Beiträge getaggt mit Hafen Hamburg

HafenCity / Hamburg: Wo ein Teppich kein Teppich und ein Pilz kein Pilz ist …

Falls Sie gerade Lust auf Elbluft verspüren und mitkommen möchten, würde ich Sie heute gern Richtung HafenCity Hamburg ziehen und Ihnen dort nebenbei etwas ganz speziell Herausgepicktes vorstellen.
.

Hamburg - Hafen - Blick vom Baumwall Richtung Elbphilharmonie und Kehrwiederspitze

Hamburg – Hafen – Blick vom Baumwall Richtung Elbphilharmonie und Kehrwiederspitze

 

Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, bei HafenCity allein an den sich neu entwickelnden Hamburger Stadtteil
zu denken, der an vielen Stellen nicht nur modern wirkt, sondern einen überaus futuristischen Charakter hat. Die alten Speichergebäude an den Fleeten zählen verwaltungstechnisch ebenfalls zur HafenCity! Vielleicht erinnern Sie sich noch an einen früheren Beitrag, in dem es um die Kontraste ging, die dort besonders zutage treten, wo die markanten roten Backsteinbauten Hamburgs denkmalgeschützter Speicherstadt direkt an die modernen Häuser der neuen HafenCity angrenzen. Auf der einen Seite die alten Bauten, die alte Zeit – gegenüber die gläserne, die neue Welt.

Hamburg - HafenCity - Wilhelminenbrücke und Kehrwiederspitze

Hamburg – HafenCity – Wilhelminenbrücke und Kehrwiederspitze

 

Könnten Sie sich etwas vorstellen, was – diese besondere Situation berücksichtigend – einen Anknüpfungs-
punkt darstellen würde? Was einen Übergang oder ein optisches Bindeglied bildete, eine Art Brücke von Alt zu Neu? Bedenken Sie dabei, dass Hamburg ein überaus bedeutender Handelsumschlagsplatz für Orientteppiche ist. Nun?
Eine Brücke bilden … Teppichbrücke? Läufer? Etwas Begehbares? Ein begehbares Bindeglied?
Aus einer solchen Grundidee entstand ein Kunstwerk im öffentlichen Raum. Die Körber-Stiftung, die ihren Sitz
in der Hafencity am Kehrwiederfleet hat, beauftragte den Steinmetz und Bildhauer Frank Raendchen, einen Orientteppich mehr oder weniger vor ihrer Haustür zu erstellen. Er schmückt seit 2005 auf der einen Seite der Wilhelminenbrücke deren Fußgängerweg, und passenderweise verbindet genau diese Brücke das Alte (City) mit dem Neuen (HafenCity).
Wenn Ihr Läufer zu Hause aus Wolle geknüpft ist und respektable zwei oder gar drei Meter Länge vorweisen kann, so ist das Grundmaterial des Brückenteppichs Stein, und er besitzt „unwesentlich“ größere Ausmaße: Diese Brücke misst 27,5 m in der Länge, ist 2,45 m breit und ca. 5 cm hoch.

Hamburg - HafenCity - Steinerner Orientteppich auf der Wilhelminenbrücke

Hamburg – HafenCity – Steinerner Orientteppich auf der Wilhelminenbrücke

Seine typisch orientalischen Ornamente wurden mit Hilfe eines farbigen Natursteingranulats (Quarz, Granit
und Marmor) geformt, das von Frank Raendchen und zwölf Helfern in wochenlanger Arbeit „krümelgenau“ ausgebracht und zum Schluss mit einem Kunstharz versiegelt wurde. Selbst Teppichfransen wurden nicht vergessen!

Hamburg - HafenCity - ... auch Fransen besitzt der Steinerne Orientteppich

Hamburg – HafenCity – … auch Fransen besitzt der Steinerne Orientteppich

Diese besondere Herstellungsweise sollte Langlebigkeit und Resistenz gegen die üblichen Einflüsse von außen garantieren. Hitze, Kälte, raue Sohlen, spitze Absätze … Nur stand dem Teppich gleich nach dem „Auslegen“ eine besonders harte Belastungsprobe bevor, als während der Umzugsarbeiten des Hanseatic Trade Centres (2005/2006) reichlich Betrieb und Rangiererei auch auf der Brücke herrschte und dort sogar mit Genehmigung eine Entladezone eingerichtet wurde.
Infolgedessen bröselte es bereits ein halbes Jahr nach Fertigstellung und Teile des Teppichs platzten ab. Die ersten Notausbesserungen standen an. So blieb es, und die Jahre vergingen. Wenn Sie daheim ihren Teppich nie ausklopfen, säubern oder auf sonstige Art pflegen, wissen Sie, wie er nach einigen Jahren aussieht. Der Flor ist platt, ein paar Fransen hat es erwischt, die Farben verblassen.
Dem steinernen Teppich erging es nicht anders. Man nahm ihn dadurch zuletzt relativ spät wahr, nämlich erst, wenn man unmittelbar vor der Brücke und somit direkt vor seinem Anfang oder Ende stand. Ich hatte seine Existenz dadurch fast vergessen, zumal bei Besuchsanlässen wie z. B. dem Hafengeburtstag, exakt dort häufig Buden und Stände aufgebaut wurden, die die Sicht auf ihn versperrten.
Im letzten August (2016), also zehn Jahre nach den Ausbesserungen, wurde er komplett restauriert. Nun sieht er wieder sehr präsentabel aus, und das Muster tritt kräftig hervor.
.

Steinerner Orientteppich nach der Restaurierung

Hamburg – HafenCity – Steinerner Orientteppich nach der Restaurierung

 

Wenn Sie bitte einmal Ihren Blick auf das folgende Foto richten, so bemerken Sie ein Gebäude aus dem Jahre 1910. Neoromanischer Stil. Ein wenig burgähnlich, oder?
Das ist die historische Polizeiwache, in der heute das Revier 22 der Wasserschutzpolizei seinen Sitz hat und in dem auch die Mannschaft des Feuerlöschboots „Brandmeister Repsold“ anzutreffen ist. Wenn Ihnen selbst als Auswärtiger das Gebäude irgendwie bekannt vorkommt, dann vielleicht durch eine Vorabendserie im Fernsehen. Für den „Notruf Hafenkante“ und sein Filmpolizeikommissariat 21 werden die Außenaufnahmen hier gedreht.
.

Hamburg - HafenCity - Kehrwiederspitze mit der Historischen Polizeiwache ...

Hamburg – HafenCity – Kehrwiederspitze mit der Historischen Polizeiwache

 

Seitdem der westliche Teil der neuen HafenCity fertiggestellt ist, dort keine Baukräne mehr stehen, Bauzäune verschwanden, etwas Grün aufblitzt und vor allem Leben eingezogen ist, macht es Vergnügen, am Dalmannkai direkt entlang des Grasbrookhafens
.

Hamburg - HafenCity - Dalmannkai am Grasbrookhafen, im Hintergrund das Unilever-Haus

Hamburg – HafenCity – Dalmannkai am Grasbrookhafen, im Hintergrund das Unilever-Haus

 

… vorbei am Vasco-da-Gama-Platz  Richtung Marco-Polo-Terrassen am Unilever-Haus und weiter zum Überseequartier oder zum Kreuzfahrtterminal zu spazieren.
.

Hamburg - HafenCity - Vasco-da-Gama-Platz

Hamburg – HafenCity – Vasco-da-Gama-Platz

 

Inzwischen gibt es viele Möglichkeiten, direkt am Wasser einzukehren und dabei draußen zu sitzen oder aber, man lässt sich am Unilever Haus einfach auf den flach auslaufenden Marco-Polo-Terrassen neben einer Sumpfzypresse nieder und schaut über das Wasser.
.

Hamburg - HafenCity - Blick von den Marco-Polo-Terrassen am Unilever-Haus zurück Richtung Elbphilharmonie

Hamburg – HafenCity – Blick von den Marco-Polo-Terrassen am Unilever-Haus zurück Richtung Elbphilharmonie

 

Hamburg - HafenCity - Gesundes Elbwasser? Auf jeden Fall treibt hier frisches Grün aus ....

Hamburg – HafenCity – Gesundes Elbwasser? Auf jeden Fall treibt hier frisches Grün aus ….

 

Hamburg - HafenCity - Zentrum "Überseeboulevard"

Hamburg – HafenCity – Zentrum „Überseeboulevard“

 

Dringen Sie östlicher vor, landen Sie unweigerlich irgendwann im Baustellenbereich. Für sich gesehen durchaus interessant, allerdings nicht unbedingt als hübsch zu bezeichnen. Ich habe jedoch etwas durch einen Metallgitterzaun hindurch in der Entfernung an der Spitze des Baakenhöfts erspäht, und das möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.
Sehen Sie das weiße, pilzähnliche Bauwerk etwas von der Mitte aus rechts?
.

Hamburg - HafenCity - Das östliche Gebiet ist Baustellenbereich - Rechts zu erkennen der Wohnleuchtturm "Lighthouse Zero"

Hamburg – HafenCity – Das östliche Gebiet ist Baustellenbereich – Rechts zu erkennen der Wohnleuchtturm „Lighthouse Zero“

 

Das ist der Prototyp eines Wohnleuchtturms. Bauherr Arne Weber (vom Bauunternehmen HC HAGEMANN) entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro BIWERMAU Architekten BDA sein „Lighthouse Zero“. Mitte letzten Jahres erfolgte der Baubeginn, für Dezember 2015 war die Einweihung avisiert.
.

Hamburg - HafenCity - Baakenhöft - "Lighthouse Zero"

Hamburg – HafenCity – Baakenhöft – „Lighthouse Zero“

Was aus der Distanz etwas niedriger und eher verhalten imposant wirkt, ist in Wirklichkeit ein 20 m hoher Betonschaft, auf dem sich eine Plattform mit beachtlichen 230 qm Wohnfläche sowie darüber ein 150 qm
großer Dachgarten befinden.

Seit der Fertigstellung können Interessenten diesen ungewöhnlichen Wohnturm nun real begutachten, das Wohngefühl testen, und was die Suche nach geeigneten weiteren Standorten angeht, so kümmert man sich bereits von Unternehmerseite aus darum. Falls Sie sich fragen, wie Sie hinauf in Ihre Wohnung gelangen, so gibt es entweder die Möglichkeit, dass ein gläserner Aufzug Sie hochfährt oder – eher für den Typ sport-
licher Hausbesitzer, der auch keine ultraschweren Möbellieferungen oder Konzertflügel erwartet – die Treppenvariante, die sich dann in der Spannbetonröhre befindet.

Der Vorteil des Ganzen:
Sie benötigen extrem wenig Grundfläche, können Ihren robusten Pilzstiel unterpflanzen, haben oben ungestörten Ausblick in alle Himmelsrichtungen und ein lichtdurchflutetes Zuhause.
Der Nachteil:
Es wird teuer. Der Focus sprach in einem Artikel seinerzeit davon, dass die Errichtung eines Lighthouses
etwa zwei Millionen Euro kostet …

Sie können es sich ja noch ein bisschen überlegen. Sie sollten nur ein paar Euro Reserve einplanen, denn
a) ist das Grundstück wahrscheinlich noch nicht mit dabei und
b) wissen Sie, weißer Beton bleibt nicht weiß.
Der Witterung ausgesetzt, wirkt er bald schmuddelig – was dem Ganzen etwas Trostloses verleiht. Ich würde
mir also ebenfalls darüber Gedanken machen, wie Sie ihr neues Heim, speziell die Betonröhre, von außen persönlich gestalten und diesen „Used-Look“ vermeiden. Gönnen Sie Ihrem Leuchtturm doch die typischen, lebhaften rot-weißen Ringe, im Sockelbereich ergänzt durch einige Felsbrockenmotive und Wellengangszenen.

Was halten Sie denn von der Idee, die Sache mit dem optischen Bindeglied von vorhin auch hier aufzugreifen? Da Ihr zukünftiges Heim so überaus futuristisch daherkommt und massiv an Raumfahrt und Weltall erinnert, gäbe es einerseits die Möglichkeit, die Betonröhre vollkommen schwarz zu streichen. Schalteten Sie in diesem Fall abends oben rundherum in all den Räumen mit ihren Glasfronten großzügig Licht an, hätten Sie optisch anstelle einer Plattform plötzlich ein schwebendes Ufo. Das tragende Element schiene verschwunden …

Alternativ könnte der Schaft im ersten Drittel eine Startrampenillusion für Ihre fliegende Untertasse erhalten, während es nach oben hin überginge in eine Art Milchstraße. Sterne und leichte Andromedanebel auf dunklem Grund …
Als Trompelœil ließen sich natürlich genauso unechte Fenster und angebliche Durchblicke realisieren …
Oder etwas komplett anderes!
Eine aufgemalte Strickleiter! Ein sich öffnender Reißverschluss, ein Kettenkarussell! Wenn Sie sich spendabel zeigen, ließe sich sicher die Plattform gleich von vornherein als Drehbühne anlegen …

Wir sind ein wenig vom Thema HafenCity abgekommen, oder?  Der Part der Blogbezeichnung, der von Gedanken(sprüngen) handelt, macht seinem Namen heute wieder alle Ehre. Ein Gedankengehopse, als
wären Sprungfedern unter den Füßen … Lassen Sie uns zurückgehen. Es soll für heute auch reichen.

Ich verabschiede mich von Ihnen diesmal an der U-Bahn-Station Baumwall und lasse Sie mit Ihren ureigensten Assoziationen zu Steinteppichen, pilzähnlichen Leuchttürmen o. a. allein. Hecken Sie ruhig aus, wonach Ihnen der Sinn steht, und für gute Vorschläge habe ich natürlich ein weit geöffnetes Ohr!

Hamburg - U-Bahn-Station Baumwall am Hafen

Hamburg – U-Bahn-Station Baumwall am Hafen

.

Machen Sie es gut und bis demnächst!

.

© by Michèle Legrand, Oktober 2016
Michèle Legrand

, , , , , , , , , ,

49 Kommentare

Hamburgs Hafengelände: Gut für kleine Überraschungen …

Im letzten Beitrag ging es um das Hafenmuseum Hamburg. Heute würde ich gern noch etwas zum Thema Hafengelände hinzufügen. Insgesamt gesehen, nicht nur auf den Bereich bezogen, der zum Museum gehört.
Das Hafengelände birgt nämlich Potenzial für kleine Überraschungen!

Es geht nicht nur Ihnen als auswärtigem Leser so, dass Sie die Struktur des Hamburger Hafens, seine räumliche Aufteilung, die Anordnung der diversen Hafenbecken oder lediglich seine Ausdehnung bestenfalls vage beschreiben könnten. Trotzdem haben Sie wahrscheinlich einen im Vergleich dazu klareren, persönlichen Eindruck, der durch Filme und Dokumentationen oder Zeitungsberichte entstand. Irgendeine Wirkung wird es auf Sie gehabt haben, auf ihre Vorstellung vom Terrain.
Was generell jedem mit Sicherheit auf Anhieb dazu in den Sinn kommt: Der Hafen ist beachtlich groß, und täglich steuern ihn viele Schiffe an. Und vielleicht fällt dazu noch ein, dass es einmal diese Planungen für gewisse Olympische Spiele gab …

Machen Sie sich aber bitte gleichzeitig klar, dass Sie mit Ihrer sonstigen Hafenahnungslosigkeit nicht alleine dastehen und dass selbst für so manchen Hamburger die Stadt irgendwie stets am Elbufer aufhört. Und zwar am nördlichen. Auf dieser Seite des Flusses ist für ihn Hamburg, und auf die andere Seite der Elbe … nun, da kommt man nicht so oft hin.
In die Wohngebiete oder Einkaufszentren (z. B. in Harburg) schon, das ist klar! Durchaus auch noch ein Stückchen weiter hinaus ins Grüne, aber doch nicht irgendwo in den Hafen an irgendeinen zugigen Kai!
Nein, die andere Elbseite – und dort ganz speziell das Hafengebiet – bleibt häufig zeitlebens ein reichlich verschwommener Fleck auf der Landkarte. Wird so ein Hamburger mit dieser „Grenzflusseinstellung“ einmal am anderen Ufer mitten im Hafen ausgesetzt, braucht er Jahre, um sich zu orientieren und wieder herauszufinden.

Immerhin ist spätestens seitdem im Jahr 2013 sowohl die Internationale Gartenausstellung als auch die Internationale Bauausstellung auf der Elbinsel Wilhelmsburg stattfanden, vielen dieses Areal mehr als ein bloßer Begriff. Die seinerzeit entstandenen Bauten und der Wilhelmsburger Inselpark, jenes mittlerweile umgestaltete ehemalige Gartenschaugelände, ziehen weiter an. Man weiß jetzt, wo das ist.
Weiterhin kennt jeder all das, was sich am südlichen Flussufer direkt gegenüber von Landungsbrücken, Baumwall oder auch der HafenCity und somit in Sichtweite befindet. Man weiß, in welcher Richtung die Werft liegt  (Blohm + Voss Shipyards, Blohm + Voss Repair, TKMS und nach Umstrukturierung und Verkauf einzelner Geschäftsbereiche weitere Nachfolgefirmen) und hat genauso eine Vorstellung vom Standort der Musicaltheater. Die hat man schließlich vor Augen …
Nur wenn es darum geht zu verraten, wie der Landstrich dort heißt und was sich daneben oder weiter landeinwärts anschließt und präsentiert, werden die Auskünfte schnell dünn. Im Zweifelsfall lautet die Ortsbezeichnung schlicht und einfach „drüben“. Auf der anderen Elbseite eben.

Sie merken, wer hier nicht gerade im Hafen arbeitet oder sich aus anderem Grund regelmäßig dort hinbegibt, für den ist der gesamte Hafenbereich absolutes Neuland, fast schon Terra incognita. Wo welcher Kai ist oder bestimmte Schuppen zu finden sind – ein Rätsel. Welche Hafenzufahrten und Übergänge es gibt, wo sich die einstigen Zollstellen im früheren Freihafengebiet befanden – nicht geläufig.
Ortsangaben wie Kleiner und Großer Grasbrook oder Steinwerder genauso wie Namen von Hafenbecken geben nur einen groben Anhaltspunkt, bestenfalls eine Idee, ob vielleicht eher flussabwärts oder flussaufwärts gemeint sein könnte.
Es ist wie mit den reinen Gewerbegebieten am Stadtrand. Die kennen auch nur die ansässigen Firmen und die Spediteure. Dort wohnt keiner, folglich fährt man aus privatem Anlass nie hin. Und wer einen Ausflug plant, der wählt nicht gerade dieses Ziel. Es ist einfach keine wirklich reizvolle Spaziergegend. Daran ändern auch phantasie- und klangvolle Namen nichts.
Um wieder zum Hafen zurückzukommen: Wer sich für die großen Pötte interessiert und Shipspotting machen möchte, postiert sich viel eher entlang der Elbe und beobachtet dort das Ein- oder Auslaufen. Oder geht für die Cruise Liner direkt zum Kreuzfahrtterminal nach Altona bzw. zum Cruise Center HafenCity, beide nördlich der Elbe. Das allerneueste Terminal direkt im Hafengebiet (auf Steinwerder) wird etwas ignoriert. Das Hinkommen ist umständlich, fast eine Weltreise.

Was aktuell wo und wie im Hafen genutzt wird, wie der Hafen von heute aussieht  – das entzieht sich einfach der Kenntnis. Glauben Sie mir, das stört einige Hamburger selbst gewaltig! Und so haben nicht wenige Einheimische inzwischen wie Touristen eine der Barkassenfahrten durch Hamburgs Hafen unternommen und nun endlich zumindest eine grobe Idee von den Ausmaßen oder der Lage der einzelnen (Halb-)Inseln und bestimmter Kais.

Welche Eindrücke entstehen, ist abhängig davon, mit welcher Ecke des Hafens jemand in Berührung kommt. Aus dem Anblick eines sehr begrenzten Geländes, der im Grunde genommen nur für einen „Zipfeleindruck“ sorgt, ergibt sich allerdings meist die Vorstellung, dies sei der Charakter und Zustand des gesamten Hafens.

Hafen Hamburg mit alten Fahrzeugen und Anlagen

Hafen Hamburg mit alten Fahrzeugen und Anlagen

Die eine Überzeugung ist dann die, dass es überall rostig ist. Ausnahmslos. Wo Eisen und besonders Eisen und viel Feuchtigkeit aufeinandertreffen, ist tatsächlich der Rost nicht weit.  Traditionsreiche Werftunternehmen, seit fast 140 Jahren auf ihrem Gelände, alteingesessene Zulieferfirmen und Hafenbetriebe, der Schwerpunkt Metallbranche, die Kräne und überhaupt all die Anlagen im Freien, dazu Hallen, Nutzfahrzeuge, Stahlteile und -konstruktionen, Schiffsrümpfe, die nicht alle vorgestern einen neuen Anstrich erhalten haben, die Schienen der Hafenbahn … Rost, Rost, Rost …

Hamburg - Hafen - Rostige Teile an alten Bahnschwellen
.

Hafen Hamburg - Am Hafenmuseum (Blick von der Straße auf Außenanlagen mit Van Carrier und Kran)

Hafen Hamburg – Am Hafenmuseum

Nur der Eindruck, dass es überall so sei, täuscht gewaltig. Es kommt entschieden darauf an, wo man ist!

Die völlig andere Wahrnehmung ist deshalb auch die von einem sehr modernen Hafen mit riesigen (und rostfreien) technischen Anlagen für die Containerabfertigung (Containerterminal Altenwerder u. a.), mit großen, oftmals frisch in Dienst gestellten Frachtern, die an den Kais mit Hilfe von Hightech entladen oder für die nächste Reise beladen werden.

Zwei sehr unterschiedliche Hafeneindrücke also von den Bereichen direkt am Wasser.

Hafen Hamburg - Containerverladung ... (Frachter von Maersk)

Hafen Hamburg – Containerverladung …

Speziell am Abend mit Beleuchtung wirken hoch aufragende Anlagen besonders futuristisch.

Hamburg - Hafen - Containerterminal Altenwerder (Krananlagen im Abendlicht)

Hamburg – Hafen – Containerterminal Altenwerder

 

Die dritte Wahrnehmung betrifft die Wirkung, die der Landanteil auf einen Betrachter hat. Das große Gebiet mit langen Gleisstrecken, vor allem aber mit seinen sowohl zahl- als auch verkehrsreichen Straßen, die sämtliche Teile des Hamburger Hafens durchziehen, alle Anlagen und Kais zugänglich machen und miteinander verbinden.
Kein inspirierender Anblick. Bis auf kleine Ausnahmen trostlos, öde, hervorgerufen auch durch schnurgeraden Straßenverlauf (Veddeler Damm) und verstärkt durch den Anblick unzähliger LKW. Stets Staus, Lärm und schlechte Luft an den neuralgischen Punkten. Ständig wechselnde Baustellen. Immer wieder Sperrungen, Umleitungen. Oft über lange Strecken ein sehr eintöniges Bild zur Linken und zur Rechten.
Hier wächst ja kaum irgendwo ein Baum! Weder zur optischen Abwechslung noch zur Luftverbesserung. Eine Gegend, in die es einen nicht unbedingt zieht. Es fehlen Grün, sichtbare Menschen und Farbe.
Hafen ist fast ein wenig wie Reeperbahn. Das gleiche Phänomen, meine ich. Beides wirkt erst bei Dunkelheit mit Beleuchtung richtig schön.

Und bisher nahm ich angesichts dieser Eintönigkeit beispielsweise konsequent an, mit der Natur (Fauna und Flora) im Hafen könnte es nicht soweit her sein. Ich wurde eines Besseren belehrt!
Ich hatte zuletzt einige Zeit im Hafen zu tun und war dabei jedes Mal auch draußen unterwegs. In Bereichen, in denen ehemals der Stückgutumschlag stattfand – solange, bis mit dem Aufkommen der Containerverladung an anderer Stelle im Hafen die neuen Terminals entstanden.
Ich stieß auf Gelände, das nicht mehr ständig betreten oder aktiv genutzt wird. Heute sind das aus der Distanz völlig unscheinbar wirkende Hafenfleckchen, in denen nun im Laufe der Zeit und räumlich begrenzt brachlie-
gende Flächen entstehen. Boden, der so auf einmal für bestimmte Pflanzen und einige Tierarten als Lebensraum interessant wird.

Wo mehr Licht hinfällt, wachsen die Pflanzen auch höher ... (zwischen gestapelten Schwellen und Gleisen)

Eroberung des freien Raums. Wo mehr Licht hinfällt, geht es in die Höhe …

 

Überall dort, wo eine gewisse Ruhe eingekehrt ist und obendrein Gegenstände abgestellt bzw. Materialien deponiert sind, die Schutz vor Wind und Kälte bieten, stattdessen womöglich sogar Wärme speichern, entsteht ein neues Kleinklima. Zusätzlich erholt sich der Boden, und schon siedelt sich etwas an.

An den ablegten, alten Bahnschwellen siedeln sich Pflanzen an ....

An den ablegten, alten Bahnschwellen siedeln sich Pflanzen an ….

 

Platz zum Ansiedeln gefunden ... (Keimling in den Ritzen alter Bahnschwellen)

Platz zum Ansiedeln gefunden …

Überall dort, wo nicht ständig aufgeräumt wird oder permanent Betrieb durch Mensch und Maschine herrscht, wird zudem Abgestelltes und Ungenutztes von Vertretern der Tierwelt umfunktioniert und als Nistplatz oder Unterschlupf verwendet.

Im Aufbau eines außer Betrieb genommenen Krans haben in luftiger Höhe Schwalben ihr Nest gebaut. Und dann begegnete mir noch etwas, was ich überhaupt nicht zu sehen erwartet hatte: Bachstelzen!  Natürlich ist mit der Elbe ein Gewässer in der Nähe, doch rein gefühlsmäßig hört sich allein das Wort Bachstelze doch mehr danach an, dass sich der betreffende Vogel statt auf einer relativ kargen Grasfläche viel eher in einer mehr idyllischen und etwas fruchtbareren Umgebung und wahrscheinlich nahe eines leise glucksenden Rinnsals bewegt.
Stattdessen ist diese Bachstelze nun Anwohner eines großen Stroms und kommt offensichtlich mit ziemlich wenig Baum- und Grünangebot in ihrem Umfeld aus.

Bachstelze auf Hamburger Hafengebiet

Bachstelze auf Hamburger Hafengebiet

Es wird verständlicher, wenn Sie einmal einen genaueren Blick auf die Umgebung werfen. Diese Vögel nisten gern in Steinhaufen oder Holzstapeln, was beides hier in Form von abgelegten Bahnschwellen oder angehäuftem Granitgestein vorhanden ist. Nester polstern sie mit Vorliebe mit Moos aus. Auch das ist zu finden. Würmer und Spinnen gibt es mit Sicherheit ebenso. Und die Wasserqualität der Elbe hat sich gebessert! Sehr viel mehr Vogelarten als früher nutzen inzwischen den Hafen auch als Durchzugsgebiet. Legen hier Zwischenstopps ein.

Hamburg - Hafen - Bahnschwellen gestapelt

Hafen Hamburg – Bahnschwellen gestapelt – Oder platzsparende Gleisverlegung ..?

Silbermöwen gibt es reichlich. An der Elbe nicht weiter verwunderlich, nur was mich verblüfft, ist, dass sie hier im Hafenbereich auf den Dächern der Gebäude brüten. Sie sind wirklich schlau; reagieren mit Anpassung auf die veränderten Umstände und Gefahren in der Stadt. So weit oben ist ihr Gelege sicher vor Feinden, deren Zahl rasant zugenommen hat. Füchse, Ratten etc. kommen dort nicht heran …

Wissen Sie, was unvorteilhaft ist?
Wenn Sie im Hafengebiet als Handyklingelton für eingehende Anrufe – so wie ich –  Möwengeschrei ausgewählt haben! Ursprünglich hatte ich mir diese Variante ausgesucht, weil ich auf Musiktitel schwer reagiere, es nicht als Telefonalarm interpretiere. Bei Möwengeschrei und Wellenrauschen wusste ich bisher immer sofort, ich muss ran.
Im Hafen hatte ich nun alle zwei Minuten das Problem herauszufinden, wer diesmal das Geschrei fabrizierte. Meist war es O-Ton Möwe, die direkt über mir Flugmanöver ausführte. Zweimal bedeute der Lärm allerdings auch tatsächlich eingehende Anrufe. Ich bin ja mittlerweile überzeugt, nicht nur mich hat das alles irritiert. Auch die Möwen wirkten verdutzt über dieses Konkurrenzgebrüll aus meiner Tasche.

Sollten Sie einmal im Hafen landen und dort auf besagtes ruhigeres Gelände treffen, gehen Sie ab und zu in die Hocke und betrachten Sie so die Landschaft. Vieles sieht aus dieser Perspektive gleich ganz anders aus! Ihr Blick geht dann nicht in die mäßig attraktive Ferne, sondern richtet sich auf die Nähe. In dieser tiefen Position wirken Größen anders und Sie nehmen so viel besser die zarten Gewächse wahr, die etwas scheu aus dem Boden hervorschauen.

Pflanzenvielfalt auf Brachflächen im Hamburger Hafen - In Bodennähe ...

Pflanzenvielfalt auf Brachflächen im Hamburger Hafen – In Bodennähe …

 

Hamburg - Hafengelände - Das Holz alter Bahnschwellen wächst langsam ein ...

Hamburg – Hafengelände – Das Holz alter Bahnschwellen wächst langsam ein …

Im Hafengebiet lebt übrigens eindeutig eine nicht unerhebliche Anzahl von Kaninchen! In der Dämmerung finden wahrscheinlich große Treffen und Partys statt, jedenfalls nach der Anzahl der vorhandenen Ködel zu urteilen. Ich würde sagen, eine Quote von 40-50 Stück pro Quadratmeter. Ködel, nicht Kaninchen.
Schauen Sie vorsorglich ein bisschen genauer, wenn Sie nicht nur in die Hocke gehen, sondern im Begriff sind, ganz auf dem Boden Platz zu nehmen.

Sie sehen, es gibt Überraschendes im Hafen. Natürlich auch viel Geschichtliches! Besondere Gebäude, Abstraktes, was eher zufällig entstand und so blieb. Technik! Aber dazu muss man halt einmal hin, um es zu entdecken.
Sollten Sie auf Entdeckung gehen, erzählen Sie doch bitte hinterher, worüber Sie gestolpert sind.
Es interessiert mich sehr!

.

© by Michèle Legrand, April 2016
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

, , , , , , , , , ,

24 Kommentare

An Bord der Cap San Diego bei Blue Port und Hamburg Cruise Days!

Der Hafen in Blau. Dazu Kreuzfahrttage in Hamburg! Eine Elbfahrt!
Am Freitag ging ich nämlich selbst aufs Wasser. Allerdings nicht an Bord eines Cruise Liners, sondern an Bord eines schönen, alten Frachters. Die Cap San Diego, das große, weiße Museumsschiff, sonst an der Überseebrücke im Hamburger Hafen zu finden, lud zu einer Ausfahrt ein. Eine eingeschränkte Fahrerlaubnis besitzt es nämlich auch heute noch.

Es war eine Miniseereise, wenn Sie so wollen. Ein Stück auf der Elbe Richtung Nordsee, die Wende in Höhe von Blankenese und anschließend bei einsetzender Dunkelheit zurück mit einem Schlenker zur Köhlbrandbrücke und dem Containerterminal Altenwerder. Das alles, um im weiteren Verlauf des Abends einen magisch blau leuchtenden Hafen nicht nur von einem Punkt oder nur von Land, sondern einmal von der Wasserseite aus zu betrachten.
Sie können hier heute mitschauen, wenn Sie möchten.
Wenig Text Bevorzugende wissen jetzt, worum es geht – können sich grundsätzlich also auf die Bilder weiter unten konzentrieren (Einmal scrollen, bitte.) Wer mehr erfahren möchte und zu den gierigen Texteinsaugern (wie ich) zählt, der findet nachstehend einige Einzelheiten.

Hamburg Cruise Days / Kreuzfahrttage

Man sagt, die Kreuzfahrttage sind mehr durch Zufall entstanden.
Vom Prinzip her müssen Sie es sich so vorstellen, als wenn einige grauhaarige Kumpels regelmäßig im gleichen Lokal auftauchen und der geschäftstüchtige Wirt die Zusammenkunft fortan vollmundig unter der Bezeichnung Silver Convention vermarktet. Er schlägt Kapital daraus, sieht Entwicklungspotenzial, und langsam entwickelt sich daraus eine generelle Zusammenkunft beachtlichen Ausmaßes für die reifere Generation.
So ähnlich war es offenbar mit den Kreuzfahrttagen. Als vor einigen Jahren an einem Wochenende zufällig mehrere Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig in Hamburg einliefen, kamen schlaue Köpfe auf die Idee, solche Zusammentreffen nicht mehr ganz dem Zufall zu überlassen und die Anwesenheit völlig ungenutzt verstreichen zu lassen, sondern daraus einen klangvollen, zugkräftigen Event zu machen: die Hamburg Cruise Days.
(Kreuzfahrttage dürfen in heutigen Zeiten natürlich nicht mehr Kreuzfahrttage heißen. Das klingt zu bieder, nicht weltmännisch und international genug …)
Gut möglich, dass auch der Abstand von einem zum nächsten Hafengeburtstag zu lang erschien. Ein ganzes Jahr! Mon Dieu! Da könnte man doch …
Nun gibt es sowohl im Mai also auch im September eine große, maritime Veranstaltung, die sich von der HafenCity bis zum Holzhafen und weiter bis nach Altona erstreckt und massenhaft Besucher (Touristen) beschert.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Blick auf Elbphilharmonie und Kehrwiederspitze

Hamburg – Cruise Days 2015 – Blick auf Elbphilharmonie und Kehrwiederspitze

Die Hamburg Cruise Days sind seit 2008 im Zweijahresrhythmus abgehalten worden. Bisher in den Jahren mit gerader Jahreszahl, so auch schon 2014, doch man hat sich jetzt entschieden, die Kreuzfahrttage fortan zeitgleich mit der ebenfalls alle zwei Jahre geplanten Leitmesse der Kreuzfahrtindustrie, der Seatrade Europe, zu organisieren. Sie fand gerade auf dem Hamburger Messegelände mit 250 Ausstellern aus über 50 Nationen statt. Auf diese Weise gab es einmal Cruise Days extra, und von nun an werden beide Veranstaltungen in den „ungeraden“ Jahren weitergeführt.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Kreuzfahrtgesellschaften präsentieren sich ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Kreuzfahrtgesellschaften und Reedereien präsentieren sich …

Wenn man vernimmt, wie sich dieser Zweig der Reisebranche entwickelt und wie hoch der Zuwachs ausfällt, sind Cruise Days in Hamburg wohl tatsächlich ein Muss!
6,4 Millionen Europäer (plus 30.000 gegenüber dem Vorjahr) unternahmen eine Kreuzfahrt! Die Deutschen sind dabei Europameister mit einem Marktanteil von 28 Prozent (knapp 1,8 Millionen Passagiere)! Auf dem zweiten Platz folgen die Briten. Die Nachfrage ist groß, die Branche freut’s – und natürlich auch die Werften.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Feuerboot im Hafen ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Feuerboot im Hafen …

Hier im Hamburger Hafen gibt es pro Jahr ungefähr 180 Cruise Liner, die von den drei Terminals an- und abfahren. Tendenz steigend. (Sie merken, theoretisch könnten mehrmals im Jahr Cruise Days stattfinden, Schiffe wären genügend vor Ort.) Und mit den diversen Kreuzfahrern vor der Nase, steigt das Interesse an Informationen, an Reisen, an Details zu den Schiffen. Bei den Cruise Days präsentieren sich daher während der dreitägigen Veranstaltung die Reedereien und Kreuzfahrtveranstalter. Damit es dabei unterhaltsam zugeht, es auch genügend zu schauen und zu entdecken gibt, findet ein großes Rahmenprogramm statt mit maritimen Märkten, Sport, viel Musik, Aktionen für die Kinder, mit Feuerwerk und mit einer großen Schiffsparade am Sonnabend.

Sieben Kreuzfahrtschiffe kamen in diesem Jahr, schön gerecht verteilt auf alle Tage, sodass Freitag (11.9.)
die Costa neoRomantica und die Amadea vor Ort waren und am Sonnabend (12.9.) Mein Schiff 4, die Europa und die AIDAbella näher inspiziert werden konnten. Den Sonntag verschönten zum Ausklang die
Queen Mary 2 und MSC Splendida.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Die Amadea, die gerade betankt wird (am HCC Altona).

Hamburg – Cruise Days 2015 – Die Amadea, die gerade betankt wird (am HCC Altona).

Alle drei Terminals (die sog. Hamburg Cruise Centers, kurz HCC) – in der HafenCity, in Altona und auch der Kronprinzkai auf Steinwerder – wurden genutzt. Wie Sie vielleicht kürzlich vernommen haben, kann die Queen Mary 2 momentan nicht wie sonst in der HafenCity festmachen, sondern muss nach Steinwerder ausweichen. Der vorhandene Schlick in der Elbe hat der riesigen Lady am üblichen Platz nicht mehr ausreichend Tiefgang gewährt.

Abgesehen von den Kreuzfahrtschiffen steuern natürlich noch sehr viele andere Schiffe und Boote in dieser Zeit Hamburg an. Museumsschiffe jeglicher Art beteiligen sich am Geschehen und fahren mit Besuchern auf die Elbe hinaus. Am Tag und in der Dunkelheit – damit alle blau sehen können.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Auch Segler sind unterwegs - Im Hintergrund die Fischauktionshalle ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Auch Segler sind unterwegs – Im Hintergrund die Fischauktionshalle …

Blue Port

Die Cruise Days werden bisher nämlich gern mit einer weiteren Veranstaltung kombiniert, die sich in den letzten Jahren in Hamburg etablierte: mit dem Blue Port.
Speziell Hamburger entsinnen sich wahrscheinlich noch an die Blue Goals, diese blau illuminierten Tore des Lichtkünstlers Michael Batz, die in Hamburg vielerorts während der Fußballweltmeisterschaft 2006 installiert waren. Auch wenn hinter beidem (Hafen und Fußball-WM)) eine unterschiedliche Motivation und Aussage steckt, kann man die auffälligen Tore vielleicht als Vorboten, als weiter entwickelte Idee oder sogar als kleine Generalprobe für den Blue Port bezeichnen, den an zahlreichen Stellen blau erstrahlenden Hafen, der sich zuerst 2008 und nun bereits zum fünften Mal auf diese Art präsentiert.

Während das Kunstwerk von Michael Batz schon seit dem 4. September die Nächte und den Hafen attraktiv blau erscheinen ließ, gesellten sich die Cruise Days erst zum Ende des zehntägigen Spektakels hinzu (vom 11. bis zum 13. September 2015). Es geht leider das Gerücht um, dass es Unstimmigkeiten gibt und es eventuell der letzte Blue Port gewesen sein könnte, der in dieser Form bzw. in Verbindung mit den Cruise Days stattgefunden hat …

Wenn derartige Attraktionen in den Hafen locken, wäre es schade, sie zu verpassen – und wenn obendrein sogar die Möglichkeit besteht, dem sehr großen Menschenandrang an den Landungsbrücken – speziell am Abend – zu entgehen und stattdessen etwas Elbluft zu schnuppern, einen Sonnenuntergang auf dem Wasser zu genießen bzw. sich gleichzeitig einen Logenplatz fürs Betrachten des Blue Ports und des Feuerwerks zu sichern, dann sollte man beherzt zugreifen.
Das habe ich getan und war zu diesem Zweck am Freitag vom späten Nachmittag bis in die Nacht an Bord der Cap San Diego.

Cap San Diego

Eine Ausfahrt mit dem weltweit größten, noch fahrtüchtigen Museumsfrachtschiff zu machen, ist schon eine besondere Angelegenheit. Der ehemalige Stückgutfrachter zählt mittlerweile 54 Lenze, ist jedoch exzellent wieder hergerichtet, stets gepflegt und auslaufbereit. Schlank und elegant wirkt er durch seine Linien von jeher.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Die Cap San Diego an ihrem Liegeplatz nahe der Überseebrücke (im Hintergrund, weiß) ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Die Cap San Diego an ihrem Liegeplatz nahe der Überseebrücke (im Hintergrund, weiß) …

Sein Platz an der Überseebrücke liegt zwischen der Kaimauer an den Landungsbrücken und dem Ponton. Dort ist er sicher festgemacht. Nicht nur einfach vertäut, nein, hier gibt es schwere Stahlriegel, die stabile Säulen umschließen.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Nicht nur vertäut! Cap San Diego sicher befestigt ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Nicht nur vertäut! Cap San Diego sicher befestigt …

 

Hamburg - Cruise Days 2015 - Cap San Diego - Sie wird freigelassen ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Cap San Diego – Sie wird freigelassen …

Damals zu seiner Einsatzzeit waren Querstrahlsteueranlagen mit Bug– und Heckstrahlrudern, die dem Schiff heutzutage ein eigenständiges Manövrieren erlauben, noch gar nicht erfunden. So ist hier immer der Einsatz der Schlepper gefragt …

Hamburg - Cruise Days 2015 - Cap San Diego - Mit Schlepperhilfe hinaus auf den Strom ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Cap San Diego – Mit Schlepperhilfe hinaus auf den Strom …

Er ist der letzte von sechs Frachtern, die 1961/1962 für die Reederei Hamburg Süd gebaut wurden und der Liniendienstfahrten an die Ostküste von Südamerika ausführte. Diese Fahrten wurden als Rundfahrten organisiert. In der Zeit ab Indienststellung bis in die 80er Jahre hinein kamen davon 120 Reisen von jeweils ca. 60 Tagen zusammen. Interessant, dass bei 60 Tagen von der Gesamtzeit 62 % auf die Fahrt entfielen, 33 % auf Liegezeiten und 5 % auf auftretende Verzögerungen. Wenn man überlegt, wie gering die Liegezeiten heute ausfallen ..
In den 80er Jahren nahm dann der Anteil der Containerfrachter rapide zu – und die Zeit der Stückgutfrachter ging allmählich ihrem Ende entgegen.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Mit der Cap San Diego vom Liegeplatz an den Landungsbrücken vorbei hinaus auf die Elbe

Hamburg – Cruise Days 2015 – Mit der Cap San Diego vom Liegeplatz an den Landungsbrücken vorbei hinaus auf die Elbe

 

Hamburg - Cruise Days 2015 - Hafen Hamburg, Landungsbrücken, Eingang alter Elbtunnel ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Hafen Hamburg, Landungsbrücken, Eingang alter Elbtunnel …

 

So topgepflegt wie sich die Cap San Diego heute präsentiert, hält man es kaum für möglich, dass es dieses letzte der ursprünglich sechs Schiffe fast auch nicht mehr geben würde. Nachdem es im Frühjahr 1986 nach Monrovia verkauft worden war, stand es nämlich bald darauf vor der Verschrottung. Noch im August des gleichen Jahres schlug Hamburg zu und kaufte den Todeskandidaten, bevor er in seine Einzelteile zerlegt wurde.
Warum Hamburg?
Nun, die Cap San Diego wurde hier bei der Deutschen Werft AG gebaut. Die gibt es – wie so viele andere Werften – nicht mehr. In den späten 60er Jahren fusionierte sie noch mit den Hamburger und den Kieler Howaldtswerken. Doch das Ende kam bereits 1973. Den ehemaligen Standort sehen Sie auf dem folgenden Foto. Dieser Tage befindet sich an der Stelle kurz vor der Einbiegung zum Steendiekkanal und dem Elbabzweig nach Finkenwerder u. a. das Hotel The Rilano.

Hamburg - Elbe - Der Standort der ehemaligen Deutsche Werft AG (heute u. a. Stadort des Hotels The Rilano, rechts im Bild)

Hamburg – Elbe – Der Standort der ehemaligen Deutsche Werft AG (heute u. a. Standort des Hotels „The Rilano“, rechts im Bild)

In seiner Funktion als Museumsschiff lässt sich die Cap San Diego in Ruhe komplett durchstöbern. Man kann sich Maschinenraum und Kommandobrücke des Frachters ansehen, das Peildeck und die Rudermaschine, die Kranvorrichtungen, mit denen das Stückgut in die Luken verladen wurde und die Decksflächen. Interessant anzuschauen, wenn sich moderne Navigationsgeräte heute direkt neben alten Instrumenten finden und hochinteressant, dass ein Frachter damals auch ein „Mischmaschschiff“ sein konnte! Eine Art Mehrzweckschiff.

Erinnern wir uns, dass Flugreisen in den Anfangsjahren der Dienstzeit dieses Frachters eher unüblich waren und somit viele Reisende eine Möglichkeit suchten, irgendwie und möglichst bezahlbar Richtung Südamerika zu gelangen. Frachtschiffe nahmen gelegentlich einige zahlende Passagiere mit, so auch die Cap San Diego. Acht Kabinen gibt es an Bord, bis zu zwölf Menschen konnten mitreisen. (Diese Kabinen sind heute als Hotelzimmer mietbar!). Damit sich die zahlenden Gäste während der Überfahrt wohlfühlten, existierte ein eigener Bereich für sie. Ein Salon, in dem auch das Essen serviert wurde, ein Aufenthaltsbereich auf dem Oberdeck mit kleinem Pool u. a.

Hamburg - An Bord der Cap San Diego - Erinnert irgendwie an die Tigerente, oder ...?

Hamburg – An Bord der Cap San Diego – Erinnert irgendwie an die Tigerente, oder …?

Wenn Sie in unserer Zeit auf kurzen Museumsfahrten der Cap San Diego mit teilweise bis zu 500 Menschen unterwegs sind, wird Ihnen sehr schnell bewusst, dass Sie – Cruise Days hin oder her – eben nicht auf einem Kreuzfahrtschiff sind. Wird dort versucht, sich an Hotels und den dortigen Standards zu orientieren, gibt es hier an Bord hingegen nicht einmal eine Sitzplatzgarantie! Dafür ist das Schiff einfach nicht ausgerichtet.
Was brauchte man denn früher wirklich während der Überfahrt und der jeweiligen Rundreise zu diversen Ziel- und Ladehäfen? Fracht. Laderaum. Mobiliar und Räumlichkeiten nur für die Besatzung sowie die maximal zwölf zusätzlich Mitfahrenden. Ende.
Sie als einer der Kurzzeitpassagiere von heute wollen aufs Wasser schauen? Geschützt von drinnen? Kein guter Plan. Die wenigen Plätze im Salon sind so angelegt, dass Sie zum Hinaussehen schon aufstehen sollten, sonst wird das nichts …
Rundumverglasung und Außenbalkons werden Sie auf einem Frachtschiff natürlich auch vergeblich suchen, also bleibt keine andere Möglichkeit: Liegt Ihnen irgendetwas an der Umgebung, möchten Sie das Treiben draußen mitbekommen, dann müssen Sie an Deck. Was Sie folglich dringend benötigen, ist warme, wetterfeste Kleidung sowie ein gutes Stehvermögen. Nicht, weil es so wahnsinnig schwanken würde! Stehvermögen im Sinne von Ausdauer, Durchhaltefähigkeit. Einige Stunden im Stehmodus kommen schnell zusammen, dazu kühlt es abends empfindlich ab, windstill ist es auch eher selten …
Doch belohnt und entschädigt werden Sie dafür natürlich – abgesehen von der Erkundung der Technik – durch viele andere Dinge: Durch das selbst auf einem Frachtschiff spontan kurzzeitig auftretende Kreuzfahrtfeeling, viel Frischluft, eine grandiose Aussicht, fabelhaften Panoramablick und sehr stimmungsvolle Sonnenuntergänge …!

Hamburg - Elbe - Springende Fische und ein seltsamer Vogel ...?

Hamburg – Elbe – Springende Fische und ein seltsamer Vogel …?

Doch eher motorisierte Flitzer und am Himmel etwas gar nicht Tierisches, das vermutlich drüben bei Airbus startete …

Hamburg - Cruise Days 2015 - Augustinum (rechts) und Museumshafen Oevelgönne

Hamburg – Cruise Days 2015 – Augustinum (rechts) und Museumshafen Oevelgönne

 

Hamburg - Cruise Days 2015 - Die Amadea am HCC Altona ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Die Amadea am HCC Altona …

 

Hamburg - Der Schlepper gesellt sich wieder dazu, um bei der Wende in Höhe von Blankenese Hilfe zu leisten ....

Hamburg – Der Schlepper gesellt sich wieder dazu, um bei der Wende in Höhe von Blankenese Hilfe zu leisten …

 

Hamburg - Blick auf Blankenese im Abendlicht ...

Hamburg – Blick auf Blankenese im Abendlicht …

 

Hamburg - Mit der Cap San Diego auf der Elbe - Schlepper voraus ...

Hamburg – Mit der Cap San Diego auf der Elbe – Schlepper voraus …

 

Hamburg - Elbe - Das Airbus-Gelände bei sinkender Sonne ...

Hamburg – Elbe – Das Airbus-Gelände bei sinkender Sonne

Wissen Sie, was etwas zu schaffen macht? Das unerwartete Ertönen des mächtigen Schiffshorns! Auf einer Barkasse im Hafen werden Sie alle Nase lang gewarnt, sich die Ohren zuzuhalten, weil es gleich „etwas laut werden könnte“. Sie tun es – und dann kommt lediglich so ein kümmerliches, heiseres Quäken! Hier jedoch,
wo wirklich die Lauscher wegfliegen und sämtliche Knochen vibrieren, hier warnt einen rein gar nichts!
Stichwort Lärm! Der Maschinenraum der Cap San Diego! Je tiefer sie hinabsteigen, desto mehr dröhnt und rumst, desto heißer und stickiger ist es. Sie können es einerseits so sehen, dass Sie sich dort natürlich hervorragend wieder aufwärmen können – Sie können andererseits aber auch leicht lärmgeschädigt aus der Tiefe auftauchen und danach mehrere Tage das Gefühl haben, dass es unablässig weiter in Ihnen wummert …

Hamburg - Elbe - Der Abendhimmel zaubert schöne Farben hervor ...

Hamburg – Elbe – Der Abendhimmel zaubert schöne Farben hervor …

Die Cap San Diego kehrte nicht auf direktem Wege an die Landungsbrücken zurück, sondern absolvierte auf der Rückfahrt einen kleinen Abstecher zur Köhlbrandbrücke, zum Containerterminal Altenwerder und wendete dort erneut mit Schlepperhilfe. Schlepper und Schiff kamen sich dabei ein bisschen zu nahe, standen ungünstig zueinander, so dass sich Aufbauten am Schlepper mit Vorstehendem an der Bordwand verhakten. Schaden am Schlepper, doch für die Weiterfahrt hatte es keine Auswirkungen.

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Containerterminal Altenwerder

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Containerterminal Altenwerder

Mit einsetzender Dunkelheit erstrahlt stets das Blau im Hafen. Markante Bauwerke und Sehenswürdigkeiten wie der Michel, die Elbphilharmonie, die Köhlbrandbrücke, Schiffe wie auch die Cap San Diego, die Fähren und Barkassen oder auch drüben, auf der anderen Elbseite, die Werft Blohm + Voss sind für die Illuminationen ausgewählt.
In diesem Jahr ganz neu hinzugekommen sind das Chilehaus sowie einige Brücken der Speicherstadt – nachdem die UNESCO sie und das Kontorhausviertel vor einigen Monaten zum Weltkulturerbe erklärt hat.
Im gesamten Hafen leuchten natürlich viele Einzelobjekte. Lichter an den Anlegern und Pontons, an Kranen, an den unterschiedlichsten Wasserfahrzeugen, entlang der Kais, Terminals oder an Türmen.

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Die Dunkelheit bricht herein - An Bord wird es bereits blau ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Die Dunkelheit bricht herein – An Bord wird es bereits blau …

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Blick auf die Köhlbrandbrücke

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Blick auf die Köhlbrandbrücke

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Man sieht, dass speziell auch Krane als Einzelobjekte illuminert wurden ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Man sieht, dass speziell auch Krane als Einzelobjekte illuminert wurden …

Nach erfolgter Rückkehr ins Fahrwasser der Elbe geht es vorbei an Altona, dem Holzhafen, der Fischauktionshalle in Richtung Landungsbrücken und Elbphilharmonie

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Blaue Eier ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Blaue Eier …

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Kreuzfahrtschiff Amadea am HCC Altona (links das sechsgeschossige Dockland-Gebäude)

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Kreuzfahrtschiff Amadea am HCC Altona (links das sechsgeschossige Dockland-Gebäude)

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Die Docks bei Blohm + Voss ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Die Docks bei Blohm + Voss …

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Links die Rickmer Rickmers an den Landungsbrücken, hinten rechts Elbphilharmonie, davor links die beleuchtete Überseebrücke

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Links die Rickmer Rickmers an den Landungsbrücken, hinten rechts Elbphilharmonie, davor links die beleuchtete Überseebrücke

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Norderelbe gegenüber der HafenCity

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Norderelbe gegenüber der HafenCity

Seitdem die Elbphilharmonie ohne die Begleitung von Baukranen auskommt, betont die Illumination dieses Gebäude besonders schön.

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Elbphilharmonie, dahinter HafenCity

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Elbphilharmonie, dahinter HafenCity

Weiter Richtung Osten und HafenCity geblickt, befindet sich die diesmal ebenfalls blau beleuchtete Großmarkthalle.

Die Cap San Diego stoppte danach im Fluss und wartete – von Schleppern gehalten – darauf, dass die am HCC HafenCity liegende Costa neoRomantica ablegte (ca. 22.00-22.30 Uhr) und das für anschließend angekündigte Feuerwerk gegenüber auf der anderen Elbseite gezündet wurde. Und wie wir, warteten ebenfalls tausende Besucher von Blue Port und Cruise Days geduldig am Ufer.

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Costa neoRomantica hat abgelegt, das Feuerwerk kann starten ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Costa neoRomantica hat abgelegt, das Feuerwerk kann starten …

 

 Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Feuerwerk

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Feuerwerk

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Feuerwerk

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Feuerwerk

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Feuerwerk

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Feuerwerk

Vorbei …
Die Cap San Diego musste nur noch an ihren Stammplatz zurückbugsiert werden. An blau leuchtenden Ausflugsdampfern und Barkassen vorbei glitt sie über den Standort der Überseebrücke noch ein Stückchen hinaus, um rückwärts in ihre Bucht „einzuparken“.

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Extrem blau ... die Barkassen.

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Extrem blau … die Barkassen.

Bei Dunkelheit wirkte das Hafenbecken noch etwas kleiner und enger als bei Tageslicht … Manöver geglückt, die Riegel schlossen sich wieder um die Säulen, die Gangway wurde kurz danach ausgelegt. Fast Mitternacht! Feierabend!

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Vom Baumwall aus betrachtet ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Vom Baumwall aus betrachtet …

Ein letzter Blick zurück aus den Höhen des U-Bahnsteigs Baumwall hinab auf die weißen Zelte der Hamburg Cruise Days, auf die Elbe, die blauen Lichter im Hafen, die Cap San Diego

Auf Wiedersehen im übernächsten Jahr!
(Vielleicht ist der Blue Port ja doch wieder mit dabei …)

PS:
Ich hoffe, Sie haben ein kleines, warmes Gefühl für Kreuzfahrttage, Elbe und den blauen Hafen bei Nacht, den Blue Port, entwickeln können. Wie Sie allerdings bei den Nachtbildern unschwer erkannt haben werden, hatte ich kein Stativ dabei. Ich wollte Ihnen die Aufnahmen trotz allem nicht vorenthalten, weil sie die Atmosphäre ungeachtet  dessen dennoch gut wiederzugeben vermögen.
Wenn Sie jedoch Lust auf gestochen scharfe Fotos des Blue Ports haben, dann könnten Sie bei meinem fotografierenden Bloggerkollegen HaIn vorbeischauen. Der war auch unterwegs und das finden Sie hier:
https://hamburgergeschichten.wordpress.com/2015/09/12/blue-port-hamburg-2015/

 

© by Michèle Legrand, September 2015
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

, , , , , , , , , ,

36 Kommentare

Zecke. Baby. Im Hafen. Und Parken spezial. Kurzum: die Woche

36° C im Schatten. In Hamburg! Bei eher kälteerprobten, frosttauglichen Norddeutschen! Und es gab tagelang ähnliche Werte! (Ich weiß, anderenorts war es noch heftiger!)
Bei solchen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit fehlt es mir etwas an Elan. Ich habe dann relativ wenig Durchhaltevermögen. Sie wissen, wie lange der Tropfen eines leckenden Küchenwasserhahnes braucht, um im Spülbecken zu landen? Geht fix, oder? Sehen Sie, ich bin bereits groggy, bevor er landet! Auch die Konzentrationsfähigkeit sah schon erheblich besser aus.
Selbst mein Laptop zeigt erste Schwächen! Er ist halt auch Norddeutscher.

Ich dachte mir, vielleicht bin ich nicht die einzige, die hitzebedingt ab und zu fast schlurft und anstrengende Sachen meidet. Vielleicht laufen auch Sie nur noch auf Sparflamme und schwere Kost zum Lesen ist momentan überhaupt nicht Ihr Ding.
Mein Vorschlag wäre daher, ich erzähle Ihnen einfach von ein paar Besonderheiten der letzten Tage. Unkompliziert für Sie, entspannend für beide. Sie und mich. Falls ich abschweife, schweifen Sie mit. Das fällt momentan überhaupt nicht auf.

Premieren. Sie sind meist eine feine Sache. Ich war jedoch Part einer Premiere, auf die ich sehr gut hätte verzichten können. Mich biss, stach, biss … ach, wie auch immer es korrekt lautet, mich piesakte eine Zecke. Eine Hamburger Zecke – oder ein Quiddje, ein zugewandertes Exemplar. So etwas hat in Hamburg noch Seltenheitswert, daher versetzten mich sowohl Anwesenheit als auch Verhalten in Erstaunen.
Ich hatte mich nicht außerhalb in ländlicher Umgebung aufgehalten, war in der Stadt auf keiner Wiese, in keinem Park, im Garten nicht im Gebüsch gewesen. Ich trug am Tag des Überfalls zudem robuste Kleidung, war nicht etwa halb nackt! All das hat nichts genützt.
Man wird mitten in Hamburg von einer dreisten Zecke erklettert, die sich unter der langen Jeans zunächst am Kniestrumpf empor und später im Hosenbein hinauf bis zum Oberschenkel vorkämpft, um sich dort letztendlich festzusaugen. Ich habe sie nach Entdeckung eliminiert.
Nun hoffe ich, dass sie keine Borreliose-Erreger hinterlassen hat … Ein Bluttest ist leider erst nach acht Wochen möglich, und letztendlich bringt auch der nicht allzu viel. Er zeigt lediglich, ob sich Antikörper entwickelt haben. Wie jegliche Insektenangriffe, sehen auch die Nebenerscheinungen der Zeckenverköstigung bei mir nach Gemetzel und mindestens einer Monsterattacke aus. Doch nach jetzt sieben Tagen zieht es merklich ab. Zumindest das ist ein gutes Zeichen.

Am Montag ergab sich eine weitere Premiere der etwas anderen Art, als ich auf meinem Rückweg einen Moment auf einer Bank im Schatten pausierte. Neben mir den Platz belegte eine junge Mutter. Sie hatte ein Baby dabei, ein kleines Mädchen von vier Monaten, und ihren Sohn, etwa zweieinhalb Jahre alt. Das Gespann war ohne Kinderwagen unterwegs (der wartete im Kofferraum des anderswo geparkten Autos); so trug sie die Kleine auf dem Arm.
Der Knirps saß Eis schleckend zwischen uns. Als er meine Einkaufstasche mit der schwarz-weißen Zeichnung des Hamburger Hafens unten an den Landungsbrücken und am Alten Elbtunnel interessant fand und mir dazu mittelgroße Löcher in den Bauch fragte, kamen die junge Frau und ich ebenfalls ins Gespräch.
Gleich darauf gab es diesen kleinen Unfall mit seinem Eis. Es war im Pappbecher und bei der Hitze im Nu komplett flüssig geworden. Der Lütte hatte unvermittelt die Idee gehabt nachzuschauen, was wohl auf der Unterseite des Bechers stand, da landete die Soße komplett auf seinem T-Shirt. Auf seiner Brust. Er brüllte, denn die Tunke war offenbar immer noch recht kalt. Obendrein war sein schönes Eis futsch. Außerdem schien er mir einer zu sein, der generell enorme Vorbehalte gegen das Tragen eingedrecktes Kleidungsteile hegt.
Und er musste auf einmal. Ganz dringend!
Seine Mutter geriet langsam ins Schwitzen. Sie hatte – wie die meisten Mamas, die mit Nachwuchs unterwegs sind – eine Umhängetasche beachtlicher Größe dabei, die den halben Hausstand beherbergte. Woran es dennoch haperte? An einer ausreichenden Anzahl vor allem freier Hände. Das Baby begann bereits mitzuheulen. Aus Solidarität. Das ist wahre Geschwisterliebe.
Die Mutter der beiden schien in Windeseile nach einer Lösung zu suchen, wie sie den Großen schnellstmöglich zu einer Toilette bekam. Sie entschied sich kurzerhand für das „Bar Celona“ ein Stückchen weiter. Sie würde einfach durchstürmen Richtung WC. Es gab nur eines, was die flotte Aktion und das anschließende Umkleiden des Knaben sehr erschwerte: das gleichzeitige Tragen des Babys.

„Können Sie bitte kurz mein Baby halten?“, fragte sie mich. „Ich bin gleich wieder da …“
Schwupps, da hatte ich die kleine Madame im Arm, während sie sich ihren Sohn schnappte und mit ihm davonhastete.
Irgendwie muss ich verdammt vertrauenswürdig gewirkt haben, denn wer gibt schon sein Kind in die Obhut einer fast Fremden und begibt sich außer Sicht! Sein Baby! Ich glaube nicht, dass ich es an ihrer Stelle fertiggebracht hätte.
Die Kleine war derart verblüfft gewesen, dass sie vorerst das Heulen vergaß. Das musste man nutzen und diesen trockenen Zustand möglichst lang erhalten. Große Augen schauten mich sehr prüfend an.
Die sieht anders aus als Mama. Die kenne ich nicht. Wer ist das? Kann man der trauen? Was will die?
Die will dich unterhalten, kleines Fräulein. Mit einem netten Plausch, einem griffigen Armreif, der klappernden TicTac-Box, mit kitzelnden Haarspitzen und Fingermalereien auf dem Arm und der kleinen Handinnenfläche.
Wo blieb denn die Mama? Minuten können ganz schön lang werden …
Ich überlegte, ob ich den Weg Richtung „Bar Celona“ einschlagen sollte, den beiden ein Stück entgegengehen. Doch womöglich verpassten wir uns dabei. Wenn sie auf anderem Weg zurückkehrte, ihr Töchterlein und mich nicht vorfand, würde sie vor Schreck einen Herzanfall bekommen. Nicht auszudenken. Baby und ich blieben also auf der Bank. Gerade, als die Laune der Lütten merklich sank, kamen sie zurück.
Großes Hallo, Lob von allen für die junge Dame, die so brav gewesen war. Die Jüngste deutete daraufhin ein zauberhaftes Lächeln an. Sie hätte es jetzt womöglich noch länger bei mir ausgehalten …
Der große Bruder meinte indes: „Mama, holen wir jetzt ein neues Eis?“

Apropos Hafenmotiv und Landungsbrücken!
Am letzten Wochenende fuhr ich in den Abendstunden mit einer Barkasse von der Überseebrücke zum Hansahafen und später zurück. Es war keine reguläre Tour, sondern ein Sonderzubringerdienst zu einer Theatervorstellung im Hafenmuseum. Der junge Barkassenführer steuert aber wohl sonst die üblichen Hafenrundfahrten und bot auf der Rückfahrt an, für das kurze Stück entlang der Hafencity bis zum Anleger ein bisschen den Tourführer zu spielen und nebenher zu erzählen.
Sie wissen, wie man diese „Hafenführer“ hier bezeichnet? Als „He lücht!“ („Er lügt!“) Sie machen sich einen Spaß daraus, neben ansonsten korrekten und nüchternen Fakten haarsträubende Behauptungen einzubauen. Es lässt sich aber in 98 % der Fälle sofort erkennen, wann es Flunkerei ist. Manchmal geht es um ziemlich gefährliche Riesenfische, die hier angeblich in der Elbe leben, gern wird auch der Bau der Elbphilharmonie durch den Kakao gezogen. Oder es kommt etwas ganz anderes, wie bei meinem Steuermann an diesem Abend, der sehr vertraulich mitteilte:
„Mein Großvater war Kapitän auf der Titanic!“
(Ein Raunen unter den Fahrgästen der Barkasse.)
„Und mein Vater, der war Kapitän der Gorch Fock.“
(Wow! … Echt? … Moment! …).
„Ich bin ja nur Barkassenführer in Hamburg, aber es ist nett, dass Sie trotzdem mit mir mitfahren …“
(Dem He lücht! auf die Schliche gekommen. Gelächter.)

Hafen Hamburg am Abend - Blick Richtung Unilever-Haus (dahinter Marco-Polo-Tower) und Elbphilharmonie (links)

Hafen Hamburg am Abend – Blick Richtung Unilever-Haus (rechts, dahinter Marco-Polo-Tower) und Elbphilharmonie (links)

Hafen Hamburg - Abenddämmerung und Regen ...

Hafen Hamburg – Abenddämmerung und Regen …

Hafen Hamburg - An den Landungsbrücken - In dem erleuchteten Kuppelbau rechts befindet sich der Eingang zum Alten Elbtunnel

Hafen Hamburg – An den Landungsbrücken – In dem erleuchteten Kuppelbau rechts befindet sich der Eingang zum Alten Elbtunnel

War’s das?
Oh, einen Moment! Einen merkwürdigen Vorfall hätte ich noch!

Der trug sich zu, als ich bei Edeka etwas besorgen wollte. Der Parkplatz des Marktes war bis auf einen schmalen Platz direkt an der Zufahrt voll belegt. Zum Glück passte mein kleiner Hüpfer jedoch gut in diese Lücke hinein. Ich besorgte schnell das Gewünschte, und während ich an der Kasse stand, betrat vom Parkplatz her ein Mann den Laden, der die Kassiererin ansprach:
„Ich möchte nur Bescheid sagen. Vielleicht können Sie mal was durchsagen. Da hat …“
Weiter kam er nicht, denn die Kassiererin reagierte etwas unwirsch.
„Könnten Sie nicht einen Moment warten? Ich kassiere gerade!“
Der Herr geduldete sich zunächst. Offenbar dauerte es ihm zu lang, denn plötzlich drehte er auf dem Absatz und ging wieder hinaus. Kaum hatte sich jedoch die Tür hinter ihm geschlossen, öffnete sie sich wieder und verärgert marschierte er erneut zur Kasse.
„Also wissen Sie! Sie werden mir noch dankbar sein! Ich kann hier allerdings nicht ewig warten, also hören Sie mir jetzt bitte mal zu!“
„Ich bin gleich soweit.“ Die Verkäuferin blieb hartnäckig. Schließlich richtete sie ihre Augen auf ihn. „Was gibt es denn?“, fragte sie.
„Draußen hat jemand die Handbremse nicht angezogen, und nun ist der Wagen rückwärts aus der Parklücke gerollt und blockiert den ganzen Parkplatz. Die Parker im hinteren Bereich kommen nicht mehr raus. Können Sie den mal ausrufen? Das Kennzeichen ist HH-SK-XXX.“
Die Kassiererin tat wie ihr aufgetragen und brachte in ihren Text gleich eine gewisse Dramatik:
„Achtung, Achtung, verehrte Kunden! Eine wichtige Durchsage! Der Halter des Fahrezeugs mit dem Kennzeichen HH-SK-XXX wird sofort zu seinem Auto gebeten! Der Wagen rollt herrenlos und völlig unkontrolliert auf dem Parkplatz!“
Bereits der Klang ihrer Stimme vermittelte den Eindruck, das Auto liefe Amok. Sie fuhr fort:
„Sie haben vergessen, die Handbremse zu ziehen! Sie behindern andere Kunden und riskieren, dass Fahrzeuge beschädigt werden!“

Während ich bezahlte, meldete sich kein Kunde. Jedenfalls kam niemand mit hochrotem Kopf herbeigeeilt. Wahrscheinlich war derjenige gar nicht bei Edeka einkaufen, sondern hatte noch eine Besorgung anderswo erledigt. Ich war spontan recht froh, dass ich den Parkplatz vorne ergattert hatte.
So sah die Lage draußen aus:

Edeka - Parken ohne Handbremse ... (Wagen rollt führerlos zurück)

Edeka – Parken ohne Handbremse ….

(Sie sehen, es gibt ein gewisses Gefälle für den Wasserablauf. Das Ansteigen zur anderen Seite verhindert ein Weiterrollen und Zusammenstoßen mit dem Heck des Parkers gegenüber.)

Während ich meinen Einkauf im Kofferraum verstaute, erschienen die ersten Kunden, die nicht wegfahren konnten. Es wurde erregt diskutiert, geschimpft und verkündet, was man nun alles nicht rechtzeitig schaffen würde, weil man nicht wegkäme.
Wegen dem da …!

Ich habe mich nicht eingemischt, wunderte mich aber ein wenig. Was meinen Sie dazu? Wenn die Handbremse nicht gezogen ist und der Wagen so leicht rollt – warum kann man ihn nicht einfach zu zweit oder zu dritt zurück in die Parklücke schieben und einen Stein hinter das Hinterrad legen. Oder sonst etwas, was stoppt? Das müsste doch ganz leicht erledigt sein …

So. Stopp! Aus! Man schwatzt sich hier immer so fest! Ewig! Mittlerweile ist sogar die Witterung kühler geworden! Vielleicht liegt es ja daran, dass die Lebensgeister mit Macht zurückgekehrt sind! Selbst der Laptop arbeitet wieder ohne Zwischenschnaufer.
Trotzdem. Keine Verlängerung. Feierabend.

Schöne Tage! Schnell tief Luft holen, bevor die nächste Hitze da ist!
Bis demnächst!

© by Michèle Legrand, Juli 2015
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

, , , , , , , , , , ,

28 Kommentare

%d Bloggern gefällt das: