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Wie hieß das gleich noch mal? – Anzeichen digitaler Demenz …

Michèle Legrand (WordPress)„Wie heißt das noch, was Sie da machen?“ Der Tischnachbar fragt, als ich gerade aufschaue, um nach meiner Kaffeetasse zu greifen. „Meine Frau macht diese Dinger auch“, ergänzt er.
„Das Zahlenrätsel meinen Sie? Das ist ein Sudoku“, antworte ich ihm.
„Richtig, genau so heißt das! Sagen Sie, macht das eigentlich Spaß?“ Er klingt nicht davon überzeugt.
„Ja, schon – außerdem hilft es ein bisschen.“
„Wieso? Wie denn? Ich meine wofür oder nein, wogegen?“
„Gegen etwas, was mich wurmt. Es ist eine Art Trainingsübung, die ich absolviere, seit ich bei mir die ersten Anzeichen von digitaler Demenz bemerkt habe.“
„Ach, hören Sie auf, die gibt es doch gar nicht! Oder doch?“

Der Herr, der ein Stückchen weiter sitzt, einen Espresso trinkt und bisher mit seinem Smartphone beschäftigt war, ist sich nicht sicher, und ich kann ihm die Existenz auch nicht mit letzter Gewissheit bestätigen, denn man weiß bis heute nicht so genau, wie verheerend oder harmlos die Auswirkungen der digitalen Datenflut, die Folgen der intensiven Internetnutzung oder auch die des digitalen Lernens durch bereits kleine Kinder sind.
Man ist sich uneinig in den Kreisen der Fachleute, weiß nicht mit Sicherheit zu sagen, was Surferei, ewiges Herumgoogeln und  Datenmassenandrang im Hirn bewirken. Diese bunte, wirre und bald unüberschaubare Vielfalt,
Darüber gibt es selbstverständlich viele Forschungsarbeiten, einige Studien, Umfragen, Berichte und Bücher, die sogar Bestseller wurden! Doch manche der Untersuchungen, die dazu durchgeführt wurden, waren zu speziell, zu herausgepickt oder aber so verallgemeinert, dass die Resultate ebenso gut dadurch entstanden sein konnten, dass andere Umstände mit hineinspielten und das Ergebnis beeinflussten.
Besondere Reaktionen sowie Verhaltensänderungen und -auffälligkeiten sind zudem oftmals nur über einen verhältnismäßig  kurzen Zeitraum dokumentiert. Es fehlt der penibel durchgeführte Langzeitvergleich unter konstanten Bedingungen.
So lässt sich bisher eine durchs www. (und alles was damit verbunden ist) verursachte Demenz weder völlig bestätigen noch definitiv ausschließen.  Zu widersprüchlich und nicht beweiskräftig sind die Aussagen und Erkenntnisse bisher.

Und? Somit alles bestens? Kein Grund zur Sorge?

Wenn Sie mich fragen, ist es letztendlich sowieso nicht ausschlaggebend, was die Wissenschaft dazu vorweisen kann und ob ein offizielles „Vorsicht, Demenz!“ kursiert.  Jeder Mensch reagiert – unabhängig davon, ob digitale Demenz offiziell bestätigt oder inoffiziell existent ist. Wie stark, merkt er am besten selbst.
Nur, selbst die ziemlich sichere Annahme, dass Demenz definitiv entsteht, vermag es wohl kaum zu schaffen, dass sich in der Gesellschaft wirklich etwas ändert. Gäbe es aus Gesundheitsbewusstsein wieder weniger Computer, weniger Handys, weniger Elektronik, eingeschränkten Zugriff auf das Netz? Mit Sicherheit nicht.
Es gibt jedoch auch kein Attest für Sie, eine offizielle Bestätigung, dass sie gefährdet sind oder daran bereits leiden. Ein Befund, der Ihnen vielleicht Vorteile, Erleichterungen oder Hilfe und Behandlung sichern würde.
Nein, nein, ich habe eher das Gefühl, selbst darauf schauen und entdecken zu müssen, wie das Computerzeitalter sich auf mein Hirn und das der Menschen in meinem Umfeld auswirkt!
Die heutige Art der Wissensaufnahme und des Arbeitens verändert das Gehirn! Das sagt kein weiterer Forscher, das ist meine Erkenntnis, das behaupte ich einfach.

Mein Szenario – das brauche ich, um den Ablauf für mich zu verstehen! – sieht in etwa so aus:
Das Hirn nimmt Unmengen von außen auf. Verschiedenes, wahllos gemischt, schnell! Teilweise rund um die Uhr – im Beruf und in der Freizeit –  ist es den Neuigkeiten und Masseninformationen aus aller Welt via Netz genauso wie Reaktionen, Gesprächen etc., optischen, akustischen oder andersgearteten Reizen und vielem mehr ausgesetzt.
Offensichtlich bemerkt es irgendwann, dass leichte Überfüllung herrscht, viel Unnützes und sogar ausgesprochener Mist dabei ist und sortiert aus. Relativ rigoros und etwas unkontrolliert hinsichtlich des Inhalts. Egal, Hauptsache, da wird wieder Platz geschaffen.
Weg damit!
Das Hirn ist wie ein Schwamm, der aufsaugt. Das macht er willig so lange, bis er vollgesogen ist. Und dann? Das Problem heute ist, dass er zwischendurch keine Zeit hat zu trocknen. Früher schien es so, als würde Information eher wie ein Rinnsal unter der Tür durchlaufen. Stetig, in der Menge jedoch überschaubar.
Schnell den Schwamm vor die Ritze und das Wasser aufgetupft! Geht doch gut. Oh, es läuft nach! Noch einmal auf die gleiche Stelle. Fein, alles aufgesogen …
Der Schwamm, sprich Ihr Hirn, konnte nun den Inhalt speichern, auswerten, verarbeiten, anwenden und repetieren. Während dieses Prozesses konnte er nebenher trocknen und war wieder einsatzbereit, um neue Rinnsale zu stoppen und aufzunehmen.
Heute scheint bei Ihnen hingegen dauernd jemand die Tür sperrangelweit aufzureißen und die Wassermassen quellen nur so herein. Werfen Sie um. Eine mittlere Springflut. Sie tupfen wie ein Weltmeister und doch kommt der Schwamm nicht hinterher. Das unproduktive, wilde von links nach rechts wischen bringt nichts – der Schwamm nimmt nichts mehr auf.
Was nun?
Sie schauen sich heimlich um, und in einem unbeachteten Moment quetschen Sie das Ding irgendwo aus. Die meisten tun es fatalerweise über einem Sieb …  Alles weg.

Das Hirn merkt sich heutzutage lediglich einen verschwindend kleinen Teil richtig und dauerhaft, das meiste ist nur noch zum Kurzbesuch da oben. Warum auch merken, man kann ja nachschauen. Zum hundertsten Mal! Das darf man nicht so eng sehen …, und es geht ja schnell. Hundert Mal schnell ist im Endeffekt allerdings wesentlich länger als einmal richtig.
Die Konzentration ist unter aller Kanone und wäre Zuhören können ein Fach mit Noten, wären wir ständig versetzungsgefährdet. Die Menschheit zeigt Suchtanzeichen und ist daher natürlich der Ansicht, dass wir das alles bräuchten, wir darauf angewiesen sind und es ein ungeheurer Segen sei. Es erleichtert ja vieles so kolossal.
Lieber gestresst damit leben, als auf Entzug sein.
Es stimmt, dass vieles heute superschnell zu erledigen geht. Keiner muss mehr mit Stift und Block vor dem Kassettenrecorder sitzen und während eines Lieds ständig die Stopptaste drücken, damit er in mühevoller Kleinarbeit den Liedtext niederschreiben kann.
Keiner will diesen Zustand wieder zurück!
Sicher ist es prima, wenn der ganze Text mit einem Klick im Netz aufgerufen werden kann.. Doch ganz ehrlich, von den Texten, die so präsentiert und gesehen werden, von hier nach dort kopiert werden, bleibt nicht viel haften, wohingegen die uralten, auf die andere Art erfassten Texte, heute noch im Kopf abgespeichert sind.
Das ist der Unterschied zwischen bloßem Hinsehen und Auf- bzw. Wahrnehmen.

Oder Telefonnummern! Wer weiß noch Telefonnummern und kann sie auswendig?
Wozu?
Die Frage ist berechtigt, wo wir doch nur noch den Knopf mit dem Namen des Anzurufenden anklicken brauchen, den Rest macht das schlaue Smartphone. Auch hier wünscht sich niemand unbedingt alte Zeiten zurück. Nur mit diesem überreichlichen Angebot an elektronischen Hilfsmitteln und Wundergeräten, gibt es kaum noch Möglichkeiten, sein Gehirn auf etwas zu trainieren, was dem Gedächtnis und der Konzentration hilft.
Man hat  ja nicht einmal die Chance!
Die Nummern werden Ihnen, sobald Sie einen Namen dazu gespeichert haben, doch nicht einmal mehr gezeigt!  Die Krux ist, Ihr Gehirn ist mit Informationen, die auf es einstürmen, einerseits komplett überfordert, aber andererseits auch völlig unterfordert, was das Training fürs Merken und die Konzentration angeht. Merkfähigkeit und -dauer sowie Konzentrationsfähigkeit und -spanne sind heute geradezu als gnomenhaft zu bezeichnen!
Lachhaft gering!
Man weiß, dass bei mangelnder Übung und zu geringer Nutzung Verknüpfungen im Hirn nicht mehr funktionieren. Sie stellen ihren Dienst ein und kommen einfach nicht mehr zustande. Wenn das Gehirn bei seiner Tätigkeit mit der eines Muskels vergleichbar ist, dann verkümmert es wie dieser es tut, sobald er ohne Training und Beanspruchung bleibt. Und sobald Nervenzellen erst absterben und auch neue keine Überlebenschance haben, weil sie von vornherein gar nicht genutzt werden, lässt das Gedächtnis nach.
Das geht ziemlich flott!
Für die bei immer mehr Menschen nachlassende Fähigkeit, zuhören und sich länger auf etwas konzentrieren zu können, ist zusätzlich offenbar das sehr verbreitete Verhalten, mehrere Geräte gleichzeitig zu nutzen und mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, ein Auslöser. Auch beim Multitasking ist man sich – wie bei der digitalen Demenz – nicht eins hinsichtlich der Auswirkungen oder ihres Umfangs.

Und ich? Wie ist das nun bei mir?
Ich nutze das Internet. Ich nutze Google und andere Suchmaschinen. Ich habe eine Smartphone.
Irgendwann bemerkte ich an mir beginnende Anzeichen von leichter Doofheit. Sachen, die ich gerade nachgelesen hatte, waren kurz danach weg.
Nichts behalten!
Die Orientierung verschlechterte sich. Statt Karten war das Navi zum Einsatz gekommen. Die Umgebung brauchte ich nicht mehr im Hirn abzuspeichern, nur auf den vorgegebenen Weg zu achten.
Einerseits herrlich einfach, ein Segen, oder? 
Nur hinterher hatte ich keine Ahnung, wo genau ich eigentlich gewesen war.
So etwas fuchst mich ungemein! Das ist ein unhaltbarer Zustand!
An anderen nervte und nervt mich weiterhin, wenn alles zig Mal wiederholt werden muss, weil keiner vernünftig zuhört.
Und am allermeisten wurmen mich die zunehmende Abhängigkeit von elektronischem Gerät und die Tatsache, dass seelenlose und skrupellose Geräte mir meinen Kram aus der Hand nehmen! Nicht als Helfer, der einspringt in der Not, sondern als vermeintlich schlaues Ding, dass mich langsam aber sicher immer hilfloser macht und mich dümmer zurücklässt.

„Ich kann Ihnen nicht sagen, ob es sie gibt“, antworte ich meinem Tischnachbarn, „aber ich sehe an mir, dass es Folgen hat, wenn ich nur via Netz Neues erfasse. Mein Gehirn baut ab.“
„Und da hilft dieses … Zeug?“ Er zeigt auf mein Zahlenrätsel.
„Ja, unter anderem.“
„Also, meine Frau meint ja, ich würde auch viel vergessen und nicht richtig zuhören.“
„Nutzen Sie viel die modernen Geräte und das Internet? Ihr Smartphone?“
„Ja, klar! Geht doch fix damit.“
Ich zeige auf mein Rätsel.
„Erinnern Sie sich noch, wie das „Zeug“ hieß?“
„Ne, hab’ ich schon wieder vergessen …“ Er stutzt leicht.
„Sehen Sie“, fahre ich fort, „so etwas meine ich. Und da ich nicht digital dement werden möchte, nutze ich seit längerer Zeit meine elektronischen Geräte noch bewusster und sehr gezielt. Trotz allem kommen Stunden zusammen, denn sie sind immerhin Arbeitsgerät. Allein dadurch kann ich somit den persönlichen Verfall wohl nicht verhindern.
So habe ich umgeschaltet auf mehr Gehirntraining. Als Ausgleich. Keine offiziellen, wahnsinnig ausgeklügelten Übungsprogramme, aber überall dort, wo es geht, bin ich am Hirn trainieren. Präge mir Dinge ein, versuche Zahlenketten systematisch zu erfassen, halte mich dazu an, mich eine bestimmte Zeit auf etwas Vorgegebenes zu konzentrieren. Ausschließlich darauf! Höre intensiv zu und gebe mir quasi vorher die Aufgabe, dass ich hinterher in der Lage sein müsste, eine Inhaltsangabe oder besser noch – rein theoretisch – eine Nacherzählung davon anzufertigen. Auch noch nach drei Tagen.
Ich konstruiere Eselsbrücken, arbeite mit Gedankensprüngen, Geschichten … wie in guten alten Zeiten. Die Doofheit hat nachgelassen.“
„Vielleicht ist das aber nicht das Internet, was Schuld ist, sondern wir werden ja alle auch älter …“, meint er nachdenklich.
„Sie können damit recht haben“, bestätige ich ihm, „die Möglichkeit will ich gar nicht abstreiten. Doch selbst wenn es lediglich eine altersbedingt nachlassende Gehirntätigkeit sein sollte, kann ich mir mit meinem Programm ja nicht schaden.“

Für mich wird es Zeit. Ich mache Anstalten aufzubrechen. Er wirkt ein bisschen in Gedanken versunken. Während ich meine Jacke schließe, holt er sein Handy wieder hervor und meint abschließend:
„Ne, schaden kann’s nicht. Moment! Wie hieß das jetzt gleich noch mal, dieses Rätsel?  So… Su… Sudu …?“
„Auf Wiedersehen“, winke ich ihm zu und ergänze beim Griff nach der Tasche:
„Sie sind jünger als ich, ich würde in Ihrem Fall von digitaler Demenz ausgehen …“

©Januar 2014 by Michèle Legrand

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Banales ist manchmal erstaunlich erstaunlich – oder wie das Gehirn zuweilen trickst …

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Bild Gehirn (ohne Text): spiegel-online

Banales_ist_manchmal_erstaunlich_erstaunlich_….MP3
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Gelegentlich bleibt keine Zeit für eigene Pläne, und Vorlieben kommen schlichtweg zu kurz.
Bloggen zum Beispiel.
Arbeit und noch einmal Arbeit, eine Familienfeier, und wen ertappt man zusätzlich als nicht enden wollende arbeitsbeschaffende Maßnahmen? Haus und Garten.  Ja, leider. Es sind eben nicht nur paradiesische Orte der Erbauung, Erholung und Entspannung, sondern auch Stätten, deren Hege und Pflege Zeit verschlingt …, welche dann zum besagten Schreiben fehlt!
Es ist ein hundsgemeiner Zustand.
Der Mensch fühlt sich verplant, manchmal auch ausgenutzt – auf jeden Fall irgendwie erledigt. Mit einem untergerührten Quäntchen Unzufriedenheit und einem – latent – vorhandenen Fitz Sorge, ob er an alles gedacht hat und alles zeitgerecht schafft.

Manchmal entsteht jedoch – und das ist nun das Merkwürdige daran – trotz aller Arbeit, die häufig auch zeitweilig in die Nähe von Überforderung rückt, gleichzeitig eine Art Unterforderung. Eine geistige Unterforderung, die durch Arbeit im Akkord und unter generellem Zeitdruck verursacht wird und zwar immer dann, wenn viele gleichartige Arbeitsabläufe heruntergespult werden.
Das Hirn ist zwar hoch aktiv, doch sehr einseitig. Es wartet irgendwie auf adequaten Ausgleich. So als möchte es auch seinen anderen Regionen gut versorgt wissen. Wenn es könnte, würde es sicher Kompensationsgeschäfte anbieten:
Ich liefere dir klare Gedanken, Ideen, geistige Fitness, zügiges Arbeiten, strukturiertes Denken, etc., wenn du mir im Gegenzug dazu
a) Zeit zum Erholen und
b) Stoff gibst, der mich interessiert und für Abwechslung sorgt.

Körperliche Belastung ist selbstverständlich ebenfalls da, auch diese oft sehr speziell und unausgewogen. Oder wie nennt man das, wenn sich so etwas wie ein „Bügelarm“ entwickelt, die Gartenarbeit die Bildung eines Quasimodo-Rückens fördert, oder die Dauerarbeit am Schreibtisch vor dem  Computer den Körper herausfordert, Beine schwellen lässt und die Augen belastet.
Auch hier wären Ausgleich oder Tauschgeschäfte sinnvoll.
Zum Beispiel das Prinzip der Payback-Punkte-Einlösung. Ein reges Punktesammeln für Pflichten, einzulösen in Minuten für die eigene Vorstellung von (Frei-)zeitgestaltung. Natürlich alles immer zeitnah, da sonst die Punkte verfallen.
Schluss mit dem Vorhaben: „Nun ja, ich kann ja immer noch Ostern ausschlafen …
Irrtum!
Sofort!
Sonst sind die Punkte weg! Manchmal würde so ein bisschen Druck wirken wie der berühmte Tritt in den Hintern.

Das Thema heute heißt aber Banales ist erstaunlich erstaunlich. Wo bleiben jetzt die Banalitäten? Und wieso sind sie erstaunlich? Widerspricht sich das nicht?
Banales zeigt sich in genau solchen Situationen der Hektik, Zeitnot, Arbeitswut, Schlappheit, etc. Der schon angesprochene Geist sucht sich irgendwann einfach seinen Ausgleich und sein neues Futter selbst. Durch die schon anfallende Beanspruchung für ‚korrekte Arbeitserfüllung’, bleibt ihm häufig nur die Möglichkeit, sich zur Entspannung als Selbstversorger Banalitäten, etwas eigentlich Einfaches mit doch einer Prise Interessantem, gelegentlich Absurdem, zu genehmigen.
Sein automatisch hinzugeschaltetes Gegen- und Kontrastprogramm.
Wenn der Eigner des schönen Gehirns schon nicht selber diesbezügliche Anstalten macht…
In der Nacht sind es Träume, die u. a. zur Verarbeitung des Erlebten mit beitragen, am Tag während der Arbeit ist es nicht als Äquivalent der Tagtraum, sondern ein leichtes Abdriften, unbewusstes Suchen und Wahrnehmen von unwichtigen Dingen, die das Gemüt doch bitte erheitern können.
Was könnte das sein? Was sind solche banalen Dinge?
,Banal’ ist ein recht vielschichtiger Begriff. Picken wir hier die Bedeutung von ‚unmaßgeblich’ oder ‚nicht erwähnenswert’ heraus. Und schauen, ob und wo der Anteil Erstaunliches verborgen ist.
Jetzt habe ich aber langsam Hunger!“ oder auch: „Ich muss noch zum Tanken!“ fällt unter banale Feststellung, Erinnerung, Äußerung – ohne viel Überraschungseffekt oder Erstaunen. Logisch, wenn man noch nichts gegessen hat oder der Tank fast leer ist …
Es ist aber nur die Vorstufe, das Einschalten des Hirns zum Zwecke des Ablaufens eines Nebenprogramms. Die vernachlässigte Hälfte meldet sich und sagt offensichtlich den Sinnesorganen, dass sie nun auch auf andere Dinge als Arbeit anspringen sollen, was sie dann auch sofort und sich brav fügend tun.
Die Augen bemerken unnütze Kleinigkeiten, das Hirn baut aufgenommene Bilder eigenmächtig um und spielt neue Filmchen ab. Der Mensch fragt sich mitten im größten Tohuwabohu, bei Anspannung und weitaus wichtigeren Dingen um ihn herum, staunend:
Was hat denn der Chef dort für einen Fussel auf der Jacke? Sieht aus, wie verlorene Schokolade vom Magnum Eis….
Warum klingelt es immer an der Bürotür, wenn gerade keiner aufmachen kann?
Wie schafft es die Kollegin mit vollem Mund zu telefonieren und dennoch erstaunlich deutlich zu klingen?
Warum lässt sich das Türschloss immer erst beim zweiten Versuch öffnen, so dass jeder beim ersten Versuch denkt, er hätte den falschen Schlüssel?
Wenn das Eichhörnchen dort auf dem Rasen im hinteren Teil des Grundstücks die Walnuss, die es herumschleppt, nicht selbst vergraben hatte (hier gibt es nämlich mehrere Eichhörnchen):  kriegen die kleinen Kollegen dann Zoff untereinander? Erkennen sie ihre Nüsse wieder?
Warum reizt es einen plötzlich, sämtliche vorhandenen Türstopper des Büros zu sammeln, verkehrt herum zu drehen und sie zu stapeln, um auf diese Art eine Miniatur der Cheops-Pyramide von Gizeh nachzubauen?
Warum stellt sich das Bild von Büromonitoren dar (ca. 20 im Raum), die zu rotieren beginnen, sich eigenständig zu einem Kreis formieren und die alle das Meer als Hintergrundbild haben? Dein Platz ist dazwischen in der Mitte, auf deiner Bürodrehstuhl-Insel sitzend, umgeben von Wasser, Strand, Muscheln und Palmen. Und du wendest dich zu Monitor Nr. 20. Der letzte Monitor zeigt den Sonnenuntergang und das bedeutet: Feierabend.
Warum fällt es dir heute auf, dass in der Rechtsanwaltskanzlei Hirsch in München Frau Huhn arbeitet, und bei Firma X in Baden-Baden sowohl ein Herr Schwarz als auch eine Frau Weiß?
Und warum lässt diese Tatsache dein gieriges Gehirn gar nicht mehr los?
Es sucht und scannt dich ab nach weiteren Informationen. Da gab es doch auch die Görtz-Filiale mit Frau Schuhmann, den Tierarzt Dr. Hund sowie den Physiotherapeuten Heiler.
Es fällt dir auf, es gibt tatsächlich häufig Menschen, die ihrem Namen entsprechend einen Beruf gewählt haben.
Herr Koch, der Küchenchef wurde, Frau Rose, die Floristin, Herr Dr. Krone, der Zahnarzt und Herr Gärtner, der Chef einer Firma für Naturteichanlagen wurde.
So und auf andere Art tingelt dein Gehirn nebenher eigenwillig auf eigenen Wegen, berauscht sich an Banalitäten und macht dennoch zusätzlich seinen ‚bezahlten’ Job.

Und weil es so brav war, und dich auf seine unauffällige Weise durch die letzten Tage manövriert hat, dich mit Banalem erstaunt und zu deinem Wohl abgelenkt hat, schreibst du heute wieder Blog. Über ‚es’. Als Anerkennung. Als Belohnung, denn ES hat es sich verdient …

Eichhornchen

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