.
http://www.opsolder.nl/eng/home.php

Die Kirche wirkt prunkvoll, besitzt viele vergoldete Elemente. Momentan haben Wände und Galerie/Geländer einen Anstrich in Altrosa, was einer Rekonstruktion eines älteren Farbanstrichs entspricht. (Man hatte bei Restaurierungsarbeiten mehrere Schichten Farbe unterschiedlicher Tönung entdeckt.) Sie hat einen Altar im barocken Stil, der erst ein wenig später, im Jahre 1715 eingefügt wurde. Die Dachgeschosskirche verfügt über eine Empore, eine Orgel, Statuen, Heiligbilder und natürlich ausreichend Gestühl sowie hölzerne Sitzbänke entlang der Seitenwände bzw. auf der Galerie!

Beim Blick aus dem Dachfenster, konnten die Gläubigen die echten Kirchen zumindest sehen ...

Beim Blick aus dem Dachfenster, konnten die Gläubigen die echten Kirchen zumindest sehen …

Aus der Bürgerwohnung in den unteren Etagen führen an einer Seite des Hauses extrem enge Wendelholzstiegen von Stockwerk zu Stockwerk. Unwahrscheinlich für Sie anzunehmen, dass hier je Menschenmassen hinaufstiegen, um an der Messe teilzunehmen.
Doch genauso fand es statt!
Ich versuche mir vorzustellen, wie es damals ablief und kann ich mir kaum denken, dass in Zeiten, in denen diese Messe in aller Heimlichkeit abgehalten werden musste, sich draußen auf der Straße vor der Tür katholische Gläubige in Massen versammelten und herumstanden, bis unmittelbar vor Messebeginn die Tür geöffnet wurde.
Das wäre viel zu auffällig gewesen!
Sie müssen versetzt über einen längeren Zeitraum angekommen und auch wieder gegangen sein. Es heißt, im Notfall (bei Gefahr) konnten die Messeteilnehmer durch Dachluken entschwinden.
Doch wohin?
Hinüber zum Dach des Nachbarhauses und von dort wieder hinunter und hinaus?
Es muss schwierig gewesen sein in dieser Zeit, und unwillkürlich taucht die Frage auf, ob all diese Risiken und Aufwendungen überhaupt gerechtfertigt und notwendig waren.
Mit Gott kann doch jeder allein und an jedem Ort der Welt Kontakt aufnehmen …
Es waren jedoch die Gemeinschaft, die Messen, das Beichten – alle gemeinsamen Rituale, die mit der Glaubensausübung zusammenhingen – die zählten und die vermisst bzw. ersehnt wurden.
Und vielleicht war es auch Protest. Ein Protest gegen ein nicht einzusehendes Verbot.

Seit 1988 ist Ons‘ Lieve Heer op Solder ein Museum. Die Holzverstrebungen, die Sie auf dem Bild weiter oben (auf der rechten Seite im oberen Bereich des Fotos) gerade noch sehen können, dienen zurzeit als Abstützung zwischen den Häusern Nr. 40 und Nr. 38. Man plant einen Tunnel und gräbt momentan an dieser unterirdischen Verbindung. Es ist beabsichtigt, das Museum zu erweitern und den Empfangsbereich in Haus 38 einzurichten.

Nach einem solchen Besuch und der Kenntnisnahme der damaligen Zustände und Reaktionen, gehen mir natürlich einige Gedanken durch den Kopf. Über Anmaßung. Über das Verhängen von unsinnigen Verboten, auch über das Hinnehmen von willkürlichen Verboten …
Beschäftigt Sie das auch?
Wenn Sie es bitte einmal nicht allein auf Glaubensfragen (Religion) beziehen, sondern eher ganz generell sehen. Was zeigt es, lehrt es? Wie könnte ein ganz persönliches Résumé aussehen?
Vielleicht sagt es hauptsächlich, dass sinnlose Verbote eben sinnlos sind. Nicht nur ihr Inhalt, sondern auch ihr Aussprechen!
Sinnlos verhängt.
Es stellt sich die Frage nach der Pflicht zur Einhaltung.
Müssen wir immer alles stillschweigend hinnehmen?
Verbote einzuhalten, Regeln zu achten ist wichtig, aber macht nur dann Sinn, wenn sie dazu dienen, allen zu nutzen. Wenn ohne die Einhaltung jemand im Nachteil wäre. Wenn die Nichteinhaltung die Freiheit eines anderen einschränken oder ihn gefährden würde. Regeln dürfen nicht zu einer bloßen Machtdemonstration werden. Verbote sollten nicht ausgesprochen werden, um lediglich zu bestrafen oder es mit gleicher Münze heimzuzahlen, sich zu rächen.
Ein miteinander umgehen auf gleicher Augenhöhe, Respekt, auch Gleichberechtigung … wie soll es das dann je geben?

Nun, wir sind aber auch nicht dazu verdammt, in jedem Fall untätig danebenzustehen und abzuwarten oder zu leiden. Vielleicht sollten wir uns stattdessen lieber öfter für etwas einsetzen, sollten sinnlose Verbote publik machen, ihren Irrsinn verdeutlichen.
Sie ein wenig der Lächerlichkeit preisgeben …
Und wenn das aus gewichtigem Grund zu Beginn nicht immer in aller Öffentlichkeit möglich ist, dann eben anfangs im Stillen. In kleinem, begrenztem Ausmaß. Überschaubar. Den Möglichkeiten entsprechend.
Steter Tropfen höhlt den Stein. Kleinvieh macht auch Mist …
Vielleicht stellt sich dabei heraus, dass wir gar nicht immer alleine dastehen. Es gibt mehr Gleichgesinnte, als man denkt!
Es muss nur einmal einer anfangen.
Mit was auch immer.

Das war der zweite Teil aus der holländischen Hauptstadt. Vielleicht lesen wir uns irgendwann wieder, wenn es heißt: Een beetje van Amsterdam – Teil (3)

©Oktober 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand - WordPress.com - ©Foto Andreas Grav

, , , , , , , , , , ,

18 Kommentare

Emil von Elite oder wo es hingeht …

Michèle Legrand - WordPress.com - ©Foto Andreas GravWas sagen Ihnen die folgenden Begriffe?
Flach, Windmühlen.
Um welche Gegend geht es? Von welchem Land ist die Rede?
Möchten Sie weitere Hilfe?
Wohnwagen, Fahrräder, Tulpen, Rudi Carrell, Frau Antje, Käse, Genever, Hermann van Veen, orange Trikots …
Also, wer jetzt nicht …!
Sehr richtig! Es geht um Holland, die Niederlande. Nun weiter.
Wo genau dort? Ich hätte wieder Hinweise …
Hafen, Grachten, Coffee Shops, Rijksmuseum, ein Chanson von Jaques Brel …
Bitte? Exakt. Amsterdam!

Einen Teil der kommenden Woche werde ich in Amsterdam sein und hoffe, Ihnen dort nebenbei ein paar Eindrücke einsammeln und mitbringen zu können. Ich bin selbst sehr gespannt, wie es heute aussieht! Einmal war ich bereits dort, doch der Aufenthalt ist urlange her und war zudem extrem kurz.
Mir ist die Reise allerdings in Erinnerung geblieben, denn meine Großeltern spendierten diese Bustour nach Holland als ich Teenager und 14 oder 15 Jahre alt war. Ich war mir nie ganz sicher, ob sie mir selbstlos eine Freude machen wollten oder …
Wissen Sie, sie selbst buchten nämlich ebenfalls, und so fungierte ich vier Tage als ihre Begleitung und saß inmitten einer aufgekratzten Busladung *hüstel* etwas älterer Herrschaften mit der Aufgabe, als jugendlich-bewegliche, nicht knackende und knirschende, zudem mit intakter Sehkraft ausgestattete, helfende Hand einzuspringen und obendrein an Bord die Funktion eines Altersdurchschnittsreduzierer zu übernehmen. Er betrug danach wahrscheinlich nur noch 74 Jahre.
Es ging an verschiedene Orte. Der Tulpenpark Keukenhof wurde angesteuert, Madurodam – jener Park, der Holland in Miniatur zeigt, es ging nach Scheveningen, nach Alkmaar, um dort den besonderen Käsemarkt (an jedem Freitag) zu erleben, weiterhin zu einer Porzellanmanufaktur und an einem der Reisetage standen eben auch Amsterdam und eine Grachtenfahrt auf dem Programm. Ich glaube fast, für mehr hat die Zeit gar nicht gereicht. Jedenfalls ist mir kaum sonst etwas haften geblieben, während die anderen Stationen noch recht klar erscheinen.

Elite-Busreisen, so hieß das Unternehmen, das die Hollandtour veranstaltete, sein Fahrer Emil. Emil und sonst nichts. So wollte der Herr mittleren Alters genannt werden. Ein Mann für alle Fälle. Er fuhr nicht nur den Bus, er erzählte auch unterunterbrochen, war somit Reiseleiter, Bei-Laune-Halter und Fahrer in Personalunion. Er staute Unmengen von Gepäck, kümmerte sich um Tickets vor Ort, sah zu, dass alle ihr Essen bekamen, brachte abends die Herrschaften zu ihren festen, immergleichen Privatquartieren und ließ sich – ungeachtet seiner eigenen Quirligkeit – selbst durch nichts aus der Ruhe bringen. Sollte sich von Ihnen noch jemand an den Berliner Kabarettisten Wolfgang Gruner erinnern – Emil von Elite hätte sein Bruder sein können.

Ich glaube, er sorgte – neben den holländischen Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten, die mich natürlich schon interessierten! – damals dafür, dass ich die Tage als einzige Jugendliche unter ausschließlich Senioren nicht als pure Katastrophe (das denkt man in dem Alter manchmal), sondern durch ihn tatsächlich recht unterhaltsam fand – und dafür sage ich ihm heute verspätet vielen Dank! Er müsste mittlerweile wohl um die Achtzig sein, und ich hoffe sehr, dass er noch unter uns ist.

Dieses Mal wird die Anreise mit der Bahn erfolgen. Ohne einen Emil. Aber auch ohne Großeltern. Sie sind schon lange gegangen. Also keine Seniorenreise. Oder …
Warten Sie!
Wenn man es ganz genau nimmt vielleicht doch! Die Seniorenreise, meine ich. Denn zumindest in Sportlerkreisen oder bei der Einteilung in diese werberelevanten Altersgruppen, würde ich selbst schon als Seniorin zählen!
Unglaublich! Bodenlose Frechheit!  (Unter uns: mich kratzt das überhaupt nicht …^^)
Im Übrigen werde ich diesmal selbst eine junge Begleitung haben, die den Altersschnitt gehörig senkt. Wir befinden uns dann flugs wieder im flotten Mittdreißigerbereich.

Falls Sie in den nächsten Tagen nichts von mir hören, dann bin ich mit den holländischen Nachbarn beschäftigt und habe zu tun.
Doch ich komme wieder! Machen Sie sich da bitte nichts vor!
Met een beetje geluk ben ik vrijdag weer thuis.

Tot gauw! Bis bald!

©September 2013 by Michèle Legrand

, , , , , , , , , ,

6 Kommentare

%d Bloggern gefällt das: