Beiträge getaggt mit Figurprobleme

Alle Jahre wieder: Volle Läden, Engel, kleine Frust- und Hustenanfälle

Lüneburg - Weihnachtsmarkt an der St. Johanniskirche - Weihnachtsbeleuchtung und Sterne in den Bäumen
Huch, was machen Sie denn hier? Gehen Sie gar nicht unter in Weihnachtsvorbereitungen?
Schon fertig mit allem?
Auch den obligaten Besorgungen?
Haben Sie berücksichtigt, dass Sie in diesem Jahr mehr auf einen Schlag einkaufen müssen?
Die Feiertage gehen diesmal nahtlos in das Wochenende über! Nicht, dass Sie verhungern …
Das war ein Witz!

Die Wahrscheinlichkeit, gerade an Weihnachten zu verhungern, ist relativ gering. Jedenfalls aus solchen Gründen wie verfehlter Nachschubplanung. Mit den im Haus vorhandenen Reserven könnten die meisten Menschen locker bis ins Neue Jahr kommen. Mindestens! Manche müssten vermutlich erst kurz vor Ostern wieder einen Fuß vor die Tür setzen, so viel lang Haltbares in Dosen und Tüten ist vorhanden oder wohnt z. B. in Form von Tiefkühlkostreserven mit unter einem Dach.
Nein, nein, Ihr Körper zuckt nur kurz sollten die Mahlzeiten karger werden, macht sich dann jedoch entschlossen an die entstandenen Weihnachtspölsterchen und sonstige Fettdepots oder knabbert ein paar feiertäglich träge Muskel an. Mehr passiert nicht. Doch wem sage ich das!
Die Läden sind trotz allem bumsvoll, wie immer. Es scheint ein tief sitzender und unumstößlicher Glaube zu sein, dass nach Weihnachten keine neue Ware kommt.
N i e   w i e d e r !

Oder liegt es doch nicht daran? Ist es ein Einkaufsrausch? Ein weihnachtliches Ausnahmeverhalten? Eine besondere Form von Blackout? Ein ungutes Gefühl?
Mir hat einmal jemand milde entrüstet erläutert, selbstverständlich wüsste er, dass Ware nachkäme, er wüsste nur nicht, wie verfressen sein Besuch an den Feiertagen sei! Es wäre ihm höchst peinlich, würden ausgerechnet dann – womöglich mittendrin – die Vorräte ausgehen. Oder er hätte nichts, falls jemandem das Geplante so gar nicht zusagte oder er es nicht vertragen könnte.
Man müsste generell so vieles bedenken und vielseitig auftischen. Vom erwarteten Besuch sei einer Vegetarier, der andere sogar Veganer. Einer würde Tierisches zwar theoretisch essen (da weder das eine noch das andere), nur der würde Fisch einfach hassen und ein weiterer bekäme Tomate in keiner Form herunter. Dazu gesellten sich diese Laktoseunverträglichkeit und die Sache mit dem überhöhten Cholesterinwert. Also besseres Öl besorgen, akzeptablen Milchersatz, ein weiteres Gemüsegericht auf den Plan …

Der Großeinkauf ist daher womöglich eine reine Vorsichtsmaßnahme. Vorbeugung vor gerümpften Nasen und Absicherung gegen gefräßige Geschwader inklusive; des Weiteren eine Maßnahme gegen zusätzliche Unwägbarkeiten wie Rezepte, die nicht verlässlich preisgeben, für wie viele Personen die genannten Mengen tatsächlich reichen werden.
Dessert für acht Personen. Und dann ist das fertige Zeugs beim Einfüllen bereits beim dritten, spätestens vierten Portionsschälchen alle!
Wussten Sie, dass inzwischen ganz viele Leute probekochen? Das heißt, die Menschheit muss von allem doppelt einkaufen. Und schon viel eher. Oder zweimal.
Angesichts dessen ist es vielleicht doch kein so großes Wunder, dass alle etwas panisch zulangen beim Einkauf.

Wie schaut es – sagen wir um den 27. Dezember herum – aus?
Welch Überraschung!
Man hätte von den Vorräten mehrmals Weihnachten feiern können, muss weiterhin zulangen, damit bloß nichts verkommt, nimmt zu und schwört, es nie wieder zu tun. Dieses übertriebene Hamstern vor den Feiertagen.
Der Vorsatz hat Gültigkeit bis kurz vor Weihnachten 2016.

Weihnachtsmann im Schlitten - Dekoration

Anstrengend ist das alles. Ich habe mir daher heute nach dem Bad im Gewühl eine Pause und einen Milchkaffee im Stammeiscafé gegönnt.
Da tritt ein jüngerer Mann an den Nachbartisch zu zwei ihm bekannten Mädels seines Alters und berichtet beim Hinplumpsen auf die Sitzbank:
„Erschütternd, ich passe in keine Hose!“
Der Mann hat Normalgewicht und Standardgröße, doch offenbar zwickt’s bei jedem Modell an irgendeiner Stelle. Einer Menge Frauen wohlbekannte delikate Partien wie Oberschenkel oder Po scheinen auch bei ihm Anlass zu Frust zu geben. Es spannt.
„Bin echt frustriert. Ich war jetzt fast überall!“
„Iss erstmal ein Eis mit uns“, lockt ihn die eine am Tisch.
„Irgendwie ist mir der Appetit vergangen.“ Kurze Pause. „So’ne Kacke! Jetzt mag ich nicht mal mehr Eis!“, konstatiert er finster.
Die weiblichen Wesen tauschen mitleidige Blicke. Offenbar ist er sonst ein Eisfreak.

Weihnachtsmänner als Deko für draußen (angemalte Holzfiguren)Es hat also nichts gepasst. Während Frauen in dieser Situation häufig auf mindestens mittlerer Stufe deprimiert langfristig mit dem Gewicht und der Figur allgemein hadern, vermuten, nie wieder passende Hosen (oder überhaupt etwas!) zu finden und in dem Zusammenhang an ewige Askese – zumindest Eisaskese – denken, läuft der Gedankengang eines Mannes gelegentlich in eine andere Richtung.
„Scheiß Schnitte bei den Sachen, echt! Und überhaupt! Nächstes Mal gehe ich erst Eis essen und mache mich dann auf die Suche nach einer Hose.“
Damit ist das Thema für ihn abgehakt. Er bestellt zwar nur Espresso, aber fünf Minuten später vertilgt er bereits wieder vergnügt die reichlichen Reste aus den Eisbechern der Damen.

Männliche Wesen, Kleidung, Shoppen – es gibt doch immer wieder aufschlussreiche Szenen.
Auf dem Rückweg durchquere ich die Wäscheabteilung von Karstadt und bleibe kurz an einem Drehständer stehen. Neben mir beguckt ein Knirps Dessous. Sein Vater wartet ein paar Schritte weiter auf seine Frau, die in der Umkleidekabine etwas anprobiert.
Der Vierjährige beguckt sich eine Vielzahl an Büstenhaltern in ziemlich großen Größen und löchert seinen Vater mit Fragen, warum man „so Riesendinger“ braucht. Und weshalb seine Mama ganz andere (kleinere) hat, und ob das alles richtig und nötig ist. Er macht sich Gedanken, ob die Farbe eine Rolle spielt.
„Guck mal, der ist rot. Und wenn der rot ist, dann ist der immer ganz groß, oder?“
„Nein, die Größe kann man nicht an der Farbe sehen.“
„Schade. … Oh, guck mal, Papa, der ist kaputt!“
„Kaputt? Wieso?“
Das Modell ist trägerlos, was einiges Erstaunen hervorruft.
„Fällt dann nichts runter?“
Papa hat es nicht ganz leicht. Kaum damit durch, kommt nämlich diese wichtige Frage:
„Wie macht man das auf und zu?“
Sein Vater schlägt sich weiterhin heldenhaft. Doch während er noch versucht, qualifiziert Auskunft zu geben, hat der Kleine urplötzlich jegliches BH-Interesse verloren.
„Und wo gibt das hier die Sachen für Jungs?“
Man sieht, schon in dem Alter kann Damenbekleidung oder Shoppen für und mit Frauen ein männliches Wesen nicht wirklich lange bei der Stange halten. Vier, maximal fünf Minuten.
Es muss doch irgendwie genetisch bedingt sein.

Zuletzt, schon beim Verlassen des Zentrums, verschluckte sich eine Frau an der Ampel wartend – und im lebhaften Gespräch mit ihrem Partner – am reichlichen Puderzucker auf ihrem frischen Schmalzgebäck. Inhalierte den feinen Staub. Hustete, prustete und das Weiß stob vor ihr explosionsartig auseinander. Es hinterließ beachtlich viele Sprenkel auf seiner dunklen Jacke. Überall. Von Oben bis unten.
Sie lachte hustend  und nach Luft japsend, er grummelte und wischte. Ein weiterer Wartender mutmaßte grinsend:
„Ausschlag? Schuppen …? SCHNEE?“

Wenn schon Advent inmitten grüner Landschaft, Glühwein bei Frühlingstemperaturen und ein Weihnachtsfest ohne Weiß von oben, so immerhin ein klitzekleines Gefühl von Winter und Flocken hervorgerufen durch Puderzuckergestöber!Drei weiß gekleidete Engel an der Information eines Einkaufzentrums

War sonst noch etwas? Die Engel habe ich vergessen! Die standen heute zu dritt an der Information des Einkaufszentrums. Echte. Ja! Anfangs dachte ich das. Beinahe hätten sie mich überzeugt in den langen, weißen Gewändern, mit ihren weißen Flügeln und ihrem hübschen blonden Haar!
Aber nein, dann mussten sie fragen! Welcher echte Engel muss schon an der Information nachfragen! Echte Engel wissen alles so …
Fliegen konnten sie offenbar auch nicht.
Aber richtig gut Weihnachtslieder singen. Und sehr hübsch aussehen.

So langsam muss ich mich auch wieder in die Vorbereitungen stürzen. Aber nett, dass Sie bei der Pause mit dabei waren.
Ich wünsche Ihnen allen ein frohes, gesundes Weihnachtsfest und recht stimmungsvolle, harmonische Tage zusammen mit Ihren Lieben!

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© by Michèle Legrand, Dezember 2015
Michèle Legrand - ©Andreas Grav

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