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Erfrischend, wenn die Hitze über der Stadt brütet … Ein Abend mit Wasserlichtorgelkonzert und mehr in Planten un Blomen

 Hamburg - Planten un Blomen an einem Sommerabend ... Wasserlichtorgelkonzert

Planten un Blomen: Der Parksee an einem Sommerabend … Wasserlichtorgelkonzert!

Wir haben 2012 ziemlich lange darauf warten müssen – auf sommerliche Temperaturen. Jetzt sind sie da … Schön, oder?
War dort eben ein klitzekleines Zögern?
Nun, wie es in unseren Breitengraden inzwischen fast schon üblich ist, steigt die Quecksilbersäule des Thermometers recht spontan und leidenschaftlich gern unerhört rasant. Uns Nordlichtern sind nicht 22-24 Grad Celsius über einen längeren Zeitraum vergönnt – nein, wir knacken die 30° Grad im Schatten Grenze von heute auf morgen. Wobei übermorgen halt oft schon wieder der Schal fällig wird – es funktioniert tatsächlich auch umgekehrt so.
Etwas anderes. Hamburg. Sie kennen das Klischee bezüglich der Hanseaten? Zurückhaltend, zu Understatement neigend, gern in ein maritimes Blau (anglophil angehaucht) gekleidet, ergänzt durch goldene Knöpfe (Herren) bzw. eine einreihige Perlenkette (Damen). Eine Hanseatin, ich bin auch eine, würde Ihnen den momentanen Zustand der Städter wie folgt erklären:
Uns ist – fügen Sie hier bitte ein dezentes Räuspern und eine kleine Kunstpause ein – … ein wenig warm.
Und was mich angeht: doch, mir würde jetzt die Perlenkette solo ausreichen.

Dennoch habe ich vor, Sie heute wieder mitzunehmen. Da ich allerdings davon ausgehe, dass Sie den Besuch einer Backstube brüsk ablehnen würden, treffen wir uns stattdessen in Planten un Blomen. Ehe Sie mosern, dass wir dort Ende Mai schon waren …
Ja, und?
Glauben Sie, Sie haben damals schon alles gesehen?
Es gibt etwas Spezielles, was Sie heute kennenlernen werden, denn diesmal wird es aus gutem Grund einen Abendspaziergang geben. Das hat weiterhin den Vorteil, dass die Glut der Sonne vorbei ist, mit ihr die Sonnenbrandgefahr, und die Schweißausbrüche sind um die Zeit auf ein Minimum reduziert. Ein lindes Lüftchen weht, Sie werden einige Ihnen noch unbekannte Ecken bestaunen können und zum Abschluss ein erfrischendes, berauschendes Wasserlichtorgelkonzert erleben. Wir können uns dazu auch so setzen, dass sie – sobald eine kleine Brise aufkommt – in Maßen angenehm kühle Gischtspritzer zur Erfrischung abbekommen.
Wie klingt das?
Falls Sie im Mai nicht dabei waren oder noch einmal rekapitulieren möchten – hier ist der Link zum Vorgängerartikel:
https://michelelegrand.wordpress.com/2012/05/28/genuss-pur-mitten-in-hamburg-planten-un-blomen-und-das-geheimnis-der-fehlenden-fensterscheibe/

Erinnern Sie sich noch an die Mittelmeerterrassen und die fehlende Glasscheibe im Dach des Kakteenhauses? Richtig, die große Agave (Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss) hatte begonnen, einen Blütenschaft auszubilden. Sie hatte begonnen, ihn wie einen Dorn, wie eine Fahnenstange himmelwärts zu treiben und dabei schon die vorhandene Dachhöhe um mindestens einen Meter überschritten. So war der Stand am 26. Mai, und neulich verrieten die Gärtner, dass sie mit der Blüte Mitte bis Ende August rechnen.
Mittlerweile ist einiges an Höhe hinzugekommen. Die Seitenverästelung, die Anfang Juli begann, ist mittlerweile fortgeschritten. Bereits jetzt gut zu erkennen, wo sich die Blütenstände ausbilden.

1_Hamburg - Planten un Blomen am Abend -  ... und sie wächst und gedeiht: Die einen Blütenstand ausbildende Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss

Planten un Blomen am Abend – … und sie wächst und gedeiht: Die einen Blütenstand ausbildende Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss am 20. Juli 2012

2_Hamburg - Planten un Blomen am Abend -  ... und fünf Sonnentage später (25.07.2012) am Abend (Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss)

Planten un Blomen am Abend – … und fünf Sonnentage später (25.07.2012) am Abend (Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss)

Ein Blick hinab auf den zu Füßen der Mittelmeerterrassen liegenden Alten Wallgraben. Hier ist am Abend eine beschauliche Ruhe eingekehrt. Nur wenige Spaziergänger und einzelne Jogger sind Richtung Alte Wallanlagen unterwegs. Bedingt durch seine recht tiefe Lage im Vergleich zum Niveau der ihn umgebenden Straßen, entsteht dieses Idyll am Wassergraben. Niemand vermutet den viel befahrenen Gorch-Fock-Wall oder die Jungiusstraße in unmittelbarer Nähe.

3_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Palmlilien, Gräser und Disteln - Blick von den Mittelmeerterrassen hinunter zum Alten Wallgraben

Planten un Blomen am Abend: Palmlilien, Gräser und Disteln – Blick von den Mittelmeerterrassen hinunter zum Alten Wallgraben

4_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Perückenstrauch  (Cotinus coggygria)

Planten un Blomen – Perückenstrauch (Cotinus coggygria) beim Tropenschauhaus. Er wird noch plusteriger, „perückiger“ im Laufe der Zeit …

5_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - am Wallgraben

Planten un Blomen: Abends am Wallgraben …

6_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Kormorane im alten Wallgraben

Planten un Blomen – Kormorane im Alten Wallgraben (auf der Baumwurzel im Wasser, fast auf der anderen Uferseite)

6_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Staudenpracht am Alten Wallgraben unterhalb der Mittelmeerterrassen

Planten un Blomen – Staudenpracht am Alten Wallgraben unterhalb der Mittelmeerterrassen

8_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Zurückgeschnitte Eibe, die irgendwie ein Gesicht hat ...

Planten un Blomen – Abends am Wegesrand: Zurückgeschnitte Eibe, die irgendwie ein Gesicht hat …

Der Spazierweg ist frei.
Haben Sie Lust auf ein kleines Spiel, kein waghalsiges Experiment  – mehr  ein risikoarmes Abendabenteuer?
Stellen Sie sich bitte in die Mitte des relativ breiten Weges, drehen sich in Gehrichtung Alte Wallanlagen und schließen Sie die Augen.
Warten Sie einen Moment und lauschen Sie …

Was hören Sie?

Es ist Ihnen bisher vielleicht nicht aufgefallen, weil optische Reize Sie abgelenkt haben, aber irgendwoher rauscht es! Lassen Sie die Augen weiterhin geschlossen und gehen Sie langsam voraus. Der Weg führt leicht bergauf.
Es wird dunkler.
So etwas bemerken Sie auch mit geschlossenen Lidern! Ich verrate Ihnen, dass Sie links und recht von Bäumen umgeben sind, die über Ihnen zusammenwachsen und  ein grünes Dach bilden.
Das Rauschen kommt näher, wird intensiver, lauter …
Atmen Sie tief ein!
Sie riechen oder fühlen vielleicht auch auf der Haut, dass sich die Luft verändert hat. Sie ist reiner, kühler, leicht feucht.

Wenn Sie das Gefühl haben, jetzt sei das Rauschen unmittelbar neben Ihnen: Halten Sie!
Wenden Sie sich nach links und öffnen Sie die Augen!

Als ich es sah, erging es mir wie der Amerikanerin, die auch gerade aus der Gegenrichtung kommend dort eintraf, und ich möchte ihre treffenden Worte wiedergeben:
„Fucking gorgeous!“, war es, was ihr entfuhr.
Das erste Wort ist in seiner Bedeutung nicht unbedingt hanseatisch korrekt. Aber zusammen genommen sagt es alles. Es ist so traumhaft, umwerfend und großartig, bei dieser Geräuschkulisse auf die Steintreppen und die ihre Stufen hinabstürzenden und brodelnden Wassermassen zu schauen! Das Rauschen an den Niagara-Fällen kann doch kaum schöner sein!

10_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Wassertreppe

Hamburg – Planten un Blomen am Abend – Das Wasser rauscht die Steintreppen hinab …

Plötzlich werden Sie gewahr, dass es noch nicht alles war. Abgesehen von dem Rauschen, fällt Ihnen zusätzliches, vielfältiges Plätschern auf und Sie gehen, wie magisch davon angezogen, weiter. Neugierig, überzeugt, dass jetzt nicht noch etwas kommen kann, was Sie wieder derart umhaut. Vielleicht kommt Ihnen der Gedanke, dass das Wasser für diesen eben gesehenen Wasserfall irgendwoher stammen muss – eine Quelle braucht. Und richtig, kaum endet der baumbesäumte Weg am oberen Ende der Wassertreppe, entdecken Sie die Herkunft. Aus vielen offenen Rohrenden, die alle aus zwei sich gegenüberliegenden Steinwänden ragen, strömt Wassernachschub, fällt teilweise metertief hinunter in  Auffangbecken, von denen eines wiederum die Wassertreppe speist.
So schön!
So f…ing gorgeous!

11_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - ... direkt an der Wassertreppe weiteres fröhliches Rauschen und Geplätscher fröhliches Rauschen und Geplätscher

Planten un Blomen am Abend – … direkt an der Wassertreppe weiteres fröhliches Rauschen und Geplätscher

12_Hamburg - Planten und Blomen

Planten und Blomen …

13_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - ... direkt an der Wassertreppe weiteres fröhliches Rauschen und Geplätscher

Planten un Blomen am Abend – … aus den Rohrenden rauscht es hinab … Aus manchen wasserlosen Rohrstücken wachsen Pflanzen.

Wenn Sie die Kühle genossen und sich sattgesehen haben, unterqueren Sie gleich noch die folgende Brücke und werfen darunter und auch dahinter einen Blick auf den Boden. Hier wurden sehr schöne Mosaikmuster eingearbeitet!

14_Hamburg - Planten un Blomen am Abend -  Farbenfroh gelegte Muster am Boden

Planten un Blomen – Farbenfroh gelegte Muster am Boden

Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass wir jetzt dringend zum Parksee aufbrechen müssen, denn pünktlich um 22 Uhr beginnt dort das Wasserlicht(orgel)konzert!
Wir streifen einfach quer durch die Parkanlage, kommen Sie vertrauensvoll mit mir mit …
Als Route zurück (wieder hinauf zum Tropenschauhaus), dient uns diesmal der rollstuhltaugliche Weg, der an der Wassertreppe beginnt und oben nahe der Bucerius Law School endet.

9_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Rechts das markante Gebäude der privaten Bucerius Law School mit dem Fernsehturm im Hintergrund

Planten un Blomen am Abend – Rechts das markante Gebäude der privaten Bucerius Law School mit dem Fernsehturm im Hintergrund

15_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - ... steht am Eingang zum Spielplatz

Planten un Blomen am Abend – … am Spielplatz vorbei, wo dieser Herr steht …

16_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Richtung Parksee_Ein Meer in blau ...

Planten un Blomen am Abend – … weiter Richtung Parksee: Ein Meer in blau …

17_Hamburg - Planten un Blomen am Abend -  ... und immer wieder Wasser

Planten un Blomen am Abend – … und immer wieder Wasser

18_Hamburg - Planten un Blomen - Schön in der Abendämmerung: die weißen Silberkerzen (Cimicifuga) und blühende Funkien

Planten un Blomen – Schön in der Abendämmerung: die weißen Silberkerzen (Cimicifuga) und blühende Funkien

Na bitte, wer sagt es denn!
Wir sind gut in der Zeit.
Von Mai bis einschließlich August starten die Konzerte um 22 Uhr, den ganzen September über um 21 Uhr. Von Oktober bis Ende April hingegen herrscht Winterpause.

Haben Sie eine ungefähre Vorstellung, was Sie erwartet?
Die Kurzfassung könnte so lauten:
Musik an, Wasser an, Licht an!
Wie nüchtern, wie langweilig, wie uninspirierend!
Ich verrate Ihnen ein bisschen mehr.
Sie kommen heute in den musikalischen Genuss des Karnevals der Tiere. Gratis! Sie lauschen ihm in der Dunkelheit, und sie erhalten gleichzeitig zusätzlich etwas  für ihre Augen, das Gemüt,  für Ihre Seele. Ihnen werden Farbenpracht und wunderschöne, anmutige, aber auch mitreißende Wasserspiele geboten werden!
Einige Male könnte Ihnen möglicherweise  ein Ooooh! und Aaaaaah! herausrutschen …
Es wird Sie beeindrucken! Sie und all die anderen, die sich hier sammeln, um sich ein solches Erlebnis nicht entgehen zu lassen.

Möchten Sie wissen, wie dieses kleine Wunder entsteht?
In den Parksee sind sowohl Wasserdüsen für Fontänen als auch Lichtstrahler für buntes Licht eingebaut. Am Ufer stehen mehrere in großer Höhe montierte Lautsprecher, die zwar keine Hi-Fi Qualität haben, aber ihren Zweck hinreichend erfüllen. Sie verbreiten die Musik, die dort an den Konzertabenden erschallt. Oft Klassik, doch es gab auch schon Rockstücke oder Filmmusik, zu denen für die Wasserlichtorgel eine Choreographie erarbeitet wurde.

Wie das funktioniert?
Während der etwa 30 min. andauernden Darbietung, wird von zwei Künstlern (live!) an der „Wasserlichtorgel“ und am „Lichtklavier“ gespielt. Während der eine die 13 Pumpenhebel für die Fontänen bedient, steuert der andere eine sehr große Anzahl von Tasten über ein zweimanualiges Licht-Keyboard und regelt auf diese Art 762 Lampen in fünf Farben.
Um sehen zu können, was sie „anrichten“, befinden sich diese beiden Personen in einem kleinen Raum direkt am Parksee, der Fenster direkt in Höhe der Wasseroberfläche hat. Wenn Sie sich auf der Wiese befinden, ist dieser Raum von Ihnen aus gesehen links (Richtung Café Seeterrassen).
Die Musik selbst ist nicht live. Sie kommt von CD, Band, aus der Konserve …

19_Hamburg - Planten un Blomen am Abend - Das Café Seeterrassen am Parksee erleuchtet und für eine besondere Feier dekoriert

Planten un Blomen … Ein Blick hinüber zum Café Seeterrassen. Erleuchtet und für eine besondere Feier dekoriert …

Die Hitze des Tages ist angenehmen Abendtemperaturen gewichen. Kaum Wind, die Dunkelheit setzt jetzt rasch ein. Nehmen Sie Platz und genießen Sie die Vorstellung. Gerade eben wurden die erst kurz zuvor eingeschalteten Parklaternen wieder gelöscht.
Es geht los!

20_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert Karneval der Tiere 20.07.2012

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“

21_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert Karneval der Tiere 20072012

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“

22_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert Karneval der Tiere

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“ – Mehr dazu (Artikel und Fotos) im Blog: Michèle. Gedanken(sprünge) – Juli 2012

25a_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert Karneval der Tiere

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“

23_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert "Karneval der Tiere"

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“

24_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert Karneval der Tiere 20072012

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“

25_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert "Karneval der Tiere"

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“

27_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert "Karneval der Tiere" 25.07.2012

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“

Finale …

26_Hamburg - Planten und Blomen - Wasserlichtorgelkonzert "Karneval der Tiere" 25072012

Planten und Blomen – Wasserlichtorgelkonzert „Karneval der Tiere“

Vorbei. Schon … Eine halbe Stunde, die wie im Fluge verging.

Haben Sie gelegentlich die leichten Gischtspritzer gespürt? Empfanden Sie es nicht auch eher angenehm als störend an diesem warmen Tag?
Konnten Sie ein wenig erholen nach der brütenden Hitze des Tages oder sogar für einen Moment den Alltag vergessen und sich ein klein bisschen verzaubern lassen?
Falls es Ihnen gefiel – Sie dürfen selbstverständlich auch alleine wiederkommen! (Diese Wasserlichtorgel hat durchaus ein leichtes Suchtpotenzial …)

Bis zum Ende dieser Saison sieht das weitere Programm folgendermaßen aus:
01.-15. August Tango (Arr. Héctor Gonzáles-Pino)
16.-31. August (erneut) Karneval der Tiere (Arr. Birgit Winzler)
01.-15. September Filmmusik (Arr. Héctor Gonzáles-Pino)
16.-30. September Scheherezade (Arr. Tanja Naini)

Ich freue mich, dass Sie dabei waren und wünsche Ihnen noch weitere angenehme Sommertage! Vielleicht lesen wir uns demnächst wieder.

Anmerkung:
Ich hatte für Sie auch ein kleines Video vorbereitet, doch YouTube wies gleich nach Hochladen auf eventuelle urheberrechtliche Probleme hin (die Musik!).
Nun, reagieren wir mit einem gelassenen hanseatischen Pffft! sowie stoischem Blick darauf, greifen auf obige Fotos zurück und halten uns an unsere eh viel stärkere Kraft der Imagination.

©Juli 2012 by Michéle Legrand

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Ich träume von Klatschmohnwiesen …

Türkischer Mohn (Papaver orientale)

Türkischer Mohn (Papaver orientale)

Er hatte immer Ende Mai Geburtstag, und ich kann mich tatsächlich nicht entsinnen, dass meine Kollegen und ich an diesem Tag jemals gefroren hätten!
Mein früherer Chef pflegte uns an seinem Ehrentag nachmittags etwas auszugeben, und jedes Mal war er wirklich lange am überlegen, ob er Kuchen oder Eis wählen sollte.
Er selbst war eindeutig und auch ganz offen ein Kuchenbevorzuger, der bei warmen, ofenfrischen Butterkuchen in Verzückung geriet und genüsslich Sahnetorte verzehrte. Nur angesichts der meist herrschenden Hitze, eishungriger Mitarbeiter und einer exzellenten Eisdiele in der Nähe, lief es doch mehrheitlich auf Gefrorenes hinaus.
Es ist leider zu früh verstorben, aber was würde er nur von dieser Veränderung halten, davon, dass man heutzutage an seinem Geburtstag eine völlig andere Wahl treffen muss.
Hühnersuppe oder Grog?
Winterjacke oder Daunenweste?
Schirm oder Regencape?
Ach, Leute, wer war das wieder? Wer hat den Teller nicht leergegessen? Wer war so miesepampig, dass die Sonne aus Protest nicht durchdringt? Wer hat sich wieder mit Petrus angelegt oder Wetten abgeschlossen, dass es kalt bleibt?
Die Eisheiligen sind schon vorbei. Der Winterschlaf der Tiere auch. Die Sommerreifen sind drauf. Die Gartenstühle stehen parat. Die Sommerkleidung liegt vorne an. Ich habe Sonnenschutzcreme im Schrank.
Die wird noch vergammeln!

Ich mag keine sich ewig hinziehenden Kälteperioden. Keine wiederkehrenden Sturzbäche von oben. Ich bin gegen Frühlingsgänsehaut. Ich kann im Mai keine Schals mehr sehen. Ich möchte Stiefeletten erst wieder im Herbst tragen. Selbst Kerzen können nicht ewig fehlendes, echtes Licht ausgleichen!
Stattdessen habe ich Lust auf das Aufblitzen der Sonne zwischen den Zweigen einer blühenden Hecke und Verlangen nach lauer Luft. Verspüre Sehnsucht nach dünnen, leichten Stoffen, die einen umhüllen. Ich möchte mit nackten Füßen über Gras laufen und die Sonne auf meiner Haut fühlen!
Regen ist gelegentlich schön, doch nicht ununterbrochen und dazu in Verbindung mit Kälte!

Manchmal schafft es ein Sonnenstrahl zwischen zwei Schauern, sich einen Weg durch die Wolkendecke zu bahnen. Von ihm lasse ich mich treffen. Am Terrassenfenster. Ich stehe drinnen wohlgemerkt! Dort ist es entschieden wärmer …
Diese Wärme dringt durch den Stoff, sie windet sich um dich herum, sie kitzelt freundlich. Das Schließen der Augen bewirkt das Wecken der (Wunsch-)Träume. Dann riecht es auf einmal nach Maiglöckchen und Waldmeister. Oder von weit her nach Damaszener Rose. Manchmal erscheinen strahlend weiße und tief purpur-blaue, manchmal bunte Blüten.
Und manchmal  träume ich … von Klatschmohnwiesen.

Mai. Los! Komm jetzt! Bitte! Der Mohn hat schon Verspätung!!

Klatschmohn (Papaver rhoeas)

Klatschmohn (Papaver rhoeas)

©Mai 2012 by Michèle Legrand

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Genugtuung … mit Hackfleisch!

Heute gibt es Hackfleisch. Aus Rache!
Sie ist mir gestern entkommen und irgendwie muss ich doch Genugtuung erfahren! Vielleicht hatte sie es anfangs nicht vorgehabt, doch es zählt, was sie dann tat! Sie verteilte ihr Gift und natürlich an ein völlig harmloses und ahnungsloses Opfer!
Wenn man sie schon sieht! Wer solche Farben trägt, kann eigentlich nur auf Krawall gebürstet sein! Gelb und schwarz! Gestreift! Quer! Okay, die Figur dazu hatte sie. Schmale Taille. Muss ich neidlos zugeben.
Nur warum – bitte schön – warum, musste sie es zweimal tun?  Äußerst hinterhältig!
DU FIESES LUDER!
Am Kopf auch noch, wie finde ich das denn!?
Sie kam gucken. Neugierig hoch drei. Und danach verschlagen oder dusselig. Jedenfalls verfing sie sich in meinen Haaren. Es brummte plötzlich. Ich ahnte, was sich eingenistet hatte, hielt erst ruhig  und versuchte sie wegzustreifen. Die Wespe. Sie war natürlich prompt in Rage.
RUUMMS! Der erste Stich! Ins Ohrläppchen!
Leider war es von da an auch mit meiner Ruhe vorbei. Ich schlug sie weg, immerhin trug ich Gartenhandschuhe. Kaum zwei Sekunden herrschte Stille, dann kehrte sie zurück. Bienen haben wenigstens nur einmal die Chance zu stechen, doch Wespen können öfter. Ich hatte das Gefühl, sie hockte schon wieder im Haar. Über der Stirn, im Haaransatz –  und richtig, der zweite Einstich folgte gnadenlos. Ich fluchte, beugte mich vor und schüttelte die Mähne wie anno dazumal in der Disco oder beim kopfüber Durchkämmen nach dem Fönen.
Warum verschwand die nicht, was machte sie so aggressiv?
War sie endlich weg? Oder lauerte sie wieder nur, schon startklar zur nächsten Attacke? Mein Ohr schmerzte. Den Garten konnte ich eh vergessen. Ich musste das schnell anschwellende Ohrläppchen erst einmal kühlen und vor allem vor einem Spiegel herausfinden, ob sie immer noch da war.
Ich bewegte den Kopf beim Hineingehen kaum, ging ins Bad und siehe da, sie hing immer noch im Haar! Diesmal machte sie selbst Anstalten wegzufliegen. Ich war wütend und schlug mit der Haarbürste hinter ihr her. Leider traf ich sie nicht, und auch die kurze weitere Jagd nach meinem Peiniger verlief erfolglos. Sie entkam durch die noch geöffnete Terrassentür nach draußen. Außer sich. Entweder vor Lachen oder vor Angst.
Aus diesem Viech  hätte ich in dem Moment sehr gerne Hackfleisch gemacht!
Und damit kommen wir wieder zum Anfang der Geschichte: es gibt heute Frikadellen! Ich werde mich gleich darum kümmern.
Noch ein Blick in den Spiegel: Dank des Stichs am Oberkopf bin ich momentan auf der Stirn völlig faltenlos! Ganz ohne Botox (nur mit anderem Gift halt). Das Ohrläppchen leuchtet rot und sein Umfang hat sich locker verdreifacht. Soweit so gut. Es ginge noch, wenn die Schwellung über der Stirn und an der Schläfe nicht auch das Auge leicht zudrücken würde. Es ginge noch besser, wenn manch süffisanter Kommentar ausbliebe.
Ich bin mir momentan selbst ein wenig fremd. Zu glatt die Stirn, zu schlupflidrig das linke Auge, zu verformt das Ohr … alles nur, weil dieses Mistviech…!
Ich werde mich jetzt intensiv dem Hackfleisch widmen und sage nur: MASSAKER!

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Freunde, heute ist Tag der Beschneidung…

Aus gänzlich unreligiösen Gründen und weitaus öfter als nur einmal im ganzen Leben, nähere ich mich ab Mai wiederholt einigen – dann recht grün dreinschauenden – Gesellen, mit einem festen Vorsatz sowie … Instrumenten.
„Jungs, ihr seid dran!“
Gemeint sind diverse Exemplare der Gattung Buxus sempervirens, also Buchsbaum-Exemplare im Garten. Ihre Beschneidung steht an, und der Grund lautet: immense Wuchslust.
In Gartenbüchern heißt es so nett und zivil: diese Pflanzenart zählt zu den langsam wachsenden Gewächsen. Ganz klein (so wie bei den nichtleserlichen Klauseln mancher AGB) folgt der Zusatz: wird bis zu 8 m hoch. In etwas besser lesbarer Schrift und schneller zu entdecken: erreicht meist nur Strauchgröße. Aha. Soso. Prima.
Ich hatte vor gut 20 Jahren einen 25 cm hohen Minibusch gesetzt. Er wirkte begeistert und fing aus lauter Dankbarkeit an, jährlich mehr als den Durchschnittszuwachs zuzulegen. Der Minibusch wurde zum Maxibusch, der irgendwann seine Ecke mehr als ausfüllte und vor dem Übergang zum Riesenstrauch ein wenig gebremst werden musste.
Eines Jahres im September, bewahrte ich einige abgeschnittene Triebe auf und verwendete sie als Stecklinge zur Vermehrung.
Ob sie wohl anwuchsen?
Ach, was frage ich eigentlich…? Bei diesem Busch!
Fast alle bildeten Wurzeln, und ich beschloss, mehrere zusammen zu setzten, um daraus weitere Büsche zu ziehen. Einige wurden auch Teil einer Hecke.

Es gibt mittlerweile sehr viele spezielle Züchtungen, die von sich aus schon kugelförmig wachsen oder tatsächlich schwachwüchsiger sind als die gewöhnliche Art des Buxus.
Nicht so die meinen. Sie möchten partout in die Breite gehen. Und in die Höhe. Und überhaupt….
Was tun?
Es bleiben mehrere Möglichkeiten. Rausreißen zum Beispiel. Diese Variante bevorzugt einer meiner Nachbarn grundsätzlich. Sein Motto: was größer ist als ein Igel wird herausgerissen. Als ein kleiner Igel wohlgemerkt! Dann kommt etwas Neues. Für ein bis zwei Jahre …
Nächste Möglichkeit: Wachsen lassen und alle paar Jahre radikal bis fast zum Boden zurückschneiden.
Vergessen Sie es!
Es sieht grauslig aus, der Busch findet es auch nicht optimal, und der Unterschied zwischen Riese vorher und Storzelreste am Boden hinterher ist zu massiv. Demnach ist diese Variante auch nicht das Richtige für meine Gartenbewohner und mich. Ich nämlich hänge an meinen Gesellen.
Mein Kompromiss heißt: ihr seid dran, aber gemäßigt. Und hier gehen die Meinungen sicher auseinander.
Ich spreche von gemäßigt im Sinne von „es kommt nicht so viel ab“.
Wie ich schneide, finden manche hingegen nicht so „gemäßigt“.
Grundsätzlich wirkt Natürlichkeit und natürlicher Wuchs im Garten auf mich ansprechender, aber ich weiß nicht, welches Teufelchen  mich manchmal bei den Buchsbäumen reitet …
Die Beschneidung der Jungs könnte man auch zur Kategorie Friseurbesuch  zählen.  Einmal Façon-Schnitt bitte!  Trocken. Eventuell einen Schluck hinterher. Fönen erledigt der Wind.
Ja, doch, sie sind auch experimentierfreudig! Oder ich bin es …
Als meine Kinder noch klein waren, wurde die Hecke eine Zeitlang zur Burgmauer mit Zinnen. Inzwischen sind sie groß, und der Heckeabschluss, d. h. ihre Oberkante ist wieder normal gerade.
Bitte? Was meinten Sie? Die Büsche?
Nun, da habe ich zur Zeit einen Kürbis, die Irokesen, eine Möchtegern-Pyramide, die mehr wie ein Schneckenhaus anmutet, simple Kugeln, aber auch zwei Rundgesellen, die darauf warten, dass ihnen im Laufe der Zeit ein zweites Geschoss wächst. Im Moment wirkt es mehr wie eine Eiskugel mit einem  Klecks Sahne obendrauf.
Ein Phänomen bemerke ich auch hier. So wild sie scheinbar wachsen, warte ich jedoch darauf, dass sich eine bestimmte Form herausentwickelt, dauert es ewig! Genau wie bei den menschlichen Haaren. Sollen sie lang wachsen (oder überhaupt) geht es scheinbar nicht vorwärts. Hat der Friseur nicht auch wieder viel zu viel gekürzt? Es dauert Monate, ehe sein Missgeschick sich zurechtgewachsen hat.
Ist es eigentlich Einbildung, oder wachsen bei Männern die Haare schneller?
Ich muss zum Friseur, die Haare hängen schon wieder über den Ohren!
Ich muss dringend hin, der Nacken ist ein Urwald!
Solche Sätze kommen von Männern. Ausschließlich. Das möchte ich auch mal sagen können. Ehrlich! Ich würde doch lieber öfter dran säbeln, als monatelang warten, dass ein Zentimeter hinzukommt!
Stopp. Wir waren beim Thema Buchsbaum und ihrer Beschneidung.
Ich habe wieder geschnippelt und zeige Ihnen heute einige vorher/nachher Bilder.
Der Kürbis würde innerhalb einer Saison ohne Schneiden zum Struwwelpeter werden, was durchaus auch seinen Reiz hätte, nur würde er dann seine Beetnachbarn erdrücken.
Die Irokesen könnten jederzeit wieder normale Kugeln werden …
Der Ich-weiß-nicht-ob-ich-lieber-Schnecke-oder-Pyramide-sein-will Buchsbaum  würde schnell wieder zur normalen Kegelform zurückkehren und nach einem weiteren Jahr einfach nur noch eine Kastenform besitzen.

Durch die Verwendung des ganz ordinären Strauchbuxus sind der Fantasie einerseits keine Grenzen gesetzt, da keine angezüchtete feste (unflexible) Grundform vorhanden ist. Andererseits sind diese Büsche sehr viel lockerer im Aufbau, was sich im Winter bei Schneelast besonders deutlich zeigt. Der Kürbis wurde durch die Last in seiner Mitte auseinandergedrückt und wirkte wie eine geschälte Orange, deren Stückchen einladend nach außen gekippt wurden. Er hat es überstanden, sich wieder aufgerichtet, und so steht weiteren Jahren als Kürbis oder was auch immer nichts im Wege.

Haben Sie etwa auch frisierte Gartenbewohner?
In England sah ich sehr gelungene Kunstwerke in einigen Gärten stehen. Offensichtlich von Meisterhand geformt mit schier unendlicher Detailliebe, gutem Augenmaß, Fantasie, Können und offensichtlich auch mit der Zeit und Muße, den Schnitt ständig nachzubessern, damit die Form stets top aussieht. Im englischsprachigen Raum wird diese Kunst des Formschnitts als ‚topiary’ bezeichnet und dieses Hobby sehr viel mehr gepflegt als bei uns. So wie es dort noch mehr Gartenschauen gibt, mehr Wettbewerbe auf dem Gebiet der Gartengestaltungskunst und eben auch im Bereich ‚topiary’.
Ich gestehe, ich habe die Kunstwerke bewundert, aber es wäre mir im Garten zu viel und zu unnatürlich. Da saßen exotische Vögel bzw. nachgebildete Buchsbaum-, Liguster- oder Eibenmenschenpärchen auf ebensolchen Naturbänken. Es standen grüne ‚Fahrzeuge’ herum. Geometrische Figuren, geformte Häuser, Burgen, Hunde,  Elefanten, Rehe,  Spiralen, Türmchen, Torbögen, tanzende Elfen, aber auch Panzer!
Für das Heranziehen vieler großer Formen wird hier auch meist wesentlich mehr als lediglich der bloße Strauch gebraucht. Viele Objekte haben ein stützendes Grundgerüst (Drahtgeflecht), um das sich die Pracht ranken kann, entsprechend gelenkt bzw. mit Drähten gezogen und natürlich in Form  geschnitten wird.
Schön, diese ‚masterpieces’ zu sehen, aber doch leicht übertrieben für meinen Garten. Für mein Empfinden. Im Übrigen muss ich  auch ein bisschen an die Nerven des Nachbarn denken …

Buxus sempervirens - Buchsbaum - noch struwwelig ...

Buxus sempervirens – Buchsbaum – noch struwwelig …

Buxus sempervirens -  Buchsbaum - Der Kürbis entsteht ...

Buxus sempervirens – Buchsbaum – Der Kürbis entsteht …

Buxus sempervirens - Buchsbaum - Der Kürbis ist fertig ...

Buxus sempervirens – Buchsbaum – Der Kürbis ist fertig …

Buxus sempervirens -  Buchsbaum - Vor dem Schnitt zur Pyramide/Schneckenform ...

Buxus sempervirens – Buchsbaum – Vor dem Schnitt zur Pyramide/Schneckenform …

Buxus sempervirens - Buchsbaum - Pyramide/Schnecke ...egal - fertig!..

Buxus sempervirens – Buchsbaum – Pyramide/Schnecke …egal – fertig!

Buxus sempervirens - Buchsbaum  - Pyramide von oben ...

Buxus sempervirens – Buchsbaum – Pyramide von oben …

Buxus sempervirens - Die, die auf die zweite Etage warten ...

Buxus sempervirens – Die, die auf die zweite Etage warten …

Buxus sempervirens - Buchsbaum - Die Irokesen noch etwas zottelig ...

Buxus sempervirens – Buchsbaum – Die Irokesen noch etwas zottelig …

Buxus sempervirens - Buchsbaum - Formschnitt - Die Irokesen nachher ...

Buxus sempervirens – Buchsbaum – Formschnitt – Die Irokesen nachher …

 

Nachstehend für Sie noch einige Links zu speziellen Formschnittbeispielen, die von den richtigen Könnern stammen:

http://www.topiaryartdesigns.com/   (Coole Elefanten)
http://www.topiaryartdesigns.com/galleries.htm  (Slide show)

http://vayetech.info/blog/wp-content/uploads/2010/03/granimals1.jpg (Giraffe)

http://thephotogardenbee.com/wp-content/uploads/2010/01/couple-summer-topiary.jpg  (Pärchen)

http://www.buchsbaum.de/Bilder/Buchsbaum-Formschnitt.jpg (Banksitzer)

©Juni 2011 by Michèle Legrand

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Papaver statt Palaver

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Heute, zur kleinen offiziellen Einführung der neuen Blogsparte Garten, ein Blick auf eine – wie ich finde – imposante Staude, die allerdings nur wenige Tage ihren (Blüten-)Höhepunkt hat und ansonsten eher ein Schattendasein führt. Die durchaus ebenfalls hübschen Blätter ziehen nach der Blüte leider rasch komplett ein (zudem ist ein bisschen Obacht angesagt (Kinder!), da der milchige Saft in den Stängeln und Blättern giftig ist).
Es geht um den Mohn (Papaver), in diesem Fall um den Türkischen Mohn (Papaver orientale), der in Gärten häufiger verbreitet ist. Etwas größer als der normale Klatschmohn und wesentlich größer sowie vom Blattwerk her anders als der zarte Islandmohn bzw.  der wilde Mohn, den wir von Wiesen kennen.
Im Moment steht mein Orientale in voller Blüte, und die Hummeln führen Sonderschichten ein, um sich an seinen Leckereien zu ergötzen. Oft wuschelt der Wind  die riesigen Blütenblätter sanft durcheinander, so dass es gelegentlich scheint, als würde der Mohn nun seine tief in der Blüte eingetauchten,  brummenden Insektengäste kurzzeitig sorgsam mit einer leichten roten Sommerdecke zudecken.
Vorhin, nach einem kurzen, heftigen Gewitterguss, zeigte sich die Standfestigkeit der Pflanze. So schön wie zuvor, nur obendrein noch mit ein paar dicken Tropfen verziert, in denen sich das Sonnenlicht brach. Nach kurzer Abtropf- und Trocknungszeit, erschien auch die Brummerbrigade wieder.
Hummeln erinnern mich immer an Hubschrauber.
Viele sagen, es sei erstaunlich, dass sie überhaupt fliegen können – bei dem Eigengewicht!
Andere behaupten, sie würden sofort perplex abstürzen, wüssten sie, wie unmöglich ihr Tun erachtet wird.
Mich erstaunen die unterschiedlichen Geräusche, die Insekten beim Anflug fabrizieren. Es erscheint aber logisch, wenn Folgendes in Betracht gezogen wird:
Libellen haben beispielsweise einen recht langsamen Flügelschlag von nur ca. 20-30 Schlägen pro Sekunde. Man hört sie kaum, dafür fallen sie optisch sofort auf.
Hummeln sind immer noch langsam, sie hingegen kommen allerdings schon auf 120–160 Schläge p. Sek. Das gibt ein etwas anderes Geräusch! Nehmen wir nun noch die Körpermasse und die Resonanz, die ein derartiger Körper wohl miterzeugen kann, dann ist der Gedanke an Hubschrauber nicht fern.
Als Vergleich dazu vielleicht ein Wert, der die Stechmücken betrifft:
die sogenannten Leichtgewichte kommen auf eine Flügelschlagzahl von ca. 600 pro Sekunde! Darum nehmen wir hier nur noch ein Sirren wahr.
Zurück zum Papaver. Auch die gierigste Hummel verschwindet irgendwann abgefüllt. Es ertönen erhebliche Startgeräusche und bei der ein oder anderen gibt es durchaus ein gewisses Abhebeproblem. Ruhe kehrt ein.

Dann bleibe ich meist noch einen Moment länger, schaue dem Wogen der zarten Blütenblätter zu, die gelegentlich wie dünnes Krepppapier wirken und tanke zwar keinen Blütenstaub, aber doch eine Art Energie aus dem lebendigen Rot-Orange. Kein Laut ertönt, egal wie sehr die Pflanze hin und her wankt. Die Blätter  haben keine glatte Oberfläche und scharfe Kanten, die beim Aneinanderstoßen Raschelgeräusche hinterlassen.  Sowohl der grüne Stängel, als auch die Blätter sind überzogen von weißen Härchen, die anderen Lärm zu schlucken scheinen.

Nach einem Regen, wenn keiner sonst im Garten ist und durch lautes Zwischengebrabbel stört, dann genieße ich es und denke: Wie schön – Papaver statt Palaver.

 

 

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Ein Gartenthema? Ach, das könnt‘ man (als Leser) eigentlich auch mal riskieren …

Lila Krokusse

Krokusse

Gartenzeit. Gartenblog-Zeit!

Vorweg: Ich hatte Sie vorgewarnt. Im ersten Blogpost überhaupt. Es ist noch Zeit genug für alle Nicht-Gartenanhänger, sich jetzt klammheimlich wegzuklicken. Es ist jedoch auch die Gelegenheit, sich locker über Gartengeschehnisse und -erlebnisse zu unterrichten.
Wenn Sie mich hier im Blog schon länger lesen, wissen Sie vermutlich, dass ich keine Lehrbücher schreibe. Ich mag keine Bekehrungen, keine Besserwisserei und keinen erhobenen Zeigefinger.
Ich erzähle, was mir auffällt, widerfährt, was ich einsauge mit Augen, Ohren und Nase, und Sie entscheiden für sich,  ob Sie auch etwas sehen, hören, riechen oder ganz allgemein etwas empfinden und fühlen. Ob Sie auch Freude daran haben.
Dann lesen Sieweiter – oder lassen es eben bleiben.
Vielleicht kommt Überraschendes, vielleicht Bekanntes, vielleicht der Genau!-Effekt. Wer etwas zu den Gartenposts sagen möchte, den kann ich nur dazu ermutigen, denn ich tausche mich sehr gerne darüber aus!

Neulich startete es mit „Duftende Erde“  eigentlich schon inoffiziell.  Ein heimlich eingemogeltes Gartenthema. Ein Testballon. Nun, es gab keine Beschwerden und gelesen haben es auch recht viele. Offenbar sind Sie bereit für offiziellen Nachschub.

„Was hast du denn gemacht?“ Entsetzter Blick meiner unangekündigt vorbeischauenden Mama angesichts meiner wirren Haare sowie hauptsächlich aufgrund der Striemen und Kratzer an den Unterarmen.
„Ich habe mit einem Puma gekämpft!“ lautet meine bierernste Antwort, doch sie glaubt mir wieder nicht. Mütter kennen ihre Töchter halt doch zu gut.
Was mich wieder einmal verunstaltet hat, wurde verursacht durch die Aktion Feuerdorn und andere Büsche zurückschneiden und auslichten.
Es scheint ein Mysterium: Ich trage eine dicke Jacke, lange Hosen, Gummistiefel bis zum Knie, Handschuhe … und habe dennoch regelmäßig Kratzer, Splitter, Blasen und perforierte Oberschenkel!
Die Erklärung ist ziemlich einfach und logisch: Bei allem was über Kopfhöhe und mitten im Busch gestutzt werden muss, rutschen die Ärmel der Jacke hoch und legen die Arme bis zum Ellenbogen frei. Und die Handschuhe sind regelmäßig zu dünn! Nur wenn man nicht gerade Schlachterhände hat, die vom Format und der Größe her locker in Männerhandschuhe passen, welche dann netterweise aus vernünftigem Material sind – ja, dann bleibt einer Frau nur die Möglichkeit, völlig unzulängliche Damenhandschuhe zu benutzen. Baumärktebelieferer denken ja heute noch, dass Frauen ausschließlich Dekomaterial oder Primeln suchen und kaufen, während ebenfalls exklusiv Männer Werkzeug und Schutzkleidung wünschen und bekommen.
Die sogenannten Garten– oder auch Arbeitshandschuhe für die Primeldamen sind ein Witz. Und Blümchenmuster macht das Ganze eher schlimmer. Tut mir leid, das musste einfach gesagt werden!
Die Menge an Ästen, die herausgeschnitten wird, füllt Komposthaufen und Biomülltonne im Nu. Die Folge: Es sind zusätzliche Säcke nötig – solche, die die Müllabfuhr mitnimmt. Ich zerkleinere alles, um die Massen verstauen zu können.
Was passiert?
Blasen an den Fingern (ich sag nur: Handschuhe!) Am Ende heißt es, die proppevollen Säcke an den Straßenrand zu tragen. Aufgrund des erheblichen Gewichts natürlich inniglich an den Körper gepresst, die durchstechenden Piekser des Feuerdorns (wie kleine Speerspitzen) kurzzeitig ignorierend. Sie hinterlassen jedoch Spuren auf den Oberschenkeln. Ein bisschen wie räumlich begrenzte Masern. Nur brennend, denn die Pflanze macht ihrem Namen alle Ehre. Der Saft reizt die Haut enorm, die Kratzer sind noch lange feuerrot und heilen recht schlecht, wenn es mal in Vergessenheit gerät, die Wunden gleich gründlich auszuwaschen.
Nun kann ich jedoch stolz verkünden: Busch gebändigt, Gärtner(in) lebt noch, und die Blessuren sind am abklingen. Es kann also weitergehen.

Heute zu Beginn der Garten-Session ein kleiner Rundgang, um zu sehen, was sich seit dem letztem Wochenende getan hat. Schön ist, alles ist im Durch- und Aufbruch. Die Stauden recken ihre ersten frischen grünen Spitzen durch die Erde, die Blätterknospen der Büsche sind zum Teil am Aufbrechen oder haben an Umfang zumindest noch einmal zugelegt. Die Krokusse, Schneeglöckchen, Märzenbecher blühen weiterhin, die Schneeheide ebenfalls.

Schneeheide (Erica carnea 'alba')

Schneeheide (Erica carnea ‚alba‘)

Scillas (Blausternchen) wachsen flink und brauchen auch nicht mehr lange bis zur Blüte. Kugeldisteln, Fetthennen, Taglilien, Schafgarben, Mädchenaugen, Salbei, Phlox und viele andere mehrjährige Pflanzen zeigen, dass sie auch noch da sind.
Doch halt! Nein!
Doch, tatsächlich. Es gibt in diesem Jahr offensichtlich wieder Wildkaninchen. Jahrelang herrschteRuhe, nachdem einmal die CRD (Chinese Rabbit Desease) den ganzen Bestand ausgerottet hatte. Nun waren welche hier, haben an jungen Trieben gesäbelt, um die Pflanzen herum gebuddelt und als definitiven Beweis ihrer Anwesenheit Ködel auf dem Rasen hinterlassen.

Kaninchenködel auf dem Rasen als Beweis der Anwesenheit

Die Hinterlassenschaften der wilden Kaninchen …

Ich habe vor längerem gelesen, dass (angeblich) das Auslegen von Menschenhaaren die kleinen Plüschfreunde vertreiben soll. Dazu sage ich nur: Ich könnte mir eine Glatze rupfen, um alle von Kaninchen besuchten Stellen damit zu versorgen, es würde nichts nützen. Im Gegenteil, ich sehe die Fellwesen grinsend daneben sitzen, genüsslich weiter am Phlox mümmeln und sich fragen, was diese unordentliche Lady damit wohl bezweckt. Man lässt doch keine Haare herumliegen. Tse, Menschen …
Vielleicht sollte ich das grauenhafte Parfum einer ein paar Häuser weiter wohnenden Dame im Garten ausprobieren, aber dadurch würde ich mich mit verscheuchen.
Diese Erfahrung habe ich übrigens seinerzeit mit der ‚tollen’ Kaiserkrone gemacht. DER Tipp schlechthin gegen Wühlmäuse. Angeblich.
Die Zwiebel der Kaiserkrone – und auch die ganze Pflanze selbst – riecht nach Knoblauch.
Wen hat’s vertrieben?
Mich!
Die Wühlmäuse haben einen Höflichkeitsabstand zur Pflanze eingehalten und buddelten ihre Gänge halt zwei Meter weiter links. Das Thema ist durch. Nun in diesem Frühjahr sind es Kaninchen, denen man eigens hergerichtete Rohkostplatten stiften könnte, sie würden trotzdem weiter an die Pflanzen gehen.
Augen zu und durch.
Irgendwann sind die Triebe nicht mehr so zart, wie Langohr es gern hätte, dann hört das Klauen auf.

Es wird schon wieder länger als gedacht. Vielleicht erzähle ich besser nächstes Mal weiter. Ich möchte Ihnen nur noch ein paar Bilder zeigen, denn heute hatte ich wieder Emily hier, mein Rotkehlchen der letzten Woche.  Sie ist sehr zutraulich, nur sobald ich die Arbeit unterbreche, um sie (ich glaube, es ist eine Sie) zu fotografieren, rückt sie etwas ab und wird vorsichtig. Sie heißt Emily, weil sie manchmal nicht einen Millimeter zur Seite geht (e- Milli- meter). Sie zwischert leise fröhlich vor sich hin und erzählt die ganze Zeit. Auch deshalb denke ich, Emily muss weiblich sein …

Rotkehlchen, zutraulich, am Boden hockend

Rotkehlchen Emily traut sich näher …

Rotkehlchen am Boden, beobachtend

Emily beoabchtet und traut sich dichter heran …

Weitere Gäste im Garten

Hummel im März auf dem Balkongeländer

Mo, die Hummel ist auch schon da. Wanderung auf dem Balkongeländer …

Max, auch schon unterwegs …

Schnecke mit Haus auf Moos im Frühjahr (März 2011)

Max, auch schon unterwegs …

Fortsetzung folgt.

Vielleicht lesen wir uns demnächst wieder …

©März 2011 by Michèle Legrand

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