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Märzsonnenbäder lassen Eiszapfen ziemlich schnell vergessen …

Hammer Park - Ende Februar -  Erica carnea (Schneeheide) blüht ...

Blühende Schneeheide (Erica carnea) – hier im Hammer Park, Hamburg, Ende Februar

Herrlich dieses Frühlingswetter, oder? Nutzen Sie momentan auch jede Gelegenheit, draußen zu sein? Und wenn es für ein paar Minuten zwischendurch ist?
Morgens täuscht der strahlend blaue Himmel zwar etwas hinterhältig mehr Wärme vor, als wirklich vorhanden ist, doch gegen Mittag verfügt die Sonne tatsächlich über genügend Kraft, um der Menschheit einzuheizen. Derart, dass die ersten Unverwüstlichen bereits im Top und mit nackten Beinen daherkommen. Splitternackte Haut und belüftete Zehen neben in Wollschals eingewickelten Hälsen und stiefelgeschützten Beinen und Füßen. Dick vermummt sind immer jene gut erkennbar, die schon im Dunkeln früh morgens bei 4° C aus dem Haus mussten. Weiterhin jene Skeptiker, die allem, was momentan wettermäßig abgeht, nicht so recht trauen mögen oder auch jene Vorsichtigen unter uns, die generell bis Mitte Mai Daunenmäntel mit Fell eingefasster Kapuze tragen.
Egal, wie das Wetter ist, bevor die Strickjacke eine Chance hat oder gar Haut freigelegt wird, werden konsequent erst die Eisheiligen abgewartet. Vor der Kalten Sophie geht gar nichts. Man könnte sonst Spätfrostschäden erleiden.
Ach, das gilt nur für Pflanzen?

Das Kuriose am (Vor-)Frühling 2014 ist, er ist diesmal Überraschungsgast, extrem früh dran und zwischen Eiszapfenzeit und lauer Frühlingsluft, Fellstiefeln und Sandalen liegen in diesem Jahr obendrein nur gut vier Wochen.
Hier im Norden (im Süden und Westen Deutschlands war es nicht so ausgeprägt) gab es Ende Januar eine Frostperiode mit Temperaturen von -8 bis -10°, doch nur einen Monat später, Ende Februar, stürmte der Frühling förmlich mit kontinuierlich ansteigenden Temperaturen heran.
Seit mittlerweile einer Woche hält es sich so traumhaft schön. Jede freie Minute zieht es einen hinaus und für mich z. B. bedeutete es eine beachtliche Anzahl von Stunden, die ich mit Gartenarbeit verbrachte. Wenn man so lange Zeit frische Frühlingsluft atmet, Sonne tankt, die Hormonproduktion in Schwung kommt etc., dann passiert etwas.
Im Körper. Im Gehirn!
Die Wärme radiert die Vorstellung an Frost aus. Man hält weitere Kälte langsam für unmöglich. Hält es zumindest für höchst unwahrscheinlich, dass der Winter jetzt noch einmal richtig zurückkommt.
Ausgeschlossen! Kann doch auch gar nicht sein! Die Vegetation! Leute, das treibt doch alles aus! Winter passt doch nun wirklich nicht mehr in die Landschaft!
Das menschliche Gedächtnis möchte – wer kann es ihm verübeln – liebend gern vergessen, dass es graues, nasses Wetter und Bibbertemperaturen gibt. Doch sein Besitzer, der Mensch, macht sich – ebenfalls liebend gern – selbst etwas vor.
Haben Sie es auch schon vergessen? Oder erinnern Sie sich noch daran? Wenn Sie während der letzten Tage zum Fenster herausschauten, dürfte es Ihnen schwergefallen sein, die Eisbilder von vor knapp fünf Wochen aufzurufen. Wollen wir kurz einmal das Gedächtnis auffrischen?

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Etwas verfrorene Vögel auf dem Eis des Wallgrabens ...

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar – Etwas verfrorene Vögel auf dem Eis des Wallgrabens …

Planten un Blomen, Hamburg - Wallgraben an den Mittelmeerterrassen Ende Januar - Eisig ...

Planten un Blomen, Hamburg – Wallgraben an den Mittelmeerterrassen Ende Januar – Eisig …

Zu der Zeit war der Wallgraben in Planten un Blomen leicht überfroren, immerhin doch so dick, dass die Vögel auf dem Eis sitzen konnten. Mir wäre das definitiv zu kalt am Hintern –  und sagen Sie selbst, sie sehen doch irgendwie ziemlich verfröstelt aus.

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Der Wallgraben ist zugefroren ... Die Möwen rasten .

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar – Der Wallgraben ist zugefroren … Die Möwen rasten .

Die Krähenvögel an Land plusterten sich dick auf und erhofften sich in menschlicher Nähe Nahrungsreste. Brötchenreste, Krümel, Heruntergefallenes …

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Die Krähenvögel wirken verfroren.  Hoffnung auf Nahrung in Menschennähe ...

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar – Die Krähenvögel wirken verfroren. Hoffnung auf Nahrung in Menschennähe …

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Die zwei haben es sich auf dem Holzzaun gemütlich gemacht. Etwas wärmer als der Steinboden ... (Krähen auf einem Zaun am Tropenschauhaus)

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar – Die zwei haben es sich auf dem Holzzaun gemütlich gemacht. Etwas wärmer als der Steinboden …

Und wenn Ihnen Ihr eigenes Haupt lieb und teuer war und Sie seine aktuelle Form und Funktionalität hoch schätzten, sollten Sie zur bewussten Zeit den Bereich unmittelbar an den Scheiben des Tropenschauhauses gemieden haben. Ein weiß-rotes Plastikabsperrband hat Ihnen auch mahnend angezeigt, dass Sie lieber etwas Distanz halten sollten. Der Blick nach oben offenbarte warum …

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Eiszapfen am Tropenschauhaus

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar – Eiszapfen am Tropenschauhaus

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Am Tropenschauhaus brechen Eiszapfen und schwere Eisstücke vom Dach herunter ...

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar – Am Tropenschauhaus brechen Eiszapfen und schwere Eisstücke vom Dach herunter …

Bei diesen Spießen und Keilen, die sich durchaus lösen und wie ein Fallbeil herunterstürzen, bleibt man automatisch in gebührlichem Abstand.

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Am Tropenschauhaus - Sie sehen schön aus, die Eiszapfen, sind aber nicht ungefährlich ...

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar – Am Tropenschauhaus – Sie sehen schön aus, die Eiszapfen, sind aber nicht ungefährlich …

Nein, nein, Winter – selbst in seiner schönsten Form –  mit frischem, knirschendem Schnee, kunstvoll geformten Eiskristallen, filigranen, überfrorenen Spinnennetzen etc. mag  an einzelnen Sonnentagen recht nett wirken, Fakt ist aber:
a) Man braucht das nicht ewig.
b) Man friert irgendwann doch.

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Am Tropenschauhaus - Kalt ist es. Schön auf den Holzwegen links bleiben, der Rest sind nur mit einer sehr dünnen Eis- und Schneeschicht überzogene Wasserbecken

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar — Kalt ist es. Schön auf den Holzwegen links bleiben, der Rest sind nur mit einer sehr dünnen Eis- und Schneeschicht überzogene Wasserbecken

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Gräser zusammengebunden, Wurzelbereich geschützt, eine leichte Schneedecke  .... und FROST!

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar – Gräser zusammengebunden, Wurzelbereich geschützt, eine leichte Schneedecke …. und FROST!

Als ich Ende Februar wieder im Park weilte (u. a. den Leberwurstbaum (Kigelia africana)  im grünen, warmen Tropenschauhaus anschauen, Sie kennen vielleicht den entsprechenden Blogpost), war es draußen nicht zu übersehen: Der Lenz hatte es auf einmal eilig!

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Februar - Nur vier Wochen weiter und man ahnt den Frühling. Kein Eis mehr auf dem Wallgraben dahinter ...

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Februar – Nur vier Wochen weiter und man ahnt den Frühling. Kein Eis mehr auf dem Wallgraben dahinter …

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Februar - Beim Alpinum zeigen sich auch schon Blüten (Im Hintergrund das Radisson Blu Hotel am Dammtor)

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Februar – Beim Alpinum zeigen sich auch schon Blüten (Im Hintergrund das Radisson Blu Hotel am Dammtor)

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Februar - Christrosen (Helleborus niger) bahnen sich ihren Weg durchs alte Laub.

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Februar – Christrosen (Helleborus niger) bahnen sich ihren Weg durchs alte Laub.

Die ersten Blattknospen öffnete sich und zeigten ihr frisches Grün, die ersten Blüten an Sträuchern reckten sich der Sonne entgegen, die Zwiebelblüher bildeten bunte Teppiche.

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Februar - Frostfrei und es blühen Krokusse, Winterlinge, Schneeglöckchen und Märzenbecher

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Februar – Frostfrei und es blühen Krokusse, Winterlinge, Schneeglöckchen und Märzenbecher

Am wieder eisfreien Wallgraben jagten die Herren Erpel lautstark quakend die Entendamen. Pflügten energisch durchs Wasser und hatten die Hormone kaum im Griff. Es herrschte Männerüberschuss, entsprechend beherzt waren die Werbeaktionen und entsprechend durchdringend klang es. Eine (Menschen-)Dame, die etwas oberhalb auf einem der weißen Stühle an den Mittelmeerterrassen saß und wohl vergeblich versuchte, lesend ein paar Zeilen in ihrem Buch voranzukommen, bat sich irgendwann genervt Ruhe aus.
„Jetzt ist aber mal gut hier! Sie hat es ja nun gehört, Jungs!“
Mag sein, dass die Entendame die engagierten Herren gehört hatte, sie tat allerdings höchst desinteressiert. Taktik?

Die Amseln sonnten sich am Boden und pickten, was sich so alles zwischen den alten Blättern befand.

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Februar - Amsel in der Sonne (auf alten Blättern vor sich einen glänzenden Kronkorken)

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Februar – Amsel in der Sonne

Was dieser Amselmann mit dem Kronkorken vorhatte?
Man weiß es nicht …
Blauer Himmel, Sonnenschein. Der Regenschirm hatte ausgedient. Neugierige Tauben checkten die Möglichkeit, ein ausgedientes Exemplar eventuell für den Nestbau zu gebrauchen und gegebenenfalls in Gemeinschaftsarbeit abzuschleppen.
Tauben-WG-tauglich? ^^

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Februar - Tauben suchen Nistmaterial ...

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Februar – Drei Tauben auf der Suche nach  Nistmaterial … „Kommt, das schauen wir uns mal genauer an …!“

Wissen Sie, was in diesen Tagen noch einmal besonders für einen Winter-Frühling-Kontrast sorgte und den Unterschied warm-kalt sehr deutlich zeigte?
Die Eisbahn in den an Planten un Blomen angrenzenden Wallanlagen!

Planten un Blomen, Hamburg -  Eisbahn in den Wallanlagen  - Ende Februar - In der Sonne bilden sich Pfützen auf der Eisbahn ...

Planten un Blomen, Hamburg – Eisbahn in den Wallanlagen – In der Sonne bilden sich Pfützen auf der Eisbahn …

Anfang März: Dort ist noch richtiges (jaja, natürlich künstlich erzeugtes) Eis! Kein Eisersatz, keine lediglich schlittschuhtauglichen Bodenplatten, welche zwar weiß daherkommen (und ökologisch als empfehlenswert gepriesen werden), aber wie verlegtes Laminat aussehen und so gar kein Eislauf-Feeling vermitteln.
Die echte Eisfläche gibt der unmittelbaren Umgebung weiterhin einen sehr winterlichen Touch. Optisch und akustisch! Man hört das ganz typische Kratzen der Kufen, wenn die Schlittschuhläufer ihre Bahnen ziehen und besonders, wenn die Künstler unter ihnen Pirouetten drehen oder nach einem Sprint abrupt abbremsen. Dann spritzt feiner Eisnebel auf.
Eisige Kulisse, doch die Kleidung ist plötzlich alles andere als winterlich. Sobald momentan die Frühlingssonne scheint, fahren viele im T-Shirt. Wer mehr Kleidung anlässt, friert nicht notgedrungen, sondern möchte für den Fall des Hinplumpsens eine Schutzhülle besitzen.

Planten un Blomen, Hamburg -  Die Eisbahn in den Wallanlagen

Planten un Blomen, Hamburg – Die Eisbahn in den Wallanlagen

Dass die Sonne ein ganz beachtlicher Heizstrahler ist, merkt man auch daran, dass das Eis auf dem Teil der Bahn, der nicht im Schatten liegt, zu tauen beginnt. So viel kann gar nicht hinterhergekühlt werden! Große Pfützen haben sich gebildet und werden mit gebührendem Respekt und geringerem Tempo durchquert. Wer das kennt, fährt momentan sogar mit Regenhose. Ein Ausrutscher ohne diese Vorkehrungen bedeutet sonst: die Büx trieft!  Und wer hat schon jedes Mal Ersatzkleidung mit dabei.

Jetzt, da ich Ihnen davon erzähle, ist allerdings Ende mit dem Eislauf. Die Eisbahn hat für diese Saison ihre Pforten geschlossen. Am 10. März war der letzte Öffnungstag. Nun heißt es wieder warten bis zum November … Oder vielleicht friert es draußen doch noch einmal heftig, sodass natürliche Flächen …
Wie bitte? Sie möchten keine Herumunkerei?
Warten Sie es ab. Das Erdreich riecht noch nicht richtig nach Frühling! Nicht ganz, ich habe im Garten intensiv geschnuppert. Dieser ganz typische, erdige und dabei etwas modrige Geruch, der vermischt mit Wärme und den ersten Düften von Frühlingszwiebelblühern vermengt etwas Unvergleichliches ergibt! Er war noch nicht ganz entstanden, wirkte gebremst. Und wenn man aufs Moos klopft, staubt es bisher nicht genügend.
Fazit: Da kommt noch wieder kühleres Wetter auf uns zu …

Als nervender Frühlingsdableibinfragesteller und alter Spielverderber muss ich Ihnen weiterhin (als anschauliches Beispiel) mitteilen, dass mein Großvater ein Widder-Geborener war, der am 31. März Geburtstag hatte. Wenn er feierte, dann hatten wir temperaturmäßig im Laufe seines Lebens an diesem Datum alles nur erdenklich Mögliche an Witterungs- und Saisonzuständen.
Man saß bei beinahe sommerlichen Temperaturen in Hemdsärmeln, die Balkontür weit auf, man kam in anderen Jahren mühsam bei einsetzendem Glatteis zu ihm oder – wenn er zufällig Ostern Geburtstag hatte – fiel die Eiersuche auch schon mal bedingt durch heftigen Neuschnee völlig aus. Mal waren die Hecken noch komplett kahl, mal grünte es sichtlich. Ein Jahr war vorher durchgehend Frost gewesen, im nächsten kam pünktlich zum Geburtstag Ende März die Wärme und blieb. Doch auf sehr frühe Wärme folgte stets das große Klappern!
Auch noch Ende April!

Gehen Sie also tunlichst jetzt hinaus, solange die Sonne sich zeigt, nutzen und genießen Sie die milden Temperaturen, aber packen Sie ihren Wintermantel noch nicht so weit weg.
Jammern Sie bitte nicht rum, wenn er demnächst noch einmal gebraucht wird.
Freuen Sie sich stattdessen, dass er zwischendurch unnötig war.

Die schöne Zeit kann Ihnen ja schließlich keiner mehr nehmen …

©März 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand  ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

Hinweis:
Planten un Blomen hat im Blog eine eigene Kategorie (siehe Startseite rechts). Hier finden Sie zahlreiche bebilderte Artikel, die Ihnen die Außenanlagen, aber auch die Tropengewächshäuser näherbringen. Außergewöhnliche Pflanzen, besondere Blühereignisse etc. können Sie via Blogbesuch und natürlich vor Ort kennenlernen.

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Kraftmeier Winter bremst Lenz aus – Dazu: Bizarre Kunst in der ersten Märzsonne

Nun, wie sieht es aus? Haben Sie schon eingebunkert?
Sie wissen, der Winter kehrt zurück!
Dieser Frühling killende Kerl, der Ihnen unbarmherzig seinen eiskalten Atem in den Nacken haucht! Dieser Klammeraffe, welcher partout nicht gehen will und der den uns so sympathischen Lenz rüde zurückstößt. Los, weg da, ich schick dir sonst Wehen, du … Schneewehen!
Passen Sie jetzt mit Ihren Hormonen auf! Drosseln Sie sie bloß wieder nach diesen Sonnentagen! Gewohnt eigenmächtig wie sie sind, bringen sie Sie sonst während des kommenden Frosts gehörig in die Bredouille.
Andererseits sind Sie momentan gerade etwas sicherer vor Frühjahrsmüdigkeit und weiterem, umfangreichem Pollenflug. Das Kopfhaut-Sonnenbrandrisiko  der Cabrio-Fahrer sinkt markant. Luftigere Kleidung wird weiterhin geschont. Sie hält erfreulich lang, genau wie Ihre Sandalen.
Sie vermissen das Klappern feiner Absätze?
Keine Bange, Sie gleichen das bald wieder mit dem Klappern Ihrer Zähne aus …
Sie sehen, man muss sich nur ein ganz klein bisschen Mühe geben und schon lässt sich diese anhängliche Winterplage schönreden.

Es ist nett, Sie wieder hier anzutreffen. Ich wollte mich nicht in Ihre schönen, sonnigen Tage mischen. In dieser Zeit gibt es von allein genug Positives, was Sie gutgelaunt stimmt, und das Bloglesen erscheint insofern auf Ihrer Prioritätenliste naturgemäß relativ weit hinten. Sie haben ja völlig recht, denn wie wir wieder gesehen haben, muss alles gleich genutzt werden, sonst ist es vorbei.

Ich habe an besagten Tagen nebenher im Garten gewerkelt. Nur es fiel mir trotz Sonnenschein – und ohne Kenntnis von der tatsächlichen Wetterprognose zu haben –  auf, dass der Zeitpunkt des Frühlingsbeginns noch nicht gekommen ist.
Erinnern Sie sich noch an einen Blogpost von vor exakt zwei Jahren? Dort hatte ich Ihnen von einem untrüglichen Zeichen erzählt. Das definitive Anzeichen für den Frühlingsbeginn! Ein Beginn, der sich noch nie am Kalender orientierte.
Das Erdreich hat irgendwann einen ganz eigenen, typischen Geruch. Erst ab einem bestimmten Zeitpunkt riecht es so, und erst wenn Ihnen dieser Duft in die Nase steigt, ist es soweit!
->  https://michelelegrand.wordpress.com/2011/03/08/duftende-erde/
Dennoch gibt es selbstverständlich frühzeitig blühende Pflanzen, die alles bereits vorher freundlicher, farbenfroher erscheinen lassen und unser aller Vorfreude auf Kommendes wecken. Es sind jedoch Winterblüher! Wir nehmen Sie gern als Lustmacher auf den Frühling, aber sie sind im Grunde keine Frühlingsboten, geschweige denn -garanten. Für sie ist nicht Voraussetzung, dass es mild, warm und sonnig ist.

Schneeglöckchen im Moos

Schneeglöckchen im Moos

Schneeheide, weiß (Erica carnea)

Schneeheide, weiß (Erica carnea)

März - Winterlinge ...

März – Winterlinge …

März - Krokus

März – Krokus

März - Märzenbecher

März – Märzenbecher

März - Farbtupfer und Nahrung in der kalten Zeit: die Beeren Efeupflanze

März – Farbtupfer und Nahrung in der kalten Zeit: die Beeren der Efeupflanze

Schneeheide (Erica carnea)

Schneeheide (Erica carnea)

Wiese mit Frühjahrszwiebelpflanzen - Die Sonne hat sich verzogen, die Blütenkelche schließen sich.

März – Wiese mit Frühjahrszwiebelpflanzen – Die Sonne hat sich verzogen, die Blütenkelche schließen sich.

Meinen früheren Posts haben Sie vielleicht auch entnommen, dass ich die weitaus meisten Stauden, alle Gräser und sonstiges Abgeblühtes, im Herbst stehen lasse. Um mich nicht zu sehr zu wiederholen, betone ich den Aspekt des natürlichen Gärtnerns und nenne nur kurz die Schlagworte Versorgung von Insekten und Vögeln, Quartierbeschaffung für allerlei Gartenbewohner und Winterschutz der Pflanzen.
Es gibt noch einen weiteren Punkt:
Viele Menschen, die keinen eigenen Garten haben, kennen Pflanzen nur in einem einzigen Stadium: dem der Blüte. So, wie sie sie im Blumengeschäft sehen oder im gebundenen Strauß erhalten.  Gelegentlich werden Sie  hinsichtlich der Farbe in die Irre geleitet, denn einige Blumen werden über die Versorgung mit eingefärbtem Wasser künstlich umgestylt. Weiße Blüten von Bellis, Nelken, Chrysanthemen oder auch Gänseblümchen verfärben sich auf diese Art z. B. blau.
Ein weiterhin beachtlicher Teil der Menschen, die zwar über einen Garten verfügen, kennen die Pflanzen jedoch hauptsächlich vom Zeitpunkt des Austriebs bis zum Verwelken im Herbst. Typische (einjährige) Sommerblumen sterben danach bei Frost komplett ab und werden daher meist vor dem Winter herausgerissen, (mehrjährige) Stauden sehr oft bis zum Boden zurückgeschnitten.
Herbstputz im Garten …
Genau das ist ein Punkt (abgesehen von den anderen oben genannten), den viele derart agierende Gartenbesitzer überdenken sollten.
Wenn Sie so verfahren, können Sie in der trostlosen Winterzeit immer nur über die unendlichen Weiten Ihrer Stoppelfelder schauen!
Sie kommen nie in den Genuss zu entdecken, wie schön Blütenstände im Winter aussehen können. Wenn Gräser oder die eingetrockneten Blüten der Fetthenne (Sedum telephium) aus dem Schnee ragen. Wenn Raureif an dem vertrockneten Blütendach der hoch aufragenden Schafgarbe (Achillea millefolium) haftet, wenn sich Frost auf den braunen, schlaffen Blättern des Frauenmantels (Alchemilla mollis) absetzt oder sich im Moos verfängt.

Moos an einem frostigen Tag

Moos an einem frostigen Tag

Schafgarben mit Schneemützen ...

Schafgarben mit Schneemützen …

Wenn die trockenen, leicht knisternden Blütenbüschel der Bauernhortensie (Hydrangea macrophylla) jeder Schneehaube standhalten und ihre einzelnen Blütenblätter mit den Monaten immer filigraner werden.

März - Hortensienblüte vom Vorjahr ...

März – Hortensienblüte vom Vorjahr …

März - Bauernhortensie, verblüht und immer durchscheinender werdend ...

März – Bauernhortensie, verblüht und immer durchscheinender werdend …

Sie wüssten gar nicht, wie zart im Vergleich dazu die „Reste“ einer Kletterhortensie (Hydrangea petiolaris) wirken. Ihre Blüte im Frühjahr ist tellerartig, lockerer aufgebaut als die kompakte Bauerhortensie, die oft regelrechte Blütenbälle formt. Sie sehen hier keinerlei Restblütenblätter, jedoch die verbliebenen, zart verästelten Blütenstände.

März - ... auch verblüht aus der Nähe irgendwie anrührend und schön: die Vorjahresreste der Blütenstände der Kletterhortensie

März – … auch verblüht aus der Nähe irgendwie anrührend und schön: die Vorjahresreste der Blütenstände der Kletterhortensie

Und Sie würden nicht ahnen, welche Kunstwerke entstehen, wenn Sie die langen Stängel des Mohns (Papaver orientale, Türk. Mohn) mitsamt der Samenkapsel im Winter der Natur überlassen und nicht vorher entsorgen.
Vielleicht haben sie die Kapsel relativ kurz nach der Blüte schon  selbst einmal  gesehen. Sehr kompakt, stabil, von einer dicken Haut umgeben, noch gut mit Flüssigkeit versorgt und relativ schwer!

Samenkapsel des Papaver  orientale (Türkischer Mohn) kurz nach der Blüte

Samenkapsel des Papaver orientale (Türkischer Mohn) kurz nach der Blüte

Aber kennen Sie auch diese Variante, die ich, damit Sie sie besser sehen können und nicht meine haltenden Finger dazwischen sind, gegen den Stamm einer kleinen Haselnuss gelehnt habe?

März - Mohnkapseln vom Vorjahr

März – Mohnkapseln vom Vorjahr

März - Mohnkapseln vom Vorjahr (an eine kleine Haselnuss angelehnt)

März – Mohnkapseln vom Vorjahr (an eine kleine Haselnuss angelehnt)

Sind Sie auch so angetan oder überwältigt von dieser Zartheit, diesem feinen Lochmuster und dem Spiel von Licht und Schatten? Überhaupt der Konstruktion der Kapsel sowie ihrer kunstvollen Zersetzung?
Ich dachte mir, das teile ich mit Ihnen. Wenn es Sie nicht so umhaut, ist das auch nicht tragisch. ^^
Dazu farblich passend – und im unbelaubten Zustand ebenfalls ein wenig bizarr wirkend – das Astgewirr der Korkenzieher-Haselnuss.

Wie ein leicht durcheinander geratenes Wollknäuel:  Korkenzieher-Haselnuss, noch unbelaubt

Wie ein leicht durcheinander geratenes Wollknäuel: Korkenzieher-Haselnuss, noch unbelaubt

Sonnenschein. Milde Tage.
Die Folge: Nun treiben die ersten Gehölze aus, die Stauden, sogar die Rosen!
Und was passiert?
Wolfgang kommt mit klirrender Kälte.
Ja, nicht der schon wieder!
Das! Das Tief Wolfgang beschert knackigen Frost! Mit neuem Schnee, Glätte und dem ganzen mittlerweile zutiefst verachteten Trara.
Ich hatte mir vorgenommen, Ihnen beim Einsetzen der Wetteränderung mit diesem neuen Blogpost aufbauend  näherzutreten, wenn Sie – noch sonnenverlangend, aber nicht bekommend –  murrend, erneut frierend  und mit anklagender Miene ins Haus zurückkehren – samt einer Laune, die sich zügig dem Tiefpunkt nähert.
Das könnte demnächst zutreffen!
Falls das nämlich hier schon Eis ist und nicht irgendjemand lediglich Klarsichtfolie gespannt hat …

März - Doch wieder Frost. Oder hat jemand Klarsichtfolie darüber gespannt ...?

März – Doch wieder Frost. Oder hat jemand Klarsichtfolie darüber gespannt …?

Im Norden ging die Temperatur bereits merklich zurück, leichter Graupel setzte ein. Hier ist die weitere Vorhersage deprimierend, da extrem winterlich. Unwirtliche Zustände drohen.
Sie im Süden des Landes bleiben vorerst noch verschont, also wenn Sie wollen, heben Sie sich den Blogpost auf, bis auch Sie eingeschneit sind!

Das ist letztendlich Ihre Entscheidung …

Ach, … machen Sie doch was Sie wollen!

(Achtung! Hinweis:  Nehmen Sie mich nicht zu ernst! ^^
Doch, Moment! … Dass wir uns jetzt nicht missverstehen! Bei den Fachthemen natürlich schon!)

Schönes Wochenende!

©März 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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Ich träume von Klatschmohnwiesen …

Türkischer Mohn (Papaver orientale)

Türkischer Mohn (Papaver orientale)

Er hatte immer Ende Mai Geburtstag, und ich kann mich tatsächlich nicht entsinnen, dass meine Kollegen und ich an diesem Tag jemals gefroren hätten!
Mein früherer Chef pflegte uns an seinem Ehrentag nachmittags etwas auszugeben, und jedes Mal war er wirklich lange am überlegen, ob er Kuchen oder Eis wählen sollte.
Er selbst war eindeutig und auch ganz offen ein Kuchenbevorzuger, der bei warmen, ofenfrischen Butterkuchen in Verzückung geriet und genüsslich Sahnetorte verzehrte. Nur angesichts der meist herrschenden Hitze, eishungriger Mitarbeiter und einer exzellenten Eisdiele in der Nähe, lief es doch mehrheitlich auf Gefrorenes hinaus.
Es ist leider zu früh verstorben, aber was würde er nur von dieser Veränderung halten, davon, dass man heutzutage an seinem Geburtstag eine völlig andere Wahl treffen muss.
Hühnersuppe oder Grog?
Winterjacke oder Daunenweste?
Schirm oder Regencape?
Ach, Leute, wer war das wieder? Wer hat den Teller nicht leergegessen? Wer war so miesepampig, dass die Sonne aus Protest nicht durchdringt? Wer hat sich wieder mit Petrus angelegt oder Wetten abgeschlossen, dass es kalt bleibt?
Die Eisheiligen sind schon vorbei. Der Winterschlaf der Tiere auch. Die Sommerreifen sind drauf. Die Gartenstühle stehen parat. Die Sommerkleidung liegt vorne an. Ich habe Sonnenschutzcreme im Schrank.
Die wird noch vergammeln!

Ich mag keine sich ewig hinziehenden Kälteperioden. Keine wiederkehrenden Sturzbäche von oben. Ich bin gegen Frühlingsgänsehaut. Ich kann im Mai keine Schals mehr sehen. Ich möchte Stiefeletten erst wieder im Herbst tragen. Selbst Kerzen können nicht ewig fehlendes, echtes Licht ausgleichen!
Stattdessen habe ich Lust auf das Aufblitzen der Sonne zwischen den Zweigen einer blühenden Hecke und Verlangen nach lauer Luft. Verspüre Sehnsucht nach dünnen, leichten Stoffen, die einen umhüllen. Ich möchte mit nackten Füßen über Gras laufen und die Sonne auf meiner Haut fühlen!
Regen ist gelegentlich schön, doch nicht ununterbrochen und dazu in Verbindung mit Kälte!

Manchmal schafft es ein Sonnenstrahl zwischen zwei Schauern, sich einen Weg durch die Wolkendecke zu bahnen. Von ihm lasse ich mich treffen. Am Terrassenfenster. Ich stehe drinnen wohlgemerkt! Dort ist es entschieden wärmer …
Diese Wärme dringt durch den Stoff, sie windet sich um dich herum, sie kitzelt freundlich. Das Schließen der Augen bewirkt das Wecken der (Wunsch-)Träume. Dann riecht es auf einmal nach Maiglöckchen und Waldmeister. Oder von weit her nach Damaszener Rose. Manchmal erscheinen strahlend weiße und tief purpur-blaue, manchmal bunte Blüten.
Und manchmal  träume ich … von Klatschmohnwiesen.

Mai. Los! Komm jetzt! Bitte! Der Mohn hat schon Verspätung!!

Klatschmohn (Papaver rhoeas)

Klatschmohn (Papaver rhoeas)

©Mai 2012 by Michèle Legrand

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Ein Gartenthema? Ach, das könnt‘ man (als Leser) eigentlich auch mal riskieren …

Lila Krokusse

Krokusse

Gartenzeit. Gartenblog-Zeit!

Vorweg: Ich hatte Sie vorgewarnt. Im ersten Blogpost überhaupt. Es ist noch Zeit genug für alle Nicht-Gartenanhänger, sich jetzt klammheimlich wegzuklicken. Es ist jedoch auch die Gelegenheit, sich locker über Gartengeschehnisse und -erlebnisse zu unterrichten.
Wenn Sie mich hier im Blog schon länger lesen, wissen Sie vermutlich, dass ich keine Lehrbücher schreibe. Ich mag keine Bekehrungen, keine Besserwisserei und keinen erhobenen Zeigefinger.
Ich erzähle, was mir auffällt, widerfährt, was ich einsauge mit Augen, Ohren und Nase, und Sie entscheiden für sich,  ob Sie auch etwas sehen, hören, riechen oder ganz allgemein etwas empfinden und fühlen. Ob Sie auch Freude daran haben.
Dann lesen Sieweiter – oder lassen es eben bleiben.
Vielleicht kommt Überraschendes, vielleicht Bekanntes, vielleicht der Genau!-Effekt. Wer etwas zu den Gartenposts sagen möchte, den kann ich nur dazu ermutigen, denn ich tausche mich sehr gerne darüber aus!

Neulich startete es mit „Duftende Erde“  eigentlich schon inoffiziell.  Ein heimlich eingemogeltes Gartenthema. Ein Testballon. Nun, es gab keine Beschwerden und gelesen haben es auch recht viele. Offenbar sind Sie bereit für offiziellen Nachschub.

„Was hast du denn gemacht?“ Entsetzter Blick meiner unangekündigt vorbeischauenden Mama angesichts meiner wirren Haare sowie hauptsächlich aufgrund der Striemen und Kratzer an den Unterarmen.
„Ich habe mit einem Puma gekämpft!“ lautet meine bierernste Antwort, doch sie glaubt mir wieder nicht. Mütter kennen ihre Töchter halt doch zu gut.
Was mich wieder einmal verunstaltet hat, wurde verursacht durch die Aktion Feuerdorn und andere Büsche zurückschneiden und auslichten.
Es scheint ein Mysterium: Ich trage eine dicke Jacke, lange Hosen, Gummistiefel bis zum Knie, Handschuhe … und habe dennoch regelmäßig Kratzer, Splitter, Blasen und perforierte Oberschenkel!
Die Erklärung ist ziemlich einfach und logisch: Bei allem was über Kopfhöhe und mitten im Busch gestutzt werden muss, rutschen die Ärmel der Jacke hoch und legen die Arme bis zum Ellenbogen frei. Und die Handschuhe sind regelmäßig zu dünn! Nur wenn man nicht gerade Schlachterhände hat, die vom Format und der Größe her locker in Männerhandschuhe passen, welche dann netterweise aus vernünftigem Material sind – ja, dann bleibt einer Frau nur die Möglichkeit, völlig unzulängliche Damenhandschuhe zu benutzen. Baumärktebelieferer denken ja heute noch, dass Frauen ausschließlich Dekomaterial oder Primeln suchen und kaufen, während ebenfalls exklusiv Männer Werkzeug und Schutzkleidung wünschen und bekommen.
Die sogenannten Garten– oder auch Arbeitshandschuhe für die Primeldamen sind ein Witz. Und Blümchenmuster macht das Ganze eher schlimmer. Tut mir leid, das musste einfach gesagt werden!
Die Menge an Ästen, die herausgeschnitten wird, füllt Komposthaufen und Biomülltonne im Nu. Die Folge: Es sind zusätzliche Säcke nötig – solche, die die Müllabfuhr mitnimmt. Ich zerkleinere alles, um die Massen verstauen zu können.
Was passiert?
Blasen an den Fingern (ich sag nur: Handschuhe!) Am Ende heißt es, die proppevollen Säcke an den Straßenrand zu tragen. Aufgrund des erheblichen Gewichts natürlich inniglich an den Körper gepresst, die durchstechenden Piekser des Feuerdorns (wie kleine Speerspitzen) kurzzeitig ignorierend. Sie hinterlassen jedoch Spuren auf den Oberschenkeln. Ein bisschen wie räumlich begrenzte Masern. Nur brennend, denn die Pflanze macht ihrem Namen alle Ehre. Der Saft reizt die Haut enorm, die Kratzer sind noch lange feuerrot und heilen recht schlecht, wenn es mal in Vergessenheit gerät, die Wunden gleich gründlich auszuwaschen.
Nun kann ich jedoch stolz verkünden: Busch gebändigt, Gärtner(in) lebt noch, und die Blessuren sind am abklingen. Es kann also weitergehen.

Heute zu Beginn der Garten-Session ein kleiner Rundgang, um zu sehen, was sich seit dem letztem Wochenende getan hat. Schön ist, alles ist im Durch- und Aufbruch. Die Stauden recken ihre ersten frischen grünen Spitzen durch die Erde, die Blätterknospen der Büsche sind zum Teil am Aufbrechen oder haben an Umfang zumindest noch einmal zugelegt. Die Krokusse, Schneeglöckchen, Märzenbecher blühen weiterhin, die Schneeheide ebenfalls.

Schneeheide (Erica carnea 'alba')

Schneeheide (Erica carnea ‚alba‘)

Scillas (Blausternchen) wachsen flink und brauchen auch nicht mehr lange bis zur Blüte. Kugeldisteln, Fetthennen, Taglilien, Schafgarben, Mädchenaugen, Salbei, Phlox und viele andere mehrjährige Pflanzen zeigen, dass sie auch noch da sind.
Doch halt! Nein!
Doch, tatsächlich. Es gibt in diesem Jahr offensichtlich wieder Wildkaninchen. Jahrelang herrschteRuhe, nachdem einmal die CRD (Chinese Rabbit Desease) den ganzen Bestand ausgerottet hatte. Nun waren welche hier, haben an jungen Trieben gesäbelt, um die Pflanzen herum gebuddelt und als definitiven Beweis ihrer Anwesenheit Ködel auf dem Rasen hinterlassen.

Kaninchenködel auf dem Rasen als Beweis der Anwesenheit

Die Hinterlassenschaften der wilden Kaninchen …

Ich habe vor längerem gelesen, dass (angeblich) das Auslegen von Menschenhaaren die kleinen Plüschfreunde vertreiben soll. Dazu sage ich nur: Ich könnte mir eine Glatze rupfen, um alle von Kaninchen besuchten Stellen damit zu versorgen, es würde nichts nützen. Im Gegenteil, ich sehe die Fellwesen grinsend daneben sitzen, genüsslich weiter am Phlox mümmeln und sich fragen, was diese unordentliche Lady damit wohl bezweckt. Man lässt doch keine Haare herumliegen. Tse, Menschen …
Vielleicht sollte ich das grauenhafte Parfum einer ein paar Häuser weiter wohnenden Dame im Garten ausprobieren, aber dadurch würde ich mich mit verscheuchen.
Diese Erfahrung habe ich übrigens seinerzeit mit der ‚tollen’ Kaiserkrone gemacht. DER Tipp schlechthin gegen Wühlmäuse. Angeblich.
Die Zwiebel der Kaiserkrone – und auch die ganze Pflanze selbst – riecht nach Knoblauch.
Wen hat’s vertrieben?
Mich!
Die Wühlmäuse haben einen Höflichkeitsabstand zur Pflanze eingehalten und buddelten ihre Gänge halt zwei Meter weiter links. Das Thema ist durch. Nun in diesem Frühjahr sind es Kaninchen, denen man eigens hergerichtete Rohkostplatten stiften könnte, sie würden trotzdem weiter an die Pflanzen gehen.
Augen zu und durch.
Irgendwann sind die Triebe nicht mehr so zart, wie Langohr es gern hätte, dann hört das Klauen auf.

Es wird schon wieder länger als gedacht. Vielleicht erzähle ich besser nächstes Mal weiter. Ich möchte Ihnen nur noch ein paar Bilder zeigen, denn heute hatte ich wieder Emily hier, mein Rotkehlchen der letzten Woche.  Sie ist sehr zutraulich, nur sobald ich die Arbeit unterbreche, um sie (ich glaube, es ist eine Sie) zu fotografieren, rückt sie etwas ab und wird vorsichtig. Sie heißt Emily, weil sie manchmal nicht einen Millimeter zur Seite geht (e- Milli- meter). Sie zwischert leise fröhlich vor sich hin und erzählt die ganze Zeit. Auch deshalb denke ich, Emily muss weiblich sein …

Rotkehlchen, zutraulich, am Boden hockend

Rotkehlchen Emily traut sich näher …

Rotkehlchen am Boden, beobachtend

Emily beoabchtet und traut sich dichter heran …

Weitere Gäste im Garten

Hummel im März auf dem Balkongeländer

Mo, die Hummel ist auch schon da. Wanderung auf dem Balkongeländer …

Max, auch schon unterwegs …

Schnecke mit Haus auf Moos im Frühjahr (März 2011)

Max, auch schon unterwegs …

Fortsetzung folgt.

Vielleicht lesen wir uns demnächst wieder …

©März 2011 by Michèle Legrand

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Mitten ins Herz

Vor etwa einem Jahr hatten wir auch im März die ersten schönen Frühlingstage. Damals schrieb ich dazu ein paar Zeilen auf http://www.goodsnewstoday.de. Die Geschichte enthielt auch ein kleines Gedicht, und was mich jetzt dazu veranlasst hat, es wieder hervorzuholen, ist die Tatsache, dass ich festgestellt habe, dass damals noch Raoul Haagen selbst die Audio-Version gesprochen hat! Hier also ein Verweis auf seine angenehme Stimme
http://goodnewstoday.de/gute_nachrichten/2010/03/18/reicht-das-eigentlich/

Das Gedicht habe ich mir separat herausgepickt, weil mir gerade danach ist und um es heute einmal in der weiblichen Variante zu posten.

Mitten_ins_Herz.MP3
Listen on Posterous

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Duftende Erde … (woran Sie den Frühling erkennen)

Märzenbecher (Leucojum vernum)

Märzenbecher (Leucojum vernum)

Am vergangenen Wochenende war ich einige Stunden im Garten am werkeln und kann jetzt definitiv verkünden:
Es wird Frühling!
Die offensichtlichen Zeichen kennt, sieht und fühlt jeder! Es gibt längere Tage, blühende Winterlinge, Schneeglöckchen, Krokusse, Märzenbecher sowie Zaubernuss, morgens ab ca. 4.30 Uhr zwitschernde Vögel und die ersten sonnigen Tage mit leicht steigenden Temperaturen.
Das alles leitet uns jedoch nicht selten in die Irre.  Manchmal ist es nur ein kurzes Intermezzo.
Sobald es wieder kälter wird, hören die Vögel mit ihrem Tirili  sofort wieder auf, die Knospen der Blumen bleiben verschlossen, alles gerät ins Stocken, und der verkühlte Cabrio-Fahrer verschließt nun leicht schniefend wieder sein Autodach.
Fehlalarm!
Frühling in Raten? Frühling mit Anlauf?
Es könnte fast so sein.
Es gibt allerdings zusätzliche , untrügliche Anzeichen und wenn diese vorhanden sind, dann ist der Lenz tatsächlich nicht mehr zu bremsen.
Marienkäfer sind definitiv ein solcher Frühlings-Marker, Ameisen, die langsam wieder aus ihren metertiefen Winternestern auftauchen. Die ersten Schnecken, die  – woher auch immer – bei feuchter Witterung unter neu austreibenden Pflanzen zu finden sind.  Sie entdecken, dass die Blattknospen des Ahorns und der Haselnuss innerhalb kürzester Zeit den dreifachen Umfang haben,  dass Kätzchen plötzlich plusteriger und farbintensiver werden und dass Vögel eifrig Material für den Nestbau zupfen. Zum Beispiel Moos.
Haben Sie schon einmal nach dem Winter auf ein dickes Moospolster geklopft?
Nein?
Tun Sie es! Es staubt gewaltig!
Falls Sie Kinder haben, empfehle ich Ihnen Folgendes: Nehmen Sie Playmobil-Männchen mit nach draußen, lassen Sie diese auf dem Moos Trampolin springen und sehen Sie daraufhin die erstaunten Gesichter Ihres Nachwuchses, wenn die Männekes durch die Staubwolken enorme Hustenanfälle bekommen (dafür Sind sie mit zuständig !^^). Das Thema Staub in der Wohnung wird von da an mit ganz anderen Augen gesehen …

Ich habe diesmal nicht Moos geklopft, aber aufgeräumt im Garten,  was bei mir im Frühjahr mehr Arbeit bedeutet, als bei Menschen, die ihren Garten im Herbst ‚klar’ machen. Klar heißt in dem Fall, es wird alles ratzekahl heruntergeschnitten (Stauden, Büsche, Gräser), jedes Blatt wird aufgesammelt oder mittels Laubbläser/-sauger entfernt.
Alles ist wie geleckt …
Schön.
Bei mir nicht.
Es handelt sich nicht um Faulheit, sondern liegt darin begründet, dass es für mich keinen Sinn macht. Die Natur sieht das nicht vor! Was frei wächst, bleibt im Herbst mit seinen Fruchtständen erhalten, dient als Nahrung für Insekten und anderes Getier, bietet zudem Schutz (Winterunterkunft für manchen Gartenbewohner) und Isolation gegen Kälteeinflüsse. Es beschattet andere Pflanzen (Immergrüne), die an eiskalten, trockenen Tagen sonst extrem unter dem Sonneneinfluss leiden würden.
In der Natur erscheint auch keiner, um das Laub unter den Bäumen wegzuharken! Es hat die gleiche Funktionen, die ich eben schon beschrieb. Zudem vermodert die Laubschicht  bereits zu einem Teil über den Winter und liefert damit neuen Humus für den Boden.
Einige Gartenbesitzer werden jetzt aufschreien und rufen : Ja, aber der Rasen!
Sehr gut aufgepasst! Das ist aber auch das Einzige, was abgeharkt werden sollte.

Schluss mit den Belehrungen – Sie sind schließlich selber groß und mündig! Es geht hingegen noch einmal um die Erde. Wer im März bei sichtbarem Austrieb der Pflanzen beginnt, die Reste vom Vorjahr zu entfernen und dabei zufällig  in der Erde herumrührt, stößt auf ein – für mich – fantastisches Phänomen:
Der durch und unter bzw. mittels Winterschutz (sprich Laub, Pflanzenreste) entstandene humusreiche Boden duftet!
Ein Wahnsinnsgeruch!
Er duftet besser als jedes Parfum! Und dieser ganz bestimmte Duft, den die Erde nur zu dieser Zeit hat, der ist das sicherste Zeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Frühling, das es überhaupt gibt.

Testschnuppern Sie doch bitte, seien Sie so gut … ;)

 Helfer im Garten am 06.03.2011

Rotkehlchen im Garten auf Rankobelisk

Rotkehlchen „Emily“ macht es sich auf dem Rankobelisken bequem …

Amsel zu Besuch am Futternapf, Anfang März 2011

Amsel zu Besuch auf Futternapf

©März 2011 by Michèle Legrand


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