Beiträge getaggt mit endemisch Endemit

Es läuft wieder! Wasser marsch … und ein Endemit in Planten und Blomen!

Hamburg besitzt einige Stellen, die ein sehr hohes Suchtrisiko bergen. Dabei geht es nicht um Orte, an denen das Volk mit ominösen Getränken, Pulvern oder Pillen versorgt und abhängig gemacht wird, sondern um enorm anziehende Plätze. Planten un Blomen ist für mich einer dieser Orte mit Magnetcharakter, und ich weiß aus diversen Gesprächen, dass ich in diesem Fall nicht allein suchtgefährdet bin.

Während ein Teil der Menschheit am 1. Mai losgeht und demonstriert, gehen andere eher in sich und beschließen lediglich demonstrativ, stattdessen besagten Platz mit der Sogwirkung anzusteuern. Es gibt durchaus einen ganz aktuellen Grund!
Wasser!
Das Wasser im Park hat wieder Plätscher- und Glucksrecht, und obendrein können Sie zurzeit in Planten un Blomen ungefährdet rotsehen. An mehreren Stellen!
Mit dem Start des Monats Mai läuft das Wasser endlich wieder über Steintreppen, durchs Kiesbett, die Kaskaden sind nicht länger trockengelegt, und die zahlreichen Düsen im See versprühen nachmittags um 14, 16 und 18 Uhr erneut meterhoch ihre Wasserfontänen. Jeden Abend um 22 Uhr ergänzen musikalische Untermalung und die Beleuchtung durch farbige Unterwasserstrahler das Spiel der Wasserorgel. Momentan erklingt dazu Die Moldau, nach zwei Wochen wechselt jeweils das Programm.
Näheres zu den Wasserspielen erfuhren Sie schon in einem früheren Beitrag 2012, der seinerzeit ebenfalls Fotos vom abendlichen Farbenrausch enthielt.
Aktuelle Mai-Eindrücke vom Tag habe ich natürlich frisch dabei!

Hamburg - Planten un Blomen - Mai, das Wasser plätschert wieder ...

Hamburg – Planten un Blomen – Mai, das Wasser plätschert wieder …

Hamburg - Planten un Blomen - Warten auf die Wasserspiele: Erst  blubbert's ...

Hamburg – Planten un Blomen – Warten auf die Wasserspiele: Erst blubbert’s …

Hamburg - Planten un Blomen -  ... dann geht's los!  (Wasserspiele)

Hamburg – Planten un Blomen – … dann geht’s los!

Hamburg - Planten un Blomen -  Wasserspiele

Hamburg – Planten un Blomen – Wasserspiele

Frühling im Park …

Hamburg - Planten un Blomen -  Vergissmeinnicht gehören einfach zum Frühling dazu ...

Hamburg – Planten un Blomen – Vergissmeinnicht gehören einfach zum Frühling dazu …

Hamburg - Planten un Blomen - Die Stauden treiben auch aus ...

Hamburg – Planten un Blomen – Die Stauden treiben auch aus …

Hamburg - Planten un Blomen - Kaiserkronen (Fritillaria imperialis)

Hamburg – Planten un Blomen – Kaiserkronen (Fritillaria imperialis)


Farben!

Ein Spaziergang in Planten un Blomen ist Anfang Mai nicht nur aufgrund der „Wasserrückgewinnung“ besonders empfehlenswert, sondern es ist obendrein Tulpenzeit, und so ganz allmählich gesellen sich die ersten Rhododendron- und Azaleenblüten hinzu. Das schafft attraktive Farbfelder, sinnliche Eindrücke und kreiert manchmal so etwas wie Gemälde in der Landschaft.
Hat das Frühjahr farblich bei der Blüte anfangs durch Weiß, später auch durch Gelb- und Blautöne von sich reden gemacht, so bricht nun die Zeit der spektakulären Kontraste an. Blattgrün erscheint in allen Schattierungen und starke Komplementärfarben kommen zum Einsatz. Erdbeerrot, Lachs, Dunkelrot mit einem Stich ins Lila … es ist noch weitaus mehr vertreten. Manchmal bilden sich Dreiklänge, und die Blütenköpfe der Tulpen tanzen in luftiger Höhe über Vergissmeinnicht, Lerchensporn, Beinwell oder zwischen austreibenden Funkien, Frauenmantel und anderen Stauden.

Hamburg - Planten un Blomen - Tulpen ...

Hamburg – Planten un Blomen – Tulpen …

Man kann hier wirklich rotsehen … Im positiven Sinne!

Hamburg - Planten un Blomen - Hier kann man leicht rotsehen ...

Hamburg – Planten un Blomen – Hier kann man leicht rotsehen …

Hamburg - Planten un Blomen - Tulpen am Eingang Stephansplatz

Hamburg – Planten un Blomen – Tulpen am Eingang Stephansplatz

Hamburg - Planten un Blomen - Auffälliges Rot auch bei den Rhododendren ...

Hamburg – Planten un Blomen – Auffälliges Rot auch bei den Rhododendren …

Hamburg - Planten un Blomen - Tulpenhang am See

Hamburg – Planten un Blomen – Tulpenhang am See

Sie wissen zudem sicher um die Wirkung von Komplementärfarbenpaaren. Es entsteht für den Betrachter immer ein bewegtes, ein lebhaftes Bild, dessen unbekümmerte Stimmung sich gern schnell auf die eigene überträgt. Doch sie wären nicht die Farben, die sich auf dem Farbkreis gegenüberstehen, wenn sie es nicht auch gleichzeitig schafften, einen Eindruck von Harmonie und Vollständigkeit zu vermitteln. Solche Farbenpaare ergeben stets ein abgerundetes Bild.

Hamburg - Planten un Blomen - Farbenpracht im Frühjahr, die Tulpenblüte trägt dazu bei

Hamburg – Planten un Blomen – Farbenpracht im Frühjahr, die Tulpenblüte trägt dazu bei


Tropengewächshaus!

Einen eingefleischten Anhänger Planten un Blomens kann natürlich selbst gutes Wetter nicht davon abhalten, trotzdem jedes Mal auch einen Blick ins Tropengewächshaus an den Mittelmeerterrassen oberhalb des alten Wallgrabens zu werfen.

Hamburg - Planten un Blomen - Die Magnolie lässt Blütenblätter regnen ...

Hamburg – Planten un Blomen – Die Magnolie lässt Blütenblätter regnen … (Im Hintergrund das Tropengewächshaus)

Als Stammleser erinnern Sie sich gewiss an die ungewöhnlichen Pflanzen (Menschenfresser-Tomate, Leberwurstbaum, „Sockenbaum“ etc.), an besondere Blüten (Titanenwurz, Agave weberi u. a.) und weitere seltene Attraktionen, die hier auch schon Eingang in meinen Blog gefunden haben.
(Alles stets rechts bei den alphabetisch geordneten Kategorien unter Garten- und Parkanlage Planten un Blomen zu finden!)

Rot ist auch hier angesagt. Der Hängende Zylinderputzer (Callistemon viminalis, Weeping Bottlebrush) im Subtropenhaus schmückt sich momentan mit aparten Blüten in dieser Signalfarbe.

Hamburg - Planten un Blomen - Tropengewächshaus - Blühender Callistemon viminalis (Hängender Zylinderputzer, Weeping Bottlebrush)

Hamburg – Planten un Blomen – Tropengewächshaus – Blühender Callistemon viminalis (Hängender Zylinderputzer, Weeping Bottlebrush)

Um was es hier geht, erkennen Sie mit Sicherheit sofort! Im Tropenteil reifen in luftiger Höhe Bananen (Musa). Tatsächlich sind viele Kinder und selbst einige Erwachsene immer wieder überrascht, dass die Früchte aufrecht wachsen und nicht hängen!

Hamburg - Planten un Blomen - Tropengewächshaus - Bananenstauden hoch über den Köpfen ...

Hamburg – Planten un Blomen – Tropengewächshaus – Bananenstauden hoch über den Köpfen …

Können Sie sich vorstellen, was dies hier ist?

Hamburg - Planten un Blomen - Tropengewächshaus - Keine Vergrößerung_ Lediglich dicht dran am Stamm des Sago-Palmfarns (Cycas circinalis)

Hamburg – Planten un Blomen – Tropengewächshaus – Nahaufnahme Stamm des Sago-Palmfarns (Cycas circinalis)

Es ist keine Vergrößerung, sondern lediglich ein Nahfoto des Stamms eines Sago-Palmfarns (Cycas circinalis). Interessante Strukturen und ein recht vielseitiges Muster, nicht wahr?

Der Endemit!

Hamburg - Planten un Blomen - Tropengewächshaus - Echium wildpretii (Wildprets Natternkopf, Tajinaste rojo)

Hamburg – Planten un Blomen – Tropengewächshaus – Echium wildpretii (Wildprets Natternkopf, Tajinaste rojo)

Die Besonderheit, die ich Ihnen heute vorstellen möchte, steht im Sukkulentenhaus. Es geht um diese Pflanze, Echium wildpretii.

Sagt Ihnen der Begriff endemisch etwas?
Nicht auf Anhieb? Tasten wir uns heran. Vielleicht mit dem Wort Endemie. Es fällt hin und wieder im Zusammenhang mit dem Ausbruch von Krankheiten. Nämlich dann, wenn in einer Region dauerhaft gehäuft bestimmte Infektionskrankheiten auftreten. Und zwar zahlenmäßig auffällig mehr, als es in anderen Gebieten der Fall ist. Bitte nicht verwechseln mit Epidemie, denn dort ist das Auftreten zeitlich begrenzt. Und Pandemie wiederum hieße, es würde sich auf andere Länder oder Kontinente ausbreiten.

Was ist nun aber endemisch bei Pflanzen sowie Tieren?
Sie sind dann Endemiten, wenn sie – weltweit gesehen – nur in einem bestimmten, recht kleinen Verbreitungsgebiet vorkommen bzw. ansässig sind. Nirgendwo sonst. Denken Sie bei Tieren z. B. an die Kiwis auf Neuseeland, die Darwinfinken und Riesenschildkröten der Galapagos-Inseln oder auch an die Anolis (Echsen, leguanartig) auf Kuba.

Bei Pflanzen ist es genauso. Ihre endemischen Gebiete sind irgendein Tal, ein spezieller Bereich eines Gebirges, ein See oder vielleicht eine Insel. Immer dann, wenn Samen einen Weg irgendwohin fanden, sich dort weiter entwickelten, sich aber aufgrund der ganz spezifischen Lage an besondere Bedingungen anpassen mussten, in solch einem Fall entstand hin und wieder eine ganz neue Unterart, die ihre Bedürfnisse exakt darauf abstimmte. Allerdings so genau, dass sie nur dort und sonst nirgends gedieh, weil letztendlich nirgendwo sonst die Voraussetzungen gegeben waren.
Dem Bayerischen Löffelkraut (Cochlearia bavarica) in Deutschland geht es so, in Österreich dem Steirischen Federgras im oberen Murtal, in der Schweiz dem Ladiner Hungerblümchen. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen.

Echium wildpretii (Wildprets Natternkopf) ist auch so ein Fall. Die Pflanze wächst ausschließlich auf Teneriffa, heißt dort entsprechend Tajinaste rojo, wird aber auch gern el orgullo de Tenerife, der „Stolz von Teneriffa“, genannt. Eine andere Unterart dieses Natternkopfes gedeiht zwar auf La Gomera, doch die ist „nur“ rosa. Das zählt folglich nicht als ein und dasselbe.
Sie ist höchstwahrscheinlich der dortige Endemit. Wer weiß, vielleicht ist sie el orgullo rosa de La Gomera

Hamburg - Planten un Blomen - Tropengewächshaus - Echium wildpretii (Wildprets Natternkopf, Tajinaste rojo) - Blüten aus der Nähe ...

Hamburg – Planten un Blomen – Tropengewächshaus – Echium wildpretii (Wildprets Natternkopf, Tajinaste rojo) – Blüten aus der Nähe …

Der rote Natternkopf wächst zweijährig. Zunächst bildet sich die Grundrosette mit einigen hundert lineal-lanzettlichen Blättern. Sie hat immerhin einen Durchmesser von bis zu einem Meter. Die Blätter, die auch gut auf dem ersten Foto zu sehen sind, werden bis zu 30 cm lang und etwa 2 cm breit. Wenn man genau darauf achtet, wachsen auf beiden Seiten Borsten oder relativ steife Haare, das gibt den Blättern ein leicht weißfilziges Aussehen, sorgt aber dafür, dass um das Blatt herum Luftpolster als Kälteschutz entstehen. Schon genial.
Im zweiten Jahr entsteht der Blütenstand. Schmal und kegelförmig strebt er aus der Mitte der Rosette, kann durchaus eine Höhe von drei Metern erreichen, und da sich die Blüten nach und nach entwickeln und entrollen, zieht sich die Blütezeit über mehrere Wochen hin. Auf Teneriffa erfolgt sie im Zeitraum von Juni bis August. Echium wildpretii ist somit nicht nur äußerst ansehnlich, sondern zugleich ein sehr wertvoller und längerfristiger Nektarspender!
Später werden sich kleine Früchte, die wie Nüsschen aussehen, ausbilden.

Ein sehr interessanter Endemit, diese Kanare. Leicht haben es endemische Pflanzen nicht. Ein relativ kleiner Bestand einer Unterart ist stets auch schnell gefährdet. Ändern sich die lokalen Bedingungen, ist immer die Frage, ob sich die Pflanze schnell genug umzustellen und anzupassen vermag. Sonst stirbt diese Unterart aus. Oder lebt durch vorhandenen Samen und künstliche Nachzucht letztendlich höchstens noch in Gewächshäusern dieser Erde, welche am ehesten die klimatischen Voraussetzungen erfüllen und besondere Licht- und Bodenansprüche nachahmen können.

… und Gedanken!
Für mich sind Endemiten bei näherer Betrachtung und nach einigen lockeren Gedankensprüngen irgendwie Alibi-Pflanzen, können unter Umständen jedoch ebenso ein kleines Risiko in sich bergen.
Nehmen wir an, Sie wären ein Prominenter, der ständig von allen verfolgt wird. Sie wollten endlich in Ruhe Urlaub machen, könnten es jedoch nicht lassen, hin und wieder ein Selfie bei Twitter zu posten. Irgendwie haben Sie sich schließlich an den Ruhm gewöhnt und kommen ganz ohne Aufmerksamkeit nicht mehr klar. Ein paar Likes brauchen Sie zum Frühstück …
Doch nun erscheint unabsichtlich im Hintergrund Echium wildpretii mit auf Ihrem Foto. Verräterisch!
Am nächsten Tag landet die Fotografentruppe auf Teneriffa und drückt sich um den Inselvulkan Pico del Teide herum. Der Natternkopf ist schnell entdeckt, bereits eine Stunde später hat man Ihre Finca umzingelt. Das Geheimnis um Ihren Aufenthaltsort ist gelüftet. Nichts mit Ruhe.
Also, Vorsicht mit endemischen Pflanzen auf Selfies!
Sie könnte Ihnen allerdings ebenso ein Alibi liefern, sollten Sie irrwitzigerweise eines Mordes auf z. B. Mallorca bezichtigt werden. Das Bild von Ihnen mit Meer im Hintergrund gilt als Indiz für ihre Anwesenheit auf der Balerareninsel. Die Schlinge zieht sich langsam aber sicher zu.
Hier kommt nun Ihr großer Auftritt als kenntnisreicher Hobbybotaniker. Sie weisen mit hochgezogener Augenbraue – ich will nicht sagen überheblich, aber doch äußerst gelassen – auf Wildprets Natternkopf, der ebenfalls auf der Aufnahme zu sehen ist. Die leidige Angelegenheit ist damit ruckzuck vom Tisch.

Was halten Sie davon, wenn wir für heute Schluss machen?
Als kleine Belohnung fürs Aufpassen eben gibt es abschließend einen Besuch auf dem großen Spielplatz von Planten un Blomen.

Hamburg - Planten un Blomen - Immer gut besucht:  Der Spielplatz

Hamburg – Planten un Blomen – Immer gut besucht: Der Spielplatz

Oder Sie dürfen wahlweise an die Wasserspritzen …

Hamburg - Planten un Blomen - Spaß an den Wasserspritzen

Hamburg – Planten un Blomen – Spaß an den Wasserspritzen

Obwohl sich die Spritzen in ziemlich alle Richtungen drehen lassen, achten Sie bitte darauf, dass es darum geht, die Bälle zu treffen, nicht ahnungslos vorbeiziehende Menschen! ^^

Machen Sie es gut! Vielleicht lesen wir uns demnächst wieder?

© by Michèle Legrand (Text und Fotos), Mai 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - Foto:©Andreas Grav

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